All language subtitles for Maria Theresia - S01E02 - Teil 2.deux

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Original subtitles

* Romantische Musik *

Papa, ich heirate ihn doch. - Ich kümmere mich drum.

Ist die Kaiserin guter Hoffnung? - Alle Hoffnung ist verloren.

Ohne männlichen Erben kommt Maria auf den Thron,

aber ihr Gemahl, nicht sie, wird regieren.

Die ganze Zeit hab' ich an Euch gedacht.

Wir finden für Maria einen Gemahl, der herrscht wie Euer Sohn.

Niemand heiratet dich.

Du bist unnütz genauso wie ich.

* Wiehern, romantische Streichmusik *

Wenn Franz Lothringen verschenkt, hat er nichts mehr.

Er bekommt die Toskana. - Und Eure Hand?

Glaubt mir, falls es zu der Hochzeit kommen sollte,

nur über meine Leiche.

Wir geben Lothringen ab.

Was? Ich soll mein Land den Franzosen opfern?

Er will mich einfach nicht.

Maria ist eine Hoffnung für das Reich und für mich.

Es lebe Franz Stephan, ab heute mein Sohn.

(Hustend) Die Hochzeit findet nur über meine Leiche statt!

* Schüsse und Glocken *

* Feierliche Musik *

Silenzio. - Silenzio.

Ihr habt eine gesunde Tochter.

Seine Kaiserliche Majestät wird darüber betrübt sein.

Schlechte Nachrichten. Was denn?

Er ist tot. - Hoch lebe die Erzherzogin.

* Dramatische Musik *

* Schwungvolle Musik *

* Wiehern *

Was ist da passiert?

So schaut das Land aus, das dein Vater regiert hat.

Was willst du damit sagen? - Er war ein schlechter Verwalter.

* Wiehern *

(Kutscher) Brr!

* Unverständliches Stimmengewirr *

* Wiehern, Bellen *

* Musik *

* Man versteht nicht, was die Menschen sagen. *

* Man hört ihn nicht. *

* Traurige Musik *

* Flüstern *

* Wiehern *

* Die Musik geht weiter. *

Mal sehen.

Hoheit, kommt zurück. - Was erlaubt er sich?

Es geht um Euren Schutz.

Macht den Weg frei! * Wimmern *

Ich bin Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich.

Die hilft uns nie.

Los, zieht sie an den Wegrand. Wir wollen weiter.

Die Leiche wird bestattet.

Entschuldigt, Hoheit, das geht uns nichts an.

Jetzt schon.

* Stimmengewirr, Glockengeläut *

* Die Pferde schnauben. *

Mama, es tut mir so leid.

Wohl nicht leid genug, um zur Beerdigung zu kommen.

Der Arzt hat mir strenge Bettruhe verordnet bis zur Niederkunft.

Die ist länger her.

Schaut, wie schön sie ist.

Kommt ganz nach Euch.

(Enttäuscht) Ein Mädchen.

Eure Königliche Hoheit, die Ministri erwarten Euch.

Wir kleiden uns nur um und kommen dann.

Verzeiht, am Geheimen Rat nimmt nur die Erzherzogin von Österreich teil.

Ich bin ihr Gemahl.

Ihr seid der Gemahl.

Die Erzherzogin ist Maria Theresia.

Will er damit sagen, dass er... - Gib er mir einen Moment.

Ich komme gleich nach.

Hat er mich am Sterbebett vermisst?

Ich hab' dich vermisst, Resi.

Ganz schrecklich.

Der Papa?

Der hat eine zweite Kerze vermisst.

Bei seinen Füßen war nur eine,

aber als römisch-deutscher Kaiser hat er Anspruch auf zwei gehabt.

Seinen letzten Seufzer hat er erst getan, als die Zweite gebrannt hat.

Und wie ist die Stimmung am Wiener Hof?

Unsicher.

Die Leute haben Angst vor dem, was jetzt kommt.

Dass eine Frau am Thron sitzt.

Du wirst es schaffen.

Du wirst ihnen zeigen, was für eine großartige Herrscherin du bist.

Das ist die Hofburg.

Man gewöhnt sich daran.

Keine Angst.

* Sanfte Musik *

Das muss also die kleine Karolina sein.

Ja.

So ein Glück, mit lauter wunderschönen Töchtern gesegnet.

Meine Teure.

Da seid Ihr ja.

Das Fräulein hat Euch doch hoffentlich nicht belästigt?

Nein, unser Gespräch drehte sich um die düstere Zukunft des Reiches.

Wilhelmine, lasst uns doch einen Moment allein.

Ihr solltet lieber vorsichtig sein.

Diese jungen Dinger gäben alles für ein Zeichen Eurer Gunst.

Und dann würdet Ihr sie nicht mehr loswerden.

Habt Ihr sonst noch Ratschläge?

Ihr solltet gelegentlich ausreiten, Hoheit.

In den herbstlichen Gärten gibt es herrliche Ecken,

versteckt und verschwiegen.

Die werden uns überfallen und massakrieren.

Wer? Habt Ihr dazu Informationen?

Österreichs Feind ist gierig wie ein Vampir,

der sich die Lippen leckt.

Sie wollen die Habsburger bluten sehen

und als Sieger nach Hause gehen.

Österreich ist ohne Thronfolger. Darüber müssen wir sprechen.

Leider haben wir dafür nicht mehr genug Geld.

Wofür haben wir kein Geld?

Für die Fertigstellung von Schönbrunn.

Unsere Nachbarn merken doch, dass wir ohne Herrscher sind.

Das Land hat einen Herrscher:

mich. * Gelächter *

Die Pragmatische Sanktion wird von allen anerkannt.

Preußens Friedrich kann man nicht trauen, Eure Hoheit.

Nein, meine Herren.

Die Bedrohung ist vor allem jenes Land,

das Kaiser Karl seine Geliebte genannt: England.

So ein Unfug. Gefährlich sind nur die Osmanen.

Die Armee muss nach Süden verlegt werden.

Nach Süden? Der Norden bleibt ungeschützt?

Wir müssen Soldaten rekrutieren.

Wen will er denn rekrutieren?

Wann war er das letzte Mal vor den Toren Wiens?

Es herrscht Hunger.

Es gibt Alte und Kinder, aber keine Männer, die Soldaten werden können.

Sag er mir, Harrach, von wo wird das Reich am meisten bedroht?

Süden?

Norden, Westen?

Osten?

Von Süden, Norden und Westen.

Wenn wir die Gefahren direkt am Hof beiseitelassen.

Am Hof?

Was soll das heißen?

Marschall Grumbkow hält sich merkwürdigerweise noch hier auf.

Der Grumbkow ist am Wiener Hof?

Nicht meine Rückkehr ist der Grund für die Feier.

Ich will, dass wir meines Vaters gedenken.

Was wollt Ihr hier?

Ihr seid nicht geladen, Marschall.

Ich stand Kaiser Karl sehr nahe. - Kein Zweifel.

Danke. Wenn Ihr jetzt bitte gehen wollt.

Maria Theresia diene ich meine Freundschaft an.

Was hiermit geschehen ist.

Will er mir Gesellschaft leisten, Marschall?

(Frau) Wer ist das? - Es wäre mir eine Ehre.

Der Preußische... - Ich kann es nicht glauben.

* Flüstern *

* Räuspern *

(Frau) Das sieht ja köstlich aus.

(Frau) Auf Ihr Wohl.

Meine Inthronisierung macht hier einige nervös,

meinen Gemahl mit eingeschlossen.

Ganz zu Unrecht, Hoheit.

Ihr werdet eine glänzende Herrscherin sein.

Vorausgesetzt, alle halten sich an die Pragmatische Sanktion.

Hat jemand zurückgezogen? - Noch nicht.

Na, seht Ihr.

Meine Ministri schätzen die Lage anders ein.

Vor wem haben sie Euch Angst gemacht?

Den bösen Preußen? Den bösen Bayern?

Oder England, den Franzosen? Vor den Osmanen doch sicher auch.

Ich rate mal.

Vor allen zusammen. Ich höre sie förmlich.

"Hoheit, die Kasse ist leer."

"Krätze, Pocken."

"Pest!"

* Sie lacht. *

Er scheint gut informiert zu sein.

Ich will Euch etwas verraten, Hoheit.

Es ist wichtig für Berater, Angst zu säen beim Herrscher.

