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* fröhliche Violinmusik *
Personen und ihre Farben:
(Fritzi) (Bela)
(Fritzis Vater, Klaus) (Fritzis Mutter, Julia)
* Vögel zwitschern. *
* Ein Motorengeräusch nähert sich. *
* Bremsen quietschen. *
(Mann) Halt! Stehenbleiben oder ich schieße!
* Ein Schuss knallt. *
* fröhliche Orchestermusik: Motiv *
* Musik verklingt. *
* Glocken läuten. *
* Tauben gurren. *
* Mundharmonika, Rasseln, Kinderlachen *
(Mädchen singt) Da da da dam.
* Ein Hund jault leise. *
* Der Hund jault laut. *
(Sophie) Chaka - chaka - chaka ...
* Tür wird geöffnet. *
(Frau) Sophie, Fritzi! Ab ins Bett mit euch!
Wir müssen morgen früh losfahren.
(Sophie) Ja, Mama!
* Das Hündchen bellt. * * Die Kinder lachen. *
Du spielst wirklich gut, Fritzi.
So schwer ist das gar nicht.
Probier mal.
Äh.
* Die Mundharmonika quietscht. * * Der Hund jault. *
Du musst nur ein bisschen üben.
Nimm meine Mundharmonika mit in die Ferien.
Nach 2 Wochen hast du es gelernt.
Danke.
Ich würde viel lieber dich mit in die Ferien nehmen.
Es wäre spitze, wenn ich mit nach Ungarn könnte.
Genau. Ich werd mich furchtbar langweilen ohne dich.
Nicht mal Sputnik darf mit. * Sputnik fiept. *
Ich war noch nie im Ausland.
Ungarn ist kein richtiges Ausland.
Der Westen, wie Frankreich, Amerika, Australien ...
Das ist Ausland.
Aber Ungarn? Nee.
* seufzt *
Glaubst du, was die in der Schule sagen?
Dass die drüben alle unglücklich sind?
Unglücklicher als hier bestimmt nicht.
Was denkst du, warum wollen alle rüber?
Vielleicht, weil es da immer Bananen gibt und echte Coca Cola.
Ich habe noch nie echte Cola getrunken.
Deine Oma wohnt doch im Westen. Was sagt sie dazu?
Dass Cola ungesund ist.
Und dass da alles besser ist.
Aber hier ist es doch auch gut.
Ja, das finde ich auch.
* Grillen zirpen. * * Ein Hund bellt in der Ferne. *
* fröhliche Musik * * Eine Tram bimmelt. *
* Ein Motor brummt. * * Reifen quietschen. *
Hilfe, Mama, fahr doch vorsichtig.
So schaffen wir das nie nach Ungarn.
(Kinder) Uuaah!
Hin vielleicht, aber zurück ... sehr unwahrscheinlich.
* Reifen quietschen. *
* Sophie stöhnt. * * Sputnik bellt. *
Geschafft.
* Stöhnen *
Deine Mutter hat wirklich einen irren Fahrstil.
Oh, ich weiß, und Ungarn ist weit, weit weg.
Hallo! Hallo Julia.
Danke, dass ihr für uns auf Sputnik aufpasst.
Ach, das machen wir doch gern.
Ganz schön viel Gepäck für 2 Wochen, oder?
Frauen.
Komm, steig ein, Sophie.
Wir müssen los.
Sei schön brav, Sputnik, und hör auf Fritzi.
* Sputnik fiept. *
Nein, Sputnik, du musst bei Fritzi bleiben.
Ich schreib dir ganz oft. Versprochen!
Passt gut auf euch auf.
(Sophie) Wiedersehen, Fritzi!
(das Auto hupt)
Wiedersehen!
* Sputnik bellt. *
* Lied von KARAT: "Leute, welch ein Tag" *
# Leute, welch ein Tag... Da bleibe der doch, wer mag,
# im Dämmergrau der Stadt bei sich zu Hause.
# Nimmt der Sommer ab, wird auch die Sonne knapp,
# und Winter wird es schließlich früh genug.
# Leute nun mal ran, ein Sonnentag fängt an.
# Der Himmel ist wie himmelblaue Seide.
# Draußen ist es grün und viele Blumen blüh'n.
# Die blüh'n doch nicht damit sie keiner sieht.
# Nun aber raus solange noch die Sonne scheint,
# denn wer weiß, ob morgen nicht der Himmel weint.
# Also raus solange noch die Sonne scheint.
# Wer immer nur träumt, schläft und versäumt.
* Sputnik bellt. *
* heitere Gitarrenmusik *
* Musik verklingt. *
* Jemand übt Violine. *
Da seid ihr ja.
Es ist spät.
Morgen ist der erste Schultag.
... und Sophie ist noch nicht zurück.
Vielleicht haben sie die Ferien etwas verlängert.
Oder sie hatten eine Reifenpanne.
(Radio) "Das Paneuropäische Picknick
als politische Veranstaltung
zur Völkerverständigung am ehemaligen eisernen Vorhang
hat sich heute ..."
Gibt's nichts anderes als langweilige Nachrichten?
Hallo Fritzi!
Ab ins Bett! Morgen ist der ...
... der erste Schultag, ich weiß!
Und vergiss nicht, den Wecker zu stellen!
* sanfte Mundharmonikamusik *
Sei nicht traurig.
Sophie ist morgen wieder da.
* Der Wecker tickt. *
* Sputnik fiept. *
Huch!
* dynamische Flötenmusik *
Mist!
(Mann) In diesem Schuljahr
begehen wir den 40. Jahrestag unseres Heimatlandes,
der Deutschen Demokratischen Republik.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
wurde Deutschland zum geteilten Land.
Drüben die BRD
als Vasallenstaat des Westens.
Hier die DDR
als Teil der sozialistischen Staatengemeinschaft.
Heute, nach 40 Jahren, ist erwiesen,
wir sagen es mit großem Stolz:
Die Deutsche Demokratische Republik
ist das bessere Deutschland.
* Schüler reden durcheinander. *
* seufzt *
Guck, jetzt kann ich's. - Hahaha.
* Es knallt. *
Seid bereit!
Immer bereit.
SEID BEREIT!
