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HIMMEL ÜBER DER WÜSTE
Tja. Terra firma.
Wahrscheinlich sind wir die ersten Touristen seit dem Krieg.
Wir sind Reisende, keine Touristen.
Und wo liegt da der Unterschied?
Touristen denken ans Abreisen, sobald sie ankommen.
Reisende dagegen kehren vielleicht gar nicht zurück.
Dann bin ich wohl Tourist?
Ja, Tunner. Und ich bin halb und halb.
12, 13, 14...
- Kein Beruf? - Nicht, dass ich wüsste.
Madame ist Autorin, Monsieur Tunner Geschäftsmann.
Sie müssen doch auch einen Beruf haben.
Meine Frau hat vor fünf Jahren ein Theaterstück geschrieben.
Ich fand es wunderbar, die Kritiker waren jedoch eher zurückhaltend.
Und Mr. Tunners einziges Geschäft sind Dinnerpartys auf Long Island.
Monsieur, mein Mann ist Komponist. Und gerade bei bescheidener Laune.
Voilà. Ein Künstler.
Und wie lange wollen Sie bleiben?
Mr. Tunner wahrscheinlich ein paar Wochen, wir beide ein, zwei Jahre.
Ein, zwei Jahre?
Hier?
Das ist alles.
Ach, die Italiener haben den Frauen das Stimmenrecht gewährt.
Bis Boussif fährt ein Zug, dann müssen wir mit dem Bus fahren.
Du warst ja schon mal in Nordafrika. Wir folgen deinem Plan.
Mein einziger Plan ist, dass ich keinen habe.
Gut. Ganz wie du meinst.
Da weder Kit noch Port je ein geregeltes Leben geführt hatten...
dachten beide fatalerweise, Zeit sei etwas Unendliches.
Ein Jahr war wie das andere. Irgendwann würde alles passieren.
Ich hatte in der Nacht einen merkwürdigen Traum.
Port. Die Träume anderer Leute sind so langweilig.
Ich weiß, aber wenn ich ihn nicht erzähle, vergesse ich ihn.
Ich war auf Reisen. In einem Zug.
Da wurde mir klar, dass der Zug in einen Lakenberg fahren würde.
Eindeutig ein Fall für Madame La Hueffs Zigeuner-Traumtagebuch.
Halt die Klappe.
Ich wusste, wir werden verunglücken, aber... Was?
Wieso erzählst du das? Du weißt, dass es langweilig ist.
- Vielleicht will Tunner ihn ja hören? - Träume sind mein Fall.
Ich wusste, ich konnte das Zugunglück vermeiden...
wenn ich nur den Mund aufmachen und schreien könnte.
Doch dann wusste ich, es war zu spät. Denn ich hatte...
mir die Zähne mit der Hand rausgebrochen.
Als seien sie aus Gips.
Ich fing an zu weinen. Dieses schreckliche Traumweinen...
das einen wie ein Erdbeben schüttelt.
- Schon gut, Tunner, lass sie. - Weint sie etwa?
Manchmal meint Kit, alles auf der Welt sei nur ein Zeichen für etwas anderes.
Ein weißer Mercedes ist nicht einfach nur ein weißer Mercedes.
Er verbirgt eine geheime Botschaft über das Leben an sich.
Alles ist ein Omen. Nichts kann nur das sein, was es ist.
Die hab ich vom Hotelpagen.
Er hat gesagt, sie gehörte mal Gen. Montgomery.
Ja, sieht ganz aus wie Montys Brille.
Verzeihung.
Sind Sie zufällig im Grand Hotel zu Gast?
- Ja. - Oh, gut. Ich bin Eric Lyle.
Tja, Sie könnten mir nicht zufällig 20 Centime leihen, oder?
Ich hab nicht genug Kleingeld für einen Sherry dabei.
Oh, vielen Dank.
Eric! Du widerliche Kröte.
- Was treibst du da? - Hallo, Mutter.
- Ich will mir nur Zigaretten kaufen. - Lügner! Trinken willst du!
Du weißt doch, was der Arzt zum Thema Alkohol sagt.
- Was ist denn, Süße? - Nichts.
Doch. Warum musstest du deinen Traum vor Tunner erzählen?
Vor Tunner? Ich wollte ihn Tunner auch erzählen, genau wie dir.
Ich weiß, du findest Träume langweilig, aber mein Gott!
Warum musst du immer alles so ernst nehmen?
- Es war nur ein Traum! - Ich vertraue ihm einfach nicht.
Das ist so ein Tratschmaul.
Tunner? Und mit wem soll er hier tratschen?
Du vergisst wohl, dass wir irgendwann wieder in New York sind.
Wohlmöglich.