Sonst hält er sie für überflüssig. - Sein Wort in Gottes Ohr.

Europa ist müde nach dem Spanischen Erbfolgekrieg.

Ein bisschen Ruhe und Erholung würde uns allen guttun.

Die Welt ändert sich.

Wir wollen einander nicht an die Kehle, das ist vorbei.

Verlegt Eure Truppen in den Süden.

Bei den Osmanen weiß man nie. Hier ist niemand mehr auf Krieg aus.

Und schließen seine Worte sein eigenes Land mit ein, Marschall?

Ihr könnt Preußen beruhigt als Euren Verbündeten sehen.

Verwaltet Eure Erblande, auf dass sie blühen und gedeihen,

und lasst die alten Zwiste ruhen.

Ich erhebe mein Glas auf eine wunderbare und kluge Herrscherin,

Maria Theresia.

Zum Wohl. - (Alle) Zum Wohl.

Zum Wohl. - Auf Maria Theresia.

(Frau) Auf Maria Theresia.

Du hast mich vor dem gesamten Wiener Hof bloßgestellt.

Wenn ich den Grumbkow halt brauche.

Er war mit deinem Vater auf der Jagd.

Natürlich! Er ist nicht an einem schwachen Herz gestorben.

Der Grumbkow hat ihn hinterhältig ermordet.

Findest du das komisch?

Ich werde keine diplomatische Krise riskieren.

Und wenn es doch ein Mord war?

Ich brauche die Preußen, also war es kein Mord.

Seit wann bist du so durchtrieben?

Seit wann bist du so naiv? - Seit ich nur der Gemahl bin.

Übertreib nicht, ja? - Wieso?

Wo sonst wäre denn mein Platz? - Bei der Armee.

Einer von uns muss sie befehligen und uns schützen.

Ich hasse den Krieg.

Gewalt und Blutvergießen sind mir zuwider, das weißt du.

Wir reden noch einmal darüber.

Zur Stelle, Hoheit.

Der neue Savoyen also.

Hoheit?

Prinz Eugen von Savoyen hat ihn als Nachfolger empfohlen.

Weiß er das gar nicht?

Das ist mir eine Ehre.

Was rät er mir also?

Versichert Euch der Ungarn, ohne sie verlieren wir.

Ich habe nicht vor, Krieg zu führen.

Die Preußen schon.

Ohne die Magyaren haben wir gegen Friedrich keine Chance.

Die Protestanten werden immer stärker in Ungarn.

Wendet Euch an den Katholiken Esterházy.

(Abfällig) Esterházy?

Bestimmt nicht.

Darf ich fragen, warum?

Graf Esterházy hat vor langer Zeit mein Vertrauen verloren.

Noch etwas?

Nein, Eure Hoheit.

Als i...

Als ich 15 Jahre alt war, hab' ich...

hab' ich heimlich Geschichte und Politik studiert.

Gegen den Willen meines Vaters, gegen den der Kirche

und auch gegen den des Prinzen Eugen von Savoyen.

Esterházy hat es entdeckt und mich verraten.

Vergebt mir, aber es ist seitdem ist viel Zeit vergangen.

Ja.

Esterházy hat vielleicht einen längeren Bart,

aber einen besseren Charakter sicher nicht.

Er kann jetzt gehen, Graf.

* Melancholische Musik *

* Die Musik geht weiter. *

Und flieg!

Und flieg! - Huhu.

Wink mal. Huhu!

* Kichern * Wink doch mal.

Da.

Huhu!

* Kichern *

Marschall Grumbkow ist ab sofort Mitglied dieses Rates.

Ich lege meine Hoffnung und unser Vertrauen in ihn.

* Gemurmel *

* Spannungsvolle Musik *

* Gemurmel *

Was hat er ihr dafür versprochen? - Haltet Ihr das für klug?

Eine Konzentration öffnet die Flanken.

Das würde ein kluger Gegner nutzen.

Besser, wir verstärken die östliche Front.

Hier und hier.

Wir müssen den Nachschub bedenken.

Und die Kavallerie? - Die ziehen wir zurück.

Ja, ja. - Das ist unsere Eingreifreserve.

Der Hügel bietet guten Überblick.

Hoheit.

Einer meiner Freunde in Lothringen hat mit einer Hofdame gewettet,

wer es schneller schaffe, sich zu entkleiden.

Wessen Gewänder sind komplizierter, die der Herren oder die der Damen?

Taten die das in der Öffentlichkeit? - Nein, nur im vertraulichen Kreis.

Die Damengarderobe ist komplizierter.

Das weiß doch ein jeder. - Das denkt man.

Aber das Gegenteil war der Fall.

Die Dame hat gewonnen, und wisst ihr, wieso?

Im Brokat des männlichen Gewands verfängt man sich allzu leicht.

Seide dagegen... ist so glatt.

Beinahe schlüpfrig.

Wie eine Schlange.

Ist nicht nur praktisch, sondern auch verführerisch.

Was tragt Ihr denn, Madame, wenn ich so kühn sein darf?

* Barockmusik *

Gehst du noch aus?

Nur ein Spaziergang.

Ist die Fritz auch dabei?

Geh halt mit.

Ich muss noch Korrespondenzen erledigen.

Außerdem bin ich müde.

Dann leg dich hin.

Bestrafst du mich dafür, dass ich Herrscherin Österreichs bin?

Das liegt mir fern.

Ich will nur ein normales Leben.

* Es klopft an der Tür. * Was will er schon wieder?

Verzeiht, Durchlaucht.

Ein Kurier ist angekommen mit einer Depesche von Friedrich II.

Friedrich will Euren Gatten bei der Kaiserwahl protegieren.

Und wenn ich nicht Kaiser werden will?

Im Gegenzug verlangt er Schlesien. Andernfalls...

Friedrich droht uns also?

Holt den Harrach, schnell!

* Spannungsvolle Musik *

Was ist denn passiert? - Noch nichts.

Die Preußen sind rabiat, aber das ist ja keine Neuigkeit.

Setzt es dir zu, dass du nicht da drin sein kannst, bei ihr?

Nein.

Ich habe keine Begabung zum Trübsal-Blasen.

Außerdem, morgen kommen die Händler aus der Toskana.

Das finde ich weitaus unterhaltsamer.

Du denkst an so was, wenn das Land in Bedrängnis ist?

Das Land ist ständig in Bedrängnis, seit Jahrhunderten.

Heute wird sich daran nichts ändern, glaube ich.

Lehnt Ihr ab, stellt Friedrich die Grenzvereinbarungen infrage

und das Ganze als Vorwand für eine Annexion nutzen.

Das glaube ich nicht.

Grumbkow garantiert mir ein Bündnis.

Was soll ich Friedrich sagen?

Dass ich auf seine Forderung nicht eingehen werde.

Ich bitte Euch, schützt wenigstens vor, dass Ihr verhandeln wollt.

Wir gewinnen damit Zeit.

Soll ich diplomatische Haken schlagen wie Prinz Eugen?

Sicher nicht. - Ihr wählt den falschen Weg.

Ich sitze nicht auf dem Thron, um zu buckeln, vor einem Preußen.

Schreibt Friedrich, ich, die Erzherzogin,

gehe auf sein Angebot nicht ein.

Punkt.

Ich schreibe Grumbkow. Er wird sicher alles aufklären können.

Die holländische und die ostindische Schifffahrtsgesellschaft streiten.

Die Zufuhr von Seide stockt.

Und in Frankreich sind die Lager leer.

Wir kaufen italienische Seide und holen die Franzosen her,

wenn sie in Frankreich keine Arbeit haben.

Hoheit.

Wozu wird das gebraucht? - Das ist eine Kinderschaukel.

Hier ist man interessiert an Seide? - Mich würde es nicht tragen, oder?

Aber Gräfin...

Bitte.

Darf ich?

Nehmt Platz.

Interessant.

* Schreckenslaut *

Nicht sehr elegant, oder? - Wenn sie sie nur trägt.

* Romantische Musik *

Oh, ich fliege! - Gemütlichkeit.

Oh!

Ist das Leinen?

Mhm. Gefällt es Euch?

Die Damen in Frankreich schwören nur noch auf Seide.

Ach ja? - Mhm.

Wie vielen Französinnen habt Ihr schon unter den Rock geschaut?

Die Höflichkeit gebietet, darüber zu schweigen.

Aber so viel kann ich verraten:

In allen fraglichen Fällen waren die Röcke stets aus Seide.

