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Lady Betty, meine Cousine Charlotte. Welch Ehre!
Darf ich vorstellen? Miss Clarissa Harlowe.
Lass uns allein!
Aber ich... - Nun geh schon!
Und erlaube dir, erst zurückzukehren,
wenn man dich ausdrücklich darum gebeten hat.
Ich kenne meinen Neffen genau.
Nun kommen Sie und setzen Sie sich! Ich möchte mit Ihnen reden.
Es ist nicht notwendig, dass Sie mir erklären,
wer in dieser Sache im Unrecht ist. Ich kenne meinen Neffen von früher.
Es dreht sich weniger um ihn, bei dem, was ich sagen will, als um mich.
Und Charlotte und unsere ganze Familie.
Ihre Tugendhaftigkeit ist uns sehr wohl bewusst.
Und als wir davon hörten, dass Sie und er, ähm,...
Besseres konnte uns gar nicht widerfahren. Welch ein hohes moralisches Vorbild.
Welch ein läuternder Einfluss, nicht wahr?
Ja, das hatte ich mir erhofft.
Am Anfang hoffte ich, ihn mit meinen bescheidenen Mitteln moralisch zu bessern.
Doch jetzt nicht mehr. Inzwischen ringe ich nur noch darum,
dass er mich nicht mit ins Verderben zieht.
Sie sind doch viel stärker, als Sie glauben, mein Kind.
Die Kränkungen, die Sie erleiden mussten, sind vielleicht zu heikel,
um bohrende Fragen zu stellen.
Und dennoch, da er zum Glück nicht alle Selbstdisziplin aufgegeben hat,
und da er inzwischen tiefe und, ich meine auch, ehrliche Reumütigkeit zeigt,
mögen wir ihm dieses eine Mal noch vergeben.
Ich sage das Ihnen, denn eine Beleidigung von Ihnen ist auch eine Beleidigung
für Charlotte und eine Beleidigung für alle tugendhaften Frauen.
Sehen Sie, er braucht Sie. Allein Sie können ihn retten.
Und wie soll ich mich selbst retten?
Oh, mein armes Kind. Sie sind so allein.
Nun, wir müssen jetzt zu Ihnen halten, mein Kind.
Lassen Sie uns bei Ihnen bleiben, ja?
Sagen Sie Ja.
Sie müssen Mr. Lovelace fragen. Er hat alle anderen Zimmer gemietet.
Hol Morrison!
Die Luft hier wird uns gut tun.
Ein Spaziergang in der Heide, ab und an eine dörfliche Predigt.
Haben Sie Einwände? Dann frei heraus!
Wie Ihre Ladyschaft wünschen.
Ausgezeichnet!
Der Herr Neffe! Wir bleiben hier. Kümmre dich um unsere Gemächer!
Sehr gerne.
Charlotte, du bist die Romantikerin. Du sollst den Ausblick auf die Heide haben.
Morrison, du fährst in die Stadt zurück.
Wir brauchen Nachtgewänder und Wanderkleidung, Parasole...
Und die Briefe aus meiner Privatschatulle.
Natürlich. Morrison?
Private Briefe! Ich vertraue niemandem den Schlüssel an.
Und unser Schmuck!
Erst vorgestern hat es einen schrecklichen Raub grad hier im Heideland gegeben.
Ah, verstehe. Nun, wenn es so ist, hilft es wohl nichts.
Wir sind leider nicht vorbereitet auf einen Landaufenthalt.
Wir müssen in die Stadt zurück
und unsre schönsten Schleifen und Bänder einpacken.
Wir sollten alle gemeinsam fahren. Sie auch, mein Kind.
Ich bleibe hier. Vielen Dank.
Ach, Unsinn! Sie wird uns nicht das Vergnügen ihrer Gesellschaft vorenthalten,
nicht wahr, Charlotte?
Morrison, du bleibst hier und kümmerst dich um die Gemächer.
Mylady, ich bin für Besuche nicht angemessen gekleidet.
Aber Sie sehen charmant aus. Ist es nicht so, Charlie?
Ja!
So unkompliziert.
Aber wenn Sie vielleicht einfach...
So. Genau.
Ah, Mrs. Moore. Sie sind doch Mrs. Moore, nicht wahr?
Ja, Mylady.
Dinner um neun, wenn Sie so gut sind, für...
Wie viele sind wir? Äh, für uns alle.
