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.
(Vertr�umte Orchestermusik)
(Vertr�umte Orchestermusik wird dramatisch.)
# Ihr Herren, die ihr uns lehrt,
# wie man brav leben
# und S�nd und Missetat vermeiden kann:
# Zuerst m�sst ihr uns
# was zu fressen geben.
# Dann k�nnt ihr reden,
# damit f�ngt es an.
# Ihr, die ihr euren Wanst
# und unsere Bravheit liebt,
# das eine wisset ein f�r alle Mal:
# Wie ihr es immer dreht
# und wie ihr's immer schiebt,
# erst kommt das Fressen,
# dann kommt die Moral.
# Erst muss es ... (Er bricht ab und seufzt.)
Ist doch Quatsch, Herr Brecht,
aus der Rolle treten, den Zuschauer direkt ansprechen.
"Zeigt, dass ihr zeigt." - Das St�ck ist eine Sauerei.
"Ein gro�er Geist bleibt in 'ner Hure stecken."
Ts. - Ich werde das nicht singen.
Sie sind sich doch sonst f�r nichts zu schade in Ihren Cabarets.
Das St�ck bleibt so. - Dann spielen Sie Ihre Hauptrolle doch selbst.
Eine Unversch�mtheit. - Also bitte.
Brecht und Weill haben f�r Sie den Mackie-Messer-Song geschrieben.
UND Sie d�rfen Ihre sch�ne blaue Schleife behalten.
Was denn noch alles? Aber ...
Der Schlusschoral muss weg. Das h�rt sich an wie ... Bach.
Und Bach hat nichts in der Dreigroschenoper zu suchen.
Zehn Mark pro Tag sind zu wenig. Ich bin kein Schauspieler.
Sie k�nnen mich nicht auf die schwarze Liste setzen.
30 am Tag oder ich verschwinde.
Sie haben dann keinen Filch und keine Premiere.
Kl�ren Sie das mit Brecht, der hat Sie mitgebracht. Brecht!
Ach, Aufricht. Ich h�re, Sie fragen drau�en nach einem Ersatzst�ck?
Wissen Sie, was die Leute drau�en sagen?
Brecht und Weill wollen das Publikum vor den Kopf sto�en.
Man m�sste das noch vor der Premiere absetzen.
Aber heute ist Premiere. Ich bitte Sie.
Wir m�ssen zum Ende kommen.
Kein Schlusschoral? Dann ist es aus mit uns.
Aber wir sind eine Stunde zu lang.
Der Schlusschoral bleibt, die Balla- de von der sexuellen H�rigkeit weg
und der zweite Teil des Bildes bei Peachum ist gestrichen.
Dann reise ich ab! Endg�ltig.
(Metallisches Ger�usch)
(Frauenschreie)
(seufzend:) Das Pferd. - (Aufricht:) Das Pferd ist raus.
Wir m�ssen die Projektionen aus- probieren. Wir brauchen die B�hne.
So wird's gemacht: Ein Statist zieht es am Z�gel
mit dem Gerron im Sattel in die Mitte.
Nein! Wir machen kein Kindertheater.
Ohne Pferd kein St�ck.
Wenn wir die B�hne nicht haben, gibt es keine Premiere.
Bitte die B�hne r�umen.
So, bitte die B�hne r�umen. Die Probe ist zu Ende.
Dieses Theater hab ich zum letzten Mal betreten.
(mehrere:) Ich auch.
W�rden Sie uns das schriftlich geben?
(Stampfende Musik)
(Quietschen)
# Und der Haifisch,
# der hat Z�hne,
# und die tr�gt er
# im Gesicht.
# Und Macheath, der hat ein Messer,
# doch das Messer sieht man nicht. - (fl�stert:) Also dann.
(fl�stert:) Und bitte.
(Musik setzt ein.) # An 'nem sch�nen blauen Sonntag
# liegt ein toter
# Mann am 'Strand',
# und ein Mensch geht
# um die Ecke,
# den man Mackie Messer nennt.
Unversch�mtheit! Wo steht hier Lenya?
Sie haben meine Frau vergessen. Sie wird nicht auftreten.
Ich bitte Sie. Weill.
Nehmen Sie Vernunft an. Heute ist mein 30. Geburtstag
und ich hab nur einen Wunsch: dass ich diesen Tag �berstehe.
Sehen Sie nicht? Das Publikum.
Es wird ein Skandal.
Ich hab vorgesorgt.
Pfeift das Publikum, pfeifen die Schauspieler zur�ck.
(Schrilles kurzes Pfeifen:)
Wissen Sie, meine Herren K�nstler,
was der Bankier mir gezeigt hat, als er mir das Geld ausgeh�ndigt hat?
Wenn ich Ihnen das Geld gebe, Sie werfen es hier hinein und ziehen,
dann ist es weg und Sie haben keinen �rger.
Wenn Sie damit ein Theater er�ffnen, ist es auch weg
und Sie haben sehr viel �rger.
Und wenn schon. Lenya tritt nicht auf! - Weillchen, beruhig dich.
Die kennen mich heute nicht, aber morgen wissen alle, wer ich bin.
(Applaus)
(Jubelrufe) (Lenya:) Toi, toi, toi.
Zugab'? - In meinem Theater gibt's keine Zugabe.
(Applaus, Jubelrufe) Obwohl das Leben uns
mit rei�enden Wogen weit auseinandergerissen hat.
(mehrere:) Bravo!
(Lauter Jubel) Obwohl unsere Berufsinhaber ...
Menschen, Kr�ppel ...
(mehrere:) Zugabe!
(beide:) # Soldaten wohnen auf den Kanonen,
# vom Cap bis Couch Behar.
# Wenn es mal regnete und es begegnete
# ihnen 'ne neue Rasse, 'ne braune oder blasse,
# dann machen sie vielleicht daraus ihr Beefsteak-Tatar.
(Anhaltender Jubel)
Herr Brecht, ist das die neue Form der Oper?
Die Dreigroschenoper will der Verbl�dung der Oper entgegenwirken.
Wie bewerten Sie den Erfolg?
Es ist ein neues Genre. Das Publikum schien geradezu darauf zu warten.
Die Schlager sollen bald im Kaffeehaus gespielt werden.
Man kann das Publikum ja doch befriedigen, wie entt�uschend.
Frau Hauptmann, Sie haben die Vorlage �bersetzt.
Ohne Sie g�be es die Dreigroschenoper nicht.
Richtig. Ich bin die Einzige, die gut Englisch spricht.
Aber wir hatten alle eine Menge Spa�, daran zu arbeiten. - Danke.
Herr Brecht, die Kritiker prophezeiten ein v�lliges Scheitern.
Wenn ihr die Meinung eines bedeuten- den Mannes �ber mich h�ren wollt,
kann ich sagen, dass ich eine ausgezeichnete Meinung von mir habe.
Warum schreiben Sie keine Filme? - Die Filmindustrie ist zu doof.
Die muss erst bankrottgehen.
(Lachen, beschwingte Tanzmusik)
Mit 'nem Film kann man Geld verdienen. - Aber du hast...
Ich wei�. Ich will nichts lieber als etwas anderes.
Ich vergesse meine Anschauung immer wieder, lerne sie nicht auswendig.
Warum nicht? Wir haben Dreigroschenoper-Schallplatten,
Noten f�r Tanzorchester, Laienmusiker.
(Lenya:) Wir haben sogar Postkarten,
Briefpapier, sogar eine Dreigroschen-Tapete.
Und die Mode ...
Berlin singt und tanzt eure Songs. - Warum keinen Dreigroschen-Film?
H�tte angenehme Folgen f�r uns.
(Mann singt ironisch:) # Da preist man uns das Leben gro�er Geister
# mit einem Buch und nichts im Magen
# in einer H�tte, daran Ratten nagen.
# Mir bleibe man vom Leib mit solchem Kleister.
(keck:) # Das simple Leben lebe, wer da mag.
# Ich habe, unter uns, genug davon.
# Kein V�gelchen von hier bis Babylon
# vertr�ge diese Kost nur einen Tag.
# Was hilft da Freiheit, es ist nicht bequem.
# Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm.
(Jubelrufe, Applaus)
Schaut mal, die Neher.
Du hattest sie mit deiner Grabrede schon beerdigt,
als sie vor der Urauff�hrung ausgestiegen ist.
"Wir begraben die gr��te deutsche Schauspielerin."
"Viele wussten nicht, dass der Mensch sich so leicht bewegen k�nnte."
"Das Schicksal ist wahnsinnig."
(Schrecklaut) Hoppla.
Stolpern geh�rt zum Leben von uns Schauspielerinnen.
Auf der B�hne sind wir in unserem Element.
"Das Schicksal ist wahnsinnig."
�ber 100 Inszenierungen,
Tausende Vorstellungen. Meine Herren, Sie sind Weltstars.
Ich bin zur�ck. - So ein Zufall.
Die Herren verfilmen die Dreigroschenoper.
Ich mache, was Spa� macht. Wie Shakespeare.
Ich will gute Filme sehen, deshalb schreib ich einen.
Ausgerechnet du. F�r dich ist die Filmindustrie doch
internationaler Rauschgifthandel. Ist es denn ein guter Plan?
Sorgf�ltig pr�fe ich meinen Plan, er ist gro� genug.
Er ist unverwirklichbar. Lest doch mal.
"Herr Brecht textiert das Drehbuch."
Die Neukomposition und Bearbeitung der Musik
darf nur durch Kurt Weill vorgenommen werden.
Seht ihr? Der Film ...
braucht die Kunst.
Die Hauptlinie des Films muss sein: Die R�uber sind B�rger.
Die Bettler, R�uber und Huren haben Sparkassenb�cher.
Das gilt f�r die Musik. Die Gef�hle der Stra�enr�uber sind dieselben
wie die der B�rger und Zuschauer.
Der Galgen, zur Verf�gung gestellt von der Firma X und Co,
Peachums Bibel h�ngt an einer Kette gegen Diebstahl.
(Mann singt zu Ziehharmonika-Musik:) # Der Mensch lebt durch den Kopf,
# der Kopf reicht ihm nicht aus.
# Versuch es nur. Von deinem Kopf
# lebt h�chstens eine Laus.
# Denn f�r dieses Leben
# ist der Mensch nicht schlau genug.
# Niemals merkt er eben
# diesen Lug und Trug.
Wir spielen, was hinter den Vorg�ngen vorgeht.
Eine einfache Wiedergabe der Realit�t reicht nicht.
(Frauen:) Wir haben verstanden, Herr Brecht.
Eine Fotografie der Kruppwerke oder der AEG
ergibt beinahe nichts �ber diese Institute.
Wir m�ssen also etwas K�nstliches aufbauen. Es ist Kunst n�tig.
Richtig. In der Kunst genie�en die Menschen das Leben.
Kein Mensch, dem seine Sache nicht Spa� macht,
darf erwarten, dass sie sonst jemandem Spa� macht.
Sie sehen, die K�nstler sind die weltbesten.
Wer die Handlung nicht begreift, muss nicht ewig nachdenken.
Sie ist unverst�ndlich.
Wollen Sie etwas Sinnvolles sehen, gehen Sie auf das Pissoir.
Der Eintrittspreis wird nicht zur�ckerstattet.
Die Handlung f�hrt, wie in der Oper, nach London.
Aber alles mit Brettern und einem Papiermond.
Dahinter die Fleischbank. Die allein ist leibhaftig.
London, die Hauptstadt der Welt. - Zumindest, was Finanzen angeht.
Ein London aus den Kriminalromanen, da spielt unser Dreigroschenfilm.
(Er singt mit Bl�serbegleitung:) # Ja, mach nur einen Plan,
# sei nur ein gro�es Licht.
# Und mach dann noch 'nen zweiten Plan.
(Weill und Brecht:) # Gehen tun sie beide nicht.
# Denn f�r dieses Leben
# ist der Mensch nicht schlecht genug.
# Doch sein h�heres Streben
# ist 'n sch�ner Zug.
Das Milieu der Verbrechervorst�dte, Soho und Whitechapel.
Die Zufluchtsst�tte der �rmsten
und nicht immer durchsichtigsten Schichten der Londoner Bev�lkerung.
Wir beginnen den Film mit:
(Megafon:) "Denn wovon lebt der Mensch?"
(Lebhafte Musik) # Denn wovon lebt der Mensch?
