All language subtitles for Die Toten vom Bodensee (20) - Nachtschatten (S03_E05)-1118040434

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Original subtitles

* unheimliche Musik, Windrauschen *

*

* Türschließen, unheilvolle Klänge *

Sasha?

* angespannte Musik *

* Musik wird düsterer. *

* Lichtschalterklicken *

* Knarzen, angespannte Musik *

Sasha?

* leise Klopfgeräusche *

Hallo?

* Knarren *

* Windbrausen, unheimliche Musik *

* erschrockener Laut *

Sasha?

* angespannte Musik *

* Musik steigert sich dramatisch. *

* Schrei *

* düstere Musik, Vogelrufe *

Was, wenn die Gastfamilie total blöd ist?

Dann suchst du dir eben eine andere Gastfamilie.

Und wenn die mich in der Schule alle scheiße finden?

Dich scheiße finden? Das ist unmöglich.

Und wenn ich nach 'nem Monat zurück- will, weil ich's nicht aushalte?

Luna, dann komm ich nach Paris und hol dich ab.

Ich bin schließlich Papa numéro un.

* Zugquietschen *

Hör zu:

Du kannst mich jederzeit anrufen, ja?

Egal, wie klein oder groß das Problem ist.

Wenn der Eiffelturm hässlicher ist, als du ihn dir vorgestellt hast,

will ich das wissen.

Auch wenn dir die Croissants zum Hals raushängen.

Ziemlich unwahrscheinlich. - Wart's mal ab.

Du schaffst das, mein Schatz.

Meld dich, sobald du angekommen bist.

* Zugpiepsen *

* nachdenkliche Musik *

* Handyklingeln *

* wiederholtes Klingeln *

Hast du doch was vergessen, Süße?

Hoffmann?

Ja, sorry.

Was gibt's?

* sanfte Musik *

Ja, ist gut, ich sag Komlatschek Bescheid.

Danke.

* nachdenkliche Musik, Bahnhofsdurchsagen *

* Handyvibrieren, Schrecklaut *

* wiederholtes Vibrieren *

* Er stöhnt. *

* Stöhnen *

(seufzt:) Komlatschek?

Was?

Die Villa Berg, die ... die Jagdvilla.

(seufzt:) Gut, ich mach mich auf den Weg.

* düstere Musik *

* unheilvoll pochende Musik *

* klimpernde Klänge, spannungsvolle Musik *

* Musik wird unheilvoller. *

* Musik verklingt. *

Komlatschek?

Wie sind Sie so schnell hergekommen?

Ähm ... ich wohn hier gleich ums Eck.

Ähm ... das Opfer ist Sasha Fetscher.

Sasha Fetscher?

Wie in "Die mysteriösen Fälle der Kommissarin Alberti"?

Genau der.

Klärt mich mal jemand auf, bitte?

Sasha Fetscher ist ein Krimiautor, der dafür bekannt ist,

echte Mordfälle in seinen Romanen zu verarbeiten.

Ich hab einen der Romane zu Weihnachten geschenkt bekommen.

Ich hab am Anfang gedacht, Sasha Fetscher wäre eine Frau.

Ja, die Bücher sind exzellent geschrieben.

Und erstklassig recherchiert.

Voll spannend bis zum Schluss. - Total.

Sollen wir "Kumbaya" singen oder uns den Toten anschauen?

Wo ist er?

* Komlatschek seufzt. *

Hallo.

Morgen, Egger.

Ah! Morgen.

Lassen Sie mal hören.

Also, 31,4 Grad Körpertemperatur.

Heißt, er ist seit circa Pi mal Daumen acht Stunden tot.

Also gegen Mitternacht.

Geisterstunde.

Ha, das passt ja irgendwie.

Todesursache? - Ja, ein Stich direkt ins Herz.

Aber eins ist komisch.

Bei so einer Wunde kommt's normalerweise

zu viel größerem Blutverlust, als es hier der Fall zu sein scheint.

Und das bedeutet? - Erst mal gar nichts.

Vielleicht hat er ja eine Gerinnungsstörung.

Was ist mit der Tatwaffe?

Die ist unter dem Bett gelegen.

Und wer hat ihn gefunden?

Seine Frau. Die sitzt unten im Salon.

Mhm.

Das ist ein Riesenbunker. Wohnen die Fetschers hier alleine?

Fast. Also die Verwalterin und ihre Tochter wohnen auch im Haus.

* leises Klavierklimpern *

* traurige Klavierklänge *

Frau Fetscher?

Hoffmann, Kripo Bregenz.

* Hoffmann seufzt. *

Können Sie mir beschreiben,

wie Sie Ihren Mann gestern Abend gefunden haben?

Ich ...

* unheimliche Musik *

Ich bin aufgewacht, weil ich ein Geräusch gehört habe.

* ängstliche Laute *

Ich wollte nachsehen, woher es kommt.

Sie und Ihr Mann haben nicht im gleichen Zimmer geschlafen?

Sasha schnarcht.

Vor allem, wenn er was getrunken hat.

Haben Sie Ihren Mann berührt?

* düstere Musik *

Er war warm.

Ich dachte, vielleicht ...

Aber ...

* angespannte Musik *

Sie hatten gestern Abend Besuch?

Ja.

Es war eine Lesung gestern Abend.

Was für eine Lesung?

Eine Benefizveranstaltung für Literaturfans aus der Umgebung.

Sasha hat aus seinem aktuellen Roman vorgelesen.

Wie viele Leute waren denn da?

Eine ganz kleine exklusive Runde.

Ich habe Frau Fetscher ein wenig geholfen, die Lesung vorzubereiten.

Also das Buffet aufzubauen und so weiter.

Haben Sie von den Gästen was mitbekommen?

Nein, nicht wirklich.

Ich hatte noch angeboten, im Anschluss mit aufzuräumen,

aber Frau Fetscher meinte, es genügt, wenn wir das heute machen.

Wann sind Sie gegangen?

Ich war so gegen halb elf im Bett.

Und Sie waren bei Ihrer Mutter? Über Nacht?

Ich höre immer noch Frau Fetscher um Hilfe schreien.

Wann war das?

So um Mitternacht herum.

Ja, Mia und ich sind dann sofort runter,

um nachzuschauen, was passiert ist.

Es war alles total unwirklich. Wie in einem Horrorfilm.

Was meinen Sie?

Alles war stockfinster, das Licht ging nicht.

Die Hauptsicherung war rausgesprungen.

Kommt das öfter vor?

Nein, die Elektrik im Haus ist tipptopp, da achte ich drauf.

Es sind schon zu viele alte Holzhäuser abgebrannt.

Jeder Teilnehmer zahlt eine Spende an eine Organisation,

die sich um Gewaltopfer kümmert.

Und dafür bekommt jeder Teilnehmer

einen exklusiven Abend mit Sasha Fetscher.

Und ein geselliges Salongespräch.

An dem Ort, wo sein nächster Roman entsteht.

Die Leute lieben so was.

* angespannte Musik *

Sie haben die Jagdvilla gemietet?

Ähm ... Sasha hat Villa Berg letztes Jahr gekauft.

Er war fasziniert von ihrer bewegten Geschichte.

Ist gestern Abend irgendetwas Ungewöhnliches passiert?

Kein Streit?

Kein ... aufdringlicher Fan?

Sasha hat die ... Fetschermeute immer unter Kontrolle gehabt.

Das ist sein Begriff, nicht meiner.

Sasha hat ein unglaubliches Charisma.

Da, wo er ist, ist das Licht.

Alle haben ihn geliebt.

Bis wann ging die Lesung gestern Abend?

Bis zehn, halb elf.

Ich wollte eigentlich noch aufräumen, aber ich war dann zu müde

und bin gleich ins Bett gegangen.

Wann war das? - Um elf.

* düstere Musik *

Danke erst mal.

Und ich muss Sie bitten, Ihren Morgenmantel den Kollegen zu geben.

* angespannte Musik *

* Musik wird intensiver. *

Wie ist Ihre Beziehung zu den Fetschers, kommen Sie gut klar?

Als die beiden die Villa Berg von der Gemeinde gekauft haben,

hatte Mama Schiss, dass sie von denen rausgeschmissen wird.

Haben sie nicht getan.

Ich dachte, dass sie die Villa sanieren wollen

und keine Verwalterin brauchen.

Aber Herr Fetscher wollte, dass alles so bleibt, wie's ist.

Für die Sanierung war kein Geld da?

Er sagte, er kann dem Haus seine dunklen Geheimnisse

nur entlocken, wenn er so wenig wie möglich verändert.

Welche dunklen Geheimnisse?

In den letzten 200 Jahren sind viele Bewohner

unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen.

Wie wahrscheinlich in vielen alten Häusern.

Ja, aber ehemalige Bewohner haben immer wieder

von unheimlichen Erscheinungen berichtet.

Auch soll hier oben ein Poltergeist sein Unwesen treiben.