Kommen Sie schon!
Und was ich mit Ihnen noch alles bereden muss.
Lord Marchmont wird überglücklich sein, Sie zu sehen. Ernsthaft,
er redet von niemand anderem als ihr. Miss Harlowe ist sein einziges Thema.
Welch ein Vergnügen muss es sein, einer anderer Person
so viel Freude zu bereiten!
Wo sind wir hier? Wohin fahren wir?
Ist das nicht der Weg?
Was für ein Esel! Ich hab es ihm genau gesagt. He!
Betrügen Sie wieder? Warum bringen Sie mich hierher?
Ist das das Haus, von dem Sie sprachen? Was hast du wieder vor, mein Lieber?
Der Esel hat mich falsch verstanden.
Aber wenn wir schon hier sind, frage ich, ob Post eingetroffen ist.
Nein!
Liebste, warum so denn erregt? Sie können gerne hier in der Kutsche bleiben.
Wir bleiben alle in der Kutsche. Ängstigen Sie sich nicht, liebe Nichte.
Wenn ich Sie so nennen darf? Wir werden an Ihrer Seite bleiben.
Irgendwelche Briefe für mich, Dorcas?
Zwei, Sir. Und ein Gentleman, Mr. Doleman, wartet seit mehr als einer Stunde.
Mein Kind, ist Ihnen schlecht?
Nein. Es geht mir gut. Ich bin wohlauf. Will der Mann nicht weiterfahren?
Es geht mir gut! Fahren Sie weiter, Kutscher!
Aber wir müssen aussteigen! Lieber Neffe! Ihre Liebste wird ohnmächtig.
Dienstmagd, ein Glas Wasser mit Hirschhornsalz!
Sie müssen aussteigen, mein Kind. Wir müssen Ihr Korsett aufschnüren.
Nein! Nein!
Zwinge sie nicht gegen ihren Willen.
Fahren Sie schon weiter, Kutscher!
Aber mein Kind, Ihnen ist nicht gut! Ich denke, Sie sollten lieber aussteigen.
Und seien es nur ein paar Minuten. Ihnen passiert doch nichts?
Wir bleiben doch alle an Ihrer Seite. - Fahren Sie weiter!
Hier! Trinken Sie! Es wird Sie beruhigen.
Na also. Geben Sie mir Ihre Hand! Fürchten Sie sich nicht!
Ich werde Sie keinen Augenblick alleine lassen.
Vertrauen Sie mir! Sie sind in Sicherheit.
Es ist mir eine Freude, Madam, dass Sie mein Haus
noch einmal mit Ihrer Gegenwart beehren.
Ich bin hier. Seien Sie unbesorgt! Wir bleiben hier nur wenige Minuten.
Nur für wenige Minuten. Kommen Sie, Sinclair, bringen Sie uns gleich Tee!
Wir wollen hier nicht lange bleiben.
Jawohl, sofort.
Halten Sie sich an meinem Arm fest!
Sie zittern ja furchtbar!
Kommen Sie! Setzen Sie sich auf den Stuhl!
Gut so!
Der Tee kommt sicher sofort. Er wird Sie zu neuem Leben erwecken.
Er schmeckt eigenartig.
Die Londoner Milch.
Sie müssen sich ausruhen.
Bleiben Sie sitzen!
Ich komme in ein paar Minuten wieder, ja?
Gehen Sie nicht weg! Nicht doch!
Ruhig! Ruhig!
Ehe Sie sich's versehen, bin ich schon wieder zurück.
Und nun, lieber Neffe, gehört sie dir ganz allein. Jetzt kommt es auf dich an!
Wenn er seine Rolle so gut spielt, wie wir unsere gespielt haben?
Bravo, Polly, du warst absolut grandios!
Danke sehr!
So überzeugend.
Ja, fast so gut wie Kuppler Tomlinson hier.
Wo ist Lady Betty?
Sie kommt jede Sekunde zurück.
Wie durstig ich bin. Wie trocken mein Hals ist.
Hier! Trinken Sie!
Was ist das?
Warum bin ich noch hier?
Oh, Lovelace!
Aber mein Engel! Warum so erregt?
Die Finger weg! Ich muss aus diesem abscheulichen Haus!
Was, bitte, Madam, hat dieses Haus Ihnen eigentlich angetan?
