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Original subtitles

Die Mitte Europas im 2. Jahrtausend.

Ein Land, das lange braucht, um eins zu werden.

Menschen, die sich erst im Laufe der Jahrhunderte als deutsch verstehen.

Wer sind wir?

Woher kommen wir?

Fragen an ein Jahrtausend deutsche Geschichte.

Für die Demokratie!

Es ist ein Kampf um Glaube und Macht.

Katholiken gegen Protestanten.

Er soll für den Kaiser die Anhänger Luthers besiegen.

Der Feldherr Albrecht von Wallenstein.

Die Deutschen eint ein Schicksal.

Ihr Land wird zum Schlachtfeld und zum Spielball der Mächte Europas.

Sachsen 1632.

Es ist der verheerendste Krieg, -

- der je auf deutschem Boden ausgefochten wurde.

Er kostete Millionen Menschenleben und verödete das Land.

Ganze Generationen kannten nur Leid und Sterben.

Habt Mitleid mit einer armen Witwe.

Von diesem Krieg hat kaum einer so profitiert wie er:

Der Heerführer Albrecht von Wallenstein.

Als General des Kaisers hatte er Ruhm und Reichtum erworben.

Doch das Geschäft mit Waffen und Söldnern wirft nichts mehr ab.

Er ist kriegsmüde.

Wo ist dein Mann?

Er ist gefallen.

(Musik)

Ich kann dir deinen Mann nicht zurückgeben.

Einen höflichen Dank! Gott segne Euch!

Vielleicht bringt es dir mehr Glück als mir. Weiter.

Der Krieg um Glauben, Macht und Geld ist noch nicht zu Ende.

Prag am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges.

Die Stadt wird zu einem Brennpunkt im Konflikt der Konfessionen.

Die protestantische Bevölkerungsmehrheit -

- wird von einem katholischen König regiert.

Eine Ausnahme im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.

Zu Beginn des 17. Jh. bestimmen die Landesherren über die Konfession.

Das will der katholische Herrscher auch im protestantischen Böhmen.

Doch Ferdinand von Habsburg hatte bei seiner Königswahl zusichern müssen:

Religionsfreiheit für die böhmischen Protestanten.

Nun will sich der überzeugte Katholik darüber hinwegsetzen.

Aus Wien gibt er Anweisungen an seine Statthalter in Prag.

In Prag wird ersonnen, wie Böhmen wieder katholisch werden könnte.

Die Statthalter haben den Abriss von Kirchen der Protestanten gebilligt.

Für deren Ständevertreter ist es ein Affront.

Und ein Bruch ihrer verbrieften Religionsfreiheit.

(Dramatische Musik)

Eine Delegation von ihnen marschiert zur Prager Burg.

Fabritius.

Geht zur Tür und seht nach.

Die Vertreter des Königs ahnen nicht, was ihnen bevorsteht.

(Dramatische Musik)

Was wollt Ihr?

Ihr missachtet unseren Glauben!

Und unsere Rechte! Ketzer haben keine Rechte!

Euch werden wir das Maul stopfen!

Gottloser Pöbel!

Wir haben nichts getan! Fahrt zur Hölle!

Ihr papistischen Teufelsbraten!

(Dramatische Musik)

Lasst mich!

Die Protestanten stürzen die Statthalter aus dem Fenster.

Der Prager Fenstersturz löst viel Gewalt aus.

Es war als Protest für Recht und Freiheit gedacht.

Gegen die Politik Ferdinands.

Es wird von der katholischen Propaganda als Anschlag angeprangert.

Die Statthalter überstehen den Fenstersturz unbeschadet.

Das führen die Katholiken auf das Eingreifen der Mutter Gottes zurück.

Der Fenstersturz kam für die Wiener Regierung überraschend.

Dass es zu einem Gewaltausbruch kommen würde, -

- damit hatte man nicht gerechnet.

Die Böhmen setzen den Habsburger Ferdinand als ihren König ab.

Sie wählen den protestantischen Kurfürsten Friedrich von der Pfalz.

