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Lydia Dascha
(Frau) Vika!
Schwester! Vika!
(Radiosprecherin) Um 5.00 Uhr hat Russland die Ukraine angegriffen.
Vika!
(Radiosprecherin) ...und Charkiw wurden mit Raketen beschossen.
Das Parlament hat den Kriegszustand ausgerufen.
(Erzählerin) Einst hatte ein Vater zwei Töchter.
Eine davon war sein Goldstück...
(Frau) Vika!
...die andere ein Dorn im Auge.
(schreit) Bitte nicht! Nicht meine Schwester!
Eines Tages begab sich der Vater zum Markt...
...und trug den Töchtern auf, solange ihrer Arbeit nachzugehen.
Sein Goldstück machte sich sogleich an den Haushalt.
Die andere aber versteckte sich,
damit sie die Rufe ihrer Schwester nicht hören konnte.
(schluchzt) Schwester!
Olha. Vika!
Olha, beruhig dich jetzt bitte.
Wir müssen weg, es ist gefährlich. Du kannst da nicht hin!
(Erzählerin) Doch in ihrem Versteck merkte sie nicht,
dass ihre Schwester nach ihr rief, weil ihr etwas widerfahren war.
Ein Unglück.
* Düstere Titelmusik *
(Radiosprecher) Bei einer groß- flächigen Invasion durch Russland
können wir uns nur auf unsere eigene Armee verlassen.
Diese Tatsache wird nun immer deutlicher.
Die militärische Unterstützung wird sich...
* Nachrichtenton *
Danke sehr.
* Nachrichtenton *
(Aufnahme) Was macht man gegen Angstzustände?
Diese Frage beschäftigt uns gerade wohl alle.
Ich mach dazu einen Livestream.
Aber erst morgen, wenn ich in Charkiw bin.
Wir reden darüber und versuchen, uns gegenseitig zu helfen.
Okay, dann gute Nacht euch allen.
Wünscht mir eine gute Fahrt.
(Olha) Kolja? Ich hab's nicht geschafft, ich fahr nach Hause.
Es fährt keiner, hast du nicht zugehört?
Was denn?
Ich könnte nur nach Poltawa fahren und dort irgendwie umsteigen.
Ja, meinst du? Na gut, bis dann.
(Fahrer) Abfahrt nach Poltawa. - Warten Sie auf mich!
(ruft) Hey, Sie wollen nach Charkiw? Junge Dame!
Nach Solotschiw, ist in der Nähe.
Also ich fahre nach Charkiw, von da kommen Sie leichter hin.
Steigen Sie ein oder was?
Und was kostet mich das? Steigen Sie ein.
* Ruhige Radiomusik *
(Olha) Haben Sie Instagram?
Vertrauen Sie mir etwa nicht?
Doch, aber ich bin eben neugierig, ist doch klar.
Ich sitze in 'nem Auto neben 'ner Frau, die ich nicht kenne.
Suchen Sie nach Lydia Monastyrska.
Wow, Sie haben fast 30.000 Follower.
Gestalttherapie. Was für ein Beruf ist denn das?
Psychologin. Ach, echt?
Ich interessier mich auch für Psychologie.
Ehrlich? Ja.
Gerade ist doch jeder Zweite ein Psychologe.
Sich selbst und andere zu verstehen ist wichtig.
Sonst überlebt man nicht in der modernen Welt.
Und was machen Sie so?
Außer Psychologie natürlich.
Wie, sind Sie adlig oder so?
Nein, die Nägel!
Hier, sehen Sie? Maniküre, Nägel.
Sekunde.
Hm.
Toll, oder?
Ich bin erst vor 'nem Jahr in die Stadt gezogen.
Und ich fühle es einfach, das ist meine Berufung.
Hmm. Wie sagt man so schön?
Such dir eine Arbeit, für die du brennst,
dann wirst du nie arbeiten müssen. Stimmt doch, oder?
Im Großen und Ganzen, ja.
Wenn Sie 'ne Maniküre brauchen, rufen Sie an. Auf jeden Fall.
