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Yukio Mishima war der meistgefeierte Autor Japans.
Bei seinem Tod hinterließ er 35 Romane, 25 Theaterstücke,
200 Kurzgeschichten und acht Essaybände.
Sein Privatleben und seine künstlerische Arbeit
wurden von der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt.
Am 25.11.1970 betrat Mishima mit vier Kadetten seiner Privatarmee
das Hauptquartier der Eastern Army,
nahm den Kommandanten gewaltsam fest
und hielt vor der Garnison eine Rede.
Ein Leben in vier Kapiteln
1. Schönheit "Der Tempelbrand"
2. Kunst "Kyokos Haus"
3. Handeln "Durchgehende Pferde"
4. Harmonie von Feder und Schwert
Schönheit
Guten Morgen. - Guten Morgen.
Möchten Sie jetzt frühstücken?
Nein, heute Morgen nicht. Wo sind meine Kinder?
Ihre Gattin hat sie schon zur Schule gebracht.
Hm.
Unlängst verspürte ich eine Häufung vieler Dinge,
die durch eine objektive Form, wie z. B. die des Romans,
nicht zum Ausdruck gebracht werden können.
Worte sind unzulänglich.
Also fand ich eine andere Ausdrucksform.
Läuft bis jetzt alles wie geplant? - Jawohl.
Übergib die Umschläge den anderen im Wagen.
Ich komme auch gleich. - Jawohl.
Ja, ist mein Brief angekommen?
Es wird ein kleines Drama geben,
das könnte für die Nachrichten interessant werden.
Denken Sie auch daran, einen Fotografen mitzubringen?
Und vergessen Sie die schwarzen Armbinden nicht. Gut.
Wenn ich meine frühe Kindheit betrachte,
sehe ich mich als Jungen, der am Fenster lehnt und
immerfort eine Welt betrachtet, die er nicht verändern konnte -
ewig hoffend, dass sie sich von selbst verändern würde.
Im Alter von sieben Jahren kam ich von
meiner Mutter zu meiner Großmutter.
Kochan.
Zieh sie zu.
Ich finde, es wird langsam Zeit,
dass Ihr Enkel wieder zurück zu seiner Mutter gehen sollte,
wenn ich das sagen darf.
Also dann. Komm, wir gehen. - Nein, noch nicht.
Ich möchte gerne, dass er mir heute die Beine massiert.
Können Sie denn nicht...?
Nein, nicht diese Woche. Ich fühle mich nicht wohl.
Ich will ihn nächste Woche gehen lassen.
Wenn ich dich deiner Mutter überlassen hätte,
wärst du jetzt schon lange tot.
Du bist so zart und verletzbar wie eine zierliche Blume und
du solltest dich auf gar keinen Fall nach draußen wagen.
Wenn du so gerne deine Mutter sehen willst, musst du jetzt gehen.
Aber dann kehre bitte nie wieder zu mir zurück.
Bitte denke nicht mehr an deine Großmutter.
Sei ein gutes Kind und massiere meine Beine.
Wie wohl ich mich dabei fühle.
Nur du kannst so gut massieren.
Ich kümmerte mich
um die nachlassende Gesundheit meiner Großmutter.
Sie unterhielt mich mit Geschichten und sorgte für Spielkameraden.
Zu besonderen Anlässen arrangierte sie Theaterbesuche.
Wie unverschämt.
Es gehört sich nicht, sich bei solchen Leuten
auch noch zu entschuldigen.
Du stammst doch aus einer alten Samurai-Familie.
Zu der Kinderzeit deiner Großmutter wusste man noch,
wie man sich zu benehmen hatte.
Da galten noch die guten, alten Regeln.
So, hier: Iss dein Mittagessen.
Was ist das hier bloß für eine schreckliche Menschenmenge?
Lange kannst du das bestimmt nicht aushalten.
Aber inzwischen bist du ja etwas älter geworden und
kannst dir endlich eine Vorstellung im Kabuki Theater ansehen.
Als du klein warst, konntest du äußeren Einflüssen nicht widerstehen.
Was wäre wohl aus dir geworden, wenn du mit Kindern
aus weniger angesehenen Familien gespielt hättest?
Jetzt bitte hierherschauen.
Kochan!
Als ich zwölf Jahre alt war, gestattete mir meine Großmutter,
die damals im Sterben lag, in die Obhut meiner Mutter zurückzukehren.
Im selben Jahr noch trat ich in die Mittelschule ein.
Na, und was ist nun? Traut sich keiner mehr?
Aha, unser Dichter ist im Anmarsch.
Da graut es mir ja richtig.
Lass es lieber sein, du Muttersöhnchen.
Das geht bestimmt nicht gut.
Mann, meine Knie fangen ja schon mächtig an, zu zittern.
Die Pause ist vorbei.
Komm, lass uns gehen.
Schon sehr früh erkannte ich,
dass das Leben aus zwei gegensätzlichen Elementen bestand:
Das eine waren Worte, die die Welt verändern konnten.
Das andere war die Welt selbst, die nichts mit Worten zu tun hatte.
Für den Durchschnittsmenschen hat der Körper Vorrang vor der Sprache.
In meinem Fall standen die Worte an erster Stelle.
Ich...
Der Tempelbrand Erschienen 1956
Ich verstehe leider überhaupt nicht,
was du mir sagen willst. Man sagt, Mizoguchi nennst du dich.
Ich weiß ganz genau, warum du hier bist.
Du meinst, weil wir Krüppel sind, werden wir gut miteinander auskommen.
Was meinst du denn damit?
Schon gut, wir sind eben Krüppel.
Ich wette, du hast noch nie mit einem Mädchen geschlafen.
Man sieht es dir an.
Du kommst bei Frauen bestimmt nicht an, geschweige denn,
dass du mit Prostituierten umgehen könntest.
Aber, wenn du meinst, dass wir jetzt unerfahrene Freunde werden,
dann irrst du dich. - Unerfahren?
Stottere nur. Stottere nur weiter.
Man sagt, Unerfahrenheit sei wundervoll,
aber an dir ist nichts wundervoll.
Na ja, unter bestimmten Gesichtspunkten
scheinen wir ja auch für gewisse Frauen attraktiv zu sein.
Wo wir auch auftauchen, werden wir sofort ungeniert angestarrt.
Als ob einem
Krüppel
ständig unzerbrechliche Spiegel vorgehalten werden.
Ich finde, du bist einfach viel zu weich.
Ja, bist du. Du bist ja schon voll von Selbstmitleid
wegen des bisschen Stotterns.
Meinst du nicht, du nimmst es ein wenig zu wichtig?
Der goldene
Pavillon,
er ist zu schön.
Ich habe Angst vor ihm. - Ach was, wieso denn?
Da sind nur Mönche.
Dir kann nicht mehr geholfen werden.
Du bist einfach viel zu weich mit dir.
Glaub ja nicht, dass die Menschen einem helfen.
Aber...
Wenn du das einsiehst,
dann kannst du diese Schwäche anwenden,
um die Frauenherzen zu erobern.
So, jetzt schau gut zu.
Ihr tut mir weh, was soll denn das?
Was sollen wir machen?
Wollt ihr mich etwa so liegen lassen?
Helft mir doch.
Ich bin verletzt. Wo ist ein Arzt?
Kommen Sie, ich wohne hier gleich in der Nähe.
Überraschend stieß ich auf ein Bild,
dessen einziger Zweck darin bestand,
jahrhundertelang auf mich zu warten und
mich dann aus dem Hinterhalt zu überfallen.