Also das Einzige, was hier poltert,

sind vielleicht die alten Steigleitungen.

Brauchen Sie mich noch? Ich muss in die Firma.

Nein, wenn wir noch Fragen haben, melden wir uns. Vielen Dank.

Okay.

Gibt's eine Kamera am Eingang

und werden die Aufnahmen gespeichert?

Ja, gibt es. Ich kann Ihnen eine Kopie machen.

Das wäre toll, danke.

* angespannte Musik *

Mon dieu.

* unheilvolle Musik *

Ja, das Labor hat das Messer untersucht,

sind keinerlei brauchbare Fingerabdrücke.

Aber Sasha Fetscher heißt eigentlich Sigismund Fetscher.

Sasha war sein Künstlername.

Sigismund hat sich nicht so gut verkauft?

Er hat nicht nur seinen Namen geändert, sondern auch seinen Look.

Vom Hipster-Journalisten zum Tweedjacken-Autor.

Der hat den düsteren Schuppen aus Imagegründen gekauft.

Jede Wette.

Oder er hat sich in das Haus verliebt,

weil es mitten in der Natur steht und Charme hat.

Oder so.

Die Villa Berg steht ja bei den Freunden von "Bodensee spukt"

ganz oben auf der Liste der verfluchten Orte.

Ja, schon gehört. Weil da ein Poltergeist poltert?

Ja, und Jungfrauen in den Tod stürzen

und Kutscher blutüberströmt gefunden werden

und Gärtner auf mysteriöse Art und Weise verschwinden.

Klingt nach 'ner Menge Stoff für den nächsten Fetscher-Krimi.

Oder nach Gruselquatsch, um die Verkaufszahlen anzukurbeln.

Ah ja, die Spurensicherung

hat den Schuldigen für den Stromausfall gefunden.

Eine tote Maus im Verteilerkasten.

Und was ist mit den Gästen?

Ich habe alle Namen durch den Computer gejagt. Nichts.

Also bis auf den Besitzer der Buchhandlung.

28 unbezahlte Strafzettel.

Parken in der Ladezone.

Die meisten Gäste sind zwischen zehn und halb elf gegangen.

Bis auf drei. Die sind länger geblieben.

Hier.

Das ist Anselm Zibros, Chef von Zibros Pharma.

Hier.

Oxana Domröse.

Ist die Verlegerin von Fetscher.

Und ...

Aus die Maus.

Das ist Marlene Renner.

Ja, die war um Viertel vor zwölf auf jeden Fall noch anwesend.

Die stellvertretende Leiterin der Landesbibliothek in Bregenz.

* Motorengeräusche *

* treibende Musik *

Hallo, guten Tag. Oberländer, Kripo.

Meine Kollegin, Frau Hoffmann.

Wo finden wir denn Frau Renner? - Im Kuppelsaal.

Danke. - Bitte.

* Sie flüstern. *

Frau Renner?

* angespannte Musik *

Wie kann ich Ihnen helfen?

Entschuldigung. Sie sind Marlene Renner?

Stellen Sie sich vor, sogar Magistra.

Meine Mutter war eine glühende Marlene Dietrich-Verehrerin.

Waren Sie gestern Abend bei der Lesung von Sasha Fetscher

in der Villa Berg?

Bei dem Krimiautor? - Genau.

Nein, ich mag keine Krimis.

Ist mir viel zu blutrünstig.

Ich habe gestern Abend mit meiner Frau zusammen gekocht

und dann haben wir unseren Weihnachtsurlaub geplant.

Zum Tango-Tanzen nach Finnland.

Das klingt wunderbar.

Sagen Sie, haben Sie diese Frau schon mal gesehen?

Bedauere.

* Handyklingeln *

Entschuldigung, da muss ich leider rangehen.

Luna, bist du gut angekommen?

Wieso woll'n ma das denn wissen?

* Hoffmann seufzt. *

Ja, das klingt doch toll.

Und die Gastfamilie megablöd?

(lacht:) Habe ich doch gesagt.

Du und wie ...

Jetzt?

Vielleicht können wir ja später noch telefonieren.

Ja, ich hab dich ...

.. auch lieb.

Tochter heil in Paris angekommen? - Ja.

- Was ist mit der Spende?

Um an der Lesung teilzunehmen.

- Sie hat nicht gespendet. - Aha.

- Na, hoffentlich kommen wir mit dem Foto weiter.

Vielleicht haben wir Glück

und sie ist schon mal aktenkundig geworden.

- Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ich werde ihr Bild mal durch den Computer jagen.

Oder auch nicht.

Ich weiß, wo die Dame wohnt.

Zumindest bis heute in der Früh. - Sie kennen sie?

- Ich habe sie auf dem Campingplatz ein paarmal gesehen.

- Was für ein Campingplatz?

- Der, auf dem ich wohne.

Komlatschek wohnt auf einem Campingplatz.

Wussten Sie das? - Was?

- Brauchen Sie noch ein bisschen

oder soll ich Ihnen die Adresse geben?

- Bitte die Adresse.

Bodenseeweg 24 in Lauterach.

Campingplatz?

* spannungsvolle Musik, Gezwitscher *

Unsere angebliche Bibliothekarin heißt Henriette Trautschke.

Sie hat hier einen Stellplatz für ihr Wohnmobil gemietet.

Reihe 23/07.

Ich habe hier oft genug in meinem Bus übernachtet.

Aber Komlatschek?

Mit Chemotoilette und Dosenravioli?

Hat er gesagt.

Dass ich das noch erleben darf.

23/07? - Mhm.

Das wäre hier.

* angespannte Musik, Vogelgezwitscher *

Frau Trautschke?

Polizei!

* entferntes Stimmengewirr *

Ist niemand da.

* Sie seufzt. *

* entfernte Kinderstimmen *

* spannungsvolle Musik *

* angeekelter Laut *

* pochende Musik *

Frau Trautschke, das ist ja ein Zufall.

* treibende Musik *

Hey!

Bleiben Sie stehen, Frau Trautschke!

* entferntes Bellen, hektisches Atmen *

(atemlos:) Scheiße!

* treibende Musik *

* schweres Atmen *

Warum sind Sie weggerannt, Frau Trautschke?

Die sind da gestanden mit was Blutigem in der Hand.

Ich hab Angst gekriegt.

Ich hab nichts getan, wirklich.

Unser Labor hat das Blut auf dem Nachthemd untersucht.

Das stammt von Herrn Fetscher.

Was machen Sie in Bregenz?

Warum haben Sie sich unter falschem Namen auf die Lesung geschlichen?

Das geht Sie gar nichts an.

Das ist Privatsache. - Glauben Sie das wirklich?

Ich war das nicht!

* angespannte Musik *

Der Sasha ...

Er war schon tot, als ich aufgewacht bin.

Ich weiß nicht, wie das Messer in meine Hand gekommen ist.

Das ist die Wahrheit, wirklich.

Interessante Nachbarn haben Sie.

Sie schliefen neben ihm, als er ermordet wurde.

Deshalb schlafe ich immer mit geladener Waffe unterm Kopfkissen.

Der Sasha und ich, wir waren ein Paar.

Verstehe.

Und der falsche Name, damit ...

Damit seine Frau nicht mitkriegt, wer ich wirklich bin.

Sie hat vor ein paar Wochen eine Mail von mir gefunden

und ist komplett ausgerastet.

Hat Sasha verboten, dass er mich noch einmal sieht.

Wir haben uns geliebt.

Als ob das ein Grund wäre, nicht zu töten.

Liebe und Hass liegen ja bekanntermaßen nahe beieinander.

Wohnen Sie deswegen auf dem Campingplatz?

Akute Liquiditätskrise.

Meine Frau hat unsere gemeinsamen Konten geleert.

Sie sagt, es ist größtenteils eh ihr Geld.

Wo sie recht hat, hat sie recht.

Wenn er Sie geliebt hat,

warum hat er dann seine Frau nicht verlassen?

Sasha hat ja wollen.

Aber seine Frau war komplett manipulativ.

Die Bitch hat ihm vorgeweint,

dass sie ihre schriftstellerischen Ambitionen für ihn aufgegeben hat.

Dass sie nur ihn hat, dass sie ohne ihn nicht leben kann.

* Sie seufzt. *

Sie haben sich also auf die Lesung geschmuggelt,

warteten, bis die anderen gegangen sind

und sind geblieben, unbemerkt?

Wie haben Sie das hingekriegt?

Ich habe im Schlafzimmer von Sasha auf ihn gewartet.

Und dann?

Als alle weg waren, ist er zu mir gekommen.

Er hatte eine Flasche Wein dabei.

Wir haben noch ein Glas getrunken, geredet.

Und dann ...

Ja?

Nichts mehr! Dann habe ich einen totalen Filmriss.

Weil Sie völlig betrunken waren?

Nein, ich habe vielleicht ein, zwei Schluck Wein getrunken.

Als ich aufwachte, lag ich neben dem Bett auf dem Boden.

Das Messer in der Hand.

