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In dem Jahr um das Ereignis herum ist jede Menge passiert.
Keiner in meinem Leben konnte es glauben.
Nicht Robert, nicht der Robert, den wir kennen.
Viele kannten mich nicht so gut, wie sie dachten.
Ich wollte es eigentlich gar nicht tun.
Aber als wir uns darauf geeinigt hatten, dass ich es tun würde,
geriet alles außer Kontrolle.
Und zwar sehr schnell.
SEIT DER WIEDEREINFÜHRUNG DER TODESSTRAFE IN DEN USA 1976
WURDEN MEHR ALS 8.000 MENSCHEN ZUM TODE VERURTEILT
DIES IST DIE GESCHICHTE DES TODESZELLEN-INSASSEN NR. 990101
Wir sprachen nicht darüber, was wir am Ziel vorhatten.
Es nahm alles einen furchtbaren Verlauf. Und es wurde nur noch schlimmer.
EINE NETFLIX ORIGINAL SERIE
Ich ging hin, feuerte einen Schuss ab.
Als ich näher kam, feuerte ich einen weiteren.
Der Schuss traf sie in die Wange, die Kugel blieb im Kiefer stecken.
Ich keilte ihn hinter einem Tisch ein und stach etwa 25 Mal auf ihn ein.
Ich konnte es nicht fassen. Ich dachte nur, ich habe jemanden getötet.
Ich habe kein schlechtes Gewissen.
Ich begann, auf ihn einzustechen, auf den Mann auf der Couch.
GEJAGT
POTOSI-STRAFANSTALT WASHINGTON COUNTY, MISSOURI
DER 19-JÄHRIGE ROBERT SHAFER WURDE 1990 WEGEN BETEILIGUNG
AN DEN TÖDLICHEN SCHÜSSEN
AUF JERRY PARKER UND DENNY YOUNG VERHAFTET
DIE GRÜNDE FÜR SEINE TAT SIND NACH WIE VOR NICHT GEKLÄRT
-Sagen Sie nur: eins, zwei, drei... -Eins, zwei, drei.
Eins, zwei, drei, vier...
Ich wurde im August 1970 in Salina, Kansas, geboren und wuchs dort auch auf.
Ich bin das neunte von 11 Kindern und der sechste von sechs Jungen.
Eine katholische Familie. Mein Vater war beim Militär, in der Army.
Vor meiner Geburt ist meine Familie oft umgezogen.
Mein Vater ist im August 1977 gestorben.
Und ab da änderte sich die Familiendynamik.
Meine Mutter war alleinerziehend und brachte einen neuen Mann in die Familie.
Der Tod meines Vaters hat mich sehr verändert.
Meine Abwärtsspirale lässt sich leicht von diesem Tag an nachverfolgen.
12 Jahre lang tat ich, was ich wollte, wie ich wollte und wann ich wollte.
Und das entwickelte sich zu kriminellem Verhalten.
Kleinkram wie Bagatelldiebstahl und Vandalismus.
Ich war ein was man hier Abtrünniger oder Straffälliger nennt.
Mit neun kamen Drogen und Alkohol hinzu.
Ich nahm Alkohol mit in die Schule.
Wenn die anderen in der Pause spielten, schlich ich mich davon, um zu trinken.
Es ist verrückt, aber keiner merkte es, und ich kam damit durch,
weil ich nicht so aussah, als würde ich das tun.
Sie wussten, dass ich um Vater trauerte, und ließen mich in Ruhe.
Ich geriet ernsthaft mit dem Gesetz in Konflikt...
Es gab auch vorher schon mehr als nur Bagatelldelikte bei mir.
Aber nichts Schwerwiegendes.
Ich stahl mit einem Mädchen ein Auto, wir bekamen Streit,
sie meldete den Diebstahl.
Ich war im Unrecht.
Sie tat das einzig Mögliche, und ich büßte dafür.
Dafür kam ich fast ins Gefängnis.
Ein paar Jahre später tat ich es wieder mit einem anderen Mädchen.
Ich hatte aus dem ersten Mal nichts gelernt
und bekam dafür in Oklahoma eine Gefängnisstrafe.
Und zwar Bewährung.
Und drei Monate später war ich dann in diesen Fall verwickelt.
MORD MANIPULATION
Mit dem Mitangeklagten, Steinmeyer, hatte ich zusammengearbeitet.
Und vielleicht waren wir irgendwie seelenverwandt.
Er war etwas jünger als ich, aber ähnelte mir sehr.
Er war etwas aggressiver.
Aber ich mochte ihn, weil er Ähnlichkeit mit mir hatte,
als ich etwas jünger war als er.
Wir wurden erst etwa einen Monat vor den Morden richtig enge Freunde.
In diesem Monat packten wir einiges an.
Mädchen, Partys, Alkohol, Marihuana, Kokain und Meth.
Steinmeyer prahlte viel und hatte oft davon gesprochen,
Leute auszurauben, Verbrechen zu begehen.
