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August 1944.
Französische Normandie.
Als ein deutscher MG-Trupp versucht, eine Fluchtroute
im Kessel von Falaise freizuschießen,
sucht ein kanadischer Offizier jemanden, um das MG 42 auszuschalten.
Ich brauche einen Freiwilligen!
Niemand meldet sich.
Er weiß, er könnte es einem der Männer befehlen,
aber das käme nicht gut an.
Da beschließt er, es selbst zu erledigen.
6. Juni 1944.
Endlich landen alliierte Truppen in der Normandie, um die Westfront zu eröffnen.
Achtung. Feuer!
Aber Nazi-Fanatiker und Hartgesottene kämpfen verbissen um ihr Überleben.
Der D-Day war eine Schlacht.
Der Krieg ist noch nicht gewonnen.
HITLERS LETZTER WIDERSTAND
DIE FALLE VON FALAISE
18. August 1944.
Französische Normandie.
Kanadische Panzer des Regiments South Alberta
rumpeln auf das kleine französische Dorf Saint-Lambert-sur-Dive zu.
Schwadron C, geführt von Major David Currie,
nähert sich vorsichtig dem Dorfrand...
...als eine panzerbrechende Granate den ersten Panzer trifft.
Doch ehe er die Quelle orten kann,
beschießt auch MG-Feuer aus der Luft den kanadischen Panzerkonvoi.
Nicht weit hinter ihm im Regimentshauptquartier
gerät auch Curries Kommandeur Lieutenant Colonel Gordon Wotherspoon
unter einen ähnlichen Beschuss.
Es sind Spitfires der British Royal Air Force.
Wotherspoons Männer werfen eilig das Armeesignal für befreundete Truppen.
Gelben Rauch.
Rauch diente im Feld dazu, Freund und Feind zu unterscheiden,
denn alliierte Bomber jagten mit hunderten Stundenkilometern vorbei.
Unbeeindruckt vom gelben Rauch
drehen Spitfires eine weitere Runde, um den Konvoi erneut zu beschießen.
Die Männer werfen sich in Deckung.
Doch offenbar weiß die linke Hand nicht, was die rechte tut,
so wählen sie dieselbe Farbe.
Mit jeder Rauchpatrone
lenkte Wotherspoon somit das Feuer in die eigene Richtung,
ohne sich dessen klar zu sein.
Das Regiment wird zum zweiten Mal in vier Tagen von der
- eigenen Seite beschossen. - Nehmt Kaliber 50!
In dem Moment platzt Wotherspoon endgültig der Kragen.
In so einem Fall schießt man auf alles, was einen töten will.
Aber es hat auch einen gewaltigen Haken,
denn wenn man feuert, wird man erst recht für den Feind gehalten.
Doch ehe Wotherspoon den Feuerbefehl erteilt,
vereitelt ein Untergebener das Vorhaben.
Regimentspastor Albert Silcox schnappt sich den Union Jack,
den er sonst für Begräbnisse benutzt,
und marschiert damit ins offene Feld, als die Bomber schon im Anflug sind.
Er steht offen da, mit der Fahne als einzigem Schutz.
Mitte August 1944.
Die Alliierten kontrollieren den Luftraum über der Normandie fast vollständig.
Am Boden dringen alliierte Truppen von der Bretagne und den Stränden vor
und nehmen die Reste der deutschen 7. Armee
und der 5. Panzerarmee in die Zange:
rund 100.000 feindliche Soldaten mit ihren Panzern und Waffen.
Briten und Kanadier rücken von Norden und Nordwesten vor,
die Amerikaner unterhalb der Deutschen
von Westen und Süden.
So bildet sich ein Kessel,
der sich immer enger um deutsche Verbände zusammenzieht.
Alliierte Bomber fliegen ständig Angriffe auf die eingeschlossenen Deutschen.
Doch manchmal halten die Piloten auch eigene Truppen für den Feind.
Ein Regimentsgeistlicher will den britischen Fliegern zeigen,
dass sie von ihrer Seite sind.
Die Spitfires gehen in Tauchflug.
Der Kaplan kommt zu spät.
Der erste Bomber beschießt den Konvoi aufs Neue.
Der Geistliche bleibt unbeirrt stehen.
Sein Mut zahlt sich aus.
Der Pilot des zweiten Fliegers erkennt im Anflug den Irrtum
und schwenkt ab, um andere Beute zu suchen.
Dem kanadischen Regiment der South Albertas
wurde eine Schlüsselrolle zugeteilt beim Schließen des Kessels von Falaise.
Je weiter der Kessel sich schließt,
desto mehr Deutsche flüchten gen Osten,
und es ist die Aufgabe der Polen und Kanadier,
diese Lücke zu schließen und endgültig zu eliminieren.