Vorerst arbeite ich von zu Hause aus.
Mein Kolja ist aber nicht begeistert.
Vor allem, wenn er kaputt vom Bau nach Hause kommt.
Kolja? Ist das Ihr Mann?
Mhm, mein Lebensgefährte.
Verurteilen Sie das, oder was? Ich? Überhaupt nicht.
Ah, ist noch heiß.
Kolja und ich, wir wollen ja heiraten.
Ich sag's Ihnen, so 'ne Hochzeit ist ein kostspieliges Vergnügen.
Ich will mich an meine mein ganzes Leben erinnern können.
Wollen Sie was abhaben? Nein, danke.
Schön blöd.
Mhh, man, was tun die in den Teig, dass der so fluffig wird?
Der Teig steigt mit Molke gut hoch.
Sind Sie verheiratet?
* Telefonklingeln *
Oh, Augenblick kurz.
Hallo, Mama. Hallo, Schatz.
Sorry, ich vergesse, dass es bei dir eine Stunde später ist.
Hast du eine Sekunde? Ja, Moment, warte.
Was hast du gesagt? Haben Sie ein Taschentuch?
Hallo? Sehen Sie in der Ablage nach.
Ja, Schatz.
Ist jemand bei dir? Wo soll ich nachsehen?
Im Handschuhfach. Hallo?
Ich bin unterwegs, hab 'ne Mitfahrerin.
Wohin fährst du? Nach Charkiw.
Mama, jetzt ist doch echt nicht die beste Zeit,
um so nah an die russische Grenze zu fahren.
Der Bunkerfürst ist komplett verrückt geworden.
Selbst die Deutschen haben hier Muffensausen.
Wieso fährst du dahin? Oh, ich liebe diese Band.
Du weißt doch, wieso.
Mama...
Darf ich die ganz leise abspielen?
Du... du kämpfst schon 'n Jahr lang gegen Windmühlen.
Wieso sollte Papa jetzt plötzlich zustimmen?
Ich weiß es nicht. Siehst du...
Ich weiß es nicht, aber so kann's nicht weitergehen.
Du hast dir den unpassendsten Zeitpunkt ausgesucht.
(Erzählerin) Eins hatte ein Vater zwei Töchter.
Wann warst du zuletzt da?
Eine davon war sein Goldschatz. Ich ruf dich nachher zurück.
...ein Dorn im Auge. Eines... Tages...
Ich dachte, Sie wollten Taschentücher.
...zum Markt.
* Sie schaltet durch mehrere Radiosender. *
(Erzählerin) Einst hatte ein Vater zwei...
Einst hatte ein Vater zwei Töchter.
Eine davon war sein Goldschatz.
Die andere ein Dorn im Auge.
Hören Sie mal.
Wir müssen fünf Stunden fahren.
Vermiesen wir uns lieber nicht die Stimmung.
Die ist eh schon hinüber.
War das Ihre Schwester?
Schweigen wir den Rest des Wegs, okay?
* Wabernde Musik *
Was haben Sie vor?
Ich will an die frische Luft.
Scheiße.
Kennen Sie die Schauspielerin Sophia Loren?
Wir sind jetzt bei Poltawa.
Meine Schwester hat mir erzählt,
dass ihr Film "Sonnenblumen" hier in der Gegend gedreht wurde.
Wer weiß, vielleicht genau auf diesem Feld.
"Ihr habt euch aufgedonnert wie Sophia Loren."
Hat Papa immer gesagt,
wenn meine Schwester und ich feiern gegangen sind.
Ist Ihre Schwester jünger?
Dann wissen Sie sicher, wovon ich rede.
Meine heißt Vika. Viktoria - "der Sieg".
Ja, bei ihr war der Name auch Programm.
Wollen Sie auch?
Nein, ich rauche nicht.
Ich auch nicht, nur eine pro Woche.
Vika war immer das Lieblingskind, weil sie die jüngere war.