Ich rede selber viel,
aber darauf hatte ich eigentlich keinen Bock.
Als er mit der Idee ankam, sagte ich anfangs einfach Nein.
Es hieß auch Nein. Man kann mich nicht dazu zwingen.
Aber im Lauf des Tages biss ich dann doch an.
Ich sagte: "Ok."
Und innerhalb einer Stunde waren wir auf dem Weg.
Wir hatten vor, einen Raub zu begehen. Jemanden zu töten, war nicht geplant.
Das stand anfangs gar nicht zur Debatte.
Es geriet wirklich einfach außer Kontrolle.
AM 29. APRIL 1990 WAREN JERRY PARKER UND DENNY YOUNG
IN BLANCHETTE LANDING, ST. CHARLES, MISSOURI
Auf die Opfer stießen wir in Blanchette Landing.
Dieses Wort zu benutzen, fällt mir schwer,
denn es klingt nach Räuber und Beute, aber so war es tatsächlich auch.
Wir haben den Opfern nachgestellt.
Es war dunkel, und sie waren ziemlich weit weg.
Aber als wir näherkamen, erkannten wir, dass es zwei Männer waren.
Und irgendwann küssten sie sich.
Wir wussten,
dass Homosexuelle vielleicht ein leichteres Ziel sind.
Will man jemanden ausrauben,
dann keinen 2 m großen, 150 Kilo schweren Kraftmeier.
Man sucht sich jemanden, mit dem man leichteres Spiel hat.
Sie fanden es komisch, dass wir so spät noch unterwegs waren.
Wir sahen jung aus, auf meinem Verbrecherfoto von damals
wirkte ich wie 12, nicht wie 19.
"Was treibt ihr so spät?"
Wir erfanden schnell eine Geschichte,
dass wir zu einem Mädchen müssten, das etwa 15 km entfernt wohnt.
"Fahrt ihr uns hin?", "Klar."
So landeten wir mit ihnen im Auto.
Sie hatten beide getrunken und waren ganz schön abgefüllt.
Wir ließen uns zu ein paar Häusern fahren.
Wir wussten nicht mal, wo wir waren.
Ich hatte eine Waffe.
Zu dem Zeitpunkt noch ungeladen, die Kugeln waren in meiner Tasche.
Irgendwann hielten sie an und sagten: "Es reicht.
Ihr lasst uns im Kreis rumfahren, also..."
Da wollten wir sie ausrauben, gleich nach dem Aussteigen.
Es kam zum Kampf und...
Während ich auf der Fahrerseite mit Mr. Young kämpfte...
...kämpfte Steinmeyer mit Mr. Parker auf dem Beifahrersitz.
Mr. Parker hatte Steinmeyer auf dem Boden.
Ich befahl ihm mit der Waffe, abzulassen.
Dann stiegen wir wieder ins Auto. Ich befahl ihnen, einzusteigen.
Und da wurde daraus eine Entführung.
Ich sagte, er soll einfach fahren.
Die Anspannung war groß.
Ich lud die Kugeln in die Pistole.
Wir kamen auf die Silver's Road.
Und dort hielten wir einfach an. Ich befahl ihnen, anzuhalten.
"Macht die Tür auf, lasst uns raus."
Das sagte ich, und Mr. Parker ließ Steinmeyer auch raus.
Sie gerieten sofort wieder aneinander.
Und als ich ausstieg, geriet ich mit Mr. Young aneinander.
Es fielen keine Worte. Es ging einfach ganz schnell.
Während ich mit Mr. Young kämpfte, floh Mr. Parker die Straße hinunter.
Ich verfolgte ihn.
Er war etwa 15 m vor mir.
Er rannte nicht sehr schnell.
Er rannte nicht mal in einer geraden Linie.
Die Straße war uneben, und er stolperte.
Und da feuerte ich einen Schuss ab.
Heute weiß ich, dass er ihn verfehlt hat.
Aber er stolperte danach in den Graben.
Ich schloss zu ihm auf.
Als ich näher kam, gab ich noch einen Schuss ab.
Und dann noch einen.
Einer traf ihn über dem Auge, der andere darunter.
Steinmeyer war zum Zeitpunkt hinten am Auto,
und Mr. Young lag vorn am Auto im Graben.
Er versuchte, irgendwie aus dem Graben zu klettern.
Der Boden war nass und schlammig. Da feuerte ich noch mal.
Er fiel nach hinten.
Ich sprang zu ihm in den Graben.
Zur selben Zeit feuerte ich noch mal
und traf ihn im Unterarm.
Es war ein Durchschuss.
Irgendwie drehte er sich dann,
und ich schoss ein weiteres Mal.
Und das war's.
Die Schießerei dauerte vielleicht...
...30 Sekunden, dann war sie vorbei.
Und es herrschte nur Stille.
WENIGE STUNDEN NACH DEN MORDEN
STELLTEN SICH DAVID STEINMEYER UND ROBERT SHAFER DER POLIZEI
Steinmeyer und ich sprachen darüber.
