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Im Frühjahr 1945
stehen US-Truppen vor der Eroberung einer Burg in Italien
und geraten unter Granatbeschuss.
Der den Angriff leitende Offizier fordert Artillerieunterstützung an.
Wiederhole, Hügel R-7! Im Nordosten!
Doch die Nachhut glaubt nicht an ein so weites Vorrücken...
Wir brauchen sofort die Artillerie!
...und überlässt sie den deutschen Verteidigern.
6. Juni 1944. Endlich landen alliierte Truppen in der Normandie,
um die Westfront zu eröffnen.
Achtung. Feuer!
Aber Nazi-Fanatiker und Hartgesottene kämpfen verbissen um ihr Überleben.
Der D-Day war eine Schlacht.
Der Krieg ist noch nicht gewonnen.
HITLERS LETZTER WIDERSTAND
SCHLOSS VALOR
5. April 1945, Norditalien.
Teile des 370. US-Infanterieregiments
schleichen auf feindliche Linien zu.
Second Lieutenant Vernon Baker legte seinen Helm beiseite
und trägt seine schönste Uniform.
Baker hat seine feinste Soldatenmontur angezogen,
weil er die Vorahnung hat, im bevorstehenden Angriff zu fallen.
Er will von Kopf bis Fuß ein properes Erscheinungsbild abgeben.
Baker und sein Zug von 25 Mann nähern sich dem zu erstürmenden Hügel.
Ein gewundener Pfad führt den Abhang hoch zum vom Feind gehaltenen Kamm.
Geröllkanten markieren den Weg.
In der Dunkelheit wäre der Pfad hilfreich,
doch Baker ist vorsichtig.
Einerseits wäre der Pfad ein relativ leichter Aufstieg für Baker
und seine Männer.
Andererseits könnte er auch ein Minenfeld verbergen.
Etwas weiter vorne sieht Baker noch jemanden den Pfad begutachten.
Es ist der kommandierende Offizier der Kompanie, Captain John Runyon.
Runyon wurde erst wenige Wochen zuvor der Kompanie C zugeteilt.
Damals war Baker de facto der Befehlshaber.
Mit Runyons Ankunft wurde er zum Zugführer zurückgestuft.
Natürlich ist Baker unzufrieden mit diesem Wechsel.
Für ihn ist Runyon eher ein Maulheld,
dem es an der nötigen Erfahrung mangelt.
Runyon vor sich im Blick, sieht Baker wie der Kommandeur den Pfad meidet
und den Weg durchs Geröll wählt.
Baker erkennt sofort, dass die Deutschen, wenn sie den Pfad verminten,
ihre Minen kaum unter den Steinen an seinem Rand legten.
Geht auf den Steinen.
Baker bricht sein Schweigen
und befiehlt seinem Zug, längs der Steine vorzurücken,
statt wie der Feind erwarten würde, auf den Pfad zu treten.
Im Gänsemarsch von Stein zu Stein tretend, beginnen sie mit dem Aufstieg.
Der 25-jährige Baker ist ein Buffalo-Soldat.
Den Namen führten afroamerikanische Männer,
die nach dem Bürgerkrieg in der US Army dienten,
seit sie in Indianerkriegen kämpften.
Diese Soldaten hatten ein hohes Ansehen in der indigenen Bevölkerung
und wurden nicht nur von jenen geschätzt,
die in dieser Gegend dienten,
sie hatten auch bei ihren Gegnern einen guten Ruf.
Im Zweiten Weltkrieg ist die 92. Infanteriedivision oder Buffalo
eine nach Rassen getrennte Truppe.
Die meisten afroamerikanischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg
gehören zur nicht kämpfenden Reserve.
Wenn afroamerikanische Soldaten nicht im Kampf eingesetzt wurden,
ist dies Folge einer unterstellten Ungleichheit der Rassen,
der Annahme, schwarze Soldaten würden nicht richtig kämpfen,
weil sie per se, als Rasse ungeeignet für den Kampf seien.
Dass Bakers Regiment als Kampfeinheit in den Krieg zieht,
ist eine Ausnahme.
Als Baker und sein Zug den Serpentinenpfad ersteigen,
scheint sich die Strategie, auf Steinen vorzurücken, auszuzahlen.
Die meisten im Zug erreichen den Gipfel, ohne dass man eine Mine explodieren hörte,
und scheinen in Sicherheit zu sein.
Doch als sie eben durchatmen,
bricht der Lärm von Explosionen die Stille.
Baker und die Männer kommen zur Verteidigungslinie
der Deutschen, der Gotenstellung.