Während die Polen Chambois erobern sollen,
schickt sich Regiment South Alberta an, Saint-Lambert-sur-Dive einzunehmen,
wo zwei stabile Brücken nach wie vor die Last feindlicher Panzer aushalten.
Damit wären die deutschen Panzer
und zehntausende deutscher Infanteristen im Kessel eingeschlossen.
Während sich das Regiment South Alberta am Abend neu aufstellt,
wagt sich der kanadische Major David Currie
allein ins deutsch besetzte Dorf Saint-Lambert-sur-Dive.
Ein deutsches 88-mm-Geschütz hatte sie
tagsüber aus dem Dorf heraus beschossen.
Currie hofft, es mit seinen Panzern umgehen zu können.
Sonst gehen Kommandeure nicht voran
oder betreiben selbst Aufklärung,
aber bei dieser volatilen Lage hält Currie sich selbst für den geeignetsten Mann.
Er fungiert als menschlicher Stolperdraht.
Besser ein Mann erkundet die Feindverteidigung
und entdeckt die Sprengfalle, als zu riskieren, dass alle hineintappen.
Aber als er das Dörfchen abläuft,
wird ihm klar, dass die Dives im Süden seine Möglichkeiten einschränkt.
Da in Saint-Lambert alles ruhig ist, kehrt er zum Stützpunkt zurück
und bittet Kommandeur Lieutenant Colonel Gordon Wotherspoon
um Erlaubnis für einen Nachtangriff
zu Fuß mit den meisten seiner Männer.
Im Hauptquartier des Regiments South Alberta
beschließt Wotherspoon, Currie solle das Dorf
erst am Morgen einnehmen.
...am Morgen, bleiben Sie in Stellung.
Nachts die Lücke zu schließen, wäre ein schwieriges Manöver,
zudem liefe die Einheit Gefahr, dass bei zu schnellem Vorrücken
die eigene Seite schießt.
Der Aufschub des entscheidenden Moments, die offene Flanke zu schließen,
lässt den Deutschen weiterhin eine Hintertür offen.
Als sich Anfang August der Kessel von Falaise abzeichnete,
erkannte Generalfeldmarschall Günther von Kluge,
Oberkommandierender im Westen, die drohende Gefahr.
Von Kluge denkt, am besten bliebe Deutschlands Kampfkraft erhalten,
wenn die Reste seiner Armeen sich nach Osten hinter die Seine zurückziehen,
um diesem Kessel zu entkommen.
Hitler ist anderer Ansicht.
Er besteht auf einem Gegenangriff zum Ausbruch aus dem Kessel
und zurück zu den Stränden.
Damit würden die gepanzerten Einheiten im Westen
eingekesselt werden
und stünden noch dazu an der völlig falschen Stelle.
Am 16. August leitet von Kluge
ohne Erlaubnis aus Berlin den Rückzug ein.
Am 17. August wird von Kluge ersetzt
durch den fanatischeren Feldmarschall Walter Model.
Model hatte an der Ostfront mehrfach den Zusammenbruch verhindert.
Außerdem gilt Model als fähiger Krisenmanager
in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs.
Doch inzwischen sieht auch Hitler ein, dass die Reste
der 100.000 Mann starken 7. Armee ohne den Rückzug ausgelöscht würden.
Zwei Tage lang koordinieren die Deutschen den Ausbruch aus dem Kessel.
Doch die Alliierten zogen ihn so eng, dass nur eine Lücke zur Flucht bleibt.
Die Lücke ist nur 2 bis 3 km breit und wird ständig kleiner.
Somit wird der Ausbruch der Deutschen immer drängender.
Morgens bereitet Currie den neuen Angriff auf Saint-Lambert-sur-Dive vor.
Zu den Panzern des Regiments South Alberta
stoßen noch 55 Infanteristen
des kanadischen Regiments Argyll and Sutherland,
angeführt vom befehlshabenden Major Ivan Martin.
Als sie ins Dorf einsickern,
führt Currie die Argylls zu Fuß an, um die deutsche Verteidigung zu erkunden.
Nur ein kanadischer Panzer rollt hinter ihnen.
Doch schon nach 270 m des Vorrückens in Saint-Lambert
eröffnet eine deutsche Kanone das Feuer.
19. August 1944.
Die Alliierten wollen den berüchtigten Kessel von Falaise schließen.
Kanadier sickern im deutsch besetzten Ort
Saint-Albert-sur-Dive ein.
Den vorderen Panzer zur Unterstützung von Major David Curries Infanteristen
trifft feindlicher Beschuss.
Die Besatzung kommt heraus,
doch bevor die Fahrer entkommen können,
trifft ein zweites Geschoss.