Nicht über die Morde, sondern wie wir die Geschichte erzählen.
"Du hast einen erledigt und ich den anderen.
Das tun... Partner füreinander."
Er wollte sich nicht stellen.
Ich zwang ihn auch nicht dazu, aber schließlich...
Ich weiß nicht, warum er es tat. Ich tat es, um so damit durchzukommen.
Wenn man flüchtet, gilt man als schuldig.
Das weiß doch jeder.
Also stellten wir uns und erzählten es so.
Ich habe einen erschossen, du den anderen.
Sie machten homosexuelle Annäherungsversuche.
So entwickelte sich die Story von da an.
ST.-CHARLES-COUNTY- SHERIFFS-ABTEILUNG
VERNEHMUNG DES VERDÄCHTIGEN
DAVE SCHRIE: "DAS SIND SCHWUCHTELN!"
ER SAH, WIE DAVE ZWEI- BIS DREIMAL AUF PARKER SCHOSS
SHAFER SAGTE, ER SCHOSS UND TRAF YOUNG ZWEI- BIS DREIMAL
DAVE SAGTE IHM,
PARKER MACHTE BEI IHM SEXUELLE ANNÄHERUNGSVERSUCHE
ANFANGS WURDEN SOWOHL SHAFER ALS AUCH STEINMEYER
DES MORDES AN JERRY PARKER UND DENNY YOUNG ANGEKLAGT
JEDEM DROHTE EINE LEBENSLANGE HAFTSTRAFE
Onkel Jerry war einfach nett.
Er tat alles für einen. Er war mit jedem gleich vertraut.
Für ihn war alles lustig. Er nahm nie irgendwas ernst.
Er wollte einfach nur Spaß haben.
Wollte man was machen, war er zur Stelle.
Er teilte alles, was er hatte. So einer war er.
JERRY PARKERS NEFFE
Er wollte einfach helfen, er wollte alles für einen tun.
Er und Denny hingen oft zusammen ab.
Das einzige, das ich über Denny wusste, war,
dass er schwul war
und eine Frau ihm das Herz brach
und dass er nie mehr mit einer Frau zusammen sein wollte.
Als wir das mit Jerry erfuhren,
konnten wir es einfach nicht glauben.
Keiner von uns hat das geglaubt.
Er war nicht der Typ, der Ärger anfängt
oder jemandem einen Grund liefert, ihn zu töten... es gab keinen Grund.
Er war um die 40, sein Knie... Er konnte nicht gut laufen, war herzkrank.
Ein 19-Jähriger hätte ihn mit Leichtigkeit umhauen oder abwehren können.
Jerrys Tod setzte meiner ganzen Familie zu.
Ich sah meine Mutter zwei Mal im Leben weinen.
Und das war eins davon.
Als Robert Shafers Fall verhandelt wurde, ging meine Mutter nie hin.
Meine Großmutter und Schwester schon.
Dann kamen sie mit kleinen Infos zurück.
GERICHT
Meine Schwester erzählte, dass er ein gut aussehender Junge war,
bis er den Mund aufmachte.
Dann wurde er ein großspuriges Arschloch.
Ich weiß nicht, warum sie das sagte.
Aber kaum dass er den Mund aufmachte, hasste sie ihn.
Ich bin Phil Groenweghe,
Hauptprozessanwalt und stellvertretender Staatsanwalt
in St. Charles County, Missouri.
Wir kriegen normalerweise zwei bis drei Mordfälle pro Jahr.
STAATSANWALT
Sie sind nicht alltäglich, aber kommen vor.
Und zu meinen Pflichten gehört es, diese Fälle strafrechtlich zu verfolgen.
Als Shafer und Steinmeyer sich stellten, war mein erster Eindruck,
dass die Aussage von Shafer erfunden klang.
Sie erschien mir nicht sehr plausibel.
Sie behaupteten, sie waren Trampen
und zwei angeblich schwule Männer hätten sie mitgenommen.
Die Männer hätten sie sexuell belästigt,
woraufhin es Shafer und Steinmeyer gelang, ihnen eine Pistole zu entwenden.
Und aus Notwehr erschossen sie die beiden.
Das Problem ist, einem der Opfer wurde zweimal in den Kopf geschossen,
dem anderen einmal.
Das entspricht nicht den Wunden, die jemand einem anderen zufügt,
wenn er sich nur gegen einen Angreifer wehrt.
Ich glaubte diese erste Version nicht.
Aber das ist nicht ungewöhnlich, wenn jemand sich der Polizei stellt.
Die Täter haben oft eine Version,
die sie besser dastehen lässt als der wahre Ablauf.
Shafer kam mir sehr manipulativ vor.
Er wirkte auf mich sehr grausam.
Ich glaube,
dass er seinen Intellekt stark überschätzte.
Er war nicht so klug, wie er dachte.
Dass die Opfer schwul waren,
sah er fast als mildernden Umstand an,
so, als ob jeder verstehen würde, warum er zwei schwule Männer umbringt.
Damit hatte er ein echtes Problem.
