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Im Dezember 1944, in den ersten Tagen der Ardennenoffensive,
verteidigen US-Fallschirmjäger eine Brücke gegen eine deutsche Kampfgruppe.
Als ihr kleiner Trupp überrannt wird...
Feuer!
...bleiben zwei Soldaten zurück, um den Rückzug zu decken.
Sie können die Kompanie schützen,
sich aber selbst vielleicht nicht retten.
6. Juni 1944.
Endlich landen alliierte Truppen in der Normandie, um die Westfront zu eröffnen.
Achtung. Feuer!
Aber Nazi-Fanatiker und Hartgesottene kämpfen verbissen um ihr Überleben.
Der D-Day war eine Schlacht.
Der Krieg ist noch nicht gewonnen.
HITLERS LETZTER WIDERSTAND
EISKALTE OFFENSIVE
20. Dezember 1944.
Region der Ardennen, Belgien.
US-Soldaten des 505. Fallschirmjägerinfanterieregiments
nähern sich einer Brücke über der Salm.
Sie ist nicht stabil genug für Panzer und Fahrzeuge,
wäre aber ein leichter Übergang für feindliche Soldaten.
Sprengmeister Sergeant Jerry Weed arbeitet zügig.
Er legt eine Sprengfalle mit Stolperdraht und Granaten.
Der Draht muss genau richtig gespannt sein.
Sitzt er zu locker, zieht es die Ringe nicht heraus, wenn er berührt wird.
Sitzt er zu fest, zündet er die Granaten vielleicht selbst.
Fallschirmjäger, die den Sergeant decken, achten auf jede Bewegung im dunklen Wald.
Als die Sprengfalle bereit ist, gehen sie in Deckung und warten ab.
In den sechseinhalb Monaten seit den Landungen am D-Day
kämpften sich alliierte Truppen in Westeuropa voran
und drängten die meisten Deutschen zurück hinter die alte Reichsgrenze.
Der Vormarsch geht so schnell, dass die Nachschublinien kaum mithalten,
und die Kämpfe kommen wegen der kalten Jahreszeit ins Stocken.
Aber da alliierte Armeen sich auf breiter Front vor Deutschland sammeln,
bleiben alle optimistisch.
Anfang Dezember 1944 glauben die Alliierten, der Sieg sei nahe,
ein letzter großer Streich beende den Krieg,
und dieser große Streich käme am Ende des Winters.
Doch am 16. Dezember 1944
entfesselt Hitler eine massive Gegenoffensive.
Überraschend schickt er über 100.000 deutsche Soldaten
und an die 1.000 Panzer in den Wald der Ardennen.
Hitlers Ziel beim Unternehmen Wacht am Rhein ist der Hafen von Antwerpen.
Seine Eroberung soll die Alliierten von ihrem Nachschub abschneiden
und zudem einen Keil
zwischen amerikanische und britische Verbände treiben.
Hitler ist recht optimistisch, dass dies zum Bruch
der anglo-amerikanischen Koalition führen würde.
Dann könnte er die Sowjetunion bezwingen und den Krieg gewinnen.
Überrascht von Ausmaß und Heftigkeit des deutschen Angriffs,
schickt das alliierte Kommando Truppen in die Region.
Der Kommandeur der 82. Luftlandedivision,
Major General James Gavin, muss schnell reagieren.
Er befördert die Division am ersten Tag mehr als 240 km weit
und richtet sich binnen 40 Stunden nach Meldung
des deutschen Angriffs im Kampfgebiet der Ardennen ein.
Das 505. Fallschirmjägerinfanterieregiment wird dem Dorf Trois-Ponts zugewiesen.
Das nach seinen drei Brücken
benannte Dorf wird von zwei größeren Flüssen begrenzt,
der Salm und der Amblève.
Sie sind mancherorts seicht genug zum Durchwaten,
doch steile Ufer verhindern die Durchfahrt von Fahrzeugen und schweren Panzern.
Wenn sie die Brücken in und um Trois-Ponts halten,
könnte Hitlers Offensive scheitern.
Doch Gavins Männer müssen zuerst dort sein.
800 m südlich von Trois-Ponts
warten Fallschirmjäger vom 505., dass deutsche Soldaten
die verminte Brücke überqueren.
