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Original subtitles

* Neugierige Gitarrenmusik *

"Für meinen Freund und Kollegen Brillo. Fips"

Oder wissen Sie was? Wir treffen uns draußen vorm Verlag.

Hab gehört, Sie suchen Ihren Papi.

Die arme Sau tut mir jetzt schon leid.

Was ist eigentlich mit Kerckow los? - Ich glaub, er trinkt.

Die sind aus dem Stürmer, ne? Widerlich.

Kann ich mir die mal borgen?

Wie findet Ihre Frau eigentlich "Relevant",

das würd mich interessieren. Verschwinden Sie!

Raus aus meinem Büro! Jetzt!

Ihr haut jetzt hier ab!

Wir bleiben hier. Bis übermorgen.

Aus Schaffelgerbers Unterlagen. Ein paar Kontakte.

Was ist mit dem Artikel über die Einführung der Notrufnummern?

Kommt im nächsten Heft, oder? Ja. Sicher.

Ich hab die Steiger-Stiftung unterstützt, lassen Sie's menscheln.

Wenn du Ärger machst, sagen wir,

du hast bei der Planung des Banküberfalls mitgemacht

und bist unsere Komplizin. Willst du das?

Willst du in den Knast?

Ihr Beitrag über die Notrufnummern 110 und 112 ist viel zu lang.

Dampfen Sie ihn ein. Wie, eindampfen?

Ich sollte drei Seiten bekommen. Halten Sie's kurz und knackig.

* Erschrockener Laut *

* Sie schreit auf. *

* Entspannte Musik *

Sie nervt, sie mischt sich ein,

sie provoziert.

Sie ist unbequem, kritisch.

Sie ist eine Feministin.

Eine Linke. Man traut ihr einfach alles zu.

Auch, dass sie die Terroristen der Baader-Meinhof-Bande unterstützt.

Also stürmt man ihr Hausboot und demonstriert mit aller Brutalität,

wie dieser Staat mit kritischen Geistern umgeht.

Aber ... diese Aktion hat auch wieder gezeigt,

wie wichtig unsere Arbeit ist.

Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeit.

Wir müssen sie jeden Tag aufs Neue verteidigen.

Dafür brennen und arbeiten wir.

Wir, die vierte Gewalt im Staat: die freie Presse.

Ich danke Ihnen allen. Ich danke Ihnen ganz besonders, Frau Wolf.

(leise) Danke schön.

(ironisch) Danke, Frau Wolf.

Von wegen "Gefahr für Freiheit und Demokratie".

Die Hamburger Polizei ist zu dämlich.

Nicht dämlich genug, um die Wolf abzuknallen.

(flüstert) Ich hab dich in der Hand, du Lügnerin.

Kennst du schon Herrn Lenz?

Ähm, nur vom Sehen.

Freut mich außerordentlich.

Jenny. Rüdiger.

Ich glaube, Sie haben sich mittlerweile ganz gut eingelebt.

Mir ist es wichtig, dass die Redaktion zusammenhält.

Selbstverständlich. Kerckow, nach Schluss in mein Büro.

* Musik: "Born For This" von Royal Deluxe *

# Never met a match I couldn't handle.

No one else could ever hold a candle.

Get ready for a battle, 'cause you know ...

that I was born ...

for this.

I was born ...

for this. #

Ich hab Ihnen so oft gesagt, wie wichtig mir diese Geschichte ist.

Herr Olsen. Die Einführung der Notrufnummern

ist eine der wichtigsten Errungenschaften

und Ihnen nur zwei Spalten wert. Sind Sie verrückt?

In zwei Spalten sind alle Fakten...

Es geht nicht um Fakten, es geht um Menschenleben!

Siegfried Steiger hat so hart für die Einführung der Nummern gekämpft,

nach dem überflüssigen Tod seines Sohnes.

Gerade Sie. Sie kapieren überhaupt nicht, worum's geht!

Sie saufen zu viel, Kerckow.

Sie haben jeden Bezug zur Realität verloren.

Wir mussten die Terrorgeschichte groß fahren, da waren wir uns einig!

Sie hätten jeden Artikel kürzen können, aber nicht diesen!

* Ernste Musik *

Wenn es damals, als meine Frau ihren Herzanfall hatte,

schon eine Notrufnummer gegeben hätte

und einen Rettungswagen mit medizinischem Gerät,

dann hätte sie wahrscheinlich überlebt.

Zwei Spalten. Gehen Sie mir aus den Augen.