Zum Gegenkönig.

Ferdinand ist inzwischen auch Kaiser des Reiches.

Der sucht sich Verbündete:

Herzog Maximilian von Bayern, den militärischen Kopf der Katholiken.

Und einen katholischen Böhmen niederen Adels:

Albrecht von Wallenstein.

Auch das von Habsburgern regierte Spanien -

- schickt für Ferdinand Truppen in den Krieg.

Im November 1620 kämpft die Koalition des Kaisers -

- vor den Toren Prags gegen die böhmischen Protestanten.

Sie gewinnt die Schlacht am Weißen Berg.

Die Protestanten werden vertrieben.

Böhmen ist wieder katholisch.

Der Gegenkönig der Böhmen, Friedrich von der Pfalz, wird entmachtet.

Sein Recht zur Kaiserwahl wird an Maximilian von Bayern übertragen.

Ferdinands Verbündete fachen den Krieg weiter an.

Für den katholischen Glauben und mehr kaiserliche Macht im Reich.

Es ändern sich die Machtverhältnisse.

Böhmen und die Pfalz fallen an die Katholiken.

Die dringen bis in den Norden vor.

Bald regt sich dort Widerstand bei den europäischen Nachbarn.

Der protestantische König von Dänemark -

- fürchtet um seine Vorherrschaft im Ostseeraum.

Er erklärt Kaiser Ferdinand den Krieg.

Die Nachricht vom dänischen Kriegseintritt gelangt bis nach Wien.

In der Wiener Hofburg sucht man Antworten auf die Bedrohung.

Der Vormarsch der Dänen ist ohne weitere Truppen nicht zu stoppen.

Auch nicht ohne Waffen.

Mittel, über die der Kaiser nicht verfügt.

Majestät.

Der Dänenkönig rückt mit 20.000 Mann in den Süden vor.

Wir müssen ihn aufhalten!

Wir haben kein Geld für neue Truppen.

Wie soll der Kaiser seinen Kampf um Macht und Glauben weiterführen?

(Musik)

Lasst das meine Sorge sein, Euer Majestät.

Wallenstein.

Er überrascht den Kaiser.

Ich stelle Euch eine Armee.

Von 50.000 Mann.

Wallenstein.

Ich will Euch gern beim Wort nehmen.

Wie gedenkt Ihr, 50.000 Soldaten im Felde zu halten?

Sie sind leichter zu versorgen als 20.000.

Es beginnt eine neue Zeitrechnung des Krieges.

Das müsst Ihr mir erklären.

Die besetzten Gebiete werden für den Sold aufkommen.

Je größer die Armee, desto mehr Geld treiben wir ein.

Eine Formel, die Tore aufstößt.

Zu einem totalen Krieg und einer beispiellosen Karriere.

Wallenstein wird zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee.

Der Böhme aus niederem Adel -

- rückt auf eine Stufe mit den Fürsten des Reiches.

Er wird ausgestattet mit kaiserlichen Vollmachten.

Wallenstein beginnt sofort mit der Anwerbung von Truppen.

Das Geld legt er vor.

Das will er sich in den Kriegsgebieten zurückholen.

Eine Kalkulation ohne Skrupel.

Er investiert in neue Soldaten und neue Waffen.

Während des Dreißigjährigen Krieges ändert sich auch das Kriegshandwerk.

Die eisernen Harnische bieten auf den Schlachtfeldern kaum noch Schutz.

Immer wichtiger werden Feuerwaffen.

Noch sind die "Musketen" unhandlich, ungenau und schwierig zu bedienen.

(Gefechtslärm)

Zeichnungen dienen den leseunkundigen Söldnern als Gebrauchsanweisung.

Das Laden beginnt mit dem Einfüllen des Pulvers.

Die Kugel wird in den Lauf gestopft und die Lunte eingelegt.

Der Schuss aus einem einzelnen Gewehr richtet wenig aus.

Den Gegner sollen ganze Salven treffen.

Die Durchschlagskraft der neuen Waffe nutzt auch der Kriegsunternehmer.