Currie erkennt, wie brenzlig die Lage ist,
rückt zu Fuß weiter auf der Straße vor, wo am Ende des Dorfes
bereits ein Mark IV und ein Tiger-Panzer lauern.
Beim Vormarsch zu Fuß haben sie kein Funkgerät dabei.
Currie kann keine Reserveeinheiten
vom Regiment anfordern.
Zum Glück hat Captain John Redden, der zweite Kommandeur,
die Lage im Blick, als sich die Schlacht im Dorf unten anbahnt.
Redden lässt seinen leichten Panzer stehen und übernimmt Curries Sherman-Panzer.
Als sie auf den Ort zurollen,
schwenkt vor ihm ein deutscher Panzer auf die Straße ein.
Bleibt scharf. Rechts!
Der Schütze hat nur ein Geschoss geladen.
Sie schießen trotzdem...
...um die Crew zu erschrecken oder die Spur wegzusprengen.
Der deutsche Panzer ist beschädigt, fährt aber weiter.
- Hochexplosive... - Redden greift weiter an.
Ihnen bleibt Zeit und sie feuern sechs panzerbrechende Geschosse
auf den Panzer.
Das letzte ist ein Volltreffer.
Und jagt ihn in die Luft.
Als dieser Panzer ausgeschaltet ist, schreiten die Argylls zur Tat.
Die Infanterie soll nun im Verein mit Panzern
die Flanken und die Spur zum Vorrücken säubern,
um böse Überraschungen auszuschließen.
Aufschließen!
Als sie sich vorankämpfen, sieht Lieutenant Gil Armour
einen deutschen Panther-Panzerkampfwagen in einer Gasse lauern.
Freiwillige sollen ihm Feuerschutz geben, während er mit einer Granate raufklettert.
Bevor er sie in die offene Luke werfen kann,
kommt ein Offizier mit Pistole heraus.
Die zwei Männer ringen...
...bis Armour den Deutschen auf den Boden wirft...
...wo der Kampf weitergeht.
Schließlich verwundet einer von Armours Männern den Deutschen.
Armour klettert erneut hoch, um den Panzer mit der Granate auszuschalten.
Sie setzen ein PIAT ein, um ihn ganz zu erledigen.
In dem Moment holt ein kanadisches Film- und Fototeam
die South Albertans ein.
Sie hatten die Falschmeldung gehört, die Lücke um Chambois sei geschlossen.
Die Argyll and Sutherlands kämpfen sich weiter durchs Dorf.
Sie säubern jetzt Häuser beidseits der Straßen
von deutschen Infanteristen.
Sie gehen von Zimmer zu Zimmer und von Haus zu Haus.
Currie beteiligt sich an der Aktion.
Er nimmt persönlich die Waffen sich ergebender Deutscher entgegen
und geleitet sie zum Sammelpunkt.
Schon zur Mitte des Morgens kann er Wotherspoon melden,
dass das Dorf frei von deutschen Verteidigern ist.
Wotherspoon weist ihn an, das Dorf zu befestigen.
Falschinformationen sind ein großes Problem in der Endphase.
Es gibt Berichte über Beschuss von der eigenen Seite
und Meldungen, die Lücke sei geschlossen.
Deshalb schickt Wotherspoon Currie nicht weiter.
Er soll zunächst Saint-Lambert sichern, ehe die Lücke geschlossen wird.
Inzwischen halten Currie und seine Männer
den Strom deutscher Soldaten auf,
die über Saint-Lambert-sur-Dive fliehen wollen.
Einige große Fänge sind dabei,
aber meist sind es verlotterte Soldaten, die sich gern ergeben...
...und mitunter offenbar auch von der Ostfront zum Arbeitsdienst
in Frankreich Verschleppte.
Hunderte deutscher Soldaten
ergeben sich den paar Dutzend Kanadiern.
Currie hat kaum genug Männer, um das Dorf zu halten,
und schon gar nicht, um Kriegsgefangene zu bewachen.
Als Captain John Redden aus dem Panzer auftaucht,
um eine weitere Gruppe sich Ergebender zu empfangen...
...schießt einer.
Redden überlebt den Angriff, muss aber ersetzt werden.
Currie verliert einen Offizier,
gerade als sich die Lage in Saint-Lambert zuspitzt.
Deutsche Artillerie schlägt in kanadische Stellungen ein.
Die Deutschen im Dorf schießen auf kanadische Panzer.
Ein kühner Soldat nimmt die Sache selbst in die Hand
und feuert eine Panzerabwehrgranate auf den Sherman...
...die den Panzer lahmlegt.
Auch anderswo rücken deutsche Soldaten so nahe an die Panzer heran...
...dass sie hinaufklettern und sie sabotieren.