* Er schnieft. *

* Schluchzen, schwermütige Musik *

* Langsame, ernste Musik *

* Die Musik wird angespannter. *

(leise) Haben Sie das Material?

Wenn rauskommt, dass ich... - Jaja, keine Sorge.

* Die Dusche plätschert. * Papa war echt in Hochform.

"Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeit,

wir müssen jeden Tag erneut dafür kämpfen."

* Sie lacht. *

Wenn die wüssten, dass du die Terroristen wirklich versteckt hast.

Irgendjemand muss der Polizei einen Tipp gegeben haben.

Aber warum waren die weg?

Die konnten doch nicht wissen, dass sie verpfiffen wurden.

Und wenn doch? Das macht doch keinen Sinn.

* Telefonklingeln *

Telefon! Mh.

(eindringlich) Telefon! Ja!

Wolf.

Hallo?

Und, wer war das?

Hm? Da hat einer angerufen,

der hat gesagt, er ist mein Vater.

Und er will mich sehen.

Oh, wie toll! Wann?

Er hat aufgelegt. Er ruft bestimmt wieder an.

Gibst du mir mal das Handtuch?

Was, wenn er nicht noch mal anruft?

Der ruft wieder an. Der ruft wieder an, ne?

Der ruft wieder an.

"Dominica arbeitet seit einem Jahr im Palais d'Amour,

einem Hamburger Luxusbordell."

* Rumpeln und Klirren nebenan *

* Beunruhigende Musik *

Herr Kerckow?

(erschrocken) Herr Kerckow!

(laut) Herr Kerckow?

* Pfeifen und Schritte auf dem Gang *

Morgen, Frau Wolf. Guten Morgen, Herr Olsen.

Ich hab nur 'ne Kleinigkeit für Fräulein Jansen.

Das ist ja nett. Erdbeeren. Aus Ihrem Garten?

Ist Kerckow da? Nee.

Ich wollt auch was mit ihm besprechen, macht aber nichts.

Es geht um ein neues Redaktionsstatut.

Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz.

Dafür hab ich im Moment wirklich gar keine Zeit.

Wichtigster Punkt ist der Schutz vor sexueller Belästigung.

Morgen. Morgen.

Herr Mensing? Ja.

(leise) Kommen Sie mal.

* Düstere Musik *

(leise) Oh Gott! Oh Gott im Himmel.

Chef! Chef, was machen Sie für Sachen?

* Kerckow keucht. *

Kommen Sie mal hoch! Stehen Sie auf.

(angestrengt) Eins, zwei, drei. * Verwirrte Laute *

So, wir gehen jetzt erst mal duschen. Er braucht Wasser.

* Kerckow stammelt etwas. *

Hier rüber. (lallt) Ich ... brauch keine Hilfe.

* Würgen, Platschen *

* Würgelaute *

* Ernste Musik *

"Sehr geehrter Herr Steiger, ich möchte mich bei Ihnen aufrichtig"...

"Ein Nichts waren wir, sind wir, werden wir bleiben."

* Melancholische Musik *

* Schnelle Schritte nähern sich. *

Frau Wolf, was machen Sie da?

Ich denke, Sie sollten hier aufräumen.

* Lebhafte Musik *

Deswegen möchte ich, dass wir die Aktion um eine Woche verschieben.

(Frau) Wie bitte? - (andere Frau) Warum warten?

Ich sag doch, wir können keine Titelgeschichte

über Prostitution machen. Wir? Von welchem Wir sprichst du?

Weißt du, wo du hier bist? ICH kann keine Titelgeschichte

mit "Relevant" machen, wenn ich zwei Tage vorher mit euch...

Niemanden interessiert es einen Scheiß,

was du mit deinem Chauvi-Blättchen machst!

Lass Zarah mal ausreden! Okay, Leute!

Wir sind uns doch einig,

dass wir ein Zeichen setzen wollen gegen Prostitution, oder?

(mehrere) Ja. - Und? Komm zum Punkt.

Findet unsere Aktion zwei Tage vor Erscheinen von "Relevant" statt,

mit einer Titelgeschichte über Prostitution, dann behaupten alle,

ich hätte absichtlich Schlagzeilen produziert.

Und? Die werden euch unterstellen, ich hätte euch angeheuert,

um Werbung zu machen. Ich hör nur "ich, ich, ich".

Wir Therapeutinnen nennen das pathologische Selbstbezogenheit

mit einer Ich-zentrierten Weltsicht. Und ich möcht einfach nur,

dass wir für "Relevant" um eine Woche verschieben.

