All language subtitles for A Better Place-B+¦se Menschen gibt es nicht (S01_E02).deu

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Original subtitles

*

* starres Dröhnen *

Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil:

Die Angeklagte Yara Massad

ist schuldig des unerlaubten Handeltreibens

mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge

sowie der gefährlichen Körperverletzung.

Sie wird im Eilverfahren für jugendliche Intensivtäter

zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Die Freiheitsstrafe wird nicht zur Bewährung ausgesetzt.

Bitte setzen Sie sich.

* unruhige Musik *

Puh ...

* Er spricht Arabisch. *

(leise:) Keine Ahnung.

Durch die Erweiterung des Strafvollzugsgesetzes

wurde der Regelvollzug in Rheinstadt geschlossen.

Obwohl zwei Taten der Angeklagten

außerhalb von Rheinstadt begangen wurden,

hat das Gericht dennoch dem Antrag der Verteidigung zugestimmt.

Das bedeutet, dass Sie die Strafe

in dem sogenannten Trust-Programm verbüßen können.

Zu oft haben wir gesehen,

dass der Gefängnisaufenthalt bei jungen Erwachsenen

eine negative Wirkung hat.

Ich hoffe sehr, dass Sie diese einmalige Chance nutzen.

Danke.

Und dass wir uns hier nicht mehr wiedersehen.

Die Sitzung ist geschlossen.

Danke.

Trust!

T-T-T-T-T-Trust!

T-T-T-T-T-Trust! Trust! Trust!

Die schafft das, sag ich doch!

Ich hab gesagt, ich hab den besten Anwalt.

Erzähl, wie war's? - Ich bin gestorben.

Diese Richterin ... Sag doch einfach, Knast oder nicht.

Die hat einen Mental Breakdown, Alter!

Mama nur am Heulen!

Ich dachte, die schickt mich nach Bochum.

Sag doch einfach Trust!

Wo ist Nadi? - Super Arbeit! Klasse!

Hallo, Frau Massad. Eva Blum.

Wer ist das, Bruder? - Er konnte leider nicht kommen.

Ist alles okay mit ihm? - Ja.

Sie sind seine Betreuerin, ne? - Genau.

Und jetzt auch Ihre.

Okay, woher wussten Sie, dass ich bei Trust lande?

War das alles hier fake, oder was? - Ich hab's gehofft.

Das kann warten. Lass mal feiern gehen.

Mama, wir sehen uns da. Leute ...

Ich bin noch nicht fertig. Frau Massad! Hey!

Ich bin noch nicht fertig! Frau Massad!

Morgen Mittag in meinem Büro.

Yalla, yalla, yalla.

Wir machen jetzt Party!

* gefühlvolle, sphärische Musik *

* andächtige Musik *

*

* Hammer klopft. *

* Lärm einer Menschenmenge *

* Musik verklingt. *

"Trust beruht auf Vertrauen."

"Dennoch gibt es Grenzen."

"Anton darf die Stadt nicht verlassen

und muss sich einmal pro Woche bei seiner Betreuerin melden."

"Er muss einer geregelten Tätigkeit nachgehen."

"Aber was ist, wenn Anton wieder eine Straftat begeht?"

"Dann geht er schon zurück ins Gefängnis, oder?"

"Nein, nur bei einer schweren, staatsgefährdenden Tat."

"Oder wenn Anton Teil einer kriminellen Vereinigung wird."

"Ja, aber das muss doch Konsequenzen haben."

"Wenn Anton sich nicht an die Auflagen hält

oder wieder straffällig wird, ist die einzige Konsequenz,

dass das Trust-Team noch akribischer daran arbeitet,

die Ursachen für Antons Verhalten zu verstehen, um ihm zu helfen."

Und? Was sagst du? - Finde ich gut.

Leni, willst du Käse oder Wurst aufs Brot?

Nichts. - Nichts?

Alina mag nichts, nur Butter.

Ist mir aber auch neu.

Macht euch mal langsam fertig, ja?

Müsste eigentlich schon längst los sein.

Hast du alles schon gemacht? Auch die Brotdosen?

Äh, ja.

Willst du einen Kaffee?

Kann Papa mich zur Schule bringen?

Bitte.

