All language subtitles for Der.Schinderhannes.1958.HDTVRip.German

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Original subtitles

Schinderhannes!

Die Moritat vom Schinderhannes:

Im Soonewald, im Soonewald steht manche dunkle Tann'.

Darunter liegt begraben bald ein braver Wandersmann.

(singt) ... ihr Brüder, was kann auch immer sein,

mein Schatz ist mir lieber als Schnaps oder Wein.

Verspiel dir die Sore, versauft jeden Knopf,

den Kopf nicht verlieren, sonst kost's euch den Kopf.

Den Sack voller Kröten, ein Krötchen im Bett,

vom Fasten und Beten ward keiner noch fett.

Ja, drunter und drüber, schenkt ein und schwenkt aus ...

Komm her. - Nein!

Non, nix Entree. - Das Hemd vom Hannes ist zerrissen.

Ich will es ihm nähen.

Er braucht nix Hemd in diesem Moment. Er hat zu tun, sans chemise.

Du schielige Dohl', dir werd ich helfen!

Dich da reinzuschleichen wie die falsche Katz!

Lass mich los!

(Die Männer lachen.)

Sie kommt nie wieder, das Bauernmensch,

das Miststück, das hinterfotzige. Du, was ist denn?

Wer ist das? - Spürhund, maskierter Gendarm.

Der hat im Wald rumgespitzelt. Auf der Rheinseite.

Und dann hat ihn die Wache geschnappt.

Er sagt, er weiß alles über dich

und aus deinem Kopf will er ein Geschäft machen.

Idiot. - Halt's Maul, ich mach dich kalt!

Selber Maul halten! Bind ihn los. - Herr Bückler, natürlich, Sie sind es.

Herrgott, welch prachtvoller Kopf! Was sich daraus machen lässt.

Was willst du? - Ihren Kopf ... Ich bin ein Maler.

Es ist meine Profession, berühmte Leute abzuzeichnen und zu stechen.

In Kupfer. Die Blätter werden auf Märkten verkauft.

Hier ein paar Arbeiten von meiner Hand.

Friedrich der Große, der preußische Alexander.

Die lange Nase, naturgetreu.

Washington, der die Amerikaner vom Sklaven-Joch befreit hat.

Robespierre, der Dämon der Französischen Revolution.

Napoleon, der Cäsar unserer Tage.

Und Camille Desmoulins, der Sänger der Barrikaden.

So was brauchen wir nicht. Und wenn, dann kaufen wir's nicht.

Aber Herr Bückler, ich will Ihnen nichts verkaufen.

Ich will Sie stechen. Sie sollen das nächste Blatt

meiner Serie großer Männer sein. - Ich?

Ein Riesengeschäft. Und ich beteilige Sie.

Einen halben Kreuzer pro Blatt. Was sagen Sie?

Was zahlst du denn Napoleon?

Der ist kein Spitzel, nur verrückt. - Ich schaff ihn weg.

Aber glauben Sie mir doch, Herr Bückler.

Die Leute wollen Sie sehen, die lieben Sie.

Wie Sie möchte jeder sein, wenn er nur könnte.

Ein Kind des Volkes, voll Kraft und Wagemut.

Ohne Respekt vor Gesetz und Obrigkeit.

Ein Kerl, der die Reichen schröpft und den Armen kein Haar krümmt.

Die haben nix, da gibt's auch nix zu schröpfen.

Das ist nicht der Grund. Sie haben ein Herz in der Brust.

Sie sind ein edler Mensch. - Hoch Hannes, der Edelmann!

Arsch-edel! Sein Herz ist so groß wie ein Weiberarsch.

Ich muss Sie malen!

Aber doch nicht in dem zerrissenen Hemd.

Ammi, hol mir den guten Rock, den Hut und die Doppelbüchse.

Mal doch das schöne Mädchen auch mit drauf.

Gott bewahre! Dann kaufen's die Weiber nicht.

Bei denen haben Sie nämlich ein besonderes Renommee.

Die erzählen sich Sachen von Ihnen, das ist beinah übernatürlich.

Übernatürlich. - Und was reden die Leute sonst?

Sie seien mit dem Teufel im Bunde.

Jede Kugel aus Ihrer Flinte treffe, Sie selber aber seien unverwundbar.

Sieh mal an. - Es gibt sogar ein Lied von Ihnen,

das die Bänkelsänger in den Wirtshäusern singen.

Sing's mal. - Ich bin nicht musikalisch.

Sing, eh ich dir die Zunge rausreiß! - Maul halten, verdammt!

Da kommt was auf der Straße! Wer hält Wache?

Hannes, du hast Ohren wie eine Fledermaus.

50 Reiter, Militär auf der Straße. Direction Rheinufer.

Franzosen? - Je ne crois pas.

Moment, pantalons blancs. Autrichiens!

Österreicher, Reichsarmee. - Ei, wie kommen die hierher?

Die Franzosen räumen das rechte Rheinufer.

Wissen Sie das nicht? Und das linke behalten sie.

Hier rücken wieder deutsche Fürsten ein und die Reichsarmee.

Es ist Frieden. - Komischer Friede.

Nichts als Soldaten im ganzen Land. Und Bettler.

Wie beurteilen Sie die politische Entwicklung? Wird es besser?

Die am Krieg verdienen, verdienen auch am Frieden.

Das ist die Politik. - Scheiß auf Politik.

Voller Bauch gut, leerer Bauch schlecht. Meine Politik.

Fertig. - Ein guter Steckbrief!

Was?

Was hast du da gesagt? - Ich steche genau nach dem Leben.

Aber doch nicht so genau, du ...

Du stichst mir nicht nach meinem Leben.

Bitte nicht, Herr Bückler.

Um Gottes willen, Sie verderben meinen Strich!

So! Und wenn ich den irgendwo ohne Bart seh,

dann mach ich dir Feuer unterm Arsch!

Merk dir das!

Hans Bast!

Salut! Bringst du meinen Wein?

(Sie reden durcheinander.)

Seid doch still!

Dem hier tun die Ohren weh und alles andere auch.

Wer ist denn das?

Komm, setz dich auf.

Als ich mit dem Wein über den Rhein gekommen bin,

bin ich nach Senkersbach. Da hab ich eine Braut.

Wo hast du keine? - Halt's Maul!

Das ist ihr Vater. Die haben ein Stückchen Acker und eine magere Kuh.

Dort sind die Franzosen abgezogen. Du kannst dir denken,

wie froh die Leute waren. Gleich haben sie alles rausgeholt,

was sie vor den Franzosen versteckt haben.

Auf einmal kommen neue Soldaten ins Dorf.

Die von der Reichsarmee zur Abwechslung.

Hör auf! Ich weiß, dass deine Rippen gebrochen sind, das muss ja wehtun.

Und mit den Soldaten kam auch Cleeve-Boost zurück.

Wer? - Der Reichsgraf von Cleeve-Boost,

dem die Gegend gehört. Er war vor den Franzosen getürmt.

Nun war er wieder da mit seiner Hundemeute.

Beamte, Lakaien, Büttel, Verwandte und sonstige Bagage.

Die Aristokratie kommt auf ihre Besitztümer zurück.

Maul halten! Na und? - Und wie der Herr sah,

was seine Bauern gerettet hatten,

siehe, da lobete er sie sehr für ihre Schlauheit und nahm ihnen alles fort.

Ei, so was! - Er nahm es ihnen weg?

Was sonst? Denkt ihr, der hätte denen was mitgebracht?

Sie wären es ihm schuldig, hat er gesagt. Weil sie keine Steuern,

Zehnten und Abgaben gezahlt hätten, als er fort war.

Und was habt ihr gemacht?

Als die meine Kuh holen wollten, bin ich mit dem Stock auf sie los.

Und was hast du geschrien, du Hornochs, du hirnschwundiger?

"Wenn die eigenen Herren schlimmer sind als fremde Soldaten,

wird's bei uns auch bald eine Revolution geben",

hab ich geschrien. "Wie in der Stadt Paris eine Guillotine

und lauter feine Herren ohne Köpfe", hab ich geschrien.

Und das ist dem Cleeve-Boost auf die Nerven gegangen.

50 Stockschläge. - Genau auf die Zahl.

Vor allen Leuten. - Na klar.

Heute Abend ist eine große Fete auf der Senkersburg.

