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Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2012
* Titelmusik *
Ach du Scheiße!
Boah ... da brauchst ja Gummistiefel.
* Klopfen *
(Stimme aus der Nachbarwohnung) Ruhe!
* Handyklingeln "Tatort"-Titelmelodie *
Ja, Chef – was gibt's?
Wa?
Leiche ist abgeholt, ja sicher.
Ja, weiß ich nicht – muss er in der Pa!...thologie fragen.
Hm?
Ja, hier ist nix mehr.
2:1 für HSV.
Also ... glaub ich.
Weil ... in der Nachbarwohnung hat einer den Fernseher dermaßen laut,
da hab ich das zufä... ja.
Verstanden, ja.
Ist ... ist schon aus.
Nein, kommt nicht wieder vor.
Gut – bis später.
Tschüss.
Oah – ich bin so blöde.
Na, du kleine Drecksau?
Oh.
Entschuldigung. Hab Sie verwechselt. Och ...
Guten Tag. Ich wollte zu Herrn Bolke.
Bleiben Sie erst mal, wo Sie sind, ich muss Ihnen was ...
Kommen Sie nicht ... bleiben Sie! Auf keinen Fall ...
Oh Gott!
Ja, ruhig, ganz ruhig.
Ist alles gut.
Ich kann das alles erklären.
Oh Gott!
Ich hab hier 'ne Tüte für Sie.
Ganz ruhig! Ich hab nichts gesehen.
Ich kann das erklären. Ich hab nichts gesehen!
Lassen Sie mich ... In der Tasche sind 80 Euro.
Ich war das nicht! Alles klar, geht mich nichts an.
Hören Sie doch zu! Hilfe! Hilfe! Polizei! Hilfe!
Ich bin doch von der Polizei!
Ruhe da drüben! Schnauze!
Gott, mir ist schlecht. Setzen Sie sich erst mal.
Ist Herr Bolke tot?
Geh ich von aus. Sie haben das Bad ja gesehen.
Entschuldigung – mein herzliches Beileid.
Sind Sie ... Angehörige?
Nee, ich bin 'ne Freundin. Oder eher 'ne Bekannte.
Eigentlich eher flüchtig.
Aber das geht schon den ganzen Tag so.
Ich komm heute früh nach Hause - Riesenüberschwemmung: Wasserschaden.
Dann schreit mich der Spacko unten an, das wäre meine Waschmaschine.
Seine Küche mit Palisander- Einbauschränken wär ruiniert,
und ich müsste das alles zahlen.
Und so Scheiße.
Dann musste ich mich beeilen, weil ich 'nen Zahnarzttermin hatte.
Merk in der Bahn, dass ich mein Portemonnaie vergessen hab.
Und wenn ich EINMAL schwarzfahre – 60 Euro weg.
Auf dem Weg nach Hause erzähl ich dem Taxifahrer, was passiert ist.
Steh vorm Haus, fällt mir ein, dass mein Schlüssel in der Küche liegt.
Gleich das nächste Drama – Taxifahrer total sauer.
Ich den Schlüsseldienst angerufen. Die kommen nur, wenn man Geld hat.
Ruf ich 'ne Freundin an, ob sie mir 300 Euro bringt. Ist die genervt.
Dann kost das 275 Euro und 20 Cent. Was sollen denn die 20 Cent?
Dann noch 56 Euro fürs Taxi.
Auf dem Weg hierher schmiert mir 'n Spacko Currywurst auf den Mantel.
Statt sich zu entschuldigen, sagt er "Hoppla".
Hoppla, hoppla - Arschloch!
Jetzt hab ich da das nächste Drama!
Mir reicht's für heute.
Manchmal ist echt die Hölle los, ne?
Was ist eigentlich passiert?
Wissen wir nicht. Auf jeden Fall kein Selbstmord.
Und Sie sind von der Polizei?
Von der Spurenbeseitigung, kurz gesagt: von der ...
... Spube.
Spube?
Spube.
Sie kennen sicher CSI. Nee.