Damit es so aussieht, als hätte dein Chauvi-Blättchen

die gesellschaftliche Diskussion angezettelt? Was bringt uns das?

Genau so ein Denken, ja, ist das Problem!

Es geht nicht um die oder wir,

es geht um die Prostituierten da draußen!

Du musst dich einfach entscheiden: Wir oder dein Chauvi-Blatt.

Wenn ihr die Aktion jetzt macht,

macht ihr mir meine Titelgeschichte kaputt und die Aktion auch.

Ihr kenn die Scheiß-Boulevardpresse. Mit so was machen die uns fertig!

Oh ja.

Worum geht's denn? Sybille, Zarah ist unsere prominenteste Mitstreiterin,

von ihrer Arbeit profitieren wir alle!

Lasst uns doch die paar Tage warten, okay?

* Vogelzwitschern *

Macht er das öfter? Ist ein alter Trick von ihm.

Meine Meinung ist ihm sehr wichtig. Schön.

Was willst du wissen?

So wie du aussiehst, könntest du auch 'nen Jüngeren haben.

Wenn ich wollte.

Warum er? Er ist der Beste.

Ich weiß.

Aber was qualifiziert dich? Ich kann ihn glücklich machen.

Ich bin perfekt für ihn.

Papa ist wahnsinnig emotional.

Perfektion ist nichts für ihn.

Da liegst du leider falsch.

Entschuldige, ich glaube, da liegst du leider falsch, Jennylein.

Ich sage Nein.

Du und Zarah Wolf, ich weiß es.

* Leise, angespannte Musik *

So.

Voilà.

* Zufriedener Laut *

Na?

Habt ihr euch gut unterhalten?

Die ist perfekt.

Prösterchen.

* Beklemmende Musik *

Okay, jetzt mal ganz langsam. Was will sie von dir?

Dass ich sie akzeptiere.

Aber ich kann doch nicht akzeptieren,

dass mein Papa von einer Nutte verarscht wird.

Übertreib nicht, sie passt hervorragend zu deinem Vater.

Spinnst du? Ich will, dass mein Papa glücklich wird.

Der hat was Besseres verdient als 'ne beschissene Erpresserin.

Die hat's doch nur auf sein Geld abgesehen.

Dein Vater ist nicht doof, das ist genau, was er möchte:

eine junge, gutaussehende Frau. Ich will, dass Papa geliebt wird!

Aufrichtig!

Und mir ist egal, ob die aussieht wie ein Eimer.

* Schwermütige Musik *

Dann sag das mal deinem Vater.

Weißt du was?

Mein Papa ist nicht halb so oberflächlich wie du.

Was soll das denn jetzt?

Du hast doch nur Angst, dass rauskommt,

dass Zarah Wolf 'ne Lesbe ist.

Ja, hab ich auch.

Jenny! * Seufzen *

Frau Jansen? Mhm.

Es ist keine gute Idee, sie zu erpressen.

Ich hab sie nicht erpresst.

Das hoffe ich.

Beweisen Sie, dass Sie ihren Vater lieben.

Ich weiß nicht, wie, aber tun Sie's.

Frau Wolf? Der Pförtner hat angerufen.

Ihr Vater wartet im Foyer auf Sie.

* Ernste Klaviermusik *

* Schwermütige Musik *

Wo ist er? Was?

Zarah Wolf, Sie haben doch eben in der Redaktion angerufen.

Ah ja, richtig.

Äh... Er ist weg.

Hat er gesagt... Hat er gesagt, wie er heißt?

Woher soll ich wissen, wie Ihr Vater heißt?

Wie sah er denn aus? Wollen Sie mich verarschen? Moin.

Hat er irgendwas gesagt oder was hinterlassen?

'nen Zettel?

M-m.

* Bedrückende Musik *

Ihre Reportage über die Verstrickung der Davidwache mit dem Milieu

ist fast fertig, richtig? Die Bilder vom Fotografen kommen morgen.

Das Layout zu Fichtes Gespräch aus dem "Palais d'Amour" ist fast fertig.

Was dieser Text soll, fragt man sich auch.

Der ist so banal, der ist fast schon wieder gut.

Vielleicht sind Sie zu schlicht, um die Qualität zu erkennen.

Das wird's sein. Fichte ist Träger des Hermann-Hesse-Preises.

Ja, das ist verwunderlich, nicht wahr?

"Fichte: 'Was tun Sie am liebsten?'"