IMMER BEREIT!
Na, bitte. Geht doch.
Ich bin Frau Liesegang,
eure neue Klassenlehrerin.
Und du dürftest der Klassenclown sein.
Wie heißt du?
Benni Göbel.
Göbel?
Ist dein Vater zufällig der Kreisschulrat?
(zustimmend) Mhm.
(unsicher) Eh.
* räuspert sich *
Achtung und Respekt vor euren Lehrern
ist die Grundlage unserer sozialistischen Schule.
* räuspert sich *
Insbesondere am ersten Tag.
Und unabdingbar bei unserem Fahnenappell.
Ich hörte, du bist neu in der Klasse
und du bist kein Thälmannpionier.
Bela... Rothkirch?
Ja.
Und was willst du nach der Schule machen?
Ich will auf jeden Fall studieren.
* lacht höhnisch * Das werden wir ja sehen.
Wer sich heute nicht für diesen Staat einsetzen will,
kann nicht erwarten,
dass sich der Staat morgen für ihn einsetzen wird.
Wer hat den Gruppenratsvorsitz?
Ich melde, die Klasse ist vollzählig.
Bis auf Sophie Vollmer.
Und weiß jemand, wo sie ist?
Jeder weiß, wo die ist.
Was wolltest du damit sagen?!
Was wohl!
Die Hippies haben rübergemacht,
in den Westen.
Sophie macht nur länger Ferien.
Außerdem ist sie meine Freundin.
Leg dich besser nicht mit denen an.
* melancholische Oboenmusik *
* spannungsvolle Musik *
* Sputnik bellt. *
* Die Tür knarzt. *
* Eine Tür knallt. *
Sophie?!
* Sputnik knurrt. *
(Mann) Beeil dich.
Es soll uns doch keiner bemerken!
* Eine Tür klappt. *
(2. Mann) Hast du einen Hund gehört?
(1. Mann) Quatsch, die sind weg! Das sieht ein Blinder.
Die warten in Ungarn im Zelt darauf, über die Grenze zu kommen.
(2. Mann) Wer hat die Republikflucht angezeigt?
(1. Mann) Eine Kollegin, glaub ich ...
(2. Mann) Sieh mal, die Kleine hatte keine Ahnung,
sonst hätte sie ihre West-Barbie nicht dagelassen.
Die nehme ich meiner Rosi mit.
(1. Mann) Leg die wieder hin. Das ist eine Durchsuchung,
keine Sicherung von Beweismitteln. - Mann, gib mir die Puppe!
(1. Mann) Pass doch auf! Meine Brille!
(2. Mann) Dann musst du sie eben richtig aufsetzen.
- Wo ist sie hin? - Mach schon, ...
wir müssen noch den Bericht schreiben.
(1. Mann) Hab sie.
* Wohnungstür öffnet. *
* Wohnungstür schließt. *
* seufzt * * Sputnik wuffelt. *
* traurige Klaviermusik *
* schluchzt leise *
(TV) "Rund 200.000 Touristen
aus der DDR harren inzwischen in Ungarn in Zeltlagern aus."
Mama?
Hallo Süße.
Warte kurz, ich will das hier noch sehen.
"... von Ungarn über Österreich nach Westdeutschland
ausreisen zu dürfen."
Liebling, bitte geh da weg.
Mama!
Wusstest du, dass Kati in den Westen will?
Nein, das wusste ich nicht.
Geahnt, vielleicht.
Deswegen durfte ich nicht mit nach Ungarn, stimmt's?
Und deshalb musste Sputnik hier bleiben, stimmt's?
STIMMT DAS?!
Fritzi, ich ...
Du und Kati, ihr seid so gemein!
(TV) "... über Österreich in den Westen flüchten zu können ..."
* Eine Tür knallt. *
(traurig) Kati hat mir nichts erzählt. Ehrenwort.
Das wäre viel zu gefährlich gewesen.
Allein schon wegen der Stasi.
Die Stasi kann mich mal.
Egal, was du tust, leg dich auf keinen Fall mit der Stasi an.
Und was ist das überhaupt, die "Stasi"?
Das sind Leute vom "Ministerium für Staatssicherheit".
Wie die Polizei, nur dass sie die Menschen nicht beschützen.
Sondern?
Die Stasi sperrt Menschen ein,
nur weil sie hier nicht mehr leben wollen.
Brechen sie etwa in Wohnungen ein?
Diesen Typen ist alles zuzutrauen.
Warum?
Wieso hat Kati das gemacht?
Ich glaube, Kati möchte die Welt sehen.
Deshalb ist sie weggegangen.
Aber Sophie wollte nicht weg.
Sie möchte hier bei Sputnik sein.
Und bei mir.
Ich weiß, das ist schwer zu verstehen,
aber Kati hat das auch für Sophie getan.
(Hanno) Mami, fliegst du mit mir zum Mars?
Ich flieg mit dir in die Badewanne.
* Julia und Hanno lachen. *
* seufzt *
* Das Telefon klingelt. *
* Wasser plätschert. * * Ein Badespielzeug quietscht. *
* Das Telefon klingelt. *
* seufzt entnervt *
Hallo?
(Sophie) "Fritzi?"
SOPHIE! Wo bist du?
Immer noch in Ungarn.
"Wann kommst du zurück?"
Wir können nicht mehr zurück.
Wie meinst du das?
"Hör mal, siehst du keine Nachrichten?"
Wir sind jetzt Republikflüchtlinge.
"Und wohin wollt ihr flüchten?"
Zu meiner Oma. In den Westen.
Mal ist die Grenze offen, dann wieder nicht.
"Totales Chaos.
Wir sitzen hier fest."
Sputnik vermisst dich so. * Sputnik fiept. *
"Ich vermisse Sputnik auch, und ..."
Sophie?
* Verbindung ist unterbrochen. *
... und du fehlst mir auch, Fritzi. Fritzi??
Sophie?
Sophie ... du fehlst mir auch.
* Sputnik fiept. *
* traurige Cellomusik *
Ich weiß, was wir machen.
Wir bringen Sputnik nach Ungarn, zu Sophie.
Sei nicht albern. Wie soll das gehen?
Ungarn ist auch ein sozialistisches Land.
