All language subtitles for 2015 Peur de rien

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Original subtitles

In einem Vorort von Paris, 1993

Spielt dein Vater immer noch um Geld?

Ich mag ihn, aber er lebt wie ein Prinz.

Dabei ist er pleite.

Ich bedaure deine Mutter.

Wann geht's mit der Uni los?

Morgen.

Ich bringe dich hin.

Nicht nötig.

Ich weiß, wo ich hin muss.

Ich zeig dir den Eiffelturm. Eine Tour durch Paris!

Warum nicht?

Komm. - Was machst du?

Komm etwas näher. Setz dich zu mir.

An Frauen mangelt es nicht, aber du bist schön.

Hab keine Angst. Deine Tante erfährt nichts...

Warum hast du Angst?

Komm wieder her, Lina. - Warum?

Zum Reden. - Worüber?

Einfach ein bisschen reden.

Was ist?

Ich sage nein. Fass mich nicht an.

Gut, ich bleib, wo ich bin.

Ich mach nichts, siehst du?

Lass mich los!

Lass mich los!

Was wird das?

Schäm dich. - Komm mir nicht näher.

Lass das fallen.

Ich bring dich um. Lass mich los!

Lass das fallen.

Lina. Wo willst du denn hin?

Bist du verrückt?

Das war doch nur Spaß!

War nur Spaß!

ENDLICH FREI

Arbeitest du in der Nähe?

Hey, arbeitest du hier?

Nein, ich studiere. - An der Fachhochschule?

An der Uni. - Pardon?

An der Universität. - Ist dasselbe.

Welche Richtung? - Wirtschaft.

Aha, sieh einer an. Ich komme.

Tja, Schule ist nicht so meins.

Karl der Große kann mich mal.

Guten Tag.

Was bekommen Sie? - Ein Kaffee und ein Wasser.

Kaffee und ein Wasser, bitte.

Ist das Mädchen gegangen?

Keine Ahnung.

Ich glaub's ja nicht. So ein Scheiß.

Mein Name ist Monsieur Gibert.

Wir werden das erste Semester zusammen verbringen.

Noch ein Wort zu den Referaten.

Sie bekommen eine Liste mit Texten großer Ökonomen,

von Adam Smith über John Keynes bis Karl Marx.

Zu jedem Thema der Liste gibt es unangekündigte Tests.

Diese spontanen Tests sind wichtig.

So sehe ich, wer arbeitet.

Die Note geht zu 50 Prozent in die Endnote ein.

Ist das Referat mündlich?

Okay, ich erkläre es nochmal.

Ihr könnt die Referate mündlich oder schriftlich machen.

Mündlich immer mit einem Partner...

Hast du ein Blatt Papier?

Und schriftlich...

Hab meine Tasche vergessen.

Damit sind wir beim Thema. In unserem ersten Text...

Das Semester geht ja gut los.

Hast du auch einen Stift? - Klar, auch ein Mars?

Wie bitte? - War nur Spaß.

Danke. - Lesen wir den Text gemeinsam.

Der junge Mann mit der Brille bitte.

Ich würde gern Italienisch lernen.

Ist das meins? - Lag auf dem Boden.

Ist doch deins, oder? - Schon, aber...

Danke.

Kann ich mit euch kommen?

Nein, wir gehen.

Bitte.

Ich hab kein Geld, und ich hab kein Zuhause mehr.

Wo wohnst du?

Ich hab keinen Schlüssel, helft mir.

Geh doch zur Polizei. - Kann ich nicht.

Ich hab vorm Kino gewartet, und dann war's mir zu blöd.

30 Minuten. - Meine Schwester.

Das ist Lina von der Uni.

Sie ist in Not, sie schläft heute hier.

Hier schlafen? - Sie bleibt in meinem Zimmer.

Leg dein Zeug da hin. - Jetzt sei nicht sauer.

"Ich sag Ihnen..."

"Wirklich, hier in Cannes

gibt es die, die filmen,

und die, die gefilmt werden."

Schmecken meine Nudeln? - Nein.

Frechheit, was sagst du dazu?

Sie ist zu höflich. - Sehr lecker.

Lass sie selber reden.

Also, hör zu, Lina.

Morgen kommt unsere Mutter.

Ich soll also weg?

Naja...

Du hast keinen Schlüssel mehr, aber du hast doch Familie?

Nein, habe ich nicht.

Ich hab nur eine entfernte Tante, meine Eltern sind nicht mehr da.

Sie sind tot.

Im Libanon habe ich niemanden mehr.

Ich muss hier eine Unterkunft finden.

Ein Zimmer in Paris. - Wir helfen suchen.

Nebenan ist ein Frauenhaus. - Hast du keine finanzielle Stütze?

Nein, auch keine Arbeit.

Suchen die bei dir nicht Telefonisten?

Was erzählst du wieder?

Frag sie doch... - So einfach ist das aber nicht.

Sie ist Sekretärin bei einem Immobilienunternehmen.

Wenn sie nicht gerade... - Was kommt jetzt wieder?

...Modell für Modekataloge ist. - Hey.

Tu das weg, das interessiert sie nicht.

Sie sieht toll aus, was? Schöner als in echt.

Verdammt, das ist Jean.

Kommst früh.

Wie läuft's?

Das ist Jean.

Guten Abend.

Ciao. - Schönen Abend.

Isst du dein Dessert nicht? - Nein.

Danke für alles.

Hast du mein Portemonnaie wirklich gefunden oder geklaut?

Nein, es lag am Boden.

Gleich neben...

Schon gut.

Ich bin's.

Ist Tante Mounira zurück?

Im Frauenhaus, 11. Arrondissement.

Ich warte.

Hallo.

Entschuldige für neulich, ich wollte dich nicht erschrecken.

War ein Missverständnis.

Mounira darf... - Ich sag ihr nichts.

Hör zu, ich fahr bald nach Monaco.

Würde dir sicher gefallen.

Meer, Swimmingpool...

Sag Mounira, du schläfst... - Nein.

Das war einfach unverantwortlich.

Wir waren so in Sorge.

Was hätte ich deiner Mutter gesagt?

"Deine Tochter ist weg, sie treibt sich herum."

Hab mich nicht rumgetrieben.

Simon hat sogar die Polizei rufen müssen.

Er hat anderes zu tun.

Er mag meine Familie sowieso schon nicht.

Wir sind keine Bettler!

Ich war bei einer Freundin. - Bei wem?

So schnell hast du Freunde?

Ich bin 20 Jahre hier und habe keine.

Von der Uni.

Wir haben dich aufgenommen,

das ist eine große Verantwortung.

Was, wenn dir etwas zustößt?

Du wusstest doch, ich musste die Kinder abholen.

Immer wenn ich weg bin, herrscht hier Chaos.

Bring mir die Teller.

Ich bin frei. Ich tue, was ich will.

Frei, Lina? Sperren wir dich hier etwa ein?

Ohne Geld hältst du keine Woche durch.

Du hast nicht mal eine Aufenthaltsgenehmigung.

Bist du verrückt? - Ich gehe.

Gib mir die Nummer deiner Freundin.

Ja, später per Telefon.

Du kannst nicht einfach gehen.

Doch, kann ich.

Hallo.

Was machst du hier?

Kann ich meine Sachen hierlassen?

Warum bist du nicht im Frauenhaus? Angst?

Ja. - Komm.

Was ist das "Centre Tolbiac"? - Ein Auditorium.

Kennst du es? - Nein.

Richtung der Place d'Italie.

Und...

Was gibt's da?

