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Das Kapuzinerseminar ist ein Ort, der keinem anderen gleicht.
Sie haben ihm diesen Geist gegeben.
Ändert sich die Welt? Werden wir uns auflösen?
Etienne hat sich nichts vorzuwerfen.
Wie können Sie sich denn da so sicher sein? - Wie können Sie denn daran zweifeln?
... die Zeit nicht besonders... - Gut. Das geht klar mit uns.
Zwei Songs am Abend des 3. März.
Hast du denn nicht verstanden, dass du tot bist?
Vom rechtlichen Standpunkt aus bist du für all das verantwortlich!
Wenn du deinem Bruder helfen wolltest, hättest du bei uns bleiben sollen.
Jetzt halte dich bitte aus allem raus.
Wenn wir unter euch sind, dann deswegen, weil das hier die Welt ist.
Geh doch in dein Seminar zurück! Du hast dich selbst aus der Welt ausgeschlossen!
Glaubst du, ich kann mich vor Ort noch nützlich machen?
Seien Sie vorsichtig, Pater. - Nehmen Sie sich die Akte noch mal vor.
Es gibt auch die Verwaltung von Fromenger.
Dieses Seminar lebt nur, weil Pater Fromenger bei uns ist.
Die Zahlen. Sie sind dubios.
Rom, Vatikan
Wir stehen vor einer gewaltigen Krise in China.
Die Regierung will Xiangdhong zum Bischof ernennen.
Der Heilige Vater kann deshalb nicht mehr schlafen.
Nur die Kräutertees von Schwester Amalia können ihn beruhigen.
Und die Akte Fromenger?
Wie weit sind Sie damit? Monseigneur Roman bedrängt mich diesbezüglich.
Seine Heiligkeit hatte noch keine Zeit, sie zu lesen?
Ich werde sie ihm nicht vorlegen.
Fromenger bleibt für uns ein wertvoller Mann, ein spiritueller Führer.
Sie haben recht. Frieden und Mäßigung.
Beten Sie trotzdem, dass Seine Heiligkeit nie erfährt,
dass man ihm diese Akte verheimlicht.
Was wollen Sie damit andeuten?
Wohlwissend, dass diese Akte durch viele Hände gegangen ist,
wäre es schade, wenn der Heilige Vater Ihre Verheimlichung
für ein Bekenntnis von Schwäche halten würde. Oder gar noch Schlimmeres.
Hier. - Danke.
Als Jesus die Menschenmenge sah, die ihm folgte, ging er auf einen Berg.
Er setzte sich und fing an, sie zu lehren:
"Selig, die arm sind vor Gott.
Denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig, die keine Gewalt anwenden. Denn sie werden das Land erben.
Selig, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit,
denn sie werden satt werden.
Selig, die die Frieden stiften,
denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden,
denn ihnen gehört das Himmelreich."
Tja, die Stadtverwaltung ist gekommen. Sie haben das Gebäude für baufällig erklärt.
So können sie ihre scheiß Räumungsprozedur starten.
Es ändert sich also nichts. Und was braucht ihr am nötigsten?
Kleidung, zu essen, Medikamente.
Ein bisschen was von allem.
Die Heizung brannte vor drei Tagen durch. Wir haben kein warmes Wasser.
Wirklich, wir sind es leid, zu kämpfen.
Wohnungen für alle. Ein Dach ist ein Recht.
Guck dir mal diese Ärsche an. Warten auf ihren Einsatzbefehl.
Schön, dass du hier bist.
Willst du damit sagen, dass ich eher in diesen öffentlichen Raum gehöre?
Schon gut, hör auf. Ja, ich bin an der Uni zu weit gegangen,
aber es gab eine gute Debatte. So ein Gedankenaustausch ist doch gesund.
Erinnerst du dich, wie wir mal verfolgt wurden?
Du hast mir gefehlt.
Im Ernst, was kann ich für euch tun?