Von überall kommen die Nobligkeiten zum Fressen, Saufen und Tanzen.

Wir haben auch lang nicht mehr getanzt.

Trinken Sie, Cleeve-Boost, das beruhigt.

Ich verstehe nicht, dass Sie sich beruhigen wollen.

Wir haben doch alle dasselbe erlebt.

Wenn wir diesem Volk nicht sofort mit äußerster Härte gegenübertreten,

geht es uns wie dem Adel von Frankreich.

Meine Herren, unsere Bauern sind doch keine Franzosen.

Denen rauchen manchmal die dicken Köpfe,

aber ein Feuer kommt da noch lange nicht heraus.

Die wollen Kartoffeln, Speck

und eine Obrigkeit, der sie gehorchen dürfen.

Machen Sie in Limburg, was Sie wollen.

Ich greife durch. - Wir sollten gemeinsam vorgehen.

Würdest du dich umziehen, ehe du hereinkommst?

Vater, ich war im Dorf, sie haben die Tochter des flüchtigen Bauern

ins Gefängnis geworfen. Sie hat nichts getan.

Sie hat seine Flucht begünstigt. Das ist Diebstahl. Er gehört mir.

Die Leibeigenschaft ist aufgehoben. Bauern sind Ihre Untertanen,

nicht Ihr Eigentum ... - Scher dich hinaus.

Mon cher cousin, du hast es nicht verlernt, Feste zu feiern.

Ich muss mit dir Tanzen. Musik! Eine Ecossaise!

Da ist der Kerl. - Du kennst ihn?

Wer war das? - Mein Sohn.

Gesindel.

Ich kann euch nur raten, schleunigst zu verschwinden.

Ich erwarte noch Gäste. Offiziere unter Waffen.

Pardon, dass ich Ihnen zu nahe trete, ohne vorgestellt zu sein.

Eigentlich müssten Sie mich ja noch kennen, Cleeve-Boost.

Nein?

Sie haben mich einmal auspeitschen lassen.

Wie den Bauern heute. Vor dem ganzen Dorf.

Ich war in der Lehre beim ... Metzger kann man es nicht nennen.

Es war der Abdecker. Der Schinder. - Schinderhannes.

Ich sollte einen Gaul abholen, den Sie zu Schande geritten haben.

Es war ein kalter Winter. Ich nahm zwei alte Pferdedecken mit.

Eine für den Gaul und eine für mich. Aus Ihrem Stall.

Ich hätte sie zurückgebracht. Ich war noch dumm.

Aber ich kam gar nicht dazu. Sie sagten, es wäre Diebstahl.

Wissen Sie, Durchlaucht, ein 14-jähriger Junge

hat manchmal die merkwürdigsten Ideen.

Ich hab mir damals gedacht:

Die Prügel will ich nicht umsonst haben.

Die will ich mir ehrlich verdienen. Ja.

Und jetzt hab ich sie mir abverdient.

Nur eins fehlt noch.

Darf ich Ihnen meine Freunde vorstellen?

Da ist der Benzel. Ein Steinbrecher aus dem Hunsrück. Schöne Gegend.

Nur hat er was Hässliches erlebt. In einer Nacht

ist ihm seine Frau und sein Brotherr gestorben.

Seine Frau vor Hunger. Und sein Herr,

weil er sich totgefressen hat. Traurig, was?

Und seitdem ist der arme Benzel nicht mehr ganz richtig im Kopf.

Er bildet sich nämlich ein, dass diese Welt ungerecht wäre.

Und er lässt sich's nicht ausreden!

Das da ist der Seibert.

Er hat's auf der Lunge wie alle Achat-Schleifer.

Er braucht gute Luft.

Aber ich sehe, ich langweile Sie.

Das da interessiert Sie vielleicht mehr.

Die Bauern holen sich ihr Eigentum zurück. Eigensinnig, was?

Ich hab es Ihnen geraten. Und das Volk hört auf mich.

Ihnen rate ich: Lassen Sie's dabei. Sonst komm ich wieder.

Und wenn Sie sich hinter der Regierung verstecken, ich treff Sie.

Das wär's. Auf die Offiziere unter Waffe können wir nicht warten.

(Sie reden durcheinander.)

Ach so, ihr meint, wir sollen uns was mitnehmen?

Als Souvenir an den schönen Abend?

Ein guter Gedanke.

Und wenn die Herrschaften behilflich sind, geht's wie geschmiert.

Musik! - Musik.

Aber mit Verstand. Nur, was sich verscherbeln lässt.

(Musik)

Der Graf und keine Uhr?

Hier.

Damit ich nix schuldig bleib, Graf.

Wie viel hatten Sie mir damals aufgebrummt?

Ich hab nämlich nach dem 20. Hieb nicht mehr gut mitzählen können.

Ach so, ja. Ihr gewohntes Maß, 50.

So wie heute. Also, Hans Bast.

50 Gepfefferte auf den Gräflichen.

Ja, vorm ganzen Dorf. - Nein.

Da ist ein kleiner türkischer Salon.

Da kann er sich hinterher ausruhen.

Mach die Tür zu. Mit Rücksicht auf die Damen.

Guck, du Affe!

Mademoiselle. Hab ich Sie sehr erschreckt?

Es hätte schlimmer sein können. - Schlimmer?

Vielleicht beim nächsten Mal.

Den Heldensohn nehmen wir mit als Geisel.

Allez! Vite! Übersetzen! - Warum so grimmig, Hannes?

Damit du sagen kannst, du bist gezwungen worden.

Ja, gut.

Was willst du denn hier? - Ich will mit. Ich bin deine.

Schau, bei dem Leben, das ich führe, kann ich keine Frau gebrauchen.

Und du brauchst mich nicht.

Ich hatte nur Männer, die man nicht brauchen kann.

Dann musst du was Besseres finden. - Du bist für mich richtig.

Für mich gibt's keine Richtige, darf es keine geben.

Und wenn mal eine käme, müsste ich laufen wie der Fuchs vor dem Hund.

Sonst fressen mich die Raben.

Was ist mit dem hier? Einen Stein um den Hals und ...

Hast du noch deine Mutter? - Nein.

Dann pass gut auf deinen Vater auf.

Sonst bist du bald ganz allein auf der Welt.

Los!

Hey, hey. - Nehmt mich mit.

Ich will nicht zurück zu meinem Vater. - Was?

Ich gehöre zu euch. Ihr macht, was unser Schiller geschrieben hat.

Habt Ihr nicht die Räuber gelesen? Seine Räuber?

Ich kann drei Kreuze schreiben. Das langt.

Dieser Ekel vor dem tintenklecksenden Säkulum.

Euer Geist dürstet nach Taten und euer Atem nach Freiheit.

Hans Bast, der junge Mann hat Fieber.

Nehmt mich mit. Euch will ich dienen, Herr Hauptmann.

Bürschchen, Bürschchen.

(Glockenläuten)

Morgen, Herr Domprobst. Morgen, Meister Leiendecker.

Wie gehen die Geschäfte? - Geschäfte?

Haben Sie nix anderes im Kopf nach der Kirche?

Man sagt halt ... - Los, in drei Stunden ist er da.

Guck sich einer die Pracht an. Und wer muss es bezahlen?

Seien Sie froh. Das Volk läuft sich die Hacken ab, um Napoleon zu sehen.

Und wer hat den Profit? Die Schuhmacher.

Mir kann er gestohlen bleiben, der kurze Korse.

Mit seinem blau-weiß-roten Ranzen. - Lassen Sie doch.

Sein Besuch ist wichtig für Mainz. Kommerz und Gewerbe blühen auf.

Eine Schande. Der ist Atheist. - Vorsicht.

Er ist nun mal unser Landesherr.

Der kleine Korse schafft Ordnung.

Bald kann man wieder sicher über Land fahren.

Ja, ja, Sie meinen das Geld.

Trinken wir ein Schöppchen? - Mit Vergnügen.

Danke. Nicht am heiligen Sonntag. Adieu.

Adieu.

Der hätte Protestant werden sollen.

(Fanfare)

(Fanfare)

Hannes. Bist du verrückt geworden?

Was machst du in Mainz? - Geschäfte mit Bruder Leiendecker.

Die Stadt wimmelt vor Gendarmen und Geheimpolizei.

Wie bist du reingekommen? - Von unten, wie immer. Mich kann jeder sehen.