Diese weiße, makellose Schönheit des Körpers des Jünglings
vor dem Hintergrund des dunklen Baumstammes.
Die Hände mit Riemen gefesselt.
Ich erbebte vor Wonne.
Meine Lenden schwollen an.
Unbewusst begann meine Hand eine Bewegung, die sie nie gelernt hatte.
Mein Bedürfnis, die Realität umzugestalten,
wurde eine dringende Notwendigkeit.
Ebenso wichtig wie drei Mahlzeiten pro Tag oder Schlaf.
Ist das nicht herrlich? - Ja, sehr schön.
Eine wunderschöne Landschaft ist für mich die Hölle.
Nimm dir die rechte Frau und mach es mit ihr, sie wartet bloß darauf.
Aber wie...? - Stottere einfach.
Lass sie dich bemitleiden.
Nur deshalb habe ich dich mitgenommen.
Damit du das endlich mal begreifst.
Nun stottere schon. Vielleicht gibt es ja auch Frauen,
die sich selbst in einen Stotterer verlieben.
Ja? Stottert ihr Freund?
Ja, ja, es gibt ja vielleicht komische Leute, was?
Ja, wir trennen uns jetzt besser.
Und in zwei Stunden treffen wir uns wieder.
Wenn du willst,
kannst du gehen.
Der Herr Kashiwagi macht es wie immer.
Er zeigt seinen kranken Fuß her und
nutzt so schamlos ihre Barmherzigkeit aus.
Was willst du damit sagen?
Da komm ich nicht mit. Sprich mich bitte mit "Sie" an.
Was soll denn das? Sie sind so merkwürdig.
Also doch, immer dasselbe.
Ich hörte, du bist heute nicht in der Schule gewesen.
Sag mir: Bist du krank?
Meister...
Das ist eines Zen-Meisters Schüler unwürdig. Ich bin enttäuscht.
Meister.
Komm, mach dir mal keine Gedanken deswegen,
du wirst es bald vergessen.
Alles ist so kraftlos, ich verstehe das nicht.
Kann es sein, dass sie dir weggelaufen ist?
Der war doch noch so klein und
jetzt ist der so groß geworden.
Warum bloß?
Die Schönheit,
die unendliche Schönheit
ist etwas Grausames.
Er wird
immer größer und größer und
wird alles
zerdrücken. Das ist grausam.
Red doch keinen Unsinn.
Mit der Schönheit ist es ganz genauso wie mit einem kranken Zahn.
Seine Existenz merkt man nur, wenn er anfängt, wehzutun.
So einen Schmerz kann nicht allzu lange ertragen werden und
deswegen muss er raus.
Und dann, wenn man diesen mit Blut verschmierten Zahn
hinterher in seiner Hand sieht, dann denkt man:
"Ist das jetzt alles gewesen? Hat der diesen Schmerz verursacht?"
Nur wenn man so denkt,
kann man die Schwächen des Lebens als Waffe benutzen.
Dieser Pavillon
ist und bleibt
mein Erzfeind.
Und zwar so lange wie er nicht völlig zerstört ist.
Ich kann es nicht mehr aushalten.
Er muss zerstört werden.
Bald werden die Amerikaner ihre
Bomben abwerfen und
erst dann
werde ich endlich frei sein.
Die Amis kommen! - Los, weg von hier!
Komm!
Als ich 18 war,
wurde meine Klasse zum Luftschutzdienst eingeteilt.
Ich schrieb Kurzgeschichten und Gedichte,
aber ich träumte nur davon, am Krieg teilzunehmen und
für den Kaiser zu sterben.
Ich wolle wie eine Rakete explodieren.
Den Himmel für den Bruchteil einer Sekunde erhellen und
dann verschwinden.
Ich wählte das Pseudonym Yukio Mishima.
Was machst du da?
Ach, nichts.
Sag mal, wolltest du nicht eigentlich zum Treffen der Dichter gehen?
Aber nein, nicht zu dieser Gruppe, die schätze ich nicht.
Ich finde, du solltest ein paar mehr Freunde kennenlernen.
Du bist zu viel allein zu Hause.
"Er ist kein besonders hervorragendes Talent.
Es reicht nicht zu einem Schriftsteller und
er wird auf keinen Fall jemals ein Dichter werden können."
Was ist denn das?
Ein berühmter Dichter hat das geschrieben und mir geschickt.
Damit soll ich wohl gemeint sein.
Du darfst das auf gar keinen Fall deinem Vater erzählen, hörst du?
Er wird dir sowieso nur wieder sagen,
dass du mit dem Dichten aufhören sollst.
Vortreten!
Stillhalten!
Einatmen!
Nicht mehr atmen!
Ausatmen!
Tauglich, wegtreten! - Der Nächste.
Der Nächste!
Umdrehen!
Einatmen!
Nicht atmen!
Ausatmen!
Husten Sie!
Stopp!
Hast du manchmal blutigen Auswurf?
Ja, das kommt vor.
Seit wann hast du Fieber? - Seit etwa einem halben Jahr.
Untauglich.
Beginnende Tuberkulose.
So, geh nach Hause.
Der Nächste!
Du bleibst noch hier!
Ich hatte immer davon geträumt,
auf dem Schlachtfeld zu sterben.
Warum also log ich? Warum übertrieb ich mein Kranksein?
Meine Worte waren Lügen.
Ich hatte niemals wirklich sterben wollen.
Hast du gehört? Der Krieg ist zu Ende!
Und was ist mit den Amerikanern?
Mit dem Luftangriff?
Was wird aus dem goldenen Pavillon?
Wie kann ich denn bloß endlich frei werden?
Das hast du wohl den Priestern weggenommen.
Pass bloß auf, dass das nicht rauskommt.
Die Herren vom Tempel gehören ja schließlich zu unseren besten Kunden.
Komm rein, mein Junge.
Erstaunlicherweise wurde Kyoto nicht zerbombt.
War es für dich das erste Mal?
Ich hab mir das schon gedacht.
Trotzdem, es war schön.
Was machst du denn bloß für ein zerknirschtes Gesicht?
Hat es dir vielleicht nicht gefallen?
Präge dir meinen Namen sehr gut ein.
Denn er wird in zwei bis drei Tagen ganz dick in der Zeitung stehen.
Was ist daran so komisch? - Du lügst mir ja nur etwas vor.
Du bist albern und machst dabei ein ernsthaftes Gesicht.
Ich lüge nicht.
Ich werde wirklich etwas Überwältigendes tun.
Das halte ich nicht aus.
Kunst
Guten Morgen, es ist ein schöner Tag.
Jawohl, sehr schön, Herr Oberst.
Habt ihr meinen Brief gelesen? - Ja!
Und? Habt ihr ihn verstanden? Ihr drei sollt überleben.
Aber, wir sind schon darauf vorbereitet.
Nein, es bleibt so, wie es in den Briefen steht.
Es ist wichtig, dass dem General nichts passiert.
Eure Aufgabe ist es, ihn sicher und wohlbehalten nach Hause zu bringen.
Es ist unser Beschluss, dabei bleibt es.
Mit dem General hat das nichts zu tun.
Aber Herr Oberst, wir haben es untereinander abgesprochen.
Dass wir mit Ihnen sterben wollen. Lassen Sie uns jetzt nicht zurück.
Ich habe mich schon in aller Form
von meinen Eltern verabschiedet, von meinem Freund, von allen.
Für mich ist dies der letzte Tag.
Nein,
es geht nicht.
Auf euch wartet noch eine wichtigere Aufgabe.