Panzer und Infanterie operieren oft gemeinsam,
weil in sehr engen Vierteln
wie sie in diesem Ort vorherrschen,
Panzer durch feindliche Infanterie sehr leicht anzugreifen sind,
besonders von Panzerabwehrtrupps.
Kommt raus!
Hier sind Curries wenige Soldaten anderweitig beschäftigt.
Die Panzertruppen müssen die Gefahr selbst abwehren.
Schütteln wir die Kerle ab.
Erst fahren die Kanadier los, um die Gegner abzuschütteln.
Das klappt aber nicht.
Im verzweifelten Versuch, deutsche Infanteristen vom Panzer zu holen,
beginnt ein Panzer der Kanadier mit der sogenannten Entlausung.
Anders gesagt: Er richtet seine Kanone auf andere kanadische Panzer
und versucht, deutsche Infanteristen abzuklauben
wie Läuse von der Kleidung.
Da seine Männer und Panzer nahezu überrannt werden...
...muss Major David Currie etwas unternehmen.
19. August 1944, Saint-Lambert-sur-Dive, Frankreich.
Hunderte deutscher Soldaten laufen in die Abwehrstellung
von Major David Currie aus Kanada.
Sie fliehen vor der Einzingelung durch Alliierte
im sogenannten Kessel von Falaise.
Currie wird klar, dass seine Männer überrannt werden.
Er reagiert überaus drastisch
und befiehlt, dass die unterstützenden 25-Pfund-Kanonen
seine eigene Stellung beschießen.
Currie schickt seine Leute in Deckung.
Zu seinem Entsetzen schlagen aber keine Schrapnelle ein,
die Panzern wenig anhaben können,
sondern hochexplosive Granaten aus dem mittleren Regiment,
die Panzer mit einem Treffer ausschalten können.
Granaten schlagen ganz in der Nähe ein,
treffen die Kanadier jedoch nicht.
Der Beschuss fordert aber hohe Verluste
unter all den ungeschützten Deutschen.
Das deutsche Anrennen ist gestoppt, die Männer können sich neu aufstellen.
Trotz der scheinbaren Ruhe fürchtet im Regimentshauptquartier
Lieutenant Colonel Gordon Wotherspoon weitere Attacken.
Je enger die Lücke wird,
desto mehr Deutsche strömen durch, um dem Kessel zu entkommen.
Die Steinbrücke hält den schweren Panzern problemlos stand.
Wotherspoon kontaktiert seinen Brigadekommandeur
und fordert mehr Truppen für die schwach verteidigte Linie an.
Der Brigadekommandeur schickt nur wenig Verstärkung.
Viele höhere Offiziere denken bereits über diese Schlacht hinaus.
Generäle wie Montgomery, Crear, sogar Guy Simonds
sorgen sich mehr um Kommendes.
Um das, was nach dem Kessel von Falaise passiert.
Am 18. August funkt Montgomery nach London,
dass der Kessel abgeriegelt ist und kein Deutscher entkommen kann.
Das hält das Armeekommando davon ab,
genügend Verstärkung ins Gebiet zu schicken.
Wotherspoon muss sich damit abfinden.
Er schickt zwei Infanteriekompanien aus seinem Hauptquartier
zur Verteidigung von Saint-Lambert.
Und er entsendet Lastwagen, damit Currie und seine Panzer
für den bevorstehenden Kampf gerüstet sind.
Es ist eine angespannte Zeit.
Panzer in der Schlacht aufzutanken, ist extrem gefährlich.
Sie bewegen sich dann nicht und sind bei Feindbeschuss ungeschützt.
Lastwagen, oft auch Panzer bringen hunderte Benzinbehälter zur Front.
Sie werden in den 20 Minuten zum Volltanken einzeln hochgereicht.
SHERMAN-PANZER
Sherman-Panzer fassen sage und schreibe 530 Liter Benzin,
die fünf Chrysler-Motoren in Gang halten.
Es ist ein Rennen gegen die Zeit.
Dazu kommt die Gefahr beim Hochreichen des Benzins,
denn schon ein Funke würde genügen,
um eine Explosion zu verursachen.
Man ist äußerst verwundbar, solange man festsitzt
und den Tank zum Weiterfahren befüllt.
Als sie vollgetankt und mit Munition bestückt sind,
verteilt Currie seine wenigen Truppen im ganzen Dorf,
um die Panzer in der Nacht zu verteidigen.
Als Wellen deutscher Truppen auf die kanadische Linie trafen,
wurden manche gefangen genommen. Andere kamen durch.
Generalleutnant Eugen Meindl, Kommandeur des Zweiten Fallschirmkorps,
beobachtet alles aus der Sicherheit der umliegenden Wälder.
General Eugen Meindl ist eine Person, über nicht allzu viel bekannt ist.