Ich bin Jakob Ofenloch, ein Händler aus Hessen-Nassau.

Komm, trink ein Glas, Hannes. Dann mach dich fort.

Ehe sie dich fassen.

Ich hab gesagt, ich hab Geschäfte mit dir.

Du wirst staunen. Es ist schon alles unten im Bachkanal.

Nein, Hannes. Ich kauf nix Heißes mehr.

Es ist zu gefährlich geworden.

Die Zeit hat sich gedreht. Und ich bin ja kein Selbstmörder.

Wer hat das Spielchen angefangen? Ich dachte, du.

Und ich sage, wann es aus ist. - Du willst mir drohen?

Ich drohe dir nicht, ich mach dich reich. Gefährlich war es immer.

Aber von dir hab ich gelernt, wie man seine Spur verwischt. Komm.

Guck dir die Sore an.

Fertig.

Hey, Carl. - Hauptmann?

Alles rauf.

Hä? - Das sind die krummen Beine vom Benzel. Der steht Schmiere.

Hey, er klaut. - Der Ring gehört mir.

Das ist dasselbe Wappen. Der Ring gehört zur Sore.

Behalt ihn, Carl. Hab ich ihm geschenkt.

Nobler Hund. - Also, wie viel?

2000. - Für den ganzen Kram?

So reich mach ich dich nicht. - Ich hab Unkosten.

Ich halte den Kopf hin und muss teilen. Wir sind ein Haufen Leute.

Bist du mit der ganzen Bande hier? - Warum nicht?

Gut, 2500. Aber du musst so schnell wie möglich raus aus Mainz.

Sobald ich die 3000 hab.

Weil du's bist. Treib nie Handel mit deinem besten Freund.

Was ist das? - Das neue Geld.

Aus Papier? - Assignaten.

Haben die Franzosen eingeführt. Rheinische Gulden.

In Paris gestempelt und signiert. - Und du fällst darauf herein.

Geld darf nicht knistern. Geld muss klingen. Los, mach Musik.

(Marsch-Musik)

Der fürchterliche Räuberhauptmann Schinderhannes

frisch nach der Natur gestochen.

Sensationell, mit haarsträubender Beschreibung

von seiner letzten Dreistigkeit,

dem tollkühnen Überfall auf Schloss Senkersbach.

Einmalig in der rheinländischen Kriminalität.

Hier werden schauerliche Einzelheiten enthüllt.

Graf Cleeve-Boost nach heldenmütigem Widerstand

schwer verwundet, hintenrum.

Der Sohn des Grafen entführt und im Rhein ersäuft.

Sehen Sie ... Danke, der Herr.

Sehen Sie sich den wilden Vollbart an und Sie werden es verstehen.

Nein, Sie kriegen keins. Sie sind im siebten Monat.

Sie vergucken sich bloß.

Dass die Polizei so was erlaubt. Man muss sich schämen.

Der Herr hat ganz recht. - Und ob der recht hat.

(Verkäufer) Danke, der Herr. Der fürchterliche Schinderhannes ...

Ruf unsere Leute zusammen. In einer Stunde bei den Pferden.

Aber nüchtern.

Die Rechnung, ich muss weiter. - Herr Ofenloch.

Und wenn Napoleon nach Ihnen fragt?

Sag ihm, er kann mich untertänigst am Ärmel kratzen.

Das Lied vom Schinderhannes mit neuer Strophe.

(singt) Im Schneppebacher Forste, da geht der Teufel rumdibum,

der Hals voll schwarzer Borsten, und bringt die armen Kaufleut' um.

Das ist der Schinderhannes, der Lumpenhund, der Galgenstrick.

Der Schrecken jedes Mannes und auch der Weiberstück.

Im Soonewald, im Soonewald

steht eine dunkle Tann.

Darunter liegt begraben bald

ein braver Wandersmann.

Im Senkersbacher Schlosse, da geht der Teufel rumdibum.

Da kommt er hoch zu Rosse und legt die armen Weibsleut um.

Das ist der Schinderhannes, der Lumpenhund, der Galgenstrick.

Der Schrecken jedes Mannes und auch der Weiberstück.

Kennt ihr das Mädchen?

Das Julchen? Freilich kennen wir die.

Die drei sind oft bei uns im Hunsrück.

Ihr seid aus dem Hunsrück? - Ja.

Ist euch der alte Kaspar Bückler bekannt?

Von der Wiesmühl.

Der Raab ist ja aus dem Fischbachtal.

Das ist der Vater vom Schinderhannes. - Ach?

Da kommen immer Haussuchungen vor. - Ach?

Aber reden Sie nicht davon.

Ich dank dir schön.

Du bist auch kein richtiger Händler. - Warum glaubst du das?

Du hast nix Händlermäßiges um die Augen.

Komm, trink einen Schluck.

Der riecht gut. - Mhm, da geht einem das Herz auf.

Wenn's nicht schon offen ist.

Danke schön.

(singt) Das ist der Schinderhannes, der Lumpenhund, der Galgenstrick.

Gell, so geht's doch? - Gefällt dir das?

Das gefällt mir, was du singst.

Mir gefällt's nicht. Ich sing überhaupt nicht mehr lang.

Danke schön.

Immer für andere auftreten, das passt mir nicht.

Was willst du sonst anfangen?

Ich weiß nicht. Vielleicht tu ich heiraten.

Das glaub ich nicht. - Warum nicht?

Du hast nix Heiratsmäßiges um die Augen.

Ich glaube, du guckst zu viel von den Augen ab.

Julchen, bring die Taler her, dass ich mir einen Wein kaufen kann.

Gleich komm ich.

Dann trinkst du ein Glas Wein mit mir.

Vielleicht. - Gewiss!

Du weißt's ja genau.

Danke schön.

Die hat einen Hals wie süßer Rahm. - Schönes Mädchen.

Der Gendarm Adam will sie heiraten. - Pfui Teufel.

Was hast du denn? - Da war eine Mücke im Wein.

Was ist das für ein Gendarm? - Unserer, der von Wickenrodt.

Der Säukopp hat uns hergebracht.

Mit geladenem Gewehr. - Der musste halt. Wie wir.

Der Rotkopf und der Adam.

Wir mussten das Hartgeld im Hunsrück einsammeln und heute hier abliefern.

Die Fetzen haben wir dafür gekriegt. - Papiergeld aus Paris.

Das Tüpfelchen ist es wert von dem, was draufsteht.

Wo habt ihr das Hartgeld abgeliefert?

Ich pack meine Familie und mach nach Amerika.

Wenn ich wüsste, wo der ist, zu dem ging ich.

Der hat einen langen Sündenzettel, aber nur ihm kann man noch trauen.

Schrei nicht so! Aus dem ganzen Hunsrück, sagt ihr?

Wo habt ihr das Geld hingebracht? - Pardon. Kennen wir uns nicht?

Nicht dass ich wüsste. - Ich hab sie schon mal gesehen.

Im Rechtsrheinischen drüben. - Ich bin Handelsmann, ich komm rum.

Also, wo habt ihr's hingebracht? - In den Holzturm.

Wo das Kittchen ist und die Torwache. - Ah, in den Keller vom Holzturm.

Nein, oben in die Wachstube.

Die haben doch nix im Kopf als ihren Napoleon.

(Frau) Warum soll ich denn mitkommen?

Das ist meine Schwester Margaret.

Vom Krämer Ofenloch hab ich schon gehört.

Der hat sieben Bräute, sagt man. - Die gefallen mir nicht mehr.

Die wollen alle Gendarmen heiraten. - Das haben dir die Bauern gesteckt.

Ich hab's dir angesehen, dass du eine Gendarmenbraut bist. Setz dich.

Es ist noch nix fest.

Dann würde ich es festmachen, dass nix dazwischenkommt. Und du?

Du hast noch keinen, was?

Ich mag auch keinen. Die sind mir alle zu schlecht.

Da musst du zu mir kommen. Ich bring dich in ein Kloster.

Das wird ein schönes Kloster sein, wo der Teufel die Beichte hört.

Sie traut mir nix Gutes zu. - Du führst auch schlechte Rede.

Vorhin hast du mir besser gefallen. - Du mir auch. Ohne Gendarm.

Hannes, treib die Kühe nach Hause. Da hängt ein Gewitter am Himmel.