Ihr müsst dafür sorgen,
dass unsere geistige Botschaft an die Öffentlichkeit gelangt.
Meister, wir werden Sie bis zu Ihrem Ende begleiten.
Ihr wollt doch nicht etwa meine Befehle missachten?
Also, wir brechen jetzt auf.
Damit jeder von uns seine besprochene Aufgabe erfüllen kann.
Wir sind sehr enttäuscht.
Macht euch keine Sorgen.
Wir treffen uns doch im Paradies wieder.
Sind alle bereit?
Jawohl.
Gut, fahren wir.
Ich bin froh,
wenn wir wieder zurück in den Staaten sind.
Am Ende des Krieges fühlte ich mich zurückgelassen.
Ich hielt mich für ein Symbol meiner Zeit.
Für einen Kamikaze der Schönheit.
Doch ich war nur ein Junge gewesen, der schlechte Poesie schrieb.
Ich kündigte meine Stellung im Finanzministerium,
um mich nur noch dem Schreiben zu widmen.
"Geständnis einer Maske" schrieb ich in sechs Monaten.
"Die erste Liebe" dauerte fünf Monate.
"Verbotene Farben" dauerte neun.
"Die Brandung" vier.
"Sechs moderne No-Spiele" drei.
"Der Tempelbrand" zehn.
Guten Morgen. - Guten Morgen!
Das ist unser Autor.
Ich finde, dass er noch ziemlich jung ist. - Ja, finde ich auch.
Die Proben für Ihr Stück laufen sehr gut.
Warten Sie ab, bis der Vorhang... - Seien Sie nicht so pessimistisch.
Sie sind schon ein berühmter Autor. - Bekomme ich ein Autogramm?
Mit Ihrer Attraktivität und Ihrer Kraft...
Aber leider erwähnte man meinen Namen in diesem Land bisher kaum.
"Die Brandung" erschien doch sogar schon in Übersetzungen.
Aber auch nur das. - Wurde es nicht schon in vier Sprachen,
nein, in fünf übersetzt? - Nein, in sechs.
Vielen Dank.
Das ist doch ein Traum für einen so jungen Autor wie Sie.
Nein, ich empfinde es eher als eine Krankheit,
mit der ich in ein Krankenhaus eingeliefert werden müsste.
Das müsste dann wohl ein hervorragendes Krankenhaus sein.
Ja, aber wer mag schon Krankenhausbetten?
Jeden Abend um Mitternacht kehrte ich
an meinen Schreibtisch zurück, um zu arbeiten.
Ich analysiere gründlich,
warum ich mich zu einem speziellen Thema hingezogen fühle.
Ich zerre alles in mein Bewusstsein hinein.
Ich verdichte alles bis zur Abstraktion.
Ich wäge sehr genau ab, bis ich mich ans Schreiben mache.
Nur dann können meine unbewussten Träume die Initiative ergreifen.
Denn du wirst ruhen, auf Fittichen der Nacht,
wie frischer Schnee auf eines Raben Rücken.
Komm, milde, liebevolle Nacht! Komm, gib mir meinen Romeo!
Fang noch mal an. - Komm, Nacht!
Komm, Romeo, du Tag in Nacht.
Denn du wirst ruhen, auf Fittichen der Nacht,
wie frischer Schnee auf eines Raben Rücken.
Sehr gut.
Komm, milde, liebevolle Nacht!
Komm, gib mir meinen Romeo!
Und stirbt er einst, nimm ihn, zerteil in kleine Sterne ihn:
Er wird des Himmels Antlitz so verschönen,
dass alle Welt sich in die Nacht verliebt und
niemand mehr der eitlen Sonne huldigt.
Ich kaufte einen Sitz der Liebe mir,
doch ach besaß ihn nicht. - Pass doch auf.
Ich bin verkauft, doch noch nicht übergeben.
Ach! Der Herr Osami.
Na, wie war's denn heute Nacht so? Mit wem warst du zusammen?
Weiß ich nicht mehr. Und, wie war's bei dir?
Ich glaube, so etwas fragt man seine Mutter nicht.
Außerdem war er so betrunken, dass er kaum noch gehen konnte.
Womit habe ich das verdient, so unglücklich zu sein?
Ich kann die Miete nicht mehr bezahlen.
Die monatlichen Zinsen steigen auch.
Nicht mal zum Doktor kann ich mehr gehen.
Aua! Meine Hüfte tut so weh.
Ich glaube, das wird von Tag zu Tag schlimmer.
Und niemand will mir helfen.
Ich liebe die Art, wie du immer übertreibst.
Das hört sich ja an, als wenn du hier gleich umfallen würdest.
Du siehst aus wie eine Puppe mit zu viel Schminke.
Ich finde, die Rolle der Puffmutter würde am besten zu dir passen.
Sei bloß ruhig.
Du bist überhaupt nicht einfühlsam.
Du weißt gar nicht, wie viel Sorgen ich mir
die ganze Zeit um meine Lieben mache. Und noch was:
Du, Osami, ich habe eine große Bitte an dich:
Hilf deiner Mutter, ja? Und sag bitte nicht Nein.
Triff du dich doch mal mit diesen Kredithaien,
um die Zinszahlung noch ein halbes Jahr hinauszuzögern.
So, ich hab noch was zu tun. - Was denn? Du willst etwas tun?
Du wirst dich wundern.
Im Theater? - Du wirst es demnächst erfahren.
Hast du eine Rolle?
Was meinst du?
Könnte ich Trikothosen tragen?
Natürlich würde dir so was stehen.
Dieser Nagellack geht immer gleich ab.
Verdammt,
das Gesicht alleine reicht nicht.
Es reicht nicht!
Hätte ich bloß den richtigen Körper.
So einen muskulösen Körper.
Wie ein Matador.
Dann entspräche mein Körper auch meinem Gesicht.
Was redest du bloß für einen fürchterlichen Unsinn?
Weißt du was?
Ich fange mit Krafttraining an.
Ja, im Ernst.
Wehe dir, ich will das nicht.
Dann kommst du ja noch besser bei den Frauen an.
Wer war's denn gestern Abend? Sag schon.
Etwa Keiko? Oder Masako?
Gib es zu.
Vielleicht sogar ein neues Mädchen. Gib es doch zu, du sollst es zugeben!
Siehst du, du bist feige. Wo steckt denn bloß der Kerl in dir?
Rede doch nicht so einen Unsinn. Was ist?
Schau her. Ich zeige dir jetzt dein Spiegelbild.
Siehst du, das hier sind deine Haare.
Und das hier ist dein Gesicht.
Und das hier ist deine Brust.
Na, ist das nicht besser, als sich nur alleine im Spiegel zu betrachten?
Mein Leben ist in vielerlei Hinsicht
wie das eines Schauspielers.
Ich trage eine Maske, ich spiele eine Rolle.
Wenn er in den Spiegel blickt, sieht der Homosexuelle,
genau wie der Schauspieler, das, was er am meisten fürchtet:
den Verfall des Körpers.
Was für einen kümmerlichen Körper du hast.
Man findet ja überhaupt keinen Halt.
Ja?
Ach, du bist es.
Warum bist du so plötzlich gegangen?
Habe ich etwas Komisches gesagt?
Nein, nichts Besonderes. - Das ist keine Erklärung für mich.
Ich bin schon in der Nähe des Hauses.
Ach so.
Also dann, in 15 Minuten.
Bitte.
Sag es mir.
Du hast, und ich auch, einen ausgeprägten Sinn für Schönheit.