Den Kurs von Gagnebin. - Welcher?

Kunstgeschichte.

Kommst du klar? - Ja, danke.

Wer von euch in diesem Kurs findet sich hässlich?

Also zwei hässliche Jungs.

Sie auch? Nein. Die jungen Damen auch nicht.

Da sich keiner mehr outet, sind wir mitten in unserem Thema.

Wir werden in unserem Kurs das Hässliche lieben lernen.

Dabei konzentrieren wir uns vor allem auf Kunst aus dem 20. Jh.

in all ihrer Vielfalt.

Expressionismus, Body Art...

Beginnen wir mit dem Vater aller Hässlichkeit:

Goyas Kronos-Darstellung.

Ihr werdet beeindruckt sein

und eure Komplexe vergessen.

Solltet ihr wirklich welche gehabt haben.

Bis dato wurde über die Faszination des Hässlichen geschwiegen.

Dabei ist das Hässliche eben nicht der unerwartete Schrecken

oder die Furcht.

Das Hässliche ist ontologisch,

es ist mit dem Wesen des Menschen verbunden,

mit seiner Endlichkeit.

Die psychischen Verstümmelungen, die ein Mensch im Leben erträgt,

und gegen die er ankämpft...

diese inneren Kämpfe hinterlassen sichtbare Spuren an ihm.

Leider erscheint in der Kunst

das Hässliche oft nur als Gegensatz des Schönen.

Das ist zu einfach gedacht.

In Wahrheit rührt das Hässliche an die tiefsten Empfindungen.

An die dunkelsten Tiefen des Menschen.

Nehmt nun bitte ein Blatt und einen Stift heraus

und erstellt eine Liste mit allem, was ihr hässlich findet.

"Bis jetzt ist alles hässlich."

Lina Kharam.

Warum sind die alle durcheinander?

Waren Sie bei der medizinischen Untersuchung? - Ja.

Etwas lauter, ich höre Sie kaum.

Da ist das Attest. - Das Datum ist zu alt.

Es darf nicht älter als zwei Wochen sein.

Aber ich bin ja gesund. - Das ist mir herzlich egal.

Ich möchte einfach ein aktuelles Attest.

Bringen Sie mir gültige Papiere.

Der Nächste.

Guten Tag, hier spricht Julia von der Immobilienfirma Marly.

Suchen oder vermieten Sie aktuell vielleicht Büroräume?

Vielen Dank.

Selbstsicherer.

Und deutlich sprechen, ohne Akzent.

Gleich noch einmal.

Und Ihre Aufenthaltsgenehmigung!

Die gebe ich Ihnen noch.

Guten Tag, hier spricht Julia von der Immobilienfirma Marly.

Suchen oder vermieten Sie aktuell vielleicht Büroräume?

Champs-Élysées, da gibt's schöne reiche Männer.

Hast du einen Freund? - Nein.

Hattest du nie Sex? - Einmal. Ist nicht so meins.

Ich kann nicht allein sein. Ich schlaf auch aus Mitleid mit Jungs.

Wenn ich's nicht tue, wer dann?

Aber der letzte...

Der Sex war ein echtes Feuerwerk.

Und plötzlich verduftet er. Kein Wort mehr von ihm.

Ich hab ihn 20 Mal angerufen. Was soll ich machen?

Ist mir egal, ich find schon wen anders.

Freust du dich über den Job? - Ja.

Dann sag's auch fröhlich. - Ja, ich freu mich.

Geht doch. Dann mal los zu dieser öden Vorlesung.

Tanzen wir? - Nein, danke.

Hast du Lust? - Ja.

Langweilst du dich? - Nein, ich bin mit Freunden hier.

Keine Lust zu tanzen?

Mach ich gleich.

Geh ruhig, ich seh dir dabei zu.

Willst du was trinken?

Eine Schale, Narek.

Was ist eine "Schale Narek"?

Narek ist der Barmann. Er ist Armenier.

Ich hab eine Schale Champagner für dich bestellt.

Ausreichend erklärt?

Ich bin Jean-Marc.

Lina.

Danke.

Für mich?

Bravo.

Die sind für mich.

Glückspilz. Ich hatte noch nie welche.

Jean-Marc.

Er hat sich nicht lumpen lassen.

Die Treppen hoch.

Unentschlossen?

Die Auswahl ist so groß.

Hallo, Lucien.

Wie geht's Ihnen? - Gut, und selbst?

Mademoiselle braucht Rat.

Was mögen Sie denn?

Ich habe ein Risotto

oder ein Omelett mit weißem Trüffel.

Das zweite.

Omelett.

Für mich die Seezunge. - Gern.

Gefällt's dir hier?

Bringst du oft Frauen her? - Warum fragst du?

Weil dein Freund mich wie eine von vielen anguckt.

Wie schmeichelhaft.

Wünschen Sie die Weinkarte? - Gern, danke.

Wie viele Frauen hattest du?

Ich sag's dir, wenn du es wissen willst.

Ich hab eine Frau nie mehr als 3 Nächte.

2 Frauen pro Woche macht sechs Nächte.

4 mal 6 macht 24 Nächte pro Monat.

Im Jahr sind das insgesamt also 288 Frauen.

Also 288 Nächte, das wären 288 Restaurantbesuche.

Also nein, ich bringe sie nicht alle her, das wäre langweilig.

Der Schlagzeuger macht auf cool, aber er liebt sie.

Sie ihn auch, aber er ist distanziert.

Als sie in die USA ging, war er am Boden,

nahm Drogen und ging fremd,

aber sie kam zurück.

Das sind Nicolas und Hélène, sie sind ein festes Paar.

Die heißen José und Bénédicte. Sie ist neu.

Sie liebt heimlich Christian.

Verstehst du? - Ja, ist simpel.

Ja, echt krass.

Ich brauche Fun,

trinken wir was und ab in den Club.

Was ziehst du an? - Weiß nicht.

Warte.

Hab seine Nummer verloren. - In deiner Tasche?

Hier.

Ein vielseitiges Werk,

sein Geschäft lässt sich wie ein Buch lesen,

ist aber zugleich plastische Kunst:

Salatschleuder, Fahrrad usw.

sowie ein Treffpunkt,

denn diese Künstlergruppe macht viele Ausstellungen.

Die Komposition, die so über viele Jahre hinweg entstand,

nennt Ben "UN-Sinn",

und da ist was dran.

Dass alles Kunst sein kann, ist ein revolutionärer Gedanke.

Manche Künstler klettern... Danke, Thomas.

...mit nackten Händen und Füßen eine Leiter hinauf,

die mit Metallspitzen besetzt ist.

Gina Pane im Jahr 1971.

Andere setzen sich ins Untergeschoss einer Galerie...

Nein, das ist das falsche Bild, Thomas.

Das auch nicht. Na komm.

...und masturbieren im Rhythmus der Schritte der Besucher,

aber uns fehlt das Foto.

Schade.

Hier haben wir Joseph Beuys 1965

mit seinem Werk "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt".

Das ist Richard Kerns "Christus am Kreuz mit Exkrementen".

Hier haben wir Rudolf Schwarzkogler

und seinen "Totalen Akt umwickelt von Bandagen und Elektrokabeln",

natürlich mit Rasierklingen.

Sind diese Künstler Illusionisten, wie Platon sagte?

Oder ist Kunst sinnfrei und damit brutal?

Wie ordnet man diese Freiheit ein?

Diese Trunkenheit des Aktes?

Wozu ist das alles gut? Ich frage euch.

Okay, wir sehen uns nächste Woche zu unserem Kurs wieder.