Man darf doch dahin reisen.
Mama, Sputnik vermisst Sophie so sehr.
Mama?!
Hallo meine Lieben. Was ist denn los?
Stell dir vor, Klaus.
Fritzi will nach Ungarn, zu Sophie.
(Hanno) Ich will auch nach Ungarn.
Unsinn. Die Grenzen sind fast alle dicht,
weil so viele über Ungarn flüchten wollen.
Aber ...
Es geht wirklich nicht.
Und du wirst sehen, Sputnik wird Sophie bald vergessen.
Wie kannst du so was sagen! Sputnik wird Sophie nie vergessen!
Und ich auch nicht!
* Stadtgeräusche * * Krähen krächzen. *
* heitere Musik *
Hallo?
* Frau stöhnt. * * Stuhl quietscht. *
Was willst du?
Haben Sie Reisen nach Ungarn? Wir haben Reisen in viele Länder.
Polen, Rumänien, die Sowjetunion ...
Danke, aber ich möchte nach Ungarn.
Soso.
Und was hast du in Ungarn vor?
Urlaub machen?
Wo sind denn deine Eltern?
Ich fahre ganz allein. Ach so.
Und deine Eltern wissen Bescheid? Äh ... klar.
Ich mache nichts ohne die Erlaubnis meiner Eltern.
Mhm, verstehe ...
Was für ein Jammer.
Leider muss ich in ein paar Minuten schließen.
Aber komm doch bitte morgen wieder.
Sagen wir gegen 5?
Mh-hm.
Und bring eine schriftliche Erlaubnis deiner Eltern mit.
* bedrohliche Musik *
Das war einfacher, als ich dachte.
Du wirst sehen, wir sind in Nullkommanix bei Sophie.
* unhörbar *
Mama und Papa erlauben mir nie, allein nach Ungarn zu fahren.
Ich könnte Papas Unterschrift fälschen ...
"Unterschrift fälschen?" Ziemlich gewagt.
Du weißt,
dass es für Urkundenfälschung 5 Jahre Knast gibt?
Das hast du falsch verstanden. 5 Jahre ...
Da kommst du wieder raus, wenn wir Abi machen.
Halt mal die Luft an!
Du hast dich verhört. Kapiert?
Schon gut.
Übrigens kann ich prima Apfelkuchen backen ...
mit einer Feile darin.
Ist das dein Hund?
Nein, Sputnik gehört Sophie.
Sie wusste nicht, dass ihre Mutter weg will.
Sie hätte Sputnik nie allein gelassen.
Ach, was ist ein Hund
gegen Barbiepuppen, Bananen und Cola.
Sophies Mutter ist garantiert nicht wegen ein paar Bananen abgehauen.
Warum dann?
Weil das Leben im Westen besser ist?
Es gibt Leute, die sich einsetzen,
dass man hier in der DDR besser leben kann.
Da muss ich rein.
Musst du jetzt beichten gehen,
damit du hierbleiben kannst?
Du hast keine Ahnung, was hier abgeht, oder?
Wieso, was geht denn ab?
Hol Stöckchen.
Pfft. Angeber.
Komm, Sputnik.
Sputnik, bleib hier.
Sputnik!
* bedrohliche Musik *
* leises Orgelspiel * * murmelnde Stimmen *
* Sputnik bellt. *
(Mann) Wir fordern ein Recht auf Demonstrationsfreiheit,
denn es kann nicht sein,
dass unsere Demonstrationen
aus fadenscheinigen Gründen nicht genehmigt
und dann willkürlich von den Sicherheitskräften aufgelöst werden.
Was fällt dir ein? Komm raus hier.
(Frau) Wir sind schon heute so viele,
aber wenn wir eine Veränderung für unser Land wollen,
müssen wir noch viel mehr werden
und weiter demonstrieren.
Nicht nur hier in Leipzig, sondern überall.
Gewaltfrei!
(Mann) Wir kommen nun schon seit vielen Jahren zusammen.
Jeden Montag in der Nikolaikirche.
Weil wir Veränderung wollen, weil wir frei sein wollen ...
* bewegende Orgelmusik *
(flüsternd) Fritzi!
(Mann) Es geht nicht nur um die Freiheit, zu demonstrieren,
und zu sagen, was man denkt.
Jesus sagt: Fürchtet euch nicht und liebet eure Feinde.
Deswegen möchte ich noch einmal betonen:
keine Gewalt, egal was uns draußen erwartet.
* Glocken läuten. *
* Stimmen murmeln. *
* Sputnik bellt. *
(Menge) Wir wollen raus! Wir wollen raus!
* Menschen rufen durcheinander. *
Oh!
(Stasimann) Asoziales Element.
(Menge) Wir bleiben hier!
* Menge skandiert in der Ferne. * * Sirene erklingt. *
Und der Letzte macht das Licht aus, oder was?
Wir können doch nicht alle rübergehen.
Und wenn wir nun eine einmalige Chance verpassen?
Unsere Freunde, Eltern sind hier, unser ganzes Leben.
Was sollen wir im Westen?
Wenn wir überhaupt heil drüben ankommen. Wenn Kati das schafft,
schaffen wir das auch. Und dann?
Du als Krankenschwester findest vielleicht Arbeit.
Aber der Westen wartet bestimmt nicht auf einen Geigenlehrer.
(entnervt) Es geht nicht immer nur um dich, Klaus.
Was ist mit Fritzi und Hanno?
Sie könnten Abitur machen. Studieren, was sie wollen.
Reisen, wohin sie wollen.
Ich weiß,
aber ich kann und will euch nicht dieser Gefahr aussetzen!
Alleine, oder zu zweit kann man das vielleicht schaffen.
Aber wir sind 4.
Es geht uns doch nicht schlecht hier.
Das meinst du nicht ernst, oder?
(TV) "In Leipzig haben nach dem Montagsgebet
wieder zehntausend Menschen ..."
Wo kommst du denn so spät her?
Da war ich gerade.
Wo warst du?!
Für ein offenes Land mit freien Menschen.
Du warst da hoffentlich nicht mittendrin.
Fritzi?
Ich fürchte doch.
Bist du wahnsinnig?