Aber von mir aus kann er der ganzen Ostküste meinen Traum erzählen.
Wen interessiert das schon?
Und wieso vertraust du ihm nicht?
Ich fühle mich nicht ganz wohl in seiner Gegenwart.
Das hätte dir vorher einfallen können.
- Du hast ihn eingeladen. - Er hat sich selbst eingeladen.
Und wir, nein, du hast ihn mitgenommen.
Versteh mich nicht falsch. Er ist groß...
er ist sehr reich, er sieht gut aus.
Ich mag ihn sehr.
Aber das muss doch etwas bedeuten, dass du ihm nicht vertraust.
Natürlich bedeutet es etwas. Nur ist es nicht wichtig.
- Ich gehe spazieren. Kommst du mit? - Nein, danke.
Dieses Zimmer tut mir gut nach der langen Seefahrt.
Ich gehe spazieren. Kommst du mit?
Nein, danke. Dieses Zimmer tut mir gut nach der langen Seefahrt.
- Ich gehe spazieren. Kommst...? - Nein, danke.
Was möchtest du sonst machen?
Ist es nicht Zeit, dass du mir den Bauch reibst?
Ich weiß, was du denkst.
Du riechst wunderbar. Was soll das heißen, du vertraust Tunner nicht?
Port, reden wir nicht darüber.
In Ordnung, Schatz.
Und überhaupt, Tunner ist deine Sache, nicht meine.
Was machst du da? Was willst du?
Nichts.
Ich heiße Smail.
Ich war im fünften Scharfschützenbataillon.
Da.
Ich habe im Krieg gekämpft. Viele sind gestorben. Nichts zu essen.
- Sie sind traurig, Monsieur. - Ich bin müde.
Das Leben ist kurz. Man muss sich amüsieren.
Ja, ich weiß.
Ich bringe Sie zu einer Freundin. Ein wunderschönes Mädchen.
Schöner noch als der Mond.
- Sie meinen, eine Hure. - Eine Hure?!
- Soll ich Ihr Zimmer machen, Madame? - Nein, danke.
Wie Sie wünschen.
Kommen Sie, Monsieur! Sehen Sie selbst.
Es ist sehr spät. Wohin gehen wir?
Hier runter, da ist ihr Zelt. Kommen Sie, Monsieur!
- Ziehen Sie nicht die Schuhe aus? - Nein, danke.
Sie bezahlen sie nur, weil Sie ihre Zeit in Anspruch nehmen.
Warum flüstern Sie?
Wegen der Männer in den anderen Zelten.
Sie heißt Mahrnia.
Aufhören!
Mein Gott.
- Wer ist da? - Ich bin's.
Bist du wach?
Nicht sehr.
Das ist der beste Teil des Tages, den solltest du nicht verschlafen.
Ich komme gleich, Tunner.
- Alles in Ordnung? -Ja.
Hallo, Tunner.
Hältst du eine Seance hier drin?
Du hast ja fürchterlich gute Laune.
Bei dem Anblick ist es doch kein Wunder.
Was war gestern Abend mit Port? Ich habe auf ihn gewartet.
- Wieso? - Wir hatten uns im Café verabredet.
Im Bett habe ich noch lange gelesen. Um vier war er immer noch nicht da.
Und jetzt ist er schon wieder los.
Bzw. er ist noch nicht wiedergekommen.
Bestellst du mir ein pétit déjeuner?
Mir ist gerade so nach ekeligem Kaffee und Gipscroissants.
Du bist ein eigenartiger Mensch. Es ist nicht leicht, dich zu verstehen.
Versuch nicht, interessant zu sein. Das steht dir nicht.
Dafür siehst du zu gut aus.
Bist du so weit?
Wir gehen einkaufen, bevor es zu heiß wird.
Wolltest du nicht ein Moskitonetz?
Das war gestern. Momentan bin ich erschöpft.
Ich weiß nicht, was ich will.
Du ziehst dich an, und ich warte in Ports Zimmer.
Ich mach sogar die Tür zu.
Teilt ihr euch manchmal auch ein Zimmer?
Wenn man monatelang auf Reisen ist, braucht man getrennte Zimmer.
Aber wenn du Sex meinst: Das dürfen Ehepaare nie mit Schlaf verwechseln.
Außerdem arbeitet Port meistens nachts.
Das heißt also, dass er schnarcht. Oder du.
Langweiler.
- Darf ich reinkommen? - Natürlich.
Was ist mit dir passiert?
- Was war das? - Nur Tunner.
- Was macht er da? - Weißt du was, Kit?
Du brauchst mich!
Er wartet, dass ich mich anziehe.
- Hör auf! - Zieh dich zu Ende an.
- Sieh an! - Was soll diese Unordnung hier?