ITALIEN, ROM, SIZILIEN
Verschanzt in den nördlichen Abhängen der Bergkette des Apennins
erstreckt sich die Gotenstellung in Italien über eine Länge
von 270 km von Ost nach West.
ITALIEN, ROM
Über 2.000 deutsche MG-Nester
sowie Minenfelder und schwere Artillerie wachen über die Strecke.
Churchill bezeichnete Italien einst als Europas "weichen Unterbauch",
doch seine Befreiung aus dem Griff der Nazis zieht sich hin.
Trotz Mussolinis Sturz und der Kapitulation Italiens
bleiben die Deutschen im Land.
Die Deutschen nutzen die Geografie Italiens geschickt
zum Bau ihrer Verteidigungslinie aus. Eine Reihe von Abwehrstellungen
erstreckt sich auf Italiens Halbinsel von Küste zu Küste,
stets unter Einbezug von Hügeln, Bergen und Flusstälern,
um die Abwehrstellungen zu optimieren.
Die Gotenstellung ist die letzte deutsche Abwehrlinie
vor der Po-Ebene an der Spitze des italienischen Stiefels.
Durchbrechen die Alliierten also die Gotenstellung,
können sie das wichtige Industriegebiet der Po-Ebene rasch erobern und befreien.
Mussolini hält noch seinen kleinen Marionettenstaat in Norditalien,
fiele jedoch die Po-Ebene,
wären auch Mussolini und seine
italienische Administration am Ende.
Feuer!
Am Westende der Gotenstellung,
im Tal unterhalb der Position ihrer Kompanie,
steht alliierte Artillerie bereit.
Diese Geschütze sollen vor Baker und seinen Soldaten
in bestimmten Intervallen einschlagen und den Vormarsch decken.
Die Artillerie soll deutsche Soldaten töten
oder durch ihr Feuer zerstreuen, sowie ihre Bunker
und andere Befestigungen brechen, um den Weg für die Infanterie zu bereiten.
Doch Kompanie C hört Explosionen hinter sich detonieren, nicht vor sich.
Baker glaubt an einen Beschuss durch die eigene Seite.
- Vorwärts! - Er drängt die Männer voran,
um Abstand zu den Einschlägen zu gewinnen.
Los!
Baker und seine Infanteristen stürmen vorwärts.
Doch als der Zug stehen bleibt, um sich zu sammeln,
entdeckt Baker beim Appell, dass einige Männer fehlen.
Baker konnte keine Leute zurückschicken, um die Verstreuten einzusammeln,
er hätte auch sie verlieren können.
Sie mussten weiter vorrücken.
Als Zugführer will man stets,
dass die Männer möglichst weit vorrücken,
um die Einheit zusammenzuhalten.
Aber bald schon hält MG-Feuer ihren Vormarsch auf.
Deutsche Maschinengewehre, am Hang verborgen, schießen.
Der vorn stehende Feind bemerkte die drohende Gefahr.
Als Maschinengewehrsalven seinen Zug aufhalten,
schreitet Baker zur Tat.
Baker beschließt, sich allein der Feindstellung zu nähern.
Das ist riskant für ihn. Seine Männer können ihn nicht decken.
Wird er entdeckt, kann niemand ihm beistehen.
Er kriecht auf das deutsche MG-Nest zu
und greift an.
April 1945, nördliche Toskana.
Eine rein afroamerikanische Einheit, das 370. Infanterieregiment,
wird beim Vormarsch auf die deutsche Gotenstellung angegriffen.
Second Lieutenant Vernon Baker und sein Zug
müssen an Maschinengewehrfeuer vorbei.
Er feuert unablässig.
Drei Deutsche werden getötet...
...und die Stellung schweigt.
Mit der Einzelattacke hat er für den Zug sein Leben riskiert,
doch es zahlt sich aus. Die Einheit marschiert weiter.
Während des Aufstiegs sehen sie ihr Ziel hoch oben aufragen.
Eine 1.500 Jahre alte Festung, die Burg Aghinolfi.
Benannt nach dem Hofadligen,
der die ersten Befestigungen auf der Felsnase anlegen ließ.
Im Zweiten Weltkrieg ist die Burg Bollwerk am Westende der Gotenstellung.
Das war im Mittelalter nicht anders als 1945.
Die hohe Lage der Burg Aghinolfi gibt den Deutschen
die Gelegenheit, Bewegungen der Alliierten im Tal zu beobachten
und ist eine ideale Verteidigungsstellung auf dem Kamm des Hügels.