"Wolli: 'Am liebsten mach ich Liebe, Haschisch rauchen und Musik hören.'"

Das ist tatsächlich preisverdächtig, ja.

Stört es Sie, dass ein Stricher seinen Job gern macht?

Was mich stört, ist, wenn ein Thema wie Prostitution banalisiert wird.

Kümmern Sie sich um Ihren Teil. Was ist mit den Zint-Fotos?

Die sind hervorragend.

Ich wehre mich dagegen, wenn so ein grausames Thema

mit voyeuristischer Pseudokunst romantisiert wird.

Warum wundert's mich nicht, dass Sie Sex als grausames Thema bezeichnen?

(schreit) Ha!

Können wir vielleicht über etwas anderes reden als Sex?

Was denn?

Zwei meiner Informanten sind spurlos verschwunden.

Ich befürchte, dass die Staatssicherheit sie erwischt hat.

* Er seufzt. *

Die beiden stammen aus unterschiedlichen Städten,

unterschiedlichen Wirtschaftszweigen...

Worauf wollen Sie hinaus?

* Heiserer Laut *

Ich frage mich,

ob Informationen zu meiner ... DDR-Geschichte ...

aus der Redaktion ...

zur Stasi ... durchgesickert sind.

Was gucken Sie mich an?

* Angespannte Musik *

Sie wollen doch nicht etwa unterstellen...

Doch, doch. Wer denn sonst?

Sie sind doch hier der Kommunist.

Sie wollen doch den Kapitalismus ratzfatz... ja?

Ich hab Sie gesehen. - Sie nehmen das zurück!

Sie nehmen das sofort zurück!

* Durcheinanderrufen *

Wir machen Schluss für heute.

Frau Wolf.

Ich ... muss mit Ihnen reden.

* Leise, schwermütige Musik *

Ich möchte mich bei Ihnen bedanken.

Herr Mensing hat mir gesagt, dass Sie...

Keine Ursache.

Mir ist nicht ganz unwichtig...

Ich möchte nicht, dass Sie einen falschen Eindruck haben.

Ich habe da einen verschleppten Infekt.

Herr Kerckow, Ihre persönlichen Probleme gehen mich nichts an.

Ich glaube nicht, dass Sie im Moment in der Lage sind,

eine Redaktion wie "Relevant" zu leiten. Ganz ehrlich:

Ich werde weder Rücksicht auf Sie nehmen noch Sie schonen.

Sie wollten von Anfang an meinen Posten.

Gestern hätten Sie 'ne gute Gelegenheit gehabt.

Ich war Ihnen noch was schuldig.

Erst willst du mich dringend sprechen, jetzt sagst du keinen Ton.

Ich werd dir keine Informationen mehr liefern.

* Angespannte Musik *

Du hast die Terroristen gewarnt, oder?

Die haben Polizisten umgebracht,

die laufen jetzt frei rum. Was ist, wenn die noch jemanden umbringen?

Sweetheart! * Sie atmet nervös. *

Die wären so oder so abgehauen.

Ich hab nur für ein kleines Spektakel gesorgt.

Um zu zeigen, dass der freie Westen nicht ganz so frei ist,

wie er immer tut.

Schau mal, wie gut deine Redaktion jetzt dasteht,

ihr seid die Retter der Demokratie. Das habt ihr nur mir zu verdanken.

* Angespannte Musik *

Was ist mit den Informanten von Schaffelgerber?

Die sind einfach verschwunden.

Die tauchen schon wieder auf. Hm?

Ich mach das nicht mehr!

* Die Autotür wird zugeknallt. *

Karin! Karin!

(leiser) Karin. Karin.

Hey.

Hör mir... Hör mir zu.

Die werden mich abziehen.

Wenn du denen nicht mehr von Nutzen bist,

dann war's das mit uns.

Dann muss ich...

Dann muss ich zurück nach Ostberlin.

Ich hab keine Wahl! Die werden mich holen!

Ich will bei dir bleiben. Ich liebe dich, Karin.

Bitte!

Bitte, ich will bei dir bleiben.

* Möwenrufe *

* Langsame Musik *

Schulz? Sie haben Deutschlands größten Puff gebaut.

200 Zimmer, rund 600 Prostituierte, die im Schichtbetrieb anschaffen...

(Mann) "Na und? Da bin ich nicht der Einzige aufm Kiez."

Nee, das stimmt. Erzählen Sie mir was über Ihre Kollegen?

Den Dirk Kowalski zum Beispiel?

"Hab ich leider nicht gesehen."