Du, ich denke, du heißt Jakob? - Ja. Ich heiß auch nicht Ofenloch.

Da, ich schenk dir was. Zum ewigen Andenken.

Der Fettarsch hat dich erkannt. Der holt die Gendarmen.

Sitzen bleiben, keiner rührt sich! Wir haben scharf geladen.

Wen wollt ihr fangen, Adam? Den Schinderhannes,

den Bückler Johann. Er hat ihn erkannt.

Hier war keiner, den ich nicht kenn. Jakob Ofenloch nennt er sich.

Also, zeigen Sie ihn uns.

Die Geldtasche! Unser Geld! - Der hat unser Geld gestohlen!

Der Ofenloch ist gerade raus, bevor ihr rein seid.

Weißt du das sicher? - Ich hab's gesehen.

Vite! Vite! Hinterher! 100 Gulden für den, der ihn fasst.

Das war er! Du, das war er!

Und hat gar keinen Bart gehabt.

(Er pfeift.)

Alles beisammen? - Oui, mon capitaine.

Aber ein bisschen illumine. - Halt's Maul.

Es gibt etwas zu tun.

Machen wir nicht wieder über den Rhein?

Jetzt, wo der Napoleon kommt?

(Sie spielen die Marseillaise und die Menge jubelt.)

(Der Jubel und die Musik enden.)

(Die Musik setzt wieder ein.)

(alle) Vivat! Vivat!

Da steht was.

Du, das sind die Fährhütten.

12. Nix sagen. Was soll denn das heißen?

Ich soll nachts um 12 bei den Fährhütten sein.

Du? Du hast doch den Adam.

Vivat!

(Er pfeift.)

Hm. - Hä?

Hm.

Das ist Carl. - Weiter? Wie heißt du hinten?

Hm ... Das sagt er nicht gern.

Sein Vater hat ihm nicht gutgetan.

Dafür kann doch der Bub nichts.

Ich hab's gewusst. - Was?

Dass du mich gemeint hast.

Ja. - Hier bin ich jetzt.

Ja.

(Gesang) Was scheint der Mond so hell

in dieser Nacht.

Zu meiner Liebsten, da muss ich gehen.

Das ist meine Schwester. Die singt.

Wer steht denn draußen

und will herein?

In deiner Kammer

da ist ein Bettelein.

Und darin schläft es sich

so gut zu zweit.

Willst du bei mir bleiben?

Ja. - Wir gehen in den Hunsrück morgen.

Kommst du mit?

Wenn du willst.

Lass. Zeig her. - Was?

Ob du lang lebst. - Nein, lass.

Warum? Es ist gut, wenn man's weiß. Eine Zigeunerin hat mir's gezeigt.

Da steht alles drinnen in der Hand.

Das braucht niemand zu wissen, was da drinsteht.

Was ist denn? - Nix ist.

Die Leute sagen, ich müsste aufs Schafott.

Aber ich glaub's nicht. - Ist das so schlecht, was du treibst?

Davon versteh ich nix. Das wissen die, die Gesetze machen.

Ich glaub, die irren sich manchmal. - Meinetwegen.

Ich werd sie nie fragen. - Du?

Hm? - Als ich dich zum ersten Mal gesehen hab,

hab ich mir gedacht, der hat's knüppeldick hinter den Ohren.

Der lügt wie ein Bürstenbinder.

Aber ich müsste ihm doch glauben. - Und was glaubst du jetzt?

Jetzt weiß ich es ja. - Was?

Dass ich lüg wie ein Bürstenbinder?

Nein, wie zwei Bürstenbinder und ein Viehhändler dazu.

Aber ich glaub dir, was die Leute auch sagen.

Kommst du mit? - Ja.

Da wohnt mein Vater.

(Er pfeift laut.) - Lass ihn schlafen.

Lass ihn doch. Es ist noch so früh.

Setz dich, Julchen.

So sieht man das Blut durch die Hand laufen.

Ah! Guten Morgen.

Kasper, steh auf. Da ist einer. Da ist einer.

Kannst du nicht zählen? Hier sind zwei.

Haderlump. Ist der auch noch frech.

Unzucht treiben in fremden Höfen, wo man keine Erlaubnis hat.

Gar kein Schamgefühl? - Vater, sei nicht so grimmig.

Der Hannes ist da.

Hannes. Ich hab ihn nicht erkannt. - Der Vater sieht nicht mehr richtig.

Da hat er sich ein Kind genommen aus dem Kreuznacher Spinnhaus.

Hannes.

Bist du wirklich ... Bist du wirklich da?

Nicht da. Hier.

Und das ist das Julchen, mein Weib.

Schön ist sie.

Das muss auch so sein bei einem Weib.

Das freut mich, dass du zufrieden bist.

Käthchen, komm raus! Lauf in die Wirtschaft, Schnaps und Tabak holen.

Was ist denn? Hast du Angst? - Nein.

Aber ich fürchte mich.

Die Kinder hierzulande glauben, er hätte es mit dem Teufel.

Du, das ist nicht wahr.

Oh, Julchen.

Du weißt doch am besten, mit wem ich's hab.

Genug geküsst. Komm, Julchen, Kaffee kochen.

Ich komm gleich nach. Da sind die anderen.

Brr!

Wartet.

Weiter nach Wickenrodt. Da gibt's was zu essen.

Carl, Bauer Raab soll die rufen, die das Geld abgegeben haben.

Auch die von den anderen Dörfern. Hier, die Liste.

Bleib, Carl.

Was?

Warum soll er denn bleiben?

Carl, du gehst.

Warte, ich komm mit. - Die Männer machen nicht mit.

Sie sagen, du kannst dein Geld verschenken.

Aber sie wollen einen Teil behalten. - Da steckt das Mensch dahinter.

Freilich. Die hat sich lange genug rumgetrieben.

Jetzt soll ihr der Hannes eine warme Stube kaufen.

Das Geld gehört nicht uns, sondern den Bauern.

Ihr wart einverstanden. - Wir haben es uns anders überlegt.

Wir waren besoffen.

Wer nicht will, kann gehen.

Kerle, die ihr Wort nicht halten,

finde ich an jedem Eckstein, wo der Hund pisst!

Wir verstehen dich nicht. Das ist es.

Weil ihr nix im Kopf habt!

Glaubt ihr, die werden die Hände in den Schoß legen in Mainz?

Nach dem, was wir angestellt haben, da geht die Treibjagd los!

Was nützt euch Geld, wenn ihr baumelt. Glotz nicht so!

Ja, du! Husaren-Philipp!

Wir brauchen sichere Höfe, Proviant!

Und Leute, die das Maul halten! Compris?

Wenn wir den Bauern im Hunsrück helfen, dann helfen die uns.

Und deshalb kriegen die ihr gutes Geld zurück.

Das ist ein Vater.

Halt, stehen bleiben. Wer bist du?

Julchen?

Geht rein und arretiert den Alten und wer sonst noch drin ist.

Julchen, was tust du denn hier?

Ich such eine Stelle. In der Mühle, die nicht mehr mahlt?

Ich hab gehört, hier wär was frei.

Drüben gab's nur Vorwürfe, dass wir keine reichen Herren bringen.

Und da läufst du einfach weg, statt einen Freund zu fragen?

Was ist denn das mit dir? Warum guckst du mich nicht an?

Hast du mich nicht mehr gern?

Eigentlich nicht.

Adam, wenn du mich gern hast, pack deine Leute und geh fort.

Ich komm nachher ins Dorf und sag dir alles.

Jetzt gleich will ich es wissen. - Ich hab jetzt keine Zeit.

Du kommst mit mir! Ich sorg für dich. Ich tu alles für dich.

Julchen, ich kann dich auch zwingen!

Du zwingst mich nicht. Hey! Wo bist du?

Ich wollte gerade Kaffee trinken. Ich seh ja gar nichts.

Julchen, wo bist du? - Hier bin ich.

Der kennt dich? Der Vater vom schlimmsten Gewaltverbrecher.

Da heißt es, er schröpft nur die Reichen.

Den Bauern aus dem Hunsrück hat er ihr Geld gestohlen. Gestern in Mainz.

Er kann doch nix machen! Legt ihm Handschellen an.

Du Schinder, Schinder! Handschellen!

Ich hab sieben Kinder. - Die wollen mich in Eisen legen.

