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Oida, es ist schon nach neun.
Wupp soll sich nicht so lange im bösen Rosenheim rumtreiben, oder was?
Das ist der letzte Bus nach Kolbermoor.
Ja, dann.
Sind das Mentholker-Ummis?
Ja.
Ohne Schwanz.
Du nimmst auch einen.
Bitte nicht, ey. Ich kotze gleich.
Was machst du denn heute noch?
Ich komme später noch ins Check-In.
Damit dich wieder die Bullen heimbringen?
Kriegen wir nicht, nochmal.
Ich bin schneller als die, ich sag's dir.
Ja, aber nicht, wenn du wie der Pseufe im Kreis läufst.
Du bist so lustig, ey. Ich pack's gern.
Ciao.
Du bist ein ganz artsböses Kind.
Simon!
Ich hätte irgendwas machen sollen. Loslaufen. Oder helfen.
Aber am Anfang dachte ich, es wäre einfach nur ein Spaß von ihm oder so.
Und dann bin ich zu spät los.
Es ist nicht deine Schuld, Jonas.
Du hast gesagt, der Simon ist zu dem Wagen gezerrt worden.
Wie denn? War das eine Person, die ihn gebackt hat, oder...
Ich weiß nicht.
Kann es sein, dass...
Der Simon hat geschrien.
Und dann war er einfach weg.
Es gibt bestimmt einen ganz artenlosen Schiss.
Fuck.
Jonas, der Kommissar Faltner, der würde dir gerne noch ein paar Fragen stellen.
Aber wenn du eine Pause brauchst, oder?
Herr Kreuz, was...
Herr Faltner.
Stefan Schwab, guten Tag.
Ich habe mir das jetzt lange genug angesehen und bislang haben wir nichts,
aber auch wirklich gar nichts erfahren, was uns auch nur einen Millimeter weiterbringt.
Entschuldigung.
Du kannst nichts dafür, Jonas.
Herr Falkner.
Jonas.
Also ich brauche auch Sie nicht zwangsläufig hier, falls Sie...
Minderjährigen Zeugen steht eine psychologische Betreuung zu.
Es war also ein Lieferwagen.
Ja, so einer ohne Fenster an der Seite.
Welche Marke?
Weiß war der, glaube ich.
Super. Die Farbe hilft natürlich auch.
Und voll dreckig.
Wie dreckig? Staub, Wurst oder anderer Schmutz? Und wo genau?
So bei den Rädern irgendwie.
Bei den Rädern.
Entschuldigung, ich...
Und da kam da jemand aus dem Wagen, das ist doch richtig?
Ja, ich glaub schon.
Was heißt, ich glaub schon?
Naja, weil ich hab erst die Tür gehört und dann kam da dieses Seil oder sowas.
Oder sowas?
Kannst du das Seil näher beschreiben? Also hing das runter oder wurde das geworfen?
Hatte das einen Knoten oder eine Schlinge?
Eine Schlinge, genau. Eine Schlinge. Und die war um den Hals vom Simon.
Und dann?
Der Schrei und dann nochmal die Tür und er war weg.
Jetzt hören wir genau zu. Du willst doch auch, dass wir deinen Freund finden,
bevor ihm irgendjemand etwas Schlimmes antut, oder?
Jonas, entschuldigst du uns kurz? Herr Kreuz, haben Sie einen Moment für mich?
Was?
Krause, danke.
Was fällt Ihnen denn eigentlich vor, die Tür zu zitieren wie den Esel von der letzten Bank?
Ich wollte Sie loben.
Wie bitte?
Sie meinen das wirklich ganz toll. Massiver Stress durch Drohungen. Perfekt.
Hat sich gerade lustig über mich?
Ach lustig ist ja gar nichts. Der Junge kriegt kein Wort mehr raus und Sie bekommen keine verwertbaren Informationen.
Herr...
Schwab? Stefan? Schwab?
Herr Schwart, erklären Sie mir gerade, wie ich ein Verhör durchzuführen habe.
Eine Vernehmung.
Was?
Der Jonas ist nicht verdächtig.
Er ist ein Zeuge und ein Opfer, also ist das kein Verhör, sondern eine Vernehmung.
Jetzt hören Sie mir mal zu, Sie Schlaubischlumpf.
Was glauben Sie, was passiert, wenn die 65.000 Einwohner von Rosenheim plus 3.500 Touristen
und jetzt auch noch täglich 8.500 Messebesucher mitbekommen,
dass in unserem beschaulichen Örtchen ein Kind entführt wurde?
