Afrikaans
Akan
Albanian
Amharic
Arabic
Armenian
Azerbaijani
Basque
Belarusian
Bemba
Bengali
Bihari
Bosnian
Breton
Bulgarian
Cambodian
Catalan
Cebuano
Cherokee
Chichewa
Chinese (Simplified)
Chinese (Traditional)
Corsican
Croatian
Czech
Dutch
English
Esperanto
Estonian
Ewe
Faroese
Filipino
Finnish
French
Frisian
Ga
Galician
Georgian
German
Greek
Guarani
Gujarati
Haitian Creole
Hausa
Hawaiian
Hebrew
Hindi
Hmong
Hungarian
Icelandic
Igbo
Indonesian
Interlingua
Irish
Italian
Japanese
Javanese
Kannada
Kazakh
Kinyarwanda
Kirundi
Kongo
Korean
Krio (Sierra Leone)
Kurdish
Kurdish (Soranî)
Kyrgyz
Laothian
Latin
Latvian
Lingala
Lithuanian
Lozi
Luganda
Luo
Luxembourgish
Macedonian
Malagasy
Malay
Malayalam
Maltese
Maori
Marathi
Mauritian Creole
Moldavian
Mongolian
Myanmar (Burmese)
Montenegrin
Nepali
Nigerian Pidgin
Northern Sotho
Norwegian
Norwegian (Nynorsk)
Occitan
Oriya
Oromo
Pashto
Persian
Polish
Portuguese (Brazil)
Portuguese (Portugal)
Punjabi
Quechua
Romanian
Romansh
Runyakitara
Russian
Samoan
Scots Gaelic
Serbian
Serbo-Croatian
Sesotho
Setswana
Seychellois Creole
Shona
Sindhi
Sinhalese
Slovak
Slovenian
Somali
Spanish
Spanish (Latin American)
Sundanese
Swahili
Swedish
Tajik
Tamil
Tatar
Telugu
Thai
Tigrinya
Tonga
Tshiluba
Tumbuka
Turkish
Turkmen
Twi
Uighur
Ukrainian
Urdu
Uzbek
Vietnamese
Welsh
Wolof
Xhosa
Yiddish
Yoruba
Zulu
Deutschland im Herbst 1989.
Während ein Land dabei ist, über den Rausch der Ereignisse alles andere zu
vergessen, macht sich Marilena Volkmann aus dem Westen auf, ihre kranke Mutter
in der alten mecklenburgischen Heimat im Osten zu besuchen und verliert sich
dabei zusehends in ihren Erinnerungen.
Das letzte Kriegsjahr, das sie mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester Marga
im Haus der Familie Meissner erlebt.
Der alte Meisner, der immer Märchen erzählt, ihr den Vater ersetzt, nachdem
sie sich sehnt, und der nach Kriegsende nicht mehr zu seiner Familie
zurückkommt, im Westen bleibt.
Die Mutter heiratet wieder.
Die Mädchen wachsen heran.
Aber während Marga brav zu studieren beginnt, will Marilena die Schule
verlassen. Sie besucht, so oft sie kann, den Vater in West-Berlin.
Und immer stärker wird ihr Wunsch, bei ihm zu bleiben.
Marilenas Kontakt zu ihrer im Osten gebliebenen Familie, Mutter, Stiefvater
Helmut und Nichte Monika, hat sich seit 1961 auf einige wenige Besuche
reduziert. Ihre Schwester Marga hat sie seit fast 30 Jahren nicht mehr gesehen.
Die Schauplätze ihrer Erinnerungen scheinen sich nicht verändert zu haben.
Und doch ist nichts mehr so, wie es war.
Nach ihrer Reise steht Marilena Volkmann am Abend vor dem Haus, in dem sie
aufgewachsen ist, als man sie noch Marlenecken nannte.
Guten Abend, Marga.
Guten Abend.
Da bist du ja.
Ich wollte gerade gehen.
Wie geht's dir denn?
Also in der Nacht vom Dienstag.
Nee, Montag. Nein, Dienstag auf Mittwoch war's. Da habe ich gedacht, jetzt ist es
zu Ende. Sie hat uns ja schon nicht mehr erkannt und überhaupt, das sah gar nicht
gut aus. Und dann, weißt du, liebe Himmel, wie hat sie sich rasend schnell
wieder aufgerafft.
Unsere Mutter ist ein echtes Phänomen, Marilena.
Jetzt kann sie schon wieder sprechen und alleine aufs Klo gehen kann sie auch
schon wieder. Dafür sind wir alle dankbar. Das war nämlich nicht schön.
Naja, und terrorisieren, du weißt ja, das geht auch schon wieder ganz gut.
Also das Telegramm hätte ich dir gar nicht schicken brauchen.
Ich bin trotzdem froh, dass ich da bin.
Es gibt jetzt aber eine Überraschung.
Wir haben ja nämlich nicht gesagt, dass du kommst.
Warum nicht?
Wahnsinn!
Die sind einfach tolternd, Marilena. Danke.
Du kannst kommen, Madame ist empfangsbereit.
Ich habe immer gesagt, sie kommt.
Er hat es nicht geglaubt.
Aber jetzt ist sie da.
Was sagst du?
Bring noch einen Wein mit aus dem Keller.
Saufen.
Das kann er.
Das ist das Einzige.
Gib mal her, Opa.
Hey, was soll das?
Du kriegst es gleich wieder. Ich zeige es nur schnell der Omi.
Wer hat eigentlich die Fotos gemacht?
Du?
Das sind doch ganz gewöhnliche Fotos. Ich denke, du bist Kunstfotograf.
Guck mal, Omi.
Danke.
Du weißt doch, dass Tante Marilina ein Fotojournalistin ist. Das weißt du doch.
Lass ihn, lass ihn doch.
Fotojournalist.
Das hätte ich auch werden können.
Wer ist das?
Das ist Jonas, Mutter. Und das ist Mischa.
Jonas.
Mischa.
Im Krieg hatte ich eine Leidkarte.
Da habe ich eine Menge Aufnahmen mitgemacht, die man nicht fotografieren
durfte.
Sogar ins KZ habe ich die mit reingeschmuggelt und habe Kopf und
Kragen riskiert.
Und zuletzt habe ich alles vergraben.
Die Leica und die Filme unter der Krankenbaracke hinten links.
Das ist das Einzige,
dass mich an eurem Besten interessieren könnte.
Dass ich da mal nachgucken müsste.
Da im Dachau.
Ich werde für dich nachgucken, Opa.
Wo bleibt denn das Bier, Marga?
Ich komme ja gleich, Vater.
Mir war gut verpackt, die Leica.
In der Blechbüchse.
Und die habe ich noch mit Öllappen umwickelt.
Das ist mein Egon.
Mein Egon nochmal.
Meine Mutter, das ist Jonas.
Wenn sich die Fotos noch entwickeln ließen, das wären historische Dokumente.
Von einmaligem Wert wären das.
Jawohl!
Er sieht aber aus wie Egon.
Mein Egon war ein schöner Mann.
Ich kann dich heute nicht zum Übergang bringen, Marilena.
Ich habe einen wichtigen Termin um fünf.
Macht nicht. Dann fahr ich mit der S-Bahn rüber.
Das nächste Mal bringe ich das Fahrrad mit. Ich habe Franziska versprochen,
dass wir eine Radtour machen.
Du solltest deine Besuche hier im Westen nicht zur Gewohnheit werden lassen.
Ich sag das in deinem Interesse.
Marilena, kommst du? Wir wollen ansloten.
Wo ist denn mein Bier?
Ach, lass doch jetzt dein Bier, das Grimm-Sekt, Vater, den magst du doch.
Sekt auf Bier, das rate ich dir.
Marilena, kennst du den Unterschied zwischen einer Waschmaschine und unserem
Politbüro? Vater, nicht schon wieder.
Die Waschmaschine kannst du entkalken.
Das Politbüro... Das Politbüro auch.
Wir haben es ja nun erlebt.
Auf dich, Mama.
Wir trinken darauf, dass du ganz schnell wieder gesund wirst.
Ach.
Auf deinen Besuch, Tante Marilina.
Ich bin nämlich froh, dass ich dich endlich ein bisschen näher kennenlerne.
Ich freue mich auch, Moni. Ich fürchte, die Freude meiner Tochter hat ganz
handfeste Gründe.
Wieso? Naja, wer sich bei euch mal richtig umgruppen will, der braucht eine
billige Adresse, Schwesterherz.
Du bist gemein, Mama.
Na, ist doch wahr.
Für den Begrüßungshoney kannst du dir doch drüben nicht mal eine Übernachtung
leisten.
Und ab nächstem Jahr gibt es ihn sowieso nicht mehr.
Deine Jungen hättest du mitbringen sollen.
Was machen die überhaupt?
Ach, die wohnen gar nicht mehr zu Hause.
Zu Hause wohnen zu Hause.
Nicht zu Hause.
Dann sind sie arbeitslos.
Dann hätten sie erst recht kommen müssen.
Weil Arbeit gibt es bei uns mehr als genug.
Das wäre doch ein Vorschlag.
Für jeden Abgehauenen schickt er uns einen von euren Arbeitslosen. Halt den
Mund, Monika.
Du musst lauter sprechen, er versteht dich nicht.
Ich komme mir vor wie bei Opa Meisner.
