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Des Menschen Sohn wird seine Engel senden,
und sie werden sammeln aus seinem Reich die da Unrecht tun.
Nicht die Kuh!
Der böhmische König flieht durch die Wiener Kloake.
Euer Bruder Sigismund hätte uns kaum durch die Stadttore gelassen.
Beeilen wir uns!
Ich kleide mich in Lumpen, würde Christus sagen,
und die Priester tragen Scharlach, von Almosen bezahlt.
Ähnliches predigt er von der Kanzel der Bethlehemskapelle.
Er ist ein Ketzer, Eminenz.
Sie beschweren sich, dass du Wyclifs Lehren predigst.
Ich predige die Bibel.
Hier, Wyclifs "Traktat der Universalien".
Greift irgendein Wort an! Ich werde jedes verteidigen!
Stephan Palec. Angeklagt,
die Wahnlehre Wyclifs zu predigen.
Wir geben dir die Möglichkeit, die Sache zu überdenken.
Möchtest du ein wenig plaudern? - Ich komme, um zu plädieren.
Für Meister Stephan.
Bitten Sie beim König für seine Freilassung!
Ich will nicht, dass jemand das Gerücht streut,
dass mein Königreich mit Ketzerei verseucht ist.
Welcher Ihrer Prälaten hat wieder Gerüchte in Rom gestreut?
Herr Generalvikar?
Das ist das Werk von Hus.
Er vertrieb die deutschen Meister aus Prag,
um den Wyclifismus in der Universität einzuführen.
John Wyclif ist schon seit Jahrzehnten tot.
Ist er unzeitgemäß? - Ja.
Und die Verhandlung? Wie verteidigten Sie sich?
Es gab keine Verhandlung.
Ich verlese den Befehl des Ehrwürden Erzbischof Zbynek, dass jeder
bis Sonntag seine Wyclif-Schriften z Büro des Erzbischofs bringen muss.
Sonst droht die Exkommunikation.
Auf Befehl Wenzels, böhmischer König von Gottes Gnaden,
wird der Besitz aller Prager Pfarreien beschlagnahmt,
einschließlich der St. Georg Medaillen.
Ich verhänge einen Bann über alle, die dem Befehl des Königs folgten.
Vor allem über Jan Hus,
trotz dem Verbot predigt er noch immer in der Bethlehemskapelle.
Gegen das Verbot habe ich beim Heiligen Vater Berufung eingelegt.
Erzbischof Zbynek ist angeblich zu Sigismund geflohen.
Ich habe eine Abschrift der päpstlichen Bulle.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich den
Ablasshandel in meiner Pfarrei erlauben soll.
Komplette Vergebung aller Sünden und Strafen!
Spendet für den Heiligen Krieg!
Du hast befohlen, den Ablasshandel nicht zu verhindern?
Es ist eine päpstliche Bulle, Sophie.
Meine römische Krone hängt von Papst Johannes ab.
Du gibst nach, weil der König
den Ablasshandel duldet. - Und du forderst Ungehorsam.
Unterstütze nicht Satans Werk.
Lasst ihn, er hat nichts getan.
Eine kleine Strafe verdienen sie für die Randale.
Wenn sie sich beruhigt haben, lassen wir sie frei.
Sie versprachen mir, ihnen nichts zu tun.
Verschärfter Bann, Ausweisung.
Ich lege bei dir Berufung ein, Jesus Christus, unser Erlöser.
Mein Bruder will die Kaiserkrone, und dafür braucht er meine Stimme.
Was bietet er an?
Wenn Meister Hus freiwillig eine Einladung zum Konzil annimmt...
Ich unterstütze ihn, und er befreit mich von dem Dickkopf.
TEIL ZWEI
Euer Gnaden!
Meister, du und deine Familie seid hier nicht mehr sicher.
Und wo bin ich sicher vor allem Übel, meine Herrin?
Der Kämmerer Heinrich Lefl
lädt dich in seine Burg in Krakovec ein.
Zögere nicht. Beeile dich, solange noch Zeit ist!
BURG ROTHSCHLOSS (KRAKOVEC)
König Sigismund lässt dir ausrichten,
dass du dich vor dem Konzil verteidigen kannst, Meister.
Einige Kardinäle und Bischöfe
räumen den Bedarf einer Verbesserung der Kirche ein.
Und wenn Sigismund irrt?
Er verspricht dem Meister einen Schutzbrief.
Ich schütze ihn auf dem Weg nach Konstanz und vor Ort.
Dem König verbürge ich mich dafür mit meiner Ehre.
Meister, du weißt,
dass du in meiner Burg unbegrenzt bleiben kannst.
Hier bist du völlig sicher.
Du kannst dir für deine Entscheidung Zeit lassen, Jan.
Und ist es wahr,
dass der Papst König Wenzel mit einem Kreuzzug drohen kann,
wenn du mich nicht preisgibst?
Noch schreibe ich hier heimlich in einer Ecke.
Mein Kopf schmerzt von Gedanken, die ich keinem mitteilen kann.
Ich darf weder auf die Kanzel, noch in die Universität.
Wie lange noch?
Bis an mein Lebensende?
Jan, lass dir Zeit, um nachzudenken.
Über was soll ich nachdenken?
Die Kardinäle kennen mich nur aufgrund von Anklagen und Tratsch.
Ich werde mich verteidigen.
Ich habe nur eine Bedingung, Herr von Chlum!
Die Garantie des Königs, vor dem ganzen Konzil sprechen zu dürfen.
Ich werde König Sigismund deinen Wunsch ausrichten.
Viele Herren würden dich in ihren Burgen einsperren und behalten.
Die Anklagen gegen dich bei der römischen Kurie...
Laut Sigismund darf ich mich verteidigen, Hieronymus.
Wieder lehren, predigen...
Wer hat dir die Botschaft überbracht?
Jan von Chlum, Sigismunds Söldner.
Er sagt, einige Konzilmitglieder würden Reformen unterstützen.
Die Reformen,
die ihre Macht stärken würden.
Auf dem Papststuhl ist kein Platz für Christus.
Das hast du so oft gelehrt und geschrieben.
Hieronymus, nicht alle können vor der Wahrheit Christi
die Ohren verschließen.
Wie lange ist es her, dass Stephan uns erklärte,
er wolle sich vor der Kurie in Rom verteidigen?
Und dann wurde er in Bologna verhaftet.
Ich habe ihn nicht nach Konstanz geschickt.
Ich habe ihn lange genug beschützt.
Bis er gegen den Ablasshandel predigte.
Bis er mit seinen Meinungen einen Bann über ganz Böhmen verursachte.
Und Prag ist mit einem Interdikt belegt!
Und es war seine Entscheidung!
Hat er mich um Rat gebeten... Meister Hus?
Als dein Bruder dich wie einen Dieb nach Wien verschleppen ließ,
hat er sich als Einziger öffentlich für dich eingesetzt.
Sophie,
möchtest du, dass ein Kreuzzug gegen Böhmen beginnt?
Ich möchte, dass du dich wie der böhmische König verhältst.
Sophie.
Sophie.
Sophie.
Sophie!
BURG ROTHSCHLOSS (KRAKOVEC)
Du hast es schön hier, Jan.
Einsam, liebe Mutter.
Du warst so folgsam, als du klein warst.
Und jetzt nicht mehr?
Zähle nicht auf die Magister, Bruder.
Sie werden dir nicht helfen.
Ich vertraue auf unseren höchsten Herrn,
und auf die Wahrheit der Heiligen Schrift.