* Kichern * Meine Herren.

Die Verbreitung von Seide fordert unseren Einsatz.

Am Ende werden wir Erfolg haben, ganz sicher. - Mhm.

Wer ist denn das alles? - Das? Nur die Haus- und Hofnattern.

Am besten, Ihr beachtet sie gar nicht.

Wieso? Haben sie etwas gegen mich?

Ihr seid zu jung, zu schön und zu begabt für ihren Geschmack.

Und das ist alles?

Ist nicht egal, was sie von Euch denken?

Nein, das ist es nicht.

Majestät, ich fühle mich geehrt. - Wirklich?

Man sagt, er fühlt sich von meiner Herrschaft kompromittiert.

Nie würde ich so etwas denken. - Ist das so?

Meine Herren.

Fühlt sich Graf Lorenz wohl?

Also nicht. Wie kann ich für sein Wohlbefinden sorgen?

Mehr Depeschen, Dekrete? Mehr Delegationen empfangen?

Ihr seid zu liebenswürdig. - Er meint, zu schwach.

Wir in Europa sollten zeigen, dass wir keinen Konflikt fürchten.

Er erwartet, dass ich mir ein Kettenhemd anlege und Krieg führe.

Durchaus nicht, Majestät.

Für militärische Belange wird sicher Euer Gemahl zuständig sein.

Mein Gemahl hat andere Vorzüge.

Hm.

Da habt Ihr sicher recht.

* Kichern * Lasst mich hier noch mal fühlen.

Okay.

So lasst mich schauen!

* Kichern *

* Schreie *

Darf man fragen, was da los ist?

Ich untersuche, welche Materialien beliebt sind.

So wie es aussieht, führt Leinen,

aber ich versuche, sie von den Vorzügen der Seide zu überzeugen.

Das Schreiben an Grumbkow hätte er längst senden sollen.

Marschall Grumbkow ist tot, Hoheit.

Er wurde festgenommen und wegen Landesverrats hingerichtet.

Was soll das heißen?

Ich weiß es nicht.

* Düstere Musik *

Der Marschall Grumbkow war also ein Diener zweier Herren?

Hochinteressant.

Das nehme ich in meine Annalen auf.

Was meint Ihr mit Diener zweier Herren?

Gesandter der Preußen. Für sie sollte er am Wiener Hof spionieren.

Und er hat sich vom Prinzen von Savoyen bestechen lassen.

Dann war er aber doch auf unserer Seite, oder?

Solange Savoyen am Leben war, später sicher nicht mehr.

Savoyen war doch selbst ein Intrigant.

Wenn Ihr ihn so nennen wollt.

Aber er hat immer zu unserem Wohle intrigiert.

Denkt er, ich hab' mich im Prinzen getäuscht?

Vielleicht täuscht Ihr Euch auch in anderen Menschen, Hoheit.

Hat Grumbkow wirklich meinen Vater vergiftet?

Sein kann viel, Hoheit.

Grund dazu hätte er gehabt.

Grumbkow wollte Euch auf dem Thron sehen,

weil er Euch für eine leichte Beute hielt.

(Zögerlich) Und er, Spannagel?

Denkt er auch, dass ich eine schlechte Herrscherin bin?

Ich weiß es nicht.

Ich verstehe die Dinge erst, wenn sie Geschichte geworden sind.

Ihr vernachlässigt Eure ehelichen Pflichten, Maria Theresia.

Hat sich mein Gemahl beschwert?

Er sucht woanders Zerstreuung.

Das hat ja wohl so kommen müssen.

Ist es denn meine Schuld, wenn er sich Abwechslung sucht?

Wenn Ihr nicht einmal Euren Mann halten könnt,

wie wollt Ihr es schaffen, das Reich zu halten?

Kommt zu Euch!

* Sie stöhnt. *

Luise.

(Schreiend) Luise!

* Düstere Musik *

Findet Wiener Bürger, die in eine Tuchmanufaktur investieren wollen.

Wir produzieren viel Seide.

Wenn Ihr nur wüsstet, was die Damen so tragen.

Das würde ich nur zu gern wissen.

Und wir machen Wolle. Die Güter in Ungarn sind ideal für Schafe.

Wir produzieren Tuch besser als das aus Flandern.

Oh, kühner Plan.

Wollen wir wetten, ich packe das? - Ich bin nur ein Kammerherr.

Ihr wisst, Ihr würdet verlieren. - Ja.

Also, dann schreibt. Sehr gut, stellt den Sessel dahin.

Der Vorschlag Harrachs für die Ratssitzung.

Der Rapport über unsere Garnisonen in den Provinzen. - Warte.

Ist ja gut. - Was hat sie denn?

Wahrscheinlich die Zähnchen. - Sie darf sich empfehlen. Na?

Oh, oh. - Hat sie Temperatur?

Sie wird hier nicht gebraucht, Gräfin.

* Babygeschrei *

Pst.

Warum ist die bei meiner Tochter?

Verzeiht, die Fritz wollte nur helfen.

Ich bringe sie zum Masseur. - Ich mach' das schon.

Ihr müsst doch arbeiten.

Ich will nicht, dass die Gräfin denkt, sie müsste sich kümmern!

Da habt Ihr recht, Hoheit.

Aber bedenkt,

dass gewisse Gräfinnen Euch nicht nur als Mutter ersetzen wollen.

Was hast du vor?

Ich will mich hinlegen.

Hm.

So früh kann ich nicht schlafen.

Ich hab ja auch nichts von Schlafen gesagt.

Aber... du wolltest ja gerade gehen.

Wie kommst du darauf?

Wenn ich nicht die Herrscherin von Österreich wäre,

würde ich mich bei dir entschuldigen.

Ich ertrage es nicht, wenn du dich entschuldigst.

Tue ich ja auch nicht.

Aber wenn, dann würde ich sagen,

dass ich in letzter Zeit ein bisschen überreizt war.

* Romantische Barockmusik *

Du bist die schönste Frau, die ich je gesehen habe.

Du denkst noch immer so?

Oh ja.

* Die Musik geht weiter. *

* Heftiges Stöhnen *

* Es klopft an der Tür. *

* Es klopft weiter. *

* Düstere Klänge *

Verzeiht, Hoheit.

Die Preußen sind in Schlesien einmarschiert, ins Landesinnere.

Bitte?

Wir haben Krieg, Hoheit.

Der preußische König ist mitten in der Nacht

und mit mehr als 20.000 Mann in Schlesien eingefallen.

Unsere Regimente waren chancenlos. - Wer hat die Depesche gebracht?

Ich will es von ihm selbst hören.

Der Adjutant von General Choltitz, Majestät.

Was ist mit dem Volk von Schlesien?

Sind sie den Unsrigen im Kampf beigestanden?

Haben sie sich versteckt? - Mh-mh.

Die Flucht ergriffen? - Mh-mh.

So sprech er doch oder ich lass' ihn degradieren.

Sie haben sie bejubelt.

Wen?

Die Preußen?

Was habt ihr den Leuten angetan?

Red er oder will er den Strick spüren?!

* Er atmet heftig. *

Die Unsrigen haben geplündert.

Sie hatten Hunger.

Sie haben das Wild in den Wäldern geschossen, Pferde geschlachtet,

aber der Hunger blieb, es war nicht genug.

Nur Kälte und Not.

Öffnet die Reservelager.

Schickt die Hälfte unserer Vorräte zu den Regimentern.

Das wird nicht sehr lange reichen.

Öffnet die königlichen Gehege, schickt das Wild an die Front.

Tut etwas. Der Hunger muss ein Ende haben.

Hoheit, gestattet einen Moment. - Was denn?

Hat er einen Rat vom Savoyen aus dem Jenseits?

Ich will nur helfen, Hoheit. - Will er das?

Will er sich statt meiner auf den Thron setzen?

Wie bitte? Was meint Ihr? - Er weiß besser, wie das geht.

Der Geist des Savoyen flüstert ihm sicher beim Regieren ein.

Man jagt die königlichen Gehege ab, selbst wertvollste Hirsche.

Greifen wir ein. - Wir müssen unsere Haut retten.

Wir verlassen den Hof. - Wir werden Friedrich aufhalten.

Das Mädel mit dem Dickkopf und dem Heer aus Vagabunden?

Denk nach, Schwarz!

Wir warten in der Toskana auf Euch.

