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(leises, rhythmisches Rauschen)
(Rauschen wird lauter, schneller)
(atmet schwer)
(mit tiefer Stimme) You crawled out of darkness.
You...
crawled out of darkness.
You...
(mit anderer Intonation) crawled out of darkness.
(♪ spannungsvolle Percussion)
You...
crawled out of darkness.
(♪ sanfte, spannungsvolle Percussion)
(♪ jazzige Percussion wird intensiver)
(leises Brummen und Plätschern)
(Spieluhr klimpert)
(Percussion pausiert ♪)
(entfernte Kinderstimmen)
(♪ jazzige Percussion setzt wieder ein)
(spricht und lacht vor sich hin)
(Mann lacht leise)
(Spieluhr klimpert, Percussion stoppt ♪)
(Gespräch auf Spanisch)
(entferntes Kindergeschrei)
(murmelt vor sich hin)
(♪ spannungsvolle elektronische Musik)
(♪ Musik schwillt an)
(lautes Klopfen)
(Kind ahmt Affenlaute nach)
(Affenlaute)
(Mann spielerisch) Emil!
(Kind lacht fröhlich)
(Conchita spricht Spanisch)
(flüstert) Kein Krach, Mama schläft.
(Deutsch) Tschüss, mein Süßling.
(♪ Percussion setzt leise ein)
(♪ Percussion wird intensiver)
(Frau, verschlafen) Viel Glück!
(Percussion stoppt ♪)
Danke, Schatz.
Schlaf weiter.
(Frau) Wann kommst du wieder? - Morgen Nachmittag.
Wann? - So um zwei.
(nuschelt) British Airways?
Ja, genau. Mattis hat das gebucht.
Er schickt dir später 'ne E-Mail. Dann weißt du es genau.
(Kuss)
Tschüss. - (Frau nuschelt) Tschüss.
(♪ jazzige Percussion setzt wieder ein)
(Kinder kreischen)
(Fahrstuhltür schließt)
(♪ dunkle Elektromusik, entferntes Gelächter)
(Mann) Hey, Siri. Mattis anrufen. - Okay.
(Mattis) Morgen! Schon aufm Weg? - Guten Morgen!
Heute hab ich ein gutes Gefühl. Der Fahrer soll mich im Loch an der Ecke abholen.
Da ist es immer leer. Die Lounge in Tegel ist zu stressig.
Und die Cafés sind voller Touris. - Gute Idee.
Schnaps am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. (beide lachen)
Der Fahrer wartet aber schon auf dich.
Der Flug geht erst um halb zwei. Warum so früh?
Weil die nicht fragen. Ich sage jedes Mal, das ist nicht LAX oder Heathrow.
Er kann aber nicht so lange warten.
Sie können fahren. Ich nehm später 'n Taxi.
Das geht doch nicht. - Wir sagen Bescheid. Ist okay so.
Danke.
Schönen Tag noch. - Ihnen auch.
Ruf auf jeden Fall bei der Firma an. Damit der Fahrer keine Probleme kriegt.
Soll ich dir ein Taxi in die Kneipe bestellen in 'ner Stunde?
Nee, das mach ich dann. - Gut.
Kommen wir ans Drehbuch?
Ah, ist streng geheim. - Schon klar.
Da muss doch was drin sein. Zusammen schaffen wir das.
Kannst du Ada anrufen? - Na gut. Ich versuch's.
Und bitte besorg mir eine Beethoven-Biografie!
Ich hab schon nachgeschaut, aber... - 'ne richtig gute.
Daniel, die beste... - Genau die. Die beste.
Die beste ist das Standardwerk und das hat 873 Seiten.
Uh... Scheiße.
Trotzdem bestellen? - Gibt's kürzere?
Ja klar, ganz viele. - Dann 'ne kürzere.
Okay, dann such ich mal.
(♪ jazzige Percussion)
Oh! Ich hab hier eine mit 120 Seiten. - Das klingt doch gut.
Ich geh jetzt Text machen.
Meld dich, wenn du was von Ada hörst. - Okay, bis später!
(Percussion stoppt ♪)
Moin moin!
(Wirtin, berlinert) Wenn das mal nicht Tom Cruise ist.
Na, Meister, wieder auf Weltreise?
Messerscharf beobachtet.
Ich wünschte, ich hätte so viel Urlaub. - Das ist das Gegenteil von Urlaub, Madame.
Meister, manche würden sagen, dein ganzes Leben ist Urlaub.
Ich hab ein Casting. Ganz schön dickes Ding.
(Tür quietscht)
Ach, jetzt ein Beruhigungsbierchen?
Das wär nicht professionell. Kaffee, bitte.
Du weißt, mein Kaffee schmeckt nicht. Hab nur ein Filterding.
Heute wollen sie alle Expresso.
Ich will aber keinen Expresso. - Jute Wahl.
Espresso ist überbewertet: bitter, Herzinfarkt. (Handy klingelt)
Besorg dir nie so 'ne Maschine. - Nee, bestimmt nicht.
Ja? - (Mattis) Hey.
Ich hab Ada erreicht. Leider keine Chance. - Es gibt doch immer 'ne Chance.
Tut mir leid, war echt nichts zu machen.
(knurrt verärgert)
Egal, komm. Dann red ich mit ihr. - Okay.
Es braucht den Danny-Boy-Touch. - (lacht) Wahrscheinlich.
(lacht) Ciao, ciao. - Milch?
Schwarz.
Hey, Siri. Ada anrufen. - (Siri) Ich bin da.
Ada Miller anruf... (Siri-Fehlermeldung)
(genervt) Hey, Siri. Ada Miller anruf... - Wen soll ich anrufen?
Ada Miller. Handyanruf. - Okay.
Ada Miller. Handy wird angerufen. - Jesus...
(Frau auf Englisch) Hallo?
(Mann plappert nach) Today is the day... - (Wirtin) Micha! Schnauze!
(Ada) Tschüss!
Du sprichst ja urst gut Englisch. - (mit deutschem Akzent) Thank you.
Herrlich. - Selbst wenn du in mich verliebt wärst,
würde dir das nicht schmecken.
Erinnert mich an den Kaffee meiner Mutter. - Solange ich dich nicht an sie erinnere.
Wo ist das Casting? - London.
Da war ich mal. Am Schloss, als die Prinzessin gestorben ist, hab ich Blumen mitgenommen.
Einfach so Blumen mitgenommen? - Klar, das waren so viele. Merkt ja keiner.
Tolle Stadt. Blumen zum Mitnehmen. - Aber Berlin ist besser.
(berlinert) Berlin ist das Beste.
(probt lautlos)
(Daniel) Tagchen.
(Daniel schnalzt)
Kennen wir uns?
Kann ich ein Autogramm haben?
Klar, gerne. Haben Sie was zu schreiben?
Nee.
Hast du mal 'n Kuli? - (Wirtin) Für dich immer, Meister.
Haben Sie Papier?
Nee.
Danke. - Gern geschehen.
Aufgeregt? - (Daniel) Aufgeregt?
Ihr Casting. - Ach so!
Bissl schon. Jetzt geht's, im Flieger auch. Kurz davor kommt das Muffensausen.
Wie vor 'ner Mathearbeit. (Handy klingelt)
In solchen Situationen bringe ich nur 50 % Leistung.
50 % von Ihnen? Das ist nicht viel, ne?
(Englisch) Hallo?
(Wirtin) Hey, Mirko!
Apprischischi... - (Wirtin) Micha, bitte.
(Wirtin) Schwupp, ist er weg.
(Daniel) Tschüss.
(Micha, dramatisch) Goodbye...
(Wirtin) Wohl bekomms.
Oh nee.
Danke. Ich hab leider Frühschicht.
Kaffee hilft aber nicht gegen Aufregung.
Aber nur ein Schlückchen.
Sie wissen ja, Bier am Vormittag, auf leeren Magen...
Ich kann ja nicht angeschickert zu Probeaufnahmen.
Leerer Magen, das muss ja nicht sein. Sie sind öfter hier, ne?
Ja, schon. - Dann kennen Sie die Spezialität des Hauses.
Mach ihm mal 'ne Portion. - Das Übliche?
Gibt's was anderes?
Für Abwechslung musst du ins Adlon. - Sag ich ja.
Wird schon mit dem Hunger. Kriegen wir hin.
Sind Sie von hier?
Ja, das kann man so sagen.
Und Sie?
Nicht so richtig.
(Kölsch) Ich bin aus Köln. Ein kölscher Jeck.
Aber seit 2002 in Berlin.