Geht bitte ins Museum.

Das ist nämlich wichtig.

Ich bitte drei Studenten zu mir:

Maximilien Renard, Cyril Rigoni und Lina Kharam, bitte.

Sie sind Lina Kharam? - Ja.

Ich habe Ihre Aufgabe korrigiert

und war sehr berührt von Ihrer Antwort.

Aber Sie sind nicht eingeschrieben.

Ihr Name steht in keiner meiner Listen.

Ich habe viele Studenten, ich kann nicht jeden nehmen.

Ich hab mich falsch eingeschrieben.

Ich war neu in Frankreich und wusste nicht recht.

Ich würde gern in Ihrem Kurs bleiben, er gefällt mir.

Seit wann sind Sie hier? - 2 Monate.

Ich komme aus dem Libanon.

Wie gefällt Ihnen Frankreich?

Ich weiß nicht.

Es gibt viel zu entdecken.

Dann wollen wir mal Ihre Haut retten.

Danke. - Eine schöne Handtasche.

Danke. Vielen Dank.

Und Sie, Thomas, räumen die Dias bitte ordentlich ein.

Lina Kharam.

Sie hat dreimal geschrieben, aber nichts passiert.

Worauf genau warten wir?

Ich bitte um Verzeihung.

Sie brauchen nicht zu suchen...

Ich... Um was genau handelt es sich denn, Madame?

Bei der Kurswahl hat es einen Fehler gegeben.

Ja, mit Minitel passieren oft Fehler.

Sie wollte in meinen Kurs, ist aber bei Wirtschaft gelandet.

Das kann ich schnell beheben, Madame.

Das ist schnell erledigt. - Das wusste ich doch.

Das hätte gar nicht so lange dauern müssen.

Meine neue Professorin heißt Madame Gagnebin.

Sie erzählt uns von Künstlern, von ihrer Freiheit...

Was für ein Glück sie haben.

Welchen Maler magst du? - Ich mag Manet.

Das Stillleben mit den Rosen...

Er hat viel gemalt, bis er sein Bein verlor.

Er sagte: "Ich will sie alle malen, bevor ich sterbe."

Hast du meine SMS gekriegt? - Ich kenn Manet nicht.

Du kennst Manet nicht? - Nein.

Was machst du?

Du bist gern geheimnisvoll, was?

Hab gestern an dich gedacht.

Meine Hände hatten Sehnsucht nach dir.

Nicht lockerlassen. Ich ruf morgen nochmal an.

Das ist dein Büro? - Ja.

Du bist Finanzmann? - Ja.

Der Chef hier?

Ja.

Ist das deine Frau?

Ja, meine Frau.

Liebst du sie nicht, dass du sie betrügst?

Mit Liebe hat das nichts zu tun.

Womit sonst?

Unsere Begegnung freut mich.

Du bist bezaubernd.

Eine hinreißende Frau.

Sagst du das, weil du mit mir schlafen willst?

Du nicht? - Nein.

Hast du Angst? Magst du es, Angst zu haben?

Sprechen wir über Marivaux.

Ich muss Ihnen etwas gestehen.

Wenn ich Marivaux lese, bin ich wieder 20.

Die Frauen bei Marivaux!

Leider prägte Marivaux einen Begriff,

der ihm am Ende nicht zuträglich war.

Dabei beschreibt er die Instabilität und Unentschlossenheit

in jedem von uns so klar.

Das Mysterium der Anziehung.

Die Raffinesse des Getändels,

das so inkonsistent wirkt,

dass Voltaire ihn dafür kritisiert:

"Er wiegt Fliegeneier auf einer Waage aus Spinnennetzen."

Also ein Korinthenkacker.

Genau.

Man muss verliebt sein, um zu verstehen, was Marivaux schreibt.

Der Sog der Gefühle verwirrt jeden ohne Ausnahme,

pflanzt in jeden Protagonisten den Samen des Irrsinns,

auf dass ihr Verhalten sich völlig ändert.

"In Wahrheit erscheint alles wie ein Traum."

So sagt das Dienstmädchen in "Die falschen Vertraulichkeiten".

Und genau diesem Traum werden wir uns widmen.

Bist nicht sehr gesprächig.

Ist komisch, mit dir hier zu sein in diesem Schloss.

Wie in einem französischen Roman.

Warum französisch?

Da gibt es viele Geliebte.

Alle finden das normal.

Als wäre das echte Leben so.

Schön, dass ich dir das echte Leben zeigen kann.

Mach wieder an!

Warum? - Ich möchte dich sehen.

Nicht, ich...

Was denn?

Ich kann nicht.

Mach das Licht an. - Ich schäme mich.

Sieh mir in die Augen!

Sieh mich an, wenn ich dich vögele.

Und erinnere dich an den Moment, wenn du allein bist,

wenn du in der Uni bist,

oder in der Metro mit deinen Freundinnen.

Ich möchte, dass du dich daran erinnerst.

Ich hatte Angst, du wärst einfach gegangen.

Nein, ich wollte dich nur nicht wecken.

Naja, du hast gesagt drei Nächte...

Komm her.

Haben Sie nur das Datum geändert? - Nein, hier ist das Einstichloch.

Gut, der Antrag ist komplett.

Und die Aufenthaltsgenehmigung?

Kriegen Sie in 10 Tagen. - Ich brauch sie zum Arbeiten.

Madame,

Sie sind zum Studieren hier.

Ich hab sie also?

Ja, Sie haben sie.

Lina, kommen Sie bitte mal.

Wir müssen reden.

Die Aufenthaltsgenehmigung kriegen Sie noch.

Nein, es gibt gute Neuigkeiten.

Sie kriegen eine Prämie von 750 Francs.

750 Francs? - Ja.

Sie leisten gute Arbeit, ich lobe Sie.

Vielen Dank.

Sie können gern mehr arbeiten.

Gerne.

Schicken Sie mir jetzt Friederike.

Kriegt sie auch eine Prämie? - Nein.

Gut, ich hole sie. - Danke.

Ich muss mit dir reden!

Warum weinst du?

Klaust anderen die Arbeit, du Heuchlerin.

Ich wusste es gleich. - Aber...

Was aber?

Armes kleines Rehlein, fick dich!

Verzieh dich. - Entschuldige.

Ist mir egal!

Hallo, ist Jean-Marc da?

Er ist abwesend. Wer ist dran?

Prellst du oft die Zeche?

Wer bist du?

Julien, ich hab deinen Cappuccino bezahlt.

Wie viel kostet er?

Willst du Geld? - Ist schon gut.

Ist geschenkt.

Danke.

Wie läuft die Uni?

Wie gesagt, Schule ist nicht meins.

Seit dem Abi hab ich viele Jobs gemacht.

Tja. - Ja.

War nicht cool, einfach abzuhauen.

Trinken wir einen Kaffee?

Nein.

Scheiße. - Wieso?

Naja, ich hab ja auch ein rosa Hemd an.

Ich sprech ein hübsches Mädel in Paris an

und trag ein rosa Hemd.

Kennst du zufällig wen, der ein Zimmer zu vermieten hat?

Nein.

Aber ich kann rumfragen.

Ist okay. Salut.

Pass auf dich auf.

Du bist schön, Lina.

Ich muss los.

Hey Lina. Lina!

Meine Schwester verliert wegen dir ihren Job!

Was kann ich denn dafür?

Das hat nichts mit mir zu tun. - Ist klar.

Bin selbst schuld, einer Diebin zu helfen.

Du hast dich bei uns eingeschleimt.