Ich weiß nicht.
Das Brot vermehren?
Ich habe einen Ruf verspürt, Joce. - Hör auf, ja?
Ich will's nicht anders. Du verstehst es vielleicht nicht, aber es ist so.
Soll ich dich zurückbringen?
Sie will an nichts mehr denken, kann sich selbst nicht mehr lenken,
Madame denkt nur an meinen Arsch.
Das hier und jetzt wird anders, ich kenne die Zeit nicht besonders,
bist mir vertraut.
Sie haut mich Tag und Nacht um...
Hören wir jetzt auf? Wir machen morgen weiter, ja?
Tja, wir machen, was du willst. Du bist ja der Boss.
Übrigens, hast du über meine Idee nachgedacht?
Na, du weißt schon, dass wir den gleichen Look haben.
So was wie ein schwarzes Hemd oder einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd?
Was hältst du von Fred?
Es klappt nicht. Ich muss ihn rausschmeißen.
Zwei Tage vor dem Konzert? - Warum nicht? Gitarre, Stimme, das reicht.
Nein, das kannst du ihm nicht antun.
Oh, nein, keine Sentimentalitäten.
Mit dir gibt's was, eine Osmose. Mit ihm, da ist nichts.
Was zählt, ist, ob es klappt oder nicht.
Du darfst Menschen nicht wie Schachfiguren behandeln.
Erst schmeißt du den ersten Gitarristen raus, weil er dein Ex ist,
dann schmeißt du mich raus.
Taktgefühl war das. Ich dachte, es macht dich verlegen, mit mir zu spielen.
Gut, und dann holst du mich zurück. Das Problem ist deine Sprunghaftigkeit.
Ach, ja? Warum hast du dann zugesagt?
Meine Sexlieder stören dich wohl nicht mehr. Warum?
Weil...
Ach, kennst du den Gospel "Jesus is all you need"?
Er ist in deiner Stimmlage. Wäre ein guter Kontrast.
Einen Gospel? Wieso denn keinen Tango?
Na ja, warum eigentlich nicht? - Wechsle nicht das Thema.
Was mache ich nun mit dem Spinner?
Schmeiß ihn nicht raus. Ich rede mit ihm.
Wie du willst.
Gut, Jocelyn und ich, wir nehmen den Kombi, um das Ganze zu transportieren.
Und ihr kommt mit dem Bus nach, okay?
Warte. Glaubst du, dass das richtig ist?
Das ist doch politisch, wir machen keine Politik.
Hör zu, du machst es nur, wenn du es willst.
Und was sage ich Madame Parillaud?
Dass wir ihr Lager plündern für ein besetztes Haus?
Na, was sollte das für sie ändern, wem wir ihre Sachen geben.
Solange es für einen guten Zweck ist.
Dein Jocelyn gefällt mir immer noch nicht.
Er hat uns an der Uni die Hölle heiß gemacht.
Jeder ist doch frei, seine Meinung zu äußern. - Ja.
Jedenfalls will ich mir nicht meine geistigen Entscheidungen verzeihen lassen.
Nein, im Ernst, José, wir wollen doch keinem Pfaffenfresser folgen, oder?
Ja, aber andererseits können wir hier nicht sitzen und nichts tun.
Ich zwinge keinen, mir zu folgen. - Auf mich kannst du zählen.
Auf mich auch.
Ihr seht alle aus wie glückliche Hebräisch-Studenten.
Ich freue mich schon seit dem Morgengrauen darauf,
euch das verblüffende Konjugationssystem des alten Hebräisch darzustellen.
Sag mal, bist du sicher, dass das für ein Altersheim ist?
Deine Freunde haben das missverstanden. Sie nehmen nur Kindergrößen.
Eigentlich ist es für...
Ja, aber das ist nur, weil nebenan ein Waisenhaus ist.
Ach, so? Und warum sagt ihr mir das nicht früher?