Wie spät war es da?

Ich weiß es nicht.

Mein Kopf hat wahnsinnig gedröhnt.

Warum haben Sie nicht die Polizei gerufen?

Ich war in Panik.

Ich habe gedacht, die Polizei wird denken, dass ich den Sasha ...

Ich rufe den Egger an und frag ihn,

ob er schon das Blut des Toten analysiert hat.

Er soll bitte auch ein Labor bei Frau Trautschke machen.

Nachsehen, ob es irgendwelche Spuren von Betäubungsmitteln bei ihr gibt.

* spannungsvoll-pochende Musik *

Sowohl in der Blutprobe des Opfers, als auch in der von Frau Trautschke

waren Spuren von Mondotoxin.

Mondotoxin?

Nervengift. Wurde ursprünglich in den 70ern als Rodentizid entwickelt.

Sie hatte Glück. Hat offenbar nur eine geringe Dosis zu sich genommen.

Anders sieht's da beim Toten aus.

Bei ihm führte das Toxin zu einer Lähmung der Atemmuskulatur.

Er ist erstickt.

Er war also schon tot,

bevor ihm das Messer ins Herz gerammt wurde?

So sieht's aus.

Deswegen hat die Wunde weniger geblutet.

Das Herz war schon tot.

Kann man Mondotoxin Wein untermischen,

ohne dass man das schmeckt?

Problemlos. Ist völlig geschmacksneutral.

Es gibt nicht viele Gründe,

jemanden zu vergiften und dann noch zu erstechen.

Reine Mordlust?

Oder Hass?

Oder ...

Um die Tat jemand anderem anzuhängen.

* angespannte Musik *

Nach unseren Ermittlungen hatte Ihr Mann nach wie vor eine Affäre.

Sasha hat geschworen, dass er die Affäre beendet hat.

Da hat er Ihnen offenbar etwas vorgemacht.

Ts.

Offenbar?

Sie hatten keine Ahnung?

Nein.

Ich habe mich etwas gewundert, dass eine so junge Frau

stellvertretende Leiterin in der Landesbibliothek ist.

Dass sie Sashas Groupie ist, darauf wäre ich nicht gekommen.

Sie wussten nicht, wie sie aussieht?

Ich kannte ihren Vornamen Henriette aus einer Mail.

Ich hab mich auch noch nett mit ihr unterhalten.

War sie das?

Hat sie meinen Mann ermordet?

Ihr Mann hat eine Flasche Wein mit auf sein Zimmer genommen.

Haben Sie ihm die gegeben?

Wieso sollte ich? Jeder konnte sich selbst bedienen.

Er trank also den gleichen Wein wie alle anderen.

Ich habe nicht darauf geachtet.

Aber vielleicht fragen Sie Frau Lorenzi.

Die hat sich um die Getränke gekümmert.

Wofür ist das wichtig?

* unheilvolle Musik *

Ihr Mann ist nicht an dem Messerstich gestorben.

Er wurde vergiftet.

* bedrohliche Klänge *

Warum schmeißen Sie die weg?

Oh ... Ich kann keine Blumen mehr sehen.

Mein Mann war leidenschaftlicher Hobbygärtner.

Verstehe.

Wussten Sie, dass Herr Fetscher eine Affäre hatte?

Nein.

Muss an der Höhenluft liegen.

Bei meinem Mann habe ich's damals auch nicht gemerkt.

Die sind von gestern Abend. - Okay.

Acht Flaschen. - Ja, kommt hin.

Alles die gleiche Sorte.

Bis auf die hier.

Château Cuvée de Coutras.

Der gute Wein. - Der gute?

Ja. 1000 Euro die Flasche.

Wie bitte?

(lacht:) Hat Herr Fetscher normalerweise für sich behalten.

Ich dachte, die Weinflaschen standen da

und jeder konnte sich bedienen? - Der normale Wein, ja.

Kurz bevor ich ging, bat mich Herr Fetscher,

ihm noch eine Flasche vom guten zu holen.

Hat er gesagt, warum? - Hab nicht gefragt.

Wo war seine Frau zu dem Zeitpunkt?

Die hat ein paar von den Gästen verabschiedet.

Sie hatte keinen Zugriff auf die Flasche?

M-m.

Ich müsste die mitnehmen.

Ja, bitte. Erspart mir den Gang zum Altglas.

Danke.

* angespannte Musik *

Wussten Sie, dass es Weinflaschen für 1000 Euro gibt?

Ich bringe die Kiste in die KTU. Sie können nach Hause fahren.

Auf mich wartet niemand.

Aber es hat auch Vorteile.

Ich kann in Ruhe meine Burger essen.

Ohne dass mir meine Tochter

meine miserable CO2-Bilanz unter die Nase reibt.

Na dann. Guten Appetit.

Danke.

* angespannte Musik *

* treibende Musik *

* Musik verklingt. *

Hi.

Hi.

Liv ist schon im Bett.

War fix und fertig nach letzter Nacht.

Wieder Albträume.

Wieder mit dem Mann.

Sie versteht nicht, was er von ihr wollte.

Was hast du ihr gesagt?

Nichts.

Dass sie sich keine Sorgen machen soll, dass ich ihr Papa bin.

Dass ich aufpasse.

Gut.

Wir müssen es ihr sagen, Luisa.

Auf gar keinen Fall.

Was ist die Alternative?

Sie ist noch viel zu jung. Sie wird das nicht verstehen.

Wann ist sie nicht mehr zu jung?

Zwölf? Vierzehn? Sechzehn?

Was, wenn sie mit zwanzig rausfindet,

dass wir sie über ihren Vater angelogen haben?

Wie soll sie uns je wieder vertrauen? - Sie darf's nie herausfinden.

Liv ist nicht dumm.

Sie merkt, dass was nicht stimmt.

Ich werde nie verstehen, wie du mit so 'nem Typen ...

Hast du ihn geliebt?

* Sie seufzt. *

Liebst du ihn immer noch?

Nein.

Ich liebe dich.

Es ist auch egal, wen du vor mir geliebt hast.

Was nicht egal ist: Dass du denkst, dass das allein dein Problem ist.

Nein, Luisa, das ist nicht nur dein Problem.

Wir hängen da alle mit drin.

Was, wenn er Liv entführt hätte?

Was, wenn er mich umgebracht hätte?

* nachdenkliche Musik *

Und trotzdem willst du so weitermachen?

Ich will Liv nur beschützen.

Ja.

Hat auch sehr gut geklappt.

Ich will dir vertrauen, Luisa.

Aber ich weiß nicht, wie.

Wenn du nicht offen mit mir redest.

* gefühlvolle Musik *

Wenn du Liv und mich immer nur ausschließt.

Essen ist im Kühlschrank.

* melancholische Musik *

* entferntes Schnattern *

* Vogelgezwitscher *

* Musik verklingt. *

* Er seufzt. *

* Handyklingeln *

Mh ... mh!

* wiederholtes Klingeln *

Hey, mein Schatz.

Na, wie war der erste Tag?

Echt?

Da hab ich nicht zu viel versprochen.

Ja, ich ess grad 'nen Burger.

Ja, ich weiß.

Aber sag mal, wie ...

Du musst schon wieder los?

Okay.

Na gut, dann hören wir uns später.

Alles klar. Ciao, Süße.

* Vogelzwitschern *

* angespannte Musik *

* Musik wird intensiver. *

* Klirren, Schritte *

Können Sie nicht schlafen?

* unruhige Musik *

Mein Mann war ein Arschloch.

Er hat mich betrogen.

Willkommen im Klub.

Mein Mann hat mich sitzen lassen, da war Mia acht.

Alles Arschlöcher.

* Einschenkgeräusche *

Wollen wir zur Strafe 'ne Flasche von dem Guten trinken?

Gerne.

Und was wir nicht schaffen, schütten wir in den Abfluss.

Sasha wär stinksauer.

Gut so.

* bedrohlich-pochende Musik *

* entferntes Bellen *

* Knall *

* angstvolles Atmen, flirrende Musik *

* Musik steigert sich unheilvoll. *

* bedrohliche Klänge *

* unheimliches Knarzen, düstere Musik *

* bedrohlich-pochende Musik *

Hh!

Mama! Herzinfarkt.

Was machst du denn hier mitten in der Nacht?

Da war irgendwas. Irgendjemand hatte glühende Augen.

Du hast auch glühende Augen.

Vielleicht hab ich mich geirrt.

Was machst du hier? - Ich konnt nicht schlafen.

Komm, ich mach uns 'nen Tee.

* unheimliche Musik *

* Musik wird bedrohlicher. *

* Musik wird sanfter. *

* Krähenkrächzen *

* Plätschern, Blubbern *

Morgen. - Morgen.

* fernes Klingeln, Büroatmosphäre *

Morgen.

Gleichfalls, ja.

Schlecht geschlafen? - Na, das fragt der Richtige.

Hm?

Danke.

Die dritte Teenager-Techno-Party in dieser Woche.