Die Hundsvetter. - Ist das dein Gendarm?

Sag deinen Bleisoldaten, sie sollen ihre Kanönchen abgeben.

Ich hab hier nix mehr zu sagen. Für mich ist es aus.

Lass den Kopf nicht hängen.

Du kriegst schon wieder eine Pistole. Und eine Braut auch.

Julchen, komm mit mir. Der da ist dein Tod und Untergang.

Soll ich ihm neue Öffnungen bohren, dass er mehr Durchzug hat?

Na lauft, ihr Helden!

Halt! Der zweite von links hat einen falschen Tritt.

(Gesang)

Da kriegen die Bauern ihr Geld zurück.

Die freuen sich wie die Kinder.

Die haben es verdient. Die sollen nur Lärm machen.

Der Napoleon hört sie ja nicht.

Und wir zwei haben unseren stillen Winkel.

(Glockenläuten)

Was läutet ihr außer der Zeit und mit beiden Glocken?

Mach keinen Wind. Der ganze Hunsrück soll wissen, was es geschlagen hat.

Militär? Das ist Sache der Gendarmerie.

Es ist aber keine einfache Räuberbande!

Dieser Schwerverbrecher hat durch Zwang oder Überredung

die Bevölkerung des Hunsrücks hinter sich gebracht.

Er hat die Gendarmerie vertrieben und eine Armee aufgestellt.

Eine Armee aus Räubern und Bauern.

Und damit regiert er. Die Leute jubeln ihm zu.

Keiner zahlt mehr Steuern. Keiner muss mehr Soldat werden.

Einer ist so viel wert wie der andere.

(Er dolmetscht ins Französische.)

Er zieht die Französische Republik in den Kot,

indem er sie zu seinem Grundsatz macht:

Freiheit, Gleichheit ... Brüderlichkeit.

Krieg den Palästen, Friede den Hütten.

Das ist Aufruhr, das ist schlimmer als kriminell, das ist politisch.

Da muss ein Regiment Soldaten hin.

Gegen eine Handvoll Strauchdiebe? Wir machen uns lächerlich.

Wie konnte es so weit kommen, Herr Polizeidirektor?

Ich hab getan, was möglich war.

(Er sagt etwas auf Französisch.)

Wenn wir den Schinderhannes an der Spitze der Polizei hätten,

hätten Sie keinen Freistaat gründen können.

(Eine Kapelle spielt.)

Die von Griebelschied kommen auch. Die haben wir gerade getroffen.

Ja und? - Die sind jetzt schon besoffen.

Wo ist Hannes?

Jetzt pass mal auf.

Ich dachte, wer mit Julchen geht, kann nicht mal den Hammer heben.

Wir haben angeblich übernatürliche Kräfte.

Maul halten, alle zwei. Komm tanzen.

Nix da. Heute wird nicht geschossen.

Ich komme ganz aus der Übung. - Das könnte dir so passen.

Den armen Mann ruinieren.

Lass die Bauern schießen, die treffen wenigstens nix.

Kasper, bist du stolz auf deinen großen Sohn?

Möglich, dass wir ihn heute zum Grafen vom Hunsrück ausrufen.

Mein Sohn kann auf mich stolz sein. Ich hab ihn ja in die Welt gesetzt.

Vielleicht hat dir ein richtiger Graf dabei geholfen.

(lallt) Halt dein Maul! Du sprichst mit dem Vater vom Schinderhann...!

Ich hab nur gefragt.

Noch nie hatten wir so einen glücklichen Kirmestag.

Das können wir alles dem Hannes verdanken.

(Schreie)

Er bringt mich um! Er will mir ans Leben!

Er bringt mich um! Er will mir ans Leben!

(lallt) Ans Leben? Im Gegenteil. Ich mach dir noch eins dazu.

Komm her. Komm her.

Steck den Kerl in den Keller und bring mir den Schlüssel!

Na, wird's bald? - Wollen wir uns jetzt gegenseitig einsperren?

Dann ihr.

Lasst mich los! Ihr Dreckbauern sollt mich loslassen!

Was für eine Zeit, wo die Gesetzlosen das Gesetz aufrichten.

Los, spielt doch weiter.

Das ist bloß ein Kratzer. Es ist sonst nix passiert.

Komm, mach dir nix draus. Wir tanzen.

Wo ist der Carl? - In Bernkastel.

Ein Fass Wein holen. Sie sollten längst retour sein.

Wir sollen den Wein kaufen, nicht stehlen.

Er hat uns Geld mitgegeben. - Ach, halt's Maul.

Seht ihr jemanden? - Wie ausgestorben.

Klar. Die heiligen Brüder arbeiten im Weinberg.

Das sind ja fleißige Leute.

Das wäre eine Sünde, zu stören. Wir müssen uns selber bedienen.

Ob wir wollen oder nicht. - Nein.

Ich hab das Kommando vom Hannes. - Du hältst das Maul. Los, rein.

Wisst ihr, wie das Stück heißt? "Der sanfte Hannes".

(singt) Das ist der Schinderhannes,

der Lumpenhund, der Galgenstrick.

Der Schrecken jedes Mannes.

(singt) Und auch der Weiberstück.

Ich hab mich gefürchtet vor dir, als ich das gesungen hab.

Ich mich auch vor dir. - Bevor du mich gekannt hast?

Ich hab immer gedacht, wenn ich eine richtig lieb hab,

bringt mich das um.

Vielleicht tue ich's auch noch.

Da kommt der Husaren-Philipp. - Na endlich.

Wahrscheinlich besoffen.

Wo ist mein Wein? - Bitte schön, Wein?

Ach so, Wein. - Wo sind denn die anderen?

Das ist eine komische Geschichte. Erzähl ich später.

Wo die anderen sind, will ich wissen.

Das Pferd ist müde. Muss schlafen. Ich auch.

Raus mit der Sprache, du Lump!

Sitzen jetzt alle. Sitzen im Prison.

Sie wollten Wein aus dem Keller stehlen.

Da hab ich gesagt: "Nein."

Aber die Bande war dumm ... - Wo sitzen die?

Das heißt Bernkastel. Scheiß-Stadt.

Wenn die erfahren, wer die sind, dann ...

Das kommt davon. Was musst du den besten Wein saufen?

Halt's Maul. - Er wollte den Wein spendieren.

Na los, die Pistolen, wir hauen sie raus.

Was gibt es zu überlegen? - Maul halten.

Der Carl ist dabei, Hannes. - Ja, der Carl.

Trägt er noch den Ring mit Wappen. - Ja.

Das ist wie ein Steckbrief.

Wenn die das dem Vater schicken ... Herrje, der Vater.

Rasch, hol ein Pferd. Eins, das laufen kann.

Wo ist der gute Mantel? - Im Schrank beim Wirt.

Was hat er im Kopf?

Ich weiß nicht. Hast du nie Angst?

Um den Hannes? - Ja.

Nein. Dem Hannes passiert nix.

Attention, ihr Lümmel!

Wo ist euer Abt? - Der hat hohen Besuch.

Melden Sie mich. - Sehr wohl, euer Gnaden.

Wie ist der Name? - Reichsgraf Cleve-Boost.

Ja? - Wenn es beliebt.

Danke.

Bonjour, messieurs. - Da ist er! Schinderhannes!

Wache! Wir brauchen Ketten! Handschellen!

Meine Herren, wir können uns gratulieren. Wir haben ihn.

Sie haben Glück gehabt und er Courage.

Vernünftig, Durchlaucht, dass Sie mich alarmiert haben

und nicht erst untergeordnete Organe.

Wie klug, dass Sie den Ring des jungen Herren ...

Leg sie an, dass er sich nicht rühren kann!

Und was geschieht mit ihm?

Ihn möchte ich der väterlichen Obhut unterstellen.

Bedank dich für den Großmut!

Großmut? Es ist wohl politisch klüger, wenn keiner erfährt,

dass ein Aristokrat bei der Bande war.

Wachtmeister, schaff ihn nach Mainz! Den da schließ auf.

Nein, überlassen Sie das mir.

Und dem Couillon wird diese Schande eine Lehre sein.

(Schüsse)

(Schüsse)

(Schüsse)

(Schüsse)

Das muss die ganze Bande sein.

Hiergeblieben, ihr Angstschisser!

Wohin darf ich die Herren fahren?

