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Original subtitles

Baltimore, 16. Februar 1988

Eine Hollywood-Gala in "Charm City".

Baltimores Politiker, Filmstars und Gegenkultur

kamen in Scharen zur Weltpremiere von John Waters' "Hairspray".

Das war ein aufregender Abend, der vor Spannung nur so knisterte.

Die Leute mochten den Film.

Wir hatten uns wahnsinnig gefreut, das geschafft zu haben.

Das war der Film, auf den Divine hingearbeitet hatte.

Er war dort, sah großartig aus

und war so stolz!

Ein Satz von Ihnen, der den Film zusammenfasst?

Das ist Divine (göttlich)! Es ist toll!

Mein schönster Abend seit Langem. Ich genieße ihn.

Alle glaubten, dass dieser Abend Türen öffnen könnte.

Für John, um Filme zu drehen. Für Divine.

Nach all den Jahren harter Arbeit und den gnadenlosen Verrissen

endlich anerkannt zu werden...

Er hätte das fortführen wollen, was gerade erst begann.

Er war eine so gesellige, wichtige, beliebte und kerngesunde Erscheinung,

dass man nicht an ein Ende dachte.

Die Leute lachen über Sex, über schmutzige Dinge

und mögen es, geschockt zu werden. Tötet alle - sofort!

Es ist mein Job, sie zu schocken.

Film ab!

Divine war gefährlich: teils Ausgestoßene, teils Serienmörderin.

Wer will für die Kunst sterben? - Ich!

Divine war eine Terroristin des Films. - Ich habe meinen Ruf nicht umsonst!

Sie walzte durch die Szenen und legte die Kulissen in Schutt und Asche.

Du hinterhältige kleine Missgeburt!

Sie war gleichzeitig sexy, monströs und furchteinflößend.

Vögelt oder frisst sie mich? - Willst du mich ficken?

Er hatte etwas, was sonst niemand hat.

Sie besaß diese Kraft.

Sie war ein Mitternachtsfilm-Star. Für sie lohnte es sich aufzubleiben.

"Das kannst du nicht tun! - Und warum nicht?"

Danke und fickt euch selbst.

Er war einfach so herzensgut und witzig,

dass ihm all seine schrecklichen Absurditäten vergeben wurden.

Er kam damit durch.

Wie wär das auf 'ner Doppelseite?

Er definierte die Regeln des Drag neu,

indem er Sachen trug, die Dicke niemals tragen würden.

Er erhob Drag auf eine andere Ebene. Er machte Drag anarchisch.

Vergesst nicht, ich bin Divine!

Ich wollte immer ein Filmstar sein.

John Waters drehte Filme zu unserem Vergnügen

und, um uns Ärger zu ersparen.

Das war nur für uns.

Wir dachten nicht, dass sich daraus was entwickeln könnte.

Wir fanden die Filme nicht mal lustig.

Sie wurden aber ziemlich beliebt, was uns verblüffte.

Das ging dann immer so weiter und nun sitze ich hier.

1977 sah ich "Pink Flamingos" und "Female Trouble"

im Cinema Village in New York.

Diese Doppelvorstellung veränderte mein Leben.

Das war punkig, vulgär, unfassbar und glamourös.

Ich wusste nicht, ob ich brechen oder vor Lachen ausrasten sollte.

Mit 12 Jahren sah ich ihn im Copa in Houston.

Er hielt, was er versprach.

Er trug ein hautenges Pailletten-Kleid zu seinen 65-Doppel-D-Brüsten,

zog halbnackte Männer auf die Bühne

und holte ihnen praktisch einen vor meinen Augen runter - fantastisch!

Ich wollte wissen, um was es da ging.

Ein Geheimnis umgab die Figur Divine.

Alle wollten wissen, wer sich hinter Divine verbarg.

Wenn er in Divines Haut schlüpfte, konnte er Glenns Alter Ego sein.

Wir alle haben Seiten, die wir verbergen

und von denen wir manchmal selbst nichts wissen.

Die Figur Divine zu spielen hat deshalb etwas Befreiendes für mich.

Du bist immer noch die schönste Frau der Welt!

Welch Hingabe zu diesen absolut unglaubwürdigen Figuren!

Niemand ist so, und trotzdem absolute Hingabe.

Sie gelten als schmuddeligste und anrüchigste Figur des Films.

John Waters und Sie sind aber stolz darauf.

Der König und die Königin des Schmutzes.

Bei meinem und Divines Namen erwarten die Leute etwas.

Mir gefällt alles Schlechte an den USA. Davon handeln meine Filme.

Ich bin die berühmteste Person, die du je gesehen hast!

Was John auch verlangte, er tat es.

Okay, nimm sie.

Das Vertrauen war bemerkenswert.

Wenn man sich überlegt, was Divine tun sollte und auch tat.

Und was John sich als nächstes ausdachte.

Divine war die Burleske Johns.

Sie waren keine Liebhaber,

sondern zwei verbundene Energiebolzen.

Unsere Liebe gilt der Kameralinse, sonst wären die Filme nicht so gut.

Er ging körperlich an seine Grenzen, um diese Rollen zu spielen,

die sich vielleicht nie auszahlen würden.

Wir waren Kinder in Baltimore.

Sein Vorname ist Harris, aber alle nannten ihn Glenn.

Er war ein unproblematisches Baby.

Er hatte gute Manieren und ging gerne in die Sonntagsschule.

Glenn sah gerne Musicals an.

Er spielte mit den Puppen seiner Cousine und frisierte sie.

Er wollte immer die Mutter sein.

Schöne Dinge mochte er schon seit seiner Kindheit.

Er bediente sich am Kleiderschrank seiner Mutter und verkleidete sich.

Als Glenn zehn war,

brachte ich ihn zum Kinderarzt.

Der sagte mir, dass Glenny mehr weibliche Züge habe.

Als Dr. Anderson mir das sagte, weinte ich.

Glenny sagte: "Mama, was hat er dir Schlimmes erzählt?"

"Glenn, egal was der Arzt auch sagt,

du bist mein Baby.

Ich werde dich immer lieben.

Merk dir das."

Unwiderstehlich saftige Kuchen mit Betty-Crocker-Kuchenmischungen!

Glenn aß einfach gern.

In der 9. Klasse gingen wir zu einem Ernährungsarzt.

Der verschrieb ihm Tabletten.

Aber als wir aus der Praxis raus waren, wollte er eine Pizza essen.

Er fiel auf, weil er stämmig war.

Er schwitzte und lief nicht gern und war einfach unsportlich.

Ich war introvertiert und ging erst mit 16 zum ersten Mal aus.

Ich war sehr verkrampft wegen meines Aussehens.

Ich wollte wie alle anderen aussehen.

Glenn hatte keine Freunde.

Nach der Schule aßen wir zu Abend, dann machte er seine Hausaufgaben.

Er wurde jeden Tag nach der Schule verprügelt und schikaniert.

Jeden Tag nach der Schule verprügelten sie mich.

Sie schlugen mich grün und blau.

Ich traute mich nicht, was zu sagen, weil sie mich bedroht hatten.

Ich verabscheute die Schule.

Ich datete Divine, den ich als Glenn kannte,

von 1959

bis ungefähr 1965.

Er führte mich ins Kino und ins Theater aus

oder zum Symphonie-Orchester.

Er umsorgte einen. Er war sehr aufmerksam,

liebevoll, passte auf dich auf und war witzig.

Mit 16 versuchte er zum ersten Mal mich zu küssen.

Ein ganz zarter Kuss, überhaupt nicht wild oder lüstern.

Er wollte, dass ich gut aussehe.

Schwebten ihm bestimmte Sachen vor, kleidete er mich entsprechend ein.

Er brachte die Sachen, ich trug sie.

Er freute sich auf den Abschlussball.

Er wollte sich um meine Frisur, mein Make-up und die Blumen kümmern.

Beim Abschlussball waren alle neidisch auf uns - das gefiel ihm.

Ich ließ im Schönheitssalon samstags meine Haare machen.

Glenn wartete solange dort und alberte mit den Perücken herum.

Ich sagte: "Glenn, ich lasse dich auf eine Kosmetikschule gehen."

Wir kauften ihm einen Schönheitssalon, damit er Verantwortung lernt.

Die Frauen liebten ihn.

Sie gingen dorthin und verlangten Divine.

Er sagte immer: "Macht Platz, hier bin ich der Star."

In einem Geschäft hörte ich eine Frau sagen:

"Er versteht sein Handwerk, aber er ist schwul."

Ich dachte: "Oh oh, die meinen Glenn."

Wuchst du zu jener Zeit auf,

wusstest du nichts über Leute, die auf diese Weise anders waren.

Homosexuelle bewegen sich in allen Schichten.

Aber nur beim Friseur bemerkt man sie auch.

Es kam mir nie in den Sinn, dass er schwul war.

Mir gefiel seine Kreativität.

In Baltimore waren alle Friseure schwul - äußerst schwul.

Hey Süße!

Das war nicht so wie heute.

Es gab eine Szene,

aber es war illegal, schwul zu sein - und irgendwie lustiger.

Eine Untergrund-Szene, aber das gehörte zum Charme Baltimores.

Man kam mit viel davon.

Ich lebte bei meinen Eltern.

Divines Eltern zogen sechs Häuser weiter die Straße hoch.

Ich traf Divine zum ersten Mal mit ungefähr 17.