Hast du keine Angst?
Ich habe große Angst, Mutter.
Wer an meiner Stelle hätte das nicht?
Man sagt, dass sie dich wahrscheinlich töten werden.
Ich glaube, das werden sie nicht, Jakub.
Würde ich das glauben, würde ich nicht hinfahren.
Sie haben so viel Macht.
Kommt an den Tisch.
Petrus stieg aus dem Schiff
und ging auf dem Wasser, und kam auf Jesus zu.
Als er aber den starken Wind sah,
erschrak er und hob an zu sinken,
und schrie:
"Herr, hilf mir!"
Jesus streckte sogleich die Hand aus,
ergriff ihn und sprach zu ihm:
"Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?"
Und wenn ich sagen würde:
Ich bin deine Mutter, ich will nicht um dich weinen müssen.
Glaub mir, es wird keinen Grund zu weinen geben, Mutter.
Ich gebe dir meine letzte Akte,
sie ist mir sehr wichtig.
Steht dein Name drin? - Ja.
Wovon handelt die Akte?
Davon, dass Jesus Christus selbst das Oberhaupt der Kirche ist.
Der lebendige Christus, der am dritten Tage auferstanden ist.
Das ist schön.
liebe Mutter,
segne mich.
Komm rein, Meister.
Ohne ein Kurbad würde ich hier eingehen.
Ein widerliches Land, kalt und regnerisch.
Ich würde ohne Kurbad nicht einen Monat hier durchhalten.
Genug! Genug!
Übertreib es nicht.
Ich erinnere mich an alles.
Ich habe deine Pferde gestohlen, dein Fuhrwerk und dein Gepäck.
Ich habe dich ein Jahr lang im Dunkeln eingesperrt.
Du hattest hübsche Pferde.
Eure Heiligkeit, wenn Sie erlauben,
ich habe alle Irrtümer Wyclifs markiert,
wie ich es versprochen habe.
Benvolio!
Ich kann das erklären, Eure Heiligkeit.
Nein, nein!
Eure Streits und Intrigen langweilen und ermüden mich.
Eine Erklärung kannst du vor der Kommission abgeben.
Ich habe dich übrigens zu einem ihrer Mitglieder ernannt.
Und vor dem Ketzer kannst du alle deine Vorwürfe beeiden.
Du hast doch die reine Wahrheit niedergeschrieben, Magister.
Ich habe die Werke von Hus bis ins kleinste Detail studiert.
Wie Ihr Bote es wünschte.
Wer? Ein Esel?
So soll es sein.
Alles gemäß der Wahrheit und dem Recht.
Wirklich schade,
dass du Wyclifs Lügen so eifrig verteidigt hast.
Heiliger Vater...
Ich weiß schon, du bist Magister der heiligen Theologie geworden,
das lobe ich.
Aber wenn einer deiner Neider
die Anklage gegen dich erneuern würde,
die bei der römischen Kurie gegen dich erhoben wurde...
Ich weiß nicht... ich weiß nicht.
Geh jetzt.
Ich habe dir fünf Hemden eingepackt, Meister.
Ist das genug?
Wenn sie nicht reichen, lasse ich mir welche schicken.
Kümmerst du dich um die Bethlehemskapelle?
Versprich es mir.
Und was versprichst du mir?
Meine Herrin.
Vergib mir.
Ich Ihnen?
Eher Sie mir.
All diese verlorenen Schachpartien.
Einmal haben Sie sogar
das Schachbrett umgeworfen und geschrien.
Einmal?
Mehrmals.
Ich schrie und weinte.
Jetzt schreie und weine ich nicht mehr.
Aber ich will nicht um dich weinen.
Ich habe dir ein Geschenk mitgebracht.
Ein Reisebrevier.
Woher wussten Sie, dass ich es brauchen werde?
Weil ich dich kenne.
KONSTANZ, 3. NOVEMBER 1414
Wir sind angekommen, Meister.
Wir essen etwas, dann kannst du ausruhen.
KONSTANZ, 28. NOVEMBER 1414
Meister, dein Schutz ist der gnädige König Sigismund.
Er kommt in ein paar Tagen nach Konstanz.
Nicht Könige, Jan.
Der Herr ist meine Stütze.
Das Kreuz ohne Jesus Christus?
Und als es das fünfte Siegel auftat,
sah ich unter dem Altar die Seelen derer,
die erwürgt worden waren um des Wortes Gottes willen.
Heiliger Vater!
Ihr Hofmeister sagte mir, Jan Hus sei im Dominkanerkloster.
Der Meister steht unter König Sigismunds Schutz.
Hus? Ah, Hus aus Prag.
Ja, er wollte vor dem Konzil fliehen.
Gerede seiner Feinde.
Er kam freiwillig her, ich begleitete ihn.
Ich garantierte König Sigismund seinen Schutz mit meiner Ehre.
Ehre, ja.
Ich muss sehr vorsichtig sein, Sohn.
Heute Nacht schrie ein Steinkauz über meiner Tür.
Oder war es ein Uhu?
Auf jeden Fall saß beim Gottesdienst eine Eule
vor dem Fenster der Kirche.
Sie umkreisen die Bischöfe und Kardinäle,
sie drängen und drängen,
wie eine Meute. - Wer?
Deine Landsleute, Sohn. Tschechen. Wie eine Meute.
Meister Hus ist mit Eurem Wissen eingesperrt?
Vor Konstanz ist meine Kutsche umgestürzt.
Ich fiel in eine Schneeverwehung.
Ich schreibe einen Eilbrief an König Sigismund.
Es geht um seine und meine Ehre.
Schreib nur, Ritter, schreib.
Der König soll mit deinen Landsleuten reden.
Wir kommen mit ihrem Eifer nicht klar.
Weder ich,
noch du.
Schwöre.
Ich schwöre,
dass seit der Geburt Christi kein größerer Ketzer geboren wurde,
mit Ausnahme von Wyclif,
als dieser hier.
So sehr hasst du mich?
Ich schwöre, dass er sagte:
Wenn ich die Heilige Schrift predige,
spreche nicht ich, sondern der Heilige Geist,
der Prophet Jesus und die Apostel sprechen durch mich.
Das achte Gebot:
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Du bist nicht hier, um uns zu belehren.
Ich will niemanden belehren, Eure Exzellenz.
Ich wäre von euch gern über meine Irrtümer belehrt.
Wie aber soll ich mich falscher Aussagen erwehren?
Ich schwöre, Eure Exellenz,
dass Hus Wyclifs Wahnlehre in der Universität
und in der Bethlehemskapelle predigte.
Vor allem den Artikel nullus est dominus!
Ich sagte nie, dass ein sündiger Priester seine Weihe verliert.
Ich sagte immer, ein in Sünde lebender Priester
sei weder korrekt noch angemessen.
Er nahm rücksichtslos an der Vertreibung
der rechtgläubigen deutschen Meister
aus der Prager Universität teil.
Gott wird dir vielleicht vergeben.
Bete du um Vergebung.
Du bist ein Erzketzer und Verführer des Volkes Gottes!
Sie verurteilten mich bereits, bevor Sie mich hörten.
Ich komme eben von einer Krönung, Herr Chlum.
Freust du dich nicht mit dem römischen König?
Ich freue mich, mein Herr,
und ich wage zu erinnern...
Hus! Hus! Davon sprichst du schon zum dritten Mal.
Er wird wie ein Verbrecher behandelt. Er ist krank.
Keiner darf zu ihm.