Endlich hören sie etwas am gegenüberliegenden Ufer.
Rechts bewegen.
Und eine Explosion erhellt die Nacht.
Die feindliche Patrouille greift unbeirrt an...
...obwohl die Fallschirmjäger den Vormarsch aufhalten.
Aber Fußbrücken sind nicht alles.
Manche Brücken sind wichtiger als andere,
und das sind diejenigen, die das Gewicht von Panzern aushalten.
Das macht die Brücke bei Trois-Ponts so wichtig und bedeutend.
Wer diese Brücke hält, hält den Schlüssel zum Sieg.
Schwere Holzstreben stabilisieren die Brücke
und erlauben Panzern und Gerät den Übergang über die Salm.
Der Schutz der Brücke obliegt Lieutenant Colonel Benjamin Vandervoort
und dem zweiten Bataillon des 505.
Benjamin Vandervoort
hat bereits viel Kampferfahrung gesammelt,
war hinter feindlichen Linien,
eroberte wichtige Ziele.
Er ist eine schillernde Persönlichkeit, aber durchaus bedacht,
und das ist bei einem Kommandeur eine seltene Kombination.
Nun verteilt Vandervoort seine Kompanien auf Stellungen am Ufer der Salm.
Kompanie E ist angewiesen, die Hochebene
östlich des Flusses zu halten, 30 m oberhalb von Trois-Ponts.
Eine Straße um eine Haarnadelkurve führt das Steilufer hoch
und von oben durch die Ebene.
Kompanie E ist dabei isoliert.
Sie ist die Speerspitze der gesamten US-Front
und schwer mit Nachschub zu versorgen, vor allem, wenn die Munition ausgeht.
Im Fall eines Rückzugs liegt hinter den Männern Wasser,
was kein gutes Gefühl ist.
Oben auf dem Steilufer
läuft der befehlshabende Kommandeur Lieutenant William Meddaugh
unter den Männern herum, die sich zwischen Bäumen verschanzten.
Die Nacht ist eisig,
und die Männer sind unzureichend vor Kälte geschützt.
Noch kurz zuvor waren sie im Ruhebereich.
Sie sollten Zeit zum Regenieren bekommen und dann abgelöst werden.
Recht unvermittelt
bilden sie jetzt die Front der amerikanischen Linie,
sind aber weder mit allen benötigten Waffen
noch mit hinreichend warmer Kleidung für so eine Schlacht ausgerüstet.
Lieutenant John Walas, Kommandeur des zweiten Zuges,
meldet, dass die Straße im Osten vermint ist
und seine Männer abwehrbereit sind.
Jetzt warten sie im Dunkeln.
Ohne Feuer, ohne Licht, ohne zu rauchen.
Gegen 3 Uhr wird die Stille gebrochen.
Meddaugh und seine Männer hören deutsche Stimmen im Dunkeln rufen
und das leise Rumpeln von Panzerfahrzeugen.
Bevor Meddaughs Männer aus dem Hinterhalt angreifen können,
lösen Straßenminen den Angriff aus.
Eine Explosion legt ein deutsches Halbkettenfahrzeug lahm.
Bazooka-Granaten ein zweites.
Als der feindliche Trupp aus dem brennenden Fahrzeug klettert,
eröffnen die Fallschirmjäger das Feuer.
21. Dezember 1944.
Belgien.
US-Lieutenant William Meddaugh
und verschanzte Truppen des 505. Fallschirmjägerinfanterieregiments...
...schießen, als zwei deutsche Halbkettenfahrzeuge
oberhalb des nahen Trois-Ponts neutralisiert sind.
Die Fallschirmjäger schalten einige deutsche Soldaten aus,
aber die anderen können in der Dunkelheit fliehen.
Was hier geschah, ähnelt einer Aufklärungssondierung.
Es zeigt, dass die Deutschen sehr verwundbar sind,
weist aber darauf hin, dass noch mehr zu erwarten ist.
Es wirkt fast wie die ersten Tropfen eines nahenden Unwetters.
Das Eigentliche steht erst noch bevor.
Die angreifenden deutschen Soldaten
gehören zur Kampfgruppe Hansen,
benannt nach ihrem Kommandeur, SS-Obersturmbannführer Max Hansen.
Sieht man das Porträt von Max Hansen,
wirkt er wie die Verkörperung eines Ariers nach der Nazi-Ideologie.