Gleich nebenan gibt's eine Menge Spielzeug, ihr müsst einen Blick darauf werfen.
Das ist eine Fundgrube.
Aber wir haben schon genügend ausgesucht. - Das macht nichts, ich bringe euch hin!
In der Straße dahinten steht mein Wagen. Ich hole ihn. Dauert nur zwei Minuten.
Los, gehen wir! Sofort! - Warte mal. Madame Parillaud?
Na ja, das macht nichts. - Komm!
Etienne, ich bin besorgt.
Rom hat die Akte seit Wochen in den Händen und trifft noch immer keine Entscheidung.
Und dich scheint das alles gleichgültig zu lassen.
Interessiert dich deine Zukunft gar nicht?
Ich habe andere Dinge im Kopf. Aber ich danke Ihnen,
dass Sie sich Gedanken über mich machen.
Die Letztklässler haben angefangen, ihre Ideen für die Abschlussarbeit abzugeben.
Ich möchte, dass ihr dafür sorgt,
dass spätestens am 15. Februar alle Arbeiten bei mir sind.
Was ist mit den interreligiösen Zusammentreffen, die im Mai stattfinden?
Ich war so frei und habe Rav Meyer kontaktiert und Samir Ben Khalil,
den Imam von Poitiers.
Wir könnten die Frage des Status der Texte in unseren drei Religionen diskutieren.
Das finde ich gut, wie unsere Seminaristen damit konfrontiert werden.
Sollen sie zum Mittagessen bleiben? - Das dauert sicher den ganzen Tag.
Und planen wir zwei Menüs? Eins halal und eins koscher?
Und in dem Fall, was machen wir für uns, halal oder koscher?
Weder noch? Beides gemixt?
Etienne? - Woher soll ich das wissen? Ich...
Herr,... zeig mir den Weg.
Ist mein Verstand durch falsche Zeichen verwirrt?
Darf ich nach der Wahrheit suchen, um dieses Unbehagen zu vertreiben?
Ist das nicht schon ein schwerer Fehler?
Oh, Christus.
Bringe mir Licht!
Okay, wir warten ab.
Der Räumungsbefehl. Sie kamen heute Morgen vorbei,
und die Bulldozer kommen Mittwoch. - Das darf nicht wahr sein!
Gut.
Was ist das für ein neues Spielzeug? Hier, guck mal.
Helfen Sie mir! Das ist mein Junge! Er hat Fieber!
Helfen Sie mir! Er hat hohes Fieber!
Verstehen Sie nicht?
Mein Junge hat Fieber!
Er ist ganz heiß!
Finde mal Jocelyn. Wir müssen in die Notaufnahme!
Gut, kommen Sie!
Jocelyn! Jocelyn!
Du biegst am Ende der Straße nach rechts, bis zum Kreisel.
Dann wird es angezeigt. - Okay.
Wird es funktionieren? - Ich weiß nicht.
Polizei. Kann ich mal Ihre Papiere sehen?
Die sind drin. Ich kann sie holen. - Keine Papiere? Sie gehen da nicht rein.
Aber bitte, er wohnt hier. Er ist der Sprecher, er verhandelt mit dem Bürgermeister.
Dich hat keiner gefragt. Zieh ab. - Was denn? Gehört das Duzen zur Dienstordnung?
Zieh Leine, sagte ich!
Es sei denn, du versuchst unbewusst, mit uns zu fraternisieren.
Schnappt euch diesen Vollidioten! - Na, komm her!
Sie sind zu dritt auf ihm. Das wird reichen. Lasst los!
Na, komm! - Was machen die denn?
Ich wollte Sie nicht stören. - Es ist wie im Taubenschlag.
Die Situation der Katholiken hat sich verschlimmert,
besonders in der Region um Hebei. Die ganze Gemeinde hat Familie in China.
Es sind diese Hunde in der Parteiführung.
Die wollen einen Bischof ernennen, ohne Roms Zustimmung.
