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[unheilvolle Titelmusik]
[Frau] Alles klar. Tschau.
[Elke] Ich konnte nichts sehen,
aber hören, wie er das Getriebe fast zerstört hat.
[Verteidiger] Und sie haben dann Herrn Doormann geholfen, den Gang einzulegen?
Nein.
-Doormann hat die… -[Stuhlrücken, Getuschel im Saal]
Herr Doormann hat dies aber berichtet, also haben Sie ihm aktiv geholfen.
Das klingt nicht so, dass Sie besonders bedroht waren.
Er hat mich entführt.
Wenn du schreist, bist tu tot.
Mach, was ich sage, dann passiert dir nichts. Aufsetzen.
[Elke] Ich habe ihm nicht geholfen.
-Los, hier rein. -[Elke schluchzt]
-Was wollen Sie denn? -Schnauze.
-[Motor heult auf] -Fuck. Wo ist hier der Rückwärtsgang?
[Verteidiger] Sie haben sich nicht gewehrt?
[Elke] Er hat mich gezwungen,
mich aus dem Wagen gezogen und in diesen Bunker gebracht.
Los, rein in die gute Stube.
[Verteidiger] Sie haben nicht versucht zu fliehen oder um Hilfe gerufen?
[Raik] So, los. Runter mit dir.
Du kannst ruhig schreien. Es hört dich sowieso keiner.
[Verteidiger] Aber Herr Doormann hat Sie doch gut behandelt?
Ich bin ein guter Entführer.
[Verteidiger] Hat er Ihnen nicht Wasser und Essen gebracht?
Hier. Du sollst es ja gut haben.
[Verteidiger] Sie selber haben dies doch verweigert?
Die offene Flasche nehme ich nicht.
[Elke] Ich hatte Todesangst.
[Raik] Okay, du vertraust mir nicht.
Also gut.
Dann kriegst du eben…
eine neue.
[geheimnisvolle Musik]
Ehrensache.
[Verteidiger] Warum das?
Um zu beweisen, dass ich dort gefangen war.
Das war sehr umsichtig von Ihnen.
Würden wahrscheinlich die meisten von uns auch tun, so unter Todesangst.
-Vielleicht auch nicht. -Ich habe das in einem Film gesehen.
Entschuldigung, Frau Berger,
Sie müssen näher an das Mikrofon, sonst können wir Sie nicht verstehen.
Ich habe das in einem Film gesehen.
Es lässt sich also feststellen, dass Sie weder versuchten zu fliehen,
noch versucht haben, sich verbal oder physisch gegen Herrn Doormann zu wehren,
sondern ihm noch beim Schalten behilflich waren.
-Das hat er so dargestellt. -Gut.
Was ist dann mit der Aussage von Herrn Doormann,
Sie hätten positiv auf die Fotos, die er Ihnen gezeigt hat, reagiert?
-Ich fand die Bilder abstoßend. -Ach, Elke.
-[Richter] Ruhe, Herr Doormann. -Sie haben mich verängstigt.
So viel Angst, dass sie mehr Obstaufkleber
an die Wand des Bunkers geklebt haben?
[Gelächter im Saal]
Nein, ich habe das mal in einem psychologischen Seminar gelernt,
dass man in solchen Situationen keine Angst zeigen soll.
Deshalb habe ich mir nichts anmerken lassen.
Und mit den Aufklebern wollte ich nur beweisen, dass ich dort war.
Das hat es auch!
Sie scheinen ja eine filmfeste Kriminalistin zu sein.
Und eine ausgekochte Psychologin.
Vielleicht sollten Sie unbedarften Nachwuchsverbrechern
wie Raik Doormann einige Tipps geben.
Mit Ihnen als Geisel muss man sich um den Geiselnehmer Sorgen machen.
[Richter] Herr Verteidiger, das war etwas zu salopp.
Etwas sachlicher, bitte. Meine Damen und Herren.
[Verteidiger, leise] Entschuldigung.
[beklemmend schwelende Musik]
[Musik ebbt ab]
[Elke] Ja?
Schön. Sehr schön.
Aber das ist nicht so meins.
Ist das alles?
Ich verstehe nichts davon.
Scheint fast zu schweben.
Ist das wie fliegen?
[Verteidiger] Sie waren also schockiert, aber haben nicht geweint?
Ja.