Ich brauche Ergebnisse, bevor das hochkocht.
Herr Kreuz, das verstehe ich natürlich.
Und gleichzeitig wollen wir belastbare Informationen?
Ich will eine Aussage, die uns hilft, den Täter zu identifizieren.
Und der Junge da drin ist unser einziger Zeuge.
Also werde ich dafür sorgen, dass er spricht.
Nein, das werden Sie nicht.
Als betreuender Psychologe breche ich die Vernehmung hiermit ab.
Als leitender Kriminaldirektor setze ich Sie fort.
Damit verstoßen Sie gegen die Statuten zur polizeilichen Vernehmungssituation Minderjähriger.
Herr Kreuz, wir bekommen heute noch die Videos von den Überwachungskameras am Tatort.
Da erkennen wir wahrscheinlich mehr, als der Junge gesehen hat.
Wir erwarten eine schriftliche Auswertung inklusive der Bäumchen, die uns der kleine Rakete darin ausgespult hat.
Machen wir. Wird erledigt.
Stefan, hat es das, was ihr jetzt braucht?
Ja. Und jetzt schicken wir den armen Jungen nach Hause, ja?
Also suchen wir jetzt alle Leute mit weißem Lieferwagen?
Wenn das unser einziger Hinweis ist, ja.
Da ist schon mal eine, zwei...
Soll ich die jetzt alle direkt verhaften, oder?
Drei, vier...
Und alle Paketboten in Urhaft, bis sie mir sagen,
warum meine Päckchen immer auf der Terrasse vom Nachbarn landen.
Stefan, Frau Sali, danke.
Es reicht.
Frau Leitner, was ist mit den Videos?
Ich lasse alle halbe Stunde bei der Stadtverwaltung anrufen,
aber die brauchen wieder ewig.
Sorry.
Wie schaut's mit der Kamera gegenüber aus?
Herr Oberreuther?
Ähm, privat.
Wir wissen nicht mal, ob die Kamera gelaufen ist.
Da kümmert sich die Tochter des Besitzers drum, aber die ist noch in der Schule.
Gut, danke erstmal.
Ach, übrigens, das ist der Stefan Schwab.
Den kennen die meisten hier noch nicht.
Jetzt schon.
Ich noch nicht.
Hallo.
Jetzt ich auch.
Aber Sie brauchen sich meinen Namen nicht zu merken.
Ich bin so gut wie wieder weg.
Da wäre ich mir nicht so sicher.
Echt jetzt?
Auf geht's.
Shit.
Nix!
Du musst von da hinten.
Wenn, dann schon nach unserer alten Regel.
Nix, nix.
Das war nur ein Test.
Jetzt fangen wir an.
Wie es meinst.
Ach, übrigens, danke erstmal.
Ja, jetzt weiß ich wieder, warum ich vor zwei Jahren ausgestiegen bin.
Und dieser Kreuz ist echt die personifizierte Inkompetenz.
Und dazu ein monströser Arsch.
Ein Arsch!
Ich hätte mich nicht überreden lassen sollen.
Na komm, ich kenne dich.
Du langweilst dich doch.
Ich hab meine Termine in der psychologischen Beratungsstelle Miesbach.
Da kann ich wenigstens was bewirken.
Und die Leute sind alle nett und freundlich.
Und die Gnorne von meiner Schwester, die läuft da mit bei den Efreidei-Lutscher.
Mein lieber, ich würd das Mädel drei Stunden lang so was von daher waschen,
dass man sie hinterher nur noch an ihrem Namensschritt erkennt.
Stefan, dir geht's nicht gut, oder?
Ach Thomas, ich...
Du warst so saugut in deinem Job.
Für die Opfer und für die Ermittlungen.
Du hast doch jetzt ein jungdynamisches Team.
Was braucht's denn mich?
Das weißt du ganz genau.
Stimmt, damit ich deine Fälle löse und meine Ehe ruiniere.
Danke, hat geklappt.
Wie geht's denn da, Susanne?
Was weiß ich?
Na, ist ja schon gut.
Thomas, bitte, um unserer Freundschaft willen, such dir jemand anderes.
Ich kann das nicht mehr. Wenn ich den Kreuz nochmal sehe, kriege ich Ausschlag.
Scheiß doch jetzt auf den Kreuz, verdammt nochmal.
Sie fickst jetzt Stefan, ich brauche dich.
Für die Eltern von den Kindern.
Der Kreuz will da unbedingt den Deckel draufhalten.