Wie, ich dachte, Sie sind der König von St. Pauli?

"Du kannst mich mal, du Fotze."

* Freizeichen * Hallo?

* Sie keucht. *

Hey!

Die versammeln sich in der Davidstraße.

Tut mir leid, ich dachte, die halten sich an die Verabredung.

* Durcheinanderreden, lebhafte Musik *

Oh, Zarah! - Schau mal, wer da kommt!

* Jubel, Trillerpfeifen *

Leute, bitte geht da nicht rein!

* Pfeifen, Durcheinanderrufen *

Bitte geht da nicht rein, Leute, bitte! Halt, halt, halt!

Stopp, geht da nicht rein!

(wiederholtes Rufen) Freier sind Schweine!

Freier sind Schweine!

* Trillerpfeifen, Rufe *

* Pfeifen, aufgeregte Rufe *

* Sie seufzt. *

Das hat mit meiner Titelgeschichte nichts zu tun.

Sie führen sich auf wie eine Furie, nicht wie eine Journalistin.

Ich hab versucht... Die Geschichte ist tot!

Also, das heißt:

Wir haben 24 redaktionelle Seiten neu zu füllen.

Dazu haben wir knapp 21 Stunden Zeit.

Ich könnt Ihnen den Hals rumdrehen.

Chef, wir brauchen 'ne neue Titelgeschichte.

Wie weit ist Ihre DDR-Story? Noch nicht fertig.

Jetzt, wo mir die Informanten abhandengekommen sind...

Machen Sie das fertig, wir brauchen einen politischen Aufreger.

Das ist unmöglich! Die Fotos sind noch in Ostberlin.

Das Berliner Büro hilft sicher, sie rauszuschmuggeln.

Ich kann keine halbfertige Geschichte als Titel fahren!

Hören Sie auf zu jammern, Sie haben 21 Stunden.

Da hab ich schon ganz andere Sachen geschrieben.

Wie viele leere Seiten bleiben? Elf.

Wir könnten Russ Meyer groß fahren, die Woche läuft sein neuer Film an.

Der und seine Monster-Titten? - Bildmäßig super.

Sie sollten lieber kleine Brötchen backen.

Russ Meyer unter meiner... Sie haben jedes Recht verwirkt!

Entweder, Sie fangen sofort an mitzuarbeiten,

oder ich lasse Sie durch den Sicherheitsdienst entfernen.

* Angespannte Musik *

Gut. Dann ab an die Arbeit.

Jetzt, Leute!

* Räuspern * Herr Kerckow?

Wir haben eine ganz schöne Modestrecke vorproduziert.

Die Rückkehr des Mini. "Kilt ist Kult" heißt die Strecke.

Vielleicht wär die besser für den Titel

als Schaffelgerbers unfertige DDR-Geschichte.

* Rhythmische Popmusik *

Also: Höchstens ein bis zwei Spalten Text.

Und pro Foto maximal ein Zehnzeiler, ja?

* Er räuspert sich. * Gut.

Ich find die zwei super. Das eigentlich noch besser.

Moment, Moment, Moment. So, hier: das, das und das.

Die drei. - Die drei.

Und das hier.

'Ne gute Idee vom Chef, die Modestrecke als Titel zu fahren.

Das nimmt etwas Druck aus meiner ... Story, nicht wahr?

Ich sag's ihm. - Sagen Sie ihm auch,

das Berliner Büro schickt jemanden in die Zone.

Wenn alles gut geht, sind die Fotos heut Nacht hier.

Und wenn nicht? Ich geb sicherheits- halber 'ne Illustration in Auftrag.

Hammer und Zirkel, die zerbröseln oder was.

Kann man schön was Knalliges mit machen.

(verärgert) Meine Geschichten sind nicht knallig!

Stecken Sie sich Ihre blöden Illustrationen sonst wo hin!

Ich brauch die Fotos als Beweis für meine Thesen,

die ich dank Frau Wolf nicht untermauern kann!

(brüllt) Ich könnte diese ganze Scheißredaktion

mit ihren Bekloppten in die Luft sprengen!

Herr Kerckow?

Herr Kerckow?

* Rhythmische Popmusik, Telefonklingeln *

* Stumme Szene *

"'Hätte ich mich nicht so sehr für Titten interessiert,

wäre aus mir ... vielleicht ein großer Filmemacher geworden',

sagt ... Russ ... Meyer."

"Gute ... Filmemacher ... gibt es ... genug."