[Verteidiger] Vielleicht haben Sie positive Signale ausgesendet?
-Sie wissen ja? -Nein.
-Sagen Nein, meinen aber Ja. -Ja?
Wenn Sie wissen, was ich meine, können wir uns den Blödsinn hier auch sparen!
Ich habe keine positiven Signale ausgesendet, Sie Mistkerl!
[Richter] Frau Berger, bitte.
Respektieren Sie die Umgangsformen des Gerichts, sonst zahlen Sie ein Bußgeld.
[Verteidiger] Herr Doormann behauptet,
Sie und er hätten quasi gemeinsame Sache gemacht.
Das stimmt nicht.
Sie hätten ihm geholfen, Ihren Ehemann Ludwig zu erpressen.
Das stimmt nicht. Und Ludwig ist nicht mein Ehemann.
Entschuldigung. Wie sagt man dazu?
Partner? Geliebter?
Das muss sehr demütigend sein,
jahrelang mit einem Mann zusammen zu leben, der noch verheiratet ist.
Mit einer Frau, die weggelaufen ist und nur noch sein Geld will.
[bedrohliche anschwellende Musik]
Ich frage Sie, Frau Berger:
Haben Sie Raik Doormann wirklich als Bedrohung wahrgenommen?
Immerhin sitzen Sie heute hier und sind nicht tot.
Er hat Sie auch vor einem Polizeirevier abgesetzt.
Ich hatte Todesangst.
Als er mich vom Bunker ins Auto brachte,
ich dachte, er wird mich töten und im Wald vergraben.
Ich habe niemanden zu irgendwas ermutigt.
[Richter] Frau Berger, bitte beantworten Sie nur die Fragen der Verteidigung.
[spannungsvolle Musik]
-[Raik] Los, komm schon. Komm. -[Elke] Nein, bitte nicht.
[Elke atmet zittrig]
[Verteidiger] Frau Berger, entschuldigen Sie die Frage,
aber hatten Sie in irgendeiner Form sexuellen Umgang mit Raik Doormann?
Nein.
[Verteidiger] Hat Herr Doormann jemals versucht,
sein Gesicht vor Ihnen zu verbergen?
Frau Berger, bitte, laut und deutlich.
Nein, hat er nicht.
Halten Sie Raik Doormann für dumm,
vielleicht für wahnsinnig?
Nein, dumm ist er nicht.
Wahnsinnig, kann ich nicht beurteilen.
Aber gefährlich ist er.
Raik Doormann ist also ein intelligenter und gefährlicher Mann,
der Sie entführt, Ihnen sein Gesicht und sexuell aufgeladene Bilder zeigt.
Dieser Mann zwingt Sie zu keiner sexuellen Handlung.
Er bringt Sie nicht um, obwohl Sie ihn identifizieren können.
Ja, er fährt Sie sogar zu einem Polizeirevier.
Was stimmt hier nicht, Frau Berger?
Helfen Sie mir.
Ich weiß es nicht.
Vielleicht hatte ich einfach Glück.
Ich weiß nicht, Herr Richter.
Was ich hier höre, klingt nicht wie ein klassisches Täter-Opfer-Verhältnis.
-[Elke] Ich wollte eigentlich… -Sie können den Zeugenstand verlassen.
-Bitte… -[Richter] Vielen Dank, Frau Berger.
Danke.
Als Nächstes bitte Frau Nela Langenbeck.
Frau Langenbeck.
Bitte schildern Sie dem Gericht Ihre Eindrücke der Nacht,
in der Frau Berger auf dem Polizeirevier erschien.
[Nela] ich bin ins LKA gefahren und habe da Frau Berger in Empfang genommen.
Von den Kommissaren Wiegand und Klose…
[Dialog wird undeutlich]
Ich heiße Elke Berger und ich bin entführt worden.
Sind Sie das? Wer hat Sie entführt?
Bleiben Sie bitte dort stehen!
Ja, guten Abend, Wachtmeister Bekendorp hier.
Ja, der vom Revier. Ich wollte fragen: Ist euch wieder eine weggelaufen?
Es ist eine Frau, müffelt wie ein Elch, ist ziemlich durch den Wind.
Nein, niemand bei euch verschwunden? Okay.
Tja. Was machen wir denn jetzt mit dir?
[Klose] So, bitte.
So, wir können.