Bitte, bitte, bitte, bitte.

Deine Schule ist zu weit weg und Papa fährt kein Auto mehr.

Wieso fährt er kein Auto mehr?

Leg das Handy jetzt mal weg.

Papa, wieso fährst du kein Auto mehr?

Na los, kommt jetzt, nehmt eure Brotdosen.

Okay, komm.

Die letzten zwei Jahre war ich bei meiner Oma

in Zandvoort in den Niederlanden, am Meer.

Die letzten zwei Jahre war ich in Marokko auf der Al Qadak,

einer Fußballschule von Wydad Casablanca,

wo ich mein Offensiv- und Verteidigungsspiel verbessern ...

Die letzten zwei Jahre war ich in Frankreich, in Paris 63,

wo ich meine Kenntnisse in Französisch verbessert habe

beziehungsweise perfektioniert habe.

Je suis Nader Massad, je parle français très bien.

Oui.

* ruhige französische Musik *

"Junge, was bist du für ein Ehrenloser,

dass du deine Schwester nicht im Gericht supportest?"

"Aber egal, du hast Glück, weil ich habe dich trotzdem lieb."

"Und komm mal zum Essen."

Fuck.

* Kichern *

Verkaufst du? - Was?

Ob du dieses Wasser verkaufst?

Äh, nee, sorry.

Wieso? Ist nur Wasser. - Weil ich es trinken will.

Ich geb dir auch Geld. Fünf Euro. Zehn Euro.

Zehn Euro für ein Wasser? Bist du reich oder was?

* Er räuspert sich. *

Jetzt nicht reich oder so, aber es läuft so, weißt du?

Okay.

Internationaler Autohandel, weißt du? - Ah ja.

Guk mich an. - Sagen wir, 50 würde ich machen.

Ein Fuffi? - Ja, Fuffi.

Ist doch nichts. - Hast du recht, ist wirklich nichts.

Hier. - Hier.

Danke schön.

Aber eigentlich 25, ist ja nur halbvoll.

Okay, dann gib mal die Kohle, ich muss gleich raus.

Ja klar.

Oh, ich hab mein Portemonnaie vergessen.

Alles klar. - Ich bin kein Lügner.

Du und Lügner? Nein.

Das war die Wahrheit.

Viel Glück, ich muss jetzt hier raus.

Guck mal, ich mach dir ein Angebot.

Ich geb dir meine Nummer, du schreibst mir.

Ich geb dir die 50 Euro.

Ich leg noch was drauf, ich lade dich auf ein Eis ein,

Orangensaft, was du halt gerne isst, trinkst, weißt du?

* sanfte Musik *

Lauf mal vor jetzt.

Ist das dein Ernst, ich soll vorlaufen?

Ja, ja, lauf vor. - Okay.

Ich muss hier halt auch lang.

Also, hören Sie, es ist wirklich dringend.

Wir haben ihn jetzt nur provisorisch untergebracht,

aber das ist ja keine Lösung.

Also, eine Einzimmerwohnung würde schon reichen. Ehrlich.

Ja. Ist ein öffentlicher Fall gewesen.

Okay, ich hab verstanden.

Danke trotzdem für Ihre Zeit.

Wiederhören.

Ach Gott.

"Im Landgericht Köln fand heute der Prozess gegen Klaus B. statt."

"Ihm wird vorgeworfen, den damals 15-jährigen Can G.

im vergangenen Herbst auf dem Leidacher Stadtmarkt

brutal zusammengeschlagen zu haben."

"Der Junge erlag noch am Tatort seinen schweren Kopfverletzungen."

"Die schockierende Gewalttat hat in der Gemeinde tiefe Bestürzung ..."

* Partymusik, laute Bässe *

Pfah ...

Herr Bäumer?

* Musik spielt immer noch. *

Herr Bäumer!

Ich habe Ihnen Handtücher ins Bad gelegt.

Ich hab wirklich nichts dagegen, wenn Sie duschen.

Also dann, Herr Bäumer, schönen Tag noch.

* Musik bricht ab. *

* Schritte *

* Klopfen * Oh!

Finger weg von den Akten! Die gehen Sie nichts an.

Ach so. - Müssen Sie heute nicht zur Arbeit?