Und du klebst Proteste an Kirchentüren und in den Papsthof.
Der Papst sandte mir eine Beschwerde.
Sie haben Ihr Wort gebrochen.
Er kam freiwillig.
Die Bedingung war eine Anhörung vor dem Konzil.
Hörst du, was du sagst?
Ein Ketzer stellt dem römischen König
und dem Heiligen Konzil Bedingungen?
Das war Teil der Vereinbarung, mein Herr.
Zwischen Hus und Ihrem Bruder Wenzel.
Sie haben ihn aber direkt, ohne Anhörung, verurteilt.
Es werden nur Zeugen zugelassen, die Hus hassen.
Ich bat sie, das zu ändern.
Die Kardinäle berufen sich bei der Verhandlung
von Glaubensfragen aber auf ihre Souveränität.
Immerhin hängen die Zukunft der Kirche
und die des Römischen Reichs vom Konzil ab.
Was hat das mit Hus' Verhaftung zu tun?
Gibt es je etwas ohne Zusammenhänge?
Bring Wein!
Jan, jeder mit Rang und Namen ist heute in Konstanz.
Geistliche Elite,
Kirchenfürste, weltliche Fürste, Meister der Theologie,
Bischöfe und Delegationen der Universitäten.
Denkst du, es war einfach, sie hierher zu holen?
Soll ich wegen Hus mit allen Streit beginnen?
Es wird alles gut, glaube mir.
Das Konzil hat wichtigere Dinge zu klären.
Diese aufsässigen Leute sind ein Unglück für die Heilige Kirche.
Sie stören die Ordnung.
Was halten Sie von den Rebhühnern?
Sie sind ausgezeichnet, nicht wahr?
Und der Burgunder...
Ketzerei muss man mit der Wurzel ausrotten.
Ich habe gehört,
im Frühjahr habe es in Südfrankreich
Probleme mit Franziskanern gegeben.
Ja. Sie haben dreizehn von ihnen verbrannt. Es nimmt kein Ende.
Ich habe in einer Schrift gelesen,
dass ein Märtyrertod ansteckend sein soll.
Er verleitet die Leute zur Nachahmung.
Viel effizienter ist es,
den Ketzer öffentlich zum Abschwören zu bringen.
Sprechen wir über Jan Hus?
Ganz allgemein.
Aber auch über ihn, wenn Ihr wollt.
Haben sie schon diesen Text von ihm gelesen? - Natürlich.
Ich muss mir noch eine Meinung bilden.
Ich denke, König Sigismund wünscht,
dass der Fall in aller Stille geregelt wird.
Das klingt, als solle das Konzil Sigismunds Wunsch erfüllen.
Und Sie meinen, das Konzil könne erfüllen,
was wir von ihm erwarten?
Sie trinken ja gar nichts, mein Freud.
Sind das deine Schriften?
Ich frage dich, sind das deine Schriften?
Stephan,
mein Freund.
Es legten nur Feinde Schwüre gegen mich ab.
Nicht ein einziger Freund.
Ich behaupte,
und werde behaupten,
dass jeder, der seine Predigten besuchte,
den ketzerischen Glauben hat,
dass während der Eucharistie das Brot materiell Brot bleibt,
und nicht zum wahrhaftigen Leib Christi wird!
Er unterstützte den Empfang des Leibes Christi
unter den Gestalten Brot und Wein.
All diese Zeugen haben sich schwer versündigt.
Ich bete für sie.
Wirst du mit mir beten?
Nicht nur seine Schriften sollten untersucht werden,
sondern auch die Inschriften an der Bethlehemskapelle,
mit denen er die Lügen unter das Volk brachte.
Stephan.
Was sagst du dazu?
Meister.
Mein Verteidiger ist Christus.
Das ist Blasphemie!
Danke, Vater.
Sie hätten mich sterben lassen können.
Danke mir nicht.
Danke König Sigismund.
Wieder der Geleitbrief? Ein schlechtes Gewissen?
Gewissen...
Weiß hier denn jemand, was das ist?
Leg dich hin, ruh dich aus.
Ich will mich nicht ausruhen.
Dafür bin ich nicht hier!
Lass uns allein.
Mehr Demut, Sohn!
Wir haben nicht das Recht, Gottes Absicht zu beurteilen.
Begreif doch, dass du vor einem Tribunal stehst,
das vom Konzil und dem Heiligen Vater berufen wurde.
Du berufst dich auf Christus, als deinen Verteidiger.
Eine schöne Vision.
Nobel, tapfer, rein.
Wie unser Erlöser.
Nur er ist berechtigt, uns zu richten.
Kein Zeuge kann die Wahrheit vor ihm verschleiern.
Sohn!
Du verleugnest die Souveränität des kanonischen Rechts,
die Autorität der Kirche.
Steht nicht in der Bibel:
Der vom Himmel kommt, der ist über allen.
und bezeugt, was er gesehen und gehört hat,
und sein Zeugnis nimmt niemand an.
Wer es aber annimmt,
der besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.
Wie soll ich mich wehren? Hier, in einer Zelle, ohne Bücher,
ohne meine Schriften, die falsch zitiert werden.
Sie wollen nichts von mir hören, sie schreien mich nur an:
Schweig! Gestehe! Widerrufe!
Ich glaube, ich weiß, worin du dich irrst.
Die Heilige Schrift sollte nicht wörtlich genommen werden.
Die Heilige Schrift hat auch nicht den wörtlichen Sinn,
den du ihr gibst.
Die Schrift ist eine Parabel, eine bildhafte Anweisung.
Die Heilige Schrift ist die einzige Glaubensquelle.
Du zitierst Wyclif.
Was wollen Sie hören?
Dass seine Schriften auf uns wie ein Schlag vom Himmel gewirkt haben?
Dafür brauchen Sie Stephans Zeugnis nicht.
Das lernen Sie in meinen Büchern.
Briefe von deinen Freunden.
Damit du nicht denkst, sie hätten dich vergessen.
Vater, verlange ich so viel?
Nur die öffentliche Anhörung, wegen der ich nach Konstanz kam.
Ich kam freiwillig, um mich zu verteidigen.
Ich bin nicht dickköpfig.
Wenn ich dem Konzil sage,
was ich wirklich geschrieben und gesagt habe...
Meine Seele preist die Größe des Herrn
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,
Ihre Absicht, Eminenz... - Du meinst unsere Absicht.
Natürlich. Ich will nur sagen...
Und König Sigismunds Absicht.
Warum hat er dann die Schutzbriefe widerrufen?
Um dem Konzil entgegenzukommen.
Um die falschen Päpste abzusetzen und nur einen zu wählen.
Absetzen? Auch unseren?
Sie glauben, dass Cossa zurücktreten wird?
Cossa?
Ich kenne ihn als Papst Johannes, gewählt vom Konzil in Pisa.
Sogar von Ihnen, Eminenz.
Die Väter Richter sollten vorsichtiger sein.
Sie verwehren ihm einen Anwalt, und er beruft sich auf Christus.
Sie unterstützen sich gegenseitig durch Zwischenrufe.
Der Hauptschreier Palec ist doch unser Werk.
Und mit welcher Absicht?
Wir wollten nicht richten, sondern die Kirche wieder vereinen.
Leise!
Der Mensch meint, Vater...
Palec ist wie ein wild gewordener Hund,
der von der Leine gelassen wurde.
Wessen Wille war das wohl?
Nicht Gottes Wille, Eminenz.
Das ist hohe Politik.
Ich habe eine andere Aufgabe.
