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Original subtitles

(erwartungsvolle Musik)

(Musik klingt aus.)

(verspielte Musik)

(off) Die Ehe ist der Anfang und der Gipfel aller Kultur.

Goethe.

Ja, selbst der lag nicht immer richtig.

Wie auch immer, die Menschen heiraten nach wie vor.

So auch Thomas und Anna.

Weshalb sie uns zu einem Wochenende nach Österreich eingeladen haben.

Er hatte ihr auf Lanzarote einen höchst romantischen Antrag gemacht.

Seitdem ist einiges passiert.

Anna, meine Schwägerin in spe,

die bisher mit Einlassungen aufgefallen ist wie:

Fick dich!

Oder: - Shut the fuck up!

Eben diese Anna hat entgegen aller Wahrscheinlichkeit

inzwischen so etwas wie Erfolg als so etwas wie eine Schauspielerin.

Als Prostituierte Cherry Müller

reüssierte sie in der Kinokomödie „Leander Haußmanns Partynight“.

Na, wie geht's?

Gut.

Wollen Sie mich vielleicht auf einen Tequila Sunrise einladen?

Sehr gerne.

Nicht gerade Bergman oder Wenders, aber ein Publikumserfolg.

Trotzdem bleibt Anna auf dem Teppich, vorausgesetzt er ist rot.

(Jubelrufe)

Mein Schwager Thomas ist noch ganz der alte.

Er hofft darauf,

bald in den Vorstand seines Immobilienkonzerns aufzurücken.

Ein kapitalistischer Traum könnte wahr werden.

... jetzt zuzupacken.

Allerdings wurde der Konzern von einem US-Unternehmen aufgekauft.

Toxische Männlichkeit ...

Darum musste Thomas ein Sensitivity-Coaching durchlaufen.

Dominanz.

Offenbar gibt es kein deutsches Wort dafür.

In diesem „Coaching“ sollte Thomas lernen,

auf die Sensibilitäten anderer Rücksicht zu nehmen.

Oder dass es überhaupt so etwas gibt wie Sensibilitäten anderer.

Neben ihrem beruflichen Erfolg

lieben Thomas und Anna natürlich auch ihre Tochter Paula.

Die Kleine ist ein wahrer Sonnenschein.

Gut, dass sie kein Junge geworden ist und jetzt Adolf heißt.

Meine Frau Elisabeth arbeitet nach wie vor als Lehrerin

am Kardinal-Frings-Gymnasium in Bonn-Beuel.

Inzwischen nur noch mit einer Drei-Fünftel-Stelle,

weil viele andere Stellen an der Schule zu null Fünfteln besetzt sind

und die verbliebenen Rest-Lehrer und -Lehrerinnen

zu fünf Fünfteln ausgebrannt.

Die Bildungskrise ist allgegenwärtig

Darunter leiden auch unserer Kinder Cajus und Antigone.

Nach einem - nebenbei bemerkt sehr teuren - Jahr in England,

sind sie nun wieder zurück.

Der Eindruck täuscht: Zaubern haben sie da drüben nicht gelernt.

Und dann gibt's natürlich noch Dorothea.

Spießer. Ich kiff doch nur.

Meine Schwiegermutter, Mutter von Elisabeth und Thomas.

Und die Ehefrau von René, der früher mal ihr Adoptivkind war.

Shakespeare hätte seine wahre Freude an dieser Familie.

Apropos Familie:

Dorothea und René sind seit drei Jahren Eltern von Zwillingen.

Mithilfe einer lesbischen spanischen Leihmutter: Lucía.

Hola!

Die, wie sich herausstellte,

die Halbschwester von Thomas und Elisabeth ist.

Alles ein wenig dubios.

Ich glaube, das wäre selbst dem alten Shakespeare zu viel.

Fehle nur noch ich in der illustren Runde.

Auch bei mir hat sich einiges getan.

War ich früher hoch angesehener Professor

und weit über die Wissenschaft hinaus renommierter,

ja, gefeierter, Literaturexperte,

so habe ich nun der Lehre Lebewohl gesagt

und mich ins Private zurückgezogen.

Ich schreibe voller Eifer an einem eigenen Roman,

achte auf eine ausgeglichene Arbeits-Lebens-Bilanz

und kümmere mich nebenbei noch um den Haushalt.

Könnte also alles nicht besser laufen.

Ja, Kruzifix!

(verspielte Jazzmusik)

♪ It's a lovely day today.

♪ So whatever you've got to do,

♪ you've got a lovely day to do it in, that's true.

♪ And I hope whatever you've got to do

♪ is something that can be done by two.

♪ For I'd really like to stay.

♪ It's a lovely day today.

♪ And whatever you've got to do,

♪ I'd be so happy to be doing it with you.

♪ But if you've got something that must be done

♪ and it can only be done by one,

♪ there is nothing more to say

♪ except it's a lovely day ...

Hab dich lieb.

Ich dich auch.

Wir behalten die Nerven, was immer passiert.

Was immer passiert.

(Jazzmusik klingt aus.)

(Handyvibrieren)

Äh ... Moment.

Hallo.

Grüß Gott. - Wittmann, der Name.

Zimmer ist auf Böttcher.

Wir haben das Hochzeits-Chalet gebucht.

Ah, das ist unser Brautpaar!

Herzlich willkommen bei uns im Mountain Resort.

Wir freuen uns sehr, dass Sie da sind.

Haben Sie eine gute Anreise gehabt? - Alles super.

Super, fein.

Ja, ich bräuchte jetzt noch eine Unterschrift.

Äh, bitte da einmal unterschreiben, ja?

Entschuldigung, ich möchte Ihnen jetzt nicht zu nahetreten,

aber wär das vielleicht okay, wenn wir kurz ein Selfie machen würden?

Ach so, ja, klar! Kein Problem. - Cool, danke.

So, jetzt geht's los, ähm ...

Ja, super, danke.

Ich hab Sie ja toll gefunden in dem Film,

ich weiß jetzt nicht mehr, wie das geheißen hat ...

„Partynight“. - Ja, genau, „Partynight“.

Mega. Wie Sie da getanzt haben, echt top.

Danke schön. - Richtig toll.

(Er seufzt.)

Was war denn? - Krimskrams.

Ach so, eine Frage: Wo liegt denn der Pool, innen?

Komm, Pool muss man wirklich nicht gendern.

Hä, ich wollte fragen, ob es ein Indoor-Pool ist. - Ach so.

Wir haben eh beides, also Indoor und Outdoor, sogar mit Heizung.

Ja, also dann hätte ich jetzt da Ihre Karte.

Und dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Aufenthalt

bei uns im Mountain Resort. Danke schön.

Cool. - Super.

Mama? - Hey!

Ach ...

Ah, das war's ja wohl mit der Ruhe, hm?

Seit wann bist denn du schon da?

Seit Montag.

Ich bin nach der Beerdigung in München direkt hierhergefahren.

Wer ist denn gestorben?

Lore, eine Freundin.

Ja. War aber schon ziemlich alt.

Sie war mein Jahrgang.

Hat sich aber nicht so gut gehalten.

Offensichtlich.

So schade, dass René erst morgen kommen kann.

Wird er so dringend auf Lanzarote gebraucht?

Ja, kommt drauf an, wen man fragt.

So, ich geh mir mal was anziehen. Hab gar nichts drunter.

Danke für die Info.

Bis dann.

♪ It's a lovely day today ...

Ich hab dir ja gesagt, dass wir Winterreifen brauchen.

Stimmt, das hast du gesagt.

Zumal das in Österreich ja auch gesetzlich vorgeschrieben ist.

M-hm. Ich weiß.

Du meintest ja, wegen dem Klimawandel,

dass das nicht notwendig sei.

Wegen des Klimawandels.

Das nächste Mal fahr ich mit dem Zug.

♪ Except it's a lovely day for saying ...

♪ What a lovely day for saying ...

♪ It's a lovely day for saying ...

♪ It's a lovely day!

Na?

Gute Anreise gehabt?

(seufzt) Es geht so.

Hey!

Wo ist die Kleine?

Ah, Paulchen kommt erst morgen, mit Annas Eltern im Zug.

Paula muss bei der Fahrt immer kotzen

und da hat Thomas Angst um seine Ledersitze, hm?

Ist halt Nappa.

Aber das war bei Cajus ganz genauso.

Einmal hat er während der Fahrt die Scheibe runtergelassen,

weil er sich übergeben musste,

und dann ist durch den Fahrtwind alles von innen an die Heckscheibe.

Ist zehn Jahre her. Das stinkende Auto haben wir immer noch.

Aber weißt du was, mir reicht's. Ich kauf uns jetzt 'n neues.

Was machst 'n du da?

Nichts.

Ja, doch, du schreibst da was.

Wird ja wohl noch erlaubt sein.

Er versucht doch, 'n Roman zu schreiben.

Was heißt „versucht“? Ich schreibe einen Roman, Punkt.

Ha.

(gemächliche Musik)

Da oben habt ihr 'ne ... habt ihr 'ne Sauna, ne?

Und ich hab euch extra 'n Chalet gebucht, ähm ...

Dann habt ihr ein bisschen Privatsphäre.

Fürs junge Glück.

Gefällt's euch?

Ja ...

Was er eigentlich sagen möchte, ist:

Vielen Dank für die schöne Einladung,

aber wir hätten es echt auch selber bezahlen können.

Sicher? - Ganz sicher.

Hey, komm. Hier soll's mal nicht um Geld gehen.

Geld ist unwichtig.

Wir sehen uns gleich zum Schampus auf der Dachterrasse.

Bis gleich!

Wann eigentlich?

Äh, keine Ahnung, in 'ner Stunde?

Angeber.

Skepsis.

(aus der Ferne:) Huhu!

Hier oben!

Wann willst du's ihnen eigentlich sagen?

Am liebsten gar nicht.

Na komm.

Ah, Kinder, dieser Wellnessbereich ist ein Paradies.

Könnt ihr nicht dort heiraten?

Also ich will hier nicht abhaten,

aber grade Außensaunen sind von der Energieeffizienz her eine Katastrophe.

Ja, da ist was dran.

Eben hast du noch davon geschwärmt, wie toll die Sauna ist.

Ja, da ist auch was dran.

(Klingeln auf Glas)

So.

Liebe alle ...

Schön, dass ihr gekommen seid, um mit Anna und mir

in Österreichs höchstgelegener Kapelle unsere Hochzeit zu feiern.

Natürlich ist es schade,

dass Annas Eltern und Paulchen noch nicht da sind ... - Paula.

Aber das soll uns vom Feiern nicht abhalten.

Also ganz im Gegenteil, nichts gegen Annas Eltern,

aber die sind schon ein bisschen, also ...