"Aber ... es ... gibt ... nur einen ...

cineastischen ... Tittenfetischisten wie ihn."

Herr Mensing?

Ja. Der Vorspann für die Davidwache ist fertig.

Kann direkt in den Satz.

Fertig.

* Sie atmet nervös. *

Ist das Ihr Ernst, Frau Simonis?

Wir machen eine Modestrecke, keine Fleischbeschau.

Sexistischer hätte Hartwig das nicht kommentieren können.

Weiter so, Simonchen.

Also... Das sind kurze Röcke mit Karos, was soll man da groß...

Äh, Jenny, kannst du ins Archiv gehen

und dich über Kilts dokumentieren lassen?

Ich wollt's frecher machen. Es gibt Sportkilts, Militärkilts,

den traditionellen Kilt, ich weiß nicht.

Als Bildunterschrift: Was trägt die Frau dazu? Kniestrümpfe, Pumps...

Frau Simonis, ja? Jetzt?

Die Dos and Don'ts.

Danke. Gute Idee.

* Rhythmische Popmusik *

* Seufzen *

Ich hab mit dem Verschwinden Ihrer Informanten nichts zu tun.

Ich hab diesen Männern mein Wort gegeben.

Und jetzt sitzen sie wahrscheinlich in Bautzen.

Das tut mir leid.

Glauben Sie mir, ich weiß, wie ein Gefängnis von innen aussieht.

'tschuldigung.

Das war ... blöd von mir.

Fräulein Jansen?

Ja? - Ich brauche die Vorspänne vom Chef.

Und die redigierten Artikel. Dringend.

Herr Kerckow möchte, dass Frau Wolf das übernimmt.

Ernsthaft? - Was?

Ja, geht nicht anders.

Außer den Artikel von Hartwig, den übernimmt Kerckow natürlich selbst.

Er soll ihn mir auf den Schreibtisch legen. Danke.

* Ungläubiges Lachen *

Hartwig...

* Leise Popmusik aus dem Radio *

Herr Kerckow, in der Redaktion brennt es. Wir brauchen Sie.

Sie müssen den Titel aussuchen.

Möchten Sie was essen? Ich hab keinen Hunger.

Nein, danke.

So.

Welches nehmen wir?

* Popmusik aus dem Radio *

Als mein Sohn noch klein war, hatte er so 'ne Schiebermütze,

die war auch aus Schottenkaro.

Wie finden Sie das hier?

Gut?

Ja. Ich denke auch, das ist eine gute Wahl.

(seufzt) So.

Haben Sie keinen stärkeren Kaffee? Davon schläft man ja ein!

Ich kann Ihnen noch Instant-Kaffeepulver bringen.

Was ist das? - Captagon. Hält wach.

Sicher? - Ganz sicher.

* Angespannte Musik *

Eine reicht. - Mahlzeit.

Gute Reise.

"Mit Blume, Brunnen, Pflug und Pumpe zum Idealgewicht."

"Maren Orloff macht es vor. Kunstvoll und geschmeidig

verrenkt die Blondine ihren ranken Körper,

nur ihr Bankkonto wird immer fetter."

Ist gut, ne?

Ja, kann in den Satz. Was ist mit der Modestrecke?

Äh, ach so, ja, können Sie auch gleich haben.

Also den Text. Die Bildunterschriften macht Jenny.

Bitte?

Frau Simonis, Jenny ist die Volontärin.

Das ist die Titelgeschichte.

Ja, ich... Sie hat gesagt, sie kriegt das hin.

Ich geh auch noch mal drüber. Ach so. Ja. Klar.

Muss ich mir ja keine Sorgen machen. Was soll denn das jetzt heißen?

Na?

"Karierte Röcke, so kurz wie heiße Höschen, sind eine absolutes Muss

für jedes Mädchen oder jede Frau,

die gerne Röcke trägt"... Das ist schrecklich!

Mh...

Ich kann gar nichts. (leise) Quatsch.

Und 'ne Künstlerin bin ich auch nicht.

Natürlich bist du das!

Meine Performance hat dir auch nicht gefallen. Stimmt nicht.

Der Hartwig hat mir nicht so gut gefallen. Du warst ganz toll.

Jenny, ich liebe dich.

Du bist wundervoll.

(flüstert) Ich liebe dich auch.

* Ruhige Musik *

(leise) Aber ich bin's nicht wert.

Hör auf, so einen Quatsch zu erzählen.

Wirklich, hör auf, das darfst du nicht mal denken.

* Ernste Musik *

(flüstert) Danke.

