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Zulu
*
* Schritte *
* Hecheln *
Zugriff!
* Bellen *
Bäumer, kein Widerstand!
* Bellen * Keine Bewegung!
(zum Hund:) Komm, komm, komm.
* Bellen *
Ruhig, ruhig.
Hast du den Hund?
"Okay, Leute, das ist Staatsversagen auf ganzer Linie."
"Dieser heldenhafte TRUST-Teilnehmer
hat Kinderschänder Jens Föhl gefunden,
und er hat ihn festgehalten."
"Aber was machen wir? Was passiert in unserer gesetzlosen Stadt?"
"Durch meine Quellen bei der Polizei habe ich herausgefunden,
dass Klaus B. für seinen Heldenmut keinen Orden bekommt,
wie man eigentlich annehmen würde,
sondern er direkt in die JVA nach Bochum gebracht wurde."
"Was mit Kinderficker Föhl passiert, ist unklar,
aber ich tippe mal, dass ihm noch geholfen wird
und er auf Staatskosten einen Urlaub in Norwegen bekommt."
"Aber wie gehen wir damit um?"
"Wenn der Staat versagt,
ist Widerstand des Volkes die einzige Lösung."
* Stimmengewirr *
"Ach ja, und Jens Föhl soll wieder freikommen."
"Ich meine, was denken die sich denn?"
Föhl ist frei! Der Föhl ist frei!
Der Kaan muss weg, Leute!
Kaan muss weg! Kaan muss weg!
* Immer mehr Leute stimmen mit ein. * Kaan muss weg!
Kaan muss weg! Kaan muss weg!
Kaan muss weg! Kaan muss weg!
Kaan muss weg!
Kaan muss weg!
(gedämpft:) Kaan komm raus! Kaan komm raus!
Kaan komm raus! Kaan komm raus!
Kaan komm raus!
* angespannte Musik *
* bewegte Musik *
* andächtige Frauengesänge *
*
* Hammerklopfen *
* Schlüsselrasseln *
* Menschenmenge *
* Musik verklingt. *
(Menge:) Kaan komm raus! Kaan komm raus!
Herr Kaan, was machen Sie da? Herr Kaan, Sie müssen zurück, bitte.
Es kann gefährlich werden.
Herr Kaan, bitte lassen Sie uns wieder reingehen.
Herr Kaan, es kann gefährlich werden. Bitte.
(Menge:) Kaan komm raus! Kaan komm raus!
* Buhrufe, Pfiffe *
Kann ich mir das mal leihen? - Nein
Wie soll ich denn mit euch sprechen? Wir wollen einen Dialog, oder?
Danke schön. Vielen Dank.
Die Nachricht ist vermutlich schon zu Ihnen durchgesickert.
Es stimmt.
Der entflohene TRUST-Teilnehmer wurde von uns gefunden.
Die Lage ist unter Kontrolle.
Er stellt keine Gefahr mehr dar.
Ich wiederhole: Er stellt keine Gefahr dar.
* zornige Rufe *
Was passiert denn jetzt mit dem Föhl?
Was mit dem ent- ...
Was mit dem TRUST-Teilnehmer passiert,
das kann ich Ihnen sagen, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind.
* zornige Rufe *
Gar nichts passiert!
Dass er einfach wieder frei rumlaufen wird!
Der Föhl muss an die Wand!
Wenn der jetzt nicht ins Rattenloch gesteckt wird, brennt hier die Hütte!
Niemand wird hier in irgendwelche Rattenlöcher geschmissen.
In Rheinstadt regiert weiterhin der Rechtsstaat.
Damit das klar ist!
Die freien Bürger müssen nicht geschützt werden, oder was, du Affe?
Was hast du gerade gesagt?
Halt mal diesen Scheiß. Was hast du gerade gesagt?
Sag das noch mal! Sag das noch mal!
* zorniges Stimmengewirr *
Sag das noch mal! Sag das noch mal!
* angespannte Musik *
Ja, so, das ist unser Bürgermeister. So geht er mit uns um.
Wir machen es wie der Bäumer.
* Laute der Zustimmung *
Wir sorgen selbst für die Gerechtigkeit.