Prost!

Wohlsein.

Sag doch bitte nicht immer Paulchen. - Wieso?

Paulchen ist doch ein süßer Name. - Ja.

Es nervt!

Die Erzieherin in der Kita hat sie damals aufs Jungsklo geschickt,

weil sie dachte, Paula ist 'n Junge. - Wäre ein Junge. Konjunktiv zwei.

Seitdem macht Anna ihr immer so rosa Schleifchen ins Haar,

damit jeder schon von Weitem sehen kann: Mädchen!

Ist doch nix falsch dran.

Müssen Mädchen denn anders angezogen sein als Jungs?

Oh nee, jetzt bitte nicht die Diskussion, ja?

Frag mal lieber Thomas, warum er Paula immer Paulchen nennt.

Wieso, das ist halt mein Spitzname für sie.

Habt ihr keine Spitznamen? - Ich hatte noch nie 'n Spitznamen.

Ich nenn Stephan Stephan.

Also ich nenn Elisabeth immer Sabeth, wie in Homo Faber.

(Er seufzt.)

Max Frisch.

René hat mich mal Mutti genannt, aber ...

das fühlte sich irgendwie nicht richtig an.

Ich glaube ja, dass Thomas Paula Paulchen nennt,

weil er lieber einen Sohn gehabt hätte. - Ach, Quatsch.

So kann er ein bisschen so tun als wäre Paula ein Junge.

Ich mag einfach Paulchen Panther. - Und das ist ein Junge.

Aber auch rosa.

Ich geh eine dampfen.

Gute Idee.

Du wolltest doch aufhören damit.

Du wolltest, dass ich damit aufhör. Ich wollte gar nichts.

Och, Tiggy.

Apropos aufhören, nenn sie doch nicht immer Tiggy,

sie heißt Antigone und das ist ein sehr schöner Vorname.

Da braucht man nicht so einen albernen Spitznamen.

Äh, ich geh mal aufs Zimmer. - Warum?

Mir ist ein bisschen schlecht.

Und mir ist ein bisschen kalt.

Wollen wir nicht reingehen? - Ja. Bitte.

Boah, geile Aussicht.

M-hm.

Ist bestimmt krass für dich jetzt, plötzlich so fame zu sein, oder?

Ja, ein bisschen schon.

Dadurch hast du ja auch eine Stimme in der Öffentlichkeit,

die du nutzen kannst. Für Female Empowerment.

M-hm.

Und du bist natürlich auch 'n Rolemodel für andere Frauen.

Voll.

Entschuldigen Sie?

Könnten wir eventuell 'n Foto zusammen machen?

Klar! - Vielen Dank.

Danke schön. - Gerne.

(Bimmeln)

Muss man sich aber auch erst dran gewöhnen, oder?

Dass Anna jetzt überall erkannt wird. - Nee, ich find's super.

Sie ist jetzt deutlich besser gelaunt.

Und sie nimmt trotzdem deinen Namen an?

Klar, Böttcher ist doch ein guter Name.

Kann sich ja in der Öffentlichkeit weiter Wittmann nennen.

Warum nehmt ihr keinen Doppelnamen? - Doppelnamen sind scheiße.

Ich heiße Berger-Böttcher.

Am einfachsten wär's, wenn du dich Wittmann nennst.

Was soll denn der Vorstand denken?

Ey, ich arbeite nicht in der Kreissparkasse Bielefeld, ja?

Auf meinem Karrierelevel hat das Kon- sequenzen fürs Standing im Konzern.

Eben.

Sag, wie kommt es eigentlich, dass du nicht mehr an der Uni bist?

Ich mein, das war doch dein kompletter Lebensinhalt.

Der moderne Mann definiert sich nicht ausschließlich über seine Karriere.

Wie auch, wenn man keine hat. - Och, Thomas.

Sag mal, wovon lebt 'n ihr jetzt grade?

Hast du nicht sogar deine Stelle reduziert?

Hab ich.

Wir leben von Nachhilfe.

Ist das ... 'ne neue staatliche Leistung, so wie Sozialhilfe?

Ich gebe Nachhilfe!

Durch den Lehrermangel sind gigantische Wissenslücken entstanden.

Und ohne private Nachhilfe

würde das komplette Bildungssystem zusammenbrechen.

Okay, Moment mal.

Du arbeitest Teilzeit, trägst damit zum Lehrermangel bei,

und verdienst dann, indem du denen Nachhilfe gibst,

die durch den Lehrermangel Probleme in der Schule haben?

Lehrer:innenmangel!

Also gut, wenn du das so zusammenfassen willst.

Das ist genial,

das ist wie der Feuerwehrmann, der selbst die Häuser anzündet.

Biedermann und die Brandstifter. Pardon, Brandstifter:innen.

Thomas ist nur angepisst,

weil er grade fünfmal die Woche gendern lernen muss

bei seiner, wie heißt das, Sensitivity-Coachin?

Ja, Gleichberechtigung nervt, ich weiß.

Ich hab nichts gegen Gleichberechtigung,

aber die Männer sind jetzt auch nicht

die Erklärung für alle Ungerechtigkeiten auf der Welt.

Sondern? - Die Frauen?

Ja, komm, also, die Frauen ... machen schon auch mit.

Aha. - Nee?

Okay, ähm ...

Funfact.

Die riesige Mehrheit der Frauen über alle Kulturen hinweg

heiraten Männer, die besser verdienen als sie. Warum?

Weil sie über alle Kulturen hinweg schlechter verdienen als die Männer.

Nee, das gilt nämlich lustigerweise

auch für die super ausgebildeten Topverdienerinnen,

die heiraten dann Typen, die noch mehr verdienen als sie. Warum? Hm?

Frauen finden offenbar Männer einfach nicht sexy,

die sozial unter ihnen stehen und ihnen auf der Tasche liegen. Oder?

Ähm ... - Was soll 'n das jetzt heißen?

Männer heiraten nach Aussehen

und Frauen eher nach sozialem Status. - Oh, bitte!

Kannst dich gerne mit fünf Millionen Jahren Evolution anlegen, good luck!

Die alten weißen Männer erklären uns mal wieder die Welt.

Genau, dann kommt immer wieder dieser „alte weiße Männer“-Mist.

Das ist auch diskriminierend, das ist Ageism.

Du meinst Altersdiskriminierung. War das grad ein Anglizismus von dir?

Ja, so weit sind wir schon gekommen. Was können wir denn dafür?

Alter, Herkunft, Geschlecht, das ist alles angeboren!

Beschwerst du dich grade, dass du von Geburt an privilegiert bist?

Wo denn bitte privilegiert?

Hey, ich möchte eine harmonische Hochzeit haben,

vielleicht können wir einfach mal über was anderes sprechen.

Wie geht's Pablo und Enrico?

Gut.

Okay. - Findste nicht, dass es langsam Zeit ist,

dass Paulchen seine Cousins mal kennenlernt?

Da, „dass Paulchen seine Cousins kennenlernt“. Als wär's 'n Junge.

Stimmt. - Jo, krieg dich mal wieder ein.

Sie trägt bei der Hochzeit 'n Kleid, ob du willst oder nicht.

Woher wisst ihr denn eigentlich, dass Paula 'n Mädchen ist?

Äh, du hast sie schon mal gewickelt, oder?

Eine Vulva oder ein Penis sagt ja nichts übers Geschlecht aus.

„Sagen“. Plural.

Das ist es, was dich an dieser Aussage stört?

Oh Gott, ich sag nie wieder Paulchen, ich sag nie wieder irgendwas.

Danke schön. - Was habt ihr denn?

Vielleicht ist Paula ja nonbinär. Weiß man ja noch nicht.

Meine Güte, Tiggy. Langsam nervt's.

Bist du gegen Toleranz und Gleichberechtigung?

Nein! Natürlich nicht.

Aber in der Schule kann die Hälfte nicht richtig lesen.

Die schicken sich Gewaltvideos.

Gerade dass sich die nicht gegenseitig umbringen.

Whataboutism. - Hä?

Was du da machst, ist Whataboutism.

Und das ist was Schlechtes, nehm ich an.

Das ist, wenn man Probleme gegeneinander ausspielt.

Der klassische Satz ist: „Haben wir eigentlich keine größeren Probleme?“

Es gibt, glaub ich, größere Probleme als Whataboutism.

Weißt du was? Mir ist vollkommen egal, wie du das nennst.

Ich würde mir einfach wünschen,

dass auch mal über richtige Probleme geredet wird.

Diskriminierung und Machtmissbrauch sind richtige Probleme.

Also, das hört sich jetzt vielleicht ganz verrückt an, aber ...

Angesichts der bevorstehenden Hochzeit,

wollen wir nicht einfach über was ganz anderes reden

als über Probleme?

Wie wär's, wenn wir mal unser Chalet zeigen?

Das ist richtig krass.

So, dann haben wir hier das Schlafzimmer.

Sogar mit Sauna samt Infrarotdusche.

Mh, ich dusche ja lieber mit Wasser.

Wenn er überhaupt duscht.

(Räuspern)

Und dann haben wir hier unsere Küche.

Da kann Thomas dann mal was für uns kochen.

Wow! - Oder?

Ach so, ja. Wohnzimmer.

Und der Kamin.

Och, ist wirklich die perfekte Kulisse für eine Traumhochzeit.

Wir haben ja im Standesamt in Bonn geheiratet.

Das Standesamt in Bonn ist sehr schön.

Aber halt in Bonn.

Also, du hast definitiv noch nicht genug Sensitivity-Coachings besucht.

(Sie unterbrechen sich gegenseitig.)

Leute ... ich weiß, Harmonie ist jetzt nicht grade die Superpower

hier in der Familie,

ich bin jetzt auch schon 'ne Weile dabei und das ist wirklich okay,

aber ich fänd's wirklich toll,

wenn wir zumindest bei unserer Hochzeit auf Streitereien verzichten.

„Verzichteten“.

Anna hat wirklich recht, Harmonie ist schon schön

und da kann jeder seinen Teil beitragen.

Und jede ihren Teil. (Stephan stöhnt.)

Hast du nicht gehört, was Anna grade gesagt hat?

Alle Menschen sollten frei sein in ihrer Selbstbestimmung.

Amen.

Und das gilt auch für das Geschlecht.

Möchtest du dich jetzt umoperieren lassen?

Boah, ihr bringt da echt einiges durcheinander.

Ich habe die Hoheit über meine Identität.

Wenn ich jetzt meine Pronomen ändern würde,

ihr müsstet das respektieren. - Das wird mir jetzt zu hypothetisch.

Gut, dann mach ich's ganz konkret. Ich änder meine Pronomen.

Ich verwende nicht mehr she/her, sondern ab sofort they/them.

