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Zulu
.
(Angespannte Musik)
(Dynamische Musik)
(Die Musik verklingt.)
(Spannungsvolle Musik)
(Schriller Ton)
Die Zeit ist um.
"Hier ist wieder Lannert."
Sie haben doch schon viel erreicht.
"Wollen Sie das wirklich aufs Spiel setzen? So kurz vor dem Ziel?"
(Schriller Klang)
Zehn Sekunden.
Zwei Minuten, bitte.
Drei.
Zwei.
Ich sende ihn. - Nein!
(Schriller Klang)
(Angespannte Musik)
(Langsame, rhythmische Musik)
(Die Musik wird leiser.)
(Die Musik endet.)
Was meinst du damit? - Ja, Alter, Weisheit.
Die wissen schon, warum sie dich einladen.
Ach komm.
Du bist einfach besser bei so offiziellen Terminen.
Der Empfang, die Leute. Du kannst besser reden.
Ja, das kann sein.
Aber du siehst besser aus im Smoking.
Brauchst du gar nicht. - Ach so?
Smoking ist out. - Ah ja.
Na schön. Aber ich hab was gut bei dir. - Hast du.
(Ferne Sirene)
Ts.
(Beklemmende Musik)
Willkommen. - Hallo.
Schönen Abend. - Danke.
... Sie eine großzügige Spende getätigt haben.
Schönen Abend.
Der Herr Bootz. (Lachen)
Oh, hallo. Herr Ebinger, grüß Sie.
Kollege Lannert ist verhindert, hab ich gehört.
Ja, der hat sich ... - Entschuldigung.
Ich muss noch mal kurz. - Natürlich.
(Angespannte Musik)
Entschuldigung.
Bootz? Kommen Sie doch mal kurz.
Das ist Hauptkommissar Bootz. - Von der Kripo Stuttgart. Hallo.
Das ist meine Frau. - Silvia Kocoglu. Freut mich.
Ich bin Hamza Kocoglu.
Freut mich sehr, der Innenminister lässt Grüße ausrichten.
(Schriller Klang, Poltern)
Wir freuen uns sehr, dass die Basis, also unsere Polizisten,
täglich in vorderster Reihe ...
Schön, dass wir auch jemanden wie Sie hier haben.
Auch danke für die Einladung.
Wo wir gerade bei dem Thema sind, da erscheinen auch schon die Medien.
Immer schnell dabei mit der Moralkeule.
Da kann der Herr Bootz gerne mal ein Beispiel aus der Praxis erzählen.
Wie das so ist, an vorderster Front,
da musst du im Bruchteil einer Sekunde entscheiden.
Verzeihung, bitte. - Ja?
Darf ich ein paar Fragen stellen? - Gern. Entschuldigen Sie mich.
Auf Wiedersehen. Schön, dass Sie da sind.
Komm, Schatz. - Haben Sie vielleicht was gegen Kopfschmerzen?
Weiß ich jetzt nicht.
(Flottes Trommeln, Stimmengewirr)
Doch. - Ah.
Super, danke. - Gerne.
Liebe Gäste, ich darf hier im Saal
Vertreter:innen der Exekutive begrüßen,
der Legislative, der Judikative und natürlich der Presse.
Denn unser Rechtsstaat lebt von der Kritik, von der Kontrolle
und ja, von der Kritikfähigkeit.
Wenn wir uns fragen, wer wir sind, sehr verehrte Damen und Herren,
müssen wir uns fragen, welche Geschichten sind es,
die wir uns erzählen.
Und eine dieser Geschichten führt uns zurück
zur Stunde Null unserer Demokratie.
Zurück ins Jahr 1946. (Klackern, Applaus)
(Nachdenklich-eindringliche Musik im Film)
"Juni 1946. Amerikanische Besatzungszone."
"Die verfassungsgebende Landesversammlung
für Württemberg-Baden tritt zusammen."
"Hervorgegangen aus den ersten freien Wahlen seit 14 Jahren."
"Der Landtag von Württemberg-Baden
vertrat die nördliche Hälfte von Baden und Württemberg."
"Hauptstadt war Stuttgart."
"Und das ist die Geburtsstunde ..."
(Aufgeregtes Stimmengewirr)
(Angespannte Musik) So, bitte.
(anderer Sprecher:) "1973. Klaus Kortig."
"Hingerichtet im Auftrag von CIA und Mossad."
"In einem deutschen Gefängnis."
"1992. Jochen Luganz. Herzversagen."
"Behauptet die Lügenpresse."
(Mann:) Was soll denn das?
"In Wahrheit vergiftet in Stammheim,
weil er ein Held des nationalen Widerstands war."
"Und jetzt Thorben Jung."
"Tod in der Gefängniskantine." - Verarschung!
"Angeblich ein allergischer Schock."
"Dieser Staat mordet."
"Politische Gegner werden systematisch aus dem Weg geräumt."
"Geheimgehalten vor der deutschen Öffentlichkeit."
(Mann:) Ruhe! Hinsetzen! Alle wieder hinsetzen!
(Schreie)
Runter, zurück in die Reihe!
Und ihr bleibt in der Ecke da!
Die sind gut getarnt.
(Nachhall, eindringliche Musik, Rufe unhörbar)
(Musik: "You can't always get what you want" von den Rolling Stones)
(Er singt lautlos mit.) ♪ You can't always get what you want.
♪ You can't always get what you want.
♪ But if you try sometimes ... (Handyklingeln)
♪ ... you get what you need.
(Schriller Ton, Geräusche im Saal unhörbar)
(Ansteigender, angespannter Ton)
Scheiße, der hat 'ne Waffe!
Der hat 'ne Waffe!
(Schreie) Bleib unten, du Wichser!
Nicht quatschen da hinten! - Bleib unten!
(Schmerzlaut)
(Spitzer Schrei)
Du da hinten, aufstehen!
Aufstehen, hab ich gesagt!
(Angespannte Musik, Keuchen)
Fallen lassen!
Beweg dich. Beweg dich, ganz ruhig.
(laut:) Alle da rüber zur Leinwand, los!
Ihr da oben auch! Na los! Bewegung! Du auch!
Hey, still!
Schneller!
(Angespannter Klang, Klappern)
(Mehrfaches Klicken)
(leise:) Aufstehen.
(Keuchen, drängende Musik)
(lautlos)
(Lockere Musik aus dem Radio)
(Angespannter Klang)
Hey, Sebastian. Wie ist der Film?
"Bleibt alle ruhig, keiner bewegt sich."
Hallo? Sebastian? - "Versuch, ganz ruhig zu atmen, ja?"
(Ächzen, Keuchen)
Lass, lass, lass. Ich geh runter.
Okay, okay, okay, ja, gut, gut. - Ja? Shit.
Ah.
(Klappern)
Ah! - Scheiße.
Ah. Au! (Schmerzvolles Stöhnen)
Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht. - Das ist ein Steckschuss.
Aber nicht die Aorta, okay? - "Ja, okay."
"Okay."
Du, Hemd und Krawatte, los, gib her.
(Schmerzvolles Keuchen)
Schneller.
Hören Sie, wenn er jetzt gleich in ein Krankenhaus kommt,
dann hat er vielleicht noch eine Chance. - Halt die Fresse.
Der Scheiß bringt euch alle in Gefahr, alle.
Hinsetzen.
Hinsetzen!
(Stöhnen)
Gut, gut.
(Nachdrückliches Ausatmen)
Ah! Ah-ah-ah. - Draufhalten.
(kurzatmig:) Ja. Keiner rührt sich, okay?
(Er stöhnt.)
(Ächzen)
Okay. (Er stöhnt.)
Okay. Okay, aussortieren.
(Stöhnen, Keuchen)
Aussortieren.
(Er stöhnt, sie räuspert sich.)
Die Schwangere und alle dahinter raus.
Los, Bewegung.
Ihr in der Mitte auch.
(laut:) Hey, nicht der Türke. Du bleibst hier.
Na los, nach rechts. Na los!
Geh, Schatz, geh.
Der Politiker auch, nach rechts.
Neben die Journalistin. Na los!
Der Chef von den Bullen, wo ist der?
Da, bist doch du, oder?
Na also, dann nach rechts.
Schnell, los, schneller.
Und jetzt alle hinsetzen.
Gut. - Setz dich hin, Mann.
(keuchend:) Im Plan bleiben.
Im Plan bleiben. So ... So schnell sind die nicht hier.
(Angespannte Musik, Keuchen)
So, jetzt die Handys her, alle! - Ja.
Los!
(Angespannte Musik, Vibration)
Seid mal ruhig!
(Handysurren)
Lannert.