* noch mehr Zustimmung *
* sphärische Musik *
* Musik verklingt. *
"Danke, dass Sie gekommen sind."
"Sie werden sich bestimmt fragen,
warum ich Ihrer Frau nicht geholfen habe."
"Ich war damals ein anderer Mensch."
"Bin immer abgehauen."
"Hab viel getrunken, egoistisch verlogen, hab meine Frau betrogen."
* Seufzen *
* Tuten *
"Polizeidirektion Rheinstadt, Will am Apparat."
"Hallo?"
"Teilnehmer, hallo?"
* dreifaches Tuten *
Frau Blum.
Ich habe alles zurückgebracht zu ... zu den Juwelieren.
Was? Was hast du zurückgebracht?
Die Sachen.
Das ist doch super.
Das ist super, Yara, das ist doch gut.
Ja, aber die kommen jetzt und werden mich holen, also ...
Und ich wollte fragen, ob ...
.. ob ihr bei mir seid, wenn die kommen.
Klar. Ich bin da.
Cool.
Okay.
Gut gemacht. Gut gemacht.
* gefühlvolle Musik *
* zorniges Stimmengewirr *
Föhl an die Wand!
(Menge:) Föhl an die Wand! Freiheit für Bäumer!
Föhl an die Wand!
Föhl an die Wand! Föhl an die Wand!
Föhl an die Wand!
Nervös?
Letztes Mal lief's ja nicht so gut.
Finden Sie?
Ich finde, da ist ganz schön was passiert zwischen Ihnen und Frau Gül.
Kann sein, ja.
* Klopfen *
Hallo.
Schön, dass Sie da sind.
Ja, Sie kennen sich ja bereits.
Hallo.
Sie wurden ja grundsätzlich vertraut gemacht
mit der Täter-Opfer-Mediation.
Sie können jederzeit pausieren oder ganz abbrechen.
Haben Sie trotzdem noch Fragen?
Ich weiß nicht, ob Sie meine Briefe gelesen haben,
aber ich dachte, vielleicht wollen Sie wissen, was genau passiert ist.
Also, ich meine ... warum ich zu schnell gefahren bin, warum ...
Nein.
Ich möchte das nicht wissen.
Es ist mir auch egal, was mit dir ist.
Vielleicht setzen wir uns erst mal?
Es ist mir scheißegal, ob du Schuldgefühle hast oder nicht.
Es ist mir auch scheißegal, ob du im Gefängnis bist oder nicht.
Es ist mir auch scheißegal, ob du lebst oder nicht.
Herr Eltges ... - Ist okay.
Ich will leben und meine Tochter will auch leben!
Wir wollen nicht daran erinnert werden, was du getan hast!
Also schick uns nicht deine Scheißbriefe
mit deinen Scheißgefühlen!
Keine Leute, nichts! Kapiert?
Ja. - (schreit:) Kapierst du das?
Ja.
* Klopfen *
Nein. - Tut mir leid.
Nein, es geht gerade nicht. - Kannst du kurz kommen?
Nein. - Dann gehe ich mal.
Bitte, bleiben Sie noch.
Das geht nicht. - Lydia, bitte komm.
Es ist wichtig. - Gehen Sie.
Bleiben Sie bitte hier, ich bin in einer Sekunde wieder da.
Du kannst doch nicht einfach hier reinkommen.
Ich weiß nicht, was ich erwartet habe.
Dass Sie mir verzeihen oder ...
Quatsch.
* leises Schluchzen *
Obwohl ...
Hast du Kinder?
Was?
Du hast Kinder, oder?
Zwei.
Wie alt?
Alina ist sechs.
Und Niki ist zehn.
Dann reiß dich zusammen, Mann.
Was passiert ist, ist passiert.
Man kann nur damit leben, was passiert ist.
Also ... kümmere dich um deine Kinder.
Und hör auf, dich zu bemitleiden.
* Rumpeln *
* Rumpeln *
* Rumpeln *
Hey!
* zorniges Stimmengewirr *
Föhl! - Komm endlich raus!
* beklemmende Musik *
Der Bäumer hat recht!
* zorniges Stimmengewirr *
Ich hab gearbeitet, ich ...