Na, dann mal rein in die gute Stube, ne?
[Elke bibbert]
[ruhige Klaviermusik]
[Klopfen, Tür wird geöffnet, Schritte nähern sich]
Das ist nur für die Atmosphäre, damit Sie sich hier ein wenig wohler fühlen.
Das ist Vanille, wie der Tee.
[Klose] So.
[anschwellendes metallisches Dröhnen]
-[Nela] Morgen. -[Wiegand] Schönen guten Morgen.
[Nela] Hallo, Frau Berger.
Ich bin sehr froh, Sie zu sehen.
Mein Name ist Nela Langenbeck
und ich soll Ihnen alles Liebe von Ludwig bestellen.
Wie geht es ihm?
Gut. Er hat sich nur wahnsinnige Sorgen um Sie gemacht.
Er erwartet Sie so bald wie möglich zu Hause.
-Seid ihr mit der Aussage fertig? -Jo.
Elke.
-Ich darf Sie doch Elke nennen? -[schwach] Ja.
Würden Sie bitte kurz draußen auf mich warten?
Dann gehen wir gleich zusammen zur Untersuchung.
Also ich glaube, die fantasiert sich hier was zusammen.
Vielleicht wollte sie den Alten verlassen und nur abkassieren.
Aber ihr neuer Typ kriegt Muffensausen, schmeißt sie raus.
Jetzt muss sie sich als Opfer inszenieren.
Sie sagt, man hätte sie in einem Bunker gefangen gehalten
und sie hätte Obstaufkleber unters Bett geklebt, als Beweis, dass sie da war.
-So sieht kein Opfer aus. -Nee.
Riechen tut sie wie eine Woche im holländischen Puff gefeiert.
-Ja, als Puffmutter. -[Klose lacht]
[düstere Musik]
[Elke] Au.
Ich kann keine Spuren von Gewalt oder sexuellem Verkehr feststellen.
Habe ich doch gesagt.
Das haben Sie. Ich mache nur meine Arbeit.
[er flüstert etwas]
[treibende Musik]
[Elke] Dieses Alleinsein in der Dunkelheit,
das war so schrecklich.
Ich habe mir die ganze Zeit vorgestellt, was er für Dinge mit mir macht.
Wie er mich langsam zu Tode foltert.
Dann habe ich auch noch meine Tage gekriegt.
Immerhin hat er mir Binden gebracht.
Hat das lange gedauert, bis er Ihnen die Binden gebracht hat?
Eigentlich nicht, nein.
Ich schätze, die muss er im Haus gehabt haben.
Dann kam wieder sein blöder Spruch,
was er doch für ein guter Entführer wäre.
Meinen Sie, da waren noch mehr Leute im Haus? Hat er eine Frau?
Warum hat so einer sonst Damenbinden im Haus?
Vielleicht waren die von einer anderen Frau.
Die anderen Frauen?
Die von den Polaroids?
Frauen, voll mit Striemen, gefesselt.
Eine hat an der Decke gehangen.
Eine war so abgemagert, als käme sie aus einem Konzentrationslager.
Keine Haare mehr auf dem Kopf und auch sonst nicht.
Am schlimmsten war der Moment, als mir klar wurde,
dass diese Fotos
genau in diesem Gefängnisbunker aufgenommen worden waren.
Da dachte ich: "Das ist dein Schicksal."
Was ist, wenn er mich nicht mehr will?
Wenn er auch glaubt, dass ich das alles wollte?
Ludwig liebt Sie.
Er würde Ihnen niemals irgendeine Mitverantwortung an der Sache geben.
Sie haben keine Schuld.
[Verteidiger] Und wie haben Sie die Aussagen von Frau Berger eingeschätzt?
[Nela] Ich habe Sie erst mal gar nicht eingeschätzt, ich habe zugehört.
[Verteidiger] Ihre Kollegen haben sich aber in der Lage gesehen,
Frau Bergers Aussage zu bewerten und fanden diese ziemlich widersprüchlich?
Frau Berger ist stundenlang verhört worden.
Direkt, nachdem sie einer Entführung entkommen ist.
Ein Opfer braucht am Anfang mehr Raum und Zeit,
um das Erlebte zu verarbeiten.
Die Widersprüche, die oft in den ersten Aussagen entstehen, sind normal.