Der Bischof Xiangdhong, 32 Jahre alt, genährt vom kleinen roten Buch.
Weniger von der Heiligen Schrift. Ein "U-Boot".
Auf diese Weise versuchen sie die Strukturen der Kirche wieder zu politisieren.
Alle Bischöfe aus China, die in irgendeiner Weise
an die Macht in Rom angegliedert sind, sind heute gefährdet.
Aber wenn der Papst diese Ernennung missbilligt, wird es noch schlimmer.
Die Eskalation.
Andererseits, was kann er sonst machen, als sie zu verurteilen?
Das Gesicht zu verlieren, das ist heute das Problem Seiner Heiligkeit
genauso wie das von Hu Jintao. Der Papst ist in eine Falle geraten.
Aber, Etienne, du wolltest mit mir reden?
Sie brauchen dich aus wichtigeren Gründen als ich.
Ich bin bei euch in meinen Gebeten.
Es tut mir leid. - Es tut dir leid.
Es tut ihm leid. Also lasst uns doch nach Hause gehen.
Und wenn ihr uns nicht ins Seminar bringen könnt,
macht nichts, wir können zu Fuß gehen.
Ich habe das nicht zu entscheiden.
Das Problem ist, dass dein Bezug zur Realität nicht stimmt.
Er stimmt nicht. Für dich ist das Leben ein Spiel! Na, ja!
Verstehst du, da wo du herkommst, stimmt er vielleicht sogar.
Aber für Typen wie mich, wir können unser Leben nicht einfach so vergeuden.
Das wäre unmöglich. - Ich liebe deinen Sinn für Tragik.
Gut, wir haben's nachgeprüft. Ihr seid wirklich im Seminar.
Ging's nach mir, hätte ich euch gern dabehalten,
aber der Kommissar hat Pfaffen gern.
Los! Los!
Du, mit deinem Strafregister solltest du dich lieber in Acht nehmen.
Aber was genau habt ihr dort gemacht? Damit ich richtig verstehe. Ja?
Pater Etienne. Wir sind gekommen, um Ihnen zu sagen,
dass wir mit ihnen im Lager der Obdachlosen waren.
Ja, und? - Sie haben nichts getan, wofür sie sich schämen müssten.
Na ja, Sie wissen schon. "Selig sind die, die da hungert und dürstet
nach der Gerechtigkeit!" Das Wort Gottes.
Was ist mit dem Frauenhaus?
Ihr habt euch bei Mademoiselle Parillaud schlecht benommen.
Das auch. Das war meine Idee. - Dieses Projekt verantworten wir gemeinsam.
Was jedoch vergessen ist, Ihnen zu sagen, dass der Entschluss,
die Polizei zu behindern, auf unser beider Konto geht.
Und ich habe als Erster die Idee gehabt.
Ich übernehme dafür die volle Verantwortung. - Alles in allem, "Selig sind die,
die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden"?
Um das mal grob zu sagen. - Im Prinzip, ja.
1954 befahl der Vatikan den Arbeiterpriestern, in ihre Diözesen zurückzukehren.
Mein geistiger Begleiter im Seminar hat das erlebt.
Er war Gewerkschaftsbeauftragter einer großen Textilfabrik.
Und für ihn wurde es eine Tragödie.
Ich sage euch das, weil die Entscheidungen,
die ihr nach bestem Wissen und Gewissen trefft, um Gottes Wort zu leben,
nicht jedem gefallen.
Vielleicht werdet ihr eines Tages dafür bezahlen müssen.
Ich werde euch nicht immer beschützen können.
Aber niemand wird euch daran hindern, auf euren Entscheidungen zu beharren.
Kurz gesagt: Ihr könnt rausgehen.
Was ist denn bloß los, Leute? - Fred! Entschuldige bitte, es gefällt mir sehr. Wirklich.
Aber du könntest versuchen, ein bisschen weniger zu spielen.
Ein bisschen mehr Zurückhaltung.
