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DIE UNFOLGSAMEN
2. APRIL 2020 TAG 16
Ich bevorzuge Zimmer 27.
Das ist intimer.
Zimmer 27 ist besetzt.
Willst du dich nicht ausziehen?
Ich will vor allem, dass du mir von dir erzählst.
Was willst du denn wissen?
Erzähl mir von dir, deiner Arbeit. Was machst du so?
Ich war Junior-Analystin bei einer Investmentagentur,
die Firmen kauft, um sie nach circa fünf Jahren
weiter zu verkaufen.
Ich erstellte Analysen aller Firmen, die infrage kamen.
Ich nahm sie genau unter die Lupe.
Willst du nicht aufstehen?
Es gibt viele Wölfe und nur ein Schaf.
Man muss die Leine anziehen, aber sie darf nicht reißen.
Das klingt nach Jagdjargon und nach Cowboys.
Du hast recht, das ist wie in einem Western.
Es gibt fast nur Männer.
In dem Milieu herrscht eine strenge Hierarchie
und es gibt kaum Frauen an der Spitze.
Da erwartet dich sicher auch sexuelle Belästigung.
Natürlich, wie überall.
Wie bei dir.
Wann vögeln wir heute?
Ehrlich gesagt, Annabelle...
bin ich müde.
Beim letzten Mal warst du leidenschaftlicher.
Wie soll ich das verstehen?
Nimm es gelassen.
Ich höre dir gerne zu
und habe im Moment viel Zeit.
Du rauchst hier im Zimmer?
Félix hat es erlaubt!
Er gefällt sich in der Rolle des Rebellen...
Kommt uns zugute!
Und er verdient daran!
Du verliebst dich doch nicht?
Ich verliebe mich nie.
Du wolltest doch nicht arbeiten!
Tue ich auch nicht, ich beruhige nur besorgte Kunden.
Willst du mich verarschen? Das ist doch Arbeit.
Nein, ist es nicht,
es ist schließlich nicht mein Job, Kunden zu beruhigen.
Und was ist mit mir?
Wir sind hier, um auf andere Gedanken zu kommen.
Du hast recht.
Tut mir leid, mein Schatz.
Zieh dich an!
Aber warum? Ich fühle mich wohl,
es stört keinen. Niemand sieht etwas.
Wir gehen raus.
Und wohin?
Einen Cocktail trinken.
Dann ruf den Zimmerservice.
Nein, wir essen später hier, aber vorher trinken wir einen Cocktail.
Bitte, Schatz!
Okay.
Ich ziehe mich an.
Herein.
Bitte sehr, Monsieur Verger.
Zur Zeit laufen alle Zahlungen über Félix.
Das ist keine Zahlung,
sondern Trinkgeld.
Danke, Alix!
Schade, schade!
Schläft sie mit Félix?
Nein, sie ist seine Nichte.
Sicher, Félix und seine große Familie.
Beim ersten Mal sagte er,
du wärst eine Cousine mütterlicherseits.
Eine angeheiratete.
Jedenfalls ist diese Kleine...
Du bringst mich in Verlegenheit.
Auf gewisse Weise bin ich dir treu,
immer wenn ich in Paris bin, komme ich her.
Dafür gibt es viele Gründe.
Rede keinen Unsinn.
Was für Zeiten!
Bitte, reden wir nicht davon!
Félix sagt, das ist ein besonderer Ort, hier kann man alles vergessen.
Das war deine Idee?
Nein, das war es nicht.
Ich habe zugestimmt, aber die Idee kam von ihm.
Ich habe dabei natürlich an dich gedacht.
Mein gütiger Wohltäter.
Bitte.
Tür schließt.
Der Aufzug fährt runter.
Kaffee geht aufs Haus.
Danke, Félix.
Ich bringe Sie hinaus.
Brauchst du Hilfe?
Nein, danke, das ist mein Job.
Was ist deine Lieblingsblume?
Der Bissap.
Der was?
Der Hibiskus.
Ich liebe seine roten Blüten.
Wir pflücken sie,
trocknen sie in der Sonne und machen Tee daraus.
Und im Senegal, wo ich herkomme,
trinken wir ihn morgens zum Frühstück.
Fehlt dir deine Heimat?
Ich bin nicht zum Reden hier, sondern zum Arbeiten.
Echt cool hier!
Gefällt er dir?
Ja, ich sehe ihn mir gerne an.
Er sieht gut aus.
Ansehen heißt nicht begehren,
darüber haben wir gesprochen.
Erst ist hier niemand, und dann taucht dieser junge Apoll auf.
Gut, dass wir gekommen sind.
Immer das letzte Wort.
Ich bin immer total erledigt.
Deine Joints machen dich müde.