Hab mit deiner Cousine gesprochen.

Du hast Familie.

Mein Onkel hat mich bedrängt, deshalb musste ich weg.

Von wegen "meine Eltern sind tot".

Gib mir meine Tasche!

Zwei Wochen, um deine Sachen abzuholen.

So läuft das bei euch, aber nicht hier.

Alles okay? - Geht schon.

Kann ich dir helfen?

Danke.

Lina hat libanesischen Kuchen mitgebracht.

Libanesisch? Heißt das arabisch, oder was?

Nein, Araber gibt es auch, aber auch andere Kulturen.

Hast du die gemacht? - Sind gekauft.

Aha.

Ich probier auch mal. - Mit Honig?

Schmeckt echt gut.

Wir wollen wieder eine Monarchie, damit...

...damit wieder ein gewisser Patriotismus aufkommt,

und unser Vaterland wieder erstarkt.

Frankreich hat seit 200 Jahren echt Probleme.

Verstehst du? - Es geht den Bach runter.

Sogar die Ausländer finden das.

Es ist also kein abstrakter Gedanke.

Verstehst du?

Die Kameltreiber stehlen aus Geldnot.

Für ihre Familien zuhause.

Arnaud, du bist jetzt ruhig. - Lieber die als Schwule.

Frankreich geht es schlecht? - Schon lange.

Jetzt merkt man es deutlicher.

Es fehlen Arbeitsplätze. Und das ist kein Rassismus.

Wir wollen nur das Beste für unser Land.

Und für die, die wir aufnehmen.

Unsere Steuern gehen für wen drauf?

Wir arbeiten auch für andere...

Für die Ausländer! - Die nicht alle arbeiten.

Ja, verstehst du das? - Ja.

Ich hab dich angerufen.

Was machst du hier?

Ich hab heute Geburtstag. Ich dachte, ich überrasche dich.

Es ist vorbei.

Na, Liebste?

Wie schön, deine Stimme zu hören, Schatz.

Happy Birthday.

Deine Freundin geht nicht ans Telefon.

Ich wohne jetzt woanders, in einer größeren Wohnung.

Ich geb dir die Nummer.

Ich wär gern bei dir.

Was machst du heute Schönes?

Bin bei Freunden.

Du bist also nicht allein?

Nein, bin ich nicht.

Mir kommt es vor, als wärst du schon Jahre weg.

Du fehlst mir.

Ich kann dich erst zum Jahresende wiedersehen.

Deinen Bruder sehen wir kaum.

Er ist nur in seinem Zimmer.

Die Zeit vergeht so langsam.

Dein Vater wollte dich sprechen.

Er ist nicht da.

Du fehlst mir sehr.

Deinem Vater fehlst du auch.

Er kann es nur nicht so zeigen.

Er hat gesundheitliche Probleme.

Ich sag lieber nichts.

Zum Arzt geht er nicht.

Hallo?

Lina, hörst du mich?

Ich hör dich nicht mehr.

Pass auf dich auf, Spatz.

Mademoiselle?

Mademoiselle?

Sie dürfen hier nicht schlafen.

Hören Sie, Mademoiselle?

Stehen Sie bitte auf. - Verzeihung.

Ich habe am Sonntag Pascal gelesen.

Und an euch gedacht.

"Möge jeder seine Gedanken untersuchen.

Sie sind alle der Vergangenheit oder der Zukunft zugetan.

Wir denken kaum an die Gegenwart.

Und wenn doch, dann nur um etwas Licht zu werfen

auf eine nahe Zukunft.

Die Gegenwart ist nie das Ziel,

deshalb leben wir nie.

Aber wir hoffen darauf zu leben.

Und da wir immer versuchen, glücklich zu sein,

ist es unvermeidlich, dass wir es nie sind."

Der Mensch ist seltsam, nicht?

Reibt sich auf an Vergangenem, träumt von Zukünftigem...

Er hat aufgehört zu leben.

Lebten wir tatsächlich in der Gegenwart, im Moment,

könnten wir glücklich sein.

Stattdessen schlafen wir während all dieser Zeit.

Wir sind Schlafwandler.

Wir sind...

...lebende Tote.

Ich will hier nur weg.

In die USA mit meiner Gitarre. Vielleicht für immer.

Auch als Straßenmusiker wäre ich frei.

Ein bisschen wie du. - Mir war egal, wohin.

Ich hab mir das nicht ausgesucht.

Ich bin hier,

weil meine Tante hier in Frankreich wohnt.

Aber wir reden nicht mehr.

Keine Ahnung, was ich hier will.

Also hat Frankreich dich ausgewählt.

Frankreich mich? Kann sein.

Was hörst du so?

Musik, meine ich.

Weiß nicht. Alles.

Alles geht nicht.

Du kannst etwas total laut hören, auf einem Ohr wie Van Gogh.

So wie er mit seinen Landschaften, aber "alles" hören?

Magst du Chicorée mit Schinken? - Ja, warum?

Ich kenn ein 5-Sterne-Bistro.

Ich mach den besten Chicorée

in ganz Paris.

Ja? - Daniel schickt mich. Für 200.

Nicht ohne Anmeldung.

Entschuldige.

Hier, und sag Daniel, er kann mich mal.

Willst du Musik hören? - Ja.

Schmeckt sehr gut.

Frankreich hat ein Rock-Problem, weißt du das? - Warum?

Helno ist Sänger von "Les Negresses Vertes".

Wird mit den Pogues verglichen, aber Shane MacGowan ist anders.

Weißt du warum? - Nein.

Ihre Vision.

Helno ist verrückt und deshalb so lustig.

Nach einem Konzert war er total durch,

ungefähr so, und dann...

Alles okay? - Ja.

Hat sich einfach fallenlassen.

Alle sagten: "Mach dich nicht kaputt, Mann".

Hat er aber. - Hat er sich umgebracht?

Das nicht, er trat kurz darauf bei Jacques Martin auf.

Hier, das ist Frank Black.

Frank Black. - Black Francis.

Frontmann der Pixies.

Ich mag sein Face. - Was heißt das?

Sein Gesicht, sein Face.

Er ist so kultiviert. Ich bin echt neidisch auf ihn.

Großartig.

Das muss man laut hören.

Er spielt Freitag. - Wer?

Frank Black, Black Francis. - Ja?

Ich lad dich gern ein. - Okay.

Ich muss los. Ich verpass die letzte Metro.

Wohnst du außerhalb? - Nein, in Paris.

In einem Palast. - Ja?

Nein, ist ein Wohnheim für Frauen.

Ich bring dich raus. - Danke.

Was machst du?

Ich borg mir Geld von dir.

Für was zu essen. - Was?

Gib meine Tasche her! - Ich geb's dir schon zurück.

Lass sie los, verdammt.

Ruhe da drüben! - Halt den Mund.

Hilfe!

Verdammt.

Was ist hier los?

Sie will mich bestehlen. - Kommen Sie sofort mit!

Lass los. - Schlampe.

Lina?

Hallo. - Na du?

Was ist denn passiert?

Stress im Wohnheim. Kannst du mir helfen?

Ja, schon.

Du bist nicht nur Rassist, du siehst auch aus wie ein Idiot.

Wer ist das? - Meinst du mich?

Ruhig, beruhige dich.

Was war das?

Ich sagte, du siehst schon aus wie ein Idiot.

Paar aufs Maul?

Hört sofort auf!

Hör auf! - Scheiß-Zecke.

Kommunistenschwein.

Kleine Schwuchtel.

Blödmann.

