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(Erzählerin) "Es war einmal vor langer Zeit,"
"da zogen zwei Plagen über das Land."
"Erst Überschwemmungen, dann kam die Dürre."
"Die Menschen suchten verzweifelt nach Essbarem."
"Alle Vorräte waren verbraucht,"
"aber wundersamerweise starben die Schwachen nicht,"
"sondern verwandelten sich und lebten weiter als Vögel."
"Der Graf scherte sich nicht um das Leid der Bauern."
"Gnadenlos schickte er seine Soldaten und ließ sie die Steuern eintreiben."
"Aber eine hatte die Hoffnung nicht aufgegeben."
"Jola. Das Bauernmädchen."
"Von ihren Abenteuern handelt unsere Geschichte."
* beschwingte Musik *
# Der Topf, er kocht den süßen Brei, #
Jola
# hört niemals auf, tanderadei. Er duftet fein, er schmeckt, der Brei, #
Veit
# macht alle satt, tanderadei. #
# Der Topf, er kocht den süßen Brei, hört niemals auf, tanderadei. #
Schwarzrabe
(beide singen) # Er duftet fein, er schmeckt, der Brei, #
Balduin
# macht alle satt, tanderadei. #
Viel wird es nicht, aber für jeden von uns ein kleines Stück Brot.
Und morgen? Morgen denken wir uns was Neues aus.
Aber wir haben nichts mehr.
Hedwig. Hör auf deine Schwester. Uns fällt bestimmt was ein.
* getragene Musik *
* Er spielt Akkorde und summt. *
* Vogellaute *
* herannahende Schritte *
Kundschaft.
Seid gegrüßt, Balduin.
Bist du wahnsinnig? Wäre mein Schwert noch da, wärst du tot.
Oh, das würde ich sicher sehr bedauern,
aber Ihr sicherlich auch.
Habt Ihr doch den berühmten Balduin vom Hasenhain an Eurer Seite.
Noch nie gehört.
Dann wird es aber Zeit. Ich könnte Euch ein Lied dichten.
(mit hoher Stimme singend) Nur fünf Kreuzer.
Nein, danke.
Die höchsten Häupter habe ich schon besungen, sogar eine, eine Königin.
Na gut, zwei Kreuzer?
Lass mich in Frieden.
Ich habe nichts zu essen.
Na gut, dann einen.
* lautes Atmen *
Ida! - Pscht.
Ruhig, ganz ruhig.
Wir sind alle hier. Pscht.
Wasser. Wir brauchen Wasser.
Schnell. Sing ihr das Lied vom süßen Brei. Das hört sie doch so gern.
* geheimnisvolle Klänge *
* getragene Musik *
* leise Vogellaute *
* Schluchzen *
Ida...
Es liegt ein Fluch auf diesem Land.
Oder ein Segen. Für alle die, die sonst verhungern würden.
So... leben sie als Vögel weiter.
Irgendwo... an einem besseren Ort.
# Der Topf, er kocht den süßen Brei und hört... #
Hör auf! # ...niemals auf, tanderadei. #
Hör auf! Den Topf gibt es nicht, und den gab's auch noch nie!
* Sie summt weiter mit bedrückter Stimme. *
Wo willst du denn hin? Essen suchen.
Geh nicht zu weit! Hörst du, Jola?
Ich gehe, so weit ich muss.
* Sie seufzt. *
* dynamische Musik *
Ihr seid angespannt. Ihr schaut Euch dauernd um. Jemand verfolgt Euch.
Ein Mann, ein gehörnter Ehemann. Habe ich recht?
Ja. Ihr habt das Herz seiner Frau gebrochen und jetzt sinnt er auf...
Halt deinen Mund! Ich habe keine Zeit für so was.
Ha, da habe ich doch recht. Ich sagte, du sollst still sein.
Ja, das habe ich schon verstanden. Wie wär's mit einem stillen Zauber?
* Er pustet und zischt. *
Wenn du mich verrätst, dann bring ich dich um, klar?
Was? Scht!
Aber... äh.
* bedrohliche Klänge *
Ho.
Seid gegrüßt.
Wohin des Wegs, guter Mann?
Den Grafen mit Späßen und Gaukeleien erfreuen.
Ah, so ganz allein?
Ich liebe die Stille.
* Schwarzrabe kichert. *
Ach ja? Ich war mir sicher, ich hätte Euch reden hören.
Äh, Selbstgespräche sind ja oft die unterhaltsamsten.
* Mann schnüffelt. *
Angst.
Angst? Mhm.
Angst, ein Grundgefühl, das sich in Besorgnis und Erregung äußert.
Verwandt mit lateinisch angustia für "Enge, Beengung, Bedrängnis".
