All language subtitles for The Barschel Case 2

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Original subtitles

Dieser Film ist kein Dokumentarfilm, sondern ein Spielfilm.

Die Antworten dieses Spielfilms basieren auf plausiblen Thesen und Indizien, nicht auf Beweisen.

Was bisher geschah.

Uwe Barschel.

Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind.

David Burger.

So massiv hat in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie eine Regierung ihre Macht und es braucht.

Es ist wie Watergate und wir, wir, wir ziehen den Schwanz ein.

Seine Frau Simone.

Ich finde dich toll, so wie du bist.

Barschel ist tot.

Er war depressiv, jahrelang tablettenabhängig, politisch total gescheitert.

Das war ein klassischer Bilanzselbstmord.

Der Selbstmord-These ist für alle am bequemsten.

Burger zu seinem Chef Walter.

Manchmal braucht es Fantasie, um die Wahrheit zu sehen.

Ach so, Polizid! Sie haben uns bundesweit lammiert!

Giselle Neumeyer dreht sich zu Burger um.

Schauen Sie mir nach.

Die beiden küssen sich leidenschaftlich.

Einmal mit Hut zu Burger.

Familie Barschel schickt mich. Ihre Papiere bitte.

Über Barschel.

Man fand punktförmige Blutungen in der Kehlkopfschleimhaut.

Bernd Schöne soll in die Ermordung von Uwe Barschel verwickelt sein.

Schöne erhält den Auftrag, Barschel zu ködern.

Du musst vorsichtig sein.

Giselle Neumeyer sitzt vor David Burger.

Der Fall Barschel. Teil 2.

Mit den Hauptdarstellern Alexander Fehling als David Burger,

Fabian Hinrichs als Olaf Nissen und Matthias Matschke als Uwe Barschel.

Bildgestaltung Benedikt Neuenfels.

Regie Kilian Riethoff.

Auf einem Restaurantschiff in Hamburg sitzen David Burger und die etwa 25 Jahre alte Blonde Anja ihrem Chef Walter gegenüber.

Olaf sperrt sich.

Er will keinen einzigen Kollegen abstellen.

Und zu vielen die Mitarbeiter.

Stattdessen bringt er eine Home-Story über Rudolf Scharping oder dieses seitenlange Stück über...

Hochwasser an Rhein und Mosel.

Im Politikressort.

Verkauft sich gut.

Burger trinkt etwas und verschluckt sich.

Walter mustert ihn.

Was haben Sie denn da vor im Osten?

Barschel war oft tagelang weg.

Einfach von der Bildfläche verschwunden.

Und niemand wusste, wo er steckte.

Weder seine Frau, noch die Staatsanleih.

Er war in den 80ern insgesamt 19 Mal in der DDR.

Beim Klassenfeind?

Barschel, der Kommunistenfresser.

Bisschen Stasi-Akten zu ihm aufgetaucht.

An die Miss Mira.

Sieht so aus, als ob Barschel ein Doppelleben führte.

Walter mustert die beiden.

Olaf ist unser Vorleiter, der bestimmt die Linie.

Wir reden hier möglicherweise von einem Staatskomplott.

Nur passt das nicht in unser bundesdeutsches Selbstbild?

Das ist Paranoia.

Er grinst Anja an.

Die haben angefangen, mich zu absolvieren.

Walter mustert ihn erstaunt.

Gaukbehörde Berlin.

Burger und Anja blättern durch Unterlagen.

Auf einer Seite steht operative Personenkontrolle.

Ein Eintrag, 25. April 1984.

Überwachung Meissner Weinkeller.

Kaviar haben wir nicht.

Aber Seahsenbogen könnte ich Ihnen anbieten.

Ist das diese schwarze Karnickel-Scheiße?

Nie, danke.

Uwe Barschel schickt einen Kellner weg.

Eine Überwachungskamera unter der Decke dreht sich.

Barschel steht an der Bar und winkt jemanden herbei.

Ein Mann im Anzug und mit Bart kommt zu ihm.

Eine Frau lacht Barschel an.

Burgers Zeigefinger gleitet über ein Schriftstück.

Weiblicher, inoffizieller Mitarbeiter.

Er schüttelt eine weiße Kapsel aus einem Plastiktütchen in die Hand und schluckt sie.

Anja beobachtet ihn.

Während des Weges durch den Chorpark blieben die beiden besonders öfter und stehen, umarmten sich und tauschten Zärtlichkeiten aus.

Was denkst du über ihn?

Barschel umarmt die Frau.

Ist widerlich.

Was?

Er hatte Frauen und Kinder zu Hause.

Burger beugt sich vor.

Er fühlt sich auf wie Graf Koks und weiß doch, dass er überwacht wird.

War der wirklich so naiv oder war's ihm egal?

Er schaut ihr in die Augen.

Weil?

Blick auf eine flatternde Fahne mit der Aufschrift Hotel Neptun.

Der Chauffeur wartet, als Barschel in Begleitung zweier Herren heraustritt.

Das hat mir wunderbar gefallen.

Barschel steigt in seine Limousine, die beiden Herren in einen davor parkenden Wartburg.

So, Barschel, fangen Sie mal hinterher.

Der helle Wartburg fährt los, die dunkle Limousine folgt.

Der altgewordene Chauffeur sitzt auf dem Beifahrersitz eines Autos und blickt aus dem Fenster.

Burger sitzt hinter dem Steuer.

Kannten Sie die Männer?

Der Chauffeur schaut ihn an.

Nein.

Wir fuhren zu einer Baracke.

Wartburg und Limousine halten neben einer Baracke auf dem Land.

Barschel blieb ungefähr 20 Minuten.

Mehrere Herren gehen hinein.

Und was er da drin gemacht hat, hat er Ihnen nicht zufällig erzählt?

Ich war sein Fahrer.

Burger hält vor einer schlammigen Abzweigung, die von Feldern umgeben ist.

Er blickt zu dem Chauffeur.

Na, und jetzt?

Der Chauffeur hebt eine Hand.

Das ist hilfreicher Herr.

Burger lässt den Kopf hängen und greift nach einer Straßenkarte, die auf dem Armaturenbrett liegt.

Seine rechte Hand mit dem Ehering gleitet über ein Gebiet, das südöstlich von Rostock liegt.

Er tippt auf eine Stelle unterhalb von Kabelstorf und blickt nachdenklich auf.

Die helle Limousine mit Hamburger Kennzeichen wendet.

Blick auf Häuser mit roten Dächern, dann das Ortsschild von Kabelstorf.

Eine graue mehrstöckige Mietskaserne gleitet vorbei, dann eine hohe Mauer mit Stacheldraht.

Die helle Limousine hält vor einer Baracke.

Burger und der Chauffeur steigen aus.

Und?

Der Chauffeur nickt.

Könnte sein.

Was ist das?

Das war mal was.

Ein grobkörniges Bild zeigt das dunkle Innere der Halle.

Lampen werden eingeschaltet.

Blick auf unzählige gestapelte Holzkisten mit Metallbeschlägen.

Barschel schaut sich um.

Ein geheimes Waffenlager?

Ja, haben die Einwohner von Kabelstorf kurz nach der Wende enttarnt.

Das Gelände gehörte der IMS Import Export.

Die Waffenfirma von Schalko Lodkowski?

Ja.

Barschel hat Geschäfte mit denen gemacht.

Waffengeschäfte.

Ja, aber der Prusch, der war sich doch überhaupt nicht sicher.

Aber da ist sonst nichts in der Gegend.

Die waren da, hundertpräsentig.

Die beiden gehen durch die Gaukbehörde Berlin.

Du meinst, deswegen konnte er hier so die Puppen tanzen lassen?

Ja, da war der Hecht im Karpfenteich.

Barschel lächelt.

Panzerfors, 3,1, Karnat, dann von der Trenn.

Ist ja Wahnsinn.

Und dein Knöller?

Die haben sein Autotelefon abgehört.

Wochenlang.

1987.

Barschel telefoniert mit einem Parteifreund.

Nein, das ist eine Unverschämtheit.

Barschel lockert seinen Krawattenknoten.

Wenn die Bonner mich fallen lassen, dann lernen die mich kennen.

In einem Zimmer mit großem Porträt von Honecker tippt eine Sekretärin.

Wenn die Bonner mich fallen lassen, dann lernen die mich kennen.

Ein Auto rast über eine dunkle Autobahn.

Ängstlich schaut Anja vom Beifahrersitz auf den Tachometer, der die 140 kmh überschreitet.

Mann, der wusste das.

Der wusste, dass sie ihn abhören und sagt trotzdem so einen Satz, verstehst du?

Sie beobachtet den Tacho.

Wenn die Bonner mich fallen lassen, lernen die mich kennen.

Er blickt in den Innenspiegel.

Mann, der war nicht unvorsichtig, der.

Der hat den gedroht.

Wem gedroht?

Burga gibt Gas und Anja drückt sich ängstlich in den Sitz.

Wieder blickt er in den Innenspiegel.

Wir sind seit Berlin hinter uns.

Wer denn?

Wie?

Er deutet nach hinten.

Burga überholt ein Auto rechts und schert kurz vor einem LKW wieder ein.

Sie packt ihn am Revers.

Halt das!

Jetzt halt das!

Die Reifen überqueren die weiße durchgezogene Linie und sie halten auf dem Seitenstreifen.

Anja reißt die Tür auf und übergibt sich.

Sie setzt sich aufrecht hin und wischt sich mit einem Taschentuch den Mund ab.

Schwer atmend schaut sie Burga von der Seite an.

Oh, du hast recht, du bist echt komplett shit so.

Burga presst die Lippen zusammen und starrt hinaus.

Bunte Lichter leuchten in den dunklen Nachthimmel Hamburgs.

In einer Bar tritt Olaf Nissen durch einen Perlenvorhang auf eine Bühne und greift nach einem Mikrofon.

Auf einem kleinen Monitor steht der Text eines Liedes.

Hinter ihm hängt eine große 40.

Die Redaktionskollegen sind im Zuschauerraum.

Time!

It means time!

You will make your love!

Ein Mann reicht Anja ein Bierglas.

Sie trinkt einen Schluck und blickt zur Theke.

Dort spricht David mit Walter.

Er zuckt mit den Achseln und schaut zur Bühne.

Anja blickt weg.

Mein Barschel war als Notar seit den frühen 80ern in Waffengeschäfte verwickelt.

Das munkelt man, da gibt es keine Beweise.

Aber es gibt die U-Boot-Affäre.

Burga skizziert etwas.

Die Kieler HDW sitzt direkt vor Barschels Haustür.

Die dealen U-Boot-Pläne mit Südafrika.

Trotz des UN-Embargos mit stillschweigendem Einverständnis von Kohl.

Ein Stempel wird in einen Diplomatenpass gedrückt.

Auch Barschel als Ministerpräsident weiß davon.

Ja, das hat er aber immer bestritten.

Er hat vieles bestritten.

Ja, gut.

Ich meine, was hat das mit der DDR zu tun?

1986 wird der verbotene Deal publik.

Die Bundesregierung zieht sofort den Stecker.

Bundeskanzler Helmut Kohl steht auf einer Bühne.

Aber die HDW steht dumm da.

Denn der Deal mit Südafrika ist noch längst nicht über die Bühne.

Was tun?

Er malt einen Pfeil.

Sie schalten unsere Brüder im Osten ein.

Eine Militärparade der DDR marschiert an Honecker vorbei.

Die DDR als Drittland.

Alles, was die HDW nicht auf direktem Weg nach Südafrika liefern darf,

wird schön über den Hafen Rostock abgewickelt.

Und als Belohnung bekommt die DDR dieses Luxusschiff, die MS-Hakona.

Das Traumschiff.

Ja, zu einem Vorzugspreis von den Südafrikanern.

Und wer begleicht die Differenz?

Unsere Freunde von der HDW.

Walter betrachtet Burgers Skizze.

Die haben den Deal im Dreieck abgewickelt und Barschel hat die Sache vermittelt.

Deswegen war das ja oft da drüben.

Das ist ja eine Theorie.

Wenn die Bonner mich fallen lassen lernen, die mich kennen.

Wer hat den gedroht?

Wem hat der gedroht?

Der Bundesregierung.

Ja, er droht ihn damit auszupacken und wird somit zum nationalen Risiko.

Auf der Bühne spielt Olaf Nissen Luftgitarre und schüttelt seinen braunen Haarschopf.

Was wollen Sie mir da sagen?

Barschel ist mit Wissen der Bundesregierung ermordet worden?

Burger schaut ihm in die Augen, dann blickt er zur Bühne.

Ich liebe euch, ich ziehe euch aus.

Ich ziehe euch endlich aus!