(er:) Das ist doch der Bulle, der müsste eigentlich hier sein.
Was hast du mit dem zu tun?
Dein Geldbeutel! (Er ächzt.)
(Kurze, schmerzvolle Atemstöße)
Ein Bulle, klar!
Wenn er stirbt, dann schaust du zu bis zum Ende.
(Ächzen, angespannte Musik)
Nerven behalten. Bleib ruhig! - Ich bin ruhig!
(Spannungsvolle Musik, Kettenklirren)
(Sirene)
(Frau:) "Magst du wenigstens später noch bei mir vorbeikommen?"
Ich glaube, das dauert. Das hört sich nach einer größeren Sache an.
"Schade. Okay, dann pass auf dich auf."
Tut mir leid.
(Funk:) "Was ist das da für Veranstaltung?"
(Funk:) "Vom Landtag, irgendeine Filmpremiere."
"Ich habe gar keine Info, wer vor Ort überhaupt Einsatzleitung macht."
"Können wir das mal bitte aussortieren, liebe Kollegen?"
Lannert, Kripo Stuttgart, wo ist die Einsatzzentrale?
Die Einsatzzentrale ist hier drüben im ehemaligen Einkaufszentrum.
Die Einsatzleitung? - Da hinten, wo das Licht brennt.
(Frau:) Können wir das Problem mit dem Licht bitte klären?
(Mann, fern:) Bin dran!
Lannert, Kripo Stuttgart.
Mein Kollege ist im Kino unter den Gästen.
Farah Nazari, ich mach die Einsatzleitung.
Waffe geladen. - Danke.
Was wissen wir? - Wenig.
Keine Schüsse mehr da drin, deshalb gehen wir eher von Geiselnahme aus.
Mit den Tätern circa 20 Personen. - Noch keine Forderung?
N-n, aber bei der Gästeliste, das könnte politisch sein.
LKA ist unterwegs.
Frau Nazari, von einer Zuschauerin, die rausgelassen wurde.
Wir gleichen das gerade ab mit der Videoüberwachung vom Eingangsbereich.
Hier, Moment mal. Das Schnellfeuergewehr.
Kann man rausfinden, was das für ein Fabrikat ist? - Ja.
(Spannungsvolle Musik)
(Spannungsvolle Musik verklingt, schriller Klang.)
(Ungeduldige Musik)
Sie sind sehr gut vorbereitet.
Die ganzen Waffen.
Ist alles sehr professionell.
(Rascheln)
Kann es sein, dass Sie eine Kollegin sind?
Jetzt halten Sie endlich den Rand!
Die will das nicht hören!
Willst du was, Bootz?
Keine Lust, wegen dem Bullen draufzugehen.
Ist doch so, oder?
Ha? - (mehrere:) Ja.
(Poltern außen)
Scheiße, mach schneller!
Mach!
(Wimmern) Mach jetzt!
(schrill:) Jetzt lass mich denken!
(Heftiges Atmen)
Du, Bootz, steh auf. Na los!
Komm her, verdammte Scheiße!
Hamza Kocoglu, Staatssekretär, vertritt den Innenminister.
Unseren Polizeipräsidenten muss ich Ihnen nicht vorstellen.
Dann ist vermutlich Leyla Kaiser im Saal, Journalistin.
Die kennen Sie auch. - Eher Aktivistin.
Die hat den Rücktritt vom Ebinger gefordert, oder?
Jetzt hätt sie wohl nix gegen Polizeigewalt. - Kollegen. Ist gut.
Hier, Norbert Riss, von der rechtspopulistischen VDP.
Thorsten Lannert.
Ja, ich stehe auf der Gästeliste.
Mein Kollege ist zur Veranstaltung, weil ich ihn drum gebeten habe.
Der Kollege Lannert kann als Mittelsmann fungieren.
Gerade, weil es eine persönliche Verbindung
zu seinem Kollegen drinnen gibt, er kann einschätzen, wie Bootz agiert.
Die Vorteile überwiegen die Nachteile einer möglichen ... - Befangenheit.
Theoretisch ja. Bitte.
Wir haben es hier mit einer Wieger 940 zu tun.
Sturmgewehr aus altem DDR-Bestand.
Könnte auf militärischen Kontext hinweisen.
Die Frau kennen wir noch nicht.
Zeugen sagen, sie sah aus wie vom Catering.
Im Dienstplan der Firma bisher kein Treffer, wohl gefälschter Name.
Der Mann am Boden höchstwahrscheinlich verletzt.
Wissen wir das oder vermuten wir das?
Es gab einen Schusswechsel laut Zeugen. Der Mann wurde getroffen.
Medizinische Hilfe. Möglicher Ansatzpunkt für Verhandlungen.
Der Mann ist Steffen Lippert, 47, vorbestraft wegen Körperverletzung.
Geschieden, zwei Kinder.
War angestellt bei Sunfactor, einem Photovoltaik-Hersteller ...
bei Düsseldorf, die sind pleite gegangen.
Dann war er zwei Jahre arbeitslos.
Inzwischen ist er Hausmeister an einer Gesamtschule in Herne.
Also bitte alle sozialen Netzwerke checken.
Hat er online etwas angekündigt? Mit wem war er in Kontakt?
Politische Bekenntnisse und so weiter, und so weiter.
Das erst mal für den Anfang. - Auf geht's Leute, lange Nacht.
Wir kennen uns doch irgendwoher, oder?
Ich war mal Azubi bei Ihnen.
(Handyvibration, Stimmengewirr im Hintergrund)
Sind wir ready? - Wir zeichnen auf.
Bloß keinen Druck aufbauen.
Erst mal das Gefühl vermitteln, wir haben Zeit.
Hallo? - "Ich bin's, Thorsten."
Sebastian. Wie geht's dir?
Soweit gut.
"Gibt's Verletzte, gibt's Tote?" - Dazu darf ich nichts sagen.
"Kann ich mit den Verantwortlichen sprechen?"
Gleich, ich soll dir vorher sagen,
dass die beiden genaue Kenntnisse über polizeiliche Strategien haben.
Verstehe.
Was heißt das?
Ich geb dich jetzt weiter.
Hallo?
Mein Name ist Lannert, ich bin von der Kripo Stuttgart.
Wie kann ich Sie ansprechen?
Schalt auf Video.
(Angespannte Musik)
"Ich weiß, wie das läuft."
"Bevor Geiseln sterben, schickt ihr das SEK rein."
Dazu muss es nicht kommen, wir können gemeinsam eine Lösung finden.
"Auf Zeit spielen und am Ende überleben doch alle Geiseln, hm?"
"Das hier läuft anders, als ihr es auf der Polizeischule gelernt habt."
Siehst du das?
(Verstörende, klimpernde Musik)
Ein Zünder für eine Sprengvorrichtung.
"Wenn das SEK hier auch nur einen Fuß reinsetzt, boom!"
Sind 200 Gramm PETN, die dann in die Luft fliegen.
Verstehe.
Aber woher weiß ich, dass der Sprengsatz scharf ist?
Ob Menschen sterben und wie viele,
das hängt allein davon ab, ob unsere Forderungen erfüllt werden.
Was sind denn Ihre Forderungen?
"Wir wissen, wer als Nächster auf eurer Todesliste steht."
"Loman Krewitz und Michel Höhn."
"Die werden freigelassen, heute noch."
"Und dazu wollen wir ein Geständnis
vom baden-württembergischen Innenminister auf Video."
Für alle Hinrichtungen und politischen Säuberungen
in deutschen Gefängnissen.
Ihr habt dazu eine Liste mit Namen. - Moment mal, was für eine Liste?
Intranet, Polizei Stuttgart.
"Abteilung interne Ermittlungen, Aktenordner 7328, Dokument Vendetta."
Augenblick mal, ja?
Vendetta.
Dazu brauchen wir etwas Zeit, um das genauer anzusehen.
"Eine Stunde."
In der Zwischenzeit stimmen wir hier darüber ab, wer als Erster dran ist.
"Ob er oder sie dann sterben wird, hängt allein von euch ab."
Wir wissen, dass Ihr Partner verletzt ist.
"Wir können helfen mit medizinischer Unter- ..."
-stützung.
(Angespannte Musik, Stimmen über Funk)
Scheiße. Wie kann so ein Dokument auf unseren Server kommen?
Checken wir doch bitte erst mal, was das überhaupt für Namen sind.
Krewitz, Höhn.
Das sind doch die beiden mit dem Anschlag auf den Landtag.
Die sitzen in Stammheim. - Da gab es doch einen Dritten.
Thorben Jung, Kopf der Terrorzelle.
Der ist in Haft verstorben, so vor sechs Monaten.
