All language subtitles for 24_0883_2013_Die chinesische Prinzessin.de

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Original subtitles

Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR

* Tatort-Titelmelodie *

(rufen auf Chinesisch)

* Schuss *

* Musik *

Wir freuen uns sehr, Ihnen eine Künstlerin präsentieren zu dürfen,

der es, wie kaum jemandem vor ihr, gelingt,

nicht nur unser unbeholfenes Bild von China zu brechen.

Sondern die widersprüchlichen Bilder zu hinterfragen,

die dieses einzigartige Land von sich selbst in die Welt trägt.

Sie ist eine der wichtigsten Vertreterinnen

der zeitgenössischen chinesischen Kunst.

Ihr international wohl bekanntestes Gesicht,

ihr schönstes allemal.

Songma, willkommen in Münster.

* Applaus und Jubel *

* Musik *

(atmet schwer)

Wir sind alle sehr glücklich.

Vielleicht können wir das nächstes Jahr noch mal machen.

Da müssen wir sie fragen. - Danke schön.

(spricht chinesisch)

Sehr nett, danke. Bitte stehen Sie auf.

Nihao. - Nihao.

(spricht chinesisch)

Nin shenti hao...

Nin shenti hao...

Ma. - Ma.

Nin shenti hao ma?

Danke, sehr gut. Und Ihnen?

Hen hao.

(korrigiert Betonung)

Hen hao. Hen hao.

* Musik *

Prof. Boene. - Boerne, mit "r".

Sind viele davon in meinem Namen: Professor Karl-Friedrich Boerne.

Kunst-Professor?

Nein, Professor der Medizin. - Ein Doktor.

Ein Doktor der Rechtsmedizin.

Ah, CSI.

Na ja, CSI... Vielleicht ein bisschen CSI.

Aber die Medizin lag bei uns in der Familie.

Wie bei Ihnen das Kaisersein.

Schon mein Ur-Urgroßvater war Mediziner.

Er war Mitglied der China-Expedition 1900 bis 1902.

Er kannte Ci... - Cixi.

Ja, Cixi. Die Kaiserwitwe, Ihre Vorfahrin.

Ist das nicht verrückt? Die Welt ist ein Dorf.

(singt betrunken) ♪ ...nie vergehen. ♪

Aussteigen.

Danke, Vaddern.

Ja, gehts? Brauch ich dir nicht helfen.

Na, kommen Sie, Nadeshda. Ein Gläschen noch.

Chef, Sie müssen ins Bett.

Ach Quatsch, jetzt kommen Sie.

Ist doch heute mein Geburtstag.

Ich muss morgen arbeiten.

Ihr Chef versteht das, da wett ich drauf.

Na klar, jetzt kommen Sie schon.

Was ist mit dir, Vadder? - Nee, ich hab Frühschicht.

Ach, komm. - Nein, nein, schon gut.

Wer nicht will, der hat schon.

Ey, Franky, wart mal, komm.

Was? - Die steht auf dich.

Echt, meinst du? - Das kannst du mir schon glauben.

Na, mach schon.

Tschüs Vaddern. - Ja, schon gut.

Nichts kann er allein.

Ach...

Sie sind auch ein Künstler, oder?

Joa... Also...

Sind Ihre Toten auch so langweilig wie diese Leute?

Nein.

Was machen wir hier noch?

* Musik *

Ich hab uns in der Küche mal eine Kleinigkeit gezaubert.

Sie haben gesagt, auf ein Glas.

Was anderes für mich, oder soll ich aus der Flasche trinken?

Hoffentlich schmeckt der Fusel überhaupt?

Ein 2004er Barolo, so was haben Sie im Haus?

Hat mir Boerne letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt.

Was ist mit Boerne? Warum war der nicht da?

Entschuldigung.

Hier.

Deswegen.

Deswegen?

Turandot.

Das ist die Geschichte von einer chinesischen Prinzessin,

die allen den Kopf abhaut, die um ihre Hand anhalten,

wenn sie die Rätsel nicht erraten, die sie...

Auf jeden Fall ist es Plädder.

Was hat das mit Boerne zu tun?

Das ist wahrscheinlich seine charmante Art,

mir zu sagen, dass er heute keine Zeit hat.

Heute ist ja diese "Vernissage" von dieser chinesischen Prinzessin,

dieser chinesischen Künstlerin.

Diese Arbeit gefällt mir ganz gut. Es ist die Arbeit eines Profis.

Es handelt sich um die Gemahlin eines Arztes.

Der Kollege wollte wahrscheinlich die Scheidungskosten sparen.

Er kannte die Gewohnheit seiner Frau genau,

jeden Abend zur selben Zeit ein Bad zu nehmen.

Er mischte ihr ein geschmacks- neutrales Mittel ins Essen,

das zu einem berechneten Zeitpunkt zu einer Hypoglykämie führen würde.

Die Dame erlitt einen Unterzuckerungsschock und ertrank.

Ja.

Während ihr Mann außer Haus war und ein wasserdichtes Alibi hatte.

Sehr elegant.

Aber er hat nicht mit mir gerechnet.

Die ganze Welt der Organe.

Jedes einzelne erzählt unendliche Geschichten,

nicht nur über die Todesursachen.

Das Herz, die Niere, die Leber, die Bauchspeicheldrüse.

Wenn ich die genug untersucht hab, brauche ich keinen Lebenslauf mehr.

Die Toten sprechen zu uns, sie schwatzen. - Pst.

Darf ich?

Ja bitte.

* Musik: "Nessun dorma" *

Auf Sie. - Auf ihn mit Gebrüll.

Ist ja auch nicht so leicht, ne? - Was jetzt?

Geburtstag, in Ihrem Alter?

(lacht) Frechheit.

Was für Material, das alles?

Eine Installation z.B.

Wunderbar, nicht?

Ein Herz. Echtes Herz.

Nieren, Leber.

Ein ganzer Mensch in Teilen.

Vielleicht eine Performance.

Sie sind ein Künstler.

Wie ich.

Nein danke.

* Musik *

(schnarcht)

* Handyklingeln *

* Melodie: "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" *

Ja?

Ja natürlich schlaf ich noch.

Was?

Wieso denn?

Ja, ich komme.

Ich komme!

Arbeit? - Ach, keine Ahnung.

Was gibts denn?

Keine Ahnung, hat nichts gesagt.

Och...

Moinsen.

Ich soll...

Also, wir sollen in die Rechtsmedizin.

Ist wohl irgendwas mit Boerne.

Ist nicht immer irgendwas mit Boerne?

Wollen Sie auch nen Kaffee?

Ja, ja... Warum nicht?

Scheiße, Scheiße, Scheiße, nein.

* Musik *

Alles okay?

Ja... Alles okay. War ein schöner Abend gestern.

Und selbst auch alles okay? - Ja klar.

Warum nicht?

* Musik *

Moinsen.

Na, das sieht ja eher nach Vandalismus aus hier.

Moin Frau Haller.

