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Schön, Sie zu sehen.
Hier ist Magda von "Lernen Sie die EU kennen".
Ich bin wieder im Europagebäude. Das ist die letzte Chance eines Gipfels.
Trotz der Koalitionskrise
und obwohl der Kanzler den roten Teppich in Rekordzeit überquerte,
betonen die Deutschen, dass ihre Position eindeutig
und ihre Regierung stabil sei.
Deutschlands berühmte ruhige Kraft.
Wir müssen hier raus und uns irgendwie gemeinsam alle dazu verhalten.
- Alle warten auf uns. - Und um was zu sagen?
Es gibt kein Wir mehr. Annika, es gibt kein Wir mehr.
Unser Wir besteht aus "ich, ich, ich" und "nicht in meinem Namen".
Wir sind total gespalten. Schlimmer als zu Mauerzeiten.
Genug. Fragen wir uns, was Angela in einem solchen Fall getan hätte.
Erwarten wir jemanden?
Arnold? Wer hat da geklopft?
Annika. Das ist Ihr Franzose. Da müssen Sie hingehen.
Warum ich? Was soll ich ihm denn sagen?
Annika. Ich weiß, dass du da drin bist. Ich habe dein Telefon läuten hören.
Annika?
Wenden Sie die Diplomatie des Ehemanns in Hausschuhen an.
Nur weil wir nicht wissen, was wir wollen,
lassen wir uns nichts vorschreiben.
Wir haben die Fernbedienung, wir bestimmen.
- Was gucken wir uns denn an? - Hier ist der Plan:
Unser Plan ist es, zu sagen, wir hätten einen Plan.
Ist alles okay?
Immer noch kein deutsches Statement.
Wie kann ich in diesem Wartezimmer sitzen,
während Europa untergeht?
Es ist doch meine Pflicht, einzugreifen.
- Die Stimme der Vernunft zu... Was? - Immer mit der Ruhe.
Wie können Sie denn da ruhig bleiben?
Wir stecken in einer sehr ernsten Krise.
Absolut. Aber nicht ernst genug für meinen Geschmack.
Wie meinen Sie das?
Wenn die Dinge schlecht laufen, braucht Europa einen neuen Anführer.
Einen Ausweg.
Und dieser Ausweg könnten Sie sein.
Ja, da haben Sie natürlich recht, dass ich ein sehr guter Ausweg wäre.
Überzeugen Sie die Deutschen,
mich als Kommissionspräsidenten vorzuschlagen.
Nein.
Wieso nicht?
Sie dürfen nicht der deutsche Vorschlag sein. Deutschland ist schwach.
Aber ich bin deutsch. Das wissen alle.
Genau das ist doch der Punkt.
Die anderen wollen von Deutschlands Schwäche profitieren.
Aber nicht zu demonstrativ, denn das wäre das Ende des europäischen Projekts.
Genau aus diesem Grund wollen sie einen Deutschen
an der Spitze der Kommission, um den Schein zu wahren:
"Nein, wir machen Europa nicht auf Kosten Deutschlands.
Der Beweis: Ein Deutscher leitet Europa."
Aber da ihr Plan immer noch ist, sich auf Kosten Deutschlands zu bedienen,
wollen sie einen schwachen Deutschen.
Zum Beispiel Sie. Konrad Stracke.
Sie meinen sicher jemanden,
dem Europa immer wichtiger war als sein persönliches Fortkommen?
Ja, absolut. Genau das meine ich.
Okay, wir müssen Europa jetzt an den Rand des Abgrunds treiben,
sodass es gar keine andere Wahl mehr hat, außer sich an Sie zu klammern.
Das kann ich nicht machen.
- Das ist gegen meine Prinzipien. - Ja, unbedingt.
Deshalb werden Sie genau das Gegenteil tun.
Sie werden versuchen, Deutschland und Frankreich zu versöhnen.
Das ehrt Sie.
Das haben wir schon versucht.
Das geht nicht ohne Vertragsänderung.
Das geht nicht wegen des ungarischen Vetos.
Das würde der IWF blockieren.
Es ist einfach unmöglich.
Okay, die schönen Autos, der rote Teppich.
Wieder eine neue Farbe für die Ausweise. Europa ist in Gefahr? Von wegen.
Ein Notfall. Bantschewa will einen Untersuchungsausschuss.
- Wir sollen ihn planen. - Worüber?