Außerdem ist er
Träger des Ritterkreuzes und der Nahkampfspange in Gold,
zwei Ehrungen, die in dieser Kombination im Krieg sehr selten verliehen werden.
Dank hoher militärischer Verdienste
kommandiert Hansen eine der vier Kampfgruppen
der elitären 1. SS-Panzerdivision oder Leibstandarte SS Adolf Hitler.
Hansen stehen etwa 4.500 Männer und 600 Fahrzeuge zur Verfügung.
Die Leibstandarte SS Adolf Hitler führt den Angriff auf Antwerpen an,
und der Erfolg ihrer ganzen Mission hängt von Hansens Vorrücken ab.
Zu Beginn von Hitlers Winteroffensive wollte Kampfgruppe Peiper an der Spitze
beim Versuch, rasch zur Küste vorzustoßen, die Brücke bei Trois-Ponts überqueren.
Der Kommandeur der Kampfgruppe, Obersturmbannführer Joachim Peiper,
stellte angewidert fest, dass die Brücke bereits gesprengt war.
Peiper muss eine neue Route entlang der Ostseite des Flusses nehmen,
um dann aufs Dorf La Gleize vorzurücken.
Kampfgruppe Peiper hat nur noch wenig Munition, Nahrung und Treibstoff,
als US-Truppen anrücken.
Hansen hat Befehl, durchzubrechen und Kampfgruppe Peiper zu verstärken,
um dann gemeinsam den Angriff auf Antwerpen fortzusetzen.
Da amerikanische Ingenieure sie inzwischen repariert haben,
erreicht er Peiper am schnellsten über die Brücke bei Trois-Ponts.
Doch Hansens erster Versuch, das Dorf zu erreichen, wurde abgewehrt.
Seine Leute berichten, US-Truppen seien über Trois-Ponts eingegraben.
Erst ist Hansen nicht sehr besorgt über eine Kompanie
von US-Fallschirmjägern, die das Gebiet verteidigt.
Er denkt, sie hielte seiner Panzerkolonne nicht stand.
Auf Hansens Befehl
rückt nun ein größerer Trupp mit Panzern vor, um anzugreifen.
Nach langer, kalter Nacht
harren Fallschirmjäger der Kompanie E in ihren Schießlöchern aus.
Es ist ein guter Hinterhalt.
Man kann wohl als Erster zuschlagen.
Fragt sich natürlich,
ob der Schlag auch genug Schaden anrichtet,
damit ihr Angriff stockt oder sie sich zurückziehen.
Sie behalten die Straße vor sich genau im Auge.
Es tat sich nichts seit
dem Anrollen der Halbkettenfahrzeuge nachts zuvor.
Die zerstörten Fahrzeuge wurden verschoben und bilden eine Straßenbarriere.
Bei Tagesanbruch hallt MG-Feuer über Straße und Wälder.
Deutsche Soldaten schlichen sich an die amerikanische Stellung heran,
gedeckt von den Bäumen rundum.
Nun schießen sie aus tödlich naher Distanz.
Lieutenant Meddaughs Männer schießen zurück.
Aber das offene Feld ist ideal für feindliche Panzer.
Zu allem Übel haben die Fallschirmjäger eine Steilwand im Rücken.
Unversehens steht Kompanie E kurz davor, überrannt zu werden.
21. Dezember 1944. Wald der Ardennen, Belgien.
US-Fallschirmjäger des 505. Infanterieregiments
wehren einen Angriff von SS-Elitesoldaten ab...
...in den Tagen, die man später Ardennenoffensive nennen sollte.
Die Stellung von Kompanie E schützt eine wichtige Brücke.
Die Nazis müssen ihre Panzer über die Salm bringen,
um ihre Gegenoffensive durch Europa voranzubringen.
- Rechte Flanke! - Lt. John Walas und seine Männer
rechnen mit Panzerangriffen von der Straße.
Doch deutsche Infanteriesoldaten schlichen sich
im Schutz der Bäume an sie heran und eröffnen das Feuer.
Trotz Ansturms auf ihre Schützenlöcher
halten Wales und die Männer stand und wehren sich heftig und verbissen.
Von Amerikanern hörte man damals oft den Satz:
"Die halbe deutsche Armee stürmt hier auf mich zu."