Bürschchen. Du bist allein?

Jawohl, Herr Hauptmann.

Wo sind deine Handschellen? - Die trägt der Herr Papa.

Bürschchen, Bürschchen.

Los, zum alten Schmied!

Ah.

So, die kannst du zum Andenken als Uhrkette tragen.

Erst was zu trinken.

Voici, ich auch. Ich auch.

Ihr Waldräuber seid noch nicht an der Reihe.

Erst Danke sagen.

Danke schön. - Nicht mir.

Dem da.

Merci.

Das ist ja mein Bernkastler, den das Lumpenpack holen sollte.

Davon hab ich den Keller voll. - Wenn ich das gewusst hätte.

Hauptmann.

Hannes. - Julchen, was ist denn?

Wir lachen ja schon wieder. - Du warst gefangen.

Ich bin wieder frei.

An einem Faden hat's gehangen. - Solange es kein Strick ist.

Da, schmeck. Der hat unseren Wein im Keller.

Komm. Hier bleiben wir jetzt, bis das Fass leer ist.

Hannes, wir sind auch noch da.

(Schmiedegeräusche)

(Es klopft an der Tür.)

Hier, bitte. - Danke dir.

Er schläft noch. Das hat er verdient.

Du kannst ja schon anfangen.

Schon wach?

Bei dem Schmieden.

Hör doch. Das klingt wie eine Totenglocke.

Ja, so friedlich.

Komm, iss was.

(weinerlich) Ich hab keinen Hunger.

Was ist denn? Was hast du denn?

Was starrst du in den Nebel?

Wart ein Stündchen, dann steigt er.

Hannes, ich muss dir was sagen. - Hm?

Ich bleib nicht länger im Hunsrück. - Was?

Nix als Bauernköpfe und Banditen.

Da bin ich ganz was anderes gewöhnt.

Ein anderes Leben. - Du hast gesagt, das hat dir nicht gefallen.

Ach, was man so redet. - Es hat dir also doch gefallen?

Besser als das hier, ja.

Ich würde mir nix anderes wünschen, solange du dabei bist.

Hannes, das ist nicht wahr, was ich sag.

Ich wünsch mir auch nix anderes. Aber ich hab Angst.

Angst um dich. - Angst?

Ich hab wie alle geglaubt, dass dir nix passieren kann.

Dass dir die Ketten abfallen und dich keine Kugel treffen kann.

Außer sie wär Silber und am Gründonnerstag

nachts auf dem Kirchhof gegossen. Ich hab's geglaubt.

Aber jetzt weiß ich's besser.

Jetzt fürchte ich mich.

Jetzt möchte ich keinen Tag mehr länger hierbleiben.

Wo möchtest du denn hin mit mir?

Egal. Nur weit fort, wo dich keiner kennt.

Bei den Indianern oder Eskimos.

Mh, so weit müsste es ja gar nicht sein.

Würdest du mitgehen?

Manchmal denke ich, ich möchte auf ein Schiff gehen.

Das ist ein Leben. Den Rhein runter, die Mosel rauf.

Nach Frankreich, nach Holland, ans Meer.

Komm, wir laufen zum Rhein. Da gibt es genügend Boote und Kähne.

Du arbeitest als Fährmann und ich wasch Wäsche.

Das wär doch ein Anfang und du wärst frei.

Mh, umgucken könnte man sich ja mal.

(rhythmisches Trommeln)

Da.

Los, komm.

Mit Kanonen, jawohl! Sie rücken hierher.

Ein ganzes Bataillon muss das sein. Wenn es nicht mehr sind.

Der Hannes ist nicht da. - Der hat Wind bekommen.

Der hat sich davongemacht mit seinem Julchen.

Dir soll die Zunge verfaulen. - Der hat die Schäfchen im Trockenen.

Der hat mehr Geld, als wir wissen. In Holland lässt es sich leben.

Halt's Maul, du Stinkbock. - Auch gut.

Und wenn sie mit der ganzen Miliz und mehr Kanonen als Leuten kommen,

solange er hier nicht verraten wird, kriegt ihn keiner zu fassen.

Wenn er hier gehetzt wird, hat jeder ein Schlupfloch für ihn.

Was hilft das uns? Uns graben sie das Wasser ab, bis wir verrecken.

Mach auch mal das Maul auf. Oder ist dir der Heilige Geist ausgegangen?

Was nutzt das? - Noch können wir was retten.

Noch brennt das Haus nicht. - Meins brennt.

Sie haben die Ketten gefunden, die ich dem Hannes abgehämmert hab.

Da haben sie Feuer gelegt. - Was machen wir jetzt, Raab?

Weiß denn keiner einen Rat? - Der Hannes fehlt.

Lasset uns beten.

Herr, der du uns ärmsten der Armen

mit Wasser und Feuer wiedergetauft hast.

(Sie wiederholen es.)

Lass uns das Haupt hochheben gegen alle Verfolgung der Widersacher.

(Sie wiederholen es.)

Und nicht ablassen von unserem Glauben und Recht.

(Sie wiederholen es.)

Hannes! Hannes, hier sind wir.

Wir warten auf dich.

Da, guck.

Leiendecker.

Was willst du denn hier? - Hannes, hier.

Hier, 100 Gulden. Und Adressen von koscheren Leuten.

Reine Luft bis Holland. Jetzt fort, alle beide.

Hör auf ihn. Tu es.

Es ist aus, Hannes. - Ja, es ist aus.

Mit dem Plündern. Aber ich bin wach geworden.

Halt dich raus aus der Politik.

Dazu gehören größere Gauner als du.

Da, Hannes.

Hannes, ich muss dir was sagen. - Einen guten Morgen.

So früh schon im Wirtshaus?

Oder seid ihr noch von gestern hier?

Julchen, komm mal rein hier ans Feuer.

Komm, zieh den Rock aus.

Quatscht ja schon alles vor Nässe.

Na, ihr seid ja recht lebhaft hier, das muss ich schon sagen.

Zieh du auch die Stiefel aus. Warte, ich helf dir.

Na, habt ihr den Mistbullen schon aufs Feld gefahren?

Hannes, der will dir was melden.

Ja, ich hab schon gehört.

Aha. Carl, was ist denn mit dir?

Du siehst ja aus wie geschissener Apfelbrei.

Die Soldaten sind im Anmarsch. Die Soldaten kommen.

Ja, ich weiß. Das 3. Regiment zu Fuß.

Die ganze Mainzer Knüppelgarde. - Aber die kommen wegen uns.

Sie kommen wegen uns allen.

Ich weiß. Ich hab mit den Offizieren gesprochen.

Mich kennt ja keiner ohne Bart. - Was haben sie gesagt?

Zuerst müssen die Banditen weg, hat einer gesagt. Das sind wir.

Dann kann man die harten Bauernköpfe weichklopfen. Das seid ihr.

Die Hälfte muss Soldat werden,

damit die andere Hälfte nicht auf dumme Gedanken kommt.

Soldaten werden?

Eher mach ich über den Rhein rüber. Mit allen meinen Leuten.

Dass dich drüben der Preuße oder Österreicher in die Uniform steckt.

Hätten wir nur keine Kinder in die Welt gesetzt.

Wen sie nicht haben, den hängen sie nicht.

Oder wir gehen in den Odenwald, um dem Strick zu entgehen.

Lass doch mal den Hannes reden.

Wo hast du gesteckt die drei Tage?

(rhythmisches Trommeln)

Die müssen jetzt schon in der Nähe sein. Ich hör sie marschieren.

Hans Bast.

Wie viele Gewehre sind beisammen? - Hannes!

Na, Julchen, warum bist du denn so still?

Lass mich raufgehen. Ich bin müde.

Erst muss ich wissen, was du denkst. - Zu spät.

Du machst doch, was du willst. - Weil ich's machen muss!

Was schreist du denn so, wenn du recht hast?

Meine Sache ist sauber. Ich hab nix getan, was ich nicht wieder tät.

An meinen Händen klebt kein Blut.

Heute nicht. Aber morgen.

Morgen. Morgen.

Hannes, es geht nicht gut. Das geht nicht ohne Mord.

Das ist kein Mord. Das ist Totschlag.

Das schadet nix im offenen Kampf. Die fangen ja an.

Was du anfängst, ist Bürgerkrieg. Du wirst ihn verlieren.