Das ist doch egal.
Wenn es einen Ausschuss gibt, wollen alle Parlamentarier einen.
Wir hätten dann einen Haufen Arbeit.
Ich kann das machen, wenn du willst.
Sag mir Bescheid.
Eine Resolution.
Wir machen eine Resolution zur internationalen Politik.
Das klingt ambitioniert und hat keine Folgen.
Und man schafft es an einem Nachmittag.
- Eine Resolution zu welchem Thema? - An Themen mangelt es nicht.
Wir wählen ein Land aus und geben eine Empfehlung oder so was ab.
Das ist kein Problem. Okay, los.
Hier.
Israel.
Ich mache es noch mal.
- Kirgi... - Kirgisistan.
- Das ist sehr gut. - Das ist gut?
Was könnten wir ihnen raten, damit sie sich verbessern?
Hier, das muss schnell gehen.
Ich hoffe, ich störe Sie nicht.
Ich weiß, dass Sie viel zu tun haben.
Überhaupt nicht.
Also, um ehrlich zu sein, wollte ich nur sicherstellen,
dass Frankreich nicht in Versuchung gerät...
also, wie soll ich sagen...
seine persönlichen Interessen
in den Zerwürfnissen der deutschen Regierungskoalition zu suchen.
Im Gegenteil.
Wir haben in der deutsch-französischen Partnerschaft
ein Reifestadium erreicht,
in dem jeder dem anderen bei der Lösung seiner familiären Probleme helfen kann.
Unbedingt.
Unbedingt.
Gut.
Ich halte Sie nicht länger auf.
- Ich bin beruhigt. - Ja, gut.
Nach allem, was passiert ist...
Die unflexiblen Defizitregeln, auf denen Deutschland 2008 bestanden hat,
als der Kontinent in einer beispiellosen Finanzkrise steckte.
Sie hatten nicht ganz unrecht.
Aber 2015 das Land für eine Million Migranten zu öffnen,
ohne mit einem unserer Partner im Schengen-Raum geredet zu haben...
Es war sehr ehrenhaft.
Jedes Land hat seine eigenen Sensibilitäten.
Aber Nord Stream. Nord Stream 1 und 2.
Nachdem wir, ohne nachzudenken, aus der Atomenergie ausgestiegen sind,
um uns einem soziopathischen Russen auszuliefern,
vor dem Sie uns immer gewarnt haben.
Und jetzt sollen Ihre Bürger auch noch die Rechnung für den Strompreis zahlen.
Kurzum, ihr seid so verständnisvoll,
liebe französische Freunde.
Aber das ist ja auch normal.
Schließlich sind wir ja Deutschland.
- Herr Botschafter. - Präsident.
Auf Wiedersehen.
Okay, ich danke Ihnen allen.
Ich möchte nun ein spannendes Thema ansprechen:
Kurgi...
Also, Kurgisis...
- Nein, Kirgistan. - Kirgisistan.
Kirgisistan.
Schlagen wir ihnen schon mal vor, den Landesnamen zu ändern.
Lokale Vereinigungen beklagen den Zustand
der demokratischen Institutionen in diesem Land.
Es gibt Pläne, die Flagge zu ändern. Das ist ein sehr heikles Thema.
- Du arbeitest aber hart. - Das ist der Fragebogen der Kantine.
Das Projekt wird von vielen blockiert, und es kommt zu Verhaftungen...
- In Kurgi... Kirgi... - Kirgisistan, ja.
Ich schlage vor, dass wir alle dorthin fahren.
In einer Art großem Sonderkonvoi durch ganz Europa.
Und wenn wir in Kirgisistan angekommen sind, fordern wir,
anstelle der Aktivisten inhaftiert zu werden.
Das scheint mir... Danke.
Wir verlassen die ausgetretenen Pfade und die Komfortzone.
Und wir bieten ein Tauschmittel an.
Wir könnten Deutschland mit den Koalitionsproblemen helfen.
Wenn wir jetzt für sie da sind,
gewinnen wir zehn Jahre Vertrauen in das deutsch-französische Tandem.
Félix, was ist stärker als das deutsch-französische Tandem?
Das britisch-französische Tandem? Das afrikanisch-französische?
Das französisch-französische Tandem. Setzen Sie sich.
Welchen Fehler haben wir am Ende des Ersten Weltkriegs gemacht?
