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Original subtitles

Moderne Kunst.

Ja, meine Damen und Herren.

Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten

hat es in Deutschland eine solche moderne Kunst gegeben.

Das heißt also, wie es schon im Wesen dieses Wortes liegt,

fast jedes Jahr eine andere.

Das nationalsozialistische Deutschland aber will wieder eine deutsche Kunst,

und diese soll und wird,

wie alle schöpferischen Werte eines Volkes, eine ewige sein.

Entbehrt sie aber eines solchen Ewigkeitswertes für unser Volk,

dann ist sie auch heute ohne höheren Wert.

Die deutsche Frau wird verhöhnt und mit Prostituierten gleichgesetzt.

Der Soldat wird als Mörder und sinnloses Schlachtopfer

im Sinne eines bolschewistischen Klassenkampfes dargestellt.

Dem Volk soll die tief eingewurzelte Achtung

vor der soldatischen Tapferkeit

so ausgetrieben werden.

Und der Wahnsinn, die Geisteskrankheit, wird zum Prinzip erhoben.

Muss wirklich angenommen werden,

dass es Männer gibt, die die heutigen Gestalten unseres Volkes

nur als verkommene Kretins sehen?

Die grundsächlich Wiesen blau, Himmel grün,

Wolken schwefelgelb und so weiter empfinden,

oder, wie sie vielleicht sagen, "erleben"?

Es gibt nur zwei Möglichkeiten.

Entweder diese sogenannten Künstler

sehen die Dinge wirklich so

und glauben daher an das, was sie darstellen.

Dann wäre nur zu untersuchen, ob ihre Augenfehler durch einen Unfall

oder durch Vererbung zustande gekommen sind.

In einem Fall tief bedauerlich für diese unglücklichen,

im zweiten wichtig für das Reichs-Innenministerium,

das dann die Aufgabe hätte, wenigstens eine weitere Vererbung

derartiger grauenhafter Sehstörungen zu unterbinden.

Oder aber sie glauben selbst nicht an die Wirklichkeit dieser Eindrücke,

sondern bemühen sich aus anderen Gründen,

die Nation mit diesem Humbug zu belästigen.

Dann fällt so ein Vergehen in das Gebiet der Strafrechtspflege.

Was hat das mit Kunst zu tun? Wodurch erhebt es die Seele?

Was hat das mit Können zu tun? Denn "Kunst" kommt von "können".

Ich glaube, das könntest du auch.

Doch, doch, das könntest du. versuch's doch mal.

Und wenn du fertig bist, dann fragst du deine Eltern,

ob sie dir einen Groschen dafür geben.

Weißt du, was sie Herrn Wassily Kandinsky dafür gezahlt haben?

- 2000 Mark. - Was?

Mehr als das Jahresgehalt eines deutschen Arbeiters.

Was macht dein Papa?

- Grade hat er keine Arbeit. - Oh.

2000 Mark aus Steuergeldern der arbeitenden deutschen Bevölkerung.

Wir werden dafür Sorge tragen, dass gerade das Volk...

Vielleicht will ich doch kein Maler werden.

Nicht weitersagen, aber mir gefällt's.

Tante Elisabeth, hast du gesehen, wie die dich angeschaut haben?

Am Montag wird hier keiner für mich Augen haben.

Da werden alle nur dem Führer zujubeln.

- Guten Tag. - Ich finde dich besser als Hitler.

- Guten Tag. - Guten Tag. Ein Ausflug mit Ihrem Neffen?

-Danke.

- Ich wünsche eine gute Fahrt. - Danke.

Da vorne. Da war unsere Wohnung.

Was fehlt dir denn am meisten an Dresden?

Manchmal hilft es, das genau zu benennen.

Ich weiß, wer dir fehlt.

Das Mädchen mit den feuerroten Zöpfen.

Wie heißt die noch mal? Johanna?

- Johanna‚ oder? Deine Verliebte? - Mhm.

- Nein? - Nicht nur Johanna.

- Wer fehlt dir denn noch? - Die Schröders.

Weißt du?

- Das alte Ehepaar bei uns im Haus. - Mhm.

Die, die sich immer an den Händen halten. Wie kleine Kinder.

Ich mag die. Und der Dackel Thilo.

Immer, wenn ich den gerufen habe, ist er zu mir gekommen.

Es sind ja nur 45 Kilometer von uns bis nach Dresden.

Du kannst sie so oft besuchen, wie du willst.

Hm?

Aber du hast natürlich recht. Dresden ist einfach unschlagbar.

Weißt du was?

Ich finde deinen Vater ganz stark. Dass er nicht beitritt.

Eine Unterschrift,

und er hätte seine Stelle als Lehrer und die Wohnung behalten können.

Papa findet es verbrecherisch, wie die Nazis...

Sch, sch, ich weiß.

So sprichst du aber zu niemand anderem, oder?

Mami sagt, sie wird ihn noch zum Beitritt bringen.

Die Mitgliedschaft ist dann sein Kapitol.

Sein Kapital.

- Wiedersehen, Fräulein May. - Auf Wiedersehen.

Halt mal kurz.

Tante Elisabeth, hast du was vergessen?

He, Eddie. Da ist die kleine May wieder.

- Tun wir ihr den Gefallen. - Karl, bereit?

- Gut. - Gleichzeitig.

Gut, auf drei. Eins, zwei, drei.

Mach's gut.

Danke.

Ein Bild zu malen, das sich so anfühlt...

Das ist es, was sie versuchen, diese entarteten Künstler.

Oh Elisabeth, schon wieder zu spät. Und wie du aussiehst!

Brust raus. Kinn hoch.

Du.

Erste Reihe. Komm.

Du wirst ihm den Strauß überreichen.

Heil! Heil!

Heil!

Heil! Heil!

Heil! Heil! Heil!

Heil! Heil!

Heil! Heil! Heil!

Sieh nicht weg.

Nie wegsehen, Kurt.

Alles, was wahr ist, ist schön.

Dieser Ton...

Darin steckt die ganze Kraft der Musik.

- Des Lebens. - Des ganzen Universums.

Menschen suchen nach der Weltenformel.

Aber hier ist sie.

Hier.

Hörst du das?

Das zweigestrichene A am Blüthner Klavier der Mays in Großschönau.

Und jetzt, wo ich ihn kenne...

kann ich ihn überall spielen.

Auf dem Tisch.

Hörst du?

Sogar auf meinem Kopf.

- Tante Elisabeth, du blutest. - Sogar auf meinem Kopf.

Elisabeth.

Was machst du da?

Ein Konzert für den Führer.

Jugendwahn? Das klingt ja fast schon sympathisch.

"Schizophrenie", "Jugendwahn". Ich kann das hören.

Aber ich denke, es ist nichts,

was eine kleine Auszeit nicht heilen könnte.

- Eine Auszeit... - In einer Anstalt, ja.

Können wir es nicht zu Hause probieren?

Sie hat für das Abitur sehr hart gelernt und ist gleich in die Bürolehre gegangen.

Elisabeth?

Vielleicht ist sie einfach nur überanstrengt.

Ist das Ihre Frau?

Sie können sie nicht leiden, oder? Das sehe ich daran, wie Sie da stehen.

Elisabeth.

Warte draußen, bis wir zu Ende gesprochen haben.

Ich sage das nicht noch einmal.

Da Schizophrenie erblich ist, bin ich verpflichtet zu fragen:

Gibt es weitere Fälle von Geisteskrankheit in Ihrer Familie?

Um Gottes willen, nein.

Depressionen? - Wir sind alle fröhlich.

Wir Ärzte sind die Wächter am Ufer des Erbstroms.

Ich muss das dem Gesundheitsamt melden.

Die Entscheidung über die Einweisung liegt eventuell nicht bei Ihnen.

Dr. Michaelis...

Franz.

Ich kannte schon Ihre Eltern. Sogar die Großeltern.

Bitte.

Melden Sie es nicht.

Weil Sie es sind, Frau May.

Aber sagen Sie es, wenn der Zustand sich verschlechtert, ja?

- Auf Wiedersehen. - Heil Hitler.

- Ja, natürlich, Heil Hitler. - Heil Hitler.

Vermittlung.

Verbinden Sie mich bitte mit dem Gesundheitsamt.

- Wiedersehen, Günther. - Frau May, wir müssen los.

- Mach's gut. - Du wirst uns fehlen.

- Es sind nur ein paar Wochen. - Wir sehen uns bald.

Auf Wiedersehen, Ehrenfried.

Auf Wiedersehen. Du wirst uns fehlen.

Ich will doch nicht, Mami.

Kurt, geh wieder rein.

Kurt.

- Ich möchte doch nicht! - An den Beinen.

Nein!

- Hast du sie? - Ja.

Nein!

Komm.

So, still halten.

Die ist gleich ganz ruhig.

Scopolamin, das wirkt schnell.

Ja, festschnallen.

- Der Koffer. - Ach ja, natürlich.

- Das sind ihre Sachen. - Jaja.