Wenn ich was verkackt hab, wurde ich versohlt,
aber bei ihr war's ein Versehen.
Ich hab zum Abschluss 'nen Rock gekriegt,
sie 'nen schicken Fummel.
Ich durfte nur 'ne Lehre machen, aber sie geht auf die Uni.
Und es bringt gar nichts, das Studieren.
Und immer, wenn mir ein Junge gefallen hat,
hat Vika ihn mir gleich nach einer Woche ausgespannt.
Tja, aber irgendwann ist Schluss.
Okay, fahren wir.
Ich hab keine Kältefettzellenbehandlung gebucht.
Und wo ist Ihre Schwester jetzt?
Immer noch in dem Dorf. Wohnt in unserem Elternhaus.
Wie die Prinzessin auf der Erbse.
Da muss ich jetzt hin... was erledigen.
Sie reden nicht mehr miteinander?
Noch freundlich ausgedrückt.
Sie hat mich verflucht.
Stellen Sie sich das mal vor, meine Schwester.
Aber ein Mensch kann doch nicht einfach so...
einen anderen Menschen verfluchen.
Tja, wie soll ich sagen?
Also, Kolja meint, wir können nichts dafür.
Wie denken Sie darüber?
Oh, hör bitte auf.
Was ist das für ein Friedhofsgeheule?
Sind wir auf 'ner Hochzeit oder bei 'ner Beerdigung?
Nehmt meinen USB-Stick, ich hab viel aus dem Netz geholt.
Warum isst du nichts? - Kolja, mach mal Ira Fedyschyn an!
♪ Palala, Palala, Palala! ♪
Das macht doch Stimmung, oder?
Ruhe, Ruhe! Der Vater will was sagen.
Welcher wird er wohl das Haus vererben?
Zwar feiert meine Jüngste heute Hochzeit...
...aber ich würde mich gern an meine beiden Töchter wenden.
Ihr wisst, dass ich euch zwei gleichermaßen liebhabe.
Ich will, dass ihr immer füreinander da seid und euch nicht streitet.
Unterstützt einander, sorgt füreinander.
Eure Mama würde es so wollen, möge sie in Frieden ruhen.
Und wenn ich mal nicht mehr bin, werdet ihr...
...beide das Haus bekommen.
Hier ist genug Platz für alle.
Kein Unheil wird jemals einen Keil zwischen euch beide treiben.
Vielen Dank, Papa!
Ich weiß, wie sie es aufteilen.
Vika kriegt das Haus und Olha die Scheune.
Du darfst nichts trinken.
Nur einen. - Stell's wieder hin.
Küsst euch! Gorka!
(alle) Gorka! Gorka! Gorka! Gorka!
Eins! Zwei! Drei! - Zwei.
Wie die Musik so die Küsse, oder?
Papa, geh nicht rauchen. - Lass gut sein.
Oh, das nenne ich Musik, oder?
* "Ja taka shche moloda" von Oksana Pekun *
Wieso glotzt du immer wieder dahin?
Wohin? - Dahin.
Darf ich nicht gucken, oder was?
Was gibt's denn da zu glotzen?
Wollen wir eine rauchen gehen?
Wirst du vielleicht fürs Rauchen bezahlt?
Geh Fotos machen.
* Lachen *
(Junge) Wirf's zurück!
Oljka, probier mal, ob's gut durchgebraten ist.
Bin auf Diät. - Sieht man gar nicht.
* Sie lachen. *
Trottel.
Du kriegst mich nicht!
(Frau) Valera, ist das Fleisch fertig?
Nein!
Bring's rein, sollen die's roh essen.
Spinnst du? - Danke!
Vorsicht, das Kleid wird dreckig, ist nur geliehen.
Ich werde Papa bitten, es mir zu kaufen.
Dann nähen wir es um und du bekommst es für deine Hochzeit.
Der Fotograf steht auf dich.
Und du zeigst ihm die kalte Schulter.
Er ist ein guter Kerl, Schwesterchen!
Sein Kriegstrauma stört doch nicht.
Wie ich höre...