[er flüstert etwas]
Aber wir hätten halt gerne sofort eine klare, lineare Geschichte
und Abfolge dessen, was passiert ist.
Aber so funktioniert der Geist nun mal nicht. Schon gar nicht unter Schock.
Sie zweifeln also nicht nur das Urteilsvermögen Ihrer Kollegen,
sondern auch die jahrelang erprobten Verhörmethoden der gesamten Polizei an?
Ein sehr moderner Ansatz.
Sie haben bestimmt den gleichen Psychologiekurs wie Frau Berger besucht.
[Gelächter im Saal]
[Richter] Die Bemerkung war nicht angemessen.
Entschuldigung, ist mir so herausgerutscht.
Vielen Dank, Frau Langenbeck. Sie dürfen dann wieder auf Ihren Platz.
Wir fahren fort mit Punkt drei, die Befragung des Angeklagten Raik…
[schwelende Musik]
[Elke schluchzt]
[Richter] Herr Doormann, bleiben Sie sitzen, die Befragung erfolgt am Platz.
[beharrlich] Setzen Sie sich bitte hin.
Hiermit erteile ich Ihnen einen Verweis.
Sollten Sie sich erneut der Klägerin nähern,
werde ich Sie aus der Sitzung ausschließen.
Herr Doormann.
Entschuldigung, ich wollte der Elke nur ein Taschentuch reichen…
[Richter] Herr Doormann, wissen Sie, was ich mich frage?
Was haben Sie eigentlich gedacht,
was passiert, nachdem Sie die Geisel freilassen?
Ja, ich habe mir gar nichts weiter gedacht.
Ich konnte nicht damit rechnen, dass Elke mich so anschwärzt
und ich der Dumme bin, weil ich gutmütig war.
[Staatsanwalt] Herr Doormann, unterlassen Sie das.
Sie sind nicht wegen Ihrer Gutmütigkeit hier.
Was wollen Sie mit Ihrer Andeutung Frau Berger unterstellen?
Wissen Sie, wie Elke mich genannt hat?
"Mein Hans im Glück" hat sie mich genannt.
Und ich wollte der Elke immer nur helfen.
Elke, der alte Ludwig hat dich doch nicht mal in seinem Testament bedacht.
Und heiraten hat er dich auch nicht gewollt, sondern immer gearbeitet.
Warum machst du das?
Unterlassen Sie es, die Klägerin direkt anzusprechen.
Entschuldigung.
Aber man kann doch so 'ner tollen Frau das nicht verdenken,
dass sie ihren Alten ein bisschen anknabbern möchte
und auch einen Teil vom Kuchen abhaben will.
Aber dass die mich so…
-Sie wollen also… -Entschuldigung.
Dass sie mich hintergeht, damit habe ich nicht gerechnet.
[Staatsanwalt] Sie wollen Frau Berger ernsthaft unterstellen,
die Entführung mit inszeniert zu haben?
Ja, genau das möchte ich.
[Getuschel im Saal]
Ja, und ich bin einfach nur ein gutgläubiger Mensch, der helfen wollte.
Und ich will niemandem schaden.
Sie haben Frau Berger entführt
und wollten 300.000 Mark von Herrn Lübke erpressen.
Ist das Ihre Definition von "niemandem schaden"?
Also das behaupten Sie jetzt, die 300.000, das war Elkes Idee.
Die wollte sie haben, ich wäre mit 30.000 zufrieden gewesen.
-Elke, sag doch die Wahrheit. -[Richter] Herr Doormann.
Herr Doormann.
-Sag doch die Wahrheit. -[beharrlich] Herr Doormann, bitte.
Hilf mir doch.
'tschuldigung, ich wollte einfach nur
einer Freundin bei der Lösung ihrer Probleme helfen.
Und ansonsten habe ich mein Haus in Ordnung gehalten,
habe den Rasen gemäht,
die Dinge getan, die ein unbescholtener Bürger eben tut.
Wenn das strafbar ist, dann müssen Sie mich jetzt verurteilen.
[ruhige Pfeifmelodie]
[entferntes Rumpeln]
[Rumpeln]
Eine falsche Bewegung und ich grille dich, du Schlampe.
Na, wolltest du hier was klauen, hm?
Wolltest du dich mal richtig reich fühlen, du kleine Sau?
[sie keucht]
Ich werde dir zeigen, welchen Preis der Reichtum hat.