Na, hat hier einer mit Leichen gespielt?

Die Leiche ist nicht aus der Kühlung.

Das ist der Fundort und wahrscheinlich auch der Tatort.

Weiß Boerne schon Bescheid?

Wo steckt der überhaupt?

Hallo? Rede ich chinesisch, oder was?

Im Krankenhaus.

Wie im Krankenhaus? Was ist passiert?

Gehts ihm gut?

Frau Haller, was ist hier passiert?

Bitte reden Sie mit mir.

Als ich heut Morgen kam, war alles, wie Sie es jetzt sehen.

Und der Professor lag am Boden.

Rasender Puls, hochfrequente Atmung,

der stand kurz vor der Dekompensation.

Dekompensation?

Ich hab ihm ein Mittel zur Kreislauf-Stabilisierung gespritzt.

Er hat überlebt? - Ja. Ich hab ihn in die Klinik bringen lassen.

1/2 h später, ich weiß nicht, was passiert wär.

Mein Gott, wenn er überlebt hat, vielleicht hat er den Täter gesehen.

Als Frau Haller Professor Boerne fand,

hatte er das in der Hand.

Ich gehe davon aus, das ist die Tatwaffe.

Das ist doch absurd.

Das glauben Sie doch selber nicht.

Sie glauben doch nicht, dass Boerne...

Sie haben selber gesagt, er lag verletzt dort am Boden.

Nicht grad verletzt.

Eher betäubt.

Das haben wir auch gefunden, Reste von weißem Pulver.

Ich denke nicht, dass das Spachtelmasse ist.

Das ist doch...

Das ist doch diese chinesische Prinzessin.

Wie kommt die denn hierher?

Dafür gibt es eine Erklärung.

Dafür muss es eine Erklärung geben.

Amnesie. Das heißt? - Gedächtnisverlust.

Ich weiß, was das heißt. Aber was soll das jetzt heißen?

Woran kann er sich nicht mehr erinnern?

Weiß er nicht, dass er Boerne ist? - Sie meinen wie im Film?

Kennt seinen Namen nicht, aber spielt Klavier wie ein Gott,

obwohl er nicht weiß, was er alles kann?

Kollege Boerne kann sich an die letzte Nacht nicht erinnern.

Nicht an alles.

Eine retrograde, vermutlich vorübergehende Amnesie.

Ausgelöst durch die Intoxikation oder ein traumatisches Erlebnis.

In diesem Fall wahrscheinlich beides.

Was für eine Intox... Wodurch? - Kokain.

Nee. - Kollege Boerne hatte mehr Kokain im Blut

als die Stones zu ihren besten Zeiten zusammen.

Ist nicht wahr. - Gefolgt von einer Polymorphen Ventrikulär-Tachykardie.

Wenn Kollegin Haller nicht eingegriffen hätte,

wäre Herzstillstand nicht ausgeschlossen gewesen.

Man muss von einer temporären

substanz-induzierten psychotischen Episode ausgehen.

Weitere Symptome wären erhöhte Aggressionsbereitschaft

und Kontrollverlust. - Verletzungen hat er keine?

Doch, ein kleines Ödem am Hinterkopf und ne Gehirnerschütterung.

Könnte es sein, dass er niedergeschlagen wurde? - Möglich.

Aber sein Zustand lässt schließen, dass er zusammengebrochen sein muss.

Nicht unwahrscheinlich,

dass er sich die Verletzung beim Sturz zugezogen hat.

Ich würde ihn... Ach, Moinsen Dieter. - Morgen.

...gerne mal sprechen. - Natürlich. - Alleine.

Verstehe.

Entschuldigung.

* Musik *

Sie können sich an nichts weiter erinnern?

Kommen Sie, Boerne, reißen Sie sich zusammen.

Die haben mein Hemd einbehalten wegen Blutspuren von ihr.

Das Hemd hatten wir bereits.

Also gut.

Fangen wir noch mal von vorne an. Ganz von vorne.

Wie ist die Frau in die Rechtsmedizin gekommen?

Wir haben uns da kennengelernt... Bei der Vernissage. - Ja.

Wir haben uns gut verstanden.

Dann hat sie sich interessiert für meine Arbeit.

Und dann...

Sie fanden sie süß und haben ihr dann die Leichen gezeigt.

Wie man das halt so macht.

Und was passierte dann?

Ich hab nichts genommen von dem Kokain.

Das hat sie mir angeboten, aber ich hab das nicht genommen.

Boerne, Ihre Blutwerte sagen etwas komplett anderes!

Gut, wir haben die Spurenlage noch nicht analysiert...

* Musik *

Sie hatte Angst vor mir.

Songma hatte plötzlich Angst vor mir.

Was? - Songma, sie hatte plötzlich Angst vor mir.

Boerne, können Sie sich daran erinnern?

Was? Das weiß ich nicht.

Boerne...

Wie soll ich Ihnen so helfen?

Tut mir leid.

Ja, ich komm jetzt runter, Nadeshda.

Nee, überhaupt nix.

Ich wusste, dass so was passieren kann.

Wie, Sie wussten, dass so was passieren kann?

Herr Martin?

Songma hat ihre künstlerische Arbeit

immer mit ihrer politischen Arbeit verbunden.

Sie hat die Aufmerksamkeit, die sie für Kunst bekommen hat, genutzt,

gegen die chinesische Regierung zu protestieren.

Ich hab sie gebeten, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren.

Da hat sie nur gelacht. - Hatten Sie was dagegen?

Ja, ich bin um Zurückhaltung gebeten worden.

Von wem?

Als der Ausstellungstermin feststand, hat mich jemand

vom Außenministerium angerufen und mich wissen lassen,

dass man es begrüßt, wenn es keine politischen Statements geben würde.

Unsere eigenen Leute?

Songma stand in ihrer Heimat mehrfach unter Hausarrest.

Der chinesische Geheimdienst hat sie permanent überwacht.

Auch im Ausland.

Der Geheimdienst? - Ja.

Hier in Münster? - Natürlich, überall.

Der Geheimdienst hat sie auch umgebracht.

Der Geheimdienst hat Songma umgebracht.

Der Geheimdienst? Mhm.

Wo sind Miao und Yu-Tang?

Bitte wer? - Songmas Assistenten.

Ist ihnen was passiert? Sie müssten längst hier sein.

New York, London, Brüssel, Paris. Ausstellungen auf dem Time Square.

Woher wussten Sie das eigentlich alles?

(spricht chinesisch)

Die Tür steht offen.

Warten Sie bitte hier draußen. Verhalten Sie sich ganz ruhig.

Ach du Scheiße.

(spricht chinesisch)

Keine Angst, wir sind von der Polizei.

Keine Angst.

Hey, stehen bleiben!

Stehen bleiben!

Alles in Ordnung?

Stehen bleiben, Polizei!

Stehen bleiben, oder ich schieße.

Schön stehen bleiben. Du bleibst auch stehen!