... wenn die Männer in weißen Anzügen kommen.
Siegfried und Roy?
Äh, wa?
Nee, ich probier's mal anders.
Wenn 'n Mord passiert ist ... Mord? Das war also Mord! Genau.
Wenn so was passiert, kommen erst ... Kommissare?
Aber auch die ... weißen Anzüge.
Die mein ich. Von der Spurensicherung. Genau.
Diese amerikanische Serie?
CSI! Genau!
Aber im Bad, das ist jetzt echtes Blut.
Ja, das ist echt.
Und Sie sind von der Spurensicherung.
Nee, das sind die Kollegen von der Spusi.
Wenn die fertig sind, komme ich.
Ich bin von der Spube, Spurenbeseitigung,
und entferne Restspuren.
Eine Polizei-Abteilung für Spurenbeseitigung?
Nicht direkt. Aber wir arbeiten eng zusammen.
Die rufen in der Firma an, die Firma ruft mich an.
Und ich mach sauber. Ach, Sie putzen!
Nä.
Ich bin Tatortreiniger.
Meine Arbeit fängt da an, wo sich andere vor Entsetzen übergeben.
Sie arbeiten im Prinzip einfach als Putzfrau.
"Einfach"? Einfach ...
Das ist, als wenn man sagt,
ein Pilot ist 'n fliegender Busfahrer.
Büschen mehr gehört da schon zu.
Einen Moment nicht aufgepasst - Eiweißfehler.
Eiweißfehler ... Gott, das will ich nicht wissen.
Wann ist es denn passiert? Gestern Abend.
Gott – das darf man sich gar nicht vorstellen.
Gestern ist ja wirklich verdammt nah an heute.
Und dann hätte das auch heute passieren können,
und da wär ich da gewesen.
Dann wär ich jetzt vermutlich auch ...
Wollen Sie ein Glas Wasser? Nee, danke. Ich geh jetzt.
Sie sehen blass aus. Sie sollten ... Na, mir geht's ja gut.
Und ich sag's noch!
Och – kein Wunder, dass du umkippst, du.
(lüstern) Boah, hallooo.
Wehe!
Äh ... Kreislauf ...
Was ist gut für 'n Kreislauf?
Kann jetzt keinen Sekt trinken, das ist geschmacklos.
Nicht, wenn's 'ne medizinische Maßnahme ist.
Man sagt, dass der Geist von 'nem Toten noch 'ne Weile da ist.
Man sagt auch, dass Anti-Falten- Creme gegen Falten hilft.
Ich mein nicht Sie, nur so insgesamt.
Man soll nicht alles glauben. Wissen Sie doch gar nicht.
Ich mach das schon 'ne Weile.
Bis jetzt hatte ich nie den Eindruck,
dass da irgendwas noch ... ja ... vorhanden ist.
Von Herrn Bolke ist sicher mehr über als Fotos und alberne Hausschuhe.
Ich bin sicher, dass man nach dem Tod noch irgendwie vorhanden ist.
Selbst wenn.
Wenn ich mir vorstelle, ich wär tot und 'ne Art Seele ...
... und könnte mich fliegend durch die Welt bewegen.
Dann würde ich nicht in meiner Wohnung an der Decke hängen.
Herr Bolke, wenn Sie das noch hören können – gute Reise!
Prost. Prost.
Ich bin übrigens der Schotty. Maja.
Ich denk mal, wir können uns duzen, ne?
Wieso?
Ja, wieso eigentlich?
Ich dachte, wenn wir hier schon so gemütlich beim Sekt ...
Ich dachte, das wär rein medizinisch? Ja... klar.
Gut, dann bleiben wir beim "Sie".
Sie sind die Maja.
Kann ich was fragen, Maja?
250 und nur mit Gummi. Das wollten Sie wissen, oder?
Nee, natürlich nicht.
Ich wollte jetzt ... ich ... boah ... 250 Euro?
Das ist ... boah, das ist aber viel.
Sie haben ja wohl keinen Turbo da unten, ne?