Wasch dir den Dreck aus dem Kopf. - Du bist dran.

Verpiss dich!

Das ist also die kleine Wohnung.

Hier ist... - Die Küchenecke.

Ein kleiner Tisch mit Stühlen, falls du Gäste einlädst.

Da steht der Ofen und dort dein Bett.

Alles da. - Dort sind Fernseher und Telefon.

Und da ist das Bad.

Okay, vielen Dank.

Der Wasserhahn tropft, reparier ich dir später. - Danke.

Kannst du das nicht gleich machen? - Ja.

Ist doch schön.

Fühl dich wirklich völlig frei hier.

Fühl dich zuhause.

Scheiße. - Was macht er denn da?

So tropft es doch nur noch mehr.

Warum haust du da drauf? - Ich versuch's zu reparieren.

Aber doch nicht, indem du damit draufschlägst.

Der saß total fest. Jetzt geht's.

Jetzt geht er auf und zu. - Von wegen.

Dann dreh ihn doch auf!

Ich bin sicher, er ist kaputt. Sag ich doch.

Er hat ihn demoliert. - Verdammt.

Scheiße. - Ruf einen Klempner.

Du hast ihn kaputtgemacht. - Von wegen.

Nicht schlimm, ich benutze den anderen.

Genau, du hast ja warmes Wasser im Bad.

Ich klär das. - Kein Drama.

Können wir dann los?

Ich geb dir noch Geld. - Danke, das brauch ich auch.

Und falls du länger bleiben willst... - Ja.

Wenn jemand anruft, gib ihm meine Nummer.

Also erstmal zwei Monate.

Prima. Vielen Dank.

Ciao. - Danke nochmal, Victoire.

Dir auch, Arnaud. - Wir sehen uns an der Uni?

Entschuldige nochmal. - Kein Problem.

Tschüss. - Musste das sein, Arnaud?

Wie soll er 500 Leute ansehen?

Mich schon.

Jedes Mädchen denkt, der Sänger hätte es angesehen.

Das ist eine Technik, eine Illusion.

Frank hat dich nicht angesehen.

Aber dafür ich, ich hab das halbe Konzert verpasst wegen dir.

Hast du Freunde an der Uni?

Nein. Oder doch, ich hab eine.

Sie ist Royalistin.

Bist du sicher? - Sicher weswegen?

Die sind total rechts.

Nein, sie ist keine Rassistin.

Sie glauben, eine Monarchie ist besser für Frankreich.

Ihr Freund ist ein Skin.

Er ist wirklich dumm.

Warum lachst du?

Sie sind nett, wirklich. Ziemlich nett...

Hör auf!

Deine einzige Freundin ist Fascho!

Du bist gemein.

Du küsst gut für eine Faschobraut.

Warte...

Ich mag es dunkel.

Hallo, Julien.

Das ist Ben, er ist ein guter Typ.

Hey, wie geht's?

Bin gleich zurück.

Wo gehst du hin? - Nur eine Sekunde.

Allein?

So ein schönes Mädchen?

Weißt du, was dieser Idiot Pasqua will?

Die Todesstrafe für alle Homos, Junkies und Alkoholiker.

Anstatt Milosevic eins draufzugeben.

Aber nein, er faselt von sowas.

Wir sind echt feige.

Jeder ist sich hier selbst am nächsten.

Ist doch wahr, diese Warmduscher!

Hey, Leute, bewegt euern Arsch endlich mal ein bisschen.

Ja, schon klar.

Julien?

Julien?

Wo warst du? - Wir hauen ab.

Du wolltest mir was mitbringen.

Ja, ja. - Kennst du den?

Gehen wir. - Wieso jetzt schon?

Was ist los?

Nichts. - Was war denn?

Scheiße, Polizei. - Gib es mir.

Nein. - Gib schon her.

Na komm.

Hier.

Personenkontrolle. Ihre Papiere!

Die Papiere, hören Sie?

Was jetzt?

Stehenbleiben. - Lassen Sie ihn!

Lassen Sie ihn los!

Bist du taub? - Nicht so grob.

Wo hast du die Drogen?

Ruhe, sonst kommst du mit auf die Wache.

Nicht. - Eine Aufenthaltsgenehmigung?

Bist du das? - Ja.

Ich hab wirklich nichts.

Wo hast du das Zeug? Wer ist dein Dealer?

Sie tun mir weh. - Halt die Klappe.

Alles klar? - Super.

Nimm dein Zeug und verschwindet.

Seht zu, dass ihr Land gewinnt.

Schönen Abend noch.

Was für Arschlöcher. - Meine Aufenthaltsgenehmigung!

Idioten.

Das war dumm von dir.

Hast mir Angst gemacht.

Wenn die dich gekriegt hätten...

Mich hätten sie wieder rausgelassen.

Alles war so schön, ich wollte nicht, dass es aufhört.

Ich hatte keine Angst.

Die haben wir schön verarscht.

Du warst wunderschön.

Was macht das? - Frische Luft.

Illusionen, die guttun.

Mal probieren? - Nein.

Noch einen.

Nicht aufhören.

Was machst du heute?

War schlecht. - Nicht aufhören.

Das war schön.

Dann was Fröhlicheres...

"Von meiner Familie verlassen,

verschlimmerte ich mein Leid durch Liebe zu Männern,

die Liebe führte zu Diebstahl,

Diebstahl zu Verbrechen

oder zur Gewohnheit, sie zu erleben.

Ich lehnte mit Leib und Seele die Welt ab,

die auch mich abgelehnt hatte.

Ich fügte ihr mein eigenes, persönliches Leiden hinzu."

Was Jean Genets Leben betrifft,

so identifiziert sich der Erzähler durchaus mit dem Autor,

aber seine Äußerungen sind alle frei erfunden.

Ich bin keine Literatin, aber mich interessiert,

wie Jean Genet die Prinzipien seiner Poesie offenbart

und damit die Grundlagen einer subversiven Ethik.

Seine Geschichte.

Hallo?

Hallo?

Mama, bist du das?

Was hat dein Vater? - Er ist krank.

Ich soll nach Hause kommen.

Wann kommst du zurück? - Vielleicht Ende des Sommers.

Dann schreiben wir uns.

Die Post in Beirut ist schlecht, schreib an die Adresse meiner Tante.

Wir können telefonieren. - Unbedingt.

Weißt du, als ich herkam,

habe ich vom Krieg erzählt, um interessant zu sein.

Von Toten und Explosionen.

Ich habe sogar erzählt, ich sei Waise.

Ist alles nicht wahr.

Ich hab vom Krieg kaum was gesehen.

Man hört nur Geräusche. Bomben, die irgendwo explodieren.

Die hört man jeden Tag, jede Nacht.

Am meisten hab ich aber meine Eltern gehört.

Sie schrien sich ständig an.

Als wären wir gezwungen, eine Familie zu sein.

Ich wusste, dass wir uns irgendwann trennen.

Das Ganze fühlte sich wie eine Lüge an.

Unsere Familie, mein ich.

Aber ich mache mir Vorwürfe.

Weil ich sie gehasst habe

und mich jetzt verstecke.

Du versteckst dich nicht.

Du lebst hier mehr als woanders. Du versteckst dich nicht.

Liebling? Mach dir keine Sorgen.

Dein Vater wird nicht leiden, hat der Arzt gesagt.

In ein paar Wochen ist es vorbei, Gott sei gedankt.

Was weißt du schon? Was soll das heißen?

Der Arzt weiß das nicht.

Wo ist Gott, hm?

Du sollst nicht lästerlich reden.