Im Frühjahr 1945
halten die Männer von Leutnant Otto Fretter-Pico
die Burg besetzt.
Otto Fretter-Pico gilt zunächst als vielversprechender General
und kommandiert eine Infanteriedivision an der Ostfront.
Aber als er einen Nervenzusammenbruch erleidet,
wird er nach Frankreich versetzt, als Kommandeur einer Lehr-Division.
Später wird diese nach Italien verlegt
und wieder zur Infanteriedivision hochgestuft.
Die Stellung liegt oberhalb der Landstraße nach Massa.
Fretter-Pico kann aus dieser Position
gegen den vorrückenden Feind Artilleriebeschuss anfordern.
Im noch dunklen frühen Morgen
erreicht Baker mit seinem Zug eine Anhöhe unterhalb der Burg.
Sie entdecken etwas Merkwürdiges.
Ein leuchtend gelber Draht schlängelt sich vor ihnen hin.
Er ist aus dem Material Plastik, das vielen von ihnen,
auch Baker, bislang unbekannt ist.
Sie hatten nie gesehen, dass Plastik so eingesetzt wird.
Baker durchtrennt die Leitung.
Neugierig kratzt er die Plastikbeschichtung ab,
um zu sehen, was darunter liegt.
Zu seiner Überraschung findet Baker einen Kupferdraht.
Das verrät ihm, dass es sich um eine Art Kommunikationsdraht handelt,
und entsprechend verhält er sich.
Als der Zug weiter vorrückt, tauchen weitere Drähte auf.
Baker durchtrennt sie alle, insgesamt über ein Dutzend.
Später wird er sich erinnern, wie gut es tat,
dem Feind nach und nach möglichst viel Schaden zuzufügen.
Das Vorrücken des 370. Infanterieregiments
auf Massa ist ein Ablenkungsmanöver.
Die Operation Second Wind soll deutsche Truppen nach Westen locken,
während die Alliierten im Osten den Hauptangriff durchführen,
um in die Po-Ebene einzudringen und Bologna zu erobern.
Als der Morgen graut,
umgeht der US-Zug die Außerkante eines Hügels.
Ein Glitzern lässt sie stutzen.
Der Second Lieutenant nähert sich vorsichtig.
Zwei Metallrohre ragen aus einem Schlitz am Abhang.
Er hält sie für Waffenläufe,
das typische Kennzeichen für ein darunter verborgenes MG-Nest des Feindes.
Es muss beseitigt werden.
Baker lässt sich fallen und robbt voran.
Er kommt an den Schlitz im Abhang heran,
richtet sich auf die Knie
und legt die Waffe an.
Seine Waffe ist ein M1-Garand-Gewehr.
Es wiegt 4,3 kg und hat ein .30-Kaliber-Magazin mit acht Patronen.
Es ist das erste Selbstlade-Gewehr, das die US Army
als Standardwaffe der Infanterie nutzt.
Mehr als 5.000.000 Stück
wurden im Lauf seiner Produktion davon hergestellt.
Offiziere tragen in der Regel ein leichteres Gewehr.
Baker nimmt eine andere Waffe.
Als Jäger aus Wyoming
entscheidet er sich für das M1, das ihn an das Gewehr erinnert,
mit dem er zu Hause Hirsche und Elche jagte.
Er beschreibt das M1 mit seinem schweren Holzmaterial als angenehm robust.
Baker schiebt die Waffe durch den Schlitz
und feuert sein ganzes Magazin leer.
Dann späht er hinein.
Baker sieht einen tot zusammengesackten Deutschen,
aber der andere lebt noch.
Er schleppt sich auf dem Bunkerboden
zu einem Granatenstapel in der Ecke.
Bakers Lage ist brenzlig.
April 1945, an der Nordwestküste Italiens.
Nach dem Angriff auf einen Feindbunker
sieht Second Lieutenant Vernon Baker vom 370. Infanterieregiment
einen deutschen Soldaten auf einen Granatenstapel zukriechen.
Da sein Magazin verschossen ist, holt er eine Handgranate aus der Jacke,
zieht die Lunte und wirft sie in das Maschinengewehrnest.
Als der Rauch abzieht, kriecht Baker hinein.
Er begutachtet den Bunker.
Der Soldat liegt tot da.
Er probiert die deutschen Feldtelefone aus.
Die beiden Metallzylinder, die er für Waffenläufe hielt,
sind in Wahrheit der obere Teil eines Beobachtungsinstruments.