Das Spiel gestern gesehen? - Na klar.
Glückwunsch.
Jetzt verlieren wir sogar gegen Hertha.
Ich bin Unioner.
Ups. (lacht)
2002 haben Sie hier diesen Stasi-Film gedreht, nicht?
Ich würde ihn nicht Stasi-Film nennen, aber ich weiß, was Sie meinen.
Da haben Sie sich gleich in die Stadt verliebt.
Kann man so sagen. - Ja, ich...
Ich mag den ja nicht.
Wen? - Ihr Stasi-Ding.
Alles von Wessis gemacht.
Westschauspieler, Westregisseur, Westautor, Westfirma.
Nur die Kabel hat ein Ossi geschleppt, ne?
Da kann ich Sie beruhigen. Wir hatten jede Menge Leute aus der ehemaligen DDR...
Das fühlt sich alles falsch an.
Da gehen die Meinungen schon auseinander.
Zum Beispiel die Szene...
mit Ihrem alten Onkel aus der Arbeiterbewegung, als er über die Solidarität spricht,
also über die Zeit als es das noch gab, die Solidarität.
Und Sie gucken ihn an, als wäre er der Papst.
(Micha) Schweinerei ist das mit den Flugzeugen.
Alles abgekartet, Scheißbenzin...
Micha! Ist gut.
Was ist denn mit der Szene?
Manche sagen, das ist die beste Szene des Films.
(spöttisch) Die könnten sogar recht haben.
(räuspert sich)
Na ja...
Sie machen das auch nicht gut.
Wie meinen?
Ach so, ich hätte die Rolle anders anlegen sollen?
Bitte, sagen Sie nur. Feedback ist immer ganz, ganz wichtig.
"Anlegen"? Ach.
Besser gar nicht spielen. Besser gar nicht machen so einen Film.
Aber wenn man so was schon macht, dann hätte man es anders spielen sollen.
Aber Sie sind ja auch nicht der, der sich was erspielt.
So, Meister. Gut ist es nicht, aber besser als nichts.
Lassen Sie es sich schmecken.
Was meinen Sie damit, ich erspiele mir nichts?
Niemand im Kiez macht so ein Sülzchen.
Das will ich meinen.
In London finden Sie das nie. Aber das wissen Sie ja, wenn Sie immer herkommen.
(Besteck klimpert)
(Stammgast) Ihr erster Film, wo Sie den Autisten spielen,
Schwarzer Samt. Inszeniert von Ihrem Kumpel, dem großen Morten Grün,
der dann so berühmt geworden ist.
Mein Vater mochte den ja.
Aber ich fand den auch schon...
ganz schön kalkuliert von dem Morten.
Den Autisten haben Sie ganz gut gespielt. - Danke.
War vielleicht in Ihnen drin.
Aber...
diese Szene, wo Sie die Hippies fertig machen.
Das ist 'ne ganz eklige Anbiederung ans Spießerpublikum.
Aber darum geht's ja nicht.
(angespannt) Worum geht's denn dann?
Das wollen Sie mir sicher gleich sagen, worum es eigentlich geht.
Darauf warten Sie doch schon ganz lange, mir endlich zu sagen, worum es geht.
Sie wissen gar nicht, wie recht Sie haben.
Ich gucke genau hin. Mache ich immer. Nicht nur bei Ihnen.
Ich gucke hin und ich sehe Sie.
Mal so, mal so. Verschiedene Haare, mal ein Bart.
Kostüme immer anders, aber ich sehe immer Sie.
Fein!
Jetzt haben Sie es mir gesagt.
Jetzt hat sich der Tag doch schon gelohnt, hm?
Hab ich Sie jetzt gekränkt? - Nee, nee.
Ein Kompliment ist es nicht für Schauspieler, dass Sie immer nur mich sehen.
(Stammgast) Aber scheint doch zu funktionieren.
Läuft doch gut bei Ihnen!
(♪ leise, jazzige Percussion)
(seufzt)
(probt lautlos)
(entfernte Frauenstimmen)
(entferntes Kichern, diskutieren unverständlich)
(leises Kichern)
Zwei Wasser, bitte. - Mit Sprudel.
Für mich bitte ohne.
Ich hab die Money App runtergeladen. - (Wirtin) Vorsicht!
Fische pissen im Wasser.
(Blondine) Ich hab... - Drei achtzig.
(Wirtin) Und nicht alles auf einmal trinken. - Stimmt so.
(flüstert) Machst du? Oder mach ich?
Wird's eine 2. Staffel von Mindful geben? - (überrascht) Das wissen wir auch noch nicht.
Echt nicht? - Das entscheiden die erst nach den Emmys.
Die sagen uns nichts, aber...
Ja, klar. (klopft zweimal)
Und wie ist Wes Anderson so? - Mega nett. Total entspannt.
Echt? - Ja, echt.
Super cool.
Cool. - Super.
Können wir ein Foto mit dir?
Na logo.
Nice. - (lacht)
(Frauen lachen) Und in die Mitte.
(Daniel) Soll ich? - Gerne.
Wären Sie so liebenswürdig?
Bitte. - (kindlich) Please.
Ich bin immer so liebenswürdig.
(knipst zweimal)
(Frau) Danke! - Super!
Und? - Ist voll gut geworden.
Ja, cool! Hat mich total gefreut. - Okay, cool. Wiedersehen!
(Küsschen)
(Daniel) Ciao! Ciao. - Tschüss!
(Daniel und Frauen lachen)
(sarkastisch) Lebt lange und tut Gutes.
(Frauen kichern ausgelassen)
Mindful wäre eine gute Serie gewesen, wenn ihr sie vor 10 Jahren gemacht hättet.
Aber dieses nachgebaute Boston von 1900, also...
mich macht das müde.
Ach, müde macht Sie das?
(schnalzt) Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir's ganz anders angelegt.
Aber da hätten Sie uns früher Bescheid geben müssen.
(ironisch) Schade.
Sie erkennen mich nicht, oder?
Ich hab dir gesagt, der erkennt mich nicht. - Stimmt, hast du gesagt.
Sollte ich Sie erkennen? - Ja, offensichtlich nicht.
Wenn Sie mich noch nie bemerkt haben, brauchen Sie das auch nicht.
Wo hätte ich Sie denn bemerken sollen?
In unserem Haus.
Sie wohnen in meinem Haus? - (lacht) Nein.
Sie wohnen in meinem. Ich bin schon ein bisschen länger da.
Im Hinterhaus, 5. Stock, gleich gegenüber von Ihnen, auf der anderen Seite vom Hof.
Ich hab aber keinen eigenen Fahrstuhl.
Ich nehme die Treppe, so wie alle anderen.
Der Bote gibt Ihre Pakete bei mir ab, weil ich tagsüber zu Hause bin.
Die haben Sie noch nie abgeholt.
Nein, das macht mein Assistent.
Ja, der Mattis. Das ist ein netter Kerl.
Ja, der Mattis ist ein netter Kerl.
Na ja, nichts für ungut.
(Nachbar) Aber Ihr DDR-Film...
Dass die Stasi-Leute solche Monster sind, solche Karikaturen.
Das waren ganz vernünftige Menschen.
Die sahen nicht anders aus als wir. Und die waren auch nicht peinlich.
Nehmen Sie die Straßenszene, wo man die Stasi-Typen schon am Gesicht erkennt.
Ach, die waren gar nicht so böse?
Nein, die waren wie sie waren.
Ganz vernünftige Menschen. - Ja!
Ganz normal, so wie sie sind.
So wie Sie sind.
(sarkastisch) War alles nicht so schlimm, ne?
Ja, manchmal schon, aber meistens nicht.
Meistens nicht? - Nein, meistens nicht.
Vielleicht nicht für Sie.
Was wissen Sie über mich?
Dass es für Sie damals nicht so schlimm war in der DDR. Das weiß ich jetzt.
Und Sie glauben, Sie können sich vorstellen, wie es für Sie gewesen wäre?
Kann ich in etwa.
Sie hätten nur in kritischen Stücken mitgespielt, natürlich für Biermann unterschrieben.
Die Stasi hätte Sie abgehört, aber das hätte Ihnen keine Angst gemacht.
Ich weiß vielleicht nicht, was ich gemacht hätte, aber jetzt weiß ich, was Sie gemacht haben
und mehr Informationen brauche ich wirklich nicht, mein lieber Herr Nachbar.
Ich war in Hohenschönhausen.
Als Gefangener?
Nee.
Als Wärter.
Natürlich als Gefangener.
Entschuldigung, das tut mir leid.
Nichts für ungut.