Wallenstein perfektionierte nicht nur die Kriegsführung.

Auch das Geschäft mit dem Krieg.

Auf Kosten der Bauern, Handwerker und Händler.

Und der Bürger, die für seine Truppen -

- für die Soldzahlungen aufkommen mussten.

Das Motto Wallensteins: Der Krieg ernährt den Krieg.

Wie eine gefräßige Raupe ziehen die Soldaten durch Norddeutschland.

Der Heerführer und seine Armee lassen der Bevölkerung kaum etwas zum Leben.

Viele Bauern schließen sich aus purer Not dem Tross der Söldner an.

Um Hunger und Elend zu entkommen.

Um Soldaten-Nachwuchs braucht sich Wallenstein nicht zu sorgen.

Seine Kriegsmaschine nimmt das Land in Besitz.

Die Katholiken drängen die dänischen Truppen zurück.

Sie besetzen den protestantischen Norden des Reiches.

Der Kaiser überträgt Wallenstein das Herzogtum Mecklenburg als Belohnung.

Die Absetzung der alten Herzog-Dynastie -

- brüskiert nicht nur protestantische Landesherren.

In Prag kommt es zu einer Begegnung:

Zwischen dem Kaiser, den Fürsten und dem Emporkömmling.

Mein neuer Herzog von Mecklenburg!

Bedeckt Euer Haupt.

Ehre, wem Ehre gebührt.

Die Ehrung des kaiserlichen Günstlings provoziert den Adel.

Der Kaiser behandelt diesen Bauern wie einen ehrwürdigen Reichsfürsten.

Die Herzogswürde an diesen Parvenü zu vergeben.

Wie ich hörte, führte erst Euer Erscheinen zum Sieg.

Wird der Kaiser mit Wallensteins Hilfe über die Fürsten gebieten?

Das fürchten die Katholiken.

Will sich unser Kaiser etwa des alten Adels entledigen?

Und allein herrschen?

Er strebt wohl die absolute Monarchie an.

Ein Kaiser, ein Reich.

Ein Glaube.

Wenn, dann nur mit Hilfe von Wallenstein.

Der Aufsteiger stellt zur Schau, wie weit er es gebracht hat:

Das Palais Wallenstein. Der Prunksaal mit einem Deckenfresko.

Es zeigt den Kriegsgott Mars bei seinem Himmelsritt.

Kein Zweifel, wer hier gemeint ist.

Auch die Sterne sollen für ihn sprechen.

Der Astronom Johannes Kepler hatte seinen Aufstieg vorhergesagt.

Aber auch gewarnt.

"Sein Gewinn ist vieler Leute Schaden."

"Feindschaft und Widerstand sind ihm gewiss."

Immer wieder erinnert sich Wallenstein an die Prophezeiung.

Wird sich das Schicksal gegen ihn wenden?

Der Krieg ist nun im elften Jahr.

Er hat mehr zu verlieren als zu gewinnen.

Der Krieg um Macht und Glaube droht unberechenbar zu werden.

Der Vormarsch katholischer Truppen bis an die Ostsee -

- fordert die protestantischen Schweden heraus.

1628 verteidigen sie das von Wallenstein belagerte Stralsund.

Eine Warnung.

Doch Kaiser Ferdinand nimmt die neue Gefahr nicht ernst.

Er will das Rad der Geschichte endlich zurückdrehen.

Und dem Protestantismus den Boden entziehen.

Wallenstein hält unsere Stellung im Norden.

Wollte er mir dort nicht eine Flotte bauen?

Die Herrschaft über die Meere steht allein dem Kaiser zu.

Und doch ...

Ich darf nicht zufrieden sein.

Noch immer beherrschen ketzerische Protestanten Teile des Reiches.

Was soll ich tun?

Ihr müsst zurückfordern, was sie der römischen Kirche gestohlen haben.

Das ist Euer gutes Recht!

Und Eure heilige Pflicht!

Für Ferdinand ging es nie allein um Macht und Besitz.