Der bräuchte nicht mal eine Opferbetreuung für die Leute.
Wie viele?
Fünf. Innerhalb der letzten drei Tage.
Alle im Kreis Rosenheim.
Die jüngste ist zwölf.
Stefan, jetzt bitte!
Also gut, schick mir eine Mail mit den Adressen.
Danke.
Guten Tag, Frau Haller.
Aha, er ist ja wieder auftaucht.
Leider nein, aber ich bin hier, um mit Ihnen zu reden.
Ich bin der betreuende...
Ich hab den anderen alles gesagt, ja?
Ich bin der betreuende Psychologe und wollte Ihnen ansprechen...
Ich brauche keinen Psycho, Heinz, okay?
Aber der Simon, der braucht einen.
Muschila, ja Muschila, die Mama kommt gleich, dann gibst du ein Fressi.
Müssen wir bloß noch warten, bis der böse Mann wieder weg ist.
Ich bin wirklich nur hier um...
Kommen Sie wieder, wenn Sie uns jemanden gefunden haben.
Nein, noch besser, halten Sie ihn einfach.
Hier ist meine Karte, falls Sie doch noch jemanden brauchen.
Diese Frau Stöhr kann einfach nicht mehr kindern.
Und irgendwann verliert unsere Vanessa auch mal die Geduld.
Vanessa, jetzt reicht's. Geh mit mir hin.
Ich ähm, ich kann diese Situation nicht...
Den Stift hatte sie eben gerade in der Hand.
Sie hat sich nur gewehrt.
Die Stör soll ihre Hände gefälligst bei sich behalten.
Aber unsere Vanessa hat ja ein Aggressionsproblem.
Lächerlich!
Tee?
Nein, danke.
Ich würde gerne mit Ihnen über Ehre sprechen, wenn das für Sie in Ordnung ist.
Bitte, ich verstehe meinen Sohn nicht mehr.
Ja, ist okay. Wenn du nicht kommst, dann kannst du dein Opfer woanders holen.
Darum war ich streng zu ihm.
Es tut mir so leid.
Haffbett, bitte.
Sein Enemie olduğunu düşünken, Schehe jabbten. Suchschlammer kendine.
Ich bin hier, um Sie in dieser Situation zu unterstützen.
Sie sind ein guter Mensch. Sie wollen helfen.
Ich versuch's.
Herr Schwab, wie kommt's?
Hallo, Frau Leitner.
Anna Leitner, Ressortleiterin für Digitale Fahndung und Datenschutz, genau.
Der Falkner hat uns ja vorhin auf Ihren Wunsch extra nicht vorgestellt.
Wo ist er denn?
Der ist aushäusig, wie er immer so schön sagt.
Döner nehme ich an.
Ja, da hat sich in den letzten zwei Jahren hier nichts verändert.
Scheint so, ja.
Kann ich Ihnen denn helfen?
Ja, vielleicht.
Ich habe mich nur gefragt, ob es etwas Neues gibt, was ich den Familien mitteilen könnte.
Bislang deutet nichts darauf hin, dass die anderen Kinder auch entführt wurden.
Hoffen wir es.
Haben denn die Überwachungskameras etwas Verwertbares ergeben?
Wir warten immer noch drauf.
Es sollte doch heute Vormittag da sein.
Datenschutz.
Oh, aha.
Ja, muss vorher abgeklärt werden, kann man nix machen.
Und die Kamera am Kiosk?
Ha!
Ist es okay von der Stadtverwaltung?
Yes!
Endlich.
Ihnen ist schon klar, dass der Kreuzstinktsauer wird,
wenn ich Sie damit draufschauen muss, oder?
Ein Grund mehr, der dafür spricht.
Sieht man mir das so deutlich an?
Psychologe.
Aha, der Profiler von Rosenheim.
Von Miesbach, bitte. Ich wohne nicht mehr hier.
Wieso zieht man denn von Rosenheim nach Miesbach?
Weil die Ex-Frau das Haus behalten will und der Ex-Mann da drin dann stört.
Und was sagt der Ex-Mann dazu?
Der hat festgestellt, dass ihm der Abstand gut tut.
Na, dann ist ja beiden geholfen. Prima.
Bitte schön.
Vielleicht sehen Sie ja irgendwas Psychologisches.
Bestimmt.
Okay.
Da ist schon mal die Marke des Fahrzeugs.
Sehr gut.
Ja, aber man kann das Nummernschild nicht erkennen.
Das wäre zu einfach.