Wenn ich daran denke,
wie ich vorher im Bio-Laden geschuftet habe,
und das während dem Studium.
Ich habe noch nie so viel verdient. - Geht mir ähnlich.
Warst du auch im Bio-Laden?
Nein... ich meine das Geld.
Hast du viele Kunden?
Ein oder zwei pro Tag, außer donnerstags.
Ich habe ein paar mehr.
Ich kann nicht "Nein" sagen.
Ich sage "Nein", wenn ich keine Lust habe.
Wenn Félix den Plan ansieht,
sagt er immer, ich mache zu viel.
Die Nachfrage ist groß
und er meint, man müsse sich rar machen,
um die Preise zu erhöhen.
Ganze Nächte lohnen sich.
Nein, das Kuscheln nervt mich.
Und Typen, die Viagra oder Ectasy nehmen,
wollen die ganze Nacht lang.
Darauf kann ich verzichten.
Also meine Heteros sind nachts wesentlich gemütlicher.
Ich sterbe vor Hunger.
Im Kühlschrank steht ein Salat mit Thunfisch und Avocado.
Hallo, Süße! - Wie geht's?
Alles gut? - Ja, und bei dir?
Ich esse bei Inès im Zimmer.
Okay, was hältst du von Lachs?
Super.
Ist es fertig? - In zwei Sekunden.
Wie geht's dir?
Nicolas hat schon für Samstag reserviert,
was machst du nur mit ihm?
Ich rede mit ihm. - Das würde ich auch gern.
Ich will in seinem Film mitspielen.
Halt dich fern, er vögelt alle jungen Schauspielerinnen.
Verständlich, er sieht gut aus.
Und was ist mit MeToo?
Du willst also Schauspielerin werden?
Es ist fertig. - Danke!
Alle Schauspielerinnen der 60er-Jahre hatten etwas mit
mit Regisseuren oder Produzenten.
Deneuve mit Vadim,
und er danach mit Jane Fonda
und Louis Malle mit Jeanne Moreau
und Bardot und... - Du kennst dich aus!
Hätte ich nur in den 60ern gelebt.
Die haben Karriere gemacht! - Das waren andere Zeiten.
Die Affären hielten länger.
Sie schrieben ihnen Rollen, das war keine sexuelle Belästigung.
Ganz anders als bei MeToo.
Ich glaube nicht, dass er mit dir schläft.
Er hat zu viel Angst vor einem Skandal,
wenn er dir keine Rolle gibt.
Darum bezahlt er eine Nutte.
Alix!
Du hast recht. So vermeidet er Missverständnisse.
Und ich bevorzuge Escortgirl statt Nutte.
Tut mir leid, ich wollte dich nicht kränken.
Das macht nichts.
Alles okay?
Ja, aber er macht mich rasend.
Ist er dein Freund?
Noch nicht, ich bin noch unsicher.
Er ist bei einer Investmentagentur und redet nur davon.
Er langweilt mich, als würde mich das jucken.
Hier sind viele Männer aus der Finanzbranche.
Du bist Escortgirl, oder?
Wie hast du das erraten?
Weiß nicht, ich habe dich von Weitem beobachtet,
dein Lächeln, dein Verhalten bei dem alten Schönling...
Ist das so auffällig?
Ich habe mich immer gefragt, wie das so ist.
Entschudlige, ich habe getrunken. Ich trinke, wenn ich mich langweile.
Ich muss zurück. Man sollte Kunden
nie warten lassen.
Hier, bitte.
Ruf mich an, dann reden wir.
Inès, ist das dein echter Name?
Ja.
Und? Kommst du bei deinen Seminaren mit?
Nein.
Reden wir von etwas anderem.
Verger, der alte Schönling, war da.
Ich mag ihn nicht.
Ohne ihn hätte Félix nichts tun können.
Warum?
Er ist der Hauptaktionär des Hotels.
Wirklich?
Und der Eigentümer?
Der ist vor dem Lockdown nach Saint Barth gefahren.
Weiß er Bescheid?
Keine Ahnung. Ich glaube nicht.
Wir sind also heimlich hier.
Monsieur, hier ist es. - Danke.
Keine Küsse.
Ah okay, die Hygienemaßnahmen?
Sehr witzig.
Keine Sorge, dafür bin ich nicht hier.
Küsse! So ein Quatsch!
Zuerst bitte ins Bad.
Welch ein Vertrauen!
Ich bin zu Fuß von Montmartre hierher gekommen.
Alle Straßen sind wie ausgestorben, gruselig!
Bei dieser Leere fühle ich mich ganz leer.
Weißt du Bescheid?
Ich will keine Liebe, ich will Sex.
Ja, sicher.