* Die Pferde schnauben. * (Kutscher) Hüja!

Wie lange reichen die Vorräte an der Nordgrenze?

Nicht sehr lange. Wir brauchen mehr Regimente an der Front,

wenn wir die Preußen aufhalten wollen,

und die müssen versorgt werden.

Verzeiht, Hoheit.

Ich komme wegen Prinzessin Karolina. Es könnten die Pocken sein.

Sind sie es?

(Zögerlich) Ja dann, steh Gott uns bei.

Gebe er ihr eine Medizin und gehe jetzt.

Fahrt fort.

Die Preußen sind in Böhmen eingerückt.

Lächelt doch, Hoheit.

Tut so, als wäre alles in Ordnung.

Sie haben doppelt so viele Soldaten.

Und sie sind besser ausgerüstet. - Ich weiß, ich weiß.

Was ist passiert? - Alles ist in Ordnung.

Wirklich?

Gib uns einen Moment, ich erkläre es später.

Ist Sekretär Bartenstein da? - Wieso?

Ich will eine Audienz bei meiner Gattin.

Das musst du doch nicht.

Doch.

Wir sollen zusammenstehen, in guten wie in schlechten Zeiten.

Ich fühle mich wie das fünfte Rad am Wagen.

Sie kann ohne mich nicht leben? - Daran hat sich nichts geändert.

Oh doch.

Jetzt störe ich nur noch und halte dich ab.

* Sanfte Barockmusik *

* Flüstern, Kichern *

Letztes Jahr um diese Zeit hatte ich in meinem Journal

bereits an die 70 Bälle verzeichnet.

Schaut, wie es jetzt ist.

Der Zuckerbäckerball, der Jägerball, der Bonbonball:

Alle abgesagt, und auch alle Maskenbälle.

Das ist das Ende.

Die Straußens und Liechtensteins sind abgereist.

Graf Lorenz, Baron Hegenbarth.

Gräfin Strauß schreibt aus Paris. Sie sollen bei Hofe geladen sein.

In anderen Ländern weiß man den österreichischen Adel zu schätzen.

Verschwänden wir, würde es die Erzherzogin gar nicht bemerken.

Simsalabim!

(Frau, erstaunt) Oh!

* Gelächter *

Simsalabim?

Sollen sie doch alle verschwinden.

Ihr würdet die Gräfin Fritz nicht vermissen.

Der ganze Hofadel kann verschwinden.

Wie könnt Ihr von den Soldaten Treue erwarten, wenn der Adel geht?

Beherrscht Euch, Graf. - Er hat doch recht.

* Böses Kichern *

* Stimmengewirr *

Meine Liebe. - Mhm?

Schaut so aus, als bräuchtet Ihr ein paar kandierte Veilchen.

Langweilen Sie sie nicht mit Ihren Militärangelegenheiten?

Sonst bin ich arg böse.

Die jetzige Situation... - Ach was, Situation.

Irgendeine Situation ist immer. Kommt.

* Die Frauen lachen. *

* Stimmengewirr *

Ich hatte mir extra ein Kleid einer Francaise schneidern lassen.

Das arme Kleid liegt die ganze Zeit im dunklen Kasten.

Und am Ende fressen es die Motten.

Ihr dürft das einfach nicht zulassen, Elisa.

Im Namen Eures Kleides ersuche ich Euch: Führt es aus und zeigt es.

Habt Ihr für Eure Kleider schon irgendwelche Pläne?

Die sonnige Toskana. Pst.

Kommt doch mit uns.

Elisa, das dürft Ihr nicht.

Denn Franz Stephan, das wissen alle, braucht Eure weibliche Gesellschaft.

Ich würde am liebsten sterben oder krank werden.

Warum?

Ich könnte die Tür zumachen und keiner müsste reinkommen.

Dann mach zu und stell die Wachen auf.

Aber jeder braucht ja was von mir.

Jeder will was von mir, jeder hat mir etwas Wichtiges zu sagen.

Und ich mache alles falsch!

Für den Rat bin ich eine schlechte Strategin,

für Franz eine schlechte Frau!

Für den Arzt eine schlechte Mutter, die sich nicht kümmert!

Die Soldaten wollen nicht für mich kämpfen!

Der Adel flieht scharenweise aus Wien!

Und in Schlesien wird Friedrich als Retter gefeiert!

Und das Schlimmste ist...

Ja?

Das Schlimmste ist, dass Kinsky die ganze Zeit recht gehabt hat.

Hat er wohl.

* Seufzen * Du schaust fürchterlich aus.

Wenn du die Dinge wie ein Mann und mit Gewalt machst,

wirst du deine Ziele nie erreichen.

Du bist eine Frau, sei zart.

Soll ich über Unterröcke reden, während Soldaten krepieren?

Wein trinken, während Hunger herrscht?

Selbstverständlich.

Lass mich! - Ach.

Je schlimmer die Lage im Land, desto wichtiger der schöne Schein.

Darum kümmert sich ja die Fritz.

Dann mach das gefälligst auch.

Biete ihr die Stirn!

Schnapp sie dir!

Er war so schüchtern.

Die Erzherzogin bittet die Gräfin Fritz zu einer Audienz.

Es wird uns eine Ehre sein, der Erzherzogin Gesellschaft zu leisten.

Nur Ihr allein, Gräfin.

Ach, ich soll allein kommen? Wann denn?

Sofort.

Es schaut so aus, als ob ich festgenommen werde.

Wenn Ihr mir bitte folgen wollt.

Lorenz, Tulln, Liechtenstein, Schönborn.

Sie alle haben Wien ohne meine Einwilligung verlassen.

Die Liste wird auch von Tag zu Tag länger.

Sie weiß davon, Gräfin, nicht?

Bedaure, darüber bin ich nicht informiert.

Sie bleibt dem Wiener Hof treu, hab' ich gehört.

Gräfin, das freut mich.

Auch wenn der Grund dafür mein Gemahl ist,

und das freut mich weniger.

Das sind nur böse Gerüchte.

Seine Zuneigung gefällt ihr. Fühlt sie sich bedrängt?

Spreche sie ehrlich mit mir.

Elisa, ich...

Ich kann Ihnen mehr anbieten als die Gunst irgendeines Herzogs.

Meine Gunst.

Unsere Beziehung wird wohl nicht so leidenschaftlich sein.

Aber sie wird viel länger halten, ich bin treu.

Ich nehme an, die Treue hat ihren Preis.

Von nun an...

wird alles, was mir nützt auch ihr nützen, Gräfin.

Aber jetzt wollen wir uns um ihr Ballkleid kümmern.

Wir wollen ja nicht, dass die Motten es fressen.

* Feierliche Orchestermusik * Die Dame, bitte.

Ein Erzherzogsball, eine echte Neuheit.

Es wird fantastisch, pompös und ganz exquisit.

So einen Ball hat Wien seit Jahren nicht erlebt.

Graf Schwarz,

darf ich Euch die Einladungen für den Grafen Lorenz geben?

Natürlich.

Aber nur gesetzt den Fall, ah, man wäre nicht in Wien...

Das wäre in der Tat sehr bedauerlich.

Wer bei diesem Ball fehlt, kriegt nie wieder eine Einladung.

Das wäre für jeden der gesellschaftliche Tod.

Glaubt Ihr wirklich, die Erzherzogin will so streng sein?

Nein.

Ihre Hoheit kann sich nicht einmal vorstellen,

dass jemand ohne Erlaubnis den Hof verlässt, Graf.

* Klimpern *

* Seufzen *

Hoffentlich bleiben wir nicht allein mit der ganzen Pracht.

Hoheit. Von den Pocken ist jetzt auch das Gesicht betroffen.

Hauptsache, sie überlebt.

Seine Hoheit ist bei ihr. - Ich komme.

Ihr müsst Euch noch ankleiden.

Ich muss zu meinem Kind.

Ihr könnt der Kleinen jetzt nicht helfen.

Aber hier werdet Ihr gebraucht.

Eure Aufgabe ist es heute, den anderen Mut zu machen.

Genau das war doch Euer Plan.

Und morgen könnt Ihr dann den ganzen Tag bei ihr sein.

Sie kriegt neue Medizin. Die schlägt an, glaube ich.

Herr, mach, dass das wahr ist.

Sie schläft ruhig wie ein Engel.

Gott sei Dank.

Wir können.

Noch nicht, ich...

