All language subtitles for Hotel Sacher - Das Sacher - 2016 - EP I (av 2) - HD 1920x1080p

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Original subtitles

(Erzählstimme Portier) Die erzählte Geschichte beginnt im Jahre 1892.

An einem, ja, auf den ersten Blick ganz gewöhnlichen Abend.

Im Hotel und der Patisserie lief alles wie am Schnürchen.

Aber es war kein Abend wie jeder andere.

Sehr gut!

Unser Patron lag im Sterben.

Wir alle haben uns große Sorgen um die Zukunft unseres Hauses gemacht.

Hallo? Hotel Sacher.

Wagner! Ich bin jetzt dann bei meinem Mann.

Kümmern Sie sich um die Gäste drinnen.

Selbstverständlich haben wir geöffnet!

Brauchst dir keine Sorgen machen, Eduard.

Im Hotel geht sich alles aus.

Vater lässt sich entschuldigen - irgendeine unaufschiebbare Sache.

Ach?

Guten Abend! Durchlaucht, Durchlaucht.

Mayr, wie geht's dem Patron?

Es steht leider schlecht.

(Erzählstimme Portier) Diskretion: oberstes Gebot eines Portiers.

Nie dürfen Gäste mit schlechten Nachrichten behelligt werden.

Am allerwenigsten solche, die uns zum ersten Mal beehren.

Wie dieses junge Ehepaar aus Berlin.

(Mann) Tach! Aderhold.

Aus Berlin? Herzlich willkommen in Wien.

(Erzählerstimme) Diese Begegnung sollte ungeahnte Folgen haben.

Am wenigsten ahnten das die Paare selbst.

(Portier) Sie sind auf Hochzeitsreise?

Gratulation im Namen des Hauses.

Wenn Sie bitte die Formalitäten erledigen?

Küss die Hand.

Es bringt Sie jemand aufs Zimmer. - Mhm.

Hat er "Küss die Hand" gesagt?

Ich hoffe, du bist glücklich. - Geh, Traunstein!

Wir sind doch erst seit drei Monaten verheiratet.

Wenn ich da schon unglücklich wär ...

Danke schön!

Darauf, dass wir ausnutzen, was dieses Haus zu bieten hat!

Auf uns! - Auf meine Frau.

Die Schönste und Klügste.

Ich krieg dich, du Miststück!

aufregende Orchestermusik

Guten Abend, Vater.

treibende Orchestermusik

Hör auf!

(beruhigend) Schsch, schsch.

Ist schon gut.

schwermütige Musik

(leise) So.

(leise) Musst keine Angst haben.

Er kann dir nichts mehr tun.

Er ist weg!

schwermütige Musik

(leise) Du musst nicht weinen.

Rasseln von Ketten

Gut hat der Eduard ausgeschaut.

Als wenn er endlich ausschlafen möcht.

Was wird denn jetzt mit uns?

Ich hab heut meiner Tante geschrieben.

Vielleicht bezahlt sie mich aus, ich bin der einzige Erbe.

Und dann?

Wir könnten unseren eigenen Gasthof haben, Flora.

Ja, aber jetzt noch nicht.

Jetzt bestimmt noch nicht.

Wenn's hier nicht weitergeht, wird sie uns helfen.

Nicht plauschen! Los, an die Arbeit mit euch!

Die Gäste sollen nicht das Nachsehen haben!

Bist schon bei den Papieren?

Wir werden einen Verwalter einsetzen,

bis ich einen Käufer mit gutem Preis finde.

Hättest was sagen können.

Davon können wir die Hypotheken auslösen.

Und was mein eigenes Geld betrifft ...

Der Eduard, der hätt ...

(leiser) Der hätt das anders gewollt.

Ich bin froh, wenn ich den Schaden für die Familie eingrenze.

Ich führe das Haus weiter, Schwiegerpapa.

Die Konzessionen laufen alle auf Eduard.

Einer Frau werden sie den Titel Hoflieferant nie überlassen!

Mir brauchen sie nichts zu überlassen!

Dem Haus sollen sie den Titel lassen.

(beide) Ja!

Verzeihung, aber der Herr ist von der Polizei.

Meine Verehrung! Lechner, Polizeihospitant.

Ihr untertänigster Diener.

Mein herzliches Beileid, Frau Sacher, Herr Sacher.

Bitte nachsichtigst um Vergebung, dass ich ausgerechnet heut ...

Es geht um die Stadler Marie, die Tochter Ihrer Wäscherin.

Was ist mit der Kleinen?

Sie ist gestern nicht nach Haus gekommen.

Wir haben ihren Suppentopf gefunden, und es war ein Toter in der Nähe.

Und?

Ich werd Ihre Leute befragen müssen.

Ja, gut, dann machen Sie das.

Der Mayr wird Sie begleiten. Sehr wohl, gnädige Frau.

Schauen Sie, dass die Polizei das Haus hinten raus verlässt.

Dank Ihnen.

Na ja, wenn der Herr der Polizeipräsident wäre.

Guten Tag! Habe die Ehre!

Das Hotel ist mein Leben, Franz.

Ich werd's nicht aufgeben.

Verehrte Frau Sacher.

Dass wir in einem Totenhaus sind, hätten sie uns sagen können.

Wir wären doch nicht umgezogen.

Bringt es Unglück? - Ach was!

Herzliches Beileid! Vielen Dank!

Ich bin untröstlich! Wie traurig!

Wenn Sie irgendetwas brauchen, sagen Sie es einfach.

(Frau) Meine Liebe!

Es tut mir so leid.

Von Traunstein.

Was für eine Tragödie!

Sie können was für mich tun. Bitte.

Richten Sie den Herrschaften in der Hofburg aus,

dass wir selbstverständlich in Betrieb sind!

Und wenn beim Kaiser zu schnell abgeräumt wird,

wartet hier immer gutes Essen auf sie.

Ich überbringe die Nachricht gerne. Ich danke Ihnen.

Kommst du, Kathi?

(leise) Das war doch die Schratt! Die Hofschauspielerin!

Sie soll was mit dem Kaiser haben, die Kaiserin soll protegieren.

Hofgeschwätz, Konstanze! Davon mag ich nichts hören.

Ich bin jetzt bis fünf in der Hofburg beim Kaiser.

(Schratt) Einige Restaurationen hoffen, sie können die Lucke füllen.

Jaja.

Denen vom Bristol und Imperial stößt es auf,

dass eine Fleischhauertochter das Haus Österreich führt.

Der gute Eduard.

Ausgerechnet die Grippe reißt ihn aus dem Leben.

Zu viel ist es ihm geworden.

Weißt du auch, warum?

Weil ich ihm alles abgenommen hab.

Hinter einer Frau stehen gefiel ihm nicht.

Da stirbt er lieber.

Und ich hab ein schlechtes Gewissen.

traurige Klaviermusik

Die Männer brauchen uns nur, wenn's passt.

Soll ich dir einen Tisch herrichten lassen?

Nein, ich muss gleich weiter zur Schneiderin.

Sie haben mir eine Probe mit dem Kutschera avisiert.

Dank dir für deinen Besuch.

Servus! Servus!

Gnädige Frau.

Es wird hier alles weitergehen, Flora.

Und dieses Mädel, das verschwunden ist?

Die kanntest du also?

Die Mutter wäscht für die Frau Sacher,

der Vater fährt die Kohlen.

Einfach verschwunden auf dem Weg nach Haus.

Man sagt, dass es Leut gibt, die die kleinen Mädels abpassen.

Aber was!

Um sie dann nachts ... - Was?