Habt ihr schönes Wetter in Grenoble?
Läuft es gut mit deinem Fernstudium?
Was glaubst du?
Sei nicht aggressiv,
im Moment ist auch so alles schwer genug.
Mama, ich bin nicht aggressiv,
aber du stellst immer diese Fragen!
Also? Wie ist das Wetter in Grenoble?
Wir sind doch sowieso den ganzen Tag eingesperrt.
Ich denke an deinen Vater...
Natürlich.
Er hätte das nicht ertragen.
Mama, er ist seit fünf Jahren tot.
Ich melde mich morgen wieder, okay?
Kuss! Hab dich lieb.
14. APRIL 2020 TAG 29
Zeit zum Aufstehen.
Es ist 7 Uhr, Herr Minister.
Was?
Bringst du mir bitte einen Kaffee?
Er steht da.
Ich habe tief geschlafen...
In der Tat.
In deinen Armen fühlte ich mich sofort so
geborgen.
Nimmst du es mir übel?
Nein.
Dein "in der Tat" klang etwas vorwurfsvoll.
Ich habe dich von deiner Arbeit abgehalten.
Aber in diesen Zeiten ist eine Umarmung eine Art von Arbeit.
Meine Frau
empfindet Umarmungen sicher als Arbeit.
Und Sie? - Was?
Umarmen Sie sie?
Ich...
Manchmal.
Da will ich zärtlich sein und sie stoppt mich,
noch bevor wir Zeit hatten, uns überhaupt zu berühren.
Seit wann?
Seit einer Weile.
In jeder Beziehung entsteht mit der Zeit Distanz.
Trotz allem, gegen unseren Willen.
Als Eltern ist einem das Kind ferner als das Baby,
und der Jugendliche noch viel mehr als das Kind etc.
Als Kind hatte ich es satt,
alle wollten meine Wangen küssen. Als wäre ich eine Puppe.
Bei meiner Mutter gefiel es mir,
aber mein Vater und meine zwei Onkel hatten kratzige Bärte.
Sie hoben mich hoch, küssten mich
und stellten mich wieder ab.
Bis ich acht war, habe ich Tausende Küsse bekommen.
Dann war ich zu schwer, um hochgehoben zu werden.
Alles okay? - Ja.
Ich habe an Ihre Frau gedacht.
Ich verstehe ihre Distanziertheit, wenn Sie zu Escortgirls gehen.
Sie verweigert sich mir seit Jahren, aber ich respektiere sie.
Ich glaube sogar, deshalb liebe ich sie.
Sonst hätte ich das Gefühl, sie zu vergewaltigen.
Ich werde nie wissen, ob Sie mir die Wahrheit sagen.
Ich war noch nie so ehrlich, was mein Privatleben betrifft.
Und in der Öffentlichkeit?
Ich habe noch nie so viel gelogen wie in den drei Jahren als Minister.
Auch im Moment?
Im Moment mehr denn je. An der Staatsspitze herrscht Chaos.
Warum lachst du? - Weil...
Ich finde den Ausdruck "Staatsspitze" lustig.
Ich muss dabei an einen Berg denken.
Das ist kein Berg,
das ist ein kleiner Hügel, eine Anhöhe.
Der Staat ist nicht mehr, was er mal war.
Er mischt sich im Moment aber sehr in unser Leben ein.
Ich muss meine Sekretärin anrufen, ich hatte um 9 Uhr einen Termin.
Sie sind nicht im Homeoffice?
Homeoffice, Lockdown, nicht-systemrelevant.
Wir sind in dieser Pandemie beim Vokabular
nicht sehr kreativ.
"Nicht-systemrelevant" ist am schlimmsten.
Finden Sie, ich bin nicht-systemrelevant?
Ich mag deinen Humor.
Das ist kein Humor.
Ein Geständnis aus meinem Munde
beruhigt Sie noch immer nicht?
...beruhigt Sie noch immer nicht?
Ein Geständnis aus meinem Munde
Ein Geständnis aus meinem Munde
beruhigt Sie noch immer nicht?
Okay.
Alles ok? Langweilst du dich auch nicht?
Nein. - Nein?
Wir suchen uns ein paar Spiele, ja?
Mein Papa hatte einen echten Basketball.
Wirklich? - Dann haben wir gespielt
und da waren noch andere
und er hat den Basketball gegen meinen Kopf geworfen.
Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll, Félix.
Mach dir keinen Kopf.
Er wird mich sicher anrufen.
Weiß er, dass du hier bist?
Nein.
Alles wird gut.
Keine Sorge.
Hallo. - Hallo.
Wie geht's? - Gut, und dir?
Auch gut.
Du passt weiterhin auf dich auf?
Junge Leute wie ich bekommen das Virus nicht.