Wenn er sich sein Geburtstag wäre, dann würde ich ihn dafür feuern.

Geil, heiß, geil!

Er legt eine Hand auf Anjas Hüfte.

Olaf.

Das ist so schön.

Walter und David beobachten Olaf.

Wo ist denn seine Frau?

Walter hebt beide Hände und lässt sie wieder fallen.

Der Job einer guten Zeitung ist es, den Staat auf die Hörner zu nehmen und ihn durch die Arena zu schreifen.

Sie wissen, wer das gesagt hat.

Er schmunzelt.

War Walter Braunegg vor 30 Jahren.

Burger grinst Braunegg an.

Ja, da hat er recht.

Habe ich mir gedacht, dass Sie das so sehen.

Die beiden lachen sich zu.

Wenn wir uns mit dem BND anlegen, da brauchen wir gute Verbündete.

Burger nickt.

Oberstaatsanwalt Wiber.

Walter Braunegg klopft Burger auf den Arm, steht auf und steckt etwas ein.

Er geht hinaus.

Leise lächelnd schaut Burger die Theke entlang.

Dort sitzt Olaf Nissen und schaut ihm in die Augen.

Dann zwinkert er ihm zu.

Burger zwinkert zurück.

Nissen lässt den Kopf hängen und Burger dreht sich zur Bar um.

Im Spiegel hinter der Bar entdeckt er eine dunkelhaarige Frau, die in der Tür steht.

Er wendet sich um.

Giselle Neumeyer lächelt ihm zu.

Die beiden gehen durch einen dunklen, nur von Laternen erhellten, menschenleeren Park.

Burger trägt eine Tasche über der Schulter.

Wie hast du mich gefunden?

Die Dame bei euch aus dem Verlag war so nett, mir zu sagen, wo du bist.

Wenn du dich schon nicht meldest.

Sie lächelt ihm kurz zu.

Naja.

Und ich habe zufällig einen Job in der Stadt.

Zufällig.

Sie blickt ihn überrascht an und hakt sich bei ihm unter.

Ja.

Ich habe dich gesehen.

Mit ihm.

Mit wem?

Mit deinem Kollegen am Bahnhof in Montaunt-Herr.

Sie stutzt und schüttelt den Kopf.

Ja, komisch, ne?

Er meldet sich jahrelang nicht und dann steht er plötzlich vor mir.

Der Typ ist kein Journalist.

Der ist beim BND.

Er stellt sich ihr in den Weg und schaut ihr in die Augen.

Arbeitest du für die?

Sie senkt langsam den Blick und schaut zu Boden.

Dann blickt sie ihm wieder in die Augen.

Du sollst mich abschöpfen.

Mit ihrer Tasche rennt sie los.

Und dass wir uns in Genf wieder getroffen haben,

das war wahrscheinlich auch Zufall.

Mit der Tasche unter dem Arm läuft sie über einen Parkweg davon.

Ihr Mantel und ihre Haare wehen.

Er schaut sich um.

Giselle!

Sie ist außer Sichtweite.

Er rennt los den Parkweg entlang.

In einer Unterführung bleibt er stehen und schaut sich um.

Georg wusste, dass wir eine Affäre haben.

Er dreht sich um.

Giselle tritt aus einem Schatten hervor.

Die sind nervös, weil ihr zu viel auskrebst.

Er nickt.

Die haben mir Geld angeboten.

Langsam kommt sie näher.

Und?

Sie bleibt vor ihm stehen.

Für wen hältst du mich dann?

Er tritt einen Schritt auf sie zu und schaut ihr in die Augen.

Dann blickt er zur Seite und dreht sich weg.

Bitte.

Er wendet sich ihr wieder zu.

Ich dachte, ich bin ein Zauberwesen.

Sie schauen einander in die Augen.

Er tritt näher und sie lächelt kaum merklich.

Blick aus einem Fenster über die Dächer von Hamburg auf den Fernsehturm.

Auf einem Schreibtisch steht ein großes Laptop, daneben liegt ein Block mit einem Stift.

Auf einem Beistelltisch steht ein Aschenbecher voller Zigarettenstummel neben einer leeren Flasche Schnaps.

Stiefel und Dessous liegen auf dem Boden.

Burger sitzt neben der liegenden Giselle.

Du kannst jetzt mal hierbleiben.

Er ist angezogen und legt seine Armbanduhr um.

Ich bin nicht die Erste hier.

Er schaut ihr in die Augen und beugt sich über sie.

Sie ist schlank und hat ebenmäßige Gesichtszüge.

Der Daumen seiner rechten Hand streicht über ihre Lippen.

Dann steht er auf.

Mit in die Hand gestütztem Kopf schaut sie ihm nach.

David, Simone und ihr Sohn Benni sitzen um einen Tisch und frühstücken.

Simone schält eine Mandarine.

Kauend blickt David aus den Augenwinkeln von seiner Frau zu seinem Sohn.

Müde beobachtet Simone ihren Mann.

Burger geht mit Oberstaatsanwalt Biber durch einen Gang.

Diese Spur weist eindeutig auf Mord.

Jetzt raten Sie mal, was der Generalstaatsanwalt dazu sagt.

Er ist begeistert?

Ich werde gleich das ganze Verfahren einstellen.

Dann muss es wirklich eine heiße Spur sein.

Oberstaatsanwalt Biber öffnet eine Tür mit der Aufschrift Sektion.

In einem gekachelten Raum steht ein Computermonitor.

Biber drückt eine Taste.

Es erscheint das Bild des weißen Badezimmervorlegers aus Barschels Hotelzimmer mit schwarzen Spuren in Großaufnahme.

Ein grünes Licht tastet ihn ab.

Ein Schuhabdruck wird sichtbar.

Ein Schuhabdruck?

Biber nickt.

Von Barschel?

Biber schaut ihn an.

Falsche Schuhgröße.

Da war noch jemand im Zimmer.

Aber es kommt noch besser.

Er deutet.

Sie sehen die Anhaftungen hier?

Auf die schwarzen Spuren.

Farbabrieb von Barschels Schuh.

Schuhkrieg?

Farbauswaschungen aus dem Innenleder des Schuhs.

Vielleicht ist Badewasser.

Biber schüttelt den Kopf.

Wir haben Wasser und alle möglichen Lösungsmittel getestet, aber das Leder blieb resistent.

Bis auf eine einzige Ausnahme.

DMSO.

DMSO.

Tja, einen Moment.

Er gibt ein wenig Tomatenketchup in eine Petrischale.

Mit einer Pipette tropft er die Lösung DMSO auf den Ketchup.

Dann vermischt er die beiden Komponenten mit einem Holzspatel.

Darf ich?

Auf die Hand.

Burger hält seine Hand hin und Biber streicht die Mischung auf den Handrücken.

Spüren.

Burger schaut zur Seite.

Dann bewegt er die Zunge in seinem Mund.

Überrascht schaut er Biber an.

Ketchup.

Biber nickt.

DMSO wird in der Veterinärmedizin verwendet, beispielsweise bei Pferden.

Damit Medikamente schneller und problemlos in den Körper gelangen.

David wischt die Mischung von seinem Handrücken.

Es geht aber auch bei Menschen.

Zeitungen kommen aus einer Maschine.

Die Schlagzeile lautet, Barschel, das Schweigen der Staatsanwaltschaft.

Generalstaatsanwaltschaft Schleswig.

Hier.

Das ist noch so ein Satz.

Sieht der Generalstaatsanwalt die Wahrheit nicht oder will er sie nicht sehen?

Das ist Hanebüchen.

Erstens, es gibt keinen einzigen Beweis für eine Verstrickung in Waffengeschäfte.

Seine Reisen in die DDR.

Doch, da frage ich doch, na und? Das kann eine Vielzahl von Gründen haben.

Verdeckte Gespräche zugunsten von Reiseerleichterungen, der innerdeutsche Handel.

Waffenhandel?

Nissen, Brauneck und Burger sitzen um einen Tisch.

Zweitens, seine angebliche Drohung.

Denken wir einen Moment mal logisch.

Dr. Barschelsruf war aufgrund der Pfeiffer-Affäre erheblich ramponiert.

Es wurde strafrechtlich gegen ihn ermittelt.

Da soll er sich allen Ernstes selbst bezichtigen, in kriminelle Geschäfte verwickelt zu sein.

Man hätte ihn auf der Stelle in Handschellen abgeführt.

Und da stellt man, dass seine Drohung nicht kalkuliert war, sondern aus einer Rage heraus geschah.

Och, wem soll er denn aus einer Rage heraus gedroht haben? Den Waffenhändlern?

Die Drohung galt seiner Partei.

Der CDU?

Mhm. Und warum, bitteschön?

Wegen der Verstrickung der Regierung Kohl in das illegale U-Boot-Geschäft mit Südafrika.

Ein Mann in einem dunklen, zweireihigen Anzug und mit großer silberfarbener Brille steht vor einem Schreibtisch und dreht sich zu den drei um.

Walter Brauneck schenkt sich einen Schluck Wasser ein.

Walter, so geht das nicht. Wenn das mein Redakteur wäre, dem würde ich mal schleunig zurückpfeifen.

Also wie oder wann ich pfeife, das lasst mal meine Sorge sein.

Aha, Selbstmord ist euch zu langweilig, was?

Mord, das ist spannend, das verkauft sich besser.

Nein, es ist unsere demokratische Pflicht, diese Fragen zu stellen.

Aber nicht, um mich zu diskreditieren.

Bitte, es gibt doch ganz klare Hinweise auf die Anwesenheit eines Unbekannten, der fremde Schuhabdruck zum Beispiel.

Ach, diesen Schuhabdruck, den kann Ihr Kollege vom Stern fabriziert haben, also seine Fotoschance.

Außerdem ist Kontaktgift eingesetzt worden.

Also wenn ich dann mal ganz kurz was sagen kann.

Da hat Ihnen mein Kollege Herrn Schillenflorenzohr gesetzt, dass die Farbablösungen durch DMSO entstanden sind, ja?

Das ist selbst unter Gutachtern heftig umstritten.

Sie boykottieren die jahrelange Arbeit Ihres leitenden Oberstaatsanwaltes.

Der Generalstaatsanwalt mustert Burger.

Ich boykottiere nichts. Ich betrachte diesen Fall als Jurist. Objektiv, neutral, emotionslos.

Burger lacht.

Emotionslos.

Sie unterstellen der Justiz dieses Landes bei einem Mordkomplott von Bundesregierung und Waffenlobby unter Beteiligung von mehreren Geheimdiensten wegzusehen?

Ja, das unterstelle ich. Und ich frage mich, von wem Sie gesteuert werden.

Er schaut ihm in die Augen.

Walter, ist das auch deine Haltung?

Walter senkt den Blick.

Vielleicht gibt es noch eine ganz andere Erklärung für diesen fremden Schuhabdruck.

Sie schauen zu Nissen.

Waschel hat da einen Sterbehelfelfer.

Brauneck schaut zu Burger, der zum Generalstaatsanwalt.

Denkbar.

Zumindest intelligent.

Warum druckt ihr das nicht?

In der Redaktion.

Sterbehelfelfer, absurde Idee. Warum?

Es erklärt einfach alles. Die verschwundene Medikamentenverpackung, die Rotweinflasche.

Marshall wollte um seine Ehre kämpfen. Der wollte in Genf jemanden treffen.

Ja, sein Sterbehelfelfer, damit der ihm beim Sterben hilft und dann noch die Spuren verwischt.

Das ist hirnrissig.

Hirnrissig?

Ja, das ist psychologisch sowas von arm.

Weißt du was? Arm sind Verschwörungstheorien für 16-Jährige.

Weißt du was? Du fällst uns in den Rücken.

Du, er ist ja irgendeine Scheiße und das wollte ein Wort von Argen.

Wie soll er denn so schnell in Sterbehilfe aufgetrieben haben?

Sein Bruder, der wohnt doch in der Nähe von Genf. 20 Minuten.

Sein Bruder?

Er hat ihm zweimal aus dem Hotel aus angerufen.

Wie Eike Barschel vollzieht Sterbehilfe für Uwe, um dann selber einen Detektiv zu engagieren, der den Tod aufklärt.

Das wäre ziemlich dämlich.

Wissen streicht Anja über den Kopf.

Danke, Schätzchen. Weiterarbeiten.

Alter, kann ich mal ganz kurz mit dir unter vier Augen sprechen.

Und was ist mit Bernd Schöne und dem BND?

Du blockst die Geschichte seit Wochen. Da gab es eine konzertierte Aktion.

Ja, Operation Montblanc ist eine andere Spur. Hat mit Barschel nichts zu tun.

Ja, womit denn dann?

Das kannst du demnächst in dieser Zeitung nachlesen. Schon mal vorweg.