Nein, die sind nicht arbeitslos.
Jonas studiert Mathematik und Micha macht gerade eine Lehre als Tischler. Er
hat sein Studium abgebrochen.
Leider.
Leider geht es immer weiter.
Eine große Klappe ist manchmal nur aus Pappen.
Noch ein Tröpfchen für das Kröpfchen.
Was bist du so geistig, Marga?
Wichtig kommt deine Schwester nicht jeden Tag zu Besuch.
Du solltest jetzt ins Bett gehen, Vater.
Nee.
Hast du es gehört?
Im Westen fliegst du auch von der Universität, wenn du das Maul zu weit
aufreißt. Nicht nur bei uns.
Das ist kein Thema mehr, das hast du mir versprochen.
Michael ist gar nicht geflogen.
Er hatte keine Lust mehr.
Immerhin hatte sie alle Chancen. Oder soll ich ihr erzählen, wo deine
Tochter gelandet ist?
Alle Chancen hatte sie in unserem Staat.
Alle.
Jawohl.
Okay, Sie haben mich geäxt. Vor einem Jahr ist das gewesen.
Inzwischen würden Sie mich mit Kusshand wieder nehmen. Will ich aber nicht.
Ich dekoriere Schaufenster und das macht mir Spaß.
Und mein Chef macht jeden Morgen Bückling vor mir, weil ich noch da bin.
Ist auch was wert. Ich kann nämlich dekorieren, wie ich will.
Künstler verstehen eben nicht von Politik.
Und wenn die nicht sich eingemischt hätten, dann hätten wir das ganze
Kuddelmuddel nicht.
Jawohl!
Wir müssen jetzt Schluss machen.
Hier ist mein Glas.
Moni, lass doch jetzt.
Mutter.
Was machst du denn?
Komm, hilf mir beim Abräumen.
Mein Egon hat nie Alkohol getrunken.
Nie.
Mama.
Mein Egon Fein.
Wunderbar, Mann.
Ich habe nichts anderes.
Beklag dich bei deinem Vater. Der hat dich aus deiner Verantwortung gestohlen,
nicht ich.
Seine Freundin hätte besucht, aber den Weg zu uns hat er nicht gefunden.
Mit ein paar lächerlichen Scheinen.
Wollte sich aus der Affäre einig sein.
Ah,
diese Dreckgau. Daran ist nur Ehrschwein. Könnte ich nur bloß nicht
heiraten. Dieses Schwein. Kennst du den?
Erich. Oh Gott, nein.
Unser Erich hat Ausgang von seinem Alterzeiten.
Klar?
Also, er läuft durch die Straße.
Alles ist taghell.
Und kein Mensch weit und breit.
Dann denkst du, gehst du zum Brandenburger Tor.
Am Brandenburger Tor ist alles taghell. Eine Lichterflut.
Und wieder kein Mensch zu sehen. Aber an einer Säule
liegt ein Zettel.
Und weißt du, was da draufsteht? Der Letzte macht das Licht aus.
Na, was machst du, Mädchen? Kennst du den?
Mach das Licht aus.
Wir sind alle drüben.
Nun ist gut, Vater. Der Erich ist schon nicht mehr aktuell.
Für Witze ist der noch immer gut.
Wir werden sowieso bald alle wieder zurückkommen.
Denkt an meine Worte.
Ja, Vater.
Aber jetzt gehen wir schlafen.
Geht's?
Marilena. Na?
Mein Ego, der hat nie getrunken. Wie?
40 Jahre hat sie ihn überhaupt nicht erwähnt. Und nun auf einmal, als ob da
ein Schalter angeknipst wurde.
Richtig peinlich.
Glaubst du jetzt, dass es wegen der offenen Grenzen ist?
Quatsch, davon hat sie gar nichts mitgekriegt. Das ist der Schlaganfall.
Seitdem die Sprache wieder da ist, redet sie von ihrem Egon.
Und redet und redet. Einen besseren Ehemann hat es nie gegeben.
Wie gut, dass du schwerhörig bist.
Wie peckig du bist, Tante Marilena.
Der Erich.
Also, der Erich, der war mir auch gar nicht so schlecht.
Was der für die Wohnungen.
Und der Egon, der ist ja auch schon nicht mehr aktuell.
Egon, Egon, Egon.
Richtig verstehen.
Ich bin nicht scharf auf Bayern-Westen.
Und wenn sie alle rüber machen.
Den sehe ich doch jeden Abend im Fernsehen.
Das reicht mir, Dicke.
Da kriege ich doch jeden Abend vorgeführt, dass der alte Markt...
Appelliert doch an die niedrigsten Instinkte im Menschen.
Appelliert er.
Das ist doch einer des anderen Wolfs. Und ein
ganzer Luxus, der ist doch nur dazu da, die Menschen...
Komm, wir müssen heute wieder rein.
Rein und raus.
Nee, Quatsch. Raus und rein.
Dann wünsche ich den Damen eine angenehme Nacht.
Gute Nacht, Vater.
Rein und raus und raus und rein und raus.
Morgen wird er lange schlafen. So spät ist es er nicht gewöhnt.
Komm.
Das war ein starker Abgang.
Deswegen braucht es ihn doch nicht nach dem Mund zu reden.
Wieso?
Er hat doch recht.
Es wird furchtbar werden, wenn sie sich auf euch stürzen.
Unsere spekulanten Heinis und Geschäftsbacher.
Sie stehen doch jetzt schon in den Startlöchern und warten auf den Anfiff.
mir nicht so an.
Ich habe nicht eine Mark schwarz getauscht, weil ich das widerlich finde.
Alles noch so wie früher.
Sogar das Quietschen der Matratze.
Warum haben wir uns eigentlich 28 Jahre nicht gesehen?
Damals war das meine eigene Entscheidung.
Ich habe eben geglaubt, es wäre richtig.
Die eigene Schwester nicht mehr zu sehen, da weißt du.
Darum ging es doch nicht.
Es ging darum, alle Westkontakte zu vermeiden.
Mir erschien das richtig.
Vielleicht war es das ja auch.
Du, das lasse ich mal lieber.
Wann soll ich denn das anziehen?
In der Schule ist es unmöglich. Die Kollegen denken doch, jetzt ist sie
verrückt geworden, die Olle.
Jetzt macht sie aufs zweite Frühling.
Wie wird es denn damit?
Das ist alles nicht so einfach, weißt du.
Mal probieren.
Das nächste Mal, wenn ich wiederkomme, dann weiß ich besser, was du gebrauchen
kannst.
Ach Mensch, ich vergesse ja immer, dass du jetzt selbst kommen kannst.
Wirst du kommen?
Komisch, ich habe immer geglaubt, eine Partei hätte dir verboten, mich zu
sehen.
Steht dir gut, wirklich schön.
Mir hat keiner was verboten.
Das war eine freiwillige Verpflichtung.
Warum sagst du jetzt immer noch, dass es vielleicht richtig gewesen wäre?
Wegen der Beeinflussung.
Guck sie dir doch an, sie sind doch alle wie besoffen.
Brauchst du doch nur meine Tochter ansehen.
Monika? Also das kann ich nicht finden.
Irgendwie passt die nicht.
Komm doch hier, pass mal auf. Das ist so.
Hier ist ein Schwips.
Und da ist ein Knopf.
Das ist ein Designermodell. Das fällt ganz toll.
Das ist wieder mal so ein Partnermodell.
Wenn du keinen hast, der gerne an dir rumfummelt, kannst du sowas nicht
anziehen.
Das schaffst du schon noch alleine.
Ich hab's auch alleine geschafft.
Hast du?
Wirklich?
Nicht ganz.
Aber fast immer.
Sehr praktisch ist die nicht.
Du wirst dich ja nicht gerade zur Gymnastikstunde anziehen.
Hier.
Kriech mal in diese Hose. Die habe ich immer angezogen dazu.
Was hältst du davon, wenn du hier heute Abend übernacht bist?
Vielleicht. In der Alkoholkontrolle dürfte ich sowieso nicht kommen.
Weißt du noch, wie früher, wenn ich aufgewacht bin und nur deinen blonden
Haarschopf gesehen habe?
Meine Haare werden grau. Meine auch, ich färbe sie eben.
Und dazu habe ich keine Zeit.
Also das ist vergebliche Liebesmüll.
Runter damit.
Was ist denn?
Habe ich was Falsches gesagt, Marga?
So ein Quatsch.
Was muss ich auch deine abgelegten Klamotten probieren?
Habe ich das nötig?
Ich kann mir kaufen, was ich brauche.
Wenn ich was brauche. Ich wollte dich wirklich nicht kränken.
Entschuldige.
Haare färben.
Designermodelle.
Du hast kein Zimmer, wie mein Leben aussieht.
Ja, das stimmt.
Wir wissen nichts voneinander.
Was nur die Schule wäre.
Konferenzen.
Fortbildungsveranstaltungen.
Parteiarbeit. Inzwischen kann ich denen richtig dankbar sein, dass sie mich als
Parteisekretär gekippt haben.
Vergiss das nicht mehr.
Vergiss es.
An der Funktion hänge ich sowieso nicht mehr.
Politik habe ich aufgegeben.
Mein größtes Problem sind die Eltern.
Da weiß ich mir langsam keinen Rat mehr.
Für jetzt war es nur Helmut mit seiner Alterssignalität.