Jung. Soviel ich weiß, haben sie bei dem mehr Anschlagspläne gefunden.
Sogar aufs Bundesverfassungsgericht. Wir brauchen Infos vom BKA.
(Lippert:) Ah! Ah, fuck!
(Schmerzlaute)
Ist hier vielleicht jemand Arzt?
Ich bin halt Allgemeinarzt. - Ja, mach halt.
(Beklemmende Musik)
Tut mir leid, dass ihr jetzt hier in der Scheiße sitzt.
Aber so ein Befreiungskampf, der kostet immer Opfer.
Thorben Jung, der hat dieses Opfer gebracht.
Für die Freiheit.
Auch für eure.
Hier, das sind seine Kinder.
Kannst du ja mal weitergeben.
Die wachsen jetzt ohne ihren Vater auf, weil der in Haft ermordet wurde.
Von einem Regime, gegen das er aufgestanden ist.
Wir, wir führen fort, was er begonnen hat.
Kampf im nationalen Widerstand.
Wir ziehen die zur Rechenschaft, die verantwortlich sind
für Lügen, Täuschung, Manipulation.
Für die Geiselhaft von uns allen.
Eine Clique von Verbrechern sind die Geiselnehmer dieses Volkes.
Verscherbeln das Gemeinwohl an die Globalisten.
Und alle, die ihnen dienen, machen sich mitschuldig.
Ein paar davon sind heute hier.
Der Kapo einer politisch gesteuerten Polizei.
Oder der Chef-Ideologe eines Ministeriums,
das die Umvolkung vorantreibt.
(Seufzen, leises Gespräch)
Ihr, ihr seid ja souverän.
Ihr stimmt jetzt ab, wer von den beiden
zur Rechenschaft gezogen werden soll.
(Frau, gehaucht:) Was?
(Drängendes Dröhnen)
SEK für Einsatzzentrale.
Wissen wir schon, ob es irgendeinen anderen Zugang in den Saal gibt?
"Negativ, aber wir sind dran."
Insiderwissen über Einsatzstrategien,
Zugriff auf kritische digitale Infrastruktur.
Wenn die uns infiltriert haben und da arbeitet einer denen zu,
einer von unseren Leuten.
Ich hab hier gerade einen Sprengstoff-Experten.
PETN, Nitropenta, detoniert mit 8.400 Metern pro Sekunde,
wird oft in Semtex verwendet, also Plastik-Sprengstoff.
Aber auch beim Militär, oder? Darf ich? - Ja.
(Stimmengewirr über Funk)
(Riss:) Wie stimmen wir jetzt ab?
Wir stimmen nicht ab, wir machen da auf gar keinen Fall mit.
Das sehe ich genauso. Wenn niemand mitmacht ...
Dann jagt die uns alle in die Luft! - Bullshit.
(Lippert:) Oh, fuck!
(Schmerzlaute)
Die müssen Sie jetzt hier rausbringen,
sonst können wir nicht mehr helfen.
(Keuchen)
(leise:) Versuchen Sie, ihr das klar zu machen. Als Arzt.
Entschuldigung.
Ihr Kollege, Organe im Bauchraum verletzt.
Und wahrscheinlich auch innere Blutungen.
20 Kilogramm Sprengstoff vermisst, wie kann so was passieren?
Da ist die Rede von einem ehemaligen Offizier der KSK.
Der hat Waffen aus DDR-Beständen gehortet,
und vor Gericht redet er davon, dass, Zitat,
"er im nationalen Widerstand kämpft".
Dass man kampfbereite Verbündete rekrutieren muss
für Heimatschutzverbände.
Ein Feldwebel bei den Gebirgsjägern, ein Mario Fellinger,
hatte Kontakt zu diesem Offizier über einen Chat.
Die Bundeswehr hat interne Ermittlungen eingeleitet.
Frau Nazari, das Innenministerium hat bestätigt:
keine Verhandlungen bei den Forderungen.
Wir sollen den Minister auf dem Laufenden halten.
Die Verbindung mit dem BKA habe ich Ihnen hinten eingerichtet.
(Drängende Musik)
Was hat der Arzt gesagt?
Ist heftig, wird aber wieder.
Sie wollen ihn doch jetzt hier nicht verbluten lassen, oder?
Du hast ihn auf dem Gewissen, nicht ich.
(Ernste Musik)
So, wer von den beiden?
Keiner. Keiner wird dieses Spiel hier mitmachen.
Das ist kein Spiel, das ist Demokratie.
Demokratie? In einer Demokratie wird nicht über Leben und Tod abgestimmt.
Rechtsstaat heißt zumindest freie Wahl, was sie macht, ist Zwang.
Wenn der Rechtsstaat korrupt ist, dann muss das Volk Recht sprechen.
Das hast du doch öffentlich gemacht in deiner Sendung.
Dass der Polizeipräsident persönlich
Ermittlungen behindert hat zur Polizeigewalt.
Ja, ich hab das recherchiert. Das ist nun mal Aufgabe einer freien Presse.
Aber das ersetzt ja nicht eine unabhängige Justiz,
nur die kann entscheiden ...
93 Prozent aller Ermittlungen zur Polizeigewalt werden eingestellt.
Weniger als ein Prozent verurteilt.
Das habe ich aus deiner Sendung gelernt.
Aber gut.
Dann halt der Moslem.
Hier haben wir einen Volksvertreter, einen sogenannten.
Der holt Islamisten ins Land,
die dann die deutschen Schulen überfluten mit ihrer Brut.
Jetzt sag halt auch mal was, Steffen!
Die kleinen Paschas haben seinen Kiosk demoliert.
Und als er sich dann gewehrt hat, war er der Rassist. - Das ist Blödsinn.
Erzählen Sie was von sich. Irgendwas, was Persönliches.
Vor einem halben Jahr wollte ich aufhören,
also, mit der Politik.
Ich hatte Depressionen, ich kam nicht mehr aus dem Zimmer.
Meine Frau hat gesagt, sie hält das nicht mehr aus,
der Druck, die Drohungen.
Einfach ein normales Leben führen in Reutlingen, da komm ich her,
da bin ich geboren.
Ich hab eine Therapie angefangen, und dann hab ich doch weitergemacht.
Man kann als Politiker nicht immer alles richtig machen,
aber man kann was verändern. Ich will was verändern!
Zum ... Das klingt jetzt ein bisschen platt - zum Guten.
(Sie lacht auf.)
Also entweder ihr stimmt jetzt ab, oder wir losen einfach unter allen.
Dann kann es jeden von euch treffen.
Wer ist für ihn?
Nein, stopp!
Nein, nein, stopp!
Hört auf! - Das ist die Mehrheit.
Nein, das ist nicht die Mehrheit.
Leute, wenn wir das hier mitmachen, diesen Wahnsinn ...
Was sollen wir tun? Uns erschießen lassen?
Und wenn's bei der nächsten Abstimmung um dein Leben geht?
Ich sag nicht, dass das richtig ist, aber es trifft keinen Unschuldigen.
Das wissen wir doch alle.
Dass so was von jemandem mit so einem Parteibuch kommt, war klar.
Aus Worten werden Taten, Herr Riss, das wissen wir auch.
Wenn wir jetzt hier über Leben und Tod entscheiden, wir,
dann sind wir einer von denen.
So eine Liste, wie kann die auf unseren Server kommen?
"Ein Maulwurf bei euch? Keine Ahnung."
"Die Namen, das sind vor allem Rechtsextremisten,
alle über die letzten Jahrzehnte in deutschen Gefängnissen verstorben."
"Aber der Titel der Liste, Vendetta,
so heißt auch ein Forum in Darknet für Verschwörungsideologen."
"Für Thorben Jung im ehrenden Gedenken,
Widerstandskämpfer, Rebell, Souveränist,
ermordet von den Verrätern der Deutschland-GmbH."
Und dieser Jung ist was, so eine Art Märtyrer für die?
"Genau, der Jung, der wollte ja im Prinzip einen Staatsstreich."
"Er hat das natürlich als Notwehr verkauft,
gegen eine kriminelle Regierung,
die den Bevölkerungsaustausch vorantreibt, so Zeugs."
Kampf den Globalisten?
"Ja, früher waren es direkt die Juden,
heute verstecken die ihren Antisemitismus
hinter Begriffen wie Globalisten, Systemlinge et cetera."
"Da wird verbreitet, der Innenminister persönlich
hat den Auftrag gegeben, Thorben Jung im Gefängnis zu liquidieren."
Und die glauben das auch, diesen Irrsinn?
"Geht darum, den Staat zu delegitimieren."