Ich weiß nicht warum.
WILLKOMMEN IN SALINA
Als wir noch Kinder waren, war das ein sehr stilles Viertel.
Unsere ganzen Freunde lebten in der Custer...
ROBERT SHAFERS SCHWESTER
...oder in der Sheridan, Merill.
Das waren alles amerikanische Generäle. Deshalb nennen wir sie Generalsstraßen.
Meine Mutter wurde in einem Waisenhaus von katholischen Nonnen erzogen.
Sehr streng. Sie war als Mutter ungeeignet.
Obwohl sie einen Haufen Kinder hatte, hatte sie vom Muttersein keine Ahnung.
Wir wurden nicht umarmt, hörten kein "Ich hab dich lieb",
bekamen nicht die Bestätigung, die Kinder brauchen.
Mom und mein Stiefvater stritten oft, dann wollte sie, dass er geht.
Sie rief die Polizei an, dann sollte er bleiben.
Es gab immer irgendetwas.
Und dort wuchsen wir auf.
In diesem Haus lebten 11 Kinder und zwei Erwachsene.
In einem so kleinen Haus.
Ich erinnere mich an keine frohen Feiertage.
Ich erinnere mich an gar keine frohe Zeit in diesem Haus.
Die Freude kam, wenn wir Kinder auf den Eisenbahnschienen spielten.
Rechts davon war ein Ort, an dem wir Forts bauten.
Und wir gingen alle gern zur Schule, weil wir dann nicht zu Hause waren.
Er war so ein fröhlicher Junge.
Und ein geselliger Mensch. Jeder mochte ihn.
Er kannte jeden.
Wir nannten ihn "Rosiger Reporter Naseweis".
Denn er kannte die aktuellen Ereignisse, wusste über alles Bescheid.
Aber aus irgendeinem Grund...
...bekam er immer für alles die Schuld.
Er machte alles falsch.
Er bekam dauernd Prügel, oder wurde vielmehr richtig geschlagen.
Es beeinträchtigte ihn nicht, er war immer froh,
hatte immer ein Lächeln im Gesicht und rosige Wangen
und regte sich nie auf, weinte nicht mal.
Er stahl gern mal das ein oder andere. Aber er wurde immer erwischt.
Dass er trotzdem weitermachte, haben wir nie so recht verstanden.
Ich konnte dem dysfunktionalen Haushalt nur entfliehen,
indem ich auszog.
Selbst mit 15 hatte ich damit zu kämpfen,
weil ich wusste, wenn ich gehe, bleiben immer noch vier zurück.
Der Einzige, um den ich mir Sorgen machte, war Robert.
Ich kam lange nicht zurück.
Robert war für kurze Zeit in der Navy.
Danach wollte er nicht mehr zurück nach Salina.
Also sagte ich: "Dann zieh doch zu uns nach St. Charles."
Alles lief gut.
Er passte auf meinen zwei-, dreijährigen Sohn auf.
Und dann natürlich, sechs, neun Monate später...
...passierte das dann.
BAHNÜBERGANG
ALS ROBERT AUS SALINA WEGZOG,
LIESS ER AUCH SEINEN ENGSTEN FREUND ZURÜCK
Ich lernte Robert in der zweiten Klasse kennen.
Robert platzte einfach raus und schrie:
"Ich bin der Bruder von Elvis Presley!"
Natürlich wusste ich, dass das gelogen war.
KINDHEITS-FREUND
Aber unser Familienleben und unsere Energie zogen uns an.
Unsere Lehrerin sagte, es sei eine dunkle Energiewolke,
die jagte ihr Angst ein.
Aber keiner konnte diesen Bund zerstören.
Robert war ein Stuntman, ein wilder Junge,
der immer andere übertreffen musste, das war sein Stil.
Und je gefährlicher, desto besser.
Wir spielten ständig in der Nähe der Züge, wenn sie anhielten.
Aber Robert musste es weitertreiben
und auf einen fahrenden Zug aufspringen oder klettern,
den ganzen Weg nach oben und von einem Wagon zum nächsten springen.
Ich dachte, jetzt stirbt er.
Das ist das letzte Mal, dass ich meinen Freund sehe.
Ich rufe: "Komm runter! Lass es sein! Nein, du treibst es zu weit!"
Er stresste mich echt total.
Als Robert und ich älter wurden, fuhren wir mit Freunden herum.
Wir gingen in den Park, wo einige Schwule abhingen.
Manchmal schmeichelten wir uns bei denen ein,
sodass einer von uns ihr ganzes Zeug klauen konnte.
Ich weiß nicht, warum wir damit anfingen.
Vielleicht war es bloß der Nervenkitzel. Ich bin mir nicht sicher.
Wir wussten nicht, dass der Älteste in der Gruppe
mit einem der Schwulen verschwand, Sex mit ihm hatte und zurückkam.
Das wussten wir nicht.
Ich hätte, glaube ich, nie gedacht,
dass Robert mal das Verbrechen begeht, wegen dem er im Gefängnis sitzt.