Ja, doch, schon.

Herr Bäumer, mir wäre es wirklich lieber,

Sie würden am Balkon rauchen.

Das ist dein internationaler Autohandel?

Arbeitest du auch hier, oder was?

Wai, wai, wai, Herr Massad! Herzlich Willkommen!

Herr Bektaş, vielen Dank für die Chancen.

Gerne.

Guter Look, Azubi.

Ah, Sie haben die Kollegin schon kennengelernt, ja?

Und die kam am ersten Tag ohne so 'nen Fleck. Junger Mann.

Kommen Sie mit. Ich hab hinten noch ein Ersatzhemd.

Danke schön, Herr Bektaş.

Ich wollte eben nur was frühstücken und dann im Bus, die Kurve ...

Ja, ja, ja.

* ruhige Musik, leise Gespräche im Hintergrund *

In Blau eigentlich ganz nice, aber das ist ...

Ja.

Das ist jetzt also ganz wie Sie wollen.

Herr Massad.

So, bitte schön.

Vielen Dank, Herr Bektaş. Danke schön.

Wetten wir, das Auto ist in fünf Minuten verkauft?

Diese Frau ist einfach ein Naturtalent.

Der Wagen kostet 80K, glaub ich.

Guck mal jetzt, jetzt gibt er Gas.

* lautes Motorbrummen *

* Lachen *

Mega.

Unglaublich. - Strengen Sie sich an.

Sie können das auch schaffen, okay?

Vielen Dank, Herr Bektaş. - Und jetzt das Hemd wechseln. Komm.

Herr Bektaş, ich hab noch 'ne Frage.

* nachdenkliche Musik *

Wissen die anderen Mitarbeiter über meine Vergangenheit Bescheid?

Nein. Ihre Betreuerin meint, das ist Ihre Entscheidung.

Ich wär Ihnen dankbar, Herr Bektaş,

wenn Sie das erst mal für sich behalten könnten mit Trust und ...

.. dass ich schon im Gefängnis war, wissen Sie?

Komm mit.

Der Mann ist jetzt bei dir zu Hause? - Ja.

Auf der Couch oder was? - Nein, im Gästezimmer.

Wow!

Ja, was soll ich denn machen?

In der Stadt ist alles so verdammt teuer.

Und seit der Talkshow kannst du's wirklich vergessen.

Da gehen die Emotionen hoch.

Wenn wir ihn nicht unterbringen können,

muss er nach Bochum verlegt werden.

Gerade weil das so öffentlich war.

Was meinst du, was der Schmitt da wieder für einen Artikel hinzimmert,

wenn er draus kommt?

Dieser Mann ist ein rechtsextremer Schwerverbrecher.

Mit schlechterem Anwalt hätte er lebenslang gekriegt.

Ist ein schlimmer Mensch, find ich auch.

Was sollen wir denn machen? Wir müssen trotzdem mit ihm umgehen.

Ja, aber ich geb für den auf keinen Fall mehr Geld aus.

Doch, genau von solchen Fällen hängt der Erfolg des Programms ab.

Je schlimmer der Kerl, desto mehr Geld müssen wir reinstecken.

Die Güls.

Amir, schau mal.

Mhm.

Gut, doch noch gekommen. - Wir brauchen die Sabine.

Komm.

Diese Täter-Opfer-Mediation ...

Was genau bedeutet das?

Wir würden ein Setting schaffen, was für Sie passt.

Und ...

Wir wissen ganz genau, was das bedeutet.

Die wollen von uns,

dass wir uns mit dem Mann, der meinen Sohn ermordet hat,

in einen Stuhlkreis setzen und Händchen halten.

Vergessen Sie den Stuhlkreis.

Ich kann verstehen, dass Sie tausend Einwände haben,

was die Arbeit angeht.

Ich hatte sie auch.

Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das alles funktionieren soll.

Bis ich dann zum ersten Mal so eine Mediation erlebt hab

und gesehen hab, was da möglich ist

zwischen Menschen, die so eine Historie miteinander haben.

Und eine Mediation würde die Möglichkeit geben,

auch mal abzulassen.

Dem Druck ein Ventil zu geben.

Ablassen ...

Sie müssen jetzt gar nichts entscheiden.

