All language subtitles for Faust.1960.German.1080p.BluRay.x264-RWP

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Original subtitles

Ihr beiden, die ihr mir so oft in Not und Trübsal beigestanden,

sagt, was ihr wohl in deutschen Landen von unsrer Unternehmung hofft?

Ich wünschte sehr der Menge zu behagen, weil sie lebt und leben lässt.

Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen,

und jedermann erwartet sich ein Fest.

Wie machen wir's, dass alles frisch und neu und mit Bedeutung auch gefällig sei?

Freilich mag ich gern die Menge sehen, wenn sie nach unsrer Bude drängt.

Bei hellem Tage, schon vor vieren, mit Stößen sich bis an die Kasse ficht

und, wie in Hungersnot um Brot an Bäckertüren

um ein Billet sich fast die Hälse bricht.

Dies Wunder wirkt auf so verschiedne Leute der Dichter nur.

Freund, o tu es heute!

Sprich nicht von der Menge, bei deren Anblick uns der Geist entflieht.

Führe mich zur stillen Himmelsenge, wo nur dem Dichter Freude blüht.

Was in tiefer Brust uns da entsprungen, was sich die Lippe vorgelallt,

missraten jetzt und jetzt gelungen, verschlingt des Augenblicks Gewalt.

Oft erscheint es erst nach Jahren in vollendeter Gestalt.

Was glänzt, ist für den Augenblick geboren,

das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.

Wenn ich nur nichts von Nachwelt hören sollte.

Gesetzt, dass ich von Nachwelt reden wollte,

wer machte denn der Mitwelt Spaß?

Den will sie doch und soll ihn haben.

Drum seid nur brav und zeigt euch musterhaft.

Lasst Phantasie, mit allen ihren Chören,

Vernunft, Verstand, Empfindung, Leidenschaft,

doch, merkt euch wohl, nicht ohne Narrheit hören.

Lasst genug geschehn!

Man kommt zu schaun, man will am liebsten sehn.

Die Masse könnt Ihr nur durch Masse zwingen, jeder sucht sich was aus.

Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen,

und jeder geht zufrieden aus dem Haus.

Gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken!

Solch ein Ragout, es muss Euch glücken.

Leicht ist es vorgelegt, so leicht als ausgedacht.

Wozu ein Ganzes dargebracht? Das Publikum wird es zerpflücken.

Ihr fühlet nicht, wie wenig ein solches Handwerk dem Künstler zieme!

Der saubern Herren Pfuscherei ist bei Euch Maxime.

Ein solcher Vorwurf lässt mich ungekränkt:

Ein Mann, der recht zu wirken denkt, muss auf das beste Werkzeug halten.

Bedenkt, Ihr habet weiches Holz zu spalten,

und seht nur hin, für wen Ihr schreibt!

Wenn diesen Langeweile treibt, kommt jener satt vom Mahle,

und, was das Allerschlimmste bleibt, mancher kommt vom Lesen der Journale.

Man eilt zerstreut zu uns, wie zu den Maskenfesten.

Neugier nur beflügelt jeden Schritt.

Die Damen geben sich und ihren Putz zum besten

und spielen ohne Gage mit.

Ich sag Euch, gebt nur mehr und immer mehr,

so könnt Ihr Euch nie verirren.

Sucht nur die Menschen zu verwirren, sie zu befriedigen, ist schwer.

Geh hin und such dir einen andern Knecht!

Der Dichter sollte das höchste Recht, das ihm Natur vergönnt,

um deinetwillen verscherzen?

Wodurch bewegt er alle Herzen und besiegt jedes Element?

Ist es der Einklang nicht, der die Welt zurücke schlingt?

Wer flicht die grünen Blätter zum Ehrenkranz Verdiensten jeder Art?

Wer sichert den Olymp, vereinet Götter?

Des Menschen Kraft, im Dichter offenbart.

So braucht die schönen Kräfte, und treibt die dichtrischen Geschäfte,

wie man ein Liebesabenteuer treibt.

Zufällig naht man sich, man fühlt, man bleibt,

und nach und nach wird man verflochten.

Es wächst das Glück, dann wird es angefochten.

Man ist entzückt, dann kommt der Schmerz heran,

und eh man sich's versieht, ist's eben ein Roman.

Lasst uns auch so ein Schauspiel geben!

Greift hinein ins volle Menschenleben!

Ein jeder lebt's, nicht vielen ist's bekannt,

und wo ihr's packt, da ist's interessant.

In bunten Bildern wenig Klarheit,

viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit,

so wird der Trank gebraut, der alle Welt erquickt und auferbaut.

Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn!

Indes ihr Komplimente drechselt, kann Nützliches geschehn.

Was hilft es, viel von Stimmung reden? Dem Zaudernden erscheint sie nie.

Gebt ihr euch einmal für Poeten, so kommandiert die Poesie.

Ihr wisst, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag.

Drum schonet mir an diesem Tag Prospekte nicht und nicht Maschinen.

Gebraucht das große und kleine Himmelslicht,

Die Sterne dürfet ihr verschwenden.

An Wasser, Feuer, Felsenwänden, an Tier und Vögeln fehlt es nicht.

So schreitet in dem engen Bretterhaus

den ganzen Kreis der Schöpfung aus,

und wandelt mit bedächtiger Schnelle

vom Himmel durch die Welt zur Hölle.

(Drehorgelklänge)

Die Sonne tönt, nach alter Weise, in Brudersphären Wettgesang,

und ihre vorgeschriebne Reise vollendet sie mit Donnergang.

Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke, wenn keiner sie ergründen mag,

die unbegreiflich hohen Werke sind herrlich wie am ersten Tag.

Und schnell und unbegreiflich schnelle dreht sich umher der Erde Pracht.

Es wechselt Paradieseshelle mit tiefer, schauervoller Nacht.

Es schäumt das Meer in breiten Flüssen am tiefen Grund der Felsen auf,

Und Fels und Meer wird fortgerissen im ewig schnellem Sphärenlauf.

Und Stürme brausen um die Wette vom Meer aufs Land, vom Land aufs Meer,

und bilden wütend eine Kette der tiefsten Wirkung rings umher.

Da flammt ein blitzendes Verheeren dem Pfade vor des Donnerschlags.

Doch deine Boten, Herr, verehren das sanfte Wandeln deines Tags.

(alle) Der Anblick gibt den Engeln Stärke, da keiner dich ergründen mag,

und alle deine hohen Werke sind herrlich wie am ersten Tag.

Da du, Herr, dich wieder nahst und fragst, wie alles sich bei uns befinde,

und du mich sonst gerne sahst, so siehst du mich auch unter dem Gesinde.

Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen,

und wenn mich auch der Kreis verhöhnt:

Mein Pathos brächte dich gewiss zum Lachen,

hättest du dir nicht das Lachen abgewöhnt.

Von Sonn' und Welten weiß ich nichts zu sagen,

ich sehe nur, wie sich die Menschen plagen.

Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag,

und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.

Ein wenig besser würd er leben,

hättest du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben.

Er nennt's Vernunft

und braucht's allein, nur tierischer als jedes Tier zu sein.

Hast du mir weiter nichts zu sagen?

Kommst du nur immer anzuklagen?

Ist auf der Erde ewig dir nichts recht?

Nein, Herr! Ich find es dort, wie immer, herzlich schlecht.

Die Menschen dauern mich in ihren Jammertagen,

ich mag sogar die armen selbst nicht plagen.

Kennst du den Faust?

- Den Doktor? - Meinen Knecht!

Fürwahr! Er dient Euch auf besondre Weise.

Nicht irdisch ist des Toren Trank noch Speise.

Ihn treibt die Gärung in die Ferne, er ist sich seiner Tollheit halb bewusst.

Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne

und von der Erde jede höchste Lust.

Und alle Näh und alle Ferne

befriedigt nicht die tiefbewegte Brust.

Wenn er mir jetzt auch nur verworren dient,

so werd ich ihn bald in die Klarheit führen.

Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt,

dass Blüt und Frucht die künft'gen Jahre zieren.

Was wettet Ihr? Den sollt Ihr noch verlieren!

Wenn Ihr mir die Erlaubnis gebt, ihn meine Straße zu führen.

Solang er auf der Erde lebt, so lange sei dir's nicht verboten.

Es irrt der Mensch, solang er strebt.

Da dank ich Euch, denn mit den Toten hab ich mich niemals gern befangen.

Am meisten lieb ich mir die vollen, frischen Wangen.

Für einem Leichnam bin ich nicht zu Haus. Mir geht es wie der Katze mit der Maus.

Nun gut, es sei dir überlassen!

Zieh diesen Geist von seinem Urquell ab,

und führ ihn, kannst du ihn erfassen,

auf deinem Wege mit herab.

Und steh beschämt, wenn du bekennen musst:

Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange,

ist sich des rechten Weges wohl bewusst.

Schon gut! Nur dauert es nicht lange.

(laut) Mir ist für meine Wette gar nicht bange.

Wenn ich zu meinem Zweck gelange,

erlaubt Ihr mir Triumph aus voller Brust.

Staub soll er fressen, und mit Lust,

wie meine Muhme, die berühmte Schlange.

Du darfst auch da nur frei erscheinen.

Ich habe deinesgleichen nie gehasst.

Von allen Geistern, die verneinen, ist mir der Schalk am wenigsten zur Last.

Des Menschen Tätigkeit kann allzu leicht erschlaffen,

er liebt sich bald die unbedingte Ruh.

Drum geb ich gern ihm den Gesellen zu, der reizt und wirkt

und muss als Teufel schaffen.

Doch ihr, die echten Göttersöhne,

erfreut euch der lebendig reichen Schöne!

Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,

umfass euch mit der Liebe holden Schranken,

und was in schwankender Erscheinung schwebt,

befestiget mit dauernden Gedanken!

Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern, und hüte mich, mit ihm zu brechen.

Es ist gar hübsch von einem großen Herrn,

so menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen.

Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie

durchaus studiert, mit heißem Bemühn.

Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.

Heiße Magister, heiße Doktor gar und ziehe schon an die zehen Jahr

herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum.

Und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen.

Zwar bin ich gescheiter als die Laffen, Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen.

Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel, fürchte weder Hölle noch Teufel.

Dafür ist mir alle Freud entrissen.

Bilde mir nicht ein, ich könnte was wissen oder lehren,

die Menschen zu bessern und zu bekehren.

Ich hab weder Gut noch Geld, noch Ehr und Herrlichkeit der Welt.

Es möchte kein Hund so länger leben!

Drum hab ich mich der Magie ergeben,

ob mir durch Geistes Kraft und Mund nicht manch Geheimnis würde kund.

Dass ich nicht mehr mit saurem Schweiß zu sagen brauche, was ich nicht weiß.

Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält,

schau alle Wirkenskraft und Samen, und tu nicht mehr in Worten kramen.

O sähst du, voller Mondenschein, zum letzten Mal auf meine Pein,

den ich so manche Mitternacht an diesem Pult herangewacht:

Dann über Büchern und Papier, trübsel'ger Freund, erschienst du mir!

Könnt ich doch auf Bergeshöhn in deinem lieben Lichte gehn,

um Bergeshöhle mit Geistern schweben, auf Wiesen in deinem Dämmer weben,

von allem Wissensqualm entladen, in deinem Tau gesund mich baden!

Flieh! Auf, hinaus ins weite Land!

Dies Buch von Nostradamus' Hand, ist dir es nicht Geleit genug?

Erkennest dann der Sterne Lauf, und wenn Natur dich unterweist,

dann geht die Seelenkraft dir auf, wie spricht ein Geist zum andren Geist.

Ha!

Welche Wonne fließt in diesem Blick mir durch alle meine Sinnen!

Ich fühle junges, heil'ges Lebensglück mir durch Nerv' und Adern rinnen.

Ich schau in diesen reinen Zügen die wirkende Natur vor meiner Seele liegen.

Welch Schauspiel! Aber ach! Ein Schauspiel nur!

Wo fass ich dich, unendliche Natur?

Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein!

Du, Geist der Erde, bist mir näher.

Schon fühl ich meine Kräfte höher, schon glüh ich wie von neuem Wein.

Ich fühle Mut, mich in die Welt zu wagen, der Erde Weh und Glück zu tragen.

Es wölkt sich über mir. Der Mond verbirgt sein Licht.

Es zucken rote Strahlen mir um das Haupt.

Ich fühl's, du schwebst um mich, erflehter Geist, enthülle dich!

Ich fühle ganz mein Herz dir hingegeben! Du musst!

Du musst! Und kostet es mein Leben!

(sphärische Klänge)

(Geist) Du hast mich mächtig angezogen,

an meiner Sphäre lang gesogen,

Und nun...

Weh! Ich ertrag dich nicht!

Du flehst, eratmend mich zu schauen,

meine Stimme zu hören, mein Antlitz zu sehn.

Mich neigt dein mächtig Seelenflehn,

da bin ich!

Welch erbärmlich Grauen fasst Übermenschen dich!

Wo ist der Seele Ruf?

Wo ist die Brust, die eine Welt in sich erschuf?

Wo bist du, Faust, des Stimme mir erklang?

Soll ich dir, Flammenbildung, weichen? Ich bin's, bin Faust, bin deinesgleichen!

In Lebensfluten, im Tatensturm

wall ich auf und ab, webe hin und her!

Geburt und Grab, ein ewiges Meer,

ein wechselnd Wehen, ein glühend Leben.

So schaff ich am sausenden Webstuhl der Zeit

und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.

Der du die weite Welt umschweifst, Geist, wie nah fühl ich mich dir!

Du gleichst dem Geist, den du begreifst,

nicht mir!

(Faust) Nicht dir? Wem denn?

Ich Ebenbild der Gottheit! Und nicht einmal dir!

(Klopfen)

O Tod! Ich kenn's. Das ist mein Famulus.

Es wird mein schönstes Glück zunichte!

Dass diese Fülle der Gesichte der trockne Schleicher stören muss!

Verzeiht! Ich hör euch deklamieren.

Ihr last gewiss ein griechisch Trauerspiel?

In dieser Kunst möcht ich was profitieren,

denn heutzutage wirkt das viel.

Ich hab es öfters rühmen hören,

ein Komödiant könnt einen Pfarrer lehren.

Wenn der Pfarrer ein Komödiant ist, wie das wohl zuzeiten kommen mag.

Ach! Wenn man so in sein Museum gebannt ist,

und sieht die Welt kaum einen Feiertag,

kaum durch ein Fernglas, nur von weitem,

wie soll man sie durch Überredung leiten?

Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen.

Wenn es nicht aus der Seele dringt und mit Behagen die Herzen aller Hörer zwingt.

Sitzt ihr nur immer, leimt zusammen, braut ein Ragout von andrer Schmaus

und blast die Flammen aus eurem Aschenhäufchen raus!

Allein der Vortrag macht des Redners Glück.

Ich fühl es wohl, noch bin ich weit zurück.

Such Er den redlichen Gewinn! Sei Er kein schellenlauter Tor!

Es trägt Verstand und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vor!

Und wenn's euch Ernst ist, was zu sagen, ist's nötig, Worten nachzujagen?

Ach Gott! Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben.

Mir wird, bei meinem kritischen Bestreben, doch oft um Kopf und Busen bang.

Wie schwer sind die Mittel zu erwerben, durch die man zu den Quellen steigt!