# Indem er st�ndlich
# den Menschen peinigt, auszieht, anf�llt, abw�rgt und frisst.
# Nur dadurch lebt der Mensch,
# dass er so gr�ndlich vergessen kann, dass er ein Mensch doch ist."
(Chor singt zu getragener Musik:) # Ihr Herren, bildet euch
# nur da nichts ein.
# Der Mensch lebt nur
# von Missetat allein.
# Ihr lehrt uns, wann ein Weib die R�cke heben
# und ihre Augen einw�rts drehen kann.
# Zuerst m�sst ihr uns was zu fressen geben,
# dann k�nnt ihr reden,
# damit f�ngt es an.
# Ihr, die auf unserer Scham
# und eurer Lust besteht,
# das eine wisset ein f�r alle Mal:
# Wie ihr es immer schiebt und wie ihr's immer dreht,
# erst kommt das Fressen,
# dann kommt die Moral.
# Erst muss es m�glich sein,
# auch armen Leuten,
# vom gro�en Brotlaib
# sich ihr Teil zu schneiden.
(Dramatische Musik)
Stopp! Stopp, stopp, stopp!
(D�stere Musik)
Das beginnt ja ganz anders als in der Oper.
Ich habe die Rechte an der Oper gekauft.
Es w�re Unfug, ein Theaterst�ck wenig ver�ndert zu verfilmen.
Das Publikum will, wie in der Oper, zuerst den Mackie-Messer-Song.
Wir wollen nicht die Gewohnheiten des Publikums befriedigen,
sondern sie ver�ndern. H�ren Sie erst mal zu.
Aus dem in der Old-Oak-Stra�e liegenden Bordell
zum Sumpf von Drury Lane tretend
erblickte Macheath ein M�dchen.
Er sieht sie nur von hinten und wei�:
Diesen entz�ckenden Hintern wird er heiraten.
Moment. Beim Tonfilm besteht die Unsitte,
auf Titel zu verzichten. Idiotisch.
Die Titel sind idiotisch.
Das zu Sagende ist in der Handlung unterzubringen.
Der Zuschauer soll sich einf�hlen.
Dann m�sste man bei einer �dipus-Auff�hrung
einen Zuschauerraum voll von kleinen �dipussen haben.
Sie wollen den Zuschauer in einen einlinigen Bann ziehen.
Er soll nicht nach rechts und links schauen,
er soll glotzen, nicht sehen.
Aber wir brauchen Kinos voll von Fachleuten.
Wie man Sporthallen voll von Fachleuten hat.
Wenn Sie schon nicht auf meinen Dramaturgen h�ren,
lassen Sie wenigstens die sexuellen Anspielungen weg.
Schon wegen der Zensur. Einem Hintern folgen ...
Das geht nicht. - Warum?
Die Kunst folgt der Wirklichkeit. Jetzt bitte - noch mal auf Anfang.
Liebe auf den ersten Griff.
Aus dem in der Old-Oak-Stra�e liegenden Bordell
zum Sumpf von Drury Lane tretend erblickt Herr Macheath ein M�dchen.
Er sieht sie nur von hinten und wei�:
Diesen entz�ckenden Hintern wird er heiraten.
# An 'nem sch�nen blauen Sonntag
# liegt ein toter Mann am 'Strand'.
# Und ein Mensch geht um die Ecke ... (Schrecklaut)
# den man Mackie Messer nennt.
# Und Schmul Meier bleibt verschwunden
# und so mancher reiche Mann ...
(Gespr�ch im Hintergrund) # Und sein Geld hat Mackie Messer,
# dem man nichts beweisen kann. - (Mann:) Aua!
Wegen der Verh�rtung der Menschen
er�ffnete der Gesch�ftsmann Jonathan Jeremiah Peachum einen Laden,
in dem die Elendesten der Elenden jenes Aussehen erhalten,
das zu den immer verstockteren Herzen spricht.
(kr�chzend:) # Wach auf, du verrotteter Christ.
# Mach dich
# an dein s�ndiges Leben.
# Zeig, was f�r ein Schurke du bist.
# Der Herr wird es dir dann schon geben.
# Verkauf deinen Bruder, du Schuft.
# Verschacher dein Eh'weib, du Wicht.
# Der Herrgott, f�r dich ist er Luft?
# Er zeigt dir's beim J�ngsten Gericht.
(Stimmengewirr)
Peachum und Co? - Peachum.
Sind Sie der Besitzer der Firma "Bettlers Freund"?
Man hat mich zu Ihnen geschickt.
Ihr Name? - Sehen Sie, Herr Peachum ...
da war ein kleiner peinlicher Zwischenfall in der Highland Street.
Ich stand still und ungl�cklich n der Ecke ... - Highland Street.
Du bist der Dreckkerl, den Honey erwischt hat.
Du hattest die Frechheit, im Distrikt Zehn Passanten zu bel�stigen.
Wir haben es bei einer Tracht Pr�gel belassen,
weil wir annahmen, du wei�t nicht, wo Gott wohnt.
Wenn du dich aber noch ein Mal blicken l�sst,
wird die S�ge angewendet, verstehst du?
Bitte, Herr Peachum. Bitte!
Unter meiner Jacke seh ich schon aus wie ein Schellfisch.
Lieber Freund. Siehst du nicht aus wie eine Flunder,
waren meine Leute verdammt nachl�ssig.
Also. Lizenzen werden nur an "professionals" verliehen.
London ... ist eingeteilt in 14 Distrikte.
Jeder, der in einem davon das Bettlerhandwerk auszu�ben gedenkt,
braucht eine Lizenz von Jonathan Jeremiah Peachum und Co.
Ihr Name? - Charles Filch.
(Er lacht sp�ttisch.)
Stimmt. (ruft:) Frau Peachum?
Darf ich die beiden Damen
zu einem kleinen Step ins Tintenfisch-Hotel einladen?
(Bewegte Musik)
Was ist DAS?
Das sind die f�nf Grundtypen des Elends,
die geeignet sind, das menschliche Herz zu r�hren.
Der Anblick solcher Typen
versetzt den Menschen in den unnat�rlichen Zustand,
in welchem er bereit ist, Geld herzugeben.
Ausstattung A:
Opfer des Verkehrsfortschritts.
Der muntere Lahme. Immer heiter, immer sorglos.
Versch�rft durch einen Armstumpf.
(Er kichert wie von Sinnen.)
(ernst:) Ausstattung B:
Opfer der Kriegskunst. Der l�stige Zitterer.
Bel�stigt die Passanten.
Arbeitet mit Ekelwirkung.
Gemildert durch Ehrenzeichen.
Ausstattung C:
Opfer des industriellen Aufschwungs.
Der bejammernswerte Blinde.
Oder: Die hohe Schule der Bettelkunst.
(Er gibt verwirrte Laute von sich.:) Vorsicht!
(vorwurfsvoll:) Ah! Er hat Mitleid.
Sie werden niemals ein Bettler.
So was taugt h�chstens zum Passanten.
Ausstattung D:
Zieh dich aus und zieh das an.
Aber halt es instand. - Und meine Sachen?
Geh�ren der Firma.
Ausstattung E:
Junger Mann, der bessere Tage gesehen hat.
Warum kann ich das nicht machen?
Weil einem niemand das eigene Elend glaubt, mein Sohn.
Wenn du Bauchweh hast und du sagst es,
dann ber�hrt das nur widerlich. - Mhm!
Nur K�nstler ersch�ttern heute noch das Herz.
Wenn Sie richtig arbeiten,
m�sste Ihr Publikum in die H�nde klatschen.
W�hrend Peachum aus dem Elend auf originelle Weise Kapital schl�gt,
wird Pollys Geschick besiegelt.
Nachdem Macheath und sie etwa eine halbe Stunde getanzt haben,
verl�sst sie mit ihm, den sie nicht kennt, das Tintenfisch-Lokal.
Sie sagt: (Vertr�umte Musik)
(Polly:) Ich geh nur ein kurzes St�ck mit. - (Macheath:) Ja.
Bankraub verschoben, stattdessen Hochzeit organisieren.
Elf Uhr.
In den R�umen des Herzogs von Somersetshire.
Der Herzog ist verreist.
Himmelbett mit blauem Baldachin. - Ja.
Ihr Weg f�hrt sie durch die erhitzten Paare,
die knutschend im Hof stehen.
Gleichzeitig schaffen 20 schwerste Einbr�che
alles, was gebraucht wird, zur Stelle.
Vom Brautbett bis zum Zahnb�rstchen.
Und von allem eine reichliche Auswahl.
Denn hier wird eine Brautausstattung beschafft.
Stopp. Stopp. Einen Moment bitte.
Herr Brecht, Sie sind verr�ckt.
Wissen Sie, was allein diese Szene kostet?
Sie ruinieren mich.
Wenn ich es nur erz�hle, kostet es gar nichts.
Sehen Sie? Sie werden noch Anh�nger des epischen Theaters.
Also. Weiter.
(Mann aus der Ferne:) Halt! Stehen bleiben!
Die Sch�sse der Banditen knallen durch die Ladenstra�e,
drei Autos blockieren einen B�rgersteig.
Zwei restlos Verliebte gehen in unbeschwerter
und alles vergessender Liebe durch die Nacht.
(Romantische Streichmusik:)
Einige M�nner schlagen eine Schaufensterscheibe ein.
Die Liebesleute fahren Boot.
Am Ruder sie.
Am Ruder SIE!
(Filmproduzent:) Bitte nehmen Sie die Zuschauer ernst.
Sie wollen das Vertraute, gro�e Gef�hle.
Nur deswegen kaufen sie ihr Ticket.
Warten Sie ab, was Macheath zu sagen hat.
Und jetzt muss das Gef�hl auf seine Rechnung kommen.
Der Mensch wird ja sonst zum Berufstier.
(deklamierend:) "Siehst du den Mond �ber Soho?"
"Ich seh ihn, Lieber."
"F�hlst du mein Herz schlagen, Geliebter?"
"Ich f�hl es, Geliebte."
"Wo du hingehst,
will auch ich hingehen."
(singt monoton:) # Und wo du bleibst,
# da will auch ich ...
# sein.
(beide im Walzertakt:) # Und gibt es kein Schriftst�ck vom Standesamt
# Und wei� ich auch nicht,
# woher das Brautkleid stammt,
# und ist keine Myrte im Haar.
# Der Teller, von welchem du issest dein Brot,
# schau ihn nicht lang an, wirf ihn fort.
# Die Liebe dauert
# oder dauert nicht.
# An dem oder jenem ...
# Ort.
�ber dem Kanal geht der Mond auf.
Ein bis zwei Monde gen�gen.
Das geht zu weit, das ist zynisch. Das akzeptiert das Publikum nicht,
es ist nicht nach seinem Geschmack.
Dieses verzwickte, kostspielige und eintr�gliche Ding Publikumsgeschmack
hemmt den Fortschritt.
Es wird von Leuten in den Inseratenabteilungen vertreten.
Wir wissen, was ankommt.
Bitte? Ich hab den Welterfolg geschrieben.
Ich habe die angesehensten K�nstler daf�r verpflichtet.
Nur sie ersch�ttern das Herz.
Der Regisseur ist einer der gr��ten seiner Zunft.
Er sieht die Dreigroschenoper rein optisch, wie ein M�rchen.
Das ist ganz einfach Schund.
Und was sind zwei Monde �ber Soho?
Sie wollen ein naturgetreues Abbild, Impressionen, Gef�hle erzeugen.
Das sind Hypnotisierungsversuche, unw�rdige R�usche.
Auf dem Gebiet der Kunst bet�tigen Sie den Verstand einer Auster.
Sehen Sie dieses Foto?
Die Macheath-Platte als Verein in der Art gewisser Liedertafel-Fotos.
(Schwungvolle Streichmusik)
Wir spielen die Vorg�nge hinter den Vorg�ngen,
das, was eine Fotografie nicht ergibt.
Die Hochzeit f�llt in die vierte Stunde
der Bekanntschaft des Herrn Macheath mit Polly
und findet in den R�umlichkeiten des Herzogs von Somersetshire statt.
Da dieser Herr zurzeit nicht in London weilt,
gen�gt die Knebelung zweier Domestiken,
um eine Festhalle zu "mieten".
Im Hof ist eine eigene Schlachterei etabliert.
Das Brautpaar findet, ein sinniger Einfall der Festleitung,
die R�ume bereits in eine riesige gute Stube verwandelt vor.
Gl�ckwunsch. Ginger Street 14 waren Leute im ersten Stock,
wir mussten sie erst ausr�uchern.
Gl�ckwunsch. Am Strand ging ein Konstabler hops.
(fl�stert:) Dilettanten.
Drei Leute in West End waren nicht zu retten. Gl�ckwunsch.
Ein �lterer Herr hat was abbekommen, aber ist bestimmt nichts Ernstes.
Gl�ckwunsch.
Blutvergie�en sollte vermieden werden.
Mir wird ganz schlecht, wenn ich daran denke.
Ihr werdet nie Gesch�ftsleute.
Kannibalen,
aber keine Gesch�ftsleute.
Der Gesch�ftsmann Macheath hat eine Abneigung gegen Blutvergie�en,
wo es nicht zur F�hrung des Gesch�fts n�tig ist.
Dessen Einschr�nkung auf ein Minimum,
seine Rationalisierung, ist Gesch�ftsprinzip.