...ist sein wichtigstes Körperteil nicht davon betroffen.
Dann nimm du ihn doch. Als Zweitmann.
(Kind) Du holst mich nie ein!
Ich krieg dich!
Bist du etwa immer noch sauer?
Es hat sich einfach so entwickelt. - Mhm.
Du weißt doch, dass es keine Absicht war.
Es kam plötzlich, als du dich im Krankenhaus um Papa gekümmert hast.
Olha! Bitte, verzeih mir doch!
Wir sind schließlich noch Schwestern, oder nicht?
* Dramatische Musik *
Vika, beruhig dich oder ich werd dich beruhigen.
Spinnst du jetzt, oder was?
Was, wenn jemand reinkommt?
Ach, und wenn schon.
Kolja... - Es ist mir scheißegal.
Bitte, du musst verstehen! Ich liebe deine Schwester nicht.
* Sanftes Stöhnen *
Als du vorhin am Tisch gesessen hast...
Du warst so wütend.
Und so schön.
Ich hab dich gesehen und es wurde mir klar:
Ich hab einen Fehler gemacht.
Du Idiot.
Wieso hast du... Wieso bist du einfach sofort zu Vika gerannt?
Sie hat die Beine breitgemacht.
Ich konnte nichts machen.
Dann ist alles verschwommen wie ein Rausch. Ich weiß nicht.
* Lustvolles Stöhnen *
(Kolja) Jetzt diese Hochzeit...
Wie sollen wir unter einem Dach leben?
Hat euer Vater sein Testament schon verfasst?
Nein, ich glaub nicht. - Wir kriegen das irgendwie hin.
Kolja...
* Stöhnen * Kolja...
Kolja!
Warte. Was war das? - Was?
* Elendes Krächzen *
(Olha) Oh, Gott. Oh, Gott.
Oh nein, Papa...
Papa?
Papa.
Papa! - Scheiße...
Ich hab gesagt, du sollst nicht rauchen.
Papa, wir rufen 'nen Rettungswagen. Los, ruf einen!
Mach schon! - Okay, okay... Hier, hier.
Es wird alles wieder gut, Papa.
Ich hab doch gesagt, du sollst nicht rauchen!
Wieso telefonierst du nicht? - Schrei mich nicht an!
Sag was, sag was...
Bitte sprich mit mir, Papa...
Ich hab doch gesagt, du sollst nicht rauchen!
Warum hast du geraucht?
Ich brauch Hilfe! Steht nicht so dumm da!
Helft mir, los! - (Vika) Was ist los?
Was...
(Mann) Rettungswagen kommt gleich.
(Olha) Atme, atme. Gleich kommt der Notarzt.
Alles wird wieder gut, Papa.
Hörst du mich? Papa?
* Düstere Musik *
Verflucht seist du.
(Mann) Hab ich was verpasst?
* Die Musik verstummt. *
Selbstverständlich mussten Kolja und ich dann wegziehen.
Ein Monat später war Papa tot.
Waren Sie bei der Beisetzung?
Ja, war ich.
Da hat Vika dann zu mir gesagt, dass ich das Haus vergessen kann.
Sie wolle es nicht mit mir teilen wegen all dem, was ich getan hab.
Hm.
Haben Sie sich schon bei ihr entschuldigt?
(schnaubt) Was trifft mich für 'ne Schuld?
Ist es meine Schuld, dass sie mir den Mann stiehlt
und dann herausfindet, dass er sie nicht liebt?
Oder dass er sich für mich entschieden hat?
Ich hab ihn zu nichts gezwungen.
Wenn du dein ganzes Leben lang nur nachgibst,
bleibt dir am Ende nichts mehr.
Sie sind zwar Psychologin, aber Sie müssen mich menschlich verstehen.
Immerhin haben Sie auch 'ne Schwester.
Hatte.
Hatten Sie auch Streit?
Oder was soll das heißen?
* Leises Piepsen *
Das heißt, dass wir tanken müssen.