Immer mehr Feindsoldaten stürmen aus dem Wald.
Walas' Kommandeur Lieutenant William Meddaugh weiß,
dass seine Männer schlagkräftige Unterstützung brauchen.
Er fordert den 81-mm-Mörserzug an.
Der 81-mm-M1-Mörser wurde entwickelt
als tragbare Feuerwaffe für Infanterietruppen.
Mit knapp über 60 kg besteht er aus einem Schussrohr,
gestützt von einem Zweibein und einer Basisplatte.
Er feuert maximal 35 Schuss pro Minute mit einer Reichweite von bis zu 3.000 m.
Der Vorteil des 81-mm-Mörsers ist sein bewegliches Steilfeuergeschütz
im Winkel von 40 bis 90 Grad.
Also von steil aufragend bis ganz flach.
Ein Riesenvorteil zur Unterstützung der Amerikaner auf dem Steilufer.
Lieutenant John Cooper kommt an die Front
und wählt eine ideale Position nahe der Schlacht.
Er soll das US-Mörserfeuer
auf von unten anrückende Deutsche lenken.
Ein guter Beobachtungsoffizier ist die machtvollste Waffe
bei Scharmützeln einer Einheit.
Geschulte Leute wie Cooper,
der weiß, was er tut, und es auch kommunizieren kann,
können der Truppe des Feindes enorm schaden.
An Stelle der Deutschen würde ich so einen zuerst ausschalten.
Als das Ziel eingestellt ist, feuert das Team ins Getümmel.
Der zielgenaue Mörserbeschuss bremst den deutschen Angriff...
...fürs Erste.
Obersturmbannführer Max Hansen sieht seine Infanterie wanken.
Hansen ist sicher frustriert vom Widerstand der Amerikaner.
Er dachte, es sei ein leicht bewaffneter Feind
mit schlechten Nachschublinien, der leicht zu bezwingen wäre.
Hansen befiehlt den Panzergrenadieren, sich neu aufzustellen
zur Formation für ein Angriffsmanöver
mit Fahrzeugen und Soldaten, und Panzerartillerie bereitzuhalten.
In der Regel wird in der Schlacht mit Infanterie und Panzerfahrzeugen
die Infanterie zunächst den Widerstand im Nahkampf brechen,
anschließend nutzen Panzerfahrzeuge diese Lage aus.
Die US-Fallschirmjäger gehen in verbleibenden Schießlöchern in Deckung.
Auch Bäume schützen vor dem Ansturm.
Bei Treffern deckt der Wald oberhalb die Fallschirmjäger
mit Holzbruch und Granatsplittern ein.
Hansens Panzerkolonne ist effektiv.
Die Amerikaner sind unterlegen.
Es ist ohne Frage ein ungleicher Kampf,
weil ein isolierter, zu weit vorgerückter, leicht bewaffneter Trupp
es nun mit der Elite der Panzerkampfgruppen aufnehmen muss.
Das wird ungeheuer schwer.
Als die Amerikaner zurückfeuern,
überrennt sie ein Schwarm von SS-Infanteristen.
Der Nahkampf ist verzweifelt.
Teils wird von Mann zu Mann gekämpft,
doch eigentlich geht es von Loch zu Loch.
Die Deutschen schalten nach und nach die Schießlöcher der Amerikaner aus.
Manche Amerikaner wehren sich bis zum Tod.
Andere werden umgangen oder überrannt.
Gelegentlich gefangen genommen.
Entsetzliche Umstände.
Einige Verteidiger werden getötet,
die Verwundeten auch oft gefangen genommen.
Los! Runter!
Eine beunruhigende Entwicklung.
Um Gefangene der SS musste man sich große Sorgen machen,
gerade zu Beginn der Ardennenoffensive.
Die Alliierten wussten
von den schrecklichen Ereignissen wenige Tage zuvor im Dorf Malmedy,
nur 15 km nordöstlich von Trois-Ponts.
Vier Tage zuvor, am 17. Dezember,
führte die Kampfgruppe Peiper den Vorstoß durch Belgien nach Westen an.
Joachim Peiper ist ein gut aussehender, charmanter Mann mit guten Manieren,
was darüber hinwegtäuschen kann, was für ein glühender Nazi er ist.