Da drin tut sich kein Laut, es ist keiner gekommen.

Dann haben wir eben den ganzen Saal für uns.

Ein Ball, auf dem ich alleine tanze.

Da kann ich ja gleich abdanken.

Öffnet!

* Feierliche Orchestermusik *

* Stimmengewirr *

Graf Lorenz mit Gemahlin? Eine Überraschung.

Habt Ihr Wien nicht verlassen? - Nein, doch nicht verlassen.

Das war nichts weiter als eine Landpartie.

In diesen schweren Zeiten sind wir hier.

Bei unserer Erzherzogin, der wir tief ergeben sind.

* Die Musik geht weiter. *

* Applaus *

Der letzte Tanz dieses Abends gehört nun

Ihrer Erzherzoglichen Hoheit Maria Theresia

und Seiner Durchlaucht Franz Stephan, Herzog der Toskana.

Ich danke Euch, dass ihr dieser Einladung gefolgt seid.

Wir erleben stürmische Zeiten.

Doch dank seiner Getreuen wird das Haus Habsburg-Lothringen

alle Unwetter sicher überstehen.

Und nun möchten der Herzog und ich...

zwei von Ihnen mit einem Tanz belohnen.

(Alle, staunend) Oh.

Diesen Tanz widme ich...

widme ich ihm, Graf Kinsky.

Mir?

* Kichern, Flüstern *

Seid Ihr Euch sicher? - Absolut.

Und damit mein Gemahl nicht verlassen dasteht,

bitte ich Gräfin Fritz, sich seiner anzunehmen.

* Raunen * Elisa.

Ihr werdet ihm doch den Tanz sicher schenken?

Stets ganz zu Euren Diensten, Hoheit.

* Streichmusik *

Er darf nicht glauben, dass er diesen Tanz ganz umsonst kriegt.

Was immer Ihr wünscht, Hoheit, ich stehe zu Diensten.

Ich erwarte ihn am Montag bei der Ratsversammlung.

Es ist mir eine Ehre, dort Gast zu sein.

Nicht als Gast.

Ich brauche einen ständigen, verlässlichen Berater.

Allerdings nur, wenn er mir nicht sagt,

was Prinz von Savoyen an meiner Stelle getan hätte.

Savoyen?

Savoyen, helft mir, Hoheit, wer war das noch?

* Die Musik geht weiter. *

Ich habe Euch in letzter Zeit vermisst, Gräfin.

Eure Gattin hat den größten Teil meiner Zeit beansprucht.

Ich konnte mich noch nicht einmal für die Seide bedanken.

Und, tragt Ihr sie?

Ratet.

Da muss ich nicht raten.

Wetten wir, wer weniger Zeit zum Auskleiden braucht?

Aber Herzog!

Wer sollte uns daran hindern?

Hm.

Mein Herz.

Habt Ihr es einem anderen geschenkt?

Ja, Eurer Gemahlin.

Bei ihr ist es nämlich sicherer aufgehoben als bei Euch.

* Heitere Barockmusik *

Ruhm und Ehre unserer Erzherzogin.

Auf den Sieg unserer Soldaten. - Auf den Ruhm des Hauses Habsburg.

(Alle) Bravo! * Applaus *

(Mann) Bravo.

Auf die Weisheit und die Schönheit meiner wundervollen Gattin,

der Erzherzogin Maria Theresia!

(Alle) Bravo! * Applaus *

* Stimmengewirr *

(Mann) Sie lebe hoch.

(Mann) Bravo!

(Alle) Bravo!

* Kichern *

Es tut mir leid.

Wir konnten nichts mehr tun.

* Er wimmert. *

* Franz Stephan schreit. *

* Er schluchzt. *

* Stöhnen *

* Treibende Musik *

(Keuchend) Und? Was hat Kinsky gesagt?

Die Preußen haben ein neues Angebot, den Frieden.

Ihr kriegt ein Kind und wir alle den Frieden. Jetzt fest atmen.

Einatmen. - Und was wollen sie dafür?

Sachsen, und zusätzlich noch Glatz.

Machen wir einen Kaiserschnitt.

Auf keinen Fall! - Was meint Ihr? Auf keinen Fall was?

Preußen, wir geben dem Untier keinen Zoll vom Reich!

Preußen garantiert Frieden, wenn es die annektierten Gebiete bekommt.

Wir müssen das annehmen. - Dann können wir Luft holen.

Friedrich will nur unsere Kapitulation erzwingen.

Habt Ihr vielleicht eine bessere Lösung?

Gleich werdet Ihr schlafen und nichts mehr spüren.

Ruft den Bartenstein!

Wir müssen es so zur Welt bringen. - Bitten wir Frankreich um Hilfe!

* Sie atmet schwer. * Hoheit!

Hört Ihr mich? Ihr müsst wach bleiben!

Eine Steißgeburt. - Wartet draußen.

Wartet draußen, geht! - Au!

* Schrei *

Was ist passiert?

Lebt sie? - Ihr habt einen Sohn, Hoheit.

Und sie?

Hat er gehört, was ich gesagt habe?

Liebes.

Pst.

* Triumphale Musik * Gelobt sei Gott, der Herr!

Es ist ein Bub! Das Reich hat einen Thronfolger.

Oh, dem Himmel sei Dank!

Es ist ein Bub.

Oh, Gott im Himmel.

Ein Sohn!

Es ist endlich ein Sohn!

Ja! * Jubel *

Liebes.

* Laute vom Baby *

Schau, Josef, da ist sie.

Das ist deine Mama.

Ist sie nicht schön?

Sie ist die schönste Mama der Welt.

Er sieht der Karolina nicht ähnlich.

Karolina ist im Himmel.

Wir haben jetzt einen Sohn, hm?

* Entfernter Jubel *

Horch, wie sie sich mit uns freuen.

Es gibt keinen Grund zur Freude. Er ist zu spät geboren.

Die Preußen sind im Anmarsch. Bald wird es Krieg geben.

(Mann) Hurra!

(Frau) Bravo!

Er lebe hoch!

* Stimmengewirr, Babygeschrei *

(Frau) Er lebe hoch! * Jubel *

(Mann) Hurra!

(Frau) Er lebe hoch!

(Mann) Bravo! - (Frau) Viel Glück!

* Düstere Musik *

(Frau) Er lebe hoch!

* Jubel *

* Die Musik geht weiter. *

Hoheit.

Die Bayern haben uns den Krieg erklärt, oder?

Ja, leider.

Eure Hoheit...

Frankreich ist auch in den Krieg gegen uns eingetreten.

Aber...

Aber wir haben Frankreich doch ganz Lothringen gegeben.

Ja.

Aber sie haben uns verraten.

* Sie atmet laut aus. *

* Baby gluckst. *

Und du stirbst mir nicht.

Na, du?

Pst. Pst, pst.

* Babylaute * Versprichst du mir das?

* Er gluckst. *

Pst, pst.

Pst, pst, pst, pst.

Wie sicher, glaubt er, ist es, dass Bayern uns wirklich angreift?

Wir verhandeln über territoriale Zugeständnisse.

Ihr kapituliert ohne mein Wissen?

Kapitulation und Verhandlung sind nicht dasselbe.

Wir verhandeln nicht mit der anti-habsburgischen Koalition,

sondern werden es nur mit einzelnen Staaten tun.

Bayern muss das Bündnis

mit Frankreich, Preußen und Spanien aufkündigen.

Spanien? - Sie sind wie die Bluthunde.

Gierig, ein Stück vom Habsburger Reich zu verschlingen.

Jedenfalls gewinnen wir Zeit.

Wir werden die Truppen an die Nordgrenze verlegen müssen.

Sie sind schon im Marsch, sie passieren gerade Wien.

Danke, Kinsky.

Und ich will sie noch sehen.

Verzeiht, Hoheit, aber ich fürchte,

eine Parade wäre jetzt unangebracht.

Ich will ja auch keine Parade.

Die Männer sollen wissen, dass man sie braucht,...

dass man stolz auf sie ist.

* Melancholische Musik *

Achtung!

Das Gewehr über!

Eins.

Zwei.

Drei.

Es wird Stiefel für alle geben und ausreichend Verpflegung.

(Eindringlich) Der Feind, die Preußen, sind stark!

Sie sind mehr an der Zahl und haben starke Waffen!

Die stärkste Waffe aber haben wir!

Unseren Glauben!

Denn der Herr im Himmel ist auf unserer Seite!