Da kommt Simon.
Was?
Was ist das denn?
Vielleicht ein Abspielfehler?
Das gibt's doch nicht.
Fuck.
Hi. Habt ihr?
Hey, super. Wir sind im Data Center. Ja, bis gleich.
Die Aufnahmen von der Kamera gegenüber?
Ja, auf einer SD-Karte.
So.
Hi.
Hallo.
Hi.
Hallo.
Okay, gleich geht's los.
Jetzt.
What?
Das kann doch nicht sein!
Meine Tante macht nur solche Videos.
Gibt's doch öfter mal, dass da Störungen drauf sind.
Je nachdem, wie die Qualität der Kamera ist.
Okay, zwei unterschiedliche Kameras mit unterschiedlichem Bildsensor,
unterschiedliche Aufzeichnungsformate,
das eine 16 Bilder pro Sekunde und das andere 30
und trotzdem exakt die gleiche Störung?
Okay, das...
Kann nicht sein, genau!
Photoshop vielleicht?
Sie meinen, die Fehler sind in das Video reingeschnitten?
Kann doch sein.
Wir haben die SD-Karte selbst aus der Kamera gepopelt.
Ja eben, rausnehmen, Video tauschen und wieder einsetzen.
Und dann die kleinen Schrauben schnell wieder festrosten lassen.
Ah, okay.
Ah, scheiße.
Was ist das?
Gitterstäbe?
Ein Käfig.
Und das da?
Ist das ein Arm?
Naja, wurde in eine zusammengerollte Decke.
Was ist das hier?
Eine Gruppentherapie?
Herr Kreuz.
Nein, hier erfreuen sich alle bester geistiger Gesundheit.
Wozu braucht es denn einen Psychologen?
Und das ausgerechnet hier?
Wir haben neue Erkenntnisse, Herr Kreuz.
Aha. Und die wären?
Das Modell des Wagens.
Und ein Hinweis, dass die Tat langfristig geplant war.
Weil?
Weil da eventuell eine Art Käfig eingebaut ist.
Das kann alles Mögliche sein.
Aber das hier könnte ein Arm sein.
Überlassen Sie die Interpretation und verlasse den Professor.
Das da, das könnte doch ein Hinweis darauf sein, wem das Auto gehört.
Aber der Schriftzug wurde entfernt.
Und überstrichen. Aber da, wo die Buchstaben waren, ist es trotzdem dunkler.
Blumen, Berne, Berno...
Nochmal zurück.
Blumen, Bernauer.
Rosenheim, Blumen, Bern.
Dann kam das gleich.
Worauf warten Sie denn noch? Notieren und hinfahren?
Jawohl.
Und Sie, Herr Schwab, flogen ab sofort anderen Orts herum und nicht ausgerechnet im Datacenter meines Dezernats.
Haben wir uns verstanden?
Ich wollte nur behilflich sein.
Wenn Sie behilflich sein wollen, dann lassen Sie die Profis ihre Arbeit machen.
Damit hat er nicht gemeint.
Bitte nicht.
Ernsthaft?
Eigentlich wollte ich vorher anrufen, aber am Telefon ist es einfacher, Nein zu sagen.
Und wozu genau hätte ich Nein sagen sollen?
Der Faltner hat mir einen Job hier vermittelt in Rosenheim und...
Du arbeitest wieder für die Polizei?
Nein, eigentlich nicht. Also, ja, aber...
Stefan, was willst du hier?
Mein Wagen springt nicht mehr an. Wegen der Messe sind alle Hotels dicht.
Ich komme nicht mehr von Rosenheim nach Miesbach.
Und soweit ich mich erinnere, gibt es hier in unserem ehemaligen gemeinsamen Haus ein Gästezimmer.
Danke.
Eigentlich ganz gut, dass du da bist. Ich wollte sowieso mal mit dir reden.
Können wir das bitte auf den Morgen verschieben? Ich bin echt komplett im Arsch.
Und ich muss dir ganz ehrlich sagen, dass ich ziemlich glücklich bin so allein.
Das mit uns ist einfach...
Hallo!
Hohoho.
Franz, das ist Stefan.
Der Stefan?
Ex-Mann und Möchtegern-Ermittler, ja.
Stefan, das ist Franz, mein Freund, Pfarrer in der evangelischen Gemeinde.
Ein Pfarrer, richtig.
Grüß Gott.
Ja, grüß Gott.
Wie lange seid ihr denn schon?
Ein halbes Jahr.
Warum?