"Hier, einer eurer Geiselnehmer, der Steffen Lippert,
der ist unter dem Pseudonym Wolf88 auf dem Forum aktiv."
"Eine Agentin vom Verfassungsschutz hat mit ihm gechattet, undercover."
"Die müssen freigeschossen werden,
wir müssen uns die Demokratie zurückholen."
Und das hat der Verfassungsschutz euch gemeldet und was ist passiert?
Nichts? - "Na ja, gemeldet hat's uns der Verfassungsschutz nicht direkt."
Warum nicht? V-Leute? - "Die wollen in die Szene rein."
"Die haben kein Interesse, dass wir das kaputt machen mit Ermittlungen."
Wisst ihr was über den verschwundenen Sprengstoff?
(Handyklingeln) Scheiße, wir haben viel zu wenig.
"Bringen Sie die Anwältin der Inhaftierten ins Spiel."
"Milagros von Wellersdorf heißt die."
"Bieten Sie der Täterin an, man kann Kontakt ins Gefängnis herstellen."
Damit suggerieren wir, dass ihre Forderung eine Chance hat.
"Sie gewinnen Zeit." - Danke, Frau Lubisch.
(Nazari:) Wir lassen die Anwältin mal aus dem Spiel.
Seid ihr soweit? - Zeichne auf.
Ich geh ran.
(Handyklingeln, spannungsvolle Musik)
"Hallo, Thorsten."
Sebastian.
Ich soll sagen, dass wir ... dass wir abgestimmt haben.
Verstehe.
Unser Angebot: Wir stellen euch jetzt erst mal Getränke vor die Tür.
Wasser, Säfte und so weiter.
Pfff ... Wir kommen hier schon klar.
Komm, mach.
Ihr sollt jetzt nachweisen, dass ihr dran seid.
Verstehst du? An den Forderungen.
Ansonsten ... ansonsten ... "Ich weiß nicht."
Der Innenminister, Freilassung, das sind politische Fragen, das dauert.
Wir bräuchten jetzt erst mal die Namen aller Geiseln, bitte.
Wir müssen wissen, dass es ihnen gut geht.
(Ächzen, Seufzen)
Setz dich hin.
(Schnauben, Klicken)
Halt.
Sag Namen, Dienstgrad.
Ebinger, Herbert.
Polizei. (Schreie)
(Gedämpfte Schreie, Schluchzen)
SEK, bitte vorbereiten für Zugriff.
(Dröhnen, schriller Ton)
Lass mich nicht verarschen.
Ab jetzt gibt es jede Stunde eine Abstimmung
und das Ergebnis sieht dann so aus.
Und denkt nicht mal dran.
(Unheilvolles Dröhnen, schriller Ton)
Los, sag!
(Dröhnen wird leiser.)
"Das sind die, die, die Sprengsätze."
"Nitro-Penta ..."
Mann, Thorsten, du ...
Ihr müsst mir irgendetwas geben, verstehst du,
irgendwas, mit dem ich wenigstens verhandeln kann!
(Anhaltender schriller Ton)
Hält der durch, Ihr Partner?
Ja. Ja!
Na ja, er macht sich zum Sprachrohr der Täterin,
weil er einer der Nächsten sein könnte.
Sie macht ihn zum Sprachrohr. Das ist doch genau ihre Taktik.
(Funk:) "Einsatzleitung für SEK. Gehen wir jetzt rein? Bitte kommen."
(Nazari:) "SEK, weiter auf Standby. Ende."
Den Innenminister, verschlüsselte Verbindung, oben.
Hallo, Frau Kramer, Stefanie Seiler hier von der Polizei Stuttgart.
Wir hatten vorhin gesprochen. - Herr Lanner?
Wir brauchen jetzt den Innenminister, sofort.
Meine Kollegen sind auf dem Weg. - Ein Standbild der Täterin!
(Seiler:) Der Worst Case ist eingetreten.
(Schriller Klang)
Das sind Terroristen.
Die wollten einen Umsturz.
Der Staat kann sich nicht erpressen lassen von denen.
"Das sollten Sie eigentlich wissen."
Ja, die Frage ist nur, welche Spielräume haben wir?
Ich verstehe nicht, warum Sie das Scheißkino nicht einfach stürmen.
Wenn der Sprengsatz detoniert, nach unseren Berechnungen,
reißt es den ganzen Kinosaal in Stücke.
"Dann spielen Sie auf Zeit." Oder ... Sie sind doch die Expertin.
Das heißt dann aber auch, wir nehmen weitere Tote in Kauf im Worst Case?
"Das habe ich nicht gesagt." Sie sollen Tote verhindern.
Ich spreche jetzt mit Ebingers Angehörigen.
(Leise, abwartende Musik)
(Dissonanter Klang)
(Klimpernde Klänge)
(Wiederholt klimpernde Töne)
(Nazari:) Jedes Leben, das wir da drin verlieren, geht auf meine Kappe.
Jedes Leben, das wir retten, aber auch.
Die Täterin hat eine Schwachstelle.
Wie jeder. Wenn wir die finden ...
Dafür müssen wir erst mal wissen, wer sie ist.
Wir machen es, wie das BKA sagt. Über die Anwältin der Gefangenen.
(Hupen)
(Dumpfes Poltern)
(Handyvibration)
Hm? - (leise:) Dein Handy.
(Brummiges Seufzen)
Die Toten schlafen fest.
Hat das nicht Zeit bis morgen?
Tut mir leid. Ich brauche Ihre Hilfe. Vertraulich.
(Ächzen)
(Er stöhnt.)
Ich habe hier Schmerztabletten.
Vielleicht geben Sie ihm drei oder vier auf einmal.
Woher weiß ich, was das für Zeug ist?
Das sind ganz normale Kopfschmerztabletten.
Bitte.
(ächzend:) Bitte.
Sag mal, vertraust du jetzt den Bullen oder was?
Sind das Schmerzmittel? - Ich glaub schon.
Dann nimm du eine.
Bitte nicht.
Ich würde sie sonst auch probieren.
(Blisterknistern, angespannte Musik)
Herr Lannert, ich habe mit dem internen Ermittler
der Bundeswehr gesprochen.
Sie ist eine ehemalige Soldatin, sogar bei den Gebirgsjägern.
Das ist sie doch, oder?
Das ist die. Karin Urbanski.
(laut:) Karin Urbanski. Die Frau heißt Karin Urbanski.
Urbanski, Urbanski ...
Zeig mir doch noch mal dieses Verschwörungsforum.
Darf ich?
Hier, Karl_Urban.
Karl Karin Urban Urbanski. Nervengift, Sarin oder Nowitschok.
Gebt mir ihren Werdegang durch, Ausbildung, Posts, alles.
Wir brauchen einen Schwachpunkt,
irgendwas, womit wir sie packen können.
Lannert, die Anwältin der Häftlinge ist bereit zur Vermittlung.
Bin gleich da.
Und?
"So wie es aussieht, hat der Kollege sauber gearbeitet."
Todesursache, multiples Organ in Folge von Kreislaufversagen,
passt alles zur allergischen Schockreaktion.
Große Menge Histamin, Erweiterung der Blutgefäße,
passt doch alles zu dem, was eure Leute damals ermittelt haben.
"Der verstorbene Häftling litt an einer schweren Erdnussallergie."
Hat zwar Sonderessen bekommen,
aber an dem Tag sind Erdnuss- rückstände in sein Essen gelangt.
Tragischer Unfall und so weiter.
Keine ... - "Keine Verdachtsmomente auf äußere Gewalteinwirkung, ja?"
Und so was wie Nervengift ist ausgeschlossen?
Sarin, Nowitschok?
Wo soll denn so was in einem schwäbisches Gefängnis herkommen?
Ich frag nur, wir müssen sicher sein,
ganz sicher, dass da nichts dran ist an dem ganzen Verschwörungsgerede.
Na ja, ausgeschlossen - nahezu, ja. - Nahezu oder vollständig?
Ich geh's noch mal durch. Aber ich sag's Ihnen gleich:
Toxische Substanzen sind schon schwer genug nachzuweisen,
wenn der Tote vor einem auf dem Tisch liegt.
"Oft findet man nur was, wenn man was weiß, wonach man sucht."
Verstehe. Ich schicke Ihnen einen Link mit angeblichen Beweisen.
(Tuten) Danke.
(Posteingangssignal, angespannter Klang)
"Warum es Gift war ... Mord im Staatsauftrag."
(Angespannte Musik)
Danke.
Ist von meiner Tochter. Hab ich in dem Anzug gefunden.
Ein Grieche, gleich hier um die Ecke.
Das war immer ihr Lieblingslokal.