Ja, aber ich kann mich irren. Aber vielleicht nicht so wild, verstehst du?
Nein, ich verstehe nicht. Was meinst du denn?
Ich gehe mal eine rauchen.
Die Rose vom "kleinen Prinzen"? Kennst du die?
Gut, die Rose vom kleinen Prinzen hat Dornen, aber sie ist zerbrechlich.
Na ja, mit der Stimme von Camille ist es genauso.
Sie ist zerbrechlich trotz ihrer Dornen.
Also unsere Aufgabe ist es, auf sie zu achten, wie der kleine Prinz auf seine Rose.
Verstehst du? Sie zu begleiten, sie ins Licht zu bringen.
Ihr ein Schmuckkästchen zu bauen, damit sie so sein kann, wie sie ist.
Mit ihren Dornen und ihrer Zerbrechlichkeit.
Eine Rose? Na ja.
Das ist ein bisschen Seventies und mega out.
Wir sind noch mittendrin im Reborn vom New Wave, also... - Vertrau mir.
Okay, okay, okay. - Versuchen wir's? - Wenn du willst.
Nicht so laut.
Du hattest recht vorhin mit der Stimme. Camille ist eine schöne Scheißrose. Wow!
Hast du sie gebürstet? - Wie, bitte?
Na, hast du sie genudelt? Mit ihr geschlafen?
Na, überhaupt nicht! - Ist ja schon gut, Mann, entspann dich!
Ich jedenfalls hätte Lust, sie zu knallen. Sie ist verdorben und wird nicht nein sagen.
Hey, Yann, warte mal!
Was hat Fromenger vorhin sagen wollen?
Er hat sagen wollen, dass wir handeln sollen, wie wir es für richtig halten.
Dass wir frei sind. - Ja, das hatte ich verstanden.
Er sagte auch, er wird nicht immer da sein.
Odile? - Guillaume?
Ja, warte eine Minute. - Wo bist du grade?
Sind Sie hier, um die Mutter mit dem Baby abzuholen?
Ja. - Es ist gut, dass Sie hier sind.
Die Mutter ist sehr müde. Gut, ich lasse Sie allein.
Wollen wir? Du Süßer.
Ist das deine Idee? Bist du sicher?
Im Vermögen der Chanseaulme Gesellschaften
gibt es Miethäuser wie Sand am Meer. Hast du noch nie davon gehört?
Der brachliegende Immobilienbestand? Die kleine Brodelküche des großen Kapitals?
Na ja, doch, aber ich wusste nicht, dass ihr es seid.
Das große Kapital? Wenn wir es nicht sind, wer dann sonst.
Was wollen wir denn hier? - Ich habe nicht alle Adressen im Kopf.
Ich muss mir ansehen, was da ist. So kann ich mir zwei, drei Akten schnappen,
die zeigen, dass das Ganze nicht rechtmäßig ist. Das könnte ja mal nützlich sein.
Wir verraten das große Kapital, richtig? Das gefällt mir, dein Ding.
Aber ich, wieso bin ich dabei?
Es ist nicht nötig, meinen Vater zu stören. Ich brauche nur eine Akte und ich weiß,
wo ich sie finden kann. Das ist José del Sarte. Wir sind zusammen im Seminar.
Sie...
Arbeiten Sie schon lange hier? - Ja.
Prima. - José saß im Gefängnis.
Nicht üblich für einen Seminaristen.
Im Gefängnis ist es nicht schlimmer als woanders.
Es ist eine Schule. Was haben Sie studiert, Jeannette?
Annette. Ich bin Betriebswirtin. - Na, bitte.
Im Gefängnis habe ich eine Diplomarbeit über Augustinus
und die Problematik der Vergebung im Katholizismus geschrieben.
Neulich erst sprach ich mit ihm darüber. - Tut mir leid, dass ich euch unterbreche,
aber wir haben's eilig. Schön, Sie wiedergesehen zu haben.
