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Wie geht es ihm?
Nun, es geht so.
Was haben Sie sich dabei gedacht, Gilbert? Sie hätten ihn umbringen können!
Was hätte ich denken sollen? Ich habe Sie zusammen gesehen.
Natürlich. Und Sie dachten, was alle denken.
Wenn ich es tat, wessen Schuld war das?
Ich habe nie auf deren Klatsch gehört.
Habe Sie verteidigt. Dann sah ich Sie beide und hörte Ihnen zu.
Wenn Sie gekommen wären, hätten Sie hören können,
was ich zu sagen gehabt hätte.
Jetzt bin ich ja hier!
Würde es Sie freuen, zu entdecken,
dass ich nicht so schlecht bin, wie Sie geglaubt haben?
Es würde mich freuen, die ganze Wahrheit zu erfahren.
Also gut dann.
Lesen Sie das!
Ich vertraue auf Ihr Ehrgefühl, kein Sterbenswort verlauten zu lassen.
Hier in diesem Zufluchtsort Wildfell fühle ich mich endlich beinahe frei.
Es ist nur eine Sorge, die mich quält: die Furcht vor Entdeckung.
Nach allem, was mir widerfahren ist, fällt es mir schwer, mich in die Stimmung
meiner Jugend zu versetzen. Aber ich werde alles aufschreiben. So, wie es war.
Als Lehre für mich selbst.
Als ich gerade 18 war, brachten meine Tante und mein Onkel
mich zur Ballsaison nach London. Die Absicht meiner Tante war,
mich am Ende untergebracht und gut versorgt zu wissen. Aber ich war jung
und voller romantischer Vorstellungen. Bekannte aus der Kindheit,
die eine unbeholfene Zwölfjährige gehänselt und ihr verwehrt hatten,
an ihren Späßen teilzuhaben, waren jetzt erwachsen und hatten sich verändert.
Und ich zu ihrer großen Überraschung auch.
Denke immer daran, jede Annäherung kühl und gleichgültig aufzunehmen,
bis du ihren Wert herausgefunden und ausreichend erwogen hast.
Ja, Tante.
Ich fürchte, meine Liebe, du bist für ein junges Mädchen zu schön.
Hoffentlich wirst du nie Grund haben, das zu bedauern.
Warum solltest du das befürchten?
Schönheit zieht immer die schlimmsten aller Männern an.
Das kann dir ganz großen Ärger bereiten.
Hat es dir jemals solchen Ärger bereitet?
Glaub mir, Helen, die Ehe ist eine ernste Angelegenheit!
Helen, ich möchte dir meinen guten Freund vorstellen, Mr. Boarham.
Sehr erfreut.
In meiner Erinnerung war Arthur Huntingdon frech und unbesonnen, und damals,
wie auch heute, umgeben von albernen Freunden.
Meine Tante achtete sorgsam darauf, mich von ihm fernzuhalten.
Ihre Absichten waren bewundernswert. Ihre Wahl der Männer war es nicht.
Mich schaudert es noch immer bei der Erinnerung an Mr. Boarhams Stimme,
die mir ins Ohr summte.
...dass Sie genauso viel Zuneigung empfinden, wie ich zu Ihnen.
Und lassen Sie mich andererseits auch hoffen...
Nichts konnte ihn vertreiben.
Geben Sie mir die Ehre?
Mr. Huntingdon, entschuldigen Sie mich.
Natürlich, meine Liebe.
Sie schienen der Rettung zu bedürfen.
Wie ritterlich.
Meine Motive waren nur eigensüchtig. Das dürfen Sie glauben.
Welcher Mann würde mit der schönsten Frau im ganzen Saal nicht tanzen wollen?
Ihr alter Verehrer macht Ihnen immer noch schöne Augen?
Mr. Boarham.
Mr. Langweilig?
Sind Sie immer so unhöflich, Mr. Huntingdon?
Er scheint Ihre Gunst zu haben. Mein Missverständnis.
Ich bringe Sie gleich zu ihm zurück, ja?
Sie sind tatsächlich so schlimm, wie man von Ihnen sagt? Ist das wahr?
Oh ja. Aber jeden Tag ein paar Worte mit Ihnen,
und aus mir würde bald ein Heiliger.