Und was bedeutet das? - Dass sie uns provozieren will!

Äh, dass they uns provozieren will. - Jetzt hört's aber mal auf.

Zey/zem ...

Das lehn ich schon allein aus sprachlichen Gründen ab.

Also ich weiß nicht, ich bin wirklich immer aufseiten des Feminismus,

aber das ist ...

Ist das nicht nur, weil es plötzlich in ist,

und dann wollen alle mitmachen?

Es ist ja nicht plötzlich in, es ist nur endlich möglich.

Ist dem Feminismus damit wirklich geholfen? - Also ...

Nee, jetzt ist mal Schluss.

Solange du mit deiner Vulva an meinem Tisch sitzt,

bist du eine ganz normale Frau mit den dazugehörigen Pronomen

und damit basta!

(ruhige Jazzmusik)

(Tür fällt zu.)

(Stephan räuspert sich.)

Dass die immer so um sich selbst kreisen muss, unsere Tochter.

Ach, die beruhigt sich schon wieder.

Hast du gesehen, wie sie geguckt hat? - Tiggy?

Nein, nicht Antigone.

Anna!

Nee, wie denn? - Die hat jetzt natürlich Oberwasser.

Dass Leute kommen und allen Ernstes nach einem Foto mit ihr fragen,

es ist unglaublich.

Ist doch schön für sie. - Für die Leute?

Für Anna. Für die Leute natürlich auch.

Ist kein Grund, auf mich herabzublicken.

Prominenz ist ja kein Wert an sich.

Wenn ich erst mal meinen Roman fertiggeschrieben habe ...

Hat Anna längst den Preis für ihr Lebenswerk gewonnen.

Ich finde, sie hält sich sehr zurück.

Ja, ist ja noch perfider.

Sie spricht es noch nicht mal aus, weil sie es für offensichtlich hält.

Aber ich durchschaue sie.

(Er ächzt.)

Gute Nacht.

Gute Nacht.

(verspielte Musik)

(Musik wird beschwingter.)

Du, sag mal dein Gelübde für die Hochzeit.

Was ist damit?

Hast du das schon geschrieben?

Ja, klar, schon lang. Du deins doch auch, oder?

Ja, klar.

Gut.

So kurzfristig fällt einem ja doch nur Scheiße ein.

Soll ja der schönste Tag in unserem Leben sein,

da kann man sich schon mal ein bisschen Mühe geben.

Bereit für deine Braut?

War ... nie bereiter.

Was machst du da?

Letzte Chance auf vorehelichen Verkehr.

Lass mal Licht an.

Was wird das? - Nichts, nichts.

Es ist, äh ... geheimnisvoller so.

Komm.

Hey.

Ich ... hab 'ne Idee.

Was, wenn wir uns für unsere Hochzeitsnacht aufsparen?

(Sie atmet tief durch.)

Bist du jetzt sauer?

(kühl) Nein.

(Thomas) Ich ... hab dich lieb?

(Anna) Gute Nacht.

(ruhige Musik)

(Dorothea) Alle finden schade, dass du noch nicht da bist.

Hast du denn schon gepackt?

Das hab ich noch nicht geschafft.

Erst waren wir Schuhe kaufen,

dann musste ich mit den beiden noch zur musikalischen Früherziehung.

Hätte Lucía das nicht machen können?

Ist schon besser, wenn ich da so ein bisschen 'n Auge drauf hab.

Ja, wenn du meinst.

Ich hatte heute jedenfalls einen sehr entspannten ...

Wart mal eben. - Papa!

Pablo ruft.

Aber das kann doch Lucí...

♪ Let's go!

(dynamische Musik)

Mega Wetter, oder?

(Musik endet.)

Scheiße ...

Was 'n?

Der Zug ist ausgefallen. Meine Eltern hängen noch immer in Berlin fest.

Was? - Och, nee.

Die standen doch hundert Pro wieder aufm falschen Bahnsteig. Wetten?

Ach. - Also, dass Elisabeth sich das hier entgehen lässt ...

Du, vielleicht hat sie sich ja Arbeit mitgenommen.

Nachhilfeschüler ins Hotel.

Hahaha.

(Handyvibrieren)

Äh ...

Shit. Moment.

Ruf doch mal Cajus und Antigone an, vielleicht wollen die ja doch fahren.

Och. - They schlafen bestimmt noch.

Mann, wer ist denn das immer?

Lars. - Wer ist Lars?

Äh, Chief Legal and Corporate Affairs Officer.

Also, ich dreh noch 'ne Runde.

(Er ächzt angestrengt.)

Ich weiß, die große Sitzung ist in drei Wochen.

Aber auch da werden sie verstehen, dass du mal zwei Tage offline bist,

um die Mutter deines Kindes zu heiraten. - Meinst du?

Ja, vielleicht werd ich ja ansonsten weggeschnappt.

Das wär ja furchtbar. - M-hm.

Komm, ich nehm das. - Hm?

Dein Handy, gib her.

Ah, nee, komm. Ähm ... Guck!

Schon aus. So, weg damit. Ähm ... wollen wa?

Ich frier hier schon fest.

(Vogelzwitschern)

So, die Damen, bitte sehr.

(Anna) Danke schön.

Ich freu mich so für euch.

Manchmal weiß ich nicht, ob ich das alles schaffe.

Was?

Ach ... alles.

Kind ... Schauspielerei ...

Kind zwei.

Also, Thomas. Also, eigentlich vor allem Thomas.

Der ist einfach manchmal so ein Kindskopf,

da fährt er zum Beispiel heute ohne Helm die Piste runter.

Und ich soll ihn morgen heiraten.

Sorry, das ... ist dein Sohn.

Ich weiß.

Weißt du, was Thomas so liebenswert macht,

das ist sein eigenwilliger Charakter. - Ja.

Als Thomas noch klein war,

haben wir nicht weit entfernt von hier schon mal Urlaub gemacht.

Wir kamen an, und keine Minute später

hing er mit seiner Zunge am Laternenpfahl. Festgefroren.

Wir mussten die Feuerwehr holen, das war ein Riesentheater.

Als wir abfahren wollten, macht er das Gleiche wieder.

Zunge an der Laterne festgefroren, Feuerwehr ...

What? - Ja.

Aber diesmal hatte er sich 'ne Flasche mit warmem Wasser mitgenommen

und konnte sich selber befreien,

und dann hat er mit seiner tauben Zunge gesagt:

„Thelbst itht der Mann.“

Ich weiß, er ist manchmal kindisch, aber ...

Am Ende ist er der Typ, der im Feuerwehrauto mitfahren darf

und 'n Helm geschenkt bekommt.

Willst du lieber so einen heiraten

oder einen, der gar nicht erst am Laternenpfahl leckt?

Du meinst, einen Stephan?

Wo ist der eigentlich?

(hilflose Rufe)

(von unten) Ja, was macht denn der?

(verspielte Musik)

Pass auf!

'Tschuldigung!

(Musik wird beschwingter.)

Du hättest sie spätestens um halb zwei wecken müssen.

Sonst schlafen sie heute Abend nicht ein.

Stimmt so. - Danke schön.

Ja, das hatte ich euch doch extra aufgeschrieben.

Sogar auf Spanisch!

Ja.

Ja.

Was gibt's denn heut Abend zu essen?

Was steht denn auf dem Essensplan?

Ja. Ja, okay.

Adiós.

Guten Tag.

König mein Name, ich bin jetzt da.

Herzlich willkommen bei uns im Mountain Resort.

Wir freuen uns sehr, dass Sie da sind. - Danke.

Oah, shit ...

Fein. Freut uns.

Ach, huhu!

Hallo!

(Beschwingte Musik setzt fort.)

Danke, das geht schon.

(Telefonklingeln)

Und?

Ist nur ein Bänderriss.

Oh. Ach Gott, du Armer.

Ich dachte eigentlich, du holst uns ab.

Ich wollt grad los und ... aber jetzt seid ihr ja schon da.

René ist angekommen!

Aber ihr müsst echt aufpassen.

Aufm Spielplatz ist immer so viel Katzenscheiße im Sandkasten.

Katzenscheiße. Caca de gato.

Pablo hat da schon mal was von gegessen,

Hola Lucía! - Hola Dorothea! Qué tal?

Muy bien! Hier ist es traumhaft! - Qué bien!

Dann du weiter genieß die Zeit, sí? - Das mach ich! Adiós!

Adió... - Wir ...

Wir ... Wir haben noch gar nicht geklärt, was die Kinder heute essen.

Lucía ignoriert bestimmt wieder meinen Ernährungsplan,

ich ruf sie schnell noch mal an.

René? - Was?

Hallo, René.

Wie schön, dass du da bist.

Wir haben uns noch gar nicht begrüßt.

Natürlich, du hast recht. Entschuldige.

Ich weiß manchmal nicht, wo mir der Kopf steht.

Jetzt komm doch erst mal an.

Lucía hat das bestimmt alles bestens im Griff.

Ich weiß nicht, ob du das beurteilen kannst,

du warst ja jetzt so lange weg.

Ich versteh ja, dass du mit Lore eng befreundet warst,

aber vier Wochen für eine Beerdigung?

Du, ich hab dann auch noch geholfen, den Haushalt aufzulösen und dann ...

Das ist doch egal, du bist jetzt hier

und ich fänd das so schön, wenn du dich wenigstens hier jetzt mal

ein bisschen auf diese Hochzeit einlassen würdest.

Und dein ausgleichendes Gemüt täte allen hier, glaub ich, ganz gut.

Ich versuch's.

Und ich kann dich auch ganz gut gebrauchen.

(Radio) In Teilen Niederösterreichs und der Steiermark

hat am Donnerstag zum Teil große Lawinengefahr geherrscht.

Stufe vier ...

Na, das war's dann wohl mit Skifahren, hm?

Tja.

Mach ich eben Wellness.

Oder du guckst mal nach Cajus, bevor der sich ganz zurückzieht.

Der macht neuerdings Krafttraining.

Ja, aber was soll ich denn da jetzt machen?

Soll ich Anabolika nehmen und mir ein Käppi falsch rum aufsetzen?

Vielleicht mal mit ihm reden? Das wär schon mal ein Anfang.

(Er seufzt.)

(Er atmet tief durch.)

(Tür wird geöffnet.)

(Anna) Sorry, ich guck nicht.

Was war das denn?

Was denn?

Das da. - Oh! Wow ...

Ist mir noch gar nicht aufgefallen,

da bin ich wahrscheinlich irgendwo hängengeblieben.

Das ist dir nicht aufgefallen? - Ja, ich hab empfindliches Gewebe.

Das muss doch wehtun.

Mach du mal deine Nägel ... (Er räuspert sich.)