Ich muss Ihnen sagen, Madam,
ich bin sehr erstaunt darüber, was Sie sich mit meinem Ruf erlauben.
Gott, steh mir bei! Wer beschützt mich?
Ich beschütze Sie, mein liebster Schatz!
Nein, bitte.
Nein! Nein, bitte.
Nein, bitte.
Nein. Nein.
Nein. Nein.
Bitte.
Nein. Nein! Nein!
Wozu lässt du mich um diese Zeit hier herkommen?
Die Prüfung ist vorbei.
Clarissa lebt noch.
Du Teufel!
Wie konntest du, Bob? Es ist damit nicht erledigt.
Wäre ich ihr Bruder, würde ich dich zur Strecke bringen.
Ich würde nicht eher Ruhe geben, bis einer von uns nicht mehr leben würde!
Welche weiteren Sünden sind noch für mich vorgesehen?
Da Sie mich jetzt hier eingesperrt haben.
Madam.
Clarissa.
Es tut mir aufrichtig, aufrichtig leid.
Weg! Bleiben Sie weg!
Ich liebe Sie.
Bloß ein neuer Schachzug. - Glauben Sie mir!
Schon wieder? Wie ich Captain Tomlinson Glauben schenkte?
Und Lady Betty? Ihr alle müsst sehr gelacht haben! Solch eine witzige Maskerade.
Ich möchte Wiedergutmachung leisten.
Wie denn? Können Sie die Uhr zurückdrehen, um eine Woche?
Also bin ich es nun oder bin ich es nicht? Bin ich eingesperrt, oder nicht?
Ist das Laienspiel vielleicht noch im Gange? Einmal versklavt, immer versklavt.
Ist das nicht eine Ihrer Maximen?
Ganz tief im Inneren ist jede Frau ein Flittchen. Na was?
Gedenken Sie, aus mir Ihre Hure machen?
Nein. Meine Ehefrau.
Was?
Werden Sie meine Frau!
Nein. Niemals.
Ich warne Sie! Treiben Sie mich nicht zur Verzweiflung!
Mit meiner Geduld ist es irgendwann zu Ende.
Kein anderer Mann wird Sie jetzt noch nehmen.
Verlassen Sie sich darauf, Madam. Sie sind für immer mein.
Die Ihre? Meine Seele ragt über Sie empor.
Aber verzichten Sie darauf, Ihnen den Grund zu nennen,
warum meine Seele über Sie hinausragt.
Ich würde niemals den Bund der Ehe mit Ihnen eingehen.
Um nichts auf der Welt würde ich es jemals tun.
Redet sie wieder Unsinn? Noch nie hab ich von solch einem Hin und Her
zwischen einem feigen Gentleman und einer fauchenden Katze gehört.
Sie ist neu im Geschäft! Überlass sie uns! Wir zeigen ihr, wie es geht.
Warum hat er nur so lange dafür gebraucht?
Sie wird allerdings keinen Trost von mir bekommen.
Jetzt ist sie eine von uns, nicht?
Sie kann ihre Launenhaftigkeit an einigen unserer jungen Herren ausprobieren.
Die Heiraterlaubnis liegt neben mir, Jack.
Kann der Schaden so groß sein, wenn er sich so leicht beheben lässt,
mit ein paar Zauber-Worten, wie: "Ich, Robert, nehme dich, Clarissa..."
und "Ich, Clarissa, nehme dich, Robert..."
Und dem übrigen "In guten wie in schlechten Zeiten"-Hokuspokus.
Halt!
Bleiben Sie stehen! Sie dürfen nicht ausgehen, Madam.
Wie können Sie es wagen?
Oh nein! Mr. Lovelace!
Ich verlasse das Haus. Sie haben kein Recht...
Das ist Ihr Werk, nicht wahr? Sie haben sie alle instruiert.
Welches Recht haben die Frauen oder Sie, mich aufzuhalten?
Liebste, Sie sind nicht gesund.
Oh ja, das stimmt! Sie machen mich krank!
Lassen Sie mich los!
Nehmen Sie sich zusammen! Um Ihrer selbst willen: nehmen Sie sich zusammen!
Verlassen Sie sich drauf, Madam.
So verhindern Sie nicht das Übel, vor dem Ihnen graut.
Bleiben Sie da! Bleiben Sie, wo Sie sind!
Wehe, Sie fassen mich an! Sie Teufel!