Ist ins gut.

Er geht in sein Büro.

Burger fasst Brauneck am Arm.

Herr Mauert, Sie haben Ihre Nerven nicht unter Kontrolle?

Nein, der bremst nicht aus.

Ihr Auftritt vorhin war blamabel für diese Zeitung.

Sie sind weit über das Ziel hinaus geschossen.

Ja, ich bin auch nicht per Du mit Herrn Dr. Hasser.

Er schaut Brauneck in die Augen und nickt.

Der geht in Nissens Büro und schließt die Tür hinter sich.

Burger öffnet die Tür und schaut Nissen an.

Weißt du, was du bist?

So, jetzt gehst du mal nach Hause.

Weißt du, es ist noch ein bisschen Pause.

Feierabend.

Du bist ein tolles Schwein.

Nissen hat ihn vor die Tür geschoben.

Burger reißt sich los.

Sag mal, was ist denn los mit dir?

Hast du Probleme? Bist du wieder drauf?

Hey, hey, hey, darf ich, darf ich.

Er hat Burger die Hand auf die Schulter gelegt und der versetzt ihm einen Hieb in den Bauch.

Nissen sitzt auf dem Boden und starrt David an.

Die versammelten Redaktionsmitglieder beobachten sie.

Burger dreht sich um und geht Richtung Tür.

Anja hilft Nissen auf die Beine.

Der schüttelt ihre Hand ab.

Burger liegt mit geschlossenen Augen bis zum Hals im Wasser einer Badewanne.

Er öffnet die Augen.

Durch ein Fenster ist eine Wasserfontäne zu erkennen.

Burger knöpft ein gestreiftes Hemd zu.

In der Schlafzimmertür hinter ihm steht Simone.

Wieso sagst du noch nicht, was passiert ist?

Weil nichts passiert ist.

Sie kommt einige Schritte näher und wirft ein Plastiktütchen mit drei weißen Kapseln auf das Bett.

Du hast versprochen, damit aufzuhören.

Er zieht einen Gürtel durch die Hosen schlaufen.

Schnüffelst du jetzt in meinen Sachen rum?

David, das ist Speed.

Das macht abhängig.

Und zwar schnell, du kannst davon eine Psychose kriegen.

Ja, Mutti.

Brauchst du das, ja?

Fühlst du dich dadurch irgendwie größer oder geiler, ja?

Und dann noch schön Schlaftabletten drauf, damit du dich ruhiger gehörst.

Du zerstörst mich selber!

Ja, zerstör mich selber!

Ja, dann hau doch ab!

Mach doch deinen Scheiß allein!

David Burger bleibt im Flur seines Hauses stehen und schließt kurz die Augen.

Er entdeckt seinen Sohn mit Cowboy-Hut und Spielzeugpistole.

Benni schaut ihn mit großen Augen an und läuft weg.

Langsam dreht er sich um.

Simone liegt auf dem Bett und schaut ins Leere.

David legt sich hinter sie.

Er lehnt seinen Kopf an ihren.

Sanft streichelt er ihre Schulter.

Die Lichter einer gekachelten Unterführung gleiten vorbei und das gelbe Licht verschwimmt.

Blick von außen in ein hell erleuchtetes Lokal.

Am Fenster sitzt Georg und raucht.

Er hat einen Arm um Giselle gelegt.

Sie schauen sich in die Augen.

Georg lächelt.

Sie sprechen miteinander.

David Burger steht rauchend auf einer Brücke.

Georg umfasst Giselles Hals.

Sie küssen sich.

Burger steht im Dunkeln und lässt sie nicht aus den Augen.

Burger lehnt an einer Wand in der Wohnung, als Giselle in ein Handtuch gewickelt vorbeigeht.

Ich habe ihm erzählt, dass sein Schäfer da tatsächlich gedeckelt hat und du nicht mehr an Mord glaubst.

Da hat er gelacht.

Er hält dich für, wie hat er sich ausgedrückt?

Eine Muschi.

Es liegt auch auf der Hand, dass Baschel mittendrin steckt.

Wo drin?

Baschel war etliche Male in Genf und Zürich.

Georg vermutet, dass er den HDW-Deal mit den Südafrikanern arrangiert hat.

Er streicht mit dem Daumen über einen Türrahmen.

Und das war alles?

Sie sitzt rauchend auf einem Ausziehsofa und blinzelt.

Burger nimmt einen Aschenbecher und setzt sich neben sie.

Ich komme schon, er war besoffen, er wollte dich ficken.

Sie schlägt die Beine übereinander.

Jedenfalls soll Baschel beträchtliche Geld zum Aufschweizer Kunden angezahlt haben.

Burger blickt nachdenklich.

Schmiergelder?

Ja, na klar, das macht Sinn.

Baschel hat für die CDU Schmiergelder eingesammelt.

Wenn die Bonner mich fallen lassen, dann lernen die mich kennen.

Darüber hätte er auspacken können.

Bist du jetzt zufrieden?

Sie schaut ihn an und er wendet ihr den Kopf zu.

Er lächelt und beugt sich vor, um sie zu küssen.

Dabei legt er seine Hand an ihre Wange.

Sie schlägt seine Hand weg.

Das habe ich einmal für dich gemacht.

Hast du verstanden?

Einmal.

Sie steht auf und durchquert den Raum.

Seine Augen sind feucht.

Blick auf eine Wohnungstür in einem Hochhaus.

David Burger öffnet die Tür und nimmt eine Zeitung von der Fußmatte.

Burger trägt zwei Teller zu einem Tisch, an dem Giselle sitzt.

Er zeigt ihr die Teller.

Ah, die.

Gut.

Er stellt einen Teller vor sie und schenkt Kaffee ein.

Sie beobachtet ihn.

Deine Frau Ahnt, was ist in der Pro?

Er schaut sie an und stellt die Kaffeekanne ab.

Mit einem Lächeln schiebt er seinen Stuhl neben sie.

Er umarmt und küsst sie.

Giselle lacht.

Sie schlägt mit der Zeitung spielerisch auf seine Schulter.

Nicht mit der neuen Hamburger.

Nimm den Spiegel, nimm die Bild.

Aber nicht, das ist eine hochseriöse Zeitung.

Er faltet die Zeitung auseinander und trinkt einen Schluck.

Dann starrt er die Schlagzeile auf der Titelseite an, legt die Zeitung auf den Tisch und steht auf.

Giselle, die ein Brötchen aufschneidet, beobachtet ihn erstaunt.

Als David auf den Balkon tritt, liest sie die Schlagzeile Der stille Retter.

Bernd Schöne, der stille Retter.

Der Artikel ist von Olaf Nissen.

Operation Mont Blanc verhandelt er erfolgreich die Befreiung der deutschen Kaiseln.

Gerichte behaupten, er sei in die Todesumstände Uwe Barschel verwickelt.

Doch das bestreitet Schöne.

In einer Bar sitzen Olaf Nissen und David Burger nebeneinander an einer Theke.

Vor ihnen stehen Schnapsgläser.

Ich finde das alles zum Kotzen.

Ich meine, in den 80ern hast du noch daran geglaubt.

Anders alles. Fortschritt, Karriere, Familie.

Ich gebe Gas, ich gebe Spaß oder andersrum.

Ich meine, alles Täuschung.

Alles Täuschung.

Am Ende bist du ganz mit dir allein.

Burger greift über den Tresen.

Aber du hast doch noch mich.

Ja, das sage ich doch.

Alles Täuschung.

Burger nimmt eine Schnapsflasche und schenkt ihnen ein.

Ja, und mit dir und der Brunnen?

Alles perfekt.

Sie trinken den Schnaps.

Bei dir ist immer alles perfekt.

Burger hebt die Augenbrauen und schaut seinem alten Kollegen in die Augen.

Dann machst du eigentlich noch mal eine alte Wohnung.

War es die Schrottbrude im Hochhaus?

Er schüttelt den Kopf und formt lautlos das Wort Nein.

Natürlich hast du ihn noch.

Das ist ein ganz schlimmer Finger.

Er ist ein ganz schlimmer Finger.

Er sieht zwar nicht so aus, aber er ist es.

Er ist es.

Zu einer Blondine neben ihm.

Er schaut Burger in die Augen und legt ihm die rechte Hand mit seinem Ehering auf die Schulter.

Das tut mir leid wegen neulich.

Das war dumm von mir.

Burger erwidert seinen Blick.

Nein, das war meine Schuld.

Stimmt, das war deine Schuld.

Beide lachen und Nissen und Burger umarmen einander fest.

In der Umarmung springen sie auf und ab.

Der Blick gleitet über den Hamburger Kiez mit Stripclubs, Imbissstuben und Sexkinos.

In rotes Licht getaucht, sitzt eine Frau halbnackt neben einer Kabine.

Nissen und Burger taumeln mit umeinander gelegten Armen durch eine Passage.

Ey, du bist ne Sau.

Du hast mir meinen schönen Spur versaut.

Das ist doch ne geile Story, oder?

Das ist doch geil.

Und ich dachte mal, er ist Rohlauf.

Ja, hätte auch sein können.

War aber nicht.

Der saß irgendwie die ganze Nacht mit irgendwelchen Arabern im Riechement.

Wegen der Lösegeldverhandlung.

Ja, wegen der beiden entfüllten Höchstmanager.

Operation Mont Blanc.

Er schaut zu einer Frau.

Sag mal, und?

Ey, das glaubst du ihm?

Na, siehst du ein bisschen Spaß haben?

Nee, nee.

Ich glaub dem gar nichts.

Der ist zwielichsig.

Aber du hast ne zweite Quelle.

Na lo, hab ich ne zweite Quelle.

Deine undichterstelle in Pullach?

Das kann nicht dein Ernst sein.

Ist doch ganz klar, dass die Schöne decken.

Nissen dreht sich auf dem Absatz um und geht zu einer Frau mit Zigarettenspitze.

Hallo, na du?

Na, wie warst du mit uns beiden?

Hübschel ist mit uns beiden.

Was kostet das?

Halbwicht und eine Französische mit 50, Französische ohne 70.

Das sind ja ganz viele so unromantische Preise gerade.

Olaf, gib mir deine zweite Quelle, wir setzen ihn unter Druck.

David, jetzt lass doch mal gut sein.

Ich meine, der Typ hatte schon die Hosen voll, als er mir nur guten Tag gesagt hat.

Der hat ne Frau, der hat vier Kinder, der will nicht im Gefängnis landen.

Jetzt amüsier dich doch mal, ich lade dich ein.

Burger winkt ab und Nissen verschwindet mit der Frau in einer Kabine.

Blick aus Nissens Büro auf den dunklen, verlassenen Redaktionssaal.

Burger kommt herein und betritt Nissens Büro.

Er geht zum Schreibtisch und durchsucht Akten, Ordner und Papierstapel.

Das Familienfoto neben dem Computer zeigt Olaf Nissen mit einer schwarzen Frau mit krausem, schulterlangem Haar und zwei Kindern im Grünen.

David Burger durchsucht die Schreibtischschubladen.

Dann geht er zu einem Aktenschrank, er ist abgeschlossen.

Burger tastet Zeitschriftenschuber ab.

Dazwischen findet er etwas.

Er schließt den Aktenschrank auf, zieht die oberste Schublade heraus und betrachtet den Inhalt.

Dann durchsucht er eine Hängeregistratur.

Ganz hinten liegt eine Aktenmappe mit der Aufschrift VS Vertraulich, Schöne.

Burger holt sie heraus, schlägt die Mappe auf und blättert durch eingeheftete Schreiben.

Einige Passagen sind geschwärzt.

Quer darüber ist Kopie gestempelt.

Burger schlägt die Aktenmappe zu.

Er will sie zurücklegen, als Fotografien herausrutschen.

Eine zeigt Bernd Schöne mit einem Mann mit einem Turban und einem Mann mit Schnurrbart und Brille im Hintergrund.

Blick auf den Mann im grauen Trenchcoat mit grauem Schnurrbart, Hut und Brille,

der hinter David Burger am Ufer des Genfer Sees sitzt und Burgers Reisepass in den Händen hält.

Dann wieder auf den Mann im Hintergrund des Fotos.

Die Lichter im Redaktionssaal gehen an.

Burger duckt sich hinter die geöffnete Schublade des Aktenschranks an der Wand von Nissens Büro.

Burger blickt auf.

Durch die Glasscheibe ist Anja zu erkennen, die näher kommt.

Burger kniet geduckt auf den Boden und drückt sich in die Ecke.

Das Licht vom Redaktionssaal fällt in Nissens Büro.

Auf der spiegelnden Scheibe ist zu erkennen, wie Anja ihre Tasche auf einen Schreibtisch legt.