Das ist nicht sicher.
Auf den Intensivstationen liegen wohl nur Alte
und auch die, die sterben, sind alt.
War viel los bei Plisson?
Da war niemand.
Verrückt!
Früher war ich dort der einzige Schwarze
und jetzt bin ich sogar der einzige Kunde.
Echt cool!
Bei Plisson sind sie nicht rassistisch, oder?
Nein, aber es ist nicht wie bei Monoprix,
da sind überall Schwarze, sogar an der Kasse.
Die haben Vertrauen.
Mein Kumpel Yaya dachte, sie bekämen Prämien,
wenn sie Minderheiten einstellen.
Wir in Frankreich mögen keine Quoten.
Sie sind sogar verboten.
Das ist heuchlerisch.
Was ist heuchlerisch? - Quoten.
Ich fühle mich fast immer als Quotenschwarzer.
Im Moment etwas weniger...
fast alle Weißen bleiben zu Hause.
Gut, es ist alles da.
Danke, bis Donnerstag.
Ich gebe dir keine Küsschen. - Alles klar.
Tschüss. - Tschüss.
Das kennst du nicht?
Die Angst, jemanden zu treffen, den du kennst, einen Kunden.
Nein, das passiert nicht. Das ist ein anderes Milieu.
Ich habe eher Angst, dass ein Kunde uns verpfeift.
Ich dachte, der Pool wäre nicht für Kunden.
Félix hat es mir erlaubt.
Suchen Sie einen Mann?
Er kommt manchmal mit seiner Frau her.
Ja, wir brechen aus der Routine aus. Es ist, als würden wir verreisen,
obwohl wir ganz in der Nähe wohnen.
Falls Sie einen Mann suchen, bin ich da.
Léo. Fragen Sie Félix.
Ich werde häufig für homosexuell gehalten...
Der Schein trügt.
Ja, das stimmt!
Wer hätte gedacht, dass Sie eine Prostituierte sind.
Escortgirl.
Bei Escortgirls denkt man eher an eine Abendbegleitung.
Aber im Moment ist eigentlich nur eine Begleitung
aufs Zimmer möglich.
Du machst das so gut.
Ich kann nicht mehr.
Du hast keine Wahl.
Stimmt.
Hast du wieder Nachtschicht?
Ja.
Intensivstation.
Sie haben die Gastroenterologie geschlossen.
So etwas gab es noch nie.
Eine Flut an neuen Patienten, die nicht abnimmt.
Menschen, deren Lungen keinen Sauerstoff mehr aufnehmen können.
Ihr Organismus funktioniert nicht mehr.
Sie ersticken.
Vorgestern hatten wir drei Tote.
Ihre Familien durften sich nicht einmal verabschieden.
Es ist als verlören wir unsere Menschlichkeit.
Du tust alles, ums sie zu retten.
Versuch, dich zu entspannen.
Dreh dich mal um.
Der Chefarzt hat sich angesteckt.
Wir sehen uns mit unseren Masken an und fragen uns, wer der Nächste ist.
Offenbar infiziert man sich seltener mit Blutgruppe 0.
Ich habe Blutgruppe 0.
Ich kenne meine Blutgruppe nicht.
Tut mir leid. Félix wünschte sich, dass ich nicht vom Krankenhaus rede,
aber ich schaffe es nicht.
Leichter gesagt, als getan.
Letzte Woche war ich an meinen freien Tagen dort.
In Gedanken bin ich sowieso die ganze Zeit dort.
Weißt du, wann ich dich das erste Mal verlassen wollte?
Ich wusste nicht mal, dass du das wolltest.
Aber man lernt nie aus.
Als ich feststellte, dass du fast täglich deine Mutter anrufst.
Du hast stundenlang mit ihr telefoniert.
Hast ständig nach ihrer Meinung gefragt.
Um ihr eine Freude zu machen.
Trotzdem. - Was trotzdem?
Ich war schon immer ihr Lebensmittelpunkt und rufe sie
schon immer täglich an.
Aber für dich rufe ich sie nur noch einmal pro Woche an.
Hat sie das umgebracht?
Willst du das etwa?
Lenk nicht vom Thema ab.
Was ist das Thema? - Dass ich nicht mehr kann!
Dass du vielleicht mit einem Mann glücklicher wärst.
Jetzt fängt das also wieder an. - Ich mein...
Ich hatte immer Zweifel, damit bin ich nicht allein.
Ja, sicher, all deine tollen Freundinnen,
alle frustriert und Single. Ihre Meinung ist wirklich wichtig.
Siehst du nicht, dass sie nur eifersüchtig sind?
Nein, das ist wirklich Unsinn!
Worauf sollten sie eifersüchtig sein?