[Gürtelschnalle klimpert]
[Peitschenhieb, sie schreit] Scheiße, tut das weh.
Habe ich dir wehgetan, mein Schätzchen? Zu fest gehauen?
-Etwas weniger. -Gut.
-Was tust du für dein Geld, du Nutte? -[sie stöhnt]
Was tust du?
Ich fick dich, du geile Sau.
Das tue ich.
[Raik stöhnt vor Schmerz]
[nachdenkliche Musik]
[Raik wimmert]
[dumpfe Schreie]
[Frau] Ich habe gedacht, hier neben der Terrasse, ja?
-[Raik] Wo, da? -Ja, genau.
Da könnte ich mir doch eine kleine Werkstatt einrichten.
Weißt du, für die Badezimmerfliesen mit den Perlchen und Muscheln und so.
Also, bevor ich die verkaufe.
Vielleicht ist das ein bisschen nah am Wohnbereich.
Warum?
Na ja, wenn du die Fliesen schleifst, haben wir den Staub immer im Wohnzimmer.
-Ach, stimmt. -Na, das macht nichts.
Wir finden noch ein Örtchen, wo du schleifen kannst
und ich dich schön von allen Seiten nehme.
Da werde ich dich richtig schön rannehmen.
Machst du mich los?
Deine Frau kommt gleich. Vielleicht willst du hier noch Ordnung schaffen?
Nee, meine Frau kommt spät und Mischa schläft bei einem Freund.
Mmh.
No, no, no, no, señor.
Hasta luego.
♪ Wer will guten Kuchen backen ♪
♪ Der muss haben sieben Sachen ♪
♪ Eier und Schmalz, Zucker und Salz ♪
♪ Butter und Mehl Safran macht den Kuchen gel ♪♪
Sag mal.
[Beamter] Ach, Moin.
-'tschuldigung. -Moin.
-Raik Doormann? -Ja.
Sie sind verhaftet.
-Das ist 'n Ding. -Ja.
-Kann ich mir noch was anziehen? -Besser ist.
[Richter] Ihnen musste doch klar sein, dass Ludwig Lübke sich an Sie erinnert,
wenn Elke Berger ihm vom Bunker erzählt.
Herr Doormann?
-Herr Doormann? -Ja, bitte?
Sie waren in den 70er-Jahren länger im Betrieb von Herrn Lübke.
-Er hatte noch ein Foto von Ihnen. -Ja.
Ich kann ja nur sagen:
Ich habe mich doch unschuldig gefühlt.
Und dass ich das Verhalten von Elke… Ich verstehe es nicht.
Ich habe immer zu meiner Liebe zum gepflegten SM gestanden.
Macht mich das zum schlechten Menschen?
[Richter] Ihre sexuelle Vorliebe ist natürlich Ihre Privatangelegenheit,
solange Sie dabei keinen Strafbestand erfüllen.
-Darf ich etwas anmerken? -In Ordnung.
Elke.
Ist dir das peinlich mit dem SM?
Vielleicht bin ich ja naiv, aber am Ende…
will ich doch einfach nur Liebe.
Auf Malta gibt es ein Gesetz,
wonach der Entführer Straffreiheit bekommt,
wenn die Entführte ihn heiratet.
Ist es das, was du willst? Willst du mich heiraten?
[Gelächter im Saal]
Ich lasse mich nämlich gerade scheiden.
[Frau] Unglaublich…
[entfernter Sprecher im Fernseher]
Morgen nach der Urteilsverkündung sollten Sie erst mal in Urlaub fahren.
Und? Wie viele Jahre bekommt der Hund?
Ich habe gehört, höchstens 15.
Das Mindestmaß ist drei Jahre.
Drei Jahre?
Also irgendwas zwischen drei und 15 Jahren.
Das ist doch ein Witz.
Es gab eine Zeit, da bekam man für Menschenraub die Todesstrafe.
-Ludwig. -Ja, ist doch wahr.
Wir sollten lieber nicht vom Höchstmaß ausgehen.
Da er Sie freigelassen hat und Sie verhältnismäßig kurz gefangen waren,
wird es zu seinen Gunsten ausgelegt.
Seine privaten Umstände werden vielleicht auch berücksichtigt.
Seine privaten Umstände?
Wir sollten uns jetzt nicht auf ihn konzentrieren.