Und eh man nur den halben Weg erreicht, muss wohl ein armer Teufel sterben.

Ist das Pergament der heil'ge Bronnen, daraus ein Trunk den Durst ewig stillt?

Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus der Seele quillt.

Verzeiht! Es ist ein groß Ergetzen, sich in den Geist der Zeiten zu versetzen.

Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,

und wie wir's dann zuletzt so herrlich weit gebracht.

O ja, bis an die Sterne weit!

Die Zeiten der Vergangenheit sind uns ein Buch mit sieben Siegeln.

Was ihr den Geist der Zeiten heißt, das ist der Herren eigner Geist,

in dem die Zeiten sich bespiegeln.

Es ist tief in der Nacht, wir müssen's unterbrechen.

Ich hätte gern fortgewacht, um so gelehrt mit Euch mich zu besprechen.

Doch morgen, als am ersten Ostertage, erlaubt mir ein und andre Frage.

Mit Eifer hab' ich mich der Studien beflissen.

Zwar weiß ich viel, doch möcht' ich alles wissen.

Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,

der an schalem Zeuge klebt, mit gier'ger Hand nach Schätzen gräbt,

und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!

Darf eine solche Menschenstimme hier, wo Geisterfülle mich umgab, ertönen?

Doch dank ich dir, dem ärmlichsten aller Erdensöhne.

Du rissest mich von der Verzweiflung los, die mir die Sinne zerstören wollte.

Ach, die Erscheinung war so riesengroß,

dass ich mich recht als Zwerg empfinden sollte.

Den Göttern gleich ich nicht! Zu tief ist es gefühlt.

Dem Wurme gleich ich, der den Staub durchwühlt,

den, wie er im Staube lebt, des Wandrers Tritt vernichtet und begräbt.

Doch warum heftet sich mein Blick auf jene Stelle,

ist jenes Fläschchen dort den Augen ein Magnet?

Warum wird mir lieblich helle, als wenn im Wald uns Mondenglanz umweht?

Ich grüße dich, du einzige Phiole,

die ich mit Andacht nun herunterhole!

In dir verehr ich Menschenwitz und Kunst.

Du Inbegriff der holden Schlummersäfte,

du Auszug aller tödlich feinen Kräfte,

erweise deinem Meister deine Gunst!

Ich sehe dich, es wird der Schmerz gelindert.

Ich fasse dich, das Streben wird gemindert,

des Geistes Flutstrom ebbet nach und nach.

Ins hohe Meer werd ich hinausgewiesen,

die Spiegelflut erglänzt zu meinen Füßen,

zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag.

Ein Feuerwagen schwebt auf leichten Schwingen heran!

Ich fühle mich bereit, auf neuer Bahn den Äther zu durchdringen,

zu neuen Sphären reiner Tätigkeit.

Ja, kehre nur der holden Erdensonne entschlossen deinen Rücken zu!

Vermesse dich, die Pforten aufzureißen, an denen jeder gern vorüberschleicht!

Hier ist es Zeit, durch Taten zu beweisen,

dass Manneswürde nicht der Götterhöhe weicht.

Zu diesem Schritt sich heiter zu entschließen,

und wär es mit Gefahr, ins Nichts dahinzufließen.

Hier ist ein Saft, der eilig trunken macht.

Mit brauner Flut erfüllt er deine Höhle.

Den ich bereitet, den ich wähle,

der letzte Trunk sei nun, mit ganzer Seele,

als festlich hoher Gruß, dem Morgen zugebracht!

(Chor der Engel) Christ ist erstanden!

Freude dem Sterblichen,

den die verderblichen, schleichenden,

erblichen Mängel unwanden. (Glocken läuten)

Welch tiefes Summen, welch heller Ton

zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde?

Verkündigt ihr dumpfen Glocken schon des Osterfestes erste Feierstunde?

(Chor der Engel) Christ ist erstanden!

Selig der Liebende,

der die betrübende, heilsame

und übende Prüfung bestanden.

Was sucht ihr, mächtig und gelind, ihr Himmelstöne, mich am Staube?

Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind.

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.

Zu jenen Sphären wag ich nicht zu streben, woher die holde Nachricht tönt.

Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,

ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.

Sonst stürzte sich der Himmelsliebe Kuss auf mich herab in Sabbatstille.

Da klang des Glockentones Fülle, und ein Gebet war brünstiger Genuss.

Ein holdes Sehnen trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn,

und unter tausend heißen Tränen fühlt ich mir eine Welt entstehn.

Dies Lied verkündete der Jugend muntre Spiele,

der Frühlingsfeier freies Glück.

Erinnerung hält mich nun, mit kindlichem Gefühle,

vom letzten, ernsten Schritt zurück.

O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder!

Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!

(Klarinettentöne)

(Faust) Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

durch des Frühlings holden, belebenden Blick.

Im Tale grünet Hoffnungsglück.

Der alte Winter, in seiner Schwäche, zog sich in raue Berge zurück.

Von dorther sendet er, fliehend, nur ohnmächtige Schauer körnigen Eises

in Streifen über die grünende Flur.

Aber die Sonne duldet kein Weißes. Überall regt sich Bildung und Streben,

alles will sie mit Farben beleben, doch an Blumen fehlt's im Revier.

Sie nimmt geputzte Menschen dafür. Ich höre schon des Dorfs Getümmel.

Hier ist des Volkes wahrer Himmel, zufrieden jauchzet groß und klein:

Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!

Mit Euch, Herr Doktor, zu spazieren, ist ehrenvoll und ist Gewinn.

Ich würd mich nicht allein her verlieren, weil ich ein Feind von allem Rohen bin.

Das Fiedeln, Schreien, Kegelschieben ist mir ein gar verhasster Klang.

Sie toben wie vom bösen Geist getrieben und nennen's Freude, nennen's Gesang.

(Fröhliche Klarinettenmusik)

(singt) Der Schäfer putzte sich zum Tanz,

mit bunter Jacke, Band und Kranz,

schmuck war er angezogen.

Schon um die Linde war es voll,

und alles tanzte schon wie toll.

Juchhe! Juchhe! Juchheisa! Heisa! He!

So ging der Fiedelbogen.

Er drückte hastig sich heran,

da stieß er an ein Mädchen an

mit seinem Ellenbogen.

Die frische Dirne kehrt sich um

und sagte: Nun, das find ich dumm!

Juchhe! Juchhe! Juchheisa! Heisa! He!

Seid nicht so ungezogen!

Doch hurtig in dem Kreise ging's,

sie tanzten rechts, sie tanzten links,

und alle Röcke flogen.

Sie wurden rot, sie wurden warm

und ruhten atmend Arm in Arm.

Juchhe! Juchhe! Juchheisa! Heisa! He!

Und Hüft an Ellenbogen.

(alle singen) Und tu mir doch nicht so vertraut!

Wie mancher hat nicht seine Braut

belogen und betrogen!

Er schmeichelte sie doch bei Seit,

und von der Linde scholl es weit:

Juchhe! Juchhe! Juchheisa! Heisa! He!

Geschrei und Fiedelbogen.

Herr Doktor, das ist schön von Euch, dass Ihr uns heute nicht verschmäht,

und unter dieses Volksgedräng als ein so Hochgelahrter geht.

So nehmet auch den schönsten Krug, den wir mit frischem Trunk gefüllt.

Ich bring ihn zu und wünsche laut, dass er nicht nur den Durst Euch stillt:

Die Zahl der Tropfen, die er hegt, sei Euren Tagen zugelegt.

Ich nehme den Erquickungstrank, erwidere euch allen Heil und Dank.

Gesundheit dem bewährten Mann, dass er noch lange helfen kann!

Vor jenem droben steht gebückt, der helfen lehrt und Hilfe schickt.

(Musik spielt wieder)

Welch ein Gefühl musst du, o großer Mann,

bei der Verehrung dieser Menge haben!

O glücklich, wer von seinen Gaben solch einen Vorteil ziehen kann!

Der Menge Beifall tönt mir nun wie Hohn.

Wie könnt Ihr Euch darum betrüben?

Tut nicht ein braver Mann genug, die Kunst, die man ihm übertrug,

gewissenhaft und pünktlich auszuüben?

O glücklich, wer noch hoffen kann, aus diesem Irrtum aufzutauchen!

Was man nicht weiß, das eben brauchte man,

und was man weiß, kann man nicht brauchen.

Lass uns dieser Stunde Gut durch Trübsinn nicht verkümmern!

Betrachte, wie in Abendsonne-Glut die Hütten schimmern.

Sie rückt und weicht, der Tag ist überlebt,

dort eilt sie hin und fördert neues Leben.

O dass kein Flügel mich vom Boden hebt,

ihr nach und immer nach zu streben!

Ein schöner Traum, indessen sie entweicht.

Ach, zu des Geistes Flügeln wird so leicht kein körperlicher Flügel sich gesellen.

Doch ist es jedem eingeboren, dass sein Gefühl hinauf und vorwärts dringt,

wenn über uns, im Raum verloren, ihr Lied die Lerche singt,

Wenn über Fichtenhöhen der Adler schwebt,

und über Flächen, über Seen der Kranich nach der Heimat strebt.

Ich hatte selbst oft grillenhafte Stunden,

doch solchen Trieb hab ich noch nie empfunden.

Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt.

Des Vogels Fittich werd ich nie beneiden.

Wie anders tragen uns die Geistesfreuden von Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt!

Du bist dir nur des einen Triebs bewusst, o lerne nie den andern kennen!

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust.

Die eine will sich von der andern trennen.

Die eine hält, in derber Liebeslust, sich an die Welt mit klammernden Organen.

Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust zu den Gefilden hoher Ahnen.

O gibt es Geister in der Luft, die zwischen Erd und Himmel weben,

so steiget nieder aus dem goldnen Duft

und führt mich weg zu neuem, buntem Leben!

Wäre ein Zaubermantel mein, und trüg er mich in fremde Länder!

mir sollt er um die köstlichsten Gewänder, nicht feil um einen Königsmantel sein.

Berufe nicht die wohlbekannte Schar,

die strömend sich im Dunstkreis überbreitet,

dem Menschen tausendfältige Gefahr,

von allen Enden her, bereitet.

Doch gehen wir! Ergraut ist schon die Welt,

die Luft gekühlt, der Nebel fällt!

Am Abend schätzt man erst das Haus.

Was stehst du so und blickst erstaunt hinaus?

Was kann dich in der Dämmrung so ergreifen?

Siehst du den Hund durch Saat und Stoppel streifen?

Nicht wichtig schien er mir.

Für was hältst du das Tier?

Für einen Pudel, der sich auf der Spur des Herren plagt.

Bemerkst du, wie in weitem Schneckenkreise er um uns her und immer näher jagt?

Irr ich nicht, so zieht ein Feuerstrudel hinterdrein.

Ich sehe nichts als einen schwarzen Pudel.

Es mag wohl Augentäuschung sein.

Mir scheint, dass er leise Schlingen um unsre Füße zieht.

Ich seh ihn furchtsam uns umspringen,

weil er statt seines Herrn zwei Unbekannte sieht.

Der Kreis wird eng, schon ist er nah!

Du siehst, ein Hund, und kein Gespenst ist da.

- Geselle dich zu uns! Komm hier! - Es ist ein pudelnärrisch Tier.

Du stehest still, er wartet auf.

Du sprichst ihn an, er strebt an dir hinauf.

Verliere was, er wird es bringen, nach deinem Stock springen.

Du hast recht, ich finde nicht die Spur von einem Geist, und alles ist Dressur.

Dem Hunde, wenn er gut gezogen, wird selbst ein weiser Mann gewogen.

Ja, deine Gunst verdient er ganz und gar, er, der Studenten trefflicher Skolar.

Verlassen hab ich Feld und Auen, die eine tiefe Nacht bedeckt,

mit ahnungsvollem, heil'gem Grauen in uns die bessre Seele weckt.

Entschlafen sind nun wilde Triebe mit jedem ungestümen Tun.

Es reget sich die Menschenliebe, die Liebe Gottes regt sich nun.

Ach, wenn in unsrer engen Zelle die Lampe freundlich wieder brennt,

dann wird's in unserm Busen helle, im Herzen, das sich selber kennt.

(Knurren) Knurre nicht, Pudel!

Wir sind gewohnt, dass die Menschen verhöhnen, was sie nicht verstehn,

dass sie vor dem Guten und Schönen, das oft beschwerlich ist, murren.

Will es der Hund, wie sie, beknurren?

Davon hab ich so viel Erfahrung.

Doch dieser Mangel lässt sich ersetzen.

Wir lernen das Überirdische schätzen, wir sehnen uns nach Offenbarung,

die nirgends würd'ger und schöner brennt als in dem Neuen Testament.

Mich drängt's, den Grundtext aufzuschlagen,

mit redlichem Gefühl einmal das heilige Original

in mein geliebtes Deutsch zu übertragen.

Geschrieben steht: „Im Anfang war das Wort!“

Hier stock ich schon! Wer hilft mir fort?

Ich kann das Wort so hoch nicht schätzen, ich muss es anders übersetzen,

wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.

Geschrieben steht: „Im Anfang war der Sinn.“

Bedenke die erste Zeile, dass deine Feder sich nicht übereile!

Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?

Es sollte stehn: „Im Anfang war die Kraft!“

Auch indem ich dieses niederschreibe,

schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.

Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat und schreibe getrost:

„Im Anfang war die Tat!“

(Heulen) Soll ich mit dir das Zimmer teilen,

Pudel, so lass das Heulen, so lass das Bellen!

Solch einen störenden Gesellen mag ich nicht leiden.

Ungern heb ich das Gastrecht auf, die Tür ist offen, hast freien Lauf.

Doch was muss ich sehen! Kann das natürlich geschehen?

Er hebt sich mit Gewalt, das ist nicht eines Hundes Gestalt!

Welch ein Gespenst bracht ich ins Haus! Schon sieht er wie ein Nilpferd aus.

Für solche halbe Höllenbrut ist Salomonis Schlüssel gut.

Verschwind in Flammen, Salamander! Fließe zusammen, Undene!

Leucht in Meteoren-Schöne, Sylphe! Bring Hilfe, Incubus!

Incubus! Tritt hervor und mache den Schluss!

Keines der Viere steckt in dem Tiere.

Bist du Geselle ein Flüchtling der Hölle?

So sieh dies Zeichen,

dem sie sich beugen, die schwarzen Scharen!

Schon schwillt es auf mit borstigen Haaren.

Den Raum füllt es an, es will zum Nebel zerfließen.

Steige nicht zur Decke! Lege dich zu des Meisters Füßen!

Erwarte nicht das glühende Licht, die stärkste von meinen Künsten!

(Mephistopheles) Wozu der Lärm?

Was steht dem Herrn zu Diensten?

Das also war des Pudels Kern! Ein fahrender Skolast?

Der Kasus macht mich lachen.

Ich salutiere den gelehrten Herrn!

Ihr habt mich schwitzen machen.

Wie nennst du dich?

Die Frage scheint mir klein für einen, der das Wort so sehr verachtet,

der, weit entfernt von allem Schein, nur in der Wesen Tiefe trachtet.

Bei euch kann man das Wesen gewöhnlich aus dem Namen lesen,

wo es sich allzu deutlich weist,

wenn man euch Fliegengott, Verderber, Lügner heißt.

Nun gut, wer bist du denn?