Reden Sie immer so mit Frauen,
oder ist das, um mich zu beeindrucken?
Das zweite. Funktioniert's? Nee.
Sind Sie auf was spezialisiert?
Die meisten wollen Domina, aber ich bin nicht festgelegt.
Was ist? Ich wunder mich nur.
Unter 'ner Domina hab ich mir so 'n Schrank vorgestellt.
Sie sind ja eher 'ne zarte Person.
Also dass Sie 'nen Mann so richtig ...
Leck mir den Stiefel!
Und wage es nicht, mich dabei anzugucken!
Ich steh nicht auf so was.
Haben Sie Herrn Bolke besser gekannt?
Erst zum zweiten Mal.
Er hat Ihnen gleich 'nen Schlüssel gegeben?
Den hab ich von 'ner Kollegin.
Die kommt seit sechs Jahren.
Wenn die in Urlaub ... Um Himmels willen!
Die wird durchdrehen! Was sag ich der denn?
Dass sie erst mal keinen Hummer mehr bestellen sollte.
Klar: 'ne Nutte, alles, was die interessiert, ist Geld.
Aber dass das auch 'ne menschliche Tragödie ist ...
Hey Lucie, hier ist Maja. Du bist bestimmt am Strand.
Ich wollte nur sagen, hier ist alles gut.
Kann der doch nicht den Urlaub verderben.
Abgesehen von der menschlichen Tragödie ...
Ich ruf die später an oder nachher oder auch nicht.
Noch 'n Sekt, Maja?
Ach, danke.
Herrlich! Prost.
Muss los. Nee, das stimmt ja jetzt nicht.
'ne Stunde hatten Sie ja jetzt noch eingeplant.
Hätte ich fast die Waschmaschine wieder drin gehabt.
Zumindest 'ne gebrauchte. Egal, Hauptsache, funktioniert.
Und was Gebrauchtes ...
... muss ja nicht unbedingt schlechter sein, ne?
Richtig.
Ich hab ein gebrauchtes Waffeleisen.
Das wird so heiß, da kann kein neues mithalten.
Da ist die Waffel nach drei Minuten schwarz.
Wiedersehen.
Sie haben nicht zufällig 'nen gebrauchten Staubsauger dabei,
den Sie mir für 50 Euro leihen könnten? Jetzt?!
Ja, wenn Sie ...
Ob ich Ihnen hier, wo einer umgebracht wurde ...
Sie sind wirklich nicht ganz normal.
Gekannt haben Sie den ja nicht wirklich.
Im Hotel wissen Sie auch nicht,
wer da schon tot im Schrank gelegen hat.
Ich mein – normal ... * Kläffen *
Was Sie machen, ist grundsätzlich nicht normal. großer Gott!
Ich sag ja nur, dass das nicht normal ist.
Sie putzen toten Leuten hinterher, ist das normal?
Insofern nicht, als das nicht jeder kann.
Da muss man 'ne Menge wissen.
Manchmal sieht man echt fiese Sachen.
Meine Arbeit fängt da an ... Französisch kost 80.
80?! Da kenn ich aber andere Preise.
Das kann ich mir auch vorstellen.
Nee, es ist nicht so, dass ... Gut, 80.
71, 72 ...
Irgendwo hatte ich noch 'nen Zehner.
Ah – wusst ich doch, wusst ich doch.
So.
Bin gleich wieder da.
Äh – was ist das denn?
Ich werd weich, haben die das hier vergessen?!
Oh – nee, ne?
Das kann doch nicht wahr sein!
* Schotty pfeift vor sich hin *
Ohohoho ...
So! Rakete ist in Stellung.
Triebwerke sind bereit zur Zündung.
Haben Sie Herrn Bolkes Aftershave benutzt?
Das war blöd jetzt, ne?
Hab ich nicht nachgedacht, tut mir leid.
Solange Sie nicht auch noch seine Unterhose anhaben ...
Oh Gott – ist das Ihr Ding? Sind Sie pervers? Was?! Nein, nein!