Und du kannst ein Regiment nicht aufhalten.

Schweig! Das ist Männersache. Und die halten zu mir.

Die sind besoffen, wenn du sie nur anguckst.

Die springen auch von der Brücke, wenn du nur winkst.

Du willst mich nur kleinmachen. - Hannes.

Ich bin seit einem Jahr bei dir. Ich bereu davon keinen Tag.

Ich folge dir, wohin es geht. Ich hab auch gestern nix gesagt,

als du am Rhein umgekehrt bist,

als wir bei den Schiffern fragen wollten. Bloß jetzt ...

Du hebst aus der falschen Schulter. Du musst in die Knie brechen.

Ich spür's doch. Ich muss es ja spüren.

Weibergeheul! Scheiß-Angst, verfluchte!

Geh in deine Kammer! - Du jagst mich nicht weg!

Lass mich los!

Geh in deinen Krieg!

Ich will dich nicht mehr sehen.

Pack unser Zeug zusammen.

Ihr wisst alle, worum es geht.

Ich brauch nix mehr zu sagen.

Die Losung heißt Himmelhund! - (alle) Himmelhund!

Ich kann nicht weiter.

Da, iss.

Komm, gib her.

Das ist die Reichsarmee. Das sind doch Rechtsrheinische.

Was wollen die denn hier? Die dürfen hier doch nicht sein.

Gegen den Hannes halten sie alle zusammen.

Wir müssen zurück. - Es nutzt nix. Ich hab's versucht.

Er ist blind und taub. Komm.

Du hast ihn nicht lieb. Du denkst nur an dich.

Nicht an mich. Ans Kind.

Du kriegst ein Kind, Julchen?

(Schüsse)

Hörst du? - Mhm. Es wird schwächer. - Hier.

Wir können nicht noch mal stürmen. Der Hang ist zu steil.

Wir müssen heute raufkommen.

Wir können biwakieren und morgen früh angreifen.

Nein. Die Bauern kennen jeden Strauch.

Die schlagen uns nachts mit dem Dreschflegel tot. Angreifen!

(Fanfare)

Hannes, hörst du das, die blasen zum Rückzug.

Das konnte ich nicht wissen.

Was ist das? - Stürmt!

Führ die Bauern in den Wald. Ich halt sie auf, solange ich kann.

Julchen.

Julchen!

Julchen!

Wir kommen hier ...

Reden Sie mit den Offizieren. Die brennen sonst das Dorf nieder.

Sagen Sie, ich wär an allem schuld und habe die Bauern gezwungen.

Hannes, komm.

(Sie beten.)

(Schuss)

Hannes.

Im Arsch. - Wer fehlt?

Der Zughetto, der Rote Fink, der Schnallenpeter und ...

Und der.

Bürschchen.

Weiter.

Sind sie fort?

Ich werd kein Soldat. Eher hack ich mir selber die Hand ab.

So, ihr lebt noch?

Leben?

Und der Hannes?

Er kommt nur, wenn es dir recht ist, hat er gesagt.

Wir haben seit sieben Tagen nix gegessen. Nix im Bauch.

Geben darf ich euch nix. Das wär gegen das Gesetz.

Aber da im Schrank ist was drin.

Gegen Mundraub gibt es keine Sicherheit.

Deine Hand, Schauwecker. - Die ist voll Wagenschmiere.

(Er pfeift.)

War Benzel hier? - Der Schmied hat nix gesagt.

Der hat sich sicher als Soldat anwerben lassen.

Pfui Teufel! Dann soll er im Stehen verrecken. Im Strammstehen.

Recht hat er. Von mir aus soll es jeder von euch so machen.

Was? Soldat werden?

Es gibt keinen anderen Ausweg.

Seit drei Monaten lasst ihr euch mit mir herumhetzen.

Ihr habt hier nix mehr zu suchen. - Und was suchst du noch hier?

Hannes!

Vorne links. - Sollen wir ihn umlegen?

Du, komm her. Allein.

Ich will nur eins von dir: das Julchen.

Ich weiß nicht, wo sie ist. - Lüg nicht!

Wenn ich es wüsste, wär ich längst nicht mehr da.

Die hat gesehen, wie es kommt.

Wenn die mal fortgeht, kommt die nicht wieder.

Dann sind wir zwei quitt. - Und das da?

Das ist mir zu dreckig.

Aber wenn ich mein Pferd hol, müsst ihr verschwunden sein.

Geht in die Schluchten. Da ist die Luft besser.

Halt! Du hast falschen Tritt, Hauptmann.

Schau her, Hannes, wer da ist.

Der Benzel. - Der hat deinen Speck gefressen.

Ich dachte, du bist bei den Soldaten.

Ich? - Ich dachte.

Ich hab euch verloren. In der Nacht, als uns die Patrouille gejagt hat.

Ja. Und wie gut, dass ich euch verloren hab.

Denn dadurch hab ich jemanden gefunden.

Was redest du da?

Der kleine Benzel hat jemanden gefunden, den der große Hannes sucht.

Du hast sie gefunden? - Ich hab sie gefunden.

Ja, wo? - Da oben, eine halbe Stunde von hier.

Da ist ein Kornfeld. Da liegt sie.

Sie konnte nicht mehr. Margaret ist bei ihr.

Die Wehen haben schon angefangen.

Die Wehen. Habt ihr das gehört?

Habt ihr das gehört?

Schauwecker! Schauwecker! Hast du das gehört?

Das Julchen kriegt ein Kind.

Das Julchen kriegt ein Kind!

Julchen! - Hannes!

Hier sind wir!

(Babygeschrei)

Na, was ist es, Junge oder Mädchen? - Ein Bub natürlich.

Du hast ja noch nicht nachgeguckt. - Kein Bub?

Aber ja.

Und was für einer.

Ist es nicht viel zu klein? - Ach was.

Mir hat's gelangt. Der wiegt seine sieben Pfund.

Der ist von dir. Der hat deinen Dickkopf.

Hände weg! Der Jockel holt die Boote.

Glaubst du, du schaffst es? - Aber ja.

Mach dir wegen mir keine Sorgen. Wohin geht's denn?

Wo es gut ist. Wo wir leben können. Wo es weitergeht.

Wir haben so viel Platz auf der Welt.

(Fanfare)

Ergebt euch! Jeder Widerstand ist sinnlos!

Marsch!

(singt) Im goldenen Mainz am Rheine,

da steht ein Schafott.

Fall auf die Knie, du Räuber,

es fiel deine Seele zu Gott.

Das ist der Schinderhannes, der Lumpenhund, der Galgenstrick.

Der Schrecken jedes Mannes und auch der Weiberstück ...

Warum ist die Kasse geschlossen? Ich brauch Plätze ganz vorne.

Alles ausverkauft. Kein Platz zu haben.

Aber es steht doch erst seit einer Stunde fest.

Die besseren Plätze sind vorbestellt.

Wir haben über 10.000 Fremde in der Stadt.

Und die Einheimischen werden um ihr Vergnügen gebracht. Sauerei.

C'est facile.

Seulement ca. Et voila. C'est tout.

Und wo bleibt das goldene Handwerk? Köpfen ist eine Kunst.

Von uns hat jeder seine eigene Schlagseite, persönliche Handschrift.

Knöpfe drücken kann jeder. Da ist kein Leben drin.

Sauerkraut.

Ich möchte zum Delinquenten. - Ja, bitte.

Der Herr Kaplan ist da.

Pardon, Herr Kaplan.

Würden Sie zuerst zu der Frau gehen? - Zu welcher Frau?

Zu seiner. - Zu ...

Das ist nicht seine Frau. Das ist seine Kebse.

Was soll ich bei ihr? - Sie weiß noch nix.

Sie kennt das Urteil noch nicht? Sie sollten es ihr sagen.

Ich ...

Ich bring's nicht fertig. - Sie ist oben.

(Babygeschrei)

Das ist mein Kind. Darf ich zu ihm?

Gelobt sei Jesus Christus. - In Ewigkeit. Amen.

Darf ich zu ihm? Ist es gesund? Es ist bei bester Gesundheit.

Ja, Sie dürfen es sehen. - Ja?

Dann ist heute mein Urteil bestätigt?

Ja. Man wird Sie bald freilassen.

Frei?

Ganz frei komm ich? Ohne Zweifel.