Draußen schaltet Anja ihren Computer ein.

Burger steckt die Fotos in seinen Hosenbund.

Dann schiebt er die Schublade des Aktenschranks zu.

Anja hebt den Kopf.

Sie sitzt mit dem Rücken zu Nissens Büro.

Langsam dreht sie sich um.

Durch die spiegelnde Scheibe sind der Schreibtisch und mehrere Aktenordner zu erkennen.

Sie schaut wieder weg, schiebt Unterlagen auf ihrem Schreibtisch zusammen und geht an Nissens Bürotür vorbei.

Sie ist schlank und trägt ihre blonden Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden.

Eine Haarsträhne fällt ihr ins Gesicht.

In der Ecke neben den Aktenschränken richtet Burger sich langsam auf.

Anja entfernt sich.

Burger dreht sich um und schließt den Aktenschrank ab.

Dann versteckt er den Schlüssel wieder zwischen den Zeitschriftenschubern und schiebt die Schuber zusammen.

Burger öffnet Nissens Bürotür einen Spalt und schiebt sich hindurch.

Im Hintergrund läuft der Kopierer.

Langsam geht er Richtung Ausgang.

Anja nähert sich mit einer Tasse und Burger duckt sich neben einen Schreibtisch.

Anja stellt die Tasse ab und beugt sich über den Kopierer.

Eine Uhr an der Wand zeigt 1.02 Uhr.

Geduckt trippelt Burger neben den Schreibtischen Richtung Ausgang.

Anja legt ein Blatt Papier sorgfältig an der Markierung an.

Burger richtet sich auf, ohne sie aus den Augen zu lassen.

Sie wendet sich halb ab und drückt auf einen Knopf.

Burger läuft zum Ausgang.

Sie entdeckt ihn und er bleibt stehen.

Sie schauen einander an.

Sie hat große braune Augen.

Mit leicht geöffneten Lippen starrt er sie an.

Dann presst er die Lippen zusammen und geht eilig hinaus.

Genf.

Blick über die Stadt und die Spitze des Genfer Sees.

David Burger sitzt im Fond eines Taxis und schaut hinaus.

Mit seiner braunen Ledertasche betritt Burger ein Fotofachgeschäft und schaut sich um.

In einer Vitrine sind Ferngläser unterschiedlicher Größe aufgereiht.

Im Hintergrund nähert sich ein Mann mit Schnurrbart und Brille.

Suchen Sie was Bestimmtes?

Ich möchte gern mit Ihnen zusammenarbeiten, Monsieur Lombard.

Der Mann vom Ufer des Genfer Sees blickt auf.

Sie haben Informationen, die ich nicht habe und umgekehrt.

Lombard lächelt leicht und geht in ein Hinterzimmer.

Sie ermitteln für Eike Barschel im Todesfall seines Bruders, obwohl sie 87 Mitarbeiter von Bernd Schöne waren.

Er folgt Lombard und zeigt ihm das Foto.

Weiß Herr Barschel das?

Monsieur Lombard betrachtet die Schwarz-Weiß-Fotografie.

Er hält eine Kamera in den Händen und schaut Burger an.

Natürlich weiß er das.

Deswegen hat er mich ja engagiert.

Nun verschwinden Sie.

Bonjour Monsieur.

J'arrive tout de suite.

Gut, dann gehe ich zu Herrn Barschel und sage ihm, Sie vernebeln.

Im Auftrag von Bernd Schöne und dem BND.

Ich befinde mich mit Herrn Schöne in einem Rechtsstreit wegen nicht gezahlter Honorare.

So viel zum Vernebeln.

Na, das klingt doch interessant.

Mal unterhalten wir uns.

Wir unterhalten es gar nicht.

Ich hoffe, jetzt die Polizei.

Burger beobachtet Monsieur Lombard.

Schon mal auf der Titelseite einer Tageszeitung gewesen?

Er tritt näher.

Wenn Sie gerne haben, unsere Leser lieben, mysteriöse Gestalten.

Police, Urgence, bonjour.

Sie erreichen mich mobil.

Burger geht und Lombard schaut ihm nach.

Burger verlässt das Geschäft.

Lombard legt auf und betrachtet Burgers Visitenkarte von der neuen Hamburger Zeitung.

Dabei hebt er seine Brille an und schaut darunter hindurch.

Er grinst.

Blick auf eine Wasserfontäne im Hafen.

Es ist dunkel.

Burger steht am Ufer des Genfer Sees neben einer Parkbank.

Er raucht und blickt sich um.

Suchend dreht er sich um sich selbst.

Vertrauen Sie Ihrer Freundin?

Lombard steht neben einem Baum.

Welche Freundin?

Giselle Neumeyer.

Das ist doch Ihre Freundin.

Er tritt näher und Burger presst die Lippen zusammen.

Vertrauen Sie ihr?

Entschuldigung, wer sagt das?

Das ist meine Freundin.

Er ist ein Liebhaber beim BND.

Georg Schepanski.

Sie gehen nebeneinander her.

Hat sie Ihnen das nicht erzählt?

Er ist nicht Ihr Liebhaber, er war mal Ihr Kollege.

Die beiden waren bis vor kurzem ein Paar.

Wahrscheinlich sind sie es noch.

Sie arbeiten als Amphibien.

Offiziell sind sie Journalisten.

Tatsächlich desinformieren Sie die Öffentlichkeit.

Die Dame hat übrigens bei den Schlapphütten einen formidablen Ruf.

Man nennt sie das Flickchen aus Pullach.

Burger bleibt stehen und starrt ihn an.

Was wollen Sie?

Wissen, ob Sie Ihrer Freundin vertrauen?

Ja, ich vertraue ihr.

Nicht sehr schmeichelhaft?

Für Ihre Gattin.

Nein, Sie muss es ja nicht hören.

Könnte sie aber.

Unter seinem Mantel drückt er auf einen Knopf.

Was wollen Sie?

Wissen, ob Sie Ihrer Freundin vertrauen?

Ja.

Er zeigt ein Aufnahmegerät.

Nicht sehr schmeichelhaft.

Für Ihre Gattin.

Reine Routine.

Sie muss es ja nicht hören.

Könnte sie aber.

Ist doch albern.

Albern war Ihre Drohung heute Morgen.

Jetzt hab ich sie im Koffer.

Burger starrt ihn an.

Mögen Sie Muscheln?

Blick von außen durch hohe Rundbogenfenster in ein Restaurant.

Drinnen sitzen Lombard und Burger einander an einem Tisch gegenüber.

Lombard schlürft eine Muschel und schaut Burger an.

Sind Sie lebensmüde?

Nein, wieso?

Weil Sie sich mit Ihrer Recherche gerade auf hochvermintes Terrain begeben.

Burger hebt die Augenbrauen.

Eine Kollegin von Ihnen.

Die schwedische Journalistin Katz Falk schließt 1984 auf illegale Waffenlieferungen von Schweden in die DDR.

Nach eigenen Angaben war sie kurz davor, die Affäre zu enthüllen.

Doch dann verschwand sie spurlos.

Ein halbes Jahr später hat man sie tot aus einem Kanal in Stockholm gefischt.

Anfang 1986 wurde der schwedische Ministerpräsident Olof Palme erschossen.

Die Ermittlungen wurden verschleppt.

Als Täter geriet schließlich ein Drogenabhängiger ins Wissen der Polizei.

Der Mann wurde von Zeugen am Tatort gesehen.

Angeblich.

Doch die wahren Täter werden in anderen Kreisen vermutet.

Olof Palme war der schwedischen Rüstungsindustrie im Weg.

Die verschifften illegale Waffen an die Ayatollahs in Terrain, während Palme gleichzeitig im iranisch-iragischen Krieg zu vermitteln versuchte.

Als er die Lieferungen stoppte, hat man ihn beseitigt.

Er legt Muschelschalen beiseite.

Ein Netzwerk, das Killerkommandos durch die Gegend schickt.

Er schaut skeptisch.

An einem Tisch hinter Burger sitzt ein Mann mit Vollbart und schaut sie an.

Burger reicht ihm schwarz-weiß Fotos und Lombard deutet auf einzelne Personen.

Der Knabe hier ist in die Tat.

Josef Messerer, ein deutscher Waffenlobbyist.

Er deutet auf einen kräftigen Mann.

Sein Auto wird an jedem Wochenende in München geblitzt.

Messerer ist empört, weil er mit seinem Wagen doch in Genf war.

Zum Beweis schickte der Polizei eine Kopie seines Terminkalenders.

Burger betrachtet ein Blatt.

Unter dem 9. steht Zürich, Genf und fünf Namen.

An letzter Stelle steht Barschel, dahinter Ende.

Der wusste, dass Barschel sterben wird.

Lombard hebt die Augenbrauen und lächelt zustimmend.

Adnan Khashoggi, saudischer Waffenhändler.

Burger schreibt mit.

Mosin Rafikdust, Hauptwaffeneinkäufer für den Iran.

Ahmed Khomeini, Sohn des Ayatollahs.

Blick auf einen Mann mit schwarzem Turban und Vollbart.

Ray Steenkamp.

Ein kräftiger blonder Mann.

Unterhänder der Amerikaner.

Mit Sonnenbrille und Zigarre.

Antreffen von Waffenhändlern.

Und nicht irgendwelchen.

La crème de la crème.

In unmittelbarer Nähe von Barschel.

Lombard trinkt Weißwein, während Burger ein zusammengefaltetes Papier nimmt.

Regardez.

Was Sie hier sehen, ist die Iran-Contra-Affäre en miniature.

Die Amerikaner verkauften heimlich Waffen an ihrem Todfeind Iran, um damit die Contra-Rebellen in Nicaragua zu finanzieren.

Blick auf Soldaten im Urwald.

1987 war die Sache zwar schon aufgeflogen, aber nicht nachweisbar.

Burger schluckt.

Barschel wusste davon.

In einem Spiegel ist ein grauhaariger Mann zu erkennen, der in ihre Richtung schaut.

Nebeneinander sitzen die beiden in einer fast leeren Straßenbahn.

Schöne sollte für die Bundesregierung wegen der Geiseln verhandeln, aber das ist doch bloß die offizielle Version, oder?

Lombard beugt sich zu ihm.

Ein paar Monate, wo Barschels tot, hat Schöne mich ins Burivage geschickt.

Ich sollte dort diverse Zimmer dokumentieren. Fotografien aus allen möglichen Blickwinkeln.

Der BND war an dem Wochenende in Genf. Und deinem ganzen Team, die haben Schöne gecovert.

Das ist die Gernkragenweite. Hier ein Anfallsteigbückelhalter.

Steigbückelhalter für wen? Für die Amerikaner?

Lombard steht auf.

Don't call me, I call you.

Er steigt aus der Straßenbahn. Burger schaut ihm nach. Ein Mann im schwarzen Trenchcoat steigt hinter Lombard aus.

Der überquert eine Straße. Der Mann im Trenchcoat und ein Mann mit schwarzem Hut gehen in dieselbe Richtung.

Burger runzelt die Stirn. Nachdenklich wandert sein Blick umher.

In einem Spiegel der Straßenbahn kann er sich selbst auf einer Sitzbank erkennen.

Im Hintergrund steht ein Mann und schaut in seine Richtung.

Burger steht auf und stellt sich an die Tür.

Im Hintergrund geht der Mann zu einer hinteren Tür.

Burger drückt auf einen Knopf.

Aus den Augenwinkeln und mit gesenktem Kopf wirft er dem Mann im hinteren Teil einen verstohlenen Blick zu.

Auch der Mann schaut in seine Richtung.

Als die Straßenbahn hält, steigt Burger aus und geht mit zügigen Schritten die Straße entlang.

Er wirft einen Blick über seine Schulter.

Der Mann in der dunklen Jacke geht in dieselbe Richtung.

Burger rennt los. Die Straßenbahn fährt um eine Kurve und verdeckt Burger.

Der rennt eine Straße entlang und drückt sich in einen Hauseingang.

Vorsichtig schaut er um einen Vorsprung herum.

Die Straße ist menschenleer.

Der Bürgersteig verschwimmt.

Burger drückt eine Tür ins Schloss und dreht einen Schlüssel.

Ein rotes Schild hängt innen an der Klinke.

In seinem Mantel hält Burger im Badezimmer seinen Kopf unter einen Wasserrahn.

Blick aus einem Fenster auf eine dunkle Straße mit geparkten Autos.

Burger sitzt angezogen im dunklen Zimmer auf dem Bett, die Arme um sich geschlungen.

Er schaut im Zimmer umher.

Mit weit geöffneten Augen lehnt er den Kopf mit feuchten Haaren und nassem Gesicht an die gestreifte Tapete.