160 BPM bis um vier Uhr in der Früh.

Den Kiddies gar keine Ansage gemacht?

Natürlich. Hab mit dem Besuch der Streifenkollegen gedroht.

Nichts passiert?

Die Kids haben keinen Respekt und die Streifenkollegen keine Zeit.

* entferntes Klingeln *

Ah ja, der toxikologische Bericht.

* Komlatschek seufzt. *

Nein, Sie haben mir sehr geholfen.

Danke. Wiederhören.

Es war tatsächlich Mondotoxin in einer der Weinflaschen.

Und zwar im Château Cuvée de Coutras.

Den haben wir auch im Weinke- ...

Also meine Frau hat ihn im Weinkeller.

Da kostet die Flasche 1000 Euro.

Die hat Fetscher immer für sich selbst aufgehoben.

Bleibt die Frage, wer die Gelegenheit hatte,

das Gift unbemerkt in die Flasche zu geben.

Ich sprech noch mal mit der Freundin vom Fetscher.

Und mit der Verwalterin. - Ja, ist gut.

Dann telefonieren wir die Gäste ab.

Vielleicht hat wer was mitbekommen.

Mhm.

Ja, trotzdem vielen Dank.

Wiederhören.

* angespannte Musik *

Frau Fetscher kann sich nicht erinnern,

ob ihr Mann den guten Wein mit jemandem geteilt hat.

Der Besitzer der Buchhandlung meinte,

Fetscher sei mit jemandem im Nebenraum verschwunden.

Und er hat eine Flasche Rotwein in der Hand gehabt.

Das hat auch meine Campingplatznachbarin gesehen.

Mit wem ist er im Nebenraum verschwunden?

Mit diesem Herren hier.

Anselm Zibros.

Eigentümer von Zibros Pharma.

* spannungsvolle Musik *

Guten Tag. Oberländer, Kripo, das ist meine Kollegin Frau Hoffmann.

Wo können wir Herrn Zibros finden? - Herr Oberländer?

Frau Lorenzi, arbeiten Sie hier? Meine Kollegin, Frau Hoffmann.

Ich bin Herrn Zibros' persönliche Assistentin.

Trifft sich gut. Ihren Chef wollten wir sprechen.

Herr Zibros ist im Labor. Folgen Sie mir.

Persönliche Assistenz der Geschäftsführung.

Das klingt spannend. - Ist es auch.

Dass ich den Job bekommen habe, war ein absoluter Zufall.

* leises Dröhnen *

Ich habe Herrn Zibros und seine Maklerin

letztes Jahr durch die Jagdvilla geführt.

Wir verstanden wir uns gut und er sagte,

dass er immer nette Leute für sein Team sucht.

Wollte Herr Zibros die Villa Berg kaufen?

Ja, aber die Gemeinde fand,

ein bekannter Schriftsteller sei der passendere Käufer.

Von wegen Kunst und Kultur und so.

Macht sich besser in der Presse als ein Pharmaunternehmer.

Verstehe.

Herr Zibros hat seine Jagdvilla nicht bekommen.

Aber Sie einen Job bei ihm. - Ja, Glück gehabt.

Bei meinem Maturaschnitt hätte ich wahrscheinlich lang suchen müssen.

Herr Zibros? - Ja, bitte?

Hier sind eine Dame und ein Herr von der Kriminalpolizei,

die mit Ihnen sprechen wollen.

Ich bin gerade in einem Termin.

Falls Sie noch Informationen benötigen,

wenden Sie sich an unsere Pressestelle.

Hoffmann, mein Kollege Herr Oberländer.

Hallo, Herr Zibros. - Danke, Frau Lorenzi.

Wir haben Fragen zu Ihrem Besuch in der Villa Berg.

Ich habe gehört, was passiert ist. Schrecklich.

Wie kann ich Ihnen helfen? - Haben Sie sich nach der Lesung

mit Herrn Fetscher allein unterhalten?

Ja, ich wollte ihm ein Angebot für die Villa machen.

Sie wollten. Es kam nicht dazu?

Na ja, bevor ich eine Summe nennen konnte,

ist Fetschers Verlegerin aufgetaucht und wollte mit ihm sprechen.

Irgendeine Ahnung, worüber?

Ich weiß nur, dass ihr Lächeln sehr bemüht war.

Entschuldigung, wir stellen am Freitag ein neues Medikament vor.

Ich bin in einem Termin. Ich rufe Sie zurück.

Und was ist anschließend passiert?

Nichts.

Fetscher hatte dann keine Lust mehr, mit mir zu reden.

Er war total aufgewühlt.

Hat den Wein runtergekippt und ist zurück zu den Gästen.

Haben Sie auch Wein getrunken?

Ich bin seit fünf Jahren trockener Alkoholiker.

Ich trinke nur Wasser. Wieso? - Fetscher wurde vergiftet.

Ach so. Ich dachte, er wurde erstochen.

Das hat mir Frau Lorenzi erzählt.

Wird in Ihrem Unternehmen Mondotoxin verwendet?

Nein. Weder Mondotoxin noch irgendein anderer Giftstoff.

Jetzt, wo Fetscher tot ist,

hätten Sie doch Gelegenheit, die Villa von der Witwe zu kaufen.

Ja, ich werde Frau Fetscher ein Angebot machen,

wenn sie verkaufen möchte.

Aber deshalb habe ich nicht ihren Mann umgebracht.

Außerdem kriegt man alles im Internet.

Gift, Waffen, Drogen, zwei Klicks entfernt.

Richtig. - Jetzt entschuldigen Sie mich.

* Handyklingeln *

Danke für Ihre Geduld.

* nachdenkliche Musik *

So eine Jagdvilla ist doch was Schönes.

Natur, Charme, großer Garten.

Trotzdem. Dafür jemanden umbringen? Das macht keinen Sinn.

Hätte er sich mit seinen Pharmamillionen

eben eine andere Jagdvilla gekauft.

Es gibt ja genug.

Wir müssen rausfinden, was Fetscher vorgestern Abend

so die Laune verhagelt hat.

Fragen wir die Verlegerin. - Ja.

* Sie spricht französisch. *

* Oberländer hustet. *

* Die Verlegerin telefoniert auf Französisch. *

Ciao, ciao, ciao, ciao.

Frau Domröse. Hoffmann, Kripo Bregenz. Mein Kollege Oberländer.

Was kann ich für Sie tun?

Entschuldigung, ich bin noch nicht dazu gekommen.

Ist im Moment alles etwas viel.

Kommen Sie doch einfach mit mit mir.

Ah ja. Moment.

Die "Kommissarin Alberti"-Reihe ist ein großer Erfolg.

Oh ja, allein vom letzten Roman

haben wir über 150.000 Exemplare verkauft.

Physisch, ohne Downloads.

Und vom nächsten Buch haben wir bereits über 10.000 Vorbestellungen.

Aber nächstes Buch wird es nicht mehr geben.

Ja, ich habe auch noch keine Idee, wie das jetzt ...

Die Lesetour war schon komplett in Deutschland und Österreich.

Sasha Fetscher war wichtig für Ihren Verlag.

Wir sind ein kleines, unabhängiges Verlagshaus.

Die "Kommissarin Alberti"-Krimis

machen drei Viertel unseres Umsatzes aus.

Sie haben sich vorgestern Abend nach der Lesung

noch mit Herrn Fetscher unterhalten.

Worüber? Angeblich war er nach dem Gespräch sehr wütend.

Sasha hat mir Anfang der Woche

die ersten 20 Seiten von seinem nächsten Roman geschickt.

Und? Nicht gut?

(lacht:) Nein. Leider blutleer und uninspiriert.

Ich war ehrlich gesagt schockiert.

Und das haben Sie ihm vorgestern Abend gesagt?

(seufzt:) Ich habe mir Sorgen gemacht.

Um Ihre Verkaufszahlen?

Um Sasha. Ich habe schon ein paarmal erlebt,

wie Autoren in einen Writer's Block geschlittert sind.

Sie, das war schlimm.

Wie hat er reagiert?

Er hat gesagt, ich sei hysterisch. Das sei die erste Fassung.

Und er würde die Geschichte noch ein dutzendmal überarbeiten,

wie immer.

Aber Sie haben sich trotzdem Sorgen gemacht?

Ja, mit Überarbeiten war das nicht getan.

Die Sprache, die Figuren, das las sich alles nach "alter weißer Mann".

So was wird heute in den sozialen Netzwerken brutal verrissen.

Sie, das wäre ein PR-Gau geworden.

Guten Tag. Könnte ich bitte meine Zigaretten haben, wie immer?

Das würde die gesamte "Kommissarin- Alberti"-Reihe gefährden.

Deshalb mussten Sie das Erscheinen des neuen Romans verhindern, oder?

Als ich nach Hause gefahren bin, hat Sasha noch gelebt.

Aber nicht mehr lange. Er wurde ermordet, vergiftet.