Das bringt doch nichts.
Er ist nicht hier.
* zorniges Stimmengewirr *
* beklemmende Musik *
Alle raus über den Hintereingang!
Los, nehmt eure Sachen!
Raus!
Mark. Ich muss Mark holen.
Mark! Wir müssen hier raus, jetzt!
Komm!
Hier lang!
Los, in irgendeinen Raum!
Kommt schnell! Hier rein! Hier rein!
Kommt.
* zorniges Stimmengewirr *
Ach, komm ...
Nehmt alles auseinander!
Los, weiter! - Ja!
Schsch!
* gedämpftes Wüten *
Wir machen das Sofa vor die Tür.
Sofa vor die Tür und alle von den Fenstern.
Schneller, schneller. - Komm, komm, komm.
Was macht er da, was macht er da?
Nein, wir müssen nach raus. Wir müssen dem helfen.
Nein, wir müssen dem helfen. Was macht ihr da für einen Scheiß?
Euer Security-Mann liegt da auf dem Boden.
* Rumpeln *
* dramatische Musik *
Auf die Seite.
Dann müssen wir mal den Namen eingeben.
Machen wir schnell. Passwort ...
So. Den Suchbegriff, welche Person wir suchen.
Ähm, hier, Nader Massad. - Okay.
So. Ich gebe das mal ein.
Und da. Da öffnet sich das.
Hier sind wir. Und da ist die Person.
Natürlich brauchen wir eine Begründung,
damit wir die Person suchen können.
Der läuft. Das bewegt sich, ne?
Das bewegt sich natürlich.
Der ist jetzt unterwegs wahrscheinlich.
Yara, wo bist du?
"Hallo? Spaß. Yaras Mailbox. Quatsch mich nicht voll."
Hör auf mit dem Scheiß. Geh an dein Scheißhandy. Bitte.
Bitte meld dich bei mir.
Bitte. So schnell du kannst.
* unbehagliche Musik *
* zorniges Stimmengewirr *
* Grölen *
Sind Sie okay?
Kommen Sie mit.
Kommen Sie. Raus hier.
(flüstert:) Wir brauchen jetzt Hilfe.
Die müssten doch schon längst hier sein.
Wissen Sie, warum sie nicht da sind? Weil die auf uns scheißen.
Wo sind denn die Bullen, wenn man sie braucht?
Das interessiert die einen Scheiß. Die wollen, dass das passiert.
Du musst es aufhalten! Das geht viel zu weit!
Wir müssen den Föhl finden.
Wir wollten das Ganze friedlich lösen.
Fuck. - Was?
Sie haben mich gesehen.
* zorniges Stimmengewirr *
Da drin sind noch welche. - Nein.
Da sind die!
Bitte.
* Sie brüllen durcheinander. *
* Pfiff *
Da drin!
* gedämpfte Rufe *
Wo ist der Föhl? - Der ist nicht hier.
Föhl, komm da raus jetzt! - Föhl ist nicht hier!
Mach die Tür auf. Lass mich raus, lass mich raus.
Was? Spinnst du?
Mach die Tür jetzt auf! Mach die Tür auf, Mann!
Mark ... - Lass mich!
Mark.
Was ist los mit dir?
* aufgebrachtes Stimmengewirr *
Der ist nicht hier.
Der ist hier.
Der ist hier!
Ganz ruhig. Jens Föhl ist nicht hier.
Beruhigen Sie sich ... Au!
Hey!
Au!
Hey. Du bist einer von denen.
* Stimmengewirr *
Zeig's ihm! Polier ihm die Fresse! - Hört auf!
Hört auf, das ist er nicht! Aufhören!
* aufgeregtes Stimmengewirr *
Hey. Bitte.
* starre, bewegte Musik *
Mann, ich bin das nicht. Ich bin das ...
Ihr Schweine! Mark!
Hört auf! Ihr bringt ihn noch um!
Jetzt reicht's aber!
Hört auf! Was zur Hölle?
Ihr bringt ihn noch um!
Wollt ihr ihn totprügeln?
Stopp, das reicht jetzt!
Ihr hört jetzt sofort auf! Warum? Warum?