Blickt durch einen Flur auf eine hohe weiße Holztür mit Messingbeschlag.

Burger liegt auf dem Bett.

Er schreckt auf und schaut um eine hohe Kopfstütze herum zur Tür.

Das rote Schild liegt auf dem Boden.

Langsam geht er Richtung Tür.

Er bleibt stehen und starrt die Tür an.

Er dreht sich zu seinem Bett um.

Wieder wendet er sich zur Tür und starrt die Türklinker an.

Burger runzelt die Stirn, dann fällt sein Blick auf das rote Schild auf dem Boden.

Der Schlüssel im Schloss bewegt sich hin und her.

Burger hat die Augen weit aufgerissen.

Der Schlüssel fällt heraus.

Burgers Stirn ist schweißnass, sein Gesicht bleich.

Er starrt die Türklinker an.

Mit weit geöffnetem Mund schreit er.

In Burgers Zimmer steht die Polizei.

Ja, eine Person oder zwei.

Ich weiß nicht so genau.

Sie sind sicher, dass da jemand war?

Ja.

Burger nickt bekräftigend.

Ja, natürlich.

Sind das Ihre Tabletten?

Ein anderer Polizist hält ein Plastiktütchen mit fünf weißen Kapseln in die Höhe.

Burger nickt.

Die beiden Polizisten tauschen einen Blick.

Burger sitzt in einer Decke gehüllt auf einem Fensterplatz in einem Flugzeug.

Sein Blick ist unstet.

In einem Restaurant sitzen David und seine Frau Simone einem Pärchen gegenüber.

Also ich finde, mit einem Kind bist du zu dritt.

Und mit zwei Kindern bist du eine richtige Familie.

Und ruf dich mal sowas von draußen.

Schönen Dank, aber.

Na ja, eigentlich fand ich es immer ganz schön mit einem kleinen Bruder.

Vorsicht, David.

Deine Frau will ein zweites Kind.

Sie fühlt sich nicht komplett.

David nickt.

Und du?

David legt eine Gabel weg.

Simone legt seine Hand in seinen Nacken.

David versteht es nicht.

Der war immer glücklich, das Einzelkind.

Der ist stolz von Mama.

Davids Wangenmuskel zuckt.

Er steht auf und geht hinaus.

Simone schaut ihm nach, dann folgt sie ihm.

David.

David.

Draußen zieht David seine Jacke an.

Die Redaktion hat angerufen.

Mehrmals.

Die können dich nicht erreichen.

Die fragen sich, wo du bist.

Er schaut ihr in die Augen.

Ich schlafe in der Wohnung.

Ich muss noch arbeiten.

David.

David.

Er geht die Straße entlang davon.

Verschwommen leuchten Laternen in der dunklen Nacht.

Burger sitzt hinter dem Steuer und fährt durch die Straßen.

Er steckt sich etwas in den Mund und trinkt einen Schluck Wodka.

Im Hintergrund gleiten verschwommen Geschäfte und Leuchtreklamen vorbei.

Seine rechte Hand mit dem Ehering umklammert das Lenkrad.

Der Blick gleitet die Außengalerie des Hochhauses bis zu Burgers Wohnungstür entlang.

Blick auf ein Entwicklerbad in einer Schale, in dem eine Fotografie sichtbar wird.

Giselle steht im Dunkeln und hängt Fotos zum Trocknen auf.

Sie trägt ein Oberteil, ihre Beine sind nackt.

Sie zuckt zusammen und dreht sich zur Tür um.

Burger kommt herein.

Sie presst eine Hand auf ihren Magen.

Das ist eine originelle Begrüßung.

Sie geht zu ihm und küsst ihn.

Er erwidert den Kuss nicht und geht ein paar Schritte in die Wohnung hinein.

Fühlst du dich wohl hier?

Sie steht mit hängenden Armen da.

Burger schaut sie mit geröteten Augen an.

Ja?

Dann läuft sie auch gut für euch.

Für wen?

Ihr seid ein paar Dungen, Georg.

Du sollst mich ausspionieren, ohne dass ich's merke.

Und das machst du hervorragend.

Was?

Offiziell bist du Fotografin.

Aber eigentlich arbeitest du für ein BND.

Ihre Hände öffnen und schließen sich.

Das sagst du von Lomba.

Du hast ihn getroffen.

Georg hat mich angerufen.

Die wissen Bescheid.

Georg hat dich angerufen.

Er geht auf sie zu.

Lomba ist ein Spinner.

Der erzählt überall seine Geschichten.

Georg hat dich angerufen.

Ja, weil er glaubt, dass ich mit ihm kollaboriere.

Ja, was du ja auch tust.

Du hast mich doch zu ihm geschickt.

Bist du mit ihm zusammen?

Hör auf!

Sie stößt ihn von sich und geht durch das Zimmer.

Ja, wenn du es genau wissen willst.

Georg und ich hatten das miteinander, okay?

Wir haben uns ein paar Mal getroffen zum Sex.

Er wird ziemlich gut.

Ja, du bist ein Flittchen.

Das Flittchen hast du...

Du machst mich zum Flittchen.

Du weißt überhaupt gar nichts von mir, was ich will und was ich mache.

Ich will einfach sein Fick-Objekt, wenn deine Frau wieder zu langweilig ist.

Du fickst ihn in meinem Rücken rum?

Ja, ich fick mich.

Georg hat mich besser besorgt, der ist du.

Hau ab.

Pack deine Sachen in Hau ab.

Sie steht mit dem Rücken zu ihm, die Augen geschlossen, die Lippen zittern.

Sie zuckt zusammen, als Burga die Balkontür aufstößt und hinaustritt.

Mit hängenden Armen steht er an der brusthohen Balkonbrüstung und starrt auf die Stadt hinunter.

Langsam tritt sie hinter ihn.

Es tut mir leid.

Er dreht sich um und schaut sie an.

Sein Gesicht ist schweißnass.

Giselle hält den Blick gesenkt.

Er legt beide Hände an ihre Wangen und sie schaut ihm in die Augen.

Dann bewegt sie ihre Hände.

Er senkt den Blick.

Sie schiebt seine Hose hinunter und sinkt auf die Knie.

Blick von drinnen durch die halb geöffnete Balkontür auf Burga,

der an der Balkonbrüstung lehnt und auf die vor ihm kniende Giselle.

Er presst die Lippen aufeinander.

Er beugt sich zu ihr hinunter und umarmt sie.

Sie umklammert ihn.

Er lehnt seinen Kopf an ihren.

Eine Hand legt eine Nadel auf eine Schallplatte.

Im Sonnenlicht, das in die Wohnung fällt, geht David zum Bett und hebt Giselle in die Höhe.

Sie lacht, als er sie herumwirbelt.

Sie reißt eine Schnur mit zum Trocknen aufgehängten Fotos herunter und schwenkt sie herum.

Die Fotos zeigen lachende Kindergesichter.

Burga sitzt auf einem Sofa, Giselle auf seinem Schoß und betrachtet eines ihrer Fotos.

Er lacht.

Auf einem Foto sitzt ein lachender Junge auf einer Schaukel.

Glücklich lehnen Giselle und David ihre Köpfe aneinander.

Burga nimmt ein Mobiltelefon und hält es an sein Ohr.

Hier ist Lomba. Ich stehe kurz vor der Lösung des Falls.

Kommen Sie nach Zürich.

Im Dunkeln überquert eine Straßenbahn eine beleuchtete Brücke.

Im Hintergrund erhebt sich eine Bergkette.

Burga kommt mit seiner Ledertasche eine Straße entlang.

Am Ende der Straße parkt ein Wohnmobil.

Burga zieht einen Zettel hervor.

Burga schaut zu dem Wohnmobil.

In der Tür steht Lomba und winkt ihn herbei.

Blick auf Überwachungskameras und ein Tonbandgerät.

Monsieur Lomba sitzt an einem Tisch und löffelt Suppe.

Ich habe einen Mann getroffen.

Er heißt Monsieur Philipp.

So ein blonder Engel.

Er sagt, er weiß, wie Basel starb.

Burga setzt sich ihm gegenüber.

Und hat er das Ihnen erzählt?

Lomba schüttelt den Kopf.

Er braucht eine Genehmigung.

Genehmigung?

Ja, deswegen bin ich hier.

Ich treffe gleich drei Herren.

Einer ist von Mossad.

Er schaut Burga an und ist weiter.

Burga hebt die Augenbrauen.

Genehmigung, das klingt seltsam.

Könnte eine Finde sein.

Lomba wiegt den Kopf.

Monsieur Philipp war früher Mitarbeiter von Bernd Schöne.

Fahr- und Boten-Dienste aller Art.

Auch nasse Sachen nehme ich an.

Auftragskiller.

Lomba tupft sich den Mund ab.

Rote Spuren bleiben an der Serviette zurück.

Er stellt eine Metallkassette auf den Tisch.

Das ist alles, was ich zu Uwe Barschel im Koffer habe.

Fangen Sie mal an damit.

Ich bin in drei Stunden zurück.

Er steckt eine Pistole in ein Knöchelholster.

In der Metallkassette sind viele kleine Tonbandkassetten.

Burga betrachtet ein Foto von einem jüngeren Lomba mit Familie.

Warum tun Sie sich das alles an?

Er blickt Lomba an.

Geld? Neugier?

Ich kann nicht anders.

Et vous?

Burga blickt weg.

Ben oui.

Monsieur Lomba im grauen Trenchcoat und mit Food geht eine Straße entlang.

Zwei Männer fragen ihn etwas.

In einigem Abstand folgt ihm David Burga.

Lomba geht durch das Rotlichtviertel.

Auf einem Platz stehen mehrere Prostituierte beieinander.

Burga beobachtet, wie eine Frau Lomba anspricht.

Der geht weiter.

Burga steht hinter einem Baum und beobachtet durch ein Gitter,

wie Lomba zu einem großen Mann im hellen Trenchcoat tritt.

Die beiden schütteln sich die Hand und sprechen miteinander.

Gemeinsam gehen sie weiter.

Burga überquert den Platz.

Hey, Baby, un petit coup ce soir.

Hey!

Hey!

Eine Prostituierte legt ihre Hände auf Burgas Brust.

Er schiebt sie weg und ein großer schwarzer Mann stellt sich ihm in den Weg.

Drohend geht er auf Burga zu.

Der rennt in die Richtung, in die Lomba und der Große gegangen sind.

Auf der anderen Seite des Platzes bleibt er stehen und schaut nach rechts und links.

Sie sind verschwunden.

Burga geht langsam eine Straße entlang.

Er bleibt stehen und schaut sich um.

Burga läuft über einen Bürgersteig und steckt sich eine Zigarette in den Mund.

Er tastet seine Manteltaschen ab und hält an, um sich die Zigarette anzuzünden.

Er blickt auf.

Aus der gegenüberliegenden Straße kommt ein großer Mann im hellen Trenchcoat, wirft ihm einen kurzen Blick zu und verschwindet um eine Ecke.

Vor einem Gebäude im Hintergrund stehen mehrere Prostituierte.

Burga geht eilig zu den Frauen.

Eine Frau in Hosen mit Leopardenmuster läuft hinein.

Er hastet ihr nach.

Eine schwarze Frau versucht ihn aufzuhalten.

Burga rennt durch eine Tür in eine lange Passage, in der Frauen vor Kabinen in Schaufenstern sitzen.

Burga schaut in verschiedene Kabinen, während die schwarze Frau versucht, ihn aufzuhalten.

Burga schiebt sie beiseite.

Er schaut in die letzte Kabine.

Dort liegt Lombard mit geöffneter Hose und zur Seite geneigtem Kopf auf einem Bett.

Seine Augen sind offen, sein Blick ist starr.

Burga fühlt nach Lombards Puls.

Burga durchsucht Lombards Jackett und Trenchcoat auf einem Klappstuhl.

Burga blickt zur Seite, steht auf und läuft hinaus.

Er rennt mit weitausholenden Schritten davon.

Im Wohnmobil wirft Burga die kleinen Tonbänder hastig in die Metallkassette.

Er rennt, seine Augen sind weit aufgerissen.

Burga steht im Konferenzraum der Neuen Hamburger Zeitung.

Olaf Nissen, Anja, Walter Brauneck und ein weißhaariger Mann mit Lesebrille sitzen um den Konferenztisch.

Lombard wäre nicht einfach zu einer Nutte gegangen.

Ach, das tun mehr Männer als man glaubt.

Das ist traurig, aber...

Aber es stand kurz vor der Auflösung des Falls.

Dieser Lombard war ja auch nicht mehr der Jüngste.

Ich meine, du hast die Zahnfleischbluten erwähnt.