Und mit der Rechnung, da ...
da kam immer so ein Lolli.
Aber ich hab ihr meistens den Zucker nicht erlaubt.
Hier, es läuft alles.
Du, ich muss ins Krankenhaus.
Du, wenn wir jetzt durchhalten für ihn an der Front ...
Für den sind wir Kanonenfutter, sonst nichts. Bitte, ich brauch Hilfe.
Verstehe ich das richtig?
Da gibt es jemand außerhalb, der so was wie die Befehlsgewalt hat, oder?
Ein verficktes Wort noch. - Hey, hey, hey.
Halt eine Schnauze und bleib sitzen! Wegen dir leidet der wie ein Hund!
Ich weiß. Deswegen will ich, dass er versorgt wird.
Dann sag deinen Leuten, sie sollen hinnemachen.
Dann können wir drüber reden, nur dann.
(Frau:) Ja, wieso passiert denn hier nichts?
Warum meldet sich denn niemand von der Polizei?
(Angespannter Ton)
(Telefonklingeln)
30 Minuten, bis dahin kann sie hier sein, die Anwältin.
Halt, einen Moment! Die Ermittlungsakte Loman Krewitz.
Das ist ein Songwriter.
Es gab eine Observation kurz vor seiner Verhaftung.
Die Urbanski und er hatten Kontakt. - Und jetzt drangehen.
(Telefonklingeln)
Sebastian? - Sag mir, dass ihr was für uns habt.
Den Obduktionsbericht von Thorben Jung kann sie einsehen.
Sich selbst ein Bild machen,
dass es ganz klar eine natürliche Todesursache war.
Ich will keinen manipulierten Scheiß.
Ich will das Geständnis vom Innenminister.
"Thorsten, wenn ihr uns irgendetwas geben könnt jetzt,
dann könnten wir dafür den Schwerverletzten rausbringen."
Verstehst du?
Der Innenminister, das dauert einfach noch.
Aber die Anwältin der Inhaftierten ist da.
"Milagros von Wellersdorf. Also, in 30 Minuten."
"Mit der können Sie sich besprechen,
was es für Sicherheiten gibt für Höhn und Loman Krewitz."
Okay.
"Aber ich will eine Zusage von der Anwältin."
"Eine konkrete. Wie die beiden freikommen."
Ansonsten geht's hier weiter, Kopfschuss und aus. Kapiert?
Ja.
Können wir jetzt Ihren verletzten Partner rausholen? - Nein!
Das haben Sie aber zugesagt.
Wir können darüber reden, habe ich gesagt.
"Wenn ich mehr habe als eine beschissene Absichtserklärung."
Setz dich hin. (Tuten)
Scheiße!
Fuck! Aaaah, Scheiße!
(Abgehacktes Stöhnen)
Setz dich wieder hin.
Wer hat dem eigentlich die Befugnis gegeben, für uns zu sprechen?
Der setzt sich nicht für uns ein,
sondern für einen, auf den er selber geschossen hat.
Das macht der doch ... - Ruhe jetzt!
(leise:) Haben Sie was zu schreiben?
In meiner Tasche, die rote Tasche.
So, Energienachschub.
Hier Veggie, da Salami.
Und?
Ihr Partner hat uns gesagt vorhin,
als er von sich und der Täterin gesprochen hat.
Klar sagt er uns. Er baut Vertrauen auf.
Und wenn er der Maulwurf ist? Bootz?
Warum lässt die Täterin gerade ihn verhandeln?
Genau. Wer sagt, dass sie nicht zusammenarbeiten?
Ich sag das. Weil ich kenne Sebastian seit 18 Jahren.
Außerdem stand ich auf der Gästeliste.
Was machen Sie? - Nachdenken.
In dem Kino ...
ich hab da vor Jahrzehnten mal "E-Mail für dich" gesehen.
Kennen Sie den?
E-Mail. Das war das neue Ding damals.
Schreibst was, senden. Zack, hat's der andere.
Vorletzte Reihe, ganz rechts.
Da sind wir, glaub ich, gesessen. Silvi und ich.
Entschuldigung. Könnte ich ... Ich muss mal ganz dringend.
Ja, dann mach halt.
Kann ich nicht vielleicht da hinten zwischen den Stuhlreihen oder so?
Komm her!
(Angespannte Musik)
Wenn sich von euch auch nur einer bewegt.
Ich muss die ganze Zeit an meine Töchter denken.
Nina ist elf, Miri 13.
(leise:) Wie heißt eure Kontaktperson draußen?
(Ächzen) Bitte, nur einen Namen.
Vor zwei Wochen war ich bei der Vorsorge.
Die lässt dich hier verrecken.
Und dann findet der tatsächlich was, der Arzt.
Geht schreiben, vielleicht? Schreiben.
Ich wusste einfach nicht, wie ich's meinen Töchtern sagen soll.
Die wissen immer noch nichts davon.
(Reißverschluss, angespannte Musik)
Fertig?
Setz dich da hin. - Der Polizist war bei ihm.
Stimmt das?
Ja, stimmt.
Was hast du da in der Hand?
Ich hab ihm noch eine Tablette gegeben.
(Leises Stöhnen, hörbares Schlucken)
Aufstehen!
Du.
Und du.
Los!
Die von der Lügenpresse oder der Politclown hier.
Ihr stimmt jetzt ab, wer als Nächster dran ist.
(Angespannte Musik)
Songwriter.
"Sei das Leben, sei das Leben, sei Land, sei Leben, sei Land."
"Mordnacht."
"Das sind wir."
"Im Kampf gegen die Zersetzer."
"Du bist ein Poet dieses Volkes."
"Ich war verblendet, bis ich deine Texte gelesen habe."
(Angespannt-drängende Musik)
Entschuldigung, Frau von Wellersdorf?
Äh, ja? - Lannert, Kripo Stuttgart.
Das ist ja furchtbar alles. Wie kann ich Ihnen helfen?
Ich bräuchte erst mal eine Info.
Loman Krewitz, Ihr Mandant, hat sehr viel Fanpost bekommen.
Auch von der mutmaßlichen Täterin.
"Du bist der größte Poet dieses Volkes."
"Ich war verblendet, bis ich deine Texte gelesen habe."
"Gib Signal und wir folgen."
Hat sie ihm auch noch ins Gefängnis geschrieben, kürzlich?
Also, das sind vertrauliche Informationen.
Das kann ich Ihnen nicht sagen.
Dann sagen Sie nichts, wenn es ein Ja ist. Also?
Danke.
Ja, Lannert hier, stellen Sie mich bitte
zur Staatsanwaltschaft durch, dringend.
Das ist ihr wunder Punkt.
Loman Krewitz. Wenn jemand Einfluss nehmen kann auf sie, dann er.
Und wie wollen Sie den dazu bringen? Außerdem, ich brauche Sie hier.
Jetzt den Verhandler wechseln, ganz schlechte Idee.
Ich weiß, nicht ideal. Aber Sie haben ja jetzt die Anwältin.
Für Krewitz brauchen wir eine staats- anwaltliche Befugnis. - Läuft!
(Stimmengewirr)
Ich bin Arzt. Ich kann dem helfen.
Und ihr.
Ihr braucht mich.
Überlegt einmal.
Was ist, wenn mal was passiert?
Wenn sich einer verletzt, auf wen könnt ihr dann eher verzichten?
Auf einen Arzt?
Oder eine Journalistin?
Ich will nicht sterben,
aber ich werde auch nicht für seinen Tod plädieren, das mache ich nicht.
Also, wer ist für die Medienhure?
Bitte nicht abstimmen. Bitte.
Stellt euch vor, ihr steht als Nächste hier.
Ihr steht als Nächste hier, wenn ihr jetzt nicht abstimmt. Also?
Eins.
Zwei.
Drei.
Und wer ist für unsere Parlamentsmarionette hier?
Ich stehe dem Parlamentarismus sehr kritisch gegenüber. - Oooh.
Zwei.
Drei.
Drei zu drei. Das ist keine Mehrheit.
Keine Mehrheit.
Ja, dann entscheidet eben meine Stimme.
(Nachrichtenton, belebte Musik)
♪ Es ist ... unser Land. Denn wir sind hier.
♪ Wir sind Teil des Lands, des guten Menschen Seel'.
♪ Sei das Leben, sei das Land.
♪ Sei ...
Er heißt Thomas Birkle, jetzt Künstlername Loman Krewitz.
Er war auf denselben Demos wie ich.
Mit Anfang 20 noch bei der Friedensbewegung mitgelaufen.
Kapitalismus ist scheiße,
"USA und Israel sind die bösen Kriegstreiber und so weiter."