Nie wegsehen.

Meine verehrten Kollegen.

Ich möchte Sie beglückwünschen.

Das schwächste Prozent des deutschen Volkes

ist seit Einführung des Gesetzes unfruchtbar gemacht worden.

400 000.

Eine stolze Zahl.

Ein Beitrag zur Aufartung,

den Ihnen künftige Generationen danken werden.

Ich hege jetzt die Hoffnung, dass wir eines Tages

in einer Welt leben werden,

in der die Straßen gänzlich frei sind von Mongoloiden, Geisteskranken

und anderen Missgeburten.

Doch scheint es mir jetzt an der Zeit, in den nächsten Gang zu schalten.

Auch aufgrund der englischen Luftangriffe

haben wir einen erhöhten Bedarf an Ausweichkrankenhäusern.

Wir können nicht zulassen, dass man einem deutschen Soldaten

einen Krankenhausplatz verwehrt,

nur weil er für die Hege und Pflege unwerten Lebens verwendet wird.

Wie können wir helfen? Was können wir tun?

Ich danke dir für diese Frage, Carl.

Meine Herren,

Sie werden fortan nicht mehr nur Ärzte und SS- Männer sein.

Sie werden Gutachter des Erbgesundheits-Gerichtes.

Was bedeutet das?

Nun, ein Patient, den Sie unfruchtbar gemacht haben

und dessen Meldebogen Sie mit einem blauen Minus-Zeichen versehen,

verbleibt in der Anstalt.

Wenn wir jedoch hier ein rotes Plus vorfinden,

verstehen wir, dass es sich um unwertes Leben handelt,

und dieser Patient wird in eine von drei dafür vorgesehenen Anstalten

im östlichsten Teil des Reiches verlegt

und dort von seinem sinnlosen Dasein erlöst.

Ihr Stift.

Ihr Schwert.

Untersuchung und Vorgespräch. Elisabeth May, 23 Jahre.

- Sterilisationstermin heute um 15:45 Uhr. - Danke.

Du kannst reinkommen. Anrede "Herr Professor".

Du kannst dort sitzen.

Hat Ihre Tochter das gemalt?

Warum, glaubst du, bist du hier?

Weil ich manchmal nicht ganz richtig denke.

Weißt du, was für eine Klinik ich leite?

Eine Frauenklinik.

Ein liebes Mädchen, Ihre Tochter.

Das kann ich an dem Bild sehen.

Nicht so richtig viel künstlerische Begabung.

Darüber sind Sie ja vielleicht eher froh. Aber viel Herz.

Ich habe einen Neffen in dem Alter.

Der ist leider sehr begabt.

Ich gehe mit ihm in Ausstellungen. Um ihn zu fördern.

Gut.

Dann leg dich doch bitte im Nebenraum auf den Untersuchungsstuhl.

Deine Kleidung...

- Ich will zu Professor Seeband! - Entschuldige mich einen Moment.

Seit Wochen will ich einen Termin. Mir wird nicht geantwortet!

- Ich habe ein Recht darauf! - Ich konnte ihn nicht aufhalten.

Herr Lohse-Wächtler.

Sie fragten mich: "Wollen Sie, dass das Leid Ihrer Tochter

in die nächste Generation weitergetragen wird?"

Darum stimmte ich der OP zu. Was ist mit dem Leid meiner Tochter jetzt?

- Zeigen Sie Haltung. - Was ist mit meinem Leid?

So setze ich die Unterhaltung nicht fort.

Ich werde Sie anzeigen, Professor Seeband. Bei der Reichs- Ärztekammer.

Tun Sie das, Herr Lohse-Wächtler. Tun Sie das.

Sie haben als Arzt einen Eid geschworen. Lassen Sie mich los.

- Irgendwann wird Sie das einholen. - Los.

Es wird Sie einholen!

Es wird Sie alles einholen!

-Es wird Sie einholen!

Professor Seeband! Eines Tages!

Ganz ruhig.

Es wäre besser gewesen, du hättest das nicht gesehen.

- Ich bin gesunder Abstammung. - Drei Gutachter sehen das anders.

- Nein! - Setz dich wieder hin.

Du gehst jetzt in das Untersuchungszimmer und nachher in den OP.

Und du wirst dort kooperieren.

Sonst lassen wir dich festschnallen,

und es wird alles schwieriger und schmerzhafter.

Bitte, Herr Seeband...

Herr Professor, bitte.

Für den Führer. Ich werde Kinder gebären. Gesunde, arische Kinder.

Und ich werde sie dem Führer schenken, wie wir es sollen.

Meine Kinder werden ihre Kinder auch dem Führer schenken.

- Komm. - Für den Krieg!

Ihr braucht doch Soldaten, oder? Ihr braucht doch Soldaten!

Wer soll denn sonst kämpfen?

Ich bin doch nur manchmal verwirrt.

Nur ganz selten. Bitte nicht!

Bitte, ich will nicht.

Jetzt komm...

- Leute, ich brauche Unterstützung! - Sie sind doch auch ein Vater.

- Für Ihre Tochter, die auch malt. - Es reicht.

Ich könnte ihre Schwester sein. Sie könnten mein Vater sein.

Bitte, Papa.

Bitte, Papa.

Nein!

Papa, bitte!

Papa!

Bitte, Papa!

Papa, bitte!

Bitte, Papa!

- Anna. - Herr Professor?

Ich operiere Fräulein May nicht selbst. Teilen Sie Blockmann ein.

- Der ist im Kreißsaal disponiert. - Dann disponieren Sie um.

So. Danke.

Hopp!

Schick seht ihr aus in den Uniformen. Das wird Elisabeth Freude machen.

Johann?

Ja.

- Du weißt... - Ja, nach dem Krieg ist das mein Kapital.

Und vergiss nicht den Gruß. "Heil Hitler".

Wenn du es nicht über die Lippen bekommst, tut es auch ein schnelles "drei Liter".

Das merkt keine Sau.

Und nichts davon, dass du immerfort malst. Und schon gar nichts von diesen Nackten.

Der gleiche Fotograf? Den hat doch niemand beauftragt.

Heil Hitler.

Drei Liter.

Wir sind für einen Besuch angekündigt. Für Elisabeth May.

Ich bin Johann Barnert, der Schwager.

Das sind ihre Brüder Ehrenfried und Günther May.

Das ist ihre Schwester Waltraud. Und ihre Mutter Malvine.

Die links hinten etwas nach rechts.

Elisabeth May. Wurde vorgestern verlegt.

Verlegt? Das kann nicht sein.

Herschauen.

Befehl der Zentraldienststelle.

Aber wohin?

Fehlen da nicht zwei?

Käthe, wir sind so weit.

Wohin wurde sie verlegt?

- Krankenhaus Großschweidnitz. - Großschweidnitz?

Das ist zwei Tage von hier. Wie sollen wir sie da besuchen?

Wir müssen arbeiten. Die Buben haben nurjetzt Fronturlaub.

Mehr kann ich Ihnen auch nicht sagen.

Ich muss jetzt gehen. Heil Hitler.

Das ist er.

Ich schreibe dem Ministerium.

Bitte herschauen.

Stanniol-Streifen. Davon habe ich gelesen.

Damit wollen sie Radio und Funk stören.

Johanna! Johanna, wach auf!

- Johanna. - Mami... Mami!

Hier lang! Da vorne ist eine Böschung.

Kopf runter!

Günther!

Günther!

Ich mag dich.

Ich mag dich auch.

Ja, gut. So geht's.

- Herr Seeband? - Professor Seeband. Jawohl, der bin ich.

Herr Seeband...

Professor Seeband.

Was hat er gesagt?

Er wünscht, dass Sie ihn mit "Herr Professor" ansprechen.

Einverstanden, Herr Professor.

Wo ist Burghard Kroll?

- Wer? - Burghard Kroll.

Der Chef der Reichs-Arbeitsgemeinschaft.

Wir wissen von euren Treffen in Berlin.

Ich weiß nicht, wovon Sie reden. Ich kenne den Herrn nicht.

Ich kenne ihn immer noch nicht.

Wenn mein Kind nicht ganz gesund geboren wird,

verdient es dann zu sterben?

Es gibt nun einmal nur begrenzten Raum und begrenzte Ressourcen auf dieser Erde.

Wer soll die haben? Die Kranken oder die Gesunden?

Bald wird auf dieser Erde jedenfalls noch ein Platz frei.

Hierher den Ball! Los, mach!

Sie haben nicht angegeben, ob Sie Parteimitglied waren.

Waren Sie Parteimitglied?

- Herr Direktor, ich war sehr lange... - Ja oder nein, Herr Barnert?

Ja.

Aber ich bin kein Nazi.

Ich meine, drei Viertel aller Lehrer waren in der Partei.

Dem verbleibenden Viertel wollen wir die Jugend anvertrauen. Guten Tag.

Mir ist heiß.

Und halt!

Genosse?

Genosse!