Wer hat zahlreiche Tests gemacht? Es musste ja an mir liegen!
Ich hatte keine Ahnung!
Ich hätte dich sofort verlassen sollen.
Meine Schuldgefühle, kein Kind bekommen zu können,
dabei warst du das Problem!
Du wolltest keine mehr!
Deine langsamen Spermien!
Ich wusste nicht, dass ein Mann zu langsame Spermien haben kann!
Hätte das etwas geändert?
Verschwinde!
Ich muss nachdenken.
Was zum Teufel machst du hier?
Ich will nicht reden.
Du willst nicht mit mir reden?
Nein, ich bin zu schüchtern.
Was macht der Junge hier?
Das hatte ich vergessen.
Sie ist eine Freundin meiner Schwester,
ihr Freund ist gewalttätig
und rastet seit dem Lockdown oft aus.
Ich habe ihr Zuflucht geboten...
Hör zu, Félix, es reicht!
Du musst aufhören, hier sind zu viele Leute.
Allein das kleine Bordell... - Sie sind nur drei.
Inès, Annabelle und Léo.
Das könnte als Zuhälterei betrachtet werden.
Und die Paare...
Die kommen nur, um sich abzulenken. Das bringt uns etwas Geld.
Wem bringt das Geld? Doch nur dir und deinen Freunden.
Wir machen uns strafbar, Félix.
Willst du eine Beteiligung?
Ich habe zugestimmt, weil mir deine Idee gefiel,
das Hotel zu einem Ort der Freiheit zu machen,
in Zeiten der Ausgangssperren.
Und um ein bisschen vögeln zu können.
Du kennst meine Schwäche für Inès.
Bevor ich es vergesse.
Danke. Übrigens...
Seit zwei Wochen wohnt noch jemand hier.
Wer? - Eine Krankenschwester.
Das ersparrt ihr das Pendeln
vom Stadtrand zum Krankenhaus.
Es reicht, Félix, sonst erwischt man uns noch!
Selbst meine Frau nennt mich Schwuchtel.
Nicht "Schwuchtel", das ist diskriminierend!
Das nennt man Homophobie.
Mein Onkel hat mich mal zu einem Fußballspiel mitgenommen.
Noch nie habe ich so oft das Wort "Schwuchtel" gehört.
Wo finde ich eigentlich Léo?
Zimmer Nr. 18.
Gibt es ein Problem?
Ich will einen Mann.
Den jungen Typen.
Léo?
Okay, ich frage mal.
Er ist beschäftigt.
Hast du Zeit?
Das ist nicht mein Job.
Entschuldige, Félix.
Ich weiß einfach nicht weiter.
Wir dachten, wir wären in Sicherheit, aber...
Alles wird gut.
Bist du mit dem Duschen fertig oder willst du dort vögeln?
Nein. Ich habe nachgedacht...
Sie war nur traurig, es geht schon wieder.
Könntest du bitte wenigstens so tun?
Gefalle ich dir so besser?
Ja.
In der Tat, Sie sind ein eigenwilliger Mann.
Du warst also bei diesem Seminar?
Klar, er war ein sehr renommierter Hypnotiseur.
das faszinierte mich. Ich war verrückt nach ihm.
Ich begleitete ihn danach einen ganzen Monat lang
zu all seinen Seminaren in den USA.
Er präsentierte mich als Assistentin und hypnotisierte mich vor allen.
Ohne es zu merken, verfiel ich ihm immer mehr.
Er sagte mir, er würde mich lieben,
ich sei die Frau seines Lebens.
Und ich Dummkopf habe ihm das geglaubt.
Wie endete es?
Er sagte mir eines Tages, dank mir sei er ein besserer Ehemann.
Ich schämte mich für ihn.
Ich sagte, er habe sein Spielzeug zerbrochen,
dieses Arschloch.
Sollen wir auf dieses Arschloch anstoßen?
Warum wirst du nicht Escortgirl?
Du kommst sicher gut an.
Ich habe schon zu oft mit Männern geschlafen,
ohne es wirklich zu wollen.
Mit sechs Jahren kam ich ins Heim.
Frag mich nicht warum, ich weiß es nicht mehr.
Ich sollte erst zu meinem Onkel,
aber weil er Single war, war die Richterin dagegen.
Ich kam von einer Pflegefamilie zur nächsten.
Ich war bei der Jugendfürsorge.
Bei manchen läuft es gut.
Bei mir nicht so besonders, aber ich kam zurecht.
20. APRIL 2020 TAG 34
Ich bin so schnell gerannt...
Ich bin gerannt wie früher in Kidal.
Die Dschihadisten zündeten Bomben.
Und ich rannte die ganze Zeit.