Ich werde es tun. Ich habe keine Angst, in den Tod zu gehen.
Und ich werde mich auf das Recht berufen. Auf das Recht!
Oh Jack, wer hat nun triumphiert? Sie oder ich?
Früher waren die Tränen einer Frau für mich wie Öl ins Feuer.
Wie kann ich sagen, die Prüfung sei vorbei,
wenn der Wille dazu fehlt, das Einverständnis?
Ich kann sie niemals, niemals ziehen lassen.
Mein schwachköpfiger, alter Onkel, Lord Marchmont, ist schwer erkrankt.
Ich muss pflichtbewusst an seinem Bett wachen, sonst ist mein Erbe dahin.
Pass mir auf meine Herzdame auf, Jack! Die Sinclair-Mädchen sind gnadenlos.
Gelobe für mich, schwöre für mich aus voller Seele, um meiner Ehre willen.
Ich habe ihr gesagt, wir würden bei meiner Rückkehr heiraten.
Also, was?
Musselin? Ich wollte Seide, Miss Lyons!
Mit Rüschen hier und hier und einer großen Schleife!
Man hat mir gesagt, es würde nur im kleinen Kreis gefeiert.
Es soll alles ganz schlicht bleiben. Keine Rüschen.
Sie können das Kleid ausziehen, Madam.
Die Braut sei recht puritanisch, so hat man mir auch versichert.
Ach, sie! Wer gibt denn schon was auf sie?
Mr. Lovelace bezahlt das Ganze. Mr. Lovelace hat es gerne feudal.
Nehmen Sie mir die Spitze von den Ärmeln! Ich möchte sie lieber geschlossen.
Miss Lyons, wo wollen Sie hin?
Das sieht doch überhaupt nicht schön aus, meine Liebe.
Ihre Meinung interessiert mich nicht. Ich möchte es so.
Miss Clarissa Harlowe?
Was? Wer sind Sie denn? - Sie kommen bitte mit uns!
Warum denn?
Wir haben einen Haftbefehl. Hiermit nehme ich Sie fest.
Ganz recht, meine Kleine. Was für eine hübsche Unterkunft.
Und wer, meinen Sie, soll dafür aufkommen?
Verschwinden Sie! Halten Sie sie von mir fern!
150 Pfund sind keine Summe, die man einer Frau nachschmeißt,
die, ohne ihr Zimmer zu bezahlen, davongeschlichen ist.
Erlauben Sie mir, Madam, zu... - Nein.
Nein, gehen Sie wieder!
Ich flehe Sie an, Madam, bitte! Ich bringe Sie von diesem schlimmen Ort fort.
Sind Sie nicht...
Ich schätze, Sie sind Mr. Belford.
Ja. Genau, der bin ich. Ihre Tugendhaftigkeit habe ich stets bewundert.
Nein. Lassen Sie mich!
Lassen Sie mich!
Ich möchte keinem seiner Freunde irgendetwas schuldig sein.
Sie sind keinem, und auch mir nicht, irgendetwas schuldig.
Die Schulden sind beglichen.
Ihre Festnahme war ein Irrtum. Also, ich bitte Sie inständig.
Meine Kutsche wartet draußen.
Sollen Sie jetzt mein Aufpasser sein? Ob ich hier oder irgendwoanders sterbe...
Hier.
Stecken Sie ihn ein! Er ist alles, was ich habe.
Und wenn Sie mir helfen möchten, dann zahlen an meinen Wärter
den Preis für die Unterkunft.
Heben Sie aber etwas für mein Begräbnis auf!
Madam, ich... - Sie sollen ihn nehmen!
Wieso weigern Sie sich?
Ich habe sonst niemanden, den ich fragen kann.
Warum muss die Ehe lebenslänglich bedeuten?
Warum tun Männer und Frauen es nicht den Vögeln gleich
und wechseln jedes Jahr den Partner?
Wenn ich ins Parlament komme, lege ich ein Gesetz für die einjährige Ehe vor.
Welch fabelhafte Reform!
Auf diese Weise würden mehrere Todsünden auf einen Schlag ausgemerzt:
Notzucht, Ehebruch...
Bigamie... - Sich duellieren...
Mordtaten...
Keine häusliche Versklavung mehr.
Die Ehe würde nur noch aus Flitterwochen bestehen.
Welch wundervolle Abwechslung. Welche Freiheit bei der Wahl!