Einige Leute vermuteten schon, dass er irgendwann dort landet.
Aber wegen Autodiebstahls oder weil er einen Cop verletzt oder so was.
Keiner hätte gedacht,
dass es wegen Mordes an zwei Schwulen wäre.
Diese Art von Gewalt liegt nicht in seiner Natur.
Andere Gewalt ja.
Dass er eine Frau schlägt, seine Freundin oder so.
Ok, das ist ein paar Mal vorgekommen.
Und Robert konnte Hunderte von Frauen kriegen.
Er hatte eine wunderbare Gesichtshaut, umschmeichelte die Ladys mit Worten.
Er bekam sie schon in der Grundschule rum.
Die wollten so einen Badboy wie Robert.
Wenn er mit ihnen schlief, verwirrte ihn das manchmal.
Und da schlug er dann manchmal seine Freundin.
Oder nahm ihr Haus auseinander oder so.
DREI JAHRE NACH SEINER FESTNAHME
WURDE ROBERT SHAFER FÜR BEIDE MORDE
SCHULDIG GESPROCHEN
DOCH VIELE GLAUBTEN WEITERHIN,
ER HÄTTE NUR EINS DER OPFER UMGEBRACHT
SHAFER SELBST VERBREITETE DIESEN GLAUBEN NOCH BIS 2014
Ich kontaktierte Robert Shafer,
als ich Bilder von meinem Onkel Jerry durchging.
2014, und das brachte alles hoch, was damals passiert war.
Es war 24 Jahre später. Er war kein 19-jähriger Junge mehr.
Ich wollte sehen, was für ein Mensch er war.
Zu der Zeit behauptete er immer noch, dass David einen umgebracht hätte
und er den anderen, aber dass man ihm beide aufgedrückt habe.
Und so, wie es bei ihm klang,...
...war David eher der Hitzkopf.
David war der leicht Reizbare und nicht Robert.
Also meldete ich mich bei ihm und...
"Robert, du warst lange im Gefängnis.
Ich habe viel nachgelesen und offenbar hast du den Kürzeren gezogen.
Falls du je freikommst, geht das für uns in Ordnung."
Der Typ tat mir fast ein bisschen leid.
Mit 19 etwas anzurichten...
Und dann nur noch für das Schlimmste, das man je getan hat, bekannt zu sein.
Er sollte nur wissen, dass wir ihm vergeben.
INNERHALB WENIGER TAGE ANTWORTETE ROBERT SHAFER AUF RICHARDS BRIEF
Robert warnt mich in diesem Brief vor den Einzelheiten
der Tat vom 29. April 1990.
Sie seien drastisch, vielleicht sollte ich sie allein lesen.
Ich dachte, Robert erzählt mir dasselbe, was im Internet stand.
Ich dachte,
er hätte den einen, David Steinmeyer den anderen getötet.
In diesem Brief übernimmt er die volle Verantwortung.
Er sagte, er habe beide erschossen.
BEI MEINER VERNEHMUNG SAGTE ICH DEN DETECTIVES,
MR. YOUNG UND MR. PARKER HÄTTEN UNS SEXUELL BELÄSTIGT.
DAMIT FINGEN OFFENSICHTLICH DIE GANZEN LÜGEN AN.
ICH ALLEIN BIN FÜR DIE MORDE VERANTWORTLICH.
ES IST AN DER ZEIT, DASS ICH EINMAL IM LEBEN WIRKLICH EHRLICH BIN.
Er sagte: "Hey. Ich war es.
Ich kann nicht sagen, warum, aber ich tat es.
Dafür gibt es nicht die geringste Entschuldigung."
Er gestand es ein.
Ich schrieb Robert zurück.
Ich sagte ihm, dass sich für mich und meine Familie nichts geändert hat.
Wir vergeben ihm. Ich meine, wir...
Egal, was der Bewährungsausschuss entscheidet,
es geht für uns in Ordnung.
Warum ich Robert Shafer vergeben habe?
Der wahre Grund ist vermutlich...
Wenn ich jemandem nicht vergebe, wie kann ich dann je Vergebung erwarten?
Ich meine, er saß 28 Jahre im Gefängnis...
...für etwas, das er an einem Abend tat, ohne überhaupt darüber nachzudenken.
Mein Onkel hätte ihm auch vergeben.
So war er.
AUCH WENN ER NUN ENDLICH DIE WAHRHEIT SAGTE,
HATTE SHAFER DER POLIZEI BEREITS VOR ÜBER 20 JAHREN
DIESELBEN EINZELHEITEN GESCHILDERT
WAS RICHARD KIEL NICHT WUSSTE, WAR,
DASS SHAFER BEREITS 1992 BEIDE MORDE GESTANDEN HATTE
ST. CHARLES COUNTY STAATSANWALT
Ich weiß nicht mehr, wie lange Shafer an der ersten Version festhielt.
Aber im Lauf der Verhandlungen änderte sich seine Geschichte.
Heute Morgen hatten Sie ein Gespräch mit Susan McGrath.