Eine Mission.
Vorsicht Pater, es wird langsam heiß.
Auch meine Macht hat Grenzen.
Wie im Anfang so auch jetzt und allezeit
und in Ewigkeit Amen.
Ich höre Glocken.
Cossa, also Papst Johannes, hat versprochen zurückzutreten.
Der König ist vor Dankbarkeit vor ihm auf die Knie gefallen.
Ich glaube nicht, dass der Papst der einzige ist,
der meine Anhörung vor dem Konzil verhindern will.
Als du in der Tür erschienen bist,
fürchtete ich schon, sie hätten dich auch verhaftet.
Sigismund wünscht nicht, dass das Konzil
mit Märtyrern in Verbindung steht.
Sie nahmen mich gefangen, aber ein Kardinal unterstützte mich.
Also ließen sie mich wieder frei.
Sie haben mir den Besuch erlaubt. - Um mich zu überreden.
Vielleicht erwarten sie das.
Zu Hause verlesen sie deine Briefe öffentlich.
Hier lerne ich Dinge über mich,
die ich Zuhause nie gelernt hätte.
Ich klammere mich nicht mehr so sehr an die physische Freiheit.
Ich lerne auch, anders zu beten.
Ein schmerzvoller Tod ist nicht das Schlimmste,
sondern die Einsamkeit
und das Verlassensein.
Du bist nicht allein, Jan.
Ich höre: Eloi,
warum hast du mich verlassen?
Und ich verstehe das besser als früher.
Du bist nicht allein.
Ich sage das nur dir.
Sag der Königin, sie solle sich meinetwegen nicht grämen.
Als ob ich ein Ketzer wäre.
Sie ist so fromm.
Verlass Konstanz sofort. Bitte.
Es ist auch für dich gefährlich hier.
Mach dir um mich keine Sorgen.
Und vergiss nicht, dass alle Zuhause an dich denken.
Verkleidet als Soldat?
Er nutzte Ihren Zwist mit dem französischen König aus.
Meinen Zwist? Sie meinen Ihren Zwist!
Ihre überheilige Kardinalsweisheit wählte diesen Piraten in Pisa!
Einen Gegenpapst, der einen Krieg mit dem König von Neapel
und Unruhen in Polen und Böhmen ausgelöst hat.
Und der seinen Vorgänger umbringen ließ!
Euer Gnaden, einige Kardinäle haben Konstanz bereits verlassen.
Das Konzil droht, sich aufzulösen.
Vater Kardinal, liebster Vater.
Das Konzil ist unser gemeinsames Werk. Es darf sich nicht auflösen.
Wir müssen für die Zukunft des römischen Reichs
einen Weg zur Wiedervereinigung finden.
Die Wiedervereinigung der Kirche.
Sie haben die päpstlichen Wachen entlassen.
Cossa hat seine Abdankung widerrufen
und ist aus Konstanz geflohen.
Cossa?
Alle haben ihn den Heiligen Vater genannt. Auch Sie.
Das Konzil hat das Dekret Haec Sancta erlassen.
Damit hat sich das Konzil zur souveränen Autorität
über die ganze Kirche erklärt.
Wenn nicht der Papst mich gefangen hält,
wer dann?
Sie, Vater?
Schlüssel.
Ein Machtsymbol.
Und was wäre, wenn wir auch einfach gehen würden?
Und die Schlüssel in die stinkende Gosse werfen würden?
Wenn ich mich nicht irre und die Tage richtig zähle,
ist heute Palmsonntag.
Da wurde doch immer der Erlöser gefeiert.
Nimm deine Sachen, Meister.
Die Konstanzer Bischofswache bringt dich an einen sicheren Ort.
Nur Gott hat die Schlüssel zu meiner Zelle.
Nur Gott, der Herr, kann den armen Hus befreien.
Meine Liebsten, aus dem Gefängnis, wofür ich mich nicht schäme,
weil ich für Gott, meinen Herrn, leide,
bitte ich euch, für mich zu beten, dass er bei mir bleibt.
Es gibt keinen Menschen, außer unserem Herrn Jesus Christus.
der seinen Jüngern sagt:
"Denn ich will euch Mund und Weisheit geben,
der alle Widersacher nicht widerstehen
noch widersprechen können." Lukas 21, Vers 15.
Erinnert euch, meine Liebsten,
dass ich mit euch für eure Erlösung gearbeitet haben.
Und so geschieht es auch im Gefängnis,
wo ich großen Versuchungen widerstehe.
Wenzel, sie werden ihn töten.
Ich bin machtlos, liebe Sophie.
Was erwartest du?
Was erwartest du?
Dass ich meine Armee nach Konstanz sende?
Dass ich das Konzil zerschlagen und Hus befreien werde?
Ich erwarte, dass du Sigismund an eure Abmachung erinnerst, Herr.
Ich bitte dich demütig.
Lass mich in Ruhe.
Lass mich in Ruhe!
Weckt die Jäger!
Ich breche nach Bettlern auf!
Ich habe ein Geschenk für dich.
Ein Reisebrevier.
Woher wusstest Ihr, dass ich eins brauchen werde?
Weil ich dich kenne.
Was?
Ist es schon morgen?
Ein Turmfalke.
Gestern war auch einer da.
Vielleicht hat er Nachwuchs in der Nähe.
Also...
Und jetzt Jan, komm mit mir!
Das würde ich mir nicht erlauben. - Warum?
Was wäre, wenn ich gewinne, Vater?
Wie kannst du so sicher sein,
dass du den Menschen Gottes Wahrheit predigst?
Ich bin deine Mutter, ich will nicht um dich weinen.
Vater unser, der Du bist im Himmel,
geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Amen.
Hier sollten wir die nächste Disputation veranstalten.
Man sollte nicht nur seine Schriften untersuchen,
sondern auch die Inschriften an der Bethlehemskapelle,
mit denen er Lügen im Volk verbreitet.
Ah, Meister Palec!
Eine Katze mag Fisch,
aber das Wasser des Flusses will sie nicht berühren.
Wir wünschen uns ewige Freude,
wie die Katze Fisch will,
den sie leicht erjagen kann.
Genau wie sie sieht er aus...
Genau wie sie sieht er aus,
dieser geizige, faule Lügner,
mit seinem listigen, hochmütigen Leben.
Hey, Soldat!
Ewige Freude wollen wir haben,
wie die Katze ewig Fisch essen mag.
Und genau der ähnelt dieser geizige, faule, listige Lügner.
Wir wollen ewige Freude, wie die Katze ewig Fisch essen will.
Wie eine Katze Fisch essen mag...
Und genau der ähnelt dieser geizige, faule, listige Lügner.
... mit denen er Lügen im Volk verbreitet hat.
Sollte ich mich schämen wegen Hus?!
Sie missachten meinen Schutzbrief?!
Bin ich glaubwürdig, wenn ich etwas verspreche?
Sagt wer?
Das Schreiben trägt die Siegel von elf hohen Adligen.
Der mährische Hauptmann,
der höchste Marschall des böhmischen Königs.
Ich kann lesen, Herr von Chlum!
Ich bin der römische König. Und wer bist du?
Heinrich Lefl von Lazan, erhabener König,
der Vertraute Eures Bruders, König Wenzel.
Und du bist immer noch mein Soldat.
Majestät, Hus wird in einem Turm der Bischofsburg festgehalten,
in Ketten und ohne Anhörung.
Hast du einen Spion in der Burg? - Ja.
Schickst du Nachrichten nach Böhmen?