Aber jetzt auch noch Mama.
Ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll.
Kleider probieren.
Völlig idiotisch kommt mir das vor.
Ich habe wirklich andere Sorgen.
Moni zum Beispiel.
Ich will nicht, dass sie abhaut.
Sie kann aber auch nicht ewig in dem Kleinstadtmief hier rumhocken.
Es reicht schon, dass Mama es geschafft hat, mich ein Leben lang hier
festzuhalten. Ach verdammt, jetzt kriege ich die blöde Bluse nicht auf.
Was meinst du denn mit ihr festhalten?
Was ich damit meine?
Seit Jahrzehnten erpresst sie mich damit, dass sie zu dir rüberzieht, falls
ich mich nicht um sie kümmere.
Was? Davon weiß ich ja gar nichts.
Dafür habe ich pausenlos zu hören gekriegt, wie wundervoll du lebst, wie
luxuriös und geschmackvoll deine Wohnung eingerichtet ist. Ach du meine Güte.
Und das wunderbare Fotoatelier.
Und was für eine große Künstlerin du bist und pipapo und tralala.
Vor fünf Jahren hätte ich nach Leipzig gehen können, als russisch Dozentin an
die Hardika, da sie sich umbringen wollen.
Und jetzt, ich muss sie wickeln wie ein Kind.
Was soll ich bloß machen?
Was soll ich bloß machen?
Es ist gut, dass du das gesagt hast.
Wir müssen uns was einfallen lassen.
Wir?
Ich muss mir was einfallen lassen?
Du bist doch schon lange raus aus dem Spiel.
Hat sich der Schokoladenseite angedient.
Verdammt, was willst du eigentlich?
Vielleicht geht das in deinen Schädel rein, dass ich dir helfen will.
Wir müssen eine Pflegekraft engagieren. Eine Pflegekraft?
Vielleicht schaust du mal in einen von euren Krankenhäusern.
Dahin sind sie nämlich entschwunden, unsere Pflegekräfte. Falls wir überhaupt
je welche hatten.
Ich muss nach Hause.
Meine Autoschlüssel.
Ja, da sind sie.
Aber für Westgeld.
Für Westgeld kriegen wir eine. Ich kann dir jeden Monat Geld überweisen. Das
geht jetzt problemlos.
Hm, der mag so recht haben.
Für Westgeld findet sich jemand.
Das ist problemlos.
Marga. Ach, lass mich. Ich will das nicht.
Sollen Sie doch denken, ich bin Dogmatiker. Dann bin ich es eben.
Wenigstens habe ich kein Gewinde im Hals. Ich lass mich nicht kaufen.
Und wenn wir alle, unser ganzes Land vor eurer beschissenen Knete auf dem Bauch
liegen, ohne mich, lieber schuft ich mich halb tot, ehe ich mich euch an den
Hals werfe. Ich will das nicht.
Und dich will ich auch nicht.
Du hast dich damals für die andere Seite entschieden, weil du unseren Erzeuger so
geliebt hast.
Angeblich. Ich hab dir das nie abgenommen.
Unser Alter war mit Schokolade überzogen. Das war die ganze Liebe.
Und diese Schokolade war klebrige, braune Scheiße.
Marga!
Marilena? Mhm.
Mutti hat gesagt, nur weil wir dir immer so viele Kleider geschenkt haben, darum
willst du jetzt hierbleiben.
Stimmt das?
Franziska Volkmann?
Nein,
tut mir leid, meine Eltern sind nicht da.
Ja, ich werde es ausrichten.
Also sag schon.
Warum willst du unbedingt hier bleiben?
Weil ich euch sonst nie wieder besuchen kann.
Du siehst doch, dass sie eine Mauer bauen.
Die bleibt doch nicht stehen.
Woher willst du denn das wissen?
Wenn ich jetzt rübergehe, muss ich drüben bleiben.
Für immer und ewig.
Reg dich ab, Marilena. Ich fände es prima, wenn du da bleibst.
Oder willst du wegen deinem Freund da bleiben?
Was denn für ein Freund? Tu nicht so. Der Junge, der dich gestern nach Hause
gebracht hat.
Ach, Dieter.
Der ist doch von drüben.
Das ist ein Freund von Marga.
Willst du mir bitte sagen, wie du dir das vorstellst, Marilena?
Willst du dich etwa mit diesem jungen Mann zusammentun?
Nein.
Ich habe ihn doch nur zufällig getroffen.
Ich kenne ihn doch gar nicht richtig.
Aber... Er scheint dich zu mögen, Marilena.
Der bleibt bestimmt nicht hier.
Der ist Kommunist.
Er ist sogar FDJ-Sekretär.
Ich möchte bei euch bleiben.
Ist dir klar, dass wir uns strafbar machen, wenn wir dich hier behalten?
Du bist noch nicht 21.
Und deine Mutter hat, wie du weißt, das Sorgerecht für dich.
Aber ich bin doch bald... Ich meine, ich habe doch bald Geburtstag.
Im November.
Aber Marilena, das sind noch über drei Monate.
Mama wird mich bestimmt nicht zurückholen.
Sie wird sogar froh sein, wenn ich weg bin.
Sie hat doch Mager.
Du kannst dir gar nicht vorstellen, was der Armee alles wissen will.
Fragen die mich doch glatt, ob wir bei der GST an Panzerabwehrwaffen
ausgebildet werden.
Ich sag, dass ich noch nicht einmal ein Gewehr in der Hand gehabt hätte.
Das wollten die mir nicht glauben.
Ich hätte nicht gedacht, dass aus der Natur im Westen bleibst.
Ich auch nicht.
Aber weißt du, einsperren lasse ich mich nicht.
Tolle Musik, was?
Wollen wir tanzen?
Na klar.
Der Anzug steht dir gut.
Den haben sie mir im Flüchtlingslager verfasst.
Du siehst richtig klasse aus.
Nimm auf, du kannst überall hin.
Damit kannst du dich bei einer Arbeitsstelle vorstellen.
Damit kannst du sogar heiraten.
womit es das Charakteristikum der westlichen Gesellschaft auf den Punkt
gebracht hätte.
Mehr Schein als Sein.
So habe ich weder eine Arbeitsstelle noch eine Frau zum Heiraten in Aussicht,
aber ich besitze einen Anzug.
Dieter? Könntest du mir einen Gefallen tun?
Könntest du mich heiraten?
Heiraten? Nur so, ich meine... Marilena, ich liebe dich.
Lass das.
So meine ich das nicht.
Es ist nur für ein paar Monate, weil ich nur nicht volljährig bin.
Mein Vater wird dir alles erklären.
Fleisch. Ich esse nämlich keine toten Tiere.
Freund.
Sie erzählten von dem Industriekombinat.
Ja, da gab es eine große Konstruktionsabteilung. In der habe ich
ein ganzes Semester lang gearbeitet. Und die Ferien noch dazu.
Das war so eine Art Selbstverpflichtung. Auf freiwilliger Basis natürlich.
Sie gestatten, dass ich das Letztere in Zweifel ziehe. Aber das macht nichts.
Immerhin hat Ihnen Ihre sogenannte freiwillige Verpflichtung zu einer
ersten Anstellung bei uns verholfen. Da heiligt doch der Erfolg.
So, bitte nehmen Sie das doch.
Ja, danke.
Sie werden sich sicher wohlfühlen bei der Baufirma Wieland.
Wieland ist ein alter Freund von mir, noch aus meiner Zeit in Goslar.
Goslar ist eine hübsche kleine Stadt.
Die Historie weht dort durch die Garten. Nicht wahr, Hannah?
Ja, es ist meine Vaterstadt.
Wieland hat sich auch schon um eine erste Unterkunft für euch bemüht.
Ein bisschen sollte dich das doch wohl auch interessieren, Marilena.
Es geht nämlich auch um deine Zukunft.
So viel ich weiß, handelt es sich um ein möbliertes Zimmer mit Küche.
Ist das richtig, Hanna?
Ja, ja.
Das Zimmer soll sehr hübsch möbliert sein.
Anscheinend liegt die Wohnung sehr vorteilhaft.
Ganz in der Nähe der Firma.
Wieso kann ich denn nicht in Berlin bleiben?
Mein Kind, jetzt bist du erst einmal verheiratet.
Und du solltest schon versuchen, deinen Mann in dieser schweren Anfangsphase zu
unterstützen.
Wer A sagt, muss auch B sagen. Ist das nicht so?
Gibt es meine Frau noch da?
Ich weiß nicht, ich gucke mal in den Dialog.
Weißt du, wie spät es ist?
Dein Kino hat vor ungefähr drei Stunden nichts gemacht.
Wo warst du so lange?
Ich war spazieren.
Mitten in der Nacht gehst du spazieren.
So was Verrücktes.
Eines Tages werden sie dich noch überfallen.
Und was dann?
Ich glaube, bei dem Wieland werde ich nicht alt.
Warum nicht?
Weil ich in die Gewerkschaft eingetreten bin.
Das passt ihm nicht.
Er hat gesagt, wenn ich aus dem Verein nicht wieder auftreten würde, dann
müssten sich unsere Wege trennen.
Und? Was willst du machen?
Ich weiß nicht.
Die Kollegen finden das wahrscheinlich in Ordnung.
Wenigstens sagen sie nichts.