Hey stehen bleiben! * Schuss *

Wer sind Sie und was machen Sie hier?

Ausweis.

Was? - Ausweis. Polizeiausweis.

Den hab ich nicht dabei, aber ich bin von der Polizei.

Der Wagen, der geflüchtet ist, gehört einer Mietwagenfirma.

Angemietet vom chinesischen Generalkonsulat in Frankfurt.

Passt. - Wieso?

Unser Freund hatte einen Diplomatenpass.

Ich sag Ihnen, es war der Geheimdienst.

Kennen Sie diesen Mann?

Hat er das da oben angerichtet?

Ich glaub, wir brauchen nen Dolmetscher.

Nein. Miao spricht hervorragend Deutsch.

Sie haben Angst. Die Polizei könnte sie beschützen.

Frau Miao, wo ist Ihr Verlobter? Ist er in Gefahr?

Nadeshda, schauen Sie mal, was der Diplomat in seiner Tasche hatte.

Kennen Sie diesen Mann? - Nein.

Ach, das ist Songmas Laptop.

Vielen Dank für den Hinweis. Steht ja auch drauf. - Ja dann...

Was hatten Sie da zu suchen, Herr Wang?

Gehört das zu Ihren Aufgaben als Diplomat,

die Wohnungen Ihrer Landsleute zu verwüsten?

Und wo wir dabei sind, wo waren Sie eigentlich letzte Nacht?

In Münster?

Sie kennen doch die Künstlerin Songma.

Wissen Sie, was mit ihr passiert ist?

Ich finds zwar merkwürdig,

dass Sie als Diplomat in Deutschland kein Deutsch sprechen können,

aber ich kann bei Ihren Kollegen einen Dolmetscher ordern.

Sie haben meinen Pass gesehen, Herr Kommissar.

Oh, es spricht.

Sie kennen meinen Status als Diplomat.

Und Sie wissen, d.h. Sie sollten wissen, dass es illegal ist,

was Sie hier machen.

Illegal. Aha.

Und einen Computer klauen ist nicht illegal, he?

Sie haben den Laptop von Songma mitgehen lassen. Warum?

Sie werden für Ihr Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen.

Seien Sie sicher.

Jaja, alles klar. Wie bei Ihnen zu Hause?

Genickschuss und Ende Banane?

* Handyklingeln "Auf der Reeperbahn nachts um halt eins" *

Bin gleich wieder da.

Machen Sie sich keine falschen Hoffnungen.

Ich mach dich zur Frühlingsrolle, Papp-Chinese.

Ach...

Was gibts denn? - Wir haben einen Verdächtigen.

Ach so, nein, das ist Frau Xia... Frau Mia... - Xia Miao.

Xiang Miao... Sie ist auch Opfer, also Zeugin.

Eine Mitarbeiterin der Prinzessin Songma.

Äh, die Assistentin.

Die Assistentin der Prinzessin.

Mein tiefempfundenes Beileid. - Danke.

Was ist los? - Gehen wir besser in mein Büro.

Der Herr Professor bitte auch.

Die Gästewohnung, in der Songma und ihr Team untergebracht ist,

wurde aufgebrochen und durchwühlt.

Wir haben einen der Männer auf frischer Tat ertappt.

Er sitzt im Vernehmungsraum. Schauen Sie, Herr Professor.

Haben Sie diesen Mann schon mal gesehen?

Kennen Sie den?

Haben Sie ihn letzte Nacht gesehen?

Kommen Sie, schauen Sie sich das Bild in Ruhe an,

setzen Sie sich hin, vielleicht erinnern Sie sich wieder.

Wer ist das?

Das ist Herr Wang... Ching, Chang, Chong.

Wang Yijaian, vom chinesischen Generalkonsulat in Frankfurt,

angeblich Kulturattache.

Sie haben einen Diplomaten festgenommen?

Das ist nicht wahr, Thiel?

Ich hab ihn auf frischer Tat ertappt.

Hätte ich erst die UNO- Vollversammlung einberufen sollen?

Das ist absolut illegal.

Das kostet uns alle den Job, Thiel.

Der Mann hat offensichtlich versucht, Beweise zu vernichten.

Frau Klemm, Songma hatte ne Präsentation vorbereitet

für die Pressekonferenz, die heute angesetzt war.

Es geht um die Provinz Xinjiang,

die überwiegend von Uiguren bewohnt wird.

Menschenrechtsverletzungen sind da an der Tagesordnung.

Songma hatte eine lange Liste von staatlichen Übergriffen

mit Daten, Fotos, Zeugenbefragungen.

"Mein Name ist...

Sie wollten mich zwingen, die Namen von Studenten zu nennen,

die an Demonstrationen teilgenommen haben.

Als ich mich verweigert habe, verlor mein Mann seine Arbeit."

Das ist doch klar, die wollten die Veröffentlichung verhindern.

Deswegen haben sie erst Prinzessin Songma umgebracht

und dann versucht, sich die Beweise untern Nagel zu reißen.

Können Sie das beweisen? * Handyklingeln *

Das werde ich noch.

Klemm.

Verstehe, bin sofort da.

Tja, jetzt ist die Kacke am Dampfen.

Holen Sie Ihren Fang und bringen Sie ihn zu mir.

Der Mann heißt Wang und nicht Fang. Was ist überhaupt los?

Ein diplomatischer Zwischenfall. Bei mir im Büro.

Ach du Kacke.

Frau Staatsanwalt? Frau Klemm? - Chef?

Hier.

Seite ist auf.

Danke.

Frau Klemm?

Thiel, endlich. Unser Ermittlungsleiter.

Moinsen.

Das ist Herr Yu Xianseng von der Botschaft der Volksrepublik China.

Dr. Müller vom Auswärtigen Amt

und Dr. Müller-Arnke vom Innenministerium in Düsseldorf.

Wie es aussieht, ist ein bedauerlicher Fehler geschehen.

Das glaub ich auch.

Regimegegner auf deutschem Boden zu verfolgen,

nur um brisante Veröffentlichungen zu verhindern.

Und dann nicht mal vor Straftaten

wie Einbruch oder Mord zurückzuschrecken. - Thiel.

Wir sind nicht hier, um neue Missverständnisse zu schaffen.

Ich nehme an, Sie haben da allgemein gesprochen.

Sie haben ja recht. - Ach, hätte ich das? - Allgemein ja.

Es war ein Missverständnis, ganz richtig.

Als Kulturattache war es meine Aufgabe,

unsere Künstlerin Songma bei ihrer Arbeit im Ausland zu unterstützen.

Zu diesem Zweck wollte ich sie heute Morgen

in ihrer Unterkunft aufsuchen.

Ja, das glaub ich gern.

Ich war schockiert, als ich die Wohnung sah,

und ging sofort wieder, um die Polizei zu verständigen.

Mit dem Laptop von Songma. Das wollen wir nicht vergessen.

Als ich draußen war, wurde ich von diesem Herrn angegriffen.