Jeder würde mindestens ein Dutzend Mal heiraten.
Die Kirchen wären der bedeutendste Marktplatz für das schöne Geschlecht.
Und was für einen Zulauf die Gemeinden erhielten.
Kurz gesagt: ein absoluter Fortschritt für die Moral,
die Manieren und die Stimmung zwischen beiden Geschlechtern.
Wie geht es Miss Clarissa Harlowe, Sir?
Ich habe sie schon ein paar Tage nicht mehr gesehen.
Wenn es stimmt, was man hört, Sir, dann haben Sie viel auf dem Kerbholz,
was Clarissa betrifft.
Diese Lady ist so tugendhaft und voller Feingefühl,
dass schon kleine Sünden in ihren Augen ganz groß erscheinen.
Niemand, der Sie ein bisschen näher kennt, glaubt,
Sie begingen bloß kleine Sünden.
Sie sind wirklich gut zu mir, Miss D'Oyley.
Sie irren, Sir. Das bin ich nicht.
In Großbritannien und Übersee gäbe es dann auch keine alte Jungfer mehr.
Sie müsste schon sehr sonderbar sein, wenn sie nicht ein Jahr Probezeit erhielte.
Man könnte die Frauentypen wie die Blumen einteilen.
Es gibt Einjahresblüher und die, die mehrfach blühen.
Ich muss mit Ihnen reden. - Ach, scheren Sie sich zum...
Ich bitte Sie! Nur Sie können für mich eintreten.
Für Sie eintreten soll ich? Ich verabscheue Sie, Sie gemeiner Mensch!
Ich hasse Sie wie die Pest!
Sie könnten mich nicht schlimmer beschimpfen, als ich mich selbst.
Ich war in der Tat der gemeinste aller Menschen. Aber jetzt nicht mehr.
Bitte glauben Sie mir das! Bloß ein paar Worte unter vier Augen.
Kein einziges!
Ist Ihnen etwa entgangen, dass Ihre Taten
Miss Harlowe ins Gefängnis gebracht haben?
Ist alles in Ordnung?
Ich bat nur um ein paar Worte mit Miss Howe, Sir.
Bitte, seien Sie dabei! Auch Sie, Madam.
Hör dir an, was er zu sagen hat, Anna.
Nach seinen paar Worte bist ihn dann schnell wieder los.
Lady Elizabeth Lawrence und Miss Charlotte Montague!
Mylady Betty!
Du ließest eine deiner Dirnen sich für mich ausgeben!
Du bist eine große Schande für den Namen, den du trägst,
und verrätst unsere ganze Zunft!
Liebste Schwester.
Würde ich meinen Gesundheitszustand nicht für äußerst bedenklich halten,
hätte ich kaum gewagt, dir zu schreiben.
Bebend bitte ich dich, dich bei meinem Vater dafür einzusetzen,
dass er den schlimmsten Teil des massiven Fluchs gegen mich widerrufen möge.
Den Teil, der das Jenseits betrifft.
Was das Diesseits angeht, habe ich meine Strafe bereits bekommen.
Um Gottes willen! Der Fluch Ihres Vaters muss aufgehoben werden.
Sie war doch vorgewarnt.
Man hat sie beraten und ihr verdeutlicht, was ihre Pflichten sind.
Aber unsere Schwester zog es lieber vor, ihre eigensüchtigen Wünsche
über alle Erfordernisse zur Besonnenheit und Verantwortung zu stellen.
Wir können wohl kaum so tun, als ob wir überrascht wären.
Und kein Bedauern?
Ach.
Ich wünschte, ihr Verhalten hätte ihren Fall bedauernswert gemacht.
Aber sie hat es sich ja so ausgesucht.
Wenn es wahr ist, was sie schreibt, dann soll sie ihn vor Gericht bringen.
Das ist sogar ihre Pflicht.
Wenn sie nicht selbst für sich spricht, spricht doch keiner für sie.
Eine Frau, die so sittsam ist, wäre sie auch noch so sehr im Recht,
würde sich niemals in einem öffentlichen Prozess bloßgestellt sehen wollen.
Wenn sie es nicht wagt, ihn zu beschuldigen,
dann muss sie den Burschen heiraten.
Ein Ehemann gibt ein fabelhaftes Feigenblatt ab,
für die Verfehlungen seiner Ehefrau.