Nur der Lohrmann, das ist der, der am längsten bei Wieland arbeitet, der hat
gesagt, dann müsste ich eben wieder nach drüben gehen, wenn es mir hier nicht
passt.
Vielleicht hat er recht.
Wer?
Der Mann, der gesagt hat, dass du wieder zurückgehen sollst.
Du hast dich doch eigentlich immer ganz wohl gefühlt bei uns.
Du hast bei uns gesagt.
Das passiert mir manchmal.
Vielleicht, wenn du mitkommen würdest.
Vielleicht würde ich es wirklich machen.
So gut wie Malz, müsste man sagen.
Ich habe heute eine neue Trompete ausprobiert.
Die hat einen Ton wie Seide.
Ich möchte
wissen, wie du dir das
weiter vorstellst.
Ich fahre sowieso bald nach Berlin.
Wohin willst du?
Nach Berlin für meinen Vater.
Du blöde Gang.
Dann kapierst du eigentlich, dass dein berühmter Vater dich gar nicht haben
will. Hör auf, das reicht.
Er hat einen nützlichen Idioten gebraucht, bei dem er dich auf billige
Weise loswerden konnte.
Nun schnall das doch mal endlich.
Er ist froh, wenn er dich nicht zu sehen kriegt. Es reicht, es reicht, es reicht,
es reicht. Hör zu, es reicht.
Ich
habe
mit deinem Mann telefoniert.
Er will, dass du nach Hause kommst.
Hanna wird dich mit dem Auto hinbringen.
Nein.
Du solltest mit Essig saurer Tonerde kühlen.
Sag Hanna Bescheid, sie wird dir welche geben.
Ich bin jetzt 21 und Mama hat keinen Anspruch mehr.
Ich meine, dann muss ich doch auch nicht mehr verheiratet sein.
Nein, eine verblüffende Logik.
Willst du damit sagen, dass du jetzt selbst über dich bestimmen willst?
Nein.
Das heißt, ja.
Ich kann ja Geld verdienen.
Ich meine, ich habe ja Geld verdient.
Oh ja, als Platzanweiserin.
Ich habe nur im Kino gearbeitet, weil sie mich in dem Kaff als Säuglingsbester
nicht genommen haben. Das Problem ist nicht das Kaff, wie du das für Goslar zu
nennen beliebst. Das ist ein fehlender Abfluss. Fräulein Seymil!
Der Akte Kula, Robert, liegt das Kardiogramm nicht bei.
Bitte besorgen Sie das Blatt und kommen Sie dann zum Diktat.
So, Marilena, ich höre.
Wie also stellst du dir dein Leben ohne Ehemann vor?
Ich will Medizin studieren.
Und wie soll das vor sich gehen?
Selbst wenn du es hättest, das Zonenabitur wird hier nicht anerkannt.
Franziska hat sich schon erkundigt.
In ihrem Gymnasium kann ich das Abi in zwei Jahren nachmachen.
Und dann will sie mir auch Lateinunterricht geben. Wenn Sie das
Papier nicht finden, dann kommen Sie so. Ich brauche Sie.
Du kannst Franziska bestellen, dass sie sich um ihre eigenen Lateinkenntnisse
kümmern soll. Sie sind nicht berührt.
Ich muss jetzt arbeiten.
Bitte kommen Sie, Frau Lensemisch.
Die Zahlen zur DDR-Volkskammer werden nach den Worten von Ministerpräsident
Modrow nicht vor Herbst 1990 stattfinden.
Gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel sagte er, die Bürger müssten die
Möglichkeit haben, die etablierten Kräfte des Parlaments im Prozess ihrer
neuen Denkweisen zu prüfen.
In dem Interview unterstützte Modrow den Vorschlag von Kanzler Kohl für ständige
politische Konsultationen.
und gemeinsame Kommissionen beider deutscher Regierungen. Er wandte sich
gegen das Wort Wiedervereinigung, da es von rechten Kräften in der BRD mit den
Grenzen von 1937 verbunden werde.
Es könne nur eine Lösung in den Grenzen von heute geben und keine
Wiedervereinigung, sagte Modrow.
Brauchst du irgendwas, Tante Marilena?
Ich habe mein Feuerzeug hier unten liegen gelassen.
Warte ich schon nach.
Ich verstehe mich nicht besonders mit der Mama, weißt du?
Aber heute Abend, da hat es mir leid getan.
Weil ich gemerkt habe, wie viel ihr das doch alles ausmacht.
Du meinst den Zustand unserer Mutter?
Auch, ja.
Aber viel schlimmer ist für sie, was da jetzt so alles abläuft.
Aber dass die Menschen endlich anfangen, sich zu wehren und ein anderes
Bewusstsein bekommen, das kann sie doch unmöglich ärgern.
Nee, natürlich nicht.
Stell dir mal vor, da lebst du für eine Idee.
Glaub dran.
Und nun soll alles ein Scheiß gewesen sein.
Das verstehe ich.
Und dann der Ärger mit mir.
Ich flieg von der Uni.
Dekoriere statt zu studieren Schaufenster und hab auch noch Spaß
drin.
Ich lass mir eben nix gefallen.
Und ich geh für meine Meinung auf die Straße.
Ich war schon bei den Demos dabei, als die noch nicht legal waren.
Mann, die Mama hat geschimpft und getobt, als ob ich mit Ganoven Umgang
hätte.
Sie hat Angst um dich.
Es kann schon sein, dass sie Angst gehabt hat.
Weil sie mich mal eine Nacht eingebuchtet haben in der Halle.
Sie hat Angst, dass du in den Westen gehst. Aber da liegt sie total falsch.
Klar habe ich rüber geguckt, gleich am ersten Sonntag.
Aber drüben bleiben?
Nee.
Das ist Wahnsinn, was in den letzten Wochen hier alles abgelaufen ist.
Da muss man einfach weitermachen.
Warum sagst du das nicht deiner Mutter? Weil sie sturlt.
Und weil sie sich immer gleich persönlich provoziert fühlt.
Die Frau Oberlehrerin.
Du, Tante Marilena, ich würde dir gern was zeigen.
Aber dann müssen wir einen kleinen Spaziergang machen.
Ja, gerne.
Ich gucke nur noch schnell nach der Omi.
Das war irgendwie ungeschickt von mir.
Das mit den Kleidern.
Die Mama beneidet dich.
Ich weiß nicht, es tut mir weh. Aber was denn, Moni?
Dass ich im Westen lebe?
Nee, das ist es nicht.
Vielleicht...
Vielleicht hat es damit zu tun, dass Omi seit Tagen ununterbrochen von ihrem Egon
erzählt.
Mama ist schon total allergisch.
Vielleicht wird ihr jetzt erst klar, dass sie nie einen richtigen Vater
gehabt hat.
Da braucht sie mich nicht zu beneiden. Ich hatte auch keinen.
Aber du warst doch die Lieblingstochter.
Die wäre ich gern gewesen.
Also weißt du...
Damals als Papa und Mama sich haben scheiden lassen, da habe ich mich auch
ganz schön unglücklich und einsam gefühlt.
Aber heute bin ich froh, dass der Olle sich nicht auch noch einmischt.
Alle kümmern sich um einen, kümmern von Kummer, verstehst du?
Mama, Oma, Opa, das nervt ganz schön.
Also ich hätte es schon manchmal ganz gern gehabt mit 21.
Geschieden, ganz allein, Abitur nachmachen, keine Familie, keine
Freunde.
Niemand, der sich kümmert.
Doch, Katja.
Katja war meine Rettung.
Ich habe hier zur Untermiete gewohnt.
Und nach der Schule kriegte ich in der Kneipe, in der sie bediente, was zu
essen.
Lasst es schmecken, meine Süßen. Danke.
Wiener?
Guten Appetit.
Sag mal, Katja, wer ist denn die Süße da drin?
Kannst du uns die nicht mal vorstellen?
Das ist meine kleine Schwester, ihr Süßen. Und wer einer von euch vergreift
sich an ihr, dann kriegt das mit mir zu tun. Verstanden?
Na, was sagst du? Wenn du willst, kannst du dich alle nach deiner Pfeife tanzen
lassen.
Falsch. Falsch.
Geht doch schon prima.
Also dann, tschüss!
Und denk dran, pink!
Es wird verboten, die Ware mit fettigen Fingern zu berühren.
Wünscht mir bitte Folgendes.
Bitte kommen Sie und machen Sie kein Aufsehen. Lassen Sie mich los, was
wollen Sie von mir? Das wissen wir genau, bitte kommen Sie. Was wollen Sie
von mir?
Bitte kommen Sie und machen Sie kein Aufsehen. Hier, hier, Sie können alles
wiederhaben, alles. Ich brauche nichts davon. Mein Vater ist Zepetto. Ich
brauche überhaupt nichts von Ihrem billigen Kram. Beruhigen Sie sich bitte.
Ihr seid doch selber auf Schuld dran.
Stoßt doch die Leute mit der Nase drauf, diese Plünder. Die sollen doch nur
raffen, raffen, raffen. Ich will nichts, nichts, nichts. Schreien Sie mal bitte
nicht so rum und kommen Sie mal bitte mit.
Kommen Sie mit.
dass ich deinen Namen angegeben habe.
Mir sehr leid.
Ja? Mensch, was ist denn mit dir los?