Du hast gerade Gott gedankt, dass er stirbt!

Fahr schon, du Idiot. - Ist doch Wahnsinn.

Geht's noch, du Irrer?

Scheiße.

Lass mich fahren.

Meine Nerven. - Was ist damit?

Du willst fahren?

Fahr schneller. - Warum?

Du bist total bekifft.

Und du? - Ist das dein Dank?

So dankst du mir? - Ja.

Schäm dich. Wie undankbar ihr seid.

Du schluckst von früh bis spät nur Tabletten.

Eine für den Kopf, eine wegen der Hand...

Ich? - Und mir Vorwürfe machen!

Du nimmst Drogen. - Du auch!

Bei mir sind es Drogen? - Ja, mein Sohn ist ein Junkie.

Du bist hier der Junkie, nicht ich.

Ich? - Ja, Mutter, du!

Du nimmst 16 Tabletten am Tag...

Das Gras verdreht dir den Kopf.

Bei dir sind's die Medikamente.

Ich hab dich schlecht erzogen. - Ja, ich bin so schlimm.

Denk lieber an dein Studium. - Und du ans Fahren.

Was du nicht sagst.

Na los, dann fahr selbst!

Wie schön das Meer ist.

Das Wetter ist auch toll. War eine gute Idee.

Wie heißt dein Freund? - Julien.

Ein schöner blonder Franzose? Wie alt ist er?

Ja, ein Franzose. Er ist 27.

Willst du ihn sehen? - Klar.

Ich habe ein Foto von ihm.

Total süß.

Blond und sehr sympathisch.

Ich konnte mich in Frankreich damals nicht reinfinden.

Bin mit einem Typen gegangen, aber das funktionierte nicht.

Warum?

Die Franzosen bleiben gern unter sich, denke ich.

Sie verstehen sich schlecht mit Ausländern.

Wir sind da anders.

Wie geht's dir bei ihnen?

Das geht nicht, dann müsst ihr ihn füttern.

Willkommen!

Hallo. - Möge Gott dich schützen.

Wie geht's dir, Nichte?

Du bleibst, hoffe ich?

Bin wegen Vater hier.

Was willst du in Frankreich? - Ich studiere.

Hörst du das? Sie war gerade bei ihrem Vater.

Er hat mich immer schlecht behandelt, und es hört nicht auf.

Schwester! - Ich kann nicht mehr.

Schluss damit. Ihr müsst ihn ernähren.

Ihr müsst ihn zum Essen zwingen.

So geht das nicht weiter, die Leute reden schon.

Niemand zwingt ihn zu irgendwas!

Er war ein schlimmer Mann. - Hör auf zu weinen!

Was hat sie?

Mach jetzt die Tür auf!

Mach auf oder ich trete sie ein!

Geh weg!

So ein Starrkopf!

Raus hier! - Lass mich los!

Lasst mich!

Alle raus hier!

Ihr alle! Ich will euch nicht mehr sehen!

Keinen von euch!

Papa?

Hallo.

Ist Julien da? - Der ist doch weg.

In den Staaten. Hat mir so lange seine Wohnung überlassen.

Ich wohne gerade hier.

Wann kommt er denn wieder?

Keine Ahnung, er ist mit Sack und Pack los.

Ich hab ihn angerufen... - Tja.

Was soll ich dir sagen? Er ist weg.

Hast du was für ihn? - Nein.

Nein?

Ist das da nicht für ihn? - Nein. Danke.

Okay, wie heißt du? - Nicht wichtig.

Mach's gut.

Tschüss.

Unglaublich!

Macht weiter, los!

Was ist das denn hier?

Lina!

Was habe ich gesagt wegen der Kartoffeln?

Tut mir leid. - So werden sie alle schwarz.

Ich hab es dir doch gezeigt. Kommt jetzt!

Und ich muss sie schneiden.

Immer so langsam!

Und die Zwiebeln?

Natalie, ist der Salat endlich angemacht?

Ja, ja. - Und die Teller!

Tiefer können wir nicht sinken.

Das ist gut!

Die Teller stehen da drüben! Sind sie wenigstens sauber?

"Ihre Aufenthaltsgenehmigung wird vorerst nicht verlängert."

Junges Paar auf mörderischer Flucht.

Der Überfall geschah um 21 Uhr 30 in der KFZ-Verwahrstelle Pantin.

Nach dem Überfall flohen sie im Taxi.

Innenminister Pasqua hat den Angehörigen sein Leid ausgesprochen.

Die Bürokraten wollen es wissen.

In einem Monat muss ich zur Anhörung.

Ich darf mein Studienfach wohl nicht wechseln.

Nur mit einem Stipendium.

Ich helfe gerne,

aber Stipendien sind rar. - Ist das so schwierig?

Sie brauchen eher einen Anwalt.

Aber der will doch bestimmt viel Geld?

Ich störe doch nicht, Madame? - Nein.

Ich frage einen Freund von mir, er ist Anwalt.

Sobald ich mehr weiß, rufe ich an. - Vielen Dank.

Ich kann nichts versprechen, aber ich habe Hoffnung.

Wovon leben Sie? Helfen Ihnen Ihre Eltern? - Nein.

Ich arbeite. - Ein Job?

Ich schäle Kartoffeln. Ist Schwarzarbeit.

Ist alles nicht einfach, was?

Also...

Verzeihung, ich hab vergessen, was Gagnebin gesagt hat.

Sie studieren? - Zuerst Wirtschaft, ja.

Dann habe ich zu Kunstgeschichte gewechselt.

Das ist... - "Regression in der Ausbildung".

Aber ich mache Fortschritte!

Letzte Jahr arbeitete ich als Telefonistin.

Aber ich musste aufhören, es gab Probleme.

Und ich habe dort zu viel gearbeitet.

Ich wusste nicht, dass mir das irgendwie schaden könnte.

Ja.

Ich bin allein, mit meiner Tante herrscht Funkstille.

Ich musste bei meinem Onkel ausziehen.

Und ich hab kein Geld mehr auf der Bank.

Sie haben also nichts.

Gut.

Ich kann Ihnen nicht helfen.

Ich betreue diese Fälle, aber es gibt schlimmere, glauben Sie mir.

Ihrer ist nicht dramatisch. - Doch, ich will nicht zurück!

Ich möchte hierbleiben. - Ich verstehe schon.

Ja?

Nein, Rafael, ohne Anmeldung auch nicht für Sie.

Hier steht die Luft ja.

So früh zu rauchen ist schlecht für Sie.

Ihr Sohn ist hier... - Ich borg mir deinen Drucker.

Wir sehen uns später. - Okay.

Wiedersehen macht Freude. Ruf Mama an.

Ja.

Kennen Sie meinen Sohn? - Nein.

Ist an Ihrer Uni. - Nie gesehen.

Wo waren wir gerade?

Dass sie mir nicht helfen wollen.

Wann ist Ihr Termin?

In zwei Wochen.

Hallo.

Ich setz mich kurz dazu. - Dein Flugblatt reicht.

Montag 18 Uhr ist Versammlung.

Hallo, kann ich mich setzen?

Ja, hallo. - Natalie.

Ich bin in einer Vereinigung, wir suchen Leute.

Wir kämpfen gegen das Kapital.

Was mit der Arbeiterklasse passiert, ist furchtbar.

Es ist wichtig,... - Politik interessiert mich nicht.

Hast du schon mal gearbeitet? - Ist mir egal.

Ich hab nicht mal eine Aufenthaltsgenehmigung.

Aber du bist hier.