Du hättest keinen Mann mit einem schlechteren Ruf finden können.
Er hat sich wie ein vollkommener Kavalier benommen.
Natürlich! Männer wie er sind das zuerst immer.
Auf das verführerische Auftreten eines Schufts ist Verlass.
Was soll ein armer, verführerischer Schuft denn tun?
Wenn jede Frau deinem Rat folgen würde, wäre die Gesellschaft bald am Ende.
Was hältst du von Mr. Boarham? - Mr. Boarham?
Ein nüchterner, vernünftiger, achtbarer Mann.
Von 50. - 40.
Tante! - 45, bestenfalls.
Und? Wie gefällt er dir?
Zweifellos wäre Mr. Boarham ein würdiger und ergebener Kamerad
auf der Pilgerfahrt durchs Leben. - Ach ja?
Ich weiß es aus zuverlässiger Quelle. Er hat es mir selbst gesagt.
Und was hast du gesagt?
Ich versprach ihm, ich würde ihn jeder fünfzigjährigen Pilgerin,
die mir über den Weg läuft, wärmstens empfehlen.
Mr. Huntingdon!
Sehr hübsch.
Ach, es ist noch nicht fertig.
Aber sehr passend. Für den Übergang vom Frühling in den Sommer.
Aus dem Kind entwickelt eine reife Frau. Die von ihrem Liebsten träumt
und sich vorstellt, wie zärtlich und treu sie zu ihm sein wird?
Oder womöglich, wie zärtlich und treu er zu ihr sein wird.
Ja, vermutlich. In der Jugend erhofft man sich viel.
Sie halten sie für verblendet?
Hätte ich früher vielleicht gesagt.
Jetzt sage ich:
Gebt mir das Mädchen, das ich liebe. Und ich werde ihr ewige Treue schwören.
Ob im Sommer oder Winter, ob jung oder alt.
Lassen Sie das liegen! Es sind nur Skizzen.
Ich liebe Skizzen junger Mädchen. Oh! Schön!
Sie haben mich ganz gut getroffen, finde ich.
Geben Sie es mir zurück! Ich bestehe darauf. Sie haben kein Recht dazu.
Da es Ihnen so viel wert ist, will ich es Ihnen nicht wegnehmen.
Helen! Helen!
Oh, schnell. Gehen Sie!
Helen?
Tante.
Während die Wochen vergingen, hatte das Missfallen meiner Tante
gegenüber Mr. Huntingdon nur zur Folge, dass meine Faszination wuchs.
Sie hoffte weiterhin darauf, Mr. Boarham könne mich für sich gewinnen,
aber Arthur Huntingdon war ständig in meinen Gedanken und Träumen.
Oh, meine Liebe. Wie schön!
Ich freute mich auf jede Begegnung,
auch wenn wir allzu selten Gelegenheit hatten, allein zu sein.
Miss Lawrence. - Mr. Hargrave.
Guten Abend. - Lord Lowborough.
Miss Lawrence. - Mr. Hattersley.
Miss Lawrence.
Mr. Boarham.
Seine Aufmerksamkeit für mich war seltsam sprunghaft.
Manchmal überschüttete er mich mit Komplimenten und scheinbarer Zuneigung.
Aber immer, wenn Annabella Wilmot zugegen war,
schien er kaum Notiz von mir zu nehmen.
Helen!
Was ist denn?
Es ist nichts.
Es ist nichts?
Nichts für Sie, Mr. Huntingdon.
Sind Sie sicher, dass es nichts für mich ist?
Gehen Sie, bitte!
Nur, wenn Sie mir sagen, woran Sie gedacht haben.
Sie sind außerordentlich unverfroren.
Wollen Sie, dass ich gehe?
Ja.
Oder ein Geheimnis erfahren?
Wollen Sie ein Geheimnis erfahren, Helen?
Wollen Sie wissen, dass im Vergleich zu Ihnen Annabella Wilmot
eine wankende Pfingstrose ist, sie aber eine wilde, süße Rosenknospe sind?
Soll ich Ihnen sagen, dass ich Sie bis zur Raserei liebe?
Bin ich immer noch unverfroren, Helen?