Ein Teil von jener Kraft,

die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Was ist mit diesem Rätselwort gemeint?

Ich bin der Geist, der stets verneint!

Und das mit Recht, denn alles, was entsteht,

ist wert, dass es zugrunde geht.

Drum besser wär's, wenn nichts entstünde.

So ist denn alles, was ihr Sünde,

Zerstörung, kurz, das Böse nennt,

mein eigentliches Element.

Du nennst dich einen Teil, und stehst doch ganz vor mir?

Bescheidne Wahrheit sprech ich dir.

Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt

gewöhnlich für ein Ganzes hält:

Ich bin ein Teil des Teils, der anfangs alles war.

Ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar.

Das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht

den alten Rang, den Raum ihr streitig macht,

und doch gelingt's ihm nicht, da es, so viel es strebt,

verhaftet an den Körpern klebt.

Von Körpern strömt's, die Körper macht es schön,

ein Körper hemmt's auf seinem Gange.

So, hoff ich, dauert es nicht lange, und mit den Körpern wird's zugrunde gehn.

Nun kenn ich deine Pflichten!

Du kannst im Großen nichts vernichten und fängst es im Kleinen an.

Und freilich ist nicht viel damit getan.

Was sich dem Nichts entgegenstellt, dies Etwas, diese plumpe Welt,

so viel als ich schon unternommen, ich wusste nicht ihr beizukommen.

Mit Wellen, Stürmen, Schütteln, Brand, geruhig bleibt am Ende Meer und Land!

Und dem verdammten Zeug, der Tier- und Menschenbrut,

dem ist nun gar nichts anzuhaben:

Wie viele hab ich schon begraben!

Und immer zirkuliert ein neues, frisches Blut.

So geht es fort, man möchte rasend werden!

Der Luft, dem Wasser wie der Erden entwinden tausend Keime sich,

im Trocknen, Feuchten, Warmen, Kalten!

Hätt ich mir nicht die Flamme vorbehalten,

ich hätte nichts Aparts für mich.

So setzest du der ewig regen, der heilsam schaffenden Gewalt

die kalte Teufelsfaust entgegen,

die sich vergebens tückisch ballt!

Was anders suche zu beginnen, des Chaos wunderlicher Sohn!

Wir wollen wirklich uns besinnen, die nächsten Male mehr davon!

Dürft ich wohl diesmal mich entfernen?

Ich sehe nicht, warum du fragst. Besuche mich, wie du magst.

Gesteh ich's nur! Dass ich hinausspaziere, verbietet mir ein kleines Hindernis,

Der Drudenfuß auf Eurer Schwelle.

Das Pentagramma macht dir Pein?

Ei sage mir, du Sohn der Hölle, wenn das dich bannt,

wie kamst du herein, wie ward ein solcher Geist betrogen?

Beschaut es recht! Es ist nicht gut gezogen:

Der eine Winkel, der nach außen zu, ist, wie du siehst, ein wenig offen.

Das hat der Zufall gut getroffen!

Und mein Gefangner wärst denn du? Das ist gelungen!

Der Pudel merkte nichts, als er hereingesprungen.

Die Sache sieht jetzt anders aus: Der Teufel kann nicht aus dem Haus.

- Warum gehst du nicht durchs Fenster? - Ein Gesetz der Teufel und Gespenster:

Wo sie hereingeschlüpft, da müssen sie hinaus.

Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte.

Die Hölle selbst hat ihre Rechte?

Das find ich gut, da ließe sich ein Pakt, und sicher wohl, mit euch schließen?

Was man verspricht, das sollst du rein genießen,

dir wird davon nichts abgezwackt.

Doch das ist nicht so kurz zu fassen, wir besprechen das zunächst.

Doch jetzo bitt ich, für dieses Mal mich zu entlassen.

Bleibe doch noch, um mir gute Mär zu sagen.

Lass mich los! Ich komme bald zurück, dann magst du fragen.

Ich habe dir nicht nachgestellt, du bist selbst ins Garn gegangen.

Den Teufel halte, wer ihn hält!

Er wird ihn nicht so bald zum zweiten Male fangen.

Wenn dir's beliebt, dann bin ich auch bereit,

dir zur Gesellschaft zu bleiben.

Doch mit Bedingnis, dir die Zeit durch meine Künste würdig zu vertreiben.

Ich seh es gern, das steht dir frei. Nur dass die Kunst gefällig sei!

Du wirst, mein Freund, für deine Sinnen in dieser Stunde mehr gewinnen

als in des Jahres Einerlei.

Was dir die zarten Geister singen, die bunten Bilder, die sie bringen,

sind nicht ein leeres Zauberspiel.

Auch dein Geruch wird sich ergetzen, dann wirst du deinen Gaumen letzen,

und dann entzückt sich dein Gefühl.

Bereitung braucht es nicht voran, beisammen sind wir, fanget an!

(Geister singen) Schwindet, ihr dunkeln Wölbungen droben!

Reizender schaue freundlich der blaue Äther herein!

Wären die dunkeln Wolken zerronnen!

Sternelein funkeln, mildere Sonnen

scheinen darein.

Er schläft! So recht, ihr luft'gen zarten Jungen!

Ihr habt ihn treulich eingesungen!

Für dies Konzert bin ich in eurer Schuld.

Du bist noch nicht der Mann, den Teufel festzuhalten!

Umgaukelt ihn mit süßen Traumgestalten,

versenkt ihn in ein Meer des Wahns.

Doch dieser Schwelle Zauber zu zerspalten, bedarf ich eines Rattenzahns.

Nicht lange brauch ich zu beschwören, schon raschelt eine und wird mich hören.

Der Herr der Ratten und der Mäuse, der Fliegen, Frösche, Wanzen, Läuse

befiehlt dir, dich hervorzuwagen und diese Schwelle zu benagen.

So wie er sie mit Öl betupft, da kommst du schon hervorgehupft!

Nur frisch ans Werk! Die Spitze, die mich bannte, sitzt ganz vorne an der Kante.

Noch einen Biss, so ist's geschehn.

Nun, Fauste, träume fort, bis wir uns wiedersehn.

Bin ich denn abermals betrogen?

Verschwindet so der geisterreiche Drang, dass mir ein Traum den Teufel vorgelogen,

und dass ein Pudel mir entsprang?

(Klopfen)

Es klopft? Herein! Wer will mich wieder plagen?

- (Mephistopheles) Ich bin's. - Herein!

- Du musst es dreimal sagen. - Herein denn!

So gefällst du mir. Wir werden, hoff ich, uns vertragen.

Denn dir die Grillen zu verjagen, bin ich als edler Junker hier.

Und rate nun dir, kurz und gut, dergleichen gleichfalls anzulegen,

damit du, losgebunden, frei, erfahrest, was das Leben sei.

In jedem Kleide werd ich wohl die Pein des Erdelebens fühlen.

Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

Was kann die Welt mir wohl gewähren? „Du sollst entbehren!“

Das ist der ewige Gesang, der jedem an die Ohren klingt,

den, unser ganzes Leben lang, uns heiser jede Stunde singt.

Und so ist mir das Dasein eine Last, der Tod erwünscht, das Leben mir verhasst.

Und doch ist nie der Tod ein ganz willkommner Gast.

O wär ich vor des hohen Geistes Kraft entzückt, entseelt dahingesunken!

Und doch hat jemand einen braunen Saft in jener Nacht nicht ausgetrunken.

Das Spionieren, scheint's, ist deine Lust.

Allwissend bin ich nicht,

doch viel ist mir bewusst.

Wenn aus dem schrecklichen Gewühle ein bekannter Ton mich zog,

den Rest von kindlichem Gefühle mit Anklang froher Zeit betrog,

so fluch ich allem, was die Seele mit Gaukelwerk umspannt,

und sie in diese Trauerhöhle durch Blendkräfte bannt!

Fluch dem Balsamsaft der Trauben! Fluch der Liebeshuld!

Fluch sei der Hoffnung! Fluch dem Glauben, und Fluch vor allem der Geduld!

Hör auf, mit deinem Gram zu spielen, der wie ein Geier dir am Leben frisst.

Die schlechteste Gesellschaft lässt dich fühlen,

dass du ein Mensch mit Menschen bist.

Doch so ist's nicht gemeint, dich unter das Pack zu stoßen.

Ich bin keiner von den Großen.

Doch willst du, mit mir vereint, deine Schritte durchs Leben nehmen,

so will ich mich gern bequemen, dein zu sein, auf der Stelle.

Ich bin dein Geselle, und mach ich dir's recht,

bin ich dein Diener, bin dein Knecht!

- Was soll ich dagegen erfüllen? - Dazu hast du eine lange Frist.

Nein, der Teufel ist ein Egoist und tut nicht leicht, was anderen nützlich ist.

Sprich die Bedingung deutlich aus. Ein solcher Diener bringt Gefahr ins Haus.

Ich will mich hier zu deinem Dienst verbinden,

auf deinen Wink nicht rasten und nicht ruhn.

Wenn wir uns drüben wiederfinden,

so sollst du mir das Gleiche tun.

Das Drüben kann mich wenig kümmern.

Schlägst du diese Welt zu Trümmern, die andre mag darnach entstehn.

Aus dieser Erde quillen meine Freuden, diese Sonne scheinet meinen Leiden.

Kann ich mich von ihnen scheiden, mag, was will, geschehn.

In diesem Sinne kannst du's wagen. Verbinde dich,

du sollst in diesen Tagen mit Freuden meine Künste sehn.

Ich gebe dir, was noch kein Mensch gesehn.

Was willst du armer Teufel geben?

Ward eines Menschen Geist, in seinem Streben, von deinesgleichen je gefasst?

Hast du Speise, die nicht sättigt, hast du Gold, das ohne Rast

mir in der Hand zerrinnt, ein Spiel, bei dem man nie gewinnt,

Zeig mir die Frucht, die fault, eh man sie bricht,

und Bäume, die sich täglich neu begrünen!

Der Auftrag schreckt mich nicht, mit solchen Schätzen kann ich dienen.

Doch, guter Freund, die Zeit kommt auch heran,

wo wir was Guts in Ruhe schmausen mögen.

Werd ich je mich auf ein Faulbett legen, so sei es gleich um mich getan!

Kannst du mich je belügen, dass ich mir selbst gefallen mag,

Kannst du mich mit Genuss betrügen, das sei für mich der letzte Tag!

- Die Wette biet ich! - Topp!

(Faust) Und Schlag auf Schlag!

Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön!

Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!

Dann mag die Totenglocke schallen, dann bist du frei,

die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen, es sei die Zeit für mich vorbei!

Bedenk es wohl,

wir werden's nicht vergessen.

Dazu hast du ein volles Recht. Ich habe mich nicht vermessen.

Wie ich beharre, bin ich Knecht, ob dein oder wessen.

Ich werde heute beim Doktorschmaus als Diener meine Pflicht erfüllen.

Nur eins! Um Lebens oder Sterbens willen bitt ich mir ein paar Zeilen aus.

Auch was Geschriebnes forderst du Pedant? Hast du noch kein Manneswort gekannt?

Was willst du böser Geist von mir? Erz, Marmor, Pergament, Papier?

Soll ich mit Griffel, Meißel, Feder schreiben?

Wie magst du deine Rednerei nur gleich so hitzig übertreiben?

Ist doch ein jedes Blättchen gut.

Du unterzeichnest dich mit einem Tröpfchen Blut.

Wenn dies dir völlig Gnüge tut, so mag es bei der Fratze bleiben.

Blut ist ein ganz besondrer Saft.

Nur keine Furcht, dass ich dies Bündnis breche!

Das Streben meiner ganzen Kraft ist grade das, was ich verspreche.

Stürzen wir uns ins Rollen der Begebenheit!

Da mag Schmerz und Genuss miteinander wechseln, wie es kann.

- Nur rastlos betätigt sich der Mann. - Euch ist kein Maß gesetzt.

Beliebt's Euch, überall zu naschen, etwas zu erhaschen,

bekomm Euch wohl, was Euch ergetzt.

Nur greift mir zu und seid nicht blöde!

Von Freud' ist nicht die Rede.

Dem Taumel weih ich mich, dem schmerzlichsten Genuss,

verliebtem Hass, erquickendem Verdruss.

Mein Busen, der vom Wissensdrang geheilt ist,

soll keinen Schmerzen sich verschließen,

und was der ganzen Menschheit zugeteilt ist,

will ich in meinem innern Selbst genießen.

O glaube mir, der manche tausend Jahre an dieser harten Speise kaut,

dass von der Wiege bis zur Bahre kein Mensch den alten Sauerteig verdaut!

Glaub unsereinem,

dieses Ganze ist nur für einen Gott gemacht!

Er findet sich in einem ew'gen Glanze.

Uns hat er in die Finsternis gebracht,

und euch taugt einzig Tag und Nacht.

Was bin ich, wenn es nicht möglich ist, der Menschheit Krone zu erringen?

Du bist am Ende, was du bist.

Setz dir Perücken auf von Locken, setz deinen Fuß auf ellenhohe Socken,

du bleibst doch immer, was du bist.

Ich fühl's, vergebens hab ich alle Schätze des Menschengeists herbeigerafft,

und wenn ich mich am Ende niedersetze, quillt innerlich doch keine neue Kraft.

Ich bin nicht um ein Haar breit höher, bin dem Unendlichen nicht näher.

Mein guter Herr, Ihr seht die Sachen, wie man die Sachen eben sieht.

Wir müssen das gescheiter machen, eh uns des Lebens Freude flieht.

Drum frisch! Lass alles Sinnen sein, und grad mit in die Welt hinein!

Ich sag es dir: Ein Kerl, der spekuliert, ist wie ein Tier, auf dürrer Heide

von einem bösen Geist im Kreis herum geführt,

und rings umher liegt schöne grüne Weide.

- Wie fangen wir das an? - Wir gehen fort von diesem Marterort.

Was heißt das für ein Leben führen, sich und die Jungens ennuyieren?

Lass du das dem Herrn Nachbar Wanst!

Was willst du dich das Stroh zu dreschen plagen?

Das Beste, was du wissen kannst, darfst du den Buben doch nicht sagen.

- Ich höre einen auf dem Gange! - Ich kann ihn nicht sehn.

Der arme Knabe wartet lange, der darf nicht ungetröstet gehn.

Komm, gib mir deinen Rock und Mütze.

Die Maske muss mir trefflich stehn.

Nun überlass es meinem Witze! Ich brauche nur ein Viertelstündchen Zeit.

Indessen mache dich zur schönen Fahrt bereit!

Verachte nur Vernunft und Wissenschaft,

des Menschen allerhöchste Kraft,

lass nur in Blend- und Zauberwerken

dich von dem Lügengeist bestärken,

so hab ich dich schon unbedingt.

Den schlepp ich durch das wilde Leben, durch flache Unbedeutenheit.

Er soll mir zappeln, starren, kleben,

und seiner Unersättlichkeit soll Speis und Trank vor gier'gen Lippen schweben.

Er wird Erquickung sich umsonst erflehn.

Und hätt er sich auch nicht dem Teufel übergeben,

er müsste doch zugrunde gehn!

(Tür knarrt)

(Schritte)

Ich bin allhier erst kurze Zeit, und komme voll Ergebenheit,

einen Mann zu sprechen und zu kennen, den alle mir mit Ehrfurcht nennen.

Eure Höflichkeit erfreut mich sehr!