Ich kann nicht.
Probieren Sie es!
Ein wenig Brot und Wasser, mehr brauche ich nicht.
Nein, Madam. Entschließen Sie sich, alles für Ihre Genesung zu tun,
dann geht es Ihnen bald besser. Ihnen ist keine Sünde anzulasten.
Lesen Sie! Heiliger Augustinus.
Ich kenne dieses Traktat, Sir.
Die Schrift "Vom Gottesstaat" ist mein Seelentrost.
Körperliche Keuschheit ist nicht verloren,
selbst wenn der Leib geschändet worden ist.
Solange man die Seele in Keuschheit bewahrt.
Deshalb hat eine Frau, die gegen ihren Willen geschändet
und durch fremde Sünde gezwungen wurde, keinen Grund,
sich selbst zu bestrafen, indem sie den Freitod wählt.
Er ist keine Bestrafung. Der Tod ist mein Freund.
Die einzige, wahre Schande sind der Kompromiss und der Selbstbetrug.
Der Tod ist Selbstbestimmung.
Meine liebste Anna, wahrhaftigste Freundin! Traure nicht um mich!
Die Zeit der Not, so schriebst du mir einst, sei meine stärkste Stunde.
Und ich glaube, so ist es auch.
Ziehe einen Lebemann niemals einem Ehrenmann vor.
Du siehst, ich kann besser Ratschläge erteilen als welche annehmen.
Mr. Hickman ist ein Ehrenmann durch und durch.
Du musst ihm dein Jawort geben.
Lebewohl, meine liebste Freundin. Deine Clarissa.
Zwei Treppen nur, nicht wahr? Ich finde sie schon.
Wer ist da?
Lovelace!
Ist sie hier?
Geh weg!
Jack.
Geh weg! Willst du sie umbringen?
Lass mich vorbei!
Niemals! Ein Mann, ein Wort.
Ich warne dich. Ich meine es ernst!
Und ich nicht minder!
Ich darf sie nicht verlieren. Ich muss sie haben. Mein Herz hängt daran.
Ich muss sie haben. Selbst auf dem Totenbett.
Dann musst du mich aus dem Weg räumen.
War das eben Lovelace?
Er ist jetzt fort.
Kann er mich denn nie zufrieden lassen? Will er mich noch bis ins Grab verfolgen?
Warten Sie!
Mr. Lovelace. Ich habe gute Neuigkeiten für Sie.
Ich werde mich auf schnellstem Weg zum Haus meines Vaters begeben.
Ich hoffe, er empfängt seine arme Büßerin mit der Güte, die ihm eigentümlich ist.
Ich bitte Sie, Sir, belästigen und hindern Sie mich nicht.
Ich bitte Sie inständigst. Ich bete, dass Sie sich läutern mögen,
sodass wir uns eines Tages in seiner Gegenwart wiedersehen können.
Mr. Lovelace.
Ich hab jemand Neues für Sie. Ein bildschönes Ding.
Ganz Ihre Kragenweite. Kommen Sie!
Sie ist neu im Geschäft und muss etwas geführt werden.
Oh Mr. Lovelace. Meine Seele steht über Ihnen.
Aber mein Körper...
Dorthin! Stellen Sie ihn ab!
Welch ein schockierender Anblick das ist!
Warum schockierend? Sind wir auf dem Kirchhof schockiert,
wenn wir die Grabmäler unserer Vorfahren sehen, mit denen wir hoffen,
einst gemeinsam zu ruhen?
Sehen Sie nur! Mein Palast.
Stolz bis in den Tod.
Das Loch soll so tief sein, dass es diesen unglücklichen Leib verbergen kann.
Denn ich fürchte, jene, die sich nicht rühren, um mich lebend zu schützen,
werden alles daransetzen, sich tot an mir zu rächen.
Er bittet Sie auf Knien, ihn bloß ein letztes Mal zu empfangen. Ihm zu vergeben.
Oh nein. Wie kann er das verlangen? Und wie können Sie es?
Er erhält meine Vergebung. Sagen Sie ihm das!
Aber es geht nicht, ich kann ihn nicht empfangen.
Sagen Sie ihm, ich würde ihm nicht nur vergeben.
Mehr noch: Wenn mein Leiden, auf welche Art auch immer,
seine Sünden sühnen könnten, würde ich die letzte Träne seinethalben vergießen.