Vielleicht hat er was zu verbergen?
Äh, ich? Vielleicht.
* Balduin wimmert. *
* spannende Musik *
* Veit ächzt. *
* Schwarzrabe lacht. *
Selbstgespräche, hm?
Ho. Im Auftrag unseres Herrn,
des edlen und weithin bekannten und geachteten Kaufmanns Hogger,
dürfen wir hiermit um Begleichung deiner Schulden bitten.
Das kann ich nicht.
Du weißt, was das bedeutet?
Ich muss das Geld besorgen. Hört, hört!
Von meinem Bruder, Graf Ruben von Hammerlitz.
Aber dafür brauche ich Zeit.
Wir gewähren dir einen Tag. Drei. Drei.
Zwei. Aber das kostet dich zehn Gulden mehr für unseren Aufwand.
Und wage es besser nicht, uns zu enttäuschen.
* beschwingte Musik *
* beschwingte Musik *
* Bäume knarren. *
* geheimnisvolle Klänge *
Warum... isst du sie nicht? Oh!
Die ist für meinen kleinen Bruder.
Er verhungert sonst.
Mehr wirst du hier nicht finden.
Vielleicht ja doch. Ich muss.
* geheimnisvolle Klänge *
Da.
Schaut nur.
Die, die sind ganz frisch.
Wie kann das sein? Wo kommen die her?
Vielleicht gibt's noch mehr.
Hier.
* beschwingte Musik *
# Der Graf von Hammerlitz ist mithin wohl bekannt
für seinen großen Mut,
weit übers ganze Land. #
* Balduin kichert. * Na, wie findet Ihr's?
Du scheinst meinen Bruder nicht so gut zu kennen, oder?
Hm, na ja. Einem Brei ums Maul zu schmieren,
hat doch bisher noch niemandem geschadet.
Nach allem, was wir so durchgemacht haben,
könntet Ihr auch ein gutes Wort für mich einlegen, he?
Wartet! Zu spät.
Lenhart? Sag, erkennst du mich denn gar nicht?
Edler Herr Veit.
Ich dachte, Ihr wärt tot.
* Er lacht. *
Nein, das bin ich nicht.
Gut, dich zu sehen.
Falls du heute noch schlafen möchtest,
lass den da besser in die Burg.
Darf ich vorstellen: Balduin vom Hasenhain.
* Er spielt Akkorde und trällert fröhlich dazu. *
Ihr könntet alle satt und zufrieden sein.
Satt?
Wie sollen wir satt sein, wenn's nichts gibt?
Das habt ihr euch selbst zuzuschreiben.
Was redet Ihr da?
Wenn einer Schuld ist, dann Sturm und Regen.
Der Topf... hätte jeden von euch satt machen können.
Der Topf?
Der Topf, der süßen Brei kocht.
Ihr glaubt auch daran?
Natürlich. Schließlich habe ich ihn gemacht.
Ich wollte euch Menschen helfen.
Doch was habt ihr getan?
Euch die Köpfe eingeschlagen seinetwegen.
Habgierig, selbstsüchtig, wie ihr nun mal seid.
Da habe ich ihn zerstört.
Der Topf, der soll von Euch sein?
Das, das wäre ja Zauberei.
Das wäre es.
* Jola erschrickt. *
Was... Wartet!
Wartet!
Wo seid Ihr?
* geheimnisvolle Klänge *
* Ekellaut *
* Schritte nähert sich. *
Lebst du also noch, hm?
Sieht ganz so aus.
Ruben, ich habe Hunger.
Kann ich bitte auch etwas essen?
Was hast du hier zu suchen?
Oh, lass mich raten. Du brauchst Geld.
Ich verlor alles im verdammten Krieg.
Mein Pferd, mein Schwert, mein Geld, alles.
Warum wundert mich das nicht.
Ich will nichts geschenkt. Du bekommst alles zurück.
Weißt du, wie viele Mäuler ich hier zu stopfen habe?
Da bleibt nichts übrig, um meinem kleinen Bruder wieder auszuhelfen.
Als hättest du das je getan. Du bekamst alles als Zweitgeborener.
Und von Mutter sicher noch ein wenig mehr.
Ich bin dir nichts mehr schuldig.
Die Schergen der Hogger sind hinter mir her.
Der Hogger?
* Ruben lacht. *
Du hast dich mit dem Teufel eingelassen?
Sie werden mich töten, Ruben, bitte.
Bis morgen kannst du bleiben.
Dann will ich dich hier nicht mehr sehen.
Kommt zurück!
* spannende Musik *
Tut mir leid, dass ich Euch nicht geglaubt habe.
Hört Ihr?
Bitte, gebt uns den Topf zurück. Wir sind nicht alle schlecht.
Ich bin nicht so.