Und er?

Was wird mit ihm? Sagt doch.

Das Todesurteil ist heute bestätigt worden.

Außer ihm trifft es 19 Mitgefangene. Auch seinen Vater.

Die Exekution wird morgen bei Sonnenaufgang stattfinden.

Da ist nix mehr zu hoffen.

Die Gefängnisleitung hat für ihn eine besondere Gnade erwirkt.

Er darf die letzten Stunden mit Ihnen verbringen. Allein.

Hier in meiner Kammer?

Man wird ihm sogar seine Ketten abnehmen.

Das ist gut.

Wenn Sie mich brauchen ...

Sagt ihm nicht, dass ich es weiß.

Bitte sagt es ihm nicht. Sonst wünsch ich mir nix.

Und wenn er mich fragt? - Dann lügst du eben.

Wollen Sie jetzt Ihr Kind sehen?

Nein, morgen.

(Die Tür wird abgeschlossen.)

Ah.

Weiß sie es?

Ich glaube.

Du sagst ihr kein Wort, sonst kannst du was erleben.

Johannes Bückler, ich will nicht hoffen ...

Sie haben geistlichen Beistand abgelehnt.

Sie wollen ohne Gott zum letzten Gang.

Ich will überhaupt nicht. Ich muss.

Ich muss Ihnen das heilige Buch überreichen.

Gib her. Wollen wir stechen?

Da kommt das närrischste Zeug raus.

Da, lies vor.

Jesus Sirach 38, Vers 19: "Denn vom Trauern kommet der Tod.

Und des Herzens Traurigkeit schwächet die Kräfte."

Denn vom Trauern kommet der Tod? Wenn das wahr ist, sterb ich nie.

Sie dürfen jetzt zu Ihrer ... - Was?

Zu Ihrer Frau.

Danke.

(Er spricht französisch mit deutschem Akzent.)

Sprich deutsch, wenn du mir was erzählst.

Französisch ist Amtssprache. Bon appetit.

Geht's gut? - Gut geht's.

Und dem Kind? - Ich war gerade bei ihm.

Es ist gewachsen und dick geworden. Du wirst staunen.

Du siehst aus, als kämst du frisch aus dem Hunsrück.

Es hat mir auch nix gefehlt außer die Freiheit.

Jetzt haben sie mir schon die Kette abgenommen.

Das ist ein gutes Zeichen, oder? - Ich glaub's auch.

Das hat was zu bedeuten.

Sicher.

Sonst wären die nicht so nobel zu uns.

Was die da alles hingestellt haben: Wein und Poulet.

Komm, setz dich. Lass es dir schmecken.

Zigarren.

Du auch, Julchen.

Eine schöne Stube. - Ja, Richtung Rhein.

Morgens hör ich die Bootsleute pfeifen.

Ganz weit sieht man die Fährhütte, wo wir das erste Mal ...

Aber ich muss mich auf den Schemel stellen.

Magst du Salat?

Willst du noch mit mir aufs Schiff gehen?

Vielleicht wird es mal. - Ja.

Alles ist möglich.

Willst du nicht essen? - Du musst anfangen.

Vergiss auch den Wein nicht.

Prost, Julchen, du sollst leben. - Du auch.

Wenn's vorbei ist, lass dir nix anmerken.

Das geht niemanden was an.

Trag deinen Kopf hoch und beiß die Zähne zusammen.

Du bist ja noch jung. - Ich bin ja noch jung.

Wir haben uns nie was vorgemacht. - Nein, nie.

Wir haben uns die Wahrheit an den Kopf geschmissen.

Auch wenn sie hart war wie ein Stein.

Und wir haben uns gezankt wie Hund und Hamster.

Und wenn die Haut dabei in Fetzen runtergegangen ist.

Das kann doch nicht alles aus sein und zu Ende.

Heute noch nicht.

(Musik von draußen)

Das haben sie jetzt schon im Leierkasten, unser Lied.

So rasch werden sie dich nicht vergessen.

Nein, das glaub ich nicht.

Kannst du es noch singen? - Ja.

(singt) Das ist der Schinderhannes,

der Lumpenhund, der Galgenstrick.

Der Schrecken jedes Mannes ...

(Die Musik endet.)

Der macht jetzt auch Schluss.

Es riecht nach Teer und Regen. Na ja.

Hannes.

Komm zu mir.

Nein.

Nein.

Doch.

(Es klopft an der Tür.)

Wer ist da?

Der Benzel. - Ach, was für ein Trost.

Ein guter Freund in schlechten Tagen. Komm rein.

Das wird sich erst herausstellen, ob ich ein Trost für dich bin.

Du hast uns 15 Jahre lang beschissen.

Geld her. Los, Geld. Ich will leben.

Und wenn ich dir nix geb? Dann verrätst du mich wie den Hannes?

Ich kann es mir nicht leisten, das Maul gratis zu halten.

Ich hab lang genug geschwiegen. Den ganzen Prozess lang. Also? Los.

Wenn du nicht auch auf die Guillotine willst.

Du kannst dir alles nehmen, was ich hab, aber tu das Ding weg.

Nein, nein. Ich bin so durcheinander im Kopf in letzter Zeit.

Ich muss was in der Hand haben. Sonst werd ich kribbelig.

Du anscheinend auch.

Ja.

Du sollst alles kriegen, was du brauchst.

Komm.

Halt mal.

Ach, das ist alles nicht so leicht.

Soll ich dir helfen? - Ja, schieb mal ein bisschen vor.

So, jetzt häng mir mal den Haken rein.

Ja.

(Glockenläuten)

Hannes.

Gerade ist die Sonne aufgegangen. - Mh.

Die Glocken läuten.

Ach ...

(Stimmen und Schritte von draußen)

Die holen schon die anderen.

Die haben mich doch nicht vergessen?

Ich hör schon ihre Stimmen.

19 Menschen, Julchen.

19 Menschen.

Ich wollt, ich könnt die Zwanzigste sein, mit dir.

Nein.

(Jemand schließt die Tür auf.)

Allez vite. Fertig machen.

Nicht so hastig, ihr Blei-Soldaten.

Ehe wir nicht da sind, können die nicht anfangen.

(stetiges Glockenläuten)

(Er seufzt.)

Hannes, Hannes, weißt du es schon?

15.000 Leute sind gekommen.

15.000.

Hast du es gehört, Julchen?

15.000 Leute sind gekommen.

Mehr als beim Napoleon.

(Kettenrasseln auf der Treppe)

Hannes, wir stehen.

Die Losung heißt "Himmelhund".

Mit euch bin ich überall gern hingegangen.

Aber den Gang hätt ich lieber allein gemacht.

Viele Füße marschieren besser, Hauptmann.

(hustet) Ich hätt es sowieso nimmer lang gemacht.

Es bläst ein frischer Rhein-Wind.

Wir werden keine Kopfschmerzen kriegen.

Alors.

Hannes, dem Husaren-Philipp ist schlecht geworden.

Stützt ihn, dass die Leute nix merken.

(singen) Das ist der Schinderhannes,

der Lumpenhund, der Galgenstrick.

Der Schrecken jedes Mannes

und auch der Weiberstück.

Im Soonewald, im Soonewald

steht manche dunkle Tann'.

Darunter liegt begraben bald,

ein braver Wandersmann.

Das ist der Schinderhannes,

der Lumpenhund, der Galgenstrick.

Ich bin sein Vater, der Vater vom Schinderhannes.

(singen) Im Soonewald, im Soonewald

steht manche dunkle Tann'.

Darunter liegt begraben ...

(Trommelwirbel)

Johannes Bückler von Wiesmühl, genannt der Schinderhannes,

53 verschiedener Verbrechen angeschuldigt,

welche er teils allein, teils im Komplott begangen hat,

im letzten Fall war er in der Regel der Anstifter,

wird gemäß des Artikels 83 des Code Penal

zum Tode durch Enthauptung verurteilt.

Und vom Trauern kommet der Tod.

Und des Herzens Traurigkeit schwächet die Kräfte.

Das hätten Sie ihm sagen sollen.

Das hätt ihm gefallen.

Er hat es mir gesagt.

Und des Herzens Traurigkeit schwächet die Kräfte.

Das ist schön.

Haben Sie gehört?

15.000 Leute sind gekommen.

Mehr als beim Napoleon.

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