Haut ab jetzt hier!
* fernes Martinshorn *
Scheiße. - Los, raus hier.
Die Bullen. - Verschwindet.
Die Bullen. - Weg hier, na los.
Öh ...
Wo ist er jetzt? - Alles ...
Jetzt ist er weg. - Kein Signal?
Ja, der ...
Eine W-Lan-Störung oder was ist das?
Seite reloaden.
Was heißt das jetzt? - Ich bin dran.
Die sind alle weg.
Wie, die sind alle weg?
Was heißt das jetzt?
Hier, Diagnose starten, aber geht nix. Nix.
Da kommt kein Signal durch.
Als ob alles offline gegangen wäre.
Ich fordere mal Verstärkung über die Wache an.
Hallo?
Keiner da. - Geht ihr weiter rechts rum?
Hierher die Herren.
Sie bleiben hier. Wir durchsuchen erst das Gebäude.
* ferne Gespräche *
* Piepsen *
* geheimnisvoller Klang *
* vorsichtige Musik *
*
* fernes Martinshorn *
* ruhige Musik *
* Tuten *
"Hier ist die Mailbox von Nader Massad."
"Hinterlass eine Nachricht."
Geh ran, Mann. Fuck.
* ruhige Musik *
Okay. Ja.
Ja, klar. Sicher. Ja, nee, mach das.
Ja, alles klar, Luca. Danke, ne?
Okay, tschüss.
Wie viele?
34 haben gemerkt, dass die Fesseln entriegelt sind.
Scheiße.
Aber davon haben sich 19 freiwillig bei uns gemeldet.
Und die anderen?
Weg.
* Klopfen *
Sorry, Amir, aber die warten nicht länger.
Wir müssen die melden.
Das ist schon geschehen.
Ja, klar.
(kaum hörbar:) Ja, klar.
Amir ...
Amir, wir müssen jetzt wirklich.
Ich kann die Meute nicht mehr halten.
* Seufzen *
Alles gut.
Am Ende setzen sich immer nur die durch, die am lautesten schreien.
(von draußen, mehrere:) Herr Kaan.
* sanft bewegte Musik *
* Stimmengewirr *
Meine Damen und Herren, ich muss Ihnen heute ...
.. mein großes Bedauern mitteilen darüber,
wie sehr die Gefahrenlage am Center des TRUST-Programms
unterschätzt wurde.
Wir werden den Angriff restlos aufklären
und selbstverständlich werden auch wir
unsere Lehren aus den vergangenen Wochen ziehen.
Herr Kaan, Sie möchten sich
wahrscheinlich selber auch noch äußern.
* ruhige, getragene Musik *
Das Modellprojekt TRUST wird ab sofort eingestellt.
* aufgeregtes Stimmengewirr *
Bitte Ruhe.
* andächtiger Frauengesang *
Eddie Adu. Einmal mitkommen, bitte. Einmal kurz mitkommen.
Was hab ich gemacht?
Please don't take him away from me!
Alle Teilnehmer werden zurück in die JVA gebracht.
Ich wäre freiwillig mitgekommen! - Beruhigen Sie sich.
Für ihre eigene Sicherheit sowie für die Sicherheit der Bevölkerung.
Kommen Sie mit.
Die Zeit im TRUST-Programm wird von ihrer Haftstrafe abgezogen.
Sind Sie Nader Massad? - Ja, der bin ich.
Sie sind festgenommen. - Warum das denn?
Das TRUST-Programm wurde vorzeitig eingestellt.
Außerdem muss ich auch persönliche Konsequenzen ziehen
und möchte deswegen Folgendes verkünden:
Mit sofortiger Wirkung lege ich mein Amt
als Oberbürgermeister von Rheinstadt nieder.
* aufgeregtes Stimmengewirr *
Vielen Dank.
Die Pressekonferenz ist hiermit beendet.
* aufgeregtes Stimmengewirr *
* fernes Hundebellen *
* ferne Kinderrufe *
* unverständliches Gespräch *
Fuck.
* traurige Musik *
Ich hab keine Scheiße gebaut. Wirklich nicht.
Bitte auseinandergehen. - Mach dir keinen Kopf.