Mein Vater brachte uns immer zur Schule.

Ich war wütend, hasste die Schule und war trotzig.

Ich sah Divine auf den Bus warten. Mein Vater schauderte.

Divine war adrett gekleidet, hatte aber diesen tuntigen Blick drauf.

Er wollte nicht auffallen,

sondern wie ein normal gekleideter Schüler wirken.

Das nahm ihm keiner ab. Er ging nie als "normal" durch.

Wir interessierten uns beide für Filme, besonders für die von Russ Meyer.

Die Vorliebe für diese und andere ungewöhnliche Filme

schweißte uns noch mehr zusammen.

Als Divine endlich ausging, traf er andere Schwule.

Dann ließ er es richtig knallen und kam nicht mehr zurück.

Er wollte nicht um zehn nach Hause. Vielleicht wollte er woanders hin.

Vielleicht hatte er Leute gefunden, die ihn so akzeptierten, wie er war.

Vielleicht suchte er nur Anschluss.

Dann entstand diese Clique.

Die 60er waren eine ganz andere Zeit.

Die Jugendlichen rebellierten gegen alles und jeden.

Wir waren Freaks, keine Hippies.

Freaks tranken, aßen Fleisch und nahmen... Drogen.

Halluzinogene sind bewusstseinsverändernde Drogen.

Am häufigsten begegnet man Marihuana.

Er kiffte.

Wenn du was Gutes willst, rauch eine von diesen.

Kiffen veränderte alle. Auf einmal war Ironie dabei.

Wenn Gras dir nichts gibt, nimm doch LSD.

Wir nahmen LSD schon 1964.

Es war geklaut, aus dem Sheppard-Pratt-Krankenhaus.

LSD der Firma Sandoz zur Behandlung von Alkoholikern.

Ihre Gehirne sind zerstört und sie kommen in eine Anstalt.

Auf LSD sahen wir uns Bergman-Filme an.

Divine und ich waren die einzigen auf LSD.

"Die Stunde des Wolfs", als sie ihr Gesicht runterreißt.

Das machte Divine Angst.

Es gab so viele Drogen - LSD, Poppers, Gras, billigen Alkohol.

Reiche und arme Jugendliche, Homos und Heteros.

Allen waren auf LSD. Das war ein Schmelztiegel.

Er verhielt sich anders.

Er erzählte kleine Lügen, und ich ertappte ihn dabei.

Ich wurde wegen Ladendiebstahls verhaftet. - Waren Sie schuldig?

Er war immer sehr spendabel. Nur war das Geld nicht immer seines.

Ich bekam Blumen geschenkt für 800 Dollar.

"Wofür sind die? - Wir haben gefeiert.

Warum war ich nicht eingeladen? Ich feier so gern!"

Er gab eine riesige bewirtete Party

im Belvedere-Hotel für seine Freunde.

Er gab sich gerne überlebensgroß und prahlte.

Dann ließ er die Rechnung an seine Eltern schicken und zerriss sie.

Seine Eltern waren ahnungslos, weil er die Post abfing.

Bis ihnen die Kreditkarten gesperrt wurden.

Er stellte faule Schecks aus. Die Polizei erwischte ihn.

Seinen Eltern erzählte er, er sei unschuldig - was ein Lügner!

Er bestand sogar den Lügendetektortest - wahre Schauspielkunst!

David Lochary hatte keinen Abschluss, aber einen englischen Akzent.

Sein Haar war blond gefärbt mit herzförmigen Ansätzen - und lang.

Das war damals radikal.

David Lochary lernte beim besten Friseur der Stadt.

Er war Divines Drag-Mentor und -Initiator.

Glenn lud mich zu einer Kostümparty ein.

"Wie verkleidest du dich?" Er wollte es nicht verraten.

Er kam zu mir mit seinem Kostüm und seinem Freund David.

David mochte ich nicht sehr.

Er schien mir Divine für sich beanspruchen zu wollen.

Sie gingen in mein Zimmer.

Als er rauskam, sah er aus wie Elizabeth Taylor.

Er wollte Elizabeth Taylor sein.

Deshalb rauchte er die gleichen Zigaretten wie sie.

Das Kleid, die Schuhe - er sah toll aus!

Dann gingen wir zu der Kostümparty,

wo ich zum ersten Mal viele Männer in Frauenkleidern sah.

Er übertraf sie alle.

Wir lebten verschiedene Leben.

Auf der einen Seite war ich und auf der anderen die Gruppe um John.

Wir sahen uns noch bis zum Herbst '64.

Danach nur noch selten. Wir verloren uns aus den Augen.

Der Wettbewerb, in dem sie den zweiten Platz machten, war ein Kostümfest.

In ihrer Szene spricht man von einem "Drag-Ball".

David Lochary und Divine gingen zu den Drag-Bällen in Washington.

Ein Untergrund-Phänomen, das erst gegen Mitternacht begann.

In verwahrlosten Vierteln und entsprechenden Kellergeschossen.

Sie traten mit ihren Outfits und ihrem Make-up gegeneinander an.

Drag war adrett.

Glamourös, aber adrett und oberflächlich.

Drag Queens hatten einen bestimmten Look.

Sie waren elegant.

Divine als Elizabeth Taylor entsprach diesem Look,

untergrub ihn aber durch sein Übergewicht.

Irgendwann fiel mir auf, dass sie so lächerlich ernst waren.

So wollte ich nicht sein. Das war nicht mein Ding.

Ich wollte lieber Spaß haben anstatt mich ständig zu messen.

Deshalb trug er Klamotten, die Übergewichtige nicht trugen.

Das verschaffte ihm viel mehr Aufmerksamkeit.

Ich bestärkte ihn darin, weil er sich über Drag lustig machte.

John mochte schon immer Filme.

Zu Weihnachten, als er 17 war,

schenkte ihm seine Großmutter eine Browning-Filmkamera.

Ich schmiss eine Überraschungs- Geburtstagsparty für einen Freund.

John kam vorbei und wollte seine neue Kamera ausprobieren.

Das dort Gedrehte verwendete er auch.

Sein erster Film war "The Roman Candles".

Beliebiges Bildmaterial von meinem Freund.

Er war geschminkt und trug einen Schal um den Kopf - wohl von David Lochary.

Ich nannte ihn Divine für "Roman Candles".

Er war einverstanden, ohne groß Aufhebens zu machen.

Der Name gefiel ihm.

Er sagte, ich wäre göttlich und das solle mein Filmname sein.

So einfach war das.

Der Name blieb schnell hängen.

Wer dem Publikum am meisten auffällt, bekommt größere Rollen.

Divine fiel allen sofort auf.

Ich gab ihm eine größere Rolle in "Eat Your Makeup" als Jackie Kennedy.

Zum ersten Mal im Kino spielte jemand Jackie Kennedy.

Im rosa Kostüm, mit Pillbox-Hut und Rosen - was für ein Spaß!

Das komplette Outfit wurde an größere Maße angepasst.

Divine muss beim Attentat über das Heck des Wagens klettern.

Sie drehten das als erste.

Wann wurde er erschossen? '63? '65.

Es war noch nicht lange her. Die Leute fanden das nicht komisch.

Als Kind wollte ich Filmstar werden.

Aber wie sollte das gehen als ein Junge aus Baltimore?

Er wollte ein Filmstar sein, aber hielt das für unmöglich.

Ich sagte ihm, er könne es.

In "Mondo Trasho" inszenierte ich ihn zum ersten Mal als Hauptdarstellerin.

Der Look stand noch am Anfang.

Ein billiges Flittchen mit viel Make-up, das in der Stadt herumlungert.

Ich bitte dich nur um das, was mir zusteht.

Was der gütige Herr mir gewährt hat:

Göttlich zu sein.

Die Filme sind ungelenk,

aber es wird klar, dass Divine das gewisse Etwas hat.

Unser Langfilm "Mondo Trasho" fand zwar Beachtung in den USA,

aber erst "Multiple Maniacs" definierte Divine - wegen der Dialoge.

Sie müssen Lady Divine sein. Ich habe viel von Ihnen gehört.

Jungs, schafft mir sofort diese Schlampe aus den Augen.

Divine hatte diese Wut, die noch in ihm schlummerte.

Was hast du gesagt? - Du bist krank und abstoßend!

Und du, Süße, bist tot!

So entstand Divine.

Diese Figur machte sich die Wut zu Nutze,

die noch aus seiner Schulzeit herrührte.

John ging ständig ins Kino.

Er war vernarrt in üppige Frauen wie Jayne Mansfield.

Mannomann, Mansfield! Jayne Mansfield. - Sie glich einer Zeichentrickfigur.

Ein Mann in einem Kleid mit solchen Körpermaßen war eine verwegene Idee.

Er wusste, dass Divine das hinbekäme.

John wollte eine sehr mollige Frau.

Das genaue Gegenteil dessen, was als schön galt.

Er wollte eine 130-Kilo - statt einer 50-Kilo-Schönheit.

Die bekam er. Die schönste Frau der Welt entpuppte sich als Mann.

Am Ende wird Divine verrückt und bringt alle um.

Und wird von einem Hummer vergewaltigt.

Ich bat Glenn, nichts zu tun, was uns beschämen würde.

Er versprach, unseren Ruf nicht zu ruinieren.

Sie sahen mich ohne Augenbrauen, ohne Haare und drehten komplett durch.

An jenem Tag erzählte ich ihnen alles. Dass ich schwul bin, kiffe und LSD nehme.