Bitte, Ihr müsst uns helfen.
Ich brauche diesen Topf, wir brauchen ihn.
Ihr dürft uns nicht im Stich lassen. Ich achte auf ihn, versprochen.
Ich hüte ihn wie den größten Schatz, wie das Wertvollste, was ich je...
* geheimnisvolle Klänge *
Beweis mir, dass du seiner würdig bist.
Suche die zwei fehlenden Scherben,
füge sie zusammen.
Dann... wird der Topf vielleicht...
zu dem, was er einmal war.
* getragene Musik *
Aber wo soll ich danach suchen?
* geheimnisvolle Klänge *
Jola!
* Hedwig pfeift fröhliche Melodie. *
* Pfeifen *
* Pfeifende Melodie wird erwidert. *
Jola!
Hedwig!
Hedwig!
Wo warst du nur?
Du musst nach Hause kommen. Ist etwas geschehen?
Mutter geht es nicht gut.
Dann muss ich mich noch mehr beeilen. Hier.
Sieh nur. Den Topf, der süßen Brei kocht, den gibt es wirklich.
Was? Aber eine Scherbe macht uns doch nicht satt.
Ich suche die anderen Teile, und dann sind wir gerettet.
Wir alle. Und wenn nicht?
Hedwig. Ich werde sie finden, hörst du?
* dynamische Musik *
Ich habe Hunger. Bitte. - Wir haben selber nicht genug.
Ich kann dich hier nicht reinlassen. Geh!
Geh!
Halt! Wo willst du hin, Bauernmädchen?
Gebt mir Arbeit. Lohn und Arbeit.
Haben wir nicht. Wir haben fast gar nichts mehr.
Das will ich selber sehen. Geh zurück ins Dorf.
Lenhart.
Wenn die beiden da draußen nach mir fragen,
sag ihnen, ich bin nicht mehr hier. Sind das Hogger?
Denen ist noch keiner entkommen.
* beschwingte Musik *
Gibt es hier jemanden, der lesen kann?
Der Graf.
* Veit seufzt. *
Kannst du lesen? Was?
Scher dich fort.
Könnt Ihr lesen? Scht.
* Er stimmt Instrument. *
Wenn Ihr Hunger habt, dann kann ich Euch auch nicht weiterhelfen,
aber in allem anderen bin ich Meister meines Fachs.
Auch im Lesen? Im Lesen?
(zögerlich) Ja...
Kommt.
Das scheint ja ein großes Geheimnis zu sein.
Könnt Ihr schweigen?
Wie ein Grab, ein Stein, ein Fisch.
Ehrlich.
* geheimnisvolle Klänge *
Aha. Eine Tonscherbe.
Was steht dort?
* Er liest stotternd. *
Vom...
Blick... Blick...
des...
H.
Vom Blick des H... und weiter?
Nichts weiter.
Mehr nicht? Wenn ich noch weiterhelfen soll,
dann müsst Ihr mir schon sagen, also...
wo kommt die her, oder was sucht Ihr, oder...
Kennt Ihr den Topf, der süßen Brei kocht?
Aber den gibt's doch nicht wirklich.
Wo habt Ihr die denn her? Aus dem Wald.
Aus dem Wald?
* Er spielt Akkorde. *
# Wo ist nur die Zeit geblieben,
zerstört der Topf, zerstört das Glück.
Im tiefen Wald soll ein Teil liegen,
unerreichbar, Scherbenstück. #
Die Strophe, die habe ich noch nie gehört.
Sie ist nur den wenigsten bekannt. Gibt es noch weitere?
# Das zweite hoch an Himmels Grenze,
nie gesehen von Menschenblick,
ruht es in des Windes Tänze,
unerreichbar, Scherbenstück. #
Ein Berg. Ein Berg.
Damit ist ein Berg gemeint. Oder?
Weiß nicht. Wie soll man bei dem Hunger denken?
Aber was für ein Berg?
Ein Berg, ein Berg... Was für ein Berg kann das sein?
(schmatzend) Weiß ich nicht.
Oh, Himmel.
Ah!
Genau! Ja!
Vom Blick des H. Vom Himmelsblick.
Der Himmelsblick! Der Himmelsblick.
Der Himmelsblick? Ja!
Danke. Hm.
* beschwingte Musik *
* wohliges Schmatzen *
(Magd) Diebe! Diebe! Diebstahl!
* beschwingte Musik *
Suchst du die?
Dafür könnte ich dich für immer in den Kerker werfen.
Nein, lasst mich!
Au! Pass doch auf.
Lasst mich! Lasst mich jetzt!
Der Kerl stahl Essen, Herr.
Nein! Nicht gestohlen, nur geborgt, als Anzahlung...