- Den Vertrag von Versailles? - Nein, davor.
Nicht in Deutschland einzumarschieren,
obwohl der Marschall dafür war.
Ein Krieg zu Hause hätte die Deutschen abgeschreckt. Es war die Gelegenheit!
Aber es hilft nichts, es zu bedauern.
Wir haben die Chance verpasst, und jetzt geht es nicht.
Natürlich nicht.
Obwohl die Versuchung angesichts des Zustands der Bundeswehr groß ist.
Wir dürfen aber nicht.
Wie wäre es mit einem bilateralen Gespräch?
Außerdem ist ein Europa ohne Deutschland unmöglich.
- Das ist völlig unrealistisch. - Ja, klar.
Aber wie oft bietet sich die Gelegenheit für eine Revanche?
Vielleicht einmal im Jahrhundert.
Und Sie kennen ja die Deutschen.
Bei denen halten sich chaotische Zustände nie lange.
Was wäre für Sie zum Beispiel ein ideales Europa?
- Ein ideales Europa? - Ja.
Wenn Sie freie Hand hätten, was würden Sie ändern?
Es versteht sich von selbst,
dass ich mich weiter um Transparenz bemühen würde...
Nein, ich spiele das für Sie durch: Reform des Stabilitätspakts.
Eine höhere Schuldenobergrenze, um alle zu erleichtern.
Eine europäische Armee mit Stab in Straßburg.
Wir machen Atomkraft zur nachhaltigen Energie und...
Und Französisch wird die einzige Arbeitssprache der Institutionen.
Dann hält die Zivilisation wieder Einkehr.
Ist doch nicht zu viel verlangt.
Der Botschafter bereitet sich auf das Gipfeltreffen mit dem Kanzler vor
und kann Sie nicht empfangen.
Ich wollte ihm nur meine Unterstützung anbieten.
Man braucht seine Familie in schweren Zeiten.
Zeiten der Neudefinition.
Wir ziehen es vor, von Zeiten der Neudefinition zu sprechen.
Übrigens, falls es Sie beruhigt:
Ich habe mit den Franzosen gesprochen.
Die sind absolut auf einer Linie mit uns.
Ach so? Wirklich?
- Umso besser. - Ja.
Abgesehen von der blödsinnigen Idee,
einen Griechen als Kommissionspräsidenten vorzuschlagen,
scheinen sie wirklich um das Gleichgewicht
des europäischen Spiels bemüht,
die Franzosen.
Das deutsch-französische Tandem ist stärker als je zuvor.
Ein Grieche als Präsident der Kommission?
Das ist eine französische Strategie, um die Club-Med-Agenda voranzutreiben.
Wir müssen einen Gegenangriff starten. Und zwar sofort.
Holen Sie den Angriffsplan Frankreich raus.
Also. Plan zum Kauf US-amerikanischer F-16.
Schon gemacht.
Angriff auf die gemeinsame Agrarpolitik.
Wie?
Wir machen sie von den Kriterien der Regionalfonds abhängig.
Das bringt die Polen und die Bulgaren auf unsere Seite und verursacht Chaos.
- Das ist alles? - Na ja, also...
Der... Der Rest ist noch nicht wirklich aktualisiert.
Also, Erlass der Kriegsschulden ist schon unterschrieben,
kompromisslose Haushaltsregeln, also...
Nee, nein, also nicht wirklich, ja.
Das ist zu schüchtern. Man muss dort ansetzen, wo es wehtut.
Irgendwas Symbolisches. Die Franzosen lieben Symbole.
Wir könnten in deutschen Botschaften den Champagner durch Prosecco ersetzen.
Da schaden wir uns nur selber.
Wir bringen die Italiener dazu, die Rückgabe der Mona Lisa zu fordern.
Da ist kaum Überzeugungsarbeit nötig.
Da ist der Sprecher.
Nennt er die Diskussion "lebhaft", ist es nicht schlecht.
Nennt er sie "energisch", ist das ganz gut.
"Offen und ehrlich" ist der Jackpot.
- Guten Abend. - Okay.
Zum Mittagessen gab es für die Staatsoberhäupter
mazedonischen Nizza-Salat und messergeschnittenes Rindertartar.
Danke.
Er hat nichts gesagt.
Er hat nichts gesagt! Und sie hatten noch nicht mal Nachtisch.
Sie sind dabei, sich zu zerfleischen!