Hockst du wie eine alte Eule?
Weißt du, dass du mir manchmal vorkommst wie meine Oma?
Die hat auch immer am Fenster gesessen und in den Himmel gestarrt.
Aber die war über 70.
Und du bist mal gerade Anfang 20.
Los, komm.
Es gibt Kaffee und Eierkuchen.
Ich habe keinen Hunger. Danke.
Du würdest mir einen Gefallen tun.
Ich habe Besuch.
Ich war mal verknallt in den Jungen, weißt du, aber da ist nie was gekommen
außer Gequadler.
Und auf der gleichen Schiene läuft das jetzt schon wieder. Komm mit rüber, ja?
Gleich.
Aber gleich ist gleich und nicht erst nach einer halben Stunde. Der Kaffee
wird kalt.
Sind Sie das jetzt nicht ein bisschen übertrieben?
Ich meine, ich habe nichts gegen Männer, die heulen.
Eigentlich gefällt mir das sogar.
Aber wegen einem toten Präsidenten.
Hier, putz dir die Nase.
Natürlich finde ich das auch schlimm, dass Sie den Mann erschossen haben.
Die Jackie da hinten auf dem Kofferraum, das ist wirklich erschütternd.
Alle Vornehmheit ist im Eimer, wenn im Todesangst passt. Hör auf, Katja, das
ist ja entsetzlich, was du redest. Aber das stimmt doch.
Das reicht, das ganze Gepferde nicht.
Das haben die Amis schon immer so gemacht. Die haben schon immer ihre
Präsidenten umgebracht.
Du redest einen haarsträubenden Blödsinn. Aber es steht doch in der
Zeitung.
Katja, John F. Kennedy war der größte Präsident, den Amerika je hatte.
Er war hochintelligent, humanistisch gebildet und hat viel für uns getan.
Was denn?
Dass er ein Berliner ist, das war ja wohl nur eine Behauptung. Und kaufen
können wir uns dafür alle nichts.
Und das ist meine Untermieterin Marilena.
Mario.
Los.
Das ist doch Quatsch, Marilena.
Wenn du wüsstest, wie lange ich den Mario schon kenne.
Der ist vielleicht ein Spinner, aber niemals ein Spion.
Was soll das überhaupt halten? Der spioniert mir nach.
Ich habe doch gar nicht gesagt, dass er ein Spion ist.
Auf alle Fälle hat er meinem Vater alles gemeldet. Und der Polizei.
Er ist nämlich Kaufhausdetektiv.
Was?
Kaufhausdetektiv! Das gibt es doch nicht.
Mario!
Du bist wirklich ein Schnüffler? Ein Kaufhausschnüffler?
Ich wollte Ihnen sagen, dass es mir leid tut. Ich habe es nicht gewollt.
Sie haben mir gesagt, dass Sie mich nicht anzeigen werden.
Das darf ja nicht wahr sein.
Ich habe das auch nicht getan, das war unsere Rechtsabteilung. Das gibt es doch
nicht. Du bist also wirklich ein KV-Schnitzler. Es tut mir wirklich sehr
leid und jetzt reg dich ab, Katja. Das war ein Job, weiter nichts.
Weiter nichts?
Weißt du, dass ich Marilena nicht mehr zu Hause blicken lassen darf?
Hast du überhaupt ein Schimmer, was das für sie bedeutet?
Hast du natürlich nicht, woher auch?
Komm, bereue deinen Kennedy alleine.
Ich habe keine Lust, dir länger die Händchen zu halten.
Mach's gut.
Das darf ja wohl nicht wahr sein.
So ein Trottel!
Seien Sie nicht herzlos.
Nehmen Sie es mit. Warum sollte ich?
Es gehört Ihnen.
Als Versöhnungsgeschenk.
Woher wissen Sie, dass ich... Detektive wissen alles.
Jedes Kaninchen hätte bei Ihnen seinen Namen.
Und die hörten auch drauf.
Ich weiß noch.
Eins hieß alter Fritz.
Und meins?
Das hieß Schneeweißchen.
Und das hier?
Das könnte dein Bruder sein.
Mich hat Opa meistens immer Marleniken genannt.
Nach einem Märchen.
Ich weiß gar nicht mehr, wie das ging.
Ich weiß noch, da gab es einen wunderschönen Vogel, der konnte singen.
Meine Schwester?
Sammelt meine Behniken.
Mein Mutter, der mich schlacht.
Mein Vater, der mich aß.
Mein Schwester, das Marleniken.
Sammelt meine Behniken.
Kiewit, kiewit, wat für ein schöner Vogel bin ich.
Madame? Weißt du, Marleniken, ich bin ein unzufriedener Mensch.
Ich möchte immer da sein, wo ich gerade nicht bin.
Aber jetzt, in diesem Augenblick, möchte ich nur hier sein, neben dir sitzen.
Übers Wasser schauen und alle Grenzen ignorieren mit der Kraft der Fantasie.
Ich träume sowas manchmal.
Ich träume, dass ich wieder drüben bin.
Es gibt keine Mauer und keine Grenze.
Ich bin einfach wieder da.
Aber dann kommt meine Mutter mit einem riesen Koffer und packt mich hinein.
Und dann schleppe ich den Koffer durch die Dunkelheit.
Plötzlich ist da eine Grenze.
An der Stelle wache ich meistens auf.
Nicht aufwachen, Marleniken.
Weißt du, dass du den schönsten Busen hast, den ich je bei einer Frau erlebt
habe?
Nicht Mario.
Nein, meine Haare sind viel schöner.
Hoppilchen! Sag mal, du bist ja schon wieder nicht in der Schule.
Soll ich dir mal was sagen?
Der Knabe bekommt dir nicht.
Seit du mit dem zusammenhockst, erläuterst du regelrecht.
Denk doch an dein Goldstück von Vater. Keine müde Mark siehst du mehr von dem,
wenn du nicht mehr in die Schule gehst.
Ich bleib sowieso sitzen.
Ich bin zu blöd.
Aber mit Mario hat das nichts zu tun. Und ob das mit ihm zu tun hat.
Statt mit dir nächtelang rumzuziehen, sollte er dir lieber bei den
Schularbeiten helfen.
Das stimmt nicht.
Erstens zieht er nicht nächtelang mit mir rum.
Und zweitens kann er mir gar nicht helfen.
Weil er nämlich weg ist.
Aha.
Naja, eigentlich wollte ich ja Hoppelchen was zu fressen geben.
Das mache ich schon selber.
Übrigens ist da nichts mit Aha.
Mario geht für ein Semester nach Berkeley.
Das hat er schon lange vorgehabt.
Aber jetzt hat er eben plötzlich einen Platz bekommen.
Und wo ist das?
Amerika.
Na wunderbar.
Dann soll er bloß da bleiben, dank seiner Träume.
Er kommt zurück!
Euer Nachtleben ist wirklich atemberaubend.
Oh, so ist denn der alte Kaiser geblieben, der hier mal drin war.
Der Wirt ist gestorben und die HO wollte es nicht übernehmen. Komm, wir sind
gleich da.
Guck mal da.
Meine Güte, was ist das denn?
Das ist ungefähr das am besten gestaltete Schaufenster der Republik.
Das ist wie ein Rosenstock in der Wüste.
Mona Lisa.
In Bad Salzuflen.
Nee, das ist Maxl Beckmann. Ich hab den ein bisschen kopiert.
Der ist sowieso der allergrößte.
Das ist wirklich toll.
Verstehst du, dass das viel besser für mich ist als jede Akademie.
Ich kann mich ausprobieren und kriege auch noch Geld dafür.
Du wirst das alles viel besser machen als ich.
Weil du weniger Angst hast.
Selbstsicherer bist.
Kommt, Frau Simarilina.
Wir können doch die Oma nicht so lange allein lassen.
Guten Morgen. Morgen.
Morgen, Otto.
Morgen, Katja.
Na, wie geht's?
Gut.
Ich hab da was für dich.
Na, du mach ihn schon auf.
Ich kann nicht.
Weil ich?
Hier, steck ihn gut fest, wegen der Mütter.
Liebe Marilena, endlich komme ich dazu, dir zu antworten.
Ich habe mich nämlich doch entschlossen, ein zweites Semester dran zu hängen.
Denn wenn Berkeley auch nicht der Mittelpunkt der Welt ist, so erscheint
mir der Zampus doch als Nabel des jungen revolutionären Amerika.
Seit einigen Wochen gehöre ich einer Studenteninitiative an, die die schwarze
Bürgerrechtsbewegung unterstützt.
Ich kämpfe für das Recht der amerikanischen Neger, in einem weißen
Bus zu fahren und stell dir vor, neulich bin ich zusammen mit Martin Luther King
in einem Demonstrationszug gelaufen. Also Junge, das mag ja für dich alles
ganz wunderbar und interessant sein, nur uns ist das nicht geholfen.
Liebes Marlene Kinn, es tut mir leid, dass es dir nicht gut geht.
Trotzdem hoffe ich für dich, dass ich für dein Problem eine Lösung gefunden
habe, denn dafür bin ich doch gewiss nicht verantwortlich.
Zumindest kann ich es mir nicht vorstellen.
Bürgerrechtsbewegung, eine Frauenrechtsbewegung sollte man auch
machen.
Und noch ein PS mit Tinte.