Sie gehen nach Hause, Sie besprechen sich in Ruhe, Sie lassen das sacken.

Vielleicht ...

.. ist das gut.

Ich kann's mir nicht vorstellen.

Wir haben doch schon alles ausprobiert, Nesrin?

* Sie sprechen Türkisch. *

Ja? - Mhm.

Gut. - Okay.

Danke, dass Sie hier waren.

Also ehrlich, ich weiß nicht, ob es wirklich eine gute Idee wäre,

die Güls mit Bäumer direkt zusammenzubringen.

Oder ob ich in der Mediation

nicht lieber mit einem Stellvertreter arbeiten würde.

Lass mich mit ihm sprechen. Ich hab ein Draht zu ihm.

* Räuspern *

Was?

Bäumer wohnt bei mir. - Bitte was?

Entschuldige mal, du machst dich und uns damit total angreifbar.

Probleme bei der Wohnungssuche. Ist nur vorübergehend.

Oh, ich glaub das nicht, Leute.

Ich kümmere mich um Bäumer, versprochen.

"Ich kümmere mich ..." - Der ist offener, als man denkt.

* angespannte Musik *

* angespannte Musik *

* angespannte Musik *

So, Frau Massad.

So, Frau Blum.

Eine eigene Wohnung haben Sie abgelehnt. Darf ich fragen, warum?

Mein Vater ist tot.

Mein Bruder darf nicht nach Hause.

Und ich lasse meine Mutter ganz bestimmt nicht allein.

Will ich Ihnen auch gar nicht ausreden.

Willst du aber eigentlich schon, ne? - Wir bleiben beim Sie, okay?

Und Sie können sich gerne setzen.

Okay, Frau Blümchen.

* Räuspern *

Sie haben Bürgergeld bezogen, richtig?

Ja, aber ich habe jetzt Arbeit.

Ah. - Kosmetik.

Okay.

Teilzeit, Vollzeit, geht alles.

Unbefristet, mit Stempel, Rente, machen Sie sich mal keine Sorgen.

Sie haben zugestimmt, zehn Prozent Ihres Gehalts zu spenden,

als Teilwiedergutmachung Ihrer Straftat.

Frau Blum, ich habe eine Frage.

Was passiert denn, wenn ich den hier zum Beispiel mitnehme?

Was passiert denn dann?

Den hat mir mein Mann geschenkt, mit 16,

als wir uns kennengelernt haben.

Wenn Sie den mitnehmen, bin ich in erster Linie traurig.

Und wenn ich den einfach mal auf den Strich schicke?

So 50 Kunden am Tag?

Was passiert dann?

Ich glaube nicht, dass Sie das tun würden.

Rein theoretisch. - Dann kämen Sie wieder vor Gericht.

Aber nicht in den Knast.

(Kinderstimme:) Oh, Blum, hilf mir.

Für mich ist es nur wichtig, zu wissen,

ob Sie straffrei leben wollen.

Wissen Sie was?

Passen Sie doch mal eine Zeitlang auf Zebri auf.

* Sie singt unverständlich. *

Und?

Verarscht mich von vorne bis hinten.

Hast du das gespiegelt?

So komme ich bei der nie weiter.

Bei dir?

Mit Föhl?

Lässt du ihn raus?

Bei so einem Fall hätte ich auch Bauchschmerzen.

Aber du weißt ja:

"Vertrauen ist gut, wer kontrollieren will, ist selbst das Problem."

Mhm.

"Trust möchte die Rückfallquote von verurteilten Straftätern

von circa 50 Prozent auf unter 20 Prozent senken."

"Seit knapp einer Woche läuft das Programm."

"Wir wollten wissen, wie sich Menschen in Rheinstadt fühlen jetzt,

jetzt, da Straftäter mitten unter ihnen sind."

"Ob Menschen jetzt eine zweite Chance verdienen,

das hängt auch von der Straftat ab."

"Ein Kleinkrimineller, würde ich sagen, ja,

aber ein Mörder, der gehört lebenslang hinter Gitter."

* nachdenkliche Musik *

Hey.

Willkommen zurück.

Hey, Mark. - Alles gut?

Alles gut, bei dir auch?

Schön, dass du wieder da bist.