- Was? - Die Wehenpausen bringen ihr keine Ruhe.

Das Kind liegt falsch. Es kann nicht heraus.

Wie?

Rufen Sie den Dolmetscher. Sofort.

Er ist misstrauisch. Er fragt, warum Sie helfen wollen.

Ich will helfen, weil ich es kann.

Du kannst gehen.

Eine Zigeunerin sagte es mir voraus... ich werde keine Kinder bekommen.

Das ist Schicksal...

Quer, bitte. Legen Sie sie quer.

Welche Woche?

- 36. - Blutdruck?

-110 zu 70.

Wie konnte ich nur glauben, dass ich doch Kinder haben kann?

Sagen Sie ihr, ein Kind wird sie auf jeden Fall haben.

Und wenn sie möchte, danach noch viele mehr.

Das Kind liegt quer.

Während der Wehen ist die Gebärmutter zu hart, um es zu drehen.

Ich werde die Fruchtblase öffnen.

In einer Wehenpause drehe ich dann das Kind.

Ich bin Militärdolmetscher.

Machen Sie.

Handschuhe.

Den Wodka, bitte.

Nicht berühren.

Wir machen es ohne Narkose.

Da habe ich schon ein Bein.

Warten wir auf die nächste Wehe.

Ich lege den Zeigefinger in den Mund des Kindes.

Ich lege das Kinn auf dem Brustkorb ab...

und ziehe so langsam den Kopf heraus.

Ein Junge, ein gesunder Junge...

Alexander Michailowitsch.

Und eine gesunde, prachtvolle Mutter.

Ich gratuliere, Herr Major.

Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.

Du hast meine Welt gerettet,

Herr Professor.

Dir wird niemand ein Haar krümmen.

Du stehst jetzt unter meinem persönlichen Schutz.

Richten Sie für den Professor das Gästezimmer her...

...und geben Sie ihm anständige Kleider.

Vater, du musst dir keine Sorgen mehr machen.

Ich hab's verstanden. Ich hab's verstanden.

- Was? Was hast du verstanden? - Alles. Alles.

Wie alles zusammenhängt. Dass alles zusammenhängt.

Alles.

Die Weltenformel.

Ich...

Ich muss mich nie wieder sorgen. Ich brauche nie wieder Angst zu haben.

Ich bin unberührbar.

- Das ist schön. - Nein, Vater, du verstehst nicht.

Du musst dich auch nicht mehr sorgen. Wirklich.

Ich muss nicht mal mehr Künstler werden. Ich kann jeden Beruf ergreifen.

Und ich werde immer das Richtige, das Wahre finden.

Das freut mich für dich, wirklich.

Ich muss es festhalten.

Ich muss es irgendwie festhalten.

Ich hab's verstanden.

Ich weiß, an wen du denkst.

Aber er ist anders.

- Guten Morgen, Vater. - Guten Morgen, mein Junge.

Die Ausrichtung, Kollege.

Machst du das, um dich besser zu fühlen als wir?

- Was? - Das.

Freihändig die Formen zeichnen, während wir uns mit Schablonen abmühen.

Willst du uns vorführen? Warum machst du das?

Ich mache es, weil ich es kann.

Wartest du schon lange?

Dann mach's gut. Bis morgen.

Du kannst die Stifte auch mitnehmen, wenn du sie wiederbringst.

Im Januar laufen die Bewerbungen für die Kunstakademie.

Ich bin zufrieden mit dieser Arbeit.

Was soll das?

Hilft das dem Arbeiter?

Gibt das deinem Vater Kraft beim Treppenputzen?

Du willst ihm doch helfen.

Hast ihm doch sogar die Stelle verschafft.

Hast viel Scheiße erlebt, was?

Aber hilft es dir, darin zu schwelgen?

Hilft das, eine Welt aufzubauen, in der es deinen Kindern besser geht?

Darum geht's im Kommunismus.

Ich werde deine Bewerbung unterstützen.

Auf der Kunstakademie sind die Mädchen hübscher als hier.

Also hat sie ihm geschrieben...

Können Sie sehen,

dass hierjemand all seine Eitelkeit beiseite gelassen hat

und sich in den Dienst der Sache stellt, in den Dienst am Volk?

Arbeitet an eurer Haltung. Arbeitet an eurem Handwerk.

Und die richtige Kunst wird wie von selbst durch euch entstehen.

Als warnendes Beispiel möchte ich Ihnen Pablo Picasso nennen...

von dem es starke realistische Bilder gibt,

die eine echte Solidarität zur Arbeiterklasse deutlich machen...

der aber doch sehr bald

in einen dekadenten, obszönen Formalismus abgerutscht ist.

Warum?

Weil er als Erneuerer gelten wollte, und nicht als Traditionalist.

Innovation, schöpferische Unabhängigkeit, künstlerische Freiheit.

Worte, die für einen Künstler erst einmal verlockend klingen.

Ich, ich, ich.

Aber wirkliche Freiheit kann ein moderner Künstler nur dann gewinnen,

wenn er sich in den Dienst an den Interessen des Volkes stellt.

Das "Ich, ich, ich" führt nur zum Unglück.

Es führt im besten Fall zum Ausgehaltenwerden

durch dekadente, reiche Sammler.

Ausbeuter der Arbeiter, die sich daran ergötzen,

dass sie mit dem Volk nichts gemeinsam haben,

nicht einmal den Kunstgeschmack.

Verfall, Mystizismus, Pornografie.

Leere Formen, künstliche Konstruktionen.

Flecken, Linien, Kugeln, Kegel.

All das nur, um als Erneuerer gelten zu wollen?

Ja, es ist neu.

Aber es ist auch falsch.

Und es ist eitel und dumm, undemokratisch, dekadent.

Seien Sie anders, meine Herren. Seien Sie anders.

Der Hammer war vorhin ein bisschen höher.

Ja, stimmt, der war ein ganzes Stück weiter oben.

Ja, noch ein bisschen.

- So hier? - Und die linke Hand mittiger.

Ja, genau, und die rechte war viel weiter vorne.

- Noch etwas. - Ja, weiter.

Noch ein Stück.

- So? - Weiter, weiter.

Weiter. Richtig nach vorne.

Genau. So kommt's hin, ne?

- Ja, so kommt's hin. - So kommt's hin.

Nee, der war nicht so.

Lasst mal den Quatsch.

Der war ein bisschen weiter oben.

Nee. Doch weiter unten.

Nee, der war weiter oben.

Rauf

Runter, rauf, runter, rauf,

runter, rauf.

Genosse Professor?

Genosse Professor, die Jugend hier spielt total verrückt.

Immerhin trage ich hier auch eine große Verantwortung.

Ja, sind wir denn hier im Kindergarten?

Ja, das sind wir scheinbar.

Hey, in der Mode verschenkt eine West-Bleistifte.

Entschuldigung.

Entschuldigung.

Entschuldigung.

- Danke. - Gern.

- 2B. Danke. - Hallo, Ernst.

- Toll, dass du das teilst. - Klar, gerne.

- Grüß Lise von mir. - Mach ich.

Michi.

Danke, Elisabeth.

Mach dir keine Hoffnungen. Die gehört mir.

Sieh zu, damit du lernst, wie man's macht.

2B oder4B?

-Na?

2B, aber...

Viel lieber hätte ich eine Verabredung mit dir.

- Belassen wir es mal beim Bleistift. - sicher?

Sicher.

Du heißt Elisabeth?

Willst du auch einen?

Es ist jetzt aber nur noch 48 da.

Danke.

Ein Goldfasan wie du verdient keine gewöhnliche Büchse.

Goldfasan?

- Ja. - Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen.

Das sehe ich genauso.

Ein Spaziergang?

Durch den Park?

Damit ich meine Fehleinschätzung korrigieren kann?

Du wolltest dich doch mit mir unterhalten.

Eigentlich wollte ich mit dir spazieren gehen.

Na gut.

Dann werde ich eben Konversation machen.

Sozialistischer Realismus.

Ist das deine Sache?

Wahrscheinlich ebenso wie deine die Mode von Lotte Ulbricht.

Warum siehst du mich immer so an?

Du erinnerst mich an jemanden.

Würdest du mich gerne malen?

Ich weiß nicht...

Würdest du mir gern einen Anzug schneidern?

Ich muss nach Hause.

Darf ich dich begleiten?

Nur bis zur Haustür.

Du nimmst Tanzunterricht?

Ich wohne hier. Das Haus gehört uns.

So richtig widerlegt hast du den Goldfasan jetzt nicht.

Wir hatten nur Glück. Kein einziger Bombentreffer.

Vor dem Krieg sah die ganze Straße so aus.

Auf Wiedersehen, Kurt.

Auf Wiedersehen...

Elisabeth.

Kann ich dich irgendwie anders nennen? Hast du einen Spitznamen?

Eigentlich nennen mich alle Elisabeth.

"Eigentlich" heißt, genau das Gegenteil stimmt.

Na gut.