Und dann auch noch im Westfernsehen.
Weißt du, wie gefährlich das ist?
Nicht nur für dich, für uns alle?
Warum?
Wer sind diese Männer?
Wer das ist?
Das ist die Stasi, Fritzi!
Ich hab es dir doch erklärt.
Diese Männer sind wirklich gefährlich.
Ich war doch nur zufällig da.
Und du wirst da auch nicht wieder hingehen.
Aber ...
Kein Aber, Fritzi.
In der Schule erzählst du besser nichts davon.
Das hat sowieso jeder gesehen...
Die war da, sag ich dir. - (lachend) Irre.
Da kommt ja unser Fernsehstar.
(Mädchen) Wohl eher Nebendarstellerin.
Oder Komparsin in "Feinde der Republik".
* Eine Tür fällt krachend zu. *
Gestern Abend gab es nicht weit von hier
eine Zusammenrottung von Unruhestiftern und Rowdys.
Nicht genug,
dass dort eine Schülerin unserer Klasse gesehen wurde.
Der Vorfall wurde auch von den Nachrichten
des feindlichen kapitalistischen Auslands
für propagandistische Hetze gegen unser Land eingesetzt.
So, was haben wir gestern behandelt?
Richtig: Zueinander proportionale Zahlenfolgen.
* Kreide quietscht an der Tafel. *
(leise) Das waren keine Rowdys.
Wie bitte?
Ich sagte: Diese Menschen sind keine Rowdys.
Habe ich dich nach deiner Meinung gefragt?
Nein.
Bildest du dir ein, du kannst das beurteilen?
Subversive staatsfeindliche Hetze ist ein schweres Vergehen.
Außerdem willst du doch bestimmt nicht,
dass die Fahrt in die Jugendherberge
für dich ins Wasser fällt?
* Schulglocke läutet. *
* Kinder lärmen. *
Oh Mann!
Du hast der Liesegang widersprochen.
Ja, das war wohl dumm von mir.
Also ich fand's mutig.
Ehrlich?
Äh ...
Soll ich dich nach Hause fahren?
Nein. Ich muss noch was erledigen.
Ich kann dich doch hinbringen.
Ähm ...
Nein, da muss ich allein hin.
* heitere Musik *
* Ein Glöckchen schellt. *
Mhm? Hallo, da bist du ja. Komm doch näher, junges Fräulein.
* Sputnik knurrt und bellt. *
* Es kracht. *
* Sputnik bellt. *
Komm, Sputnik!
Halt! Bleib stehen!
Oh? Hehe.
Bleib stehen, Fräulein!
Oh!
* spannende Musik *
* Der Stasimann stöhnt. *
Aaah! Uff!
Asoziales Element!
* atmet schwer *
* Im Haus weint ein Baby. *
* Sputnik bellt. *
Pst!
* bedrohliche Musik *
* Die Tür kracht. *
Ha!
Mmh.
* Schritte auf der Treppe *
Suchen Sie etwas Bestimmtes?
Ein Kind,
ein Mädchen.
Also verfolgen Sie jetzt schon Kinder?
Sie sehen doch. Hier ist niemand.
Pah. Ich finde sie!
Pah!
Kannst rauskommen, beeil dich, er ist weg.
Danke.
Geh am besten nach Hause, so schnell du kannst.
Na lauf, schnell!
(TV) "Guten Abend, meine Damen und Herren.
Tausende DDR-Bürger
haben heute Ungarn in Richtung Westen verlassen.
Sie kommen seit gestern Abend und immer noch.
Mehr als 4000 Flüchtlinge sind es bestimmt schon."
Die haben ihre Chance ergriffen.
Sind Sophie und Kati auch dabei?
Ganz bestimmt!
Sie sind jetzt nicht mehr in Ungarn?
Sieht ganz so aus.
Und fahren sie jetzt in den Westen, zu Sophies Oma?
Ja, ich denke schon.
Und was ist mit Sputnik?
Papa?
In ein paar Jahren
darf Sophie bestimmt wieder in die DDR einreisen.
Dann kann sie uns besuchen.
Erst in ein paar Jahren?
In ein paar Jahren.
* Vögel zwitschern. * * Sputnik fiept. *
* melancholische Oboenmusik *
Also, hier ist die Jugendherberge, wo wir hinfahren.
Und da ist Sophie.
Und dazwischen liegt die Grenze.
Vielleicht brauchen wir doch Hilfe.
Ah.
Guten Morgen Fritzi.
Wartest du auf mich?
Auf dich?
Nein, natürlich nicht. Quatsch!
Macht nichts, aber sah danach aus.
* sanfte Klaviermusik *
Sag mal,
warst du schon mal in Westdeutschland?
Wo soll ich gewesen sein?
Vergiss es. War nur eine Frage.
Frag doch den Grenzoffizier, der heute in die Klasse kommt.
Die Grenze ist unser antifaschistischer Schutzwall
gegen die bösen imperialistischen Bestrebungen
des kapitalistischen Westens.
Und besonders gegen die der BRD.
Aber jetzt habt ihr sicher viele Fragen.
* vereinzeltes Räuspern *
Wer hat eine Frage an unseren Gast?
Mrmpf!
Kai,
du möchtest bestimmt etwas fragen?
Mh-hm.
Ja, du da hinten.
Wie sieht so ein imperialistischer Schutzwall genau aus?
Ich meine, wie schaffen es die Grenzsoldaten,
dass kein Imperialist zu uns kommt?
Wieso willst du das wissen?
Ja, Fritzi, wieso willst du das wissen?
Weil ... Weil ...
Wir wollen die Grenze malen.
Für unsere Wandzeitung.
Verstehe.
Leider darf ich deine Frage nicht beantworten.
Das ist streng geheim, verstanden?
Aber warum ist das geheim für uns?
Ich dachte, es soll keiner zu uns rein.
Oder geht es darum, dass keiner raus darf?
Äh... nun ja... also...
* Schulglocke läutet. *
Damit sind wir für heute am Ende.
Wir danken dem Genossen Offizier für seinen Besuch.
* Stimmengewirr *
Fritzi!
Du wartest draußen auf mich. Bela, du auch.