Sie haben Ihr Sülzchen noch nicht gegessen.
Sieht sehr lecker aus.
(gequält) Will ich gern essen, aber vorm Casting hab ich nie Appetit.
Aber schmeckt schon gut, oder? - Na klar schmeckt das.
Haben Sie es schon mal gegessen?
Das weiß ich ehrlich gesagt nicht.
Das kann jetzt nicht wahr sein.
Marinas Spezialität!
(Daniel) Wenn das so ist...
dann muss ich es unbedingt mal probieren, wenn ich kein Casting habe.
Aber ich kann jetzt nichts essen.
Sie heißt nicht Marina.
(Nachbar) Sie sind hier Stammgast, nicht?
Sie hatten noch nie das Sülzchen und haben keine Ahnung, wie die Wirtin heißt.
Macht nichts, Meister. Dafür weiß ich, wie du heißt.
Jetzt hab ich mich blamiert.
Meine erste Freundin hieß Marina. Vielleicht liegt's daran.
Ist das so?
Wollen wir nochmal von vorne anfangen?
Von vorn?
Ich grüße dich untertänigst, Herrin dieses schattigen Haines,
die du uns irrenden Seelen Trunk schenkst und Ruhe.
Du bist zu groß, um nur einen Namen zu haben, und doch...
Ich habe gefehlt, und ich bitte um Verzeihung.
Ist wirklich nicht schlimm.
Aber du kannst so schön reden.
Schön reden ist mein Beruf, aber meine Berufung ist es auch.
(Wirtin lacht laut)
(Wirtin lacht weiter)
Macht das das Sülzchen?
Warum waren Sie in Hohenschönhausen, wenn ich fragen darf?
(schnaubt)
Weil ich gut darin bin, mich in Schwierigkeiten zu bringen.
Mein Vater sagte immer: "Bruno, überall bringst du dich in Schwierigkeiten."
Ich war am falschen Ort zur falschen Zeit. Ging schnell damals bei uns in der DDR.
Das war wirklich ein bisschen so wie in Ihrem Film.
Mein Vater hatte die Wohnung vorne, ganz oben unterm Dach.
Welche?
Gibt ja nur eine.
Ihr Vater hat in der Wohnung gewohnt, in der ich jetzt bin?
Bis '99.
Dann hat der Hans Schüssel, ein Spekulant, der hier alle Häuser umgebaut hat,
ihn rausgekauft.
Für 8750 D-Mark.
(erschüttert) 8750...
D-Mark.
Als er raus war, hat er das Dach ausgebaut und 'ne Maisonette-Wohnung draus gemacht.
Das Problem war nur, mein Vater wollte gar nicht ausziehen.
"Ich bin seit '57 hier", hat er gesagt.
"Hier bleib ich und hier sterb ich."
Was hat der Hans Schüssel gesagt? "Sterben gern, bleiben nein."
Am Anfang dachte er noch, der redet ja nur.
Aber dann hat er kapieren müssen, der meint das ernst.
Spekulanten tun immer das gleiche, wenn sie wollen, dass einer abhaut.
Die haben da nicht viel Fantasie.
Ähm... Wie nennt ihr das?
Wir? - Leute wie Sie...
Also, Leute, die danach einziehen.
Gentrifizierung, oder?
Alles in Bewegung in so einer Stadt.
Panta rhei, alles fließt.
Da kriegt man schon mal die Hand gebrochen, nachts vor der Haustür, von so einem Typen.
Dann weisen Sie mal nach, dass es Hans Schüssel war.
Ihrem Vater wurde wegen meiner Wohnung die Hand gebrochen?
Ja, die Fingerknochen.
Mittelfinger und Zeigefinger.
Ja?
Die machen das wie in den Filmen. Die sind da nicht kreativ.
Er ist dann zu mir gezogen. Ich hab aber nur zwei Zimmer.
Wir haben uns vorher schon nicht gut verstanden.
Hab ihn dann pflegen müssen.
Das Übliche.
Kann ich ihn mal treffen? - Nee.
Ich hatte nichts damit zu tun.
Wenn Sie immer genau hinschauen, wie Sie sagen, wissen Sie, dass es nicht meine Schuld ist.
Aber klar, kalt lässt mich das nicht.
Wenn Ihr Vater zur Polizei...
Er ist tot.
Das tut mir leid. - Braucht es nicht.
Ging schnell.
Er konnte Ihren Stasi-Klassiker auch nicht leiden.
"Stimmt alles nicht", sagte er. "Wessi-Romantik."
(lacht) Ja.
Er ist ja dauernd ins Kino gegangen. Hatte ja sonst nichts zu tun.
Schwarzen Samt mochte er ja noch irgendwie,
aber dann sind Sie ja reingezogen, ne?
"Wessi-Romantik..." - Ja, hat er gesagt.
Da müssen Sie mit Morten Grün reden. Hab ich schließlich nicht geschrieben.
Aber auswendig gelernt und aufgesagt.
Ein bisschen mehr gehört da schon zu. - (spöttisch) Auswendig und ab in die Kamera.
Wenn man sich es nicht merken kann, wird es noch mal gemacht, bis es klappt.
Ich, zum Beispiel, hab mich umschulen lassen.
Gleich nach der Wende.
Programmierer. Ich hab sogar noch Assembler gelernt. Wissen Sie, was das ist?
Nee. - Das ist so Maschinensprache.
Eine Stufe über den Nullen und Einsen.
Kann heute keiner mehr. Braucht aber auch keiner mehr.
Weil die Rechner so viel Kapazität haben. (Handy piept)
Die Umschulung war ein einziger großer Betrug.
Wie alles, was der Kohl versprochen hat, was die Merkel versprochen hat.
Wissen Sie, wo ich heute arbeite?
Im Banken-Helpcenter.
Ja, da landet ein Programmierer, weil er dem Kohl geglaubt hat.
Im Nachtdienst.
(Tippen, Nachricht sendet)
(stammelt)
Helpcenter?
Banken-Helpcenter.
Wenn Sie irgendwann um 3 Uhr in der Früh auf einer Party bemerken,
Sie haben Ihre Kreditkarte verloren und die Notnummer anrufen,
dann glauben Sie, Sie landen bei Ihrer Bank.
Aber die Leute in Ihrer Bank schlafen.
In Wirklichkeit landen Sie bei uns.
Die Kartensperrnummer, das sind immer wir, also ich.
Also nachts um drei sitz da nur ich.
Und ich lese Ihnen Ihre letzten Umsätze vor
und Sie sagen: "Ja, das stimmt." "Nein, das stimmt nicht."
Und ich sperre die Umsätze und schicke Ihnen eine neue Karte zu.
Und das mach ich die ganze Nacht.
Deshalb kann ich tagsüber zu Hause sein, wenn ich nicht in der Kneipe bin.
Und deshalb kann ich auch Ihre Pakete annehmen.
(Bruno) Tja...
Als Kind kriegt man immer gesagt, jeder muss seinen Beruf haben, aber...
Irgendwann kommt man drauf...
Ein paar wenige,
die haben Glück. - Mhm.
Sie meinen also, jeder kann das? - Na ja...
Wollen wir's durchgehen?
(skeptisch) Wieso?
Ich muss es sowieso üben und vielleicht interessiert es Sie ja.
Streng geheim.
Was ist es denn? - Nichts, worauf man stolz sein muss.
Aber es bezahlt die Miete und viele Menschen werden es sehen, 100 Millionen.
Sie bezahlen Miete? - Ja.
Ich dachte, Papas Dachwohnung gehört jetzt Ihnen?
Muss ja trotzdem jeden Monat was abbezahlen.
Haben Sie die Uhr bezahlt? - Was soll das denn jetzt?
Oder die Schuhe, die Jacke?
Erstens geht Sie das überhaupt nichts an...
Klar, sie haben in einem Artikel gelesen, dass Schauspieler alles gratis kriegen.
Na sicher nicht jeder Schauspieler.
Sie finden, ich sollte den Firmen sagen: "Ich will euren Krempel nicht."
Man kann den Krempel auch spenden.
Sie geben immer so sorgenvolle Interviews.
Wollen immer den Flüchtlingen helfen. Dauernd. Gut, nicht dauernd.
Immer wenn Sie einen neuen Film haben. Wie weit ein Flüchtling mit so einer Uhr käme!
Das ist doch albern. Fragen Sie doch gleich, warum ich keine Flüchtlinge in meiner Wohnung...
Stimmt, der käme nicht weit, weil die Polizei ihn hochnimmt, wenn die ihn damit sieht.