Heim vom Krieg, was? So siehst du auch aus.
Kit und ich wollten nur spazieren gehen.
Meine Güte, hast du dich mal angeschaut?
Ja, ich brauche einen Kaffee. Könnt ihr euch jetzt verpissen?
- Komm, Tunner. - Bis dann. Schlaf erst mal 'ne Runde!
Puh, ist das heiß! Wirklich miserabel, das Wetter heute.
Die Malaria ist wohl wieder im Anmarsch.
Der sieht aus wie der Mörder in Massachusetts...
der die kleinen Kinder zerstückelt hat.
Ich glaube, der Mörder sah braver aus.
- Was für scheußliches Wasser! - Dann trink es eben nicht, du Memme.
Ich bin dein ewiges Gejammer über Schmutz und Würmer so leid.
- Wen interessiert das schon? - Das sind beides Monster!
Sie schreibt Reiseführer.
Aber denen gehört der Mercedes, und sie fahren morgen nach Boussif.
Schrecklich, jetzt müssen wir uns zwischen zwei Übeln entscheiden:
Mit dem Zug fahren oder mit den beiden.
Sie haben doch noch gar nicht angeboten, uns mitzunehmen.
Großartig! Noch ein Omen.
Nicht schon wieder! Dieses nutzlose Franzosenpack!
Ja, also, ich hätte gerne Kebab mit...
Übrigens, was sollte das alles mit Tunner vorhin?
Es sah aus, als hätte er in meinem Zimmer geschlafen.
Er sollte nicht wissen, dass du die ganze Nacht weg warst.
- Ist das so schlimm? - Nein, das ist sehr rücksichtsvoll.
Aber du hast mir immer noch nicht gesagt, was er bei uns wollte.
Und du hast mir nicht gesagt, wo du die ganze Nacht warst.
Du hast mich ja nicht gefragt.
Und ich werde dich auch nicht fragen.
Bestimmt laden die uns ein. Und ich habe solche Angst vor Zügen.
Ich hasse es, wählen zu müssen!
Anstatt die kleinen Spannungen zwischen ihnen zu schlichten...
gab sie sich vollkommen kompromisslos.
Die glückliche Versöhnung könnte jetzt oder später stattfinden...
doch eins stand fest: Er allein musste sie in die Wege leiten.
Das jüngere Monster hat mich gerade aufgeweckt.
Sie fahren in einer Stunde nach Boussif.
Und, Freude schöner Götterfunken, er hat uns eingeladen, mitzufahren.
Ach, wusste ich es doch.
Im Auto geht es schneller. Wahrscheinlich fünf Stunden statt elf.
Sicherer ist es bestimmt auch. Und bequemer auf jeden Fall.
Züge sind die Hölle.
Warum ist es so dunkel?
Es ist gar nicht dunkel, draußen ist es wunderschön.
Es gibt nur ein winziges Problem.
Wir können nicht alle drei mitfahren.
Dann hat sich die Sache. Wir können Tunner nicht alleine lassen.
Wieso? Wir müssen doch nicht jede Minute mit ihm zusammen sein.
- Du musst es auch nicht. - Aber du schon?
Ich lass ihn doch nicht hier...
und fahre mit dieser Hexe und dem Kriminellen los.
- Dem Kriminellen? - Der ist mir nicht geheuer.
Mach du ruhig, was du willst.
Ich und Tunner fahren mit dem Zug.
Aber Kit, du hast panische Angst vorm Zugfahren.
Ja.
Aber jetzt habe ich mich entschlossen.
- Mit Tunner zu fahren? - Ja.
Kannst du bei diesem Licht lesen?
Ich schau mir nur die Bilder an.
Tut mir Leid, aber Zugfahren macht mich sehr nervös.
Hör zu: Ich will, dass du das alles vergisst.
Ich passe auf, dass dir nichts passiert.
Sie durchsuchen die Zimmer, klauen unsere Sachen und belauschen uns.
Verzeihung, wer macht das alles?
Die Araber natürlich, diese minderwertige Rasse. Sie hassen uns.
Die Franzosen auch, die hassen uns am allermeisten.
Ich mag die Araber.
Weil sie unterwürfig sind. Aber kehrt man ihnen den Rücken zu...
- Einmal in Mogador... - Ach, halt die Klappe!
Wer will sich deine Dummheiten anhören?
- Mutter! - Rede nicht in diesem Ton mit mir!
Eine Ohrfeige verdienst du, das würde dir gut tun!
Wie wär's mit etwas Nervenmedizin?
Champagner?! Oh, Tunner!
- Genau, was der Arzt verschreibt. - Wir sind gerettet!
- Port würde zu viel kriegen! - Tja, Port ist nicht da.