Ich rannte, um zu entkommen, auch wenn keine Bomben da waren.
Meine Mutter sagte mir immer:
"Wenn du rennst, Lassana,
dann ist die Bombe immer hinter dir und trifft dich nicht.
Es ist nicht die Angst, die dich rennen lässt,
sondern das Leben,
die Lebenskraft,
die ist es..."
Womit haben sie dich geschlagen?
Mit dem Schlagstock.
Ich sah sie näherkommen und ging schneller.
Sie holten mich ein und verlangten meine Papiere.
Dann rannte ich los.
Ein Bulle holte mich ein und schlug mir direkt auf den Kopf.
Da rannte ich wieder los, so wie damals in Kidal.
Er konnte mich nicht fangen...
Sind sie dir sicher nicht gefolgt?
Nein, unmöglich.
Es ist wohl kein Schädeltrauma.
Was ist das?
Um sicherzugehen, muss er ins Krankenhaus.
Ins Krankenhaus?
In dieser Situation? Nein.
Du ruhst dich jetzt aus, dann sehen wir weiter, okay?
Fühl dich wie zu Hause.
Wie zu Hause...
Du bist lustig, Félix.
Bis später.
Du würdest gut zu Félix passen.
Wir waren mal zwei Jahre zusammen,
aber das ist lange her.
Wirklich? Er wirkt so mysteriös.
Du wirkst auch mysteriös.
Was studierst du?
Im Moment, nichts. Und davor
ökologische Stadtplanung.
Was ist das?
Es geht darum, die Natur wieder
in die Stadt zu bringen.
Auf dem Père-Lachaise hat man Füchse gesichtet.
Jeder denkt über die Natur nach.
Entweder zieht man zurück aufs Land
oder holt die Natur zurück in die Stadt.
Ich interessiere mich für naturinklusives Bauen
und Cohousing.
Das Leben in der Gemeinschaft?
Nicht ganz. Man teilt vor allem die Ressourcen.
Stimmt, wir müssen
unsere Vorstellungen ändern.
Was waren deine?
Ich wollte
einen Mann, einen Job, ein oder zwei Kinder.
Ich habe keinen Job und keinen Mann mehr,
aber ich habe ein Kind,
das ist für mich das Wichtigste.
Warst du verheiratet?
Zum Glück nicht.
Ich war verheiratet.
Das war die größte Dummheit in meinem Leben.
Warum Dummheit?
Ich war verliebt, das war der erste Fehler.
Er war es nicht wirklich, aber das merkte ich erst später.
Wir heirateten, ich wollte ein Kind.
Nach einem Jahr betrog er mich.
Er sagte, das ändere nichts an uns,
aber ich war schwanger und verlor das Kind.
Ich war traurig.
Während der Scheidung hat er mich tyrannisiert.
Es war furchtbar.
Wenn ich dein Beispiel aufgreife:
Ich habe keinen Mann mehr und werde wohl keinen mehr haben,
ich habe keine Kinder,
aber ich habe einen Job und das ist das Wichtigste für mich.
Ich habe kein Kind,
ich habe keinen Mann
und keinen richtigen Job.
Das ist der Grund? Der quält Ihren Geist?
Erröten Sie nicht beim Anblick dieses Briefes?
Erröten, ich? Warum sollte ich?
Welch Kühnheit Ihnen eigen ist!
Sie leugnen diesen Brief, weil er keinen Namen trägt?
Wieso leugnen, was meine Hand verfasst?
Und dass des Briefes Inhalt für jeden sichtbar
Sie schuldigt spricht, das irritiert Sie nicht?
In der Tat, Sie sind ein eigenwilliger Mann.
Danke, das hilft mir sehr.
Kein Problem.
Niemand spricht mehr so, aber es ist lustig.
Wir sollten ein TikTok-Video drehen.
Einverstanden! - Dann komm.
Okay.
Also...
Bist du bereit?
Hier? - Ja, diese Antwort.
Woher die Eifersucht auf alle Welt?
Weil Sie sich alle Welt zum Freunde macht.
Es riecht seltsam, was ist das?
Räucherstäbchen mit Bergamotte.
Du bleibst die ganze Zeit in deinem Zimmer.
Bergamotte hilft angeblich, seine Motivation wiederzuerlangen.
Weißt du was?
Ich habe die Nase voll. Ich habe Félix gebeten, mir ein paar Tage freizugeben.
Wovon hast du die Nase voll?
Das hier.
Fürs Vögeln bezahlt zu werden?
Nein, das nicht, es ist mehr als das.
So viel verliert gerade an Bedeutung. Das ist unglaublich.
Und das nach gerade mal einem Monat.
Gefällt es dir manchmal mit einem Kunden?
Nie.