Kleine Anzahlung für meine Dienste. Gestatten?
Hängt ihn auf! Was?
Nein! Nein! Er hatte doch nur Hunger!
Ich kann es alles wiedergutmachen.
Ich besorge Euch einen gedeckten Tisch.
Mit Essen in Hülle und Fülle. Brei.
Was redest du?
Ich kenne ein Geheimnis. Ein großes Geheimnis.
Von einem Mädchen... aus dem Dorf.
"Es handelt sich um..."
Um den Topf, der süßen Brei kocht.
Und warum sollte ich dir glauben?
Wenn es nicht stimmt, dann könnt Ihr mich ja immer noch aufhängen.
Sie weiß, wo der Topf ist.
(Ruben) "Weiß sie das, ja?"
In den Bergen, am Himmelsblick.
Wehe, wenn du gelogen hast. In den Kerker mit ihm.
Oh. Ich habe Euch doch alles gesagt.
Das ist ungerecht. Ich habe doch alles gesagt! Ja!
Ich will diesen Topf.
Wie kommt es, dass mich das nicht wundert.
Hol ihn mir. Hast du Erfolg, zahle ich deine Schulden.
Proviant und ein Schwert und 20 Gulden oben drauf.
Proviant und ein Schwert.
Und sorge dafür, dass dieses Mädchen verschwindet.
* spannende Musik *
* beschwingte Musik *
* geheimnisvolle Klänge *
* beschwingte Musik *
Verfolgst du mich?
Warum sollte ich?
Sag du's mir. Wer lauert denn hier wem auf?
Arglose Männer schlagen... machst du das immer so?
Nur, wenn sie es verdienen.
Vielleicht brauchst du ja Schutz?
In der Burg warst du nicht so hilfsbereit.
Ich komme schon alleine zurecht.
Aber der Weg ist gefährlich.
Tatsächlich?
Tatsächlich.
* getragene Musik *
* Äste knacken. *
* Rascheln *
So kommst du allein zurecht, indem du unschuldige Reisende bestiehlst?
Ich, ich wollte... Du?
Ich wollte... Du wolltest was?
Nicht hungern.
Wenn du mich lieb bittest, bin ich vielleicht bereit, zu teilen.
Tut mir leid, dass ich so schroff gewesen bin auf der Burg.
Ich hatte auf Arbeit gehofft, und ich war enttäuscht.
Jolanthe.
Karl.
Und, Jolanthe, wohin des Weges?
Über die Berge. Vielleicht gibt es da was zu essen.
Du? Auch.
Vielleicht werden starke Männer dort ja mehr gebraucht als hier.
Ein Schwert, edle Kleidung. Was bist du? Ein Graf?
* Er lacht. *
Säße ich dann hier?
Ein Dieb?
* leises Quieken *
Keine Angst, starker Mann. Nur ein Kaninchen.
Vielen Dank. Wo willst du jetzt schon wieder hin?
Weiter.
Mit deiner spitzen Zunge schlägst du wohl jeden Räuber in die Flucht, ja?
Und jeden Bären, jeden Wolf
und alles, was sonst noch so da draußen lauert.
* dynamische Musik *
* dynamische Musik *
* dynamische Musik *
Ist das der Weg zum Himmelsblick? Ja. Das ist er.
Na dann, viel Glück.
Ich dachte, wir gehen gemeinsam weiter.
Das habe ich nie gesagt.
* Sie atmet tief durch. *
* Sie erschrickt. *
(Geist) "Was willst du hier?"
Wer spricht da?
Wo seid Ihr?
"Hier und da und überall."
Hier: Ich muss die Scherbe finden, die zu dieser passt.
"Sie ist mir anvertraut, sonst niemandem."
Ich muss! Hört Ihr? Ich muss!
"Mir!"
* Sie schreit. *
* spannende Musik *
Euer Majestät, der Topf, der süßen Brei kocht,
er könnte Euch gehören.
Mein Herr, zwei Männer wünschen Euch zu sprechen.
Ich habe keine Zeit. - Sie kommen von den Hoggern.
Den...
Schick sie rein.
Wenn wir uns vorstellen dürfen.
Die einen nennen uns Albtraum, die anderen Fluch,
doch sind wir einfach nur...
Schwarzrabe und Nase,
bescheidene Diener des Hauses Hogger.
Wenn's um meinen Bruder geht, er ist unterwegs,
um Euer Geld zu besorgen. Aha.
Meine Herren.
* Er schnüffelt. *
Hochmut. Hm.
Hochmut? Was soll das heißen?
Hochmut: Lateinisch superbia.
Das Gehabe von Personen, die ihren eigenen Wert, ihren Rang
oder ihre Fähigkeiten unwirklich hoch einschätzen.