Es handelt sich um ein Scherenfernrohr,
das die Deutschen oft zur Feindbeobachtung einsetzten,
oder um Artilleriebeschuss zu steuern.
Der große Vorteil ist, sitzt man im Graben,
muss man den Kopf nicht über die Kante strecken.
Baker erinnert sich später, dass er durchs Objektiv
US-Truppen unten in der Ebene sehen konnte
und ihm dabei klar wurde, wie leicht die Deutschen
indirekt Artillerie anfordern konnten, um sie auszulöschen.
Ein solcher Beobachtungsposten ist eine bedeutende Stellung.
Die mächtigste Waffe des Feindes ist, unter Umständen, der Artilleriebeobachter.
Der Mann, der die schwerste Waffe steuert,
die die meisten Toten verursacht. Dass er die Artilleriebeobachtung findet,
ist weitaus bedeutender, als wenn Baker einen MG-Bunker ausgeschaltet hätte.
Als er sich weiter umsieht, fällt Baker noch etwas auf.
Gelbe Drähte wie jene, die er zuvor durchschnitt,
führen von den Feldtelefonen hinaus aus dem Bunker.
Durchaus möglich, dass die deutschen Truppen den Zug
beim Vormarsch beobachtet hatten, aber keinen Angriff anfordern konnten,
weil sie wegen der durchtrennten Drähte nicht durchkamen.
Hätte er die Drähte nicht durchtrennt,
hätte ihr Vormarsch tödlich enden können.
Baker nimmt noch eine Handgranate, zieht die Lunte,
legt sie zwischen die zwei Fernrohre
und rennt aus dem Bunker.
Baker ist schlau genug, nicht abzuwarten und zuzusehen,
aber als er eine gedämpfte Explosion hört,
weiß er, dass die Granate ihre Arbeit tat
und der Beobachtungsposten Geschichte ist.
In keinen zwei Stunden ist Baker mit seinem Zug
fast 5 km auf feindlichem Gelände vorgerückt.
In diesem Fall geht es um sehr wertvolles Gelände,
vor allem erhöhtes Gelände, von dem die Deutschen
viele der amerikanischen Angreifer hätten töten können.
Und dass sie das in nur zwei Stunden schaffen,
ist überaus beeindruckend.
Das Tempo ihres Vorrückens
widerspricht den Erwartungen der meisten hohen US-Offiziere.
Colonel Raymond Sherman kommandiert Bakers rein Schwarzes Regiment.
Es herrscht Rassentrennung,
weil die US Army im Zweiten Weltkrieg den Vorgaben Jim Crows folgt,
die damals in der ganzen US-Gesellschaft noch dominieren.
Die tiefe und in vieler Hinsicht
schändliche Ironie liegt darin,
dass die USA alle Kräfte mobilisieren
und auf der ganzen Welt kämpfen,
um eines der mörderischsten Regimes der Menschheitsgeschichte zu vernichten,
dies aber mit einer Armee tun, die nach Rassen getrennt ist.
Sherman lebte und arbeitete in den 1930ern in Virginia.
Im Zweiten Weltkrieg
ist es im US-Militär auch allgemein üblich,
weiße Kommandeure aus den Südstaaten für schwarze Soldaten zu bestellen.
Es gibt diese verquere Erwartung,
dass Offiziere der Südstaaten sich besonders gut eignen,
um Schwarze Soldaten zu befehligen, weil die
schwarze Soldaten in Zaum halten können, wie sie es von daheim gewohnt sind.
Es ist eine Art vergifteter Nachbildung.
Sherman hält Schwarze Truppen für unzuverlässig und potenziell feige.
Keine ungewöhnliche Einstellung bei weißen Offizieren seiner Zeit,
mit fatalen Folgen
für die Erfahrung der über eine Million Afroamerikaner,
die ihrem Land im Zweiten Weltkrieg dienten.
Colonel Sherman und Offiziere wie er
hätten wohl jeden Fehler afroamerikanischer Soldaten
den angeborenen Mängeln einer minderwertigen Rasse zugeschrieben.
Genauso kennzeichnet Offiziere wie Colonel Sherman,
dass sie nie die Schuld bei sich suchten.
Gute Anführer anderer Einheiten dachten,
sie hätten sie falsch geschult
oder falsche Entscheidungen getroffen, wenn sie ehrlich waren.
Hier konnte man sich stets darauf herausreden,
dass diese Soldaten es einfach nicht draufhätten.
Tief in der Gotenstellung der Deutschen bespricht Captain John Runyon,
der weiße Kommandeur von Kompanie C, mit Baker
den letzten Teil des Vorrückens auf ihr Ziel, Burg Aghinolfi.