Er ist überzeugt von der Ideologie und der Maxime vom totalen Krieg
und vom Endsieg.
Südlich des Dorfes Malmedy
überrannten sie ein amerikanisches Aufklärungsbataillon.
Über 100 US-Soldaten wurden gefangen genommen.
Die Genfer Konvention verlangt, Kriegsgefangene human zu behandeln.
Sie müssen Nahrung, Unterkunft und medizinische Versorgung bekommen
und dürfen keinen Gewaltakten ausgesetzt werden.
Peipers Nazis jedoch sammelten sie in einem nahegelegenen Feld.
Für Peiper zählte nur eines.
Der Vormarsch, so schnell wie möglich.
Alles, was das Vorrücken behindert, ist ein Problem,
und so sah er diese Soldaten auch und ließ sie erschießen.
Seine Soldaten mähen diese Gefangenen
mit Maschinengewehren nieder.
Nach den Schüssen prüften die Deutschen, ob noch jemand lebte,
und schossen noch mal auf sie.
Peiper und seine Männer taten es zwar nicht gern,
aber sie wollten vorankommen.
Mindestens 84 Amerikaner werden getötet.
Doch als Kampfgruppe Peiper abzieht,
bewegen sich einige, die zum Glück nur verwundet sind.
Mindestens 40 Männer entkamen in den Wald, trotz ihrer Wunden.
Die Nachricht vom Massaker in Malmedy verbreitet sich.
Auf dem Steilufer über Trois-Ponts
werden die Fallschirmjäger von Hansens Männern abgeführt.
Soweit wir wissen, erschoss die Kampfgruppe Hansen keine Gefangenen.
Sie dürften sie besonders grob behandelt haben,
aber Peipers Verhalten
und das seiner Kampfgruppe hatte eine andere Dimension.
Der Kommandeur von Kompanie E, Lieutenant Bill Meddaugh,
sieht, wie seine Männer überrannt und umgangen werden.
Zu viele sind gefangen, verwundet oder tot.
Er hat keine Ersatzkräfte.
Zum ersten Mal in seiner Kampfgeschichte
muss das 505. an Rückzug denken.
21. Dezember 1944.
Region der Ardennen, Belgien.
US-Lieutenant William Meddaugh
vom 505. Fallschirmjägerinfanterieregiment
sieht, wie eine deutsche Kampfgruppe mit Panzern
die Linien seiner Kompanie zu bezwingen droht.
Das 505. ist nach dem Absprung stets vorangerückt zum Ziel.
Er hat sich noch nie zurückgezogen.
Es wäre wohl fast
einem Eingeständnis der Niederlage gleichgekommen,
und dazu sind sie auf keinen Fall bereit.
Aber ihre Stellung auf dem Steilufer
wird von einer deutschen Kampfgruppe gleich überrannt,
er weiß, ziehen sie sich nicht ins Dorf zurück und sammeln sich,
könnten sie an die Klippe gedrängt werden.
30 m weiter unten in Trois-Ponts
will Bataillonskommandeur Lieutenant Colonel Benjamin Vandervoort
seine Männer zurückführen in eine bessere Abwehrposition.
Er muss den Befehl erteilen,
derzeit lautet ihr Befehl, bleiben und kämpfen,
bis sie etwas anderes hören.
Doch damit würde die Einheit vermutlich aufgerieben.
Erlauben Sie es, Sir?
Doch nicht mal Vandervoort kann dies allein entscheiden.
Nach einer Reihe Anfragen und aktueller Berichte
erteilt der Vorgesetzte endlich den gewünschten Befehl.
Vandervoort steigt in den Jeep und fährt selbst hinauf,
damit die Nachricht auch wirklich ankommt.
Wie alle guten Offiziere weiß er, dass ein Befehl nichts bewirkt,
ohne die Betreffenden zu erreichen,
damit er auch befolgt wird.
Hey, was ist mit der rechten Flanke? Los, Jungs. Macht schon!
Als er ankommt, herrscht Chaos in der Stellung von Kompanie E auf dem Steilufer.
Obwohl sie den ganzen Tag zahllose Feinde töteten und verwundeten,
rücken immer mehr Truppen und Panzer auf ihre Stellung vor.
Vandervoort findet Lt. Meddaugh unter den Kämpfenden.