Das musste sein, weil ich nicht zwei Leben leben konnte.

Sie verstanden das nicht.

Ich sagte: "Wenn du so weitermachst, hast du die längste Zeit Eltern gehabt."

Ich fühlte mich schlecht, nachdem ich das gesagt hatte.

Das war schrecklich und das letzte Mal, dass ich sie sah.

Die Cockettes waren eine bärtige Transvestiten-Theatergruppe.

Sie glaubten an die Revolution und waren die einzigen Drag Queens, die Lenin lasen.

Ihnen gehörten Männer, Frauen, Lesben, Drag Queens und Babys an.

Ein bunter Haufen ohne Regeln.

Sie führten Shows von Busby Berkeley auf. Auch das Publikum war auf LSD.

In San Francisco hatte Sebastian die Nocturnal Dream Show,

Mitternachtsfilme, jedes Wochenende im Palace Theater.

Er suchte auf der ganzen Welt nach den irrsten Filmen.

Für John Waters der perfekte Ort, um seine Filme zu zeigen.

Wir sollten sie mitnehmen und erschießen.

Sebastian half uns wie kein anderer,

weil er "Mondo Trasho" und "Multiple Maniacs" zeigte.

Er zeigte "Mondo Trasho" zusammen mit "The Diane Linkletter Story".

Ich bin, wer ich bin und mache mein eigenes Ding.

Wir spürten, dass Divine und John Seelenverwandte waren.

Wir flehten Sebastian an, Divine herzuholen.

Diese Leute müssen bei der Show mitmachen.

Divine stieg ins Flugzeug, ohne einen einzigen Cent in der Tasche.

Van Smith war auch dabei und machte ihn zurecht.

Ich sagte: "Mach was Verrücktes mit seinem Haaransatz."

Van sagte: "Geh ins Bad,

rasier die Haare bis zur Kopfmitte ab und zupf dir die Brauen raus."

Ich widersprach ihm nicht.

Das war die Abmachung, als er die Haare abrasierte

und das hier zu einem Teil von dem da machte.

Bevor ich aus dem Flugzeug stieg, hörte ich: "Wir wollen Divine!"

Van sagte: "Hörst du das?"

Er stieg als Glenn ins Flugzeug und kam als Divine heraus.

Ich stiegt aus, Leute stürzten auf mich zu und Fotoapparate blitzten.

Das war so wie in den Geschichten über Marilyn Monroe.

Ich liebe dich, Divine! - Das war einfach perfekt.

Er hatte es bis dahin nie wirklich ernst genommen.

Dann sah er die Fans und dachte nie wieder daran, Glenn Milstead zu sein.

Ihm wurde klar, dass er Karriere machen könnte,

indem er sein Leben als Divine führt.

Divine kam nach San Francisco

und hatte einen Bühnenauftritt vor "Mondo Trasho".

Stellt euch mein Erstaunen vor, als ich aus meinem Jet stieg.

Die verrückten Crockettes trösteten und umarmten mich nach meiner Tortur.

Jetzt kann ich meine Geschichte erzählen.

Das Palace Theater ist der Ort,

an dem ich Freunde finden kann, die mich verstehen.

Ich betrat die Bühne im Hippie-Zuhälter-Look und sagte:

"Hier kommt die schönste Frau der Welt."

Er kam mit einem Einkaufswagen voller toter Makrelen,

die er ins Publikum schmiss.

Dann hielt er eine lange Rede, die ich geschrieben hatte.

Als erstes sagte sie: "Ich blase Serienmördern einen."

Dann sagte sie: "Ich esse weißen Zucker."

Das gesamte Publikum erschauderte.

Dass sie weißen Zucker aß, war für uns einfach nur schockierend.

Das war sehr provokativ, aber alle fanden es klasse.

Bis heute verstehe ich nicht, warum ich raus auf die Bühne gehe

und Leute mit Worten beleidige: "Fickt euch!"

Und die Leute finden's klasse.

Die Energie, die Divine auf der Bühne versprühte,

wurde von den Leuten förmlich verschlungen.

Sie beschloss, in San Francisco zu leben.

Divine kam, um mit uns aufzutreten. Das stand außer Frage.

Wir wollten Divine und sie wollte uns.

In einer Show war sie im Dschungel, mit diesen Typen in Lendenschurzen.

Divine betatschte sie, um rauszufinden,

welchen sie sich zum Abendessen kochen würde.

Dann kam "Divine Saves The World".

Darin verführt sie Fidel Castro, entführt ein Flugzeug,

rettet die Welt und befriedet den Nahen Osten. Was kann man noch wollen?

In "Journey to the Center of Uranus" trat sie in einem roten Krabben-Kleid

mit gepolsterten Scheren und langem Schwanz auf.

Sie sang: "Eine Krabbe an deinem After heißt, dass du geliebt wirst."

Eine Halloween-Show hieß "Vice Palace".

Die basierte auf "Die Maske des roten Todes".

Divine spielte Divina.

Wer ist die mit der besten Show? Ganz klar, die Divina!

Sie ging in verschiedene Clubs und tanzte - das liebte sie.

Und sie liebte ihre Aufputschmittel.

Die machten sie locker, da sie recht schüchtern war.

Das klingt seltsam, dass Divine schüchtern war, aber sie war es.

Sie war ganz anders als die Figur,

die sie auf der Bühne verkörperte.

Als ob es sie zweimal gab.

Wenn sie Glenn war, wusste niemand, dass sie Divine war.

Sie trug weder Schminke noch eine Perücke.

Sie war einfach eine übergewichtige Tunte.

David Baker Jr. war ein Schauspieler aus New York.

David war Divines Partner in "Vice Palace".

Divine war damals sehr zurückhaltend was seine Sexualität betraf,

aber David nicht.

Zwischen den beiden lief was.

Divine erzählte uns von jemandem, in den sie verliebt war.

Daraus wurde aber nichts.

Divine kam dann vorbei und es wurde viel geweint.

Wenn man mit Divine zusammen war,

war das ein maßloser Moment, in den man sich fallen ließ.

Er wollte nie aus San Francisco weg.

Aber er flog nach Baltimore für "Pink Flamingos".

"Wie habt ihr einen Film mit nur 10.000 Dollar gedreht?"

Für uns war das sehr viel.

Wir hatten Farbe und Ton!

Und Drehorte!

Das war eine größere Sache.

Babs Johnson? - Ja, das bin ich.

Divine spielte Babs Johnson.

Die war pensioniert und lebte vom Ruf ihrer Verdorbenheit.

Wie könnte jemand verdorbener sein als Divine?

Ein Kampf um den Titel der verdorbensten Person.

Du weißt, wer ich bin, Schlampe. Ich bin die verdorbenste Person!

Ich hab einen Maskenbildner, Van.

Er ist verantwortlich für... Er ist mein Gesicht.

Van Smith war ein Genie.

Er entwickelte Divines Look.

Van rasierte Divines Haar zurück,

um mehr Platz fürs Augen-Make-up zu haben.

Das menschliche Gesicht bot zu wenig Platz für Vans Augen-Make-up.

Ich hab mich schick gemacht und bin bereit, mich zu verlieben.

John legt viel Wert auf die Kostüme in seinen Filmen.

Sie gehören zur Rolle.

Sie wird manchmal Teil des Kostüms.

Ich kann nicht in die Linse gucken. - Fang noch mal an.

Der Filmdreh war die Hölle.

Wir drehten in der Pampa und es war eiskalt.

20-Stunden-Tage ohne Ergebnis.

Divine trug diese knappen Outfits.

Man sah seinen Atem und seine Gänsehaut.

Sie mussten richtig viel Dialog lernen.

Verehrte Herren der Presse...

Ähm...

Viele waren wohl auf Speed.

Am meisten gelitten hatte wahrscheinlich Edith.

Hallo zusammen, mein Name ist Edith Massey.

Wir hingen oft in dieser griechischen Bar rum.

Edith am Apparat.

Dort arbeitete Edith als Bardame.

Ich rief John Waters an und sagte:

"Du musst herkommen, du wirst es nicht glauben."

John erkannte Ediths Potential.

In ihrer Rolle als Eierfrau war das Publikum verrückt nach ihr.

Warum ist der Eiermann nicht hier? Ich komme um vor Hunger auf Eier.

Sich mit Edith zu unterhalten, war schwierig.

Sie schien meist woanders zu sein. - Oh, der Eiermann!

Divine war frustriert, weil Edith ihren Text nicht konnte.

Aber... aber stimmt das, Babs?

Divine war ein Profi und textsicher.

Als wir "Pink Flamingos" drehten, waren wir von der Welt abgekapselt.

Wir befanden uns in diesem Vakuum,

das "Pink Flamingos" und Divines Look geschuldet war.

Er bekam den Lippenstift nicht ab und hatte keine Augenbrauen.

Und sein zurückrasierter Kopf irritierte die Leute.

Johns Aufnahme aus einem Auto heraus von Divine,

die komplett aufgebrezelt und unbeeindruckt die Straße entlangläuft,

war einfach genial.

Der Gesichtsausdrücke der Leute spiegeln wider,

wie alle im wahren Leben auf Divine reagierten.

Die Leute fassten es nicht.

Männer auf der anderen Straßenseite riefen mir alles Mögliche zu.

Die Stadt war voller Gelächter und Geschrei.

Die Leute drehten komplett durch. Sie wussten nicht, was ich war.