Ich hielt ihn für einen der Verbrecher und floh.

Ich bin Ihnen hinterhergerannt und habe gerufen:

Stehen bleiben, Polizei!

Und da haben Sie gedacht, ich wäre ein Verbrecher?

Hatten Sie einen Ausweis?

Ein Missverständnis, eindeutig.

Damit hätten wir das Problem ja geklärt.

Nein, im Gegensatz zu Ihrem Beamten konnte sich unser Kollege ausweisen,

als Diplomat der Volksrepublik China.

Und dennoch ist er festgenommen worden.

Eine eindeutige Missachtung seiner Immunität.

Das ist ein bedauerlicher... - Moment.

Das war keine Festnahme, sondern kurzzeitiges Festhalten,

das ist ein Riesenunterschied.

Laut dem Wiener Übereinkommen vom April 1961

über diplomatische Beziehungen

ist ein kurzzeitiges Festhalten gestattet.

Nämlich, um den Status und die Privilegien und die Identität

eines Diplomaten zweifelsfrei feststellen zu können.

Exakt. Das war es.

Ein kurzzeitiges Festhalten.

(spricht chinesisch)

Dann wäre die Angelegenheit natürlich erledigt.

Ich hoffe, Sie finden Ihren Mörder bald.

Halten Sie uns bitte auf dem Laufenden.

Selbstverständlich. - Ganz sicher... nicht.

Das war das letzte Mal, dass Sie querschießen. - Wie meinen?

Stellen Sie bitte das Ding da an.

Was in Münster als Meilenstein der zeitgenössischen Kunst begann,

wird jetzt von einer entsetzlichen Katastrophe überschattet.

Songma, Chinas bekannteste Künstlerin,

die mutige Bürgerrechtlerin,

die sich für die Meinungsfreiheit eingesetzt hat, Songma ist tot.

Sie wurde letzte Nacht ermordet.

Wir waren sehr stolz, in unserem kleinen Museum

einen weiteren Meilenstein dieser Künstlerin ausstellen zu dürfen.

Jetzt müssen wir erkennen, dass wir die traurige Ehre haben,

ihr Vermächtnis zu präsentieren.

Songma wurde mundtot gemacht,

und wir wissen alle, wer ein Interesse daran hatte.

Ich war bei der Festnahme eines Verdächtigen anwesend.

Ich kann Ihnen bestätigen, dass es sich

um einen Vertreter der chinesischen Behörden gehandelt hat.

Was haben wir noch?

Ja, da ist...

Wir haben einen Verdächtigen. Ich habe Haftbeschluss beantragt.

Ich kann mich nicht erinnern.

Sie müssen, Boerne.

Sie müssen, verdammt noch mal!

Sie wissen, wo Sie sonst landen.

Herr Thiel, ich leide an Retrograder Amnesie,

nicht an einem plötzlichen Ausbruch von Naivität.

Wovor haben Sie Angst?

Dass Ihrem Verlobten irgendwas passiert?

Wo ist er?

Wir können ihm helfen, verdammt!

Okay, okay, okay.

Aber wegen dieser Pressekonferenz, da können Sie uns doch helfen.

Die Sache mit den Uiguren, wem hätte Songma da ins Bein gebissen?

Hat irgendjemand versucht, Songma von der Pressekonferenz abzuhalten?

Vielleicht dieser Chef-Diplomat, dieser Wang? War es der?

Hat er Sie bedroht?

(brüllt) Verdammte Scheiße!

Jetzt hab ich hier 2 taubstumme Zeugen.

Wunderbar. Was wünscht man sich mehr?

Tut mir wirklich leid.

Glauben Sie mir, wir können Ihnen helfen und Ihrem Verlobten auch.

Wir können sogar Asyl für Sie beantragen.

Aber wenn Sie wollen, dass wir Sie vor diesen gefährlichen Leuten

schützen, müssen Sie mit uns reden.

Sie glauben, diese Leute sind gefährlich?

Was meinen Sie damit? Sind die nicht gefährlich?

Oder gibts noch andere, die noch gefährlicher sind?

Chef? - Ja?

Der Haftbeschluss.

Tja...

Tut mir leid.

* Musik *

Alles okay?

Nein.

Wir holen ihn da raus.

Ist er denn unschuldig?

Mhm.

Ach, brauchen Sie mein Handy noch?

Ach so, nein.

Danke.

Hätte ich nicht gedacht,

dass mir das Wiener Abkommen den Arsch rettet.

Danke.

In Münster sind die Untersuchungsgefangenen

nicht getrennt von den Verurteilten untergebracht.

Sprechen Sie nur das Nötigste. Lassen Sie sich nicht provozieren.

Am besten, Sie bleiben für sich.

Warten Sie.

Hier, damit geht die Zeit besser um. Na, kommen Sie.

Silke Haller hier, die Assistentin von Prof. Boerne.

Ich hätte ein paar Fragen zu den Laborbefunden.

* Musik *

(spricht chinesisch)

Alles in Ordnung?

Ich kümmere mich um Miao.

Wir haben eine kleine Gästewohnung, da kann sie bleiben.

Haben Sie was von ihrem Verlobten gehört? - Nein.

Ich fürchte das Schlimmste.

Sie stehen ein bisschen auf Drama, hm?

Haben Sie uns gestern den Andy Warhol gemacht? - Bitte?

Das ist doch der mit "15 Minuten Ruhm" für jedermann.

Schade, dass mit der Pressekonferenz Ihre 15 min schon weg sind.

Aber wenn man mit so einem Mord auch noch Profit machen kann...

Ich musste die Öffentlichkeit von Songmas Tod informieren.

Sie mussten überhaupt nichts,

schon gar nicht von unserem Ermittlungsstand reden.

Ich werde doch sagen dürfen, was ich gesehen habe.

Die Chinesen kommen her, bringen Leute um und werden beschützt?

Wo waren Sie letzte Nacht?

Was wollen Sie denn damit sagen?

Nichts. Wenn am Ende des Satzes ein Fragezeichen steht,

ist es eine Frage.

Wo waren Sie letzte Nacht?

Bei der Vernissage. Danach bin ich mit Gästen was trinken gegangen.

Sponsoren muss man bei Laune halten.

Das werden Ihre Sponsoren sicher bezeugen können.

Ja.

Natürlich.

Chef?

Ein Toter im Wald in der Nähe von Burg Hülshoff.

Ein Asiate.

Ein Chinese? - Ein Kollege sagte, ein Asiate.

Ich melde mich noch mal. Wir müssen leider los.

* Musik *

Ich habe einen Termin.

Wenn Sie was brauchen, sagen Sie Bescheid. - Danke.

Ich weiß, Sie machen sich Sorgen um Yu-Tang.

Wo ist er? - Ich weiß nicht.

Hören Sie.

Ich kann Yu-Tang helfen, Ihnen beiden.

Was glauben Sie denn?

Diese Leute sind gefährlicher als der Geheimdienst.

Wer?