Er könnte sagen: "Die hat mir der Typ aus Mindful geschenkt."
Schauen wir mal, ob das wer glaubt.
Können Sie auch Englisch oder nur Russisch?
Dafür wird's schon reichen.
(summt leise vor sich hin)
Heißt der wirklich "Darkman"?
Wie gesagt. Nichts worauf man stolz sein muss. Kein Oscar, aber ein Riesenfranchise.
French?
English.
Franchise.
Es geht um eine wiederkehrende Rolle. Ist auch egal...
"Laser Angel"?
Mhm. - Na dann. Okay.
(tiefe Stimme) This won't fly, Darkman. And neither will you.
(akzentfrei) Not today. Not ever again.
(deutscher Akzent) You don't understand, Angel of Laser.
Evil is stronger.
(lacht) So eine Scheiße.
Evil is stronger than good, and always was, and always will be.
What you call good? What all of your people call good is just weakness
and fear of your mighty leader. - You leave him out of this.
Eagle Man?
You want me to leave Eagle Man out, Laser Angel?
You don't deserve to utter Eagle Man's name!
He was here before all of you crawled out of darkness.
Before any of us took up weapons.
He won the great first war and made our world what it is today.
(räuspert sich)
He did nothing of that sort.
Back in the days he was just a minor servant of Croy...
(dramatisch) He was never a servant of Croy.
Wer ist denn Croy?
Keine Ahnung. - Aber hier steht, dass er wichtig ist.
Wie gesagt, das ist streng geheim. Ich kenne nur diese Seite.
Aber wenn das stimmt, was ihr immer so sagt,
dass man sich in eine Rolle reinversetzen muss und das schwere Arbeit ist...
Müssen Sie dann nicht wissen, wer Croy ist?
Ja!
Ich versuche, ans Skript zu kommen,
aber sie passen drauf auf, als wär's der Stein der Weisen.
Eher Stein der Trottel, oder?
And will not be there to help you
when we are done with you.
I won't need his help. - No.
You won't, Laser Angel.
Because you will be dead!
Ich glaub, ich muss los.
Ihr Flug geht erst halb zwei. Sie haben doch noch Zeit.
Woher wissen Sie das?
Wir Stasi-Leute wissen so was.
(Bruno) Mein Gott, das war ein Witz!
(Bruno stammelt)
Sie haben vorhin London gesagt, da hab ich nach dem nächsten Flug geschaut.
(♪ melancholisches Lied setzt ein)
(Bruno) Mach das aus.
Hörst du doch sonst so gern. - (nachdrücklich) Bitte mach es aus.
Da ist aber einer empfindlich.
(Musik endet ♪)
(Bruno) Der nächste geht in 30 Minuten... - Die wollen ja, dass man vorher da ist.
Dann bis zum nächsten Mal. Dann ohne Casting, mit ganz viel Bier
und der leckeren Spezialität des Hauses. Ich freu mich drauf. Das wird ein Fest.
Stimmt so. - Danke.
Rufst du mir ein Taxi? - Natürlich.
(Daniel) Danke.
Kann ich ein Autogramm? - Na logo.
Für wen? - Mirko.
(Wirtin) Mein Neffe! - (Daniel) Super.
Was ist das für ein Film? - Booster.
(Bruno) Ja, da waren Sie gut! Den Chefpiloten hab ich Ihnen abgenommen.
(Mirko) Und ein Foto? - (Daniel) Klar.
Als Sie geweint haben, die Tränen hab ich Ihnen abgekauft. Also fast.
Ich weiß ja, da kommt die Maskenbildnerin mit Augentropfen und dann los.
Ja, "Zur Brust". Bitte eine Kraftdroschke. Aber nicht erst gestern.
Oh nee, alle! - Kein Problem, dann meins.
(lauter Knall) Wo sind wir denn?
(Micha) Ist doch langsam nicht mehr wahr! - Micha! Schnauze!
(knipst zweimal) Wie krieg ich das jetzt?
Mein Assistent bringt's vorbei, ausgedruckt.
Und die Special Edition der DVD und 'n Mindful-Poster.
Ist das ein Angebot? - Ja.
Ist gerade Messe. Die ganze Stadt ist voll.
Was denn für eine Messe? - Weiß nicht, was die Schwaben machen.
Dann plaudern wir noch.
Gut.
Dann plaudere ich mit Ihnen, Nachbar. Ich wollte Ihnen auch noch was sagen.
Wissen Sie, was mich wirklich überrascht?
Leute wie Sie, die ernsthaft glauben, dass mich ihre Meinung interessiert.
Ach, ist das so? - Ehrenwort.
Ihre Meinung zu meiner Arbeit, meinem Gesicht, meiner Art zu spielen...
Ich weiß, dass Sie die loswerden wollen, aber sie interessiert mich nicht.
Das ist jetzt nicht persönlich gemeint, weil Ihre mich besonders nicht interessiert.
Die Meinung aller anderen ist mir auch egal. Nicht ganz so wie Ihre,
aber trotzdem egal.
Sorry, ist einfach so.
Das sagen Sie mal den Kritikern. - Verstehe.
Sie freuen sich über schlechte Kritik von mir.
Aber ich kriege deshalb keine schlechteren Rollen und verdiene auch nicht weniger Geld.
Aber die paar guten Kritiken müssen Sie doch freuen.
Erstaunlicherweise auch nicht.
Ich glaub keinem ein Wort. Nicht den guten, nicht den schlechten.
Hm, da bin ich bei Ihnen. (Handy klingelt)
Ich hab auch ein gutes Wort dafür. - Ja?
Lügenpresse.
(Handy klingelt immer noch)
Ja? - (Mattis) Ich bin's. Hab Janice in der Leitung.
(Bruno) Mirko!
Janice? - Head of Production.
(Bruno) Kommst du mal? - Deine Fragen zum Skript.
Ah, Scheiße. Stell sie durch. Nee, warte mal.
Kennst du einen Typen, der in meinem Haus wohnt?
Ganz oben, Hinterhaus. Du holst die Pakete bei ihm ab.
Bruno? Der nette Ost-Rocker? (lacht) - (Daniel) Hä?
Janice wartet. - Ja.
Stell sie durch. - Viel Glück!
(♪ jazzige Percussion setzt ein)
(Frau auf Englisch) Hallo?
(begeistert) Hey... - Ich telefoniere.
(Mirko) Tschüss!
(Janice) Croy?
Ja, Croy.
Hey! - (laut) Nicht jetzt!
(Taxifahrer) Taxi für Sie?
Ich komm in einer Sekunde, sorry.
Tschüss. (Percussion endet ♪)
Sind Sie fertig?
Ja.
Bin fertig.
Und jetzt fahr ich zum Flughafen.
Ich wollte fragen... - Ciao.
Ciao, ciao.
(Daniel) Ich hol kurz meinen Koffer.
Eins wollt ich noch sagen... - Gar nichts mehr.
Sie haben mir für mein ganzes Leben genug erzählt.
(Bruno) Sie sollten Conchita nicht zu sehr vertrauen.
Was ist mit Conchita?
So heißt sie doch, oder? Ihr Kindermädchen?
(Taxifahrer) Was jetzt?
Ich fahr doch nicht. Entschuldigen Sie.
Pisser!
(empört) Die Leute in dieser Stadt! - Was ist mit ihr?
Mit wem?
Mit Conchita.
Sie kriegt ziemlich oft Besuch.
Immer wenn sie mit den Kindern allein ist.
Ziemlich viele Leute.
Die sitzen dann in euerm Wohnzimmer, essen und trinken.
Riecht ziemlich scharf. So kubanisches Zeug. Wär ja nichts für mich.
Aber jeder wie er will.
Dann räumt sie auf und benutzt dieses eklige Spray "Feige",
damit ihr nichts merkt.
Das stinkt bis zu mir rüber.
Ich kann in eure Wohnung sehen.
Von meinem Fenster aus.
Manchmal kommt auch ihr Freund, also einer von beiden.
Die hat zwei.
Wenn ihr verreist seid, bleibt er auch über Nacht. Immer einer von beiden.
Mal der, mal der. Weiß nicht.
Die sehen ja auch alle gleich aus. - Das stimmt doch nicht.
Einmal, als sie schlechter Laune war,
hat sie dem Karlchen eine Ohrfeige gegeben.
Wie bitte?
"Geht dich nichts an", hab ich mir gedacht.
Okay, jetzt wissen Sie es.
Conchita hat meinen Sohn geschlagen?
Ich hab jetzt wirklich schon genug gesagt.