"Damals hat er die RAF besungen."
Heute ja immer noch, "Mordnacht" heißt sein Lied.
Bezieht sich doch auf Meinhof und Co. Stammheim und so, oder?
Ja, wir waren damals auch irgendwie überzeugt, das war der Staat, oder?
Tja, vielleicht sind wir alle anfällig für Verschwörungstheorien.
Das nutzen die aus und verrühren alles zu einer totalitären Scheiße.
Das wird einem alles so fremd.
Früher war man links mit radikaler Systemkritik,
heute ist man links, wenn man das System verteidigt.
Tja, ich melde mich wieder.
"Moment noch, eine Sache zur Obduktion."
Was auffällig ist:
Es gibt also diesen Unfall oder dieses Versehen in der Küche.
Erdnussspuren in einer Sauce.
"Drei Allergiker unter den Häftlingen reagieren anaphylaktisch,
aber nur der Jung stirbt."
Obwohl der noch im Gefängnis die perfekte erste Hilfe bekommen hat.
Laut Protokoll: Kortison-Präparat aus dem Notfallset.
"Noch auf dem Weg ins Krankenhaus Intubation."
Heißt was?
Na ja, dass der, Spekulation jetzt,
in einem sehr viel schlechteren Zustand war als die anderen beiden.
Fragt sich nur warum.
Ich schau, was ich in der JVA rauskriegen kann.
Sie schicken den Obduktionsbericht dorthin? - "Ja."
Da sind so alte Düsen unten direkt vor der Leinwand.
Für Wasserspiele, noch aus den 50ern.
Für die Wasserleitung vermuten wir hier
einen unterirdischen Schacht mit dem Zugang hier.
Gesichert.
(Spannungsvolle Musik)
"Frau Urbanski, hier spricht die Einsatzleiterin Nazari."
"Wir haben jetzt die Anwältin der Häftlinge da, Frau von Wellersdorf."
Meine Mandanten können in ein anderes Gefängnis überführt werden,
wo sie sicher sind.
(Urbanski:) "Ich weiß ja nicht mal, ob die noch leben."
Herr Lannert ist gerade auf dem Weg, genau dorthin zu den Häftlingen.
Wo ist das Geständnis? Ich will den Innenminister sehen, jetzt!
Wir sind in Kontakt mit den Behörden.
Bullshit! Glaubt ihr, ich lass mich ficken von euch?
(Heftiges Atmen)
Schaut genau hin, ihr Wichser!
"Hey, hey, hey, stopp! Stopp!"
Wenn Sie irgendetwas erreichen wollen, jetzt, tun Sie das nicht.
(Schweres Atmen)
(Schreie)
(Schluchzen)
Einen Notarzt, schnell!
"Ihr sollt reingehen, jetzt!"
Ich will den Scheiß-Innenminister sehen.
(Funk:) "Warte. Kommissarin." - "Nein."
"Führung für SEK."
Ich brauch 'ne Entscheidung.
Nein.
(Funk:) "Status ist auf 4-59."
"Neun-sechs." (Lautes Weinen)
Wegtragen.
(Telefonklingeln)
(Angespannte Musik)
Der ist absolut überzeugt, er ist das nächste Opfer, der Krewitz.
Verweigert seit drei Tagen die Nahrungsaufnahme.
(Handysurren)
Ja?
Wir brauchen das Geständnis. Die hört sonst nicht auf.
Der Innenminister muss ein Video aufnehmen.
(Spannungsvolle Musik)
Ich muss noch mal mit dem Innenminister sprechen.
♪ Im Kampf gegen die Zersetzer ...
♪ stehen wir.
♪ Ihre Lügen im Mantel der Wahrheit ...
♪ durchschauen wir.
♪ In die gerechte Schlacht ...
♪ mit gestählten Fäusten ziehen wir.
♪ Das Blut für die Auferstehung unseres Volkes ...
♪ geben wir.
Sind Sie gläubig?
Wenn glauben heißt, dass man sich wirklich sicher ist ...
♪ ... Opfern und Plage erringen wir.
Glauben heißt zweifeln.
War mal so ein superschlauer Satz von meinem Vater.
(Urbanski summt.)
Die zweifelt nicht.
Die glaubt, dass sie weiß.
Das sind die Gefährlichsten.
Sie haben keine Ahnung, wer oder was das sein könnte? Dia?
Ich muss das irgendwie an Thorsten kommunizieren.
(Sie summt.) "Loman, ich hoffe auf dich."
"Dieses Volk hofft auf dich."
"Du bist die Zukunft. Für mich und für dieses Land."
"Ich bin bereit, alles dafür zu geben."
"Ich will mich für unsere Sache opfern."
"Ich will für uns eine strahlende Zukunft."
"Gib das Signal und wir folgen."
"Für immer, deine Karin."
So jemand ist die ideale Soldatin, oder?
Leidensfähig, opferbereit.
Aber Sie waren hier in Haft.
Wer hat die Frau also rekrutiert?
Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden.
(Geheimnisvolle Musik)
Sie haben dreimal um Haftverlegung gebeten.
"Da ich mich hier nicht mehr sicher fühle."
Darüber könnte man reden.
(Klimpernde Töne)
(Monotoner Klang)
Ihr Mithäftling Thorben Jung.
Sie glauben, er wurde exekutiert im Auftrag des Staates.
Wissen Sie wahrscheinlich besser als ich.
Das ist der Obduktionsbericht von Thorben Jung.
Dass er eine Erdnussallergie gehabt hat, das haben alle gewusst.
Die haben dem das untergemischt. Was sonst?
Meine Exekution.
Sie ist längst beschlossen.
Ob ich was sage oder nicht, sterben muss ich sowieso.
(Leyla Kaiser singt.)
Kannst du bitte mal herkommen?
(Sie verstummt.)
Das ist nämlich jetzt deine Chance, dich endlich mal nützlich zu machen.
Aber versau es nicht.
Sag deinen Leuten, was hier los ist,
was meine Forderungen sind, die sollen das senden.
Leyla? Damit verbreiten Sie die Geschichte von denen.
Ob Sie wollen oder nicht.
Ich berichte das, was ist.
Gehen dir die Verbündeten aus, Bootz, ha?
Du hast zwei Minuten.
(Lautlos)
(Schritte, Rascheln)
(Nachrichtensignal)
(Angespannte Musik)
Vor seinem Tod, hatte Thorben Jung da auch eine Ahnung,
so wie Sie jetzt, dass er auf einer Todesliste steht?
Kennen Sie die Liste?
Vielleicht.
Ihr Partner will reden. Könnte ein Problem für Sie werden, oder?
Der Loman, der sagt nichts.
Weil er Angst hat, meinen Sie?
Vor mir oder vor Ihnen?
(Angespannte Musik)
Mein Angebot gilt allerdings nicht ewig.
Wenn Ihr Partner da drüben früher zuschlägt, und er wird zuschlagen,
dann bekommt er die Hafterleichterung und nicht Sie.
Herr Lannert, dringend.
(Angespannt-abwartende Musik)
Krewitz ist viel leichter zu verunsichern.
Höhn ist der harte Knochen.
Haben Sie die Informationen aus dem Archiv?
Bin dran. Ich melde mich.
(Spannungsvolle Musik)
(Monotoner, sphärischer Ton)
(Stumme Szene)
(Nachrichten:) "Die Opposition kritisierte
in einer ersten Stellungnahme das Versagen des Verfassungsschutzes."
"Aus der VdP dagegen werden Stimmen laut,
die zu einer Wiederaufnahme der Ermittlungen
im Fall des in Haft gestorbenen Straftäters Thorben Jung aufrufen."
"VdP-Vorsitzender Krieling sagte,
die gewalttätigen Mittel der Geiselnehmer seien inakzeptabel."
"Die Fragen, die ihre Forderungen aufwerfen,
müssten dennoch beantwortet werden."
"Sollte der Staat eine Mitschuld tragen am Tod eines Häftlings,
müsste sich der Innenminister nach seiner Verantwortung
für etwaige Vergeltungsschläge zumindest fragen lassen."
Herr Minister.
"Haben Sie die Nachrichten eben gesehen?"
Wie kommen die an solche Informationen?
"Das ist ein Desaster, alles!"
"Eigentlich müssten wir der Täterin etwas bieten, eine Exit-Strategie,
aber sie will keine Exit-Strategie, sie ist bereit, sich zu opfern."
Und wenn wir jetzt nichts tun, Herr Minister,
dann wird sie alle erschießen, einen nach dem anderen.
"Bitte, Herr Minister, wir brauchen ein Video mit falschem Geständnis."