Ein Esel! Das erinnert mich an Spanien.
Ein schreckliches Land. Lauter Soldaten, Priester und Juden.
- Juden? - Die regieren das Land, wie überall.
Nur nennen sie sich in Spanien "Catolico, Catolico"!
- Wir müssen sparsamer trinken! - Wieso?
Weil es magisch ist, es kann einen Zug anhalten!
Ich habe aber viel Magie dabei!
Singt da ein Mann?
Schwer zu sagen. So, trink!
- Ich war nicht zum Leben bestimmt. - Kit.
Du bist nervös, darum habe ich Champagner dabei.
Aber nichts ist derart wichtig. Entspann dich einfach.
- Wer sagte noch mal so schön... - Nein, Tunner.
Nein. Champagner, ja. Philosophie, nein.
Herrje. Ist es nicht malerisch.
Ja. Und Ihre Gegenwart vervollständigt das Bild.
- Ist Ihre reizende Frau angekommen? - Ja.
Gestern Abend. Aber ich habe sie noch nicht gesehen, sie schläft noch.
Morgen fahren wir nach Ain Krorfa.
Da soll es ein halbwegs vernünftiges Hotel geben.
- Natürlich nicht so schön wie hier. - Schön?
Mein lieber Mr. Moresby, hier ist es geradezu luxuriös.
Das beste Hotel bis zum Kongo soll es sein.
Ab jetzt gibt es kein fließendes Wasser mehr.
Nirgendwo.
Mr. Moresby? Darf ich Ihnen Gesellschaft leisten?
Verdammt langweilig hier in Boussif, was?
Und Mutter Lyle macht es nicht gerade angenehmer.
Ach, könnten Sie mir eventuell Geld leihen? So 10.000 Franken?
Oder vielleicht 5000? Ich zahle es natürlich zurück.
Ich bin nicht einer von denen, die glauben, alle Amis seien Millionäre.
Aber meine Mutter ist einfach verrückt. Sie gibt mir keinen Penny.
Was soll ich denn machen?
Sogar mit 500 könnte ich zwei Wochen lang rauchen.
Ich leihe Ihnen kein Geld, weil ich es nie wiederbekommen würde.
Aber ich kann Ihnen 300 Franken geben.
Sie rauchen ja den Tabak von hier, der ist zum Glück sehr billig.
Ach, du lieber Gott! Tunner!
Tunner! Aufwachen!
- Aufwachen, Tunner! - Was? Was ist los?
Du bist in meinem Zimmer. Raus hier!
Herrje.
- Wie spät ist es? - Es ist fast Mittag!
Was ist passiert? Ich kann mich an nichts mehr erinnern!
- Wir sehen uns später. - Darauf kannst du dich verlassen.
Haben wir noch Champagner über? Ich bin in Panik.
- Die letzte Flasche. - Danke.
- Tunner! Schnarche ich? - Ob du schnarchst? Nein.
Hallo.
Ich liebe euch, Port und Kit, Ich liebe euch, Kit und Port.
Können wir tauschen, wenn meine Kette abgeht?
Nein!
Wenn Tunner nicht so lange Siesta machen würde, wären wir nie allein.
- Ich glaube, er ist in dich verliebt. - Sei doch nicht albern.
Es sind schon albernere Sachen passiert.
Wie er sich immer herumdrückt und dummes Zeug redet...
wie er dich anschaut, während er an seiner DDT-Dose fummelt...
Was noch?
- Wie emsig er dein Gepäck zählt. - Deins auch!
- Das ist etwas anderes. - Schau mal!
Irgendwann werfen sie die Franzosen raus aus diesem Land.
Bei den Hosen kann man es ihnen auch nicht verdenken.
Schaffst du es bis zum Pass?
Hey, warte! Warte!
- Wiedersehen! - Warte!
Warte!
Ich vermisse Augenblicke wie diesen, Orte wie diesen.
- Mehr als alles in der Welt. - Das weiß ich.
Diese Stelle wollte ich dir zeigen.
Ja.
Komm!
Der Himmel ist so merkwürdig hier...
fast undurchdringbar, massiv.
Als beschützte er uns vor dem, was dahinter liegt. Schau nur!
- Und was liegt dahinter? - Gar nichts. Nur die Nacht.
Ich wäre so gerne wie du, aber ich kann nicht.
Vielleicht teilen wir dieselbe Angst.
Nein,tun wir nicht!
Du hast keine Angst vorm Alleinsein.
Und du brauchst nichts und niemanden.
Du kannst ohne mich leben.
Lieben heißt für mich, dich zu lieben. Das weißt du.
Egal, was zwischen uns nicht stimmt, es könnte nie jemand anderen geben.