Hat sie Ihnen zu- oder abgeraten, eine Aussage zu machen?
-Sie hat mir abgeraten. -Abgeraten. Ok.
-Sie wollen dennoch aussagen? -Ja, will ich.
Nachdem wir Anklage erhoben hatten,
wollte Shafer noch mal mit der Polizei reden
und änderte seine Version.
Die neue Version stellte keine Verteidigung dar,
sondern war im Wesentlichen ein Mordgeständnis.
Als wir zum Stoppschild an der Old Town St. Peters kamen,
suchte Young den Türgriff, er wollte vermutlich raus.
Da wusste ich, dass mehr als nur ein Raub passieren würde.
Ich war fast sicher, dass sie erschossen werden.
Steinmeyer hatte sogar gefragt,
ob ich sie erschießen würde, und ich sagte Ja.
Beim ersten Schuss wusste ich nicht, ob er getroffen hatte.
Aber beim zweiten schon,
denn ich war so nah, dass ich Blut an der rechten Hand hatte.
Zu welcher Uhrzeit war das?
Er wirkt fast arrogant.
Jedenfalls nicht reumütig.
Solche Vernehmungen sind oft wie Zähne ziehen.
Aber seine nicht.
Er wirkt fast stolz auf das, was er getan hat.
Ich lief von Parker zurück zu Young und Steinmeyer.
Young lag noch im Graben.
Als ich näherkam, flehte Young mich an, ihn nicht zu erschießen.
Dann sagte er, er habe mein Gesicht kaum gesehen
und würde nicht zur Polizei gehen.
Aber da wusste ich bereits, dass ich ihn erschießen würde.
Warum entschieden Sie sich an diesem Punkt so?
Na ja, ich hatte ja schon Parker erschossen.
Und ich dachte, es schadet mir,
Young am Leben zu lassen, damit er mich verpfeifen kann.
Ich wusste, er tut es...
Er wirkt sehr sachlich
und scheint in keiner Weise davon emotional berührt zu sein.
Er zeigt gar keine Emotion.
Er schildert einfach nur,
wie einer der Männer weglief und er ihm in den Rücken schoss.
NACH DEM GESTÄNDNIS VERZICHTETE ER AUF SEIN RECHT AUF EINEN ANWALT,
BEKANNTE SICH SCHULDIG UND VERLANGTE DIE TODESSTRAFE
SO VERHINDERTE ER EINEN LANGWIERIGEN PROZESS
UND DIE EINZELHEITEN DER MORDE WURDEN NIE VOR GERICHT BEKANNT
NACH NUR ZWEI STUNDEN WURDE ER ZUM TODE VERURTEILT
Ich lud drei Kugeln in die Waffe.
Shafer beschloss, dass er die Todesstrafe will.
Das war sein Wunsch.
Also bekannte er sich schuldig und bat den Richter um die Todesstrafe.
Und die hat der Richter auch verhängt.
Ich habe das Gefühl, dass er das Ganze kontrollieren wollte.
Er wollte die Kontrolle über den Prozess. Die hat er auf beeindruckende Art erlangt.
Ich bin mir nicht sicher, ob er alles bis zum Ende durchdacht hat.
Ich hatte fast den Eindruck,
dass Shafer nur um des Manipulierens willen manipulierte.
Dass die Manipulation selbst der Zweck war.
Später behauptete er, er habe Schwule ins Visier genommen,
weil die sich nicht so stark wehren würden wie Nicht-Schwule.
Aber ich glaube nicht, dass das der Grund war.
Es gibt auch 2 m große schwule Männer, die sehr stark sind,
und sehr ängstliche Heteromänner.
Ich glaube, er nahm sie aus Hass ins Visier.
Er hielt sie für schwul, und das war etwas, das er...
...warum auch immer nicht tolerieren konnte.
Oh, ich erinnere mich an den Tag.
Es kam ein Anruf, meine Frau kam rein.
Ich glaube, ich badete gerade meine jüngste Tochter.
Sie sagte: "Robert hat jemanden umgebracht."
Und ich: "Das kann nicht sein."
ROBERT SHAFERS BRUDER
Ich konnte es nicht glauben.
Aber ich verstehe es fast, die Wut.
Ich entschuldige seine Tat nicht. Aber ich verstehe, wie es dazu kam.
Wäre seine Kindheit anders verlaufen... Wer weiß?
Robert fragte mich mal: "Warum liebt Mama uns nicht?"
Und ich sagte: "Ich weiß es nicht."
Denn so schien es tatsächlich. Die anderen Kinder wurden verschont.
Die mussten nicht dasselbe durchmachen. Verstehen Sie?
Wir wurden fast gejagt.
Ich finde, das Wort passt ganz gut.
Ein paar Mal bin ich nachts aufgewacht,
und sie hat Robert geohrfeigt, im Bett, während er schlief.
Ich erinnere mich, dass Mom ihn Schwuchtel nannte,
mich auch.
Ich kannte das Wort nicht.