"Für Verhandlungsspielraum, um die Geiseln freizukriegen."
Wenn das einmal im Umlauf ist, die Geister werden wir nie wieder los.
Wir geben ihr das Video gar nicht, wir zeigen es ihr nur.
Es ist immer noch ein Risiko, klar, aber unsere beste Option.
"Rechtsstaat aufgeben oder die Menschen da drin,
das ist Pest oder Cholera."
(Drängende, spannungsvolle Musik)
(Trommelschläge)
Wie kann das sein, dass ausgerechnet ins Allergiker-Essen
Erdnussrückstände gelangen?
"Es gab dieses Ermittlungsverfahren gegen den Koch."
Sven Mielich, ein Mithäftling.
Aber Mielich hatte kein Motiv.
"Laut Akte die wahrscheinlichere Variante also Unfall,
tragische Verwechslung."
Und wenn der Koch deshalb kein Motiv hatte,
weil es doch irgendwie ein Auftrag war, von ganz oben?
Der war jedenfalls danach in Behandlung, hatte Depressionen.
"Sitzt er hier noch ein, dieser Mielich?"
Soweit ich das sehe, kommt der erst nächstes Jahr raus.
(Düstere Musik)
In meiner Funktion als Innenminister von Baden-Württemberg räume ich ein,
Kenntnis von staatlichen Exekutionen folgender Häftlinge zu haben
oder während meiner Amtszeit selbst angeordnet zu haben.
Haben Sichtkontakt.
(Angespannt-schriller Klang)
(Klappern)
(Verstörende Klänge, Klappern)
(leise:) Fuck!
Aufstehen! Und du! Hierher, beide!
Und durch Vergiftung ... Thorben Jung.
Also hier machen wir das Essen,
und da machen wir das Essen für die Allergiker.
Wir haben hier alles Mögliche, Soja, Hühnerei und eben auch Nüsse.
Wie war das denn jetzt so mit den Erdnussrückständen?
Ich hab keine Ahnung.
Die meinten, da war vielleicht noch Erdnussöl an dem Kochlöffel.
Aber wie kann so was passieren?
Also, wir braten hier schon mit Erdnussöl,
weil das hat einen hohen Flammpunkt.
Aber das Öl steht hier, und ich weiß nicht, wie dieses Erdnussöl da
an irgendeinen von den Löffeln da gekommen sein soll.
Und als die hier waren, um alles zu untersuchen, da war längst abgespült.
Und sonst kommt hier niemand rein? - Nein.
Sagt Ihnen der Name Dia was? Jemand, der mal hier gearbeitet hat?
Oder jemand vom Wachpersonal? - Nee, kenn ich nicht.
Wie ist denn Ihre Meinung dazu, dass der Staat Thorben Jung,
sagen wir mal, aus dem Weg räumen ließ,
weil er politisch gefährlich war?
Also, der Thorben, der wollte doch aussteigen.
Das macht gar keinen Sinn. Das ist Quatsch.
Moment mal. Wie aussteigen?
Er hat so ein Programm mitgemacht hier im Knast, gegen rechts und so.
Ähm, der Putzdienst, der kommt auch jeden Abend hier rein.
Kann man das noch einsehen, wer am Abend zuvor hier geputzt hat?
Ja, klar.
(Er flüstert hektisch.)
Michel Höhn.
(Angespannte Musik)
(Drängendes Trommeln)
(Brummende, abwartende Töne)
Der trinkt kein einziges Mal davon.
Dr. Vogt? Können Sie kommen? Schnell!
(Angespannte Klänge)
(Leises Rumoren)
Je mehr Menschen Sie hier drin erschießen,
desto weniger Verhandlungsspielraum haben Sie. Das ist eine Sackgasse.
Halt 's Maul.
Wer ist dafür, dass jetzt der Bulle dran ist?
(Angespannte Klänge, schnelle Trommelschläge)
(Handysurren)
Ja?
"Wir haben das Geständnis des Innenministers auf Video."
Sackgasse, hm?
Schickt mir das Video!
Sie kriegen die Datei, wenn Sie die Geiseln gehen lassen.
"Erst wenn ich das Geständnis habe."
Sie werden verstehen, wir brauchen irgendeine Sicherheit.
Und was ist mit meiner Sicherheit? Dass ihr mich nicht verarscht?
"Vorschlag. Sie geben das Handy jetzt Herrn Bootz."
"Dann spielen wir das Video bei uns hier am Computer ab."
Sie können den Bildschirm sehen übers Handy.
"Danach lassen Sie die Geiseln frei, und dann bekommen Sie die Datei."
Okay.
Aber Bootz bleibt hier.
(Schriller, angespannter Klang)
Einverstanden.
"Setz dich wieder hin."
(Schriller, anhaltender Klang)
Das Handy ist ...
Hallo, ich hab das Handy.
Vertrauen wir ihm?
Spielen Sie es ab.
"In meiner Funktion als Innenminister von Baden-Württemberg räume ich ein,
Kenntnis von staatlichen Exekutionen folgender Häftlinge zu haben
oder während meiner Amtszeit selbst angeordnet zu haben:
(Angespannte Musik)
Klaus Kortig, Anneliese Giesler, Jochen Luganz, Margarete Leistner,
Sibylle Winns, Laura Sundhardt und durch Vergiftung Thorben Jung."
(Ungläubiges Lachen)
Wuhu! Habt ihr das gehört? Habt ihr das Teufel noch mal gehört?
(Überschnappendes Lachen)
Und weg. Video gelöscht.
(Martialischer Schrei)
Verdammt, jetzt sind wir so kurz davor,
und du machst alles wieder kaputt!
(Urbanski:) Hinsetzen! - (Frau:) Oh Gott.
Schicken Sie die Datei erst, wenn die Geiseln befreit sind.
(Gekränktes schnelles Atmen, Räuspern)
Drei. Drei Geiseln, keine mehr.
Sie haben das Geständnis gesehen, wenn Sie das jetzt haben wollen ...
Wenn ich es habe, dann gehen alle. Vorher nur drei, mein letztes Wort.
Dann zuerst ihn, den Verletzten.
(Seufzen)
Was denkt ihr denn? Wer darf als Erster gehen?
Das muss eine Substanz sein, an die man relativ leicht kommt im Knast
und die in einem normalen Tox-Screen nicht nachweisbar ist.
Womit ja oft gedealt wird, ist Gamma-Butyrolacton, K.o.-Tropfen.
Das finden Sie in Graffitispray-Entfernern,
Felgenreinigern, Reinigungsmitteln.
Höhn hatte am Vorabend der Essensausgabe Putzdienst.
Er kontaminiert alle Utensilien der Allergiker-Küche mit Erdnussöl.
Der allergische Schock allein führt nicht zum Tod,
die K.o-Tropfen auch nicht.
Die Kombination ist perfekt.
Der allergische Schock schwächt ihn lebensgefährlich
und die K.o-Tropfen erledigen den Rest.
Keine Chance, das bei einer Obduktion nachzuweisen,
alle Symptome und Labordaten weisen auf den anaphylaktischen Schock.
Und perfekt, um Verschwörungstheorien zu befeuern.
Hier, "Mordnacht". Ein Lied von Krewitz. Letzte Zeilen.
"Das perfekte Opfer einer Verschwörung
plant die Verschwörung selbst."
Er braucht dringend Hilfe. Und wir haben es in der Hand.
Was er eigentlich sagen will:
Er möchte nicht für seinen Tod verantwortlich sein.
Ja, das will ich tatsächlich nicht. Und ihr? Was ist mit euch?
Wollt ihr das?
Er schafft es doch sowieso nicht mehr.
Also sollten doch erst mal die gehen dürfen,
die sicher gerettet werden können.
Wer ist dafür, zuerst den Verletzten rauszubringen?
Mensch, was ist denn mit euch los?
Okay, wer ist für sie? Sie da, im Blauen?
Bitte.
Ich.
Bootz, du hast nur eine Stimme und die ist jetzt weg, sorry.
Mensch, denkt doch einmal nach.
Wenn jeder nur für sich stimmt, dann kommt gar keiner raus.
Er hat recht. Wir müssen strategisch vorgehen.
Gruppen. Wir bilden zwei Gruppen, und jeder von der einen Gruppe
stimmt für jemanden aus der anderen Gruppe. Ist das okay?
Also entscheidest du jetzt, was ich mit meiner Stimme mache?
Nein.
Versteht ihr, das ist sie, eure tolle Demokratie.
Die versagt, wenn es drauf ankommt.
Ich sag euch, deswegen braucht jedes Volk ...
Hm? Na was?
Du!
Einen, der entscheidet? - Einen, der entscheidet.