In dämonischen Ritualen zu opfern. - So ein Unsinn!

Einen Toten hat's gegeben.

Die Madame vom Etablissement bei der Oper hat ihn gefunden.

Nahe der Kellertür.

Was redest du da? - Unter den Straßen,

da gibt's geheime Gänge.

Servus, Stanzerl! - Ihr Sohn ist in der Hofburg.

Haben Sie von der Entführung gehört, Schwiegerpapa?

Und dem toten Mann?

Ich hab der Frau Sacher bereits kondoliert.

Ich mein ... - Lass gut sein!

Lass gut sein, Stanzerl.

Da schau her!

Ein Puppenhaus willst du dir also einrichten?

Ihr Sohn meint, das ist unnötiger Luxus.

Der meint so manches.

Ich red mit ihm.

Blass schaust du aus, hm?

Ich hoffe, mein Sohn erfüllt seine ehelichen Pflichten.

Die Post, gnädige Frau.

Alles Rechnungen.

Die Lieferanten haben Angst, ihr Geld nicht zu bekommen.

Legen Sie das auf meinen Schreibtisch.

Sehr wohl, gnädige Frau.

Der Verwalter vom Baron Rothschild möcht gern kondolieren.

Herr Schuster?

Es stimmt mich sehr traurig, dass ich Sie...

Also, dass ich Sie unter diesen Umständen...

Sehr aufmerksam. Ich danke Ihnen.

Mayr? Stellen Sie die Blumen in mein Büro.

Sehr wohl!

schwermütige Klaviermusik

Wenn ich irgendetwas Förderliches tun könnt,

dann lassen Sie mich's wissen. Fördern Sie meine Unternehmung.

Ich bräucht´ einen guten Leumund für meine Konzession.

Selbstverständlich.

Es wird mir eine Ehre sein.

Danke Ihnen!

schwermütige Klaviermusik

(Mann) Durchlaucht.

Danke!

(Mann) Wie üblich, Durchlaucht?

Sind Sie Schriftstellerin?

Mein Mann und ich haben einen Verlag gegründet.

Was Sie nicht sagen!

Darf ich? - (zögerlich) Ja.

Sind Sie das erste Mal in Wien? - Mhm.

Martha Aderhold. - Izabela Constanze Nagy-Károly.

Verheiratete Prinzessin Traunstein. - Sie sind Ungarin.

Unsere Familie hat ein Gut nahe Budapest.

Sie führen einen Verlag für Romane? - Ja.

(Mann) Verzeihen Sie. Gestatten?

Danke!

Danke!

Darf's für Sie noch ein Kaffee sein, gnädige Frau?

Ja, noch einen mit Sahne. - Sehr wohl.

Ein Verlängerter mit Schlag.

Wie aufregend!

Ich liebe lange Geschichten, die gut ausgehen.

Am liebsten träum ich mir eigene... Das hab ich schon als Kind gemacht.

Aber jetzt bin ich verheiratet.

Wir richten uns grad in einem Gut an der Traun ein.

Mein Mann hat Verpflichtungen in der Hofburg.

Morgen werd ich dort eingeführt.

Als Hofdame werd ich gefordert sein.

Abwechslungsreich! Aber Sie wissen ja, wie sie ist.

Nein. Wer? - Die Kaiserin.

Sie ist ständig unterwegs: Korfu, Madeira, usw.

Ich hoff, dass Ihre Majestät nicht mich dafür auswählt.

Es soll schreckliche Märsche geben, kilometerlang!

Darf ich vorstellen? Mein Mann Maximilian Aderhold.

Prinzessin von Traunstein. - Freut mich!

Wir müssen. - Ist's schon spät?

Die Kutsche fährt bald.

Wollen Sie Wien schon wieder verlassen?

Aber Sie sind doch auf Hochzeitsreise!

Wir machen noch Station in Prag.

So.

Wir hatten viel zu wenig Zeit zum Kennenlernen.

Darf ich Ihnen vielleicht schreiben?

Ich geh schon mal vor. - Ja.

Unsere Anschrift in Berlin.

Ja.

Leben Sie wohl!

Vielleicht auf ein Wiedersehen? - Ja, vielleicht.

Also, auf Wiedersehen! - Wiedersehen!

Wie üblich, Durchlaucht? - Nein, Wagner.

Bringen Sie mir Tinte und Papier zum Briefeschreiben.

Dann ist er bald da. - Sehr wohl.

Sachertorte.

So eine schöne Torte hast bestimmt noch nie gehabt.

Für dich ganz alleine.

Kannst essen wie die feinen Leute.

Ja.

Ist nicht schön so allein.

Aber jetzt sind wir nicht mehr allein. Stimmt's, mein Vogerl?

Bist doch mein Vogerl?

Kann ich nach Haus?

Was willst denn da?

Die Mama wartet doch auf mich. - Die warten nimmer.

Deine Familie wollt dich verkaufen!

Was glaubst denn, wo der Mann dich hinbringen wollt? Ins Freudenhaus!

Wo die Mädchen den Männern zu willen sind!

Von der Syphilis wollen sie sich heilen lassen! Mit Jungfrauen!

Deswegen holen sie kleine Mädchen von der Straße! Glück hast gehabt!

Aber... ich pass ja auf auf dich.

Jetzt passiert dir nichts mehr.

Musst keine Angst mehr haben, Vogerl.

(leise) Ich pass auf dich auf.

Haben wir beide Glück gehabt.

Gell, Vogerl?

Ich hab nix gemacht!

Der Tote ist ein Zuhälter, der Minderjährige anliefert.

Vielleicht hat er sie weggelockt.

Lechner, Sie gehen den Auftrag zuverlässig an.

Aber nun nehmen Sie die Sache zu den Akten.

Es gibt genug in der Stadt, woran Sie sich profilieren können.

Sehr wohl, Herr Zentralinspektor.

angespannte Musik

Guten Tag, Frau Stadler! - Grüß Gott.

Bitte, setzen Sie sich.

Frau Stadler, wie oft arbeitet die Marie im Sacher?

Dreimal die Woche.

Ansonsten hat sie mir mit der Wäsche geholfen.

Ist Ihnen vielleicht einmal aufgefallen,

dass irgendwer ein besonderes Augenmerk auf sie gelegt hat?

Naa.

Vielleicht einer von den feinen Herrn?

Um Gottes willen!

In den Etablissements ist sie nicht, seien Sie beruhigt.

Beruhigt?

Frau Stadler.

Frau Stadler? Schluchzen

Meine Mutter war auch eine Weißwäscherin.

Ich werd Ihre Marie finden.

Das verspreche ich Ihnen.

Das Geburtsdatum der Marie? - Der 1.4.

'81.

Wissen Sie, wie viele in dieser Stadt um Konzessionen anstehen?

Aber als Frau...

Mein Weiterführen wäre im Sinne meines verstorbenen Mannes.

Was wär, wenn Herr Sacher Senior das Unternehmen führt?

Schließlich ist er der Erfinder der Sachertorte.

Ich fühl mich wohl in Baden. Tun Sie was Produktives, Kluges!

Ich...

Ich bitt´ Sie wirklich untertänigst.

Man könnt´ ja die Formalitäten einreichen.

Uhrschlagen

Wenn's sein muss.

Aber versprechen kann ich Ihnen nix.

verspielte Musik, Traben

(nachäffend) Küss die Hand, gnädige Frau!

Guten Morgen! - Da sind wir wieder.

Endlich zu Hause!

Drei Tage lesen! - Bitte eine Tasse Bohnenkaffee.