Ihr seht einen Mann wie andre mehr.

Habt Ihr Euch sonst schon umgetan?

Ich bitt Euch, nehmt Euch meiner an!

Ich komme mit allem guten Mut, leidlichem Geld und frischem Blut.

Meine Mutter wollte mich kaum entfernen, möchte gern was Rechts lernen.

Da seid Ihr eben recht am Ort.

Aufrichtig, möchte schon wieder fort:

In diesen Mauern, diesen Hallen will es mir keineswegs gefallen.

Es ist ein gar beschränkter Raum, man sieht nichts Grünes, keinen Baum.

Und in den Sälen, auf den Bänken, vergeht mir Hören, Sehn und Denken.

Das kommt nur auf Gewohnheit an.

So nimmt ein Kind der Mutter Brust nicht gleich im Anfang willig an,

doch bald ernährt es sich mit Lust.

So wird's Euch an der Weisheit Brüsten...

(sie lachen)

... mit jedem Tage mehr gelüsten.

An ihrem Hals will ich mit Freuden hangen, doch wie kann ich hingelangen?

Erklärt Euch, eh Ihr weiter geht, was wählt Ihr für eine Fakultät?

Ich wünschte recht gelehrt zu werden,

und möchte gern, was auf der Erden und in dem Himmel ist, erfassen,

die Wissenschaft und die Natur.

Da seid Ihr auf der rechten Spur, nur müsst Ihr Euch nicht zerstreuen lassen.

Ich bin dabei mit Seel und Leib, doch freilich würde mir behagen

ein wenig Freiheit und Zeitvertreib an Sommerfeiertagen.

Gebraucht der Zeit,

sie eilt so schnell von hinnen,

doch Ordnung lehrt Euch Zeit gewinnen.

Mein teurer Freund, ich rat Euch drum zuerst Collegium Logicum.

Da wird der Geist Euch wohl dressiert, in spanische Stiefeln eingeschnürt,

dass er bedächtiger so fortan hinschleiche die Gedankenbahn,

und nicht etwa die Kreuz und Quer, irrlichteliere hin und her.

Zwar ist's mit der Gedankenfabrik wie mit einem Weber-Meisterstück,

wo ein Tritt tausend Fäden regt, die Schifflein herüber, hinüber schießen,

die Fäden ungesehen fließen, ein Schlag tausend Verbindungen schlägt.

Der Philosoph, der tritt herein und beweist Euch, es müsst so sein:

Das Erst wär so, das Zweite so,

und drum das Dritt und Vierte so.

Und wenn das Erst und Zweit nicht wär, das Dritt und Viert wär's nimmermehr.

Das preisen die Schüler allerorten, sind aber keine Weber geworden.

Wer will was Lebendiges erkennen und beschreiben,

sucht erst den Geist herauszutreiben.

Dann hat er die Teile in seiner Hand,

fehlt leider nur das geistige Band.

Mir wird von alledem so dumm, als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum.

Nachher, vor allen andern Sachen, müsst Ihr Euch an die Metaphysik machen!

Da seht, dass Ihr tiefsinnig fasst, was in des Menschen Hirn nicht passt.

Für was drein geht und nicht drein geht, ein trefflich Wort zu Diensten steht.

Doch vorerst dieses halbe Jahr nehmt ja der besten Ordnung wahr.

Fünf Stunden habt Ihr jeden Tag, seid drinnen mit dem Glockenschlag!

Habt Euch vorher wohl präpariert, Paragraphos wohl einstudiert,

damit Ihr nachher besser seht, dass er nichts sagt, als was im Buche steht.

Doch Euch des Schreibens ja befleißt,

als diktierte Euch der Heilig Geist!

Das sollt Ihr mir nicht zweimal sagen!

Ich denke mir, wie viel es nützt,

denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.

Doch wählt mir eine Fakultät!

Zur Rechtsgelehrsamkeit kann ich mich nicht bequemen.

Ich kann es Euch so sehr nicht übel nehmen.

Ich weiß, wie es um diese Lehre steht.

Es erben sich Gesetz' und Rechte wie eine ew'ge Krankheit fort.

Sie schleppen von Geschlecht sich zu Geschlechte und rücken von Ort zu Ort.

Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage.

Weh dir, dass du ein Enkel bist!

Vom Rechte, das mit uns geboren ist,

von dem ist leider nie die Frage.

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.

O glücklich der, den Ihr belehrt!

Fast möcht ich nun Theologie studieren.

Ich wünschte nicht, Euch irrezuführen was diese Wissenschaft betrifft.

Es ist so schwer, den falschen Weg zu meiden.

Es liegt in ihr so viel verborgnes Gift,

und von der Arzenei ist's kaum zu unterscheiden.

Am besten ist's auch hier, wenn Ihr nur einen hört,

und auf des Meisters Worte schwört.

Im Ganzen: Haltet Euch an Worte!

Dann geht Ihr durch die sichre Pforte zum Tempel der Gewissheit ein.

Doch ein Begriff muss bei dem Worte sein.

Schon gut! Nur muss man sich nicht allzu ängstlich quälen.

Denn eben wo Begriffe fehlen,

da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.

Mit Worten lässt sich trefflich streiten,

mit Worten ein System bereiten,

an Worte lässt sich trefflich glauben,

von einem Wort lässt sich kein Jota rauben.

Verzeiht, ich halt Euch auf mit vielen Fragen,

allein, ich muss Euch noch bemühn.

Wollt Ihr mir von der Medizin nicht auch ein Wörtchen sagen?

Ich bin des trocknen Tons nun satt, muss wieder recht den Teufel spielen.

Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen.

Ihr studiert die große und kleine Welt,

um es am Ende gehn zu lassen wie's Gott gefällt.

Vergebens, dass Ihr wissenschaftlich schweift.

Ein jeder lernt nur, was er lernen kann.

Doch wer den Augenblick begreift, das ist der rechte Mann.

Ihr seid wohl gebaut, an Kühnheit wird's Euch auch nicht fehlen,

und wenn Ihr Euch nur selbst vertraut, vertrauen Euch die andern Seelen.

Besonders lernt die Weiber führen.

Es ist ihr ewig Weh und Ach so tausendfach aus einem Punkte zu kurieren.

Und wenn Ihr halbwegs ehrbar tut, dann habt Ihr sie all unterm Hut.

Ein Titel muss sie vertraulich machen, dass Eure Kunst viel Künste übersteigt.

Zum Willkomm tappt Ihr dann nach allen Siebensachen,

um die ein andrer viele Jahre schleicht.

Versteht das Pülslein zu drücken, und fasset sie mit schlauen Blicken

wohl um die schlanke Hüfte frei, zu sehn, wie fest geschnürt sie sei.

Das sieht schon besser aus! Man sieht doch, wo und wie.

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,

Und grün des Lebens goldner Baum.

Ich schwör Euch zu, mir ist's als wie ein Traum.

Dürft ich Euch wohl ein andermal beschweren,

von Eurer Weisheit auf den Grund zu hören?

Was ich vermag, soll gern geschehn.

Ich kann unmöglich wieder gehn,

ich muss Euch noch mein Stammbuch überreichen.

- Gönn Eure Gunst mir dieses Zeichen! - Sehr wohl.

(Spucklaut)

„Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum.“

Folg nur dem alten Spruch und meiner Muhme, der Schlange.

Dir wird gewiss einmal bei deiner Gottähnlichkeit bange!

- Wohin soll es nun gehn? - Wohin es dir gefällt.

Wir sehn die kleine, dann die große Welt.

Mit welcher Freude, welchem Nutzen wirst du den Cursum durchschmarutzen!

Ich wusste nie, mich in die Welt zu schicken.

Vor andern fühl ich mich klein. Ich werde verlegen sein.

Mein Freund, das wird sich alles geben.

Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben.

Wie kommen wir denn aus dem Haus?

Wir breiten nur den Mantel aus, der wird uns durch die Lüfte tragen.

Ein bisschen Feuerluft, die ich bereiten werde,

hebt uns behend von dieser Erde.

Und sind wir leicht, dann geht es schnell hinauf.

Ich gratuliere dir zum neuen Lebenslauf!

(magisches Surren)

Will keiner trinken? Keiner lachen?

Ich will euch lehren Gesichter machen!

Ihr seid ja heut wie nasses Stroh, und brennt sonst immer lichterloh.

Das liegt an dir, du bringst ja nichts herbei,

nicht eine Dummheit, keine Sauerei.

- Da hast du beides! - Doppelt Schwein!

Ihr wollt es ja, man soll es sein!

(singt) Schwing dich auf, Frau Nachtigall,

grüß mir mein Liebchen, grüß mir mein Liebchen,

grüß mir mein Liebchen zehntausendmal.

Ich will davon nichts hören!

Du wirst mir's nicht verwehren!

(singt) Riegel auf! In stiller Nacht.

Riegel auf! Der Liebste wacht.

Riegel zu! Des Morgens früh.

Ja, singe, singe nur und lob und rühme sie!

Sie hat mich angeführt, dir wird sie's auch so machen.

Ich will von keinem Gruße wissen, als ihr die Fenster eingeschmissen!

Ich muss dich nun vor allen Dingen in lustige Gesellschaft bringen,

damit du siehst, wie leicht sich's leben lässt.

Dem Volke hier wird jeder Tag ein Fest.

Die kommen von der Reise, man sieht's an ihrer wunderlichen Weise.

Sie sind nicht eine Stunde hier.

Du hast recht! Mein Leipzig lob ich mir!

Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute.

- Für was siehst du sie an? - Lass mich nur gehn!

Bei einem vollen Glase zieh ich den Burschen leicht die Würmer aus der Nase.

Sie scheinen mir aus einem edlen Haus, sie sehen stolz und unzufrieden aus.

- Marktschreier sind's gewiss, ich wette! - Vielleicht.

Gib acht, ich schraube sie!

Den Teufel spürt das Völkchen nie,

und wenn er sie beim Kragen hätte.

Seid uns gegrüßt, ihr Herrn!

Viel Dank zum Gegengruß.

Ist es erlaubt, uns auch zu euch zu setzen?

Statt eines guten Trunks, den man nicht haben kann,

soll die Gesellschaft uns ergetzen.

Ihr scheint ein verwöhnter Mann.

Wenn ich nicht irrte, hörten wir geübte Stimmen Chorus singen?

Gewiss, Gesang muss trefflich hier von dieser Wölbung widerklingen!

Seid Ihr wohl gar ein Virtuos?

O nein! Die Kraft ist schwach, allein die Lust ist groß.

- Gebt uns ein Lied! - Wenn ihr begehrt, die Menge.

- Nur auch ein nagelneues Stück! - Wir kommen aus Spanien zurück,

dem schönen Land des Weins und der Gesänge.

(fröhliche Tonabfolge)

(singt) Es war einmal ein König, der hatt einen großen Floh...

Horcht! Habt ihr das wohl gefasst? Ein Floh ist mir ein saubrer Gast.

Es war einmal ein König, der hatt einen großen Floh.

Den liebt er gar nicht wenig als wie seinen eignen Sohn.

Da rief er seinen Schneider, der Schneider kam heran:

Da, miss dem Junker Kleider und miss ihm Hosen an!

In Sammet und in Seide ward er nun angetan.

Hatte Bänder auf dem Kleide, hatte auch ein Kreuz daran.

Und ward sogleich Minister und hatt einen großen Stern.

Da wurden seine Geschwister bei Hof auch große Herrn.

Und Herrn und Fraun bei Hofe, die waren sehr geplagt.

Die Königin und die Zofe gestochen und genagt.

Und durften sie nicht knicken, und weg sie jucken nicht.

Wir knicken und ersticken doch gleich, wenn einer sticht.

- Bravo! Bravo! Das war schön! - So soll es jedem Floh ergehn!

- Spitzt die Finger und packt sie fein! - Es lebe die Freiheit! Es lebe der Wein!

Ich tränke gern ein Glas, die Freiheit hoch zu ehren,

wenn eure Weine nur ein bisschen besser wären.

Wir mögen das nicht wieder hören!

Ich fürchte nur, der Wirt beschweret sich.

Sonst gäb ich diesen werten Gästen aus unserm Keller was zum besten.

Nur immer her! Ich nehm's auf mich.

Schafft Ihr ein gutes Glas, so wollen wir Euch loben.

Nur gebt nicht gar zu kleine Proben,

denn wenn ich judizieren soll, verlang ich auch das Maul recht voll.

Was wünschet Ihr zu schmecken?

Wie meint Ihr das? Habt Ihr so mancherlei?

Ich stell es einem jeden frei.

Du fängst an, die Lippen abzulecken.

Gut! Wenn ich wählen soll, so will ich Rheinwein haben.

Das Vaterland verleiht die allerbesten Gaben.

Verschafft Wachs, die Pfropfen gleich zu machen!

- Das sind Taschenspielersachen. - Und Ihr?

Ich will Champagnerwein, und moussierend soll er sein!

Man kann nicht stets das Fremde meiden, das Gute liegt oft so fern.

Ein deutscher Mann mag keinen Franzen leiden, doch ihre Weine trinkt er gern.

Den sauern mag ich nicht, gebt mir ein Glas vom echten süßen!

Euch soll sogleich Tokayer fließen.

Nein, seht mir ins Gesicht! Ihr habt uns nur zum besten.

Ei! Ei! Mit solchen edlen Gästen wär das ein bisschen viel gewagt.

Geschwind! Nur grad heraus gesagt!

- Mit welchem Weine kann ich dienen? - Mit jedem! Nur nicht lang gefragt.

Trauben trägt der Weinstock, Hörner der Ziegenbock.

Der Wein ist saftig, Holz die Reben,

der hölzerne Tisch kann Wein auch geben.

Ein tiefer Blick in die Natur!

Hier ist ein Wunder, glaubet nur!

Nun zieht die Pfropfen und genießt!

(alle) Oh!

Schöner Brunnen, der uns fließt!

Nur hütet euch, dass ihr mir nichts vergießt!

Uns ist ganz kannibalisch wohl, als wie fünfhundert Säuen!

(sie singen im Kanon) Uns ist ganz kannibalisch wohl,

als wie fünfhundert Säuen! Säuen, Säuen, Säuen!

(sie lachen grölend)

Das Volk ist frei, seht an, wie wohl's ihm geht!

Ich hätte Lust abzufahren.

Gib nur erst acht, die Bestialität wird sich gar herrlich offenbaren.

Helft! Feuer! Helft! Die Hölle brennt!

Sei ruhig, freundlich Element!

Für diesmal war es nur ein Tropfen Fegefeuer.

Was soll das sein?

Wart! Ihr bezahlt es teuer! Es scheinet, dass Ihr uns nicht kennt.

- Still, altes Weinfass! - Besenstiel!

- Du willst uns grob begegnen? - Wart nur, es sollen Schläge regnen!

- Ich brenne! Ich brenne! - Zauberei!

Stoßt zu! Der Kerl ist vogelfrei!

Falsch Gebild und Wort verändern Sinn und Ort!

Seid hier und dort!

Wo bin ich? Welches schöne Land!

Weinberge! Seh ich recht?

(Siebel) Und Trauben gleich zur Hand!

(Brander) Hier unter diesem grünen Laube,

seht, welch ein Stock! Seht, welche Traube!

Irrtum, lass los der Augen Band!

(Poltern)

Und merkt euch, wie der Teufel spaße.