Ich mach das. Aber sicher, was denken Sie denn?

Aber Schaffelgerber, dann nehmen Sie's doch.

Ja! Gut. Gut.

* Er schnieft nervös. *

Sie können da jetzt nicht rein.

Kerckow muss das ... abnehmen.

(Jansen) Ja.

Ich bring's ihm.

* Nervöses Husten *

Ist denn alles in Ordnung? - Ja, alles bestens.

Er will nur nicht gestört werden.

Er kann sich doch nicht einschließen. * Er lacht nervös. *

(stottert) Das geht nicht. Was sind denn das für Sitten?

* Aufgekratztes Lachen * Geben Sie's mir einfach, ja?

Alles klar.

Ja. * Kurzes Lachen *

Ja. - Ja.

Gut.

Boah, ist das heiß. * Er schnieft. *

* Klopfen *

Wollen Sie zuerst den Titel abnehmen?

Können Sie die unteren Headlines gut lesen?

Ich auch nicht.

Wir sollten schwarze Type verwenden.

Okay...

Und was meinen Sie hier?

Zu viele Fotos, oder? Das erschlägt einen richtig.

Wir sollten eins rausnehmen und die anderen größer fahren.

Wollen wir das hier rausnehmen?

* Er atmet schwer. *

* Melancholische Klaviermusik *

(flüstert) Danke.

(leise) Okay. Nehmen wir das hier raus.

* Schwermütige Musik *

(Mensing) Leute, was fehlt denn noch? Kommt, kommt, was fehlt noch? Leute!

So, ab... - Hier sind die Korrekturen.

Ist es fertig? Dann haben wir's. Haben wir's?

Ich glaube... Ich glaub, wir haben's.

Wir haben's geschafft! Leute, ihr seid großartig!

* Jubel *

Kommt, Sekt für alle! Sekt für alle!

* Fröhliche Musik, Jubel, Applaus *

Jaaaa!

Wir sind die Größten!

* Überraschte Laute *

* Durcheinanderreden *

Pfoten weg, du warmer Bruder!

* Unverständlich *

Wir trinken jetzt erst mal Bruderschaft. Rudolf!

Holen Sie doch mal den Chef dazu, der muss doch mit uns anstoßen!

* Fröhliche Musik, Durcheinanderreden *

* Klopfen *

Herr Kerck...

* Lachen, betrunkene Rufe *

* Alle verstummen. *

Er ist nicht da.

Herr Kerckow ist weg.

* Erschrockener Schrei * Mann!

Vielen Dank, euch allen.

Das hätte ein wichtiges Heft werden können.

Neun Millionen Leser hätten erfahren können,

wie brutal Frauen im Sexgeschäft ausgebeutet werden.

Dieses Heft hätte unser Land aufgerüttelt.

Es hätte Diskussionen angeregt, ein Bewusstsein geschaffen,

politisch etwas bewegt. Stattdessen erfahren wir,

dass karierte Röcke sexy sind

und man seinen Bauch am besten mit Yogaübungen strafft.

Und die Krönung ist ein Loblied auf Russ Meyer und seine Monster-Titten.

Danke schön. Was genau haben wir...

Ihr habt einfach alles versaut!

Das war's für mich. Ich will nichts mehr mit euch zu tun haben.

Ich bin raus. Bin hier raus. Zarah!

Der Rock ist gar nicht mal so schlecht.

Zarah, findest du nicht, dass du ein bisschen übertreibst?

Nein. Das ist so typisch für dich!

Was ist eigentlich los mit dir?

Seit du wieder in Hamburg bist - wie oft haben wir uns gesehen?

Täglich? Ja.

Damit ich dir dein Käsebrötchen rüberreiche. Vielen Dank auch!

Ich hab mich noch gar nicht richtig für diesen tollen Job bedankt!

Schon komisch, dass es im ganzen Olsen-Verlag nichts Besseres gibt.

Mit Micha bin ich auch nicht mehr zusammen. Schon eine Weile nicht.

Das tut mir leid. Bevor du fragst:

Ich hab Schluss gemacht. Nicht er.

* Vogelzwitschern *

* Rhythmische Popmusik *

Ich vermiss ihn. Vermiss ihn wirklich sehr.

Der hat nicht ein Komma an meinem Russ-Meyer-Artikel geändert.

Guter Mann.

Wenn er sich umgebracht hätte, hätte er einen Abschiedsbrief hinterlassen.

Quark! Was hätte er schreiben sollen? - "Geliebte Ehefrau,

liebe Freunde, euch trifft keine Schuld."