Wenn Sie das gesehen haben, müssen Sie was sagen. Ich muss das doch wissen.
Ich sollte mich da nicht raushalten? - Natürlich nicht.
Wenn man also etwas Falsches sieht, dann sollte man eingreifen?
Natürlich muss man das.
Ja, Conchita war überarbeitet.
Es war einer der Tage, wo deine Frau gesagt hat...
Entschuldigung! Jetzt hab ich Sie geduzt.
Wo Ihre Frau sagte, sie kommt um 5 nach Hause und war 9 Uhr abends immer noch nicht da.
Sie hat ja schon um 9 Uhr morgens angefangen.
Sie war wirklich müde. Irgendwie kann man das auch verstehen.
Als der Karl nicht aufgehört hat... (stammelt) Der war wirklich sehr laut.
Es hat mich fast wahnsinnig gemacht. Der Hof ist so klein. Ich höre alles bei mir.
Da ist ihr die Hand ausgerutscht. Geht natürlich nicht.
Aber man kann es ein wenig verstehen.
(Bruno) Und?
Beethoven?
Beethoven?
Wird das was?
Conchita hat ihn wirklich geschlagen?
Ihr ist die Hand ausgerutscht. Sie war müde.
Aber das wär mal ein Film, der Beethoven! Sie und Morten Grün wieder zusammen.
Und Sie als Beethoven.
Das kann ich mir gut vorstellen. Das kriegen Sie gut hin.
Nur bei der Taubheit dürfen Sie nicht schmieren.
Ich hab Sie gehört, am Telefon. Mit Morten.
Mit Ihrem alten Freund, Morten.
Das klang so spannend...
und so einträchtig. Das klang nach so einer guten Idee.
Aber? - Nichts aber!
Gute Idee!
Es freut mich, dass es Ihre Zustimmung findet.
Aber... - Ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Leben.
Keine Sorge, die Pakete werden nicht mehr bei Ihnen abgeliefert.
Wollen Sie gar nicht wissen, wann das war, die Ohrfeige?
Ist vielleicht wichtig.
27. April diesen Jahres, 19:30 Uhr.
Da klickert nichts?
Da waren Sie in Barcelona. Warum war Conchita allein mit den Kindern?
War nicht vorgesehen. Ihre Frau sollte doch zu Hause sein.
Aber, schau mal!
(Mann erstaunt) Oh, super!
(berlinert) Sie sind richtig. Einer von den guten Promis.
(Bruno) Klar ist er das. Gibt's denn noch mehr?
(Mann) Logo. Axel Prahl.
(Mann) Zum Beispiel.
Sieht mich!
50 Öcken!
Ich sagte...
"Das ist zu viel, Herr Prahl." Und er nur:
"Steck ein, mein Junge."
Und hier Mutter Beimer, zum Beispiel. Die Mutti der Nation.
Die alte Drecksau.
Sitzt in 'ner großen Runde zusammen.
Ich sag zu ihr: "Ich muss noch nach Charlottenburg."
Da ruft die alle zusammen. Fängt an, Geld fürs Taxi zu sammeln.
Und ich steh da, total assi.
(stammelt) Die Taxe hätte sie wohl allein zahlen können.
Och Mensch.
Bruno gibt immer.
Altes Seelchen.
Können Sie Gift drauf nehmen.
Wenn Sie irgendwas brauchen, ne?
Bruno hilft immer.
Nun ist gut, Guido, komm.
Ist ja gut. Ich geh ja schon.
(verlegen) Mensch.
(Wirtin) Ist gut. - Danke.
(Wirtin) Tschüss, Guido.
(Guido) Schönen Tag noch!
Woher haben Sie die Kartenabrechnung meiner Frau?
Die ist vom April diesen Jahres. Schau mal zum 27.
Hotel Saint-Jacques, Hamburg.
315 Euro.
So viel kostet dort...
ein Doppelzimmer.
Kategorie Normal. Die haben auch Deluxe.
Das ist fast doppelt so teuer. Ein Einzelzimmer kostet deutlich weniger.
So, jetzt frag ich dich erstens: Warum war deine Frau in Hamburg?
Obwohl es Conchitas Geburtstag war und sie eigentlich frei haben sollte.
Plötzlich nicht mehr. Warum?
Zweitens: Warum ein Doppelzimmer?
Und drittens: Wenn du das nicht weißt...
was bedeutet das?
Du hast nicht aufgepasst. Ich hab dir gesagt, wo ich arbeite.
Du hast mir nicht zugehört.
Ich seh alles, was auf deinem Konto los ist.
Und ich seh auch alles, was auf jedem anderen Konto los ist.
Es kann ja jeder mal seine Karte verlieren. Da muss ich doch nachschauen können,
ob was abgebucht wurde.
Aber auch, wenn keine Karte verloren geht, seh ich alles, was auf dem Konto passiert.
Du dachtest: "Mir doch egal, was der Typ über sein Leben erzählt", stimmt's?
Kann ich ein Wasser haben?
(Wirtin) Mit oder ohne? - Ist egal.
Also nur zur Kontrolle, weil...
du denkst vielleicht, ich erfinde das.
Du warst an dem Tag in Barcelona, ja?
Du hast im El Tauro zu Mittag gegessen.
Du bist dreimal Taxi gefahren.
Du hattest wahrscheinlich Meetings. Das nennt ihr doch so?
Du hast im Hotel Camper zu Abend gegessen.
Allein, nehm ich an, es waren nämlich nur 37 Euro.
Und so viel kostet dort, ich hab nachgesehen,
ein Steak mit Pommes Frites.
Weiß nicht, ob du die Fritten gegessen hast. Vielleicht darfst du nicht wegen deiner Linie.
Du bist dann noch zwei Tage in Barcelona geblieben
und deine Frau ist schon am nächsten Tag aus Hamburg zurückgekommen.
Die Fahrkarte hat sie am Bahnhof gekauft.
Erste Klasse. Natürlich erste Klasse.
Anderthalb Stunden zweiter Klasse hält ja keiner aus.
Zum Mittag am nächsten Tag war sie zu Hause.
Conchita war echt erleichtert. Und müde war sie.
Sie hatte gedacht, sie hätte frei an ihrem Geburtstag.
Aber dann war sie den ganzen Tag mit den Kindern und die Nacht auch.
(Micha) Alle Speisewagen geschlossen. Nur bei den Polen gibt's noch lecker Spiegelei!
(Wirtin) Micha, halt die Schnauze. - Nee, jetzt ist mal genug.
(Micha) Könnte ja jeder kommen, Speisewagen schließen. Tut keiner was gegen!
Und wir hocken da wie die Lemminge, oder was?
(Micha) Aber so läuft das nicht mehr.
Das war beim Kaiser...
Nun halt doch mal die Schnauze!
(Wirtin) Micha, bitte.
Wenn du nicht still bist, musst du gehen.
(Bruno) Tja...
Clara hat alles geändert, ohne dir was zu sagen.
Oh, 'tschuldigung. Jetzt hab ich Sie schon wieder geduzt, aber...
das passiert mir immer wieder, weil ich Sie so gut kenne.
Das nennt man Stalking.
Und dafür werden Sie Ihren Job verlieren. Da können Sie auch nachts in die Kneipe.
Da hält Sie keiner vom Verwesen ab, Sie Schwein!
Stimmt so.
(Wirtin) Geh zum Park. Da ist ein Taxistand, nur ein paar Minuten.
Ja, gut.
(Tür fällt zu)
(Fahrradklingel, ♪ angespannte Percussion)
(Auto hupt, Verkehrslärm)
(♪ Percussion und Lärm werden lauter)
(Männer grölen)
(Krankenwagensirene, Percussion stoppt ♪)
(♪ im Taxi Musik auf Türkisch)
Nach Tegel, bitte. - (Fahrer) Klar, mein Freund.
(♪ "Kendim Ettim Kendim Buldum" von Cem Karaca)
(Taxifahrer) Alles klar bei dir?
Stop! - Was?
Halten Sie an. Ich steig hier aus. - Was soll das?
(Geld raschelt)
(Taxifahrer) Danke schön.
(♪ Percussion setzt wieder ein)
(Percussion stoppt ♪)
(Wirtin) Hast recht gehabt, Bruno!
Willkommen zurück, Meister.
(Wirtin) Wie du das immer machst.
War das nur einmal, das Zimmer in Hamburg?
Willst du das wirklich wissen? - Ja.
Wolltest du nicht die Polizei rufen?
Sag es mir! - Du hast mich Schwein genannt.
Weil du es wissen musst.
Weil du nicht mit einer Lüge leben willst.