Aber... - Keinen Braunen, keine Melange.

Eine Tasse schwarzen Bohnenkaffee mit Wasser.

Ohne Dekoration. - Aber Ihr...

Papa.

Warum hast du denn nicht telegrafiert?

Hab ich.

Das ist der Mann, der die Chuzpe hatte, meine Tochter zu heiraten.

Ich hätte gerne... - Hinter meinem Rücken, ohne Rabbi!

Wir sind Atheisten. - Ach?

So weit ich weiß, ist er Protestant.

Es ist eine Sache, zu heiraten, ohne etwas zu sagen.

Eine andere, mich in einem Brief zu fordern,

ich solle dir dein Erbe auszahlen.

Ich hab dich gebeten.

Können Sie meiner Tochter ein Heim bieten?

Werden Sie sie auf Händen tragen?

Martha ist wohl keine Frau, die auf Händen getragen werden möchte.

Sie unterschätzen Ihre Tochter, wenn Sie glauben,

sie macht sich von Männern abhängig. Wir folgen anderen Idealen.

Wollen wir nicht... - Was meinen Sie mit diesen Idealen?

Wir arbeiten gleichberechtigt.

Wir bauen gerade einen Verlag auf. - Ach so!

Wir haben in Wien und Prag Verbindungen geknüpft.

Welche Erfahrungen haben Sie im Buchgeschäft?

Maximilian wird einen Teil der Bücher selber schreiben.

Na dann: Masel tov!

Es riecht nach gebratenen Eiern mit Speck.

Da konntest du nie Nein sagen!

Setz dich erst mal hin.

Nachher unterhalten wir uns in Ruhe.

melancholische Musik

Danke, Hedwig.

melancholische Musik, Vogelgezwitscher

Kleine Verleger gibt's zu Hauf, die Großen machen die Geschäfte.

Wir haben schon einige Schriftsteller gefunden.

Das heißt noch lange nicht verkaufen. - Das weiß ich doch!

Vogelgezwitscher, Kinderstimmen

Wir planen eine Fortsetzungsreihe fürs kleine Geld.

Inzwischen kümmern wir uns um junge Schriftsteller.

Hm? Eine gesunde Mischung aus Unterhaltung und Anspruch.

Vertrau uns doch, Papa.

Fahrradklingel

Max trägt so viel in sich.

Aus ihm muss etwas in die Welt. - Deshalb willst du einen Verlag?

Was ist verkehrt daran?

Dass du alles für ihn tust. Was tut er für dich?

Er liebt mich.

Ein Mann muss für seine Frau sorgen, nicht umgekehrt.

Warum muss eine Frau unbedingt schwach sein?

Ich möchte doch nur, dass es dir gut geht.

Dass du glücklich bist.

Ich konnte dich nicht um Erlaubnis fragen.

Ich hatte Angst, dass du Nein sagst,

und ich dann nicht mehr den Mut zu alldem hab.

Verzeih mir, wenn ich dich verletzt hab.

Traben, verspielte Musik

Fahrradklingel, Vogelgezwitscher

Mutters Kette.

Mutter hat befohlen, dass ich sie dir zur Hochzeit gebe.

Sie hätte dir nie etwas befohlen. - Hast du eine Ahnung!

Und grade deshalb hoffe ich, dass du,...

dass ihr so glücklich werdet wie deine Mutter und ich.

Mutter hätte gemocht, dass du ein eigenes Geschäft aufmachst.

Und du?

Gefällt's dir auch?

Vogellaute

Würgen

Sie sind guter Hoffnung.

Man sollte den Arzt kommen lassen, um es zu überprüfen.

(ängstlich) Guter Hoffnung? - Mhm.

Ihr Mann wird sehr glücklich sein.

(leise) Untersteh dich, irgendjemand ein Wort zu sagen!

angespannte Musik

Die Tür fällt ins Schloss.

Schüsse von draußen

schwermütige Orchestermusik

Mein Gott, so eine Freude! Vielleicht wird's ein Bub.

Ein Geschenk des Himmels!

(Mann) Konstanze!

Was für eine Freude!

Ich hoffe, es wird ein Mädchen.

Für einen Buben haben wir Zeit - viele Mädchen zuerst.

Ich komm gerade aus dem Dorf.

Hier werden wir die Schule bauen.

Im Haus daneben ist der Arzt und Platz genug für die Hebamme.

Ein modernes Dorf, Konstanze.

Unsere Mädchen könnten dort zur Schule gehen.

Traunstein! Doch nicht mit den Bauernkindern!

Wer weiß, wie die Welt in fünf Jahren aussieht?

Tust du mir einen Gefallen?

Jeden, den du willst.

Ich möcht, dass die Flora aus dem Sacher zu mir kommt.

Die Zofe hier ist alt, und ich kann ihr nicht vertrauen.

Frau Sacher wird das Mädchen nicht hergeben.

Eben. Das spricht für Flora.

Ich würd mich in deiner Abwesenheit weniger einsam fühlen.

Ich schaue, was ich machen kann.

Aber da wär noch was:

Ich wollt meinen Mann um Erlaubnis fragen,

ob ich eine Freundin einladen darf.

Du kennst sie aus dem Sacher.

Erinnere dich: Martha Aderhold aus Berlin.

verspielte Musik

Ich hab dir von ihr erzählt.

Dann sollten wir ihren Mann auch einladen.

"Ist der Dichter der Schöpfer eines Neuen

oder der Finder von etwas, das für jeden da liegt?"

Romantheorie, wä! Der kommt mir nicht ins Sortiment!

Hör auf, alles schwarzzumalen.

Ich soll mich damit beschäftigen, damit ich besser schreibe?

Ich will eine Nische finden.

Du redest wie dein Vater!

Du sollst schreiben, ohne ans Geld zu denken.

Ich brauch Vertrauen, Martha! Vertrauen!

Ein Werk im Kopf wird von Forderungen zerstört!

Dein Vater kommt, nimmt mir den Atem, setzt mich unter Druck!

Und du? Du machst da weiter!

'tschuldige, Martha, Martha... Ich will...

Ich bin noch nicht beisammen, dein Vater steckt mir in den Knochen.

Ah!

Wie man hört, gibt's Neuigkeiten?

Ich hoffe, es wird ein Junge.

Dann kann ich nachholen, was ich bei meinem Sohn versäumte.

Lachen

Anstatt auf die Jagd zu gehen, hat mein Sohn den Ehrgeiz,

unser Vermögen im Dorf zu verteilen.

Schule und Krankenstation sind den Leuten längst versprochen.

Versprechungen sind, wie das Wort schon sagt,

"Versprechungen".

Die Untertanen danken ihrem Fürsten die stete Sicherheit.

Aber mach sie dir gleich, und sie werden dir widersprechen.

Dieser moralische Grundsatz ist aus der Mode gekommen, mein Herr.

Da schau her, was du nicht sagst.

Da halt ich's doch lieber mit eurem Heine:

"Die Moden kommen und gehen."

Mir ist übrigens zu Ohren gekommen,

dass du deinen Dienst als Kämmerer Seiner Majestät gern abgibst?

Der Hof ist seit Rudolfs Tod nur noch eine Kulisse.

Ich hab dort keine Aufgabe.

Also arbeite ich, wo ich etwas bewirke:

Auf unseren Gütern.

Na dann: Prost!

(leise) Prost.

Gute Nacht, meine Liebe!

Du machst dich lächerlich!

Es erstaunt, dass du von "unserem" Vermögen sprichst.

Es ist mein Geld, das ich ausgebe.

Das ist das Vermögen deiner Frau!