Frank, hey.

*

Dann sagt sie einfach "Trust".

Was? - Es ist vor-bye-bye, es ist vorbei.

Ja, ich bin ausgerastet einfach.

So, zur Feier des Tages hat dein Schwesterherz

eine Brausetüte "Alte Zeit" dabei.

Endlich wieder. - Digga, hier, bitte schön.

Einmal für dich, einmal für mich.

Seit wann bist du so am Geiern? - Schhh.

Bruder ...

.. auf dich.

Auf dich. - Auf mich.

Auf Trust. - Auf Trust.

Auf Freiheit. - Auf Freiheit.

Nie wieder einen Tag rein. - Nie wieder einen Tag rein.

Mmh, Erdbeergeschmack ist das Beste.

Aber mach was draus.

Ei, ei, ei, ei, natürlich mach ich was draus.

Guck mal, frische Luft, ich atme, ich bin frei.

Das Programm ist die einzige Möglichkeit.

Versprochen.

Yalla, ich muss los.

Oh, guck mal.

Was macht der hier?

Dies, das, Ananas. Wie, was macht der hier?

Was geht? - Was geht bei dir?

Alles klar, Schwester?

Lange nicht gesehen, Alter.

Und, wie ist es, wieder draußen zu sein?

Schmeckt, ja.

Ich hab gehört, du arbeitest jetzt im Autohaus.

Digga, scheiß doch mal da drauf.

Komm im Salon vorbei, es läuft richtig krass.

Weißt du, was ich meine? Hm?

Bruder, ich nehm meine Arbeit ernst, weißt du?

Ich wohne jetzt am anderen Ende der Stadt.

Ich halte meinen Fokus bei mir.

Alles klar.

Yalla, Brian. - Warte kurz.

Nadi, du weißt, die Tür ist immer offen für dich.

Ich weiß, ich weiß.

Waren doch schöne Zeiten vorher, oder?

Das waren miese Zeiten.

Komm, Schwester.

Wenn was ist, ruf mich an. - Natürlich.

* Hip-Hop-Musik *

* Stille *

* entspannte Musik *

* Schloss wird entriegelt. *

* Räuspern *

Kinder schon im Bett?

Schlafen.

Wie war's bei der Arbeit? - Normal.

Normal?

Ja, gab ein paar Sprüche, aber sonst irgendwie alles wie früher.

Lass mich mal. Komm, ich mach schon.

Machen mal 'ne Pause? Ich mach schon. Ich mach schon, komm.

Willst du nicht erst mal duschen?

Stink ich oder was?

Wie war's bei dir?

Geht so.

Schwierige Neue.

Schwierig?

Kein Trust?

Kein Trust.

* Handy vibriert. *

Ja?

Ach, shit.

Okay, ja.

Ich komme.

Was ist denn?

Einer meiner Leute hat Zahnschmerzen.

Zahnschmerzen?

Wenn ich den jetzt nicht zum Arzt bring, dann dröhnt er sich weg.

Der ist auf Entzug.

Früher hättest du das nicht gemacht. - Was?

Dich so für andere eingesetzt.

Früher haben wir Party gemacht.

Jetzt arbeite ich halt.

Ich komm klar.

Ich kann auch meine Mutter anrufen.

Ich kann auf meine Kinder selber aufpassen, danke.

Wirklich.

Meld dich, wenn was ist.

Mhm.

* Tür wird geschlossen. *

* nachdenkliche Musik *

* Lachen *

* Sie sprechen Türkisch. *

"Kann ich trinken?"

"Ja, natürlich kannst du trinken."

* bedrückte Musik *

"Äh ..."

"Tagesablauf."

"Can Gül."

"Ich hab mich krankgemeldet."

"Krankgemeldet."

Hühnchen oder Tofu?

Ja.

Meine Mutter hat auch geschrieben.

Hat gefragt, wann wir wiederkommen.

Sie will am Samstag mit uns zusammen auf den Kindergeburtstag gehen.

Ist doch schön.

* Er spricht Türkisch. *

* Schniefen *

Ja.

Können wir machen.

* Seufzen *

Nesrin ...

Egal, was ist ...

.. wir sind stolz auf dich.

Wir schaffen das morgen.