Meine Lieblingsszene ist die mit dem Geschenk.

Allmächtiger, jemand hat mir einen Stuhlgang geschickt!

Das ist Divines Haufen.

Er hatte zuvor in die Schachtel geschissen.

Der stank wirklich und spornte alle zu Höchstleistungen an.

Ein Angriff auf meine Göttlichkeit!

Nur wegen seines Endes existiert dieser Film eigentlich.

Ihr kennt jemand Verdorbeneres? Seht her!

Ein Schock jagte den nächsten. Wie sollte man das überbieten?

"Was können wir tun, was noch nicht gesetzeswidrig ist?"

Etwas, was die Leute ausflippen lässt - ein Werbegag.

Klar, Divine frisst Hundescheiße.

John fragte, ob ich das tun würde. "Klar doch", sagte ich.

Ich dachte, er scherzt. Ein Jahr später sollte ich den Hundehaufen essen.

Oh, doch kein Scherz!

Er sagte: "Willst du berühmt werden?"

Hatte das schon mal wer gemacht?

Brächte es ihm Aufmerksamkeit ein? John war überzeugt davon.

Darüber musste einfach geredet werden.

Mir war es egal. Ich war halt jung.

Nimm es und iss es.

Dann denkt man sich nichts.

Bis ich diesem Hund drei Stunden lang hinterherlaufen musste.

Wir versuchten, den Hund zum Kacken zu bringen.

Sie fütterten den Hund ein paar Tage lang, damit er kackt.

Das tat er nicht. Also gaben sie ihm einen Einlauf.

Wenn er hier nicht hinmacht? - Dann dort, wo er es tut.

Dann war es so weit, nur ein Haufen war das nicht.

Was Sie gleich sehen werden, ist nicht gestellt!

"Hat Divine das gesagt? Egal, tu es einfach."

Divine nahm die Scheiße und steckte sie sich in den Mund.

Schnitt. Er musste die Szene nicht wiederholen, ich bin ja kein Sadist.

Divine aß einen Hundehaufen.

Das wird in der Geschichte des Kinos nie irgendjemand überbieten können.

Die Szene funktionierte im Kino. Die Leute gingen mit einem "Bäh!" raus.

Der ekligste Film, den ich gesehen hab. - Junge, was für ein Erfolg!

Eine Schlange vorm Kino für ganze fünf Jahre.

Ein Großteil der Berichterstattung drehte sich um die Scheiße.

Das war der Schwerpunkt und den Leuten gefiel die Empörung.

Hab den zum ersten Mal gesehen. Die Szene ist starker Tobak.

Sie bewarben den Film so: "Diese Tunte soll Hundescheiße essen."

Alle warteten auf die Szene, die erst ganz am Ende kommt.

Sie sollte Anarchie auslösen, was ihr gelang.

Ihr Ruf breitete sich im ganzen Land aus. Mein Vater sagte: "Wie Krebs."

Es war großartig. - Der widerlichste Film meines Lebens.

Dir gefiel der Film nicht, aber du musstest darüber reden. - Göttlich!

Jeder kannte den Film. Ich musste im Kino das Erbrochene wegputzen.

Für John war Erbrochenes wie Standing Ovations.

Ich rief ihn an und sagte,

dass ich gestern dreimal Standing Ovations hatte und ihn dafür hasse.

Divine auf der Leinwand zu sehen, war unglaublich.

Er war ein Geschöpf.

Du bist des Arschlochismus überführt!

Er war furchteinflößend. Wie Klarabella auf LSD.

Erregt Sie Blut?

Es erregt mich nicht nur, es lässt mich kommen.

John und Divine wurden zu einem Phänomen.

Danach wurde Divine ein echter Star.

Er war im Untergrund bekannt.

Er war in schicken Stadtvierteln bekannt als jemand, den man kennen sollte.

Er ist ein Untergrund-Star.

Als Andy Warhol Divine traf,

wurde Geschichte geschrieben.

Wir trafen Warhol nach "Pink Flamingos".

Ich nahm Divine zur Factory mit.

Andy kam raus und sagte: "Oh, Divine!

Ich wollte dich unbedingt kennenlernen."

Dann ging er wieder.

Andy mochte schillernde Personen. Divine war genau das.

Lass los, du hässliche Hexe! - Du Teufel, dafür wirst du büßen!

Meinst du? - Ja, dafür wirst du büßen!

"Female Trouble" war anders als "Pink Flamingos",

aber ähnlich punkig und wütend.

"Female Trouble" ist Johns "Vom Winde verweht".

Der Film ist abstoßend und doch urkomisch.

Er wurde Divine auf den Leib geschrieben.

Er spielt Dawn Davenport. - Dawn Davenport.

Ich bin eine Diebin, eine Unruhestifterin und...

... wär gern berühmt.

Ich liebte es, Dawn zu spielen.

Sie war so wie ich in meiner Jugend.

Ich war nicht ganz so schlimm,

aber sie ähnelte mir auf eine übertriebene Art.

Das sind keine hochhackigen, schwarzen Schuhe!

Divine ist so witzig in dem Film. Mein Lieblingsauftritt von Divine.

Ich nehme jetzt ein langes Schönheitsbad,

um den Gestank einer fünfjährigen Ehe loszuwerden.

Van hätte den Kostüm-Oscar bekommen sollen - die waren brillant.

Es gibt die junge Dawn mit Turmfrisur.

Ich hol mir hochhackige Schuhe.

Die schwangere Dawn.

Die früh kriminelle Dawn.

Und die Schönheitssalon-Dawn.

Unsere neue Kundin, Frau Dawn Davenport.

Die Nachtclub-Dawn.

Und dann die Dawn auf dem elektrischen Stuhl.

Ohne euch hätt ich es nicht so weit gebracht!

Der Film ging der Punk-Ära voraus.

Die Looks setzten sich einige Jahre später durch.

Ich bin so verdammt schön, dass ich es selbst nicht ertrage!

Dawn Davenport zu spielen war körperlich anstrengend.

Er schwamm komplett aufgebrezelt im November durch einen Fluss.

In der Trampolin-Szene hat sie einen Irokesenschnitt,

ein durch Säure verätztes Gesicht

und reibt toten Fisch an ihrem Schritt in einem Babybett.

Ihn hoch- und runterhüpfen zu sehen mit diesem irren Gesichtsausdruck,...

... ist so aufregend - er war komplett verrückt.

In New York war "Female Trouble" ausverkauft.

Dann zog er nach New York.

New York sprühte in den 70ern vor Energie.

Viel queere, viel abseitige, gegenkulturelle Kunst - Untergrund.

Für Divine ergaben sich neue Möglichkeiten und er nutzte sie.

"Women Behind Bars" war ein urkomisches Theaterstück.

Eine Parodie der Frauengefängnis-Filme,

in denen hartgesottene Insassinnen über die junge Unschuldige herfallen.

Verheimlicht man mir Dinge, werde ich verrückt!

Divine spielte die Matrone, eine grausame, sadistische Frau,

die sich die junge Neuinsassin zu Willen machte.

Divine vergewaltigte mich achtmal die Woche in einem Jahr.

Divine trug ein enges weißes Krankenschwester-Kleid,

hatte gigantische Brüste,

und trug so nuttige Plateau-Pantoffeln, ihr wisst schon.

Ich kannte "Pink Flamingos" und hatte ein wenig Angst vor ihm.

Weil alle meinten, mit Divine zu arbeiten wäre problematisch.

Als ich ihn bei den ersten Proben traf,

war er aber richtig nett und professionell.

"Mein Gott, was für ein netter Mann!"

Er hatte etwas Wunderbares an sich jenseits der schrillen Drag Queen.

Er war zugleich lustig und glaubwürdig.

Im Truck and Warehouse läuft derzeit Tom Eyens "Women Behind Bars."

Eine heiße Show.

In dem Theater musste man Divine gesehen haben.

Es war ein Ereignis für Divine, in der "coolen" Phase nach New York zu gehen.

Dieses Knistern lag in der Luft.

Wir waren verliebt.

Viele berühmte Leute kamen. Diane Keaton.

Eines Abends saß Warren Beaty im Publikum.

David Bowie. - Nurejew, der Ballett-Tänzer.

Elton John kam.

Sie wurden gute Freunde.

Er lud Divine zu seiner Show im Madison Square Garden ein.

Es war die erste Adresse und überall Stretchlimos.

So wollte ich schon immer leben und auf einmal tat ich es - unglaublich!

Er ließ die "Kleinstadt" Baltimore hinter sich

und stürzte sich in sein neues Leben.

Ich war immer dafür, weil ich nicht jedes Jahr einen Film drehen konnte.

Dafür bekam ich nicht das Geld zusammen.

Deshalb hoffte ich auf andere Jobs für Divine.

Ich fand das toll,

weil ich wusste, dass er talentiert war und sich weiterentwickeln musste.

Er war bereit, mehr als nur ein Star von John Waters zu sein.

Ich kann erfolgreich sein.

Aber nicht ohne John, weil ich mit ihm anfing.

Ich schulde John so einiges. Durch ihn fing alles an.

Ich danke ihm und hasse ihn zugleich dafür.

Zumeist bin ich ihm jedoch dankbar.

Ich mag die Arbeit nicht, die ein Film mit sich bringt.

Die ganzen Vorbereitungen und Verzögerungen machen keinen Spaß.