Wenn du dich vor den Spiegel stellst,
so siehst du die Schönheit deutlich zum Ausdruck kommen.
Wohingegen,
wenn ich es wäre, ich kann mich selber kaum ertragen.
Und deshalb mach so etwas nie wieder mit mir.
Als sich das Schiff Hawaii näherte,
hatte ich das Gefühl, aus einer Höhle hervorgekommen zu sein.
Ich begrüßte die Sonne.
Ich hatte immer unter einer ungeheuren Sensibilität gelitten.
Was mir fehlte, war Gesundheit,
ein gesunder Körper, körperliche Präsenz.
Worte hatten mich von meinem Körper getrennt.
Die Sonne versöhnte uns wieder.
Griechenland heilte meinen Selbsthass und
erweckte den Willen zur Gesundheit.
Ich sah, dass Schönheit und Ethik ein und dasselbe war.
Ein schönes Kunstwerk zu schaffen und
selbst schön zu werden ist identisch.
Ich erwarb körperliche Gesundheit,
nachdem ich erwachsen wurde.
Solche Menschen sind anders als diejenigen,
die gesund geboren werden. Sie meinen, das Recht zu haben,
banalen Belangen gegenüber unsensibel zu sein.
Der Verlust des Selbst durch Sex gibt uns wenig Befriedigung.
Achtung, eine Durchsage:
Der Zug nach Tokio Hauptbahnhof auf Gleis 4 fährt in Kürze ab.
Bitte einsteigen, die Türen schließen.
Vorsicht bei der Abfahrt des Zuges.
Hallo Natsuo.
Hier!
Mensch, Osami, wie geht's denn? Wo hast du dich herumgetrieben?
Ach, ich hab mit dem Krafttraining begonnen.
Aha.
Und wie sieht's bei dir aus? Malst du immer noch deine Bilder?
Natürlich.
Ist das Herr Natsuo Yamagata? Der mit der Landschaftsmalerei?
Ja.
Ich habe neulich einige Ihrer Bilder gesehen.
Freut mich.
Ich bin ja schon froh,
dass Sie wenigstens keine menschlichen Körper malen.
Er sagt es bestimmt nicht mit böser Absicht.
Wir haben uns nämlich bis eben über
die klassische Bildhauerei unterhalten.
Und da sind wir einfach verschiedener Meinung.
Ach, und inwiefern?
Ja, ich meine, sei es nun Michelangelo oder sei es Rodin,
letzten Endes wird einfach ein Stein genommen und
ein lebloser menschlicher Körper daraus gemacht.
So etwas ist überhaupt nicht
mit dem wirklichen, lebenden Körper vergleichbar.
Kurz gesagt: Wir brauchen eigentliche keine Künstler.
Gut, nehmen wir mal an, dass Sie mit Ihrer Behauptung recht haben.
Nehmen wir an, dass Sie ihr lebendiges Kunstwerk, der Körper,
sich durch lange, schweißtreibende Bemühungen entwickelt.
Dieser Körper wird aber durch das Altern zerstört, was dann?
Wo bleibt dann die Schönheit?
Sie selbst müssen dann Leiden unter dem natürlichen Alterungsprozess.
Am besten sollten Sie dann sterben,
wenn Sie am schönsten sind, denn alt werden auch Sie.
Hoffentlich habe ich Sie nicht zu lange warten lassen.
Bitte schön.
Wo bist du denn so lange gewesen?
Du hattest mir versprochen, mit mir ins Theater zu gehen.
Sag bloß, du willst schon wieder Geld?
Aber nein,
fällt dir nichts an mir auf?
Ach so, du meinst dein Hemd. Schrecklich, diese Farbe.
Und du sagst mir, dass mein Geschmack unmöglich sei.
Das mein ich doch gar nicht, hier!
Hier, mein Bizeps hat schon fünf Zentimeter zugenommen.
Ich trainiere jetzt regelmäßig meinen Körper.
Was machst du?
Neulich wurde mir schon gesagt,
mein Hintern sehe jetzt so richtig geheimnisvoll aus.
Er hätte direkt etwas Obszönes.
Hier, willst du mal fühlen?
Tatsächlich.
Herzlich Willkommen.
Ich will essen. Hier, nimm!
Hier gibt es aber nichts zu essen.
Dann geh raus und hol was für uns.
Du hast doch wohl noch nicht vergessen,
dass ich der Ladenbesitzer bin, solange du hier Schulden hast.
Nun wird's bald?
Sie haben noch nicht bezahlt!
Herzlich willkommen.
Ich bin mit einer Dame verabredet. - Ja, hier bitte.
Dieses Zimmer. - Danke.
Bitte kommen Sie.
Ich möchte mich bei Ihnen für die gestrigen Vorkommnisse
wirklich entschuldigen.
Ich habe diesen Kerl natürlich sofort feuern lassen.
Aber die Schulden häufen sich,
auch wenn sich Ihre Mutter noch so anstrengt, es klappt nicht.
Es scheint so, dass ich demnächst das Café übernehmen muss.
In diesem Beruf habe ich es öfter erlebt,
dass meine Kunden sich in solchen Situationen das Leben nehmen.
Was wollen Sie?
Ich habe es doch gleich gewusst.
Wir beide sind uns sehr ähnlich.
Vor allem in unserem Schattendasein.
Wir sind extrem eingebildet.
Wir langweilen uns,
wir spielen gern, wie kleine Kinder.
Wir ähneln uns.
Ich glaube fast,
wir kommen gut miteinander aus.
Spielen Sie mir nicht vor, dass wir uns verstehen.
Ich habe solche Männer gründlich satt.
Ja, ich bin auch nicht unbedingt ein Frauenliebhaber.
Immer, wenn ich mich in Frauen verliebte,
spürte ich in mir nur noch eine große Leere.
Das macht alles umso leichter.
Sagen Sie,
was wollen Sie?
Dies ist der Darlehensvertrag Ihrer Mutter über 1,5 Millionen Yen.
Schreiben Sie einen Vertrag aus.
Wenn Sie diesen geschrieben und unterzeichnet haben,
werde ich den Darlehensvertrag mit Ihrer Mutter zerreißen.
"Hiermit bestätige ich, dass ich mein Leben und
meinen Körper Frau Kiyomi Akita überschreibe."
Ich habe mich entschlossen, Ihren Körper zu kaufen.
Es ist nur eine kleine Schnittwunde.
Aber warum?
Weil deine Haut so unheimlich schön ist.
Ich sah sie immer nur an und dann musste ich es tun.
Irgendwie fühle ich mich wohl.
Weißt du,
es ist mir soeben klar geworden,
dass ich endlich die Frau gefunden habe,
nach der ich mich lange sehnte.
Jetzt brauche ich nicht mehr ständig in einen Spiegel zu schauen.
Ich spüre es, dass ich jetzt erst anfange, zu existieren.
Dass ich beginne, zu fühlen.
Sag mir, würdest du mich überallhin begleiten?
Bis in den Tod?
Ich werde dich beim Sterben beobachten.
Wie du dich in deinem Blut wälzt, bis du tot bist.
Und ich nehme mir danach das Leben,
indem ich mich vergifte.
Bitte,
und wenn die Sache schiefgeht,
versprich mir, mich nicht zu küssen.
Bis ich wirklich tot bin.
Blende 5/6 und die Belichtung 1/250.
Die Kamera weiter nach rechts.
Gut.
Ein Schriftsteller ist der Voyeur par excellence.
Es kam so weit, dass ich diese Rolle verabscheute.