Wie gefallen dir die M�bel? - Die armen Leute, wegen der paar M�bel.
Und was f�r M�bel! Schund. Du hast recht, wenn du dich �rgerst.
Ein Rosenholz-Cembalo
und dann ein Renaissance-Sofa. Unverzeihlich.
Nur nicht denken.
Wenn ich Hochzeit feiere, wie oft kommt das schon vor? - �h ...
Halt die Fresse, Trauerweide. Wie oft kommt das schon vor?
Dass ich euch schon was �berlasse.
Da macht ihr meine Frau von Anfang an ungl�cklich.
Liebe Polly. - "Liebe Polly"?
Ich werde dir deinen Kopf in den Darm hauen, du Dreckspritzer.
"Liebe Polly". Hast du etwa mit ihr geschlafen?
Aber Mack ... - Ich schw�re ...
D�rfte ich die Herren jetzt bitten, sich anst�ndig herzurichten?
Schlie�lich ist das nicht die Hochzeit eines Irgendjemand.
(Festliche Streichmusik)
Diese Dreckhaufen musst du um dich sehen
am Tage deiner Eheschlie�ung.
Wie hei�t er denn, der Herr? - Man hei�t ihn immer nur den K�pt'n.
So, ihr habt ihn nicht einmal nach seinem Namen gefragt.
Interessant. - (Sie seufzt.)
Wir sind nicht so plump und fragen ihn nach seinem Geburtsschein,
wo er so vornehm ist und uns beide ins Tintenfisch-Hotel eingeladen hat.
(fl�sternd:) Zu einem kleinen Step.
K�pt'n ...
Tintenfisch-Hotel?
So, so, so ...
Der Herr hat meine Tochter und mich
nur mit Glacehandschuhen angefasst.
Glacehandschuhe ...
und einen Stock mit einem Elfenbeingriff?
Und Gamaschen an den Schuhen
und Lackschuhe
und ein bezwingendes Wesen.
(Er schluckt.) Und eine Narbe ...
(fl�stert:) Am Hals.
Wieso kennst du den schon wieder? - (panisch:) Das ist Mackie Messer.
(schreit:) Wo ist meine Tochter? - (�ngstlich:) Oben.
(Sie fl�stert:) Um Gottes willen. Mackie Messer.
Komm, Herr Jesus, sei unser Gast. Polly ...
(Sie ruft:) Was ist mit Polly?
Polly ist nicht nach Hause gekommen.
Das Bett ist unber�hrt.
(Marschierende Musik)
# Anstatt dass, anstatt dass sie zu Hause bleiben und im warmen Bett,
# brauchen sie Spa�, brauchen sie Spa�.
# Grad als ob man ihnen eine Extrawurst gebraten h�tt.
# Das ist der Mond �ber Soho,
# das ist der verdammte "F�hlst-du-mein-Herz-schlagen"-Text.
# Das ist das "Wenn du wohin gehst, geh ich auch wohin".
# Wenn die Liebe anhebt
# und der Mond noch w�chst.
(H�pfende Musik)
(ver�rgert:) # Anstatt dass, anstatt dass
# sie was t�ten, was 'nen Sinn hat und 'nen Zweck,
# machen sie Spa�, machen sie Spa�
# und verrecken dann nat�rlich glatt im Dreck."
(beide:) # Was n�tzt denn der Mond �ber Soho?
# Wo bleibt dann dein verdammter "F�hlst-du-mein-Herz-schlagen"-Text?
# Wo ist das "Wenn du wohin gehst, geh ich auch wohin"?
(Er:) # Wenn die Liebe aus ist - (Sie:) # Wenn die Liebe anhebt
(Er:) # und allein du verreckst. - (Sie:) # und der Mond noch w�chst."
(Jubelrufe)
(Lockende Musik)
(mit zarter Stimme:) # Ich war jung, Gott, erst 16 Jahre,
# du kamest von Birma herauf.
Die ganze Welt tanzt nach Ihrer Musik.
Was sagen Sie zur Industrialisierung Ihrer Kunst?
Diese Oper ist k�hn und revolution�r.
Dass die Musik Erfolg hat, kann doch nicht gegen sie verwendet werden.
Ich schreibe f�r ein Publikum, das heute heutiges Rindfleisch isst.
Ich m�chte eine Kunst machen, die die wichtigsten Dinge ber�hrt.
Und 1.000 Jahre dauert. Sie soll nicht zu ernst sein.
Sie sind auf einen Schlag ber�hmt und reich geworden.
Besteht die Gefahr, dass dieser Erfolg gen�gsam und bequem macht?
Ich sitze nicht bequem auf meinem Hintern. Er ist zu mager.
Mein Appetit ist zu schwach. Wollust w�re das Einzige, aber ...
Die Pausen sind zu lang, die sie braucht.
Wenn man den Extrakt ausschl�rfen k�nnte.
Ein Jahr v�geln oder ein Jahr denken.
F�r einen starken Gedanken w�rde ich jedes Weib opfern. Beinah jedes.
(verf�hrerisch:) # Surabaya-Johnny,
# warum bist du so roh?
Sie haben drei Kinder von drei Frauen.
F�r Privates interessiere ich mich nicht.
Herr Weill, Sie sind mit der Schau- spielerin Lotte Lenya verheiratet.
Sie hat mich geheiratet, weil sie gern das Gruseln lernen wollte.
Sie behauptet, dieser Wunsch sei in Erf�llung gegangen.
Sie ist mir ungeheuer wichtig.
Sie kommt gleich nach meiner Musik.
(Journalist:) Man sagt, die Leute nehmen Ihr St�ck w�rtlich.
Erst kommt ihr Fressen, dann kommt ihre Moral.
Das kann nicht Ihr Ziel sein.
Was macht den Erfolg dieses St�ckes aus?
Ich f�rchte, all das, worauf es mir NICHT ankommt.
Die romantische Handlung, die Liebesgeschichte, das Musikalische.
Worauf w�re es Ihnen angekommen? - Auf die Gesellschaftskritik.
Der Kapitalismus berauscht sich am gegen ihn gespritzten Gift.
Darum erfolgt das Attentat auf b�r- gerliche Ideologie auf der Leinwand.
Die Hochzeit des R�ubers Mackie Messer
findet im Film als gesellschaftliches Ereignis statt.
Von prominenten Mitgliedern der Ge- sellschaft sind unter den G�sten
der Oberrichter von Drury Lane, ein General, Mitglieder des Oberhauses
und drei bekannte Rechtsanw�lte.
Sie haben ihre Frauen mitgebracht,
aber die Forderung des Trauscheins w�rde manche Verlegenheit ausl�sen.
Friss die Eier nicht so hinunter, Ede, nicht an diesem Tage.
Ich wollte nicht mit essen anfangen. Ich h�tte es lieber gesehen,
wenn es nicht gleich "rein in die Fressk�bel" gehei�en h�tte,
sondern vorher etwas Stimmungsvolles vorgegangen w�re.
Was denn? - Soll ich mir alles selber ausdenken?
Ich verlange keine Oper,
aber irgendwas, was nicht blo� im Fressen und Zotenrei�en besteht,
h�ttet ihr vorbereiten k�nnen.
Der Lachs ist wunderbar, Mack. - Das gibt's bei Mackie Messer alle Tage.
Ich sage immer: Mack ist eine Partie f�r ein M�dchen,
das Sinn f�r H�heres hat.
Das habe ich gestern zu Lucy gesagt.
Lucy? Wer ist Lucy, Mack?
Lucy? Das d�rfen Sie nicht ganz so ernst nehmen.
(lautlos) Fehlt Ihnen etwas?
Vielleicht Salz?
Was wollten Sie sagen, Herr Jakob? - (z�gerlich:) Nichts. Gar nichts.
Was hast du da in der Hand, Jakob? - Ein Messer, K�pt'n.
Und was hast du auf dem Teller? - Eine Forelle, K�pt'n.
Und mit dem Messer isst du die Forelle? Isst Fisch mit dem Messer.
Das ist doch eine Sau, der so etwas macht.
Verstehst du mich, Jakob?
Du wirst allerhand zu tun haben, Polly,
bis du aus solchen Dreckhaufen Menschen gemacht hast.
Wenn keiner von Ihnen etwas vortragen will,
will ich selbst eine Kleinigkeit zum Besten geben.
(Sprechgesang:) # Einst glaubte ich, als ich noch unschuldig war,
# und das war ich einst wie du:
# Vielleicht kommt auch zu mir einmal einer
# und dann muss ich wissen, was ich tu.
# Und wenn er Geld hat,
# und wenn er nett ist,
# und sein Kragen ist auch werktags rein,
# und wenn er wei�, was sich bei einer Dame schickt,
# dann sage ich ihm Nein.
Ohne Kind w�rde ich dieses Hundeleben nicht l�nger f�hren.
F�r dich jedenfalls nicht, Celia. Nur damit du saufen kannst.
H�tte ich gewisse Annehmlichkeiten in unserer Ehe gehabt,
w�re nie ein Tropfen �ber meine Lippen gekommen.
Ich k�nnte damit aufh�ren.
Ich arbeite Tag und Nacht f�r deine Tochter.
Und du bringst sie mit stadtbekannten W�stlingen zusammen.
Sie soll wohl heiraten?
Du schmei�t mit ihr um dich, als ob ich Million�r w�re.
(Sprechgesang:) # Jedoch eines Tags, und der Tag war blau,
# da kam einer, der mich nicht bat.
# Und er h�ngte seinen Hut an den Nagel in meiner Kammer,
# und ich wusste nicht mehr, was ich tat.
# Und als er kein Geld hatte und als er nicht nett war,
# und sein Kragen war auch am Sonntag nicht rein,
# und als er nicht wusste, was sich bei einer Dame schickt ...
# Zu ihm sagte ich nicht Nein. (Sie lacht aus vollem Hals.)
Moment, jetzt fangen wir an, es richtig einzustudieren.
Sehen Sie, der R�uber Macheath
ist als b�rgerliche Erscheinung darzustellen.
Ja, aber f�r die Zuschauer ist es der st�rmische Held.
Er ist durchaus gesetzt, ein Gesch�ftsmann.
Es ist wahr: Die R�uber WERDEN immer mehr zu B�rgern.
Wahr ... So ein Bl�dsinn.
Meinen Sie, die Leute bezahlen, dass sie die Wahrheit sehen?
Sie bezahlen daf�r, dass sie die Wahrheit NICHT sehen.
So ist es. Sie wollen Spannung erleben, Gef�hle.
Er hat recht. Sonst ist das Quatsch.
Kommt uns das nicht bekannt vor? Polly soll zun�chst
als tugendhaftes M�dchen erscheinen, aber sie ist auch Peachums Tochter.
Die Braut stellt ihre Fleischlichkeit aus
vor ihrer endg�ltigen Reservierung.
Sie wird allgemein begehrt.
Der Br�utigam macht dann das Rennen. Aber als b�rgerliche Erscheinung.
Die Vorliebe der B�rger f�r R�uber
erkl�rt sich aus dem Irrtum, ein R�uber sei kein B�rger.
Dieser hat als Vater den anderen Irrtum, ein B�rger sei kein R�uber.
Dann gibt es also keinen Unterschied. - Doch.
Ein R�uber ist manchmal kein Feigling.
Lassen Sie's uns probieren. Bitte. (Langsame Musik)
# Ach, da musste
# so viel geschehen.
# Ja, da gab's
# �berhaupt kein Nein.
Sehr nett.
Ulkig, was? - Was hei�t das, nett?
Du Idiot, das ist Kunst und nicht nett.
Hast du gro�artig gemacht, Polly.
Aber vor solchen Dreckhaufen hat das keinen Zweck.
Ein Br�utigam. Der h�tte uns doch sofort in den Klauen.
Meinst du, dass deine Tochter im Bett besser ihr Maul h�lt als du?
Du hast ja 'ne nette Vorstellung von deiner Tochter.
Die allerschlechteste.
Nichts als ein Haufen Sinnlichkeit.
Die hat sie jedenfalls nicht von dir.
(Mann:) Der hat ja ein echtes Holzbein.
(anderer Mann:) Weg da! (Angespannte Musik)
Was k�nnen Sie? - Nichts, ich ... Ich bettle.
(Er lacht h�hnisch.) Das m�chte jeder.
Sie haben ein Holzbein.
Weil Sie ein Holzbein haben, wollen Sie betteln?
Solche gibt es doch Tausende.
Da wird noch ganz anderes angeboten. Die Konkurrenz, mein Herr.
Darauf beruht unsere Zivilisation. Woher sonst eine Entwicklung?
Ein Holzbein reicht nicht f�r ein Engagement als Bettler.
Wir k�nnen es f�r die Polizeikontrolle nehmen.
Aber daf�r h�tte es nicht so echt sein brauchen.