Frau Domröse, haben Sie mit Herrn Fetscher zusammen

Wein getrunken?

Nein, habe ich nicht. Und ich habe ihn auch nicht vergiftet.

Na, dann ist doch alles in Butter.

Der PR-Gau wurde verhindert, der Erfolgsautor ermordet,

die Presse liebt so was.

Die Verkaufszahlen werden durch die Decke gehen.

Natürlich. Der Back-Katalog wird sich noch mal gut verkaufen.

Und was dann?

Sie, das ist eine einzige Katastrophe.

Die 20 Seiten, die Herr Fetscher Ihnen gegeben hat,

die würde ich gerne lesen.

Sie bekommen eine Mail von mir.

* pochende Musik *

* Motorstarten *

* donnernde Klänge *

Stimmt.

Das passt überhaupt nicht zu dem Roman,

den ich von ihm gelesen habe.

Die Figuren waren so lebendig und so facettenreich.

Und das hier ist ... langweilig.

Vielleicht hatten Sie recht mit Ihrem Gefühl.

Na ja, dass die Romane von einer Frau geschrieben wurden.

Welche Frau wäre Ghostwriterin,

wenn sie den Erfolg auch selbst einfahren könnte?

Eine Frau, die ihre schriftstellerischen Ambitionen

zurückgestellt hat. - Ha.

Komlatschek.

* Leises Stimmengewirr im Hintergrund *

Können Sie mir einen Gefallen tun?

* angespannte Musik *

So, das Buffet ist eröffnet.

Nicht so stürmisch, es ist genug für alle da.

* flirrende Musik *

* Seufzen *

* treibende Musik *

* Die Musik steigert sich spannungsvoll. *

Oberländer!

Was denn?

Es hat ein bisschen gedauert,

aber Sie haben den richtigen Riecher gehabt.

Ich hab nur ein bisschen tiefer graben müssen.

* gespannte Musik *

* freudiger Laut *

Danke.

* Motorbrummen, treibende Musik *

* Musik verklingt. *

* vehementes Klopfen *

* Türquietschen, unheimliche Musik *

* Musik verklingt. *

Da.

Frau Fetscher?

* Klopfen *

Frau Fetscher!

Wir müssen mit Ihnen sprechen.

Es ist weg. Sashas Notizbuch ist weg.

Was für ein Notizbuch?

Die Recherchen für den Roman, den er als Nächstes schreiben wollte.

Es lag immer da. Immer.

Wozu brauchen Sie denn das Notizbuch?

Für gar nichts. Ich wollte einfach aufräumen.

Oder brauchen Sie die Notizen Ihres Mannes,

um den Roman fertig zu schreiben? - Was? Nein.

"Kommissarin Alberti kannte diesen Geruch."

"Es war diese besondere Mischung

aus kaltem Ruß, Zitrus und Bergamotte,

wie damals im Hause ihrer Großmutter,

in dem sie und ihre Schwester

immer die Sommerfrische verbracht hatten."

Schon mal gehört, die Passage?

Ist aus dem dritten Kommissarin- Alberti-Roman "Der Dandy-Faktor".

Und den Text hier kennen Sie auch?

* angespannte Musik *

"Die Kommissarin kannte diesen Geruch."

"Es war diese spezielle Mischung

aus kaltem Ruß, Zitrus und Bergamotte,

wie damals im Hause ihrer Großmutter,

in dem sie und ihre kleine Schwester

immer die Sommerferien verbracht hatten."

Das klingt ziemlich ähnlich, oder?

Das ist Fanfiction. Von Ihrer Face-to-Face-Seite.

Zehn Jahre alt. Gar nicht mehr so leicht zu finden.

Sie haben die "Kommissarin Alberti"- Romane geschrieben, Frau Fetscher.

* nachdenkliche Musik *

Sasha hat die Recherche gemacht.

Er hat die Kriminalfälle gefunden.

Er hat monatelang Archive durchstöbert.

Er hat mit seinem Bodenradar nach vergrabenen Leichen gesucht.

Er hat mit den Zeugen gesprochen.

Das war sein Ding.

Aber Sie haben die Figuren und die Welten erschaffen.

Sie haben die Geschichten geschrieben,

die Hunderttausende Leser faszinierten.

Für die Ihr Mann Preise und viel Geld bekommen hat.

Warum stand nicht Ihr Name auf dem Buchtitel?

Sasha hat gesagt, seine Verlegerin hasst Autoren-Teams.

Für Sie würde das nicht zum Bild passen,

das Leute über Krimischriftsteller haben.

Welches Bild?

Tweedsakko, Halstuch und Rotwein?

Alle haben Ihren Mann für ein Genie gehalten.

Ihren Namen hat niemand gekannt.

Nicht mal seine Verlegerin.

Und das hat Ihnen gar nichts ausgemacht?

Ich habe gesagt, dass ich das nicht mehr so will.

Dass ich als Autorin genannt werden will.

Und er hat sich geweigert?

Nein, er hat es mir versprochen.

Immer und immer wieder.

Und dann hat er seine Versprechen gebrochen?

Sasha hat immer irgendwelche Gründe gefunden,

warum jetzt gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist.

Ich war so dumm, ich habe mich immer wieder von ihm ...

.. von ihm einwickeln lassen.

Aber den neuen Krimi Ihres Mannes haben Sie nicht geschrieben.

Warum nicht?

Ich hatte schon lange den Verdacht,

dass Sasha Affären mit seinen Groupies hat.

Aber ...

.. er hat es immer geleugnet.

Dann haben Sie von Frau Trautschke erfahren?

Ja, ich hatte genug.

Ich hab gesagt, ich schreibe keine Zeile mehr.

Wie hat er darauf reagiert?

Er ist ausgerastet.

Er hat geschrien, dass er mich nicht mehr braucht.

Dass er das Genie sei. - Aber das war er nicht.

Nein.

Anfang der Woche kam er angekrochen.

"Ich hab die Affäre mit Henriette beendet", hat er mir gesagt.

Und von jetzt an wird alles anders.

Du bist die Autorin und alle werden das erfahren.

Auch der Verlag.

Sie haben ihm geglaubt?

Er hat mir geschworen, mich ab jetzt immer zu nennen.

Und dann ...

.. kam die Lesung mit der Verlegerin.

(Guten Abend.)

(Kommissarin Albertis sechster Fall.)

("Der Rattenkönig.")

(Ein Roman von ...)

(.. Sasha Fetscher.)

* düstere Musik *

(* gedämpfte Stimmen *)

Ich stand da.

Das war so erniedrigend.

Ich war so dumm.

* unruhige Musik *

Ich habe gewusst, dass Sasha schlecht für mich ist.

Dass er ein narzisstisches Arschloch war.

Aber ich ...

Ich wollte es einfach nicht wahrhaben.

Ich hab gedacht, er liebt mich.

* angespannte Musik *

Ich hätte mich schon lang zur Wehr setzen müssen.

Und vorgestern Abend haben Sie sich dann gewehrt.

Sie haben sich die Weinflasche Ihres Mannes geschnappt

und sie mit Gift versetzt.

Und die enttäuschte Frau Trautschke war der ideale Sündenbock.

Ich wusste ja nicht mal, dass Frau Trautschke auf der Lesung war.

Außerdem hat mir Sasha gesagt, dass er die Affäre beendet hat.

Ich habe meinen Mann nicht vergiftet.

Auch wenn er es verdient hätte.

* unruhige Musik *

* düstere Klänge *

So, das ist aber das Letzte für heute.

Ihr habts einen Hunger, gell?

Das schmeckt gut. Aber jetzt gibt's noch eine Nachspeise.

Und das ist nämlich was Süßes.

Mjam, mjam, mjam, mjam, mjam, mjam, mjam.

Mmh, mmh ...

So ... mjam, mjam, mjam, mjam.

Habt ihr einen Hunger! Das schmeckt gut, gell?

* Oberländer räuspert sich. *

Ah. Und? Ist sie unsere Giftmörderin?

Nein.

Klassische Narzisstenopfer tun sich eher selbst etwas an,

aber so gut wie nie dem, der sie schlecht behandelt.

Sie hat sich gegen ihn aufgelehnt.

Bei klassischen Narzisstenopfern auch selten.

Motive hat sie eine Menge.

Trotzdem. Das macht für mich keinen Sinn.

Sie hatte vor der Lesung ja noch die Hoffnung,

dass er sie als Autorin nennt.

Warum soll sie sich da Gift besorgt haben?

Nur für den Fall der Fälle?

Okay.

Gehen wir davon aus, sie sagt die Wahrheit.

Dann wäre die Sache mit dem Notizbuch auch wahr.

Ja.

Aber warum soll der Täter das Notizbuch gestohlen haben?

Na ja, vielleicht ist der Fetscher

bei den Recherchen für seinen neuen Roman

auf etwas gestoßen, auf das er nicht hätte stoßen sollen?

Haben Sie etwas entdeckt?

Na ja, nur, dass die Verlegerin von ihm recht hat.