Lasset uns also beten.

Gnädiger Herr im Himmel...

stehe diesen tapferen Männern in ihrem gerechten Kampf bei.

(Kraftvoll) Strafe den Feind mit Schmach und Verderben!

* Dumpfe Schritte, Kriegsgeräusche *

Allmächtiger Herr, unser Schöpfer,

du hast unser Schicksal in die Hände unserer Feinde gelegt.

Aber wir flehen dich an,

zeigt Barmherzigkeit mit uns armen Sündern.

Zürne nicht länger uns,...

die wir deine treuen Diener sind, für alle Zeiten.

Denn du bist der Herr der Welt, jetzt und immerdar.

* Melancholische Musik *

* Wiehern *

* Husten *

(Mann) Allmächtiger Herr, unser Schöpfer,

für unsere Sünden hast du uns in die Hände unserer Feinde gegeben,

die uns grausam geschlachtet haben.

Herr, ich flehe dich an, erbarme dich unserer armen Seelen.

Zürne nicht länger mit uns armen Sündern, die wir deine Diener sind.

Erlöse uns von diesem Schrecken und wir wollen dich ewig preisen.

Herr, nimm diese armen Seelen gnädig bei dir auf.

Amen.

* Traurige Orchestermusik *

5.000 Gefallene.

Wir werden England um Hilfe bitten müssen.

Sie sollen uns Waffen und Essen schicken.

Nein.

Wir bitten die Ungarn um Hilfe.

Wenn Ihr mir untertänigst erlauben wollt.

Kürzlich habt Ihr gesagt, Ungarn will sich von uns loslösen,

sie würden nie für uns sterben.

Nun, die Situation hat sich geändert, nicht?

Ihr wollt vor den ungarischen Landtag treten und verkünden:

"Ich werde eure Königin, schickt mir 60.000 Soldaten"?

Ja.

In etwa.

Zuerst gewinne ich unter dem Adel Verbündete.

Einige waren meinem Vater treu ergeben.

Sie unterstützen mich sicher.

Verzeiht, wenn ich in aller Ehrfurcht widerspreche, Hoheit.

Aber Eurem Vater war niemand treu ergeben.

Und wenn wir sie bestechen? - Der Krieg frisst alles Geld.

Ohne sie verlieren wir. - Wir haben keine Wahl.

Bevor ich was abtrete, müssen alle meine Heere totgeschlagen sein!

* Eine Uhr tickt. *

Bartenstein soll nach Ungarn schreiben.

Eine Einladung zu einer Audienz.

Einladung an wen, Hoheit?

An Nikolaus Esterházy.

Oder was hätte Prinz Eugen von Savoyen an meiner Stelle getan?

Er hätte mit Esterházy verhandelt.

Na eben.

Sag ich ja.

Es ist vom Juden.

Ich habe ein Vermögen ausgegeben, aber es lohnt sich.

Das ist doch stillos.

So bemerkt er mich.

Um wen geht es?

Um Nikolaus Esterházy.

Esterházy kommt, um politische Verhandlungen zu führen, Gräfin.

Er schätzt von jeher vor allem das Vergnügen, wie ich.

Ich habe eine Schwäche für den Schnurrbart.

Er trägt einen Schnurrbart?

Alle Ungarn haben einen.

Sie zwirbeln die Schnurrbärte, fuchteln mit den Säbeln

und rollen dabei die Augen.

Wobei rollen sie denn die Augen? - Darf ich?

Aber ich kriege die doch wieder?

Sie geht schon mal die Kissen aufschütteln.

Wie ich sie kenne, macht sie sich als Erste an Esterházy ran.

Hoheit.

Elisa, ich hab keine Zeit.

Ich bereite mich auf seine Ankunft vor.

Genau deswegen bin ich auch hier.

Luise!

Und was soll ich damit?

Man muss die Schwächen des Gegners ausnützen.

Er hat eine Schwäche für weibliche Reize.

Das überlasse ich gern ihrer Obhut, ja?

Ein bisschen zu gewöhnlich, oder?

Danke, sehr schön.

Das ist alles?

Wenn es dir eine Freude macht, zieh' ich es gerne an.

Solltest du deine Dankestränen unterdrücken,

ist dir das wunderbar gelungen.

Meine Verehrung, die Damen. Was für ein schöner Morgen.

Entschuldigt meine Kühnheit, Hoheit.

Würde ich Euch nicht persönlich kennen, wüsste ich nicht,

wer der Herr und wer der Diener ist.

Oh.

Ich gehe ja auch zur Arbeit.

Arbeit.

Zur Arbeit?

Ja.

Wir brauchen dringend Geld.

Ihr seid von adligem Blut.

Das Geld verdienen die Untertanen. Ihr seid der Herrscher.

Wenn die Kasse gefüllt ist, herrscht es sich leichter.

Und wo arbeitet Ihr?

Ich habe zwei Tuchmanufakturen und eigene Schneidereien.

Kommt ruhig einmal vorbei. Die Damen.

Hm.

* Heitere Barockmusik *

Man erwartet Euch. Ihr werdet sogleich empfangen, Graf.

Seine Durchlaucht, Graf Esterházy de Galántha.

* Unverständliches Stimmengewirr *

Das ist allerdings ein mächtiger Schnurrbart.

Bleib sitzen.

Ihr habt uns gefehlt, Majestät.

Wie ist Euer Befinden?

Ausgezeichnet, Graf. Und das Eurer Gnaden?

Beschäftigt Ihr Euch immer noch mit solch schwieriger Lektüre?

Und er?

Stößt er sich noch daran, wenn Frauen eigenständig denken?

Ich schäme mich dafür.

Es ging mir nur darum, dass Ihr mich bemerkt.

Fühl er sich willkommen am Hof.

Es freut uns, dass er unserer Einladung gefolgt ist.

Sehr erfreut. - Und alles zu Pferde.

Gräfin Lorenz, Hoheit. * Kichern *

Er würde es nicht bemerken. - Nun ja...

Meine Güte, Graf.

Werden die Damen heute Abend dabei sein?

* Heitere Musik *

Wenn er es wiedergutmachen will, kriegt er jetzt die Gelegenheit.

Zusammen können wir die Preußen aufhalten.

Wir beide?

Ihr meint, Ihre Hoheit und ich? - Ich brauche die ungarische Armee.

Sonst kann ich die Erblande nicht halten.

Hoheit. - Gräfin.

Diese Tatsache ist den Ungarn bekannt.

Ja? Ist das so?

Wir Ungarn sehen nur keinen Sinn in einem Bündnis mit Schwachen.

Seiner Meinung nach bin ich also schwach?

Werdet Ihr mich jetzt für meine Unverschämtheit bestrafen?

Er hat auch jeden Grund, besorgt zu sein.

Die katholische Kirche ist ihm nicht mehr so eine Stütze.

Unter dem ungarischen Adel gibt es Protestanten.

Ihr seid gut informiert.

Mit einer Katholikin auf dem Thron ändert sich das.

Sie könnte das Volk zum wahren Glauben zurückführen.

Das wäre ein Segen für ihn, Graf.

* Gelächter *

Genug jetzt von Politik.

Elisa.

Rettet ihn, bevor ich ihn länger mit meinem Gerede langweile.

Die Damen.

Dürfen wir Euch Gesellschaft leisten?

Sehr freundlich. Sehr erfreut. - Hoheit.

Wir haben einen neuen Witz. - Entschuldigt mich.

Ein andermal gern. Hat mich gefreut.

Ein andermal, Verehrteste. - Es dauert nicht lange.

* Heitere Barockmusik *

(Leise) Diese Arroganz.

Vielbeschäftigte Würdenträger haben es immer eilig.

Ich verstehe ja nicht viel von Politik, aber sagt mir,

kennt Ihr ein Reich, in dem die schönste Frau am Thron sitzt?

Sicher nicht.

Meinst du? - Ist gut.

Ich wüsste nicht.

Schade, dass sie schon vergeben ist.

Ihr wärt ein bezauberndes Paar.

Und Ihr seid eine kecke junge Dame.

Sagt, wie heißt Ihr?

Wilhelmine Colloredo.

Stets zu Euren Diensten, Graf.

Und wozu sollte ich Eure Dienste brauchen, Wilhelmine Colloredo?

Ich würde Euch ja gern helfen, Hoheit.

Doch ich bin nicht sicher, dass ich dazu in der Lage bin.