(Kreischendes Lachen, Rufe)
(schreit:) Polente! (leise:) Der Sheriff selber.
(Alle verstummen.)
Ah, Tiger Brown.
Londons oberster Sheriff, der Pfeiler von Old Bailey.
Hallo, Jackie.
Hallo, Mack. M�ssen es ausgerechnet die R�umlichkeiten des Herzogs sein?
Das ist doch wieder Einbruch. - Aber Jackie, es liegt so bequem.
Freue mich, dass du gekommen bist,
deines alten Macks Hochzeitsfeier mitzumachen.
Ich stell dir meine Gattin vor, geborene Peachum.
Polly, das ist Tiger Brown.
Meine Freunde d�rftest du alle schon mal gesehen haben.
(leise:) Ich bin doch privat hier. - Sie auch, Jackie.
Sch�n, Macks charmante Gattin kennenzulernen. - Keine Ursache.
Meine Polly.
Meine Herren ...
Sie sehen heute in Ihrer Mitte einen Mann,
den der unerforschliche Ratschluss des K�nigs
hoch �ber seine Mitmenschen gesetzt hat
und der doch mein Freund geblieben ist.
In allen St�rmen
und F�hrnissen und ...
�h ... und so weiter. Ach, Jackie.
Erinnerst du dich, wie wir,
du als Soldat und ich als Soldat, bei der Armee in Indien dienten?
Ich hab mein Bein im Dienst des Vaterlandes verloren.
Umso schlimmer. Das kann jedem passieren.
Au�er er ist Kriegsminister.
(Er lacht h�misch.)
Soldaten, die aussehen wie Sie, ziehen nicht.
Ich brauche Gentlemen.
Sie dagegen sind ein Antikriegsdemonstrant.
Aber wir machen keine Politik.
Sie wollen, indem Sie so herumstehen, bekunden:
(klagend:) "Ach! Was sind Kriege f�r furchtbare Dinge."
"Man verliert sein Bein dabei."
Aus Ihnen kann man keinen leistungsf�higen Bettler machen.
(laut:) Celia!
Zeig dem Herrn die Hunde.
(Bellen, Fiepsen)
Unsere Blindenhunde sind nicht dazu ausgesucht, Blinde zu f�hren,
sondern danach, ob sie Mitleid hervorrufen.
Sie m�ssen billig genug aussehen.
Das h�ngt mit der F�tterung zusammen.
(Off:) Das geht �berhaupt nicht.
Sie wollen Politik in den Film hineinbringen.
Im Theater Ihr gutes Recht, aber im Film verursacht diese Weltanschauung
einen schweren gesch�ftlichen Schaden.
Auf Ihr Kapital nehme ich keine R�cksicht. Ich habe einen Vertrag.
Ich kenne den Vertrag. Aber hier geht es um MEIN Geld.
Sie h�tten nicht verkaufen m�ssen.
Ehre dem Dichter, der sein Werk nicht verfilmen l�sst.
Sie meinen, wir handeln, wenn wir uns mit Ihnen einlassen, wie jemand,
der seine W�sche in eine Drecklache zum Waschen gibt und dann jammert.
Sie meinen, Sie d�rfen das Gekaufte verschandeln.
Wer A sagt ... - ... muss nicht B sagen.
Er kann auch erkennen, dass A falsch war.
WIR werden den Film zum Erfolg machen. Auch ohne Sie.
Dann werde ich die Gerichte anrufen.
(Heitere Blasmusik)
(Schmatzen, Lachen, R�lpsen)
# John war darunter und Jim war dabei.
# Und Georgie ist Sergeant geworden.
# Doch die Armee fragt keinen, wer er sei.
# Und marschierte hinauf nach Norden.
(beide:) # Soldaten wohnen auf den Kanonen
# vom Cap bis Couch Behar.
# Wenn es mal regnete - # und es begegnete
# ihnen 'ne neue Rasse, - # 'ne braune oder blasse,
(beide:) # dann machten sie viel- leicht daraus ihr Beefsteak-Tatar.
(Heitere Musik)
# Johnny war der Whisky zu warm. - # Und Jimmy hatte nie genug Decken.
# Aber Georgie nahm beide beim Arm ...
- # ... und sagte: "Die Armee kann nicht verrecken."
(alle:) # Soldaten wohnen auf den Kanonen
# vom Cap bis Couch Behar.
# Wenn es mal regnete,
# und es begegnete ihnen 'ne neue Rasse,
'ne braune oder blasse,
# dann machten sie vielleicht daraus ihr Beefsteak-Tatar.
(Sch�sse)
Der Polizeipr�sident l�sst schie�en
auf friedlich demonstrierende Arbeiter.
Wie soll ich das aus meinem Schreiben heraushalten?
Ich kann nur f�r die schreiben, f�r die ich mich interessiere,
und diese werden unsagbarem Leiden unterworfen.
Aber wenn die Menschlichkeit zer- st�rt wird, gibt's keine Kunst mehr.
Sch�ne W�rter zusammenzusetzen ist keine Kunst.
Wie soll Kunst die Menschen bewegen,
wenn sie nicht von ihren Schicksalen bewegt wird?
(Blecherne, monotone Musik)
# John ist gestorben und Jimmy ist tot.
# Und Georgie ist vermisst und verdorben.
# Aber Blut ist immer noch rot.
# F�r die Armee wird jetzt wieder geworben.
(Tusch)
(alle:) # Soldaten ...
# wohnen auf den Kanonen
# vom Cap bis Couch Behar.
# Wenn es mal regnete
# und es begegnete
# ihnen 'ne neue Rasse, 'ne braune oder blasse,
# dann machten sie vielleicht daraus ihr Beefsteak-Tatar.
(Jubel, Applaus)
(Frau:) 3.000 Bankinstitute der Ver- einigten Staaten zusammengebrochen.
Sechs Millionen Arbeitslose in Deutschland.
Brasilien sch�ttet eine Kaffeeernte ins Meer.
(M�nner:) Wehe!
Ewig undurchsichtig sind die Gesetze der menschlichen Wirtschaft.
Ohne Warnung �ffnet sich der Vulkan
und verw�stet die Gegend. - Sehr gut.
Es gilt zu zeigen, dass wir eine Wirtschaft aufgebaut haben,
von der wir abh�ngen, die zu �ber- blicken �bermenschen n�tig macht.
Die Vorg�nge an der B�rse sind unvern�nftig.
Als ich dies vor Jahren begriff und zugleich nicht begriff,
wusste ich gleich: Du bist in eine b�se Sache geraten.
Darum setzt du die Wahrheit auch nicht durch.
Reichtum kann sich nur behaupten, wenn es viele Arme gibt.
Diese Wahrheit will die Filmindustrie nicht h�ren.
Und dieses St�ck will kein Theater auff�hren. - Wir probieren es weiter.
Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, wie wir durchsetzen. Bitte.
Johanna erkennt das System.
Ich sehe das System. Da sitzen welche wenige oben und viele unten.
Und die oben schreien hinunter:
"Kommt herauf, damit wir alle oben sind!"
Aber genau hinsehend siehst du was Verdecktes
zwischen denen oben und denen unten, was wie ein Weg aussieht.
Doch es ist kein Weg, sondern ein Brett.
Jetzt siehst du's deutlich: Es ist ein Schaukel-Brett.
Dieses ganze System ist eine Schaukel mit zwei Enden,
die voneinander abh�ngen.
Und die oben sitzen oben nur,
weil jene unten sitzen. Und nur solange jene unten sitzen.
Unten m�ssen's mehr als oben sein, sonst h�lt die Schaukel nicht.
Es ist n�mlich eine Schaukel.
Es sind zwei Sprachen, oben und unten, und zwei Ma�e zu messen.
Das Menschengesicht tr�gt,
es kennt sich nicht mehr.
Der ist zu fett. Du hast das Gewicht gef�lscht.
Ein Blinder mit einem fetten Hund bekommt kein wirkliches Mitleid.
Das Publikum handelt instinktiv.
Ich lass meine Blindenhunde nicht aus Schlechtigkeit nicht dick f�ttern.
Es beeintr�chtigt nur das Gesch�ft, wenn sie fett aussehen.
Geheiratet? Erst beh�ngt man sie hinten und vorne
mit Kleidern, H�ten, Handschuhen und Sonnenschirmen,
und wenn sie dann so viel gekostet hat wie ein Segelschiff,
wirft sie sich auf den Mist wie eine faule Gurke.
So. Eine Verbrecherschlampe ist sie geworden.
Das ist der Lohn f�r alles, Jonathan. In meinem Kopf schwimmt alles.
(schw�chlich:) Ein Glas Cordial Medoc.
Da. Siehst du, wohin du deine Mutter gebracht hast?
Gib ihr ruhig lieber zwei Glas.
Meine Mutter vertr�gt das Doppelte an Quantum.
Oh, jetzt zeigt sie wieder diese falsche F�rsorge.
Bitte schau ihn dir an. Ist er etwa sch�n? Nein.
Aber er hat ein Auskommen. Er bietet mir eine Existenz,
ist ein ausgezeichneter Einbrecher. Einige gl�ckliche Unternehmungen
und wir k�nnen uns ein kleines Landhaus leisten.
(Peachum:) Das ist alles ganz einfach.
Du bist verheiratet, und was macht man, wenn man verheiratet ist?
Na, man l�sst sich scheiden. - Aber ich liebe ihn doch.
Genierst du dich gar nicht? Diese B�cher haben dir den Kopf verdreht.
Der Kerl ...
Wird er mal geh�ngt, meldet sich wom�glich
ein halbes Dutzend Weibsbilder als Witwen.
Jede mit einem Balg auf dem Arm. Ach, Jonathan ... - Geh�ngt?
Das ist eine gute Idee, das gibt 40 Pfund.
Ich verstehe dich. Beim Sheriff anzeigen.
Der Sheriff war sehr lustig auf meiner Hochzeit. - Wie hei�t er?
Brown. Mein Mann nennt ihn Jackie. Sie sind Jugendfreunde.
Der Sheriff und der oberste Verbrecher.
Das sind wohl die einzigen Freunde in dieser Stadt.
Ich geh zum Sheriff von London. Und du zum Sumpf von Drury Lane.
Zu seinen Huren. - Denn die Gemeinheit der Welt ist gro�.
Man muss sich die Beine ablaufen, da- mit sie einem nicht gestohlen werden.
(Flotte Musik) # Was ich m�chte, ist es viel?
# Einmal in dem tristen Leben
# einem Mann mich hinzugeben.
# Ist das ein zu hohes Ziel?
(Schleppende Musik)
# Das Recht des Menschen ist's auf dieser Erden,
# da er doch nur kurz lebt, gl�cklich zu sein.
# Teilhaftig aller Lust der Welt zu werden,
# zum Essen Brot zu kriegen und nicht einen Stein.
# Das ist des Menschen nacktes Recht auf Erden.
# Doch leider hat man bisher nicht vernommen,
# dass etwas Recht war und dann war's auch so.
# Wer h�tte nicht gern einmal Recht bekommen?
# Doch die Verh�ltnisse, sie sind nicht so.
(T�rknallen)
Jackie, mein Schwiegervater ist ein ekelhaftes, altes Ross.
Wenn er was gegen mich zu machen versucht ...
Liegt da in Scotland Yard etwas gegen mich vor?
Es liegt nicht das Geringste gegen dich vor.
Noch was?
Ja, Jackie. Du musst etwas gegen die Vermehrung der Beamten unternehmen.
Die F�hrung der Gesch�fte wird sonst unm�glich.
Um ein Dutzend primitive Totschl�ger zu kaufen,
mussten wir vorige Woche 17 Frageb�gen ausf�llen.
Name der Gro�mutter, Angeh�rigkeit zu Vereinen, Sprachkenntnisse.
Aber man kann doch nicht die Beamtenschaft abbauen.
Sie sind viel zu schlecht.
Infolgedessen braucht man f�r jeden Dreck drei.
Aber ich werde ein neues Amt beantragen, das nichts zu tun hat,
als den Beamtenabbau zu studieren.
Ich kann es aufmachen,
wenn man mir f�r den Anfang 200 bis 300 Beamte bewilligt.
(Heiteres Frauengel�chter)
Also, wenn ihr Mackie Messer in den n�chsten Tagen seht,
lauft ihr zu dem n�chsten Konstabler und zeigt ihn an.
Aber ... werden wir ihn denn sehen?
Wird er gejagt, wird er sich doch nicht mit uns seine Zeit vertreiben.
Ich sage dir, Jenny,
Macheath ist nicht der Mann,
der seine Gewohnheiten deswegen aufgibt.
(Langsame Trompetenmusik)
Ich m�chte Sie bitten, einen gewissen Macheath
hinter Schloss und Riegel zu bringen.
Er ist ein R�uber und M�rder.
So kann er auch die Verhaftung des B�rgermeisters von London verlangen.
Gegen ihn liegt in Scotland Yard nichts vor.