Diese dringende Bitte habe ich mitgebracht, Majestät.
Willst du einen anderen Brief sehen?
Der König von Aragon schreibt mir:
Irgendein falscher Christ untergräbt
mit seinen ketzerischen Interpretationen die Kirche,
und sitzt immer noch unverurteilt in Eurem Gefängnis.
Ferdinand von Aragon hat offensichtlich andere Spione.
Wir verstehen das Dilemma Ihrer Lage,
Ihr sitzt zwischen zwei Stühlen.
Mit allem Respekt, erhabener König,
denkt an den Empfang der böhmischen Versammlung,
wenn Ihr nach der Krone des Hl. Wenzels greifen werdet.
Deine Stellung als Wenzels Vertrauter
berechtigt dich nicht, so mit mir zu reden.
Ich kann die Souveränität des Konzils in Glaubensfragen
nicht übergehen!
Verstehst du das nicht?
Selbst wenn ich es wollte!
Selbst wenn ich es wollte!
Das habe ich nicht geschrieben, Eminenz.
Ist das deine Akte?
Nur dem Namen nach.
Dein Freund, Meister Palec, hat diese Artikel
aus deiner Akte ausgewählt.
Mein Freund, sicher.
Diese Artikel entsprechen in keiner Weise meiner Akte.
Sie sind manipuliert. - Antworte mit ja oder nein.
Ich vertrete, oder ich vertrete nicht!
Ich kann Gedanken nicht dementieren,
die ich weder geschrieben noch vertreten habe.
In einem geheimen Brief, den wir deinem Boten abnahmen,
schriebst du, dass du drei oder vier Artikel verteidigen würdest,
auch wenn berechtigte Vorwürfe erhoben werden.
Sind das die dir vorgelegten Artikel?
Ich bitte demütig, Eminenz,
diese Artikel von Meistern der Theologie
untersuchen zu lassen,
und mit meiner echten Handschrift zu vergleichen.
Weiche nicht aus.
Willst du uns belehren, wie wir einen Ketzer richten sollen?
Ich habe hier eine Aussage aus Prag.
Eine Frau nahm dem Priester den Leib Christi aus der Hand,
und legte ihn sich selbst in den Mund.
Weil laut Meister Jan Hus ein guter Laie
das Brot besser in den Leib Christi verwandeln kann,
als ein schlechter Priester!
Das sind Lügengeschichten, die den Ruf Böhmens schädigen.
Nach gründlicher Überlegung, und um den Fall abzuschließen...
Hier!
Im Turm! In Ketten!
Schweig und hör zu!
Entschuldigt meine Unhöflichkeit,
aber seit Monaten rede ich nur mit Turmfalken.
Sie sind nett, aber zu scheu.
Deine Richter haben die Zeugenaussagen
und einige deiner Handschriften
an die Kommission für Glaubensfragen weitergegeben.
Und da diese Handschriften als Irrlehren beurteilt wurden...
Die Kommission wird gegen die Verfälschung
dieser Artikel nicht ermitteln?
Wir kamen, damit du diesen Schriften abschwören kannst.
Ich soll widerrufen, was ich nicht schrieb?
Ist dir bewusst, vor wem du stehst?
Vor der vom Konzil ernannten Kommission.
Und diese vom Konzil ernannten Kommissionsmitglieder
schämen sich nicht, mich heimlich in Ketten zu vernehmen?
Warum begehen Sie dieses Unrecht an mir?
Meister!
Steh auf.
Steh auf.
Verzeihung.
Du darfst nicht nur liegen.
Würden Sie glauben,
dass Turmfalken über meinem Kopf nisten?
Ich habe nicht die Macht, dich von den Ketten zu befreien,
aber ich verspreche, es zu versuchen.
Die an den Füßen sind mir egal,
aber es ist, als ob sie in meine Seele schneiden.
Wir haben nicht viel Zeit.
Hör aufmerksam zu.
Nach dem Heiligen Vater ist das ganze Konzil geflohen.
Nein. Die Konzilväter haben den König abgesetzt.
Nein, Papst Johannes kam zurück, und erklärte alle für Ketzer.
Der gesamte böhmische Adel hat sich für dich eingesetzt.
Du musst jetzt über den ganzen Kontext gut nachdenken.
Ich werde mit den Turmfalken sprechen.
Deine Richter haben der Kommission für Glaubensfragen empfohlen,
die Wyclif-Akten öffentlich zu verbrennen.
Die Bibliothek in Alexandria brannte nieder,
und mit ihr ein Teil des Wissens der Menschheit.
Ich stimme zu. Bücherverbrennung ist Barbarei.
Aber manchmal müssen wir auch eine barbarische Tat
in unsere Überlegungen einbeziehen.
In welche Überlegungen?
Gedanken über deine Möglichkeiten.
Wer wird mit mir über die Wahrheit Gottes nachdenken?
Sie haben auch entschieden, Wyclifs Überreste
aus der geweihten Erde zu exhumieren,
sie zu verbrennen, und die Asche in den Fluss zu streuen.
Begreifen Sie, was Sie da Schreckliches sagen?
Nur ein Schwein gräbt in geweihter Erde.
Nur des Antichristen widerliche Schnauze.
Sohn, für einige wirst du zu einem Werkzeug
in ihrem Kampf um Macht.
Sei bitte realistisch.
Die Dunkelheit erschöpft mich. Ich verstehe das nicht.
Ein Grab nach dreißig Jahren aufzugraben. Geweihte Erde.
Und wenn Wyclifs Seele bei Christus ist,
wie ich es ihm wünsche?
Was wird dann mit Ihnen geschehen?
Was wird dann mit uns geschehen?
Ich kenne dich aus Wien.
Hier finden keine Universitätsdisputationen statt.
Das habe ich bemerkt.
Was hast du dir dabei gedacht, hier her zu kommen?
Ich habe Briefe überbracht.
Und geheime Briefe der böhmischen Königin?
Appelle an Seine Majestät Sigismund?
Jemand hat mich erkannt.
Jemand von der Sorbonne?
Oder Heidelberg.
Oder Wien.
Warst du es nicht?
Die Dokumente Ihres Ordensgründers
wurden bei einer Disputation ins Feuer geworfen.
Angeblich blieben sie unbeschädigt.
Domini canes.
Hunde Gottes.
Für welche Seite bellt ein Hund Gottes?
Hört das Urteil.
Hört den 50. Psalm.
Zum Frevler aber spricht Gott:
"Was verkündest du meine Rechte
und nimmst meinen Bund in deinen Mund?
So du doch Zucht hassest,
und wirfst meine Worte hinter dich.
Dein lässt du Böses reden
und deine Zunge treibt Falschheit.
Du redest wider deinen Bruder.
Das tust du und ich schweige?
Da meinst du, ich werde sein gleich wie du?
Aber ich will dich strafen und es dir unter die Augen stellen."
Ihr hattet versprochen, das Gebet heute zu lassen.
Verzeiht die Störung, Euer Gnaden.
Meine Tür steht Euch immer offen, Kardinal.
Der Tisch ist gedeckt. Rheinwein oder Burgunder?
Kardinal d'Ailly hat den Psalm zur Verurteilung von Hus verlesen.
Schon wieder der Tscheche?
Noch gestern versprach er eine ordentliche Anhörung.
Hus wurde nicht einmal vorgeladen.
Das kenne ich aus Heidelberg. Die Prälaten lieben Überraschungen.
Erhabener König, ich erhielt die Hus-Schrift seiner Hand.