Einen, der führt.
Und wer soll das von uns sein?
Ich mein, er vielleicht?
Oder doch besser ich?
Wer von uns beiden soll entscheiden, wer raus darf?
Wer ist für mich?
Eins, zwei, drei.
Ihr seid frei.
Das sind freie Wahlen in einer Diktatur.
Was sie da macht.
(Angespannte Musik)
Glauben Sie, ich hab was reingetan?
K.o.-Tropfen zum Beispiel?
Riecht man nicht, schmeckt man nicht.
Das perfekte Opfer einer Verschwörung
bleibt die Verschwörung selbst, haben Sie geschrieben.
In Ihrem Song über Meinhof und Co.
Sie haben recht, Thorben Jung wurde ermordet.
Und das war Ihr Motiv.
(Schriller Klang)
Warten Sie.
Ich rede mit Ihrem Partner, der ist auskunftsfreudiger.
(Türschlagen)
Was braucht man, damit der eigene Terror
wie legitimer Widerstand aussieht?
Ganz einfach, ein Opfer.
Thorben Jung wollte bei einem Aussteigerprogramm mitmachen.
Vielleicht hätte er Interna ausgeplaudert.
Aber tot war er plötzlich sehr wertvoll.
Als Rechtfertigung für den Gegenschlag.
(Verstörende Klänge)
Ich sag Ihnen gar nichts mehr ohne meine Anwältin.
Wenn nun die Soldaten, die für Sie kämpfen,
jetzt an der Front, wie zum Beispiel Karin Urbanski,
wenn die hören würden, und zwar von Ihnen,
von Ihrem großen Idol!
Und ... das mit Hafterleichterung?
Hafterleichterung? Wir reden hier von Mord.
Scheiße. - Ja, scheiße.
Außer ... es gibt so etwas wie die Kronzeugenregelung.
Wenn Sie mit uns kooperieren, können wir Sie schützen.
Damit Ihnen nicht das Gleiche passiert wie Thorben Jung.
Eine einfache Frage. Wer oder was ist Dia?
(Angespannte Musik)
Langsam.
Ganz ruhig. Ganz langsam.
Keine hektischen Bewegungen. Und schön ein- und ausatmen.
Genau.
(Spannungsvolle Musik)
Sie verlieren nichts, wenn Sie ihn jetzt rauslassen.
Er wird reden.
Er kann doch gar nicht mehr reden.
(Angespannter Klang, rhythmisches Klopfen)
(Drängendes Trommeln)
(Angespannter Klang, flaches Atmen)
Das Video, jetzt.
(Hektisches Atmen)
(Freizeichen)
(Telefonsurren)
SEK für Einsatzleitung. "Wie sieht's aus? Kommen."
Geiseln gefährdet, Schussfeld nicht frei.
"Ich wiederhole: Schussfeld nicht frei."
Gehen wir ran? - Nein, wir warten noch.
(Tuten, dann Besetztzeichen )
(leise:) Scheiße, was ist denn los?
(Spannungsvolle Musik, Freizeichen)
(Handysurren)
Okay, aber wir halten das Video zurück so lange wie möglich.
Jede Sekunde zählt, klar?
Stopp, Anruf von Lannert. - Durchstellen.
Lannert?
Lannert, sagen Sie mir bitte, dass Sie irgendwas für mich haben.
Ich hab was für Sie, und zwar einen Sänger,
der auch bereit ist zu singen und der weiß, wer Dia ist,
beziehungsweise, wer unter Freunden "Diaz" genannt wird mit Z
und uns bestens empfohlen wurde.
"Und zwar vom BKA."
(Spannungsvolle Musik)
(Freizeichen, Keuchen)
(Nazari:) "Frau Urbanski?"
Wenn ihr mich noch mal hinhaltet, dann knall ich den Bullen ab!
Eins-drei meldet, Sichtfeld nicht frei.
Hier hat sich jemand gemeldet, der will mit Ihnen sprechen. Dringend.
Da scheiß ich drauf! Ich will das Geständnis, jetzt!
Es ist Loman Krewitz.
Was?
Wir stellen ihn jetzt durch auf Video.
(Angespannte Musik)
Hi, Karin.
(ehrfürchtig:) Loman, hi.
Ich weiß, wir haben uns noch nie direkt gesehen.
Aber ...
du hast mir geschrieben, dass ich der Grund bin, für den du kämpfst.
Deshalb ... deshalb muss ich dir das jetzt sagen, Karin.
Der Thorben Jung, der ...
der ist nicht vom Staat liquidiert worden.
Sondern von unseren eigenen Leuten.
(Unheilvolle Musik)
Wir haben dich angelogen, Karin. Alle.
(Glöckchenläuten)
Womit zwingen sie dich? Was drohen sie dir an?
Das ändert nichts daran, dass ich das genauso meine.
Wenn du das für mich machst, dann hör jetzt auf!
(Spannungsvolle Musik)
(Glöckchenläuten, Schnarren)
Ich hab die Verräter hingerichtet.
Für unseren Kampf.
Loman, ich habe das Geständnis gesehen.
Der hat doch alles zugegeben, der Pietz.
Jetzt können wir endlich allen die Wahrheit zeigen.
(Drängende Musik)
Karin, dieses Video ... das ist ein Fake.
Fresse!
Halt deine beschissene Fresse!
(Eindringliche Musik)
Wir haben es doch alle gehört, oder nicht?
Hm? Oder?
(mehrere:) Ja. - Ja.
"Mit einer Waffe am Kopf gesteht man alles."
"Das wissen Sie doch selbst, dass so ein Geständnis wertlos ist."
"Oder ...
oder nicht?"
(Angespannt-abwartende Musik)
Im Kampf gegen die Zersetzer stehen wir.
Ihre Lügen im Mantel der Wahrheit durchschauen wir.
In die gerechte Schlacht mit gestählten Fäusten ziehen wir.
Deine Worte.
Scheiße!
(Angespannte Musik)
(Sirene)
Sie haben so lange durchgehalten.
Das war anstrengend.
Und jetzt merken Sie, dass ...
die Typen, für die Sie hier den Kopf hinhalten ...
Feiglinge sind.
Lügner.
Kostet sicher viel Kraft, sich das einzugestehen.
Das Video jetzt.
Aber der Minister hat ein falsches Geständnis aufgenommen.
Um Leben zu retten.
Ich drück ab.
(Düstere Musik)
"Sie hat eine Mailadresse durchgegeben,
da sollen wir das Video hinschicken."
Machen Sie es. - "Lannert, es gibt rechtsstaatliche Prinzipien."
Menschenleben retten, das ist auch ein Prinzip.
You can't always get what you want. - "Was?"
Ich hab eine Idee.
SEK für Einsatzleitung, seid ihr ready?
Geiseln weiterhin gefährdet. Schussfeld nicht frei.
(Angespannte Musik, Stimmengewirr)
Wir sind kurz vor Zugriff.
Draufspielen. - Herr Lannert.
"Zu groß zum Verschicken. Wir konvertieren noch. Drei Minuten."
30 Sekunden.
Dann hab ich das Okay von meinem Kontakt,
dass das Video eingegangen ist.
Verzögern Sie weiter.
Zeit, Lannert. Wir brauchen mehr Zeit.
Hier ist wieder Lannert.
Die Zeit ist um.
"Sie haben doch schon viel erreicht."
"Wollen Sie das wirklich aufs Spiel setzen?"
"So kurz vor dem Ziel?" - "Zielperson identifiziert."
Zehn Sekunden.
(Piepsen, angespannte Musik)
Zwei Minuten, bitte.
Drei.
Zwei.
Ich sende jetzt. - Nein!
(Piepsen, Schuss, Schreie)
(Angespannte Musik)
(Rhythmische, dramatische Musik)
Gesichert, Zünder gesichert. - Zünder gesichert!
Keine ruckartigen Bewegungen, okay?
Wir gehen in einer Reihe langsam hier links vorbei.
Hände bleiben sichtbar über dem Kopf!
(Durcheinanderreden)
Sanitäter!
(Spannungsvolle Musik)
(Schriller Klang)
Ihnen wird die Bildung
einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen und Mord.
Sie müssen sich zu diesen Tatvorwürfen nicht äußern.
Sie haben das Recht auf eine Strafverteidigung Ihrer Wahl.
Abführen.
"In meiner Funktion als Innenminister von Baden-Württemberg ..."
♪ "You can't always get what you want."
♪ "You can't always get what you want."
♪ "You can't always get what you want."
♪ "But if you try sometimes ...
♪ you might find ... you get what you need."
(Dynamische Musik)
SWR 2024
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