Asiate... Der sieht aus wie Dschingis Khan.

Mongole oder so?

Flüchtlingspass der Republik Palau.

Der Mann heißt Alim Can. Er ist 40 Jahre alt.

Geboren wurde er in Ürümqi.

Das hab ich schon mal gehört. - Ja, vorhin.

Die Frau in dem Video auf Songmas Laptop.

Ürümqi ist die Hauptstadt der Provinz Xinjiang.

Die Provinz der Uiguren.

Die Prinzessin will über die Unterdrückung der Uiguren reden

und wird ermordet.

Und was finden wir in Münsters Wald? Einen Uiguren.

So ein Zufall, was?

Spurensicherung ist unterwegs? - Angefordert und unterwegs.

* Musik *

* Klopfen *

Yu-Tang!

Ein Uigure mit dem Flüchtlingspass einer Südseeinsel.

Schätze, da finden wir schnell was. - Wahrscheinlich.

Nadeshda... - Ja?

Ich...

Es tut mir leid, das hätte nicht passieren dürfen.

Tut mir wirklich leid. - Chef.

Da können Sie doch nichts für.

Nein?

Ich kann nichts dafür?

Hätten Sie doch gar nicht verhindern können. - Ach so?

Ich dachte immer...

Egal, was da passiert ist, es ist Boernes Problem.

Wir müssen es ihm ja ni...

Boerne?

Nein, nein, ich...

Ich meine...

Wegen gestern, ich mein...

Ich war einfach so betrunken.

Und? War ja wohl nicht das 1. Mal.

Das war nicht das 1. Mal?

Nadeshda, wir beide...

Ich hätte das nicht machen dürfen.

Sie haben nichts gemacht.

Sie sind irgendwann ins Schlafzimmer getorkelt und aufs Bett gefallen.

Ich hab aufm Sofa geschlafen, weil ich auch ziemlich...

Echt? - Ja.

Das ist ja großartig.

Und ich dachte schon...

Sie dachten, wir beide?

Ja... - Sie und ich? (lacht)

Was ist daran so irrsinnig komisch?

* Musik *

Die Verletzung, die der Angeklagte am Körper aufwies,

hat er sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit

selbst zugefügt.

Somit ist eindeutig von einem Tötungsdelikt auszugehen,

das äußerst dilettantisch als Notwehr kaschiert werden sollte.

Ihr Gutachten, das mich hergebracht hat.

Best, Jan Best.

Sie erinnern sich nicht, oder?

Da gibt es einfach zu viele.

Alim Can war chinesischer Staatsbürger

und in den Augen der chinesischen Regierung

Separatist und Terrorist der Provinz Xinjiang.

Uigure, wissen wir schon.

Darf ich mal?

Also...

Er war einer von 6 Uiguren, die auf Drängen der chinesischen Regierung

im Krieg in Afghanistan festgenommen wurden

und danach 8 Jahre in Guantanamo saßen.

Am Ende nachweislich unschuldig.

Und die Amis wollten die wieder loswerden.

Aber wohin damit? - Richtig.

Palau war der einzige Staat, der bereit war, sie aufzunehmen.

Aus der Südsee hierher ins Münsterland.

Genau zu der Zeit, wo Songma hier ist.

Dann werden sie am gleichen Tag umgebracht.

Wenn das nicht der chinesische Geheimdienst war,

fresse ich nen Besen.

Einverstanden. Würden Sie auch Kokain fressen?

Nur in den seltensten Fällen.

Der Untersuchungsbericht. - Danke, Frau Haller.

Können Sie ihn auf den Schreibtisch legen?

Das ist nicht die Autopsie von Songma?

Das sind Boernes Befunde aus der Klinik.

Du rufst nicht mal an, wenn du was brauchst.

Glaubst du, ich trag dir alles hinterher? - Vaddern, nicht jetzt.

Wenn du deine Brieftasche irgendwann brauchst,

du weißt, wo du mich findest. - Vaddern, warte.

Spinnst du?

Weißt du, was ich für nen Stress hatte wegen der Brieftasche?

Jetzt her damit. - Ihr habt zu tun.

Mit dem Kokain in Boernes Körper

hätte man zwar einen Elefanten zum Steppen bringen können...

Der Professor zieht sich Koks rein?

Er sah für mich aus wie ein gepflegter Alkoholiker.

Die Kollegen im Labor haben was übersehen.

Ich hab mir die Daten angeschaut.

Die Konzentration in seinem Mageninhalt

beträgt über 180 Mikrogramm/ml.

200-mal höher als die Konzentration in seinem Blut.

Das heißt?

An Boernes Nasenschleimhäuten wurde kein Kokain nachgewiesen,

sondern nur bei den Abstrichen an Mund- und Rachenraum.

D.h. dass er das Zeug oral zu sich genommen hat.

Er wird das Koks doch nicht gefuttert haben.

Also, Haschplätzchen kann man essen...

Vaddern, kannst du bitte die Klappe halten?

Und dann das Ödem an seinem Hinterkopf

und Boernes Gehirnerschütterung.

Das belegt doch, dass er erst niedergeschlagen

und ihm das Koks danach verabreicht wurde.

Kein Wunder, dass er sich nicht erinnern kann.

Ich fahr gleich zur JVA. - Ich kann ne Fahrt gebrauchen.

Eine bezahlte Fahrt, ja? - Ich hab einen Dienstwagen.

Und ich hab deine Brieftasche.

Danke. - So hohe Werte hab ich noch nie gesehen.

Das erklärt natürlich meine... - Gedächtnislücke?

Amnesie.

Verdammt, was ist denn da passiert?

Boerne hat nen Bekannten wiedergetroffen,

dann gabs ne Wiedersehensparty. - Ich hol den Verbandskasten.

Lass uns erst mal losfahren. - Und wer zahlt die Reinigung?

(räuspert sich)

Danke, Alberich. Danke.

Das war doch selbstverständlich.

Wenn ich Sie dann bitten dürfte,

mit der Obduktion der 2. Leiche zu beginnen.

Wie es aussieht, werde ich noch eine Weile außer Gefecht sein.

Haben Sie ein Taschentuch?

Ich möchte mich nicht einmischen. Der Tote aus dem Wald, ein Uigure?

Ja, wieso?

Wenn der Mann Ärger machen wollte,

kann das sein, dass man ihn liquidieren wollte.

Vielleicht auch Songma. - Das glaube ich nicht.

Dafür war sie zu prominent.

Aber sie war Bürgerrechtlerin.

Ja, aber die Gefahren,

die in Songmas Fall von der Öffentlichkeit ausgegangen wären,

wären größer gewesen als der Nutzen, den ihr Tod gebracht hätte.

Nein, nein...

Das waren ganz andere.

* Musik *

Da kommt er.

Sie bleiben hier und rühren sich nicht vom Fleck.

Ein toter Uigure? - Ja.

Alim Can heißt der Mann.

Nie gesehen. - Den Namen schon mal gehört? - Nee.