Mein Vater nennt mich Ellie.

Auf Wiedersehen, Ellie.

Elisabeth.

Achte mehr auf den Blick. Und mehr Volumen, ja?

Du hättest dir auch etwas länger freinehmen können, Kurt.

Gut.

Jetzt ist Schluss für heute.

Ah ja, gut. Gute Nacht.

Bis morgen.

Ein Goldfasan als Arbeiterin?

Du bist jetzt meine Semesterarbeit.

Ein Anzug. Für dich.

Den ziehe ich nie wieder aus.

Du bist so schön. Das ist schon fast unromantisch.

Es ist viel zu leicht, dich zu lieben.

Liebst du mich?

Liebst du mich?

Sonst geht das bei mir nicht.

Sonst geht das nicht.

Ich liebe dich.

Wirklich?

Ja.

Ich liebe dich.

Ich liebe dich.

Meine Eltern.

Ich dachte, die wohnen in Chemnitz.

Tun sie auch.

Mein Vater.

Was machen wir jetzt?

- Und Elisabeth? - Schläft fest.

Hatte eine brennende Kerze angelassen. Wann wird sie endlich erwachsen?

Ja, die Jugend.

Unter Freunden erzählt man sich so was.

Wenn ich es doch sage. Es war bei der Gartenarbeit.

Aha, bei der Gartenarbeit.

Du hattest wohl einen richtig grünen Daumen.

Aha, da kommt sie, deine Gartenarbeit.

Auf, Jungs.

- Wie läuft's bei euch im Garten? - Bei mir ist Dürre.

Danke, dass du für meinen Ruf dein Leben riskierst.

Mach bitte nie wieder etwas so Wahnsinniges.

- Haben deine Eltern... - Die haben nichts gemerkt.

Gar nichts.

Sie ziehen zurück nach Dresden.

Mein Vater bekommt seinen alten Posten als Klinikdirektor wieder.

Er muss aber noch ein Zimmer vermieten,

weil er sonst ins Visier der Wohnraum-Lenkungsbehörde kommt.

Er will am Montag ein Schild aufhängen.

Hättest du nicht vielleicht Lust...

das Schild als Erster zu entdecken?

Ganz zufällig?

Dass ich mich dann in einen von ihnen ausgewählten Mieter verliebe,

das können sie mir ja nicht verübeln.

Deine Mutter, ähm... Wird die nicht was ahnen?

Ach, Mamachen. So ein unschuldiges Gemüt.

Um die musst du dir keine Sorgen machen. Die kriegt nichts mit.

Wirklich. Gar nichts.

Mhm.

Ja?

Ich melde mich auf das Schild. Ist das Zimmer noch zu vermieten?

Wir haben das Schild vor einer Viertelstunde aufgehängt.

Heißt das Ja?

- Bitte. - Kurz, lang.

- Frau Seeband? - Ja?

- Es gibt einen Interessenten. - Das ging ja schnell.

Kurz, kurz, hoch. Arme hoch.

Kurz, kurz, lang. Kurz, kurz, lang.

Kopf hoch. Kurz, kurz, lang.

Kurz, kurz, lang. Kurz, kurz, lang.

Kurz, kurz, hoch. Arme hoch.

Barnert‚ Kurt.

- Was machst du denn beruflich? - Ähm, ich bin Student.

Für Mode.

Malerei. Malerei?

Frau Hellthaler!

Carl, hier ist ein Mieter für eins der Zimmer. Komm doch mal.

Kurz, kurz, lang.

Du hast ja Fazialis. Fazialis-Parese.

Partielle Gesichtslähmung.

Der herunterhängende Mundwinkel.

Hattest du einmal einen Unfall? Oder eine Borreliose?

Bringen Sie das ins Büro, dann kann mein Mann mit ihm sprechen.

Mein Mann ist Arzt aus Leidenschaft,

da bekommt man schon mal eine Gratis-Diagnose.

Du solltest das untersuchen lassen.

Kurt kommt mit den besten Empfehlungen.

Er ist Student, Nichtraucher.

Und wir haben uns auch schon über die Miete verständigt.

Es ist natürlich deine Entscheidung, ob er das Zimmer bekommt.

- Er will Maler werden. - Ich bin Maler.

Unsere Fassade beginnt abzublättern. Vielleicht können wir da was verrechnen.

Ich bin nicht die Art von Maler.

Was für einer bist du denn?

- Bildermaler. - Sozialistischer Realismus?

Gibt's noch was anderes?

Ich hoffe nicht.

Du bekommst das Zimmer trotzdem.

Danke, Herr Seeband. - Professor Seeband, bitte.

Schöner Anzug.

-Sch.

Sch.

Was bist du so spät noch auf?

Ich war noch... aus.

Alkohol?

Das kann deiner Arbeit nicht gerade zuträglich sein.

Sieh, dass du ins Bett kommst.

Dieser Kurt gefällt mir nicht.

Wir müssen zusehen, dass Ellie mit ihm nicht zu freundlich wird.

Warum?

Damit sie eine gute Partie machen kann, natürlich.

So wie du eine gute Partie gemacht hast.

Verlängern. Mehr rausstrecken.

Professor Seeband, wegen gestern... Ich werde natürlich niemandem...

Du hast ein neues Sujet.

Mich.

Für die Direktoren-Galerie.

Ungefähr in dem Stil.

Wir beginnen morgen, 16 Uhr, in meinem Büro in der Klinik, ja?

Da das Volk der DDR die Einheit Deutschlands Wünscht,

hat Ministerpräsident Grotewohl der Bonner Regierung...

Der Professor kommt gleich. Nehmen Sie Platz.

...freier, gesamtdeutscher Wahlen gemacht.

Diese Vorschläge wurden von den Westmächten

und der Adenauer-Regierung

in Befolgung ihrer Kriegspolitik abgelehnt.

In weiterer Befolgung ihrer Kriegspolitik

haben die Bonner Regierung und die westlichen Besatzungsmächte

- ...an der Demarkationslinie...

...einen strengen Grenzdienst eingeführt, um sich von der DDR abzugrenzen

und dadurch die Spaltung Deutschlands...

Danke, meine Herren. Guten Tag.

- ...abzugrenzen... - Kurt.

Ich dachte mir, du stellst deine Staffelei...

hier auf.

Das Fehlen eines entsprechenden Schutzes der DDR

wird von den Westmächten dazu ausgenutzt,

um in immer größerem Umfange

Spione, Terroristen und Schmuggler in unser Gebiet zu schleusen.

Diese haben nach Ausführung ihrer verbrecherische-n Aufgabe

bislang leicht die Möglichkeit,

ungehindert über die Demarkationslinie nach Westdeutschland zurückzukehren.

Deshalb sehen wir uns gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen,

die die Verteidigung der friedlichen Interessen der Bevölkerung

der Deutschen Demokratischen Republik zum Ziel haben.

Mit diesen Maßnahmen wurde das Ministerium für Staatssicherheit betraut.

So hatte ich mir das vorgestellt. Sehr gut.

Morgen 16 Uhr machen wir weiter.

Zwei Sitzungen sollten reichen, ja?

Warum schaust du dir diese alten Fotos schon wieder an?

Warum hat selbst das dümmste Amateurfoto mehr Wirklichkeit als mein Bild?

- Papa gefällt es. - Ja, das ist es ja grade.

Fast niemand mag ein Foto von sich.

Aber jeder soll ein Gemälde mögen.

Da muss doch das Foto wahrer sein.

Wieso ist denn dein Vater eigentlich nach Chemnitz gegangen?

Der war doch vorher schon Direktor hier.

- Hm'? - Er will nicht, dass wir davon reden.

Er hat damals die Frauen von Göring und Goebbels behandelt.

Na, weil er halt der beste Frauenarzt ist.

Sie sind 200 Kilometer aus Berlin angereist.

Als ob da niemand einen Zellabstrich beherrscht.

Das muss man sich mal vorstellen.

Und sie haben ihn dann zum Ehrenmitglied der SS gemacht.

Das konnte er nicht ablehnen.

Aber nach dem Krieg war es den Russen schwer zu vermitteln,

dass er sonst nichts mit den Nazis zu tun hatte.

Die haben alle Archive durchkämmt, aber nichts gegen ihn gefunden.

Der Professor hat mich heute einen Künstler "Typ Willi Sitte" genannt.

Das ist doch gut. Der ist doch erfolgreich.

"Typ Willi Sitte"?

Ich glaub, ich muss hier raus.

Wo raus?

Das meinst du doch nicht ernst.

Es läuft doch alles so gut für uns.

Ich könnte Mamachen nicht im Stich lassen.

Kurt! Deine Diplomarbeit hat die Delegation überzeugt.

Sie haben dich ausgewählt, das Wandfresko für das neue Geschichtsmuseum zu malen.

Thema: Einheit der Arbeiterklasse.

Den Auftrag hätte auch mancher Professor gerne gehabt.

- Wandmalerei? - Ja.

Ich bin kein Wandmaler.