Der Anfang ist fürchterlich.

Aber bitte, vielleicht finden Sie noch was.

Viel Glück.

So.

Meine Kleinen haben zu Abend gefressen

und mir knurrt der Magen.

Buon appetito.

* Seufzen *

Irgendein Hinweis,

um welchen Kriminalfall es in der Geschichte geht?

Das ganze erste Kapitel ist ein einziger historischer Flashback.

Eine junge Frau rennt völlig neben der Spur,

halluzinierend durch ein düsteres Gemäuer.

Und natürlich hat sie kaum etwas an.

Ja. Was ein alter weißer Mann eben so spannend findet.

Ja, Sie müssen es wissen.

Entschuldigung? Ich trenne Müll.

Ich hab eine Biogasheizung.

Es gibt zwei Menschen, denen Fetscher von Kommissarin Albertis

nächstem Fall erzählt haben könnte.

Ja. - Das ist doch ...

* Freisprechton *

* beatreiche Musik im Hintergrund *

Ja, Frau Hoffmann.

(seufzt:) Ich mache mir gerade Pasta al pomodoro.

- Ihr Abendessen muss leider warten.

Bitte tun Sie mir einen Gefallen.

- Wenn es sein muss.

Okay. Um was geht's denn?

* hippe Party-Beats *

Guten Abend, Frau Trautschke.

Komlatschek, ich bin ein Kollege von Herrn Oberländer.

Was wollen Sie?

Hat Ihnen Herr Fetscher erzählt,

um was es in seinem neuen Buch gehen soll?

Um irgendjemanden, der in der Jagdvilla umgebracht worden ist.

Wieder eine extrem spannende Geschichte, hat der Sasha gesagt.

Hat er vielleicht irgendwelche Details erwähnt?

Den Namen des Opfers, Tatmotiv, wann der Mord passiert ist?

Nein.

Er hat anscheinend irgendwelche Aufzeichnungen gefunden.

Und er hat eine alte Luftaufnahme gehabt.

Von seinem Berggrundstück. Auf dem hat er was entdeckt.

Alles andere war noch ein großes Geheimnis.

Und das wird es auch für immer bleiben.

Danke. Dann will ich Sie nicht länger stören.

Nein, Sie stören mich am wenigsten.

Morgen in der Früh reise ich ab. Wenn ich darf?

Sie dürfen. Würde ich auch gern.

Können Sie mir glauben.

Sasha hat die Bücher nicht selbst geschrieben?

Ja, so ist es.

Gott, wenn die Presse das oder irgendein Influencer das postet,

das ist eine Katastrophe.

Hat Herr Fetscher Ihnen erzählt,

worum es in seinem nächsten Roman geht?

Nachdem sein erstes Kapitel so banal war,

wollte ich sichergehen,

dass sich wenigstens der Kriminalfall gut vermarkten lässt.

Aber er hat nur gesagt, der Gärtner

sei diesmal nicht der Mörder, sondern das Opfer.

Der Gärtner ist das Opfer, hat er gesagt?

Mhm.

Und dann hat er sich umgedreht

und ist mit seinem 1000-Euro-Rotwein abgezogen.

Zehn Jahre habe ich sein Image aufgebaut.

Ich habe aus ihm DEN Erfolgsautor gemacht.

Und das hat alles seine Ehefrau geschrieben?

Alles. Bis auf das banale erste Kapitel, das Sie gelesen haben.

Danke, Frau Domröse. Sie haben mir sehr geholfen.

* Er hustet. *

Hoffmann?

Ja, wir treffen uns bei der Jagdvilla.

* spannungsvolle Musik *

Nein, mein Mann war hier nicht der Gärtner. Das war sein Hobby.

Er war der Verwalter,

bis er vor zwölf Jahren mit seiner Geliebten abgehauen ist.

Hat er sich noch mal bei Ihnen gemeldet?

Nein, er war von einem Tag auf den anderen weg.

Haben Sie ihn gesucht?

Nein. Ich wollte wen beauftragen wegen des Unterhalts,

aber das konnte ich mir nicht leisten.

Ich war dankbar, dass ich seine Stelle übernehmen

und wir hier wohnen durften.

Warum hätte Herr Fetscher seinen neuen Roman

über Ihren Mann schreiben sollen, haben Sie eine Ahnung?

Über Papa? Ernsthaft?

War er in Verbrechen verwickelt?

Hat nicht mal falsch geparkt. Das ergibt irgendwie keinen Sinn.

Glauben Sie, Papa hat uns damals gar nicht verlassen,

sondern ... wurde umgebracht?

Das wissen wir nicht.

Aber wir glauben, dass Herr Fetschers nächster Roman

mit Ihrem Vater und seinem Verschwinden zu tun haben sollte.

Gestern Abend im Garten, da war jemand.

Da, wo das alte Gewächshaus steht, da war so ein rotes Schimmern.

Okay.

* spannungsvolle Musik *

* Musik wird bedrohlicher. *

* treibende Musik *

* dramatische Klänge *

Hoffmann.

Hier hat definitiv jemand gegraben.

* unheimliche Musik *

Ja, Hoffmann hier.

Schicken Sie mir die Spurensicherung zur Villa Berg. Danke.

* unheilvolle Musik *

* treibende Musik *

* Musik wird sanfter. *

* leises Stimmengewirr *

* spannungsvolle Musik *

* angespannte Musik *

Tag zusammen.

Servus, Egger.

Ah, hallo. - Einmal mit Milch und Zucker.

Ich mag's lieber ohne, aber egal.

Mir haben Sie noch nie einen Kaffee gebracht.

Wer gute Arbeit leistet, kriegt guten Kaffee.

Und? Schon was gefunden? - Ja.

Os lunatum.

Menschlicher Handwurzelknochen.

* Leise Stimmen im Hintergrund. *

Wie lange lag der im Boden?

Zustand, Verfärbungen nach zehn, maximal zwölf Jahre.

Wir haben was gefunden!

Einen Ring!

* spannungsvolle Musik *

Ein Ehering.

N ... und K.

Nadia und Karsten.

Ja, das ...

Das ist der Ring meines Mannes, ja.

Papa, er ...

Er lag wirklich die ganze Zeit in dem alten Gewächshaus?

Wir gehen davon aus, ja.

Ich hab die ganze Zeit gedacht, dass ...

Pff.

Jemand hat die Überreste Ihres Mannes vor Kurzem ausgegraben.

Die Gestalt im Garten.

Wann haben Sie die gesehen?

So um elf. Ich war schon im Bett.

Ist Ihnen sonst irgendwas aufgefallen?

Nein.

Jede Kleinigkeit könnte wichtig sein.

Es ist nichts. Ich verstehe nicht, warum du nichts gesehen hast.

Du warst am Abend auch im Garten, weil du nicht schlafen konntest.

Mir ist nichts aufgefallen, wirklich nicht.

Ich muss zur Arbeit.

Mia, wir sprechen nachher, ja?

* bedrückende Musik *

Es tut mir leid, aber ich müsste Sie bitten, mich zu begleiten.

Ja.

Karsten hat mir damals dauernd so Schmarrn erzählt,

er muss in der Bibliothek was über eine Pflanze nachlesen.

Dabei hat er freiwillig kein Buch angefasst.

Also glaubten Sie, dass er eine Affäre hat?

Ich hab eines Morgens zufällig ein Telefonat mitgehört.

Da hat er den Namen Solana erwähnt.

Ich hab noch genau im Ohr, wie er den Namen gesagt hat.

Solana.

Da war ich mir sicher, das ist seine Freundin.

Ich hab ihn so verflucht.

Gab es Streit zwischen Ihnen?

Wie in jeder Ehe.

Das Geld hat vorne und hinten nicht gereicht.

Aber wir haben uns immer wieder zusammengerauft.

Wir hatten schließlich eine Tochter zusammen.

Und Ihr Verdacht, dass er eine Geliebte hatte?

Er hat mir geschworen, dass er mich nicht betrügt.

Sie glaubten ihm nicht?

Ja, ich dachte, er ist ein Lügner. Aber ich hab ihm nichts angetan.

Herr Fetscher fand raus, dass Ihr Mann ermordet wurde.

Und wurde kurz darauf selbst getötet.

Sie denken, das war ich auch?

Das ist alles verrückt.

Sie haben für beide Morde ein Motiv.

Und Sie waren am gleichen Ort. - Das stimmt nicht.

Sie waren nicht in Bregenz, als Ihr Mann verschwand?

Wir hatten wieder gestritten.

Ich bin für ein paar Tage zu meiner Schwester nach Kiel gefahren.

Ich musste nachdenken. - War Ihre Tochter mit?

Nein, die war auf Schullandwoche.

* geheimnisvolle Musik *

Als ich losgefahren bin, da hab ich nichts gemerkt.

Als ich am ersten Mai von der Schullandwoche zurückgekommen bin,

da war der Papa weg.

Ich hatte total Angst und hab meine Mama angerufen.