Das gilt für mich auch. Auf Wiedersehen. - Wiedersehen.
Er hat Beweise gegen uns, er hat Terminkalender.
Und diese Kalender sind hier verschwunden.
Das ist unsere Sekretärin, ja. Ich konnte nicht wissen,
dass sie mit seinen Terminkalendern weggeht.
Poncelet hat uns mit diesen Beweisen in der Hand. Und Guilhem trifft es als Ersten.
Ganz zu schweigen von den Verlusten durch den Skandal.
Wir halten die Schäden in Grenzen und stehen dazu. Du lässt uns in Ruhe.
Guilhem ist sehr tapfer gewesen. Also wird er sich eine Weile zurückziehen,
bis Gras über die Sache gewachsen ist.
Du solltest für zwei, drei Jahre mit den Kindern nach Los Angeles umziehen.
So lernen sie englisch. Na ja, rede mit Anne-Cécile drüber.
Zwei, drei Jahre, von wegen.
Worüber hast du mit Annette geredet?
Über die Vergebung in der katholischen Kirche. - Das hat sie bestimmt interessiert. - Ja.
Was machst du denn hier? Das trifft sich gut. Ich wollte dich sprechen.
Ich habe keine Zeit. Das ist José. - Du hattest wieder recht.
Wegen Papa. Du hattest recht, ich hätte auf dich hören sollen.
Das ist ein bisschen spät, um es zu merken.
Gute Arbeit.
Oh, Pater. Wo Sie doch mit dem Hebräischen
und den Tiefen der talmudischen Philosophie so vertraut sind,
könnten Sie mir Ihre Meinung zu einem wichtigen Punkt sagen,
bezüglich der Beziehungen zwischen Judentum und Islam?
Tja, also, meine Liebe, es kommt ganz darauf an.
Maimonides kann uns in einigen Punkten aufklären...
Es geht darum, was wir essen werden, liebster Pater.
Hallo.
So, was machen wir jetzt? Wird er's bringen oder nicht?
Schmeiße ich ihn raus oder was? - Wen, Fred? Wegen des Konzerts?
Nein, Fred wegen des Bowlings in Rambouillet.
Du Blödmann, natürlich wegen des Konzerts.
Ich weiß nicht. Er ist hier, oder?
Ja, aber er zieht sich einen Joint nach dem anderen rein. Das macht mir Angst.
Das wird eine Katastrophe. Das klappt nicht.
Auf der anderen Seite hast du recht. Wir stehen zehn Minuten vorm Auftritt.
Ehrlich, ich weiß es auch nicht.
Er hat viel gearbeitet, hat Einsatz gezeigt.
Aber es stimmt schon, musikalisch hat er seine Grenzen.
Gut. Okay, ich hab's kapiert.
Fred? Fred, hör zu. Können wir zwei Minuten reden?
Ich will wissen, wieso. Warum...
ein Umschlag mit Ihrem Firmenzeichen, der einige Tausend,
wenn nicht zehntausend Euro beinhaltet,
sich im Schreibtisch von Etienne Fromenger befinden konnte?
Ich verstehe nicht, wovon Sie sprechen. - Hören Sie, ich bin fest davon überzeugt,
dass es eine Erklärung gibt. Seit einigen Tagen geht mir das durch den Kopf,
diese Details. Haben Sie gemerkt, wie hartnäckig diese kleinen Sachen sind?
Wie sie immer wiederkommen und sich unermüdlich einen Platz im Puzzle suchen?
Habe ich mich selbst geblendet? Aber vielleicht gibt es eine bessere Möglichkeit,
diese Stückchen zusammenzufügen.
Sie müssen mir helfen, Monsieur Veillard, sonst bricht etwas in mir zusammen.
Sie haben sehr wohl verstanden, worum es geht, Pater.
Das müssen wir Ihnen nicht erklären. - Schweig doch bitte.