Wie lange machen Sie das schon?
Am Anfang wollte ich das gar nicht.
Ich hab euch halt immer gehört. Ich konnte ja gar nicht anders.
Wenn ihr geredet habt, gestritten, telefoniert...
Ihr habt auch immer das Fenster auf. Sogar im Winter.
Zuerst hat mich das alles nur genervt.
Aber dann sind mir einige Sachen aufgefallen und ich hab angefangen nachzuschauen.
Wohin du fährst, wenn du verreist, und was mit Clara ist.
Wenn man jede Abbuchung sieht, dann sieht man wirklich viel.
Plötzlich konnte ich nicht mehr wegsehen. Neun Jahre.
Meine Frau hat mich neun Jahre betrogen.
Wie ein Volltrottel hab ich nichts bemerkt. Ich wollte auch nichts bemerken.
Freunde haben mir Hinweise gegeben. Ich wollte es nicht hören, neun Jahre lang.
Du musst mich mit jemandem verwechseln, Bruno.
(Bruno) Mit wem?
Einem, der sich für dein Scheißleben interessiert.
Ups, jetzt hast du mich verletzt. - Ich will nichts wissen von deiner Frau,
die dich sicher zurecht verlassen hat, oder wie es dir in deinem Drecksloch geht.
Ich bin nicht dein Freund.
Du willst mir was sagen, deshalb hast du alles ausgedruckt.
Also sag's mir oder halt die Fresse.
Okay.
Ich halt die Fresse.
Schon gut, schon gut. Okay, okay.
Du hast gewonnen. Stimmt, ich will's dir sagen.
Das ist ein Jammer mit dem Beethoven!
Das wär mal eine Rolle für dich.
Das könnte ein toller Film werden. Ich kann's mir schon richtig vorstellen,
wie er immer weniger hört und wie sich so alles nach innen kehrt.
Dafür könntest das du den Oscar kriegen, dann habt ihr ihn beide.
Na ja, der Morten kann den Film ja immer noch machen.
Könnte sogar die Hauptrolle spielen. Sieht ja gut aus.
Was willst du mir sagen?
3. Juni.
Das Essen mit den Netflix-Leuten.
In...
Frankfurt.
Die Produzenten waren auch da. Morten hat abgesagt.
15. Juni.
Da hätte er nach Budapest kommen sollen. Da hattest du die zwei Nachdrehtage für Mindful.
Ist er aber nicht.
Da hast du natürlich schon überlegt, vielleicht will er aussteigen.
Und das hast du auch Clara gesagt auf Skype.
(liest vor) "Ich glaube, Morten will Beethoven nicht mehr machen."
Am 17. August war das. Und sie hat geantwortet,
"Vielleicht ist es nicht Beethoven, vielleicht liegt es an was anderem."
Tja...
Vielleicht hat sie ja recht.
Vielleicht liegt es ja wirklich an was anderem.
Vorigen Monat, Taormina: Du und Clara beim Filmfestival.
Du warst nominiert. Der Morten war plötzlich auch da.
Warum weiß ich nicht. Nominiert war er für nichts.
Habt ihr denn über Beethoven geredet?
Na ja, vielleicht lag es wirklich nicht daran.
(Bruno) Aber kommen wir nochmal zurück zum 27. Da war er auch in Hamburg
und zu Abend gegessen hat er, was für ein Zufall,
auch im Hotel Saint-Jacques.
Zimmer hat er auf seine Karte keins gebucht. Vielleicht kam er bei Freunden unter.
Hat er Freunde in Hamburg?
Vielleicht hat er bar bezahlt. Aber ich weiß, dass er gerade einen ziemlichen Engpass hat.
92.000 Euro Steuernachzahlung.
(Summen einer Fliege)
Überwiesen am 17. März.
Deshalb ist er auch 2. Klasse nach Hamburg gefahren
und war wohl froh, dass er das Zimmer im Saint-Jacques nicht bezahlen musste.
Aber zurück zum 3. Juni, das Meeting mit Netflix,
wo er nicht gekommen war. Da war er in...
Berlin.
Was hat er dir gesagt, wo er ist?
Er hat nämlich genau... Und das ist lustig, schau mal.
Er hat nämlich genau hier Geld abgehoben.
Hier an der Ecke.
Während ihr alle zusammen in Frankfurt wart wegen seinem Film.
Clara war übrigens auch hier.
Sie wollte eigentlich zum Ärztekongress nach Genf,
aber sie ist doch in der Stadt geblieben.
(Summen der Fliege wird lauter)
Schau. Hier ist die Swiss-Abbuchung
und hier die Rückbuchung storniert.
Das war übrigens am Vormittag. Da waren die Kinder in der Krippe.
(atmet laut)
Tja... Das könnte alles gelogen sein, das weißt du.
Das hier...
Hast du ein Ding an der Waffel?
Entschuldige, ich heb nachher alles auf.
Das könnten nur Fälschungen sein.
Aber ich meine,
wenn du dir das mal überlegst, wie das die letzten Monate war.
Mit Clara, Morten, Beethoven...
Wenn du dir das nochmal durchdenkst,
ob du dann auch noch glaubst, dass ich lüge.
Ich hab mir gesagt: "Sei still."
"Geht dich nichts an", hab ich mir gesagt. Aber ich weiß doch, wie das ist.
Neun Jahre hab ich's selbst erlebt.
Fasst man doch nicht, dass so was möglich ist.
Dass man sich jeden Tag sieht. Morgens, mittags, abends...
Man denkt, man hat ein Leben,
und plötzlich ist alles eine Lüge?
(Bruno) Den Flug schaffst du jetzt nicht mehr.
(lautes Klappern)
(flüstert) You will not destroy me, Darkman.
You won't.
Guck mal.
(Bruno stimmt Beethovens 5. an)
(Tor fällt quietschend zu)
Hey, Siri. Clara anrufen. - (Siri) Clara wird angerufen.
(Clara) Hey! Bist du schon in London?
Daniel? - Nee, ich bin noch unterwegs.
Alles okay? Du klingst komisch.
Hallo?
Bei dir alles ok? - Na ja, bisschen viele Patienten heute.
Vorhin so ein komischer Typ. Ich sag zu ihm, er bräuchte einen MRT-Termin.
Darauf er: "Keine Zeit." Darauf ich: "Aber Sie müssen."
Und er: "Sagen Sie mir nicht, was ich muss." Was mach ich mit so einem?
Was hast du gemacht? - Ich hab gesagt: "Ist Ihr Leben."
Vielleicht hatte er Angst. - Hm.
Wovor denn? - Vor dem, was er da erfahren könnte.
Ja, das kann sein.
Klar.
Bist du noch dran?
Karlchen war sehr unruhig heute Nacht.
Der schläft immer so schlecht gerade. Ganz schlimme Träume, der Arme.
Emil wollte heute gar nicht in den Kindergarten.
Ich hab gefragt, was er sonst machen will. Stell dir mal vor, was er gesagt hat.
Was hat er gesagt?
(lacht)Er hat gesagt, dass... (Knistern in der Leitung)
Was?
Bitte?
Du warst weg. - Nein, du warst weg.
Nein, du warst weg. - Nein, du.
Du... - (lacht, erneutes Knistern)
Ich glaub, ich muss jetzt los. - Okay.
Alles, alles Gute, ja? Ich drück ganz fest die Daumen.
Danke. - (lacht unsicher) Du klingst komisch.
Das ist nur die Aufregung.
Brauchst nicht aufgeregt sein. Ich liebe dich. Ja?
Ich dich auch.
(Leitung tutet)
(atmet tief durch)
(Rascheln der Bäume wird lauter)
(♪ sanfte klassische Musik, jemand übt Klavier)
Entschuldigung könnten Sie ein Foto?
Na klar.
(lacht verlegen) Also, ein Foto von uns. Also, ein Foto von uns beiden.
Oh! 'Tschuldigung.
(knipst zweimal)
(Mann) Super, danke. - Danke schön.
(beide lachen)
(Klaviermusik endet ♪)
(lauter Automotor)
Haben Sie vergessen. Brauchen Sie noch.
Die Denise mag ich sehr.
(dumpfes Klacken)
Meister, musst du nicht nach London?
Kannst du mir noch 'n Kaffee machen? - Klar kann ich.
Prächtiges Mädel, die Denise. Muss zwei Kinder ernähren.
Ihre ältere Tochter lernt Saxophon. Wusstest du wahrscheinlich nicht.
Na klar! Über Denise müssen wir natürlich auch noch reden.