Sobald der Film fertig ist, ist aber alles bestens.

David war schwierig.

Er hatte Streit mit allen Dreamland-Leuten außer mir.

Am Ende seines Lebens rauchte er viel Angel Dust.

Eines Abends schmiss Divine eine Party. Die ganze Truppe war da.

Jeder von uns bekam eine Art Joint,

aber mit Angel Dust.

An dem Abend zerbrach er einen Spiegel und schnitt sich mit den Splittern.

Er spürte nichts wegen des Angel Dusts.

"Liebste Lisa, David Lochary ist tot.

Ich fasse es einfach nicht. Mein ältester Freund.

Das ist ganz merkwürdig. Eine vergessenswerte Woche.

Alles Liebe, ich vermisse dich, Divine"

In den späten 60ern rüttelte Filmemacher John Waters

die Industrie mit schockierend expliziten Untergrund-Filmen auf.

Er erschuf die Königin des Untergrunds

mit dem 150 Kilo schweren Frauenimitator namens Divine.

Das liegt bereits zehn Jahre zurück, aber die Figur ist so beliebt wie nie.

Ich zog nach New York im Sommer '78.

Ich sah Divine live in dem Off-Theater-Stück "The Neon Woman".

Ich bin Miss Flash Storm. Die Neonfrau, die Ur-Exhibitionistin.

Die letzte der heißen Stripperinnen.

Divine spielte Flash Storm, die Besitzerin des Strip-Schuppens.

Er spielte eine toughe Stripperin.

Du warst eine gewöhnliche Hure in San Francisco.

Wer ist das dort nicht?

Ich war seine Zwillingsschwester.

Ich sagte zu ihm: "Du bist ein Niemand.

Du hast nichts und wirst für immer ein Niemand bleiben."

Am Anfang der Show unterhielten wir die Leute immer.

Oh Gott, ihr Auftritt!

Sie betrat das Theater in diesem engen weißen Kleid

und musste von ganz hinten nach vorne zur Bühne laufen.

Ihr ersten Worte waren: "Hi Mädels!"

Ich bin die Neonfrau, und die Neonfrau ist Divine!

Das tolle daran war, in einer Disco zu spielen.

Hurrah war der angesagteste Laden in New York vor Studio 54.

Dieses Event war so was von 1978, dass wir auf dem Boden saßen.

Als die Show vorbei war, sprangen wir alle auf und waren in einer Disco.

New York machte ihn noch berühmter,

weil er eine wichtige Persönlichkeit der Disco-Ära war.

Das war Tom Eyens "The Neon Woman" mit Divine in der Hauptrolle.

Wir pausieren kurz und sind gleich mit den Village People zurück.

Divine wollte alle kennenlernen.

Vor allem dann, wenn sie irgendwie bekannt waren.

Und das gelang ihm.

Wir waren zur Eröffnung des Studio 54 eingeladen,

weil unsere Show so angesagt war - das war aufregend!

Studio 54 war die beste Disco

und Divine würde da sein.

Die Leute hätten sich dafür die Arme abgehackt.

Ich hab mich amüsiert.

Er genoss die Annehmlichkeiten des Berühmtseins.

Wir verdienten mehr Geld.

Er leistete sich einen Pelzmantel und trug einen riesigen Diamant-Ohrstecker.

Ich war die Westküsten- Redakteurin der "Interview".

Sie zeigten "Pink Flamingos" in Beverly Hills

und wir gaben eine Party für Divine.

Und plötzlich wohnte er bei uns.

Er traf die Crème de la Crème von L.A.:

Er lernte Künstler, Schauspieler und Autoren kennen.

Quentin Crisp schaute rein.

David Hockney kam vorbei, wenn er in der Stadt war.

David malte dieses wunderschöne, fast lebensgroße Bild von Divine.

Ich hab ihn nie Sport treiben sehen.

Er aß immer nur und lag die ganze Zeit am Pool rum.

Wenn es dunkel war, traf er sich mit seinen Besuchern am Pool.

Sie saßen dort bis früh morgens. Weiß Gott, was sie dort trieben.

Ob ich Drogen nehme? - Genau. - Ich liebe Gras.

Divine stand total auf Marihuana.

Er kiffte von frühmorgens bis spätabends.

Nur bei der Arbeit nicht. Er war nicht bekifft, wenn er drehte.

Divine war immer bekifft.

Er war ein größerer Kiffer als man sich vorstellen kann.

Das war sein einziges Laster.

Welches ihn zum nächsten führte:

Törtchen.

Er rief mich jeden Tag an und bat mich vorbeizukommen.

Er habe Gras und ob ich Donuts mitbringen könne?

Ich brachte immer zwei Dutzend, von denen er eines aß.

Von dem anderen blieben vielleicht ein paar für mich übrig.

Vor dem Abendessen aß er eine große Tüte Chips

und trank einen Liter Pepsi Light - das war seine Vorspeise.

Er setzte sich mit einem Stuhl vor den Kühlschrank und aß daraus.

Sie liebte Kuchen.

Sie aß ihr Stück, dann meines und schließlich alle anderen.

"Warum isst du so viel?" - "Weil sonst die anderen zugreifen."

Im Grunde wollte er alles essen, was es im Land gab.

Ich bin sehr faul und strenge mich nicht an.

Zwar rede ich über Diäten, aber ich kann mich nur schwer zu einer durchringen.

Ich hatte mal eine gemacht, die auch gut lief.

Irgendwann wollte ich nicht mehr und fing mit dem Fressen an.

Mit Essen kompensierte er eine innere Leere.

Er war sehr verletzbar.

Die Leute bemerkten es nicht, weil er es verbarg.

Kannte man ihn, war er sehr sensibel.

Die Leute hatten Angst vor ihm.

Wer ihn nur aus Filmen kannte,

hatte ein festes Bild von Divine.

"Lass uns essen gehen." - "Ich geh mit Divine essen."

"Scheißt er auf den Tisch?" - "Nein, wohl eher nicht."

Schwule mochten Drag-Künstler auf der Bühne,

aber nicht unbedingt im Bett.

Deshalb fragte ich mich,

ob Divine schwule Liebes- oder Sexpartner finden würde.

Manche Schwule sahen auf ihn herab, weil er ein Drag-Künstler war

und vergötterten ihn zugleich dafür.

Divine mangelte es nun wirklich nicht an Liebe.

Er war sexuell. Sehr sexuell.

Wenn er jemanden interessant fand, nahm er sich den für gewöhnlich.

Er hatte ein Schätzchen in jedem Städtchen.

Es machte ihm nichts aus, einen Korb zu bekommen.

Wenn man so bizarr aussieht, muss man mit Ablehnung rechnen.

Divine dachte wohl: "Frag zehn und einer sagt schon Ja."

Und er fragte gute Typen. Er hatte süße Freunde.

Lee L'Ecuyer und Divine hatten eine sehr lange Beziehung.

Keine gewöhnliche Langzeitbeziehung.

Sie waren untrennbar, sobald sie zusammenkamen.

Ist das nicht hinreißend? Könnte man nicht kotzen?

Ich stellte ihm einem Porno-Star vor. Leo war ein super Typ.

Sie hatten eine ziemlich lange, liebevolle Beziehung.

Es freute mich so für Divine,

ihn glücklich zu sehen mit jemandem, der sich wirklich für ihn interessierte.

Weil ich immer für ähnliche Rollen besetzt wurde,

entschieden John und ich, dass es Zeit für ein neues Image war.

"Polyester" war die Amok-Version von "Erwachsen müsste man sein":

Alles Schlimme, was einer Vorstadt-Familie passieren konnte.

Lasst uns in Frieden. Meine Familie hat euch nichts getan.

John wollte Divines Bandbreite zeigen und eine andere Geschichte erzählen.

Was zur Hölle machst du da? - Beten, Elmer.

Gott um Vergebung bitten, dass du schmutzige Filme zeigst!

Er hatte Divine schon als Monster gezeigt.

Nun sollte sie die sympathische Heldin geben.

Noch mehr Kummer halte ich einfach nicht aus!

Sie war fett, trank

und die gesamte Familie war zerrüttet.

Segne uns, oh Herr, und deine Gaben, die du uns gibst.

Van zeigte Divine ihre Kostüme.

Sie brach in Tränen aus, weil sie nicht glamourös waren.

Lu-Lu, ich möchte hier saubermachen!

Eine Parodie auf das alte Hollywood,

in der die damaligen Darsteller an Divines Seite spielten.

Als mich John Waters wegen "Polyester" anrief, spielte ich Dinner-Theater.

Deswegen war ich in Indianapolis.

John sagte nur, dass er einen Film mit Divine drehe

und ich "Todd Tomorrow" spielen sollte.

Ich heiße Todd, Süße. - Todd? - Todd Tomorrow.

Dann fragte er: "Würdest du einen 150-Kilo-Transvestiten küssen?"

Ich sagte, ich hätte nichts zu verlieren, also warum nicht?

Er ist zu jung zum Trinken. - Ich bin alt genug für alles Mögliche.

Tab Hunter war eine Teenie-Ikone der 50er.

Er und Divine zusammen war zu schön, um wahr zu sein.

Divine schwärmte für Tab Hunter seit seiner Kindheit.

Wie rasierst du dich, Tab? - Mit Gillette Super Speed.

Divine war so aufgeregt.

Ein berühmter Mädchenschwarm,

und sie würde ihn küssen.