...Straße runter!
Er erteilt den ersehnten Befehl
zum Rückzug über den Fluss nach Trois-Ponts.
Bring sie...
Der Rückzug ist ein einziges Durcheinander und Chaos,
- auch wegen mangelnder Kommunikation. - Zurückziehen!
Ob auch jeder den Befehl mitbekommt,
ob man alles koordinieren kann, das ist eine ganz andere Frage.
Sie müssen schnell abziehen, ohne dass es bemerkt wird.
Meine Gruppe gibt Deckung, während deine sich zurückzieht,
dann machen wir's umgekehrt.
Das erfordert auch Vertrauen,
denn wenn ich Feuerschutz gebe, während du abziehst,
muss es umgekehrt auch so laufen.
Nicht über die Bäume fallen. Feuer!
Lieutenant Jake Wertich und sein Trupp geben Feuerschutz.
Sie bedienen ein 57-mm-Panzerabwehrgeschütz.
Feuer!
Zuvor im Kampf hatten die Amerikaner zwei 57-mm-Geschütze hinten aufgestellt.
Das erste, auf die Straße und die Haarnadelkurve gerichtet,
wurde ausgeschaltet.
Das zweite Geschütz bewacht die Kurve ins Dorf hinein.
Diese Waffe kann die Soldaten beim Rückzug
über die Straße hinab decken
und ihnen wertvolle Zeit zum Übersetzen über den Fluss verschaffen.
Doch als die Deutschen die Kompanie-E-Stellung stürmen,
gerät Wertichs Trupp in schweren Beschuss von SS-Grenadieren nördlich der Straße.
Ihre Position wird unhaltbar.
Wertich bleibt allein beim 57-mm-Geschütz
und schickt die Männer weg, während er die Deutschen ablenken will.
Wer weiß, wie er es schaffte,
es ist nicht grundlos ein Trupp mehrerer Männer.
Während die Nazis ihn beschießen,
gesellt sich Corporal Stokes Taylor dazu,
der ihn deckt, während Wertich nachlädt und die Deutschen anvisiert.
Gemeinsam decken die Männer am Geschütz den Rückzug der Fallschirmjäger.
Man möchte annehmen, am Ende ginge ihnen
die Munition aus und sie könnten selbst entkommen.
Doch deutsche Truppen bezwingen ihre Stellung.
Sie opferten ihr eigenes Leben, damit andere,
die sie gut kannten, fliehen und weiterleben konnten.
Auf dem ganzen Höhenrücken versuchen versprengte US-Fallschirmjäger
deutschem MG-Feuer und Artillerie zu entgehen und ins Dorf zu kommen.
Die Veteranen wissen, dass sie nur bei einer Feuerpause laufen können.
Es geht nach und nach, feuern und laufen und einander decken.
Sie laufen nicht wie die Hasen davon.
Sie machen es mit Köpfchen.
Private First Class Eddie Arndt war in Holland bei Market Garden dabei
und versucht seinen Rückzug genau abzupassen.
Aber aus dem Kugelhagel gibt es kein Entkommen,
nicht mal für Erfahrene und im Kampf Gehärtete.
Er wird ins Bein getroffen und stürzt.
21. Dezember 1944.
Wald der Ardennen, Belgien.
Ein kleiner Trupp US-Fallschirmjäger vom 505. Fallschirmjägerinfanterieregiment
zieht sich von seiner Stellung oberhalb der Salm zurück.
Lauft!
- Zurückfallen! - Im Chaos
bekommt Private First Class Eddie Arndt einen Beinschuss.
Statt auf einen Sanitäter zu warten,
der ihn versorgt und von da wegbringt,
muss er nun selbst zurechtkommen.
Er wendet etwas Sulfa an.
Mit Sulfa ist Sulfanomid gemeint,
eine synthetische antimikrobielle Substanz gegen krankheitserregende Bakterien.
Sie wurde 1935 entwickelt
von einem deutschen Forscher, der in den Bayer-Laboren arbeitete.
Ab Beginn des Zweiten Weltkriegs
gehört Sulfa zum Bestand der Erste-Hilfe-Ausrüstung.
Natürlich geraten Dreck und Bakterien in Kampfwunden.
Dies führt zu einer Infektion.
Und oft führen eher Infektionen als die Wunde selbst zum Tod.