Bitte...
Wollen Sie wissen, dass ich ohne Sie nicht leben kann?
Das dürfen Sie nicht sagen. - Wieso?
Weil Sie es nicht ernst gemeint haben.
Das habe ich wohl! Nie im Leben habe ich etwas ernster gemeint.
Werden Sie meine Frau!
Was sagen Sie?
Sagen Sie mir, dass Sie mich lieben!
Helen!
Ich bitte tausendmal um Verzeihung, Mrs. Maxwell.
Seien Sie nicht zu streng mit mir! Ich habe Ihre Nichte gebeten, mich zu nehmen,
für die guten wie die schlechten Zeiten.
Sie sagt, ohne Zustimmung ihrer Tante und ihres Onkels ginge es aber nicht.
Darüber sprechen wir ein andermal, Sir. Sie werden im Salon erwartet.
Ich bin wohl anmaßend, von dem Besitz eines solchen Schatzes zu träumen.
Aber ich schwöre, ich würde ganz gewiss Leib und Seele opfern
für das Glück der liebsten Helen.
Leib und Seele, Mr. Huntingdon? Ihre Seele opfern?
Ich würde mein Leben geben.
Das wird man wohl kaum von Ihnen verlangen.
Was ich meine, ist, ich habe...
Was Sie meinen, ist offensichtlich, Sir. Die Gesellschaft erwartet Sie.
Er ist lasterhaft, leichtsinnig und eitel.
Und er verschwendet leichtfertig sein ganzes Vermögen.
Ich glaube, seine Gedankenlosigkeit ist sein schlimmstes Laster.
Ich muss sagen, ich hatte mehr von deinem Urteilsvermögen gehalten.
Ich liebe ihn, Tante.
Ich fürchte, er ist nicht gut für dich.
Es fehlt ihm nur an Führung.
Darf man nicht den Sünder lieben und die Sünde hassen?
Ich würde dich gern in einem Museum aufbewahren.
Nur für mich.
Und ich käme, um dich anzusehen.
Mein wunderschönes Kunstwerk.
Meine Frau.
Gilbert! Furchtbare Nachrichten! Mr. Lawrence ist angegriffen worden.
Es heißt, er hätte unzählige Wunden am Kopf und den Körper voller Blutergüsse.
Welch ein Unsinn!
Das warst du, nicht wahr?
Ach, lass mich in Ruhe!
Verschwinde!
Woran denkst du?
An nichts, schon gut.
Sag es mir!
Nun, ich dachte gerade an jemanden von früher. Lady Eleanor Fane.
Fane?
Es ist viele Jahre her. Ich kann nicht sagen,
warum sie mir eben durch Kopf gegangen ist.
War sie...
Was, mein Schatz? War sie was?
Du und sie, wart Ihr...
Armer Schatz.
Ich wollte dich nicht beunruhigen.
Es hat nichts zu sagen. Sie hatte diesen schrecklichen Langweiler zum Mann.
Sie war verheiratet?
Sieh mich nicht so streng an!
Ist es ein Verbrechen, jemanden glücklich zu machen?
Wie konnte sie dabei glücklich werden, ihren Ehemann zu betrügen?
Doch, glaube mir, es geht. Aber keine Sorge, mein Engel.
Sie bedeutet mir nichts mehr. Ich schwöre, ich habe keine der Frauen
auch bloß halb so sehr geliebt, wie ich dich liebe.
Hätte ich das früher gewusst, hätte ich dich nie geheiratet.
Wirklich nicht, mein Engel? - Nein.
Wenn ich dir das glauben würde, Helen, müsste ich sehr wütend sein.
Zum Glück tue ich es nicht.
Sieh nur, wie sie sich von ihm fangen lässt.
Oh, armer Lowborough.
Der arme Narr ist ganz berauscht. Er denkt, sie sei in ihn verliebt.
Ist sie es nicht?
Das ist ein Treppenwitz. Das schlaue Biest liebt nichts an ihm.
Bloß seinen Titel und den schönen Familiensitz.
Woher weißt du das?
Sie hat es mir selbst gesagt.
Das finde ich nicht zum Lachen.
Ich muss über dich lachen, mein Liebling.
Helen!