Für ihn ist es auch ein Kreuzzug.

Ferdinand erlässt 1629 das Restitutionsedikt.

Unter dem Einfluss seines Beichtvaters.

Damit wollte der Kaiser die Zeit um 80 Jahre zurückdrehen.

Protestantische Fürsten sollten alle Kirchengüter, -

- die sie sich angeeignet hatten, wieder zurückgeben.

Auf der Grundlage dieser Kirchengüter -

- hatten sie ihre Territorialherrschaften ausgebaut.

Zum Prüfstein seiner Politik wird Magdeburg.

Eine Stadt mit einer langen Geschichte.

Die sächsische Stammessiedlung -

- wird im 10. Jh. Bischofssitz der römischen Kirche.

Im 16. Jh. eignen sich die Protestanten alle Kirchengüter an.

Sie machen Magdeburg zum Bollwerk der Reformation.

Seit Sommer 1629 wird die Stadt von kaiserlichen Truppen belagert.

Das Edikt Ferdinands soll durchgesetzt werden.

Die Magdeburger wissen:

Wenn ihr Widerstand zusammenbricht, steht die Reformation auf dem Spiel.

In ganz Deutschland.

Abgesandte der Stadt wollen verhandeln.

Mit Wallenstein, der vor Ort den Befehl hat.

Wir können die Forderungen nicht bezahlen.

Wallenstein hatte 200.000 Taler für seine Truppen gefordert.

Dafür hätte er die Belagerung abgebrochen.

Wenn Ihr dem Kaiser Respekt zollt, werd ich Euch das Geld erlassen.

Das Edikt bedeutet unser Ende!

Das Edikt kann keinen Bestand haben! Ich verspreche es Euch!

Wallenstein betreibt seine eigene Politik.

Wenn Ihr uns keinen Schutz gewährt, so suchen wir ihn bei den Schweden.

Das Edikt des Kaisers stellt auch aus seiner Sicht eine Gefahr dar.

Er fürchtet, dass die Protestanten Unterstützung finden.

Ein Bündnis mit den Schweden? Der Kaiser setzt alles aufs Spiel!

Er darf den Religionsfrieden nicht brechen.

Sonst riskiert er einen neuen Krieg.

Wallenstein hat andere Ziele.

Er war daran interessiert, -

- seine Armee nicht überflüssigen Belastungen auszusetzen.

Er hat dem Kaiser widersprochen, wenn er solche Risiken sah.

Der Konflikt zwischen dem Kaiser und dem Heerführer spitzt sich zu.

In Regensburg.

Die Kurfürsten wollen die Lage zu ihren Gunsten nutzen.

Und einen Keil zwischen Monarch und Generalissimus treiben.

Beide wurden den Fürsten zu mächtig.

Der Kaiser durch Wallenstein, Wallenstein durch den Kaiser.

Es gibt auch unter den katholischen Landesherren Unmut.

Wallenstein wird als Verräter dargestellt.

Er habe das Restitutionsedikt missachtet.

Die katholischen Kurfürsten wollen Ferdinand daran erinnern, -

- dass der Kaiser sie um Rat zu fragen habe.

Allen voran Maximilian von Bayern.

Wallensteins Ernennung zum Oberbefehlshaber -

- erfolgte ohne unsere Zustimmung!

Und die Aufstellung seiner Armee!

Ein Berater rechtfertigt die Entscheidung nachträglich.

Hätten wir damals nicht gehandelt, wären wir alle verloren gewesen.

Wallenstein missbraucht seine Vollmachten, um uns auszubeuten!

Nicht einmal die Kirchengüter hat er verschont!

Wie sonst hätte Wallenstein das Heer so schnell aufstellen können?

Er weigert sich, Euer Edikt durchzusetzen.

Wollt Ihr ihn dafür auch verteidigen?

Aber wer soll ihn ersetzen?

Der Kaiser weiß um Wallensteins Verdienst.

Doch er will die mächtigen Fürsten nicht gegen sich aufbringen.

Ferdinand II., Kaiser des Römischen Reiches deutscher Nation, -

- der König von Böhmen ...