Wir sollten besser direkt aus dieser zitieren,
und nicht aus Schriften,
die jemand scheinbar daraus abgeschrieben hat.
Manchmal ist es gut, den Prälaten auf die Finger zu klopfen.
Dieser d'Ailly ist bestimmt Franzose, oder?
Er sollte vielleicht die deutsche Gründlichkeit kennenlernen.
Womit habe ich das verdient?
König Wenzel und die Königin
schrieben einen Brief zu deiner Unterstützung.
Einer deiner Freunde überbrachte ihn.
Die Königin hat mich nicht vergessen.
Der Bote ist unglücklicherweise
in die Hände der Konstanzer Bischofswache gefallen.
Wer?
Mein Anwalt Jesenic?
Nein.
Der gute Kristan?
Hieronymus?
Ich habe ihn gewarnt!
Ich schrieb ihm Briefe!
Was ist mit ihm? Was haben sie mit ihm gemacht?
Sie haben ihn verhaftet.
Den Reinsten.
Den Begabtesten.
Den Tapfersten.
Den Lustigsten, den Gelehrtesten, den Phantasievollsten.
Er hatte weder Angst vor Fürsten noch vor verbitterten Meistern.
Warum sagt Ihr mir das?
Wollt Ihr mir seine Freiheit für meinen Gehorsam anbieten?
Ihr überschätzt meine Macht.
Ich bin nicht Euer Feind.
Eloi...
Nicht Hieronymus. Nein!
Bitte.
Heiliger Vater?
Bist du dieser Hus?
Der römische König Sigismund bat uns, seinen Boten anzuhören,
Kurfürst Ludwig von der Pfalz.
Meister, komm näher!
Ketzer!
Er muss verurteilt werden!
Ketzer!
Auf den Scheiterhaufen mit ihm!
Ist das dein Schriftstück?
Ja.
Das ist mein Schriftstück.
Von meiner Hand geschrieben.
Damit kann bewiesen werden,
dass die Artikel, die mir zur Last gelegt wurden, gefälscht waren.
Was soll das bedeuten?
Ketzerei. - Er ist ein Lügner!
Der König wünscht, dass ihm diese Schrift, sobald sie ausgewertet ist,
wieder zurückgegeben wird.
Zurückgeben? Wie "zurückgeben"? Die Schrift eines Ketzers?
Lasst uns weitermachen.
Meister Jan Hus soll geduldig angehört werden,
wie es das Konzil dem König versprochen hat.
Nein.
Artikel, über die sich das Konzil und Meister Hus nicht einigen,
sind dem König schriftlich zu überreichen.
Sich einigen? Wer richtet hier wen?
Der römische König
wird sie von Magistern der Theologie beurteilen lassen.
Wohin führst du mich?
Auf Drängen von König Sigismund
wirst du bis zum Ende des Prozesses
in dieser Zelle des Franziskanerklosters bleiben.
Meine Liebsten, lasst euch von denen nicht erschrecken.
Das Kollegium aus Konstanz kommt nicht nach Böhmen.
Viele dieses Kollegiums werden sich gegenseitig töten.
Die anderen werden wie Vögel davonfliegen.
Sie demütigten den Papst wie einen Ketzer.
Der Vertreter Christi, den alle anbeteten,
ist im Turm eingekerkert.
Der Brunnen, der Macht und Güte spendet, ist ausgetrocknet.
Die Sonne der Kirche erlischt.
Ihr Herz wurde herausgerissen.
Herr, beeile dich, mir zu helfen!
Pater, ich suche schon seit Tagen Pater Vittorio.
Ich kenne ihn nicht.
Der Priester, den Sie mir in Bologna gesandt haben.
Ich habe dir niemanden gesandt.
Er versprach, dass die Handschriften von Hus
dem Konzil nicht vorgelegt würden.
Von deinen 42 Artikeln haben die Meister der Theologie
deren 11 als Grundlage für eine Anklage anerkannt.
31 waren gefälscht.
Wenn ich nicht irre, wurdest du in Bologna verhaftet,
weil du Wyclifs Irrlehre verbreitet haben sollst.
Aber das wurde erklärt.
Eine einmal beim Heiligen Offizium erhobene Anklage
wird nicht erklärt.
Sie wird gerichtet.
Ich will den Ruf des Konzils nicht beschmutzen.
In Böhmen wird er zum Märtyrer.
Er ist störrisch. Ketzerei muss samt Wurzeln vernichtet werden.
Sie sprechen mit dem römischen König, Vater Kardinal.
Gegen meinen Willen wird keinem in Konstanz nur ein Haar gekrümmt.
Viele Kleriker lehnen den Kompromiss ab, auch wenn er nachgibt.
Warum haben wir Sie zum Vorsitzenden ernannt?
Das Konzil wählte mich.
Ohne mich würde es kein Konzil geben.
Das Konzil!
Mit Eurem Geleitbrief wart Ihr voreilig.
Nach dem kanonischen Recht... - Keine Belehrungen!
Ihr habt drei Päpste: den in Rom, den in Avignon,
und einen dritten im Turm. Das ist Ihr Problem.
Das Konzil rief ich ein, um die Kirche zu einen,
da Sie dazu nicht fähig waren.
Wohin haben Ihre ewigen Intrigen die heilige Kirche gebracht?
Sie untergraben den geistlichen Pfeiler des römischen Reichs.
Erhabener König,
besprechen wir unser weiteres Vorgehen. In Übereinstimmung.
Bischof Zelezny aus Prag hat bezeugt,
dass der Ketzer vor seiner Abreise aus Prag Folgendes schrieb:
"Sollte ich etwas beschwören, sind das nur Lippenbekenntnisse.
Wisset, dass mein Herz nicht damit einverstanden sein wird."
Glaubt Ihr, ich vergaß,
wie Ihr meine Leute um Unterstützung für Eure Wahl angefleht habt?
Eure Hoheit, es gibt noch Hoffnung,
dass sich die Geschichte mit dem Ketzer
zu Eurer und zur Zufriedenheit des Konzils entwickelt.
Jetzt schauen sie genauso streng wie ihr Erzketzer, Vater Kardinal.
Wein.
Es wird eine Finsternis kommen.
Auch Jesus Christus wurde während einer Finsternis gekreuzigt.
Oder war es ein Sandsturm?
Ich habe getan, was in meiner Macht stand.
Das Konzil wird eine Liste von Artikeln vorlegen,
denen er abschwören muss, wenn er sich retten will.
Sie verstehen ihn nicht.
Die Leute im Dorf
und unter der Kanzel haben sich mit ihm ins Evangelium vertieft.
Christus wurde dort ihr Bruder.
Sie werden alles vergessen, wenn er nicht zurückkommt.
Sie haben ihn eine aufrechte Kerze genannt.
Mich nannte er einen bunten Schmetterling,
der frei und sorglos herumfliegt.
Möchtest du ihm schreiben?
Geben Sie es ihm, egal was ich schreibe?
Die Kommission der Universitäts- meister und Doktoren
haben die von Doktor Palec vorgelegten Artikel mit der Akte
"De ecclesia" von Jan Hus verglichen.
Sie haben nur elf von zweiundvierzig Artikeln
für richtig befunden.
Das ist nicht möglich!
Eure Majestät! Geehrte Kardinäle und Bischöfe.
Ich schwöre, dass ich nichts, was ich gegen Hus bezeugte,
aus bösem Eifer oder Hass aussagte.