(haucht:) Ja.

* Er spricht Türkisch. *

Du ist die Beste.

* Er spricht Türkisch. *

Wir sind Familie. Und wir schaffen das.

* Er spricht Türkisch. *

* Er spricht Türkisch. *

* angespannte Musik *

Du, Schatz, ich hab's einfach nicht geschafft am Wochenende.

Bitte seid nicht sauer.

"Ja, ist nicht so schlimm."

Nächster freier Tag und ich sitze im Flieger, ich versprech's dir.

"Und wie wär's, wenn ich einfach zu dir komme?"

Du, im Moment geht's leider wirklich nicht.

In ein paar Wochen, wenn sich alles beruhigt hat, komme ich.

"Und in ein paar Wochen wird's besser sein?"

Ich hab Heimweh, okay.

"Na gut, aber wenn du kommst, lässt du den Laptop in Rheinstadt."

Ja, ganz sicher.

"Versprochen?" - Hoch und heilig.

Du fehlst mir schon so. - "Glaube ich dir."

Aber ich komme wirklich bald. Und dann holen wir alles nach.

Uns fallen schon ein paar Schweinereien ein.

"Sicher."

* Er räuspert sich. *

Ach ...

Bussi, Baba, ich ruf dich später zurück.

Sie können einen vielleicht erschrecken.

Marion.

War das Ihre Schwester?

Ehefrau.

Was?

Ehefrau.

Die da? - Mhm.

Herr Bäumer, mir wär's lieber, wir würden über Sie sprechen,

und nicht über mich.

Über mich? Wieso?

Familie Gül will sich jetzt doch mit Ihnen treffen.

Nee, bringt doch nix.

Ich war verurteilt, war im Knast.

Dass die Familie schrecklich darunter leidet,

dass ihr Sohn gestorben ist, ist Ihnen aber schon klar.

Sie haben sich zu einer Täter-Opfer-Mediation verpflichtet.

Das wissen Sie aber schon noch.

Dass die mich wieder als Mörder beschimpfen können?

Ähm, Herr Bäumer ...

Es ist eine Wohnung frei geworden.

Also, eigentlich viel zu teuer, aber ...

.. ich könnte schon mit dem Bürgermeister sprechen.

Bestechung?

Hafterleichterung?

Okay.

Sie kommen? - Ich komme.

Mahlzeit.

F****.

* dynamische Hip-Hop-Musik *

(Navi:) "In 300 Metern haben Sie ihr Ziel erreicht."

"Ihr Ziel befindet sich auf der rechten Seite."

* nachdenkliche Musik *

*

*

* Signalton *

* Kichern *

Mark?

*

* beklemmende Musik *

* ruhige Musik *

* sanfte Musik *

* Tür wird geöffnet. *

Wo warst du?

Spazieren. - Spazieren?

Ja.

Sag mal, hast du sie noch alle? - Wieso?

Du kannst doch die Kinder nachts nicht alleine lassen.

Ich war nur 'ne Runde um den Block, die pennen doch.

Was ist denn?

Seit wann spazierst du überhaupt?

Seitdem ich wieder spazieren kann.

Nachts? - Ja, nachts.

Hast du gesoffen? - Was?

Hast du gesoffen?

Nee, ist jetzt nicht dein Ernst.

Ey. - Mark, lass mich riechen.

* Sie schnuppert. *

Und?

Ist nichts?

Ich hab nicht gesoffen.

Ich konnte nicht pennen.

Ich war wirklich nur um den Block, ich hab 'ne Kippe geraucht, zwei.

Das war's.

Okay?

* friedliche Musik *

Na, ihr zwei Hübschen, ihr seid ja schon früh unterwegs.

Ja, guten Morgen.

Hallo.

* entspannte Musik *

Guten Morgen. Na, was wird's?

Du hast den Termin vergessen.

* unhörbar * Sicher?

Gut.

Also, nächste Woche pünktlich, ja?

Morgen.

Und dann drehen.

So.

So.

Hähä, das kann nur ich.

Gewisse Dämonen werden halt nur getriggert

durch verschiedene Substanzen.

Aber nicht, dass die Substanz der Grund ist.