Mir schon.
Nicht oft, aber es kommt vor.
Weil du dich wirklich für den Job entschieden hast.
Ich war pleite.
Ja, aber du wolltest dir auch etwas beweisen,
im Sinne der Verführung.
Das habe ich gespürt, als wir uns wiedergesehen haben.
Es war deine Entscheidung. Du hättest etwas anderes tun können.
Und viel weniger verdient.
Die Polizei hat dich kontrolliert?
Reden wir bitte nicht drüber.
Ein Glas Milch, mein Lieber?
Ja, gerne.
Jules, wo bist du?
Ich hab dich gefunden!
Hier.
Danke.
...völlig menschenleer.
Ja, Dienstag, in der Früh.
Ja, okay.
Wir sehen uns Mittwochmorgen. Tschüss.
Früher wollte ich einmal Rocksänger werden!
Du hattest doch eine Band mit Simon und Victor.
Wir hatten nur ein paar erbärmliche Auftritte.
So erbärmlich waren die gar nicht.
Nett von dir.
Welch ein Schiff!
Was?
Dieses Hotel.
Es erinnert mich manchmal an ein Schiff,
das auf dem Meer treibt.
Wer weiß, ob wir heil ankommen.
Warum sollten wir nicht?
Ich weiß es nicht.
Ich würde gern das Schicksal von jedem von uns kennen.
Dank dir haben sich unsere Schicksale gewandelt.
Sieh mich an.
Er hat immer weiter getrunken
und fand immer einen Grund, mich noch öfter zu schlagen,
weil wir zu Hause eingesperrt waren.
Ich dachte mir, der beruhigt sich wieder.
Es ging vorbei und dann fing es wieder an.
Würdest du mich waschen?
Ich will nicht nass werden.
Ich finde es erotisch, wenn eine Frau mich wäscht.
Schon mit drei oder vier Jahren
wurde mein kleiner Penis steif, wenn Mutter mich wusch.
Mit drei Jahren schon?
Sicher, wie alle Jungs.
Natürlich.
Mädchen wissen leider nicht, wie sich das anfühlt.
Wir fühlen andere Dinge, keine Sorge.
Ich glaube, ich habe dich schon mal irgendwo gesehen.
Ich weiß nur nicht mehr, wo.
Ich habe Sie noch nie gesehen. - Ich kenne mich.
Es fällt mir sicher wieder ein.
Ich habe das Gedächtnis eines Elefanten.
Auf Italienisch sagt man "ein eisernes Gedächtnis".
Danke für die Gesellschaft,
aber ich bin heute nur zum Abendessen hier.
Zu Ihren Diensten.
Die Geschäfte laufen noch immer sehr gut.
Es ist fast schon obszön.
Ich verdiene weiter Geld
und muss es ganz allein ausgeben.
Die Staaten haben die Kontrolle verloren.
Die globalen Konzerne schüren unseren Hass.
In den USA schießt jeder auf jeden.
Bald herrscht Bürgerkrieg.
Mal sehen, wer überlebt.
Ich wollte dir auch sagen,
dass ich für eine Weile weg sein werde.
Ich habe ein Grundstück in Neuseeland gefunden.
Nicht weit vom Meer.
Gut, ich habe 36,8.
Jetzt du.
Das heißt gar nichts. Ich könnte asymptomatisch sein
und Sie übrigens auch. - Stimmt.
Sagen wir, das Risiko ist gering.
Was soll das denn?
Wer Kondome benutzt, kann auch Maske tragen.
Verdammt!
38,7!
Das war ein Witz! 36,5.
Hier.
Ich dachte, es gäbe keine.
Mein Mann hat einen Vorrat.
Er ist gegen alles allergisch: Hausstaubmilben, Pollen usw.
Er trägt sie, wenn ich staubsauge.
Natürlich.
Wenn wir gleich loslegen, sag mir bitte, dass ich für mein Alter
einen sehr schönen Körper habe.
Okay, ich werde mir Mühe geben.
Da bin ich sicher.
Willst du nicht wissen, wie alt ich bin?
Wie alt sind Sie?
56 Jahre. - Okay.
Oh là là! Sie haben einen wirklich tollen Körper für Ihr Alter.
Findest du?
Oh ja.
Annabelle, richtig?
Sicher nicht dein echter Name.
Du siehst geil aus, du gefällst mir.
Manchen Typen halten alle Frauen, die sie bezahlen, für sexsüchtig.
Verschone mich mit deinen Gefühlen.
Ich bezahle dich, weil man in dieser beschissenen Zeit
niemanden mehr abschleppen kann.
Also, zieh dein Höschen aus
und zeig mir deine Pussy.
Offenbar ist das Gehirn bei manchen Männern
mit Erektion schlecht durchblutet.