(Liesegang) Ich habe die Klasse gerade erst übernommen, Genosse.
Und die Kinder sind sehr aufgeweckt und neugierig.
(Grenzoffizier) Umso wichtiger ist eine klare ideologische Führung,
Genossin Liesegang.
Wenn ich etwas in meiner Klasse nicht toleriere,
dann sind das Störenfriede und Besserwisser.
Es liegt an euch, ob ihr euch einfügen
und Teil des Kollektivs sein wollt, oder nicht.
Wollt ihr so weiter machen und lebenslang
aus der sozialistischen Gemeinschaft ausgegrenzt werden?
Eins ist klar: Ich behalte euch beide im Auge.
Danke, dass du versucht hast, mich rauszuboxen.
Gern geschehen.
Komm mit, ich zeig dir was.
* heitere Musik *
* Vögel zwitschern. * * Ein Auto hupt. *
Was jetzt?
Äh?
Hep!
* ächzt *
Mensch, das ist hoch.
Bist du überhaupt schwindelfrei?
Klaro.
Es ist super hier.
Ich muss mich nur noch etwas an die Höhe zu gewöhnen.
So 1, 2 Stunden?
Komm, hier geht's lang.
Du willst in die Wohnung einbrechen?
Hach ...
Äh.
Ähh!
Erst Unterschriften fälschen, jetzt einbrechen.
Was kommt als nächstes, Republikflucht?
Aah.
Also.
Das ist das Jugendherberge, wo wir hinfahren,
ganz nah bei der Grenze.
Und was ist da?
Da ist Sophie jetzt, bei ihrer Oma im Westen.
Worum geht es hier eigentlich, Fritzi?
Ich will Sputnik zu Sophie bringen.
Über die Grenze?
In die BRD?!
Natürlich in die BRD.
Da wohnt schließlich Sophies Oma.
Aber die Grenze ist dicht und wird bewacht.
Von Soldaten mit Hunden. Und Waffen.
Die können ja nicht dauernd überall sein.
Man muss nur den richtigen Moment abpassen.
Du bist spinnst doch.
Sophie hat solche Sehnsucht nach Sputnik.
Wie willst du mit Sputnik rüberkommen?
Die schießen nicht mit Platzpatronen.
Auf uns schießen sie schon nicht.
Wir sind ja keine Verbrecher.
Ich such einfach ne Lücke im Zaun.
Na klar, eine Lücke, und dann?
Ich habe Adresse und Telefonnummer von der Oma.
Das wird nichts bringen.
Alle Karten vom Grenzgebiet sind gefälscht.
Man soll den Weg aus der DDR raus nicht so leicht finden können.
Und, was schlägst du vor?
Du brauchst einen Kompass.
Ich habe aber keinen Kompass.
Ich schaue zu Hause, ob ich noch einen habe.
Toll. Wir machen das so:
Bevor wir losfahren, lenkst du die Liesegang ab
und ich schmuggle Sputnik in den Bus.
Die Liesegang ablenken?
Ich wollte dir einen Kompass besorgen,
nicht mein Leben riskieren.
Kann ich nicht lieber einen Grenzsoldaten ablenken?
Oder 2?
Oder 200?
* lacht *
* stimmt ein *
Sicher, dass ich dich nicht bringen soll?
Danke, das schaff ich schon allein.
Deine Lehrerin scheint ja doch ganz nett zu sein,
wenn sie sogar erlaubt, Sputnik mitzunehmen?
Hey, Süße.
Es sind doch nur 4 Tage.
* Sputnik bellt. *
Tschüss, Mama.
* Sputnik wufft. *
Spring rein!
Wenn alles gut geht,
sind wir morgen schon bei Sophie.
Was willst du, Rothkirch?
Gib deine Tasche ab und steig ein.
Hoppla!
Können Sie nicht aufpassen, Mensch?
* pfeift *
* Kinder unterhalten sich. *
Ich bin so aufgeregt ...
-Leute ... machen wir eine Pyjamaparty? - Ja!
Äh ...
... endlich mal von zu Hause weg sein ...
- Haha ... - Gib das wieder her, du dumme Pute!
Hier sitzt schon einer.
Mir geht's nicht so gut. Ich muss mich hinlegen.
Magen-Darm-Grippe, weißt du?
Übelkeit, Durchfall, Erbrechen ...
Ist das eklig. Komm mit, wir setzen uns vorne hin.
Ich glaube, ich muss kotz...
Iih! Lass mich in Ruhe!
* Sputnik fiept leise. *
Pst.
* würgt *
Oh!
* Die Bustür schließt. *
* Der Motor startet. *
Kannst du einen Kompass lesen?
W heißt Westen.
Ist ja nicht schwer. Danke
* heitere Musik *
* Mädchen schnarcht. *
* schnarcht leise *
(Schüler) Endlich! - Überall Bäume!
- Du oben, ich unten!
* Schüler rufen durcheinander * - Komm schon!
- Wo ist denn nun unser Zimmer? - Hier ist unseres.
* Türen knallen zu. *
* Sputnik fiept leise. * * kichert *
Psst.
* Sputnik fiept. *
Ich komm dich holen, wenn alle schlafen.
* Grillen zirpen. * * Ein Käuzchen ruft. *
* leises Schnarchen *
* leise, spannungsvolle Musik *
* Ein Käuzchen ruft. *
* Sputnik wufft. *
* Sputnik bellt. *
Psst.
Lauf Sputnik, wir haben es eilig.
Die Karte stimmt nicht mehr. Wir müssen uns darauf verlassen.
* Ein Nachtvogel schreit. *
* Der Vogel schreit erneut. *
* Etwas raschelt. *
* Ein Zweig knackt. *
* Eine Eule ruft. *
Ach. * lacht erleichtert *
* Sputnik bellt. *
* Sputnik knurrt. *
(flüstert) Sputnik, komm zurück!
* Sputnik bellt. *
Aaah! Sputnik!
Bela?
Was machst du denn hier?
Sputnik mich erschreckt.
Ich passe einfach nur auf dich auf, bis zur Grenze.
Da ist Westen. Na, dann los.
Hol's Stöckchen.