Nee, ich hab ... da war noch Wäsche im Trockner.
Dachte, ist für Sie angenehmer, wenn ich 'ne frische ...
Oder ... Nee, wir fangen an.
Ja, tut mir leid. Macht nichts.
Alles in Ordnung? Ich war nicht drauf gefasst.
Ich dachte, Sie fangen weiter unten an. Okay.
Nicht, dass ich was dagegen hätte.
Soll ich dich erst verwöhnen oder gleich zur Sache kommen?
Ich bin da nicht so festgelegt.
Also wegen mir gern die lange Version.
* Kichern *
Ich bin büschen kitzelig.
Bist du brav, oder muss ich böse werden?
Oh! Da bin ich sehr empfindlich.
Wir trinken lieber noch einen.
Normalerweise bin ich da ... nicht so empfindlich.
Hm-m.
Ist jetzt nicht mein erstes Mal oder so. Ja.
Wenn Ihnen das zu stressig ist, können Sie gern zu mir kommen.
Ist nicht stressig!
Ih brauch nur 'nen Mo... 'n Apartment?
Im Bordell? Nee, ich bin selbstständig.
Hab auch überlegt, ob ich mich selbstständig mache.
Ein Kollege ... Sie haben sexy Augen.
Echt? Ja, wie Sie einen ansehen.
Wie guck ich denn? Durchdringend.
'n Mann, der weiß, was er will.
Das ist 'n Blick, der 'ne Frau schwach machen kann.
Tragen Sie nicht zu dick auf. So was sagen Sie bestimmt zu jedem.
Aber bei Ihnen stimmt das wirklich.
Ja, stimmt.
Sie haben auch ... ähm ... schöne Augen.
Danke. Sie sind ja süß.
Prost. Prost.
Was ist jetzt?
Gibt's wohl 'nen Zusammenhang zwischen Prost und Prostituierte?
Weiß ich nicht. Vom Wortstamm her müsste es so sein.
Prost, Prostitu...
Wie ist das korrekte Wort für Prostitution? Prostitution.
Man sagt offiziell Prostitution? Prostitution.
Prostitution. Komisch.
Für fiese Berufe gibt's ja 'ne nette Umschreibung.
So was wie "Spube"?
Das ist eher für Insider und Kollegen.
Offiziell sagt man Tatortreinigung.
Sie wissen sicher viel über Flecken.
Ja. Nicht nur darüber.
Hätten Sie 'nen Tipp, wie ich die Currysoße ausm Mantel kriege?
Müsste ich sehen.
Was haben wir hier?
Wolle ist tierische Faser und damit alkaliempfindlich.
Natriumhydroxid geht schon mal nicht.
Am besten lösen sich Fettmoleküle über eine Eisen-Schwefel-Verseifung.
Aber da löst sich die Wolle auf.
Amidosulfinsäure ist möglich, aber da sagt die Synthetik gute Nacht.
Alkohol? Auf keinen Fall.
Alkohol ist keine Lösung. Jedenfalls nicht langfristig.
Alkohol ist eine Löse ... Riesen-Unterschied.
Wir müssen den pH-Wert berücksichtigen.
Mein Mantel hat 'nen pH-Wert?! Alles hat 'nen pH-Wert.
Was ist das jetzt?
Das ist eine fast pH-neutrale, CO2-gesättigte
Wasserstoff-Sauerstoff-Verbindung mit der Summenformel H2O.
Wasser? Wenn's so einfach wär. Nee.
Mit Wasser hätten wir gleich 'nen Riesen-Schmierfleck.
Das ist ... Mineralwasser.
Aha. Hm-m.
Und das funktioniert sogar. Na, sicher.
Supi! Das ist fast weg!
Danke!
Setzen Sie sich mal kurz hin. Okay.
Ich mach mal was.
* Beschwingte Musik *
Was machen Sie denn da?
Der Mantel war irrsinnig teuer.
So!
Hab ich gleich noch mit desinfiziert.