Vielleicht haben wir beide Angst, zu viel zu lieben.
Lass uns fort von hier.
. Okay' . Okay'
- Gott! - Mistviecher! Wir sind in Ain Krorfa.
Pearl Harbor, Tunner! Wir werden angegriffen.
Meine Güte!
Warten Sie erst, bis wir da sind. "Schwarzer Schnee" nennt man das.
Wann fährt der nächste Bus?
Sonntag, nach Bou Noura. Manchmal fährt ein Wagen nach Messad.
Dann nichts wie weiter nach Messad!
Wenn ich eine Woche hier bleiben muss, gehe ich ein.
- Morgen. - Guten Morgen.
Mein Gott! Woher kommen diese ganzen Fliegen?
Willkommen in Ain Krorfa!
Das ist schon ein sehr spezieller Geruch.
Ein wunderbares Zimmer für Sie.
Nein, drei Zimmer, bitte.
Meinst du, Port vermutet irgendwas?
Ich denke, er weiß es. Er weiß nur nicht, dass er es weiß.
Was ist das für ein Lied? Ich höre es überall.
"Abd-el-wahab." "Ich weine auf dein Grab."
Ich weine um meinen Gin Tonic.
Obwohl sich laut Port jeder irgendwann an alles gewöhnt.
Wenn das wahr wäre, gäbe es keinen Fortschritt.
Wahr ist es sicher, aber ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht ist.
Weder noch.
Das ist vielleicht das einzige Hotel hier...
aber auf dem Markt gibt es sicher etwas Besseres. Da! Leichen!
Rüsselkäfer. Die waren wohl in den Nudeln.
Jetzt sind sie jedenfalls in der Suppe.
Die ganz Suppe wimmelt von den Viechern!
Ihr könnt hier gerne eure Aassuppe löffeln.
Auf dem Markt gibt es bestimmt besseres Essen.
Wiedersehen.
Also gut.
Anscheinend kann ich nur bei schlechtem Essen mit dir alleine sein.
Es schmeckt allerdings recht furchtbar.
- Allerdings. - Vielleicht gibt's Eier in der Küche.
- Oh nein. -Oh doch.
Scheuch diese schrecklichen Gören weg!
Komm her, Mummy!
- Haut ab! - Haut ab!
Weg mit dir, du räudiger Bengel!
- Könntest du hier glücklich sein? - Glücklich?
- Wie meinst du das, glücklich? - Könnte es dir hier gefallen?
Wie soll ich das wissen?
Warum musst du mir solche Fragen stellen?
Ich kann sie wirklich nicht beantworten.
Was soll ich sagen? Ja, ich werde glücklich sein in Afrika?
Ich finde es so schön hier in Ain Krorfa?
Nur weiß ich nicht, ob ich einen Monat bleiben oder morgen abreisen will.
Morgen kannst du nicht abreisen, selbst, wenn du es wolltest.
Es gibt keine Informationen, wie man hier wegkommt.
Keine Busse, nicht mal einen Obstwagen. Keiner spricht Englisch.
- Schlaftrunk gefällig? - Nein, danke.
Also, dann gute Nacht.
- Sicher? - Ja, aber nett gemeint.
- Nacht! - Port.
Gute Nacht.
Herein.
Ich bin's, Eric.
Ich hoffe, ich störe Sie nicht.
Warum gehen Sie auf Zehenspitzen?
Keine Ahnung.
Wegen des Geldes: Ich kann es nicht zurückzahlen.
- Das müssen Sie auch nicht. - Doch, ich möchte aber.
Ich habe zwar schon 300...
300 Franken, stimmt's?
Aber Mutter und ich reisen morgen früh ab.
Können Sie vielleicht einen Tausender wechseln?
- Soll ich nachsehen? - Das wäre nett.
- Wo fahren Sie hin? - Nach Messad.
Nein!
Genau dort möchte Mr. Tunner auch hin.
Ja.
Ich, äh...
Wir fahren schon vor Sonnenaufgang los.
Ich könnte ihm sofort Bescheid sagen.
Es macht Ihnen doch nichts aus, ihn mitzunehmen, oder?
Möchten Sie mal eine von meinen probieren?
Ja, danke.
Vergessen wir das Geld.
Oh, tja. Na gut.
Wenn Sie ihn so dringend loswerden wollen...
Entschuldigen Sie mich.
"Fahre mit den Lyles nach Messad. Vielleicht find ich dir mehr Schampus.
Bis Bou Noura. Dein Tunner."
- Was ist denn mit Tunner passiert? - Der ist mit den Monstern abgereist.
- Er hat mir sein Kissen da gelassen. - Gut.