Ich gehe runter und schlage mich als Kompromisskandidaten vor.
Auf keinen Fall. Lassen Sie sie kommen.
Jetzt brauchen wir nur noch abzuwarten.
Es läuft schlecht im Europäischen Rat.
Man könnte meinen, es wäre das Ende Europas.
Ist sie hier, um mich zurück in die Kommission zu holen?
Ohne mich geht es wohl nicht.
Kennst du vielleicht jemanden bei der Armee?
Oder im Verteidigungsministerium?
- Warum? - Na, "Ende der EU" bedeutet "Krieg".
"Krieg" bedeutet "Wehrpflicht,
amputierte Beine und Spenden sammeln für Kriegshelden".
Nein, danke. Ich denke vorausschauend.
Ich versuche, mich ausmustern zu lassen.
Übertreibst du nicht? Es ist nicht das Ende Europas.
Kann ich mit Ihnen sprechen, Samy?
Ich habe zwar zu tun, aber ja. Worum geht es?
Das Ende Europas.
Wenn sie das sagt, windest du dich nicht raus.
Kein Respekt.
Ich hätte nie gedacht,
dass ich diese Worte jemals sagen muss, aber...
Europa braucht Sie.
- Europa braucht mich? - Machen Sie sich nicht lächerlich.
Europa braucht Sie: das Parlament.
Ja... Echt jetzt?
Nur das Parlament ist in der Lage, die Krise im Europäischen Rat zu lösen.
- Wollen Sie mich wieder demütigen? - Wie bitte?
Soll ich etwas tun, das meinen Interessen zuwiderläuft?
Ich verstehe nicht...
Wie beim Verzicht auf das Finning-Verbot im Trilog mit Holland?
Oder bei Eamons Ausschluss von einer Verhandlung?
- Um mir zu schaden? - Sie begreifen nicht.
Oder als eine Dienstreise zu CO2-intensiv war,
um mir zu zeigen, dass ich überflüssig war?
Nein, darum geht es nicht. Europa ist in Gefahr.
Das sagen hier alle ständig.
Im Europäischen Rat hat sich Misstrauen verbreitet.
Wir müssten vereint sein, misstrauen einander aber.
Jeder erwartet nur das Schlimmste und fürchtet, übervorteilt zu werden.
Für Europa gibt es nur eine Chance auf Rettung,
und diese Chance sind Ihre Abgeordneten.
Im Europäischen Parlament weiß man, wie man Europa macht.
Weil man dort Politik macht und nicht Diplomatie.
Weil man Überzeugungen verteidigt, keine Identität.
Weil man nach dem geheimnisvollen "europäischen Volk" sucht,
das vielleicht für immer unauffindbar bleibt,
dessen Suche aber die Grundlage
unserer Eintracht und unserer Bestrebungen ist.
Europa ist eine Frage ohne Antwort.
Eine Frage, die nie aufgegeben werden darf.
Ja.
Dieses Mal werde ich Ihnen vertrauen.
Sie können auf mich zählen.
Sie können auf uns zählen.
Franz I. hat die Mona Lisa gekauft.
Den Obelisken könnten wir zurückgeben, aber die Mona Lisa haben wir gekauft!
Wir könnten genauso gut Louisiana zurückfordern.
Bei dem Verkaufspreis!
Kein blöder Gedanke, Louisiana. Wir sollten uns erkundigen.
Entschuldigung, aber wie wäre es, wenn wir die Konfrontation vermeiden?
Wir haben zuerst geschossen. Zeigen wir guten Willen.
Für wen hältst du dich, Félix? Was soll diese Hippie-Mentalität?
Belehrst du uns über gewaltfreie Kommunikation?
Ich habe einen Anruf von den Ungarn bekommen.
Sie sagen, wir müssen was tun, sonst sei Europa am Ende.
Dass die Ungarn sich darum sorgen, ist nicht gut.
Auch wenn ich mich wiederhole:
Wir müssen den Deutschen einen Ausweg anbieten.
- Du hast recht, Félix. - Ja, genau meine Meinung.
Die müssen wie alle anderen mit ihrer Medaille heimkehren.
Die Präsidentschaft der Kommission?
- Das geht aber weit. - Eben.
Nur so können wir den Spieß umdrehen und alle überrumpeln.
Wir müssen einen Deutschen vorschlagen.
Aber einen dummen Deutschen, den wir kontrollieren können.
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