Ich lenk dich nur ab.

(dynamische Musik im Hintergrund, leises Wasserplätschern)

Guten Tag. - Guten Tag.

Hallo!

Na?

Na?

Wie viel stemmste?

Hm?

Wie vie...

Wie viel Gewicht?

Äh, zehn auf jeder Seite.

Kilo? - Pound.

Also Pfund. Das sind ... fünf Kilo!

Nee, ein ... ein Pound sind 454 Gramm.

Die Engländer ...

(Dynamische Musik setzt fort.)

Ja, in deinem Alter hab ich auch viel Sport gemacht.

M-hm.

Tischtennis. - Cool.

Ja ...

Dann ...

Geh ich mal wieder.

Jo.

(Cajus ächzt angestrengt.)

(leises Plätschern, entspannte Musik)

Na?

Hast du mich erschreckt, ey.

(Er räuspert sich.)

Was macht der Fuß? - Gut. Machst 'n da?

Nichts!

Seit wann machst du Wellness?

Seit zwei Minuten.

Im Sportraum war ich offenbar fehl am Platz.

Wieso, willst du jetzt anfangen zu pumpen?

Nein, aber ich ...

Ich weiß einfach nicht, wie ich zu Cajus durchdringen soll,

und er macht jetzt Bodybuilding. - Ach.

Ja.

Ich glaub, du musst ihn mit was beeindrucken, was du kannst,

und ich will dir nicht zu nahetreten, aber ... Bodybuilding ist es nicht.

Hm.

Sondern?

Keine Ahnung.

Du kannst doch gut mit Worten. Halt 'ne Rede oder so was.

(Handyvibration)

(Handyvibration)

(Handyvibration)

Lars?

(Handyvibration)

Hm ...

(Handyvibration)

Ich mach mal 'n Saunagang.

(Handyvibration)

(sinnliche Musik)

(Kameraauslöseton)

Boah, he ...

Kannst du mal aufhören? Läufst du mir jetzt überall nach?

Was zum Teufel machst du da?

Was soll ich denn machen?

Hast du da grade was ... fotografiert?

Was soll ich denn fotografiert haben?

(Stephan ächzt.)

Darf man sein Handy überhaupt mit in die Sauna nehmen?

Ich brauch das wegen ...

Timer.

Handy ist zuverlässiger als die Dinger.

Ja, klar. Beim Saunieren kommt es ja auch auf jede Sekunde an.

M-hm.

Ja, ich ...

geh dann mal raus.

Ich hab deinen Timer gar nicht gehört.

Der ist stumm.

Und woher weißt du dann, dass die Zeit rum ist?

Wird das jetzt ein Verhör, oder was?

(Gespräche im Hintergrund)

Jetzt sind sie in Nürnberg gestrandet.

Was? - Ja, was für ein Horror!

Mein Vater versucht morgen Früh, 'n Mietwagen zu bekommen.

Mann, ey!

(beide gleichzeitig) Das wird schon klappen.

(Stephan klopft aufs Glas.)

Wenn ich mal gan... oh Gott ...

mal ganz kurz um eure Aufmerksamkeit bitten dürfte.

Ich bin ja Professor, und ...

war ja Professor, und einen Professor keine Rede halten zu lassen,

das ist wie ... was weiß ich, einen Klarinettisten

auf einer Hochzeit nicht Klarinette spielen zu lassen.

Ich bin noch gar nicht richtig zum Üben gekommen ...

Wie dem auch sein, Anna, was stimmt eigentlich nicht mit dir?

Dass du dich freiwillig in diese Familie einheiratest?

(zögerliches Lachen)

Also, ich persönlich kenn ja nur diese hier,

deshalb weiß ich nicht, ob das überall so ist,

dass es jedes Mal, also wirklich jedes Mal, wenn wir uns treffen,

zu kleineren oder größeren Krisen kommt.

Mal erfindet der eine höchst zweifelhafte Vornamen

für sein noch nicht geborenes Kind,

mal heiratet eine Mutter ihren Ex-Adoptivsohn

und nimmt dessen Nachnamen an,

mal ändern irgendwelche ihre Pronomen

und verhalten sich auch sonst auffällig oder befremdlich,

irgendwas ist immer.

Andererseits muss man natürlich fragen:

Welche Familien sind in der Litera- turgeschichte die interessantesten?

Hm?

Thomas ... - Hm?

.. Manns „Buddenbrooks“.

Großes Drama.

Und Drama jetzt nicht als literarische Gattung.

Fontanes „Effi Briest“.

Großes Drama.

Bölls „Billard um halb zehn“, großes Drama.

Ich könnte ewig so weitermachen. Keine Angst, mach ich nicht. Also ...

Turbulente Familien scheinen doch wohl einen gewissen Reiz auszuüben.

Sie ... fordern heraus.

Und du ... liebe Anna ...

nimmst diese Herausforderung an.

Dass du trotz allem Thomas heiraten willst,

lässt nur einen Schluss zu.

Du liebst ihn wirklich.

Und vielleicht ... auch ein ganz kleines bisschen diese Familie.

Und deshalb ...

Herzlich willkommen.

Auf dich.

Auf uns. Auf euch.

Auf die Königs, die Wittmanns ...

die Böttchers und die Bergers.

Wohlsein.

Prost. - Wow!

Stephan, das ... war richtig ... - Das war ...

Wahnsinn.

Hätt ich dem alten Stinkstiefel gar nicht zugetraut.

Und? - Was?

Coole Rede?

Jo.

Ich hoffe, wir kommen wenigstens ab jetzt unfallfrei durchs Wochenende.

Tja. Dass ausnahmsweise mal nicht jeder hier um sich kreist.

Das wär doch schön, oder?

(René) Hab ich was verpasst? - (Thomas) M-m. M-m.

Antigone hat gestern erklärt, dass ... they them Pronomen ändert.

(René) Hm?

Jeder Mensch ... kann sich selbst aussuchen,

mit welchen Pronomen er sich bezeichnen lassen möchte.

Und da gibt es - korrigier mich -

she/her für Menschen, die sich weiblich lesen,

he/him für Menschen, die sich männlich lesen,

und they/them für alle diejenigen,

die sich dem binären System verweigern.

(René) Ich versteh grad überhaupt gar nichts.

Ist das so was Neues?

Ich hatte in letzter Zeit mit den Zwillingen so viel um die Ohren,

da hab ich kaum Nachrichten geguckt. - Hast du früher auch nicht.

So was steht auch nicht in den Nachrichten.

Vielleicht nicht in deinen, aber in meinen schon. - Das glaub ich.

Hat jetzt jeder seine eigenen Nachrichten?

Ja, irgendwie schon.

Kompliziert, da bin ich froh, dass ich damit nichts zu tun habe.

Sich zurückziehen ist ja auch keine Lösung. - „Zurückzuziehen“.

Wenn man mal eine volle Windel gerochen hat,

zieht man sich sehr schnell zurück.

Und das ist auch die Lösung.

Wirst du sehen, sobald du Mutter bist. - Also ...

Wie ich ja an diesem Wochenende schon ganz häufig gesagt habe,

wir sind hier, um unsere Hochzeit zu feiern.

Ganz genau. Und diese Debatte führt nur zu Problemen.

Zu Problemen bei Leuten, die sonst keine haben. - First-World-Problems.

Für alle anderen ist es eine Befreiung.

Bei all dem fühlt sich wohl niemand frei.

Vielleicht bist du da nicht ganz objektiv, weil du gecancelt wurdest.

Wie, du wurdest gecancelt? Was soll 'n das heißen? - Nichts.

Dachte ich mir doch, dass du nicht freiwillig weg bist von der Uni.

Blödsinn. - Na ja ...

Ich habe nichts falsch gemacht, gar nichts. - Na ja.

Öh, könnt ihr bitte aufhören, mich so von zwei Seiten zu ... najaen?

Was ist denn passiert?

Das ist ... 'ne lange Geschichte, das verarbeite ich grade in meinem Roman.

Den könnt ihr dann alle kaufen und alles nachlesen.

Stephan hat unsensible Sprache benutzt. - Ach.

Ich habe höchst sensibel unsensible Sprache benutzt.

Exemplarisch, um aufzuzeigen, dass es sich um unsensible Sprache handelt.

(René) Ich versteh immer noch nichts.

Heinrich Böll hat eine Erzählung geschrieben

mit dem Titel „Der tote I-Wort in der Duke Street“.

Der tote I-Wort?

Indianer.

Äh ... Das sagt man nicht mehr.

Ja-ha, das weiß ich selber, das hab ich bei der Vorlesung auch gesagt.

Das Wort „Indianer“ war zu Bölls Zeiten gebräuchlich,

heute ist es eher kritisch zu betrachten,

und dasselbe gilt für das N-Wort.

Hast du „das N-Wort“ gesagt

oder hast du das N-Wort ... gesagt?

Ich hab das N-Wort gesagt.

Ja, dann ist doch gut, wenn du „das N-Wort“ gesagt hast.

Nein, ich habe nicht „das N-Wort“ gesagt, ich habe das N-Wort gesagt.

Hä? - Hä? Hast du's gesagt oder nicht?

Ich hab es ausgesprochen, um den Punkt zu verdeutlichen.

Oh, das weiß ja selbst ich, dass das gar nicht geht.

Im Rahmen eines sprachwissenschaftlichen Seminars

darf ich noch nicht mal aussprechen, womit sich das Seminar befasst?

Mit der Verwendung des Wortes reproduziert man seine Wirkung.

Du hättest wenigstens eine Triggerwarnung aussprechen sollen.

Ich hatte wirklich versucht, alles richtig zu machen.

Aber ich weiß beim besten Willen nicht, wem damit geholfen ist,

wenn man schon bei dem kleinsten Lapsus

mit Nazis einen Topf geworfen wird.

Oder mit sofortiger Wirkung freigestellt, als ...

als hätte ich ein Asylantenheim angezündet.

Asylbewerberheim.

Asylbewerber:innenheim.

Nee, Flüchtlingsheim.

Geflüchtetenheim.

Merkt ihr selber, oder? Man kann es kaum noch richtig machen.

Ich habe es nur gut gemeint.

Wenn hier jemand kein Rassist ist, dann ja wohl ich.

Dann solltest du keine rassistische Sprache benutzen.

Da hat sie 'n Punkt.

Jetzt kommst du bitte mal runter, ja?

Du warst bis vor Kurzem hier noch der größte Schikaneur.

Er hat dich ja immer Königin genannt hat,

weil er dachte, du wärst schwul.

Das war ein liebevoller Spitzname im privaten Rahmen.

Ach so, privat darf man diskriminieren oder was?

Ja, natürlich sag ich privat andere Dinge als öffentlich. - Heuchlerisch.