Kommt zur Sache.

Ihr werdet vom Kommando befreit.

Man wollte Euch eine Einschränkung Eurer Befehlsgewalt nicht zumuten.

Wenigstens nimmt er mir die Verantwortung für die Schweden.

Wallenstein ist entlassen.

Dafür betritt ein anderer Mächtiger deutschen Boden:

König Gustav Adolf von Schweden.

Mit seiner Flotte landet er im Juli 1630 auf Usedom.

Seine Motive sind vielfältig.

Es war wichtig für Gustav Adolf, im Reich einzutreten, -

- um die Machtstellung des Kaisers in Norddeutschland zurückzudrängen.

Daneben gab es auch ein religiöses Anliegen.

Das Königreich Schweden sah sich als Vorkämpferin -

- der protestantischen Sache.

Es verbinden sich Expansionismus und religiöse Mission.

Das belagerte Magdeburg ist der erste Bündnispartner Schwedens.

Doch bevor die Hilfe kommt, wird die Stadt gestürmt.

Die Truppen des kaiserlichen Feldherrn Tilly -

- hinterlassen eine Stätte der Verwüstung.

Es ist wie ein Hölle auf Erden.

Von den 35.000 Bewohnern fällt jeder Zweite dem Gemetzel zum Opfer.

"Da ist nichts als Morden, Brennen, Plündern und Prügeln gewesen."

"Viele tausend unschuldige Menschen, Weiber und Kinder, -

- sind kläglich ermordet und erbärmlich hingerichtet worden."

"So dass es mit Worten nicht beschrieben werden kann."

So ein Augenzeugenbericht.

(Dramatische Musik)

Stumme Zeugen der Katastrophe im Magdeburger Dom.

Sie haben das Grauen unbeschadet überstanden.

Sie scheinen bis heute den Untergang ihrer Stadt zu betrauern.

Ihre Zerstörung gilt als größte Katastrophe -

- des Dreißigjährigen Krieges.

Die Bestürzung im protestantischen Lager war groß.

Es bildeten sich mächtige Koalitionen.

Gustav Adolf wollte den Krieg nutzen, -

- um seine Vorherrschaft im Ostseeraum zu festigen.

Den Protestanten präsentierte er sich als Retter des Glaubens.

Die protestantischen Fürsten wollten nicht von ihm gerettet werden.

Erst der Brand Magdeburgs trieb sie den Schweden in die Arme.

Es begann ein Siegeszug der Schweden durch das Reich.

Bis hinunter nach Bayern.

Gustav Adolf wollte sich an die Stelle des Kaisers setzen.

Die Protestanten sahen im Schwedenkönig nun ihren Erlöser.

Unter seiner Führung wendet sich das Blatt.

Den Schweden und ihren Verbündeten -

- hat das kaiserliche Heer nichts entgegenzusetzen.

Die Prophezeiungen Wallensteins schienen sich zu bewahrheiten.

Die Katholiken bekommen in Bayern die Rache der Protestanten zu spüren.

Bei der Gewalt gegen die Landbevölkerung -

- stehen die schwedischen den kaiserlichen Soldaten in nichts nach.

Eine der Foltermethoden des Krieges war der "Schwedentrunk".

Schwedische Söldner flößten ihren Gefangenen Gülle ein.

Bis das Opfer ganz aufgebläht war.

Dann schlugen sie mit Brettern auf den Bauch, -

- bis das Opfer alles preisgegeben hat.

Das ist nur ein Indiz für die Brutalität dieses Krieges.

Keine der Seiten blieb sich etwas schuldig.

In München fürchtet man sich vor einer Vergeltung für Magdeburg.

Vertreter der Bürgerschaft übergeben im Mai 1632 die Schlüssel der Stadt.

An Gustav Adolf.

Um verschont zu bleiben.

Durch das Isartor zieht der Schwedenkönig triumphierend -

- in die katholische Trutzburg München ein.

Wo wird sein Vormarsch enden?