Die Polizei kann da nichts machen.
So, die Polizei kann da nichts machen?
Dann ist es scheu�lich ungerecht, was mit Ihnen geschehen wird.
Den strahlenden Kr�nungszug seh ich ja noch nicht.
Was soll das hei�en?
Ich darf Sie da wohl an einen historischen Vorfall erinnern.
Aus dem Jahre 1400 vor Christi.
Den Kr�nungszug der Thronfolgerin Semiramis
wurde damals durch die allzu lebhafte Beteiligung der untersten Schichten
zu einer Kette von Katastrophen.
Die Historiker sind au�er sich vor Entsetzen,
wie furchtbar sich Semiramis ihrem Polizeihauptmann gegen�ber benahm.
Es war die Rede von Schlangen,
die sie an seinem Busen n�hrte.
(�ngstlich:) Wirklich?
Der Herr sei mit Ihnen, Brown.
# Wird des Armen
# Lamm geschlachtet,
# sind es meist der Schl�chter zwei.
# Und den Streit
# der beiden Schl�chter
# schlichtet dann die
# Polizei.
Hab ich f�r den Film geschrieben.
(Radiosprecher:) "Bei den gestrigen Reichstagswahlen
erhielt die NSDAP 18,3 Prozent der Stimmen."
"Das sind 107 Mandate, fast neunmal mehr als bisher."
(Sie st�hnt.)
Die Polizei und der Staat sch�tzen diese Verbrecher.
Das ist wie bei Tiger Brown und Macheath.
Unsere Auff�hrungen werden gest�rt. Das l�sst man zu.
Hitler ist blo� ein Anstreicher des deutschen Hauses.
Er liefert die T�nche. - Auch das geh�rt in unseren Film.
Die Arbeit mit der Filmindustrie macht mich krank.
Man kommt mit einem erstaunlichen Minimum
an Intelligenz, Humor und Interesse aus.
Immer wenn die Logik eines Vorgangs zu diskutieren w�re,
hei�t es: Das akzeptiert das Publikum.
Das Rezept f�r den Erfolg im Filmschreiben:
Man schreibt so gut, als man kann, und das muss schlecht genug sein.
Du brauchst Ruhe.
Ich k�mmer mich um den Umzug, deine neue Wohnung.
Und ich mich um die Manuskripte.
(Schreibmaschinenklappern) - (Helene:) Bidi, was machst 'n da?
Ich schreibe den Song von der T�nche.
Nach Ausbruch des Konflikts zwischen Macheath und Peachum
muss das Theaterst�ck verlassen werden.
Da die K�nigin nach ihrer Ankunft die Old-Oak-Stra�e passieren muss,
wird dieser Schandfleck in eine entz�ckende Gartenstra�e verwandelt.
Die Polizisten singen beim T�nchen den Song von der T�nche.
# Ist wo etwas faul und rieselt's im Gem�uer,
# dann ist's wichtig, dass man etwas tut.
# Und die F�ulnis w�chst so ungeheuer.
# Wenn das einer sieht, das ist nicht gut.
# Da ist T�nche n�tig. Falsche T�nche n�tig.
(Die anderen lachen heiter.)
# Wenn der Saustall einf�llt, ist's zu sp�t.
Wie Herr Peachum seine Angestellten in Wracks verwandelt
wird hier f�r den Kr�nungszug das Wrack einer Stra�e
in einen h�bschen und beruhigenden Anblick verwandelt.
Aus M�llhalden werden Kinderspielpl�tze,
die Bewohnerinnen des Sumpfes von Drury Lane
verlassen jaulend unter Polizei- begleitung ihre Arbeitsst�tte,
die bei der Ankunft der K�nigin vorgeben wird,
ein Heim f�r gefallene M�dchen zu sein.
Bei der Abnahme der Stra�e f�hrt Herr Peachum seine K�nste vor.
Zwischen den neuen Blumenst�cken der frisch get�nchten H�user
tauchen die Gesichter der Berufsbettler auf.
Die Besichtigung endet mit einem Missklang.
Wir haben es mit Gegnern zu tun, die weder Moral
noch menschlichen Anstand kennen.
Ich kann dir nur raten, sofort zu verschwinden.
(Getuschel)
(Sie seufzt auf.) Arme Polly.
Kannst du was lernen.
Ich kann deinen Beruf nicht billigen.
Ich hab die Anklagen gesehen.
�ber 30 Einbr�che,
23 Stra�en�berf�lle, Brandlegungen, vors�tzliche Morde.
In Winchester hast du zwei minderj�hrige Schwestern verf�hrt.
Mir haben sie gesagt, sie seien �ber 20.
(Sie schluchzt.)
Kannst du denn nichts Anst�ndiges werden?
Kannst du nicht Bankier werden?
Auf die National Deposit Bank haben wir schon lange ein Auge geworfen.
Nein, nicht so.
Ah ... du kannst sie ja auch kaufen.
Kann ich das?
K�nnte man die Bank kaufen, auf der meines Vaters Geld liegt ...
Das Bankfach ist sowohl sicherer als auch eintr�glicher.
Wenn ich jetzt wegmuss, musst du die Leitung des Gesch�fts �bernehmen.
K�sse deine arme Polly noch ein Mal
und schw�re, dass du keine Frau mehr ansehen willst und gleich wegreist.
Aber Polly.
Warum sollte ich mich um solche ausgelaufenen Eimer k�mmern?
Ich liebe doch nur dich.
Adieu, Mack.
Adieu,
Polly.
(Lachen, Klicken von Billardkugeln)
Meinen Kaffee.
"Meinen Kaffee."
(Jakob:) Wieso bist du nicht in Highgate? - Heute ist Donnerstag.
Ich lasse mich doch nicht durch solche Lappalien abhalten.
Mack? Wenn die Kr�nungsglocken von Westminster l�uten,
hast du eine schwere Zeit.
Lange, bevor mein Stern �ber dieser Stadt aufging ...
"Lange, bevor mein Stern �ber dieser Stadt aufging ..."
lebte ich in d�rftigen Verh�ltnissen mit einer von Ihnen, meine Damen.
Und wenn ich auch heute Mackie Messer bin, so werde ich nie
die Gef�hrten meiner dunklen Tage vergessen, vor allem Jenny,
die mir die Liebste war unter all den M�dchen.
(Tango-Musik) # In einer Zeit,
# die jetzt vergangen ist,
# lebten wir schon zusammen,
# sie und ich.
# Die Zeit liegt fern
# wie hinter einem Rauch.
# Ich sch�tzte sie
# und sie ern�hrte mich.
# Es geht auch anders,
# doch so geht es auch.
# Und wenn ein Freier kam, kroch ich aus unserem Bett
# und dr�ckte mich zu meinem Kirsch und war sehr nett.
# Und wenn er blechte, sprach ich zu ihm:
# "Herr, wenn Sie mal wieder wollen, bitte sehr."
So hielten wir's ein volles halbes Jahr
in dem Bordell, wo unser Haushalt war.
Dieser Schlager und mit ihm die ganze Dreigroschenoper
sollen jetzt verfilmt werden. (Emp�rte Rufe)
So etwas unheilbar sexuell Verbl�detes.
Der Weltmarkt wird kopfsch�ttelnd und ablehnend vor diesem Tonfilm stehen
und das ganze deutsche Volk
f�r sittlich vollkommen verwahrlost halten.
(Emp�rte Rufe) H�ren Sie sich das an:
Zu jener Zeit, die nun vergangen ist ...
(beide:) # Zu jener Zeit,
# die nun vergangen ist,
# die aber noch nicht ganz so
# tr�b wie jetzt war.
# Wenn man auch nur
# bei Tag zusammenlag,
# da sie ja, wie gesagt,
# nachts meist besetzt war.
# Nachts ist es �blich,
# doch geht's auch bei Tag.
# Und damals war ich ja dann auch mal hops von dir.
# Da machten wir's dann so, ich lag dann unter dir.
# Weil er das Kind nicht schon im Leib erdr�cken wollte,
# das aber dann doch in die Binsen gehen sollte.
(beide:) # Und dann war auch
# bald aus das halbe Jahr.
# In dem Bordell, wo unser Haushalt war.
(Er lacht.)
(Trillerpfeife)
(M�nner:) Haltet ihn! - Stehen bleiben!
Polizei! - Los!
Halt! - Stehen bleiben!
Bleiben Sie stehen! - Hinterher!
Trotz des Dreigroschen-Fiebers nehmen die Proteste zu.
Nicht nur Deutschnationale und SA st�ren Ihre Auff�hrungen.
Sie sagen: "Auf Brecht und Weill geh�rt ein grober Keil."
(Weill lacht.) Wie gehen Sie damit um?
Ich gebe meinen Weg nicht auf,
nur weil er in eine Zeit der Kulturreaktion kommt.
Alle Neuerungen treffen auf Widerstand.
Jetzt gibt es Proteste gegen die Verfilmung,
auch weil Songs wie "Die Zuh�lter- Ballade" darin vorkommen sollen.
Sie provozieren Skandale mit Geschmacklosigkeiten.
Man verbessert den Publikumsgeschmack nicht,
wenn man Filme von Geschmacklosigkeiten befreit.
Man schw�cht die Filme.
Die Geschmacklosigkeit der Massen wurzelt in der Wirklichkeit.
Jeder Text sieht anders aus, wenn er durch meine Musik gegangen ist.
Der Reiz der Zuh�lter-Ballade besteht darin,
dass ein saftiger Text in zarter Weise komponiert ist.
Meine Schlager k�nnen an die Stelle
der abgelebten amerikanischen Jazzkompositionen treten.
Wir kommen damit an einen H�rerkreis,
der �ber das Opern- und Musikpublikum hinausgeht.
Ihre Kunst soll also beim Publikum ankommen.
Dazu passt Ihre Aussage,
dass ein Theater, in dem man nicht lacht,
ein Theater ist, �ber das man lacht.
Sie wenden sich dem Film zu, den Thomas Mann
als "musikalisch gew�rztes Schauvergn�gen" bezeichnet.
Eine spie�ige Haltung.
Mann ist bourgeoiser Hersteller k�nstlicher,
eitler und unn�tzlicher B�cher.
Er ist Nobelpreistr�ger, der von den Literaturp�psten verehrt wird.
Mit denen besch�ftigt sich der Zahn der Zeit.
Die Dichterf�rsten schreiben f�r die Literaturp�pste
und die f�r die Dichterf�rsten, indem sie, in gef�lliger Form,
ihre kulinarischen Erinnerungen austauschen.
Denen geht es um die Stimmabgabe im Kampf um die Feinkost
mit fein ziselierter, zartfarbener Wortkunst.
Dazu kann ich nur sagen: Onanieren passiert,
mit Parisern v�geln passiert, aber die onanieren mit Parisern.
Ich darf doch sehr bitten.
Wo bleibt denn Ihre Moral? - Wir leben in einer Grundordnung,
in der alle Bev�lkerungsschichten Moralgrunds�tze ber�cksichtigen,
indem sie nicht in Moral, sondern von Moral leben.
Wie Herr Peachum. Das zeigen wir in unserem Film.
Der Kampf um den Kopf des Macheath.
(Peachum:) Meine Herren.
In dieser Stunde arbeiten in unseren elf Filialen
von Drury Lane bis Turnbridge
1.432 Herren an solchen T�felchen wie Sie,
um der Kr�nung unserer K�nigin beizuwohnen.
(Celia:) Vorw�rts. Vorw�rts!
Wenn ihr nicht arbeiten wollt, k�nnt ihr nicht betteln.
Gn�dige Frau. (Sie lacht auf.)
Ihr seht ja aus wie von der Stange gefallen.
Ihr kommt wohl wegen dem Geld f�r euren Macheath.
Aber ihr bekommt gar nichts. Gar nichts.
So? Wir k�nnen also unser kontraktliches Honorar daf�r,
dass wir Herrn Macheath verraten haben, nicht bekommen, gn�dige Frau?
Ganz richtig. Einen Dreck bekommt ihr.
Keinen Judaslohn. - Und warum, gn�dige Frau?
Weil dieser dreckige Herr Macheath abgehauen ist.
Also das ist doch die H�he.
(fl�sternd:) Machen Sie das nur nicht mit uns.
(Peachum:) Was ist denn los?
(leise:) Du hast denen hoffentlich kein Geld gegeben?
Wie ist's, meine Damen?
Sitzt Herr Macheath oder sitzt er nicht?
Lassen Sie mich damit in Ruhe.
Dem k�nnen Sie nicht das Wasser reichen.
Ich habe heute einen Herrn weggehen lassen m�ssen,
weil ich in die Kissen weinte,
als ich daran dachte,
dass ich diesen Gentleman an Sie verkauft hab.
Was glauben Sie, was heute Morgen geschah?
Vor noch nicht einer Stunde pfiff es.