Er ist tapfer und als Armeekommandeur sehr kompetent,
aber wir wissen nichts über politische Ansichten
und seine Einstellung zum Nationalsozialismus.
Sicher ist, dass viele Kommandeure der Fallschirmtruppen
überzeugte und glühende Nazis waren,
ob dies bei Meindl auch der Fall war, ist unbekannt.
Meindls Elitetruppe war an Nachhutgefechten
im Kessel von Falaise beteiligt
und muss nun fliehen.
Zu Meindl stößt dann Obergruppenführer Paul Hausser,
Kommandeur der 7. Armee.
Hausser und Meindl treffen sich bei Saint-Lambert,
um zu besprechen, wie sie die Reste ihrer Armee retten können.
Wie sollen sie diesem Kessel entkommen?
Meindl verweist auf Schwachstellen, die er in den kanadischen Stellungen sah.
Hausser stimmt zu, und im Schutz der Dunkelheit
schickt sich der Anführer der ganzen Armee an, neben seinen Männern
zu feindlichen Linien zu schleichen.
20. August 1944, kurz nach Mitternacht.
Zwei deutsche Generäle,
Obergruppenführer Paul Hausser von der deutschen 7. Armee,
und Generalleutnant Eugen Meindl,
schleichen geduckt auf Saint-Lambert-sur-Dive zu.
Wenn Meindl und Hausser durch Schlamm und Gebüsch kriechen,
zeigt dies, in welch verzweifelter Lage die Deutschen sind.
Sonst lassen deutsche Generäle sich im Stabswagen chauffieren,
jetzt müssen sie handeln wie ganz normale Soldaten.
Die Generäle haben einen kühnen Plan.
2.000 Fallschirmjäger,
die zu den besten Truppen der 7. Armee gehören,
sollen die Dives nahe bei Saint-Lambert durchwaten,
sich im Dunkeln an den alliierten Linien vorbeischleichen
und zum Zweiten SS-Panzerkorps bei Coudehard stoßen.
Im zweiten Teil sollen sie umkehren und die Stellungen
der Alliierten von hinten angreifen, um die Lücke offenzuhalten,
damit die Reste der deutschen Armee fliehen können.
Der Plan muss heimlich ausgeführt werden.
Die zwei Generäle müssen ihre Leute
ganz leise über die Dives führen.
Ein Trupp Kanadier hält das Dorf besetzt, um jede Flucht zu unterbinden.
Major David Currie vom Regiment South Alberta
verteilte die 12 verbleibenden Panzer strategisch günstig,
um jedes weitere Durchsickern durch Saint-Lambert abzufangen.
Aber das wird schwierig.
Obwohl sie hoch aufragen, sind Panzer im Dunkeln wenig effektiv
wegen des beschränkten Sichtfelds.
Und Currie hat weniger als 200 Soldaten, die sie verteidigen.
Meindl und seine Männer können die ersten kanadischen Panzer umgehen.
Aber kaum sind sie vorbei, treffen sie auf einen vierten, der das Feuer eröffnet.
Geschosse fliegen über die Deutschen hinweg...
...und sie sitzen fest.
Beim kleinsten Vorrücken...
...müssen sie sich zu Boden werfen,
weil die Kanadier Leuchtkugeln für eine bessere Sicht abschießen.
Wichtigstes Ziel der deutschen Truppen
ist die Steinbrücke am Südende des Dorfs.
Die Dives ist recht seicht,
also kein großes Fluchthindernis für einzelne Soldaten,
aber ein gewaltiges Hindernis für jeden Panzer.
Nur über diese Brücke können deutsche Panzer und Panzerartillerie
aus dem Kessel entkommen.
Currie hat an der am nächsten gelegenen Kreuzung einen Panzer stationiert.
In der Nacht hört die Besatzung draußen Geräusche.
Der Panzerkommandeur feuert Sprenggranaten in die Dunkelheit...
Feuer!
...und schießt auf gut Glück.
Es gelingt ein Volltreffer.
Eine gewaltige Explosion erleuchtet das umliegende Feld
und stellt die deutschen Truppen im Dunkeln bloß.
Weitere kanadische Panzer reagieren mit Feuer auf das brennende Fahrzeug.
Der Panzerkommandeur lässt sich die Waffe reichen,
steigt durch die Luke und feuert,
was das Chaos erhöht.
Überall im Dorf hört man Schüsse und Explosionen...
...und Meindl nutzt die Ablenkung,
um seine Männer schleunigst voranzuwinken.
Die deutschen Truppen kriechen dicht an der kanadischen Stellung vorbei.
Sie hören sogar englische Stimmen, kriechen aber weiter.
Meindl hat nicht vor, die kanadischen Panzer anzugreifen.
Er will sie umgehen und flüchten.