Ich hätte ihn lieben können.
Eine Woche?
Bestenfalls. Auf keinen Fall länger.
Oh Clarry! Oh mein Kind!
Sie bittet nur darum, dass der Fluch von ihr genommen werde.
Und sie wieder Ihren Segen bekäme.
Ist das wieder eine ihrer Schachzüge?
James!
Man sollte keinem Kind vergeben, das sich so unverhohlen
und dreist den gutmütigsten Eltern widersetzt hat.
Darf ein herzloser Sohn sie belehren, Sir, zu vergessen, dass Sie ein Vater sind?
Der Herr verhüte, dass sie uns ganz verloren geht!
Lass mich zu ihr gehen! Lass sie mich zurückholen!
Nein! Sollte sie je wieder das Haus betreten, dann gehe ich von hier fort!
Dann gehe!
Das Kind hat genug gelitten.
Seien Sie bitte nicht traurig! Ich bin es auch nicht.
Freuen Sie sich und frohlocken mit mir, dass all mein diesseitiger Kummer
nun bald ein Ende hat.
Mr. Belford.
Gott behüte, Gott behüte Sie alle!
Oh komm! Gebenedeiter Herr Jesus.
Nein!
Ich werde blutige Rache nehmen!
Bis auf den kleinsten Rest werde ich die ganze Harlowe'sche Sippe
mit Stumpf und Stiel vernichten.
Ganze Hekatomben sollen meiner Clarissa geopfert werden!
Angefangen bei dir selbst.
Was?
Du hast sie verraten.
Sieh dich vor, Jack! Ich liebe dich wie einen Bruder. Aber ich warne dich.
Wehe, du provozierst mich!
Du hast sie geschändet.
Sie getötet!
Nein!
Spiel mir nicht den Moralisten, mein Freund!
Lebemann bleibt Lebemann, Jack. Wir sind vom gleichen Schlag, du und ich.
Wir gingen immer gemeinsam jagen.
Ich erscheine nur verruchter, weil ich einfach gut aussehend bin,
und du eben nicht.
Und so wirft sich das arme, verängstigte Kätzchen immer mir
und nicht dir an den Hals.
Hast du nichts daraus gelernt?
Was gibt es da zu lernen? Ist der Tod die natürliche Folge der Entjungferung?
Tu doch nicht so unschuldig, mein Freund! Du kanntest meinen Plan.
Jedes Detail, jede Hinterlist, meine Verkleidungen. Und was hast du unternommen?
Wie hast du versucht, sie zu retten? Du bist genauso schuldig wie ich.
Mehr noch. Ich heuchle zumindest keine Frömmigkeit.
Das ist nicht geheuchelt!
Ich nehme für eine Tugend Rache, die nicht meine ist!
Komm her!
Jack!
Lovelace!
Alle Achtung, Jack. Du hast sie gut gerächt.
Ein Mann kann nicht jede Frau haben, die es sich zu haben lohnt.
Gott sei deiner Seele gnädig.
Oh Clarissa! Erlöse mich von meinen Sünden.
Liebe Brüder und Schwestern, wir haben uns hier im Angesicht Gottes
und vor dieser Gemeinde versammelt, um diesen Mann und diese Frau
in den heiligen Stand der Ehe zu erheben.
Wenn jemand der Anwesenden einen gewichtigen Grund kennt,
warum diese beiden nicht rechtmäßig miteinander verbunden sein sollen,
der möge vortreten und sprechen.
Komm, lass uns gehen!
Und dies hier, Mietvertrag, das Inventar, die Verträge mit den Pächtern...
Die Pacht gehört mir!
Nicht nach dem Gesetz! Möchtest du vor Gericht ziehen?
Hast du vor, den ganzen Nachlass zurückzuziehen?
Jawohl, den ganzen.
Aber das bedeutet unsren Ruin!
Warum sollen wir jetzt bitte für Clarissas boshafte Dummheit büßen?
Und ich kann nicht erkennen, was es der Reputation meiner Schwester nützt,
wenn ich am Bettelstab hänge.
Ich dachte, es sei nun an der Zeit, an einem Strang zu ziehen!
Oh ja, genau.
Mit Geld ist nicht wieder gutzumachen, was wir alle getan haben.
Die Familie ist zerbrochen.
Die Gier hat ihr Herz zerstört und ihr die Sinne geraubt.
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