Ich konnte mir Tab nur für eine Woche leisten,

weshalb wir seine Szenen zuletzt drehten.

Zuerst drehten wir Cuddles Debütantinnen-Ball. Divine musste mit Tab tanzen.

Er war ein nervöses Wrack, was untypisch für ihn war.

Er war richtig aufgeregt, mit mir zu arbeiten.

Ich war auch aufgeregt, weil ich ihn respektierte.

Divine war total nervös, weil sie sich küssen mussten.

Was er wunderbar hinbekam.

Tab hob sein Gesicht an, damit das Licht stimmte.

Lies es von meinen Lippen: Ich liebe dich.

Tab nahm Divine in dem Film ernst. Darum funktionierte es.

Tab behandelte Divine wie Natalie Wood.

Wie einen echten Filmstar, mit dem er eine Liebesszene dreht.

Ohne dabei jemals in die Kamera zu zwinkern.

Es war toll. Eine richtige gute Erfahrung für beide.

Divine bekam zum ersten Mal richtige gute, respektvolle Kritiken.

Unter anderem von der "New York Times".

Endlich hieß es: "Der kann schauspielern."

Davor hieß es: "Der fette Transvestit mit der aufgebauschten Perücke."

Sie sahen nicht, was sich hinter dem Äußeren verbarg.

Ich war schon immer ein toller Schauspieler.

Wir sind wieder eine echte, normale amerikanische Familie.

Divines Erfolg kam nicht über Nacht.

Der baute sich nach und nach auf,

mit langen Zeiträumen ohne Beschäftigung.

Ich weiß, warum Leute aus dem Showbusiness zusammenbrechen.

Ich hatte sechs Wochen lang nichts zu tun - da wird man verrückt.

Entweder waren wir abgebrannt oder schwammen im Geld.

Irgendwann brauchen alle einen Agenten und/oder Manager.

Divine brauchte diese Führung und jemanden, der für ihn verhandelte.

Bernard Jay war der Produzent von "Neon Woman" in San Francisco

und wurde Divines Geschäftsmanager.

Er kümmerte sich fortan um Divines Karriere.

Bernard brachte Divine mit der Musikwelt in Berührung.

Ich nahm Divine fast nur als Rockstar wahr.

Er war fester Bestandteil der Punk-Szene.

Divine hatte ein paar Alben draußen, bevor ich ihn traf.

Ich fand die Songs okay,

aber die reichten nicht für eine Karriere als Interpret.

Für mich ist er kein Sänger.

Wir sprachen über mein Konzept, Songs für die Figur Divine zu schreiben.

"Native Love" wurde zuerst aufgenommen.

Als er das Lied sang, war das magisch.

Zur Veröffentlichung in den USA und in Europa schlug "Native Love" voll ein.

Der Beginn seiner Musikkarriere.

Wir alle brauchen mehrere Betätigungsfelder. Eine gute Station in Divines Leben.

Er war als erster mit Techno erfolgreich.

Das war einfach toll, diese Schwulensaunen-Disco-Musik.

Sie war nicht die beste Sängerin, machte aber jeden Text zu ihrem.

Sie traf den richtigen Ton

und rief ein Gefühl von Macht und Punk-Aggression hervor.

Er war toll, weil er eben Divine war.

Was will man mehr von einem Divine-Song,

als so viel Divine wie möglich?

Diese Songs halfen,

ihn zu einem der begehrtesten Disco-Interpreten zu jener Zeit zu machen.

San Francisco, New York und L.A. mussten Divine einfach haben.

Er war so überlebensgroß in Vans obskuren Kostümen,

dass er eine tolle Bühnenpräsenz hatte.

Die Kostüme, das Make-up, die Frisur - ein wandelndes Kunstwerk.

Bitte heißt den größten Filmstar der Welt willkommen!

All deine Sinne standen unter Spannung,

weil du nicht wusstest, was kommt.

Ihr lasst meine Nippel hart werden.

Er trat im Studio One auf, aber man kam nicht rein.

Das war, als ob Elvis spielen würde.

Ich sah ihn im Saint in New York.

Plötzlich öffnete sich die Decke und Divine war da.

So übertrieben und so fabelhaft.

Er ging genial bissig mit dem Publikum um.

Mutter? Ich bin nicht deine Mutter.

Will ich auch nicht sein. Seht ihn euch doch an.

Gab es keinen Streit, sorgte er für welchen.

Irgendein Mädel hier vorne hat eine stinkende Möse.

Und irgendjemand hier hat einen käsigen Schwanz.

Die zwei sollten sich zusammentun und ein Omelett machen.

Sie beleidigte das Publikum in einem fort.

Lutsch meinen fetten Hintern.

Zur Show gehörten Zwischenrufe, die sie erwidern würde.

"Lecken wir deine Muschi."

Zeig uns deinen großen Schwanz.

Er hatte tolle Fans.

Sein Aussehen und seine Ausdrucksweise

machte es für seine Fans okay, sie selbst zu sein.

Horden von Jungs tauchten wie aus dem Nichts auf.

Sie kreischten und dachten, Divine wäre Gott.

Die Leute schmissen sich geradezu an sie ran.

Verdammt noch mal, ein 18-jähriger Knabe betete ihren Körper an.

Warum bloß ihren und nicht meinen?

Er ging auf Tournee

und bereiste die ganze Welt.

Er wurde ganz gut bezahlt für eine allnächtliche Show.

Die waren strapaziös. Eine Disco-Show an jedem Abend.

Divine trat in Paris im Body Rock auf.

Die französischen Kids drehten durch. Das war echt aufregend.

Divine war bei Top of the Pops.

Die Leute riefen an und beschwerten sich.

Die Briten wollten ihn nicht mehr in der Show sehen.

Sie beschwerten sich, weil ich tanzte.

Wenn alles an mir in Bewegung gerät, überfordert das viele.

Ich wurde aus dem Fernsehen verbannt.

Die Berichterstattung darüber verdoppelte die Plattenverkäufe.

Ich erinnere mich an die tolle Schlagzeile in der "Sun":

"Igitt!!!" Und ihr dachtet, Boy George wäre schlimm.

Bei ihm saß das Geld locker. Divine kaufte gerne Zeugs.

Divine konnte am Flughafen locker 1200 Dollar ausgeben.

Hätte Divine 90 Mio. Dollar verdient, hätte er 91 ausgeben.

Für andere, nicht für ihn selbst.

Jedes Jahr an Weihnachten kamen große Pakete für meine Kinder an.

Er war großzügig.

Er liebte Ferien, er liebte Weihnachten und würde sich später Sorgen machen.

Hattest du Geburtstag,

rief er bei Tiffany's an und fand deinen Geburtsstein raus.

"Süße, das ist zu teuer." - "Na und?"

Mit dem Geld war es schwer, aber wir bekamen es hin.

Bernard war der Aufseher

über Divines Chaos.

Das festigte die Beziehung zwischen ihm und Bernard Jay.

Es war eine Geschäftsbeziehung.

Ich glaube nicht, dass sie sich besonders mochten.

Sie waren keine Freunde, aber aufeinander angewiesen.

Über die Leinwand donnert nun die inspirierendste Saga von allen:

"Geier, Geld und goldene Eier".

Das Paar Tab Hunter und Divine in "Polyester" war ein Erfolg.

"Geier, Geld und goldene Eier"

ist eine Western-Komödie, die 50er-Jahre-Western veräppelt.

Madre de Dios!

Ich wusste, dass Divine perfekt für den Film wäre.

Das ist der zweite Film, den Sie mit ihm... ihr... gedreht haben.

Warum bloß?

Divine spielte Rosie Velez, eine Dirne mit zwielichtiger Vergangenheit.

Ich bin Rosita Velez. Alle nennen mich Rosie. Wie heißen Sie?

Divines Filmpartnerin ist Lainie Kazan.

Keine Bewegung, hombre, oder ich trage dein Arschloch als Strumpfband!

Die waren ein tolles Paar.

Sie mochten sich gerne, auch wenn sie sich auf der Leinwand hassten.

Dein Kaffee.

Im Film waren sie Schwestern.

Divine nannte Lainie immer seine ältere Schwester.

"Bringt meine ältere Schwester her.

Möchte meine ältere Schwester mit uns essen?"

Wir müssen Make-up-Experte George Masters für Divines Schönheit danken.

George Masters war ein Frisur- und Make-up-Meister.

Er machte Marilyn Monroe, Rita Hayworth zurecht.

Ich mache Tabs Co-Stars. Glamour Girls.

Zwischen den Einstellungen, wenn Lainie besser aussah,

strich sich Divine über die Lippen und ruinierte so sein Make-up.

George musste ihn nachschminken, wodurch er besser als Lainie aussah.

Er wurde um 4 Uhr geschminkt, um gegen 6 am Set zu sein.

Er drehte 12 Stunden am Tag.

Wenn er was nicht konnte, probierte er es aus.

Eins gelang ihm nicht:

Am Anfang des Films soll Divines Figur Rosita auf einem Muli sitzen.

Er stieg auf das Muli und verlor ständig sein Gleichgewicht,

weil er so schwer war und das Muli und er gleichviel wogen.

Er kippte zur Seite, nach vorne, nach hinten.

Das ärgerte ihn, weil er alles hundertprozentig machen wollte.

Ich sah ihn zum ersten Mal verärgert über sich selbst.

Er trug viel Gewicht mit sich rum bei der Hitze und der Höhe.