Wenn noch was drin war, macht's keinen Ärger mehr.
Was soll da drin gewesen sein?
Sie sehen nur Ihren Wollmantel, ja?
Aber ich seh da noch so einiges,
für das so 'n Mantel ein perfektes Zuhause ist. Zuhause?
Wolle ist organisches Gewebe
und somit für Mikroorganismen klimatisch interessant.
Und später dann auch für Kleinstlebewesen,
die die letztendliche Mineralisation in Gang setzen.
Also, die Auflösung von totem organischen Gewebe in Humus.
Sie meinen, mit dem Mantel passiert nichts anderes, als wenn einer ...
Eine Bakterie macht keinen Unterschied
zwischen Wolle oder Tante Erna ausm dritten Stock.
So, ich könnte dann wieder.
Okay.
Oh Gott.
Oh Gott, ist das ekelhaft.
Wä?
Tut mir leid, da war 'ne Fliege auf Ihrem ...
'nen Mann mit weniger Selbstbewusstsein
hätten Sie jetzt lebenslang traumatisiert.
Tut mir leid. Ich bin normalerweise professionell.
Wenn Sie jetzt lieber nicht ... Nee, nee. Das kriegen wir hin.
Ja? Gut. Noch 'nen Sekt?
Wenn Sie 'nen Wodka hätten ... Muss ich gucken.
Ihnen macht das nichts aus? Ich seh das eher nüchtern.
Leute sterben eben. Das ist normal.
Das ist meine Arbeit. Hab die ja auch nicht gekannt.
Das macht's natürlich leichter.
Ich könnte andere Sachen nicht.
Was Sie so machen, das könnte ich nicht. Die wenigsten.
Da muss man der Typ für sein.
Ist auch jede Menge Arbeit: der ganze Papierkram, Steuer und so.
Ich bin selbstständig.
Wenn mir 'ne Glühbirne durchbrennt, hilft keiner.
Besser, als das ganze Geld 'nem Typen zu geben.
Manche Mädchen geben alles ihrem Typen.
Hallo!
Wir leben im 21. Jahrhundert.
Könnten Sie sich so was vorstellen? Ja.
Klar, jetzt machen Sie wieder den strammen Max.
Aber wenn man jeden Tag mit Tod und Leichen konfrontiert ist ...
Würden Sie nicht lieber was ganz Normales machen?
Was denn? Herr Bolke hat Krawatten verkauft.
Auch nicht normal.
Was ist an Krawattenverkaufen nicht normal? Ja, genau das.
Hä?
Morgens um 9 kommt der Erste: "Moin, ich brauch 'ne Krawatte."
Und? Fünf Minuten später der Nächste:
"Guten Morgen, ich such eine Krawatte."
Wir haben Baumwollkrawatten, Seidenkrawatten.
Im Angebot: gestreifte Krawatten.
Links haben wir gediegene Krawatten, auch Freizeitkrawatten.
Ja, natürlich - auch pinkfarbene Krawatten.
Kommt der Nächste: "Ich such 'ne Krawatte."
Was für 'ne Krawatte denn? "15 gleiche für unseren Männerchor."
Da empfehle ich Ihnen diese grünen.
Ding Dong! Ja, bitte? "Ich such eine Krawatte."
Das ist noch nicht mal 10 Uhr.
Wie man so was aushält, weiß ich nicht.
So hört sich das wirklich komisch an.
Die Häufung macht es absurd.
Aber Sie machen ja auch nicht anderes.
Jemand stirbt, Sie putzen. Jemand anders stirbt, Sie putzen.
Ist im Grunde genommen auch immer dasselbe.
So gesehen ... fällt einem gar nicht mehr auf.
Deswegen heißt das "Alltag", ne?
Weil man das alle Tage macht. Und irgendwann ist das dann normal.
Also, meistens macht's mir Spaß.
Meinen Sie mit Spaß, dass ... Genau.
Gut, manchmal ist es auch eklig.
Dann sag ich dem Typen, er soll sich verziehen. Echt?