Ich trachtete danach, nicht nur der Sehende,
sondern auch der Gesehene zu sein.
Männer tragen Masken, um sich schön zu machen.
Doch anders als bei einer Frau, ist das Streben, schön zu werden,
immer auch die Sehnsucht nach dem Tode.
Gehst du in letzter Zeit nicht mehr zum Krafttraining?
Nein, brauche ich nicht mehr.
Sehr gut, was aus deinem Körper geworden ist.
Alle schauen schon neidisch.
Sie glauben bestimmt nicht, dass wir Mutter und Sohn sind.
Dann lass sie doch dabei.
Geben Sie mir zwei.
Ja, das macht 200 Yen, bitte.
Hier. - Ich danke Ihnen.
Es ist ein schönes Gefühl,
endlich von den Schulden befreit zu sein.
Das alles habe ich dir zu verdanken.
Und auch Frau Akita muss ich dankbar sein.
Was ist? Geht es mit ihr in letzter Zeit nicht mehr so gut?
Doch,
ich habe mich entschlossen, bei ihr zu bleiben.
Liebst du sie?
Aber nein.
Geh trotzdem bitte sorgfältig mit ihr um.
Sie ist anders als deine bisherigen Damen.
Ja.
Ich bitte dich.
Hab so lange Geduld, bis meine Schulden bei ihr bezahlt sind, ja?
Mach dir um das Geld keine Sorgen.
Ich habe eine gute Rolle.
Ehrlich?
Was denn für eine?
Du wirst es demnächst erfahren.
Du siehst aus wie ein verletzter Matador.
So wie ich aussehe, kann ich nicht zum Krafttraining gehen.
Auch das Theater Interessiert mich nicht mehr.
Sie führen ja sowieso immer nur die gleichen
Diskussionen über die Wunden der Seele.
Über ihre Kunst, wie sie das immer nennen.
Die sollten sich lieber deine Wunden einmal ansehen.
Diese Leute vom Theater.
Die tun mir bloß noch leid.
Die wissen noch nicht einmal, ob Sie überhaupt noch existieren.
Das Blut im Theater ist auch nichts wert, gar nichts.
Es muss richtiges Blut sein.
Handeln
♪ Wenn man sich entscheiden muss
zwischen Pflicht und Gefühl,
dann überwiegt die Pflicht.
Das ist die Welt des Mannes.
So entscheidet sich ein Samurai.
Denn Buddha...
durchschaut meine Seele... ♪
Da! Da ist es.
Wir haben noch etwas Zeit. Lasst uns noch eine Runde fahren.
Was ist, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert?
Befolgt ganz einfach nur den Plan.
Unter dem Sturmgott Erschienen 1969
Und, willst du es wirklich tun?
Jawohl. - Im Ernst?
Natürlich. - Aber...
Ich hab mich entschieden.
Das Gesicht des Kaisers zeigt Verzweiflung.
Japan ist dabei, seine Seele zu verlieren.
Aber warum gerade du?
Ich betrachte es als meine Aufgabe. - Iinuma!
Ich höre, dass du am nächsten Wettkampf nicht mehr teilnimmst?
Ja, es interessiert mich nicht. - Wieso?
Meinst du, du bist den Gegnern zu überlegen?
Nein, das nicht.
Mir reichen die Bambusschwerter nicht aus.
So kann ich keine richtige Kraft entfalten. - Was?
Willst du etwa mit richtigen Schwertern umgehen? - So ist es.
Heißt das, dass du unsere Schule im Stich lassen willst?
Obwohl du weißt, dass Sie ohne dich verlieren wird.
Dir reicht es wohl, wenn du zufrieden bist!
Wenn es so ist, geh!
Und denke gewissenhaft darüber nach.
Ja.
Herein.
Sie haben mich gerufen, Leutnant Hori.
Ich höre, du hast den dritten Rang im Kendo.
Du kannst dir vorstellen, dass wir viel von dir erwarten. - Ja.
Hast du dieses hier geschrieben? - Ja.
Wie viele seid ihr? - Wir sind 20.
Setz dich!
Also, was ist? Rede!
Jawohl.
Mit einem Schlag werden wir die Führer
der Wirtschaftswelt ausschalten und die Bank von Japan anzünden.
In der Morgendämmerung werden wir den Belagerungszustand verhängen und
dem Kaiser seine Souveränität zurückgeben.
Und was soll aus euch werden?
Wir werden an den Klippen stehen, das glänzende Meer überblicken und
bei Sonnenaufgang Selbstmord begehen - so ist der Plan.
Wir werden Sie niemals damit behelligen, Herr Leutnant.
Und wen wollt ihr töten?
Wenn wir zehn Leute töten können:
Marquis Nagasaki, Baron Shinkawa, Graf Matsu Taira.
Und wenn nur fünf?
Premier Saito.
Und wenn nur einen?
Bejike Kurahara.
Schon, wenn er alleine verschwindet, wird es besser in Japan.
Und was verlangt ihr dabei von mir?
Ein Flugzeug zum Abwerfen von Flugblättern.
Außerdem eine Kiste Dynamit,
damit wir das Elektrizitätswerk sprengen können. - Habt ihr Waffen?
Wir werden es nur mit Schwertern ausführen.
In die Enge getrieben sind Schwerter am besten,
das wissen Sie doch auch.
Aber könnt ihr Studenten denn
überhaupt noch mit Schwertern umgehen?
Worte sind Betrug.
Um die Realität zu verändern, muss der Schriftsteller betrügen.
Eine Handlung aber ist niemals trügerisch.
Die Einheit von Federhalter und Schwert -
dieses Samurai-Motto war einst Weltanschauung.
Jetzt ist es in Vergessenheit geraten.
Können Kunst und Handeln immer noch miteinander verschmolzen werden?
Diese Harmonie kann nur in einem kurzen Aufflackern,
in einem einzigen Moment erreicht werden.
Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes
in der Bronzezeit betrug 18, im Zeitalter der Römer 22 Jahre.
Im Himmel muss es damals wunderschön gewesen sein,
heute muss es dort schrecklich aussehen.
Wenn ein Mann die 40 erreicht hat,
hat er keine Chance mehr, in Schönheit zu sterben.
Wie sehr er sich auch bemüht, er wird durch Verfall sterben.
Er muss sich zum Leben zwingen.
Ist etwas Besonderes? - Ihr müsst den Plan stoppen.
Weiß jemand davon? - Nein, aber es ist zu riskant.
Es geht nicht. Sie versetzten mich ohne jeden Grund in die Mandschurei.
Ohne mich geht es nicht.
Ja, aber können Sie noch das Flugzeug für uns besorgen?
Nein, es hat keinen Sinn. Stoppt sofort den Plan.
Aber warum nur?
Ich möchte euer wichtiges Leben nicht aufs Spiel setzen.
Auf gar keinen Fall.
Fürchte nicht den Tod des Körpers, sondern den Verfall der Seele.
Ich schätze diese Einstellung sehr, aber...
Aber versprich mir, den Plan nicht auszuführen.
Noch was:
Mein Name darf auf gar keinen Fall erwähnt werden. Ist das klar?
Das Flugzeug und das Dynamit können wir nicht mehr bekommen.
Das Militär hat die Beziehungen zu uns abgebrochen.
Die Soldaten sind jetzt nur noch die Sklaven des Kapitalismus.
Und deshalb ist unser Zusammentreffen zwecklos geworden.
Versteht ihr mich?
Wir haben keine Ziele mehr vor Augen.