Sie sind nur noch 230 m südlich von der von Deutschen besetzten Burg.
Diese Burg kontrolliert die gesamte Umgebung,
weil sie eine zentrale Anhöhe einnimmt.
Und sie hatten Zeit, sie zusätzlich zu befestigen,
was die Position noch stärker macht.
Könnten die Amerikaner Aghinolfi nehmen,
wäre der Weg entlang der Küste bis nach Massa weitgehend frei.
Doch da wird die Besprechung von Runyon und Baker unterbrochen.
Ein deutscher Soldat kommt mit einer Handgranate aus dem Gebüsch.
Runyon läuft in Panik weg.
Baker will schießen, kann es aber nicht, weil Runyon ihn wegstößt.
Baker dachte sicher, er würde das Zeitliche segnen.
Erstaunlicherweise war es ein Blindgänger. Es folgt keine Explosion.
Baker legt das Gewehr abermals an und zielt.
Der fliehende Deutsche stürzt zu Boden.
Baker sieht sich um.
Von Runyon ist nichts zu sehen.
Baker ist total wütend.
Er findet Runyons Verhalten so amateurhaft wie hysterisch.
Der weiße Kommandeur, der ihn in dem Kampf führt,
läuft vor einem Scharmützel weg.
Als der Zug sich neu aufstellt,
deutet ein GI auf einen Schwarm Vögel, der aufstiebt.
Der Zugführer weiß genau, was das bedeutet.
Baker wurde als Mörserschütze ausgebildet.
Die schwarzen Flecken, die auf sie zufliegen, kennt er genau.
Er ruft den Männern zu, in Deckung zu gehen.
In Deckung!
Die Ankunft des Zugs wurde entdeckt.
Eine deutsche Mörsereinheit auf einem nahen Hügel nimmt sie unter Beschuss.
Kurz darauf explodieren Geschosse um die US-Soldaten herum.
Die Granaten entfesseln einen Tornado von Metallschrapnellen.
Metallsplitter bohren sich in ihre Haut.
Die Deutschen schießen jetzt auch mit MGs.
Der Angriff tötet drei Soldaten der Kompanie C und verwundet drei weitere.
Baker und seine Männer sind exponiert und unterlegen.
Sie brauchen die Hilfe der alliierten Artillerie unten im Tal,
aber die schweren Geschütze der Amerikaner schweigen.
Artilleriefrontbeobachter von Kompanie C, Second Lieutenant Walker,
schreit die Koordinaten ins Funkgerät.
Walker fordert seit Beginn des Mörserfeuers
Artillerieunterstützung an.
Hügel R-7.
- Doch es gibt ein Problem. - Die Artillerie, sofort!
Die Offiziere im Tal wollen nicht glauben, dass eine rein Schwarze Einheit
so schnell zur Burg vorrückte.
Baker sieht Walker immer wieder die Position durchgeben.
...Hügel R-7.
Und kann nichts tun, damit sie begreifen.
April 1945, im Nordwesten Italiens.
Unter deutschem Mörserbeschuss fordern die Reste einer US-Kompanie
des 370. Infanterieregiments vergeblich Artillerieunterstützung an.
Der Frontbeobachtungsoffizier, Second Lieutenant Walker,
verliert kostbare Zeit beim Wiederholen der Koordinaten.
Die Army-Einheiten im Quartier können nicht glauben,
dass rein afroamerikanische Soldaten
so weit in die legendäre Gotenstellung der Deutschen vordrangen.
Minuten nachdem Kompanie C um Hilfe bat,
fängt die Artillerie im Tal unten endlich an zu feuern.
Feuer!
Der Artilleriebeschuss kommt verdammt spät, ist aber punktgenau.
Geschosse pfeifen über Baker und die Männer, die die Köpfe einziehen,
als der ersehnte Beschuss auf die deutschen Stellungen
in 65 m Entfernung von Kompanie C einprasselt.
Aber die alliierte Artillerie verschafft nur vorübergehend Abhilfe.
Schon bald fallen wieder feindliche Mörsersalven auf Kompanie C.
Baker schreit dem Zug zu, er solle vorrücken.
Die Deutschen lenken den Mörserbeschuss auf die neue amerikanische Stellung,
wo Gefahr durch Baumbruch droht.
Es ist sicherer im Freien als unter Baumgruppen.
Zwei Drittel aus Bakers Zug sind tot oder verwundet.