Du bist hier in meinem Haus.

Und... noch ein guter Rat von mir:

Du solltest mit uns auf die Jagd gehen.

Ein Mann, der nicht jagt, hat keine Eier!

Das werden dich deine Landarbeiter spüren lassen.

Und nicht nur die.

So, meine Herren.

aufgeregtes Klatschen Das Gastgewerbe-Aufsichtsamt kommt!

Sie wissen, was das bedeutet.

Erzherzog Otto hat sich angekündigt,

im Separee fünf speist der englische Botschafter.

Sie schon wieder!

Ziehen Sie sich sofort saubere Handschuhe an! Aber fix!

Johann, Flora, auf ein Wort.

Es geht um ein Angebot des Prinzen von Traunstein.

Er bittet mich, Flora nach Gut Traunstein zu geben.

Es gibt gutes Geld.

Ich hab vereinbart, dass dein Vertrag zwei Jahre geht.

Danach bist du frei.

Kannst selbstverständlich wieder zurückkommen.

Aber nach Traunstein willst du nicht. Ich weiß, ihr wollt heiraten.

(Flora) Ja. Ich mache das für euch.

Und für den Prinzen.

Mayr! Welche Freude!

Ist frei hinten?

Selbstverständlich, Hoheit. Nummer 6. - Sehr fein.

Lachen

stimmungsvolle Geigenmusik

Mayr, wunderbar! - Geile Sau!

Danke!

Meine Herrschaften! Wir können uns selber helfen. Wiederschauen.

Hervorragend!

Moscha! Drah di um! Sie lachen.

Geigenmusik

Wann ist das Haus zuletzt einer Komplettreinigung unterzogen worden?

Das kann man so gar nicht sagen, Herr Kommissär.

Denn schließlich wird bei uns, wie Sie sehen können,

ununterbrochen geputzt. - Na schön!

Dann gehen wir in die Küche. - Bitte.

flotte Geigenmusik, Lachen

Geigenmusik

Rumpeln und Lachen von drinnen

Was ist, wenn die Kommissäre einen persönlich fragen,

was man den ganzen Tag im Haus so sieht?

Siehst ja nix. Lachen von drinnen

Oder hört.

Was hörst denn?

Außer, dass sich unsere Gäste wohlfühlen.

Lachen von drinnen

Sie werden hier kein Stäubchen finden.

Keine Sorge, wir finden immer was.

Bitte schön.

Geben Sie mir eine Serviette, bitte.

Wie meinen? Eine Serviette.

Danke schön.

So! Herr Kollege.

Eine Schikane. Das kenn ich vom Militär.

Er bläst ins Schlüsselloch.

(Portier) Meine Herren.

Glauben Sie, dass die Minister Seiner Majestät hier essen würden,

wenn sie Angst haben müssten

von Ungeziefer durch ein Schlüsselloch spioniert zu werden.

Was glauben Sie, was wir erleben.

Das weiß ich nicht.

Ich kann Ihnen nur versichern:

Bei uns werden Sie weder Ungeziefer noch Insekten oder Nagetiere finden.

Eine Tür wird geöffnet.

Er lallt betrunken.

A member of the imperial household. - Diskretion!

Meine Herren, Diskretion! - (schreit) Champagner, Mayr!

Champagner! - Sehr wohl.

Aber schnell! - Let's move on, darling.

Darling, me... Wir nehmen the same Menü as the Erzherzog.

Genau dasselbe Menü! The same as the Erzherzog!

Ah, Frau Sacher.

Küss die Hand, gnädige Frau. Der Erzherzog lacht.

Kaiserliche Hoheit.

(schreit vergnügt) Mizzi! Sie lachen ausgelassen.

Du Schlawiner!

Meins!

Wagner! Zusperren!

Sie werden dir daraus keinen Strick drehen.

Immerhin handelt es sich um Seine Kaiserliche Hoheit,

Erzherzog Otto von Österreich.

Die anderen Häuser wären froh um solche Gäste.

Anna, die Kinder, die meinen... Die Kinder.

Die waren so brav heut.

Ich geh ihnen gute Nacht sagen.

Wagner bringt dir was Gutes zum Trinken.

leise Musik

Die Noten zeigen, was die Instrumente spielen sollen.

Jeder Ton steht zum nächsten wie ein Buchstabe in einem Wort.

Und aus den Wörtern werden Sätze.

So entsteht Musik.

Ich hab Hunger.

Wir essen später.

Setz dich hin, mach deine Aufgaben.

Oder willst du den Boden wischen im Sacher für die feinen Herrschaften?

leise Musik

Wenn du eine Partitur nimmst, musst du sie wieder zurücklegen,

wo sie war.

geheimnisvolle Musik

Was willst du ihnen sagen, wo du warst?

Und wenn sie eins und eins zusammenrechnen,

dann denken sie an den Toten.

(leise) Ich hab dich gerettet, Marie.

Und jetzt beschütz ich dich vor der Welt da draußen.

Zur Premiere vom "Figaro" kommt unsere Kaiserin.

(flüstert) Die Sisi? - Ja.

Wenn mein Vogerl brav ist, darf's die Kaiserin sehen.

Dann gehen wir gemeinsam in die Oper.

geheimnisvolle Musik

Haha!

(lachend) Dicke Weiber stemmen, das kann er!

Macht doch mal hinne da, Männer.

Was soll der Chef dazu sagen?

Tag, Herr Menning. - Ich wär dann soweit.

Geben Sie uns noch etwas Zeit. - Ist denn nichts bei?

Ihr Fußboden liegt voll Geschichten. - Halblang!

In der Ruhe liegt die Kraft. - Alles will wohlüberlegt sein.

Das hab ich gehört. - Springen Sie ins kalte Wasser.

Warten aufs Glück bringt nichts.

Man muss das Schicksal bei den Hörnern packen!

Sie sind ein Poet.

Reichen Sie was bei uns ein. - Lassen Sie mal.

Ich bin mehr fürs Praktische.

Bringt den Laden auf Vordermann.

Sie werden sich noch nach ruhigen Zeiten zurücksehnen,

wenn wir loslegen. - So lange Sie mich bezahlen.

Der Tischler beginnt am Montag mit dem Einbau der Stellage.

Stellage? Verstehe. - Mhm, ganz genau.

Ein Raum voll mit unseren Büchern. - Auch mit meinen.

Ich bin gespannt. - Kritiker sind begeistert!

Herr Aderhold, worum geht's in Ihrem ersten Werk?

Liebe. - Liebe?

Eine große Liebe. - Aha. Interessant!

Woher sind Sie in Kenntnis dieser hehren Gefühle?

Hab da eine Frau, die mich dazu emporhebt.

Verstehe.

Wir haben Post aus Österreich bekommen.

Adelspost?

Sie wünscht sich, dass wir sie auf Gut Traunstein besuchen.

Das sind hartnäckige Personen!

Die wievielte Einladung ist das?

Wir könnten doch ein paar Tage Wien dranhängen?

Nee, fahr du mal alleine.

enttäuschtes Seufzen

Ich muss doch hier was ausbrüten. Was Großes.

liebliche Orchestermusik

Frau Aderhold! Ich freu mich ja so! - Mein Gott!

Was für eine Überraschung!

Mein Mann lässt sich entschuldigen.

Er schreibt an seinem Roman. - Und meiner ist in Wien!

Flora?

Ich hab sie der Sacher abgeschwatzt.

Kommen Sie! Ich zeig Ihnen Ihre Zimmer.

Natürlich bekommen Sie die Flora.