Es gibt nichts mehr, was ihr jetzt noch für mich tun könntet.
Deshalb, geht nach Hause.
Und ihr?
Ist euch denn noch nicht klar geworden,
dass der Plan für immer beendet ist?
Wir haben doch gar keine Hoffnung mehr.
Wir wissen das.
Ja und? Wollt ihr wirklich euer Leben aufs Spiel setzen?
Ohne jegliche Hoffnung und Erwartung?
Es kann doch so zu nichts führen. - Jawohl!
Wir schwören, unsere Seele zu reinigen und
uns zum Schutze des japanischen Volkes nicht
von bösen Geistern und Dämonen verleiten zu lassen.
Wir schwören, unser Vaterland gemeinsam von
kapitalistischen Feinden zu säubern.
Wir schwören, dass wir in unserem sicheren Tod das Fundament
der Erneuerung des Kaiserreichs legen werden.
Unser Gelübde: Wir schwören, der Grundstein für die Erneuerung des
heiligen japanischen Kaiserreiches zu sein. - Gut.
Lasst uns jetzt alle unterzeichnen.
Es ist zwar nur ein Papier,
das beim schwächsten Wind wegfliegen könnte,
aber das, was wir heute mit Entschlossenheit beschworen haben,
wird leben in Ewigkeit.
Sieht wohl schmerzhaft aus? - Ja.
Den Pinsel.
Fertig.
Wenn die Unterzeichnung beendet ist, feiern wir die Gründung
unserer Gemeinschaft und stoßen alle darauf an. - Jawohl.
Ich hoffe, dass keiner von uns an einer ansteckenden Krankheit leidet,
oder?
Rechts drehen!
Marsch!
Wir grüßen den Kommandeur!
Sag mal... - Ja?
Durftest du eigentlich das Dach des Nationaltheaters benutzen?
Ich fürchte, das wird Konsequenzen haben.
Was bedeutet eigentlich diese Privatarmee,
die du dir aufgestellt hast?
Oben auf dem Dach unter der hellen Sonne des Tages zu handeln und
gleichzeitig im dunklen Theaterraum Kunst zu schaffen.
Ich sag dir, das ist vollkommen.
Wer außer mir wäre dazu heute noch imstande?
Natürlich gab es Lord Byron und dessen Miliz in Griechenland.
300 Soldaten! - Ist das wirklich dein Ernst?
Denke bitte noch mal darüber nach. Wenn es schiefgeht,
wirst du vor der Presse sicherlich wieder lächerlich gemacht.
Na und? Es ist eben immer das Gleiche.
Auch wenn ich mir auf der Bühne die größte Mühe geben würde,
um sie zum Weinen zu bringen, sie würden ja doch bloß laut lachen.
Ich weiß sehr wohl, dass es Leute gibt,
die meine Truppe lediglich als Spielerei betrachten.
Sie irren, denn es ist unser Ziel,
die Seele des echten Mannes wieder zum Leben zu erwecken -
ganz in der edlen Tradition der Samurai.
Und ich befürworte, ganz persönlich,
als Dichter die Eleganz unserer Sprache und
die Tradition des Kaiserpalastes.
Und ich werde unaufhörlich nach der Vereinigung
dieser beiden traditionellen Kräfte suchen,
die mir für unser Land so wesentlich erscheinen.
Vielen Dank.
Ich möchte aufgrund der Anwesenheit so vieler ausländischer Gäste doch
lieber versuchen, den Rest meiner Rede auf Englisch zu halten.
Vielleicht erscheint es Ihnen zu aufdringlich,
aber ich bin der englischen Sprache noch nicht so mächtig.
Ich bitte Sie hierfür um Verständnis.
Die Schutzschild-Gemeinschaft begrüßt Sie voller Stolz
zu unserem ersten Jahrestag,
um Ihnen unsere neuen Uniformen zu präsentieren.
Wir sind eine Reservearmee,
eine Armee der Schutzschilde
zum Schutz seiner Majestät, des Kaisers.
Wir sind eine spirituelle Armee,
die sich der Reinheit verpflichtet hat.
Wir kämpfen gegen die Korrumpierung
und Modernisierung des japanischen Geistes,
sowohl von der Rechten als auch der Linken.
Einen Monat nachdem die radikale Linke
die Universität von Tokio besetzt hatte,
forderten sie mich dazu auf, eine Rede zu halten.
Die Polizei gab zu bedenken,
dass Sie für meine Sicherheit nicht garantieren könne.
Einen Augenblick lang hatte ich das Gefühl, das Reich zu betreten,
in dem Kunst und Handeln zusammenlaufen.
Einen Augenblick lang hatte ich das Gefühl, zu leben.
Erzählen Sie uns doch hier keinen Unsinn.
Was sie da sagen, ist nicht nur falsch, es ist auch unlogisch.
Ich denke ja gar nicht daran, hier logisch vorzugehen.
Wenn es schon so weit gekommen ist, zählt nur noch Konsequenz und Stolz.
Es bedeutet aber noch lange nicht,
dass ich gegen euch im logischen Sinne verloren habe.
Wenn ihr wie ich unvoreingenommen über den Tenno denkt,
bin ich bereit, mit euch zusammenzuarbeiten.
Das müsste doch mit Studenten möglich sein.
Hau doch ab zu deinem Kaiser, hau ab!
Lasst ihn doch mal ausreden!
Nehmt ihm das Mikrofon weg!
Ich denke, wir wollen doch alle Japan verbessern.
Aber nicht so, wie du dir das vorstellst.
Nun red doch schon weiter!
Unterscheiden wir uns denn so sehr in unseren Zielvorstellungen?
Jeder von uns kann hier ernsthafte Änderungsvorschläge einbringen.
Und jede Seite hat da sicher ihre eigene Taktik.
Eure Einstellung, dies nur als Spiel anzusehen, ist absolut unsinnig.
Hört doch mal zu.
Hört zu!
Ruhe!
Ihr werdet es nicht glauben, aber ich besitze etwas Einmaliges.
Ja, was denn wohl? Der Tenno als Joker.
Schmeißt ihn doch endlich raus! Schluss mit dem Unsinn!
Hey, ich denke du willst Schriftsteller sein.
Dann erzähl doch nicht so einen Mist!
Als ich um Mitternacht alleine an meinem Schreibtisch saß,
wie es seit 20 Jahren jede Nacht der Fall gewesen war,
fühlte ich mich leer.
Dann kamen wieder die Worte,
mühelos, drängend.
Und wieder begann die Probe.
Geplant ist Freitagnacht um zehn.
Seid aber trotzdem darauf vorbereitet,
auch zu jedem anderen Zeitpunkt zuschlagen zu können.
Alles klar?
Hat irgendjemand einen Einwand?
Zum Beispiel aus persönlichen Interessen?
Wie können wir noch persönliche Wünsche haben,
wenn wir fest entschlossen sind, zu sterben?
Dann ist ja alles klar.
Also, wer hat den Plan von Kuraharas Haus?
Kann das Irikawa sein?
Ja, ich bin es.
So, setz dich.
Na, hast du keinen Hunger? - Nein.
Soll ich dir nicht doch etwas bestellen? - Nein, nicht nötig.
Gibt es außer dir noch Mittäter? - Gibt es nicht.
Ich habe gehört, dass du den dritten Rang im Kendo haben sollst.
Wirklich bedauerlich.
Du hättest weiter fechten sollen, anstatt so einen Blödsinn zu machen.
Dann würden wir beide jetzt freundschaftlich miteinander kämpfen.
Trainieren die anderen immer noch?