Das ist doch gern mal ein Vorbote von einem Pfarrg.

Die hatten den unter ständiger Beobachtung.

Es war eine Falle.

Nissen und Anja schauen zu Walter Brauneck.

David, ich sage das ungern, aber die Sterbehilfetheorie, die verdichtet sich.

Er nickt Anja zu.

Barschler hat eine sehr hohe Lebensversicherung auf seine Familie abgeschlossen und die wäre natürlich im Falle eines Selbstmords hinfällig gewesen.

Und deshalb musste er seinen Tod als Mord haben.

Wir müssen Lombards Tonbänder auswerten.

Tonbänder?

Die sind wo?

Und dafür bräuchte ich ein paar Kollegen.

Er wendet sich ab.

Nissen und Anja schauen wieder zu Brauneck.

Wie sind Sie denn auf diesen Lombard gekommen?

Burger schüttelt den Kopf.

David, in das Büro von Olaf ist vor ein paar Tagen, wie soll ich sagen, eingebrochen worden.

Dessen Unterlagen entwendet wurden.

Haben Sie dazu etwas anzumerken?

Nein.

Aber ich.

David, Sie sind entlassen.

Mit einem Stapel Papiere im Arm start Burger Brauneck an.

Man hat sie gesehen.

Ich bedauere diese Entscheidung unendlich, weil wir mit Ihnen einen hochbegabten Kollegen verlieren und jemanden, den ich verdammt lange kenne.

Aber oberstes Gebot in diesem Laden ist Respekt und Fairness im Umgang miteinander.

Herr Hayek, Sie übernehmen die rechtliche Seite.

Schönen Tag noch.

Walter Brauneck nimmt ein Notizbuch, steht auf und geht durch den Konferenzraum.

Er geht dicht an David Burger vorbei hinaus.

Burger packt Sachen in einen braunen Karton.

Er wird von Redaktionsmitgliedern beobachtet.

David, ich wurde gefragt, ob ich jemanden gesehen habe.

Das ist sehr gut gemacht.

Du wirst es mal weit bringen.

David?

David?

Nissen tritt zu ihnen.

Anja kann überhaupt nichts dafür.

Wer bezahlt dich eigentlich?

Sie schauen einander in die Augen.

Nissen grinst ungläubig, schüttelt den Kopf und geht weg.

Im Hintergrund steht Walter Brauneck und beobachtet Burger.

Der nimmt seinen Karton und geht.

Eine Hand spult eine Tonbandkassette zurück.

Die Abdeckung öffnet sich.

Burger nimmt die Kassette heraus und legt sie vor sich auf einen Glastisch.

Er durchwühlt die dort liegenden Kassetten und legt eine ein.

Burger trägt Kopfhörer.

Im Hintergrund liegt Giselle auf der Ausziehcouch, die linke Hand auf ihrem Bauch und beobachtet ihn.

Was wollen Sie?

Wir wissen, ob Sie Ihrer Freundin vertrauen.

Ja, ich vertraue ihr.

Nicht sehr schmeichelhaft für Ihre Gattin.

15. Oktober, 23 Uhr.

Café Lirik.

M. Philippe im Weisandet-Cheto-Brüder.

Kennen Sie einen Mann namens Ray Steenkamp?

Ray Steenkamp?

Ja, er führt bei Adler Research und der Vertrag.

Steenkamp?

Ja.

Steenkamp.

Ich kannte einen Großviertiger, der hieß Steenkamp, arbeitete allerdings für die Südafrikaner, meines Wissens nach.

War Steenkamp involviert?

Es ist mir leid, ich glaube, wir meinen nicht denselben.

Ja, so kommt er nicht weiter.

Burger steht mit Kopfhörern auf dem Balkon und macht sich Notizen.

Ich weiß, was ich nicht wissen darf.

Giselle tritt von hinten zu Burger und legt eine Hand auf seine Schulter.

Er zuckt zusammen und schnellt herum.

Auch sie erschrickt.

Er lässt sie auf dem Balkon stehen.

Burger geht mit Kopfhörern über einen Parkweg.

Sie sind ihm vom Flughafen gefolgt.

Wissen Sie das sicher?

Es ist das, was ich hörte.

Im Hotel steht Barschel an der Rezeption.

Zwei Observationseinheiten überwachten seine Ankunft in Buri Varsch.

Barschel geht zu Zimmer 317.

Got it.

Barschel sitzt betäubt auf einem Stuhl,

als zwei Männer sein Hotelzimmer betreten.

Ein Mann zieht Barschels Schuh aus.

Ein anderer packt Barschel unter den Armen.

Sie tragen ihn ins Badezimmer.

Ein Hemdknopf fällt zu Boden.

Barschels Kopf schlägt gegen den Türrahmen.

Eine Lösung wird auf seine Fußsohle aufgetragen.

Ein Mann tritt mit seinem Herren Schuh auf den weißen Badezimmervorleger.

Das Ganze hat keine Viertelstunde gedauert.

Wer war die Auftraggeber?

Wir müssen das beenden.

Wer war die Auftraggeber?

Ich kann Ihnen nicht mehr sagen.

Ich brauche die Genehmigung.

Burger sitzt auf einer Parkbank.

Er reißt den Kopfhörer herunter und treibt sich mit den Fingern über die Augen.

Schwer atmend lehnt er sich zurück.

Blick auf den toten Uwe Barschel in der mit Wasser gefüllten Badewanne.

In einem Restaurant mit karierten Tischdecken sitzen Giselle und David an einem Tisch in einer Nische.

Abwesend betrachtet Burger seine Pizza.

Giselle hat ihren Kopf in eine Hand gestützt.

Sie sitzt dicht neben ihm.

Mit großen Augen schaut sie ihn von unten an.

Was war es nur für ein Kind?

Er blickt überrascht auf.

Du bist um so ein trotziger, wilder Junge, der auf jeden Baum geklettert ist und nicht mehr runter kann.

Er schaut sie nicht an.

Du musst mir helfen.

Ich suche einen Mann.

Er blickt sie an.

Dabei kann ich dir nicht helfen.

Ray Steenkamp.

Steenkamp.

Steenkamp, ja, oder Steenkamp. Südafrikaner oder Amerikaner. Großwilderjäger. Vermutlich gehandienstlicher Hintergrund.

Ich brauche einen Kontakt zu ihm.

Giselle hat den Blick auf die Tischplatte gesenkt.

Traurig schaut sie ihm in die Augen. Sie blinzelt.

Bitte frag ihn.

Steenkamp war Lombards letzte Spur, bevor er starb. Ich bin sicher, dass Georg ihn kennt.

Ihre Lippen zittern.

Sie schaut weg und schlägt die Hände vor das Gesicht.

Er mustert sie und blickt dann zum Nachbartisch.

Tröstend legt er eine Hand auf ihren Arm.

Giselle weint.

Aufmerksam betrachtet er sie.

Sie nimmt die Hände vom Gesicht, reibt sich die Tränen ab und lächelt verzweifelt.

Giselle deutet ein Nicken an.

Er nimmt die Hand von ihrem Arm.

Blick auf das Hochhaus mit den Außengalerien zu den Wohnungen.

Burger öffnet die Wohnungstür. Giselle steht hinter ihm.

Hast du nicht abgeschlossen?

Er schaut zu Giselle. Sie reagiert nicht.

Burger geht hinein und schaut sich um.

Blick von außen durch das Fenster in die erleuchtete Wohnung.

Burger geht zu dem Glastisch.

Die Bänder sind weg.

Er bleibt vor dem Tisch stehen.

Die waren hier drin.

Sie beobachtet ihn mit hängenden Armen und ängstlichem Gesichtsausdruck.

Burger schließt die Metallkassette auf.

Oh nein, die waren hier drin, während wir es waren.

Hast du irgendjemand von den Männern erzählt?

Ich, nein. Wieso denn ich?

Weil außer dir niemand wusste, dass sie hier drin waren. Verdammt!

Vielleicht war es ja ein normaler Einbruch. Irgendwelche Junkies.

Sie hält sich am Türrahmen fest und schaut ihn mit großen Augen an.

Langsam dreht Burger sich zu ihr um.

Du hast die Tür absichtlich nicht abgeschlossen und mich zum Metalliner gelockt.

Er geht auf sie zu.

Du musst es Georg verraten.

Warum?

Sie schaut ihm in die Augen.

Giselle senkt den Kopf und geht langsam in das Zimmer hinein.

Er beobachtet, wie sie neben einer großen Reisetasche in die Hocke geht.

Giselle stopft ein heraushängendes Kleidungsstück tiefer in die Tasche,

legt ein Notizbuch darauf und hängt sich einen Fotoapparat über die Schulter.

Burgers Blick wandert durch das Zimmer.

Sie nimmt Hüllen mit Fotonegativen, die auf einem kleinen Beistelltisch liegen,

und klemmt sie unter den Armen.

Dann steht sie auf.

Kurz schaut sie David noch einmal in die Augen, dann verlässt sie die Wohnung.

Mit blassem Gesicht und rot gerenderten Augen schaut er ihr nach.

Burger sitzt in der Limousine vor dem mit Ballons geschmückten Eingangstor zu seinem Haus.

Im Garten steht ein Kinder-Indianer-Zelt und Kinder laufen um Simone herum.

Sie blickt auf und entdeckt ihn.

Benni mit Cowboy-Hut und geschminktem schwarzen Schnurrbart schaut durch eine Fensterscheibe herein.

Drinnen sitzen David und Simone einander gegenüber.

Sie beugt sich fragend vor und er schüttelt den Kopf.

Du weißt nicht mehr, dass ich wieder arbeite, bevor ich dir das erzählt habe.

Du lebst in irgendeiner Parallelwelt. Und ich?

Mit feuchten Augen schaut sie ihren Mann an.

Dann dreht sie sich mit gesenktem Kopf weg.

Ich fühle mich am Kottiert.

Wir spielen doch bloß noch Mann und Frau.

David senkt den Kopf. Seine Hände liegen im Schoß.

David, gibt es irgendetwas, was du mir sagen möchtest?

Sie schauen einander in die Augen.

Burger bewegt den Kopf und blinzelt.

Simone schüttelt den Kopf.

Das geht schon nicht weiter.

Sie steht auf und bleibt mit dem Rücken zu ihm an einem Fenster stehen.

Ich habe mit Katrin geredet.

Im Garten laufen spielende Kinder herum.

Ich kann das nicht mehr.

Verstehst du? Ich kann es nur einfach nicht weiterleben.

Es geht nicht. Es geht einfach überhaupt nicht.

Ich will das einfach nicht mehr. Verstehst du das nicht?

David betrachtet seine Frau. Seine Augen werden feucht.

Er senkt den Blick.

Dieses Haus.

Und dieser scheiß Garten.

Sie hat die Handballen gegen ihre Augen gedrückt.

Scheiße.

Mama.

David blickt zu seiner Frau, die sich mit den Händen vor dem Gesicht krümmt.

Sie tupft sich das Gesicht ab und eilt hinaus.

Vor einer Schiebetür sitzt Benni mit gesenktem Kopf weinend auf dem Boden.

David läuft eine Träne über die Wange.

Draußen streichelt Simone Bennis Gesicht.

In der Dämmerung.

Blick auf einen Spiegel, an dessen Rand Fotos von der Familie geheftet sind.

Davids Spiegelbild nähert sich.

Er betrachtet die Fotografien.

Dann senkt er den Kopf.

Er eilt zu seiner Jacke und hält das Mobiltelefon ans Ohr.

Ja?

Hier ist Schepanski.

Georg Schepanski.

Sie sind auf der Suche nach Ray Steenkamp?

Korrekt.

Darf ich fragen, warum?

Fragen Sie sich da?

Ich weiß, wo Sie ihn finden.

Aber ich muss Sie ausdrücklich wahren.

Nach unseren Erkenntnissen ist dieser Kontakt durchaus riskant.

Der Mann ist Waffenhändler.

Muss klar zu sagen, eine Nummer zu groß für Sie.

Na, so stehe ich.

Geheimnisverrat ist strafbar.

Sie haben hier Hosen voll.

Na, wer ist hier die Muschi?

Blick auf einen karierten Notizblock.

Darauf steht Ray Steenkamp, Beirut und eine Telefonnummer.

David Burger steht rauchend im dunklen Garten seines Hauses.

Er schüttelt den Kopf und drückt den Handrücken gegen die Augen.

Blickt durch den langen, weißgestrichenen Flur des Hauses.

In seinem Mantel zieht David Burger die Schlafzimmertür hinter sich zu.

Mit seiner Reisetasche eilt er Treppenstufen hinunter,

öffnet die Haustür und geht hinaus.

Über einer Stadt steigt schwarzer Qualm in den Himmel.