Anton, das Gepäck!

Hatten Sie eine gute Anreise? - Vielen Dank, ja.

Wie geht es Ihnen? - Gut! Ich hoffe, Sie bleiben lang.

Wollen wir Du sagen? Wie Freundinnen, die sich lang kennen.

Gut. Martha. - (freudig) Konstanze!

Heute Abend trinken wir Champagner.

Aber jetzt machen Sie sich ...

Mach dich frisch.

Flora? - Nein, nein, danke.

Ich komm allein zurecht. - Och, bitte!

Verwöhn sie, dass die Frau Sacher vor Neid erblasst.

Sehr wohl. Kommen Sie?

Du hast mir schöne Briefe geschrieben.

Was soll man hier Anderes tun, als Papier beschreiben?

Traunstein will das Haus mit Kindern füllen.

Du hast es gut.

Du bist frei.

Du gründest einen Verlag, du reist allein.

So frei ist es gar nicht.

Denn ich trag die Verantwortung für das Geld, das Geschäft.

Danke!

Wenn mein Vater noch leben würde ...

Ich hätte ihn gebeten, dass er mir noch die Freiheit lässt.

Nach seinem Tod...

Mutter wollte mich versorgt wissen mit meinem Erbe.

Sie lebt in einem Stift und hat sich dem Herrgott verschrieben.

Wir sind unglückliche Frauen, und alle anderen beneiden uns!

Lachen

langsame Klaviermusik

(leise) Aber wenn ich schreib,

dann kann ich mich in jedes Leben verwandeln.

Ich verlieb mich.

Und ich kann mich scheiden lassen.

Na ja, fast jeden Tag schreib ich etwas.

langsame Klaviermusik

Es bewegt sich.

Willst du einmal fühlen?

Hier.

Die Hebamme meint, es könnt jederzeit soweit sein.

Darf ich mal was lesen?

Ich mein, eine deiner Geschichten.

Von mir?

Vogelgezwitscher

bewegte Klaviermusik

Es ist nicht so gut wie von einem echten Schriftsteller.

Wie geht's denn weiter?

Das weiß ich immer erst, wenn ich schreib.

Ist das falsch? - Nein.

Jeder Schriftsteller arbeitet anders.

Max zum Beispiel macht zuerst das Konzept.

Erst, wenn er die Geschichte kennt, fängt er an zu schreiben.

Ja, das ist sicher besser.

Wenn ich aufs leere Papier schau, dann hör ich die Geschichte.

Als wenn sie mir jemand erzählt, und ich schreib einfach mit.

Wirklich?

Glaubst du, ich soll weitermachen?

Ich glaub schon.

Seine Durchlaucht ist angekommen. - Sofort.

Kein Wort zu Traunstein, dass ich schreib.

Es muss unser Geheimnis bleiben.

Traunstein hasst die Verpflichtungen in Wien und Ischl.

Ich hätt nix gegen Abwechslung.

Lass es mich so ausdrücken:

Ich bin mit meinem Land und den Arbeitern gut ausgefüllt.

Er träumt von einem Gut, das sich mit umliegendem Land verbindet.

Und was heißt das?

Entschuldigung, ich bin Stadtkind.

Ich möchte Sie nicht langweilen. - Nein, überhaupt nicht!

Ich möchte, dass sich die Kluften zwischen den Klassen füllen,

damit jeder das Beste aus sich herausholen kann.

Wie beim Boden: Wir können nicht immer pflanzen und ernten.

Wir müssen Nährstoffe zuführen.

Traunstein hat revolutionäre Ideen.

Papa bezichtigt ihn der Freimaurerei.

Ist Ihre Frau daheim? - Sophie!

Sophie! - (von drinnen) Ja.

Grüß Gott, Frau Stadler.

langsame Klänge

(Kind) Mama!

Grüß Gott, Herr Inspektor. - Grüß Gott.

Ich hab Gerüchte gehört, da hätte ich gerne Ihre Bestätigung.

Was für Gerüchte?

Sie haben bis vor zwölf Jahren als Dienstmädel gearbeitet?

Lassen Sie uns reingehen, ich würd gern mehr wissen.

Kinderweinen

Herr Inspektor, haben Sie eine Spur wegen der Marie?

Wenn man so will.

Das würd ich gern mit Ihnen besprechen.

Kinderweinen

(Mann) Was steht ihr herum?

Der Wagen muss bald voll sein!

freudige Schreie

Nächste Runde! Doppelter Einsatz? Seid ihr dabei?

Natürlich! Ich darf Sie einladen? - Auf keinen Fall!

Martha, wenn du Kredit brauchst, komm zu mir.

Eine Frau, die für sich selbst sorgt.

(schmerzerfüllt) Ah!

Die Wehen?

Ich weiß nicht.

Die Hebamme meint, dass eine Art von Ziehen...

Ich lass sie sofort rufen und nach dem Arzt schicken!

schmerzerfülltes Stöhnen

(angestrengt) Wartet!

Keuchen

langsame, angespannte Musik

Ist der Herr zu Hause? - Sind Sie angemeldet?

Nein.

Lassen Sie Ihre Karte hier, es ist heute ungünstig.

Meine Verehrung, Durchlaucht. - Worum geht's?

Mein Name ist Lechner vom Polizeiagenteninstitut Wien.

Ich bitte, Sie in einer dringenden Sache sprechen zu dürfen.

Ich kann nicht! Ich kann nicht!

Danke, dass du da bist.

Hundegebell

Ist mir unangenehm, aber es betrifft die fürstliche Familie.

Bitte nehmen Sie Platz.

Euer Gnaden sehen mich als ergebensten Diener...

Kommen Sie zu Ihrem Anliegen!

Im Hause Ihres Vaters, des Fürsten von Traunstein,

hat ein Mädel gearbeitet. Sophie.

Sophie wurde schwanger.

Zur Engelmacherin hätte sie können, aber sie wollte nicht.

Also hat man sie verheiratet.

Und in der Ehe hat sie ein Kind zur Welt gebracht: Marie.

Marie Stadler.

Und dieses Kind... ist nun spurlos verschwunden.

Warum erzählen Sie mir das?

Erst wollte Frau Stadler es nicht erzählen,

sie ist jetzt ja verheiratet.

Der Stiefvater behandelt Marie wie seine eigene Tochter.

Aber jetzt, wo die Angst um Marie so groß ist,

da hat sie sich mir anvertraut.

Was anvertraut?

Dass Sie der leibliche Vater sind.

Uhrschlagen

Wer ist in der Sache Ihr Auftraggeber?

Mich schicken Gewissen und Loyalität Eurer Durchlaucht gegenüber.

Diese Kinder tauchen manchmal wieder auf.

Oft nach Jahren.

Aufs Schrecklichste verwahrlost.

Ich hörte, Sie sind am Gemeinwohl interessiert?

Einfache Menschen sind Ihnen nicht egal?

Noch dazu ist das Ihr eigenes Fleisch und Blut.

Besser, ich find das Mädel, als wir belassen es dem Zufall.

Meinen Sie nicht auch?

entfernte Schreie

Was wollen Sie von mir?

Ein Interesse Ihrerseits an der Lösung des Falls,

das wär mir ein Ansporn.

entfernte Schreie

Sie verwenden das Geld für die Suche nach dem Kind!

Der Erbe wird geboren.

Ich will nicht länger stören.

Habe die Ehre!

langsame, nachdenkliche Musik

Schreie

Babyschreie

Wie wollen wir sie nennen?

(zögerlich) Rosa?

Sie hat eine schöne rosige Haut.