Wie 50 Dollar habe ich mir sauer verdient. Aber
vielleicht helfen sie dir ein Stück.
50 Dollar, Marilena!
So viel Geld, Marilena.
50 Dollar!
Also das sage ich dir, Tante Marilena.
Wenn mich mein Stefan so sitzen lassen würde, die Augen würde ich ihm
auskratzen. Den Pimmel würde ich ihm abschneiden.
Amerika war viel zu weit zum Augen auskratzen.
Ich bin auch gar nicht auf die Idee gekommen.
Mit dem Pimmel.
Du hast mich eingeschlossen.
Ich mag nicht eingeschlossen werden.
Musst du auf den Topf, Omi.
Dann musst du jetzt die Hausschuhe anziehen.
Ich zieh dir jetzt die Hausschuhe an, Omi.
Marilena, ihr habt ihn doch bestimmt wieder mitgenommen.
Ich mag keine Hausschuhe.
Gut, dann hol ich einen Topf rein, Omi.
Ein paar Goldkäferschuhe.
Hatte ich bei meiner Hochzeit an.
Die Göttner.
Dann ist es schon passiert.
Ich hole frische Wäsche.
Und weißender Mast.
Mit Blütenkränzen aus Perlen.
So was gibt es heute gar nicht mehr.
Ist Marilena wieder weggefahren?
Hier bin ich, Mutter.
Ich bin hier.
Marilena ist nicht hier.
Marilena ist weggefahren.
Weit weg.
Unsere Versicherung bietet Ihnen nicht nur Schutz bei Rechtsstreitigkeiten um
Ihr Auto, auch bei Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz oder bei
Auseinandersetzungen mit Ihren Mietern, ich meine Vermietern.
Also wir bieten da überall Rechtsschutz an.
Also wir übernehmen die anfallenden Kosten.
Auch bei Familienstreitigkeiten übernehmen wir die Kosten... Ich wollte
schon lange meine Schmiedermutter loswerden.
...für den Anwalt. Bis jetzt war mir das immer zu teuer.
Mädchen!
Augen aufmachen.
Ich bin schon drin in so einem Verein.
Gucken, Augen auf.
Das ist das A und O bei diesem Job.
Entschuldigung, ich habe es nicht gesehen.
Sonst vergeuden Sie noch unnötige Energien.
Moment mal, Frau Leinchen, Moment.
Sagen Sie mal, lange machen Sie das noch nicht, was?
Entschuldigung, ich muss jetzt gehen. Sie müssen sich doch nicht ständig
entschuldigen. Seien Sie selbstbewusst, Mädchen. Ich komme nämlich aus der
Branche. Und so wie du das machst, läuft das nicht. Ein bisschen Schulung könnte
dir wirklich nicht schaden. Entschuldigung, ich muss jetzt wirklich
gehen. Sie verkaufen sich noch nicht richtig.
Überzeugung, Siegeszuversicht müssen Sie ausstrahlen. Aber das kann man lernen.
Sagen Sie mal, was halten Sie von der Tasse Kaffee?
Von mir können Sie nämlich viel lernen.
Dann eben nicht.
Das schmeckt gut, oder? Du kriegst sie auch gleich. Du kriegst sie auch gleich.
Ja.
Bitte nicht böse sein.
Aber wenn wir sie gefragt hätten, wäre die Unbefangenheit hingewiesen.
Wir sind Journalisten.
Darf ich nochmal?
Wir machen eine Reportage.
Das ist mein Ausruf.
Es geht um die Parkplatzsituation in Berlin.
Bitte, wenn Sie mir ein paar Fragen beantworten würden.
Warum sind Sie mit den Kindern hier?
Haben Sie ja auch auf dem Parkplatz.
Ich arbeite.
Wo arbeiten Sie? Auf dem Parkplatz. Ich verkaufe Versicherungen. Und die Baby?
Was machen die Babys dabei?
Sie können ja wohl zusammen reimen, Wolfgang.
Sie werden alleinstehend sein und keinen Krippenplatz haben, stimmt's? Ja, ich
bin jetzt in einem halben Jahr dran.
Was hast du dir immer gesagt, Wolfgang?
Das ist ein heißes Thema, da müssen wir unbedingt was machen.
Vielleicht können wir mit Ihnen einen Termin ausmachen.
Ein richtiges Interview.
Wenn Sie mir dafür eine Versicherung abkaufen...
Tante Katja ist da und ihr seid wieder lieb.
Ist ja kein Wunder, die sind ja pitschnass.
Ich muss erst noch ein paar Windeln aufhängen.
Ich hab zu wenig.
Dann musst du ihm noch ein halbes Dutzend dazukaufen.
Das kann ich nicht.
Warum nicht?
Verstehe ich nicht, Marilina.
Irgendwann musst du doch dein Versicherungshaini mal ein paar Scheine
in die Hand drücken. Das gibt es ja gar nicht.
Wenn ich nichts verkaufe, kriege ich kein Geld.
Auf Provisionsbasis läuft das so.
Und warum verkaufst du nichts?
Ich habe keine Sieges zuversicht.
dass die Zwillinge zwei Mütter haben werden.
Und kümmere ich mich vielleicht nicht?
Als ob ich euch nicht lieb hätte.
Morgen geht die Tante Katja mit euch spazieren. Dann ziehen wir was ganz
Tolles an.
Ja, ja.
Damit du mit ihnen angeben kannst.
Besser wäre es, du würdest mal abends zu Hause bleiben. Dann könnte ich nämlich
Zappdienst machen.
Der Bärenautor hat schon gefragt.
Oder du könntest mal ein paar Windeln besorgen. Was würde dir das schon
ausmachen?
So ist das also.
Reicht man den kleinen Finger, wird einem bald der ganze Arm ausgerissen.
Ich, die arme Katze, die sich jeden Groschen sauer verdienen muss. Ich soll
bluten? Warum eigentlich?
Bin ich mit dir verwandt?
Hast du nicht einen reichen Vater, der auch mal was tun kann?
Dann komm mir jetzt bloß nicht mit deinem Stolz.
In deiner Lage kannst du es dir überhaupt nicht leisten, stolz zu sein.
Und das kannst du mir nicht erzählen. Wenn du die Kleinen in Kinderwagen
packst und mit denen vor seine Villa ziehst.
Du, da kann der Alte doch noch so ein geiziger Jude sein. Da rückt ja was
raus. Da wette ich doch drauf.
Warum sagst du sowas immer?
Was sage ich denn?
Immer schimpfst du auf die Juden. Ich finde das fürchterlich. Was ist denn
daran fürchterlich? Die sind halt so.
Und dein Vater ist doch einer. Hast du mir doch selbst erzählt.
Hör auf!
Katja war überfordert.
Sie war so überfordert, dass sie ausgezogen ist und mir sogar ihre
Wohnung überlassen hat.
Zeig mal, was du gemalt hast.
Nee, noch nicht.
Du musst weitererzählen.
Es wird besser, wenn du erzählst.
Zu deinem Vater bist du doch sicher nicht gegangen.
Nein, natürlich nicht.
Ich habe geschuftet, wie eine Wahnsinnige.
tagsüber gekellnert, nachts nach der Vorstellung in einer Theaterkantine
bedient, Prospekte verteilt, ab und zu mal Blut gespendet für ein paar Mark.
Dazu noch die Kinder, wie hält man sowas aus?
Gar nicht.
Wir kriegen das schon wieder hin.
Es sah dramatischer aus, als es ist.
Vielen Dank, Herr Professor.
Keine Ursache.
Ich werde die Kollegen von der Station bitten, mich auf den Laufenden zu
halten.
Nun guck nicht so unglücklich, Marilena.
Es ist doch richtig nett von Herrn Professor, dass er sich so kümmert.
Du liegst in der 1. Klasse, wirst gut betreut.
Ich finde nicht gut, dass du zu ihm gegangen bist.
Nun sei nicht albern.
Ich hätte es lieber vom Sozialamt erfahren, dass du am Ende bist.
Mein Leben geht ihm nicht mehr an.
Hör mal.
Bei deiner ganzen Vaterkiste muss dir mal eines klar sein.
Das ist nicht nur dein Problem, das ist auch sein Problem.
Der läuft nicht nur vor dir davon.
Der läuft vor allem davon, was ihn an seine Vergangenheit erinnert.
Aber wieso denn?
Mein Vater war kein Nazi.
Er ist Jude, das weißt du doch.
Eben.
Und er hat als Jude unter den Nazis gelebt.
Wie konnte er das?
Ich weiß nicht.
Siehst du?
Ich recherchiere gerade für eine Zeitung.
Thema Arisierung.
Im Reissittenamt, da gab es eine Stelle, da konntest du als junger jüdischer
Mensch erklären, dass deine jüdischen Eltern gar nicht deine Eltern sind.
Weil du nämlich eigentlich das Kind des arischen Dienstmädchens gewesen bist.
Und wenn du das alles mit eidesstattlichen Erklärungen und
Unterschriften belegen konntest, Dann warst du gerettet.
Ich weiß aber nicht, ob es bei ihm so gewesen ist.
Das weiß ich auch nicht, aber es könnte.
Und nun stell dir vor, was das bedeutet.
Du bist in Sicherheit, kannst deiner Karriere nachgehen, was auch immer,
während deine von dir verleugneten Eltern und Anverwandten in den
Vernichtungslagern verschwinden.