Für dich hat eine Frau nur die Aufgabe, die Beine breitzumachen?
Es ist deine Aufgabe.
Nein, dein Schwanz ist nicht so groß, wie du glaubst.
Du musst Frauen fürs Vögeln bezahlen.
Also bilde dir bloß nichts ein.
Erstmal da entlang.
Interessiert dich, warum ich meinen Mann betrüge?
Nein, nicht wirklich. - Okay.
Weißt du was? - Nein?
Anfangs war ich unsicher,
aber dann fand ich es richtig schön und habe große Lust,
es nochmal zu machen.
Was haben Sie genommen?
Nichts, ich habe einfach große Lust auf dich.
Das wird aber um einiges teurer.
Ich hasse es, von vorne anzufangen.
Ich dachte, du willst es auch.
Was?
Nutte zu sein, ist keine Berufung.
Ich gebe Félix Bescheid. Das kostet das Doppelte.
Nicht mal ein kleiner Rabatt?
Zwei zum Preis von einem? Wie im Supermarkt?
Wissen Sie was?
Meine Freundin sitzt in Besançon fest.
Wir haben uns seitdem nicht gesehen.
Ich gebe dir einen Tipp für euer Wiedersehen.
Liebst du sie?
Ja, ich glaube schon.
Dann hör gut zu. Das könnte hilfreich sein.
Du kennst das Kamasutra,
aber nur bestimmte Positionen,
wie übrigens die meisten Männer.
Ihr seid Gefangene,
immer müsst ihr drin sein, nie draußen.
Ihr seid Sklaven der Penetration.
Es gibt auch noch die Hände,
die Haut, die Küsse, subtile Berührungen und Massagen.
Es gibt so viele andere Empfindungen!
Ja...
Glaube mir! Selbst beim Sex
sollte man ehrgeizig sein.
Deine Freundin hat besseres verdient
und du auch.
Kostet deine Beratung als Sextherapeutin eigentlich extra?
7. MAI 2020 TAG 51
Dankeschön.
Glaubt ihr, sie verhängen weitere Ausgangssperren?
Ich hätte nichts dagegen.
Wir werden sehen.
Immerhin wissen wir jetzt, dass alles möglich ist.
Ja.
Ich hörte, Sie schlafen mit jungen Schauspielerinnen.
Stimmt das?
Ja, Célimène.
Haben Sie keine Angst?
Wenn sie es wollen und ich auch,
gibt es keinen Grund dazu.
Ich habe noch nie so viele Tote gesehen.
Da hast du Glück.
Ich nicht mal einen.
Für mich ist der Tod völlig abstrakt.
Ein Kumpel zieht sich auf OnlyFans aus.
Er hat Zeit, er ist in Kurzarbeit.
Er verdient ca. 400 Euro dazu im Monat.
Scheint, als hätte er einen schönen Schwanz.
Ich weiß nicht mal, was OnlyFans ist.
Was erzählst du da?
Meine schöne Reise hierher nach Frankreich.
Erzählst du mir eine Geschichte?
In Wirklichkeit bin ich keine große Rednerin.
Wirklich?
Wenn ich kein Escortgirl bin.
Lustig!
9. MAI 2020 TAG 53
Der Boss kommt heute, du bist die Letzte, die geht.
Welcher Tag ist heute? - Der 9. Mai.
Nein, welcher Wochentag?
Samstag, der 9. Mai.
Ich habe dir eine Bescheinigung vorbereitet.
Man weiß nie, der Lockdown endet erst Montag.
Nicolas überlegt, mir eine Rolle in seinem nächsten Film zu geben.
Sehr schön!
Ich habe nicht mit ihm geschlafen.
Das solltest du aber,
er ist ein guter Fang.
Ich wollte dir noch was sagen.
Keine Sorge, wir sehen uns wieder.
Erst einmal danke für alles.
Machst du weiter oder war's das für dich?
Nein, das weiß ich noch nicht.
Ich höre mit allem auf.
Ich kümmere mich um Emanuela und Jules.
Wir gehen sobald wie möglich weg.
Du bist ein wahrer Idealist, Félix.
Als ich als Escortgirl anfing,
lockte mich neben der Erfahrung
und dem Geld für mein Studium
die Tatsache, dass du hier warst.
Wegen mir?
Ich war verliebt in dich.
Ich habe nichts gesagt.
Du beeindruckst mich noch immer, aber ich bin nicht mehr verliebt.
Ich liebe dich, aber anders.
Du hast uns allen in dieser schweren Zeit geholfen.
Für mich bist du
ein moderner Widerstandskämpfer,
ein guter Samariter.
Ein guter Samariter der Coronazeit.
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