Annabella.
Verzeihen Sie die Störung! Aber ich muss Ihnen die Neuigkeit gleich überbringen.
Stellen Sie sich vor, Lord Lowborough hielt um meine Hand an,
und ich nahm den Antrag mit Freude an. Beneiden Sie mich nicht?
Lieben Sie ihn denn?
Ja, selbstverständlich.
Und glauben Sie, Sie werden ihm eine gute Frau sein?
Oh, die beste.
Dann hoffe ich, Sie werden glücklich miteinander.
Werden wir. So glücklich, wie Sie und Huntingdon sind.
Die ganze Nachbarschaft ist so langweilig. Nur wenn mein Bruder da ist,
bekomme ich etwas von der Gesellschaft mit.
Ich nehme an, Sie fahren ganz oft nach London, nicht wahr?
Keineswegs.
Das Landleben gefällt uns. Wir sind ganz zufrieden, zuhause zu bleiben.
Wirklich? Ich wüsste nicht, wann Huntingdon je mehr als drei Monate
im Jahr hier verbracht hätte.
...acht, neun, zehn!
Na los, jetzt du, Lowborough!
Nein! Nein, lasst mich raus! Ihr habt doch gehört. Mein Entschluss steht fest.
Es greift um sich, wie eine wahre Epidemie, das mit dem Heiraten.
Prost! Auf Annabella! Auf Annabella!
Wie ich höre, darf man Ihnen gratulieren, Helen.
Oh, verzeihen Sie! Es sollte offenbar ein Geheimnis bleiben?
Huntingdon ist immer so indiskret.
Nun, ich hätte gern ein zahmes, häusliches Wesen, das mich gehen lässt,
wohin ich will, tun lässt, was ich will, und sich nie bei mir beklagt.
Wenn du so jemanden findest, dann ließe ich mich womöglich hinreißen.
Milicent. - Wer?
Hargraves Schwester.
Was meinst du, Hargrave, ob Milicent zum guten Hatters passt?
Ja, aber gewiss doch. Das zahmste Wesen, das ein Mann finden kann.
Und lieben wird. Ein Wort von dir und du hast sie, alter Knabe.
Auf Milicent!
Auf Milicent!
Auf Milicent!
Auf Milicent!
Milicent wird dich immer in ihrem Herzen haben, mein Lieber.
Ein liebes, kleines Ding.
Mrs. Huntingdon wünscht Sie zu sprechen, Sir.
Erzählst du Annabella Wilmot alle Privatangelegenheiten?
Oh nein, mein Schatz, nur die pikanten Dinge.
Der größte Teil unseres Privatlebens ist so unerträglich tugendhaft,
dass ich es unseren Freunden nicht im Traum erzählen würde.
Bewundernswerte Ehedisziplin, alter Knabe. Bewundernswert!
Helen, mein Liebling.
Mein Schatz.
Mein Schatz.
Ich bin ein Rohling, ich weiß.
Arthur. - Ich meinte es nicht so.
Verzeih mir!
Rachel! Richards soll sich mit der Kutsche beeilen.
Der Kutsche? Wohin fährst du?
Nach London.
Was ist mit unseren Gästen?
Ich werde gleich zusammen mit ihnen losfahren.
Kann ich mitkommen? - Nein, nicht nötig, mein Schatz.
Ich habe Geschäftliches mit meinem Anwalt zu regeln.
Es geht um einen Grundstücksverkauf.
Lass mich doch mitkommen!
Es würde dich langweilen. Und die stickige Luft in London.
Du hasst doch die Luft in London.
Es gibt dort viel zu sehen und Menschen, die ich treffen könnte. Arthur, bitte!
Helen. Von deiner Gesundheit hängt die Gesundheit,
wenn nicht gar das Leben dessen ab, was wir uns erhoffen.
Ich will dich nicht im Haus einsperren,
wenn es dich glücklich macht, nicht bei mir zu sein.
Ach so, du sorgst dich um mich. Also gut, wenn es so ist,
verspreche ich dir, zurück zu sein, bevor du merkst, dass ich weg war.
Arthur blieb über zwei Monate fort. Er schrieb selten, und wenn,
berichtete er mir wenig darüber, was er tat.