So etwas kann man eigentlich nur als seelischer Krüppel überleben.
Kannst du mir mal verraten, was die Marilena mit dem Psychoscheiß soll?
Ja, das kann ich.
Sie soll endlich von ihrem Alten loskommen.
Wenn ich ihr alter wäre, ich wäre auch lieber ein seelischer Krüppel als eine
Leiche. So, das bist du.
Aha.
Ich wusste gar nicht, dass ich so traurig aussehe.
Nicht immer.
Sag mal, meinst du, ob die Geschichte mit der Arisierung stimmt?
Von den Fakten her stimmt sie.
Aber sonst?
Ich weiß nicht.
Auf jeden Fall hat sie mir geholfen damals.
Ich habe ihn irgendwie anders gesehen.
Manchmal hatte ich sogar Mitleid.
Ich muss jetzt ins Bett.
Da, nimm es mit hoch.
Danke.
Ob er mich einladen würde?
Er ist doch mein richtiger Großvater.
Vielleicht.
Warum nicht?
Und was ist mit mir?
Willst du mich etwa allein lassen?
Hast du mal wieder alles mitgekriegt, Omi, was?
Gib mir hoch, ich muss auf die Toilette.
Ich lasse dich schon nicht allein.
Erst musst du wieder gesund werden.
Geht's? Es geht.
Uns geht auch nicht.
Wer ist das?
Omi.
Du weißt sehr gut, wer das ist.
Ja.
Was erzählst du dem Kind für Geschichten?
So alles Blödsinn. Gib mir mal den Morgenmantel. So ob wir dieses
Dingsbums, dieses
Reißsitten,
den Dingsbums, so ob wir das nötig gehabt hätten. Ein Stock.
Papa hat ganz andere Beziehungen gehabt.
Ja, hat er gehabt.
Reichs.
Mein
Papi.
Mein Papi, der hat mich so lieb gehabt.
Wollte mich nicht nach Amerika fahren lassen.
Was ist das Mädchen mit den Goldkäferschuhen?
Das war ein Egon.
Was war mit Egons Eltern? Kannst du dich erinnern?
Lass sie.
Nicht doch.
Das sind schließlich meine Urgroßeltern.
Lass mich deine Urgroßeltern an.
Alte Leute sterben.
Ich bin tot.
Mausetot.
Mein Mutter, der mich lacht, mein Vater, der mich aß, mein
Schwester, das Marlenekind, sucht alle meine Wenekind.
Kiewit, Kiewit, was für ein schöner Vogel bin ich.
Tante Marilena.
Ja? Die Omi ist wieder im Bett. Ich schaue mir noch schnell die Aktuelle an.
Willst du auch?
Mhm.
Guten Abend, meine Damen und Herren, zur aktuellen Kamera Nachrichten des Tages
im Überblick.
Rechtshilfeersuchen, Informationen zur Fahndung nach Schalk-Golodkowski.
Untersuchungskommission, Regierung und demokratische Gruppen gemeinsam gegen
Amtsmissbrauch und Korruption.
Beratungen, Warschauer Vertrag und NATO zu den Gipfelergebnissen von Malta.
EG-Kommissar, Ministergespräch mit Vizepräsidenten der europäischen
Gemeinschaften.
Am Abend vor dem Gebäude des obersten Gerichts und des Generalstaatsanwaltes
in der Berliner Littenstraße.
Hunderte Angehörige der Volkspolizei, Kriminalisten, Schutz- und
Transportpolizisten bringen auf dieser Kundgebung ihre Empörung und ihre
Forderungen zum Ausdruck.
Oben hat man in diesen Wochen vertuscht und ein zweiter Hintergang, in dem Akten
vernichtet wurden.
Erst das Zögern eines Generalstaatsanwaltes Wendland.
macht es möglich, dass ein Verbrecher wie Tchaikovsky, wie es anders ist in
meinen Augen, sich im Ausland absetzen und damit auch Beweismittel beiseite
schaffen konnte.
Auch uns wurde gesagt, am 7.
und 8.
Oktober, das ist die Konterrevolution.
Nieder mit der Botschaft!
Wir demonstrieren gegen die Entlassung unserer schwangeren Kollegen. Bitte
haben Sie Verständnis dafür, dass Sie heute Ihre Garderobe selber ausziehen.
Wir demonstrieren gegen die Entlassung unserer schwangeren Kollegen. Bitte
haben Sie Verständnis dafür, dass Sie heute Ihre Garderobe selber ausziehen.
Hallo, freut mich, dass ich Sie sehe.
O Gott, was sie will! O Gott, was sie will!
Spätestens morgen ist sie wieder frei.
Aber es stimmt nicht, dass Irene nicht um Frau Baum geht.
Okay, okay.
Sie geht ja auch um Frau Baum.
Moment.
Die Tür kann man nämlich nur noch von außen aufmachen.
Und was ist schlecht an dem Protest gegen Vietnam?
Warum bist du ein solcher Reaktionär?
Ich bin kein Reaktionär. Doch!
Ich finde es bloß nicht in Ordnung, dass die Arbeitsplatznöte von ganz normalen
Leuten für den Kampf gegen den Vietnamkrieg ausgenutzt werden.
Komm!
Hier ziehe ich nächste Woche ein.
Und der Laden hier, das wird mein Atelier.
Das ist Philipp, mein Untermieter.
Oder eigentlich Vermieter.
Der war nämlich schon vor mir da.
something in your smile was so exciting something in my heart
told me I
Der Katalog bringt dreieinhalb Millionen.
Du bringst mir Glück, Marilena.
Ich glaube, die Reflexe sind jetzt weg. Guck mal.
Exzellent.
Ich werde eine erstklassige Fotografin aus dir machen.
Unter einer Bedingung.
Und die wäre?
Du ziehst zu mir und wir arbeiten zusammen.
Ergebt euch.
Wir ergeben uns, ja.
Mami auch. Du sollst dich auch ergeben, Marilena.
Ich ergeb mich auch. Wir wollen wissen, warum ihr, wenn ihr im Bett seid, immer
kennt.
Also ihr verschwindet jetzt. Beide.
Abmarsch. Schluss. Warum denn?
Kommt mal her.
Ich erklär euch das.
Also, Marilena und ich, wir kämpfen gar nicht miteinander.
Ganz im Gegenteil.
Wir lieben uns.
Und das macht wahnsinnigen Spaß.
Schaut mal, was die Marilena für eine schöne weiße Haut hat.
Und was für eine wunderschöne Brust.
Und ihr gefällt das, wenn ich sie streichle.
Und mir, mir gefällt das, wenn Marilena meinen
Penis streichelt. Sag mal, du hast sie wohl nicht mehr alle.
Aber warum denn?
Von Geburt an ist der Mensch ein sexuelles Wesen. Das wird nur immer
verdrängt.
Deswegen bin ich noch lange nicht dein Demonstrationsobjekt.
Du spinnst wohl.
Er hat eine enges Geduld mit den beiden.
So spielen sie stundenlang.
Im Kindergarten haben sie der Tante erzählt, dass sie jetzt einen Papa
haben.
Wie nett.
Sag mal, soll das heißen, dass du die Kinder immer noch in diesen beschissenen
Tantenkindergarten schickst?
Was Besseres habe ich bisher noch nicht gefunden.
Und der Kinderladen?
Der repressionsfreie Erziehungsgedanke, von dem wir immer gesprochen haben, war
das alles nur gesponnen.
Wie redest du davon?
Guck mal, da ist ein Aschenbecher.
Hast du eine richtig kleinbürgerliche Idylle um dich herum gezimmert?
Wo war denn das Zeug alles her?
Na, ihr Wehle, was macht denn die Revolution?
Du musst dir sowas nicht alleine aufziehen.
Ein Kinderladen ist eine kollektive Angelegenheit.
Hier, dein Häufel, der kennt eine Menge interessierter Genossen.
Dieser Laden wäre absolut ideal dafür.
Willst du mal einen Tisch, Wolfgang?
Mhm.
Um was geht's denn?
Ach, wir haben gerade geredet.
Wo Marilena ihren Job jetzt wieder hat, wäre es doch toll, für die Zwillinge
einen Kinderladen zu organisieren.
Ich will den Job im Theater nicht wieder.
Das ist nicht dein Ernst.
Isst du was mit?
Mal sehen, vielleicht.
Sag mal,
du hast beim Arbeitsgericht einen Prozess gewonnen.
Du hast ja das Recht, erst heute wieder angestellt zu werden. Und da sagst du,
April, April, ich will nicht mehr.
Wir essen im Wohnzimmer. Bitte.
Wie Madame wünscht.
Weißt du, Marilena wird Fotografin.
Wird was?
Ja, Fotografin.
Von den 4000 Mark Lohnnachzahlung gehe ich auf die Letteschule und mache eine
richtige Ausbildung.
So,
wir wollen jetzt die Farben verteilen.
Blau kriegt der Boris.
Und grün die Jenny.
Gut umrühren.
Und der Jonas ist groß.
Wir wollen die Wand bemalen.
Bitte, Kinder, tut dem armen Catfin nicht weh.
Ihr
sollt
ihm doch nicht wehtun.
Wie oft habe ich euch gesagt, dass der Filet kein Spielzeug ist?
Ein für alle Mal.
Der Kater hat im Laden nichts zu suchen. Ist das klar?