Eines Tages fand ich es heraus und war am Boden zerstört.
Ich dachte: "Warum nennt sie mich so?"
Bis heute, das gilt für mich und Robert... ich redete mit ihm darüber...
...sehe ich manchmal in den Spiegel und denke: "Sehe ich feminin aus?"
Denn warum nennt einen die Mutter so?
Es muss ihm genauso zugesetzt haben, er sieht aus wie ich.
Typisch amerikanische Jungs, oder?
Vor allem, da er als Junge sexuell missbraucht wurde.
Mir ist nie so was zugestoßen.
Robert schon. Da könnte der Unterschied liegen.
Ich weiß noch die Straße...
So ein Typ ließ die Jungs aus dem Viertel
immer bei sich Videospiele spielen.
Heute wissen wir, was das heißt.
Ich meine, alle Jungs im Viertel.
Das hat Robert auf jeden Fall beeinflusst.
Ich würde sagen, es fing im Sommer in der 4. Klasse an.
Mit etwa 12, 13 Jahren.
Im Sommer in der 4. Klasse stellte Robert mir den Kinderschänder vor.
Dieser Kinderschänder führte sich auf wie der Leiter eines...
...Bordells für Kinderschänder.
Ich meine, er hatte für jeden einen eigenen Preis.
Wir waren zwei Jungs ohne Job, zu jung zum Arbeiten.
Wir hätten alles für Geld getan.
Ok? Es war alles durch Geld motiviert.
Und es war schön.
Wir konnten in die Pizzeria gehen und eine Party schmeißen.
Eine Pizza-Party und uns den ganzen Tag dort herrlich amüsieren.
Und vergessen, was mit uns geschah. Das Geld ließ alles verschwinden.
Es verstörte mich natürlich sehr,
als ich erfuhr, in welchem Ausmaß Robert geschändet wurde.
Ich machte nur Oralsex mit Kondom.
Und...
Ich ließ ihn Oralsex an mir verüben. Weiter ließ ich ihn nie gehen.
Bei Robert war es wesentlich schlimmer, viel schwerwiegender, viel verstörender.
Wir fuhren immer an bestimmte Orte, um die sexuellen Handlungen zu vollziehen.
Wenn ich fertig war,
stieg ich aus dem Van, und dann war Robert dran.
Robert hatte immer $150, 200,
wohingegen ich nur 50 oder 75 oder so hatte.
Ich dachte wohl immer, Robert wäre besser beim Oralsex als ich.
Ob er es nun mit Kondom tat oder ohne. Mehr habe ich mir nicht dabei gedacht.
Über diesen Teil der Transaktionen haben wir nie gesprochen.
Ich glaube, das trieb Robert zu gewaltsamen Handlungen.
Er kam nie darauf,
dass er mit dem Erschießen dieser zwei Typen
das loswerden wollte...
...oder jemanden dafür büßen ließ, was ihm im Leben angetan worden war.
Ob Robert es so sieht oder nicht,
er nahm diese zwei Schwulen ins Visier, weil er missbraucht worden war.
Genau so sehe ich das. So sehen es viele Leute.
INNERHALB VON WOCHEN NACHDEM ER DIE TODESSTRAFE ERHALTEN HATTE,
LEGTE ROBERT SHAFER BERUFUNG EIN
2004 URTEILTE EIN GERICHT, DASS ER NICHT VERSTANDEN HABE,
WELCHE FOLGEN ES HAT, AUF SEIN RECHT
AUF EINEN ANWALT ZU VERZICHTEN
DIE TODESSTRAFE WURDE IN LEBENSLANGE HAFT
OHNE CHANCE AUF BEWÄHRUNG UMGEWANDELT
Ich wusste, dass ich anders war,
und nicht wie einige der anderen Jungs in meinem Alter.
Weil mir das passiert ist, habe ich lange versucht...
...mit jedem Mädchen was anzufangen,
um mir und anderen, die es nicht wussten, zu beweisen,
dass es nicht meine Schuld war, dass ich nicht schwul war, sondern er.
Die!
Also wusste ich, dass der Teil...
Es ist schwer, ihn über den Missbrauch reden zu hören.
Er ist etwas dissoziiert,
so, als redet er über das Leben von jemand anderem.
Ich glaube, er wollte sich beweisen, dass er Frauen mochte und nicht...
Dass er wegen dem, was passierte, vieles infrage stellte.
Ich wusste, dass man nicht herumwitzeln und ihn "Schwuchtel" nennen konnte.
Das Wort wurde damals oft benutzt.
Wenn man das zu ihm sagte, regte er sich sehr auf.
Keiner aus meinem Leben konnte es glauben.
Nicht Robert. Nicht der Robert, den wir kennen.
Viele Leute kannten mich nicht so gut, wie sie dachten.
Ich machte keine geheimen Sachen.
Bei mir war alles sichtbar. Das war wirklich so.
Seine Masken waren so... Es gab nicht nur eine.
Eine verrutschte womöglich leicht, aber darunter war eine weitere.