(dumpfes Klacken)
(Klacken, Dartscheibe piept)
Sie war in der Ukraine verheiratet.
Ist ihrem Mann davongelaufen.
Von ihm ist auch die Narbe an ihrem Hals.
Sie sagt, du findest die Narbe hübsch, aber du hast nie gefragt, woher sie kommt.
Ich hab mich ja lange gefragt, was sind das für Überweisungen.
Mal 500 Euro, mal 1000, mal 850...
Viermal 2300 Euro! - Günstig ist das nicht.
(Bruno) Ja...
www.personal-fans.com
Eine Pornoseite, das ist klar. Aber... So viel Geld?
Ich hab einen Moment gebraucht. Ich wusste ja nicht, dass das möglich ist.
Ich meine, ich gucke ja auch mal 'nen Porno.
Aber ich wusste nicht, dass man eine Denise ganz für sich alleine haben kann.
(flüstert laut) Online-Sex mit ihrem Freund.
Und nur du als einziger Zuschauer! Ganz exklusiv!
(lacht beeindruckt)
(lautes Klacken, Dartscheibe piept)
(klack)
(klack)
Ja, das waren die 2.300 Euro.
Hast du auch nur viermal gemacht.
Gott sei Dank habt ihr getrennte Konten, die Clara und du, hm?
Aber für das Geld hättest du doch ein tolles Callgirl haben können.
Das ganze Programm! Und du wolltest lieber auf 'nem Tablet?
Auf diesem kleinen Bildschirm?
Natürlich weißt du von dem Tablet.
Als ich das kapiert habe, hab ich sie sofort kontaktiert.
Man muss die App runterladen, 50 Euro Einstiegsgebühr, aber hat sich gelohnt.
Ich hab ihr gesagt, ich bin dein Bruder. Hat sie sofort geglaubt.
Ich hab ihr gesagt, ich mach mir Sorgen um dich und sie hat sofort von euch erzählt.
Sie hat mir sogar noch fünf Minuten extra gegeben, weil...
die Denise ist wirklich, wirklich lieb.
Sie hat gleich erzählt, dass du immer über deine Filme redest
und über Clara jammerst, und ich hab mir gedacht:
Du hast nicht dein Handy benutzt.
Also bin ich in eure Wohnung, als ihr in Taormina wart, und hab gesucht.
In meiner Wohnung warst du auch?
Das war ganz komisch, die mal von innen zu sehen.
Ich hab gedacht, ich träume, weil...
(klack)
normalerweise ist das wirklich ein Traum, wenn ich bei dir in der Wohnung war.
Dafür gehst du ins Gefängnis.
Ach, dafür nicht. Der Mattis hat mir den Schlüssel gegeben.
Er hätte die Blumen gießen sollen und musste für zwei Tage nach Hannover.
Zum Paintball-Turnier. Ich sagte dir ja, wir haben uns ein wenig angefreundet.
Er hat mich von sich aus gefragt. Stell dir das mal vor!
Ich sag: "Was? Du spielst Paintball? Ist doch super!"
Klar gieß ich bei dir die Blumen und...
Und dann hat's auch wirklich Spaß gemacht.
Ich dachte mir: "Wo wird er was versteckt haben?
Er ist nicht dumm, aber er ist auch kein Genie. (Daniel lacht)
Und vor allem rechnet er ja nicht mit mir, sondern höchstens mit seiner Frau.
Die hat 'n Beruf, behandelt Kranke. Die sucht nur 'ne halbe Stunde."
Aber ich?
Ich hatte den ganzen Tag Zeit.
Es ist mir egal, ob er dir den Schlüssel gegeben hat.
Ich hab einen sehr guten, sehr teuren Anwalt,
und die Polizei wird auf meiner Seite sein, denn ich bin 'n ziemlich beliebter Typ.
Wenn ich mit der Polizei rede, dann ist die auf meiner Seite.
Und das wirst du spüren, wenn sie dich verhören.
Ich hab Handschuhe getragen.
(klack)
(Dartscheibe piept, klack)
(Computerstimme) Bull's Eye!
(Bruno) Ich musste auch gar nicht lange suchen.
Dein Tablet war in der Küche.
Was vor allem beweist, dass Clara nie kocht.
Du kannst einem wirklich leidtun.
In der Küche hat er sich gedacht, ist es sicher.
Du arme Sau.
Zwischen den Geschirrtüchern mit zugeklebter Kamera.
Und deine PIN hab ich dann auch gefunden. In deinem alten Adressbuch unter P.
(Bruno) P wie PINO. 2315.
Auf dem waren alle Filmchen gespeichert.
Auch die vier Male mit ihrem Freund nur für dich.
Und vor allem deine persönlichen Chats mit ihr und die...
die sind wirklich schlimm.
Dass du der Denise beim Sex zuguckst, ist vielleicht noch kein großer Verrat.
Aber was du zu ihr über deine Frau sagst...
Aua, aua, aua...
(Tür quietscht)
(Mann) Tag, allesamt! - (Wirtin) Ah! Tag, Dirk.
(Dirk) Hast 'ne Zeitung für mich?
(Dirk) Mann, das ist ja 'ne Freude!
(Bruno) Hallo Dirk.
Freund von dir? - (Bruno) Ein Nachbar.
(Dirk) Aha.
Mann, Mann, Mann. Da haben Sie echt Glück! Einen besseren Nachbarn als Bruno gibt's nicht.
Ist ja gut. - (Dirk) Nee, ist einfach wahr.
Schauen Sie mich an. Frau verloren, Alkohol.
Hier, schauen Sie! Tatter an der Maschine. Job weg, Stütze.
Aber der Bruno, der hat mich vom Alkohol weggebracht.
322 Tage und 7 Stunden bin ich jetzt trocken. Und wissen Sie warum?
Wegen Bruno.
Der hat auf mich aufgepasst, wie auf ein junges Kätzchen.
Das können Sie sich nicht vorstellen.
Und, was machen Sie? - (Bruno) Er ist Schauspieler.
Nichts für ungut, Dirk. Aber wir haben was zu besprechen.
Klar! Der Bruno! Immer für die anderen da.
Seine Band hätten Sie hören sollen! Das hätte alles ganz anders laufen müssen!
Gib ihm mal 'ne Cola zum Mitnehmen.
Nach der ganzen Scheiße, die Bruno im Leben passiert ist.
Das ist Größe, dass der dann für andere da ist.
(genervt) Ist ja gut jetzt!
(laut) Nee, Bruno, das muss man mal sagen! Das ist Größe!
(Wirtin) Wohl bekomms.
(laut) Tschüssi!
(♪ leise Percussion)
(♪ treibende Percussion)
Wie viel willst du?
(Bruno) Was?
Für das Tablet?
Ach, ich will doch kein Geld.
Ich geb dir so viel du willst.
Wenn ich dir sage, ich will nichts.
Hast du es bei dir?
Ich hab's mitgebracht, aber es ist...
Ich kann's dir nicht mehr geben.
Machst du uns noch zwei?
Ihr macht Party heute, oder?
Vielleicht ist es ja auch gut so.
Konnte ja nicht so weitergehen.
Bei Premieren stehen wir immer aufm Teppich,
aufm roten Teppich...
Stehen da nebeneinander und grinsen, weil wir so glücklich sind.
Immer wenn Kameras da sind, stehen wir da und grinsen wie die Affen.
Aber zu Hause...
Na, das weißt du ja.
Du hörst uns ja.
(Wirtin) Prost, Jungs.
Irgendwie wusste ich das ja mit Morten und ihr.
Ist schon seltsam.
Man kann was wissen,
und zugleich nicht wissen, dass man es weiß.
Ich muss dir sogar dankbar sein.
Für jemanden wie mich ist es nicht einfach, jemanden kennenzulernen.
Weißt ja bei den Frauen nicht, ob sie was posten oder Interviews geben.
Bei Denise war das anders.
Online, das war...
Das war gar nicht real.
Und trotzdem dachte ich die ganze Zeit...
dass es mit Clara noch in Ordnung kommt.
Ich weiß, wie das ist.
Ich weiß.
Neun Jahre. - (leise) Ja, neun Jahre.
(seufzt)
Auch ein Freund von dir?
Viele waren es, viele.
Wie konntest du das durchhalten?
Ich dachte, wenn ich aus der Tür raus bin, erzählt sie meiner Tochter Lügen über mich.
Und?
(Bruno) Caro.
Sie ist 15.
Redet nicht mit mir.
Einmal hab ich vor ihrem Haus gewartet,
aber sie hat mich gesehen...
(schluckt)
und hat die Polizei gerufen.