[Raik hallend] Am Ende will ich doch einfach nur Liebe.
Das Wichtigste ist, dass Sie Ihr Leben wieder leben, ja?
[pochende Musik]
[Raik] Du kannst ruhig schreien,
es hört dich sowieso keiner.
[Verteidiger] Haben Sie Raik Doormann wirklich als Bedrohung wahrgenommen?
[Arzt] Wäre sie vergewaltigt worden, wäre ihre Geschichte glaubwürdiger.
[Klose] So sieht kein Opfer aus. Und sie riecht wie nach einer Woche im Puff.
[Raik] Ich bin ein guter Entführer.
[Mann] Bitte erheben Sie sich.
Die Kammer hat von der Möglichkeit
der doppelten Strafmilderung Gebrauch gemacht.
[Verteidiger] Die Tat war eine Verzweiflungstat,
die er spontan und ohne planvollen Vorsatz begangen hat.
Bei der Zumessung der schuldgerechten Strafe wurde berücksichtigt,
dass der Angeklagte sozial…
[Raik] Durch die Aufgabe seines Geschäftsbetriebes
gerieten seine bürgerliche Existenz und sein Selbstverständnis ins Wanken.
…und bislang nie straffällig geworden ist.
…nicht gelungen ist, beruflich wieder Fuß zu fassen…
[Klose] Er hat sich immer mehr seiner Astrologiegläubigkeit hingegeben.
Von dem Angeklagten geht keinerlei Gefahr für die Allgemeinheit aus.
[Richter] Weiterhin hat das Gericht erhebliche Zweifel
an der Darstellung der Geschädigten,
die sich mehrfach in Widersprüche verstrickte
und erkennbar nicht alles sagte, was sie weiß.
Es konnte nicht gänzlich ausgeschlossen werden,
dass Frau Berger selbst eine aktive Rolle im Tatgeschehen gespielt,
den Angeklagten womöglich sogar angestiftet hat.
Zwar sprechen auch zahlreiche Indizien gegen diese Möglichkeit,
aber es bleiben zumindest Zweifel,
die zugunsten des Angeklagten Berücksichtigung finden müssen.
Daher ergeht im Namen des Volkes folgendes Urteil:
Der Angeklagte, Raik Doormann,
ist schuldig des erpresserischen Menschenraubs
in einem minderschweren Fall.
Er wird deshalb zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt.
[aufgeregtes Gemurmel im Saal]
[dröhnende Musik]
Tach, Frau Kessler.
Wie geht's Cornelia?
[Elke] Er geht jetzt aber für drei Jahre hinter Gitter, oder?
Eigentlich schon, aber offener Vollzug bedeutet,
dass er raus kann, wenn er einen Grund angibt.
Also, wenn er auf ein Amt muss
oder ein Jobinterview hat oder solche Dinge.
Und er hat Anrecht auf Hafturlaub.
Urlaub? Das heißt, er kann kommen und gehen, wie er will?
In gewissen Grenzen, ja.
Er muss immer zu einer bestimmten Uhrzeit zurück sein und dort schlafen.
Zudem ist das Gefängnis nicht so, wie Sie sich ein Gefängnis vorstellen.
Bei guter Führung ist er…
-Frau Langenbeck? -Ja.
Meine Tochter ist vor vier Jahren verschwunden.
Ähm, das tut mir leid.
Haben Sie das der Polizei gemeldet?
Ja… Ja, aber…
Ich glaube, die nehmen mich nicht richtig ernst.
Und wieso glauben Sie das?
Das hier ist meine Tochter,
Cornelia.
Sie haben im Prozess gesagt, dass Raik Doormann Frau Berger
Fotos von gefolterten Frauen gezeigt hat.
-Könnten Sie… -Tut mir leid.
Meine Cornelia war mit Raik Doormann im selben Schwimmverein.
Und er war sogar der Trauzeuge ihres ersten Mannes.
Würden Sie bitte nur einen Blick…
Dieser Doormann hat ihr immer nachgestellt.
Und plötzlich war sie einfach verschwunden.
Angeblich ist sie freiwillig gegangen, aber das…
Das habe ich nie geglaubt.
Und was Sie im Prozess gesagt haben…
Vielleicht…
Sie war auf einem der Bilder?
[angespannte Musik]
Auf den Fotos hatte sie weniger Haare
und war viel dünner, aber…
Die Augen, der Mund.