Und Songma hat nie etwas darüber geäußert?

Alim Can, Uiguren oder so?

Sie als Musemsdirektor müssen doch gewusst haben,

was sie auf der Pressekonferenz vorhatte.

Ich bin Kurator, ich bin kein Direktor.

Was war Ihre Frage?

Ich hab nichts gewusst. Songma hat ihren eigenen Kopf.

Sind Sie zu Hause, Miao?

Ich bins, Doktor Martin, mit der Polizei.

Sie haben doch den Schlüssel. - Ja.

Stehen bleiben!

Stehen bleiben!

Hey, bleib stehen!

* Musik *

Hey!

Nadeshda, kümmern Sie sich um den Typen?

* Musik *

Ach du Scheiße, ist er...

Bewusstlos.

Ne Halskrause, dann kommt das wieder in Ordnung.

Krankenhausreif, ja?

Na herzlichen Glückwunsch, Herr Professor.

Das ist bestimmt wieder einer,

der uns mit seinem Diplomatenausweis vor der Nase rumwedeln wird.

Ich glaube nicht, dass dieser junge Mann Diplomat ist.

Schauen Sie mal.

Sehen Sie das?

Das Erkennungszeichen der Triaden.

Triaden? Die chinesische Mafia?

Ist das Ihr Ernst? - Ja.

Chinesische Mafia, Geheimdienst... Was denn noch?

FBI? CDU? GEZ?

Was ist das hier? Versteckte Kamera? Verstehen Sie Spaß?

Ihr könnt rauskommen!

Boerne, wir sind in Münster.

Hier gibts keine Triaden oder Agenten.

Wir haben noch ein Problem. - Nämlich?

Dr. Martin ist weg. Einfach abgehauen.

Sie hatten sein Alibi doch überprüft?

Nein?

* Musik *

Killer der chinesischen Mafia.

Ganz sicher? - Ja, ziemlich sicher.

Der steht auf der Fahndungsliste von Interpol.

Und was sagt er?

Nix. Gar nix, kein Piep, kein Papp.

Der wird auch nichts sagen.

Ein Triade würde sich eher das Herz aus der Brust reißen

als Verrat begehen.

Deswegen sollten wir uns die Assistentin von Songma,

diese Miao, noch mal vorknüpfen.

Nein.

Ich werde nicht zulassen, dass ein inhaftierter Hauptverdächtiger

eine Zeugin befragt.

(flüstert) Ich hatte gehofft, das niemals sagen zu müssen,

aber ich könnt den gut gebrauchen.

Er kennt sich ein bisschen aus mit dem Chinakram.

* Telefonklingeln *

Herr Dr. Müller-Arnke, was kann ich für Sie tun um diese Uhrzeit?

Natürlich hab ich davon gehört.

Wir sind mitten in den Ermittlungen.

Ach, hier sind Sie.

Und? Hat sie was gesagt? - Nichts.

Aber die weiß was.

Die will ihren Verlobten schützen.

Herr Professor, könnten Sie nicht versuchen,

mit allgemeinen Themen ein bisschen... Sie wissen schon.

Was wird das?

Haben Sie Jürgen Martin erreicht? - Nee, die Fahndung läuft.

Überprüfen Sie sein Alibi.

* Musik *

* Handyklingeln *

Wollen Sie nicht rangehen? Ist sicher Ihr Verlobter.

Ich hatte Frau Xia gesagt, dass wir ihr und dem Herrn... - Zhao.

...helfen wollen.

Ja? Ich nicht.

Ich werde Ihnen nicht helfen.

Weder Ihnen noch Ihrem Verlobten.

Im Gegenteil, ich werde Sie verhaften lassen.

Wie lange geht das schon? - Was?

Wie lange arbeiten Sie schon für die Triaden?

Wo nehmen Sie das denn her?

Jetzt raus mit der Sprache!

Yu-Tang und ich haben nichts getan. Songma ist schuld an allem.

Songma?

Was reden Sie da? Songma ist eine mutige Frau.

Die hat sich für die Rechte anderer eingesetzt

und für Freiheit gekämpft. - Songma?

Songma wollte Sensationen, sonst nichts.

Deswegen hat sie Alim Can hergeholt.

Der Mann, der auch ermordet wurde.

Was hat Songma mit Alim Can zu tun?

Songma wollte ihm auf der Pressekonferenz

ein Buch überreichen.

Ein sehr altes Buch, 1.000 Jahre alt.

Der Kutadgu Bilig beweist, wie lange es die uigurische Kultur schon gibt

auf ihrem heutigen Gebiet.

Der Geheimdienst wollte die Übergabe verhindern, oder wie? - Ja.

Aber etwas anderes war für die wichtiger.

Was denn?

Alim Can hatte Beweise mitgebracht auf einem USB-Stick.

Was für Beweise?

Beweise, dass die uigurische Terrororganisation

eine Erfindung der chinesischen Regierung ist.

Gleich nach dem 11. September hat die chinesische Regierung behauptet,

dass auch in China

eine islamistische Terrororganisation existiert.

Und das alles mit der Zustimmung der USA.

* Musik *

Haben Sie es?

Wie denn?

Sie wissen, dass die Polizei da war? - Nicht mein Problem.

Ja, Sie haben ja Ihren Diplomatenpass.

Und wie erklär ich denen, dass ich einfach weggefahren bin?

Wann bekommen Sie es?

Ich treffe heute Yu-Tang.

Er gibt mir den Stick, wenn ich ihm das Buch überlasse.

Ich will beides, die Daten und das Buch!

Und diesmal sollten Sie nicht versagen.

Sie würden nicht nur eine Menge Geld

und die schönen beruflichen Kontakte in unserem Land verlieren,

die Ihnen so wichtig sind.

Was, wenn sich herausstellen würde, dass es eine islamistische,

terroristische Zelle in China gar nicht gibt?

Dann hätte die chinesische Regierung ein Problem.

Genau das wollte Songma beweisen.

Aber Songma hatte doch diese Beweise nicht.

Die hatte dieser Uigure, Alim Can.

Deswegen wird der Geheimdienst ihn auch umgebracht haben.

Es muss ihr etwas anderes zum Verhängnis geworden sein.

Ja klar, das Buch.

Woher hatte Songma dieses Buch?

Wollen Sie ihr was anhängen, Herr Thiel?

Ist es das, was Sie versuchen?

Wollen Sie ihr posthum etwas anhängen?

Wollen Sie das?

Ich versuche hier, einen Sachverhalt zu klären!

Kommen Sie mit raus.

Sie haben doch selber gesagt, dass der Geheimdienst

keine Verantwortung trägt für den Mord in Songma.

Wenn ich den Geheimdienst ausschließe,

oben den Chef-Triadenkiller sitzen habe,

dann stelle ich mir gewisse Fragen.

So, Entschuldigung.

Jetzt noch mal von vorne.

Woher hat Songma dieses Buch?