Sensibel sein, nicht, weil es moralisch geboten ist,

sondern weil's der Karriere dient,

als wär das eine Schlüsselqualifikation.

Ich verweise auf Immanuel Kant,

der Unterschied zwischen Verantwor- tungsethik und Gesinnungsethik.

Weißt du, was heuchlerisch ist? Die gesamte bescheuerte Debatte.

Die Leute, die angeblich das Beste für die Gesellschaft wollten,

waren am Ende die größten Arschgeigen der Geschichte.

Die Kirche mit ihrer Inquisition, die Islamisten ... China ...

Die Kommunisten, die Sozialisten, die Faschisten.

Da sind mir die Arschgeigen lieber, die wissen, dass sie welche sind.

Am Ende geht's immer um Macht, so ist der Mensch.

Du sagst jetzt aber nicht,

dass wir deswegen alle Versuche lassen sollten,

die Gesellschaft besser zu machen.

Doch, genau das sagt er, Zyniker, Materialist, der er ist.

Kant hat übrigens ausgiebig das N-Wort rassistisch benutzt.

Ach so, und deswegen muss man alles von ihm verurteilen?

Mama, Tiggy, wollen wir mal nach oben?

Ich find das eigentlich ganz spannend grade. - Eben drum.

Hä, ich ess doch noch. - Lass dir Zeit.

Wir wollen nur mal unsere Kleider für morgen anprobieren. - Und ich?

Da du einen einzigen Cord-Anzug dabeihast,

den du seit 20 Jahren auf jeder Hochzeit und jeder Beerdigung trägst,

wahrscheinlich dann auch auf deiner eigenen,

geh ich mal davon aus, dass du nichts anprobieren musst. Vamos?

Bis später.

Bis später.

Wie wär's, wenn wir beide uns in der Hotelbar treffen

und einfach mal quatschen? Auf ... den familiären Zusammenhalt?

Ich ...

Nur du und ich?

Ja. Wieso nicht?

Sollte man eh öfters mal machen. - „Öfter“. Ohne S.

Was sagst du?

Äh ... gern. Das können wir ...

Gern. Das können wir gern machen. - Geil!

(Türöffnersurren)

(Elisabeth:) Kommt rauf, ich warte schon auf euch!

Hallo! - Hallo!

So schön!

Ah, siehst du, ich hab mich schon gefragt,

ob du überhaupt 'n Kleid anziehst, jetzt wo du ...

Überraschung, heutzutage können alle anziehen, was sie wollen.

Ja, aber trotzdem hast du dich ganz klassisch für ein Kleid entschieden.

Ah, bitte, können wir das Thema jetzt einfach mal lassen? Waffenstillstand.

(Er summt leise.)

(Handyvibrieren)

(Handyvibrieren)

(Handyvibrieren)

(ruhige Loungemusik, Gelächter und Gespräche)

Ah ...

Na, wie geht's?

Gut, danke.

Wollen Sie mich vielleicht auf einen Tequila Sunrise einladen?

Du hast den Film ja doch gesehen. - Nur den Trailer.

Da war der Satz aber gar nicht drin.

Geht's? - Jaja.

Der Pinot Blanc. - Äh ...

Ich hab schon für uns bestellt. - Oh.

Okay.

Ja.

Ich glaub, der ist echt.

Cool, dass du gekommen bist.

Wer könnte der Braut schon einen Wunsch abschlagen?

Wenn einer, dann du.

Meinst du?

Wir hatten ja in der Vergangenheit schon öfters Beef.

„Öfter“.

Und „Beef“ sind für mich immer noch

die Scheiben aus dem Muskelfleisch des Rindes.

Ja. Dann eben ...

Keine Ahnung.

Streit?

Auseinandersetzung? Differenzen?

Zwietracht? Zwist? Kontroversen?

Reibereien? Disput?

Ja, ich hab's verstanden! - Scharmützel? Fehde...

Na schön.

Scheinbar sind wir zwei irgendwie nicht auf derselben Wellenlänge.

Anscheinend. Wobei ... Vielleicht auch nur scheinbar. Ja.

Und trotzdem werd ich morgen Teil dieser Familie.

Wie du ja in deiner wirklich sehr schönen Rede bereits gesagt hast.

Und ich glaub halt, dass da irgendwo hinter all diesen schlauen Wörtern

und der cringen Klugscheißerei, dass du da eigentlich ganz nett bist.

Also, zumindest so nett,

dass wir uns nicht bei jedem Treffen an die Gurgel gehen müssen.

Ja, da hülfe es natürlich, wenn du selbst da irgendwo,

hinter den ganzen Jugendwörtern des Jahres und der Fuck-You-Fassade,

auch ein bisschen nett wärest.

So? Hülfe das?

M-hm.

Ich geb's ja zu, ich ...

Ich war in der Vergangenheit nicht immer nett zu dir.

Aber manchmal, da ...

(Sie seufzt.) Ja?

Manchmal find ich dich echt scheiße.

Sorry, aber ...

Wenn du dich wieder festbeißt an irgendeinem Wort

und noch bevor du irgendetwas sagst genüsslich grinst und man weiß schon,

er sagt wieder was ganz Schlaues und findet sich dabei selbst megageil.

Wobei „geil“ natürlich ein Unwort ist,

das nichts im Wortschatz eines Menschen ...

Über 18 zu suchen hat.

Genau das meine ich.

Aber weißt du, irgendwie ...

Irgendwie bewundere ich das auch.

(Er lacht.)

Quatsch.

Nein, wirklich.

Also, wenn das wirklich stimmt ...

dann versteckst du das seit Jahren wirklich meisterhaft.

Dann bist du eine bessere Schauspielerin als ich dachte.

Du bist so super selbstsicher und sprachlich 'ne absolute Bank.

Wenn ich überlege, was ich so in den Interviews rumstottere,

oder jetzt zum Beispiel auch bei dem Gelübde für Thomas.

Gelübde?

Ach so, ja,

wir wollen uns bei der Trauung gegenseitig ein Gelübde vortragen.

Ich sitz seit Wochen dran,

aber ich komm über Kalendersprüche nicht wirklich hinaus.

So was wie ...

„Liebe ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“ - Oh.

Ja. So die Liga.

Sollte ich da vielleicht besser mal draufgucken?

Auf das Gelübde?

Ist schon ... sehr persönlich.

Das ist gute Literatur immer.

Voilà!

Wow, Mama, damit bist du der Star ...

auf jedem Seniorentanztee.

Ich ... Ich hab das extra bestellt.

Wann? Vor 30 Jahren?

1.250 Euro?

Das war reduziert.

Von oder auf?

Ihr seid ... doof, ihr nervt.

So, dann zieh du mal dein Kleid an,

ich kann auch blöde Kommentare machen.

Also ... ehrlich gesagt ...

Mir ist das ein bisschen zu Klischee,

dass die Frauen sich hier gegenseitig ihre Kleider zeigen.

Ich könnt draußen SUV-Fahrern 'n Denkzettel verpassen,

und stattdessen diskutier ich hier über Mode.

Entspann dich doch mal.

Wenn man immer nur entspannt ist, ändert man aber nichts in der Welt.

Du, ich war wirklich auf jeder Demo.

Gegen den Vietnamkrieg, Atomkraft, NATO-Doppelbeschluss ...

Und jetzt ... sitzt du auf Lanzarote und futterst Haschkekse. - Tiggy!

(lacht) Nee, lass mal.

They hat ja recht.

Aber weißt du, irgendwann merkt man eben einfach,

dass dieses ganze Auf-die-Straße-Gehen,

dieses Demonstrieren, Diskutieren,

dass das gar nicht so viel bringt, wie man sich erhofft hat.

Na ja, komm, schau dir doch mal die Welt heutzutage an, wo sie steht.

Aber wer weiß, wo die Welt stehen würde,

wenn niemand demonstriert hätte.

Schön, dass du noch so idealistisch bist.

Aber jetzt lass mal meine Mama in Ruhe.

Na ja, immerhin hat sie 'ne Haltung.

Also, soll jetzt nicht fies klingen oder so,

aber du hast die Phase der Rebellion ja übersprungen

und bist direkt in den Scheißegal-Modus gewechselt.

Das klingt jetzt wirklich fies.

Ja, tut mir leid, aber ich hab noch nie erlebt,

dass du für irgendwas gebrannt hast.

Ich hab dich und deinen Bruder großgezogen.

Da hab ich an zwei Enden gleichzeitig gebrannt. - Ich mein politisch.

Ich bin einfach nur

irgend so 'ne stinklangweilige Mutti für dich, oder?

Aber meinen Bruder findest du toll.

Nein! - Den Businessmann, das Leben immer auf der Überholspur.

Aber ich steh immer nur am Rastplatz rum

und hab in Tupperdosen Rohkost für alle dabei oder was?

Ehrlich, „noch nie für irgendwas gebrannt“, wirklich.

Vielen Dank.

Ah, komm, ich ...

(Sie schlägt die Tür zu.)

(Staubsaugerrauschen)

Was heißt das hier?

Vertrauen.

Und da drunter?

Geheimnis.

Und das hier?

Glück.

(Er seufzt.)

Ist scheiße, ne?

Es klingt ein bisschen so, als hätte es 'ne KI geschrieben.

Allerdings nicht die Bezahlversion. - Fuck.

Das kriegen wir schon wieder hin.

Hier, gleich der Einstieg.

Wäre es nicht besser,

nicht mit so einem abgedroschenen Spruch zu beginnen,

sondern vielleicht mit was Persönlichem?

Wie habt ihr euch denn kennengelernt?

Tinder.

Ah, vielleicht ist der Anfang so aber auch ganz gut.

(abfällig) Tinder ...

Da schickt man sich manchmal ... eindeutige Fotos, oder?

Was meinst du?

Na ja, Fotos vom ...

äh, von der Körpermitte.

Du meinst Dickpics?

Ja. Deutsch Penisfotos.

Ich hab in meinem ganzen Leben noch keine Dickpics bekommen

und ich hoffe, das bleibt auch so.

Ekelhaft.

Hm.

Wie kommst du darauf?

Öh ... nur so.

Egal. Gut, dann was anderes. Wie war denn euer erstes ... Date.

Das war krass. Wir sind gleich in der Kiste gelandet.

Also, eigentlich ... - Danke, mehr muss ich eigentlich gar nicht wissen.

Aber unser erster Kuss, der war mega cute.

Wir waren bei dem Date und da ist der Löffel runtergefallen,

dann sind wir beiden unter den Tisch um den Löffel zu holen

und haben uns geküsst. Also noch bevor die Vorspeise da war.

Ja, damit lässt sich doch arbeiten. Schreib!