- Was gibt's? - Wie?

- War das deine Nase? - Und deine hab ich in der Hand!

Mir deuchte doch, als tränk ich Wein.

Betrug war alles, Lug und Schein.

Aber wie war es mit den Trauben?

Nun sag mir eins, man soll kein Wunder glauben!

(sphärische Klänge)

Mir widersteht das tolle Zauberwesen!

Versprichst du mir, ich soll genesen in diesem Wust von Raserei?

Verlang ich Rat von einem alten Weibe?

Schafft die Sudelköcherei wohl dreißig Jahre mir vom Leibe?

Sieh, welch ein zierliches Geschlecht!

Das ist die Magd! Das ist der Knecht!

Es scheint, die Frau ist nicht zu Hause?

Beim Schmause, aus dem Haus, zum Schornstein hinaus!

Wie lange pflegt sie wohl zu schwärmen?

So lange wir uns die Pfoten wärmen.

Wie findest du die zarten Tiere?

So abgeschmackt, als ich nur jemand sah!

Nein, ein Discours wie dieser da

ist grade der, den ich am liebsten führe!

Das ist die Welt.

- Sie steigt und fällt. - Und rollt beständig.

Sie klingt wie Glas.

- Wie bald bricht das! - Ist hohl inwendig.

- Hier glänzt sie sehr. - Und hier noch mehr.

„Ich bin lebendig!“

- Mein Sohn, halt dich davon! - Du musst sterben!

Sie ist von Ton, es gibt Scherben.

Welch ein himmlisch Bild zeigt sich in diesem Zauberspiegel!

Liebe, leihe mir deinen schnellsten Flügel und führe mich in ihr Gefild!

Ist das Weib so schön? So etwas findet sich auf Erden?

Natürlich, wenn ein Gott sich erst sechs Tage plagt,

und selbst am Ende Bravo sagt, dann muss es was Gescheites werden.

(Pfiff)

Au! Au! Verdammtes Tier, verfluchte Sau!

Versäumst den Kessel, versengst die Frau!

Verfluchtes Tier! Was ist das hier?

Wer seid ihr hier? Was wollt ihr da?

Wer schlich sich ein? Die Feuerpein euch ins Gebein!

Hast du vorm roten Wams nicht mehr Respekt?

Kannst du die Hahnenfeder nicht erkennen?

Hab ich dies Angesicht versteckt? Soll ich mich etwa selber nennen?

Sinn und Verstand verlier ich schier, seh ich den Junker Satan wieder hier!

- Den Namen verbitt ich mir! - Warum? Was hat er Euch getan?

Er ist ins Fabelbuch geschrieben, allein die Menschen sind nicht besser dran:

Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben.

Du nennst mich Herr Baron, so ist die Sache gut.

Ich bin ein Kavalier wie andre Kavaliere.

Ha! Ha! Das ist in Eurer Art!

Ihr seid ein Schelm, wie Ihr nur immer wart!

Mein Freund, das lerne wohl verstehn! Das ist die Art, mit Hexen umzugehn.

Nun sagt, ihr Herren, was ihr schafft.

Ein gutes Glas von dem bekannten Saft!

Doch muss ich Euch ums ältste bitten, die Jahre doppeln seine Kraft.

Hier hab ich eine Flasche, aus der ich selbst zuweilen nasche,

Ich will euch gern ein Gläschen geben,

doch wenn er es unvorbereitet trinkt, so kann er nicht eine Stunde leben.

Es ist ein Freund, dem es gedeihen soll. Ich gönn ihm das Beste deiner Küche.

Zieh deinen Kreis, sprich deine Sprüche und gib ihm eine Tasse voll!

(sie lacht)

(Miauen)

(Meerkatzen) La, la, la, la...

(fröhliche Musik)

(Miauen) La, la, la, la.

Sage mir, was soll das werden? Das tolle Zeug, die rasenden Gebärden,

der abgeschmackteste Betrug, sind mir bekannt, verhasst genug.

Ei Possen! Das ist nur zum Lachen. Sei nur nicht ein so strenger Mann!

Sie muss als Arzt ein Hokuspokus machen, damit der Saft dir gedeihen kann.

Du musst verstehn! Aus eins mach zehn.

Zwei lass gehn, drei mach gleich, so bist du reich. Verlier die vier!

Aus fünf und sechs mach sieben und acht, so ist's vollbracht:

Und neun ist eins, und zehn ist keins.

Das ist das Hexen-Einmaleins! (sie lacht)

- Die Alte spricht im Fieber. - Das ist noch lange nicht vorüber.

Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,

es müsse sich dabei auch etwas denken lassen.

(Quaken)

Die hohe Kraft der Wissenschaft,

der ganzen Welt verborgen!

Wer nichts denkt, dem wird sie geschenkt,

er hat sie ohne Sorgen.

Nur immer zu! Es wird dir gleich das Herz erfreuen.

Bist mit dem Teufel du und du, und willst dich vor der Flamme scheuen?

- Frisch hinaus! Du darfst nicht ruhn. - Mög es Euch wohl behagen!

Kann ich dir was zu Gefallen tun, so darfst du's mir auf Walpurgis sagen.

Lass mich in den Spiegel schauen! Das Frauenbild war zu schön!

Nein, du sollst das Muster aller Frauen nun bald leibhaftig vor dir sehn.

Du siehst, mit diesem Trank im Leibe, bald Helenen in jedem Weibe.

(sie lachen)

(Quaken)

(Glockenklänge)

Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?

Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehn.

Beim Himmel, dieses Kind ist schön! So etwas hab ich nie gesehn.

Sie ist so sitt- und tugendreich, und etwas schnippisch doch zugleich.

Der Lippe Rot, der Wange Licht, die Tage der Welt vergess ich's nicht!

Wie sie die Augen niederschlägt, hat sich in mein Herz geprägt.

Wie sie kurz angebunden war, das ist nun zum Entzücken gar!

Hör, du musst mir die Dirne schaffen!

- Nun, welche? - Sie ging just vorbei.

Da die? Sie kam von ihrem Pfaffen, der sprach sie aller Sünden frei.

Ich schlich mich am Stuhl vorbei.

Es ist ein gar unschuldig Ding, das eben für nichts zur Beichte ging.

- Über die hab ich keine Gewalt! - Ist über vierzehn Jahr doch alt.

Du sprichst ja wie Hans Liederlich, der begehrt jede liebe Blum für sich.

Und dünkelt ihm, es wär kein Ehr, die nicht zu pflücken wär.

- Geht aber nicht immer an. - Lass Er mich mit dem Gesetz in Frieden!

Wenn sie nicht heut in meinen Armen ruht, sind wir um Mitternacht geschieden.

Bedenkt, was gehen und stehen mag!

Ich brauche wenigstens vierzehn Tag, nur die Gelegenheit auszuspüren.

Hätt ich sieben Stunden Ruh, brauchte den Teufel nicht dazu, sie zu verführen.

Ihr sprecht schon fast wie ein Franzos.

Doch lasst's Euch nicht verdrießen: Was hilft's, nur grade zu genießen?

Die Freud ist lange nicht so groß,

als wenn Ihr erst herauf, herum, durch allerlei Brimborium,

das Püppchen geknetet und zugericht't, wie's lehrt manche welsche Geschicht.

- Hab Appetit auch ohne das. - Ohne Schimpf und ohne Spaß:

Ich sag's Euch, mit dem schönen Kind geht's ein für allemal nicht geschwind.

Mit Sturm ist da nichts einzunehmen. Wir müssen uns zur List bequemen.

Schaff mir was vom Engelsschatz, von ihrem Ruheplatz!

Ein Halstuch von ihrer Brust, ein Band meiner Liebeslust!

Damit Ihr seht, dass ich Eurer Pein will förderlich und dienstlich sein,

wollen wir keinen Augenblick verlieren, will Euch noch heut in ihr Zimmer führen.

- Und soll sie sehn? Sie haben? - Nein!

Sie wird bei einer Nachbarin sein.

Indessen könnt Ihr ganz allein an aller Hoffnung künftiger Freuden

in ihrem Dunstkreis satt Euch weiden.

- Können wir hin? - Es ist noch zu früh.

- Sorg du für ein Geschenk für sie! - Gleich schenken? Das ist brav!

Da wird er reüssieren!

Ich kenne manchen schönen Platz und manchen altvergrabnen Schatz.

Ich muss ein bisschen revidieren.

Ich gäb was drum, wenn ich nur wüsst, wer heut der Herr gewesen ist!

Er sah gewiss recht wacker aus und ist aus einem edlen Haus.

Das konnt ich ihm an der Stirne lesen.

Er wär auch sonst nicht so keck gewesen.

- Herein, ganz leise, nur herein! - Ich bitte dich, lass mich allein!

Nicht jedes Mädchen hält so rein.

Willkommen, süßer Dämmerschein,

der du dies Heiligtum durchwebst!

Ergreif mein Herz, du süße Liebespein,

die du vom Tau der Hoffnung schmachtend lebst!

Wie atmet rings Gefühl der Stille,

der Ordnung, der Zufriedenheit!

In dieser Armut welche Fülle!

In diesem Kerker welche Seligkeit!

Und hier!

Was fasst mich für ein Wonnegraus! Hier möcht ich volle Stunden säumen.

Natur, hier bildetest in leichten Träumen den eingebornen Engel aus!

Hier lag das Kind, mit warmem Leben den zarten Busen angefüllt,

und hier mit heilig reinem Weben entwirkte sich das Götterbild!

Und du! Was hat dich hergeführt?

Wie innig fühl ich mich gerührt!

Was willst du hier? Was wird das Herz dir schwer?

Armsel'ger Faust! Ich kenne dich nicht mehr.

Umgibt mich hier ein Zauberduft? Mich drang's, so grade zu genießen,

und fühle mich in Liebestraum zerfließen!

Sind wir ein Spiel von jedem Druck der Luft?

Träte sie den Augenblick herein, wie würdest du für deinen Frevel büßen!

Der große Hans, ach wie so klein, läg, hingeschmolzen, ihr zu Füßen.

- Geschwind! Ich seh sie kommen. - Fort! Ich kehre nimmermehr!

Hier ist ein Kästchen schwer, ich hab's woanders hergenommen.

Stellt's ihr nur in den Schrein, ich schwör's Euch, ihr vergehn die Sinnen.

Ich tat Euch Sächelchen hinein, um eine andre zu gewinnen.

Zwar Kind ist Kind, und Spiel ist Spiel.

- Ich weiß nicht, soll ich? - Fragt Ihr viel?

Meint Ihr den Schatz zu wahren?

Dann rat ich Eurer Lüsternheit, die liebe schöne Tageszeit

und mir die weitre Müh zu sparen.

Ich hoff nicht, dass Ihr geizig seid!

Ich kratz den Kopf, reib an den Händen, nur fort, geschwind!

um Euch das süße junge Kind nach Herzens Wunsch und Will zu wenden.

Es ist so schwül, so dumpfig hie.

Und ist doch eben so warm nicht drauß.

Es wird mir so, ich weiß nicht wie...

Ich wollt, die Mutter käm nach Haus.

(sing) Es war ein König in Thule

gar treu bis an das Grab,

dem sterbend seine Buhle

einen goldenen Becher gab.

Und als er kam zu sterben,

zählt er seine Städt und Reich,

gönnt alles seinen Erben,

den Becher nicht zugleich.

Er saß beim Königsmahle,

die Ritter um ihn her,

auf hohem Vätersaale,

dort auf dem Schloss am Meer.

Dort stand der alte Zecher,

trank letzte Lebensglut

und warf den heiligen Becher

hinunter in die Flut.

Er sah ihn stürzen, trinken

und sinken tief ins Meer,

die Augen täten ihm sinken,

trank nie einen Tropfen mehr.

Wie kommt das schöne Kästchen hier herein?

Ich schloss doch ganz gewiss den Schrein.

Es ist doch wunderbar! Was mag wohl drinne sein?

Vielleicht bracht's jemand als ein Pfand, und meine Mutter lieh darauf.

Da hängt ein Schlüsselchen am Band.

Ich denke wohl, ich mach es auf!

Was ist das? Gott im Himmel, schau!

So was hab ich mein Tage nicht gesehn!

Ein Schmuck!

Mit dem könnt eine Edelfrau am höchsten Feiertage gehn.

Wie sollte mir die Kette stehn?

Wem mag die Herrlichkeit gehören?

Wenn nur die Ohrring meine wären!

Man sieht doch gleich ganz anders drein.

Was hilft euch Schönheit, junges Blut?

Das ist wohl alles schön und gut, allein man lässt's auch alles sein.

Man lobt euch halb mit Erbarmen.

Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles.

Ach wir Armen!

Bei aller verschmähten Liebe! Beim höllischen Elemente!

Ich wollt, ich wüsste was Ärgers, dass ich's fluchen könnte!

Was hast? So kein Gesicht sah ich in meinem Leben!

Ich möcht mich gleich dem Teufel übergeben, wenn ich selbst keiner wär!

Hat sich dir was im Kopf verschoben, wie ein Rasender zu toben?

Denkt Euch, den Schmuck, für Gretchen angeschafft,

den hat ein Pfaff hinweggerafft!

Die Mutter kriegt es zu schauen, schon fängt's ihr an zu grauen.

Die Frau hat gar einen feinen Geruch, schnuffelt immer im Gebetbuch.

Und riecht's jedem Möbel an, ob das Ding heilig ist oder profan.

Die Mutter ließ einen Pfaffen kommen. Der hatte kaum den Spaß vernommen,

lässt sich den Anblick wohl behagen.

Er sprach: „So ist man recht gesinnt!

Wer überwindet, der gewinnt.

Die Kirche hat einen guten Magen,

hat ganze Länder aufgefressen

und doch noch nie sich übergessen.

Die Kirch allein, ihr Frauen, kann ungerechtes Gut verdauen.“

Ein Jud und König kann es auch.

Strich ein Spange, Kett und Ring', als wären's Pfifferling'.

Dankt' nicht mehr, als ob's ein Korb voll Nüsse wär.

Versprach ihnen himmlischen Lohn, und sie waren sehr erbaut davon.

- Und Gretchen? - Weiß nun weder, was sie will noch soll.

Denkt ans Geschmeide Tag und Nacht und an den, der's ihr gebracht.

Das tut mir leid. Schaff du ihr ein neu Geschmeid!

Dem Herrn ist alles Kinderspiel!

Richt's nach meinem Sinn, häng dich an ihre Nachbarin!

Sei nicht wie Brei, schaff einen neuen Schmuck herbei!

Ja, gnäd'ger Herr, von Herzen gerne.

Solch ein verliebter Tor verpufft euch Sonne, Mond und alle Sterne

zum Zeitvertreib dem Liebchen in die Luft.

Gott verzeih's meinem lieben Mann, er hat an mir nicht wohl getan!

Geht da stracks in die Welt hinein und lässt mich auf dem Stroh allein.

Tät ihn doch wahrlich nicht betrüben, tät ihn, weiß Gott, recht herzlich lieben.

Vielleicht ist er gar tot!

O Pein! Hätt ich nur einen Totenschein!

- Frau Marthe! - Gretelchen, was soll's?

Fast sinken mir die Knie nieder! Da find ich so ein Kästchen wieder!

Von Ebenholz, und Sachen herrlich ganz und gar, weit reicher, als das erste war.