Das muss sein Herz belastet haben.

Divine wurde ohnmächtig am Set

wegen Santa Fes hoher Lage und seinem Gewicht.

Die Kombination war tödlich.

Wir besorgten ihm Luftflaschen, damit er die Szenen überstand.

Er drehte eine Szene. Danach bereiteten wir eine andere vor

und er schlief auf der Stelle ein.

Er schlief beim Schminken und zwischen Einstellungen ein.

Er beschwerte sich nie, weil er so glücklich war, den Film zu drehen.

New World Pictures stellte eine riesige Plakatwand am Sunset Boulevard auf.

Divine rief mich an und sagte: "Oh Gott, ich glaub's nicht!"

Er hielt buchstäblich sein Auto an und starrte auf das Plakat.

Als Divine für den Film Werbung machte,

fragte ich ihn: "Warum trägst du nicht dein Rosie-Velez-Outfit?"

Man hätte meinen sollen, ich hätte ihn geohrfeigt.

Er sagte, er würde seine Arbeitskleidung nicht in einer Talkshow tragen.

Sind Sie ein Transvestit? - Nein. Sind Sie nicht? - Nein.

Wollte er eine Frau sein? Nein.

Er wollte sich nie umoperieren lassen, nie eine Frau werden.

Es war ein Job.

Wenn er nicht gefilmt wurde, entfernte er das Zeug.

Er wollte nie eine Frau sein. Machst du Witze?

Er wollte ein Filmstar sein. Das ist was anderes.

Hier sitzen Sie nun in Hemd und Anzughose.

Wo ist die Divine, die wir kennen? - In einem Schrank in diversen Koffern.

Diese Rolle war eine schwere Last.

Man musste sie spielen, oder man existierte nicht.

Ich habe mir das Original von "Pink Flamingos" angesehen.

Am Ende des Films gab es eine Szene,

die ich niemals vergessen werde... - Ich auch nicht.

Irgendwann hatte Divine die Sache mit der Hundekacke satt.

Waren das echte Hundefäkalien?

Ich hab keine Lust, darüber zu reden. Das ist lange her.

Das war das Beste und das Schlimmste, war mir je passiert ist.

Jetzt kümmert es mich nicht mehr.

Hollywood steckt früher oder später alle in Schubladen.

Divines war:

"Du bist der Typ in dem Krabben-Kleid, der Kacke frisst und Leute erschießt.

Das brauchen wir in der neuen Fantasy-Island-Staffel nicht."

Die Leute sahen nicht, was sich hinter dem Mann in Drag verbarg:

Eine hingebungsvolle, gekonnte Darbietung.

Er war bedrückt, weil er versuchte,

seine Brot-und-Butter- Figur Divine

um Männerrollen zu erweitern.

Ich hatte nie vor, nur Frauenrollen zu spielen,

aber ich bekam nur solche angeboten.

Sie wurden für mich geschrieben und waren Hauptrollen.

Als aufstrebender Schauspieler lehnt man keine Hauptrollen ab.

So wurde ich zu einer Art Kult-Star, aber das reicht nicht.

Man verdient damit kein Geld.

Ich will später nicht im Heim verarmen und Müll aus der Dose essen.

Ich möchte es komfortabel haben.

Nur mit viel Geld übersteht man dieses Leben.

"Liebste Lisa, ich liebe L.A., aber ist das der richtige Ort für mich?

Das ist eine Hetero-Stadt, die wenig Arbeit für mich zu haben scheint.

Alle Rollen, für die ich vorspreche, werden mit Frauen besetzt.

Ich glaube, die sind nicht bereit für mich.

Lange halte ich das nicht mehr aus."

Er wollte unbedingt Charakterrollen spielen.

Divine war ein Schauspieler, der auf den Durchbruch wartete.

Er probierte deshalb verschiedene Sachen wie "Diamantenfieber" aus.

Viele meinen, ich sei geduldig, dabei trifft das Gegenteil zu.

Ich wollte mir beweisen, dass ich auch einen Mann spielen konnte.

Wenn ich etwas will, muss ich es sofort haben.

Nichts stellt mich je zufrieden.

Bei der Männerrolle musste ich aufpassen,

dass die weiblichen Züge nicht plötzlich hervortreten.

Er hatte ohne Divines Hilfe Selbstbewusstsein geschöpft

und traute sich andere Rollen zu.

Das gab ihm die Zuversicht,

die Grenzen der Figur Divine hinter sich zu lassen.

Ist das der Beginn einer ganz neuen Karriere? - Das hoffe ich.

Agenturen haben angeklopft, die mich vor zwei Jahren nicht mal reinließen.

In Agenturen trägt man ja auch nicht solche Sachen.

Ich wusste, dass es schwierig wird.

Ich telefonierte viel herum und hoffte, dass ihn wer einlädt.

Er war immer gut vorbereitet

und wollte, dass sie ihn gut finden.

Es gab nichts, was er nicht getan hätte.

Ich kann's kaum abwarten.

Ich kann Männer und Frauen spielen, weitere Darsteller sind überflüssig.

Er hätte gerne nur Filme gedreht, weil die Tourneen anstrengend waren.

Manchmal in Clubs hatte ich Angst, dass er einen Herzinfarkt bekommt.

Ein dicker Kerl,

der sich in heißen Clubs 45 Minuten lang einen abtanzte

und dabei 60 Kilo schweren Kram trug.

Die dicke Schlampe muss sich kurz ausruhen - hat wer Fragen?

Ich machte mir Sorgen, dass auf Tour etwas passieren würde.

Mit dem Gewicht und unter den Bedingungen fällt es schwer,

ständig zu fliegen, unregelmäßig zu schlafen und zu arbeiten

und sich schlecht zu ernähren.

Er aß nur ungesundes Zeug.

Wir machten uns Sorgen, versuchten aber, es einzudämmen.

Wenn sein Arzt sagte, er müsse aufhören, setzten wir ihn auf Diät.

Sein Gewicht beunruhigte ihn.

Er sprach nicht darüber, aber es beunruhigte ihn.

Divine war ganz klar süchtig.

Nach Shoppen, Liebe und irgendwann nach Drogen und nach Essen.

Divine war exzessiv.

Das verstärkt den Schmerz, dem man begegnet, wenn man Süchte bekämpft.

Sprichst du mit deiner Mutter? - Ich denke nicht an sie.

Ich denke nicht an meine Mutter.

Divine sprach lange nicht mit seiner Familie.

Seine Mutter rief meine an und wollte wissen, wo er steckt.

Das war eine traurige Zeit für mich.

Ich machte mir Vorwürfe, weil ich ihn rausgeschmissen hatte.

Mein Mann litt an Muskeldystrophie, weswegen wir nach Florida zogen.

Zu der Zeit sprachen Glenn und ich nicht miteinander.

Ich wusste nicht, wo er war.

So ein Typ saß neben mir. Ich wusste, dass er schwul war.

Er las einen Artikel und ich sah John Waters Name.

Dann sah ich das Titelbild und dachte: "Diese Augen sehen wie Glenns aus."

Ich zeigte Harris das Heft und fragte, an wen ihn das Bild erinnere.

"Das könnte Glenny sein, oder?"

So fand ich heraus, dass Glenn Divine war.

Der Typ erwähnte, dass Divine in diesem Film spielt.

Das ist Divine als Dawn Davenport, eine quirlige High-School-Schülerin.

"Lass uns den ansehen."

Sehen Sie die verdorbensten Sachen aller Zeiten, gespielt von Divine!

5 oder 6 Jungs kamen auf mich zu im Foyer:

"Der wird dir nicht gefallen."

Ich sagte: "Das sehen wir nach dem Film."

Der Mann sagte: "Diesen Film wollen sie nicht sehen."

Sie: "Ich will diesen Film sehen. Divine ist mein Sohn.

Sie sind Divines Mutter?"

Sie baten sie um ihr Autogramm. Das gefiel ihr.

Dann rief ich ihn an.

Als er meine Stimme hörte, fingen er an zu weinen und ich auch.

"Mama, kann ich nach Hause kommen, damit wir wieder eine Familie sind?

Glenn, etwas Schöneres hättest du mir nicht sagen können.

Wir freuen uns auf dich."

Draußen hing ein Schild: "Willkommen daheim, Divine".

Das berührte ihn sehr.

Es war zum Heulen schön.

Wir genossen die Zeit miteinander

und er versprach, regelmäßig vorbeizuschauen.

Sie versöhnten sich.

Er war sehr glücklich darüber und Frances auch.

Später war sie sehr stolz auf ihn.

Sie brauchte ihre Zeit, und das war auch gut.

Wir sind mehr als nur Eltern und Sohn, wir sind sehr gute Freunde.

Sie sind ziemlich begeistert und stolz auf mich,

dass ich das mache, was mir gefällt und damit erfolgreich bin.

Divine wusste, dass wir uns weiterentwickeln mussten.

Wir mussten uns wieder neu erfinden.

Das Ergebnis war "Hairspray".

"Hairspray" ist legendär.

John Waters und Divine schlugen ganz neue Töne an.

Ein goldiges und doch radikales Musical-Drama

über ethnische Ungleichheit.

Es gehört sich nicht, im Fernsehen zu dieser Farbigen-Musik zu tanzen!

Eine Hommage an Baltimore

und unsere Jugend.

Wo habt ihr es zuerst gesehen, Kinder? - In der Corny-Collins-Show!