David Burger geht an einem zerstörten Haus vorbei.

Einige der ein- und zweistöckigen Häuser sind mit Wellblech abgedeckt.

Im Hintergrund überquert eine verschleierte Frau die Gasse.

Vor ihm läuft ein magerer Hund über die Straße.

An einer Abzweigung sind Sandsäcke gestapelt.

Dahinter stehen Männer mit Maschinengewehren.

David Burger wartet neben einem Telefon in einem roten Kasten an einer Hausmauer.

Aus dem Hintergrund nähert sich ein Mann und nimmt den Hörer ab.

Burger hält ihm einen Geldschein vors Gesicht, nimmt ihm den Hörer aus der Hand und hängt ihn wieder ein.

Er schaut sich um.

Burger hebt ab.

Er drückt den Hörer ans Ohr.

Er lehnt sich gegen die Mauer und schaut sich um.

Sie haben für Adler-Research gearbeitet.

Woher wissen Sie das?

Wann können wir uns treffen?

Jugendliche verbrennen eine amerikanische Flagge.

Können wir uns finanziell einigen?

Es ist so gefährlich. Ich weiß nicht, wer Sie sind. Sorry.

Burger hängt den Telefonhörer ein und schaut sich ratlos um.

Blick auf Burger in einer dunklen Lederjacke und schwarzen Hosen neben dem Telefon.

Burger blickt durch Maueröffnungen über die Stadt.

Seine Hände sind gegen die Mauer gestemmt. Er lässt den Kopf hängen.

In der Dämmerung Blick auf zwei Hochhäuser dicht am Meer.

Wellen branden heran.

Eine alte Frau mit Kopftuch tritt zu Burger, der auf einem Bett schläft.

Sie berührt vorsichtig seine Hand und er zuckt zusammen.

Sie hält ihm einen Telefonhörer hin.

Er nimmt den Hörer.

Burger überquert eine befahrene Straße und geht an zwei Soldaten im Tarnuniform vorbei.

Er betritt ein kleines Lebensmittelgeschäft.

Ein Mann an der Kasse liest Zeitung.

Burger geht durch einen schmalen Durchgang zwischen einer Kühltruhe und Regalen und schaut sich um.

Im Hintergrund ist eine geschlossene graue Tür.

Er dreht sich um und blickt zum Eingang.

Er wendet sich wieder um und geht einige Schritte in das Hinterzimmer hinein.

Vor einem mit Getränkeflaschen gefüllten Regal bleibt er stehen.

Wer hat ihn jetzt gesagt? Die Schweine.

Hinter dem Regal steht ein blonder Mann von Mitte 50 mit Sonnenbrille.

Lombard.

Ein Schweizer Detektiv.

Der Mann hat einen grauen, gestutzten Bart.

Lombard war sicher, dass Barschel Details über Iran-Contra wusste und ein Risiko war.

Deswegen hat man ihn liquidiert.

Ein Risiko?

Für wen?

Für die Amerikaner.

Das war Lombards Vermutung.

Wer ist heiß?

Lombard hat viel erzählt.

Er brauchte Geld.

Er war kurz vor der Lösung.

Er hat mit vielen Insidern aus der Waffenszene gesprochen.

Es gibt Mitschnitte.

Tonmänner.

Im Hintergrund betreten drei bewaffnete Männer das Geschäft.

Burger tritt schnell an ein anderes Regal und schaut weg.

Ein Bewaffneter mit schwarzem Tuch vor dem Mund beobachtet ihn.

Aus den Augenwinkeln schaut Burger zu dem Regal.

Der Blick gleitet zu einer Drahttür an der Seite.

Burger blickt zu den Bewaffneten, die in seine Richtung deuten, und eilt durch die Drahttür in eine Gasse.

Am Ende der Gasse steht ein Geländewagen.

Er blendet zweimal auf.

Burger sitzt auf dem Beifahrersitz.

Hinten sitzt Dean Camp und zündet sich eine Zigarre an.

Wohin fahren wir?

Dean Camp schaut ihn im Innenspiegel an.

Sie nähern sich einer Barrikade aus Reifen und Sandsäcken, neben der bewaffnete Soldaten stehen.

Der Fahrer fährt langsamer und ein Soldat winkt ihn weiter, nachdem er flüchtig in den Geländewagen geschaut hat.

In einem Lokal wird Backgammon gespielt.

Dean Camp bewegt ein Schnapsglas zwischen den Händen.

Eine Flasche Wodka steht auf der mit Plastikfolie bezogenen Theke.

Burger sitzt ihm gegenüber.

Deutschland machte viele gute Deals.

Mit Iran, mit den Saudis, mit Israel, mit everyone.

Little innocent Germany.

Ihr wisst, wie man verkauft Waffen.

Und Barschel war involviert?

Nicht nur er.

Kohl, Gensel, Stoltenberg.

Dann war dieser andere Mann, dieser große, fatten Bavarian.

Straß.

Er hatte exzellente Kontakte.

In East Germany.

Schalk Kolodkowski.

Er trinkt Wodka.

Barschel arrangt die Deals.

Er kannte viele Secrets, Geheimnisse.

Steen Camp nickt.

Er war eine große Gefahr.

Für wen?

Für.

Ein schwarzes Tor wird vor dem Eingang heruntergelassen.

Burger zuckt zusammen.

Listen.

There is a hop lead.

Er beugt sich vor und Burger nickt leicht.

Steen Camp schließt die Augen.

Nein.

Ja.

Bitte, bitte.

Nein.

Nein, nein, nein, nein.

Steen Camp steht auf und geht um den Barhocker herum.

Auch Burger erhebt sich.

Steen Camp mustert ihn.

Wie wurde Barschel umgebracht?

Vergiftet.

Kennen Sie Project Coast?

Burger schüttelt den Kopf.

Da waren Giftlabore underground in Pretoria.

Sie experimentierten mit den, how do you say, viruses, nephrotoxin.

Viren, Nervengifte.

Und dann sendeten sie ihre Kill-Teams durch die Welt.

Der südafrikanische Geheimdienst?

Das Regime war sehr ehrgeizig.

Sie wollten Atomwaffen, Power, Mining und Verkrabbelnhafte.

Er zieht die Hand waagrecht vorm Hals vorbei.

Woher wissen Sie das?

Steen Camp hat sich dicht zu Burger gebeugt.

Sie schauen einander in die Augen.

Von einem Freund.

Er setzt sich wieder auf den Barhocker und senkt den Blick.

Die Südafrikaner haben Barschel getötet?

Nein.

Schauz hatte die Seiten gewechselt.

Blick auf Wellen, die gegen Felsen brannten.

Burger und Steen Camp gehen einen Weg entlang.

Genf war a hell's kitchen in dieser Nacht.

Diplomats, weapon dealers, politicians.

Ich machte Consulting für alle Research.

Und suddenly ist auf Schauz wieder.

Charles hat einen konkreten Job.

Barschel?

Wer sollte es zu Ende bringen?

Ein grobkörniges Bild zeigt Barschel mit gesenktem Kopf.

Für wen?

Wenn nicht für Südafrika.

Für einen befreundeten Geheimdienst.

Steen Camp lässt die Klinge eines Klappmessers herausschnellen.

Sie stehen allein am Meer.

Südafrika war ein völlig isolierter Staat.

Mit wem? Befreundet.

Die EU-Boote aus Deutschland waren ready für Atomraketen.

Aber Südafrika hatte keine Atomraketen.

Niemand wollte sie ihnen geben.

Niemand außer Israel.

Er schneidet eine Zigarrenspitze ab.

Charles hat für den Mossad gearbeitet.

Er ist Jude.

Der Mossad hat Barschel getötet?

Wenn Barschel den Deal verraten hätte, Israel would be fucked.

Er tritt einen Schritt auf Burga zu.

Der weicht zurück.

Steen Camp zieht einen Stift hervor.

Ich habe Beweise für die ganze Aktion.

Er schreibt etwas auf und reicht Burga den Zettel.

Darauf steht 50.000 Dollar.

Steen Camp steckt Block und Stift ein.

Muss ein guter Freund gewesen sein.

Steen Camp blickt aufs Meer hinaus.

Some friends should better leave behind.

Er zündet seine Zigarre an.

Ich muss das erst mit meiner Redaktion abklären.

See you tomorrow.

Take care of yourself.

Steen Camp geht an Burga vorbei.

Der blickt ihm über die Schulter nach.

Am Ende des Weges steht neben dem Geländewagen eine dunkle Limousine.

Davor stehen ein Fahrer und ein Araber.

Steen Camp hebt grüßend die Hand und der Araber grüßt zurück.

Burga geht eine Straße entlang.

Kinder spielen auf dem Asphalt.

Er zieht ein Aufnahmegerät aus seiner Jackentasche und hält es ans Ohr.

Der Mossad hat Basel getötet.

Mit Barschenden, die ihn verraten hätte.

Israel would be fucked.

Ich habe Beweis für die ganze Aktion.

Burga ist in der Nähe eines roten Kleinwagens stehen geblieben.

Eine Explosion schleudert das rote Auto in die Luft.

Burga wird auf Sandsäcke geschleudert.

Staub senkt sich über die Straße.

Feuer lodert empor.

In der staubigen Luft presst Burga eine Hand aufs Ohr.

In Zeitlupe bewegt Burga den Arm.

Er blickt auf.

Schemenhaft ist jemand zu erkennen, der eine andere Person auf den Armen trägt.

In Zeitlupe gleiten sie vorüber.

Der Arm der getragenen Person hängt leblos herunter.

Burga ist mit einer dicken Staubschicht bedeckt.

Mit großen Augen blickt er ihnen nach.

Ein Mann rennt herbei.

Eine weinende Frau kniet neben einem am Boden liegenden Mann.

Burga vergräbt weinend den Kopf zwischen zwei Sandsäcken.

Die Wange unter seinem rechten Ohr ist blutig.

Das Bild wird schwarz.

Blick durch eine staubige Windschutzscheibe auf eine Straße.

Das Auto fährt eine hochgelegene Küstenstraße entlang.

Das Meer brandet gegen Felsen.

Auf dem Beifahrersitz kauert Burga mit drei Tagebart.

Er starrt vor sich hin.

Über sein rechtes Ohr ist Watte geklebt.

Steenkamp sitzt am Steuer und wirft ihm einen Blick zu.

Have you made up your mind?

Meine Redaktion sperrt sich. Sie wollen mehr Details.

You're a bloody lion.

Hören Sie auf! Sie sind ein Lügner.

What are you talking about?

Sie haben 87 für die CIA gearbeitet.

Für eine Tarnfirma namens Adler Research.

Eine Firma, die weltweit Auftragsmorde für die USA erledigt.

Warum erzählen Sie mir diesen Schwachsinn über Israel, Südafrika und ihren Freund Charles?

Sie wollen ihre alten Freunde aus der Schusslinie bringen.

Das ist die Wahrheit.

Go home and play in the sandbox.

Soll ich Ihnen was sagen? Es gibt keinen Charles.

Sie waren in Genf und niemand anders und Sie wissen genau, wie Basel starb.

Steenkamp fährt an den Straßenrand.

Get out!

Get the fuck out of here!

Er schleudert Burgers Ledertasche hinaus.

Burger steigt aus und hebt seine Tasche auf.

Ich hab Beweise.

So why don't you print it?

Why are you bothering me, huh?

Menschen sterben, weil es Zyniker wie sie gibt.

Go fuck yourself, you little prick.

Er fährt davon.

Burger steht mit seiner Tasche auf der Küstenstraße und blickt auf das Meer.

Dann lässt er den Kopf hängen.

Blick auf den Glastisch in der Wohnung und ein hohes Regal voller Ordner und Papiere.

David Burger sitzt auf dem Sofa und starrt vor sich hin.

Langsam greift er zu dem Mobiltelefon, das neben ihm liegt, und hält es ans Ohr.

Blick über das Wasser auf das Hochhaus der Neuen Hamburger Zeitung.

Vor dem rot-weißen Restaurant-Schiff in der Nähe steht Burger und hält sein Mobiltelefon ans Ohr.

Von drinnen wird er beobachtet.

Walter Brauneck und Olaf Nissen sitzen nebeneinander.

Walter schaut auf die Uhr und die beiden tauschen einen Blick.

Burger kommt herein und steckt sein Mobiltelefon in die Manteltasche.

Er setzt sich ihnen gegenüber.

Okay, er ist hier irgendwo.

Aber er will sich nur mit mir alleine treffen.

Heute Abend im Atlantik.

Ich brauche das Geld jetzt.

Cash.

Brauneck blickt weg.

Vor dem Nissen.