* Sputnik bellt fröhlich. *
* Motor in der Ferne *
* Motorengeräusch nähert sich. *
* bedrohliche Musik *
* Motorengeräusch entfernt sich. *
* seufzt *
Uaah!
Danke!
Siehst du, da vorn hört der Wald auf.
Und dahinter muss die Grenze sein.
Scheint gar nicht so schwierig zu sein. Na, wenn du es sagst ...
Wo ist Sputnik?
* Sputnik bellt. *
Sputnik, komm her!
Leise!
* Sirene schrillt los. *
* Sputnik fiept. *
Fritzi!
Sputnik, komm zu mir!
(Mann) Halt, stehenbleiben!
Stehenbleiben, oder ich schieße!
Sputnik, nein!
Aahh! Ein Kind!
(Mann) Ich frage dich noch einmal:
Was hattest du im Grenzgebiet zu suchen?
Republikflucht ist ein Verbrechen!
Vielleicht ist dir das nicht bewusst.
Wer war noch mit dir an der Grenze?!
Wo sind deine Eltern?!
Ihre Eltern werden wir zur Rede stellen.
Oh, eine Adresse in Westdeutschland. Hochinteressant.
Meine Eltern haben nichts damit zu tun.
Es war allein meine Idee.
(laut) Du lügst!
Du warst nicht allein dort!
Raus mit der Sprache!
Es war wirklich niemand bei dir?
Nein, niemand. Nur Sputnik.
Wer ist Sputnik? Ein Sowjetbürger?
Ein Doppelagent?
Nein, mein Hund ...
Ein Hund?!
* Es klopft. *
Genosse Major,
wir haben keine weiteren Personen im Grenzgebiet aufgegriffen.
Wegtreten.
* Tür schließt. *
Was fangen wir jetzt mit der Kleinen an?
Hier wird sich doch bestimmt
ein gemütliches Schlafplätzchen für die kleine Ausreißerin finden?
Morgen früh entscheiden wir dann, wie es weitergeht.
* schwermütige Musik *
* Eine Tür wird geöffnet *
* Zellentür wird geöffnet *
Sputnik!
Sie haben ihn gefunden!
Komm mit mir!
Sorgen Sie dafür, dass das Mädchen angemessen bestraft wird.
Was ist mit ihren Eltern? Ich könnte veranlassen, ...
Um die Eltern kümmern wir uns.
Jetzt müssen wir alle früher zurück,
nur wegen der blöden Hippie-Kuh.
Ja, total asozial.
Egoistin.
Verräterin.
RUHE!
* Die Bustür schließt. * * Der Motor startet. *
* Sputnik knurrt und bellt. *
Mrmpf.
Es tut mir leid ...
Ich bin einfach weggerannt ...
Zum Glück, sonst hätten sie dich auch erwischt.
Warst du wirklich an der Grenze?
Was geht's dich an?!
Ich wollte nur ... mein Onkel ...
* Sie schnieft. *
Hey!
Birgit,
mach das du herkommst!
* dynamische Musik *
Lassen Sie sofort meine Tochter aus dem Bus!
Wie mir scheint,
sind Sie sich der Schwere des Vergehens
ihrer Tochter nicht bewusst?!
Meine Tochter hat nichts verbrochen.
Also machen Sie die Tür auf!
Die Sache wird ein Nachspiel haben.
Für Ihre Tochter... Und für Sie.
* Sputnik bellt. *
Na komm!
Ah!
* seufzt *
* traurige Musik *
Was hast du dir nur gedacht? Über die Grenze!
Ich wollte doch nur Sputnik zu Sophie bringen.
(laut) Wegen Sputnik?!
Weißt du eigentlich, wie viele Leute
schon an der Grenze erschossen worden sind?
Es tut mir leid.
Die Stasi war hier bei uns zu Hause.
Sie haben gedacht, wir sind über die Grenze
und hätten dich dort einfach stehenlassen.
Sowas Gemeines kann nur denen einfallen.
Weil Fritzi die Adresse von Sophies Oma dabei hatte
und du Katis beste Freundin bist.
Wir haben großes Glück,
dass wir nicht alle 3 im Gefängnis gelandet sind.
Wir sind hier doch wie eingesperrt.
Das ganze Land ist wie ein Gefängnis.
Die Schulverwaltung hat den Beschluss gefasst,
umgehend ein Ausschlussverfahren zu eröffnen.
Gegen eure Mitschülerin Fritzi Langmann.
Ich hoffe, das wird allen als abschreckendes Beispiel dienen.
Wir müssen was unternehmen. Was kann man schon machen?
Wir könnten mit einem aus dem Gruppenrat sprechen.
Mit Benni?!
Na, mit dem bestimmt nicht.
Aber mit Kai oder Birgit.
Die sind doch ganz in Ordnung, oder?
Ich wollte nichts Unrechtes tun ... nur Sophie ihren Hund bringen.
* Birgit schluchzt. *
Was hast du denn?
Mein Onkel hat auch versucht, über die Grenze zu flüchten.
Und, hat er es geschafft?
Sie haben ihn erschossen.
* entschlossene Musik *
(BRD-Außenminister Genscher im TV) "Wir sind zu Ihnen gekommen,
um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise ...*
(TV) * Menschenmenge jubelt *
(TV) "Über 3000 DDR-Bürger,
die in Prag in der Botschaft der BRD Zuflucht suchten
dürfen heute ausreisen.
Außenminister Hans-Dietrich Genscher
überbrachte den Flüchtlingen die Nachricht persönlich ..."
Aber es können doch nicht einfach alle ausreisen!
Findet ihr das nicht gut,
was die Leute in der Nikolaikirche machen?
Doch, diese Menschen sind sehr mutig, aber ...
Aber es ist viel zu gefährlich dort.
Gerade deshalb muss man sie doch unterstützen.
Wir haben genug Probleme mit der Stasi
und deinem Schulausschlussverfahren.
Also bitte, halte dich da fern.
* Menschenmenge skandiert *
"Freiheit!"
"Gorbi!"
Fritzi, hier!
"Wir sind das Volk!"
Das muss Sputnik sein.
Für einen so kleinen Hund machst du einen großen Aufstand.
Du bist Fritzi. Bela hat schon viel von dir erzählt.