Die Marilene ist doof. Ist überhaupt nicht doof.
Der Philipp fing auch gar nicht mit am Spielen.
So, jetzt hat das Spiel den Wettbewerb schon verstanden.
Mensch Mona, was ist das noch?
Ja, komm.
Ohne Lübcke.
Ihr könnt euch auch fragen, Jürgen.
Marilena, ich glaube, wir müssten bei einem etwas autoritären Erziehungsziel
ein bisschen genauer hinterfragen.
Vielleicht sollten wir den Vorfall bei der nächsten Elternversammlung
besprechen.
Das könnte dir doch helfen, deine Aggressionen besser unter Kontrolle zu
bekommen.
Ob autoritär oder anti-autoritär.
Ich lasse nicht zu, dass meine Kinder Tiere quälen.
Marilena, anti-autoritäre Erziehung heißt ja nicht, Ihnen alle Freiheiten
zuzugestehen. Schließlich sollen Sie einmal sozial denkende und empfindende
Wesen werden.
Wie Ihre Eltern.
Komm, Marilena, lass uns das doch morgen machen.
Morgen ist doch Sonntag. Lass mich in Ruhe. So einen Saustall zu hinterlassen,
das sieht denen ähnlich.
Den ganzen Abend lang quatschen sie über Vietnam und ob man den Kinderladen nach
Ho Chi Minh oder Chikibaba benennen soll.
Reden über Kammer hin und repressionsfreie Sexualerziehung.
Aber über die Diensteinfragen rede ich kein.
Ich habe schon x-mal Dünnendienste gemacht, ohne dass ich dran gewesen
wäre. Zum Putzdienst kommt sowieso keiner. Immer gibt es irgendeine
Ausrede. Hoch die internationale Solidarität.
Wer ist denn mit mir solidarisch?
Warum sagst du das alles mir? Dazu ist der Elternabend da. Wenn du da nicht den
Mund aufmachst, bist du selber schuld. Die lassen einen überhaupt nicht zu Wort
kommen. Wo Schwase Ausbeutern sein werden.
Und kollektiv, keine Ahnung.
Moment mal, wer beutet hier eigentlich wen aus? Um deine Blagen kümmere ich
mich weit Gott genug.
Meine Kinder sind keine Blagen. Und ich werde sie auch wieder in einen 0815
-Kindergarten stecken. Und diesen Scheißladen hier, den werde ich
auflösen. Darauf kannst du Gift nehmen. Du wirst überhaupt nichts auflösen.
Dieser Laden ist meine Form von gesellschaftlicher Arbeit. Und die lasse
ich mir von dir nicht kaputt machen. Lasse ich mir von überhaupt niemandem
kaputt machen. Das wäre noch weh. Von niemandem.
Tarzan kommt.
und Michael, jetzt bleib doch mal stehen und guck mich an.
Verkaufst du die auch?
Nein. Die sind nur für unser Album.
Aber wenn du die Fotos verkaufst, musst du doch nicht wegfahren.
Albumfotos kann man nicht verkaufen. Was für Fotos denn?
Das sind Fotos von schönen Frauen mit schönen Kleidern.
Die kommen dann in die Zeitung und die gucken sich alle Leute an.
Ich schaue mir lieber Giraffen an.
Ich eigentlich auch.
Mama, wie lange fährst du weg?
Nicht so lange. Nur drei Tage.
Tagsüber seid ihr doch im Kinderladen und ahnt euch Wolfgang zu haben.
Nicht, dass ihr mir zu viel Fernsehen guckt, ihr beiden.
So, und jetzt machen wir noch ein Foto von euch mit dem Giraffe.
So,
Achtung
ihr zwei.
Und? Achtung. Zack.
Nochmal. Jonas.
Hallo. Und?
Foto.
Kaffee da?
Ja, da in der Kanne. Aber kalt.
Es war alles so hektisch.
Ich hatte gar kein gutes Gefühl.
Aber jetzt, wo ich mir die Fotos angucke, sind sie doch ganz schön
geworden.
Findest du mich?
Ja.
So.
Ich muss los, ich habe noch einen Presse-Termin.
Sag mal, Wolfgang, bist du da?
Was soll ich sagen?
Tschüss.
Wenn ich das nicht hätte, wäre ich tot.
Warum tust du das?
Was?
Mein Herz klopfen lassen?
Du weißt schon.
Gar nicht, das weiß ich.
Warum triffst du dich mit anderen Frauen?
Weil ich vielleicht manchmal auch jemanden brauche, der mir zuhört.
Aber ich höre dir doch zu.
Ich höre dir zu.
Dauernd erzählst du mir Geschichten von Leuten, die ich überhaupt nicht kenne.
Ständig geht es um Aufträge, Termine, Geld oder den Kinderladen.
Wie es mir dabei geht, das interessiert dich doch überhaupt nicht mehr.
Wir müssen immer zusammen bleiben, hörst du?
Ich will dich nicht verlieren.
Alles was ich bin, bin ich durch dich und dafür bin ich dir sehr dankbar.
Red doch nicht so einen Unsinn, Marie-Lena.
Du hast deine Ausbildung abgeschlossen, du stehst jetzt im Beruf und das wird
doch auch alles so ohne mich gelaufen.
Lass uns wieder zusammenarbeiten.
Lass uns diesen verdammten Laden auflösen.
Dann können wir hier ein gemeinsames Atelier errichten.
Komm, wir sollten noch ein bisschen schlafen.
Na, was ist denn bei euch los?
Der Kinderladen ist futsch.
Der Kinderladen ist futsch?
Und hier machen wir ein großes Fotoatelier.
Ja, der kinderladensche Gewahre hat eine neue Heimstätte gefunden.
Georgiestraße 11.
Ehemalige Reinigungsannahmestelle.
Gar nichts zu übel.
Na, wollt ihr nicht weitermachen?
Mensch, Wolfgang, ich find's toll.
Komm.
Übrigens, Irene ist da.
Sie muss eine Zeit lang bei uns bleiben.
Sie hat Gerüchte.
Ach komm, wir holen die Sachen rein.
Glaubst du, dein Haute-Couture-Model schließt auch noch die Klamotten ab?
Da würde ich wohl kaum reinpassen.
Eine Twiggy-Figur hatte ich noch nie.
Und außerdem mache ich eigentlich keine Modefotos mehr.
Ich weiß.
Du stellst das Ganze um auf der sozialkritischen Welle, ne?
Du bildest dir hoffentlich nicht ein, damit auch nur irgendwas zu verändern.
Warum bist du so aggressiv, Irene?
Es passt dir doch nicht, dass ich hier bin, oder?
Gibst du mir eine?
Ich glaube, dass es dir schlecht geht.
Ich will auch gar nicht wissen, warum du dich verstecken musst.
Aber wenn es so ist, kommt es nicht darauf an, ob es mir passt oder nicht.
Es ist okay.
Ich hänge nicht lange bei euch rum.
Sobald ich die anderen Papiere habe, verschwinde ich.
Das ist doch Wahnsinn.
Du hast doch immer einen Haufen Rezenwälder in der Hand gehabt.
Da würde es doch einen geben, der dir helfen kann.
Wäre das gekonnt, hätte ich es leider auch abgetaucht.
Aber einen muss es doch geben.
Was ist mit deinem Vater?
Der ist doch Staatsanwalt. Eben.
Das Schwein würde mich doch sofort ans Messer liefern.
Du hast mir mal gesagt, dass wir nicht schuld sind an unseren Vätern.
Und dass wir darum nicht amok laufen dürfen.
Du hast überhaupt nichts kapiert, Marilena.
Es geht nicht um meinen oder deinen Vater.
Es geht um das System, das solche Väter möglich macht. Und dagegen kämpfe ich.
Mensch, Wolfgang.
Merkst du nicht, wie du verspießt hast?
Du kannst nicht einfach jeden Anspruch aufgeben.
Du gibst es dir selber auf. Du bist kaputt.
Macht kaputt, was euch kaputt macht.
Ich weiß, wovon ich rede.
Stell dir vor, es wird eine Aktion vorbereitet.
Und du hast Wahnsinn mit Schiss davor, oder?
Du tust es einfach und dann hast du das Gefühl, dass du lebst.
Und hinterher das Gefühl, dass du ihnen einen Schlag versetzt hast.
Und dass sie dich nicht erwischt haben.
Du bist absolut Wahnsinn.
Was macht euch das alles, wenn euch die Basis wird lassen?
Und ihr von keinem mehr verstanden werdet?
Jetzt hab ich dich so mit deinen Händen entdeckt!
Kannst du uns nicht in Ruhe lassen?
Kannst du uns verdammt noch mal nicht so leben lassen, wie wir nun mal leben?
Marilena, hör doch auf!
Ich hör nicht auf!
Ja. Ja.
mein Kaninchen ein Prinz wird. Und wenn ich groß bin, dann muss er mich
heiraten.
Warum soll denn der Hansi ein Prinz werden, Marleniken?
Ich glaube, der ist froh, dass er ein Hase ist.
Aber der Mahanebaum soll einen Prinzen aus ihm machen.
Da musst du ihm aber einen dicken Kuss geben.
Ich laufe schnell in die Polyklinik rüber.
Can't find what you're looking for?
Get subtitles in any language from opensubtitles.com, and translate them here.