Alles gut, ich kann doch mit ihr reden.
Schreib mir, okay? - Mach schon.
Okay. - Alles klar.
Vorsicht mit dem Kopf.
Ich schreib dir. - Mhm.
Nimmst du den an? - Danke.
* traurige Musik *
* Seufzen *
* Seufzen *
Hab ich dir eigentlich mal erzählt,
dass ich eine Großtante in Costa Rica habe?
* Er lacht kurz auf. *
Dann brauchen wir nur noch meinen Pass zu fälschen, dann geht's los.
Was ist eigentlich mit Alina und Niki?
Die können auch genauso gut da zur Schule gehen.
Kinder finden schnell Freunde.
Die können überhaupt kein Spanisch, die zwei.
Klar können die Spanisch. - (lacht:) Okay.
Sí, claro.
Was? - Hola.
Hola.
Hey, hey, hey, hey.
Es ist okay.
Das kriegen wir auch noch hin.
Komm her.
* sanfte Musik *
* Schluchzen *
Achtung!
* Er ahmt Motorengeräusche nach. *
Schneller, Papa! Schneller, Papa!
Schneller? Okay. * Er ahmt Motorengeräusche nach. *
Und Wirbelsturm! - Wirbelsturm!
* Ächzen *
Papa.
Was denn? Triebwerke sind ausgefallen.
Du bist die beste Pilotin der Welt.
* Seufzen *
Ich will weiterfliegen.
Die Flügel sind kaputt.
Sind gerade kaputtgegangen.
Kannst du mich nach der Schule wieder abholen?
Warum nicht?
Ich bin doch weg.
Ach ja.
Ich will aber nicht, dass du weggehst.
Ich hole dich ganz bald wieder ab, versprochen.
Auf einem richtigen Flugzeug.
* Kinderstimmengewirr *
Warte mal, ich hab noch was.
Aber erst heute Abend aufmachen.
* Schulglocke *
Okay, komm, geh mal rein. Gate schließt.
Tschüss, Papa. - Tschüss, mein Schatz.
Hab dich lieb.
Komm, beeil dich.
* traurige Musik *
*
Mama.
* freudiges Schluchzen *
* sanfte Musik *
* Er sagt etwas auf Türkisch. *
* sanfte Musik *
* Musik verklingt. *
Das ist das fortschrittlichste Therapiegefängnis Deutschlands.
Man muss sich da bewerben,
aber es sind nur ein paar Bögen, die können wir gemeinsam ausfüllen.
Okay.
Die sind da spezialisiert.
Frau Sané, ich ...
.. ich würde gern bei Ihnen in Behandlung bleiben.
Geht das?
* bewegte Musik *
Hi. - Hi.
Ähm, eine Minute.
Frau Schach. - Sieht alles gut aus?
Hey, mach doch mal auf, Niki.
Nein!
Was möchtest du denn?
Dass er geht!
Lass mich in Ruhe!
Willst du Papa denn gar nicht Tschüss sagen?
Nein, ich komm nicht raus!
(leise:) Lass mich mal. Lass mich mal.
Niki, mach mal bitte die Tür auf.
Niki, mach mal bitte die Tür auf.
* Türklingel *
Niki, ich weiß, dass du wütend bist.
Ich versteh das, es ist okay.
Es ist okay, dass du wütend bist.
Ich bin auch wütend, ich will auch nicht gehen.
* Türklingel * Warte, ich komm gleich.
Ich geh jetzt weg, okay?
Und ich würde mich freuen, wenn du mich bald besuchen kommst, ja?
Herr Blum, machen Sie bitte die Tür auf!
Bis bald, Großer.
* ungeduldiges Klingeln *
Herr Blum!
* Vogelrufe *
* Bellen *
(Niki:) Papa!
* emotionale Musik *
Bis bald, Großer, ja?
* Motor startet. *
Warum ist TRUST gescheitert, Frau Schach?
Aus meiner Sicht ist TRUST nicht gescheitert.
In der kurzen Zeit, die wir hatten, haben wir so viel bewirkt.
Menschen haben sich wirklich mit ihrer Schuld auseinandergesetzt.