Deshalb ist unbedingt jedes Geräusch zu vermeiden.
Und die Panzer erweisen sich als letztes Hindernis.
Die Männer sind dem Flussufer nah,
wo vor ihrer Flucht eine zweite Kreuzung wartet.
Dann müssen sie sich zum Gegenangriff
auf den Kessel von Falaise von außen vorbereiten.
Nach einer langen Nacht graut endlich der Tag.
Die Sicht bleibt schlecht, weil dichter Nebel über dem Land hängt.
Der kanadische Lieutenant Gil Armour
und sein 10. Zug vom Regiment Argyll and Sutherland
bleiben höchst wachsam.
Gegen 8 Uhr wird ein klirrendes Rumpeln immer lauter.
Plötzlich rennt ein Haufen schreiender deutscher Soldaten ins Blickfeld.
Und hinter ihnen: ein Tiger-Panzer.
Lieutenant Armour und seine Soldaten versperren ihren Weg.
20. August 1944.
Eine Horde Nazi-Soldaten rennt schreiend
auf ein kleines Dorf in der französischen Normandie zu.
Teil eines großangelegten Plans, sie aus dem Kessel von Falaise zu vertreiben.
Deutsche Panzertruppen greifen den Kessel zugleich von außen an,
um eine kleine Lücke in der Linie der Alliierten offenzuhalten
und tausenden weiterer Landsleute die Flucht zu ermöglichen.
In Saint-Lambert-sur-Dive folgt ein Tiger-Panzer den Soldaten
und rollt zur einzigen Brücke im Dorf,
die schwere Panzer und Ausrüstung problemlos aushält.
Sie wollen die Linie der Alliierten brechen,
die die Soldaten aufhalten soll.
Bis jetzt hielt und beschützte die Brücke
eine kleiner Trupp Kanadier,
darunter Infanteristen des Regiments Argyll and Sutherland.
- In Deckung! - Feuer!
Der Panzer feuert panzerbrechende Geschosse und Granaten
auf das Haus, in dem das Hauptquartier des Zuges sitzt.
Argylls rennen aus dem brennenden Haus
und feuern dabei in den Haufen angreifender Deutscher.
Einer von Curries Shermans reagiert mit dem mutigen Versuch,
den Tiger-Panzer zu stellen.
Leider schießt der Tiger zuerst.
Der kanadische Panzer geht in Flammen auf.
Die Deutschen kontrollieren nun die Brücke,
und Major David Currie vom Regiment South Alberta
schickt seine letzten Männer und fünf Panzer los.
Zwei davon sind rasch außer Gefecht gesetzt.
Sie kämpfen nun verzweifelt, um den Rest des Dorfes zu halten.
Die Kanadier mähen die Deutschen zwar reihenweise nieder,
sind aber zu dünn gesät,
um diese ganze Sturmflut zu bewältigen.
Die Deutschen scheinen von überall zu kommen
und versuchen verzweifelt, dem Kessel zu entfliehen.
- Rechte Flanke... - Currie befiehlt den Männern,
auf deutsche Fahrzeuge und Panzer auf dem Weg zur Brücke zu feuern.
Currie will die Voraussetzungen schaffen,
um Saint-Lambert-sur-Dive weiterhin zu halten,
ist aber so hoffnungslos in der Unterzahl,
dass er das Beste aus der schrecklichen Lage herausholen will.
Im Hauptquartier verfolgt
Curries Kommandeur Gordon Wotherspoon das Gefecht
aus der Position auf dem Hügel
und lässt Panzer und MGs auf anrückende Deutsche schießen.
Es reicht nicht.
Er sieht, dass Currie und seine Männer überrannt zu werden drohen,
und auch seine eigene Stellung fallen könnte.
Wotherspoon fordert weitere Verstärkung an.
In hohen Hauptquartieren
ist der Blick fest auf die nächste Kampfphase gerichtet.
Man erkennt dort nicht,
dass Curries Einsatz in Saint-Lambert noch nicht beendet ist.
Die South Albertas bleiben auf sich gestellt.
Einige Truppen rücken zu spät ab,
andere gar nicht,
wieder andere nehmen die falsche Straße und verirren sich.
Im Dorf sieht Currie, wie seine Männer Straße um Straße zurückweichen,
in Richtung seines Hauptquartiers im Nordwesten.
Sie besetzen anliegende Häuser, um Feuerschutz zu geben.
Deutsche Truppen besetzen Kirche und Kirchturm im Süden des Ortes,
um die Brücke zu decken und den Strom von Nazi-Panzern und Soldaten zu schützen.
Immer mehr Deutsche stürmen ins Dorf, und ein Scharfschütze kommt zu nahe.
Currie nutzt die Luke seines Kommandopanzers
als Stütze, um den Scharfschützen mit seinem Gewehr auszuschalten.