Von der Münchener Residenz aus ist es nicht mehr weit nach Wien.

Dort regiert der Habsburger Kaiser.

Will sich Gustav Adolf zum protestantischen Kaiser aufschwingen?

Die Katholiken sind in Bedrängnis.

Nicht nur in Bayern werden die Rufe nach einem Retter laut.

Der Name Wallenstein fällt.

In Lützen betritt der Generalissimus erneut die Bühne des Krieges.

Er steht wieder an der Spitze des kaiserlichen Heeres.

Der Kaiser hatte ihm wieder das Oberkommando angetragen.

Ihm haben die Schweden Mecklenburg genommen.

Als General des Kaisers will er Gustav Adolf herausfordern.

Zum alles entscheidenden Kampf.

(Musik)

Sorgsam hat Wallenstein einen Schlachtplan ausgearbeitet.

Er verfolgt eine defensive Strategie.

Tief gestaffelt sollen seine Truppen den Schweden entgegentreten.

Die Gegner sind einander ebenbürtig.

Am 16. November 1632 fallen die ersten Schüsse.

Auf beiden Seiten stehen sich je 18.000 Mann gegenüber.

Pappenheim ist gefallen!

Seine Männer haben die Flucht ergriffen!

Wer in das Gesindel keine Ordnung bringt, -

- macht mit dem Henker Bekanntschaft!

Das Kriegsglück scheint sich von Wallenstein abzuwenden.

Ich werde vor Gustav Adolf keinen Fußbreit weichen.

Eher krepier ich! Jesus Maria!

Die kaiserlichen Truppen setzen zum Befreiungsschlag an.

Gustav Adolf hält mit großer Feuerkraft dagegen.

Er führt persönlich den Gegenangriff.

(Musik)

Im Pulverdampf verliert der kurzsichtige König die Orientierung.

Gustav Adolf gerät in eine tödliche Falle.

(Schuss)

Sein Tod auf dem Schlachtfeld von Lützen wird einen Mythos begründen.

Das Lederwams trug er im Kampf gegen Wallenstein.

Es ist für die Protestanten zur Reliquie geworden.

Das tödliche Einschussloch im Rücken.

Zunächst werden die Protestanten seinen Tod leugnen.

Erst lange nach der Schlacht erklären sie Gustav Adolf zum Märtyrer.

Die Schüsse auf den König fachen die Wut der Schweden an.

Wallenstein selbst gerät in Lebensgefahr

Die Geschosse der Gegner schlagen rings um ihn ein.

(Musik)

Erst am Abend verstummen die Kanonen.

Als Wallenstein zu sich kommt, begreift er:

Er ist dem Tod nur knapp entronnen.

Was er sieht, lässt ihn zum ersten Mal zweifeln.

Viele seiner Söldner haben seinen Ehrgeiz mit dem Leben bezahlt.

Der Kriegsunternehmer sieht keinen Sinn mehr in seinem Gewerbe.

Die Schlacht bei Lützen wird auch für ihn zum Wendepunkt.

Von 36.000 Söldnern bleiben mehr als 8.000 auf dem Schlachtfeld zurück.

Der Schwedenkönig ist gefallen, und doch ist nichts gewonnen.

Wallenstein sucht nach einem Ausweg.

(Dramatische Musik)

In seiner Residenz im böhmischen Gitschin -

- lädt er zu einem konspirativen Treffen ein.

Er will mit den Protestanten verhandeln.

Wir brauchen einen endgültigen Ausgleich.

Zwischen den Katholischen und den Evangelischen.

Mit dem Kaiser ist das unmöglich.

Wenn nicht Friede wird, ist alles verloren!

Dem Kaiser kann man nicht trauen. Das wisst Ihr aus eigener Erfahrung.

Worauf wollt Ihr hinaus?

Habt Ihr Eure Entlassung vergessen?

Denkt er etwa daran, die Seite zu wechseln?

Der Kaiser vertraut mehr seinem Beichtvater als seinem Verstand.

Wallenstein.

Warum kämpfen wir gegeneinander?