Kurt, wir beide wissen, dass du das kannst.

Nee, tut mir leid, das ist nichts für mich.

Das ist reine Dekoration.

Du hättest auf einen Schlag Arbeit. Sogar Geld.

Das bin ich nicht.

Ich, ich, ich.

Nein, nicht bewegen. Bitte.

So kann ich mir vorstellen, dass wir ein Körper sind.

Ich bin schwanger.

Dann gehörst du jetzt ganz mir.

Ganz zu mir, meine ich.

Wir müssen es ihnen sagen, Ellie.

Vielleicht erst mal, dass wir überhaupt zusammen sind.

Den Schock in kleine Schläge aufteilen.

Ich glaube, deine Mutter ahnt schon was.

Es ist nicht Mama, die mir Sorgen macht.

Papa wird aus allen Wolken fallen.

Für ihn werde ich immer zwölf Jahre alt sein.

Ich glaube, Ellie ist schwanger.

Was?

Ihre Handtemperatur ist seit Wochen leicht erhöht,

aber keine Erkältungssymptome.

Sie war während des Abendessens gestern zweimal austreten,

hat beim Frühstück ihren Haferbrei nicht angerührt

und sich an der Stuhllehne festgehalten, als sie aufgestanden ist.

Dritter Monat, würde ich sagen.

Vielleicht sogar vierter.

Oh Gott, die ist doch selbst noch ein Kind.

Ihr Alter ist nicht das Problem, sondern der Mann.

Aber wer denn?

Leptosome, Melancholiker.

Sohn eines Mannes, der sich umbringt, weil er ein paar Treppen putzen musste.

Mein Vater hätte so etwas "Hegeabschuss" genannt.

Das ist nicht die Erbmasse, die ich unseren Nachkommen wünsche.

Wir müssen es unterbinden.

Und wie?

Nach 30 Jahren in der Gynäkologie weiß ich:

Ein Abort hat noch fast jeder Liebelei ein Ende setzen können.

Nein, ich kenne ihn auch nicht. Was ist denn der Unterschied?

Der Psychotiker glaubt, dass zwei plus zwei fünf sind.

Während der Neurotiker schon weiß, dass es vier ergibt,

nur besorgt es ihn halt.

Es gibt etwas, das wir euch sagen möchten.

Über eure Akademie? Das interessiert mich immer sehr.

Nein. Obwohl... Auch über die Akademie.

Kurt wurde nämlich mit dem Wandgemälde im Geschichtsmuseum beauftragt.

Also doch Wände.

Es ist ein Fresko zum Thema Einheit der Arbeiterklasse.

Ja, und apropos Einheit...

Was gibt es, Kind?

Ich hoffe, nichts unangenehmes.

Schone meine Nerven.

Wir...

Wir sind... zusammen.

Du arbeitest auch an dem Fresko?

Wir sind ein Paar. Schon seit einiger Zeit.

Ein Paar Studenten?

Ein Liebespaar.

- Und es gibt noch etwas... - Das sind ja große Neuigkeiten.

Ja, aber es gibt noch etwas, das wir...

Mein Gott, das muss ich erst mal verdauen.

Das kommt jetzt wirklich sehr unvermittelt.

Bitte. Bringen Sie dem Herrn Professor Wasser?

Danke schön. Danke.

Weißt du, wie ich an den Stoff kommen könnte?

Ich bin froh, dass ihr es uns gesagt habt.

Und früh gesagt habt.

Es gibt nämlich etwas über Ellie, was du wissen musst.

Wir wollten Ellie nicht unnötig damit beunruhigen,

deshalb haben wir ihr es nie so richtig dargelegt, aber...

Ellie hatte als Kleinkind eine schwere Entzündung im Beckenraum,

die zu Narbengewebe in den Eileitern

und damit zu erheblichem Zilien-Schaden geführt hat.

Zilien?

Die Flimmerhärchen der Eileiter-Schleimhaut,

die die befruchtete Eizelle zur Gebärmutter transportieren.

Wir suchen zurzeit intensiv nach einer Möglichkeit,

das operativ zu beheben.

Wenn sie aber...

vorher schwanger würde...

wäre die Chance einer Extrauteringravidität,

einer ektopen Schwangerschaft,

einer Eileiter-Schwangerschaft, sehr hoch.

Die wiederum könnte zu starken inneren Blutungen führen.

Ich muss dich also warnen.

Aus anderen Gründen, als sonst Väter von Töchtern einen jungen Mann warnen,

mit ihr nicht intim zu werden, bis wir diesen Umstand beheben konnten.

Eine Schwangerschaft zum jetzigen Zeitpunkt

könnte für Ellie lebensbedrohlich werden.

Du hast mich verstanden? Lebensbedrohlich.

Und wenn sie schon schwanger wäre?

Dann müsste ich sie sofort untersuchen.

Ich muss sofort handeln.

Die Schwangerschaft ist weiter fortgeschritten als befürchtet.

Es ist bereits der dritte Monat.

Eine Abtreibung?

Wenn ich den Fötus nicht sofort entferne, überlebt sie die Schwangerschaft nicht.

Hier?

Wir haben einen Ruf zu wahren.

Ist es wirklich der einzige Weg? Wirklich?

Zweifelst du meine Fachkenntnisse an?

Würde ich mir so etwas zumuten, und meiner Tochter,

wenn es nicht sein müsste?

Er hat sich eine SS-Uniform schneidern lassen.

Er hat stundenlang darin posieren geübt. Vor dem Spiegel.

Bis er wusste, wie er gut darin aussieht.

Es war ihm egal, dass ich ihn sehe.

Ich War klein.

Auf der Mütze war ein Totenkopf.

Aus Silber.

Ein Totenkopf.

Ein Arzt soll doch heilen.

Er soll doch heilen.

Werde ich ihm immer ausgeliefert sein?

Ein begnadeter Arzt, ein Humanist,

ein Mitgestalter unserer sozialistischen Republik,

kurzum ein Vorbild für alle Mitglieder seiner Zunft,

den ich deshalb an diesem 11. Dezember, am Tag des Gesundheitswesens der DDR,

mit der Robert-Koch-Medaille und dem Titel "Verdienter Arzt des Volkes"

auszeichnen darf.

Danke, Genosse Minister, für die freundlichen Worte,

die ich keineswegs verdiene.

Als Arzt und Mitglied der Gesellschaft tue ich lediglich meine Pflicht.

Ich bin ein Rad im großen Getriebe der sozialistischen Weltbewegung.

Ganz wie der Maler dieses ebenfalls viel zu schmeichelhaften Porträts von mir

nur ein kleines Rad ist,

im Stile ununterscheidbar von den anderen Malern hier.

Wie alle nur kleine Räder eines großen Apparates sind,

der mithilfe der Sowjetunion auf ein großes, gemeinsames Ziel zusteuert.

Den Kommunismus.

Danke.

Was wollte der?

Ich soll morgen in die KGB-Zentrale kommen.

Mehr hat er nicht gesagt.

Der Plan ist wohl nicht aufgegangen. Die sind sich näher als zuvor.

Geduld, Martha.

Nur Geduld.

General Murayov, Professor Seeband.

Du kannst gehen.

Carl.

Carl.

Warte, ich muss dir etwas zeigen.

Komm, setz dich.

Carl, ich werde versetzt.

Zurück nach Moskau. Ich werde dich nicht mehr schützen können.

Alle anderen sind gefasst.

Die Suche nach Burghard Kroll und dem...

"ärztlichen Koordinator der Region Dresden bei der Durchführung der Euthanasie"

ist auf dem Papier noch offen.

Ich kann nicht garantieren,

dass mein Nachfolger nicht mit neuen Befragungen

von Ärzten und Krankenschwestern beginnt.

Du musst die DDR auch verlassen und nie wiederkommen.

Stelle einen Ausreise-Antrag für dich und deine Frau.

Er wird genehmigt werden.

Die Wahrheit werden sie im Westen nicht vermuten.

Unsere Seite hoffentlich auch nicht.

Carl.

Du kannst mir nicht etwas zu Kroll sagen?

Wo er ist?

Wer sonst noch bei euren Treffen dabei war?

Du würdest mir sehr helfen.

Ich habe diesen Mann nie getroffen.

Ich weiß nichts von ihm.

Wir werden uns nicht wiedersehen, mein Freund.

Ich hoffe, meine Schuld ist damit bezahlt.

Du kannst gehen.

Liebe Ellie, lieber Kurt.

Jetzt bist du also seit zwei Stunden mein Schwiegersohn.

Ich lasse meine Tochter in deiner Obhut,

wenn wir Ende des Monats die DDR verlassen.

Nur eine Sache möchte ich dir für dein Leben auf den Weg geben.

Es genügt nicht, gut zu sein.

Ich habe es erlebt, wie Männer, die nur gut waren,

übergangen, enteignet, sogar ausgemerzt wurden.

Wenn du Sicherheit in deinem Leben haben willst,

ganz gleich, was du machst,

musst du der Beste sein.