Was man so schreibt, wenn man sich umbringt.

Er hat sich nicht umgebracht.

Er war überfordert. Ja.

Sie entschuldigen mich.

Also wirklich, es ist doch nicht meine Schuld!

Nein! Die brauchen nur immer irgendeinen Sündenbock.

Sie kennen den Kerckow doch schon länger als ich.

Was glauben Sie?

* Ruhige Musik und Gespräche im Hintergrund *

Er schreibt jetzt auch noch ein Buch, der Olsen.

Irgendwas Ambitioniertes rund ums Essen.

Er weiß sowieso alles besser. Entschuldigen Sie mich.

Magst du mit in den Weinkeller kommen?

Später, ja?

Herr Olsen. Glückwunsch noch mal. Was für eine schöne Feier.

Oh, danke. Ist nur 'ne kleine Geburtstagsfeier.

Herr Olsen, wir müssen reden.

Na, dann schießen Sie los.

Ich bitte Sie, sorgen Sie für klare Verhältnisse.

Schauen Sie, ich hab in der letzten Heftproduktion

komplett die Verantwortung übernommen.

Und obwohl der Inhalt nicht meinen Vorstellungen entspricht,

ist es ein gutes Heft geworden mit einem starken Titel.

Sie haben recht. Herr Olsen, machen Sie mich zur Chefredakteurin.

Ich kann es!

* Er klingelt noch einmal. *

Sagen Sie Herrn Olsen einen schönen Gruß, ich muss leider weg.

Ja. - Was ist denn los?

Traurig wegen Kerckow?

* Ansprache Olsens im Hintergrund *

Na ja, war 'ne schöne Party. Tschüss.

Ich hoffe, Sie genießen meine Party und haben viel Spaß.

Leider ... fehlt heute jemand, den wir alle sehr schätzen.

Hans-Peter Kerckow.

Aber ... glauben Sie mir, er kommt zurück.

Das spür ich ganz tief drinnen, in meinem alten Bauch.

* Leises Lachen *

Trotzdem müssen wir die große Lücke,

die er in der Redaktion hinterlässt, füllen.

Deshalb hab ich mich entschlossen, die Redaktionsleitung von "Relevant"

neu zu besetzen. Zumindest vorübergehend,

so lange, bis Herr Kerckow wieder da ist.

Diese Aufgabe wird ab sofort Dr. Schaffelgerber übernehmen.

Danke. Bravo, Brillo. Gute Wahl.

Ich freue mich sehr.

* Klingeln am Glas * So!

Aber jetzt wird gefeiert!

* Er lacht. * Musik!

* Romantische Musik *

Und ich möchte die Frau zum Tanz auffordern,

die mir in meinem Leben das Wertvollste ist.

Meine geliebte Tochter Jenny.

* Musik: "If You Leave Me Now" von Chicago *

Super Party, Brillo. Danke.

Lenz, übernehmen Sie mal. Kommen Sie, übernehmen Sie.

* Musik: "If You Leave Me Now" von Chicago *

(Frau) Wann war das denn? Super Bild, Brillo!

* Gedämpfte Musik und Unterhaltungen von drinnen *

* Beklemmende Musik *

"Für meinen Freund und Kollegen Brillo. Fips"

Olsen, du alter Nazi.

Jetzt hab ich dich.

* Angespannte Musik *

* Das Auto knattert. *

* Beunruhigende Musik *

Was wollen Sie?

Ich bin dein Vater.

Es tut mir leid, dass ich dich so überfalle, aber...

Deine Mutter und ich, wir...

Also, damals...

Ich war nicht immer Bordellbesitzer, weißt du?

Als ich das Hildchen im Alsterhaus zum ersten Mal gesehen hab, da...

Da hat's geknallt.

Das war Liebe auf den ersten Blick, verstehst du?

Willst du mich nicht auf dein Boot einladen,

dann könnt ich dir alles in Ruhe erzählen. Zarah!

Ich wusste, dass du so reagierst,

sonst hätt ich mich schon früher bei dir gemeldet. Hey!

Bleib doch stehen! Zarah!

Ey, ich bin dein Papi!

Papi ist der Beste!

* Bewegte Musik *

Mensch, Hartwig.

Wie kann man 'ne Frau nur so hassen?

Die war ja weiß wie die Wand.

* Bewegte Musik *

* Langgezogenes Hupen *

* Reifenquietschen *

Untertitel im Auftrag des ZDF, 2017

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