Sie ist dann gleich losgefahren, und am nächsten Morgen war sie da.

Okay. Wiederhören.

Frau Lorenzi, ist der Paris-Termin jetzt klar?

Ähm, ja, ich check das gleich noch mal.

* Schniefen *

Was ist denn passiert?

Mein Vater ist tot.

Ihr Vater ist tot?

Jemand hat ihn vor zwölf Jahren umgebracht

und ihn in unserem Garten verscharrt. - Oh Gott.

Das tut mir leid. Wie geht's Ihrer Mutter?

* Stimmengewirr im Hintergrund *

Hören Sie, Sie müssen hier nicht sitzen.

Aber Sie haben doch Termine.

Das krieg ich allein geregelt. Kommen Sie. Ich fahr Sie nach Hause.

* entferntes Telefonklingeln *

Tochter und Schwester bestätigen,

dass Frau Lorenzi in Kiel war, als ihr Mann verschwunden ist.

Wann wurde Karsten Lorenzi ermordet? - Der letzte Anruf war am 30. April.

Danach war Funkstille.

Und am 30. April war Frau Lorenzi noch in Kiel.

Sagen Schwester und Tochter.

Hm.

Wie hätten Sie Ihren Kaffee gerne? - Heiß.

Mhm.

Von mir aus kann Frau Lorenzi gehen.

Aber sie soll sich zur Verfügung halten, falls wir noch Fragen haben.

Ich sag's ihr. - Danke.

* nachdenkliche Musik *

* Motorengeräusche *

Warum hat die Polizei Sie mitgenommen?

Sie haben mir Fragen zu meinem Mann gestellt.

Haben Sie Sasha vergiftet, weil er herausgefunden hat,

dass Sie Ihren Mann umgebracht haben?

Was reden Sie denn da? Ich hab niemanden vergiftet.

Lassen Sie mich bitte los.

Lassen Sie mich los! - Sagen Sie mir die Wahrheit!

Frau Fetscher, bitte.

Verdammt noch mal, sagen Sie die Wahrheit!

Lassen Sie mich los! Ich hab niemanden umgebracht!

Sie hat meinen Mann umgebracht! - Kommen Sie.

* angespannte Musik *

Alles okay?

Sie glaubt, dass ich ihren Mann vergiftet hab.

* beklemmende Musik *

Glaubst du das auch?

Nein, natürlich nicht.

Mia, ich hab auch dem Papa nichts getan.

* gefühlvolle Musik *

Ich weiß.

Was, wenn Fetscher sterben musste,

weil er die Leiche von Lorenzi gefunden hat?

Und bei seinen Recherchen auch das Motiv für den Mord.

Dann sollten wir uns die Teilnehmer der Lesung noch mal ansehen.

Wenn die beiden Morde zusammenhängen,

muss der Mörder von Sasha Fetscher

vor zwölf Jahren auch in Bregenz gewesen sein.

Ich war schon brav und hab alles hergerichtet.

Danke, Komlatschek.

Frau Lorenzi können wir ausschließen, denke ich.

Fetschers Geliebte auch.

Die war vor zwölf Jahren in Singapur.

Hat dort Management und Marketing studiert.

Der Eigentümer der Buchhandlung am Bahnhof war damals elf Jahre alt

und hat noch bei Mama und Papa gewohnt.

Tja, bleibt noch unser Pharma-Fritze.

War erwachsen und lebt in Bregenz.

Müssen wir rausfinden,

ob er Verbindung zu Lorenzi hatte.

* spannungsvolle Musik *

Frau Lorenzi?

Frau Lorenzi!

Ja?

* bedrückende Musik *

Meine Mutter hat sich hingelegt.

Das ist alles ziemlich heftig für sie.

Was wollen Sie denn von meiner Mama?

Sie hat Ihnen alles gesagt, was Sie weiß.

Wir möchten wissen, ob Ihr Vater mit Herrn Zibros zu tun hatte.

Geschäftlich oder privat?

Mit Herrn Zibros?

Nein, das hätte Herr Zibros mal erwähnt.

Mein Vater hatte nicht viele Freunde.

Er hat sich mehr für Pflanzen interessiert als für Menschen.

Wann haben Sie Ihren Vater denn das letzte Mal gesehen?

Am Abend, bevor ich auf die Schullandwoche gefahren bin.

Ich hatte eh nicht wirklich Bock zu fahren.

Warum?

Die Mädchen aus meiner Klasse haben mich gemobbt,

weil ich keine tollen Markenklamotten hatte.

Papa versuchte, mich zu trösten.

Er sagte mir, dass wir bald reich sein werden,

und ich mir dann kaufen kann, was ich mir wünsche.

Hat er Ihnen auch erzählt, warum Sie bald reich sein werden?

Das hatte irgendwas mit der Blume zu tun,

die ich als Kind mal im Garten gegessen habe.

Danach ist mir ganz komisch geworden.

Die Blume, die da draußen wächst?

Genau. Keine Ahnung, warum ich die damals gegessen habe.

Sah wahrscheinlich irgendwie lecker aus.

Wahrscheinlich.

Danach war mir dann ganz schwindelig.

Und am nächsten Morgen lag das Bild da.

Neben meinem Kopfpolster.

Mein Papa hat oft Pflanzen für mich gemalt.

Ich hab nie verstanden, warum er die Mama und mich alleingelassen hat.

Jahrelang habe ich gedacht,

dass ich vielleicht irgendwas falsch gemacht hab.

Aber das war alles Blödsinn.

Hätte ich doch bloß die Wahrheit gewusst.

* ernste Musik *

Das ist ein Ausleihschein der Landesbibliothek.

Kann ich das mitnehmen? Sie bekommen es wieder.

Klar.

Danke.

* bedrückte Musik *

Er erzählt seiner Tochter, dass sie bald reich sein werden,

und leiht Bücher in der Landesbibliothek.

Ich glaube, das hängt zusammen.

Oder?

Ja.

Hätte die Tochter doch nur die Wahrheit gewusst.

Also sehen wir uns morgen Früh vor der Landesbibliothek.

Ja.

* ruhige Musik *

* Grillenzirpen *

Schlafen?

Sie wollte noch eine Folge "Captain Mega Mojo" gucken.

Mhm.

André.

Du hast recht.

Ich muss es ihr sagen.

* gefühlvolle Musik *

Hast du schon überlegt, wie?

Ich spiel tausend Versionen in meinem Kopf hin und her

und jede ist schlimmer als die andere.

Wir schaffen das schon.

Zusammen.

*

* Sanfte Musik *

* Streichholzzünden *

* wehmütige Musik *

* laute Partymusik, Gejohle *

* Dröhnen der Musik von draußen *

* Seufzen *

* laute Beats *

* Musik bricht abrupt ab. *

* verwunderte Laute *

* sanfte Musik, Stimmengewirr *

* Motorbrummen, Musik verklingt. *

Ja, das ist ein alter Ausleihzettel von uns.

Wir haben vor zehn Jahren auf papierlos umgestellt.

Ich verstehe.

Können Sie trotzdem feststellen,

welche Bücher Herr Lorenz damals ausgeliehen hat?

Sie sind nicht der Erste, der das fragt.

Wer wollte das noch wissen?

Der Krimiautor, der zum Mordopfer wurde.

Sasha Fetscher? - Genau der.

Ach.

Aber glücklicherweise werden bei uns alle Ausleihen gespeichert.

Momenterl, das haben wir gleich.

Vielen Dank.

* abwartende Musik *

* spannungsvolle Musik *

Das Intellektuelle steht Ihnen.

Ach ja? Wenn Sie das sagen.

Das ist alles auf Latein.

Luna könnte das lesen.

Gibt es was Neues von ihr? - Ja.

Paris ist magnifique, die Gasteltern sind megalässig,

die Wohnung tres petit, aber sweet, Papa, ich muss los.

* leises Rattern *

Und hier noch der Rest der Bücher,

die sich Herr Lorenzi damals ausgeliehen hat.

Die gedruckte Ausgabe des "Liber de proprietatibus rerum",

des Scholastikers Bartholomaeus Anglicus.

Das pharmakologische Handbuch "Promptuarium medicinae".

"Der Garten der Gesundheit" des Johann Wonnecke von Kaub.

Und das große Kräuterbuch von Otto Brunfels aus dem Jahre 1530.

Wonach hat er gesucht?

Meine Vorgängerin hat eine Vielzahl von Kopien

für Herrn Lorenzi angefertigt.

Schriften sowie Seiten sind alle lückenlos dokumentiert.

Das ist ja gründlicher als in Deutschland.

* entfernte Schritte *

Guten Tag, Frau Fetscher. Entschuldigen Sie die Störung.

Wie geht es Ihnen?

Ah, das ist gut zu hören.

Sie, ich würde Ihnen gerne ein Angebot machen.

Ja, das ist meine eigene Idee.

Den Fall wollte ich schon lange mal aufschreiben, aber ...

Ja.

Natürlich.