Gott ist mein Zeuge, dass ich nur meinen Eid erfüllen wollte,
da mir die Ehre erteilt wurde, Kommissionsmitglied zu werden.
Seht ihn an, wie stolz er blickt. - Ketzer!
Sogar die Kommission der Doktoren,
sorgsam von Seiner Eminenz ausgewählt,
befand Sie als Meineidige und Lügner!
"Die in Schafskleidern zu Euch kommen,
Aber inwendig sind sie reißende Wölfe." Matthäus, Kapitel 7.
Und Hosea, Kapitel 8:
"Sie machen Könige, aber ohne mich!
Fürsten, ohne dass ich es wusste!"
Möchtest du zu uns predigen?
Die gleiche Kommission geehrter Meister und Doktoren,
hat in deiner Schrift "De ecclesia"
Artikel gefunden, die sie für schlimmer befinden,
als die von Doktor Palec vorgelegten!
Ich bin nicht nach Konstanz gekommen,
um irgendetwas verbissen zu verteidigen.
Ketzer!
Wenn Sie mich mit Argumenten überzeugen, korrigiere ich alles,
worin ich mich geirrt habe.
Verseuchter Feind Gottes! - Verurteilt seist du als Teufel!
Das ist keine Universitätsdisputation, Hus.
Du stehst vor Gericht.
Es wird deine Schuld beurteilt. Wir lehren nicht, wir richten!
Wir kommen alle vor Gottes Gericht...
das über mich und euch urteilt,
auf dass jeder vor Gott Rechenschaft ablege.
Prophezeie nicht, schweig!
Er schweigt. Ein Schweigen ist ein Geständnis.
Ein Schuldbeweis. - Du hast geschrieben:
"Wenn der Stellvertreter Christi falsche Wege geht,
ist er kein Stellvertreter, sondern ein Bote des Antichrist."
Und wie war es mit Papst Johannes?
Schweig!
Jetzt nennen ihn alle nur Cossa!
Wäre er ein echter Stellvertreter Christi,
hätte er dann abgesetzt werden können?
So hat das Konzil entschieden. Du sollst uns nicht belehren.
So ist es. - Jetzt haben wir keinen Papst.
Was denn? Komm!
Das ist dreist! - Und Christus...
und Christus, das wahre Oberhaupt der Kirche,
führt sie ohne jeden Fehl! - Ketzer!
Du sagst, du wärst freiwillig gekommen?
Nicht einmal der König hätte dich zwingen können zu kommen?
Weder der König von Böhmen, noch der König von Rom.
Das ist doch nicht wahr!
Er sagt die Wahrheit!
Ich bot ihm Schutz an.
In meiner Burg wäre er sicher gewesen.
Und keiner hätte ihn zwingen können, zu kommen.
Du hast gepredigt, ein Priester sei kein Priester,
und ein Papst kein Papst, wenn er in Sünde lebt.
Nicht einmal ein König ist König vor Gott, wenn er in Sünde lebt.
Wiederhole das!
Selbst ein König, wenn er in Todsünde lebt,
ist nicht König vor Gott.
Niemand lebt ohne Sünde, Jan Hus.
Sei demütig.
Für uns und unsere Ehre,
für unseren Bruder und den Ruf des böhmischen Königreichs.
Ich bat das Konzil, dir eine öffentliche Anhörung zu gewähren.
Das hat es getan.
Und nun rate ich dir, dich demütig zu dem zu bekennen,
was gegen dich bewiesen ist,
und dich der Gnade des Konzils zu ergeben,
und nicht nur aus Sturheit auf etwas zu bestehen.
Was wäre, wenn ich nichts getan, gepredigt
oder gelehrt hätte, was sie mir vorwerfen?
Und wenn ich es nicht einmal gedacht hätte?
Hast du Gottesdienste gehalten, als du unter dem Bann standest?
Ich habe sie während der Berufung gehalten.
Bei wem legtest du Berufung ein? Beim Konzil?
Nein, bei Christus, Eminenz.
Gemäß welchen Artikels des Kirchenrechts?
Christus ist das Oberhaupt der ganzen Kirche.
Er lügt nicht und kann nicht belogen werden.
Wer anderes als er führt die Kirche?
Er ist das spirituelle Fundament.
Der? Der würde nicht einmal den Namen seiner Mutter gestehen.
Meister Jan.
Was wäre, wenn wir dir
eine gekürzte Liste der Artikel geben würden?
Sind diese Siegel authentisch, Herr Chlum?
Meines ist auch dabei.
In Böhmen besteht die Gefahr eines Aufstands.
Ihr habt ihm Schutz versprochen.
Ich habe alle Schutzbriefe widerrufen.
Sie waren wertlos.
Das kirchliche Gericht übersteigt meine Rechtskraft.
Erhabener König,
eines Tages könnte König Wenzel krank werden,
und Ihr werdet der Erbe dieser adligen Herren werden.
Ihr könnt ihnen die Auflösung des Konzils androhen.
Ist dir klar, was du da sagst?
Soll ich die Verantwortung für die Zerstörung der Kirche tragen,
nur wegen eines störrischen Priesters?
Das Konzil hat bedeutendere Aufgaben.
Die Kirche zu verbessern
"in capite et membris" - im Kopf und in den Gliedern.
Sprecht mit ihm.
Niemandem ist gedient, wenn ihm die Ketzermütze aufgesetzt wird.
Mehr Zugeständnisse werden sie nicht machen.
Sie überlegen, dich für die ersten Jahre
in einem Kloster zu internieren.
Dort könnest du nachdenken und schreiben.
Also...
Verführer.
Was willst du mit deiner Sturheit erreichen?
Erreichen,
beenden, gewinnen, verlieren!
Sie sehen nur den äußeren Schein.
Wir reden inhaltlich aneinander vorbei.
Vorsicht, Meister, es wird spät.
Deine Richter haben keine Skrupel, dich verbrennen zu lassen.
Vor nicht einmal einem Jahr verbrannten sie dreizehn Waldenser
aus dem Land von Kardinal d'Ailly.
Warum erniedrigst du dich selbst?
Soll das Konzil seinen Ruf beschmutzen,
weil es den Scheiterhaufen anzündet?
Sohn, du sündigst gegen die Einheit der Kirche.
Das ist deine größte Verfehlung.
Ich habe viele Zweifel, Jan,
und große Versuchungen.
Ich bin ein einfacher Ritter, Meister.
Wenn du Zweifel hast, schäme dich nicht, sie mir mitzuteilen.
Gott segne dich.
Für alles, was du für mich getan hast.
Und falls wir uns nicht mehr treffen,
veranlasse, dass mein Bruder mein Pferd,
das Fuhrwerk und meinen Pelz bekommt.
Und meine Bücher, falls sie sie nicht alle verbrennen,
soll mein Freund Kristan bekommen.
Das Reisebrevier,
du weißt, wer es mir geschenkt hat.
Jan.
Jan.
Gestehe, dass du viel Übel verursacht hast.
Denk an das Gute und den Frieden, den du ermöglichen könntest.
Wenn ich einwilligen würde?
"Diesen Artikel habe ich nie gesehen oder gepredigt.
Hätte ich das getan, wäre es falsch gewesen,
denn ich erkläre sie für irrtümlich, und schwöre,
sie weder halten noch predigen zu wollen."
Was ist so schlimm daran, dass du nicht einwilligen kannst?
Willst du dir lieber eine Ketzermütze aufsetzen lassen?
Ich weiß, was du willst.
Ich soll in Böhmen für deinen Tod die Verantwortung tragen.