Mensch, Papa!
Heute sind noch viel mehr da als letzten Montag!
"Wir sind das Volk!"
Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!
Ich find's schön, dass du gekommen bist.
Ich will auch, dass sich was ändert.
Es darf doch nicht sein,
dass Sputnik und ich nicht zu Sophie dürfen.
Sie ist meine einzige Freundin.
Und was bin ich?
Jedenfalls keine Freundin.
Bela!
Los!
Was ist denn?
Mein Vater! Woher weiß er, dass ich hier bin.
Deine Eltern wissen das gar nicht?
Sie hätten es mir verboten.
* Motorengeräusch nähert sich. *
* bedrohliche Trommelmusik *
* Schreie *
Wir müssen hier weg.
Mein Vater ist noch da vorn.
(laut) Papa!
Fritzi!
Wir müssen hier weg.
* Sirenen jaulen. *
* Motor wird gestartet. *
Bitte! (Polizist) Runter!
* Sirene jault. *
* Sprechchöre gehen weiter. *
Komm jetzt, wir müssen nach Hause! (zornig) Lass mich allein!
* Sputnik fiept. *
* seufzt *
* weint *
* Sprechchöre und Sirenen *
* Sputnik fiept. *
* seufzt *
(TV) "Im weiteren Verlauf kam es zu einer herzlichen Begegnung
mit Mitgliedern und Kandidaten des Politbüros des ZK der SED.
Erich Honecker informierte über die Vorbereitungen
des 12. Parteitags der SED."
Wo warst du nur?
Dein Vater hat dich gesucht.
Ich komme gerade von der Demo. Ich wollt es nicht glauben,
aber Klaus hat es vermutet.
Er ist losgegangen, um dich zu suchen.
Die Polizei hat angefangen, Leute zu verhaften,
die gar nichts gemacht haben.
Was ist mit deinem Vater?
* schluchzt *
Sie haben Klaus verhaftet?
* traurige Musik *
* schluchzt leise *
(im Flur) Die sagen einem gar nichts ...
Ich weiß nicht, wo Klaus ist.
Ja.
* schluchzt *
(TV) "Michail Gorbatschow würdigte den 40. Jahrestag
als ein bedeutsames Ereignis für die DDR und die UdSSR.
Er betonte, dass die erfolgreiche Entwicklung der DDR
für die Positionen des Sozialismus sehr wichtig ist.
Ihre Existenz und konsequentes initiativreiches Wirken
seien wichtiger Beitrag zur Gewährleistung des Friedens
und der Stabilität in Europa."
* weint *
* seufzt *
Wir haben seit 5 Tagen nichts von ihm gehört.
Mein Vater sagt, die Stasi versucht, uns kleinzukriegen.
Das ist nichts als eine hilflose Machtdemonstration.
Vielleicht ist es wirklich besser für Sophie,
dass sie drüben im Westen ist.
Sie wohnt jetzt bei ihrer Oma.
Und was schreibt sie so?
Was sie alles vermisst.
Sputnik, mich, das Baumhaus ...
Die Schule nicht so sehr.
Wann entscheiden sie das mit deinem Schulausschluss?
Schon morgen.
Wie Ihr alle wisst,
hat sich der Gruppenrat mit dem Fall
eurer Mitschülerin Fritzi Langmann beschäftigt.
Nun, Gruppenrat, wie lautet euer Beschluss?
Wir haben uns eine Meinung über Fritzis Verhalten gebildet
und abgestimmt.
Denn wir Thälmann-Pioniere streben danach, die Wahrheit zu erkennen
und stehen für den Sozialismus.
Wir sorgen dafür,
dass unser Kollektiv eine feste Gemeinschaft wird
und helfen kameradschaftlich jedem anderen Schüler.
und in diesem Sinne findet die Mehrheit von uns,
dass Fritzi weiter an der Schule bleiben soll.
Ach! Ach?
Denn wir sind der Meinung, dass Fritzi durch ihren Mut,
ihre Beharrlichkeit und ihre unverbrüchliche Freundschaft
ein Vorbild für uns alle ist.
Die Grenze ist kein Schutzwall.
Ich wollte nur rüber,
um Sophie ihren Hund zu bringen.
Sie hätten fast auf mich geschossen.
Was?
RUHE!
(laut) Ich habe "Ruhe!" Gesagt, Rothkirch!
Ich sag doch gar nichts!
Ihr alle! Gebt Ruhe! RUHE!
* Frau Liesegang schluchzt. *
* Die Tür knallt zu. *
* heitere Klaviermusik *
Jetzt kann dich keiner mehr rausschmeißen!
"... ein Vorbild für uns alle."
* Motorgeräusch nähert sich. *
* bedrohliche Musik *
"Wir sind ein Volk!
Gewalt unter uns hinterlässt blutende Wunden!
Vor allem Partei und Regierung
sind für die ernste Lage in unserem Land verantwortlich."
Mein Vater sagt, heute Abend bei der Demo
wollen sie Panzer einsetzen.
Wir müssen trotzdem hingehen.
Jeder von uns!
Wir alle!
* Eine Tür öffnet und schließt. *
Verratet ihr mir, wo ihr hinwollt?
Papa befreien!
* Sputnik bellt. *
Fritzi, was soll das?
Bitte, Mama, lass uns zu der Demonstration gehen.
* seufzt *
Was ist in der Schule rausgekommen?
Sie haben beschlossen, dass ich bleiben darf.
Das ist ja wunderbar, Fritzi!
Bitte, Mama.
Bela geht auch auf die Demonstration.
Es wäre gut, wenn wir auch hingehen.
Bitte!
* Demonstration aus der Ferne *
"Schließt euch an!" ...
Schließt euch an!
Lass uns mitgehen. Bitte.
Ja. Wir gehen mit.
"Schließt euch an! Wir brauchen jeden Mann!"
Schließt euch an, wir brauchen jeden Mann!
Hey, da bist du ja wieder.
Bist du ein Indianer?
Ja, so eine Art Indianer.
Mit meinen Blutsbrüdern und -schwestern
kämpfe ich für unsere Rechte.
Wir wollen unser Land zurück!