Darunter vermutlich noch eine.
Er baute diese ganzen Mauern um sich auf und trug Masken,
die vermutlich keiner hätte durchdringen können.
Ob ich eine Maske trug? Klar. Ich wollte nicht, dass jemand mich kannte.
War ich der missbrauchte Junge?
Auch das zeigte ich nicht jedem.
So, wie ich zum Teil gelebt habe, klinge ich soziopathisch.
Aber ich glaube, genau das trifft auch zu.
Ich tat abnormale Dinge, führte aber ein normales Leben.
39 TAGE NACH DEM ERSTEN INTERVIEW
ERKLÄRTE ROBERT SHAFER SICH BEREIT, WEITERE FRAGEN ZU BEANTWORTEN
Ich hatte keine Lösung für den Kindesmissbrauch.
Rache? Nein. Vielleicht kam da einfach nur alles raus.
Und die Morde haben es nicht besser gemacht.
Nein, ich fand erst im Nachhinein mehr über sie heraus.
Glaubten wir, es zu wissen? Klar, aber nicht mit Bestimmtheit.
POTOSI-JUSTIZVOLLZUGSANSTALT
Ich hatte eine geladene Pistole.
Übles ist vorprogrammiert, wenn man kriminell lebt,
eine geladene Pistole hat und jemanden ausrauben will.
Da kann es schnell zum Mord kommen. So war es auch.
Ich schoss impulsiv. Ich hätte nicht schießen müssen.
Shafer beschloss, dass er die Todesstrafe will.
Die war sein Ziel.
Also bekannte er sich schuldig und bat den Richter um die Todesstrafe.
Und die hat der Richter auch verhängt.
Ich habe das Gefühl, dass er das Ganze kontrollieren wollte.
Er wollte die Kontrolle über den Prozess. Die hat er auf beeindruckende Art erlangt.
Der Fall wurde einfach ungeheuer frustrierend.
Ich dachte,
wenn ich mich schuldig bekenne und um die Todesstrafe bitte,
würde man Milde walten lassen, ich würde Mitgefühl bekommen
und dadurch in besserem Licht dastehen.
Es gibt ein Sprichwort: "Pass auf, was du dir wünschst."
Ich bat darum, der Richter gewährte sie mir.
Ich bedauere die Auswirkung, die es auf viele hatte.
Die Familie meines Opfers wusste nicht mal was davon.
Sie erfuhr erst später von Todesstrafe.
Sie hatte nicht die Gelegenheit, sich vor Gericht zu äußern.
Wenn man in den USA verurteilt wird,
darf die Familie des Opfers sich dazu äußern
in einer Opfer-Stellungnahme.
Sie darf vor Gericht alles zu dir sagen, was sie möchte.
Darauf war ich nicht vorbereitet.
Aber ich wusste, dass ich schuld an den Morden war.
Ich konnte ihnen nicht gegenübertreten und wollte es nicht.
Ich schämte mich.
Und damit habe ich die Opfer beraubt, aber das wurde mir erst später klar.
Wenn ich mit jemandem sprechen könnte, dann wohl am liebsten mit ihm.
Ich habe nicht nur der Familie meines Opfers das Leben kaputtgemacht,
und meiner Familie, sondern auch sein Leben.
NAME: STEINMEYER, DAVID JR. ANKLAGE: MORD MANIPULATION
DAVID STEINMEYER SASS 11 JAHRE
WEGEN SEINER BETEILIGUNG AN DEM VERBRECHEN
ER HAT AUF INTERVIEW-ANFRAGEN NICHT REAGIERT
Hätte ich gleich die Wahrheit gesagt, wäre er wohl nie ins Gefängnis gekommen.
Ich hätte ihn leicht für meine Tat in die Todeszelle bringen können.
Ich wollte nicht noch einen Mord. Darauf wäre es hinausgelaufen.
Ich würde einfach sagen: "Es tut mir leid."
Ich schrieb Robert zurück.
Ich sagte ihm, dass sich für mich und meine Familie nichts geändert hat.
Wir vergeben ihm. Ich meine, wir...
Egal, was der Bewährungsausschuss entscheidet,
es geht für uns in Ordnung.
Ich glaube nicht, dass er wusste, welchen Einfluss sein Brief haben würde.
Er hat mein Leben verändert.
Ich erinnere mich noch an den Tag, als der Brief ankam.
Er setzte einen Prozess in Gang, auf den ich schon hinarbeitete.
Ich brauchte jemanden,
der mir keinen Stups, sondern einen Stoß gab.
Und den hat sein Brief mir gegeben.
Die Güte, die er mir gegenüber gezeigt hat...
...hat mich dazu gebracht, endlich etwas Gutes zu tun.
Die Wahrheit zu sagen, ist nie leicht, nachdem man gelogen hat.
Bei der Ermordung zweier Menschen ehrlich zu sein,
ist noch schlimmer.
Und...
Ich bin froh, dass er mich dazu gebracht hat.
Untertitel von: Claire Roth
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