Die Funkstation, ihre einzige Verbindung nach draußen, ist zerschmettert.
Baker sucht das Schlachtfeld ab
nach dem weißen Kommandeur von Kompanie C.
Captain John Runyon floh zuvor vor einem deutschen Angreifer...
Hey, Roger.
...und kehrte nicht zum Kampf zurück.
Er muss da unten sein.
Einer von Bakers Männern deutet auf ein Außengebäude.
Baker nähert sich dem Haus.
Drinnen findet er Runyon.
Baker und Runyon schildern das Geschehen stark abweichend voneinander.
Baker erinnert sich, dass Runyon mit fest um die Beine geschlungenen Armen dasaß
und bleich wie Pergament war.
Er verspricht Baker, Verstärkung zu holen.
Runyon berichtet, er habe den Rückzug angeordnet
und Baker sei freiwillig zurückgeblieben, um die anderen zu decken.
Beiden Berichten nach zieht sich Runyon mit den gehfähigen Männern zurück.
Acht andere, darunter Baker, bleiben.
Exponiert in ihrer vorgerückten Position,
bauen sie eine improvisierte Barrikade
aus allem, was sie an Holz und Steinen auftreiben können.
Um 14:30 Uhr nehmen die Deutschen den Mörserbeschuss wieder auf.
Durch Rauch und Staub
erkennen die Amerikaner Silhouetten in der Ferne.
Baker und seine GIs halten die Gewehre fest im Griff.
Sie bemühen sich, Genaueres zu erkennen.
Da taucht eine Flagge im Nebel auf.
Sie trägt unverkennbar das Zeichen des Roten Kreuzes.
Das Rote Kreuz wird auf Schlachtfeldern von beiden Seiten respektiert,
da Sanitäter generell keine militärische Gefahr darstellen,
sondern Erleichterung bringen und Leben retten.
Weitere Deutsche tauchen hinter dem Flaggenträger auf,
die auch Rotkreuzbinden haben und eine Bahre tragen.
Der Angriff auf Sanitätskonvois ist laut Genfer Konvention ein Kriegsverbrechen.
Deshalb signalisiert Baker den Männern, nicht zu schießen.
Doch je näher die Deutschen den Amerikanern kommen,
desto unwohler wird diesen.
Während einige Männer auf die Soldaten des Feindes schießen wollen,
ahnt Baker instinktiv, dass dies dann eigene Sanitäter
bei anderer Gelegenheit ausbaden müssten.
45 m vor der Linie von Kompanie C halten die Deutschen an.
Sie setzen die Bahren ab und ziehen die Decken zurück.
Es liegen keine Verwundeten drauf. Die Bahren sind voller MGs.
Baker und seine Männer sind Opfer einer Täuschung.
5. April 1945, oberhalb der nördlichen toskanischen Küste.
Die Überlebenden des 370. Infanterieregiments,
die sich in der deutschen Gotenstellung verschanzt haben,
beobachten mit Argwohn,
wie deutsche Soldaten unter dem Schutz des Roten Kreuzes näherkommen.
Als sie die Decken zurückziehen,
sind Maschinengewehre zu sehen, die sie eilends aufstellen.
Sich im Zeichen des Roten Kreuzes als Sanitätseinheit auszugeben,
ist ein eklatanter Bruch der Genfer Konvention.
Ein Kriegsverbrechen.
Die rassistische Nazi-Ideologie mag bei der List eine Rolle spielen.
Wir wissen nicht, was die deutschen Soldaten
angesichts der afroamerikanischen Soldaten dachten,
man darf aber vermuten, dass einige überzeugte Nazis waren
und das Leben eines afroamerikanischen Soldaten
geringer schätzten als das eines weißen US-Soldaten.
Nun zeigt sich die wahre Absicht des Feindes.
Bakers Zurückhaltung und Zögern verpuffen.
Er ruft: "Drauf auf die Schweine."
Feuer!
Drauf auf die Schweine!
US-Kugeln schalten einige aus,
ehe die Heuchler auch nur einen Schuss abgeben.
Die Übrigen verschwinden.
Trotz des Überraschungsmomentes, gelang es den Deutschen nicht,
die Maschinengewehre schnell und präzise genug aufzubauen.
Ihre List scheitert.
Doch Second Lieutenant Vernon Baker hat eine größere Sorge.
Der Kommandeur von Kompanie C, Captain John Runyon,
verließ das Schlachtfeld schon vor drei Stunden.
Nach Bakers Erinnerung ging der weiße Kommandeur
mit dem Versprechen, Verstärkung zu schicken.