Ich bin ganz sicher.
Das sind ja Akten aus der Vermisstenstelle.
-Haben Sie sonst nichts zu tun? -Doch, ja. Aber sehen Sie mal.
Ich finde das beängstigend,
dass nach dem, was Elke Berger passiert ist,
es noch zwei Frauen gibt,
die aus dem direkten Umfeld von Raik Doormann verschwunden sind.
-Mhm. -Cornelia Kessler.
Und, das werden Sie nicht glauben…
-Irmgard Lübke, die erste Frau von… -Verstehe, verstehe, verstehe.
Aber ich weiß, dass Raik Doormann im Gefängnis sitzt
und wir nicht die Vermisstenstelle sind, sondern die Mordkommission.
Falls Ihnen langweilig ist, können Sie mir helfen.
Auf meinem Schreibtisch stapeln sich die Tötungsdelikte.
Und da warten Familien darauf, dass wir die Mörder ihrer Liebsten finden.
"Ich möchte hiermit klarstellen, dass ich, Cornelia Kessler,
nicht vermisst bin."
"Ich möchte hiermit klarstellen, dass ich, Irmgard Lübke,
nicht auf die Gesuchtenliste…"
Hey, Balbek, hören Sie mal.
Beide Frauen schreiben:
"Ich möchte hiermit klarstellen, dass ich nicht vermisst bin."
Beide Frauen bitten darum,
nicht an irgendwelchen Landesgrenzen aufgehalten zu werden.
Jeweils an der gleichen Stelle oben links:
die Nummer des Personalausweises der angeblichen Schreiberin.
Die Formulierungen gleichen sich stellenweise aufs Wo…
Balbek?
Was, 160? Bist du wahnsinnig, Carmen? Dein Haus ist viel mehr wert.
Wir brauchen mindestens 200.000, Spatzi.
[Carmen] Vielleicht finden wir noch jemanden. Nenn mich nicht Spatzi.
Ich will aber niemand anderes finden.
Außerdem möchte ich schnellstmöglich mit dir weg von hier.
Ja, aber das ist mein Haus. Ich will, dass es…
Was heißt hier "dein Haus"? Scheiß auf dein Haus!
Hör mal, ich kann auch alleine abhauen, wenn du jetzt anfängst, rumzuzicken.
Ich plane hier unsere Zukunft, ja? Also mach gefälligst, was ich sage.
Carmen.
Entschuldigung. Es tut mir leid.
Es ist auch alles sehr hart für mich hier gerade.
Ich sehe dich den ganzen Tag nicht
und der Knast hier, der ist auch kein Zuckerschlecken.
Ich will einfach den ganzen Scheiß mit dir hinter uns lassen
und endlich in unserem Traum ankommen, okay?
-Moin. -Moin.
-[Carmen] Okay. -[Raik] Hör zu.
Ich will, dass du jetzt zwei Flugtickets buchst.
Von Hamburg nach Paris und von Paris aus direkt nach San José.
Moin, moin.
[Raik] In zwei Wochen habe ich Hafturlaub, dann hauen wir ab.
[ruhige Musik]
[sphärische Musik]
[Musik ebbt ab]
[Cornelia] Liebe Mutti. Ich bin in Chile.
Hier ist schon Sommer, es ist unglaublich schön.
Ich genieße es und denke an dich.
Ich glaube, ich habe für Stephan schon…
Sein Haus liegt wunderschön in den Bergen.
Er ist geschieden, ist 45 Jahre alt und hat einen 12-jährigen Sohn.
Ich wünsche dir fürs neue Jahr Alles Gute.
Alles Liebe, deine Tochter.
Diese Postkarten habe ich bekommen und auch Freunde von Cornelia.
Sie haben doch nichts dagegen?
Als Gedächtnisstütze für mich.
Ja.
Also diese Postkarten habe ich bekommen
in den Monaten nach dem Verschwinden von Cornelia.
Und auch wenn es nach ihrer Schrift aussieht,
die Rechtschreibfehler, der Ausdruck.
Cornelia hatte Abitur und nur die besten Noten in Deutsch.
Ich lasse die Schrift analysieren, wenn Sie nichts dagegen haben.
Warum tragen Sie Handschuhe?
Ich hatte die Karten so oft in der Hand.