Wir gewährten Eurem Bruder gnädig eine Frist,
doch die ist heute leider abgelaufen.
Ihr scheint ihm am nächsten zu stehen, nicht wahr?
Er ist in meinem Auftrag unterwegs.
Kehrt er zurück, bekommt Ihr Euer Geld.
In Eurem Auftrag, so.
Ihr scheint viel von ihm zu halten.
Mein Bruder ist ein guter Kämpfer.
Hm. Mag sein.
Doch ebenso ein Vagabund, ein Frauenheld, ein Glücksritter.
Ihr solltet also inständig darum beten,
dass er seinen Auftrag in Eurem Sinne erfüllt.
Sonst bringen wir seine Ohren und holen uns dafür das Geld von Euch.
Mit Zins und Zinseszins und Zinseszinseszins.
* spannende Musik *
* Sie keucht und stöhnt. *
* Sie schreit. *
* Keuchen, Stöhnen *
* Sie wimmert. *
(Geist) "Gib auf! Gib auf, solange du noch kannst!"
Das kann ich nicht!
* Sie schreit. *
* spannende Musik *
* Gleichmäßiger Herzschläge. *
* getragene Musik *
* geheimnisvolle Klänge *
* beschwingte Musik *
* Sie keucht. *
* Rascheln *
Karl?
* Jola schreit. *
(Mann) Gib mir dein Brot!
* spannende Musik *
Gebt es mir zurück!
Hey! Hey, das gehört mir!
Her damit!
Schert euch fort. Na los!
Karl!
Danke. Stets zu Diensten.
Wieso, wieso bist du noch hier?
Ich hatte da so ein Gefühl.
Und außerdem: Ich mag Kratzbürsten.
Ich bin nur vorsichtig.
Sehr vorsichtig.
Was trägst du da mit dir herum?
* geheimnisvolle Klänge *
Der Topf... Es gibt ihn wirklich.
Und?
Kannst du nun lesen?
"Vom Blick des Himmels zum Fuß der weißen Frau."
Was soll das bedeuten?
Das muss das Nebeltal sein.
Vom höchsten Berg ins tiefste Tal. Natürlich.
Das Nebeltal?
Kein schöner Ort.
Lässt du mich schon wieder stehen?
Du bist ja eh nicht abzuschütteln.
Ein Vagabund...
Frauenheld.
* beschwingte Musik *
Glücksritter.
* Veit kichert. *
Was erwartet uns im Nebeltal?
Das weiß niemand.
Jeder, der es gewagt hat, dorthin zu gehen,
ist nicht mehr wiedergekommen.
Dann müssen wir die Ersten sein.
Ohne den Topf werden meine Geschwister und Mutter zu Vögeln.
Genauso wie Ida.
Du hättest sie kennenlernen müssen. Sie war...
Hast du Geschwister?
Einen Bruder.
Aber wir verstehen uns nicht sehr gut.
Wieso?
Er hat schon immer das Gefühl gehabt, zu kurz zu kommen,
während mir alles in den Schoß gefallen ist.
* Er seufzt. *
Aber Geschwister müssen doch zusammenhalten.
So sollte es sein, Jolanthe.
Jola.
Meine Familie soll endlich keinen Hunger mehr leiden.
Du würdest alles für sie tun.
Alles.
Der Topf muss alle satt machen. Auf der Burg, in Dörfern, überall.
Der Graf müsste sich darum kümmern können.
* Sie hustet. *
Graf Ruben?
Das kannst du nur sagen, weil du ihn nicht kennst.
Wir sind ihm vollkommen gleichgültig.
Er half uns nicht,
als alles überschwemmt war und nun lässt er uns verhungern.
Ein Mann wie Ruben darf den Topf nie in die Finger kriegen.
* seichte Gitarrenklänge *
* Balduin summt getragene Melodie. *
* geheimnisvolle Klänge *
* unheilvolle Klänge *
* getragene Musik *
* Balduin summt. *
Ruhe da drinnen!
* Er spielt weiter. *
Ich sagte: Ruhe!
* Musik verstummt. *
Ein wahrer Künstler, der lässt sich die Stimme nicht verbieten.
* Sie seufzt. *
Guten Morgen. Morgen.
Danke.
(Ruben) Soldaten!
Sucht am Himmelsblick nach meinem Bruder!
Wenn ihr ihn dort nicht findet, reitet ins Dorf
und schafft mir alles her, was mit dieser Göre blutsverwandt ist.
* geheimnisvolle Klänge *
Die Vögel singen nicht mehr.
Der Fuß der weißen Frau.
(Frau) Da bist du ja, mein Kind.
Komm ruhig näher.
Wer seid Ihr?
Die Bewacherin dessen, was du suchst.