(Sie pfeift.) Und auf der Stra�e stand er.
In meinen Armen wollte er mich die Unbill vergessen machen,
die ich ihm zugef�gt habe.
Das ist der letzte Gentleman von London, meine Damen.
Und wenn unsere Kollegin Suky Tawdry jetzt hier nicht mitgekommen ist,
dann ... ist es, weil er von mir noch zu ihr ging, um auch sie zu tr�sten.
(Abwartende Musik)
(triumphierend:) Suky Tawdry.
(Er kichert.)
Filch! - Sir?
Lauf schnell zum Polizeiposten.
Herr Macheath weilen bei Fr�ulein Suky Tawdry.
Aber meine Damen, warum streiten wir?
Das Geld wird gezahlt werden, selbstverst�ndlich.
Liebe Celia, du solltest lieber den Damen Kaffee kochen
als sie anzup�beln.
Abgehauen. Einfach abgehauen.
Wei� ich, ist auch in der Oper so. - Brecht ist abgehauen.
Was? - Brecht ist an die franz�sische Riviera abgehauen. Er schreibt:
"Ich m�chte nie mehr in die entsetzliche Lage kommen,
den Herren von Nero-Film klarmachen zu m�ssen,
wie man ein k�nstlerisches Manuskript f�r einen Dreigroschenfilm macht."
Eine Unversch�mtheit.
Ich verklage ihn wegen gesch�ftssch�digendem Verhalten.
Sie reisen ihm nach und bringen mir ein Drehbuch,
das meine Investition lohnt!
Polente! Ich hab's nicht bis zur Wache geschafft.
Jetzt wird durchgegriffen, Herr Bettlersfreund.
Guten Morgen, Brown.
Gut geschlafen?
Hauen Sie ihm den Hut vom Kopf.
So, Jungs, nun sammelt mal ein, was da ist.
Peachum, ich sperre alles ein wegen Stra�enbettel.
Wie sch�n.
Nur ... welche Bettler? - Na, diese Kr�ppel hier.
Was Sie festnehmen k�nnen sind junge Leute,
die aus Freude �ber die Kr�nung ihrer K�nigin
einen Maskenball veranstalten.
Wenn die richtigen Elenden kommen,
da kommen doch Tausende.
Wenn die da nun vor der Kirche stehen ...
Das ist doch kein festlicher Anblick.
Wissen Sie, was eine Gesichtsrose ist, Brown?
Aber jetzt erst 120 Gesichtsrosen.
Die junge K�nigin sollte doch auf Rosen gebettet sein.
Und nicht auf Gesichtsrosen.
Das ist eine Drohung.
Ich soll also Mackie Messer verhaften. Sie haben gut reden.
Erst muss man einen Mann haben, bevor man ihn verhaften kann.
(laut:) Jenny! Wo halten sich Herr Macheath auf?
Suky Tawdry.
Brown. Wenn er um sechs nicht h�ngt ...
Ach, Mackie.
(Melancholische Kl�nge)
Es ging nicht. (Blasmusik)
# Da ist nun einer schon der Satan selber,
# der Metzger er und alle andern K�lber.
# Der frechste Hund, der schlimmste Hurentreiber.
# Wer kocht ihn ab, der alle abkocht?
# Weiber.
# Das frag nicht, ob er will, er ist bereit.
# Das ist die sexuelle H�rigkeit.
# Er glaubt nicht an die Bibel, nicht ans BGB,
# er meint, er ist der gr��te Egoist.
# Wei�, dass wer 'n Weib sieht, schon verschoben ist.
# Und l�sst kein Weib in seine N�he.
# Er soll den Tag nicht vor dem Abend loben,
# denn vor es Nacht wird,
# liegt er wieder droben.
(Sie kichert.)
Ein Auto als Honorar f�r ein Werbegedicht, das schaffst nur du.
Ja, Brechts Endreime sind die besten.
(Pomp�se Musik)
Lass uns die Verhaftung bei einem Autopicknick zeigen,
das Herr Macheath den Damen aus dem Sumpf von Drury Lane
in Gottes freier Natur gibt.
Unter uralten Eichen im Kreise anr�chiger Damen
empf�ngt der Unselige den Judaskuss.
Nach einer rasenden Verfolgung -
ein Auto voll von Polizisten jagt ein Auto voll von Prostituierten -
wird Herr Macheath gestellt.
Eine gute Idee, aber das werden wir uns nicht leisten k�nnen.
F�r deinen Film geben Industrie und Staat kein Geld aus.
Dann zeigen wir blo� eine f�r die Jahrhundertwende rasende Verfolgung.
"Brecht f�hrt mit seinem Steyr mit 70 km/h auf einer Landstra�e,
als ein entgegenkommender Lastwagen von einem Pkw riskant �berholt wird."
(lachend:) "Hinter den B�umen am Stra�enrand
ist eine B�schung von f�nf Metern."
"Brechts Wagen war gezwungen, auszuweichen."
"Es gelang ihm, den Baum zu treffen und so den Wagen abzufangen."
Und was bringt die Fotostory und Bidis Erkl�rung,
dass man in solchen Autos einen Unfall unbeschadet �berstehen k�nne?
(Elisabeth und Brecht, lachend:) Einen neuen Steyr.
Sch�nes Auto haben Sie drau�en, Herr Brecht.
Unter Idealisten gilt es als Sitte, ver�chtlich �ber Geld zu reden.
Ich habe nicht zu viel davon.
Es ist das einzige Mittel, meine Arbeit, die meist kein Geld bringt,
von dem sch�digenden Einfluss der gro�en Geldinstitute freizuhalten.
Ich will am Drehbuch arbeiten und bitte Sie,
auf Ihre radikalen Ansichten im Film zu verzichten.
Wir sind nicht radikal. Der Kapitalismus ist radikal.
Sechs Millionen Arbeitslose und Sie wollen Kitsch produzieren.
Ich habe Sie nicht hergebeten.
K�nnen wir nicht rechtzeitig drehen,
kriegen Sie eine Schadenersatzklage von uns.
Sie wissen, was Ihnen dann droht.
Na, ihr Armleuchter?
Wir sind Gott sei Dank wieder in unserer alten Villa.
Ach, Mack, ich bin es nicht gewesen.
Sieh mich nicht so an, Mack. Dein Schweigen ist f�rchterlich.
Zieh nicht noch am Strick, du Schwein.
Sage etwas, Mack.
Sage etwas zu deinem armen Jackie.
(Getragene Musik)
Nicht eines Wortes hat er mich f�r w�rdig erachtet.
Dieser elende Brown, das leibhaftige schlechte Gewissen.
Und so was will oberster Polizeichef sein.
Es war gut, dass ich ihn nicht angeschrien habe.
Das hat gesessen, ich blickte ihn an und er weinte bitterlich.
Den Trick hab ich aus der Bibel.
Die Bibel muss wieder herhalten. Meine Lieblingslekt�re.
Ein Satz in der Bibel, nach dem sich viele M�nner richten,
ist der Satz: "Und er soll dein Herr sein."
Nach diesem Satz richten sich viele dumme M�nner.
Und fast alle klugen Frauen.
F�r mich ist es: "Du sollst deinen Fu� nicht an einen Stein sto�en."
Das sagt auch Macheath.
Wir befinden uns in schwieriger Arbeit
und ich f�rchte Privatkonflikte, die mich ersch�pfen.
Lasst uns weitermachen. - Gut, machen wir weiter.
Er hat Sie doch sehr gern. Polly ...
Ach nein. Er liebt nur Sie.
Das wei� ich ganz genau. - Sehr liebensw�rdig.
Ein Mann hat immer Angst vor einer Frau, die ihn zu sehr liebt.
Ich sah sofort, dass er Ihnen in einer Weise verpflichtet ist,
die ich nicht ahnen konnte.
Wir haben ihn beide zu sehr geliebt.
Vielleicht das.
Das lassen wir fallen. Es bleibt nicht wie in der Oper.
In der Bibel steht: "Am Anfang war das Wort."
Wichtiger erscheint mir das letzte Wort. Das lautet so:
Erste Wolken am Himmel des jungen Gl�cks.
(Konstabler:) F�nfzig.
(Aufgew�hlte Musik)
(Sie schreit:) Du gemeiner Schuft, du ... - Lucy.
Hast du kein Herz, wo du deinen Mann so siehst?
Meinen Mann? M-m. Du Untier.
Du glaubst, ich wisse nichts von Fr�ulein Peachum?
Lucy, du bist doch nicht eifers�chtig auf Polly?
Bist du nicht mit ihr verheiratet, du Bestie?
Verheiratet?
Ich verkehre in ihrem Haus, ich gebe ihr hin und wieder eine Art Kuss.
Und nun posaunt dieses Frauenzimmer �berall aus,
sie sei mit mir verheiratet.
Wo ist mein Mann? Mack?
(z�rtlich:) Oh Mack. Da bist du ja.
Du brauchst dich nicht sch�men. Ich bin doch deine Frau.
Ach, du gemeiner Schuft.
Was hei�t das, Mack? Wer ist das �berhaupt?
Sag ihr bitte, dass ICH deine Frau bin.
Sieh mich mal an. - Hinterh�ltiger Lump, du.
Du hast zwei Frauen, du Ungeheuer.
Sag, Mack, bin ich nicht deine Frau?
Ich bin unschuldig in den Stand der Ehe getreten.
Wenn ihr nur zwei Minuten die Klappe halten k�nntet, w�r alles gekl�rt.
Liebe Helli, du solltest daraus keine gro�e Sache machen.
Ich lebe nicht ausschweifend.
Ich habe gro�en Widerwillen, mich von R�cksicht
auf die Fantasie einiger Spie�er beeinflussen zu lassen.
Ich wohne und esse im Hotel.
Hauptmann ist in einer Villa halb auf dem Berg.
Die Neher soll in Nizza sein.
Lass Steff nicht zu lang in der Sonne.
Und rauch keine Zigaretten.
Du hast wohl massenhaft Zeit, dir die Pfeifen herzurichten.
Ich kann es nicht ertragen. - Liebes, nat�rlich hat die Frau ...
Die Frau? - ... Vorrang.
Leider, meine Liebe, zumindest nach au�en hin.
Der Mensch muss verr�ckt werden vor lauter Schererei.
(ironisch:) Ja, Scherereien ... Das ist gut.
(ernst:) Was hast du dir ausgesucht?
Dieses dreckige Fr�chtchen ist also deine Eroberung,
deine "Sch�nheit von Soho".
(Lebhafte Musik) # Komm heraus, du Sch�nheit von Soho.
# Zeig doch mir mal deine h�bschen Beine.
# Meinst du mich?
# Ich m�chte auch mal was Sch�nes sehen.
# Denn so sch�n wie du gibt es doch keine.
Du Dreckhaufen. - Selber Dreckhaufen.
# Du sollst auf meinen Mack solch einen Eindruck machen.
# Soll ich das, soll ich das? - # Da muss ich aber wirklich lachen.
# Musst du das? Musst du das? - # Ah, es w�re ja gelacht,
# So, das w�r also gelacht? # wenn sich Mack aus dir was macht.
- # Wenn sich Mack aus mir was macht.
# Mit so einer befasst sich sowieso keiner.
# Na, das werden wir ja sehen. - # Ja, das werden wir schon sehen.
# Hurra, hurra. (Sie schreit lauthals.)
(Romantische Musik)
(beide:) # Mackie und ich, wir lebten wie die Tauben.
# Er liebt nur mich, das lass ich mir nicht rauben.
# Da muss ich schon so frei sein, das kann doch nicht vorbei sein,
# wenn da so 'n Mistviech auftaucht.
# L�cherlich.
L�cherlich. Helli.
Ich wei� ...
Ich bin zu weich, vermeide Entschl�sse
und bin unf�hig, Beziehungen von mir aus abzubrechen.
Diese Weibergeschichten sind f�r mich untragbar.
Ich schreibe dir statt zu sprechen, das ist leichter.
Das ist eben so. Meine Frau hat auch mehrere Freunde.
Sie sagt, weil sie sich mit Frauen so schlecht vertr�gt.
Aber vielleicht ist das so, weil sie stets einige Freunde hat.
Meine Frau hat auch einen Freund. Wir beide wissen, wer's ist.
(Weill lacht.)
Vielleicht f�hlt sie sich vernach- l�ssigt mit den Geschichten. - Bidi!
Orge sagte, der liebste Ort auf Erden war der Abort.
Dies sei ein Ort, wo man zufrieden ist,
dass dr�ber Sterne sind und drunter Mist.
Ein Ort der Weisheit, wo du deinen Wanst
f�r neue L�ste pr�parieren kannst.
Von der Nero-Film.
Sie nehmen zur Kenntnis,
dass du nicht auf deine Autorenschaft verzichtest
und schlie�en dich von der Mitarbeit aus.
Ich geh vor Gericht. - Ich werde auch klagen.