(Stephan) Liebster Pupsi ...

(ruhige Gitarrenmusik)

Guten Abend. - Grüß Gott.

Elisabeth!

Jetzt komm wieder raus, wir haben dich lieb so wie du bist.

Mama ...

Ich wollt dich nicht beleidigen.

Höchstens 'n bisschen provozieren.

Das hat doch auch ganz gut geklappt.

Elisabeth, ich hab 'n bisschen Gras dabei,

wollen wir 'n Friedensjoint rauchen?

So, Leute.

Ihr habt es so gewollt. - Oh ...

(Die Tür fällt zu.)

Ich stör doch nicht? - Nö.

Ich wollt mal gucken, wie's meinem Neffen so geht.

M-hm. M-hm.

Klampfe.

Hast Lust, was zu spielen?

Ähm ... klar. - Ja?

Klar. - Oh, cool.

Was Eigenes oder ...? - Ja.

Klar. - Okay.

(ruhiges Gitarrenspiel)

♪ Menschen wie wir

♪ haben Sorgen,

♪ sind verborgen

♪ unter ihrer Haut.

♪ Menschen wie wir

♪ wollen reden,

♪ sich versöhnen

♪ und beisammen sein.

♪ Menschen wie wir

♪ sind verschieden,

♪ wollen lieben

♪ und das nicht zu klein.

♪ Menschen wie wir

♪ wollen Anerkennung,

♪ versinken in Verklemmung

♪ und sind stur.

♪ Ich sitze alleine,

♪ denke, ich weine

♪ im feuchtnassen Gras.

♪ Oh, ich und Menschen,

♪ Menschen wie wir.

♪ Ich sitze alleine,

♪ denke, ich weine

♪ im feuchtnassen Gras.

♪ Oh, ich und Menschen,

♪ Menschen wie wir.

♪ Ich sitze alleine,

♪ denke, ich weine

♪ im feuchtnassen Gras.

♪ Oh, ich und Menschen,

♪ Menschen wie wir.

(Er summt weiter.)

(Musik verklingt.)

(Thomas leise im Hintergrund) Nein, ich ...

Nein, ich sag's noch mal ...

Es geht einfach nicht.

Hey! Hallo.

Na?

(Sie seufzt.)

Hatten wir nicht gesagt, das Handy bleibt weg?

Handy ... Wieso Handy?

Du hast grade mit jemandem telefoniert.

Ich ... Ich üb grad meine Rede.

Ich will ...

Egal.

Du hast aber keine Affäre, oder?

Wie ... Wie kommst 'n darauf?

Chill.

Es war nur 'ne Frage.

Klar.

Irgendwann musst du's ihnen sagen.

Kannst ja nicht ewig davor weglaufen.

Das war nicht grad motivierend heut Abend.

Fuck, warum müssen die so ...

verdammt spießig sein?

Weil sie ... Eltern sind?

(Ruhige Jazzmusik)

Wie war's eigentlich gestern Abend?

Seid ihr jetzt beste Freunde, Anna und du?

Hm? Ja ... war sehr nett.

Schön. Also, hier musst du noch unterschreiben.

Sind das alles Fünfziger?

Stephan, jetzt nicht noch mal diese Diskussion.

18, 19, 20.

Es sind 20 Fünfziger, das sind ja 1.000 Euro.

Das sind ... 2.000 Mark!

Mein Bruder heiratet nur einmal.

Hoffe ich jedenfalls.

Wenn sich das so lohnt, heiratet er bestimmt öfter.

Uns hat er damals zur Hochzeit 'n Salzstreuer geschenkt.

Ich fand den sehr schön.

War noch nicht mal Salz drin. - Er hatte damals wenig Geld.

Aber jetzt hat er so viel Geld, dass er nicht noch mehr braucht.

Das ist, als würde man einem Bauern Kartoffeln schenken.

Sind ja nicht deine Kartoffeln.

(verspielte Musik)

Ich geh mich mal fertig machen.

Ja, mich haste ja schon fertiggemacht.

(Er räuspert sich.)

(Türklingeln)

Hochzeitstag!

Was ist los?

Jetzt sag nicht, ihr habt euch getrennt.

Wieso sollten wir uns getrennt haben? - Was hat er angestellt?

Nichts! Mann ...

Annas Eltern bekommen keinen Leihwagen.

Weil sie ihren Führerschein zu Hause vergessen haben.

Und jetzt schaffen sie's nicht mehr bis zur Trauung.

Und Paulchen auch nicht. - Paula!

Hey.

Paula kann sich später an eh nichts mehr erinnern,

die photoshoppen wir einfach in die Bilder

und sagen ihr, sie war dabei, hm?

Und meine Eltern?

Mh ... Die sind so alt, die erinnern sich später auch an nichts mehr.

Ach komm, Anna.

Wir machen jetzt das Beste daraus.

Das wird trotzdem dein Tag.

Es tut mir wirklich total leid,

aber wir wissen aktuell überhaupt nicht, was da passiert ist.

Wir haben jetzt bei der Polizei schon angerufen,

ich würd sie um einen kurzen Moment Geduld bitten. - Jaja, natürlich.

Ist ja unfassbar.

Unfassbar.

Und? - Ja ...

Es gab wohl eine Art Aktion.

Irgendjemand hat alle Autos besprüht.

Was? - Boah.

Ist unglaublich.

Glaubst du, unseres ist auch dabei? - Nein, unseres bestimmt nicht.

Kann ich mir auch nicht vorstellen.

So, kommt, wir müssen los. Mama wartet. - Ja.

Ja. Moment, nicht ganz so schnell.

(ruhige Jazzmusik)

(Musik klingt aus.)

Ciao, danke.

Geht das mit dem Kleid?

(Dorothea) Wow!

Du siehst wunderschön aus.

Och, danke ... Anna aber auch, oder?

(Stephan) Du guckst genau so wie ich gucken würde,

wenn ich Thomas heiraten müsste.

Grüß Gott!

Grüß Gott.

Kaum zu glauben, aber wahr:

Ihr werdet heut ein ...

Ehepaar.

Möge euer Leben tagaus, tagein,

voller schöner Gipfel sein.

So nimmt das Schicksal seinen Lauf,

denkt stets dran,

von hier an geht's bergauf!

(verlegenes Lachen)

Bravo.

Ja. Sehr schön.

Alles Gute im Namen der Osttiroler Berglift und Seilbahn GmbH.

(beschwingte Musik)

Toll, dass wir die Gondel ganz für uns haben.

So aufmerksam.

Und so schön dekoriert alles!

Wunderschön.

(Musik wird ernster.)

So aufregend.

Anna, jetzt genieß es doch.

Vielleicht können wir ja deine Eltern gleich per Call dazuschalten.

Komm.

Wie lange dauert die Fahrt wohl so im Schnitt?

Äh ... 'ne Viertelstunde, denk ich.

Jetzt entspann dich mal.

Ich hab nämlich Platzangst.

Du meinst Klaustrophobie.

Platzangst ist Agoraphobie, das ist die Angst vor weiten Plätzen,

das wär hier dann ja ... weniger das Problem.

Danke, Stephan, das hilft mir jetzt sehr.

Hola! Habt ihr schon gefrühstückt?

Sag bloß, die Jungs sitzen schon wieder vorm Fernseher.

Jetzt lass sie doch mal! Herrgott ...

Ich meld mich gleich noch mal.

Alles okay bei dir?

Ja, alles in allerbester Ordnung.

Hat jemand eine Tüte?

(Sie seufzt.)

Jetzt kotz mir mal bitte nicht aufs Kleid, okay?

Nur zum Reinatmen.

Und du bist sicher, dass bei dir alles in Ordnung ist?

In letzter Zeit dreht sich bei uns alles nur noch um die Zwillinge.

Wir sind auf dem Weg zur Trauung von Thomas und Anna

und du telefonierst ständig mit Lanzarote.

Jetzt versuch doch ein einziges Mal an diesem Wochenende,

im Hier und Jetzt zu sein.

Da warst du in letzter Zeit auch nicht.

Jedenfalls nicht in meinem Hier und Jetzt. Du warst einfach weg.

Jetzt lass sie doch mal in Ruhe, sie war auf 'ner Beerdigung.

Ja, vier Wochen lang!

Ja, gut, das ist schon ein bisschen ...

Also, ich kann sie verstehen. Bist 'ne krasse Helikoptermutter!

Aber man kann nicht immer einfach so verschwinden,

wenn's mal schwierig wird.

Immer verschwinden?

Na ja ... ist schon 'n Muster bei dir.

Aber ich bin doch nicht verschwunden.

Sondern?

Also, ich glaube nicht, dass das der richtige Moment ist,

aber wenn ihr's unbedingt wissen wollt:

Ich hatte 'ne kleine OP. - Was?

Was denn für 'ne OP? - Das ist doch egal jetzt.

Äh ... nein?

Was Ernstes?

Ich hatte einen kleinen Tumor in der Brust, der musste raus,

jetzt ist er raus und es ist alles ganz harmlos.

Warum sagst du uns das nicht?

Mir vor allem, warum mir nicht?

Weil ich nicht wollte, dass sich irgendjemand Sorgen macht.

Wir sind deine Kinder!

Wir sind dazu da, dass wir uns Sorgen machen!

Und ich dachte, du lässt mich mit den Jungs sitzen.

Ich lass dich doch nicht sitzen. Aber ...

Wir verlieren uns grade.

Geistig und ...

körperlich. - Wie meinste das?

Früher hatten wir zweimal die Woche Sex.

(mehrere) Blumenwiese ...

Wie alt seid ihr?

So alt kann ich gar nicht sein,

dass ich meine Mutter über Sex sprechen hören möchte.

(Stephan) Pff ... - Bitte?

Nichts.

Du hast doch gepfft.

Sonst bist du ja auch nicht so prüde.

Was soll das denn heißen?

Was ist los?

Nichts.

Bis auf den kleinen Fototermin in der Sauna.

Wovon redet er?

Er redet von nichts und das schon viel zu lange.

Dann streichen wir wohl besser den Satz aus deinem Gelübde:

„Vertrauen ist das Geheimnis des Glücks.“

Und woher kennst du ihr Gelübde?

Das ist doch gar nicht das Thema jetzt!

Hast du's gelesen?

Nein.

Was?

Du hast es aber nicht geschrieben.

Ach Gott, und wenn schon.

Holy fucking shit, Stephan!

Sag doch einfach Nein!

Dein ... Gelübde ...

ist von dem?

Er hat mir ein bisschen geholfen, na und?

(Stephan) Im alten Griechenland hat's schon Redenschreiber gegeben.

Im alten Griechenland haben sie sich auch eingeölt

und dann splitternackt Sport gemacht, ja, und?