Ray Steenkamp hat nach unserer Kenntnis immens hohe Schulden und er verdient sein Geld jetzt offenbar damit,

Journalisten irgendwelche Informationen zu verkaufen.

Und ob die dann stimmen oder nicht, das weiß ich nicht.

Steenkamp will Beweise dafür liefern, dass die Reagan-Administration grünes Licht für die Exekution von Uwe Barschel gegeben hat.

Und die Bundesregierung über den Vorgang informiert war.

Beweise?

Ja, und er hat sogar ein Foto.

Er schaut Walter in die Augen.

Von einem Treffen zwischen Barschel und Oliver North.

Oberst Oliver North.

North war die zentrale Figur in der Iran-Kontra-Affäre.

Blick auf einen Mann mit Orden.

Und es gibt noch eine Erklärung für ein solches Treffen.

Dass Barschel beim Verkauf der Waffen zwischen der USA und dem Iran irgendeine Rolle gespielt hat.

Burga lächelt zufrieden.

Also ich wäre da sehr vorsichtig.

Ich meine, ich kenne doch diese Karpeiken.

Die kommen an, haben die Beweise natürlich nicht dabei und wollen trotzdem ihr Geld.

Wenn er überhaupt kommt.

Soll ich dir mal was sagen?

Ich vertraue dem mehr als dir.

David und Olaf schauen einander in die Augen.

Walter Brauneck beobachtet Nissen.

Burga steht auf und geht Richtung Tür.

David.

Brauneck steht auf.

David.

Der dreht sich um.

Ich meine, ich kann dir doch nicht einfach einen Haufen Kohle in die Hand drücken.

Ich meine, für was denn eigentlich?

Wenn du, du arbeitest nicht mal mehr für uns.

Brauneck hält Burga zurück.

Komm.

Na, er bremst.

Die ganze Zeit.

Das ist das System.

Der ist nicht koscher.

Der ist gekauft.

Schicko-Ko.

Burga stolpert und Brauneck fängt ihn auf.

Er schaut Burga prüfend an.

Ich brauche das Geld.

Bitte.

Brauneck mustert ihn und schaut dann nachdenklich zur Seite.

David, Sie fahren jetzt nach Hause, schlafen Sie hier aus und am Montag unterhalten wir uns nochmal ganz in der Ruhe.

Er legt David eine Hand in den Nacken.

Burga zieht die Mundwinkel nach oben und senkt kurz den Blick.

Dann schaut er Brauneck in die Augen und nickt.

Ja.

Er dreht den Kopf und Brauneck lässt die Hand sinken.

Burga schiebt eine Tür auf und verlässt das Schiff.

Besorgt schaut Brauneck ihm nach und blickt dann zu dem am Tisch sitzenden Nissen.

David Burga geht mit den Händen in den Manteltaschen eine Straße entlang.

Er schaut sich um.

Mit zügigen Schritten geht er auf das Hotel Atlantik zu.

Ein Concierge nickt ihm zu und Burga geht mit rotem Teppich bedeckte Treppenstufen hinauf und durch eine Drehtür hinein.

In der Dämmerung wird ein Scheck über 50.000 Dollar auf Ray's Teen Camp ausgestellt.

Das Datum ist der 2. November 1993.

Burga unterschreibt den Scheck.

Blick durch das Fenster auf die Straße vor dem Hotel.

Drei Männer steigen aus einem dunklen Wagen.

Sie tragen Reisetaschen.

Oben schaut Burga aus dem Fenster.

Vor einem Gemälde mit aufgewühlten Wassermassen steht David Burga und hält sein Mobiltelefon ans Ohr.

Hallo.

Hallo.

Hallo, Benny.

Hier ist Papi.

Papi!

Burga nickt.

Du wirst nicht, Mami.

Die duscht.

Mit gesenktem Kopf geht Burga durch das Zimmer.

Papi.

Warum kommst du denn nach Hause?

Bald, mein Junge, bald.

Tränen laufen über seine Wange.

Er kneift die Augen zusammen und hält die Finger vor die Sprechmuschel.

Mit zusammengepressten Lippen weint er unterdrückt.

Burga lässt das Mobiltelefon sinken, schaut sich mit großen Augen um und kneift die Augen wieder zusammen.

Mit gesenktem Kopf setzt er sich auf ein Bett.

In dem Hotelzimmer mit gestreiften Tapeten ist es dunkel.

Er drückt eine Hand gegen das Gesicht und weint.

Er lässt die Hand sinken und richtet sich auf.

Mit blassem Gesicht schaut er zur Tür.

Blick auf die geschwungene Türklinke.

In der Redaktion sitzt Walter Brauneck in einem Konferenzsaal über Papieren.

Er hält ein großes schnurloses Telefon ans Ohr.

Blick auf das Atlantik-Hotel.

Am Bordsteinrand steht ein Mannschaftswagen der Polizei, dahinter ein Leichenwagen.

Brauneck kommt die Straße entlang und läuft an Polizisten vorbei in das Hotel.

Brauneck steht vor einem Zimmer und diskutiert mit einem Polizeibeamten.

Er drängt in das Zimmer.

Der Polizist versucht ihn zurückzuhalten.

Brauneck starrt zum Bett.

Blick von hinten auf Burga in seiner Lederjacke.

Er liegt mit dem Körper zur Türgewand auf dem Bett.

David Burgers Gesicht ist bleich.

Seine weit geöffneten Augen sind blicklos.

Die Hände sind zwischen die angezogenen Beine geklemmt.

Im Zimmer arbeiten Männer der Spurensicherung.

Auf dem Nachttisch steht ein Tablettenbehälter.

Zwei Tabletten liegen daneben.

Walter Brauneck kneift die Augen zusammen.

Seine Lippen zittern.

Er schaut weg.

Blick von oben auf David Burger.

Nachdem sein Körper weggebracht wurde,

ist sein Körperabdruck auf der Tagesdecke zu erkennen.

Das Bild wird schwarz.

Auf einem Friedhof hat sich eine Trauergemeinde vor einem Grab versammelt.

Neben einem Pfarrer steht Olaf Nissen, im Hintergrund Anja.

Hinter Simone steht Walter Brauneck.

Mit einem dicken grauen Wollschal um den Hals steht Benni dicht vor seiner Mutter.

Er dreht eine weiße Blume in seinen Händen.

Von guten Mächten wunderbar geborgen.

Erraten wir getrost.

Simone öffnet den Mund.

Walter Brauneck umfasst sie mit beiden Armen.

Er zieht seine Lesebrille ab und drückt sie fest an sich.

Simone umklammert ihren Sohn.

Olaf Nissen geht zwischen hohen, dicht belaubten Bäumen hindurch.

Sein Mantel weht.

Er schaut zurück.

An einer kleinen Straße bleibt er stehen.

Eine dunkle Limousine parkt am Straßenrand.

Jemand sitzt hinter dem Steuer.

Nissen geht zu dem Auto.

Blick auf Schwarz-Weiß-Fotografien.

Auf einer umarmt David Giselle.

Auf einer anderen sitzen die beiden an einem Restauranttisch.

Wie lange ging das zwischen den beiden?

Ein paar Wochen.

Sie wollte uns nicht helfen.

Ich glaube, sie hat ihn wirklich geliebt.

Und sie ist schwanger von ihm.

Nissen sitzt mit den Fotos im Fond.

Er blickt auf.

Im Innenspiegel sind Georg Schepanskis Augen zu erkennen.

Weinend schaut Olaf Nissen wieder auf die Fotos hinunter.

Er drückt seine rechte Hand mit dem goldenen Ehering gegen das Gesicht.

Im Innenspiegel schaut Georg ihn an.

Später Reuer?

Was?

Georg zieht an einer Zigarette und blickt weg.

Von hinten stürzt sich Olaf auf Georg.

Sie ringen miteinander.

Was?

Er hat ihn in die Falle gelockt.

In die Falle gelockt.

Georg schüttelt ihn ab und Nissen sinkt auf seinen Platz im Fond zurück.

Das waren wir nicht.

Es tut mir so leid.

Es tut mir so leid.

Georg steckt sich eine Zigarette zwischen die Lippen.

Von hinten beobachtet Nissen ihn.

Der Blick schweift durch den Redaktionssaal.

Die Redaktionsmitglieder haben sich im Konferenzraum versammelt.

Einige Kollegen sitzen am Tisch, andere stehen an den Seiten.

Es liegt mittlerweile ein Polizeibericht vor.

Laut Polizei gibt es keine Spuren von äußerer Gewalteinwirkung.

Dafür hat man in seinem Hotelzimmer Schlaftabletten gefunden.

Viele Schlaftabletten.

Suizid.

Von der Stirnseite des Tisches schaut Brauneck zu Nissen auf der gegenüberliegenden Seite.

Ja.

Einige Redaktionsmitglieder schauen zu Walter Brauneck.

Also es sieht wohl so aus, dass David seit Jahren medikamentenabhängig war und dass er größere Probleme hatte, als wir alle wussten.

Er führte wohl so eine Art Doppelleben.

Doppelleben.

Brauneck blickt zu Nissen.

Der senkt den Blick und nickt.

Können Sie auch so eine Art Doppelleben?

Nissen schaut ihm in die Augen.

Weil sie immer so gut informiert sind.

Anja blickt zu Olaf.

Reglos schauen Olaf Nissen und Walter Brauneck einander in die Augen.

Nissen blinzelt.

Was wollen Sie mir da unterstellen?

Brauneck erhebt sich und deutet auf Nissens Unterlagen.

Darf ich das mal sehen?

Nissen schiebt eine schwarze Mappe über eine Kopie mit dem Vermerk VS Vertraulich, amtlich geheim gehalten und schüttelt den Kopf.

Olaf, ich möchte Ihre Dossiers der letzten Jahre, Ihre Quellen, Ihre Informanten, ich möchte wissen, wie Sie gearbeitet haben und vor allem möchte ich wissen, für wen Sie gearbeitet haben.

Mit großen Augen schaut Nissen ihn an.

Er presst die Lippen zusammen und schüttelt den Kopf.

In Hamburg sagt man Tschüss.

Anja schaut ihn mit großen Augen an.

Nissen bewegt leicht den Kopf.

Er nickt und legt eine schwarze Mappe auf einen Ordner.

Das lassen Sie bitte da.

Olaf Nissen schiebt alle Unterlagen zusammen und erhebt sich mit ihnen.

Er nimmt seine Aktentasche, klemmt sie mit den Unterlagen unter seinen Arm und geht Richtung Tür.

Dabei schaut er Brauneck in die Augen und hält den ausgestreckten Zeigefinger senkrecht vor die Lippen.

Nissen verlässt den Konferenzraum und geht durch die Redaktion davon.

Walter Brauneck sinkt auf seinen Stuhl.

Kollegen, ich habe einen Fehler gemacht.

Ich habe dem vertraut, was offensichtlich schien.

Offensichtlich schien, dass wir in einer Demokratie leben, die den Willen ihrer Bürger achtet und respektiert.

Offensichtlich schien, dass Einzelne sich verfehlen, nie aber das ganze System.

Offensichtlich schien es...

Offensichtlich schien, dass wir in einem System von Unschuld und Sicherheit leben.

Aber die Wahrheit ist eben nie offensichtlich.

Und manchmal braucht es auch Fantasie, um sie zu entdecken.

Anja schaut ihn mit großen Augen an.

Wir rollen den Fall Barschel neu auf.

Das sind für David schuldig.

Kollegen, an die Arbeit.

Anja nickt und Brauneck streicht über sein Gesicht.

Er schlägt mit der Hand auf den Konferenztisch und lächelt leicht.

Im Redaktionssaal wird gearbeitet.

Anja spricht mit einem Kollegen.

Eine Einblendung.

Der Todesfall Barschel ist bis heute nicht aufgeklärt.

Die Staatsanwaltschaft Lübeck lehnt weitere Ermittlungen ab, da es keine ausreichenden Hinweise auf eventuelle Tatverdächtige gibt.

Zeugen, die zur Aufklärung hätten beitragen können, wie ein Privatdetektiv und ein Waffenhändler, kamen unter ungeklärten Umständen ums Leben.

Der BND verweigert bis heute die Akteneinsicht.

Das war der Fall Barschel. Teil 2.

Mit Alexander Fehling als David Burger.

Fabian Hinrichs als Olaf Nissen.

Matthias Matschke als Uwe Barschel.

Und anderen.

Buch Kilian Riethoff, Marco Wirsch.

Redaktion Stefan Krupper und Sascha Schwingel.

Regie Kilian Riethoff.

Eine Produktion der Zeitsprung Pictures GmbH im Auftrag der ARD DIGETO für das Erste.

Trink Teraz Krupper und Sascha Schwingel.

met

Merde Eva Krrops Technologin.

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