Das muss Sie nicht der Mutter sagen, tät's wieder zur Beichte tragen.

Ach seh Sie nur! Ach schau Sie nur!

O du glücksel'ge Kreatur!

Darf mich nicht auf der Gassen noch in der Kirche mit sehen lassen.

Komm du nur oft zu mir herüber, und leg den Schmuck hier heimlich an.

Spazier ein Stündchen lang dem Spiegelglas vorüber,

wir haben unsre Freude dran.

Dann gibt's einen Anlass, gibt's ein Fest,

wo man's so nach und nach den Leuten sehen lässt.

Ein Kettchen erst, die Perle dann ins Ohr.

Die Mutter sieht's wohl nicht, man macht ihr auch was vor.

Wer konnte die Kästchen bringen? Es geht nicht zu mit rechten Dingen!

(Klopfen) Ach Gott! Mag das meine Mutter sein?

(Marthe, flüsternd) Es ist ein fremder Herr.

Herein!

Bin so frei, grad hereinzutreten, muss bei den Frauen Verzeihn erbeten.

Wollte nach Frau Marthe Schwerdtlein fragen!

Ich bin's, was hat der Herr zu sagen?

Ich kenne Sie jetzt, mir ist das genug. Sie hat da gar vornehmen Besuch.

Verzeiht die Freiheit, die ich genommen, will Nachmittage wiederkommen.

Denk, Kind, um alles in der Welt!

Der Herr dich für ein Fräulein hält.

Ich bin ein armes junges Blut. Ach Gott! Der Herr ist gar zu gut:

Schmuck und Geschmeide sind nicht mein.

Ach, es ist nicht der Schmuck allein.

Sie hat ein Wesen, einen Blick so scharf!

(Marthe räuspert sich)

Wie freut's mich, dass ich bleiben darf.

- Was bringt Er denn? Verlange sehr... - Ich wollt, ich hätt eine frohere Mär!

Ich hoffe, Sie lässt mich's drum nicht büßen:

- Ihr Mann ist tot und lässt Sie grüßen. - Ist tot?

Das treue Herz! O weh! Mein Mann ist tot! Ach ich vergeh!

- Ach! Liebe Frau, verzweifelt nicht! - So hört die traurige Geschicht!

Ich möchte drum mein' Tag' nicht lieben, würde mich Verlust zu Tode betrüben.

Freud muss Leid, Leid muss Freude haben.

Erzählt mir seines Lebens Schluss!

Er liegt in Padua begraben beim heiligen Antonius.

An einer wohlgeweihten Stätte zum ewig kühlen Ruhebette.

- Habt Ihr sonst nichts zu bringen? - Ja, eine Bitte, groß und schwer:

Lass Sie doch ja für ihn dreihundert Messen singen!

Im übrigen sind meine Taschen leer.

Was! Nicht ein Schaustück? Kein Geschmeid?

Was jeder Handwerksbursch zum Angedenken aufbewahrt und lieber bettelt!

Es tut mir herzlich leid. Allein er hat sein Geld wahrhaftig nicht verzettelt.

Auch er bereute seine Fehler sehr und bejammerte sein Unglück noch viel mehr.

Ach, dass die Menschen so unglücklich sind!

Ich will für ihn manch Requiem noch beten.

Ihr wäret wert, gleich in die Eh zu treten:

Ihr seid ein liebenswürdig Kind.

Nein, das geht jetzt noch nicht an.

Ist's nicht ein Mann, sei's derweil ein Galan.

Es ist eine der schönsten Himmelsgaben, so ein lieb Ding im Arm zu haben.

- Das ist nicht der Brauch. - Brauch oder nicht! Es gibt sich auch.

Erzählt mir doch!

Ich stand an seinem Sterbebette, es war was besser als von Mist,

von halbgefaultem Stroh, allein er starb als Christ.

Und fand, dass er weit mehr noch auf der Zeche hätte.

„Wie“, rief er, „muss ich mich von Grund auf hassen,

so mein Gewerb, mein Weib so zu verlassen!

Ach, die Erinnrung tötet mich. Vergäb sie mir nur noch in diesem Leben!“

Der gute Mann! Ich hab ihm längst vergeben.

„Allein, sie war mehr schuld als ich.“

Das lügt er! Was! Am Rand des Grabs zu lügen!

Er fabelte gewiss in letzten Zügen, wenn ich nur halb ein Kenner bin.

Er sprach: „Als ich nun weg von Malta ging,

da betet ich für Frau und Kinder brünstig.

Uns war der Himmel günstig, dass unser Schiff ein türkisch Fahrzeug fing,

das einen Schatz des großen Sultans führte.

Da ward der Tapferkeit ihr Lohn,

und ich erhielt denn auch, wie sich's gebührte,

mein wohlgemessnes Teil davon.“

Ei wo? Hat er's vielleicht vergraben?

Wer weiß, wo nun es die vier Winde haben.

Ein schönes Fräulein nahm sich seiner an,

als er in Napel fremd umherspazierte.

Sie hat an ihm viel Liebs und Guts getan, dass er's bis an sein selig Ende spürte.

Der Schelm! Der Dieb an seinen Kindern!

Auch alles Elend, alle Not konnt nicht sein schändlich Leben hindern!

Ja seht! Dafür ist er nun tot.

Wär ich nun jetzt an Eurem Platze, betraurt ich ihn ein züchtig Jahr,

visierte dann unterweil nach einem neuen Schatze.

Wie doch mein erster war, find ich nicht leicht auf dieser Welt den andern!

Es konnte kaum ein herziger Närrchen sein.

Er liebte nur das allzuviele Wandern, fremde Weiber, fremden Wein

und das verfluchte Würfelspiel.

So mocht es gehn und stehen, wenn er Euch ungefähr so viel nachgesehen.

Ich schwör's Euch zu, mit dem Beding

wechselt ich selbst mit Euch den Ring!

O, es beliebt dem Herrn zu scherzen!

Nun mach ich mich beizeiten fort!

Die hielte wohl den Teufel selbst beim Wort.

- Wie steht es denn mit Ihrem Herzen? - Was meint der Herr damit?

Du guts, unschuldigs Kind! Lebt wohl, ihr Fraun!

O sagt mir doch geschwind! Ich möchte gern ein Zeugnis haben,

wo, wie und wann mein Schatz gestorben und begraben.

Ich bin von je der Ordnung Freund gewesen,

möcht ihn auch tot im Wochenblättchen lesen.

Ja, gute Frau, durch zweier Zeugen Mund wird allerwegs die Wahrheit kund.

Habe noch gar einen feinen Gesellen,

den will ich Euch vor den Richter stellen.

- Ich bring ihn her. - O tut das ja!

Und hier die Jungfrau ist auch da?

Ein braver Knab! Ist viel gereist, Fräuleins alle Höflichkeit erweist.

Müsste vor dem Herren schamrot werden.

Vor keinem Könige der Erden.

Da hinterm Haus in meinem Garten wollen wir der Herren heut Abend warten.

- Wie ist's? Will's bald gehn? - Ah bravo! Find ich Euch in Feuer?

In kurzer Zeit ist Gretchen Euer. Heut sollt Ihr sie bei Marthen sehn:

Das ist ein Weib wie auserlesen zum Kuppler- und Zigeunerwesen!

- So recht! - Doch wird auch was von uns begehrt.

- Ein Dienst ist des andern wert. - Wir legen ein Zeugnis nieder,

dass ihres Ehherrn ausgereckte Glieder zu Padua an heil'ger Stätte ruhn.

- Wir werden die Reise machen müssen! - Sancta Simplicitas!

Darum ist's nicht zu tun. Bezeugt nur, ohne viel zu wissen.

Wenn Er nichts Bessers hat, so ist der Plan zerrissen.

O heil'ger Mann! Da wärt Ihr's nun!

Ist es das erste Mal in eurem Leben, dass Ihr falsch Zeugnis abgelegt?

Habt Ihr von Gott, der Welt und was sich drin bewegt,

vom Menschen, was sich ihm in Kopf und Herzen regt,

Definitionen nicht mit großer Kraft gegeben?

Mit frecher Stirne, kühner Brust?

Und wollt Ihr recht ins Innre gehen, habt Ihr davon, Ihr müsst es gestehen,

so viel als von Herrn Schwerdtleins Tod gewusst!

- Du bist und bleibst ein Sophiste. - Ja, wenn man's nicht tiefer wüsste.

Denn morgen wirst, in allen Ehren, das arme Gretchen nicht betören

und alle Seelenlieb ihr schwören?

Lass das! Wenn ich empfinde,

für das Gefühl nach Namen suche, keinen finde,

durch die Welt schweife, nach allen Worten greife,

und diese Glut, von der ich brenne, unendlich, ewig nenne,

ist das ein teuflisch Lügenspiel?

- Ich hab doch recht! - Merk dir dies und schone meine Lunge:

Wer recht behalten will und hat eine Zunge, behält's gewiss.

Ich hab des Schwätzens Überdruss,

denn du hast recht, vorzüglich weil ich muss.

Ich fühl es wohl, dass mich der Herr nur schont,

herab sich lässt, mich zu beschämen.

Ein Reisender ist so gewohnt, aus Gütigkeit fürliebzunehmen.

Ich weiß zu gut, dass solch erfahrnen Mann mein arm Gespräch nicht unterhalten kann.

Ein Blick von dir, ein Wort mehr unterhält als alle Weisheit dieser Welt.

Inkommodiert Euch nicht! Wie könnt Ihr sie nur küssen?

Sie ist so garstig, ist so rau!

Was hab ich schon alles schaffen müssen! Die Mutter ist gar zu genau.

(Marthe) Und Ihr, mein Herr, Ihr reist so immer fort?

Ach, dass Gewerb und Pflicht uns dazu treiben!

Mit wie viel Schmerz verlässt man manchen Ort

und darf doch nun einmal nicht bleiben!

In raschen Jahren geht's wohl an,

so um und um frei durch die Welt zu streifen.

Doch kömmt die böse Zeit heran,

und sich als Hagestolz allein zum Grab zu schleifen,

das hat noch keinem gutgetan.

Mit Grausen seh ich das von Weiten.

Drum, werter Herr, beratet Euch in Zeiten.

Ja, aus den Augen, aus dem Sinn!

Die Höflichkeit ist Euch geläufig.

Allein Ihr habt der Freunde häufig, sie sind verständiger, als ich bin.

Dass die Einfalt, dass die Unschuld nie sich selbst und ihren Wert erkennt!

Dass Demut, Niedrigkeit, die höchsten Gaben der liebevoll austeilenden Natur.

Denkt Ihr an mich ein Augenblickchen nur,

ich werde Zeit genug an Euch zu denken haben.

Ihr seid wohl viel allein?

Ja, unsre Wirtschaft ist nur klein, und doch will sie versehen sein.

Wir haben keine Magd, muss kochen, fegen, stricken, nähn und laufen früh und spat.

Und meine Mutter ist in allen Stücken so akkurat!

Doch hab ich jetzt so ziemlich stille Tage:

Mein Bruder ist Soldat, mein Schwesterchen ist tot.

Ich hatte mit dem Kind wohl meine liebe Not.

Doch übernähm ich gern noch einmal alle Plage, so lieb war mir das Kind.

Ein Engel, wenn dir's glich.

Ich zog es auf, und herzlich liebt es mich.

Du hast gewiss das reinste Glück empfunden.

Doch auch manche schwere Stunden.

Des Kleinen Wiege stand an meinem Bett.

Es durfte kaum sich regen, war ich erwacht.

Bald musst ich's tränken, bald es zu mir legen,

bald, wenn's nicht schwieg, vom Bett aufstehn

und in der Kammer auf und nieder gehn,

und früh am Tage schon am Waschtrog stehn.

Dann auf dem Markt und an dem Herde sorgen,

und immer fort wie heut so morgen.

Da geht's, mein Herr, nicht immer mutig zu.

Doch schmeckt dafür das Essen, schmeckt die Ruh.

Die armen Weiber sind doch übel dran:

Ein Hagestolz ist schwerlich zu bekehren.

Es käme nur auf Euresgleichen an, mich eines Bessern zu belehren.

Sagt grad, mein Herr, habt Ihr noch nichts gefunden?

Hat sich das Herz nicht irgendwo gebunden?

Das Sprichwort sagt: Ein eigner Herd, ein braves Weib sind Gold und Perlen wert.

Ich meine: ob Ihr niemals Lust bekommen?

Man hat mich überall recht höflich aufgenommen.

Ich wollte sagen: Ward's nie ernst in Eurem Herzen?

Mit Frauen soll man sich nie unterstehn zu scherzen.

Ach, Ihr versteht mich nicht!

Das tut mir herzlich leid!

Doch ich versteh, dass Ihr sehr gütig seid.

Du kanntest mich, o Engel, wieder, als ich in den Garten kam?

Saht Ihr es nicht, ich schlug die Augen nieder.

Du verzeihst die Freiheit, die ich nahm?

Was sich die Frechheit unterfangen, als du aus dem Dom gegangen?

Ich war bestürzt, mir war das nie geschehn.

Es konnte niemand von mir Übles sagen.

Ach, dacht ich, hat er in deinem Betragen was Freches, Unanständiges gesehn?

Gesteh ich's doch!

Ich wusste nicht, was sich zu Eurem Vorteil hier zu regen gleich begonnte.

Allein ich war recht bös auf mich,

dass ich auf Euch nicht böser werden konnte.

- Süß Liebchen! - Lasst einmal!

Was soll das? Einen Strauß?

Nein, es soll nur ein Spiel.

- Wie? - Geht! Ihr lacht mich aus.

Er liebt mich, er liebt mich nicht.

- Was murmelst du? - Er liebt mich... nicht.

- Du holdes Himmelsangesicht! - Er liebt mich... nicht.

- Er liebt mich! - Ja, mein Kind!

Lass dieses Blumenwort dir Götterausspruch sein.

Er liebt dich! Verstehst du, was das heißt? Er liebt dich!

- Mich überläuft's! - O schaudre nicht!

Lass diesen Blick, lass diesen Händedruck dir sagen, was unaussprechlich ist:

Sich hinzugeben ganz und eine Wonne zu fühlen, die ewig sein muss! Ewig!

Ihr Ende würde Verzweiflung sein! Nein, kein Ende! Kein Ende!

- Die Nacht bricht an. - Ja, und wir wollen fort.

Ich bät Euch, länger hier zu bleiben, allein es ist ein gar zu böser Ort.

Es ist, als hätte niemand nichts zu treiben und nichts zu schaffen,

als auf der Nachbarn Schritt und Tritt zu gaffen.

Man kommt ins Gered, wie man sich immer stellt.

- Und unser Pärchen? - Ist den Gang dort aufgeflogen.

- Mutwill'ge Sommervögel! - Er scheint ihr gewogen.

Und sie ihm auch. Das ist der Lauf der Welt.

- Er kommt! - So neckst du mich! Treff ich dich!

Bester Mann! Von Herzen lieb ich dich!

(Klopfen) - Wer da? - Gut Freund!

- Ein Tier! - Es ist wohl Zeit zu scheiden.

Es ist spät, mein Herr.

- Darf ich Euch nicht geleiten? - Die Mutter würde mich... Lebt wohl!

Muss ich denn gehn? Lebt wohl!

- (Marthe) Ade! - (Gretchen) Auf baldig Wiedersehn!