Nicht einer der Besten.

Der Beste.

Auf die Eheleute.

- Prost. - Zum Wohl.

Prosit.

"Und so bin ich jetzt in Oldenburg untergekommen,

in der Sanderbusch-Klinik, mit der Aussicht,

nach Erkners Pensionierung in zwei Jahren die Leitung zu übernehmen.

Pass auf dich auf, dein Papa."

Da ist er mal wieder auf die Füße gefallen, wie es scheint.

Die haben mehr auf den eingeprügelt. Einfach immer drauf, immer drauf.

Wie viel würdest du mir für den Wartburg zahlen?

Bist du noch ganz bei Trost?

Weißt du, wie lange ein Normalsterblicher auf so ein Auto wartet?

Ich hab keine Freude mehr daran.

300 Mark?

Kurt, im Westen, da malen die nicht mal mehr.

Da gilt Malen inzwischen als bourgeois.

Bourgeois heißt für die doch gut, dachte ich.

Ach, was weiß ich.

Natürlich wollen wir alle hier dich loswerden, aber...

Du hast hier ein Leben.

Du hast Geld. Du wirst grade berühmt.

Ich meine, ich kriege Mädchen ins Bett, weil ich dein Assistent bin.

Du kannst mit den Apparatschiks umgehen wie kein anderer.

Du wirst nächstes Jahr 30. So jung ist das auch nicht mehr.

Du bist...

Warum?

- Weil es um all das nicht geht. - Worum geht es denn dann?

Um die Wahrheit.

Und wer sagt, was wahr ist?

Ich, ich, ich.

- 260? - In Ordnung.

- Brauchst du Leinwände? - Hast du denn welche?

So viele wie Bilder. Im Atelier.

Was?

Übermale sie, bitte. Alle. Ich will sie nicht mehr sehen.

Glaub mir, es stimmt alles nicht, was ich da gemalt habe.

- ...Realismus. - Besuch aus der Normannenstraße.

Und die Wandbilder? Die kannst du nicht zerstören.

...als unaufhaltsame Lokomotive darzustellen.

Genossen Schreiber und Komarek...

Das werden andere für mich übernehmen.

Wir waren von Anfang an dabei. Wir bezeugen allen tadellose Gesinnung.

Halt! Stehen bleiben!

- Was haben Sie da im Koffer? - Dinge‚ die meinem Schwager gehören.

Eingefahrener Zug fährt Richtung Zoologischer Garten.

Bitte zurückbleiben.

- Die machen es einem fast zu leicht. - Nicht mehr lange.

Nächster Halt: Zoologischer Garten.

- Ihre Namen? - Barnert, Kurt.

Füllen Sie das bitte aus.

Ihre Betten sind dort. Ich komme zu Ihnen.

Frau Müller? Frau Müller!

- Danke schön. - Guten Tag.

- Bitte. - Danke schön.

- Bitte. - Danke.

Lieber Professor.

Wenn Sie diese Zeilen lesen, bin ich im Westen.

Ich konnte nicht vorher mit Ihnen sprechen,

weil Sie sich sonst mit strafbar gemacht hätten.

Sie waren immer sehr gut zu mir.

Deshalb werden Sie mir vielleicht sogar glauben,

dass ich diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen habe.

Mhm?

Hallo, ich bin der Kurt.

- Soll ich später wiederkommen? - Nee‚ komm rein.

Klaus, still, hm?

Sonst versaust du deinem Vati das Geburtstagsgeschenk für die Mutti.

- Wie alt bist du noch mal? - 29.

- Ich werde 30. - Du siehst jünger aus.

Hm, München ist schon eine gute Idee. Da haben die Leute Geld.

Da brauchen sie ständig Porträts und Landschaften.

In Hamburg aber auch. Das ist... Na ja.

Wovon ich abraten würde, ist Düsseldorf.

- Düsseldorf? - Mhm.

Nur moderne Kunst. Weißt du, so Avantgarde.

War man nicht an der Akademie, hat man da eh keine Chance.

Das ist ein bisschen wie eine Mafia. München ist gut.

Hamburg ist gut.

Und Berlin ist so mittel.

Na ja, siehst du ja selber.

Klaus, still.

"Salon des refusés".

- Guten Tag. Ich bin der Kurt. Barnert. - Mhm.

Ich hatte angerufen. Wegen einer Führung.

- Damit beschäftigte ich mich nie. - Nimmst du ihn zurück?

Das ist doch keine Galerie.

Der hat ihm in der Vorlesung die Nase blutig geschlagen.

Der hat den Hitler-Gruß gezeigt und dann behauptet, das wäre Provokation.

Geschmacklos.

- 9000 Mark gezahlt für etwas Erde. - Nein!

Du bist doch unter 26, oder?

Gut, und was willst du machen?

Aktion? Installation? Skulptur?

- Malerei eigentlich. - Malerei?

Nichts für ungut, ich bin auch aus dem Osten. Mecklenburg.

- Harry, Harry Preusser. - Kurt.

Also, malen tut hier wirklich keiner mehr.

Die Leute wollen was Neues. Eine Idee.

- Eine Idee? - Ja, aber nicht so was.

Was Neues. Oder zumindest neu verpackt.

So wie Yves Klein, der sagt: "Ich beanspruche Ultramarin für mich.

Ich patentiere es sogar.

Das heißt jetzt Yves-Klein-Blau. Nur darin drücke ich mich aus.

Ich bemale die nackten Brüste einer schönen Frau damit.

Und sie schmiert sie auf die Brüste einer anderen schönen Frau.

Ich bemale Schwämme damit und klebe sie damit auf Leinwände."

Bringt nichts, wenn jemand die Idee schon vorher hatte.

Lucio Fontana schlitzt Leinwände seit sechs Jahren.

Aber Katrin hat schöne feste Brüste, und so lassen wir sie.

Lenken wir unseren Fokus weg vom Augenscheinlichen,

hin auf das Fadenscheinige.

Lassen wir das Hintergründige vorne stehen.

Das ist Adrian Schimmel.

Der Name Sagt's schon.

Er heißt eigentlich Adrian Finck, Sohn vom Mannesmann-Vorstand.

Ein Schnösel. Und reden kann er, das ist auch klar.

Aber ob die Tapeten-Idee genug ist?

Anders gefragt: Was sagt Ihnen die gesamte Komposition?

Ja, ich finde das hübsch.

Na ja, aber das ist natürlich sozusagen doch eine Tapete.

- Entschuldigung. - Ja.

Ja.

Aber Sie sehen: nur scheinbar.

Das ist es, was wir Künstler suchen.

Das, was sich hinter dem Dekorativen versteckt.

Schauen Sie: die Leere, ausgedrückt durch das Weiß,

das ich zwischen die Schablonen setzte.

Die Banalität, durch das wiederkehrende Muster verkörpert.

Und die sinnlose Grellheit durch die Neonfarben.

Das ist es, was Sie hergeführt hat.

Sie haben ein tiefes künstlerisches Gespür.

Sonst wären Sie nicht hier gelandet. Ihre Freunde sehen eine hübsche Tapete.

Sie sehen die Ebene dahinter.

Schön.

Und...

kann man so was kaufen?

Man kann. Das ist das Großartige an der Kunst.

Der Teufel scheißt immer auf den... Na, kennst du ja.

Aber so sollte kein Künstler über sein Werk sprechen müssen.

Er will seiner erfolgreichen Familie beweisen,

dass er ohne sie erfolgreich sein kann.

Für die zählt nur Kohle.

Ich will meiner erfolglosen Familie beweisen,

dass ich trotzdem erfolgreich sein kann.

Da zählt auch nur Kohle. Alles scheiße mit den Familien.

Man darf aber maximal 26 sein, wenn man die Idee hat, sonst wird's nix.

- Warum? - Denk mal nach.

Picasso war 26 bei den "Demoiselles d'Avignon".

Duchamp war 25, als er "Akt, eine Treppe herabsteigend" malte.

Und Michelangelo war 24 bei der Pietä.

- Wiedersehen. - Wiedersehen.

- Wie nennst du das? - "Kartoffel-Pendel".

- Keine Punkte mehr? - Im Moment interessieren mich Kartoffeln.

Das ist Kurt, kommt auch aus dem Osten. Will hier studieren.

Ah, dann musstest du dir sicher schon Harrys Rede über die Idee anhören.

Du glaubst es nicht?

Ich interessiere mich mehr...

für Kartoffeln.

Komm, bevor du korrumpiert wirst.

Arendt Ivo. Was der will, weiß kein Mensch.

Er hat früher alles

in so große, gleichfarbige Punkte auf Platten aufgelöst.

Hätte eine echte Idee sein können. Und jetzt das.

Und in zwei Monaten macht der ganz was anderes.

Unser Professor.

Antonius van Verten, von ihm habt ihr wohl auch in Sachsen gehört.

Ein Original.

Er bevorzugt "Mythos".