Es war in einem Privatarchiv in Nanjing,

bis die Triaden es gestohlen haben.

Songma hat es von ihnen.

Entschuldigung, aber das ist doch unlogisch.

Warum sollten die Triaden Songma das Buch einfach geben?

Seit einiger Zeit hat sie für die Triaden

wertvolle Antiquitäten außer Landes gebracht.

Mit den Transportmöglichkeiten, die sie hatte, war das kein Problem.

Da haben Sie es, Herr Professor.

Ihre kleine Prinzessin war eine kleine Schmugglerin.

Sie suchen bloß nen Sündenbock.

Wo sollte sie das Buch abliefern?

Eine chinesische Importfirma außerhalb von Münster.

Sie heißt Long, glaube ich.

Aber diesmal war es anders.

Das Kutadgu Bilig konnte sie nicht aus der Hand geben.

Das hat sie nicht über sich gebracht.

Weil sie den historischen und politischen Wert dieses Buches

für das Volk der Uiguren verstanden hat.

Weil sie es ihnen zurückgeben wollte.

Sie hat mit unserem Leben gespielt.

Die Triaden sind gefährlich. Jeder weiß das.

Boerne, das klingt doch logisch.

Die Triaden wollten das Buch wieder.

Deswegen haben sie Songma umgebracht.

Yu-Tang hat es gesehen.

Er wollte Songma sagen, dass Alim Can tot ist.

Er ist ihr nachgegangen,

als Songma aus dem Museum kam mit Ihnen.

Er hatte gesagt, er konnte ihr nicht helfen, er hatte Angst.

Noch mal. Yu-Tang hat das gesehen?

Das hieße, dass Ihr Verlobter den Herrn Professor entlasten könnte.

Dann hätten wir einen Augenzeugen. - Augenzeugen.

* Musik *

Haben Sie das Buch?

Wo ist der Stick?

Wo ist der Stick?

Sie bekommen ihn wieder, wenn ich da raus bin.

Das war nicht verabredet!

Meine Lebensversicherung.

Solange ich den Stick habe, wird der Geheimdienst mir helfen.

Los, kommen Sie.

Jürgen Martin war mit seinen Sponsoren Wein trinken,

wie er gesagt hat.

Aber er ist erst 20 bis 25 min nach ihnen eingetroffen.

Das ist genügend Zeit, um kurz in die Rechtsmedizin zu fahren.

Hat Yu-Tang irgendetwas gesagt,

dass er Dr. Martin dort gesehen hat oder sein Fahrzeug?

Über Dr. Martin hat Yu-Tang nichts gesagt.

Es waren die Triaden. Sie haben Songma ermordet.

Dr. Martin hat in den letzten Monaten 7 Dienstreisen gemacht.

Der hat sich mit Vertretern

staatlicher Kulturbehörden und Museen getroffen.

Und diese Ausstellung hier wird maßgeblich

von der chinesischen Botschaft in Berlin gesponsert.

Wie bitte? Die chinesische Regierung

unterstützt eine Ausstellung einer Regimegegnerin?

Wenn man jemanden kontrollieren will, gibt es nichts Besseres.

Dieser Dr. Jürgen Martin...

Der arbeitet für den chinesischen Geheimdienst.

Yu-Tang und ich haben ihm nie getraut.

Er hat ständig Fragen gestellt, aber Songma war es egal.

Sie dachte, sie hat ihn im Griff.

Dr. Martin wird Yu-Tang nicht helfen.

Verdammt, wieso sind Sie nicht früher zu uns gekommen?

Wir hätten Sie schützen können.

Das glauben Sie? - Allerdings.

Diese Leute sind zu mächtig.

Die machen weiter, bis die haben, was sie wollen.

Yu-Tang will uns da rausholen.

Er will alles beenden, bevor...

...bevor das Baby da ist, hm?

Wie bitte?

Sie ist schwanger?

Entschuldigung, Sie sind schwanger?

Bitte machen Sie sich...

Guten Tag. - Guten Tag.

Kann ich helfen? - Wir übernehmen.

(lacht) Wie? Wir übernehmen?

Wer übernimmt hier was? - Das LKA.

Mit Unterstützung des BKA und des Verfassungsschutzes.

Vielen Dank, aber wir sind gerade dabei, den Fall zu lösen.

Bzw. beide Fälle. - Sehr gut.

Sie übergeben uns Ihre Erkenntnisse, wir führen den Fall zu Ende.

Frau Staatsanwältin, der Herr Professor ist so gut wie entlastet.

Ein wenig Geduld werden Sie hoffentlich noch aufbringen können.

Und wie lange?

Wie lange brauchen Sie, um zu entscheiden,

welcher Chinese sich nach deutschem Recht verhalten muss?

Das ist die Zeugin?

Ja. Aber die versteht Sie nicht.

Ist auch kein Dolmetscher mehr im Haus.

Sie kann kein Deutsch? - Nein. Nicht ein Wort.

Kein Englisch, kein Französisch, gar nichts, immer nur Chinesisch.

Sie hatten einen Dolmetscher, als Ihre Aussage aufgenommen wurde?

Ja, und es war kompliziert.

Man muss unglaublich viele Formulare...

Wir besorgen einen Dolmetscher.

Kommen Sie bitte mit?

* Musik *

Thiel, gucken Sie nicht so.

Was hätte ich machen sollen?

Chinesen, Thiel.

Geheimdienst, Mafia, das wächst uns über den Kopf.

Wir haben schon kulturelle Probleme,

wenn ein katholischer Priester in einen Fall verwickelt ist.

Was wird aus Prof. Boerne? - Na, zurück ins Gefängnis. Oder?

Ich sorge dafür, dass ihm dort nichts mehr passiert.

Kommen Sie, Nadeshda.

Thiel.

(flüstert) Wir treffen uns am Fahrstuhl.

Boerne.

Scheiße.

Wieso haben Sie so gelacht?

Ich hab gelacht? Wann?

Als ich...

Als ich gedacht hab, dass Sie und ich...

Dass wir... Na, Sie wissen schon.

War das so lächerlich?

Sie haben geglaubt, ich hab Sie ausgelacht?

Na ja...

Das war nicht lächerlich, das war absurd.

Das war absurd, weil...

Sie würden so was niemals machen.

Selbst wenn Sie nicht mein Chef wären.

Sie sind ein echter Gentleman.

Echt? Finden Sie? - Ja.

Da kann sich Boerne mit seinen schicken Anzügen

ne Scheibe von abschneiden.

Und, Thiel?

Den Weg in die JVA kannst du dir sparen.

Wir können Boerne mitnehmen, liegt sowieso auf dem Weg.

Auf direktem Weg, nehme ich an? - So was von direkt.

Na, da danke ich. Gute Fahrt. - Gern geschehen.

Wollen wir erst mal was Hübsches anziehen.

Die riecht nach altem Fett.

So alt bin ich nun auch wieder nicht.

Ich hoffe, es dauert nicht lange.