Jetzt hör mal zu.
Ihr seid doch noch jung und rein im Herzen.
Ihr müsstet nur eure Emotionen ein wenig unterdrücken.
Nein, wenn wir die Gefühle unterdrücken würden,
wären unsere Herzen auch nicht mehr rein.
So eine Reinheit ist für mich unvorstellbar.
Die gibt es nicht. - Aber ja.
In Reinheit zu leben bedeutet, mit nur einem Blutspritzer
die Zeile eines Gedichts zu schreiben.
Nun beruhige dich mal.
Das Leben für die Dichtung aufs Spiel zu setzen ist leichtsinnig.
Selbst seine Majestät, unser Kaiser,
betrachtet das Leben als etwas Unersetzbares.
Deine Idee ist nicht schlecht,
aber ich finde, du solltest erst mal dein Vorgehen in Ruhe durchdenken.
Sie nehmen mich nicht ernst.
Lassen Sie mich diesen Plan mit Entschlossenheit durchführen.
Und wenn Sie das nicht können,
dann lassen Sie mich foltern wie die anderen.
Foltern nützt doch nichts.
Foltern Sie mich. Na, los. - Warum?
Wir foltern nur Personen, die nicht reden.
Deshalb sehe ich keinen Grund, warum wir dich foltern sollten.
Du wirst ja reden.
Kurahara!
Wer bist du? - Jetzt wirst du bestraft.
Stopp mal. - Stopp! Kamera, stopp!
Was ist los? - Ich weiß es auch nicht,
die Letzte ist abgebrochen. Nicht kopieren.
Hör mal. - Ja?
Ich muss dich was fragen. Bist du mit dem bisherigen Ablauf zufrieden?
Ja, sehr gut. - Bist du sicher?
Ich bin diesmal Regisseur und Schauspieler, sag die Wahrheit.
Ja, es war wirklich gut. - Na gut.
Der Hintergrund müsste noch etwas mehr im Schatten liegen.
Die Premiere soll in Paris sein und
die Franzosen lieben bekanntlich viel Schatten.
Achtung!
Aufnahme!
Warum gibt es in Ihrem Film
dieses Mal überhaupt keinen Dialog?
Oh, oh. Das ist aber eine überraschende Frage.
Sie schreiben doch sonst immer, dass ich zu viele Dialoge benutze,
deshalb wollte ich Ihnen einen ganz persönlichen Gefallen tun.
Bitte.
Entspricht dieser Film Ihrer persönlichen politischen Auffassung?
Nein, das kann man so nicht sagen.
Wer ist eigentlich Ihr Lieblingsautor? - Thomas Mann.
Was ist eine für Sie typische Angewohnheit?
Lachen, ohne jeden Grund.
Welche Person möchten Sie am liebsten sein?
Hierherschauen, bitte.
Welche Person ich am liebsten sein möchte? Elvis Presley.
Und was sehen Sie als sehr wichtig für Sie selbst?
Sie arbeiten jetzt als Regisseur und Schauspieler.
Hören Sie auf, Romane zu schreiben? - Nein, leider ist das keinesfalls so.
Meine Hand bewegt sich nämlich von ganz allein.
Heute wieder eine Zeile, noch eine Zeile,
dann die nächste Zeile...
und wieder eine Zeile...
Und wieder eine Zeile!
Harmonie von Feder und Schwert
Ihr verhaltet euch wie geplant.
Aber, wenn das nicht geht? - Dann schaut ihr mir einfach zu.
Und wenn etwas dazwischenkommen sollte, gebe ich euch ein Zeichen.
Jetzt sind Ruhe und Gelassenheit gefragt.
Jetzt!
Wohin? - Zu einem Besuch bei General Mashita.
Wann sind Sie mit ihm verabredet?
Um elf Uhr.
Ach, Oberst Mishima. Warten Sie einen Augenblick.
Hat Oberst Mishima sich für elf Uhr telefonisch angemeldet?
Gut.
Bitte.
Wenn ich im morgendlichen Nebel
mit den Mitgliedern der Gemeinschaft der Schutzschilde lief,
spürte ich, wie etwas in mir ausbrach.
So allmählich wie mein Schweiß.
Die endgültige, entscheidende Verifizierung meiner Existenz.
Unseren Mitgliedern war es gestattet,
in den Anlagen der regulären Armee zu trainieren.
Ich flog als Kampfflieger.
Diese Privilegien wurden uns aufgrund
der symbolischen Bedeutung unserer Gemeinschaft bewilligt.
Sogar in ihrem augenblicklich geschwächten Zustand
verkörperte die Armee den uralten Kodex der Samurai.
Hier, auf der Bühne japanischer Tradition,
wollte ich meine Handlung ausführen.
Seht euch den an.
Der glaubt wohl tatsächlich, dass er schneller essen kann,
als ich alter Mann.
Also Wettessen.
Eins, zwei, drei, vier...
fünf, sechs, sieben, acht.
Der Berg Fuji ist nicht zu sehen.
Morita, was hältst du von den beiden?
Du kannst dich auf sie verlassen.
Bist du auch ganz sicher?
Ja.
Nachdem ich mich entschlossen hatte, zögerte ich auch nicht mehr.
Wer weiß, was andere davon halten werden.
Es wird keine Proben mehr geben.
Der General erwartet Sie. Bitte.
Hauptquartier? Jawohl, Herr Major, ich verbinde Sie.
Herr General, Oberst Mishima ist jetzt da.
Bitte.
Bitte, kommen Sie. - Danke.
Herr General, es ist lange her. - Ja. Fast schon zu lange.
Ich habe meine Kadetten mitgebracht.
Ich hoffe, dass ich Sie damit nicht zu sehr belästige.
Aber nein, sie sollen reinkommen. - Ich danke Ihnen.
Kommt rein.
Bitte, nehmen Sie doch Platz.
Im November fand eine Geländeübung in den Bergen statt.
Während dieser Übung gab es Verletzte.
Dank der hervorragenden Einsatz- bereitschaft dieser vier Männer
konnten sie sicher abtransportiert werden. - Respekt, meine Herren.
Das ist auch der Grund, weshalb ich sie Ihnen vorstellen wollte,
bevor sie heute bei unserer regelmäßigen
Versammlung ausgezeichnet werden.
Und deshalb sind wir auch alle in Uniform erschienen.
Ich verstehe. Also, nehmen Sie Platz.
Ich sehe, Sie tragen ganz neue Uniformen.
Sie gefallen mir wirklich sehr.
Haben Sie die selbst entworfen?
Ja, der Schneider von Charles de Gaulle hat mir ein wenig geholfen.
Ist das Schwert echt?
Ja.
Und Sie haben keine Probleme,
wenn die Polizei Sie mit dem Schwert sieht?
Nein, dieses Schwert ist schriftlich genehmigt.
Es ist die Nachbildung des berühmten Seki-no-Magoroku.
Wollen Sie es sich anschauen? - Ja natürlich, sehr gerne.
Bitte.
Das ist ja ein hervorragendes Schwert.
Und sogar der klassische Wellenschliff.
Sie kennen sich gut aus.
Großartig.
Vielleicht eine Spur zu viel Öl.
Ein Tuch. - Nein, lassen Sie nur.
Ja, in der Tat, ein wahres Meisterwerk.
Das Tuch!
Herr Mishima! Hören Sie doch mit dem Unsinn auf!
Beeilt euch. - Keine Sorge.
Sie werden noch gut durchatmen können.
Gut.
Auch die Beine.
Macht schon, macht schon.