Er trägt immer diesen Hut.

Einmal verführte ihn eine scharfe Studentin,

nur um ihn ohne Hut zu sehen.

Er hat ihn auch im Bett aufbehalten.

Er arbeitet nur mit Filz und Fett. Und warum?

Das bleibt sein mysteriöses Geheimnis.

Wir müssen zu all seinen Vorlesungen, aber er sieht sich nie was von uns an.

Er sagt, man kann nur Selbstwissen, ob man es richtig macht.

Ich glaube, wir sind ihm einfach egal.

Na ja, er uns auch.

Ob du aufgenommen wirst, ein Atelier bekommst...

Alles die Entscheidung dieses Spinners.

Na, komm schon. So interessant ist es auch wieder nicht.

Du hast kein Portfolio eingereicht.

Ich habe nichts mitnehmen können.

Und was hast du bisher gemacht?

Gemalt.

- In der DDR? - Ja.

Sozialistischer Realismus.

Jetzt haben die also tatsächlich eine Mauer gebaut.

Hast du das kommen fühlen?

"Niemand hat die Absicht" heißt meistens, genau das Gegenteil stimmt.

Aber irgendwie ist das auch schon wieder Kunst, diese Mauer.

Ein landschaftliches Kunstwerk.

Die handwerkliche Ausführung ist uninteressant.

Hunderttausende haben Schwierigkeiten damit.

Konsequenter deutscher Irrsinn.

Was magst du denn so in Sachen Kunst?

Du redest nicht gern von dir, was?

Aber deine Augen verraten mir, dass du mehr gesehen hast als wir alle.

Die einzigen beiden Bedingungen für dich wie für alle anderen sind,

dass du erstens zu den Vorlesungen kommst

und zweitens nie verlangst,

dass ich mir irgendwas ansehe von dem, was du machst.

Einverstanden?

Ob es was taugt oder nicht, das weißt sowieso nur du selbst.

Hm.

Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück.

Ach, komm.

Sag nicht, dass du hier nicht alles machen kannst, was du willst.

Ja, wenn ich jetzt nur wüsste, was es ist.

SPD?

CDU?

- Wen werdet ihr wählen? - CDU!

- FDP! - Friedens-Union!

Das sind Verbrecher.

- Als ob die besser wären! - SPD!

Wählt gar nicht.

Wählt nie wieder eine Partei.

Wählt die Kunst.

Es ist ein Entweder-Oder.

Nur in der Kunst ist die Freiheit keine Illusion.

Nur der Künstler kann den Menschen nach dieser Katastrophe

das Gespür für ihre Freiheit zurückgeben.

Jeder Mensch, ob er nun bei der Müllabfuhr ist

oder Landwirt ist,

hat die Chance, ein Künstler zu sein.

Wenn er seine eigenen subjektiven Fähigkeiten

ohne Vorgaben entfaltet.

Wenn ihr nicht frei seid,

vollkommen frei,

wird es niemand sein.

Indem ihr euch frei macht,

macht ihr die Welt frei.

Ihr seid Priester.

Ihr seid Revolutionäre.

Ihr seid Befreier.

Bringt eure Brandopfer.

Sag bloß, du bist unter die Schlitzer gegangen.

Das ist schon fast eine Idee.

Du lernst schnell.

Ich habe es verloren.

Ich war beim Arzt.

Ich werde keine Kinder haben können.

Und weißt du, was er gesagt hat?

Es war die Abtreibung.

Kein Zilien-Schaden.

Der Halte-Apparat ist beschädigt worden.

Zervix-Insuffizienz.

Wir werden nie über den dritten Monat kommen.

Weil...

Weil er sie so rein halten wollte...

hat er seine eigene Blutlinie ausgelöscht.

Wir werden keine Kinder kriegen, Kurt.

Deine Bilder.

Deine Bilder werden unsere Kinder sein, ja?

Gut.

Ja...

Wir haben letztes Mal über die Erweiterung...

Äh...

Nein. Nein, nein.

Äh...

Habt ihr euch alle mit Lehmbruck beschäftigt?

Das sieht man besser mit dem Episkop.

Ja, Lehmbruck.

Er sagt:

"Jedes Kunstwerk muss etwas von den ersten Tagen der Menschheit haben."

So...

als wäre es grade eben noch göttlich gewesen.

Als krieche es jetzt...

aus der Urmasse heraus, aus der Rippe.

Nein.

Nein, nein, anders, äh...

Hat irgendjemand von euch diese Woche eine Erkenntnis gehabt?

Eine Einsicht...

die er mit uns teilen möchte?

Lottozahlen.

Nee, wirklich. Die Lottozahlen.

Wenn ich Ihnen jetzt sechs zufällige Zahlen nenne...

5, 7, 23, 29, 44, 11...

...dann ist das doof.

Aber wenn ich die Gewinnzahlen der Lottoziehung vorlese...

Darf ich mal, bitte?

"2, 17, 19,

25, 45, 48".

Ja, dann haben die irgendwie was Wahres, Zwingendes, ähm...

ja, fast Schönes.

Ja.

Das war meine...

meine Einsicht.

Ihr könnt nach Hause gehen. Ich habe heute nichts für euch.

Kurt, kommst du bitte einmal her?

Ja?

Ich möchte deine Kunst sehen.

Wann?

Wann immer es dir recht ist. Wenn es dir recht ist.

Sag mir einfach Bescheid.

Was überlegst du überhaupt?

Mag er deine Arbeit, kriegst du eine Galerie.

- Dann kriegt deine Freundin ein Auto. - Ich bin verheiratet.

Dann kriegen deine Frau und deine Freundin ein Auto.

Ich weiß einfach nicht, ob das gut genug ist, was ich da mache.

Irgendwie ist es das nicht.

Das ist doch eh alles subjektiv. Wäre es nicht subjektiv, wäre es Handwerk.

Es geht auch um Glück, verstehst du?

Und dass er sich für dein Zeug interessiert,

warum auch immer, ist dein Glück.

Der will ja auch nicht unrecht behalten.

Er will grade was Geniales an deiner Arbeit sehen.

Steh dir nicht selbst im Weg.

Die sind gut, die Arbeiten. Wirklich.

Die sind gut.

Im Krieg war ich Funker bei der Luftwaffe.

Ich war ein miserabler Funker.

Und mein Pilot war ein miserabler Pilot. Vier Wochen Ausbildung halt.

Gleich bei unserem zweiten Einsatz wurden wir abgeschossen, über der Krim.

Der Pilot war sofort tot.

Ich wurde von nomadischen Tataren aus dem Wrack geborgen.

Mit Verbrennungen, an denen ich eigentlich hätte sterben müssen.

Die Bauern,

genau die Bauern, die ich hätte bombardieren sollen,

zogen mich aus dem Wrack...

und pflegten mich mit dem, was sie hatten.

Sie rieben meine Wunden mit Fett ein...

und wickelten mich in Filzdecken.

Ich blieb ein Jahr bei ihnen.

Danach ergab ich mich in amerikanische Gefangenschaft.

Wenn ich mich frage, was ich wirklich weiß,

was ich wirklich im Leben empfunden habe,

was ich behaupten kann, ohne zu lügen...

dann ist es das Fett auf meiner Haut.

Die Heimat des Fetts und des Filzes.

Wenn mir andere von Liebe erzählen,

zu Frauen, zu ihren Kindern,

oder von Sex, dann weiß ich, was sie meinen...

nur weil ich Filz und Fett auf meiner Haut gespürt habe.

Ich habe davor nichts erlebt.

Meine Kindheit war glücklich und behütet. Ein paar Ohrfeigen, wenige.

Meine Lehrer mochten mich.

Ich wollte Kaufmann werden, wie mein Vater.

Ich hatte kein künstlerisches Talent.

Und ich habe seitdem nichts erlebt.

Ich bin fröhlich geblieben.

Ich habe das Kriegsende verbracht

in einem Lazarett mit freundlichen Krankenschwestern.

Sehr freundlichen.

Danach recht schneller Erfolg und diese Professur hier.

Aber...

das Fett und den Filz...

Die habe ich so durchdrungen,

die habe ich so verstanden, wie...

wie Descartes verstanden hat, dass er existiert.

"Ich denke, also bin ich."

Er hat alles infrage gestellt. Alles.

Alles könnte Illusion sein, Trug, Einbildung.

Aber dann wusste er, dass ja irgendetwas diese Gedanken anstellt.

Und dass folglich irgendetwas existieren muss.

Und dieses Irgendetwas, das nennt er...

"Ich".

Aber wer bist du?

Was bist du?

Das...

bist du nicht.

Wie war dein Tag?

Produktiv.

Villa Cimbrone.

- Auch Villa Cimbrone. - Nein, Villa Rufolo.

Aber auch in Ravello.

Ach, das schöne Auto.

- Das Hotel. - Le Sirenuse.

Ach Gott, Pompeji.

Mit 30 noch am Studieren?

Ich fülle die schon mal um.