Stephan,
niemand stirbt, um sich zu rächen.
Ich habe harte Worte über dich
geschrieben und gesprochen. Ich nannte dich einen Lügner.
Das wird auch in meinen Büchern bleiben.
Eigentlich wollte ich dir meine Beichte ablegen.
Ja, natürlich! Natürlich, wie immer!
Stolz, dickköpfig, unnachgiebig.
Ohne an die Folgen zu denken, nur imaginäre Chimären!
Stephan, ich habe bisher erst einmal gefragt.
Du hast es nie erklärt.
Was geschah in Bologna und Pisa?
Jetzt soll ich so sein wie du?
Ist es ein Verbrechen, sein Leben zu retten?
Das ist die letzte Gelegenheit, uns zu vergeben.
Vergeben?
Liebe Mutter, segne mich.
Das hier können Sie abgeben.
Ich möchte es aus deinem Mund hören.
Angst haben, Gott zu beleidigen,
Angst haben, einen Meineid zu leisten,
Angst haben, zu beleidigen...
Ich möchte ein menschliches Wort hören.
Nicht das, was in den Büchern steht.
Ein menschliches Wort?
Viele Wahrheiten müsste ich verurteilen,
nur weil das Konzil sie als empörend bezeichnet.
Wenn ich also Irrtümern abschwören würde,
die das Konzil fälschlich meinen Predigten und Artikeln zuschreibt,
würde ich Meineide schwören.
Und vor allem
würde ich durch den Widerruf viele Menschen empören,
denen ich von der Kanzel das Gegenteil predigte.
Ist das menschlich genug für Sie, Pater?
Hast du bedacht, dass die Wahrheit nur Wahrheit ist,
wenn sie im Leben angewandt werden kann?
Ich möchte Ihnen beichten, Pater.
Mir?
Manchmal war ich sehr ausgelassen.
Nicht nur während meines Studiums.
Warst du betrunken?
Ich schrieb spöttische Lieder über ehrwürdige Herren und Doktoren.
Verse.
Und ich spielte.
Würfel? Um Geld?
Schach.
Um die Ehre, um jeden zu besiegen.
Ich habe die Königin und Hieronymus beneidet.
Ich gönnte ihm alles. Dass er klüger, witziger, gebildeter,
hübscher war als ich.
Aber nicht seine Siege.
Er hat immer gewonnen, und darunter litt ich.
Als ob Siege nur mir zustehen würden.
Er kam, um mir zu helfen.
Werden sie ihn auch töten?
Ich sehe all diese guten Menschen Zuhause.
Wie würden sie sich fühlen,
wenn ich aus Angst einen Rückzieher machen würde?
Ich sehe meine Mutter, meinen Bruder, die Kinder meines Bruders.
Ich habe sie vernachlässigt.
Und meinen Vater.
Mein Vater wollte nicht, dass ich Priester werde.
Er fürchtete, das würde mich verderben.
Hat er dir Ungehorsam vorgeworfen?
Das würde er bei einem Priester nie wagen.
Und genau das empfinde ich als meine Sünde.
Ich bin hier an seiner statt
und nehme deine Entschuldigung an.
Und ich habe eine Frau geliebt,
ich liebe eine Frau.
Hast du sie berührt?
Nur in meinen Gedanken.
Hat sie dich geliebt, liebt sie dich?
Sie hat mir oft geholfen, sie hat mich verstanden.
Wo ist dann die Sünde?
Vielleicht, dass ich jetzt mit Ihnen über sie reden muss.
Denkst du an sie?
Beten wir,
damit sie sich nicht entrüstet, dass ich ein Ketzer war.
Ich weiß, was ich von Ihnen verlange. Die Absolution.
Ich bitte Sie um Vergebung für etwas,
was Sie zutiefst ablehnen.
Das wäre eines Priesters Gnade,
die mich Ihnen gegenüber stärken wird.
Warum sagst du das? Warum quälst du mich?
Glaubst du, ich weiß das nicht?
Nicht Sie vergeben, Gott vergibt.
Wir sind zum letzten Mal zusammen.
Morgen werden sie mich töten.
Haben Sie mir nichts zu sagen?
Sie haben auch versucht, mich zu benutzen.
Aber du hast es nicht zugelassen.
Ich spreche dich los, im Namen des Vaters, des Sohnes
und des Heiligen Geistes Amen.
Am 6. Juli 1415 brachten sie den Meister Jan Hus
zur Versammlung der Prälaten in die Konstanzer Kirche.
Der römische und ungarische König,
Sigismund von Luxemburg hatte den Vorsitz.
In der Nacht errichteten sie ein Gerüst inmitten der Kirche,
auf das sie den Meister nach der Messe brachten.
Als verurteilter Ketzer
durfte er am Gottesdienst nicht teilnehmen.
Draußen, auf der Wiese vor der Stadt,
die sonst als Pferdefriedhof diente,
bauten sie den Scheiterhaufen auf.
Als die Verlesung des Urteils beendet war, sagte Meister Jan:
"Jesus Christus, vergib meinen Feinden.
Du weißt, sie verurteilten mich zu Unrecht."
Dann kleideten sie ihn wie für einen Gottesdienst,
und begannen sofort mit seiner Entweihung.
Unter Verfluchungen nahmen sie ihm den Kelch weg,
und Teile seines Gewands.
Zuletzt zerstörten sie seine Tonsur.
Im Namen Christi ertrage ich diese Blasphemie geduldig.
Er wird mir den Kelch der Erlösung nicht verweigern.
Ich hoffe, dass ich noch heute Abend in seinem Königreich
aus diesem Kelch trinken werde.
Jan! Jan! Widerrufe!
Widerrufe, schwöre ab!
Rette dein Leben!
Bitte! Bitte!
Um Gottes Erbarmen,
verurteile meine Seele nicht zur Verdammnis!
Gnädiger, Gnädiger!
Auf Euch wird er hören. Er schwört ab!
Das wollte ich doch nicht!
Gott!
Gott!
Als der ganze Körper zu Asche verbrannt war,
warfen sie seine Kleidung ins Feuer.
Die Asche sammelten sie auf,
und streuten sie in den Rhein,
um den Tschechen jegliche Reliquie zu verwehren.
Willkommen, Bruder.
Du kommst aus der Ferne.
Eher aus Zeiten der Unsicherheiten und Zweifel.
Wer hat die heutzutage nicht?
Darf ich dich um eine Unterkunft bitten?
Ich könnte eure Bibliothek ordnen.
Habt ihr eine große Bibliothek?
Einige Bücher könnte man hier vielleicht finden.
Komm rein.
Danke.
MEISTER HIERONYMUS VON PRAG WURDE ZEHN MONATE SPÄTER IN KONSTANZ VERBRANNT. AM GLEICHEN ORT WIE JAN HUS.
DOKTOR STEPHAN VON PRAG IST NIE MEHR NACH BÖHMEN ZURÜCKGEKEHRT. ER STARB IM POLNISCHEN EXIL.
IM JAHRE 1419 BRACH IN BÖHMEN DIE HUSSITISCHE REVOLUTION AUS.
DER KÖNIG WENZEL STARB AN EINEM SCHLAGANFALL 18 TAGE NACH DEM AUSBRUCH DER HUSSITISCHEN REVOLUTION.
KÖNIG SIGISMUND VON LUXEMBURG HERRSCHTE IN BÖHMEN NUR EIN JAHR VOR SEINEM TOD.
Übersetzung: Radka Serin
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