Aber es bedurfte nicht seiner Briefe, um mir vorzustellen,
welches Leben er zusammen mit seinen hemmungslosen Freunden führte.
Trinken bis zur Besinnungslosigkeit. Und Schlimmeres.
Als er zurückkehrt war, wollte ich ihm Vorwürfe machen,
weil er mich vernachlässigt hatte. Aber er war noch mein Ehemann
und der Vater meines Kindes. Als ich ihn dort stehen sah,
in ungewohnt verminderter Pracht,
die Vergebung bereits vorausahnend, ging mir das Herz vor Mitleid auf.
Ich konnte nicht anders, als ihn zu umarmen.
Arthur.
Gut.
Nach Gis.
Ja.
Nein, verflucht! Nein! Zwecklos, ich habe keine Geduld dafür.
Du müsstest nur ein wenig üben.
Ich habe ein paar alte Bekannte eingeladen. Ich hoffe, du bist einverstanden.
Lowborough habe ich seit seiner Hochzeit nicht mehr gesehen.
Es ist vielleicht amüsant, zu beobachten, wie er zurechtkommt.
Armer, alter Lowborough. Wie blind er ist.
Nun, er ist in guter Gesellschaft.
Annabella.
Jetzt muss ich mir von dir wohl eine Predigt anhören?
Das ist nicht lustig, Arthur. Es sei denn, es ist lustig, mich zu quälen.
Ach komm schon!
Verzeih mir, Helen!
Helen, Schatz, verzeih mir!
Ich verspreche dir, es niemals, niemals wieder zu tun.
Du findest das alles nur amüsant.
Es ist nichts, sage ich dir.
Es ist nichts? Eine Frau vor ihrem Ehemann zu küssen ist nichts?
Und dein Ehegelübde? Ist das etwa auch nichts?
Du bist es, die das Ehegelübde bricht. Ihn ehren und ihm gehorchen,
schon vergessen? Ich lasse mich von dir nicht kommandieren.
Geht es so weiter? Bis ich dich hassen werde?
Du wirst mich nie hassen, Helen.
Das kannst du nicht. Oder?
Oder?
Ihr Gatte war gestern Abend sehr angeheitert, Helen. Ist er das häufig?
Nein. Es wird auch nicht wieder vorkommen.
Sie haben ihm eine Predigt gehalten. Ich fand, er sah etwas gebändigt aus.
Helen, Sie haben geweint. Tränen bringen Männer wieder zur Vernunft.
Ich weine aber nie aus Berechnung. Tun Sie es?
Ich weine gar nicht. Das brauche ich nicht. Aber ich brächte Lowborough
zum Weinen, falls er sich so verhalten sollte. Noch besteht kein Grund zur Sorge.
Noch küsst er den Boden unter meinen Füßen.
Sind Sie sicher, dass Sie so viel Anbetung verdienen?
Oh, das würde ich sehr bezweifeln. Aber sind Sie sicher,
dass Ihr Huntingdon all die Liebe verdient, die Sie ihm geben?
Wenn du etwas mehr wie sie sein könntest, Schatz.
Hattersley schwört, solch ein Juwel gäbe es in ganz England nicht.
Und er liebt sie?
Wahnsinnig! Fast so sehr, wie sein Pferd. Und das war ihm 2.000 Guineas wert.
Guten Morgen, Mary. - Mrs. Huntingdon.
Ich bin für ein paar Tage nach London gefahren, denn hier fühle ich mich elend.
Es ist schlimm für einen Mann, zu wissen, dass seine Frau ihn nicht liebt.
Ich hoffe, du bist besserer Laune, wenn ich zurückkehre.
Welch ein wunderschönes Bild. Mutter, Kind und die treue Dienerin.
Mr. Hargrave.
Hübsches, kleines Kerlchen.
Rachel, es wird langsam kühl. Wir sollten mit ihm hineingehen.
Ich nehme ihn gleich mit hinein, ja.
Sie sind bestimmt einsam hier, da Huntingdon so oft abwesend ist.
Ich wundere mich, wie er sich von all dem fernhalten kann.
Ich erwarte ihn schon sehr bald zurück.