Mit Euch wäre leichter Frieden zu schließen als mit dem Kaiser.

Wallenstein will sich an niemanden mehr binden.

Er sieht sich als sein eigener Herr.

Wallenstein hat immer stärker das Ziel verfolgt, -

- seine Armee zu einer autonomen Machtbasis zu machen.

Er hat immer mehr seine eigene Politik gemacht.

Der Kaiser misstraute Wallenstein immer mehr, -

- der nicht mehr tat, was er sollte.

Dann ließ Wallenstein die Offiziere auf seine eigene Person vereidigen.

Ohne den König zu nennen.

Das war der erste Pilsener Revers.

Als der Kaiser davon erfährt, ist er empört.

Wallenstein lässt sich die Treue seiner Männer versichern. Wozu?

Es wird uns berichtet, dass er nach Eurer Krone trachtet.

Eine Verschwörung.

Aber Wallenstein war mir immer treu ergeben.

Er zog für mich gegen die Schweden ins Feld.

Die Schweden belagern jetzt Regensburg.

Und der Generalissimus greift nicht ein.

Ich habe Wallenstein befohlen, sie zu vertreiben.

Was macht er stattdessen? Er verhandelt mit unseren Feinden!

Ihr müsst ihm endlich Einhalt gebieten!

Ferdinand muss sich entscheiden.

Das Dekret des Kaisers, das Wallenstein ächtet.

Ferdinand fürchtet den General mehr als er ihm traut.

Er besiegelt dessen Ende.

Wallenstein sucht Zuflucht im böhmischen Eger.

Im Haus des Stadtkommandanten fühlt er sich vorerst sicher.

Doch er weiß, dass er verfolgt wird.

Wie nah ihm die Verfolger schon sind, ahnt er nicht.

Er will es nicht wahrhaben.

Werden die feindlichen Mächte, von denen sein Horoskop sprach, -

- nun über ihn triumphieren?

Am Ende sind es die eigenen Soldaten, die Jagd auf ihn machen.

Der Kaiser hat ihnen ein Kopfgeld versprochen.

Sie sollen den Geächteten ausliefern. Lebendig oder tot.

Die Soldaten sollten zwischen ihm und dem Kaiser entscheiden.

Sie haben ihre Wahl getroffen.

Verräterischer Hund!

Was wollt Ihr?

Gnade!

Gnade wird nicht gegeben.

Er stirbt, weil er den Krieg nicht mehr für andere führen wollte.

Schon gar nicht um des Glaubens willen.

Wallenstein war eine außergewöhnliche Person.

Er dachte in ökonomischen Bahnen. Ihm bedeutete Organisation viel.

Das macht ihn der Zeit wiederum fremd.

Das wirkte merkwürdig auf die Menschen.

Recht und Konfession bedeuteten ihm relativ wenig.

Der Kaiser schätzte die Macht, die er durch Wallenstein gewann.

Wallenstein ging es um die Armee, um das Funktionieren dieser Armee.

Kaiser Ferdinand führt seinen Krieg um Macht und Glauben weiter.

Mit dem Segen der Kirche.

Doch ein Jahr nach Wallensteins Tod erkennt auch er:

In diesem Krieg wird es keine Sieger geben.

Und dass die Gegner aufeinander zugehen müssen.

1635 treffen sich deutsche Fürsten beider Konfessionen -

- und Delegierte des Kaisers in der Prager Burg.

Dort wurde die Spirale der Gewalt ausgelöst.

17 Jahre sind seit dem Prager Fenstersturz vergangen.

(Dramatische Musik)

Nun schließen Protestanten und Katholiken in Prag einen Frieden.

Für "das geliebte Vaterland der hochedlen Deutschen Nation".

Das war der Versuch, -

- einen Verfassungs- und Konfessionsfrieden herzustellen.

Gescheitert ist er daran, dass man die auswärtigen Kronen -

- aus diesem Krieg herausdrängen wollte.

Den Frieden wollte man ohne Beteiligung dieser Mächte schließen.

Genau das war nicht mehr möglich.