Wir haben ihnen neue Perspektiven gegeben,
Familien wieder zusammengeführt.
Wir haben uns auch an die schwierigen Fälle herangetraut
und sie nicht einfach abgeschoben.
Ich weiß, dass wir in Rheinstadt in den letzten Wochen
eine echte Alternative zum Gefängnis geschaffen haben.
Aber warum ist TRUST trotzdem beendet worden?
Angst.
Und haben Sie das nicht kommen sehen?
Dass Menschen Angst davor haben würden,
kriminelle Menschen rauszulassen?
Doch, ich verstehe ja auch, dass Menschen Angst davor haben.
Angst vor Neuem, vor Veränderung.
Aber was hätten wir tun sollen?
Das ganze Programm heimlich durchziehen?
Ohne die ständige Hysterie in den Medien
wären wir vermutlich erfolgreicher gewesen.
Die eigentliche Frage ist doch, warum man das nicht will.
Warum will man nicht umdenken?
Warum will man bestehende Strukturen,
die sich nicht bewährt haben, aufrechterhalten?
Wir haben versucht, den Leuten zu helfen,
damit umzugehen, dass sie arm sind.
Aber das Problem ist ja die Armut selbst.
Wir haben versucht, den Leuten zu helfen,
mit Stigmatisierung umzugehen.
Aber das Problem ist die Stigmatisierung selbst,
der Blick der anderen.
* ruhige Musik *
Stopp. Hier vorn rechts.
Die Angst der anderen ist also schuld?
Und Sie haben keine Fehler gemacht?
Doch, ich habe viele Fehler gemacht.
Nicht genug zugehört, nicht genug kommuniziert.
Aber 70 Prozent der Rheinstädter
hatten Ihrem Programm doch zugestimmt am Anfang.
Ja, in der Theorie, aber nicht in der Praxis.
Wir haben eine schicke PR gemacht, schöne Flyer und so.
Den Menschen bessere Resozialisierung von Straftätern
versprochen,
dass wir uns um alles kümmern werden,
was wir auch nach bestem Wissen und Gewissen getan haben.
Aber wir hätten uns nicht um die Täter kümmern sollen
und auch nicht um die Opfer, sondern um die Bevölkerung.
Das war unser größter Fehler.
Aufschluss.
Guten Tag, Herr Bäumer. - Tag.
Was ist? - Ich wollte mal Hallo sagen.
Hallo.
Sie sind doch 'ne Berühmtheit, wissen Sie das?
Nee. - Herzlich willkommen zurück.
Hier, du bist im Internet. - Wieso?
Na hier, wegen der ganzen Sache.
Können wir vielleicht mal ein Selfie machen?
Selfie? - Ja.
* Klicken *
Danke schön.
Wir sehen uns.
* Tür wird quietschend geschlossen. *
Fick dich.
Scheiße.
*
* Signalton *
Fuck.
Fuck.
* Sie sagt etwas auf Arabisch. *
"Yara ..."
Yara ..."
Mann, wo bist du?
"Die haben mich geholt."
"Sie haben alle geholt."
"Fuck."
"Ich sollte da sein, Nadi, nicht du."
Wo bist du denn?
Haben die dich nicht?
Diese Dinger ... die waren plötzlich aus, weißt du?
"Wie meinst du, aus?"
Hast du das nicht mitbekommen?
Wallah, spinnst du, Yara?
Was hast du vor jetzt?
"Ich weiß es nicht."
"Was ist dein Plan?"
Nadi, Mann ...
* Sie spricht Arabisch. *
Ich ... Ich ...
Ich bin nicht wie du. Ich ...
Ich habe Angst. Ich schaffe das nicht.
Ich packe das nicht in so einem Raum.
"Ich packe das nicht."
* Sie schluchzt. *
* emotionale Musik *
Ich habe Mama heute gesehen.
Beim Einkaufen.
Ich glaube heute Abend gibt's Auberginen zu Hause.
Bitte, meine Schwester.
Yara.
* Sie schluchzt. *
Weißt du noch, früher? Yara, hör zu. Weißt du noch?
Damals, als wir mit Mama immer zu Onkel gefahren sind.
"In diesem Scheißpanda."