Ist ja schrecklich.
(Bruno) Ach, die waren ganz okay zu mir.
Lag ja nichts vor. Hab ja nichts gemacht.
Aber ich hab's nicht nochmal versucht.
Tut mir leid. - Das braucht es nicht.
Ist halt so.
Ist halt so.
Danke.
War ganz schön heftig, was?
War vielleicht etwas viel. - Nee, war genau richtig so.
(Bruno) Weißt du...
Ich hab dich halt immer gehört.
Dauernd dieses Lachen.
Das Lachen mit den beiden Goldarschgören aufm Hof.
Das Lachen mittags im Café, wenn alle anderen zur Arbeit fahren.
Das Lachen auf Spanisch, das Lachen auf Englisch.
Das kann einen fertig machen.
Ich weiß nicht.
Ich hab einfach dein Lachen nicht ausgehalten.
(schluchzt)
Heute noch mach ich reinen Tisch.
Ich würde es ihr gerne zeigen, wenn ich mit ihr rede.
Ich würd's ihr gerne geben.
Das Tablet?
Ja. - Hab ich nicht mehr.
(♪ Percussion setzt wieder ein)
Du hast doch gesagt, dass du es mitgebracht hast.
Ja, hab ich auch.
Aber ich hab den Jungen damit losgeschickt.
Was meinst du, was in dem Päckchen war?
Wohin hast du ihn geschickt?
In ihre Praxis. Ist ja gleich hier.
(brüllt) Halt die Fresse!
(Handy klingelt)
Oh Gott.
(Mann auf Englisch)
Ja.
(lautlos)
(♪ treibende Percussion setzt ein)
Hallo! Hier ist die Mobilbox von... - Scheiße!
(Mobilbox) Clara...
(Frau) Guten Tag, hier Praxis... - Frau Mahlke?
Ja? - Ich muss dringend mit meiner Frau sprechen.
Kann sie zurückrufen? - Sofort!
Sie ist zur Mittagspause. - War ein Junge da mit einem Paket?
Ja, so ein kleiner blonder. Der hat was abgegeben.
Haben Sie es da? - Glaub schon.
Sie haben es nicht geöffnet? - Einen Moment, bitte.
Ja, ist noch hier.
Auf keinen Fall öffnen! - Bitte?
Die Polizei hat angerufen. Es gibt einen Stalker.
Ganz gefährlicher Krimineller. Fieses Stück Scheiße.
Echt? - Es geht um eine Drohung mit Gift.
Ist ja schrecklich!
Es gibt schlimme Menschen, Frau Mahlke. - Ja.
Ganz schlimme, böse Menschen. - Mhm.
Aber man wird ihnen das Handwerk legen. - Ja.
Bitte rühren Sie nichts an, bis ich da bin. - Natürlich nicht.
Vielen Dank. - Gern geschehen.
So...
Die Tränen hab ich dir geglaubt. - Vielen Dank.
Wie erklärst du ihr, dass keine Polizei auftaucht?
Dass du das Paket einfach mitnimmst? - Da fällt mir was ein.
(Handy klingelt)
Schatz?
Das ist ja furchtbar. - Ist ja nichts passiert.
So ist das, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Man zieht Verrückte an wie Honig Fliegen.
Am wichtigsten ist, dass du das Ding keinesfalls anfasst.
Okay, ich verstehe.
Ich bin gleich bei dir. - Ah.
(verwundert) Jetzt? - Ja.
Oh nein! Hast du etwa deinen Flieger verpasst?
Ja, ich war schon am Flughafen, aber dann rief die Polizei an.
Wenn die in London hören, was passiert ist, verstehen die das.
Was ist denn passiert? - Hm?
Was genau ist denn passiert, Daniel?
Schatz, ich hab gerade gesagt, dass ich jetzt zu dir komme.
Bist du noch da? - Klar, ich bin da. Wo bist du? Am Flughafen?
Jetzt noch am Flughafen, aber ich fahre los und komme zu dir.
Brauchst du nicht, Daniel. Ruh dich doch erstmal aus.
Wie bitte? - Gleich losfahren ist nicht nötig.
Entspann dich erstmal. Besprich das erst mit deinen Freunden.
Welche Freunde? - (lacht) Ich weiß nicht, Daniel.
Ich kenne ja nicht alle deine Freunde.
Den Mann da zum Beispiel, den kenn ich nicht.
Und...
Denise, zum Beispiel.
Die kenn ich auch nicht.
(Mirko) Ich krieg noch 'nen Zehner.
Das Haus dankt.
Tschüss! - Tschüss, Mirko.
Er wollte gleich wieder gehen,
aber ich hab gesagt: "Setz dich hin, reden wir mal."
Da hat er mir erzählt, dass ihr hier in der Kneipe sitzt.
Dabei solltest du doch längst am Flughafen sein.
Passt doch alles nicht zusammen.
(unsicher) Ach, hattet ihr es schon geöffnet?
Sie hat mich angelogen?
Schockierend, nicht wahr?
(Clara) Die Videos sind mir egal, Daniel, aber...
Die Sachen, die du über mich geschrieben hast.
Dass ich faul bin.
Langweilig, vor allem.
Spießig, zum Einschlafen.
Dann hast du auch noch alles aufgehoben.
Warum?
Fürs Archiv?
Für die Nachwelt oder liest du manchmal drin vorm Einschlafen?
Warum heben immer alle alles auf? Ist doch so leicht zu löschen.
Aber sie löschen es nicht.
(Daniel) Du wahrscheinlich schon.
Hast du alles gelöscht auf deinem Handy?
Ja.
Genau. Auf meinem Telefon hab ich alles gelöscht.
All die Nachrichten von Morten.
Er schreibt nicht oft Nachrichten, Daniel. Er ist nicht dumm.
(schluchzt)
Nicht der Tränen-Trick, Daniel, nicht jetzt.
Und Sie?
Ich bin nur der Nachbar.
Was wollen Sie?
Nichts.
Wie viel?
Du unterschätzt ihn.
Mein Vater sagt immer, deshalb...
können Leute wie ihr Leute wie uns nicht verstehen.
Ich will euch nicht mehr zuhören müssen.
Gehen wir nach Hause?
Ja.
(ruhig) Wir gehen nach Hause.
(sanftes Rascheln der Bäume)
(Bruno) Ich brauch noch einen.
(Knallen, Gläser klirren)
(Micha lacht) Immer feste druff!
(Micha) Arschlochkinder!
(beide atmen schwer)
Hätte mich so geärgert, wenn ich das nicht gemacht hätte.
Morgen, übermorgen...
Jeden Tag hätte ich mich so geärgert, wenn ich das jetzt nicht gemacht hätte.
(Daniel) Ajajaj...
(Daniel atmet tief durch)
(Wirtin) Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage,
aber du hast jetzt Hausverbot.
Machst du uns nochmal zwei, Mareike?
(setzt laut auf)
Hilde.
(♪ melancholisches Lied von zuvor, gepfiffene Melodie)
(♪ begleitet von Akustikgitarre)
(Mann singt)
♪ Kennst du das Land, welches man
♪ Nur im Traum erreichen kann
♪ Unendlich entfernt und weit
♪ Sitz ich dort am Rand der Zeit
♪ Und warte, und warte, und warte
♪ Und warte, und warte, und warte
♪ Ich reiste sicher 100 Mal
♪ Dort zwischen Berg und Tal
♪ Nur ich allein in Einsamkeit
♪ Sitzend dort am Rand der Zeit
♪ Und warte, und warte, und warte
♪ Und warte, und warte, und warte
(♪ gepfiffene Melodie)
♪ Heut jedoch, was ist es bloß
♪ Meine Sehnsucht riesengroß
♪ Losgelöst von mir selbst entzweit
♪ Sehnend nach dem Rand der Zeit
♪ Und ich warte, und warte, und warte
♪ Und warte
♪ Und warte
(Lied klingt aus ♪)
(♪ gepfiffene Melodie)
(entfernt spricht eine Frau)
(murmelt unverständlich auf Englisch)
My love! It's me.
It's all the many...
(lauter) It's all the many things that separated us.
It's the things that one of us knew and the other didn't.
We were never meant for one another.
That's why we had to be in love.
That's why we had to be... in love.
(♪ dunkle Elektromusik vom Anfang)
(zufrieden) Berlin!
(♪ Elektro wird lauter)
(rhythmisch zur Musik) My love. It's me.
It's all the many things...
(hauchend) ... that one of us knew and the other didn't.
We were never meant for one another. That's why we had...
We were never meant to be.
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