Du lieber Gott! Was so ein Mann nicht alles, alles denken kann!

Beschämt nur steh ich vor ihm da und sag zu allen Sachen Ja.

Bin doch ein arm unwissend Kind, begreife nicht, was er an mir findt.

Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles, warum ich bat.

Du hast mir nicht umsonst dein Angesicht im Feuer zugewendet.

Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich, Kraft, sie zu genießen.

Nicht kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,

vergönnest mir, in ihre Brust wie in den Busen eines Freunds zu schauen.

O dass dem Menschen nichts Vollkommnes wird, empfind ich nun.

Du gabst zu dieser Wonne, die mich den Göttern näher bringt,

mir den Gefährten, den ich schon nicht mehr entbehren kann,

wenn er gleich mich vor mir selbst erniedrigt

und zu Nichts mit einem Wort deine Gaben wandelt.

Er facht in meiner Brust ein wildes Feuer nach jenem schönen Bild an.

So taumle ich von Begierde zu Genuss,

und im Genuss verschmacht ich nach Begierde.

Habt Ihr nun bald das Leben genug geführt? Wie kann's Euch freuen?

Es ist wohl gut, dass man's probiert, dann aber wieder zu was Neuem!

Verstehst du, was für Lebenskraft mir dieser Wandel schafft?

Würdest du es ahnen können, du würdest mir mein Glück nicht gönnen.

Ein überirdisches Vergnügen: In Nacht und Tau auf den Gebirgen liegen

und Erd und Himmel umfassen, zu einer Gottheit sich aufschwellen lassen.

In stolzer Kraft ich weiß nicht was genießen,

bald liebewonniglich in alles überfließen,

verschwunden ganz der Erdensohn, und dann die hohe Intuition,

ich darf nicht sagen, wie, zu schließen.

- Pfui über dich! - Das will Euch nicht behagen.

Ihr habt das Recht, Pfui zu sagen.

Man darf das nicht vor keuschen Ohren nennen,

was keusche Herzen nicht entbehren können.

Mich dünkt, anstatt in Wäldern zu thronen, ließ' es dem großen Herren gut,

das arme affenjunge Blut für seine Liebe zu belohnen.

Die Zeit wird ihr erbärmlich lang.

Sie steht am Fenster, sieht die Wolken ziehn

über die alte Stadtmauer hin.

„Wenn ich ein Vöglein wär!“

So geht ihr Gesang Tage lang, halbe Nächte lang.

Einmal ist sie munter, meist betrübt, einmal recht ausgeweint,

dann wieder ruhig, wie's scheint, und immer verliebt.

- Schlange! Schlange! - Gelt, dass ich dich fange!

Hebe dich von hinnen, und nenne nicht das schöne Weib!

Bring die Begier zu ihrem Leib nicht vor die halb verrückten Sinnen!

- Entfliehe, Kuppler! - Schön.

Ihr schimpft, und ich muss lachen. Der Gott, der Bub' und Mädchen schuf,

erkannte gleich den edelsten Beruf, selbst Gelegenheit zu machen.

Nur fort, es ist ein großer Jammer!

Ihr sollt in Eures Liebchens Kammer, nicht etwa in den Tod.

Was ist die Freud in ihren Armen? Lass mich an ihrer Brust erwarmen!

Fühl ich nicht immer ihre Not? Bin ich der Flüchtling nicht? Der Unbehauste?

Der Unmensch ohne Zweck und Ruh?

Sie, ihren Frieden musst ich untergraben!

Du, Hölle, musstest dieses Opfer haben.

Hilf, Teufel, mir die Zeit der Angst verkürzen.

Was muss geschehn, mag's gleich geschehn!

Mag ihr Geschick auf mich zusammenstürzen

und sie mit mir zugrunde gehn!

Wie's wieder siedet, wieder glüht!

Geh ein und tröste sie, du Tor!

Wo so ein Köpfchen keinen Ausweg sieht,

stellt er sich gleich das Ende vor.

Es lebe, wer sich tapfer hält!

Du bist doch sonst so ziemlich eingeteufelt.

Nichts Abgeschmackters find ich auf der Welt

als einen Teufel, der verzweifelt.

(Gretchen) Meine Ruh ist hin,

mein Herz ist schwer.

Ich finde sie nimmer und nimmermehr.

Wo ich ihn nicht hab,

ist mir das Grab,

Die ganze Welt ist mir vergällt.

Mein armer Kopf ist mir verrückt,

mein armer Sinn ist mir zerstückt.

Meine Ruh ist hin,

mein Herz ist schwer.

Ich finde sie nimmer und nimmermehr.

Nach ihm nur schau ich zum Fenster hinaus,

nach ihm nur geh ich aus dem Haus.

Sein hoher Gang, seine edle Gestalt,

seines Mundes Lächeln, seiner Augen Gewalt

und seiner Rede Zauberfluss.

Sein Händedruck

und ach, sein Kuss!

Meine Ruh ist hin,

mein Herz ist schwer.

Ich finde sie nimmer und nimmermehr.

Mein Busen drängt sich nach ihm hin,

ach, dürft ich fassen und halten ihn!

Und küssen ihn, so wie ich wollt,

an seinen Küssen vergehen sollt!

- Versprich mir, Heinrich! - Was ich kann!

Nun sag, wie hast du's mit der Religion?

Du bist ein guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.

Lass das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut.

Für meine Lieben ließ' ich Leib und Blut,

will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben.

Das ist nicht recht, man muss dran glauben.

- Muss man? - Ach! Wenn ich etwas auf dich könnte!

- Du ehrst nicht die heil'gen Sakramente. - Ich ehre sie.

Doch ohne Verlangen. Zur Messe, zur Beichte bist du lange nicht gegangen.

Glaubst du an Gott?

Mein Liebchen, wer darf sagen: „Ich glaub an Gott?“

Magst Priester oder Weise fragen, und ihre Antwort scheint nur Spott zu sein.

- So glaubst du nicht? - Misshör mich nicht, du holdes Angesicht!

Wer darf ihn nennen? Und wer bekennen: „Ich glaub ihn!“?

Wer empfinden, und sich unterwinden, zu sagen: „Ich glaub ihn nicht!“?

Der Allumfasser, der Allerhalter,

fasst und erhält er nicht dich, mich, sich selbst?

Wölbt sich der Himmel nicht da droben?

Liegt die Erde nicht hier unten fest?

Und steigen freundlich blickend ewige Sterne nicht herauf?

Schau ich nicht Aug in Auge dir,

und drängt nicht alles nach Haupt und Herzen dir,

und webt in ewigem Geheimnis unsichtbar sichtbar neben dir?

Erfüll davon dein Herz, so groß es ist, und wenn du in dem Gefühle selig bist,

nenn es dann, wie du willst, nenn's Glück! Herz!

Liebe! Gott!

Ich habe keinen Namen dafür! Gefühl ist alles.

Name ist Schall und Rauch, umnebelnd Himmelsglut.

Das ist alles recht schön und gut.

Ungefähr sagt das der Pfarrer auch, nur mit andern Worten.

Es sagen's allerorten alle Herzen unter dem Tage,

jedes in seiner Sprache, warum nicht ich in der meinen?

Wenn man's so hört, möcht's leidlich scheinen.

Steht aber doch schief darum, denn du hast kein Christentum.

Liebs Kind!

Es tut mir lange schon weh, dass ich dich in der Gesellschaft seh.

Wieso?

Der Mensch, den du da bei dir hast, ist mir in tiefer innrer Seele verhasst.

Seine Gegenwart bewegt mir das Blut.

Ich bin sonst allen Menschen gut.

Aber wie ich mich sehne, dich zu schauen,

hab ich vor dem Menschen Grauen und halt ihn für einen Schelm dazu!

Gott verzeih mir's, wenn ich ihm unrecht tu!

Das übermannt mich so sehr, dass, wo er nur mag zu uns treten,

mein ich sogar, ich liebte dich nicht mehr.

Wenn er da ist, könnt ich nimmer beten,

und das frisst mir ins Herz hinein.

Dir, Heinrich, muss es auch so sein.

Du hast nun die Antipathie!

Ich muss nun fort.

Kann ich nie ein Stündchen ruhig dir am Busen hängen

und Brust an Brust und Seel in Seele drängen?

Wenn ich nur alleine schlief! Ich ließ dir gern den Riegel offen.

Meine Mutter schläft nicht tief, Würden wir von ihr betroffen,

- ich wär auf der Stelle tot! - Du Engel, das hat keine Not.

Hier ist ein Fläschchen! Drei Tropfen nur umhüllen mit Schlaf gefällig die Natur.

Was tu ich nicht um deinetwillen?

- Es wird ihr hoffentlich nicht schaden! - Würd ich sonst, Liebchen, dir es raten?

Seh ich dich, bester Mann, nur an,

weiß nicht, was mich nach deinem Willen treibt.

Ich habe schon so viel für dich getan,

dass mir zu tun fast nichts mehr übrigbleibt.

- Der Grasaff! Ist er weg? - Hast wieder spioniert?

Ich hab's ausführlich wohl vernommen, Herr Doktor wurden da katechisiert.

Hoff, es soll Ihnen bekommen.

Die Mädels sind interessiert, ob einer fromm nach altem Brauch.

Sie denken: Duckt er da, folgt er uns eben auch.

Du Ungeheuer siehst nicht ein,

wie diese liebe Seele, von ihrem Glauben voll, sich heilig quäle,

dass sie den liebsten Mann verloren halten soll.

Du übersinnlicher sinnlicher Freier, ein Mägdelein nasführet dich.

Du Spottgeburt von Dreck und Feuer!

Und die Physiognomie versteht sie meisterlich:

In meiner Gegenwart wird's ihr, sie weiß nicht wie.

Mein Mäskchen da weissagt verborgnen Sinn.

Sie fühlt, dass ich ganz sicher ein Genie,

vielleicht wohl gar der Teufel bin.

- Nun, heute Nacht? - Was geht dich's an?

Hab ich doch meine Freude dran!

- Hast nichts von Bärbelchen gehört? - Kein Wort.

- Ich komm wenig unter Leute. - Sibylle sagt' mir's heute:

Die hat sich endlich auch betört.

- Das ist das Vornehmtun! - Wieso?

Es stinkt! Sie füttert zwei, wenn sie nun isst und trinkt.

- Ach! - So ist's ihr recht ergangen.

Wie lange hat sie an dem Kerl gehangen!

Das war ein Spazieren, auf Dorf und Tanzplatz Führen.

War doch so ehrlos, Geschenke von ihm anzunehmen.

War ein Gekos und ein Geschleck. Da ist dann das Blümchen weg!

Das arme Ding!

Bedauerst sie noch gar!

Wenn unsereins am Spinnen war, uns die Mutter nicht hinunterließ,

stand sie bei ihrem Buhlen süß.

Auf der Türbank und im dunklen Gang ward ihnen keine Stunde zu lang.

Da mag sie sich denn ducken nun, im Sünderhemdchen Kirchbuß tun!

Er nimmt sie gewiss zu seiner Frau. (Lieschen lacht)

Er wär ein Narr! Ein flinker Jung hat anderwärts noch Luft genung.

- Er ist auch fort. - Das ist nicht schön!

Kriegt sie ihn, soll's ihr übel gehn,

das Kränzel reißen die Buben ihr, und Häckerling streuen wir vor die Tür!

Wie konnt ich sonst so tapfer schmälen, wenn tät ein armes Mägdlein fehlen!

Wie konnt ich über andrer Sünden nicht Worte genug der Zunge finden!

Und segnet mich und tat so groß,

und bin nun selbst der Sünde bloß!

Doch alles, was dazu mich trieb,

Gott, war so gut, ach, war so lieb!

Ach neige, du Schmerzenreiche, dein Antlitz gnädig meiner Not!

Das Schwert im Herzen, mit tausend Schmerzen blickst auf deines Sohnes Tod.

Zum Vater blickst du,

und Seufzer schickst du hinauf um sein' und deine Not.

Wer fühlet, wie wühlet der Schmerz mir im Gebein?

Was mein armes Herz hier banget, was es zittert, was verlanget,

weißt nur du, nur du allein!

Wohin ich immer gehe,

wie weh, wie weh, wie wehe wird mir im Busen hier!

Ich bin, ach, kaum alleine,

ich wein, ich wein, ich weine,

das Herz zerbricht in mir.

Die Scherben vor meinem Fenster betaut ich mit Tränen, ach,

als ich am frühen Morgen dir diese Blumen brach.

Schien hell in meine Kammer die Sonne früh herauf,

saß ich in allem Jammer in meinem Bett schon auf.

Hilf!

Rette mich von Schmach und Tod!

(Schluchzen)

Ach neige, du Schmerzenreiche, dein Antlitz gnädig meiner Not!

Wenn ich so saß bei einem Gelag,

wo mancher sich berühmen mag,

und die Gesellen mir den Flor der Mägdlein laut gepriesen vor,

saß ich in meiner sichern Ruh.

Hört all dem Schwadronieren zu

und streiche lächelnd meinen Bart

und kriege das volle Glas zur Hand und sage:

„Alles nach seiner Art!

Aber ist eine im ganzen Land,

die meiner trauten Gretel gleicht,

die meiner Schwester das Wasser reicht?“

Und nun! Um's Haar sich auszuraufen

und an den Wänden hinaufzulaufen!

Mit Stichelreden, Naserümpfen soll jeder Schurke mich beschimpfen!

Soll wie ein böser Schuldner sitzen bei jedem Zufallswörtchen schwitzen!

Und möcht ich sie zusammenschmeißen,

könnt ich sie doch nicht Lügner heißen.

(Lautenklänge)

Was kommt heran? Was schleicht herbei?

Irr ich nicht, es sind ihrer zwei.

Ist er's, gleich pack ich ihn beim Felle.

Soll nicht lebendig von der Stelle!

Wie von dem Fenster dort der Sakristei der Schein des ew'gen Lämpchens flämmert

und schwächer seitwärts dämmert, und Finsternis drängt ringsum bei!

So sieht's in meinem Busen nächtig.

Und mir ist's wie dem Kätzlein schmächtig,

das an den Feuerleitern schleicht,

sich leis dann um die Mauern streicht.

Mir ist's ganz tugendlich dabei,

ein bisschen Diebsgelüst, ein bisschen Rammelei.

So spukt mir schon durch alle Glieder die herrliche Walpurgisnacht.

Die kommt uns übermorgen wieder, da weiß man doch, warum man wacht.

Jetzt, da der Himmel voller Sterne glüht,

sollt Ihr ein wahres Kunststück hören:

Ich sing ihr ein moralisch Lied, um sie gewisser zu betören.

(Lautenklänge)

(singt) Was machst du mir vor Liebchens Tür,

Kathrinchen, hier bei frühem Tagesblicke?

Lass, lass es sein! Er lässt dich ein, als Mädchen ein,

als Mädchen nicht zurücke.

Rapapam, rapapam, barampapapa,

jahi, jahi, jarampapapapapam,

als Mädchen nicht zurücke!

Nehmt euch in acht! Ist es vollbracht,

dann gute Nacht, ihr armen, armen Dinger!

Habt ihr euch lieb, tut keinem Dieb nur nichts zulieb

als mit dem Ring am Finger.

Rapapam, rapapam, barampapapa,

jahi, jahi, jarampapapapapam,

als mit dem Ring am Finger.

