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Hallo. Kommen Sie von Korfu? Gehören Sie zur Band?
Hi. Nein.
-Kann ich weiterhelfen? -Ich warte auf Orestis.
Verstehe. Sie kommen also aus Athen.
Sind Sie zu Besuch? Eine Freundin?
Maria. Ich bin die Verantwortliche.
Ich helfe bei der Organisation des Festivals.
Die Musik, der Chor, der Maestro…
Ich bin die… PA.
Hi, Maria. Ich bin Alexandra, Orestis' Frau.
Wie schön! Ich freue mich sehr, Sie kennenzulernen.
Schön, dass Sie unsere Insel besuchen.
Schön für Sie.
Haben Sie gut hierher gefunden?
Ja, ich habe herumgefragt.
Kann ich Ihnen was bringen? Sind Sie hungrig? Oder einen Kaffee?
Nein, danke. Ich warte einfach.
Gut.
Kommen Sie doch herein. Weiß er, dass Sie hier sind?
Ich würde gern eine rauchen und Anrufe tätigen. Ich warte, danke.
6. KAPITEL - REISE NACH JERUSALEM
Reise nach Jerusalem.
Ich habe das Spiel immer gehasst.
Alle rennen um leere Stühle herum.
Sie lachen, hören Musik, amüsieren sich, und wenn die Musik stoppt,
stürmen sie zu den Stühlen.
Die Glücklichen haben in dieser Runde einen direkt vor sich.
Aber schon in der nächsten droht Pech.
Die Verlierer werden von allen ausgelacht und verspottet.
Und so geht es immer weiter,
bis nur noch einer übrig ist. Ganz allein.
Ich hatte immer den Traum, Pianist zu werden.
Unglaublich! Wir sprechen in das Ding, und du kannst uns hören.
Ja, Papa. So funktionieren Handys.
Unglaublich!
-Hallo, mein Junge. Wie geht es dir? -Gut, Mama. Dir?
Ich habe gestern gefüllte Tomaten gemacht und musste weinen.
Komm schon, Mama.
Hol sie dir morgen am Busbahnhof ab.
Ich will ihn sprechen.
Junge, du wirst es noch weit bringen. Hör nicht auf sie.
Die Zeiten ändern sich. Wir sind jetzt in der EU.
Menschen werden Geld machen. Es gibt eine gemeinsame Währung,
Chancengleichheit. Alle werden glücklicher. Du auch.
Die EU ist eine gute Sache. Orestis, hörst du zu?
Du musst deinen Platz darin finden. Denke nur an deine Zukunft.
Die Gegenwart ist flüchtig. Investiere in die Zukunft.
Vorsicht!
Meine Generation hat Glück. Wir sind zufrieden, unbeschwert, anpassungsfähig.
Alles war leichter, ging schneller.
Alles war in Reichweite, alles musste gleich aussehen.
Globalisierung, der Euro, Werbung, Aktienmärkte,
Glück, Waren, Multiplex, Internet.
Und irgendwann bog ich falsch ab.
Ich lebe in zwei Geschwindigkeiten.
Eine mit den Menschen, und eine ganz allein.
Buchstäblich allein.
Es ist dringend erforderlich,
dass wir unsere EU-Partner offiziell darum bitten,
den gemeinsam etablierten Rettungsschirm zu aktivieren.
Ich bat den Finanzminister, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Hi.
Hallo.
Zu langweilig?
Schon okay.
Sehr langweilig.
Es ist mein Job.
-Du spielst sehr gut. -Danke.
-Was machst du später? -Wie bitte?
-Das ist ziemlich direkt. -Stimmt.
-Es gefällt mir. -Wir können später was trinken.
-Gern, aber ich arbeite noch. -Ist schon okay.
Ich wohne nämlich hier.
Also gut.
Hallo.
Hi.
Wollen Sie zu Orestis? Er ist kurz in die Stadt.
Hi, ich heiße Fanis.
Alexandra.
-Ich bin Orestis' Freund. -Ich bin seine Frau.
Glückwunsch zu Ihrer Insel.
Ich habe noch nicht viel gesehen, aber sie sieht… schön aus.
-Kaffee? -Nein, vielen Dank.
Ich komme wieder.
Hat mich gefreut.
ICH KOMME AM NACHMITTAG WIEDER. DU KANNST GERN WARTEN!
-Klelia? -Lass mich in Ruhe!
Was ist los?
Was ist passiert? Klelia!
-Mach bitte die Tür auf. Was ist los? -Nichts. Geh weg!
-Klelia! -Geh weg! Nichts ist passiert! Geh!
Die Reederei ist das Familiengeschäft.
Nebenbei bin ich Ölbrokerin.
-Sehr langweilig. -Warum machst du es?
Es fällt mir leicht, ich bin gut darin. Und ich reise viel.
Und es ist lukrativ.
-Lebst du hier? -Ich lebe in Griechenland und Genf. Du?
Ich lebe nur in Griechenland.
Ich weiß nicht, ob ich gut bin, es ist nicht lukrativ, ich reise nicht.
Ich bin dein Gegenteil.
-Ein Künstler. -Genau.
-Ich beneide alle, die frei leben. -Es ist unfreiwillig.
Würdest du es ändern?
Sofort.
Bist du so verzweifelt?
Würdest du?
Nein.
Es mag langweilig sein,
aber ich liebe mein Leben.
-Fehlt dir überhaupt nichts? -Doch, ständig.
Ich bin im Ölbrokergeschäft,
wir sind die gierigsten Menschen, die es gibt.
-Bist du sauer, dass ich kam? -Ja.
Es ist schön hier.
Es gab keinen anderen Weg.
Wie lange bleibst du?