Dann soll das unsere kleine Rosa sein.

Es ist ein Mädchen.

Klaviermusik

Babyquengeln

Danke, Anton.

Darf ich?

Meinen herzlichsten Glückwunsch!

Auf Ihre Tochter! Diesen göttlichen Moment.

Ich...

Verzeihen Sie.

Ich habe eben erfahren, dass ich bereits ein Kind habe.

Auch eine Tochter.

Elf Jahre vielleicht.

Oder auch erst zehn.

Ich hab mit 15 ein Mädchen geliebt.

Sie war Bedienstete bei meinem Vater.

Etwas älter als ich.

Sophie.

Eines Tages war sie verschwunden.

Man sagte mir, sie pflege ihre kranke Mutter.

Ich war jung, unerfahren, hab nicht nachgefragt!

Ich muss mich zu dem Kind bekennen.

Nein?

dunkle Musik

(leise) Vorsichtig.

dunkle Musik

Klingeln, Orchester spielt sich ein.

Rumpeln Schnell, Vogerl!

Die Mädchen unterhalten sich.

Knarzen, dunkle Musik

(flüstert) So, Vogerl, komm.

Klingeln, Orchester spielt sich ein.

(flüstert) Hier. Ja.

Hier.

Da sitzen Sie alle beisammen, die feinen Herrschaften.

Da rechts, das ist die Loge vom Grafen Kinsky.

Nach der Vorstellung gehen sie alle rüber ins Sacher tafeln.

Aber du, mein Vogerl, du wischt ihnen nicht mehr auf.

Nein.

Ihre Majestät!

Wieso schaut sie so traurig aus?

Sie schaut, wie eine Kaiserin schauen muss.

Applaus

Heitere Orchestermusik setzt ein.

Weinen

Entschuldigen Sie vielmals.

Anna Maria! Das geht nicht vor den Gästen!

Entschuldigen Sie vielmals.

Annilein, was hast du denn?

So, jetzt beruhig dich.

lautes Kinderweinen

(beruhigend) Sch, sch, sch, sch.

Weinst wegen dem Papa?

Schau, Anni: Der Papa hat uns verlassen.

Er ist jetzt in einer anderen Welt, wo's ihm ganz bestimmt besser geht.

Ja?

Stell dir vor, Annilein:

Mir haben sie heute Morgen die Konzession übergeben!

Dass wir hierbleiben können, dass ich weitermachen kann!

Und ich werd weitermachen, Anni.

Das schwör ich dir!

Ich werd ein Haus draus machen, in das alle wollen!

Zur Frau Sacher werden sie kommen.

Sie wollen zur Frau Sacher? Ja, gerne. Gerne.

Um acht Uhr einen Tisch in der Roten Bar für vier Personen.

Freu mich! Küss die Hand!

Die Glocken läuten.

Herr von Traunstein wurde kürzlich Vater einer Tochter.

Schön, dass Sie uns beehren, Durchlaucht.

Mit besten Grüßen von Flora. - Vielen Dank!

Ich gratuliere Ihnen zur Geburt. Vielen Dank!

Die Gattin ist wohlauf? Ja. Ich muss meinen Vater sprechen.

dunkle Musik

Es ist also ein Mädchen.

Stanzerl geht's gut? - Deine Enkelin heißt Rosa.

Stanzerl ist jung, sie wird dir noch Söhne schenken.

Was ist? Was gibt's so dringend? - Sophie Stadler.

Du hast sie damals aus dem Haus gejagt!

Du kannst froh sein, dass ich das damals ohne Aufsehen geregelt habe!

Ich werde die Verantwortung dafür übernehmen.

Für einen Bankert?!

Der vielleicht gar nicht mehr lebt?

düstere Musik

Wie kommst du darauf?

Sie ist verschwunden. Was weißt du davon?

Nichts.

Warum soll ich mich für ein Luder in der Gosse interessieren?

Weil sie meine Tochter ist.

Mach dich doch nicht wichtig!

Babyweinen, Hundegebell.

(Kind) Mama!

Frau Stadler!

Ich hab Auftrag, mit dem Papier jeden Monat zu kommen.

Hühnergackern

Habe die Ehre!

Los, rein!

geheimnisvolle Musik

Bei meinen Buben alles gut? Denen fehlt's an nichts.

Meine Herren.

Der Herr Zacharias! Fleißig! Die Doktorarbeit müsst bald fertig sein.

Gnädige Frau, ja, nächsten Monat. So bald schon?

Da werden Sie Kontakte brauchen für eine Anstellung.

Mit wem könnt ich Sie bekanntmachen?

Es ist sehr freundlich, aber... Wagner!

Bringen Sie dem angehenden Anwalt, was Leib und Seele zusammenhält.

Keine Sorge, ich geb Kredit, wie bei allen meinen Buben.

Ihr seid meine Gäste von morgen.

Sie können sich gerne über mich beschweren!

Dieser Ton ist eine Frechheit!

Wenn dem Herrn der Ton nicht gefällt, besorge ich Ihnen eine Opernkarte.

Dort ist der Ton gewiss akkurat. Was gibt's?

Der gnädige Herr will sich nichts erklären lassen.

Womit kann ich dienen? Ich möchte den Direktor sprechen!

Was wünschen Sie denn? Ich meine, den HERRN Direktor.

Der Herr im Haus bin ich.

(Erzählstimme Portier) Frau Sacher machte das Hotel zum ersten Haus.

Nicht nur am Platz, sondern in Österreich.

Und die Gäste kamen von überall her zu uns ins Sacher, nach Wien.

Hier pulsiert das Leben.

Es war das Ende des alten Jahrhunderts,

und eine neue goldene Zeit begann.

Was unter der schönen Oberfläche lag, war schnell vergessen.

Auch von dem Putzmädel, das unter der Oper verschwunden war,

hat man nix mehr gehört.

Und die Jahre vergingen.

Murmeln

lautes Rattern

Danke, Menning. - Schau mal, hier.

"'Dame mit Schleier' ist ein Roman von einfacher, poetischer Sprache."

"Die Hauptfigur ist eine Landkarte weiblicher Psyche." Frauenroman!

"Ihr erstes Buch wurde sogar von der österreichischen Kaiserin gelobt."

"Wer verbirgt sich eigentlich hinter dem Namen Lina Stein?"

Das würde ich auch gerne wissen.

"Die Verlegerin sagte, Stein wolle ihre Bücher unbemerkt schreiben."

"Wäre es nicht Zeit, dass sie sich ihrer Leserschaft offenbart?"

Oder sich mir offenbart?

Das größte Interesse empfinden wir am Unbekannten. Oder?

Aber als Verleger möchte ich die Frau kennen, die diese Erfolge fabriziert.

Freuen wir uns doch daran, dass wir sie unter Vertrag haben.

Martha!

Derselbe Kritiker hat mein Buch verrissen.

Das wird schon, Herr Aderhold.

Was ist los, Männer?

Wir haben zu tun! - Martha?

Was ist denn los?

Doktor Kraft soll dich mal gründlich untersuchen.

Wir müssen die Buchmesse vorbereiten.

Kritiker wollen auch versorgt sein, und ich muss nach Wien.

Ich kann mir Kranksein nicht leisten.

Ich bin auch nicht krank. - Leg dich hin.

Ich hol dir ein Glas Wasser. Menning!

Danke! - (Menning) Was gibt's?

Martha geht's schlecht. Holen Sie Doktor Kraft.

Ich schick den Kleinen.

Paul! Lauf mal rüber zum Kraft.

(Traunstein) Ich habe Pflichten auf Gut Traunstein.