Sulfa-Tabletten schützen auch vor Erkrankungen wie Ruhr und Cholera.
Sulfa zu nutzen ist unter den Alliierten so verbreitet,
dass manche es als Geheimwaffe sehen, die den Krieg gewinnt
und die Überlebensrate von Soldaten erhöht.
Die Sulfa-Anwendung reduziert das Risiko, dass Arndts Wunde sich infiziert.
Aber die deutschen Soldaten kommen schnell näher,
eine Infektion ist jetzt seine geringste Sorge.
Er muss schleunigst von da weg.
Laufen kommt mit der Wunde nicht infrage.
Arndt kriecht weiter und bleibt unter der deutschen Feuerlinie.
Zwei Kameraden helfen Arndt auf der Straße vom Steilufer hinab.
Sie halten an einem 12 m hohen Vorsprung über einem Bahndepot.
Es ist noch ein weiter Weg hinab.
Eine gute Wahl bleibt ihnen nicht.
Sie müssen sehen, was das geringste Übel ist,
um irgendwie von da wegzukommen,
außerhalb der momentanen Schussweite der Deutschen.
Sie beschließen einen raschen Abstieg.
Unten lehnen andere Fallschirmjäger Holzplanken an die Steilwand.
Immer noch unter Beschuss...
...lassen die Kameraden oben Arndt so weit es geht hinunter,
damit er auf der improvisierten Rutsche ganz hinabrutscht.
Erstaunlicherweise kommt Arndt sicher nach unten.
Sanitäter laden ihn in einen Wagen vom Roten Kreuz.
Er überlebt und erzählt davon.
Als es dunkel wird, wartet im Dorf Trois-Ponts unterdes
Lieutenant Colonel Benjamin Vandervoort auf die Rückkehr der Kompanie E.
Durch den chaotischen Rückzug treffen Soldaten einzeln
oder in Grüppchen ein.
Wer es zum Fuß des Steilhangs schafft,
rennt über die Brücke ins sichere Dorf.
MG-Feuer peitscht auf der Brücke und in den Straßen von Trois-Ponts...
Die Deutschen kommen.
...von der Kampfgruppe, die oben am Steilufer in Stellung ging.
Lieutenant Colonel Vandervoort behält alles im Blick.
Man muss das Hauptziel bedenken,
während man die Leute herausholt.
Sie müssen zwar da weg, zugleich dürfen aber
die Deutschen nicht die Brücke erobern und durch Trois-Ponts kommen.
Dafür muss man eventuell auch Leute opfern.
Alles hängt vom Zeitablauf ab.
21. Dezember 1944.
Trois-Ponts, Belgien.
Kurz nach 18 Uhr
halten Infanteristen des 505. Fallschirmjägerregiments
nach wie vor die einzige Brücke der Gegend, die Panzer aushält.
Nach links! Da rüber!
Im Dunkeln bemerken sie eine Bewegung unten im Wasser.
Deutsche Soldaten versuchen die Salm zum Westufer zu durchwaten.
Die Kampfgruppe Hansen weiß, dass die Brücke erobert werden muss,
bevor die Amerikaner sie sprengen können.
Der Versuch ist gewagt, aber das Risiko wert.
Die meisten Deutschen sind schnell niedergemäht.
Als die letzten US-Fallschirmjäger sicher übersetzen,
gibt es kein Warten mehr.
Eine starke Explosion verkündet, dass Ingenieure die Brücke sprengen,
damit sie nicht in deutsche Hände fällt.
Nun müssen sie verhindern, dass das Dorf dieses Schicksal ereilt.
Nach rechts!
Flanke.
Am Steilufer über Trois-Ponts
zieht Obersturmbannführer Max Hansen Bilanz.
Hansen weiß, dass seine Truppen das Dorf nicht aus der Höhe einnehmen können,
aber die Straße hinabzufahren, würde seine Panzer US-Beschuss aussetzen.
Kann Hansen den Widerstand am Fluss ausschalten,
hätte die Kampfgruppe wohl Zeit genug, ihre Panzer hinabfahren zu lassen.
Hansen ist klar: "Will ich die US-Stellungen im Tal einnehmen,
brauche ich mehr Feuerkraft."