Also müsstest du... - Ist mir egal.

Viele Menschen arbeiten ihr Leben lang für eine Mini-Rente.

Komm zu unserem Treffen. Was ist denn?

Sehr witzig.

Okay. - Wie geht's, Arlette?

Was läuft? - Geht dich nichts an.

Sie spricht.

Mit mir, dem Verräter? - Schreib dein Käseblatt.

Bist du verliebt, dass du so in Erregung gerätst?

Pheromone auf Angriff.

Du bist wirklich dämlich. - Und du heiß wie ein Vulkan.

Du findest das auch komisch?

Okay, dann hau ich eben ab.

Nimm deine Trakte mit.

Ich liebe sie einfach.

Und du zögest zwischen der extremen Rechten und Linken?

Gut geworden? - Nein.

Scheiße, warum nicht? - Warum wohl.

Das müssen wir ändern.

Sophie, Pierre, das ist Lina. - Hallo.

Setz dich.

Okay, was hat er wieder gemacht?

Diesmal frage ich meinen Kumpel... - Gleich da.

Auf der ersten Seite.

Da. - Na wunderbar.

Hier, nimm dir, das ist unsere Zeitung.

Die 4. Ausgabe wird super. - Es gibt Abos.

Ist das eine richtige Zeitung? - Klar.

Siehst du doch.

Noch gibt's uns nur an einem Kiosk, aber wir erobern Frankreich.

Das läuft so:

Plakate kleben ist easy.

Du brauchst gute Schuhe, zum Weglaufen,

einen stabilen Eimer, auf den du dich stellst,

und vor allem einen Stock.

Wozu das? - Zum Draufhauen.

Leute verprügeln.

Nein, war nur Spaß. Um den Kleber umzurühren.

Das war's schon, mehr ist es nicht. - Das kriege ich hin.

Ich bin schnell und werde bald eh abgeschoben.

Komm morgen einfach eine Runde mit. - Wir kleben ein paar zusammen.

Meinetwegen. - Ich würd auch gern schreiben.

Worüber? Deine Abenteuer in der Bürokratie?

Nein, über Manet vielleicht.

Manet? - Das klingt doch gut.

Dafür muss erst ein Mädel ohne Papiere kommen, was?

Auf den Artikel über Manet. - Prost.

Auf unsere Zeitung und die neue Journalistin.

Was ist denn, Sophie? - Nichts.

Wegen Manet? - Nein, den mag ich.

Neidisch? - Ist klar.

Die Stimmung ist immer super bei uns.

Ich mag an Debord seine Frechheit,

und genau die will ich auch für uns.

Unsere Leser starten die Revolution.

Die paar?

Da brauchen sie viel Alkohol.

In Russland haben 400 für eine Revolution gereicht.

In Frankreich reichen 15 Schnapsnasen.

Kennst du Debord?

Revolution kenne ich nicht, aber Krieg.

Sie kennt Frankreich kaum. - Und ob.

Sogar auswendig. - Ja?

Alle Regionen. - Lass mal hören.

Soll ich sie aufzählen? - Ich bitte darum.

Elsass, Aquitanien, Auvergne, Normandie,

Ile de France, Bretagne, Bourgogne...

Centre! - Dann Franche-Comté...

Und Korsika. - Ja, weiß ich.

Scheiße, die haben wieder getaggt.

Macht ihr hier eure Zeitung? - Ja.

Scheiße. - Überstreichen.

Das sind echt immer dieselben Idioten!

Die wollten rein.

Willkommen bei uns. - Geklaut wurde nichts.

Alles okay? - Ja.

Ist etwas unordentlich...

Willst du was trinken?

Schwarzer Stempel heißt ab nach Hause.

Wie bitte?

Schwarzer Stempel heißt Verlängerung abgelehnt.

Haben Sie ein Zweitkonto? - Nein.

Ihre Familiensituation hier ist instabil.

Ich sehe, Ihr Studium verläuft nicht linear?

Und Sie haben mehr als halbtags gearbeitet.

Ihre Aufenthaltsgenehmigung wird damit nicht verlängert.

Sie haben einen Monat zur Heimkehr.

Mein Anwalt sagt, ich kann Einspruch einlegen.

Dann sprechen Sie mit ihm.

Warten Sie draußen, Sie bekommen einen Beleg.

Nummer 72, bitte.

Nummer 72, bitte.

Die 72!

Du hast Wurzeln,

hier bleibst du eine Fremde.

Sogar ich überlege, heimzukehren.

Freiheit? Von wegen.

Hier geht man vor die Hunde.

Neulich wurde jemand überfahren und keiner hielt an.

Warum kommst du so selten?

Schön, da bist du ja.

Prima. - Hallo.

Wie geht's, mein Schatz?

Gut und dir? - Gott sei Dank.

Hast du Linas Unterbringungsbescheinigung?

Hab ich vergessen. Mach ich noch.

Du hast übrigens Post bekommen.

Ein Brief für mich? - Ja.

Gib ihn mir. - Sicher.

Ich mache Abendbrot. Isst du mit uns?

Nein... - Doch, doch.

Ich mag deinen Vater sehr.

Ich verstehe deinen Schmerz.

Aber entspann dich ein bisschen.

Und die andere Geschichte vergessen wir.

Fass mich nicht an.

"Hier macht jeder seins,

überall schräge Leute, die sich über gar nichts wundern.

Es ist wie im Film, und ich bin Statist in einer Filmkulisse.

Nur dass der Film echt ist, man kann alles berühren.

Ein Taxifahrer fragte, ob ich New York schön finde.

Ich sagte ja.

Er sagte: "Ich auch, aber für viele ist diese Stadt brutal."

"Wir sind ein Volk von Wilden".

Ich fahre nach Arizona in die Wüste.

Die Geschichte des Landes, die Freiheit, die Luft.

So ist das also, irgendwo der Fremde zu sein.

Es ist genial.

Ich bin so verloren, ich mach nicht mal Musik.

Ich bin glücklich.

Auch wenn mir Paris fehlt.

Wie gern würd ich dich sehen. Ich denke oft an dich.

In ein paar Monaten schreib ich wieder. Julien."

Hey, Schwachkopf.

Wer ist das? - Wo soll's hingehen?

Kleisterst wieder alles zu?

Was wollt ihr?

Erstmal kriegst du was aufs Maul.

Ihr seid so feige. - Lasst ihn los!

Hättest du gern. - Das reicht.

Haut ab. Lasst mich los!

Das kann ja wohl weg. - Lass sie gefälligst los!

Ihr verdammten Idioten. - Verpiss dich.

Er hat's kapiert, komm. - Ja, haut ab.

Alles okay?

Tut's noch sehr weh? - Nein, es geht, danke.

Zum Glück am Auge vorbei.

Wann ist deine Anhörung? - Am 21.

Bis dahin ist es geheilt.

Du bist trotzdem schön.

Bleibst du zum Essen? - Ja.

Stimmt nicht! - Von wegen.

Sondern? - Ich hab dich beglückwünscht.

Das hat sich aber ganz anders angehört, ehrlich.

Dir ist doch eh alles egal.

Zum Glück. - Können wir das Thema wechseln?

Bald wählt er noch rechts, Mama.

Na und?

"Na und?" Wegen Leuten wie dir ist dann Le Pen dran.

Schatz...

Ist das wirklich unser Sohn?

Bravo, mein Sohn. - Ist das hier immer so?

Ich hab's dir doch erklärt!

Immer öfter. - Ist irgendwie lustig.

Du erzählst Schwachsinn. - Du musst das Ganze sehen.