Wenn ich nicht will, läuft nichts – ich bin selbstständig. Ein Vorteil.
Das, was Sie machen, das kann wiederum ich nicht.
Die wenigsten. Da muss man schon auch der Typ Mensch für sein.
Aber dieser Ekel oder so, also, ich hab das nicht so.
Ist alles nur Materie, organisch oder anorganisch.
Und Dreck ist einfach Materie am falschen Platz.
Mehr ist das nicht.
Molekülstrukturen, die sich verändern.
Jede Verbindung wird irgendwann instabil und löst sich auf.
Und geht 'ne neue Verbindung ein.
Verbindungen halten unterschiedlich lange.
Die meisten nicht so lange. Kommt drauf an.
Es gibt stabile Verbindungen, die lange halten? Klar.
Das ist ja mal tröstlich. Atommüll.
Wenn Sie in 'ne Wohnung kommen, stellen Sie sich vor,
wer das war und wie der gelebt hat? Nö
Ach, schade.
Gut, manchmal stell ich mir schon was vor. Ja?
Manchmal stell ich mir vor, wenn ich in so 'ner Wohnung bin,
wie das wäre, wenn aus heiterem Himmel auf einmal ...
... 'ne umwerfende Frau reinkommen würde.
Die wär dann noch nett.
Und dann würden wir so zusammen aufm Sofa sitzen und Sekt trinken.
Und alles um uns rum vergessen und so.
Einfach sein, wie wir sind, so ...
... ganz normal.
* Tür öffnet sich *
Wow. Moin.
Machen Sie 'n hier? Tatortreinigung.
Okay. Bukow, Kripo. Frau König vom LKA. Moin.
Wir kennen uns von der Weihnachtsfeier.
Da war ich mit Franzi aus der Pathologie.
Du warst da mit 'ner Freundin, die hat gelästert über ihren Mann.
Die hatte 'nen anderen. Wovon reden Sie?
Vivian hieß sie. Bitte was?
Sie reden mit meiner Frau über meine Ehe?
Haben Sie Drogen genommen? Nee! Meine Frau hat 'nen anderen?!
Kann ich Ihren Ausweis sehen?
Bestimmt Sören, mit dem sie "joggen" geht.
Ausweis! Hab ich nicht bei. Ich hau dem in die Fresse!
Worum geht's? Wir müssen noch mal ins Bad.
Wer sind Sie? 'ne Freundin ... des Verstorbenen.
Herzliches Beileid. Danke.
Haben Sie ein Ohr im Bad gefunden?
Das liegt auf der Badewanne. Gott sei Dank. Hab ich doch gesagt.
Hat sie noch was anderes erzählt? Ob sie den heimlich trifft?
Sie hat nur gesagt ...
Welcher Hirni hat das sauber gemacht?! Aus Versehen!
Was genau hat sie gesagt? Suuuuuper – wirklich toll!
"Herr Staatsanwalt, dringender Tatverdacht.
Als Beweis haben wir ein Ohr, leider picobello sauber.
Aber es sind sicher Fingerabdrücke vom Verdächtigen drauf."
Tut mir leid. Mir auch!
Haben Sie jemand in Verdacht? Allerdings. Noch nicht.
Sören hat ihr auch Blumen geschenkt. Was? Hören Sie auf damit!
Ich kotze! Ja, hoffentlich. Was? Immerhin geht's um Mord. Was?!
Ach so – ja.
Falls Ihnen was einfällt, rufen Sie mich an.
Ob die sich heimlich treffen ... Cafes oder Pizzerien ...
Sie sind ja paranoid. Ich bin nicht paranoid.
Aber die Fingerabdrücke auf dem Strauß lass ich untersuchen.
So.
Wo waren wir stehengeblieben?
Na ja, jetzt jedenfalls wieder aufm Boden der Realität.
Ja. Schade. Na ja, so ist es halt.
Tschüss. Tschüss.
Man sieht sich, ne? Jo!
Tschüss. Tschüss.
Copyright Untertitel: NDR 2012
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