Am meisten bereue ich meine Gewalttaten Menschen gegenüber,

die sich eigentlich gar nicht wehren konnten.

* Jubel *

Ich bin unendlich dankbar dafür,

dass ich wieder meine Tochter sehen kann,

wenn ich morgens aufstehe.

Das ist ...

.. ein unglaubliches Gefühl.

* Anfeuerungsrufe *

Eigentor! Eigentor! Eigentor! Eigentor!

* flacher Atem *

(ihr Mann:) Bist du fertig, Nesrin?

* starre Musik *

* Sie japst. *

Es tut mir sehr leid, dass Sie jetzt hier so lange warten müssen.

Aber er hat uns versichert, dass er kommt.

(Mailbox:) "Zurzeit ist niemand erreichbar."

"Bitte versuchen Sie es später noch einmal."

Sein Handy ist aus.

Es tut mir leid.

Er hat uns wirklich versprochen, dass er kommt.

Es hört einfach nicht auf.

Lass uns noch zehn Minuten warten, vielleicht kommt er.

Nein, wir warten nicht zehn Minuten.

Wir machen ... - Immer geht es nur um ihn.

Lass uns noch zehn bis 15 Minuten warten.

Frau Gül, lassen Sie mich noch mal mit ihm sprechen.

Das glauben Sie ja wohl selbst nicht,

dass ich noch mal hierher komme, oder?

* Sie sprechen Türkisch. *

Lass uns nach Hause fahren. - Ich will nicht nach Hause.

Was?

Komm, gehen wir nach Hause. - Ich muss bleiben.

Wozu?

Was willst du noch hier?

Ich gehe ...

Ich gehe hier erst weg, wenn der wieder im Knast ist.

Nesrin ...

Wir haben noch ein Kind zu Hause, das dich braucht.

Du hast doch gerade gesagt, dass es nicht nur um ihn gehen soll.

Nesrin, lass uns nach Hause fahren.

Und dann ... - Und dann was?

Was, Tayfun?

* Er spricht Türkisch. *

Ich bleibe hier.

* nachdenkliche Musik *

* Schniefen *

* laute Musik *

Herr Bäumer!

Hören Sie auf mit diesen blöden Spielchen!

Ich komme jetzt hoch.

* Musik bricht ab. *

Ich komme.

Haben Sie den Termin vergessen?

Hatten wir einen Termin? - Ja, hatten wir.

Warum waren Sie nicht da?

Ich hab mir's anders überlegt.

Das nächste Mal geben Sie Bescheid.

Die Güls fanden das nicht so lustig.

Ja ...

Muss ich jetzt halt bei Ihnen bleiben?

Ganz sicher nicht. Sie können sofort packen gehen.

Haben Sie Angst vor mir? - So weit kommt's noch.

Hm ...

Ich mein's ernst!

Rauf, packen!

In den Knast?

Als Bestrafung?

Jetzt!

* angespannte Musik *

* nachdenkliche Musik *

* fernes Hupen *

Ich bin rein.

Mit meiner Sturmmaske.

Mit meiner Sechser.

Dann hab ich mein Magazin geladen und die Waffe entsichert.

Und hab auf ihn gezielt.

Ich hab gesagt: "Mach die Kasse auf, hol die Scheine raus!"

Ich hatte sehr viele Schulden.

Ich musste viel zumachen,

auf der Straße waren bestimmt 15.000 offen.

Aber zu keinem Zeitpunkt war ...

.. in meinem Kopf drin,

dass ich diesen Mann verletzen möchte.

Es sollte eine schnelle Aktion, rein, raus, sein und ...

Warum ist es trotzdem zu der Gewalt gekommen?

Beschreiben Sie einmal die Situation so, wie Sie sie empfunden haben.

Ich hab ihm gesagt: "Gib mir dein Portemonnaie!"

Und ... dann hat er angefangen, mich zu beleidigen.

Das ist doch ...

Möchten Sie etwas sagen?

Ich hab ihn daran erinnert,

dass er mit seiner Tat seine Eltern beleidigt.

Ich hab ihn nicht beleidigt.

Sie haben recht, ich korrigiere meine Aussage.

Er hat gesagt, was wohl mein Vater dazu sagen würde,

wenn er mich da sehen würde.