Wir verwalten den Immobilienbesitz eures Seminars,
aber wir schreiben falsche Rechnungen für die Mieten, die euch zustehen.
Und wir bezahlen den Überschuss in bar an Pater Fromenger.
Jeden Monat Tausende von Euro. - Das ist unmöglich.
Ihr Boss unterschlägt Geld, seit er die Leitung des Seminars übernommen hat.
Wie können Sie so etwas nur tun? - Das Seminar ist unser größter Kunde.
Diese Kanzlei gehörte meinem Vater. Und es hat immer so funktioniert.
Das ist doch nicht zu glauben. - Macht und Geld.
Pater Fromenger ist ein Mensch wie jeder andere.
Nein, das ist unmöglich.
Nicht er.
Sie will an nichts mehr denken, kann sich selbst nicht mehr lenken,
Madame denkt nur an meinen Arsch.
Ich habe Angst und gehe weg, hab ein Auge auf mein Gepäck.
Morgen ziehe ich den Kopf aus dem Versteck.
Das Hier und Jetzt wird anders, ich kenne die Zeit nicht besonders.
Kuckuck, linke Hand, du bist mir vertraut.
Sie haut mich Tag und Nacht um.
Ein Zombie schwirrt in meinem Kopf rum, sie ist nicht mal die echte Braut.
Dominique hat schon seit einiger Zeit so viele Anfälle. Seit dem letzten Frühling.
Er wollte nicht, dass man es weiß.
Typisch Bosco.
Man hätte schon am ersten Tag darüber sprechen sollen.
Er wollte nicht, dass du dir Sorgen machst.
Ich riet ihm, sich untersuchen zu lassen, aber du kennst ihn.
Und dann dachte ich, es wäre vorbei. Er hat mir nichts mehr davon gesagt.
Guten Abend. - Guten Abend. - Monsieur Bosco ruht sich aus.
Er wird morgen von Professor Bonnel untersucht. Er bleibt heute Nacht hier.
Und können wir ihn sehen? - Er schläft.
Können wir hier warten? - Er muss sich ausruhen.
Es macht wenig Sinn, heute Nacht hier zu bleiben.
Wissen Sie, was er hat? - Professor Bonnel untersucht ihn morgen.
Aber man könnte trotzdem... - Morgen, bei der Sprechstunde.
Der ist ja fit, unser Yann. Er schien enttäuscht zu sein,
dass wir gehen, aber ich bin echt erledigt.
Alles in Ordnung? - Ja. Na ja, weißt du, vorhin im Krankenhaus... - Ja.
Ich hielt das erste Mal ein Baby in meinen Armen. - Ja?
Das hinterließ einen nachhaltigen Eindruck auf mich.
Als es mich so angestarrt hat mit seinen großen Augen...
Ich fühle mich leichter.
Als ob ich ewig eingesperrt gewesen wäre...
Und das habe ich ein wenig dir zu verdanken.
Du hast eine Tür in mir geöffnet.
Also, danke.
Hör mal... - Vielen Dank für das alles.
Wollen wir? - Ja.
Und? Hatte ich dir nicht gesagt, dass wir für einander geschaffen sind?
Also, dann!
Wow, Mann. Auf ex!
Du traust dich was. - Ja. Ich gebe zu, es ist stark. - Vor allem geladen.
Was ist denn? Was heißt das, "geladen"?
Was hast du in sein Glas getan? Du weißt doch, dass er, na ja,...
dass er nichts gewohnt ist. - Ich habe das "Polarkuss" getauft.
Er ließ mir keine Zeit. Wodka, gestoßenes Eis und MDMA.
Mach dir keine Sorgen. MDMA, das ist... - Was? MDM, was?
MDMA. - Du liebst alle. Das ist es, der "Polarkuss".
Sagt ihr etwa, das sind Drogen?
Was machst du? Es ist sechs Uhr morgens. - Es ist Zeit für die Laudes.