Wir verkaufen leider kein Benzin. Draußen steht, hier gibt's welches.
Tut mir leid.
* Die Nachrichten laufen im Hintergrund. *
Und, ist vollgetankt? - Ja.
Verzeihen Sie. Warum wird den Leuten kein Benzin verkauft?
Weil alles vom Militär gebraucht wird.
Ist ein Befehl von oben.
Aber wir sind nicht im Krieg.
* Beklemmende Musik *
Ihren Ausweis bitte.
Was?
Ihren Ausweis. Haben Sie einen?
Hier, bitte.
* Düstere Klänge *
Wir müssen Ihren Wagen durchsuchen.
Und aus welchem Grund? Sie sind in Luhansk gemeldet.
Und dieses Gebiet ist temporär von russischen Truppen besetzt.
Soll das ein Scherz sein?
Wieso fahren Sie nach Charkiw? Familienangelegenheiten.
Geht's auch konkreter?
Konkreter lass ich mich von meinem Mann scheiden.
Sie müssen verstehen, dass gerade viele Saboteure unterwegs sind.
Wir machen den Kofferraum auf und finden Waffen drin.
Wir müssen alles kontrollieren.
Was haben Sie in der Tasche?
Tscheburek. Hab ihn gegessen.
Öffnen Sie sie.
(Soldat) Ist das Ihr Geld?
Ja.
Was haben Sie damit vor?
Ich bring's nach Solotschiw. - Wozu?
Nehmen Sie's mir nicht weg.
Ich bitte Sie. Sagen Sie es einfach ganz ruhig.
Ich schäm mich so, ich kann nicht.
* Die Musik verstummt. *
Kommt her, Jungs.
Wieso, was gibt's? Stimmt was nicht? - Wir müssen hier jemanden verhören.
Sie bringt 'ne große Geldsumme in 'ne Stadt an der Grenze.
* Entferntes Kampfjetrauschen *
Potenzielle Saboteurin.
Olha.
Ich will den Richter bestechen, damit Vika das Haus nicht kriegt!
(Soldat) Auf den Boden! * Laute Explosion *
* Hoher Pfeifton *
* Aufgeregtes Stimmengewirr *
* Alarmsirenen, weitere Explosion *
Steig ein. Schnell, ins Auto. Na los!
Ins Auto! Steig ein! Schnell, los!
(Radiosprecherin) Russland hat die Ukraine angegriffen.
Putin verkündet den Beginn einer Militäroperation in der Ukraine...
Schneller! Los! Schneller!
...Donezk und Luhansk... * Das Radio verstummt. *
* Entfernte Explosionen *
Wir fahren zurück.
Das Benzin reicht noch für 70km, dann sehen wir weiter.
Was genau sollte das vorhin heißen? Was meinst du?
Ist deiner Schwester was zugestoßen?
Ist sie tot?
* Beklemmende Musik *
Halt sofort den Wagen an. Ich muss nach Hause.
Da fahren wir doch hin. Ich will meine Schwester sehen.
Olha, es ist zu gefährlich. Da gab's Explosionen!
Ich muss zu Vika! Halt an, ich flehe dich an!
Wenn ihr was zustößt, werd ich mir das nie verzeihen.
Verstehst du mich?
Halt den Wagen an!
Jetzt!
* Die Musik schwillt bedrohlich an. *
Was machst du?
Ich fahr dich zu deiner Schwester, ruf sie an.
Ruf sie an, hab ich gesagt.
Mach schon, ruf sie an!
* Tutendes Freizeichen *
Verdammt noch mal, nimm den Hörer ab!
Hallo? Olha! - Hörst du mich?
Ich kann dich nicht... - Hörst du mich?
Die Verbindung ist schlecht. - Hörst du mich? Vika!
* Die Musik verstummt. *
(Radiosprecherin) Ukrainische Truppen
haben im Donbas sechs russische Flugzeuge
und einen Hubschrauber abgeschossen.
(Erzählerin) Die Lieblingstochter wurde in einen Strudel gezogen.