Also, ich hab alles, was Sie mir da gesagt haben ...

.. für mein Leben mitgenommen.

Weil Sie mich ... daran erinnerte haben,

.. was mein Vater gesagt hätte, wenn ich so was machen würde.

Und das geht nicht mehr weg.

Deswegen entschuldige ich mich für das, was ich Ihnen angetan habe.

Der Abschluss, der hilft uns, zu heilen, und darum sind wir hier.

Und bevor Sie antworten, möchte ich Sie aber daran erinnern,

dass man einer anderen Person keinen Abschluss geben kann,

nur sich selbst.

Ja?

Wenn ich dir vergebe, dann mache ich es nicht für dich,

sondern ich mache es für mich selbst.

Und ich will einen Abschluss finden.

Deswegen vergebe ich dir.

Herzlich Willkommen in Rheinstadt, hallo.

Mr Mayor, thanks for having me.

David O'Reilly, Washington Mirror.

Good to meet you.

Recording, here we go.

I'll try and ask my questions in German,

but please bear with me, mein Deutsch ist nicht so gut.

Ihr Deutsch klingt ausgezeichnet. - I appreciate it. Thank you.

Herr Bürgermeister, Sie legen große Wert

auf die Anonymität der Programmteilnehmer.

Ja.

Die Öffentlichkeit weiß wenig über die 300 Straftäter,

die jetzt in Ihrer Stadt rumlaufen.

Wen haben Sie alles freigelassen?

Wir haben Menschen freigelassen.

Böse Menschen? - Nein.

* angespannte Musik *

Menschen, die Fehler gemacht haben.

In manchen Fällen sehr schlimme Fehler.

(O'Reilly:) Gibt es böse Menschen überhaupt?

Nein, das glaube ich nicht.

In den allermeisten Fällen sorgen die Umstände dafür,

dass du als kriminell giltst, nicht die Natur.

Herr Bürgermeister, haben Sie Sexualstraftäter freigelassen?

Ich äußere mich nicht zu Einzelfällen,

aber ich kann Ihnen versichern,

dass wir alle Fälle ausführlich geprüft haben.

Gerade die besonders komplizierten.

Das sagen Sie als Bürgermeister,

aber ich weiß, dass Sie eine sechsjährige Tochter haben.

Was sagen Sie als Vater?

Gerade als Vater will ich doch

für eine freie, offene und auch sichere Gesellschaft

für meine Tochter kämpfen.

Und das heißt auch, mit Dingen umzugehen,

die wir unangenehm finden.

Willkommen bei Trust.

Danke, dass Sie mir ermöglicht haben, was mir zusteht.

Und wo ist das Auto?

Brauchen wir nicht.

Wir sind schon da.

Was, hier?

Was für ein Zufall.

Schöne Wohnung.

Ja, mit Kontrollblick.

Ja.

Wissen Sie, alle Medien fragen mich:

Was passiert, wenn jemand wieder eine Straftat begeht?

Was ist, wenn das Programm scheitert?

Aber Sie sollten sich fragen: Was ist, wenn wir Erfolg haben?

Was ist, wenn wir es schaffen,

ein jahrhundertaltes System,

das sich fast nur auf Vergeltung konzentriert hat,

zu etwas Neuem zu führen?

Etwas, was Menschen wirklich hilft.

Ich liebe diese Stadt.

Und ich glaube an die Bürger von Rheinstadt.

Und ich weiß, wir haben das Zeug, allen anderen da draußen zu zeigen,

wie ein neuer, ein besserer Weg aussehen kann.

* Alarmanlage *

Weg mit euch! Verpisst euch! Das ist mein Laden!

Verpiss dich! - Verpiss dich!

Geh auf die Knie, hab ich dir gesagt!

Leg das Handy weg! Leg das Handy weg!

Okay, hör mir gut zu. Wir wissen, wo du wohnst, okay?

Wir wissen, wo dein verfickter Laden ist. Okay?

Mach keine Faxen! Hast du verstanden?

Komm schon!

Komm, komm, komm!

* andächtige Musik *

*

* unruhige Musik *

*

*

* Musik klingt langsam aus. *

* vorsichtige Musik *

*

* Musik verklingt. *

Untertitel: audiofilm

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