Wow.

Du hast mir seit Jahren kein einziges nettes Wort gesagt.

Oder geschrieben.

Das war ja wie ein Job, privat würd ich mich so nie ausdrücken. - Eben.

Aber vielleicht könnte ich als Redenschreiber

noch ein bisschen Geld verdienen. - Musst du nicht.

Nicht? - Nein.

Warum nicht?

Stephan, ist dir mal aufgefallen,

dass wir seit Monaten keine Geldsorgen mehr haben

und das, obwohl du nicht arbeitest? - Ich dachte, wegen der Nachhilfe.

Glaubst du im Ernst, dass man mit Nachhilfe so viel Geld verdient?

Womit denn sonst? - Sie handelt mit Bitcoins.

Woher weißt du das denn?

Ich bin halt nicht blöd.

Ach, aber ich, oder wie?

B ... B ... Bit ... Bitcoins?

Short-term, high volatility.

Ja, was? Guckt doch nicht alle so!

Ich darf immer nur Kochrezepte lesen oder was?

Ich hab das halt mal ausprobiert, nur so zum Spaß.

Und dann, siehe da, ich hab 'n Händchen dafür.

Ja, 'n bisschen Kurse verfolgen, Nachrichten lesen und Intuition,

und schon ... - Hat man seine Seele verkauft.

Du hast gerade noch Geldscheine aus dem Hochzeitsgeschenk gezogen.

Also sei du lieber still.

Hast du?

Ja, einer muss sich hier ums Einkommen kümmern, und ...

das bist nicht du.

(Handyklingeln)

Bitcoins verbrauchen übrigens

mehr Energie als Belgien und Neuseeland zusammen.

M-hm.

Ist 'ne österreichische Nummer.

Ja, geh halt ran.

Ja?

(Knarzen)

Woher wollen Sie denn das wissen?

Wie, Sie haben da 'ne Über...

Okay, ähm ...

Ist das überhaupt erlaubt?

Dazu möchte ich jetzt keine Angaben machen.

Hören Sie mal, wir feiern hier heute 'ne Hochzeit, ja?

Das hat doch ganz sicher auch bis morgen Zeit, um ...

Ah.

Okay.

Verstehe.

(Sie räuspert sich.)

Tschüss.

Ja ... Was ist denn, ist was passiert?

Das Hotel hat 'ne Überwachungskamera am Parkplatz. - Ui.

Ja, und? - Na ja, da sind wir drauf.

Wer, wir? Ja, und wenn schon.

Nee, nicht wir. Wir.

Mama, Antigone und ich,

wie wir letzte Nacht am Parkplatz waren.

Also, ich bin raus. Ich bin minderjährig.

Warte mal ... Ihr ... habt die Autos besprüht?

Dass wir so schnell auffliegen, hätte ich nicht gedacht.

(Stephan lacht.)

Jetzt guck doch nicht so.

Es war ein Spaß.

(Er lacht.)

Jetzt wär ich aber fast drauf reingefallen.

Was jagt ihr uns denn hier so 'n Schrecken ein? Also ...

Ja, also wir waren da schon, aber die ganze Aktion war 'n Spaß.

Es war vor allem eine Protestaktion.

Dann war das mal wieder deine Idee. - Nee, das war meine Idee.

Ich hab auch manchmal Ideen, mag man nicht glauben, oder?

Und das war deine Idee für heute, unseren Hochzeitstag?

Immer noch besser als die Idee, die du in der Sauna hattest.

Kannst du jetzt mal aufhören? Ich hab nichts in der Sauna gemacht.

Da. - Hm?

Du hast dein Gesicht gemacht.

Diese Schnute, die du immer machst, wenn du lügst. - Stimmt.

Könnt ihr einfach alle mal aufhören?

Das hier sollte mein Tag werden!

Äh ... bisschen vielleicht auch meiner?

Als ob dir das wichtig ist.

Dein Antrag kam zwischen Zoom-Calls,

du hast dich noch nicht mal hingekniet.

Das sollte mein Tag sein.

No Front, aber jeder Tag ist dein Tag, Anna.

Du hast deinen roten Teppich immer dabei.

Vielleicht denkst du mal darüber nach,

wie's Leuten auf der anderen Seite der Welt geht.

Jetzt soll ich mich dafür entschuldigen,

dass ich mir an meiner Hochzeit 'n schönen Tag machen will? Ja?

Als ob's bei deinen Scheißprotestaktionen

nicht auch nur um dich selbst geht.

Du willst dich doch nur 'n bisschen geiler fühlen.

Aber hey, das passt ja,

hier dreht sich ja sowieso jeder nur um sich selbst.

Will sonst noch jemand was loswerden? Immer raus damit!

Ja?

Ich hab meinen Namen ändern lassen.

Hm?

Ich hab meinen Namen ändern lassen beim Standesamt.

Wollt ich euch schon die ganze Zeit sagen.

Versteh ich nicht. Du heißt nicht mehr Berger?

Den Vornamen. - Wie bitte?

Den Vornamen.

Und wie heißt du jetzt?

Adolf.

Hat vielleicht jemand Riechsalz dabei?

Kein Mensch hat jemals Riechsalz dabei, René!

Und wie ... wie heißt ...

(Er ächzt.)

Mist.

Wie heißt du denn jetzt?

Harry.

Das ist doch ein Witz jetzt. Wusstest du davon?

Dass er mit dem Gedanken spielt,

aber doch nicht dass er's gemacht hat.

Wie kommst du denn auf Harry?

Das ist mein Spitzname bei meinen Freunden. Wie Harry Potter!

Weil ich auf 'nem englischen Internat war.

Sohn Harry Potter, Tochter Terroristin,

Frau Kapitalistin, herzlichen Glückwunsch.

Wenn du in Schweden gewesen wärst, würdest du jetzt Pippi heißen?

Ich wusste gar nicht, dass das geht,

also dass man auch seinen Vornamen ändern kann.

Cool.

(Stephan) Cool?

Doch, wenn man volljährig ist und nachweisen kann,

dass man unter seinem Namen psychisch leidet.

Papa, ich bin gemobbt worden. Meine ganze Schulzeit lang.

Cajus ist 'n Scheißname.

Hm. Wer hat's schon immer gesagt?

(Quietschen)

(Knarzen)

(René) Hilfe ...

(René) Warum halten wir an?

Mh ... ist bestimmt irgend 'n technischer Defekt.

Was?

Cajus ist ein Scheißname.

Stimmt. Das hast du immer gesagt.

Aber noch nicht gesagt hast du, was du in der Sauna getrieben hast.

Mit deinem Handy.

(Er seufzt.)

Das wirft Fragen auf. Sehr große Fragen.

Niemand ... hat hier eine Frage.

Hm.

(Anna) Doch, ich.

Hast du eine Affäre?

Hm?

Du verhältst dich seit Tagen komisch, telefonierst heimlich,

hast 'n blauen Fleck am Arsch, jetzt diese ...

weirde Sache mit der Sauna, deswegen 'ne ganz einfache Frage:

Hast du eine Affäre?

Nein!

Ich schwöre!

(Stephan) Er hat ja auch keine Affäre.

In Wahrheit ist es viel schlimmer.

Schlimmer als 'ne Affäre?

Er ... ist der Typ, der im Park immer die Hosen runterlässt.

Wie bitte? - Der klassische Schamverletzer.

Jetzt zeig ihr doch mal die Fotos.

Gib mir dein Handy.

Was? Nein.

Ich will das verkackte Bild sehen und wem du's geschickt hast.

Warte mal! Da ist nichts.

Wenn da nichts ist, dann kannst du es mir ja auch geben!

Kannst du mir bitte einfach vertrauen? - Gib mir dein Handy!

Anna! Anna! - Sag mal ...

(Windsäuseln, Knarzen)

Wow.

Das schafft Vertrauen.

Ich weiß, das sieht jetzt ... scheiße aus, aber ich, ähm ...

Ich ... Ich bin unschuldig.

(Stephan schmunzelt.)

Mehr kommt da nicht?

Warum geht ihr immer vom Schlimmsten aus,

wenn's um mich geht?

Hm. Sehr gute Frage, warum wohl?

Anna ...

Ehe ...

ist auch Vertrauen, bei Vertrauen geht's ja nicht um das, was man weiß,

sondern eben um das, was man nicht weiß.

Komm, man muss ja auch nicht alles wissen,

Anna, bitte glaub mir halt einfach!

(nachdenkliche Musik)

Fuck you.

Fuck alle.

(Rumpeln und Knarzen)

(außer Atem) Hilfe ...

(nachdenkliche Musik)

Jetzt fahren wir wieder runter.

(beschwingte Jazzmusik)

(René) Policía, Lucía!

Die drei haben in der Nacht die Autos mit Schaum besprüht!

(Er ahmt Spraydosensprühen nach.)

(Eine Tür wird geöffnet.)

Bitte schön. - Danke.

Danke, Frau König.

Gerne. - Die Nächste, bitte.

Eigentlich heißt sie Böttcher.

(Elisabeth) Dann wollen wir mal.

Gut.

Ein passendes Ende für diesen Tag.

Danke für nichts.

Was ... Was machst du jetzt?

Ich geh ins Hotel und fackel mein Hochzeitskleid ab.

Hoffentlich mit 'nem maximal beschissenen CO2-Fußabdruck.

Da oben auf dem Berg wartet der Pfarrer,

da warten sechs instagramfähige Brautkinder!

Du glaubst ernsthaft, hier gibt es heute noch 'ne Hochzeit?

Du glaubst, ich heirate 'n Typen,

den ich offensichtlich nach neun Jahren nicht ansatzweise kenne

und dessen beknackte Familie

sich nicht 'n fucking Tag zurücknehmen können? - „Kann“.

Ich ... ähm, ich ...

Du kannst ja immer noch nicht sagen, was los ist.

Was ist da auf deinem Handy?

(Er winselt.)

Ach Gott, dass ich da nicht gleich draufgekommen bin.

Was ... Was machst du da?

Alle Bilder, die du per Nachricht verschickst,

sind automatisch in deinen Fotos. - Ja ...

Und die sind in der Cloud. - Was?

Unsere gemeinsame Cloud,

in die du wohl nicht häufig reinschaust,

sonst würdest du ja ab und zu 'n Bild von Paula oder ...

Oh mein Gott.

Wow!

Ha! Sag ich's doch.

'N Dickpic. Echt jetzt.

Ein Dickpic ist die Fotografie von einem männlichen Geschlechtsteil,

meistens vom eigenen ... - Ich weiß.

Wir hatten mal so einen Typen in der Töpfergruppe.

Wem hast du das geschickt?

Anna, bitte.

Wem?

(Er grummelt.)