Geheucheltes Interesse.
Lacht bitte nicht über seine Witze, das war einer von tausend Trennungsgründen.
Ach, es ist, als wäre ich nie weg gewesen.
Jetzt muss ich doch mal ganz blöd fragen, warum sind Sie hier?
Du hast das Licht im Auto angelassen und deswegen ist jetzt die Batterie alle richtig?
Vielleicht.
Ja mei, das passiert.
Passt schon, wir hätten da ein Gästezimmer.
Ich weiß.
Stimmt, Sie.
Sie waren ja...
Ich seh schon, ihr beide versteht euch.
Ich hab noch Bürokram zu erledigen.
Ja, ja.
Gut.
So, reinspaziert.
Hier stand doch immer eine Schlafcouch.
Ja, die ist da drunter.
Moment, ich mach das, Sie sind ja der Gast.
Pfarrer also.
Sie sind wohl nicht gläubig?
Im Minusbereich.
Ja, da gibt's viele.
Ich hab da kein Problem damit.
Was wäre denn, wenn Sie ein Problem damit hätten?
Weihwasserbad, kurze Feechs in die Stirn brennen.
Was man als Pfarrer halt so macht.
Aber Sie sind doch evangelisch.
Die guten Sachen hab ich mir von den anderen abgeguckt.
Ich merk schon, wir zwei werden uns super verstehen, sobald ich wieder weg bin.
Ich mach uns jetzt erstmal eine Flasche Wein auf.
Danke.
Ich geh. Stopp, stopp, ich hab genug.
Also.
Ein Kind wurde entführt.
Ein Teenager, ja. Und vier weitere sind verschwunden.
Auch alle entführt.
Das wissen wir noch nicht. Aber das darf wirklich jetzt niemand.
Ja, bitte, Pfarrer. Schweigepflicht.
Pfarrersfrau. Wie bitte?
Noch nicht. Jetzt komm, erzähl.
Oh, sind wir schon bei du? Jawohl.
Das ging aber schnell. Ja, gell?
Jetzt komm schon. Wir zwei halten doch wirklich dicht.
Ja, mehr wissen wir noch nicht.
Einer wurde entführt, aber ob die anderen?
Und alles innerhalb von so wenigen Tagen.
Und alle schwer ziehbar.
Das Gesicht kenne ich.
Was?
Ich mach das nicht nochmal mit. Hör auf damit.
Aber ihr habt doch gerade erst angefangen.
Das ist eine Anspielung auf unzählige Nächte, in denen ich wach lag und gegrübelt habe.
Und dann bist du von Fernseher oder hast stundenlang auf deiner Gitarre rumgeklimpert oder Videospiele gespielt oder...
Um mich abzulenken.
Ja, und mich gleich mit...
...sie Tür zumachen können.
Ich kann nicht bei geschlossener Tür schlafen.
Ja, und ich kann nicht bei geöffneter Tür schlafen.
Mama, Mama, Mama, Mama, also bitte meine Schäfchen, vielen Dank, ja?
Stefan, du warst stehen geblieben bei Schweden Erzieher.
Ja, das ist im Moment die einzige Verbindung.
Vielleicht hat der Krampus sie ja in seinen Sack gesteckt.
Du meinst Knecht Ruprecht?
Sicher nicht um diese Jahreszeit.
Das war auch nicht ernst gemeint.
Na ja.
Mal angenommen, alle Kinder wurden von einer Person entführt,
die sich als moralische Instanz aufspielt,
indem sie böse Kinder bestraft.
Du meinst also, jemand hält sich für einen Krampus?
Naja, für jemanden, der unter Erstrangsymptomen einer Schizophrenie leidet,
kann sich das eventuell so anfühlen.
So, genug Flashback für heute. Ich gehe ins Bett.
Frühstück ist um 8, ansonsten einfach die Tür zu ziehen.
Okay.
Bis später, Spatzli.
Bis später, Mausler.
Mausler.
Der Täter könnte also ein selbsternannter Bestrafer sein?
Aber nicht der Krampus.
Er hat ja auch keinen Sack.
Er hat einen Käfig und so eine Art Stinge.
Und er hat gesagt, du bist ein ganz arg böses Kind.
Kenn ich.
Offensichtlich.
Woher denn?
Aus meiner Kindheit.
Mausl?
Mauslinger!
Bitte nicht mit der Zahnbürste im Mund sprechen.
Was ist los?
Wo find ich denn deine Bavarika?
Und jetzt Ruhe! Deckel auf und dann Orangen hoch. Aber alles wieder aufräumt!