Wegen der Musik. Ich prozessiere, um aus der Filmherstellung
kunstsch�dliche Methoden herauszuhalten.
Die Filmfirma hat 800.000 Mark investiert.
Dagegen stehen euer Vertrag und euer Recht.
Ratet mal, wer sich da durchsetzt.
Genau diese Widerspr�che machen wir wahrnehmbar.
Die Widerspr�che sind die Hoffnung.
Wenn wir verlieren?
Wird sichtbar, dass sie ihre Ideologie au�er Kraft setzen.
Der Prozess muss etwas �ber die Wirklichkeit aussagen.
�ber die Justiz, die Presse, die Kunst produzierende Industrie.
Diese Kr�fte sind sonst schwer zu engagieren.
Eine geniale Idee.
Ein Dichter inszeniert die Gesellschaft seiner Zeit.
Das hat noch keiner gemacht.
Wir nennen es soziologisches Experiment.
(Applaus, aufgebrachtes Stimmengewirr)
Vielen Dank. (Jubelrufe)
(Richterhammer)
Lassen Sie bitte den Prozess- beteiligten Bewegungsfreiheit.
Der Kl�ger Bertolt Brecht beantragt,
die beklagte Nero-Film zu verurteilen, es zu unterlassen,
die Verfilmung der Dreigroschenoper vorzunehmen,
wenn nicht das Drehbuch vom Kl�ger geliefert ist.
Es ist mein Recht und meine Pflicht, mein Werk zu sch�tzen.
Den Inhalt, den Stil und den Titel.
Inwieweit ist ein Werk, das einer Firma �bergeben wird, zu sch�tzen?
Herr Brecht wollte, anders als in der Dreigroschenoper
dem Film eine politische Tendenz geben, die wir, neben Zensurbedenken,
mit R�cksicht auf unsere Stellung als politisch neutrale Firma
nicht zulassen durften.
Ich wollte verhindern, dass das Werk
die stoffliche Grundlage f�r Schund ist.
Sie wollten weder auf das Kapital noch auf die Zensur R�cksicht nehmen.
Die Firmenpleite sei Ihnen gleichg�ltig - inakzeptabel!
Der Film wendet sich an ein Publikum,
das tiefe, philosophische Gedankeng�nge nicht versteht.
Darum geht's mir nicht, sondern um die Wirklichkeit.
Philosophie und Studium der wirklichen Welt
verhalten sich zueinander wie Onanie und Geschlechtsliebe.
(Lachen, Applaus)
(Richterhammer)
Wir kommen nicht umhin, das B�hnenwerk selbst zu begutachten.
Ich setze einen Lokaltermin im Theater am Schiffbauerdamm an.
# H�rt die Stimme, die um Mitleid ruft.
# Macheath liegt nicht unterm Hagedorn, nein, in einer Gruft.
# Hierher verschlug ihn des Geschickes Zorn.
# Gott geb, dass ihr sein letztes Wort h�rt.
# Dicke Mauern schlie�en ihn ein.
# Fragt ihr gar nicht, wo er sei? ... Steht ihm doch bei.
# Wollt ihr, dass seine Marter ewig w�hrt?
Ein ganzes Leben ...
(beide:) hab ich dir alles von den Augen abgelesen.
Drei Jahre in Indien. George und Jim waren dabei.
F�nf Jahre in London. Und das ist der Dank?
Hier h�ngt Macheath, der keine Laus gekr�nkt.
Ein falscher Freund hat ihn am Bein gekriegt.
An einen klafterlangen Strick geh�ngt,
sp�rt er am Hals, wie schwer sein Hintern wiegt.
(bedr�ckt:) Mack, wenn du mir so kommst ...
Wer meine Ehre angreift ...
Deine Ehre! - Ja, meine Ehre!
Verehrtes Gericht, die Drei- groschenoper ist kein Originalwerk,
sondern eine Bearbeitung der "Beggar's Opera".
Die Verse des Herrn Macheath, die Sie gerade geh�rt haben,
stammen nicht von Brecht,
sondern von Francois Villon in der �bersetzung von Ammer.
Und wenn schon.
Heute r�hmen sich viele, allein gro�e B�cher verfasst zu haben.
Mit k�mmerlichem Material errichten sie ihre H�tten.
Gr��ere Geb�ude kennen sie nicht
als solche, die ein Einziger zu bauen imstande ist.
Sehr sch�n formuliert, Herr Brecht. Aber Sie haben bei Ammer geklaut.
Und als der Diebstahl bekannt wurde, sagten Sie:
"Ich hab die Erw�hnung des Namens vergessen."
"Und dies erkl�re ich mit meiner Laxheit
in Fragen des geistigen Eigentums."
"Geistiges Eigentum ist eine Sache, die zu Schreberg�rtchen geh�rt."
(Gel�chter)
Ich stehe mit Ammer im Einvernehmen.
�ber Eigentumsrechte zu diskutieren, lehne ich ab.
Das Urheberrecht ist mittelalterlich und �berholt.
Es geht mir nicht um mein Eigentum, sondern um das Recht des Zuschauers,
dass ihm ein Werk intakt �bergeben wird.
Ich habe kein Bed�rfnis, dass ein Gedanke von mir bleibt,
ich m�chte aber, dass alles aufgegessen wird.
Umgesetzt, aufgebraucht.
Ich biete an, dass Sie die Beggar's Opera als Grundlage nehmen,
mit unseren Songs.
Sie d�rfen es dann aber nicht "Die Dreigroschenoper" nennen.
(Richter:) Ruhe. Ruhe!
Wir haben die Dreigroschenoper aber mit dem Titel erworben.
Dieses B�hnenst�ck ... - Bitte fahren Sie fort.
Wir wollen die Leute nicht warten lassen.
Meine Damen und Herren,
Sie sehen den untergehenden Vertreter des untergehenden Standes.
Wir kleinen b�rgerlichen Handwerker, die mit dem biederen Brecheisen
an den Nickelkassen der kleinen Ladenbesitzer arbeiten,
werden von den Gro�unternehmern verschlungen,
hinter denen die Banken stehen.
Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie?
(Applaus, Jubel)
Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gr�ndung einer Bank?
Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?
Stopp! Diese S�tze waren in der Urauff�hrung nicht dabei,
sie geh�ren nicht zum St�ck. - Aber diese Worte sind die Zukunft.
Ungeheuerlich. - Ich als ehemaliger Stra�enr�uber
und werdender Bankier wei�, wovon ich rede.
(Gel�chter)
Es hat keinen Sinn, mit diesen Herren �ber Kunst zu diskutieren.
(Jubel, Applaus)
(Richter:) Ruhe!
Ruhe!
Ver�ndern geh�rt zu Brechts Arbeitsprozess.
Das macht er bei all seinen Werken.
Diese S�tze hat er nach der Urauff�hrung in die Oper genommen
und sie geh�ren fortan dazu.
Ich bitte jetzt den Schluss zu zeigen und bitte keine Unterbrechung.
Die Hinrichtung.
(Chor:) # Horch, wer kommt. Des K�nigs reitender Bote.
# Horch, wer kommt. Des K�nigs reitender Bote.
# Des K�nigs reitender Bote kommt.
(Dreimaliger Tusch)
# Anl�sslich ihrer K-K-Kr�nung
# befiehlt die K-K-K�nigin ...
(Dreimaliger Tusch)
# dass der K�pt'n Macheath sofort freigelassen wird.
(Dreimaliger Tusch)
# Gerettet!
# Gerettet! (Lebhafte Musik)
# Ja, ich wusste es. Ja, ich wusste es.
# Wenn die Not am h�chsten,
# ist die Rettung am n�chsten.
Alles braucht �nderungen, auch der Schluss.
Das Publikum hat's verstanden und war begeistert.
Das Gericht wurde zur B�hne,
die Richter und Anw�lte zu Schauspielkollegen.
Wie der Prozess auch ausgeht,
wir machen den Film ohne die Firma weiter.
Wir sind bei der Bank�bernahme. Die Rockefellers, Morgans
alle sind mit Verbrechen zu Reichtum gekommen.
Erst brechen sie ein in die Bank, dann gr�nden sie eine.
Im Film muss diese Wendung eine starke Frau herbeif�hren.
Polly hat der Unbesonnenheit einen Tag vollkommenen Gl�cks verdankt.
Nun wird sie zur besonnenen, n�chternen, tatkr�ftigen Frau.
Unter ihrem Vorsitz wird die �bernahme der National Deposit Bank
auf legalem Weg beschlossen.
Begr�ndung:
Die neue Zeit, Jungens.
Wir werden das Ding schon schmei�en. Erstklassig, was, Jungens?
(Kichern) Ich hab ja nichts zu sagen,
aber ich wei� nicht, ob eine Frau, in einer solchen Zeit ...
Nicht gegen Sie gerichtet, gn�dige Frau.
Du Sauhund f�ngst ja gut an.
Nat�rlich ist das nicht gegen mich gerichtet.
Sonst h�tte schon l�ngst einer dieser Herren
deine Hosen runtergezogen und deinen Hintern versohlt.
Nicht wahr, meine Herren?
Bravo, Frau K�pt'n wei� das rechte Wort zu finden.
Hoch Polly! - Hoch!
W�hrend die �bernahme der Bank beschlossen wird,
weilt die betrunkene Frau Peachum bei den Blindenhunden und Sam,
der an einem Zigarrenstumpen kaut,
den er vor Jahren aus einem Rinnstein gefischt hat.
Peachum hat recht, ich hab nicht mehr zu bieten,
als dass mir der Fu� fehlt.
Da wird doch ganz anderes geboten.
Ich hab keine Talente.
Weniger als ein Huhn Z�hne im Mund hat.
Ich suche etwas, um mich unentbehrlich zu machen.
Es m�sste etwas sein, dass es hei�t:
"Wo ist Sam? Er muss sofort kommen. Es geht nicht ohne ihn."
"Gott sei Dank, da ist er."
(Spannungsgeladene Musik)
Ich fordere die Freilassung von Macheath,
der neue Besitzer der National Deposit Bank.
Dann k�me in den Armendistrikten eine Agitation gegen die Polizei in Gang,
mit unliebsamen Zwischenf�llen bei Ankunft der K�nigin.
Die Polizei ist zu schwach gegen das Elend, das zu gro� ist.
Dann ist es unsere Aufgabe, etwas gegen das Elend zu unternehmen.
Nun? - Wir werden die Polizei verst�rken.
Mhm.
Das Spiel mit dem Feuer.
Einflussreiche Kr�fte haben die Polizei gewarnt,
sich unseren Forderungen zu unterwerfen.
Die Freilassung des Bankiers Macheath
ist noch in den Abendstunden zu erwarten.
Abmarsch der Truppen zur Spalierbildung.
Du, Sam, kommst mit.
Abmarsch der �rmsten der Armen.
(Bewegte Musik)
Du bist ein Genie, Peachum.
Aber gehe nicht zu weit.
Du willst das Elend anrufen.
Bedenke aber, dass das Elend sehr gro� ist.
Ich werde ihnen sagen, es sei Zeit, abzurechnen.
Aber mit wem werden sie abrechnen?
Kannst du erreichen, dass sie nicht auch mit uns abrechnen?
Das m�sste man �berlegen.
Gewiss, ich lebe von Drohungen.
Aber ich habe ein wenig zu stark gedroht diesmal.
Das kann mir den Hals kosten.
Nur die Polizei ist meine Zuversicht.
Aber wird sie zeitig genug sein?
In dieser Nacht der Erwartung
geht der Polizeipr�sident unruhig die Stra�en ab,
die morgen beim Kr�nungszug ein Ort der Freude werden sollen.
Unter der Br�cke erblickt er dunkle, formlose Haufen. Das nackte Elend.
Darunter der einbeinige Sam, der schon bald zu tr�umen beginnt.
Weil niemand einen Tr�umer davon abhalten kann,
siegen zu wollen, tr�umt er, dass sich alles von Grund auf �ndert.
Die Gemeinheit verliert ihren hohen Ruhm.
Das N�tzliche wird ber�hmt.
Die Dummheit verliert ihre Vorrechte.
Mit der Rohheit macht man keine Gesch�fte mehr.
(melancholisch:) # Als ich dich in meinem Leib trug,
# war es um uns gar nicht gut bestellt.
# Und ich sagte oft: "Der, den ich trage,
# kommt in eine schlechte Welt."
# Und ich nahm mir vor, zu sorgen,
# dass er sich da etwa auch nicht irrt.
# Den ich trage, der muss sorgen helfen,
# dass sie endlich besser wird.
# Und ich sah Brot hinter Fenstern,
# und es war den Hungrigen verwehrt.
# Den ich trage, sagt ich, der wird sorgen,
# dass ihn dieses Brot da n�hrt.
# Als ich dich in meinem ...
(M�nnergesang:) # Die Reihen fest geschlossen,
# SA marschiert mit ruhig festem Schritt.
(Aufgebrachtes Stimmengewirr)
# Der Schl�chter ruft, die Augen fest geschlossen.
# Das Kalb marschiert mit ruhig festem Tritt.
# Die K�lber, deren Blut im Schlachthaus schon geflossen,
# marschieren im Geist
# in seinen Reihen mit.
Das sind keine K�lber, das sind Schl�chter.