Inzwischen ist Curries Trupp bedenklich geschrumpft.
Ihm bleiben Major Ivan Martin von den Argylls
und einige Offiziere seines Zuges, aber wenig mehr.
Er hat viele eigene Offiziere und Unteroffiziere verloren.
Folglich übernimmt er selbst das Kommando
und besucht jeden der dezimierten Züge.
Genau diese Art von Führungskraft ist erforderlich,
wenn alles in die Binsen geht.
Schon bald schleicht sich ein MG-Trupp der Deutschen an die kanadischen Linien
und richtet sich unweit von Major Martins Männern ein.
Sie eröffnen das Feuer auf die kanadische Abwehr.
Da die Argylls in Gefahr sind, sucht Major Martin einen Freiwilligen,
- der das feindliche MG-Nest ausschaltet. - Freiwillige?
Niemand bietet sich an.
Martin ist in einer sehr heiklen Lage.
Er weiß, er könnte es einem der Männer befehlen,
aber das käme nicht gut an.
Da beschließt er, es selbst zu erledigen.
Bewaffnet mit einer Sten Gun, trollt Martin davon.
Was folgt, hören seine Männer eher, als dass sie es sehen.
Minuten danach kehrt Martin mit einer Trophäe zurück.
Einem deutschen MG 42.
Die ständigen Attacken der Alliierten auf Deutsche im Kessel von Falaise
fordern weiter hohen Zoll unter fliehenden Soldaten.
Am Nachmittag sind
zahllose Feinde verwundet und müssen versorgt werden.
Ein deutscher Sanitätsoffizier kommt auf Currie und Martin zu
und bittet um Hilfe für seine Landsleute.
Sie verhandeln mit dem deutschen Arzt,
wobei einer von Martins Lieutenants übersetzt.
Als verhandelt wird,
ruft Wotherspoon Currie an, der die Besprechung verlässt.
Currie steigt eben in den Panzer, als eine massive Explosion erfolgt.
20. August 1944. Saint-Lambert-sur-Dive, Frankreich.
Kanadische Offiziere handeln die Kapitulation
und Versorgung von Verwundeten aus,
als in der Nähe eine Sprenggranate einschlägt.
Ein Offizier ist sofort tot, einer anderer tödlich verletzt:
der befehlshabende Major Ivan Martin.
Ein weiterer Schlag im Versuch, das Dorf zu halten
gegen tausende deutsche Soldaten,
die anstürmen, um dem Kessel von Falaise zu entrinnen.
Der Kommandeur von Schwadron C des Regiments South Alberta,
Major David Currie, der wegtrat, um einen Anruf anzunehmen, bleibt unverletzt.
Sicher ist Currie ein verdammt guter Anführer,
aber den Erfolg verdankt er auch seinen guten Offizieren und Unteroffizieren.
Allmählich kommen die ihm abhanden, und er verlor all seine Panzerkommandeure.
Nun wird auch noch Martin, der die Argylls zusammenhielt, getötet.
Die Verluste belasten Currie.
Nach wie vor unter schwerem Beschuss und unsicher, sich zu halten,
ruft er seinen Kommandeur Lieutenant Colonel Gordon Wotherspoon an
und bittet um die Erlaubnis zum Rückzug.
Wotherspoon weiß, wie schlimm es stehen muss,
wenn er um Rückzug bittet,
aber Befehl ist Befehl, und das Ziel muss erreicht werden.
Und so sehr er auch zögert, muss es ihm Wotherspoon natürlich verweigern.
Currie läuft von Gebäude zu Gebäude
und sucht den dezimierten Trupp von Verteidigern ums Hauptquartier auf.
Die Nachricht war extrem ernüchternd,
denn natürlich weiß Currie, dass es keinen Ausweg gibt.
Der Befehl lautete: "Um jeden Preis halten",
somit mussten sie kämpfen bis zum Schluss.
Nun muss er seine Männer aufs letzte Kapitel einstimmen.
Unterdessen rücken deutsche Truppen den Stellungen der Kanadier immer näher.
Sie richten ein weiteres MG-Nest in einem nahe gelegenen Haus ein.
Da trifft unerwartet Hilfe ein.
Lieutenant JR Flowers und Teile des 6. kanadischen Panzerabwehrregiments
sind falsch abgebogen
und kommen aus Versehen nach Saint-Lambert-sur-Dive.
Flowers Männer bringen sofort
acht Panzerabwehrkanonen an kritischen Punkten in Stellung.
Sie eröffnen mit ihren 17-Pfündern das Feuer
und schlagen die deutschen Gegenangriffe zurück.
Zu ihren Zielen gehört auch der deutsche Tiger, der das Dorf bedroht.