Danke!
Burm und Madl, hört's mich an. Ich erzähl' die Geschichte vom Kraxlmann.
Kraxlmann.
Die ersten paar Tage, da geht er nur um. Schaukt, wenn er gut krampfen kann.
Er ist ja nicht dumm. Er sucht es genau aus, die Teufel, die Kleine. Davon gibt es gerade genug,
mehr als eine. Dann fängt er an, wirft die Schlinge und zirkt zu.
Schlinge, genau eine Schlinge und die war um den Hals vom Simon.
Dann steckt es in Kraxen, Nadel und Buhr.
Wenn du nicht brav warst, dann schau, dass er dich niemals nicht findet.
Oder sei besser kein ganz arg böses Kind.
Was macht er mit den Kindern?
Erst plärren es die Kinder, aber dann werden sie ganz starrt.
Weil der Kraxl-Mann
an Mordstromhunger hat.
Weil der Kraxl-Mann
Du bist ein ganz arg böses Kind
an Mordstromhunger hat.
Du bist ein ganz arg böses Kind.
Dann steckt es in Kraxl.
Kraxl.
Die Kraxl.
Der Täter entführte die Kinder, weil sie unartig waren?
Sind wir denn im Kindergarten?
Mir ist schon klar, dass das merkwürdig klingt.
Merkwürdig? Bescheuert klingt das.
Dann nennen Sie mir ein anderes Motiv, das alles vereint, was wir bislang wissen.
Eins? Hunderte.
Mordlust, sexuelle Motive, krankhafter Kinderwunsch.
Herr Kreuss, das Verhalten der Kinder und Jugendlichen ist ein gemeinsamer Nenner.
Ein gemeinsamer Nenner. Für ein entführtes Kind können Sie nicht bis Eins zählen.
Was, wenn alle verschwundenen Kinder entführt wurden?
Was, wenn ich Ihnen sage, dass Sie mir meine letzten Nerven töten?
Dieser Blumen-Bernauer hat einen Kraxentick.
Einen Kraxentick?
Sehen Sie nicht?
Die Ähnlichkeit zwischen Ihnen und dem Gartenzwerg.
Er hat Hunderte von Kraxen in seinem Laden stehen.
Weil irgendwer seine Blumen in historische Holztöpfe steckt,
soll ich aus einem Entführungsopfer fünf machen?
Und wegen der Schlinge.
Und den Hinweisen auf den Käfig, in dem er seine Opfer sammelt.
Von mir aus steckt er sie in seinen Sack.
Das wäre der Krampus, das passt nicht zur Jahreszeit.
Das passt nicht zur Jahreszeit.
Schauen Sie, nach den Maßstäben der schwarzen Pädagogik müssen diese Kinder alle bestraft werden
und im Falle von Kraxelmann auf die grausamste Art und Weise.
Mit Handyverbot.
Er frisst sie auf.
Schwab, jetzt verlassen Sie umgehend mein Büro.
Herr Kreuz, bitte.
Ein Entführungsfall reicht mir vollkommen.
Da brauche ich keinen Psycho-Dödel, der mir weitere Fälle herbeifantasiert
aus einem verdammten Struwelpeter-Buch.
Ein weiteres Kind wird vermisst.
Wie alt?
15 Jahre.
Schwer erziehbar?
Polizei bekannt.
Sonst noch was?
Ja, die unmittelbaren Nachbarn der Pflegeeltern haben einen Schrei gehört
und gesehen, dass ein weißer Transporter mit hohem Tempo davon gefahren ist.
Wenn ich Ihnen zugestehe, dass wir es mit einem Serientäter zu tun haben,
verlassen Sie dann endlich mein Büro und nehmen Ihre Schauermärchen mit.
Ja, ich kann gehen.
Gut.
Aber ich fürchte, die Schauermärchen bleiben noch eine Weile.
Ich hab meine Tasche eben...
Was ist los mit dir?
Ich war beim Herrn Kriminaldirektor und hab ihm vom Kraxlmann erzählt.
Und?
Wie wär's mit einem Kaffee?
Es schadet doch nichts, wenigstens in Betracht zu ziehen,
dass ich nicht nur kompletten Bullshit erzähle.
Ja, ein, zwei Leute drauf ansetzen.
Mal kurz in die alten Geschichten reinlesen.
Offen dafür sein, dass sich da jemand vielleicht an diesen Geschichten orientierte.
Was machst du da?