Komm nur. Du darfst es dir gerne holen.
Nein.
Tu das nicht. Ich traue ihr nicht.
Ich muss. Dann komme ich...
Du nicht!
* spannende Musik *
Wo seid Ihr?
Was muss ich tun?
Dir einfach nehmen, was dein Herz begehrt.
Bitte.
Sie ist nicht echt.
Wer weiß das schon?
* entferntes Kinderlachen *
(Mutter) "Jola..."
* getragene Musik *
* Schluchzen *
Ich bin zu spät.
Sie könnten wieder Menschen werden. Wie?
Du musst es nur wollen.
Ich will nichts mehr als das. Du kannst nur eines haben.
Den Topf, der süßen Brei für alle kocht,
oder deine Lieben.
Wie soll ich das entscheiden?
Entscheide dich.
(Frau) Der Topf oder sie.
Der Topf...
oder sie.
* geheimnisvolle Klänge *
Jola.
Zum Glück.
Du hast es geschafft.
Jola?
Was ist denn geschehen?
Ich muss hier weg.
Komm.
* spannende Musik *
Was steht da?
"Vom Blick des Himmels zum Fuß der weißen Frau"
"soll dieser Topf euch nähren."
"Vom Blick des Himmels"
"zum Fuß der weißen Frau"
"soll dieser Topf euch nähren."
Das darf nicht sein.
Was fehlt denn noch?
100 Gulden.
100 Gulden.
Was mag dem Grafen so viel wert sein?
110.
Vielleicht denkt der Gute an Heirat und der Bruder bringt ihm die Braut?
Dann entführen wir sie und verlangen das Doppelte.
* Sie lachen. *
Was ist dein Geheimnis?
Jola, riechst du das?
Riechst du das?
* Sie schnüffelt. *
Süßer Brei.
Vermutlich holt er auch von fern Getreide.
* Nase schnüffelt. *
Auch damit lässt sich gut Geld machen in diesen finsteren Zeiten.
Oder Brei.
Garniert mit einer Prise Zimt.
* Nase schnüffelt. *
Vielleicht fehlt uns noch ein Zauberspruch.
Ja, vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.
Ich verriet die, die mir am liebsten sind, und jetzt kocht er nicht?
Nein, das hast du nicht.
Du hattest keine andere Wahl.
Hättest du dich für sie entschieden, würden sie jetzt wieder hungern.
Ohne diesen Topf verhungern wir alle.
Auch deine Geschwister, die du jetzt noch retten kannst.
* getragene Musik *
* bedrohliche Klänge *
Verzeih, dass wir dich in diesem trauten Augenblick stören müssen,
doch haben wir mit dem Herrn noch 'ne Rechnung offen und wüssten gern,
mit welchem Auftrag er unterwegs ist.
Lasst sie gehen und ich sag's.
Vielleicht...
hat der Auftrag ja mit ihr zu tun?
Sie ist nur ein armes Bauernmädchen. Aha.
Gut, geh.
Geh! Mir geschieht nichts.
Dich allein lassen... Geh!
Ein Bauernmädchen würde Graf Ruben nicht heiraten.
Was hat dein Bruder dir stattdessen aufgetragen?
Du bist Graf Rubens Bruder?
Hat unser lieber Veit das nicht verraten?
Veit?
Jola, verschwinde! Schnell!
Was ist dein Auftrag? Was hat sie damit zu tun?
Nichts! Sag du es mir.
Es ist der Topf. Jola, lauf!
Brei! Nein.
Der Topf, der süßen Brei kocht. Den sollte er Ruben bringen.
Der Topf gehört mir. Jetzt nicht mehr.
Womit ich feierlich verkünden darf,
dass deine Schulden beim Hause Hogger hiermit beglichen sind.
Auf.
Auf zum Grafen.
Jola, ich hätte ihn dir nicht abgenommen.
Ich wollte es, aber dann zeigtest du mir, was richtig ist.
Jola!
(Simon) Lasst uns! - Loslassen!
Nun kommt! - Lass mich!
Lass meinen Bruder!
(Simon) Lasst mich!
Wir haben nichts getan.
Was soll das?
(Hedwig) Aua! Hilfe!
* getragene Musik *
Simon! Hedwig!
Was...
Was tust du hier?
Ich suche doch etwas zu essen.
Wo sind sie?
Wo sind sie?
Wo sind meine Geschwister?
Ruben...
hält sie als Geiseln gefangen.
Er... will den Topf. Den süßen Brei.
* Sie schluchzt. *
Mein Herr? Die Hogger.
Eure Laune wird sich gleich bessern, verehrter Graf,
haben wir doch etwas, das Euch gefallen dürfte.