Wir treffen uns also in ein paar Tagen in Bou Noura mit ihm?
- Mehr oder weniger, ja. - Mehr oder weniger?
Weniger, genau genommen.
- Packst du, Port? - Ja.
Es gibt doch einen Bus nach Bou Noura.
Ein Bus? Heute?
Ja, er fährt nur nachmittags.
Merkwürdig, dass es ihn gestern noch nicht gab.
Du kennst doch die Verkehrsmittel hier. Stets improvisiert.
Dieser Überseekoffer.
Auf diesem Koffer sitzend hast du die "mexikanische Ouvertüre" geschrieben.
- Wirklich? - Ja.
Also, dann sind wir wohl wieder allein?
Ja.
Wir sind schon ziemlich lange verheiratet.
Ich finde, zehn Jahre ist gar nicht so lang.
- Was in Gottes Namen machst du da? - Feiern.
Ich weiß zwar nicht was, aber trotzdem.
Ich dachte, ich sterbe, wenn ich nicht meine Sachen sehe.
Wir leben wie Flüchtlinge. Ich habe seit dem Schiff nichts ausgepackt.
Das einzige Problem ist, dass es hier nirgends Spiegel gibt.
Also, wie sehe ich aus?
Hast du meine Schildplattbrille gesehen? Mit den trennbaren Bügeln?
Hast du meinen Pass gesehen? Den mit dem Foto?
Nein!
- Ich hab ihn verloren. - Nein!
Ach, dann ist ja gut. Doch, hab ich.
Mein Gott, so etwas Nerviges!
Hast du irgendjemanden in meinem Zimmer gesehen?
- Hast du auch alles durchsucht? - Ja.
- Ist dir kalt, Port? - Ja, ein bisschen.
Tja, ich sollte es wohl irgendwo melden.
Je eher, desto besser.
Meinst du wirklich, eher ist besser?
Übrigens:
Du siehst passabel aus.
Mein Pass wurde gestohlen. Und zwar von Eric Lyle.
Ich sage doch, das ist ein Krimineller.
Der Pass landet sicher in Messad, bei der Fremdenlegion...
dort verkauft er sich am teuersten.
Und genau dorthin war Eric unterwegs.
Wie kann einem nur mitten in der Sahara so kalt sein?
In El Gaa wird es mir bestimmt besser gehen.
El Gaa?
Die schönste Stadt der Sahara.
- Komisches Gefühl, so ohne Pass. - Wann fahren wir nach El Gaa?
Der Bus, der morgen fährt, ist leider schon ausgebucht.
Keine Angst, ich packe deine Sachen.
Und wie steht's mit unseren Plänen? Und mit Tunner?
Tunner kommt schon nach.
Vielleicht sind wir ja noch hier.
- Wir stehen auf einem Friedhof. - Wirklich?
Schau dir diese Grabsteine an.
Keine Namen, kein Datum. Nichts als große Tonscherben.
Meinst du manchmal nicht, wir sollen aufhören?
Einfach irgendwo Halt machen, auch wenn es nur eine Zeitlang ist.
Wirklich irgendwo Halt machen?
Vielleicht in El Gaa. Da soll es sehr schön sein und auf jeden Fall wärmer.
Timbuktu, El Gaa, das ist doch einerlei.
Aber wenn es dich glücklich macht, dann auf nach El Gaa.
Dann bleiben wir in El Gaa.
Wenn du deine Krankheit nicht verkaufst, findest du keinen Käufer...
und dann wirst du nie deine Seele retten.
Moment.
Monsieur Tunner kommt morgen. Ihr Freund.
Und er bringt Ihren Pass.
Wie gesagt, der Bus nach El Gaa ist seit einer Woche ausgebucht.
Sind Sie krank?
Nein, aber meine Frau ist sehr krank. Wir müssen heute noch abreisen.
Das ist unmöglich.
Doch, das ist möglich. Sehr möglich sogar.
- Amerikaner? -Ja.
Port. Port! Komm, setz dich hin.
Du machst dir den ganzen Rücken kaputt.
Port? Los, setz dich hin.
Bitte, Port. Komm. Setz dich aufrecht hin, ich helfe dir.
Port, bitte.
Komm schon, Port.
So.
Hier, ich decke dich zu. Du frierst ja.
Besser so? Mein Gott.
- Irgendwas stimmt nicht mit mir. - Was kann es sein?
Wann sind wir da? Bis Mittag?
Du musst dich ausruhen, Liebling. Leg deinen Kopf an meine Schulter.
Du musst jetzt erst mal schlafen, ja?
Dann fühlst du dich besser. Ja?
Liebling! So hast du mich schon seit über einem Jahr nicht mehr genannt.
Port...