Schreit nicht so. - Wir diskutieren.

Schön wär's. - Wir sind Hitzköpfe.

Wechselt bitte das Thema.

Was den Mai '68 angeht, ich sag dir...

Na da bin ich aber jetzt gespannt.

Wie du den Mai '68 erlebt hast...

Deine Mutter hat recht, hören wir auf.

Ihr wiederholt euch langsam.

Was heißt das? - Immer dasselbe.

Was heißt das?

Worüber sollen wir reden? - Bist du empfindlich.

Zum Glück, bei dem Quatsch, den du so erzählst.

Was sage ich denn Schlimmes?

Und spuck mich nicht an.

Ich esse Couscous, sorry.

Dann ist also deine Mutter Schuld, sag es ihr.

Du könntest Lina einfach mit ihren Papieren helfen.

Worauf wartest du?

Macht er doch. - Jetzt essen wir.

Jetzt kann ich nicht. - Unglaublich!

Ich kümmere mich drum, was denkst du?

Ich helfe ihr. - Vielen Dank.

Man kann nicht allen helfen. - Du machst mich fertig.

Echt mal. Du bist wirklich ein großer Revolutionär.

Das stimmt, aber was dann?

Wir erfinden uns neu. - Haben wir doch längst!

Wir sind alternativ!

"Mobile Arbeit im Kollektiv."

"Die mobile Druckerei." - Das ist es.

"Die mobile Druckerei ist im Grunde simpel:

Ein paar Kisten mit Lettern, Rollen mit Klebstoff,

eine stoffbezogene Rolle als Druckwalze,

zwei Flaschen Tinte, Bürsten und Schwämme.

Alles lässt sich im Nu in einem Schrank verstecken."

Das ist bei uns anders.

Okay, machen wir unsere eigene Druckerei auf.

"Mit leeren Händen stellten sie sich den führenden Mächten,

dem absoluten Herrscher.

Anarchistischer Aufruf an die Verbündeten: Träumer des Absoluten."

Was macht der denn? Fahr schon!

Fahr zur Seite, was machst du denn?

Das sind die Pariser.

Immer Mist bauen.

Mach die Augen zu. - Nein.

Ist eine Überraschung.

Hast du sie zu? - Ja.

Kann ich sie aufmachen?

Noch nicht.

Und?

Gefällt's dir? - Ja.

Hier war mal eine Fabrik von Renault.

Ein Riesending, das auf der Seine schwamm.

Schön, oder? - Ja.

Angst vor der Anhörung morgen? - Nein.

Ich muss dir was sagen.

Was denn?

Wegen Julien.

Ich denke an ihn.

Ich kann's nicht ändern.

Scheiße.

Aber...

Verlässt du mich, wenn er zurück ist?

Er kommt nicht zurück.

Und ich bin dann vielleicht auch nicht mehr hier.

Falls er kommt, muss ich ihm wohl eine verpassen.

Ich meine es ernst. - Ich auch.

Ich würde mich für dich prügeln.

Ist er stark, dieser Julien?

Ja. - Oh, verdammt.

Naja, aber du hast ja gesehen, ich kann mich wehren.

Muss ich halt etwas trainieren und Muskeln aufbauen.

Ich hab ja etwas Zeit.

Julien ist mir egal.

Ich komm mit, wenn du in den Libanon musst.

Ich folge dir überall hin.

Keine Sorge wegen der Verspätung, das wird schon.

Kommt dieser Richter oft später?

Ich kenne ihn auch noch nicht.

Die Sitzung ist eröffnet. Bitten setzen Sie sich.

Mademoiselle, Sie sind seit 5 Jahren in Frankreich.

Sie haben keinen Abschluss, sind nirgendwo eingeschrieben,

was machen Sie seitdem?

Ich mache Skulpturen. - Ist das alles?

Ja, das ist alles.

Sie haben kaum Einkommen,

ein zweijähriges Kind zu versorgen...

Wovon leben Sie? Wie leben Sie?

Ich verkaufe ab und zu und bekomme Stütze.

Mein Sohn ist Franzose. - Nun gut.

Herr Staatsanwalt, ich höre?

Anwendung des Rechts.

Danke, bitte warten Sie nebenan, das Urteil wird später verkündet.

Der nächste Fall.

Mademoiselle Lina Kharam. - Kommen Sie bitte nach vorn.

Ich vertrete Mademoiselle Kharam. - In Ordnung.

Keine Sorge. - Sagen Sie Ihnen,

ich dachte, man wäre frei in Frankreich.

Mach ich.

Werter Richter, der Fall ist paradox.

Rechte Politiker lassen verlauten...

Halten Sie sich an die Fakten.

Eben darum sage ich ja,

wir stigmatisieren Ausländer oft,

dass sie unseren Sozialstaat ausnutzen,

es sich "gutgehen lassen"

und unsere Sozialbeiträge abschöpfen.

Und auf der anderen... - Wir kennen Ihre Show.

Das ist nicht die Nationalversammlung.

Geehrter Richter, das stimmt,

aber die Vorwürfe gegen meine Mandantin sind hart.

"Sie studiert erfolgreich und arbeitet zu viel."

Diese junge Frau investiert ihre Energie in unser Land,

sie dachte, sie wäre frei.

Der Beamte, der ihre Verlängerung ablehnte, arbeitete nicht so gut,

denn er vergaß

Artikel 23, Absatz 7 der Verordnung vom 13.4.1967.

Und daher ist, wie Sie wissen, der Prozess umgehend zu beenden.

Die Freiheit wird verteidigt und manchmal hier auch verdient.

Das Gericht weiß Ihr Vorgehen zu schätzen.

Die Sitzung wird unterbrochen. Urteilsspruch nach der Pause.

Ich geh kurz eine rauchen. - Okay.

Du hast einen guten Anwalt, so ein Glück.

Bist du schon lange hier? - Zwei Jahre.

Wenn sie mich abschieben, bin ich verloren.

Ich habe so vieles vergessen.

Ich will nicht zurück.

Nicht wegen der Armut, wegen der Angst.

Dort gibt es keine Hoffnung, ich bin dort erstickt.

Es ist zwar nicht einfach hier, aber du hast Ruhe.

Du bist du selbst, nur schaut dich keiner an.

Wenn man versteht, wie die Menschen hier sind,

kann man sogar glücklich sein.

In meinem Land ist das unmöglich.

Da kann niemand einfach in Ruhe leben,

als Individuum respektiert.

Ich war ohnmächtig vor Angst.

Wenn man immer Angst hat, wenn man nicht arbeiten

oder ohne Angst rausgehen oder sprechen kann,

wenn niemand dich schützen kann,

ist dein Land nichts. Es existiert nicht.

Die Verhandlung geht weiter. Setzen Sie sich.

Kommen wir zur Entscheidungsverkündung.

Monsieur Daniel Gomis. - Ja?

Das Gericht verhängt für Sie die Ausreisepflicht.

Monsieur Ben Mira Kamel. - Ja?

Ihre Ausweisung wird aufgehoben. - Danke, Herr Richter.

Monsieur Ahmed Taraoui.

Das Gericht verhängt Ausreisepflicht. - Nein!

Mademoiselle Bogdana Rizea.

Das Gericht verhängt Ausreisepflicht.

Mademoiselle Lina Kharam.

Das Gericht hebt Ihre Ausweisung auf.

Damit ist die Sitzung geschlossen.

Übersetzung / Untertitel Anna Ochs

Deutsche Bearbeitung sub&dub company

Redaktion Dorit von Scharpen

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