Mit der improvisierten Barriere als einzigem Schutz
blickt sich Baker wieder und wieder um.
Er wartet auf frische Truppen, die Captain Runyon schicken wollte,
die aber nicht ankommen.
Plötzlich erkennt Baker mit Schrecken,
dass die oberste Führung wohl nach wie vor nicht glaubt, eine Einheit
nur aus Schwarzen sei so weit vorgerückt und halte die Linie gegen den Feind.
Es war schon schwer gewesen,
alliierte Artillerieunterstützung zu erhalten.
Nun scheint eine Verstärkung unmöglich.
Er betrachtet die Reste seines Zuges.
Baker beschreibt das Gefühl von Verzweiflung und Erschöpfung,
das die Männer bedrückt. Dazu kommt noch ein Problem.
Nach dem letzten Schusswechsel
haben sie bedenklich wenig Munition.
Pro Soldat bleiben nur noch ein bis zwei Magazine.
Baker steht vor einer schweren Entscheidung.
Sie drangen 5 km tief in die berühmte Gotenstellung der Deutschen ein
und stehen nur 230 m vor ihrem Ziel, der Burg Aghinolfi.
Aber ohne Verstärkung können sie die Festung nicht nehmen.
Bleiben können sie auch nicht.
Er entschließt sich zum Rückzug.
Baker trifft die Entscheidung nicht zum Selbstschutz.
Seiner Erinnerung nach fürchtet er nicht den Tod,
fühlt sich aber verantwortlich für das Leben seiner Männer,
die diesen Kampf unmöglich gewinnen können.
Als sie sich bereits zurückziehen,
greifen die Deutschen erneut an, um sie auszulöschen.
Der Rest der Kompanie C muss bis zur Sicherheit der eigenen Linie
erneut über 5 km durch Feindgebiet hinabsteigen.
Deutsche Scharfschützen feuern.
Der letzte Sanitäter des Zuges fällt.
Vorwärts!
Baker drängt seine Männer voran.
Doch für Kompanie C scheint es kein Entkommen zu geben.
April 1945, Norditalien.
Ein deutscher Scharfschütze tötet den Sanitäter
des 370. Infanterieregiments
beim Rückzug zur amerikanischen Linie, nachdem Verstärkung ausblieb.
Second Lieutenant Vernon Baker kniet nieder,
um seine Erkennungsmarke zu sichern. Da wendet sich ein Soldat zur Attacke.
Private James Thomas legt sein Browning-Selbstladegewehr an
und schießt in Richtung des deutschen Scharfschützen,
der tödlich traf.
Baker sagte später, Private Thomas war rasend vor Wut.
Die Browning-Automatik wirkte wie Balsaholz in seiner Hand.
Als das deutsche Gewehr den Hang herabschlittert,
ist das Schicksal des Schützen klar.
Es ging so schnell,
dass Thomas den verborgenen Schützen ausgeschaltet hatte,
noch ehe Baker die Kennmarke des Sanitäters gesichert hatte.
Dann stürmen die Männer
den Abhang hinunter, den sie erst am Morgen hochkletterten,
während die deutschen Verteidiger sie verfolgen.
Zuvor hatten sie die Schlangenserpentinen
wie auf heißen Kohlen erklettert,
jetzt rennen sie um ihr Leben
und brechen hinunter, um in Sicherheit zu gelangen,
so schnell sie nur können.
Als sie den Fuß des Abhangs erreichen,
bleibt ein kurzer Sprint zur amerikanischen Linie.
Nach 12 Stunden Kampf sind Baker und die paar Überlebenden
endlich in Sicherheit.
Am Morgen hatte er noch 25 Männer im Zug.
Jetzt sind nur sechs übrig.
Abrücken.
Er schickt die Verwundeten ins Lazarett
und die anderen zum Appell.
Dann wendet Baker sich buchstäblich überwältigt
vom Durchgemachten beiseite und übergibt sich.
Er sah den ganzen Tag, wie es Männer in Stücke riss,
und als das Adrenalin abklingt, packen ihn die Gefühle mit voller Kraft.
Zurück im Stützpunkt hat Baker eine letzte Pflicht.
Er muss die Kennmarken, die er am Tag einsammelte,
im Regimentshauptquartier abgeben.
Dort trifft er den Kommandeur des 370., Colonel Raymond Sherman.
Sherman will nicht über die Burg, die erobert werden sollte,
und die Verluste von Bakers Zug dabei sprechen.
Vielmehr interessiert Sherman Bakers Helm, den er nicht trägt.