Alles kommt nach El Gaa! Salz aus dem Sudan, Straußenfedern...
sogar Leopardenfelle. Verstehen Sie, Madame?
Alles in Ordnung?
Danke. Das Gepäck, bitte. Alles okay?
- Ich hab so gut geschlafen. - Großartig ist es hier!
- Mein Gott! Wunderbar. - Wind!
Meine Luxussuite hast du schon arrangiert?
Und das Vier-Sterne-Restaurant.
Cocktails auf der Veranda!
- Ich liebe sie so alle zusammen. - Aber nicht jeden für sich.
So meinte ich das nicht. Wieso musst du so...
Port! Was ist denn? Was hast du?
Kannst du aufstehen?
Bitte steh auf, Port. Versuche es. Kannst du gehen?
Bist du hier? Bist du hier?
- Leg deinen Arm um mich. - Ich hab mir die Zunge gebissen.
Komm, hier lang. Das wird schon.
Ich wollte schon immer wissen, wie es ist, sich die Zunge zu beißen.
Kannst du noch ein Stückchen weiter gehen, Port?
Du musst nur eine Weile am selben Ort bleiben, dann geht's dir wieder gut.
- Geht es, Port? - Hab ich Fieber?
Ja, du bist sehr heiß.
Bitte hab keine Angst. Ich kümmere mich um dich.
Wie hieß dieses Hotel in Salzburg, mit den...
- Rentieren auf den Tellern? - Kannst du kurz hier bleiben?
- Ja, das geht schon. Beeil dich. - Ich beeile mich.
- Alles in Ordnung? - Ja, alles gut.
- Mir ist kalt. - Port...
ich bin gleich wieder da.
Warum lassen sie uns nicht rein?
- Bitte aufmachen! - Wer sind Sie, Madame?
Sind Sie die Besitzerin?
Ich kann Sie nicht hereinlassen.
Die Epidemie ist noch nicht bei uns eingeschlagen.
- Was für eine Epidemie? - Das wissen Sie noch nicht?
Ganz ruhig. Nachdenken.
- Kommen Sie. - Wohin?
Fondouk, gut.
Wir müssen weg von hier.
Sofort.
Per Transportwagen, per Auto, per Bus...
Egal, was es kostet!
Port?
Port!
Seid still! Aufhören!
Port, du musst mir helfen. Ich schaffe das nicht alleine.
- Komm mit. - Was ist mit den Flöten?
- Port, hörst du mich? - Spielt! Mehr Musik...
Port...
Porter, hörst du mich?
Ich habe einen Wagen gefunden. Er fährt zu einem Dorf namens Sba.
Dort gibt es ein Fort, da sitzt die Fremdenlegion.
Alles wird gut.
Okay, Baby?
- Ist Typhus tödlich? - Nicht immer, Madame.
Ich lasse eine Matratze bringen.
Bequem wird es nicht sein...
aber was erwarten Sie? Wir sind in Sba, nicht in Paris.
Geben Sie ihm alle zwei Stunden diese Tabletten.
Sie müssen mutig sein, Madame.
Hier sind zwei Tabletten, die musst du runterschlucken.
Hier hast du Wasser.
Port, du musst jetzt deine Medizin einnehmen.
Du musst deine Medizin nehmen.
Komm.
Da. Hier, trink einen Schluck.
Versuche zu schlucken. Hast du sie geschluckt?
Ich gehe jetzt kurz raus.
Ein bisschen frische Luft schnappen.
Ich bin bald wieder da.
Du fühlst dich schon ein bisschen kühler an.
Port?
Versuche, ein bisschen Suppe zu essen. Sie sieht lecker aus.
Kannst du dich hinsetzen?
Gut. Hier.
Versuche, zu schlucken.
Versuche es noch mal. Hier.
Bitte versuche es noch mal, solange sie noch heiß ist.
Port.
Port?
Port?
Port.
Hier.
Ich habe deine Tabletten mit warmer Milch vermischt. Hier.
Kannst du versuchen zu schlucken?
Schön runterschlucken.
Schlucken, Schatz.
Geht es? Ich weiß. Ich weiß.
Kannst du es versuchen? Bitte, schluck es runter.
Kit...
' Kit? .Ja?
Ich hab versucht wiederzukommen.
Und jetzt bin ich auch wieder da.
- Ist jemand da? - Was?
- Ist jemand da? - Nein, nein.
Hier ist keiner.
Hallo, wie geht's? Schön, dich zu sehen.
Ist die Tür verriegelt?
Ja.
Gibt es...
Ich wollte dir so viele Sachen sagen, aber jetzt weiß ich nicht mehr alle.
Ja, das macht das Fieber.
Möchtest du etwas warme Milch?