Heute Morgen habe ich einen Brief von ihm erhalten.
Ich wünschte, er wäre geeignet, ihn einer Dame zu zeigen.
Aber er schreibt, er plane, nächste Woche zurückzukehren.
Das schreibt er mir in jedem seiner Briefe.
Wirklich? Das sieht ihm ähnlich. Ist es möglich, Mrs. Huntingdon,
dass Sie sich über seine Rückkehr freuen können?
Natürlich, Mr. Hargrave. Ist er etwa nicht mein Mann?
In Wahrheit empfand ich weniger Freude,
als vielmehr Besorgnis über Arthurs Rückkehr.
Helen!
Helen!
Er war so lang fort, dass ich fürchtete, wir wären uns fremd geworden.
Werde ich in meinem eigenen Haus nicht willkommen geheißen?
Rachel, komm her!
Verdammt, alte Hexe! Zieh stärker!
Arthur!
Wo bist du gewesen?
Ich brauche einen Drink.
Arthur, bitte!
Fang nicht wieder an, mir Vorträge zu halten, Frau! Hol mir etwas zu trinken!
Schon besser.
Komm mit mir!
Wohin?
Komm mit nach oben.
Habe ich dir gefehlt, ja?
Du hast mir gefehlt.
Du und deine zärtliche Güte.
Und deine Haut.
Da.
Ist er nicht allerliebst?
Sachte, sachte!
Hallo!
Hallo, ich bin dein Papa.
Papa!
Nimm ihn wieder!
Kannst du ihm den verdammten Lärm nicht abgewöhnen?
Wir haben ihn wach gemacht.
Dieser dumme, undankbare Bursche wird in einer Minute mit mehr überhäuft,
als du mir in einem ganzen Monat gibst.
Jetzt ist es ausgeglichen. - Tatsächlich?
Verflucht, Sie verdammter Dummkopf!
Arthur, er konnte nichts dafür.
Danke, Benson, das ist alles.
Was fällt dir ein, einen Bediensteten vor mir in Schutz zu nehmen?
Wie kannst du dich vor solch einen dummen, ungeschliffenen Mistkerl stellen,
wenn er meine Nerven mit seinen verfluchten Schnitzern in Stücke reißt?
Ich habe nicht gewusst, dass du so nervös bist.
Ach, glaubst du, ich hätte nicht auch Nerven wie du?
Du hast doch nichts anderes zu tun, als bloß hier zu sein
und dich um dich selbst zu kümmern. Und wenn mir der Geduldsfaden reißt,
bist du mehr um diesen Diener besorgt, als um mich.
Wenn du etwas weniger Wein trinken würdest, wärst du vielleicht nicht...
Beim Jupiter, wenn du wieder so anfängst,
lass ich mir sechs Flaschen bringen und leere sie vor dem Schlafen!
Was für eine Schmach für einen starken Mann wie dich,
sich auf ein so tiefes Niveau herabzulassen.
Wenn du wüsstest, mein Schatz. Du würdest dich eher wundern,
wie gut ich das aushalte. In den vier Monaten habe ich das Leben mehr genossen,
als du es im Verlauf deiner Existenz genossen hast,
oder bis ans Ende deiner Tage genießen wirst.
Dafür werde ich bezahlen müssen, in irgendeiner Form.
Begreifst du nicht, dass dich das ins Grab bringt?
Oh nein, das ist es nicht. Das ist es nicht, was mich ins Grab bringt.
Das bist du!
Du bringst mich ins Grab!
Warum musst du mich immer verurteilen, Helen?
Warum kannst du mich nicht einfach lieben?
Helen, Schatz, warum weinst du?
Du weißt, dass ich dich liebe.
Wirklich?
Das weißt du doch.
Ach, Arthur, würdest du dich selbst nur so sehr lieben, wie ich dich liebe.
Vielleicht kenne ich mich dafür zu gut.
Im Laufe der Jahre blieb Arthur immer länger fort. Ich verbrachte viele Monate
allein in dem großen Haus mit meinem Sohn als einzigem Trost.
Ich liebte meinen Mann noch immer, und auf seine Art liebte er mich auch.
Papa, Papa!
Aber ganz anders, als die Liebe, die ich hätte geben können
und die ich zu empfangen gehofft hatte.