Ach, Nahrungstafisarier. Globuli gegen erhöhte Reizbarkeit.
Danke.
Gerne.
So, ich muss gleich nochmal ins Café.
Morgen muss die Buchhaltung für die Steuer fertig sein.
Passt schon. Ich kümmere mich.
Danke.
Ich brauche keine Seelsorge.
Magst du nicht wenigstens deinen Kaffee austrinken?
Was ich nicht verstehe ist, warum die den noch nicht gefunden haben.
Ich meine, heutzutage verschwindet ein Auto doch nicht einfach so.
Ja, in der Stadt vielleicht, aber auf dem Land...
...viel Wald, kleine Wege, da bringt dir nicht mal ein Hubschrauber was.
Oder er ist einfach in eine Parkgarage gefahren.
Ja, aber dann wäre er ja inmitten der Überwachungskameras. Das glaube ich nicht.
Ich habe die Videos von der Entführung gesehen.
So verdreckt wie die Karre war, da musste er durch die Pampa gebrettert sein.
Ja, war das mehr so staubig, so wie trockene Erde oder Sand?
Schwer zu sagen.
Aber schon eher so, als ob er durch Matsch gefahren wäre. Mehrfach.
Aber wenn er wirklich so viele Kinder entführt hat, dann muss das doch ein abgelegener Ort sein.
Ja, aber nicht zu weit weg, weil er immer schnell wieder zurück in der Stadt ist.
Da ist die Polizei noch nicht drauf gekommen.
Sind sie bestimmt, aber...
Schwab, hallo?
Anna Leitner hier. Ich hab Ihre Nummer von Herrn Faltner. Wie geht's Ihnen?
Alles gut. Ich hab Kaffee, Globuli und einen Beichtvater.
Was gibt's Neues?
Der Wagen wurde nicht als gestohlen gemeldet.
Also ist es der Blumenberner selber?
Auf jeden Fall war er länger nicht zu Hause und auch nicht in seinem Laden.
Und was...
Wir kämmen auf Ansage von Kreuz von der Hochhaussiedlung aus alles sternförmig durch.
Wie? Aber nichts außerhalb?
Ja, viel zu wenig, finde ich auch.
Aber die Presse hat Wind von den Entführungen bekommen.
Shit.
Und der Kreuz will, dass die Leute die Polizei jetzt auf der Straße sehen.
Ja gut, das verstehe ich ja, aber...
Herr Leitner?
Ich muss Schluss machen. Ich meld mich.
Ich muss nochmal mit dem Kreuz reden.
So wie ich eure Beziehung verstanden habe, macht ihr dann genau das Gegenteil.
Moment. Wann ist das erste Kind verschwunden?
An Dienstag. Warum?
Weil ich noch ein weiteres Gestanzel vom Krachsler gefunden habe.
Schaut's ihr mal.
Am anderen Tag leert er die Kraxen aus.
Die Buam und die Madeln fallen hinaus. Die schirbt dann unter,
nei in Keller, mit einem Tritt, da gängers schneller.
Am andern Tag wetzt er die Messer, stundenlang, da schneit sie besser.
Bald richts im Wald nach Tod, bald färbt der Bach sich rot.
Und bei, am vierten Tag, auf Nacht, werden die ersten Kinder geschlachtet.
Am vierten. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag.
Fuck.
Du glaubst doch nicht wirklich, dass er versucht, das Märchen zu kopieren?
Wenn der meint, dass er der Kraxlmann ist, dann ja.
Der hält sich für den Kraxlmann, da bin ich mir sicher.
Ich meine, alles, was er tut, wie er das tut und die Sachen, mit denen er es tut.
Genau, das ist so nah dran am Original.
Okay, wo könnte der stecken?
Ich hole mein Tablet.
Dann schauen wir uns die Satellitenbilder an und markieren die wahrscheinlichsten Stellen.
Du willst doch nicht...
Was denn sonst?
Das ist Sache der Polizei.
Die vielleicht zu spät kommt.
Verdammt, Thomas, geh ran, geh ran.
Thomas, ruf mich zurück. Es geht um den Kraks, um die Kinder. Es ist dringend.
Der Faltner hört seine Mailbox nur alle 1000 Jahre ab.
Schickst du mal der Nachricht?
Bin ich schon dabei, aber die liest er immer erst abends daheim.
Was?
Der Faltner ist... Egal, ich ruf die Frau Leitmann mal an.
Scheiße, Scheiße, Scheiße.
Also gut, fahrt los. Ich bin im Café über Festnetz erreichbar. Handy lasse ich laut.