Mich würde es freuen, Sie bei Hofe zu wissen,

weil wir für Gemeinsames eintreten

und an einem liberalen Österreich mitarbeiten.

Was halten Sie vom Ministerium des Äußeren?

Als Böhme sehr viel, ja.

Ich setz mich für eine Volontärstelle ein.

Sie brauchen mir die Post nicht nachschicken.

Das hat Zeit, bis ich zurück bin. - Sehr wohl.

Sie entschuldigen mich?

leise Klaviermusik

Post von den Aderholds.

Ein neues Buch von Lina Stein.

"Dame mit Schleier".

Wann wirst du zurück sein?

Die Schneiderin hat sich zwei Anproben erbeten.

Die Hofburg fällt wohl aus.

Die Kaiserin ist bis zu einem unbekannten Datum in Genf.

leise, getragene Musik

Gute Reise!

Kinder? - Ja?

Wenn ihr brav seid, bringt euch die Mama was mit.

Das sagst du uns schon tausendmal! - Diesmal mach ich's!

Baba! - Baba!

vergnügte Kinderrufe

Ihre Frau ist nun endlich schwanger.

Verbringen Sie die Zeit ruhig, kurze Spaziergänge,

Diät, keinen Alkohol oder Kaffee. - Ja.

Eine Laune der Natur, die Sie warten ließ.

Vielen Dank, Herr Doktor. - Bitte!

Auf Wiedersehen!

Hedwig, bitte.

(freudig) Mensch, Martha!

Jetzt sind wir eine Familie.

Max... - Bitte.

Tu, was der Doktor sagt. - Es ist nur die Übelkeit.

Du übernimmst die Kritiker, ich fahr nach Wien.

Dann mach ich alles so, wie ihr es wollt.

Du machst erst mal gar nichts.

Max... - Ich fahr nach Wien.

Ich bring dir alles hierher.

Ein kleiner Luftwechsel wird mir guttun.

Die Strapazen der Reise? - Ach komm, Max!

Wien war bisher immer meine Sache.

Ich werd mich überwinden.

Du willst nur Lina Stein kennenlernen.

Wenn das Kind da ist, werd ich ohnehin mehr machen müssen.

Das ist unumgänglich.

Ich muss ihr schreiben, sie muss entscheiden,

ob sie dir ihre Identität offenbart.

Klingt doch vielversprechend.

Oder ist Lina ein Mann, von dem ich nichts erfahren darf?

Geh, Johann, gibst dem Lumpi Marillenmarmelade?

Der hat heut seinen melancholischen Tag.

Tag! - Ah!

Herr Aderhold! Herzlich willkommen.

Schöne Grüße auch von meiner Frau. Vielen Dank!

Traunstein hat eine Opernkarte für Ihre Frau hinterlegt,

Herr Verleger.

Ich wünsch Ihnen noch einen guten Aufenthalt!

Julius ist viel unterwegs,

und am Abend mag er nicht viel erzählen.

Jaja, so sind sie, die Männer.

Aber du wolltest den Sohn des Rothschild-Verwalters heiraten.

Mach das Beste draus, Annilein. Du wolltest!

Wie geht's den Schwiegereltern? Gut, glaub ich.

Ja, du Süßer! Hm?

Du gehörst jetzt der Anni.

Du fährst jetzt mit ihr heim.

Bist ihr braves Hunderl, gell?

Die Anni hat nämlich heute Geburtstag.

Alles Gute! Halt kurz.

Der leistet dir ab jetzt Gesellschaft.

Ja, schau! Freust dich?

Ja.

Ja, schau einmal.

Der Schlenther macht, was er will!

Jetzt soll's naturalistischer werden am Hoftheater!

Also, bitte!

Entweder ich spiel Theater oder bin naturalistisch.

Anni, du bist aber groß geworden.

Franz weigert sich, den Schlenther zur Räson zu bringen.

Ein Kaiser mischt sich nicht ein bei einem Intendanten.

Aber bitte, ist ja sein Hoftheater!

Deine Hunderl schlagen ein bei Hof.

Jeder will auf einmal so ein Viech haben.

Ja, kommst du zu mir? Das Baby weint.

Ist das deiner, Anni? Anni wird heut 17.

Was? Jössas, die Zeit vergeht!

Jetzt bist bald zwei Jahre verheiratet.

Na ja, alles Gute!

Ich muss was essen. Ich lass dir einen Tisch richten.

Ich muss nach Haus. Eine Schand! Nie hast Zeit!

Na ja, ich lass dir einen Wagen rufen.

Babyquengeln.

Das Orchester spielt sich ein.

(Max Aderhold) Guten Abend!

Herr Aderhold! Ist was mit der Martha?

Keine Sorge. Wir sind in freudiger Erwartung.

Oh, schön! Geht's ihr gut? - Den Umständen entsprechend.

Die Reise wär zu anstrengend.

Sie hat mir nicht gesagt, dass Sie verabredet sind.

Bitte. - Danke.

Ich möcht mich aber nicht auf den Platz drängen.

Wahrscheinlich hat mir die Martha nach Traunstein geschrieben.

Auf die Post ist kein Verlass!

ruhige Musik

Servus.

ruhige Musik

Gnädige Frau ist in der Oper?

Die ist um zehn aus.

Ich hab's im Blick.

Bitte komm endlich nach.

Es findet sich bestimmt eine gute Anstellung bei uns.

Bei uns? - Ja.

Außerdem ist es viel friedlicher auf Gut Traunstein.

Siehst, und ich mag den Trubel!

Stöhnen

Passt eh auf, dass nix passiert. - Wieso immer ich?

Du merkst es als Erster.

feierliche Orchestermusik

(flüstert) Viele Musiker da unten.

Jetzt versteh ich, warum Martha gern nach Wien fährt.

Die Oper war ausgezeichnet.

Glockengeläut

Übrigens: Martha hat mir Ihr neues Buch geschickt.

Ah ja? - Mhm.

Hat sie nicht gesagt.

Ich hab's gelesen. - Kann nicht sein!

Ich hab erfahren, wie unsicher sich ein Mann mit Gefühlen sein kann.

Und dass es ihn schmerzt.

Das Buch wurde verrissen.

Sie vermissen Mangel an Konturen und Strukturen.

Ein Roman ist keine Doktorarbeit!

Die Menschen wollen neuerdings alles verwissenschaftlichen.

Glücklich sein kann man sich nicht vornehmen.

Und wenn der Schmerz gar zu groß ist...

Wann ist es denn so weit?

Das Kind! Wann soll es denn kommen?

Äh, ... im Frühjahr.

Schön.

Dann wird die Martha wohl weniger Zeit für neue Bücher haben.

Ich dachte, wir beide gehören zusammen.

Ja, aber...

In Wien hab ich nur die paar Gassen und das Sacher kennengelernt.

Und jetzt?

Jetzt kennst die Welt?

Du verstehst nicht, was anders ist. - Dann sag's mir.

Ich will verstehen, warum wir nicht zusammen sind.

Weil ich wichtige Arbeit hab.

Kleider zurechtlegen und Haare putzen?

Was ist daran so wichtig? - Das ist es nicht.

Es war ein sehr schöner Abend!

leise, langsame Musik

Wir werden wieder was von der Stein rausbringen.

Martha hat Ihnen bestimmt die Bücher geschickt.

Sie müssen den Roman Ihres Helden weiterschreiben!

Ich möcht die Fortsetzung lesen. - Na dann.

Hat Martha Sie mit der Stein bekanntgemacht?