"Ist doch schön, dass Mama den immer noch hat."
"Und dass Onkel auch noch da lebt, oder?"
Dann ...
Dann sehen wir uns dort?
* traurige, bewegte Musik *
Safe. Wir sehen uns da.
Hab dich lieb, Nadi.
Hab dich lieb.
"Ich hab dich lieb, Yara."
Fertig?
Dann kommen Sie.
* traurige, bewegte Musik *
* Ein französischer Bericht über Rheinstadt läuft im TV. *
*
* Schluchzen *
(Moderatorin im Off:) Waren Sie zu radikal?
Nein, im Gegenteil. Nicht radikal genug.
Manche Dinge, die lassen sich nicht frisch lackieren.
Was genau meinen Sie damit, Frau Schach?
"Wenn man das System nicht frisch lackieren kann,
dann sollte man es abschaffen?"
"Gefängnis, Strafrecht, Polizei, die ganze Rechtsprechung gleich mit?"
"Ja, abschaffen, neu erfinden, umdenken."
"Nennen Sie es, wie Sie wollen."
"Hauptsache, wir probieren es. Immer wieder probieren."
"Vielleicht bin ich in Rheinstadt gescheitert."
"Vielleicht war ich zu bockig und unflexibel."
"Aber vielleicht sieht jemand, was wir hier versucht haben,
und macht es woanders besser."
"War unsere Gesellschaft einfach noch nicht bereit?"
"Hätten Sie länger warten sollen?"
"Finden Sie nicht, dass das der hinderlichste Vorwand ist,
um gegen die eigenen Ungerechtigkeiten hierzulande
untätig zu bleiben?"
"Ich finde eher, auch Sie, Frau Framm,
sind herzlich eingeladen, sich bei der guten Sache zu beteiligen.
Ich? Ich dachte, das System ist das Problem.
Sie sind nicht das Problem, Sie sind die Lösung.
"Neue Strukturen bilden sich durch reproduziertes Verhalten Einzelner."
"Und alle handeln, sind Teil dieser Strukturen
und formen sie mit."
"Wir also."
"Wer denn sonst sollte es tun?"
"Außer uns ist ja niemand da."
"Das klingt wunderbar, aber auch sehr naiv
und vielleicht sogar ein bisschen zynisch,
wenn man sieht, was TRUST in Rheinstadt angerichtet hat."
"Möchten Sie das Ihren Kindern sagen?"
Bessere Welt ist naiv?
Sehen Sie, das meinte ich mit Angst.
Dabei dürfen wir die Hoffnung nicht verlieren.
Die Hoffnung ist der Motor, wenn man etwas zum Positiven verändern will.
Hoffnung und Empathie.
Die müssen wir zurückgewinnen.
"Gerade jetzt, wo immer mehr Menschen sie verlieren."
"Unser Projekt hat auf tragische Weise gezeigt,
was passiert, wenn Angst die Oberhand gewinnt."
"Und das dürfen wir nicht zulassen."
* Schluchzen *
"Ich werde weiterhin versuchen, meinen Teil dazu beizutragen."
"Entweder wieder als Strafverteidigerin
oder ich starte woanders die nächste Revolution."
Sind Sie dabei?
* bewegende Musik *
Marion, ich wollte dich kurz vorwarnen.
Ich komme in Begleitung, ja?
Und der wohnt dann auch bei uns. Okay?
Ich hoffe, das stört dich nicht.
Bis später dann, Bussi.
So. Gut, fertig.
Eine Unterschrift, bitte. - Ja.
Vielen Dank. - Schöne Fahrt.
Servus.
Wir sehen uns in Wien. - Wir sehen uns da.
* Bellen *
Hey, Frau Schach.
Was machen Sie denn hier?
Na?
Und, machen Sie das mit der Revolution?
Kommt drauf an, wie viele mitmachen.
Das ist gut.
Aber ich brauche erst mal eine Anwältin.
* getragene Musik *
* andächtiger Frauengesang *
*
* Musik wird unruhiger. *
*
* Musik wird langsamer. *
* Musik klingt langsam aus. *
* starre, abwartende Musik *
*
* Musik klingt langsam aus. *
Untertitel: audiofilm
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