Als ich 30 war, war ich Oberarzt in Dresden.

Als Mozart 30 war...

war er tot.

Ich bringe das schon raus. Soll ich den Rotwein aufmachen?

Ich verstehe, dass du keine Unterstützung möchtest.

Und das ist löblich.

Ich mache dir einen Vorschlag.

Ich kenne den Direktor der Frauenklinik Düsseldorf.

Ich bin dort immer wieder zu Konsultationen geladen.

Ich besorge dir bei ihm eine Teilzeitstelle.

Was Passendes.

Vielleicht drei Stunden früh morgens, ja?

Mhm.

Dann hast du ein Auskommen

und hast immer noch genug Zeit zu...

malen.

Kann er uns nicht einfach in Ruhe lassen?

Einfach aus unserem Leben verschwinden?

Vielleicht wird die Stelle in der Klinik ja dabei helfen.

Moment, ich helfe Ihnen.

...in den ganzen zwei Monaten nicht ein Mal besucht. Unmöglich.

Kurt Barnert‚ ich komme auf Empfehlung von Professor Seeband.

Weiß auf weißem Grund. Ist das die neue Kunst?

"Sinnbild der Leere". So könntest du es nennen.

Vielleicht wird es ja eine Sensation.

Komm, ich lade dich zum Essen ein. Mein Fahrer wartet draußen.

Das muss nach Bonn zur Behörde gebracht werden.

Damit ich meinen permanenten Reisepass bekomme.

Er liegt dort zur Abholung bereit. Hier ist die Vollmacht.

Ich dachte, du lebst in der Nähe von Bonn, warum machst du das nicht für mich?

Dann kannst du dir zusätzliches Geld verdienen.

Ich komme nächste Woche wieder vorbei, um den Pass abzuholen, ja?

Mhm.

- Professore‚ un caffé? - Si, grazie.

Burghard Kroll gefasst!

Krankenmörder lebte zehn Jahrelang unbehelligt in Schleswig-Holstein!

Ein Groschen.

Danke.

Krankenmörder.

Danke.

Krankenmörder. Zehn Pfennig.

- Vielen Dank, auf Wiedersehen. - Ciao.

- Professore‚ un caffé. - Grazie.

Sie rauchen?

63 ist ein Alter, in dem man damit anfangen kann.

Die Folgen werden mich nicht mehr einholen.

Iss du in Ruhe zu Ende. Ich muss leider eilen.

Grüß mir Ellie.

- Buona nette. - Buona notte, Professore.

- Darf ich mal? - Können Sie mitnehmen.

- Ich brauche nur den Sportteil. - Danke.

"Weiß auf Weiß".

"Sinnbild der Leere".

Dein Schwiegervater?

So ein Arschloch.

Weißt du, zum ersten Mal wünsche ich jemandem Erfolg mehr als mir selber.

Dein Fehler ist, dass du immer noch an Leinwand und Staffelei festhältst.

Malerei ist einfach tot.

So wie...

Volkstanz oder Klöppeln oder Stummfilm.

Ich mein's ja nur gut mit dir, sonst würde ich dich so weiterlaufen lassen.

Ärzte können wir halt nicht mehr werden.

What power art thou

Who from below

Hast made me rise

Unwillingly and slow

From beds

Of everlasting snow

See’st thou...

Kurt?

- Hallo. - Hallo.

Was ist das?

Ich weiß es auch nicht, aber ich glaube, das ist es.

- Fotos abzumalen? - Ja.

Entschuldige.

Ich bin mit dem Bau-Fortgang zufrieden.

Das hören wir gern, Herr Professor.

- Meine Bedenken kennen Sie. - Ja.

Die lichte Türbreite der OP-Räume müsste auf beiden Seiten

um 25 Zentimeter erweitert werden.

So können wir mit Betten bequem passieren.

Das ist richtig, Herr Professor. Vielen Dank für die Anregung.

Hat Dr. Weber angerufen?

Du verstehst, glaube ich, warum ich dich heute Morgen nicht vorgestellt habe.

Es wäre unpassend gewesen.

Na, was macht die Kunst? Und noch wichtiger: Hast du meinen Pass?

Ich...

Ich muss jetzt leider... gehen.

Danke.

Pardon.

Hat man so was schon gesehen?

Was hast du ihm gesagt? Was hatte der?

C'est le temps de l'amour Le temps des copains

Et de Faventure

Quand le temps va et vient On ne pense à rien

Malgré ses blessures

Car le temps de l'amour C'est long et c'est court

Ca dure toujours On s’en souvient

On se dit qu’à vingt ans

On est les rois du monde

Et qu'éternellement Il y aura dans nos yeux

Tour le ciel bleu

Car le temps de l'amour Ca vous met au coeur

Beaucoup de chaleur et de bonheur

Wenn du wüsstest, wie schön du gerade aussiehst.

Ich bin schwanger.

Vierter Monat.

Ich war beim Arzt. Wir werden doch Eltern.

Wir werden doch Eltern.

Es ist Sonntag, es ist keiner da. Ich versprech's dir.

Bitte, es ist niemand da.

Bitte, wie gestern.

Bitte Sag's mir noch mal, und dann komm runter.

Ich bin schwanger.

Das sind keine Kartoffeln, was?

Was hältst du davon, wenn ich dein Galerist werde?

Adrian Schimmel, der Galerist?

Adrian Finck.

Mit solchen Ausstellungen versuche ich, ein Gegenlicht zu setzen.

- Schön, dass Sie da sind. - Danke.

Wir sollten anfangen.

Gibt es schon gleich irgendwelche Fragen an Kurt Barnert?

Vielleicht stelle ich dann die erste Frage.

Herr Barnert,

viele Ihrer Bilder sind nach Amateur-Fotos oder Illustrierten gemalt.

Das Bild "Akt auf einer Treppe"...

das ist doch aber eine Hommage an Duchamp?

Ja.

Heinz Viersen, Westdeutsche Zeitung.

Herr Barnert,

in Ihrem prachtvollen Gemälde "Mutter und Kind", das wir hier sehen...

Wer ist dargestellt? Ihre Mutter und Sie?

Nein, das ist einfach ein Amateur-Foto.

Wen ich male, ist mir eigentlich egal.

Aber wenn Sie ein Porträt malen, dann müssen Sie die Person kennen.

Es ist sogar besser, wenn ich sie nicht kenne.

Dann sehe ich besser, was wirklich da ist.

Daher auch das Bild mit den Passfotos aus dem Automaten?

Ein Foto ohne Autor?

Ja.

Mit dem Wehrmachts-Offizier

machen Sie keine Aussage über die Wehrmacht?

Nein, ich mache keine Aussagen. Ich mache, ähm...

Bilder.

Also, Fotos. Fotos mit anderen Mitteln.

Hermann Schreiber, SDR.

Sie übernehmen auch die genaue Komposition des Amateur-Fotos.

Da ist doch vieles ganz zufällig.

Nein, nicht zufällig. Ähm...

Wirklich, stimmig, echt.

Nur die Wirklichkeit ist stimmig. Jede Wirklichkeit ist stimmig.

Alles, was wahr ist, ist schön.

Wie meinen Sie das?

Hm...

Wenn ich jetzt sechs Zahlen nenne,

dann ist das blöd, sinnlos.

Wenn die sechs Zahlen aber

die Gewinnzahlen der Lottoziehung sind, dann haben die Sinn,

eine Stimmigkeit, einen Wert, ja, fast eine Schönheit.

So ist das auch mit den Fotos.

Ich will die Wahrheit.

Guck mal.

Ja, Herr Meybert?

Urs Meybert, Kunstchronik.

Was soll jetzt für Sie kommen? Weiterhin unscharf abgemalte Fotos?

Nein, davon habe ich jetzt erst mal genug.

Ich interessiere mich gerade für Farbtafeln.

Farbtafeln?

Ja.

Da kriegen wir doch Ärger.

Da kriegen wir auch Ärger.

Zufällig gewählte Illustrierten-Bilder, Passfotos vom Automaten,

beliebige Schnappschüsse aus Familien-Alben.

Alles unscharf abgemalt.

Mit solchen Bildern,

die aus unerklärlichen Gründen eine echte Kraft besitzen,

scheint sich Kurt Barnert

zum führenden Künstler seiner Generation zu entwickeln.

Und das mit der tot gewähnten Malerei.

Aber...

wie viele in seiner Generation hat er nichts zu erzählen, nichts zu sagen.

Er löst sich von jeder Tradition,

verabschiedet sich vom biografischen Ansatz in der Kunst

und schafft so zum ersten Mal in der Kunstgeschichte

ein Werk ohne Autor.

- War das gut? - Das war super.

Sicher, dass ich dich nicht fahren kann?

Ich laufe ganz gern noch ein bisschen.

Du warst gut heute.

Das war gut.

Das wird gut.

Auf drei.

Eins.

Zwei.

Drei.

Untertitel: Cosima Ertl, Thomas Wojczewski

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