Danke.

Auf Wiederhören, ja?

* gespannte Musik *

Der schwarze Nachtschatten.

'ne heimische Heilpflanze mit roten und mit schwarzen Blüten.

Ja, und mit violetten Blüten.

* treibende Musik *

Mit denen hat Lorenzis Tochter gestern den Kranz geflochten.

Ja.

Und die wachsen auch in der Nähe der Villa Berg.

Ja, aber in Zeiten von Johann Wonnecke von Kaub

gab's nur rote und schwarze.

Ja, und genau das hat Sasha Fetscher bei den Recherchen

für seinen neuen Roman auch herausgefunden.

Deswegen war er in der Landesbibliothek.

Warum musste er deshalb sterben?

* spannungsvolle Musik *

Herr Egger, kennen Sie sich mit Heilpflanzen aus?

Fantastisch.

Sind gleich bei Ihnen.

Solana Nigrum, eine Hybride

aus den zwei Wildformen vom "Schwarzen Nachtschatten".

Kann die Pflanze was? - Ja, ja, die kann was.

Es gab in den letzten Jahren mehrere Artikel über Therapieerfolge

mit einem Wirkstoff aus der Nachtschattenhybride.

Erfolge in welchem Bereich?

In der Koronartherapie, Herzkrankheiten.

Aha.

Lorenzi hat eine Heilpflanze entdeckt.

Deswegen erzählte er, sie wären bald reich.

Einen Wirkstoff zu finden ist aber zu wenig, um reich zu werden.

Sie müssen ein Medikament entwickeln, testen, vermarkten.

Das dauert Jahre, kostet Unsummen.

Man braucht wen mit Know-how im Pharma-Bereich.

Jemanden wie Anselm Zibros.

* Sirenen *

* Sie spricht französisch. *

* treibende Musik *

Au revoir.

* Musik steigert sich dramatisch. *

Aufmachen bitte.

* leises Stimmengewirr *

* treibende Musik *

Frau Lorenzi.

Was ist passiert?

Wo ist Herr Zibros?

Bei einem PR-Termin.

Wo ist der Termin?

Im Hafenrestaurant. Ich hab dort einen Tisch reserviert.

Das haben wir gefunden.

Ein Nachtsichtgerät.

Deshalb hat's rötlich geschimmert.

Sein Wagen steht hier in der Garage. Wie ist er da hingekommen?

Unsere Pressesprecherin hat ihn gefahren.

Danke.

* pochende Musik *

Ja, das auch.

Und der Rest kommt ins Labor. - Okay.

Zibros ist im Hafenrestaurant.

Deshalb will er die Villa Berg kaufen.

Ein anderer Besitzer hätte das Gewächshaus abgerissen,

hätte die Knochen gefunden.

Kommen Sie.

* Motorstarten, spannende Musik *

Ja?

Mia, hallo. Hier ist die Mama.

Ich wollte nur fragen, ob du okay bist.

Du warst heute Morgen schon weg und ...

Die Polizei hat Papa gefunden.

Was?

Wo?

Im Wagen vom Zibros. In einem Plastiksack.

Aber ... das kann doch nicht ...

Der Zibros ...

Zibros hat Papa umgebracht. - Ich komm zu dir.

Mia, mach keine Dummheiten, ja? Hörst du?

* angespannte Musik *

Mia?

Mia?

* bedrohliche Musik *

* Stimmengewirr *

* kraftvolle Musik *

Könnten Sie mir sagen, wo Herr Zibros sitzt?

Gibt's eine Reservierung für Zibros Pharma?

Die Assistentin von Herrn Zibros sagte,

sie hat 'nen Tisch reserviert.

Tut mir leid.

Da habe ich keine Reservierung.

Vielleicht unter Mia Lorenzi?

Nein, auch nicht.

* spannungsvolle Musik *

* angespannte Musik *

* wabernde Klänge *

* dumpf-pochende Musik *

* Piepsen *

Ich müsste kurz allein mit Herrn Zibros sprechen.

Wir sind ja auch so weit fertig.

* leise, angespannte Musik *

Oh, Sie sind ein Engel.

Ich bin vor lauter Meetings

noch nicht mal zum Frühstücken gekommen.

* angespannte Musik *

Was gibt's denn?

Die Polizei war gerade hier. - Was wollten die?

Mit Ihnen reden.

Doch nicht wieder wegen dem Mord an Fetscher? Langsam nervt das.

Nein. Wegen dem Mord an meinem Vater.

An Ihrem Vater? Ich verstehe nicht.

Ich hab gesagt, Sie sind außer Haus.

Sie hätten sie ruhig zu mir schicken können.

Warum haben Sie meinen Vater getötet?

Was soll das? Ich hab Ihren Vater nicht umgebracht.

Wie kommen Sie darauf?

Die Polizei hat Papas Knochen aus Ihrem Auto geholt.

Mia, das war ein Unfall, Sie müssen mir glauben. Ich wollte das nicht.

Ja, und Sasha Fetscher war auch ein Unfall?

Ich hatte keine Wahl.

Er hätte alles zerstört.

Alles, was ich aufgebaut habe.

* schmerzverzerrte Laute, düstere Musik *

Was hast du getan?

* treibende Musik *

Wo ist meine Tochter?

Mia Lorenzi, wo ist sie?

Das kann ich Ihnen nicht sagen, aber ...

Wo ist Herr Zibros?

Im Labor, soweit ich informiert bin.

Bitte! Hallo, warten Sie bitte! Sie können nicht einfach ins Labor!

* aufwühlende Musik *

Wieso haben Sie meinen Vater umgebracht?

* Röcheln *

Dein Vater ... die Hybride, die er bei euch im Garten entdeckt hatte.

Unser neues Herzmedikament wird Tausende Menschenleben retten.

Blödsinn! Menschenleben sind dir scheißegal, du Arschloch!

Sie hebt nicht ab.

Ja, natürlich nicht. Sie wollte uns loswerden.

* dramatische Musik *

Mia ... ruf einen Arzt, bitte!

Wieso hast du meinen Vater getötet?

Er wollte immer mehr Anteile.

50 Prozent, 60 Prozent, 70 Prozent. Das war Wahnsinn.

Deshalb hast du ihn umgebracht und verscharrt.

Und es so aussehen lassen, als wäre er mit seiner Geliebten abgehauen.

* angespannte Musik *

Mia! Bitte, mach die Tür auf!

Mama! - (Zibros:) Hilfe!

Mia, bitte, er braucht einen Arzt!

Mama, er hat Papa umgebracht!

Er ist schuld daran, was wir durchgemacht haben!

Bitte, bitte machen Sie irgendwas!

Ich kann nicht auch noch meine Tochter verlieren!

Frau Lorenzi, hören Sie mir zu! Machen Sie die Tür auf.

Herr Zibros wird seine Strafe bekommen. Bitte!

Das reicht nicht!

Hoffmann! Ich versuche, einen Chip für die Tür zu bekommen.

Er hat mich eingestellt. Als könnte er so seine Schuld abzahlen.

Das arme Mädchen, kein Vater, keine Chance im Leben.

Er hat sich als mein Mentor aufgespielt.

Er hat nicht nur meinen Vater umgebracht.

Er hat uns gezwungen, in seiner Lüge zu leben.

Mia, nicht! - Trink das!

Mia!

* angestrengte Laute *

Fuck!

Ich hab den Chip.

* Scheppern, dramatische Musik *

Er soll verrecken, Mama!

* bedrückende Musik, Stimmengewirr *

* traurig-gefühlvolle Musik *

So, genug jetzt. Einsteigen, bitte. Einsteigen.

* wehmütige Musik *

Der Notarzt sagt, er wird das überleben.

Okay.

Schon pervers. Zwei Menschen zu töten

für ein Medikament, das Menschenleben retten soll.

Tja.

Wie ist das bei Ihnen? Werden Sie's überleben?

Campingplatz, Technoparty, Chemotoilette, Dosenravioli.

Ha ... Muss.

Sie können bei mir einziehen. Luna ist für eine Weile weg.

Fühlen Sie sich einsam, so allein zu Hause?

Überlegen Sie es sich einfach.

Danke.

* sanfte Musik *

Lust auf ein Bier?

* nachdenkliche Musik, Vogelzwitschern *

Alles okay?

Mia Lorenzi musste all die Jahre mit einer Lüge leben.

Ihr Leben war komplett verkorkst.

Ich denke, das Schlimmste ist die Ungewissheit.

Aber jetzt ...

Sie kann neu anfangen.

Das ist gut so.

Ja.

* gefühlvolle Musik *

Das ist gut so.

♪ So ...

♪ .. you say, that anybody else ...

♪ .. is wrong again.

♪ You feel ...

♪ .. so upset.

♪ But I'm gonna let you know ...

♪ .. I'm here again.

♪ I'm here again.

♪ I'm here again.

♪ I'm here again.

* gefühlvoller Gesang *

ORF 2024 untertitel@orf.at

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