Sonst werde ich die Hilfe Ihrer Freunde brauchen.

* Musik *

Sie können sich immer noch an nichts erinnern? An gar nichts?

Nein.

Was sagt eigentlich Konfuzius?

Hat der nicht Tipps, was wir machen sollen, wenn wir da ankommen?

Da empfehle ich Ihnen Sunzi, "Die Kunst des Krieges".

Der Ratgeber der Triaden.

Brich den Widerstand des Feindes ohne Kampf.

Das sollte auch unsere Losung sein. - Ohne Kampf?

"Chin" zu hören.

Ich hoffe, das ist auch deren Losung.

* Musik *

Das ist doch die Karre von Martin.

Na, wo ist Yu-Tang?

Wo Yu-Tang ist, will ich wissen!

Drinnen? Wie lange schon?

Kümmern Sie sich um den Mann.

Was haben Sie vor? - Ich geh da rein.

Das ist Wahnsinn, da allein reinzugehen.

Yu-Tang ist der einzige Zeuge, der Boerne entlasten kann.

Es wäre gut, wenn er bei seiner Aussage noch lebt.

Boerne, kommen Sie mit. Sie können mir helfen.

Schauen Sie, ob Sie was zum Hebeln finden.

So was?

Ja, wunderbar.

So, krabbeln Sie durch.

Da durch? - Ja, jetzt los.

Nicht loslassen.

Und festhalten, damit ich auch durchkomme.

Aber nicht loslassen.

Höher.

Vielen Dank für Ihre Hilfe.

* Musik *

(flüstert) Ha, Feuerwerk.

Wussten Sie, dass die Chinesen

schon 960 die ersten Feuerwerke abgehalten haben?

* Türknarzen *

* Musik *

Boah.

Was ist das denn? - Mh, Därme.

Ist eine Köstlichkeit, süß-sauer.

Boerne.

Oh Gott.

(Yu-Tang stöhnt)

Herr Yu-Tang?

Lassen Sie mich mal.

Können Sie aufstehen?

Schnell, schnell, schnell. Wir müssen raus hier.

Das schaffen Sie.

Los, raus hier.

Das Buch.

Das Buch. - Ja, das ist ein Buch.

Ach so, das ist "das" Buch.

* Rufe auf Chinesisch *

Wir müssen uns beeilen.

Nadeshda. Wo ist die?

Boerne, Sie fahren.

Nadeshda?

Sie wissen, was ich will.

Wenn ich es bekomme, muss niemandem etwas geschehen.

Scheiße. - Was ist?

Wo ist der USB-Stick?

(schreit) Wo ist der USB-Stick?

Jetzt zum Museum. Wir müssen zum Museum.

Ich hätte Songma niemals mitnehmen dürfen.

Das war eine unverzeihliche Dummheit von mir.

Sie machen wenigstens noch Dummheiten.

Es gibt Leute, die machen nicht mal Dummheiten, wenn sie besoffen sind.

Ich hab kürzlich so eine Dummheit gemacht, hab ich zumindest gedacht.

Auch mit ner Frau, Filmriss und so. Genau wie bei Ihnen.

War dann aber nicht so. Gott sei Dank.

Hätte ich auch nicht gewollt. Zumindest nicht mit ihr.

Je länger man ausharrt, desto höher schrauben sich die Erwartungen.

Und dann muss es eine Prinzessin sein, was?

Ich hätte sie Ihnen gegönnt.

Wang hat mich gezwungen, ich wollte das nicht.

Wie denn? Mit der Waffe in der Hand?

(flüstert) Sie warten hier.

* Waffe wird entsichert *

Bleiben Sie stehen.

Ich will Ihre Waffe sehen.

Schieben Sie sie rüber.

Und jetzt den Stick.

Lassen Sie erst meine Kollegin frei. - Ich will den Stick!

Lassen Sie meine Kollegin frei.

Ist ja gut. Hier ist der Stick.

Es reicht.

Es reicht jetzt.

Für Sie ist das bloß nutzlose Kunst, ne?

Ich sag Ihnen was.

Ja, es ist bloß Kunst.

Aber an die wird man sich erinnern,

wenn Sie und Ihresgleichen vergessen sind.

Auf dem Müllhaufen der Geschichte!

Sie können mich erschießen, jeden, der Ihnen im Weg steht.

Aber eines werden Sie niemals vernichten können.

Das, was Ihr großartiges Land in Wahrheit...

Hey, bleib stehen!

Ganz ruhig. Ganz ruhig.

Komm her.

Wang wird zur unerwünschten Person erklärt und abgeschoben.

Vielleicht gibt es eine Protestnote der Bundesregierung, mehr nicht.

Und die Beweise?

Dass die angeblich uigurischen Terroristen eine Erfindung sind?

Werden die veröffentlicht? - Das entscheidet die Bundesregierung.

Jedenfalls finden wir so Songmas Mörder.

Vorausgesetzt, dass Dr. Martin in der Lage ist,

bei der Gegenüberstellung

die chinesischen Gesichter auseinanderzuhalten.

Übrigens, bei Gericht kann das für Sie von Vorteil sein,

wenn Sie uns helfen. - Gegenüberstellung?

Songma wurde entweder von den Triaden

oder einem Mitarbeiter der Firma Long umgebracht.

Nein, es waren nicht die Triaden,

auch kein Mitarbeiter der Firma Long.

Ich war dort.

Ich habe ihn aus dem Institut von Herrn Boerne herauskommen sehen.

Ich hatte Songma angerufen, nachdem sie die Vernissage verlassen hatte.

Ich musste verhindern,

dass sie die Beweise bei der Pressekonferenz offenlegt.

Wang hat mich dazu gezwungen.

Also bin ich hingefahren, um mit ihr zu sprechen,

um zu erfahren, wo denn diese Beweise sind.

Da kam er heraus.

Wer? - Er.

Er?

Mhm.

Ich erinnere mich.

Ich kann mich wieder erinnern.

* Musik *

Auwei, auweia.

* Musik *

Songma hat uns alle in Gefahr gebracht.

Miao...

Unser Baby.

Aber sie hätte nicht damit aufgehört.

Das hätte sie nie getan.

Als Alim Can tot war, musste ich etwas unternehmen.

So konnte es nicht weitergehen.

(Miao schluchzt lauthals)

* Musik *

Chef. Sie sind ja wieder da.

Ja.

Alles in Ordnung?

Nein.

Aber es ist alles vorbei.

Sind Sie schon lange da? - Ja.

Es wird Zeit für mich, ein bisschen zu schlafen.

Kommen Sie alleine zurecht?

Natürlich. - Das war keine Frage.

Und danke.

Danke.

Frau Haller.

* Musik: "Nessun dorma" *

* Türklingeln *

* Musik: "Nessun dorma" *

* Musik: "Nessun dorma" *

♪ Dilegua, o notte!

Tramontate, stelle!

Tramontate, stelle!

All'alba vincero!

Vincero!

Vincero! ♪

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