Meinem Coach .. Coachin.

Du hast eine Affäre mit deiner Sensitivity-Coachin?

Nein, er belästigt sie.

Nein, ich belästige niemanden.

Sondern?

(Er windet sich.)

Eher andersrum.

Was ... wie, andersrum?

Ich ...

hab mich da in was reinmanövriert, ich ...

wusste nicht, was ich machen soll.

Äh ... Nein sagen?

Das ... ging immer irgendwie nicht.

Das war immer so subtil,

dass es bescheuert gewesen wär, sich zu beschweren.

Zuerst war's 'n Kompliment,

dann 'ne Hand aufm Knie, nur ganz kurz,

und sie hat nie was gesagt.

Aber es steht im Raum, dass ich ihre Empfehlung brauche,

wenn ich Vorstand werden will.

Das ist tatsächlich so?

Mama, wir sind 'n amerikanischer Konzern,

wenn ich nicht sensitive bin, werd ich nicht Vorstand. - Oh.

Und der blaue Fleck?

(Er seufzt.)

Als ich letztes Mal rausgegangen bin, hat sie mir so aufn Arsch gehauen,

der ganze Empfang hat's beinah mitbekommen.

Und ich kann nichts machen. Weil sie mich in der Hand hat.

Willkommen in unserer Welt. - Hm?

In der Welt der Frauen. - Ach, biste jetzt doch wieder weiblich?

Was ... Was war denn dein Plan?

Keine Ahnung, ich hab gedacht, komm, in drei Wochen bin ich Vorstand,

scheiß drauf, Augen zu und durch.

Willkommen in der Welt der Männer! - Aber es ging immer weiter.

Sie hat verlangt, dass ich immer für ihre Anrufe erreichbar bin,

weil sie mir keine Nachrichten schicken will,

und dann wollte sie, dass ich ihr ... - Dickpics.

Schicke.

Thomas, das ist sexuelle Nötigung, das ist klassisches MeToo.

Nur dass in 99,9 Prozent der Fälle Frauen das Opfer sind

und hier bist du's. - Ich bin kein Opfer.

Thomas!

Du findest es weniger schlimm, dass alle denken, du belästigst jemand,

als dass alle wissen, dass du belästigt wirst?

Das muss man doch melden!

Dafür gibt's doch heutzutage solche ... Stellen.

Ja, Papa haben sie doch auch gemeldet.

Danke. - Na klar. Ich meld's.

Und wisst ihr, was dann passiert?

Vorne rum klopfen mir alle auf die Schulter

und sagen, super, neue Zeit und so.

Hinten rum bin ich tot!

Ich will Vorstand werden.

Da musst du deine Probleme selber lösen,

sonst nimmt dich keiner ernst - das gilt für Männer und für Frauen.

Also die Beweislage ist für Thomas nicht grade vorteilhaft.

Wieso?

Du hast doch gesagt, sie hat dich immer nur angerufen.

Ja?

Also keine ... Kurzmitteilungen, nichts Schriftliches?

Nein.

Tja, dann ist Thomas der einzige, der hier was ...

also, der diese ...

Dickpics. - Versendet hat.

Und zwar ...

ungefragt.

Uff.

Scheiße. Du meinst, sie ... will mich fertigmachen, die will mich ...

(Dorothea und Stephan unisono) Ficken.

Oh Gott, ich muss was machen.

Was denn? - Boah, keine Ahnung, Schadensbegrenzung.

Scheiße ... fuck, mein Handy!

Thomas, ganz ruhig. Jetzt mal ganz ruhig.

Was ist mit der Hochzeit?

K ... Keine Ahnung, was ist mit der Hochzeit?

Gute Frage.

Willst du mich überhaupt noch heiraten?

Willst du überhaupt noch diesen Job machen? - Hm?

Was ist dir so wichtig daran?

Alles?

Okay, anders gefragt ...

Was wäre für dich das Schlimmste, was du verlieren könntest?

(ruhige Klaviermusik)

Ach, du meinst ...

w ... wenn ich's wirklich verlieren würde?

Dich.

Paula.

Euch ... alle.

Dann ist doch alles klar.

Anna ...

Ich liebe dich eigentlich seit dem Moment,

als wir uns beim ersten Date unterm Tisch geküsst haben.

Und ich weiß, ich ...

kann manchmal blöd sein ...

und meine Familie erst,

Elisabeth, René,

Stephan ... vor allem Stephan.

Selbst meine Mutter.

Und ... ich ...

Ich woll... ich ...

Mann, helft mir mal jemand?

„Hilf“.

(Stephan) Wer ist hier doof?

Anna, wir haben ja wirklich Mist gebaut.

Großen Mist. Und das tut uns so leid.

Und ich hatte mich mittlerweile so schön an dich gewöhnt,

also ich fänd's wirklich ... fucking ungeil, wenn du uns sitzen lässt.

(nachdenkliche Musik)

(Musik wird lebendiger, Thomas räuspert sich.)

Kann ich den ... Ich brauch den mal kurz.

Anna ...

Willst du mich heiraten?

Yeah! Das ist doch endlich mal ein richtiger Antrag!

Am Tag der Hochzeit. Perfektes Timing.

(Musik klingt aus.)

Unter einer Bedingung.

(beschwingte Jazzmusik)

(René) Hallo Enrico! Hallo!

(Stephan, off) Die Polizisten waren sehr freundlich ...

Trotzdem gab's eine Anzeige wegen Sachbeschädigung.

Und so konnten Thomas und Anna endlich heiraten.

Sie haben sich gegenseitig

ihre selbstgeschriebenen Gelübde vorgelesen.

Die ließen sprachlich zwar zu wünschen übrig ...

Bei dir brauch ich mich nicht verstellen.

(Stephan) „Zu verstellen“.

Ohne dich würde mein Leben keinen Sinn machen.

„Ergäbe ohne dich keinen Sinn“.

Aber Hauptsache, es kommt von Herzen.

(Musik wird mehrstimmiger.)

Und so frage ich dich, Thomas Böttcher ...

Ja, ich will.

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen ...

Ja, ich will.

Wir werden uns noch oft treffen,

streiten und wieder versöhnen.

Hm, müsste man eigentlich mal einen Roman darüber schreiben.

Übrigens ... Thomas heißt jetzt mit Nachnamen Wittmann.

Wie Anna.

Das war ihre Bedingung.

Aber, wie sagte schon Goethe:

„Name ist Schall und Rauch.“

(Pfarrer) Ich darf euch kraft meines Amtes

zu Mann und Frau erklären.

Ihr dürft euch jetzt küssen.

(lockere Musik, Kirchenglocken)

(Musik: „It's Wonderful“ von Ella Fitzgerald)

♪ It's wonderful

♪ to look into your eyes

♪ and realize

♪ you care a little bit.

♪ It's wonderful

♪ to know that you love me.

♪ It's glorious

♪ to feel that I'm a part of you, sweetheart,

♪ to share your happiness.

♪ It's marvelous

♪ how lovely love can be.

♪ Who dreamed that I'd be allowed

♪ through the doorway of heaven?

♪ I'm drifting high on a cloud,

♪ you're an angel and this is heaven.

♪ It's wonderful

♪ to have your lips divine

♪ combined with mine

♪ and dream forever more.

♪ It's wonderful

♪ to know that you love me.

♪ Who dreamed that I'd be allowed

♪ through the doorway of heaven?

♪ I'm drifting high,

♪ high on a cloud.

♪ You're an angel and this is heaven.

♪ Oh, it's wonderful

♪ to have your lips divine

♪ combined with mine

♪ and dream forever more.

♪ It's wonderful

♪ to know that you love me.

♪ It's glorious.

♪ It's marvelous.

♪ Oh darling, it's wonderful!

(Abschlusstakt)

(nachdenkliche Musik)

(Summen)

♪ Ja, an meinem Klingelschild steht immer noch ein Name,

♪ der nicht mir gehört.

♪ Und dass mein Nachbar mich nicht grüßt, wenn er mich sieht,

♪ hat mich bis jetzt noch nie gestört,

♪ doch ich find es schade, dass ich selten von euch hör,

♪ und dass ich selber daran schuld bin, weiß ich auch.

♪ Ja, ich glaub, nein, ich schwör, ihr wart für mich so oft gestorben,

♪ doch bestimmt wär ich ohne euch auch niemals der geworden, der ich bin.

♪ Wenn ihr nicht wärt, wüsst ich nicht, was Akkorde sind,

♪ und es tut mir leid, dass ich dafür so selten Worte find. Danke.

♪ Dass es genauso leicht ist auszuziehen,

♪ wie an Weihnachten wieder nach Hause zu kommen.

♪ Ich bin oft mit Gedanken woanders,

♪ und schreib gern über mein Zuhause noch Songs.

♪ Liebe für die City, das ist 40489,

♪ diese Ziffern zeigen mir wofür ich steh, wovon ich träum.

♪ Meine Mom war manchmal mad, hat nie mein Zimmer aufgeräumt,

♪ aber trotzdem ist und bleibt sie immer noch mein bester Freund, aha.

♪ Ja, ich drehe meine Runden.

♪ Hab's gesucht und dann gefunden.

♪ Bin gefallen, hab's überwunden,

♪ denn auch die schlimmsten Tage gehen nur 24 Stunden.

♪ Ja, ich drehe meine Runden.

♪ Diese Geschichte - neu erfunden.

♪ Mit der Zeit heilen alle Wunden,

♪ denn auch die schlimmsten Tage gehen nur 24 Stunden.

♪ Das sind nur 1.440 Minuten,

♪ und alles, was du finden willst, musst du erst mal suchen.

♪ Aber weißt du, was der Gag ist? Niemand weiß, wo's versteckt ist.

♪ Alle ihre Tracks sind auf meiner Tracklist,

♪ unter meinem neck ist noch ihre necklace.

♪ Ich wünscht, sie hätte mir gesagt, wo sie grade jetzt ist,

♪ denn ich merk, ich vermiss dich erst immer wenn du weg bist.

♪ Ja, ich drehe meine Runden.

♪ Hab's gesucht und dann gefunden.

♪ Bin gefallen, hab's überwunden,

♪ denn auch die schlimmsten Tage gehen nur 24 Stunden.

♪ Ja, ich drehe meine Runden.

♪ Diese Geschichte - neu erfunden.

♪ Mit der Zeit heilen alle Wunden,

♪ denn auch die schlimmsten Tage gehen nur 24 Stunden.

♪ Ja, ich drehe meine Runden.

♪ Hab's gesucht und dann gefunden.

♪ Bin gefallen, hab's überwunden,

♪ denn auch die schlimmsten Tage gehen nur 24 Stunden.

(ruhige Musik)

(Musik verklingt.)

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