Ein Gefäß zum Garen von Speisen,
zumeist mit Griffen oder Henkeln versehen,
manchmal in der Nacht auch zweckentfremdet.
Ihr habt den Topf?
Euer Bruder und sein Turteltäubchen waren so freundlich,
ihn uns zu überlassen.
Na, riecht Ihr was?
* Ruben schnüffelt. *
Für 300 Gulden gehört er Euch.
Lächerlich!
600. Wie könnt ihr es wagen.
Beweist mir erst mal, dass er echt ist.
Lasst ihn kochen.
Kochen?
Kochen, ja. Von lateinisch coquere, "kochen, sieden, reifen".
Das Mädchen wird es uns bestimmt verraten. Wir sind bald zurück.
Die Mühe könnt Ihr Euch sparen.
Das Mädchen kommt schon von allein.
* getragene Musik *
* Hustenlaute von Ida *
* Sie schluchzt. *
* geheimnisvolle Klänge *
Frau des Waldes?
Wo seid Ihr?
* Bäume knarren. *
Frau des Waldes!
Ich, ich hatte ihn.
Ich hatte ihn, es war alles gut.
Warum schreist du denn so?
Er wurde mir weggenommen.
Ich, ich konnte ihn nicht beschützen.
Ich weiß, ich habe es versprochen, aber ich, ich konnte nicht.
Du hast alle Prüfungen bestanden, mein Kind, selbst die allerhärteste.
Ich habe mich nicht in dir getäuscht.
Ihr wisst von all dem?
Ich hätte sterben können auf dem Berg.
Ich habe meine Mutter...
und meine Schwester geopfert.
Simon und Hedwig sind im Kerker und da helft Ihr mir nicht?
Ihr hättet mich und den Topf beschützen müssen.
Wozu denn das Ganze?
Wenn das alles umsonst war?
Wo ist dein Mut?
Deine Klugheit?
Deine Entschlossenheit?
Ich kann den Topf ja nicht einmal zum Kochen bringen.
* lautes Schlürfen *
* Schlürfen, Blubbern *
* Finger knacken. *
Sind die Hogger noch auf der Burg?
Sie haben den Topf, der süßen Brei kocht.
Er gehört ihnen nicht und meinem Bruder noch weniger.
Du musst mir helfen.
Ich wollte, du wärst der Ältere von euch beiden.
Aber das bist du nicht. Ich stehe in seinen Diensten.
Lenhart, komm zu dir.
Er gebraucht ihn nur für sich und seine Macht.
Das weiß ich und du auch.
Dein Bruder schreckt vor nichts mehr zurück.
Er wirft schon Kinder in den Kerker. Kinder?
Die Geschwister von diesem Mädchen.
Wir verhungern!
* lauter Rülpser *
Sag mal, gib wenigstens den Kindern was.
Ob sie nun hier drinnen verrecken oder draußen...
Warte, wenn ich dich zwischen die Finger krieg, du!
* Er lacht. *
Fettsack!
* höhnisches Gelächter *
Entschuldige, bitte. Entschuldige.
* Balduin stimmt Akkorde an. *
# Kennt ihr das Lied, das alle ja zum Lachen bringt?
Das Lied, das jeder kennt, zum Tanze singt.
Vom kleinen, dicken... # Halt dein Maul!
# Vom kleinen, dicken Kerkermeister.
Vom kleinen, dicken Kerkermeister.
Er ist so dick, dass sich die Balken biegen,
ja, dümmer noch als alle Ziegen.
Vom kleinen, dicken Kerkermeister.
Vom kleinen, dicken... #
* Balduin lacht. *
# Dick und dumm, und dick und dumm. #
* dumpfer Schlag, Aufprall. *
* beschwingte Musik *
Feuer!
Feuer! - Feuer? Wo?
Feuer!
* Alarmglocke *
(Magd) Es brennt! Es brennt!
(Soldat) Feuer! Feuer!
(Soldat) Feuer! - Raus hier.
* spannende Musik *
So sieht man sich wieder.
Du wagst es? Was fällt dir ein!
Rein da!
Her mit dem Topf.
* spannende Musik *
* Klingende Schwerter. *
* Nase schnüffelt. *
Verzweiflung.
* spannende Musik *
Da war jemand schneller als wir.
Wachen! * energisches Klopfen *
(Ruben) Sofort aufmachen! Wachen!
(Soldat) Feuer! - Weg hier!
Wie sollen wir hier nur rauskommen?
Ach, das schaffen wir schon.
Jola! Balduin, da ist Jola!
* Er pfeift. *
Hedwig! Simon!
Wie konntet ihr euch befreien? Das war Balduin.
Ja. Danke.
Jola.
Karl. Oder wie war dein Name?
Ich habe den Topf. Der Topf...