Am Westufer der Salm
halten US-Truppen das Dorf Trois-Ponts trotz deutschen Beschusses nach wie vor.
Lieutenant Colonel Benjamin Vandervoort bemerkt eine Bewegung auf dem Steilufer.
Augen nach links!
Im Mondlicht erkennt er einen Totenkopf mit gekreuzten Knochen
und ein schwarzweißes Kampfkreuz. Ein deutscher Tiger-Panzer.
Der Tiger-Panzer verbreitet Angst und Schrecken,
er ist fast schon eine psychologische Waffe,
weil niemand dem Teil vor die Rohre laufen will.
Kommt in diesem Moment ein Tiger-Panzer,
bei diesem Verlauf der Schlacht, macht das gewaltigen Eindruck,
ohne jeden Zweifel.
Der Tiger-Panzer feuert Sprenggranaten aus 30 m Höhe auf die Amerikaner.
Vandervoort zögert.
Er glaubt, noch seien verwundete Fallschirmjäger auf dem Steilufer.
Die eigene Seite könnte sie stärker verwunden oder töten.
Zur Sicherheit befiehlt Vandervoort dem Bazooka-Team, genau zu zielen.
Das Geschoss beult gerade mal den Mantel ein.
Er braucht etwas Stärkeres.
- Nehmt Mörsergranaten. - Jawohl.
Zögernd lässt er den Panzer mit dem 81-mm-Mörser beschießen.
Der Mörsertrupp zielt genau
und feuert weiße Phosphorgeschosse auf die Klippenkante.
Eines ist ein Volltreffer.
Die Besatzung klettert heraus, der Panzer setzt zurück,
und starke US-Kanonen greifen mit ins Gefecht ein.
Hansen erkennt, dass die US-Artillerie ihn beschießt,
und entscheidet sich zum Rückzug.
Er will versuchen, weiter südlich über den Fluss zu setzen.
Die Amerikaner halten den Übergang bei Trois-Ponts.
Hansen kann keine Brücke erobern und nicht zur Kampfgruppe Peiper stoßen.
Peipers Männer kämpfen fanatisch, bis ihnen der Treibstoff ausgeht.
Um nicht eingekreist zu werden,
müssen sie fliehen und ihre Fahrzeuge zurücklassen.
Ihr Blitzkrieg endet zu Fuß.
Die nördliche Vorhut von Hitlers Winteroffensive
bleibt stecken.
Nach dem Krieg wird Peiper wegen des Malmedy-Massakers angeklagt.
Erst verurteilt man ihn zum Tode,
später wird das Urteil in lebenslange Haft umgewandelt,
aber bereits nach 11 Jahren wird er entlassen.
Im Ruhestand zieht er nach Frankreich,
wo er in den 1970ern bei einem Brandanschlag auf sein Haus umkommt.
Max Hansen steht nie als Kriegsverbrecher vor Gericht
und lebt nach dem Krieg wieder in seiner Heimatstadt.
Die Reste des 505. Fallschirmjägerinfanterieregiments
halten die Linie an der Salm auch gegen weitere deutsche Angriffe,
bis sie an Heiligabend dann abgezogen werden.
Für mich ist Trois-Ponts symptomatisch
für viele Teile der Ardennenoffensive.
Kleine Gruppen von US-Soldaten schaden den Deutschen genug
oder kosten sie so viel Zeit, dass ihre Offensive scheitert.
Lieutenant Jake Wertich und Corporal Stokes Taylor
erhalten jeweils posthum den Orden für besondere Tapferkeit
für ihre Deckung des Rückzugs vom Steilufer, wo sie überrannt wurden.
First Lieutenant John Walas erhält den Silberstern
für herausragende Führung im Kampf um Trois-Ponts.
Doch noch vor dieser Ehrung
fällt Walas am 5. Januar 1945 im Kampf.
Lieutenant Colonel Ben Vandervoort
wird wenig später bei einem Mörserangriff schwer verwundet.
Der Verlust eines Auges beendet seine Zeit auf Schlachtfeld.
Alliierte Armeen wehren Hitlers Winteroffensive erfolgreich ab.
Am 25. Januar 1945 ist die Ardennenoffensive endgültig gescheitert,
doch der Krieg in Europa wird noch dreieinhalb weitere Monate wüten.
Untertitel von: Rüdiger Dieterle
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