Los, beeilt euch.
Verbarrikadiert alle Türen. Schnell!
Jawohl.
Gut. Die Stirnbänder.
Löst ihm den Knebel.
Was habt ihr eigentlich vor?
Wollt ihr die Erfolge eurer Übungen präsentieren? Das geht zu weit.
Wir haben uns doch hier immer gut verstanden.
Die Tür ist verriegelt.
Lassen Sie die gesamte Mannschaft vor dem Hauptgebäude antreten.
Sie sollen sich alle meine Rede anhören.
Ist das Ihr Ernst?
Sind Sie verrückt geworden?
Genau 30 Minuten nach Beendigung meiner Rede
legen wir unsere Waffen nieder. - Jetzt ist Schluss mit dem Unfug.
Wenn ich den Inhalt dieser Rede nicht kenne,
kann ich es auch nicht zulassen. - Wenn Sie uns daran hindern,
dann töten wir Sie und begehen Selbstmord.
Ihr seid ja wahnsinnig.
Was versprecht ihr euch denn von eurer Aktion?
Die Garnison soll antreten!
Das hier sind meine Forderungen.
Erstens: Die gesamte Mannschaft der Ichigaya-Kaserne hat
bis elf Uhr vor dem Hauptgebäude anzutreten.
Das gilt für alle Dienstgrade ohne jede Ausnahme.
Zweitens: Sie haben meiner Rede in Ruhe zuzuhören.
Drittens... - Macht die Tür auf!
Bleibt draußen, ich warne euch!
Alle festnehmen!
Die Waffen weg! - Ergebt euch!
Los!
Raus! - Los, verschwindet, haut ab!
Die Tür zu!
Das schaffen wir so nicht da rein.
Informieren Sie dem Offizier vom Dienst, was hier passiert.
Jawohl, sofort.
Wer ist der Verantwortliche? Ich will mit Ihm sprechen.
Ich bin der Stellvertreter des Generals.
Zeigt uns den General. - Habt ihr meine Forderung gelesen?
Keiner von uns weiß, was die da drin genau wollen.
Ich garantiere euch die Sicherheit des Generals.
Lassen Sie sich auf nichts ein.
Lasst uns reden. - Da gibt es nichts zu reden.
Warum wollen Sie mit denen noch verhandeln?
Erstens: Lassen Sie die gesamte Mannschaft der
Ichigaya-Kaserne bis 11:30 Uhr vor dem Hauptgebäude antreten.
Zweitens: Die Rede von Oberst Mishima wird nicht unterbrochen.
Drittens: Es findet während der Rede keinerlei militärische Aktion statt.
Viertens... - Das habe ich verstanden.
Es ist aber schon nach 11:30 Uhr.
Bis wie viel Uhr soll ich versammeln lassen?
Jetzt sofort.
Geben Sie sofort Alarm.
Jawohl! Alarm!
Alles antreten.
Alarm!
Beeilung! Vor dem Hauptgebäude antreten!
Beeilung. Los, los! Alles antreten!
Bewegt euch ein bisschen.
Kompanieweise antreten!
Na, wird's bald. Beeilung, schneller! Beeilung, Leute!
Polizei und Presse sind auch schon da.
Unser kleines Drama scheint viele anzulocken.
Langsam nähern wir uns dem Höhepunkt. - Ja.
Also dann, auf zum letzten Akt.
Hört mir zu, Soldaten!
Ich bedaure es sehr, euch unter diesen Umständen gegenüberzutreten.
Ich bin heute zu euch gekommen,
voller Trauer, aber auch voller berechtigter Entrüstung.
Denn bis jetzt war ich felsenfest davon überzeugt,
dass nur ihr allein, nämlich die Armee,
die Seele und den Geist Japans repräsentiert.
Das heutige Japan ist durch den Wohlstand,
durch Geld und Korruption verdorben.
Die Seele ist tot,
versteht ihr das nicht? - Hör doch auf, zu schreien.
Was wollen Sie von uns?
Ich war fest überzeugt, dass nur die Armee diesen Geist verspürt.
Wo ist der Geist der Samurais geblieben?
Was soll aus euch werden und was wird aus diesem Land?
Und was wird sein, wenn dieser Geist nicht mehr existiert?
Die heutige Politik Japans ist allein durch die verfehlte...
...Gewaltherrschaft der Kapitalisten charakterisiert.
Hört mir zu. Hört zu!
Seid ruhig! Hört mir zu!
Hört mir zu!
In körperlichen Handlungen hatte ich niemals
die kühle und klare Befriedigung von Worten entdeckt.
Niemals hatte ich das heiße Dunkel von Handlung in Worten erfahren.
Irgendwo muss es ein höheres Gesetz geben,
das Kunst und Handeln in Einklang bringt.
Dieses Gesetz, so fiel mir ein, war der Tod.
Die letzte äußerste Atmosphäre,
in der es keinen Sauerstoff gibt, ist umgeben vom Tode.
Um in dieser Atmosphäre zu überleben,
muss der Mensch - wie ein Schauspieler - eine Maske tragen.
In einer Höhe von 45.000 Fuß gleitet der silberne Phallus
des Flugzeugrumpfes im klaren, gleißenden Sonnenlicht dahin.
Mein Geist war ausgeglichen.
Meine Gedanken lebhaft.
Keine Bewegung, kein Geräusch, keine Erinnerungen.
Die geschlossene Kanzel und der äußere Raum
waren wie Geist und Körper desselben Wesens.
Und diese Stille war von einer Schönheit,
die Worte nicht beschreiben können.
Nicht mehr Körper oder Geist, Federhalter oder Schwert,
Mann oder Frau.
Dann erblickte ich einen riesigen Kreis,
der sich um die Erde schloss.
Ein Ring, der sämtliche Polaritäten aufhob.
Ein Ring, unermesslicher als der Tod.
Wohlriechender als jeder Duft, den ich je gekannt hatte.
Dies war der Augenblick, nach dem ich immer getrachtet hatte.
...vier Jahre gewartet.
Ein Mann steht zu euch und will euch überzeugen und
ihr schreit nur herum. Hört zu, hört doch zu!
Die letzte halbe Stunde hat begonnen.
Seid ihr denn noch Krieger?
Seid ihr noch Samurais? Richtige Samurais?
Was bedeutet das für euch?
Das Schwert der Samurais, die Tradition der Samurais,
die in uns ruht.
Hört zu, hört doch zu.
Hört endlich zu!
Gibt es denn keinen unter euch, keinen Einzigen?
Wirklich keinen?
Nicht einen Einzigen?
Keinen?
Keinen?
Die Wahrheit ist also, dass ich keinem von euch mehr vertrauen kann.
Und meinen Traum, mit euch denselben Weg zu gehen,
kann ich vergessen.
Ich habe alles verloren.
Dann werde ich den Kaiser alleine verehren.
Lang lebe der Kaiser!
Lang lebe der Kaiser!
Lange lebe der Kaiser!
Sie haben mir nicht zugehört.
Herr Mishima, hören Sie auf. Es hat keinen Sinn, so etwas zu tun.
Es gibt keine andere Wahl, General.
Ich möchte nicht, dass die denken, ich übernehme deren Verantwortung.
Aufhören!
Hören Sie auf.
In dem Augenblick, als die Klinge sein Fleisch aufriss,
stieg das strahlende Rund der Sonne hinter seinen Lidern auf und
explodierte und erhellte den Himmel für den Bruchteil einer Sekunde.
Untertitel: OMNIMAGO GmbH 2020
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