Da finden Sie bestimmt nur meine Fingerabdrücke.
Wer weiß.
Ich will keine Möglichkeit auslassen.
Danke, dass Sie sich kümmern.
Bei der Polizei hat mich ja sonst niemand ernst genommen.
Am Anfang, als ich Cornelia vermisst gemeldet habe,
habe ich gedacht, die suchen wirklich nach ihr.
Wir sammeln jetzt erst mal alle Informationen.
Und dann finden wir raus, was passiert ist, Frau Kessler.
Vielleicht fangen wir damit an,
woher Cornelia Raik Doormann eigentlich kannte.
Ja, ja.
Cornelia war ja vor Stephan schon mal verheiratet, mit Jürgen.
Und Raik Doormann,
der war ein Kumpel von Jürgen.
Die waren ja alle zusammen im Schwimmverein.
Er war ja dann auch der Trauzeuge von Jürgen.
Ich konnte diesen Raik nie leiden.
Das war ein ekliger Typ.
Cornelia fand das auch.
Weil er ihr auch immer nachgestellt hat.
Ja, das hat sie mir so erzählt.
Er hat die beiden auch oft in sein Ferienhaus eingeladen, um zu feiern.
Wir wollten es ganz schlicht, ohne Diamant oder so.
Aber er hat einen Feingoldanteil von 750 und nicht nur 585.
Das ist das Gewicht der Ehe.
[Raik] Ich sage ja, die Klunker müssen fett sein.
Dann stören die immer etwas und erinnern die Frauen daran, wo sie hingehören.
-Du hast natürlich den fettesten. -Ja.
Du solltest mal an deiner Homosexualität arbeiten.
[Mann] Du steckst deiner Kleinen den Dosenring vom Bier an.
Leichter Ring für ein leichtes Mädchen.
Ah! Heilige Scheiße!
Du, das gibt 'ne fette Brandblase.
Guckt mal, perfekte Ehe: Die Frau sollte immer was von ihrem Mann im Mund haben.
Du bist so widerlich.
Hm, zeig mal. Boah, ist die dick.
Das wird dick, du. Ich hole 'ne Nadel, dann steche ich die auf.
Hier, halte mal. Danke.
[Brigitte] "Glück ist der Platz, wo man landen kann,
wenn man sich zwischen Faszinationen hin- und hergerissen fühlt."
[Jürgen] Mhm.
Lass das nicht Raik hören, dass du Zeitungshoroskope liest.
[sie imitiert Raik] "Diese Schmierfinken.
Das ist eine seriöse Wissenschaft.
Lies nicht immer so 'nen Schrott, Brigitte."
-Ich gehe mal pischen. -Ja, geh.
-Ich muss. -Das wird nix.
Thea hängt über der Schüssel, die hat die letzte Wurst nicht vertragen.
Du musst da hinten ins Gebüsch pütschern.
[Thea würgt und hustet]
Da hinten im Wald, da kannst du gut strullern.
Pass auf, dass dir keine Spinne in den Schlitz kriecht.
-Vorsicht, die Brennnesseln. -Scheiße, Raik! Mach das Licht aus.
Ich muss wirklich dringend.
Weißt du, dass die Brennnesseln kleine Härchen haben, die hohl sind?
Durch die chemische Substanzen fließen, die die Verbrennungen auslösen?
Schön. Kannst du bitte weggehen?
Das ist ganz schön schmerzhaft,
aber auch gesund, weil das ja die Durchblutung fördert.
Raik, hau ab!
[beide schreien, Raik lacht]
[Cornelia flüstert] Das geht einfach nicht.
Raik, hör mal. Das geht zu weit.
Du kannst meiner Frau doch nicht zum Pinkeln nachlaufen.
Was denn?
Ich wollte nur gucken,
dass sie sich nicht an den Brennnesseln ihren schönen Hintern verbrennt.
Ich bin doch nur ein sanfter Tiger.
-Ja, du sanfter Tiger. -Sei mal still, hört ihr das?
Hört ihr das?
♪ Auf Matrosen, ohé ♪
♪ La Paloma, ohé ♪
Noch keinen Zahn, aber "La Paloma" pfeifen.
♪ Einmal muss es vorbei sein Erinnerung an Stunden der Liebe ♪♪
[Raik hustet]
[Raik hustet]
[beklemmende Musik]
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