Der Prinz von Savoyen hat die Osmanen aus Ungarn vertrieben.

Findet er das lustig?

Wenn der arme Eugen gewusst hätte,

dass Ihr Euch auf seine militärischen Verdienste beruft...

Er hat es gewusst.

Was, Maria?

Dass ich einmal so verzweifelt bin und um Hilfe flehen muss.

Graf, ich weiß, man nennt ihn den ungekrönten König Ungarns.

Warum hilft er mir auf den Thron? - Zum Beispiel aus...

Aus Liebe.

Tse.

Wie würde man so etwas in den Geschichtsbüchern erklären?

Aber ich bitte Euch.

Der treue Spannagel fände auch dafür eine Lösung, Königstöchterchen.

Wird er mir helfen?

Hm.

Wie wäre es, wenn wir alles Weitere morgen bei einem Ausritt besprechen?

Allmählich werde ich eifersüchtig auf dich, Bruder.

Das kann ich verstehen.

Die Damen bei Hof haben sich herausgeputzt.

Sie freuen sich schon lange auf Euch.

Seht doch die Dekolletés. - Ich verspreche nichts.

Vielleicht war der Anblick nicht für mich bestimmt.

Das kann ich Euch versichern.

Gräfin von Graben, kommt, ich möchte euch bekannt machen.

Ihr entschuldigt.

Von Eurem Charme und dem Schnurrbart schwärmt sie mir schon lange vor.

Für so ein wundervolles Geschöpf würde ich sogar in den Krieg ziehen.

* Kichern *

Womit kann ich Euch dienen, Gräfin?

Ich würde zu gern etwas mehr über Ungarn erfahren.

Stimmt es eigentlich,

dass Ihr auf dem Spielberg diesen üblen Kerker habt?

Ja, mit Folterkammern.

Reitest du nicht mit aus? - Ich will euch nicht stören.

Du störst nicht. Komm mit.

Ich habe ein Picknick richten lassen.

Ein Konzert, ein Picknick, ein Maskenball. Du übertreibst.

Bitte? - Wir müssen sparen.

Wegen drei Brathendln? - Wir brauchen jeden Gulden.

Welchen Krieg hat man durch Sparen gewonnen?

Wir brauchen Männer für den Krieg. - Zu denen werde ich nie gehören.

Ich tauge nur dazu, eine Schaukel zu bauen, meinst du das damit?

Nein.

Wenn uns keiner beschützt, machen die Preußen daraus Späne.

Esterházy spielt den Retter, und ich kümmere mich um die Schaukeln.

Sei vernünftig.

Komisch, ich wollte dir grad das Gleiche empfehlen.

* Verspielte Musik *

Langsamer, Maria!

* Wiehern *

Geht es? - Ja, danke.

Steigt ab, Hoheit.

Alles in Ordnung?

Mhm.

Der Damensitz ist gefährlich.

* Das Pferd schnaubt. *

Warum probiert Ihr nicht mal den Herrensattel?

Ich werde sicher nicht so vor ihm reiten.

Wieso nicht?

Weil es sich nicht ziemt, Graf.

Es ziemt sich nicht?

Ach, das ist nichts weiter als Gewohnheit.

Es ziemt sich nicht.

Die Ungarn finden,

dass es sich nicht ziemt, von einer Frau beherrschen zu lassen.

Also, kommt.

* Sanfte Musik *

Eins, zwei und drei.

Sonst noch Hindernisse?

Ihr hattet recht gestern.

Wir Esterházys sind Ungarns einflussreichstes Adelsgeschlecht.

Deswegen haben wir auch so viele Feinde.

Und er will kein Risiko eingehen, nicht?

Wenn es sich lohnt, schreckt mich kein Risiko.

Wenn ich sicher bin, dass das Band, das uns verbindet, echt ist,

gebe ich Euch alles, was ich habe, Maria.

Meine Freundschaft hat er, Graf.

Das reicht mir nicht.

Er hat den Verstand verloren. He!

* Schwungvolle Musik *

* Er schnalzt mit der Zunge. *

(Mann) Hüja, he!

Hüja!

(Mann) Hopp, hopp!

He!

* Die Kirchenglocken läuten. *

Wilhelmine, wie schön.

Der passt gut.

Wollt Ihr Euch ein neues Kleid kaufen?

Eure Kleider kann ich mir nicht leisten - noch nicht.

Aber wenn der Herrgott es so will, kriege ich auch einen reichen Mann.

Meine Herren, unsere zukünftige Kundin.

Leopold, nehmt Ihr Euch bitte des Fräuleins an, ja?

* Sie seufzt. *

Das reinste Wunder.

Mhm.

Bitte.

Früher hat man für so was einen Monat gebraucht.

Jetzt schaffen wir es in zwei Tagen.

Franz ist ein Held.

Ein Jammer, dass die Erzherzogin das nicht schätzt.

Passt auf, was Ihr sagt.

Was denn schon? Ist doch wahr.

Sie sollten sich scheiden lassen. Der Papst würde ihr entsprechen.

Sie würde den Grafen Esterházy zum Mann nehmen,

und sie würden die Preußen davonjagen.

Was wäre mit dem Herzog?

Der würde ein Mädchen zur Frau nehmen,

das seine Fähigkeiten würdigt.

Er würde sie in die Toskana bringen

und dort würden sie bis in alle Ewigkeit glücklich zusammen leben.

Und das wärt Ihr?

Warum denn nicht?

Hm.

Was ist das?

Das ist das Kostüm einer Hirtin, für den Maskenball.

Und für wen ist das? - Hm.

Für Maria Theresia?

Hm.

So eins will ich auch.

Niemand darf so angezogen sein.

Das wäre doch lustig. - Das glaube ich nicht.

Leopold.

Einer so schönen Dame kann man doch unmöglich einen Wunsch abschlagen.

Was ist das?

Blumen in den ungarischen Farben.

Hoheit.

Schreibt er einen Liebesbrief?

Er will ein Tete-à-Tete.

Er hat sich verliebt.

Ich habe es gewusst.

Ich hab' keine Zeit für so was.

Ich hab' jetzt wirklich andere Sorgen.

Schafft das raus!

Alles.

Wohin, Hoheit?

Wohin?

Auf den Mist.

Sie wünscht diese Blumen im Speisesaal zu sehen.

Die ungarischen Farben sind ein wunderbarer Schmuck.

* Eine Uhr tickt. *

* Sanfte Barockmusik *

* Sie atmet hörbar ein. *

Ich lade Graf Esterházy morgen vorm Ball zum privaten Souper ein.

Wie, privat?

Er und ich.

Du glaubst, es macht mir Vergnügen? - Allerdings.

Im Gegensatz zu dir hab' ich Verantwortung.

Mich kostet es Überwindung, aber für das Land tue ich es.

Aus Verantwortungsgefühl betrügst du mich? Da bin ich ja beruhigt.

Ihr macht einen Fehler, Maria Theresia.

Kommt mit mir nach Pressburg.

Als Königin von Ungarn und Erzherzogin von Österreich

könnt Ihr auch von dort aus regieren.

Wieso sollte ich?

Weil ich Euch jeden Tag sehen will, jeden Tag und jede Nacht.

Selbst wenn ich es wollte, wenn...

ich könnte nicht.

Wolltet Ihr denn?

Ich bin eine verheiratete Frau, Graf.

Das war keine Antwort.

Nun, das ist alles, was ich dazu zu sagen habe.

Österreich bleibt also in diesen schweren Zeit auf sich gestellt.

Graf, verlangt nicht Unmögliches von mir.

Ich kann doch nicht mit ihm nach Pressburg gehen.

* Sanfte Barockmusik *

Und was ist Euch möglich?

(Wimmernd) Was verlangt er?

Euer Herz.

Nur das Herz?

Das glaube ich nicht.

In unserem Land gehört das eine zum anderen.

Bleibt mir eine Wahl?

Ohne ihn werde ich den Krieg verlieren.

Wenn das der Preis für ungarische Soldaten ist,...

dann tue ich es.

Ihr seht das also als Opfer für Euer Land?

Graf, Opfer bringen ist meine Pflicht.

Opfer.

Ehre.

Pflichterfüllung!

Es beschädigt höchstens meinen Ruf.

Ihr zweifelt an meiner Diskretion?

Er wird doch nicht auf den Applaus für eine fette Beute verzichten.