Ich glaube, dafür reicht die Zeit nicht. Ich weiß nicht...
- Nein, ich hole sie schnell. - Bitte bleib hier.
Ein Glück, dass es dir besser geht! Ich wäre fast wahnsinnig geworden.
Ich bin so froh, dass es dir besser geht.
Ich sollte keine Angst haben, aber ich habe trotzdem Angst.
Weil manchmal... bin ich nicht hier.
Und dort ist so weit weg.
Und ich bin ganz alleine. Weißt du, wenn man ganz alleine ist...
und denkt, da kommt man nie hin, keiner.
Weißt du?
Nein, du musst da bleiben, Port.
Weißt du, wie schrecklich es ist...
Weißt du, Kit...
All die Jahre habe ich für dich gelebt.
Und ich wusste es nicht. Aber jetzt weiß ich es.
Ich weiß es.
- Ich bin hier. - Aber jetzt gehst du.
Nein, ich gehe nicht. Ich bin hier, Port, ich bin hier.
Bitte bleib hier. Bitte bleib hier in diesem Zimmer.
Port, ich bin hier...
Port, bleib hier. Port, bitte bleib hier.
Bleib bei mir. Port. Port?
Port? Port?
Schau mich an. Port?
Ich bin hier. Siehst du mich?
Ich bin hier. Bitte...
Porter, Porter...
Bitte geh nicht.
Bitte geh nicht, bitte nicht...
Können Sie mir helfen? Gibt es einen Arzt?
Wo ist sie? Ich hätte sie einschließen sollen.
Helfen Sie mir! Gibt es einen Arzt?
Ein Arzt? Können Sie mir helfen? Bitte!
Kann mir irgendjemand helfen?
Können Sie das nehmen?
Bitte nehmen sie es.
Zehen.
Knie.
Schenkel.
Gefällt es dir?
Wiedersehen.
Ach, du meine Güte.
Das ist doch dieser Tunner.
Die sind noch hier.
Komm schon!
Willkommen, Madame!
Hatten Sie eine angenehme Reise? Nicht zu müde?
Möchten Sie wieder dasselbe Zimmer?
Halli-hallo!
Ich dachte, Sie seien schon wieder in Amerika.
Seit wann sind Sie in Bou Noura?
- Seit drei Monaten. - Sind die Moresbys hier?
Wirklich reizende Menschen, die beiden.
Hören Sie von ihnen?
Ja. Es geht ihnen gut.
Entschuldigen Sie mich.
Kommen Sie, Madame, ruhen Sie sich aus.
Das Gepäck, schnell!
D ist mal wieder verreist.
Hier. Hier, nehmen Sie es.
So nehmen Sie es doch! Das ist französisches Geld.
Nehmen Sie es! Nehmen Sie alles!
Nein! Lassen Sie mich doch! Bitte!
Loslassen!
Nein, lasst mich los, bitte!
Oh, Gott!
Bitte! Ich kann nicht atmen! Ich kann nicht atmen!
Loslassen!
Bitte!
Mrs. Katherine Moresby?
Ich bin von der amerikanischen Botschaft.
Sie müssen vollkommen erschöpft sein.
Ich bin extra den langen Weg hierher geflogen, um Sie zurückzubringen.
Seit wann sind Sie schon hier?
Wir bringen Sie im Grand Hotel unter. Dort fühlen Sie sich sicher wohler.
Luxuriös ist es nicht dort, aber besser als Ihre vorige Bleibe.
Übrigens: Ein Mr. Tunner bombardiert die Botschaft seit Monaten...
mit Briefen und Telegrammen.
Wir haben ihn benachrichtigt, dass wir Sie gefunden haben.
Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen...
aber ich habe ihm geschrieben, dass wir Sie abholen.
Es würde mich nicht wundern, wenn er schon im Grand Hotel auf Sie wartet.
So, da wären wir. Das Taxi behalte ich gleich hier.
Ich gehe erst mal rein und schaue nach.
Kit.
Haben Sie sich verirrt?
Ja.
Weil wir nicht wissen, wann wir sterben...
halten wir das Leben für einen unerschöpflichen Brunnen.
Dabei passiert alles im Leben nur einige Male.
Einige wenige Male.
Wie oft wirst du dich noch...
an einen bestimmten Nachmittag deiner Kindheit erinnern?
Ein Nachmittag, der so tief in deinem Wesen verwurzelt ist...
dass du dir dein Leben ohne ihn gar nicht vorstellen kannst?
Vielleicht noch vier oder fünf Mal.
Vielleicht sogar weniger.
Wie oft wirst du den Vollmond noch einmal aufgehen sehen?
20 Mal vielleicht.
Und dennoch scheint alles unendlich.
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