Kennen Sie Lina Stein?

Nein.

Verzeihung. - Gute Nacht!

Gute Nacht!

leise, angespannte Musik

Verzeihung. Ich hab alle Seiten der letzten Woche kopiert.

Das hast du gut gemacht, Flora. Vielen Dank!

Geh jetzt zu Bett.

Gute Nacht. - Ja, gute Nacht.

nachdenkliche Musik

"Glücklich sein kann man sich nicht vornehmen."

(Konstanze) "Wenn der Schmerz zu groß ist, suchen wir nach einem,

der uns tröstet."

Verkehrsgeräusche

Ja?

Die Tür wird geöffnet.

Guten Abend.

Ich dachte ... an eine gute Zigarre

und ein Glas Wein aus Ihrem Weinkeller.

Waren Sie in der letzten, quietschenden Tram?

Inkognito.

Ich hab dem Bürgermeister gesagt, das ist eine Zumutung,

der Lärm vor meiner Haustür!

Aber das interessiert den Lueger nicht.

Das Sacher ist ihm ein Dorn im Auge.

Die Gäste sind ihm zu bunt, zu international.

Uhrschlagen

Aber heut bin ich versöhnt.

leise, sanfte Musik

Weder der Portier noch sonst wer hat mich bemerkt.

Lachen

Ja, das Sacher ist eben ein diskretes Haus.

Wie schön.

Hier bist halt Gast,

egal, wer du bist.

(leise) Komm.

Bitte. - Danke schön.

Ist jemand zu Hause? - Ja.

Papa! Schön, dich zu sehen.

Geht es dir gut? - Alles bestens.

Magst du was trinken? - Ja.

Hedwig, richtest du bitte etwas?

Ich hoffe, Max' Buch verkauft sich gut?

Hast du es gelesen? - Mutiger Titel.

Ah!

Wie lang bleibst du denn?

Max ist in Wien, wir hätten also Zeit für uns allein.

Guter Posten im Kontor, die Frau Stein.

Bleibst du über Nacht? - Gern. Sehr gern.

Ihr Stil ist unterhaltsam, anspruchsvoll. Das gefällt mir.

Alles in Ordnung? - Jaja. Alles gut.

Ich komm gleich.

Sobald jemand in meiner Nähe ist, kann ich nicht schreiben.

Wie halten Sie's mit dem Alleinsein?

Mit drei Kindern findet man nicht leicht Ruhe.

Es sei denn, ich sperr mich in mein Nähzimmer ein.

Dort ist es herrlich still und melancholisch.

Und dort schreiben Sie Ihre wunderbaren Romane.

Martha hat nichts gesagt.

angespannte Musik

Sie sind Lina Stein.

Sie sind es.

(leise) Niemand weiß es.

Nicht einmal mein Mann.

Aber ich weiß es jetzt.

(flüstert) "Füllest wieder Busch und Tal."

"Still mit Nebelglanz,

lösest endlich auch einmal meine Seele ganz."

dramatische Musik

Ich ... bitt Sie um Entschuldigung.

Aber ... dürft ich ...

Dürft ich ...

Dürft ich die hohen Herrschaften ...

ganz kurz um Ihre Aufmerksamkeit bitten.

Ich hab die traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen,

dass ... Ihre Majestät ...

(weinend) unsere geliebte Kaiserin...

Es gab einen Mordanschlag.

erschrockene Ausrufe

Unsere Kaiserin ist tot.

Sie ist tot!

Ich kann's nicht fassen.

Mayr! Haben Sie Prinzessin von Traunstein gesehen?

(leise) Diskretion, Herr Aderhold. Diskretion!

(Max) Konstanze?

Maximilian, ich bitt Sie!

Lina?

Es ist so schrecklich! - Pscht, jetzt ist alles gut.

Ich bin doch da.

Sie zerstören alles.

Wir dürfen das nicht!

schwermütige Musik

Was ist passiert?

Was ist oben passiert?

Ihre Majestät...

Ist sie gestorben?

Ermordet!

Ein Unbekannter, ein Geisteskranker.

Mariechen ... - Lass mich in Ruh!

Komm! - Lass mich in Ruh!

Marie!

Marie! Du bist undankbar!

Undankbar bist du!

Wo wärst denn, wenn ich dich nicht gerettet hätte?

Komm, wir essen was.

So eine feine Suppe hast gemacht. Vogerl!

Isst halt allein, Würtner!

Was tust du?

Ich geh.

Draußen bist nicht sicher. - Das ist Unsinn!

Wo willst denn hin?

Zum Kohlenhof? Zu deinem Stiefva...?

Wie meinst du das? Hm?

Tot wärst längst, hätte ich dich nicht beschützt.

Wie meinst du das mit Stiefvater?

Hm?

Der Mann am Kohlenhof, das ist nicht dein Vater.

Vielleicht hat er dich verkauft.

Dann würde er es wieder tun.

Woher weißt das?

Die Leute erzählen's.

Dass deine Mutter dich mitbrachte aus dem Haus vom Fürsten von Traunstein.

Hedwig, bitte, hol Doktor Kraft.

Stöhnen

Schnell!

Oh mein Gott! Kind!

Stöhnen

Was für ein schrecklicher Tod.

Das wird meinen Ungarn das Herz brechen,

dass ihre Königin so sterben musste.

Wenn man uns nur nicht die Rechte nimmt.

Der alte Kaiser ist zu allem fähig.

Aber nein! Er wird ihr Andenken in Ehren halten.

Bitte nicht.

Mein Mann würd's riechen.

Der Hof wird Order geben wegen der Beisetzung.

Dazu wird mein Mann nach Wien kommen.

Du musst jetzt gehen. - Gleich.

Bitte, Max! Ich muss mich ankleiden. - Psch.

Das ist hier alles zu viel für dich.

Wenn du nicht mit Max darüber sprichst, tu ich es.

Nein! Nein.

Wenn kein Kind kommt, muss ich das akzeptieren.

Eine Tür wird geöffnet.

Das war gelogen mit dem Traunstein.

Bei den feinen Herrschaften gibt's nichts für dich.

Hier. Das hab ich beim Toten gefunden.

Das hat ein feiner Herr gezahlt, damit man dir was antut.

Ist alles Lug und Trug auf der Welt!

Nur wir sind echt.

So hast mich doch erzogen.

Zu was Besserem hast mich erzogen.

Zu was ganz Besonderem.

Ich bin was Besonderes, hast du gesagt.

Warum willst du denn unbedingt nach Wien?

Du kannst es ihm sagen, wenn er wiederkommt.

Denk doch an deine Gesundheit.

Es war unser Kind.

Hedwig.

(Erzählstimme Portier) Der Tod unserer Kaiserin

hat die Gemüter aufs Heftigste erschüttert.

Alles war anders, nix schien mehr sicher.

Was geheim und jahrelang vergessen war,

stieg aus der Gruft herauf und kam zu uns ins Sacher.

Niemand hat die Marie erkannt, das frühere Putzmädel.

Doch alle haben gespürt,

dass mit ihrem Auftauchen ein fürchterliches Unheil heraufzog.

Herein.

Post für Ihren Mann, Durchlaucht. - Was ist es denn?

(Erzählstimme Portier) Sie war besorgt,

dass das ein erster schmutziger Anwurf gegen sie sein könnte.

Doch anders als befürchtet, gab ihr dieser Brief die Chance,

von ihrer eigenen peinlichen Eskapade abzulenken.

Ich brauch einen Wagen.

Schnell!

Flora, mein Hut!

Untertitel im Auftrag des ORF, 2016

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