Sag Bescheid, wenn ihr was in Erfahrung gebracht habt. Ich leite es dann weiter. Ich sehe ja, wo Stefans Handy ist.
Moment mal, du hast mein Handy immer noch in deinem Feindform?
Ja, sei froh.
Stefan, schick mir bitte die Nummer von dieser Frau Leitner. Die brauche ich auch noch mal.
Powerbank fürs Handy, Garderobe, oberste Schublade, voll geladen. Oh Gott, ich komme mir vor wie ein täglich größeres Murmeltier.
Gib es zu, du hast es vermisst.
Nein.
Wir müssen los.
Immerhin suchen sie es auch mal da heraus.
Das erste Blaulicht seit einer Stunde. Ich schau mir die Satellitenbilder nochmal an.
Susanne, schöner Gruß.
Grüße vom Mausladen.
Danke. Schmatze zurück.
So weit kommst du noch. Ich stell dich mal laut.
Ich hab da was auf mythologias.de gefunden.
Hört mal zu.
Dann läuft er mit den schreienden Kindern
im Korb davon in einen finstern Wald.
Da hat er seine Hütte
und im Keller hortet er die bösen Kleinen.
Dort unten werden sie
nun eins nach dem anderen verschlungen.
Susanne, das wissen wir doch längst.
Wenn dann der Kraxlmann an einem Tag
Viele erwischt, wirft er die übrigen in den nahen Sumpf, direkt hinter der Hütte.
Eine Hütte im Sumpf?
Dumm, weil das Auto so vermatscht.
Sumpf, Sumpf, Sumpf.
Das Stuxdorfer Moos.
Das Stuxdorfer Moos?
Das Naturschutzgebiet.
Das ist ein Vogelherd unten, der hält da auf jeden Fall sehr ruhig.
Ey, super. Danke Susanne, danke.
Fahren Sie.
Ist das wirklich der richtige Weg ins Naturschutzgebiet?
Es gibt nur den Orner.
Dann ist es wohl der Richtige.
So schaut's aus.
Der Fußabdruck ist noch ganz frisch und feucht und tief, so als hätte er was schweres getragen oder jemanden.
Hallo, Frau Leitner? Hallo? Easy Talk? Ja, scheiße. Ja, vielleicht geht SMS.
Ich schicke dir Susanne eine Nachricht und einen Map-Link.
Was meinst du, kommen die noch und wenn ja, wann?
Kommt drauf an, von wo sie losfahren und wie lange sie brauchen, um den Kreuz zu belabern.
Währenddessen frisst der da drunten die Kinder zusammen. Wir müssen da rein.
Und versauen vielleicht alles? Mei, oh mei, dann versauen wir es halt nicht.
Ach, kann man sich das aussuchen, ja?
Komm jetzt.
Was ist das?
Colt Peacemaker, Kaliber 45.
Was bist du eigentlich für ein Pfarrer?
War vorbereiteter.
Keiner da?
Was ist mit denen?
Ja, muss ihnen was gegeben haben.
Oder sie stehen unter Schock, oder?
Die holen wir jetzt da raus.
Hey!
Schieß nicht!
Anspannend!
Entschuldigung.
Zieh es!
Ich, ich kann Ihnen helfen.
Ich bin Psychologe.
Du bist ein ganz böser, böser Puppe.
Was bist du eigentlich für ein Pfarrer?
Und was bist du für ein Psychologe?
Es ist vorbei.
Ihr seid in Sicherheit.
Hier kann man nichts mehr tun.
Wir gehen jetzt gemeinsam nach oben, ja?
Hey.
Wie heißt du denn?
Vanessa.
Die hab ich schon gehört.
Langsam, langsam.
Was geht denn hier ab?
Alles okay.
Sind das die Bullen?
Ja, die bringen euch jetzt alle nach Hause.
Stefan, hör zu, das ist jetzt wichtig.
Der Polizei sagen wir, dass die Waffe gern da gehört hat.
Kriegst du das hin?
Ja.
Das macht sie nicht so gut in meinem Job.
Verstehst du?
Alles klar, danke.
Hallo?
Bist du da unten, Stefan?
Ja, das ist alles in Ordnung.
RTW, sofort.
Hauptsache, ihr habt einen Tag jetzt schlechter wie mir.
Legenden, Märchen und Mythen aus dem bayerischen Hinterland.
Herr Schwab?
Es beginnt.
Herr Schwab, was machen Sie denn hier?
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