(Menge) "Wir sind das Volk!"
Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!
* triumphale Musik *
Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!
Die Demonstration ist schon einmal um die Innenstadt gezogen.
Und es ist nichts passiert. Die Polizei greift nicht ein.
Wir gewinnen! Ja! Wir sind einfach zu viele!
Oh!
* triumphale Musik *
(Menge) "Buh!"
Da drin sitzt die Stasi.
In dieser Burg.
(Menge) Buh!
Wir sind keine Rowdys! Wir sind das Volk!
(Menge) Wir sind keine Rowdys! Wir sind das Volk!
Wir sind keine Rowdys! Wir sind das Volk!
"Zehntausende Bürger Leipzigs."
Bürger steht hier. Nicht Rowdys.
Und mehr steht da nicht?
* Tür öffnet. *
* Sputnik wufft. *
* Tür schließt. *
Papa?
Hallo...
* seufzt *
(bewegt) Ohh! Klaus!
Papa! - Hanno!
* Hanno kichert *
Mmh!
* Sprechchöre *
(TV) "Seit dem entscheidenden Montag, dem 9. Oktober 1989
hat sich der Protest gegen die Staatsführung
überall im Land rasant ausgeweitet.
An den Montagsdemonstrationen in Leipzig
nehmen immer mehr Menschen teil.
Die SED hat eine neue Führung."
Wahnsinn!
(TV) "Die 10. Tagung des Zentralkomitees in Berlin
bestimmte einstimmig Egon Krenz als Generalsekretär ..."
Bleibt Sputnik jetzt für immer bei uns?
Nein, Hanno.
Sputnik gehört Sophie, weißt du doch.
* Sputnik fiept. *
(Erkennungston "Aktuelle Kamera")
(TV) "...und deshalb haben wir uns dazu entschlossen,
heute eine Regelung zu treffen,
die es jedem Bürger der DDR möglich macht,
über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen."
" Das Telefon klingelt. *
Hallo? Ja, haben wir gerade gehört.
Ich weiß auch nicht, was das bedeutet.
Können die sich nicht einmal klar ausdrücken?!
Ist die Grenze nun offen oder nicht?
Können wir rüber in den Westen?
Ihr wisst es also auch nicht genau ... na gut.
Wann fahren wir los?
Wohin denn?
Na, zu Sophie, in den Westen.
Ja, natürlich, wir haben die Pressekonferenz auch gesehen.
Warte mal.
Wir wissen nicht, ob wir wirklich rüber dürfen.
Aber was soll denn diese neue Reiseregelung sonst bedeuten?
Du hast es selber gesagt. Gerade eben am Telefon.
Da hat nur irgendein Politiker im Fernsehen etwas gesagt.
Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es stimmt.
Sicher nur ein politisches Manöver.
* Sputnik fiept. *
Also gut.
Überzeugen wir uns selbst. Ja!
* abenteuerliche Musik *
Sophie fährt ganz bestimmt auch zur Grenze.
Sind dann Sputnik und Sophie bald wieder zusammen?
Ja, Hanno. So wird es sein.
* Lied von City: "Aus der Ferne" *
# La, la, lei, la, la, lei ... bis ans Ende der Welt ...
Seht euch das an! Unglaublich!
(Mann) Eh ... uff.
Hä?
# Manchmal wär ich gern wie Sterne, ganz weit oben allein.
# Glitzern würd ich aus der Ferne, nur ein Wegweiser sein.
# La, la, lei, la, la, lei ... bis ans Ende der Welt.
Oh nein!
* bedrohliche Musik *
Geht ihr nur, ich bleib solange hier bei Hanno.
* spannungsvolle Musik *
(Mann von fern) Macht auf!
Macht endlich auf!
(Menge) Ich hab's im Radio gehört. - Schabowski hat's doch gesagt!
Treten Sie zurück!
Sie verlassen alle sofort den Grenzbereich.
Augenblicklich!
Wir haben keinen Befehl erhalten, die Grenze zu öffnen.
(Menge) Wir wollen hier raus! - Ich will zu meiner Schwester!
* Sputnik bellt. *
(Menge) Worauf wartet ihr?
* Waffe wird entsichert. *
Macht auf!
Stopp, zurück!
(Menge) Spinnste jetzt?
Kannst doch nicht auf die eigenen Leute zielen!
Was soll das? - Wir stehen doch nur hier ...
(Sophie) Sputnik!
Fritzi!
* Sputnik bellt. *
Sophie!
(Sophie) Fritzi! Sputnik!
Vielleicht machen sie die Grenze ja doch nicht auf.
(weinend) Aber du schaffst es bestimmt rüber.
(Sophie) Sputnik!
Na, lauf schon!
Fritzi! Fritzi!
Lauf Sputnik!
Sophie wartet schon auf dich.
Lauf! Na los! Lauf!
(Sophie) Fritzi! Sputnik!
Halt! Stehenbleiben!
Sputnik, lauf!
Ja, Sputnik, lauf!
* Menge jubelt. *
In Berlin ist die Grenze offen!
(Grenzer) Westradio ist verboten!
Was sagen sie im Stab dazu?
Ich kann da niemanden erreichen. Die stellen sich tot.
* Sputnik bellt drüben. *
* Die Menge schweigt. *
Huh?
Sophie!
Fritzi!
* triumphale Musik *
Fritzi! Du bringst mir Sputnik zurück.
* Sputnik bellt. *
Fritzi! Das war stark! Du hast die Grenze aufgemacht!
Ich? Unsinn.
* fröhliches Stimmengewirr *
* Ein Auto hupt. *
Ist irgendwas passiert?
* heitere Musik *
Schön, dass du zurück bist.
Ich hatte schon ein bisschen Angst.
Die Grenze ist jetzt offen,
und wir können hin- und herfahren, wann wir wollen.
Ich besuche Sophie und Sputnik zu Weihnachten.
Was hast du da in deinem Rucksack?
Mein Vater hat gesagt, du freust dich vielleicht darüber.
* quiekt *
Danke!
* Das Hündchen fiept. *
Wie soll er denn heißen?
Wie wäre es mit Rowdy, Rowdy der Rebell?
* friedliche Streichmusik *
* heitere Musik *
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