In Prag ging es um einen Ausgleich.

Zwischen den deutschen Fürsten und ihrem Kaiser.

Doch die Franzosen fühlen sich von den Habsburgern umzingelt.

Die regieren im Reich und in Spanien.

Das katholische Frankreich verbündet sich mit Schweden.

Um gegen die kaiserliche Macht zu kämpfen.

"Das edle Deutsche Land, das in voller Blüte stand, -

- ist auch ein Widerpart seiner selbst und fremder Völker Beute."

Dichter wie Martin Opitz schaffen ein Bewusstsein.

Eins für das gemeinsame Schicksal der Deutschen.

Innerlich zerrüttet und Opfer fremder Mächte.

Allein im Leid sehen sie das einende Band.

Wie Andreas Gryphius in seinen "Tränen des Vaterlands":

"Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!"

"Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod."

"Was grimmer denn die Pest und Glut und Hungersnot."

"Das auch der Seelen Schatz so vielen abgerungen."

Über ein Drittel der Zivilbevölkerung fällt dem Krieg zum Opfer.

Durch Gewalt, Krankheit und Hunger.

Millionen Menschen.

Im Zeichen des Glaubens wurde dieser Krieg entfesselt.

Zur Neige geht er in der Gewissheit:

Jedes weitere Blutvergießen ist sinnlos.

Erst 1645 machen sich Abgesandte der Kriegsparteien auf den Weg.

Elf Jahre nach Wallensteins Tod.

Sie wollen einen dauerhaften Frieden schließen.

Delegierte aus ganz Europa versammeln sich.

In den vom Krieg verschonten Städten Osnabrück und Münster in Westfalen.

Drei Jahre werden die Friedensverhandlungen dauern.

Nie zuvor kamen so viele Mächte zusammen, -

- um ein Abkommen für einen ganzen Kontinent zu schließen.

Bis zuletzt ringen die Delegierten um eine Lösung in der Gewissheit:

Nur ein Ausgleich zwischen den Mächtigen und den Konfessionen -

- kann Frieden bringen.

1648 wird der Ratssaal von Münster -

- zum Schauplatz einer historischen Einigung.

Es wird erstmals eine europäische Friedensordnung etabliert.

Es ist eine Rechtsordnung und Gleichordnung -

- der einzelnen Länder Europas.

Kriege sind damit nicht beseitigt.

Aber ein fundamentalistischer Krieg, wie der Dreißigjährige Krieg, -

- ist danach nicht mehr durchgeführt worden.

Im Westfälischen Frieden von 1648 streben die Unterzeichner an:

Eine Balance in der Mitte Europas, -

- um die machtpolitischen und religiösen Gegensätze auszugleichen.

Er wird zum Grundgesetz des Reiches.

Die konfessionelle Teilung und die territoriale Zersplitterung -

- der Deutschen wird festgeschrieben.

Das ist der Preis für den ersehnten Frieden.

Das Reich bleibt ein von den Landesherren bestimmter Verband -

- unterschiedlich großer Territorien.

Das Reich hat existiert, aber nicht als zentrale Monarchie.

Ein föderaler, defensiver Reichsverband.

Damit hat es die föderalen Traditionen deutscher Geschichte -

- aufgegriffen und bestätigt.

Die Traditionslinien reichen vom 16. Jh. über 1648.

Über 1949 bis in das Deutschland von 1990.

Die Kunde vom Friedenschluss verbreitet sich im ganzen Reich.

"Gott Lob! Nun ist erschollen das edle Fried- und Freudenwort."

"Dass nunmehr ruhen sollen die Spieße und Schwerter und ihr Mord."

"Oh Deutschland, sing Lieder im hohen, vollen Chor."

Ein Danklied aus jener Zeit.

Ein Reich, ein Herrscher, ein Bekenntnis.

Diese Vision mündete in zügelloser Gewalt.

Die Macht und der Glauben auf deutschem Boden bleiben geteilt.

Und Frieden kann es nur mit, nicht gegen die Nachbarn in Europa geben.

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