Als sie Wasser holen wollte.
(schreit) Vika!
Schwester!
Olha, beruhige dich bitte. Wir müssen weg, es ist gefährlich.
Vika! Vika!
Olha. Olha!
(Erzählerin) Vergeblich rief sie ihre Schwester um Hilfe.
Weil diese sich versteckte,
um den Aufgaben des Vaters zu entgehen
* Triste Musik *
Oh mein Gott.
Oh Gott.
Was ist hier passiert?
Mein Gott, was ist nur passiert? Das kann nicht sein.
* Sie schluchzt. *
Papa, was ist denn hier los?
* Schluchzendes Weinen *
Olha...
Papa, was haben sie nur getan?
Vika!
Wo ist sie?
Was ist bloß hier los?
Oljka! Bist du das?
Was sitzt du wie ein Heulballen da rum?
Tante Halja!
Tante Halja, wo ist Vika?
Die versteckt sich in meinem Keller.
Euch hat man ja zerbombt.
Vika!
Vika!
* Gelöste Musik *
Was tust du denn noch hier?
Du dumme Kuh hast doch Papas Auto in der Garage.
Selber dumme Kuh. Ich war noch nie allein am Steuer.
Verzeihst du mir?
Und du mir?
Mach mir bloß meinen Zaun nicht kaputt.
Das fehlt noch.
(Erzählerin) Schließlich wurde es dem Mädchen im Versteck einsam
und es machte sich auf die Suche nach ihrer Schwester.
Die Schreie führten sie zum Wasser
und so konnte sie ihrer Schwester helfen,
zurück ans Ufer zu gelangen.
Seitdem arbeiten beide Mädchen Hand in Hand.
* Ein Motor wird gestartet. *
(Halja) Vorwärts, vorwärts.
Gut gemacht, gut.
Fahrt nicht zu schnell.
Es gibt viele Idioten auf den Straßen.
Pass auf dich auf.
Und fährst du jetzt nach Charkiw, die Familienangelegenheiten klären?
Mhm.
Kolja hat noch nicht mal angerufen, ist das zu fassen?
Hat sich bestimmt einen reingekippt und den Krieg verschlafen.
Soll er doch schlafen.
Von mir aus gern.
Ich konnte sie nicht retten.
Wen?
* Beklemmende Musik *
Meine Schwester.
War das ihre Stimme auf der CD?
(Vika) Olha, komm. Fahren wir!
Vielen Dank, dass du uns gerettet.
Los, Olha, komm.
* Treibende Musik *
Fahrt mit Gott, meine Mädchen.
Fahrt mit Gott!
* "Inshe Misto" von Dakh Daughters *
Heute wollte ich euch erzählen, wie man mit Angstzuständen umgeht.
Meine quälen mich seit acht Jahren.
Seit ich einen geliebten Menschen verloren habe.
Egal, wie viele psychologische Sitzungen, Trainings
und Praktiken ich absolviere - es ist vergeblich.
Unterwegs hat mich der Krieg überrascht,
ob ihr es glaubt oder nicht.
Diese verfluchten Ängste haben mich dazu gebracht,
zu handeln, anstatt wegzulaufen.
Jetzt ist nicht die Zeit für tiefgründige Ratschläge
oder langes Überlegen.
Ich muss mich nützlich machen.
Ich hab einen Wagen und ich kann euch hinfahren,
wohin auch immer ihr müsst.
Schickt mir eine DM, wenn ihr Hilfe braucht.
Dima? - Mhm?
Hast du Eclairs Mantel gesehen?
* Lydias Aufnahme läuft weiter. *
Ist das deine Frau?
Mhm.
Wir haben endlich jemanden gefunden, der dich fahren wird, Schatz.
Ich werde aus Prinzip kein Geld für die Fahrt verlangen.
Das ist nicht die Zeit dafür.
Priorität haben Frauen und Kinder, ältere Menschen,
und Menschen mit Behinderung...
* "Inshe Misto" von Dakh Daughters *
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2024
Can't find what you're looking for?
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