Wie oft hat er so etwas Wertvolles wie mich gehabt?

Ich brauche nur noch die Instruktionen für den Abend.

Soll ich etwas Bestimmtes anziehen? Hat er Vorstellungen?

Ich brauche nur Zeit und Ort zu nennen und Ihr kommt? - Ja.

Gut.

Ich werde darüber nachdenken.

Wir sehen uns auf dem Ball?

* Seufzen *

* Die Tür wird geöffnet. *

Schon zurück von deinem Stelldichein?

Recht früh, oder?

Ja.

Geht!

Etwas Neues?

Du meinst, ob wir einen Verbündeten haben?

Es heißt, der Papst würde unsere Ehe annulieren.

Du kommst wieder mit unsinnigen Gerüchten.

Und, ist was wahr daran?

Ich vernachlässige meine Pflicht als Ehefrau nicht.

Wie romantisch.

Hörst du, wie das klingt? Musst du dich überwinden?

Du bist der Vater meiner Kinder.

Ich habe gehofft, ich bin mehr für dich.

* Triumphale Musik *

* Raunen *

* Jubel *

* Raunen, Stimmengewirr *

* Applaus *

* Die Musik endet. *

* Kichern *

* Seufzen, Stimmengewirr *

Hoheit.

* Romantische Barockmusik *

* Gemurmel *

Wer ist das?

* Flüstern *

(Leise) Wer ist das?

Ihr erlaubt?

Danke für die Rettung.

Am Wiener Hof hat man offenbar keinen Sinn für Humor.

Das wundert mich nicht.

Am besten, Ihr begebt Euch zu ihr und entschuldigt Euch.

Bei der Gelegenheit überbringt Ihr ihr eine Nachricht.

Wie Ihr wünscht, Graf.

Ihr bestellt ihr,...

dass ich sie umgehend im Seitenboudoir erwarten würde.

Und jetzt geht.

Verzeiht, Hoheit.

Der Esterházy wartet auf Euch.

* Ruhige Spannungsmusik *

(Nikolaus, off) Nie könnte ich es ertragen,

wenn eine Frau sich mir im Austausch gegen etwas hingäbe.

Ich wünsche Euch viel Glück.

* Melancholische Musik *

Wo ist er denn, dein Liebhaber? Verspätet er sich?

Soll ich ihn suchen,

damit du deine historische Aufgabe erfüllen kannst?

Schneller, macht schon. Los!

* Melancholische Musik *

Sie verdient Euch nicht.

Oh!

Habt Ihr die Nachricht überbracht?

Sie will mich nicht, nicht wahr?

Seltsam.

Wenn keine Liebe dabei war,...

habe ich das Spiel immer gewonnen.

* Stöhnen, traurige Musik *

Aber mit Liebe habe ich verloren.

Gebt auf Euch acht, Wilhelmine.

* Sie schluchzt. *

* Stöhnen *

* Die Pferde schnauben. *

* Traurige Musik *

Niederlage.

Rückzug.

Schwere Verluste.

War das jetzt eine Meldung?

Red er so, dass man ihn auch versteht.

Die Franzosen haben den Rhein überschritten.

Mit den bayrischen Verbündeten marschieren sie auf Linz zu.

Nun? Was schlägt er vor, Choltitz?

Alle Männer an die Front... - und in den sicheren Tod.

Was will er damit sagen?

Wir siegen nicht, wir kapitulieren nicht.

Was wir tun, ist Menschenleben verschwenden.

Ich kann da nicht mehr mitmachen.

Das ist Landesverrat.

Nehmt mein Leben, aber opfert nicht noch mehr Männer.

Sie ziehen bereitwillig für uns in den Kampf!

Aber nicht, um sinnlos zu sterben.

Bartenstein, komm er zurück!

Hoheit. * Dramatische Musik *

Brav bleiben, hm?

Ihr habt Esterházy in seiner Mannesehre gekränkt.

Bitte, fahrt nicht!

Schickt eine Depesche. Ich erwarte, in Pressburg empfangen zu werden.

Wir haben nicht genug Stimmen dafür.

Hoheit, wollt Ihr Euch tatsächlich Prügel abholen?

Sie behält für mich alles im Auge, bis ich wieder da bin.

(Kutscher) Hüa!

Du brauchst nicht mitzukommen. Ich schaffe das allein.

* Schwungvolle Musik *

* Jubel *

Hier ist nur ungarischer Adel zugelassen.

* Babygeschrei *

Gib ihn mir.

Resi.

Ich bin Maria Theresia,...

Erzherzogin von Österreich.

Mein Vater, Karl VI., hat mir auferlegt,

nach ihm die Erblande zu verwalten.

Europa hat ihm Unterstützung versprochen

und sich dafür teuer bezahlen lassen.

Doch das Versprechen war das Papier nicht wert, auf dem es stand.

Preußen schwor Freundschaft...

und hat mich als Erstes verraten.

Frankreich, denen wir Lothringen gegeben,

die Bayern, unsere Brüder,...

sie alle sind mir hinterhältig in den Rücken gefallen.

Ich stehe hier vor euch,...

verraten von meinen Freunden.

Verfolgt von den Feinden, verlassen von meinen nächsten Verwandten.

Meine einzige Rettung seid ihr.

Ihr Ungarn, dieses stolze und mutige Volk.

Und...

Ich habe in meinem Hochmut einen wertvollen Menschen gekränkt

und seine Freundschaft verloren, ich verdiene eure Gunst nicht.

Doch ihr seht mich hier als Mutter eines schutzlosen Kindes.

Als Mutter eines ganzen Volkes, als eine schutzlose Frau,...

die nur mehr an euren Mut appellieren kann.

Mein Reich, mein Kind und ich sind in Gefahr.

Eurem Schutz vertraue ich mich an.

Und ich verspreche,...

alle ungarischen Rechte aufrechtzuerhalten.

Und...

* Sanfte Musik *

Ich bin bereit, mein Leben zu geben,

für Maria Theresia, Königin von Ungarn.

Lang lebe Maria Theresia! * Jubel *

* Triumphale Orchestermusik *

(Alle) Sie lebe hoch!

Ich gratuliere. Ihr seid jetzt der Gatte der ungarischen Königin.

Das heißt, eigentlich gratuliere ich Euch nicht.

Ich beneide Euch vielmehr.

* Jubel *

(Frau) Sie lebe hoch! - Hoch!

* Triumphale Musik *

* Jubel *

(Frau) Sie lebe hoch!

(Alle) Hoch!

(Priester) Accipe coronam...

regni quae licet ab indignis...

episcoporum tamen manibus capiti tuo...

imponitur.

In nomine patris...

et filii...

et spiritus sancti.

Quam sanctitatis gloriam...

et honorem et opus...

Ob das gut für uns ist, Bruder?

Ich hoffe es.

(Priester) ministerii nostri non ignores.

* Feierliche Musik *

(Frau) Lang lebe Maria Theresia!

* Jubel *

(Frau) Hoch, hoch!

* Man hört sie nicht. *

* Triumphale Orchestermusik *

* Schwungvolle Musik *

Wo warst du eigentlich gestern nach der Krönung?

Ich habe Kontakte mit unseren ungarischen Verbündeten geknüpft.

Kontakte?

Wie du weißt, Resi, sind wir im Krieg.

Und brauchen treue Verbündete.

So ist es.

Und, wie viele Soldaten schicken sie dir?

60.000 haben sie versprochen.

Ich bin froh, wenn sie die Hälfte schicken.

Reicht uns das?

Ich rüste weitere 20.000 aus.

(Abfällig) Du? - Mhm.

Ich mache mit den Manufakturen doch sehr gute Geschäfte.

Weißt du, wie viel so ein Regiment kostet?

Im Rechnen bin ich besser als du.

Wenn wir zurück sind, sollten wir unbedingt einen Ball veranstalten.

Solange es kein Maskenball ist.

* Er lacht. *

Maria Theresia herrschte vierzig Jahre lang

über die Habsburger Monarchie.

Sie schenkte Franz Stephan weitere zwölf Kinder.

Franz Stephan wurde zu einem

der erfolgreichsten Unternehmer seiner Zeit.

Nach seinem Tod begab sich Maria Theresia für vier Monate

nach Schloss Esterhazy in Fertöd.

Bis heute befindet sich dort das größte Porträt der Herrscherin.

Untertitel: OMNIMAGO GmbH 2018

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