Irregef�hrte, um die man sich nicht gek�mmert hat.
Wenn das Kalb vernachl�ssigt ist,
dr�ngt es zu jeder schmeichelnden Hand.
Auch der Hand seines Metzgers.
Wir sind es, die geschlachtet werden, Bidi.
Viele Theater spielen uns schon nicht mehr. Es wird immer bedrohlicher.
Bei Weill lag ein Zettel im Briefkasten:
"Was hat ein Jude wie du hier zu suchen?"
Bidi hat man den Besuch von f�nf SA-M�nnern angek�ndigt.
Sie tragen ein Kreuz voran, auf blutroten Flaggen.
Das hat f�r den armen Mann einen Haken.
Diese Widerspr�che m�ssen wir sichtbar machen.
In Kunst und Wirklichkeit.
Urteil des Landgerichts I, Berlin: Es wird f�r Recht erkannt.
Der Kl�ger wird abgewiesen und hat die entstandenen Kosten zu tragen.
(Buhrufe) (Richter:) Ruhe!
Entscheidungsgr�nde: Die Beklagte hat sich um Stilwahrung bem�ht.
Der Verfasser muss �nderungen seines Werkes gestatten.
Da nicht dargelegt ist, dass die �nderungen dieses Ma� �bersteigen,
ist der Anspruch des Kl�gers nicht begr�ndet, die Klage war abzuweisen.
(Buhrufe, Applaus)
(Lautlos)
Wie bewerten Sie das Urteil?
Der Prozess sollte zeigen, dass es unm�glich ist,
mit dem Industriefilm zusammenzuarbeiten.
Dieses Ziel ist erreicht worden, weil wir den Prozess verloren haben.
Auf der einen Seite 800.000 Mark,
auf der anderen ein K�nstler, der um das Ideelle k�mpft.
Ist dieses Urteil ein Zeitdokument?
Es zeigt, wie weit die Umschmelzung geistiger Werte
in Waren fortgeschritten ist.
Sie haben gelernt, dass das, was Sie in einem Tonfilm sehen,
als Ware in einer nur aus Waren bestehenden Welt hergestellt wurde.
Kurt Weill hat seinen Prozess gewonnen.
Wollen Sie einen Vergleich anstreben?
F�r weitere Instanzen ist nicht Recht, sondern Geld haben n�tig.
Der Vergleich erlaubt mir in Zukunft, meinen,
also DEN Dreigroschenfilm zu machen. - Vielen Dank.
Um Ihr Expose ist eine Diskussion entbrannt.
Der Schluss ist v�llig anders als in der Oper.
Wie endet Ihr Dreigroschenfilm?
Nachdem der Polizeipr�sident unter der Br�cke das Elend erblickte,
hat er gegen Morgen einen Traum.
Es bewegt sich etwas, dass sich schnell ausbreitet.
Die B�schung herauf auf die Br�cke.
Da ist das Elend. Es formiert sich.
In breiter Welle marschiert es auf die schlummernde Stadt zu.
(rhythmisch:) # Meine Herren, Sie sehen mich Gl�ser abwaschen,
# ich mache das Bett f�r jeden.
# Sie geben mir einen Penny, ich bedanke mich schnell.
# Sie sehen dies lumpige Hotel, und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.
(gesprochen:) # Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.
(rhythmisch:) # Eines Abends wird ein Geschrei sein
# und man fragt, was das ist.
# Und man wird mich l�cheln sehn bei meinen Gl�sern.
(gesprochen:) # Und man sagt: "Was l�chelt die dabei?"
(getragen:) # Und ein Schiff
# mit acht Segeln
# und mit f�nfzig Kanonen
# wird liegen am Kai.
(rhythmisch:) # Man sagt: "Geh, wisch deine Gl�ser, mein Kind",
# und man reicht mir den Penny hin.
# Der Penny wird genommen, das Bett wird gemacht,
# es wird keiner drin wohnen in dieser Nacht.
(gesprochen:) # Und sie wissen immer NOCH nicht, wer ich bin.
# Und sie wissen IMMER noch nicht, wer ich bin.
(rhythmisch:) # Eines Abends wird ein Get�s sein
# und man fragt: "Was ist das f�r ein Get�s'?"
# Und man wird mich stehen sehen hinterm Fenster.
(gesprochen:) # Und man sagt: "Was l�chelt die SO b�s?"
(getragen:) # Und das Schiff
# mit acht Segeln
# und mit f�nfzig Kanonen
# wird beschie�en die Stadt.
(rhythmisch:) # Und es werden kommen 100 gen Mittag an Land
# und werden in den Schatten treten,
# und fangen einen jeglichen vor jeglicher T�r,
# und legen ihn in Ketten und bringen ihn vor mir
# und fragen: "Welchen sollen wir t�ten?"
(gesprochen:) # Und fragen: "Welchen sollen wir t�ten?"
(mit zarter Stimme:) # Und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen,
# wenn man fragt, wer wohl sterben muss.
# Und dann werden sie mich sagen h�ren:
(zynisch:) "Alle."
# Und wenn dann der Kopf f�llt,
# sag ich:
(erstaunt:) "Hoppla!"
Solche Tr�ume haben Folgen.
Der Polizeipr�sident beschlie�t, seinen Freund Macheath zu opfern.
Er begegnet Herrn Peachum,
der von seiner Frau gewarnt wurde, das Elend anzurufen.
Sie werden kommen aus den Slums.
Aber �ber wen alles werden sie kommen?
Man wird Herrn Macheath h�ngen,
den Polizeipr�sidenten lynchen,
die K�nigin ... - Gott wei�, was.
Wird man uns schonen? Was wird sein, wenn sie kommen?
Vielleicht w�re das wirklich nicht ganz angenehm.
Die beiden erkennen ...
(beide:) Wir haben den gleichen Feind.
Die Leute unter der Br�cke. - (beide:) Das Elend selber.
(Peachum:) Und Herr Macheath?
Erkennt, dass er als R�uber ein untergehender Vertreter
eines untergehenden Standes ist und wechselt ins Bankfach.
Die �bernahme der National Deposit Bank durch die Macheath-Platte
verweist auf Sie, geehrte Nachgeborene.
Ich habe hierzu einen Text geschrieben.
Die Musik muss von Ihnen komponiert werden.
Die �bernahme der Bank
l�sst sich am besten durch ein Bild vergegenw�rtigen.
(rhythmisch:) # Nicht wahr, eine Bank zu gr�nden
# muss doch jeder richtig finden.
# Kann man schon sein Geld nicht erben, muss man's irgendwie erwerben.
# Dazu sind doch Aktien besser als Revolver oder Messer.
(dissonante Trompetenmusik)
(Im Kanon in verschiedenen Stimm- lagen:) # Nur das eine ist fatal,
# man braucht Anfangskapital.
(Gef�hlvolles Trompetenspiel)
(gleichzeitig:) # Wenn die Gelder aber fehlen,
# woher nehmen, wenn nicht stehlen?
# Ach, wir wollen uns da nicht zanken.
# Woher haben's die andern Banken?
# Irgendwoher ist's gekommen.
# Irgendwem haben sie's genommen.
(Belebte Trompetenmusik)
# Irgendwem haben sie's genommen.
Die reitenden Boten der National Deposit Bank schaffen,
gesch�tzt von der Polizei, die Kaution f�r den Helden herbei.
Du siehst aus wie 'n ausgenommener Hering.
Seit der K�pt'n weg ist, muss ich die Damen schw�ngern.
Man muss eine Rossnatur haben.
Eine nach erbittertem Kampf geeinigte Gesellschaft
begr��t in ihrer Mitte den Bankier Macheath.
Gerettet.
Wo die Not am gr��ten,
ist die Rettung am n�chsten.
Gerettet. Mein lieber Mackie ist gerettet, ich bin sehr gl�cklich.
Herr Macheath,
ich will nicht sagen, dass ich der Ehe meiner Tochter mit Ihnen stets
gleich positiv gegen�bergestanden habe.
Wirklich �berzeugt war ich erst, als ich einen Blick
auf ihre praktische T�tigkeit warf.
(fl�stert:) Sie werden was zusammenfaseln von Korruption
und wom�glich andeuten,
dass der Staatsekret�r einige 1.000 bekommen hat.
Immer hacken sie auf uns herum,
weil wir angeblich die Gesetze nicht beachten.
Jackie, um uns unbel�stigt zu lassen,
braucht es keine Rechtsbeugung. Die Rechtsanwendung gen�gt.
Diese Gerichtsmaschinerie ist ausgezeichnet.
Absolut zweckdienlich.
Wenn sie verst�ndig in Betrieb genommen ist,
kr�mmt sie keinem von uns ein Haar.
Meiner Meinung nach haben wir nicht die richtigen Leute
an der Spitze des Staates.
Die geh�ren alle irgendwelchen Parteien an.
Parteien sind selbsts�chtig.
Wir brauchen M�nner, die �ber den Parteien stehen.
So wie wir, Gesch�ftsleute.
Es muss erreicht werden,
dass die Unternehmer gute Unternehmer
und die Angestellten gute Angestellte, kurz,
dass die Reichen gute Reiche
und die Armen gute Arme sind.
Ich bin �berzeugt, die Zeit einer solchen Staatsf�hrung wird kommen.
Sie wird mich zu ihren Anh�ngern z�hlen.
(Bewegte Musik)
(Radio:) "An die Nachgeborenen."
"Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten."
"Das arglose Wort ist t�richt."
"Eine glatte Stirn deutet auf Unempfindlichkeit hin."
"Der Lachende hat die furchtbare Nachricht
nur noch nicht empfangen."
"Was sind das f�r Zeiten,
wo ein Gespr�ch �ber B�ume fast ein Verbrechen ist,
weil es ein Schweigen �ber so viele Untaten einschlie�t."
"Der dort ruhig �ber die Stra�e geht,
ist wohl nicht mehr erreichbar f�r seine Freunde, die in Not sind."
"Es ist wahr, ich verdiene noch meinen Unterhalt."
"Aber glaubt mir, das ist nur ein Zufall."
"Nichts von dem, was ich tue,
berechtigt mich dazu, mich satt zu essen."
"Zuf�llig bin ich verschont."
"Wenn mein Gl�ck aussetzt, bin ich verloren."
"Ich w�re gerne auch weise."
"In den alten B�chern steht, was weise ist."
"Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
ohne Furcht verbringen."
"Auch ohne Gewalt auskommen,
B�ses mit Gutem vergelten,
seine W�nsche nicht erf�llen, sondern vergessen,
gilt f�r weise."
"Alles das kann ich nicht."
"Wirklich. Ich lebe in finsteren Zeiten."
(Applaus)
Sie haben den Dreigroschenfilm nie selbst gedreht. Warum?
Mein Aufenthalt im Land ist problematisch.
Von Natur unf�hig, mich mitrei�enden Gef�hlen
vertrauensvoll hinzugeben, f�hlte ich mich �berfl�ssig.
Man versprach mir, mich vor dem Volk
in einem eigens dazu eingerichteten Lager zu sch�tzen,
aber ich f�hlte, dass daraus keine wahre Liebe
zu mir und meinesgleichen sprach.
Ich verlie� das Land und begab mich auf Reisen.
Das Chaos war aufgebraucht. Es war die beste Zeit.
Deswegen mussten Sie die Arbeit Ihren Nachgeborenen �berlassen?
Wir sind Vorl�ufige und nach uns wird kommen nichts Nennenswertes.
Aber geehrtes Publikum, bewerten Sie selbst.
Der Geschmack des Puddings erweist sich beim Essen.
Meinen Sie, dass Ihr Werk �berhaupt verstanden wird?
Ich bef�rchte, ich werde in die Literatur eingehen
als Verfasser des Verses:
"Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral."
Sie haben neue Schlussverse f�r die Moritat geschrieben.
K�nnen wir sie h�ren? - Es sind nur Vorschl�ge.
Aber wenn ihr sie annehmt, w�ren wir alle geehrt.
(melodisch:) # Und so kommt zum guten Ende
# alles unter einen Hut.
# Ist das n�tige Geld vorhanden,
# ist das Ende meistens gut.
# Denn die einen
# sind im Dunkeln
# und die andern
# sind im Licht.
# Und man siehet die im Lichte,
# die im Dunkeln sieht man nicht.
# Und man siehet
# die im Lichte,
# die im Dunkeln
# sieht man nicht.
Hoppla!
(Beh�bige Musik)
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