Baker ließ gern seinen Helm zurück,
weil er fand, er hindere ihn daran, zu sehen und zu hören,
was im Feld vor sich ging.
Höhere Offiziere wie Sherman sahen das nicht so,
für die war das kein positiver Zug.
Sie betrachteten es vielmehr als Pflichtvernachlässigung.
Was ist nur los mit Ihnen, Lieutenant?
Sherman tadelt Baker,
nennt ihn eine Schande für die Welt, Gott und die Nation.
Bringt ihm einen Helm! Da drüben ist einer.
Einer von Shermans Offizieren reicht Baker den Helm.
Er knallt ihn auf...
Wegtreten.
...und ist mehr als froh, als er wegtreten darf.
Am Tag darauf kehrt Baker auf Shermans Befehl
aufs selbe Schlachtfeld zurück.
Auch dies ist eine tragische Ironie, denn einer Kompanie des
473. Infanterieregiments wurde befohlen, weiterzumachen, wo Bakers Zug aufhörte.
Und nach dem Vormarsch der Kompanie C vom Vortag
kennt Baker das Gelände genau und geht voran.
Doch diesmal treffen die US-Truppen auf keinerlei Widerstand.
Nach ihren schweren Verlusten durch Kompanie C
zogen die Deutschen sich aus dem Gebiet zurück.
Dank Baker und den Männern war der Weg frei.
Die rein weiße Kompanie erobert die Burg, ohne einen Schuss abzufeuern.
Baker und seine Männer trugen die Last der eigentlichen Kämpfe,
ohne den Verdienst dafür beanspruchen zu dürfen.
Auf dem Rückweg zur Basis läuft Baker zufällig die Serpentine hinab,
die sein Zug im Dunkeln hinaufstieg, im Bemühen, Minen zu meiden.
Er macht eine schmerzliche Entdeckung.
Er findet die Leichen mehrerer Männer, die am Tag zuvor vermisst wurden.
Baker hatte gedacht, beim Aufstieg am Morgen
hätte sein Zug keine Verluste erlitten.
In diesem Moment wird ihm klar, dass das, was er
für alliierte Artillerieeinschläge hinter ihrer Position hielt,
in Wahrheit Landminen waren, die diese Männer töteten.
Die Männer leblos zu finden, erhöht seinen Eindruck der Sinnlosigkeit aller Verluste.
Für seine Taten vom 5. April 1945
erhält Captain John F. Runyon den Orden für besondere Tapferkeit,
den zweithöchsten Orden für verdiente Soldaten in den USA.
Für seine Taten am 5. und 6. April
und den Verdienst, neun Feindsoldaten getötet zu haben,
erhält Second Lieutenant Vernon Baker den Orden für besondere Tapferkeit.
Manche fanden, Bakers Taten waren mehr wert.
Der höchste Orden, den US-Soldaten für Tapferkeit im Kampf erhalten können,
ist die Ehrenmedaille.
Aber die wurde keinem einzigen Afroamerikaner
im und noch viele Jahre und Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg je verliehen.
Erst in den 1990ern sollte die US Army eingestehen,
dass sie so manchem Schwarzen Soldaten zu Unrecht verweigert wurde.
Mehr als 50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs
verleiht Präsident Bill Clinton Baker die Ehrenmedaille.
Von sieben afroamerikanischen Veteranen des Zweiten Weltkriegs, die endlich
Anerkennung finden, erlebt nur er diese Ehrung.
Nach der Eroberung der Burg Aghinolfi
setzen Baker und Schwarze Soldaten des 370. Infanterieregiments
den Kampf in Norditalien fort.
Am 10. April 1945
erobern die Amerikaner die Stadt Massa.
Weiter östlich gelingt dem Hauptangriff der Durchbruch
und alliierte Truppen können 11 Tage später Bologna befreien.
Nach dem Rückzug von der Gotenstellung kapituliert
Generalleutnant Otto Fretter-Pico am 30. April vor den Alliierten.
Deutsche und Alliierte handeln für Italien einen separaten Waffenstillstand aus,
der am 2. Mai 1945 in Kraft tritt.
Es ist der Anfang vom Ende des Dritten Reichs.
Weniger als eine Woche danach endet der Krieg in Europa,
als Deutschland die bedingungslose Kapitulation unterzeichnet.
Aber es wird noch drei Jahre dauern,
bis Präsident Harry Truman die Anordnung unterschreibt,
die in den Streitkräften der USA die Rassentrennung offiziell beendet.
Untertitel von: Rüdiger Dieterle
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