Ein panzerbrechendes Geschoss schlägt im Panzer ein.
Darauf folgt eine Sprenggranate genau auf dieselbe Stelle,
die ein 60 cm großes Loch in den Tiger reißt.
Mit Flowers' Kanonen beginnt sich das Blatt zu wenden.
Eine Laune des Schicksals wird für Currie zum Geschenk des Himmels.
Das falsche Abbiegen führt Flowers genau an die richtige Stelle.
Manchmal braucht man eben in kritischer Lage einfach auch Glück.
Erneut ergeben sich viele deutsche Soldaten
nach und nach den Kanadiern,
aber überzeugten Nazis ist der Gedanke an Kapitulation zuwider.
Es gibt Fälle bei der Schlacht in der Normandie und auch bei Falaise,
in denen SS-Offiziere ihre eigenen Soldaten erschießen,
wenn sie sich zurückziehen oder ergeben wollen.
Dass deutsche SS-Offiziere auf die eigenen Leute schießen,
zeigt, wie fanatisch sie sind.
Trotz ihres heroischen Einsatzes der letzten drei Tage
werden die Argyll and Sutherlands und Schwadron C der South Albertas
nicht unmittelbar abgelöst.
Sie bleiben an der Front, nehmen sich Ergebende gefangen
und setzen weiterhin Deutschen zu, die zu fliehen versuchen.
Die Erschöpfung ist nunmehr so überwältigend,
dass Currie sogar im Stehen einschläft,
als er den ihn ablösenden Offizier brieft.
Zum Glück fängt ihn einer der Jungs auf.
Er hatte seit mindestens drei Tagen nicht geschlafen.
Currie und Wotherspoon hielten stand,
dennoch entkommen viele Deutsche durch die Frontlücke.
Missverständnisse und Falschmeldungen bewirken, dass sie sich im Norden sammeln.
Umstritten ist,
wie viele Deutsche im Kessel verblieben und wie viele entkamen.
Meiner Schätzung nach entkam von den 100.000 Soldaten im Kessel
etwa die Hälfte.
Auch Hitlers Stolz kommt sie teuer zu stehen.
Sie müssen Panzerartillerie und Panzer zurücklassen.
Sie waren zu 80 % intakt oder wurden von den Deutschen selbst zerstört,
weil das Benzin ausging.
Das Gemetzel entlang der Dives ist nahezu unfassbar.
Tausende von Fahrzeugen und tausende Leichen
säumten die wenigen Straßen entlang der deutschen Fluchtroute.
Kanadische Piloten berichteten, beim Überfliegen der Gegend
war der Gestank des Todes zu riechen.
Die Militärbehörden müssen mit Lastwagen Trinkwasser in die Gegend schaffen,
weil die vielen Leichen das Grundwasser verseuchen.
Generalleutnant Eugen Meindl gelingt der Ausbruch aus dem Kessel
und er wendet sich dann, um die Alliierten von außen anzugreifen...
Später dann:
Meindl kann in die Niederlande fliehen, sich neu aufstellen und sammeln.
Und er überlebt den Krieg.
1945 nehmen die Briten ihn gefangen.
Obergruppenführer Paul Hausser wird mehrfach verwundet
bei seiner Flucht aus dem Kessel von Falaise.
Anfang 1945 erhält er das Kommando über die Heeresgruppe Oberrhein
und dient bis Kriegsende.
Lieutenant Colonel Gordon Wotherspoon bleibt bis Kriegsende
Kommandeur des Regiments South Alberta.
Er erhält den Orden für Tapferkeit und kehrt als Anwalt nach Kanada zurück.
Major David Currie bleibt Kommandeur der Schwadron C.
Am 30. November 1944 wird er überraschend nach England ausgeflogen.
Englands König verleiht ihm das Victoria-Kreuz
für Tapferkeit im Kessel von Falaise.
Die Aufnahmen von damals suchen ihresgleichen.
Soweit wir wissen, ist dies das einzige Filmmaterial,
das zeigt, wie jemand sich das Victoria-Kreuz verdient.
Es ist die höchste Ehrung im britischen Empire.
Currie widmet sie bescheiden allen Männern,
die an seiner Seite in Saint-Lambert kämpften.
Currie kehrt nach Kanada zurück. Der Premierminister ernennt ihn später
zum Sergeant-at-Arms des kanadischen Parlaments,
ein Amt, das er 17 Jahre innehat.
Der Kampf um die Normandie ist beendet.
Die Alliierten rücken nun auf Paris vor,
während sich die deutsche Armee
an beiden Ufern der Seine und der Marne neu aufstellt.
Doch das letzte Ziel heißt Berlin,
und der Krieg in Europa wird noch weitere achteinhalb Monate wüten.
Untertitel von: Rüdiger Dieterle
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