Hallo, mein Junge. Bist du groß.
Langsam begann ich, die Stille des leeren Hauses zu schätzen,
die nur gestört wurde, wenn Arthurs Freunde zu Besuch kamen.
Helen, meine Liebe, wie geht es Ihnen? Wir haben uns lange nicht gesehen.
Mrs. Huntingdon.
Mrs. Huntingdon.
George,
warum gehst du nicht zu den Männern?
Es sieht so albern aus, wie du dich hier bei Frauen herumtreibst.
Wie du wünscht. Wenn dir meine Anwesenheit derart unangenehm ist,
dann werde ich dich davon erlösen!
Es würde Ihnen Recht geschehen, wenn er seine alten Gewohnheiten wieder aufnähme.
Es würde Ihnen dann leid tun.
Das Gegenteil ist der Fall. Es würde mich nicht stören,
wenn seine Lordschaft sich jeden Abend betrinken würde.
Lässt du mich wohl los? Unsinn! Lass los! Du sollst...
Du bist dran! Komm mit!
Du wirst deinen Spaß daran haben, auch wenn du es hasst, Junge.
Lass mich los, betrunkener Trottel!
Ralph! Bitte, hör auf!
Was ist mit dir los? Warum weinst du denn?
Ich weine nicht. - Lüg mich doch nicht an! Sag schon!
Warum hast du geweint?
Ralph, bitte nicht! Wir sind hier nicht zu Hause.
Wie können Sie ihn mit Ihrer Schwester so umgehen lassen?
Komm, Hatters, lass sie in Ruhe! Zeige etwas Respekt! Sie ist deine Frau.
Schatz.
Mr. Hargrave, haben Sie meinen Mann gesehen?
Zuletzt, als er nach draußen gegangen ist.
Nach draußen?
Er brauche frische Luft, meinte er.
Oh, mein Schätzchen.
Helen!
Habe ich dich erschreckt?
Was machst du hier?
Du erkältest dich, geh wieder hinein! - Unsinn. Eine wunderschöne Nacht.
Du holst dir den Tod, du Verrückte. Bitte! Geh wieder zu den Gästen!
Und du kommst auch? - In einer Minute.
Hier können wir nicht bleiben.
Ich weiß. Ich habe sie gesehen. Und wie du sie geküsst hast.
Ich konnte nicht anders. Außerdem
musste ich nicht hundertmal mit ansehen,
wie du deinen Trottel von Mann geküsst hast?
Aber du liebst sie noch, nicht wahr?
Nein, gar nicht mehr. Das schwöre ich bei allem, was heilig ist.
Arthur.
Komm her! Ich will mit dir reden.
Was machst du hier?
Was sitzt du alleine hier oben im Dunklen?
Du siehst wie ein Gespenst aus.
Bitte setz dich hin!
Ich würde dich heute Nacht noch verlassen und dieses Haus nie wieder betreten,
wenn mein Kind nicht wäre, Arthur.
Wovon redest du denn bloß?
Das weißt du genau.
Ich habe euch vorhin gesehen und gehört. Dich und sie.
Aha.
Und, was willst du?
Lass mich bitte mein Kind nehmen und was mir an Geld geblieben ist und gehen.
Wohin gehen?
Dorthin, wo wir vor deinem verderblichen Einfluss sicher sind.
Nein. Verdammt, das wirst du nicht.
Lass mich nur mit meinem Kind gehen.
Nein, nicht mit dem Kind, nicht mit dem Geld, gar nichts! Du bist meine Frau!
Meinst du etwa, ich lasse mich deinetwegen zum Gespött machen?
Ich habe für keinen Skandal gesorgt. - Und das wirst du auch nicht.
Es kommt auf dich an.
Du drohst mir nicht.
Und mit meinen Leib will ich mich dir hingeben.
Schon vergessen? Dein Versprechen?
Ich will nie wieder von dir berührt werden.
Glaubst du, ich würde dich nicht finden? Wo du auch wärst, ich würde dich finden.
Weiter. - Jawohl.
Komm her, mein Junge! Hab keine Angst, ich tue dir nichts.
Arthur!
Na los.
Mama!
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