Wen lockst du hier? Beim Element! Vermaledeiter Rattenfänger!

Zum Teufel erst das Instrument! Zum Teufel hinterdrein den Sänger!

Herr Doktor, nicht gewichen! Hart an mich an, wie ich Euch führe.

Heraus mit Eurem Flederwisch! Nur zugestoßen! Ich pariere.

- Pariere den! - Gewiss!

- Auch den! - Warum denn nicht?

Ich glaub, der Teufel ficht! Schon wird die Hand mir lahm.

- Stoß zu! - O weh!

Nun ist der Lümmel zahm!

- Nun aber fort! - (Marthe) Heraus!

- (Gretchen) Herbei ein Licht! - Man schilt und rauft, schreit und ficht.

- Da liegt einer tot! - Die Mörder, sind sie entflohn?

- (Gretchen) Wer liegt hier? - Deiner Mutter Sohn.

Allmächtiger! Welche Not!

Ich sterbe! Das ist bald gesagt und bälder noch getan.

Mein Gretchen, sieh, du bist noch jung,

bist gar noch nicht gescheit genung,

machst deine Sachen schlecht.

Ich sag dir's im Vertrauen nur:

Du bist doch nun einmal eine Hur, so sei's auch eben recht!

Mein Bruder! Gott! Was soll mir das?

Lass unsern Herrgott aus dem Spaß!

Geschehn ist leider nun geschehn, und wie es gehn kann, so wird's gehn.

Du fingst mit einem heimlich an, bald kommen ihrer mehre dran,

Und wenn dich erst ein Dutzend hat, so hat dich auch die ganze Stadt.

Ich seh wahrhaftig schon die Zeit, dass alle brave Bürgersleut,

wie von einer angesteckten Leichen, von dir, du Metze, seitab weichen.

Und, wenn dir dann auch Gott verzeiht, auf Erden sein vermaledeit!

Befehlt Eure Seele Gott zu Gnaden! Wollt Ihr noch Lästrung auf Euch laden?

Könnt ich dir nur an den dürren Leib, du schändlich kupplerisches Weib!

Da hofft ich aller meiner Sünden Vergebung reiche Maß zu finden.

Mein Bruder! Welche Höllenpein!

Ich sage, lass die Tränen sein!

Da du dich sprachst der Ehre los, gabst mir den schwersten Herzensstoß.

Ich gehe durch den Todesschlaf

zu Gott ein als Soldat und brav.

(Orgelmusik)

(Geisterstimme) Wie anders, Gretchen, war dir's,

als du noch voll Unschuld hier zum Altar tratst.

Betest du für deiner Mutter Seele, die durch dich zur langen Pein hinüberschlief?

Und unter deinem Herzen, regt sich's nicht quillend schon

und ängstet dich und sich mit ahnungsvoller Gegenwart?

Weh! Weh!

Wär ich der Gedanken los, die mir herüber und hinüber gehen wider mich!

(Chor singt) Dies irae, dies illa

solvet saeclum in favilla.

Wär ich hier weg!

Mir ist, als ob die Orgel mir den Atem versetzte.

(Chor singt) Judex ergo cum sedebit,

quidquid latet adparebit,

nil inultum remanebit.

Mir wird so eng!

Die Mauernpfeiler befangen mich! Das Gewölbe drängt mich! Luft!

(Geist) Verbirg dich! Sünd und Schande bleibt nicht verborgen.

Luft? Licht? Weh dir!

(Chor singt) Quid sum miser tunc dicturus?

Quem patronum rogaturus?

Cum vix justus sit securus.

(Geisterstimme) Ihr Antlitz wenden Verklärte von dir ab.

Die Hände dir zu reichen, schauert's den Reinen. Weh!

(Chor singt) Dies irae, dies illa.

Nachbarin! Euer Fläschchen!

(Knall, Geschrei)

(rhythmische Musik)

(Hexen rufen) Die Hexen zu dem Brocken ziehn,

die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün.

Dort sammelt sich der große Hauf,

Herr Urian sitzt oben auf.

Es trägt der Besen, trägt der Stock.

Die Gabel trägt, es trägt der Bock.

Wer heute sich nicht heben kann,

ist ewig ein verlorner Mann.

(rhythmische Tanzmusik)

Und wenn wir um den Gipfel ziehn,

so streichet an dem Boden hin!

Und deckt die Heide weit und breit

mit eurem Schwarm der Hexenheit!

Platz! Junker Voland kommt.

Platz, süßer Pöbel, Platz!

Der ganze Strudel strebt nach oben.

Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben.

Doch droben möchte ich lieber sein. Schon seh ich Glut und Wirbelrauch.

Dort strömt die Menge zu dem Bösen. Da muss sich manches Rätsel lösen.

Doch manches Rätsel knüpft sich auch.

(Dröhnen)

(Schreie)

Dass ich mich nur nicht selbst vergesse! Heiß' ich mir das doch eine Messe!

(Jubel)

Da sitzt die Alte mit der Jungen. Die haben was Rechts gesprungen!

Das hat nun heute keine Ruh. Es geht zum neuen Tanz, nun komm, wir greifen zu.

(singt) Einst hatt ich einen schönen Traum.

Da sah ich einen Apfelbaum,

zwei schöne Äpfel glänzten dran,

sie reizten mich, ich stieg hinan.

Der Äpfelchen begehrt ihr sehr, und schon vom Paradiese her.

Von Freuden fühl ich mich bewegt, dass auch mein Garten solche trägt.

(singt) Einst hatt ich einen wüsten Traum.

Da sah ich einen gespaltnen Baum,

der hatt ein riesengroßes Loch.

So groß es war, gefiel mir's doch.

Ich biete meinen Herzensgruß dem Ritter mit dem Pferdefuß!

Halt Er einen Pfropf bereit, wenn Er das große Loch nicht scheut.

(rhythmische Tanzmusik)

(Musik läuft weiter)

Mephisto, siehst du dort ein blasses Kind allein und ferne stehen?

Sie scheint nur langsam mit geschlossnen Füßen zu gehen.

Mir deucht, dass sie dem guten Gretchen gleicht.

Lass das nur stehn! Dabei wird's niemand wohl.

Es ist ein Zauberbild, ist leblos, ein Idol.

Es sind die Augen einer Toten, die niemand liebend schloss.

Das ist der Leib, den Gretchen mir geboten, den ich genoss.

Das ist die Zauberei, du leicht verführter Tor!

Denn jedem kommt sie wie sein Liebchen vor.

Welch Wonne! Welch Leiden! Ich kann davon nicht scheiden.

Wie sonderbar muss diesen Hals ein rotes Schnürchen schmücken,

nicht breiter als ein Messerrücken!

(Jubelrufe)

Im Elend! Verzweifelnd und nun gefangen!

Als Missetäterin im Kerker zu entsetzlichen Qualen eingesperrt,

das holde unselige Geschöpf!

Bösen Geistern übergeben und der richtenden gefühllosen Menschheit!

Und mich wiegst du indes in Zerstreuungen,

verbirgst mir ihren Jammer und lässt sie verderben!

Sie ist die erste nicht.

Hund! Abscheuliches Untier!

„Die erste nicht!“ Mir wühlt das Schicksal dieser Einzigen auf,

und du grinsest gelassen über das Schicksal von Tausenden hin!

Nun sind wir wieder an der Grenze unsres Witzes,

da, wo euch Menschen der Sinn überschnappt.

Warum machst du Gemeinschaft mit uns, wenn du sie nicht durchführen kannst?

Willst fliegen, und bist vorm Schwindel nicht sicher?

Drangen wir uns dir auf, oder du dich uns?

Rette sie oder weh dir! Fluch über dich auf Jahrtausende!

Wer war's, der sie ins Verderben stürzte? Ich oder du?

Führe mich hin und befreie sie.

Ich will dich führen, und was ich tun kann, höre!

Des Türners Sinne will ich umnebeln,

bemächtige dich der Schlüssel, führe sie heraus mit Menschenhand!

Ich wache, ich entführe euch. Das vermag ich.

Auf und davon!

(Gretchen singt) Meine Mutter, die Hur, die mich umgebracht hat!

Mein Vater, der Schelm, der mich gessen hat!

Mein Schwesterlein klein hub auf die Bein

an einem kühlen Ort.

Da ward ich ein schönes Waldvögelein.

Fliege fort, fliege fort!

Mich fasst ein längst entwohnter Schauer, der Menschheit Jammer fasst mich an.

Sie wohnt hinter dieser feuchten Mauer, und ihr Verbrechen war ein guter Wahn.

Du zauderst, zu ihr zu gehen! Du fürchtest, sie wiederzusehen!

Fort! Dein Zagen zögert den Tod heran.

- Weh! Sie kommen. Bittrer Tod! - Still! Ich komme, dich zu befreien.

Bist du ein Mensch, so fühle meine Not.

Du wirst die Wächter aus dem Schlafe schreien!

Wer hat dir Henker diese Macht über mich gegeben!

Du holst mich schon um Mitternacht. Erbarme dich und lass mich leben!

Fasse mich nicht so gewaltsam an! Schone mich! Was hab ich dir getan?

Lass mich nicht vergebens flehen, hab ich dich doch nie gesehen!

- Werd ich den Jammer überstehen? - Ich bin nun ganz in deiner Macht.

Lass mich nur erst das Kind noch tränken. Ich herzt es diese ganze Nacht.

Sie nahmen mir's, um mich zu kränken, und sagen nun, ich hätt es umgebracht.

Niemals werd ich wieder froh.

Ein Liebender liegt dir zu Füßen, die Knechtschaft aufzuschließen.

O lass uns knien, die Heil'gen anzurufen!

Sieh! Unter diesen Stufen, unter der Schwelle siedet die Hölle!

Der Böse, mit furchtbarem Grimme, macht ein Getöse!

- Gretchen! - Das war des Freundes Stimme!

Wo ist er? Ich hab ihn rufen hören. Ich bin frei! Mir soll niemand wehren.

An seinen Hals will ich fliegen, an seinem Busen liegen!

Er rief Gretchen! Er stand auf der Schwelle.

Mitten durchs Heulen der Hölle, durch den grimmigen Hohn

erkannt ich den süßen, den liebenden Ton.

Ich bin's!

Du bist's?

O sag es noch einmal!

Er ist's! Er ist's!

Wohin ist alle Qual? Wohin die Angst des Kerkers, der Ketten?

Du bist's! Kommst, mich zu retten. Ich bin gerettet!

- Komm mit! Komm mit! - Weile! Ich weile so gern, wo du weilest.

- Eile, sonst werden wir's büßen müssen. - Wie? Du kannst nicht mehr küssen?

Freund, so kurz von mir entfernt, und hast's Küssen verlernt?

Warum wird mir an deinem Halse so bang?

Wenn sonst von deinen Worten ein Himmel mich überdrang,

und du mich küsstest, als wolltest du mich ersticken.

Küsse mich! Sonst küss ich dich!

O weh! Deine Lippen sind kalt, sind stumm.

Wo ist dein Lieben geblieben? Wer brachte mich drum?

Folge mir! Liebchen, fasse Mut! Ich herze dich mit Glut!

- Folge mir! Ich bitte dich nur dies! - Bist du's denn?

- Bist du's gewiss? - Komm! Schon weicht die Nacht.

Meine Mutter hab ich umgebracht,

mein Kind hab ich ertränkt.

War es nicht dir und mir geschenkt?

Dir auch. Du bist's! Ich glaub es kaum.

Gib deine Hand! Es ist kein Traum! Deine liebe Hand!

Ach, aber sie ist feucht! Wische sie ab! Wie mich deucht, ist Blut dran.

Ach Gott! was hast du getan! Stecke den Degen ein!

Lass das Vergangne vergangen sein.

Nein, du musst übrigbleiben!

Ich will dir die Gräber beschreiben, für die musst du sorgen gleich morgen.

Der Mutter den besten Platz geben, meinen Bruder darneben,

mich ein wenig beiseit', nur nicht gar zu weit!

Und das Kleine mir an die rechte Brust.

Niemand wird sonst bei mir liegen!

Mich an deine Seite zu schmiegen, das war ein süßes, ein holdes Glück!

Es will mir nicht mehr gelingen, mir ist's, als müsst ich mich zu dir zwingen,

als stießest du mich von dir zurück.

Und doch bist du's und blickst so gut, so fromm.

Fühlst du, dass ich es bin, so komm!

Ist das Grab drauß, lauert der Tod, so komm!

Von hier ins ewige Ruhebett und weiter keinen Schritt!

Du gehst nun fort? Ach Heinrich, könnt ich mit!

Du kannst! Die Tür steht offen!

Ich darf nicht fort, für mich ist nichts zu hoffen.

Sie lauern doch mir auf.

Es ist elend, betteln zu müssen, noch dazu mit bösem Gewissen,

in der Fremde schweifen, sie werden mich ergreifen!

- Ich bleibe bei dir. - Geschwind! Rette dein armes Kind!

Fort! Immer den Weg am Bach hinauf, links, wo die Planke steht, im Teich.

Fass es nur gleich! Es will sich heben, es zappelt noch! Rette! Rette!

Besinne dich doch! Nur einen Schritt, so bist du frei!

Wären wir nur den Berg vorbei!

Da sitzt meine Mutter auf einem Stein, es fasst mich kalt beim Schopfe!

Da sitzt meine Mutter auf einem Stein und wackelt mit dem Kopfe.

Sie winkt nicht, sie nickt nicht, der Kopf ist ihr schwer.

Sie schlief so lange, sie wacht nicht mehr.

Sie schlief, damit wir uns freuten.

Es waren glückliche Zeiten!

Hilft kein Flehen, hilft kein Sagen, so wag ich's, dich hinwegzutragen.

Lass mich! Nein, ich leide keine Gewalt!

Fasse mich nicht so mörderisch an! Sonst hab ich dir ja alles zulieb getan.

Der Tag graut! Liebchen! Liebchen!

Tag! Ja, es wird Tag!

Der letzte Tag dringt herein.

Mein Hochzeittag sollt es sein!

Sag niemand, dass du schon bei Gretchen warst.

Weh meinem Kranze! Es ist eben geschehn!

Wir werden uns wiedersehn, aber nicht beim Tanze.

Die Menge drängt sich, man hört sie nicht.

Der Platz, die Gassen können sie nicht fassen.

Die Glocke ruft, das Stäbchen bricht.

Wie sie mich binden und packen!

Zum Blutstuhl bin ich schon entrückt.

Schon zuckt nach jedem Nacken die Schärfe, die nach meinem zückt.

Stumm liegt die Welt wie das Grab!

O wär ich nie geboren!

Auf, oder ihr seid verloren.

Unnützes Zagen! Zaudern und Plaudern!

Meine Pferde schaudern, der Morgen dämmert auf.

Der! Der! Schick ihn fort!

Was will der an dem heiligen Ort? Er will mich!

- Du sollst leben! - Gericht Gottes!

- Dir hab ich mich übergeben! - Komm! komm!

- Ich lasse dich mit ihr im Stich. - Dein bin ich, Vater! Rette mich!

Ihr Engel! Ihr heiligen Scharen,

lagert euch umher, mich zu bewahren!

Heinrich! Mir graut's vor dir.

- Sie ist gerichtet! - (Der Herr) Ist gerettet!

Her zu mir!

(Gretchen, schwach) Heinrich! Heinrich!

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