Es war wundervoll, sich wiederzusehen.

Wir würden wieder miteinander arbeiten. Die alte Gang war wieder vollzählig.

Das war bittersüß.

In John Waters kommerziellsten Film

hatte Divine nur eine Nebenrolle - Ricki Lake war der Star.

Ich bin dick, blond und wunderhübsch!

In meinem ersten Uni-Jahr erhielt ich einen Anruf.

Es gäbe da in einem Film eine perfekte Hauptrolle für mich:

Ein fetter Teenager, der tanzen kann.

Die Leute sagten, weil ich ihnen von dem John-Waters-Film erzählte,

dass er "Pink Flamingos" gemacht hatte und Divine darin Hundekacke aß.

Ich sagte: "Wie bitte?"

Ich hatte nur gewusst, dass der Film umstritten war.

Divine spielte meine Mutter Edna Turnblad.

Die Familie war dicke miteinander.

Hast du den Appetitzügler genommen, den ich dir besorgt habe?

Mutter, ich wachse noch. Ich muss essen!

Sie ist eine gute Ehefrau und Mutter.

Das ist ihr am wichtigsten - und ein sauberes Haus.

Stellst du diesen Lärm bitte leiser? Ich versuche, hier drin zu bügeln.

Sein Look am Anfang von "Hairspray" - man erkannte ihn gar nicht.

Ich erkannte ihn nicht.

Über die Nachbarschaftsfrauen, die so aussahen wie er, sagte er:

"Welche Drag Queen würde jemals so rumlaufen?" Und er hatte recht.

Und noch mehr schmutzige Wäsche für Mami...

Der Arme sah grausam aus.

Er hatte keine Angst davor, unglamourös zu sein.

Das war das beste Kompliment: Ich sah so aus wie eine von ihnen.

Divine war nicht glücklich über meine Rolle als Tracy.

Ich verstehe ihn: Er wurde degradiert.

Er war John Waters' Muse und nun war da diese Neue.

Hi Corny, ich bin Tracy Turnblad und ich gehe auf die Mervel High.

Er brachte mir bei, in hohen Absätzen zu laufen.

Ich übte und er: "Nein, Ricki, mach das so."

Er nahm mich und lief mit mir.

Er wuchs mir ans Herz in den acht Drehwochen.

Am Schluss waren wir gute Freunde.

Divine wollte immer, dass ich mit ihm esse.

"Komm, Ricki, wir teilen uns den Kuchen, wir essen einen Braten."

Ich mochte unsere Szenen, weil wir miteinander harmonierten.

Aufgetakelt wie ein junges Flittchen! - Mutter, sei nicht so prüde!

Ich glaubte wirklich, er sei meine Mutter.

Süße, gemeinsam schaffen wir es ganz nach oben!

Divine spielte eine echte Person.

Man nahm ihr Edna Turnblad ab, eine wirklich liebenswerte Mutter.

Sein Auftritt in "Hairspray" ist berührend und glaubwürdig.

Es spielt keine Rolle, dass er ein Mann ist.

Kein Platz war mehr frei bei der Weltpremiere von "Hairspray".

Die Premiere war wundervoll. Ein wirklich glücklicher Moment.

Hier ist Divine. Schön, Sie zu sprechen.

Wir wurden in einer Limousine nach Baltimore chauffiert,

wo eine Menschenmenge wartete.

Divine hatte seine Mutter dabei. Es war ein großartiger Abend.

Den Film konnte er beruhigt seinen Eltern zeigen.

Sie würden beruhigt sein, ihn dafür respektieren und Beifall spenden.

Das schien ihm wichtig.

Wird das Ihr größter Hit?

Ich weiß nicht. Hoffentlich. Das hofft man bei jedem Film.

Der Film sollte nicht anders als die anderen werden.

Ich hatte nie vor, absichtlich einen massenkompatibleren Film zu drehen.

Divine bekam tolle Kritiken. Sogar von Pauline Kael vom "New Yorker".

Divine sagte immer: "Liest du noch mal Paulines Rezension vor?"

Die Rezension der "New York Times" überwältigte ihn.

Divine und John waren plötzlich im ganzen Land bekannt.

Ein ganz neues Publikum fand Geschmack an ihnen.

Das muss für Divine befriedigend und bestätigend gewesen sein.

Das war enorm.

Er war auf der Titelseite von "Interview".

Wenn er die Straße entlang ging,

hielten New Yorks Busfahrer an und baten um sein Autogramm.

Ich sprach mit Brandon Tartikoff über eine Serie für Divine,

weil "Hairspray" in Serie gehen sollte.

Man freut sich und hofft, dass da noch mehr kommt.

Und es kam mehr.

Er fühlte sich viel wohler mit sich selbst,

weil seine Fähigkeiten

ihn nach ganz oben gebracht hatten.

Er riss sich zusammen. Er aß gesünder

und kiffte nicht mehr. Er bekam sein Leben auf die Reihe.

Ich rief die Produzenten von "Eine schrecklich nette Familie" an

und bat sie um eine männliche Rolle für Divine.

Er bekam eine.

Das war so aufregend für ihn.

Sie bekam endlich das, was sie wollte:

Eine ernstzunehmende Rolle, einen gut bezahlten Sitcom-Job.

Einen Hit - Yippie!

Wir aßen zu Mittag.

Glenny aß Spaghetti und Austern. Er bestellte zwei Portionen Austern.

Er mochte sie roh.

Er musste mir versprechen zum Arzt zu gehen, weil er so dick war.

Wir gaben uns einen Abschiedskuss. Das war das letzte Mal, dass wir uns sahen.

Zum letzten Mal sah ich Divine,

als der Film rauskam und wir im Odeon aßen.

Wir hatten einen Wagen mit Fahrer.

Weiß nicht, wer den gezahlt hatte - wir nicht.

Ich gab ihm einen Abschiedskuss, überließ ihm die Limousine und sah ihn nie wieder.

Divine war Samstag angekommen

und sollte am Montag um 9 Uhr mit dem Serien-Dreh beginnen.

Er freute sich sehr darauf, am Set zu erscheinen.

Wir hatten einen tollen Abend. Er war bester Laune

und sehr zuversichtlich. Es war toll, Divine so zu erleben.

Nach dem Essen fuhr ich ihn heim zum Hollywood Boulevard.

Er kam raus auf den Balkon in einem "Lächel"-T-Shirt

und sang "Arrivederci Roma" - ein toller Anblick Divines.

Ich ging zu den Sunset Gower Studios, wo ich Divine um 9 Uhr treffen sollte.

Die übrige Besetzung, die Produzenten und alle waren auch da.

Dann wurde ich ans Telefon gerufen.

Bernard sagte, dass Divine gestorben sei.

Bernard sagte: "Er ist tot. Ihr müsst ins Hotel rüberkommen."

Der Raum war so einfühlsam hergerichtet.

Er hatte sein Drehbuch und trug seine Hauspantoffeln.

Seine Diamantstecker lagen auf dem Tisch.

Er lag flach auf dem Rücken.

Sehr gelassen und wunderschön.

Ich ging ans Telefon. John war dran: "Divine ist tot."

Ich bekam weiche Knie.

Er hatte nachts einen Herzinfarkt erlitten.

Pat Moran und meine Freunde kamen vorbei.

Wir saßen in meinem Schlafzimmer.

Das Telefon klingelte ununterbrochen und blockierte den AB.

Unten waren Reporter.

Der Schauspieler Harris Glenn Milstead starb im Schlaf in seinem Hotelzimmer.

Es war so traurig: Warum gerade jetzt?

Es hätte eine glückliche Zeit sein sollen.

Warum musste es ausgerechnet so kommen? Das war unbegreiflich.

Er war so glücklich.

Er hatte gesagt: "Kannst du unseren Erfolg fassen?"

Wir waren bestürzt von seinem Tod.

Ich habe den Schock nie verwunden.

Manchmal wache ich auf und bin immer noch ganz verblüfft.

Divi war so geistig,

so ausgeglichen, so friedlich und so liebevoll,

dass er mir wie ein Buddha vorkam.

Ich hatte Divi sehr gern, wie die meisten Leute.

Ich hätte es mir nie träumen lassen,

dass ich die Mutter von jemandem sein würde, den alle kennen

und mögen.

Wenn ich Briefe von jungen Menschen bekomme,

bin ich glücklich, dass Leute ihn gern hatten.

Er stand für viele Dinge, ohne das je gewollt zu haben.

Er war nicht so ein Möchtegern-Politiker.

Divine stand für alle Außenseiter.

Für jeden, der nicht ins Bild passte.

Er überspitzte das, was alle verabscheuten,

machte einen Stil daraus und gewann.

Niemand kann sich je wieder Divine nennen.

Das ist ihr Vermächtnis.

Sie hat es sich verdient und es ist verdammt noch mal ihres!

Das war wohl dieser Kindheitstraum.

Man denkt, dass das niemals passiert,

aber jetzt ist mir klar, dass nichts unmöglich ist.

Ich war auf der ganzen Welt, habe unglaubliche Leute getroffen

und es gibt noch so viel zu tun - nichts ist unmöglich.

Wenn du von so was träumst, tu es! Du könntest einer der Glücklichen sein.

Wenn du an etwas und an dich selbst glaubst, tu es.

In Erinnerung an Frances Milstead, "eine gÖttliche Mutter".

Untertitel: Dennis Tietz LSF Hamburg

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