Wir müssen damit anfangen, die Abschluss- arbeiten der Letztklässler einzusammeln.
Legouvier braucht Zeit. Er leidet jedes Jahr unter unserer schlechten Zeitplanung.
Ich werde das mit den anderen erörtern. - Da ist auch der pädagogische Tag,
den man mit dem Priesterrat verbinden soll.
Wir sagen es jedes Jahr, und jedes Jahr überrascht es uns.
Der Mai ist nicht weit weg.
Ich möchte sichergehen, dass mindestens einmal alles richtig läuft
in meiner Karriere als Abtprimus dieses Hauses.
Ach, verzeih mir, ich bin ungerecht. Ich habe das Gefühl, dass nichts mehr geht.
Ich bin müde. Ich bin besorgt um Dominique.
Ich habe mich informiert.
Ich habe mir erlaubt, Rabbi Meyer und Imam Ben Khalil zu kontaktieren.
Wir essen alle koscher.
Es gibt diesbezüglich keine Kontraindikation von einem Imam.
Meyer und Ben Khalil freuen sich. Hammel-Couscous für alle.
Dieses Treffen findet statt, Etienne. Mit dir oder ohne dich.
Das Leben geht weiter.
Unsere Verzweiflung ist eine Sünde. Gott sorgt immer für den nächsten Tag,
und wir vertrauen ihm nicht.
Gut. Ich werde dieses Stäbchen bewegen.
Schauen Sie gerade aus und sagen Sie mir, wann Sie es nicht mehr sehen.
Da. - Okay.
Haben Sie plötzliche Stimmungswechsel gehabt,
Wahrnehmungsstörungen oder Ohnmachtsanfälle? - Nein.
Ich hatte nur ein großes persönliches Ärgernis. Da.
Was, da? - Ich sehe das Stäbchen nicht mehr da, wo Sie es halten.
Meinen Sie, wenn ich es hierhin halte?
Sehr gut. Ich bin fertig.
Ich muss nur noch zwei, drei Dinge prüfen.
Sie werden das hier in die Röntgenabteilung bringen.
Sie werden mit Ihnen eine MRT und ein paar zusätzliche Untersuchungen machen.
Wir ziehen am späten Nachmittag Bilanz. - Ein MRT?
Ja, von Ihrem Gehirn. Einfach zur Kontrolle.
Nur so aus Neugier. Bist du auf deinen Alten sauer oder was?
Ist das alles? - Keine Ahnung. Ich war auch noch nie hier.
Hier gibt's wenigstens Platz für alle.
Was meinst du?
Na ja, ich denke, es ist nicht nur schlecht, reiche Kumpel zu haben.
Wow!
Hallo?
Ja, ich bin's.
Was ist los?
Es, es ist mein Bruder.
Er ist tot.
Haben wir zurzeit laufende Heiligsprechungsprozesse bei den Indianern?
Seine Heiligkeit hat von einem Indianer geträumt.
In einem Reservat. Er war nackt. Mit einem Heiligenschein über dem Kopf.
Ich werde mich erkundigen. Es ist eine wichtige Frage.
Könnten wir vorher die Sache erledigen, über die wir sprachen,
um sie aus der Welt zu schaffen?
Hier ist der Brief für die Beurlaubung von Pater Fromenger.
Nach langen Jahren harter Arbeit hat er reichlich verdient,
dass wir seine Verantwortung erleichtern.
Monseigneur De Garch schlägt vor, ihm anzubieten...
Wir werden sehen, was wir machen werden.
Er wird Zeit haben, über sich selbst nachzudenken.
Ich habe eine Erklärung verfasst,
bezüglich der Ernennung dieses Bischofs
durch die chinesische Regierung. - Eine Erklärung? Zu welchem Zweck?
Um sie zu verurteilen. Natürlich!
Exzellenz. Wir haben gerade den Besuch eines Diplomaten erwirken können.
Sie können diese Erklärung nicht abgeben.
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