Jola, es tut mir leid. Ich hätte dich nie belügen dürfen.
Jola, ich... Ich...
Ich weiß jetzt, wie er geht. Die Waldfrau hat es mir verraten.
Wachen, Soldaten zu mir! Sucht alles ab!
Verflixt! Kommt! Mir nach! Schnell!
Weg! Weg!
Wo ist mein Bruder? Hast du ihn gesehen?
Veit! Mein Bruder! - Hier ist er nicht raus.
Er kann sich ja nicht in Luft aufgelöst haben.
* Hedwig erschrickt. *
Habt ihr wirklich geglaubt, ihr könntet uns so einfach überlisten?
Doch machen wir euch in unserer unnachahmlichen Güte ein Angebot,
das ihr tunlichst annehmen solltet.
Zeigt uns, wie sich der Topf zum Kochen bringen lässt,
und das Haus Hogger verzeiht euch eure Flausen.
Das Haus Hogger vielleicht, das Haus von Hammerlitz jedoch nie.
Vom eigenen Bruder wurde ich verraten,
von meinem ach so treuen Hauptmann.
Und du, Mädchen, rede.
Und euch erwartet statt des Galgens nur der Kerker.
Die Freiheit oder nichts.
Ich werde dich schon zum Reden bringen.
Lass all die Unschuldigen hier gehen.
Du kannst mich an ihrer statt im Kerker verrotten lassen.
Für die Scherben habe ich meine Mutter verloren und meine Schwester.
Das war nicht umsonst, hört Ihr?
Ihr zahlt mit unserer Freiheit, oder der Topf wird niemals kochen.
Nie.
* Fingerschnipsen * Macht sie frei.
Na los! Zeig mir, wie er kocht!
Uns.
Noch sind wir die stolzen Besitzer dieses einzigartigen Topfes.
* geheimnisvolle Klänge *
* Gleichmäßiger Herzschläge. *
(flüsternd) Töpfchen, koche.
Willst du uns täuschen? Pst!
* Schnüffeln *
Brei.
Brei.
* Er lacht. *
Tatsächlich. Süßer, süßer Brei!
Fort, fort mit euch!
Alle! Na los, verschwindet!
(nachhallend) Raus! Raus!
(Soldat) Schnell! Macht euch weg!
Was riecht hier nur so gut?
* Hedwig seufzt. *
(Hedwig) Süßer, süßer Brei.
Balduin. Bring die Kinder bitte fort.
Ja, ja. Mach ich.
Kommt. Los.
Was für ein Genuss. Wie süß.
* Nase lacht. *
* Schwarzrabe lacht. *
Wenn ich es recht bedenke, ist der Topf 1000 Gulden wert.
* Alle lachen. *
Wenn nicht noch mehr! Wenn nicht noch mehr!
Wie hört er eigentlich wieder auf?
* geheimnisvolle Klänge *
Wir haben Hunger. Wir wollen auch Brei haben! Bitte!
Halt an, du dummes Ding!
Liebes, liebes Töpfchen, hör bitte, bitte auf!
Verdammt noch mal, hör auf zu kochen! Das ist ein Befehl!
* Sie schreien. *
(alle) Brei für alle! Brei! Wir haben Hunger! Rückt den Brei raus!
* energisches Klopfen *
* spannende Musik *
Töpfchen, steh.
* geheimnisvolle Klänge *
(Ruben) Hör auf, zu gaffen! Das wird Folgen haben.
(Nase) Üble Folgen. - (Ruben) Tod.
* Hühnergackern *
* Hahnkrähen *
Kommt alle her! Kommt her! Kommt zusammen, Leute!
Es gibt süßen Brei! Es gibt Essen!
Holt die anderen! Kommt her! Br.
Br.
Es gibt was zu essen! Kommt! Kommt zusammen, Leute!
* beschwingte Musik *
Töpfchen, steh. Iss dich satt, gute Frau.
Kommt her, Leute! Kommt alle zusammen und esst!
Hier. Heinrich...
(Hauptmann) Jetzt gibt es gleich was zu essen.
Essen für alle. Ich helfe dir, warte. Warte.
Iss in Ruhe. Du hast alle Zeit.
Töpfchen, koche.
Danke.
* beschwingte Musik *
Kommt her, ihr Leute!
(Hedwig) Jola!
Jola!
Hedwig!
* Sie jubeln. *
Geht's euch gut? (beide) Ja.
Wenn Mutter und Ida nur hier wären.
Ja, das wünsche ich mir auch.
* geheimnisvolle Klänge *
* beschwingte Musik *
(beide) Ida! Mutter!
* beschwingte Musik *
Sie dürfen nie wieder Hunger leiden.
Niemand.
Nie mehr.
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2018
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