Ich möchte länger bleiben,
wenn's dir nichts ausmacht.
Ich bin so weit weg vor dir geflüchtet, wie ich konnte.
Das Mädchen am Klavier?
Ich habe ihren Blick gesehen.
-Orestis, du kriegst Riesenärger. -Ich habe nichts getan.
Es gefällt dir sicher.
Sie ist ja auch schön.
Es ist mir egal.
Das glaube ich.
-Überraschend, dass es dir hier gefällt. -Du kennst mich überhaupt nicht.
Sag Bescheid, wenn du bereit bist, zu reden. Ich kann warten.
Es gibt noch ein Schlafzimmer?
Natürlich.
Bist du verliebt?
Ich dachte, du seist dazu nicht fähig.
Ich habe es schon oft gesagt.
Warum muss ich mich wiederholen?
Ich habe es dreimal angefordert.
Tun Sie, was ich sage, und zwar genau so, wie ich es sage.
Ich kämpfe seit Monaten dafür…
Ich dulde keine Verluste wegen Ihrer Unfähigkeit.
Ist er einverstanden?
Ja, es ist bestätigt. Unterschreiben Sie.
Alexandra sagte, Sie seien seit sechs Monaten zusammen.
Seit zehn.
-Wie läuft es so? -Wir verstehen uns gut.
-Sie sind Pianist? -Ja.
Ich bewundere Künstler. Sie gehören einer anderen Welt an.
Sie haben jung Ihre Eltern verloren?
Ja, leider.
Es ist schwer.
Ich war auch jung, als ich meine verlor.
Ich war sehr einsam. Da sind wir uns ähnlich.
In Italien…
Menschen wie wir binden uns an nichts und niemanden.
Es sieht nur so aus, als würde man irgendwohin gehören.
Das ist aber nicht immer so.
Keine Sorge. Ich sorge mich nicht um meine Tochter.
Ich sehe ihr einiges nach, aber vertrauen Sie mir,
sie ist viel blutrünstiger als wir.
Sie sind hier, weil sie Ihnen vertraut.
Orestis, sagen Sie,
hat alles auf der Welt seinen Preis?
-Nein. -Da sind wir uns uneinig.
Im Leben geht es um Gefallen.
Wir schulden allen um uns herum etwas. So überleben wir.
So entwickeln wir uns weiter. Wir geben nichts und nehmen nichts.
Vielleicht sehen Künstler das anders, romantischer und idealistischer.
Aber ich bin ein Technokrat.
Und die Welt dreht sich um uns.
Es wäre vielleicht besser, wenn Künstler, Philosophen und Dichter sie regierten.
Aber seien wir realistisch.
Ich bezahle die Reise. Für alle.
Ja.
Ihnen ist bewusst, dass es ihr mit Ihnen ernst ist, oder?
Mir ist es auch ernst.
Natürlich.
Deshalb sind Sie hier.
Alexandra.
Er ist nett, oder?
Ich weiß, er ist süß.
-Worüber redet ihr zwei? -Darf ich nicht sagen.
Prost.
Prost.
EHEVERTRAG
Heute wird der erste Kreditvertrag
mit den EU-Mitgliedsstaaten und dem IWF unterzeichnet.
Diese Vereinbarungen werden als Memorandum bezeichnet.
Diese Verträge ermöglichen es dem Land, seinen Verpflichtungen nachzukommen.
Die restriktiven Bedingungen untersagen das Veräußern beweglichen Eigentums
und fordern den bedingungslosen Verzicht
auf Immunität, die nationale Souveränität garantiert.
In Übereinstimmung mit Artikel Vier darf Griechenland
nur seine Gläubiger um Kredite bitten,
was den kompletten Einsatz des öffentlichen Eigentums bedeutet.
Klelia, hast du kurz Zeit?
Ich schulde dir eine Erklärung.
Tust du nicht.
-Alexandra ist… -Deine Frau. Das wissen wir.
Wir leben schon lang getrennt.
Ich habe nicht erwartet, sie hier zu sehen, ehrlich.
Und nun?
Unsere Beziehung ist Formsache.
Sie ist kompliziert, aber vorbei.
Niemand hat mir unrecht getan. Es war mein Fehler und betrifft nur mich.
Nein. Ich habe nichts gesagt, weil es nichts mit dir zu tun hat.
Sie ist sehr attraktiv.
Vielleicht könnt ihr euch hier versöhnen.
Tu das nicht.
Doch, wirklich.
Das zwischen uns war nichts.
Eine alberne Sache. Ich ließ mich hinreißen.
Ja, ich mich auch.
Sie warten auf mich.
-Hier, nimm das. -Was ist das?
-Eine Pille. Sie wird dich beruhigen. -Nein. Ich kann nicht atmen.
Nimm sie, Klelia. Du hast eine Panikattacke.
Vertrau mir, ich weiß, wovon ich rede.
Es geht vorüber.
Das weiß ich.
-Willst du darüber reden? -Nein.
-Wie kann ich dir helfen? -Gar nicht.
Also gut.
Komm her.
Darf ich ein bisschen bei dir bleiben?
Ein Waffenstillstand.
Mama, mach, was du willst. Die Panik soll weggehen.
Ich glaube, ich sterbe.
Kleines…
-Vertrau mir, ich kenne das Gefühl. -Geht es je weg?
Ja. Dann kommt es wieder, und dann geht es wieder weg.
Es dauert nur etwas.
Ich will nicht darüber reden.
-Okay. -Sag mir was anderes.
Etwas anderes…
Ich weiß, ich bin nicht die beste Mutter.
Aber gib mir eine Chance,
dann kommen wir uns näher.
Sonst noch was?
-Ich beneide dich. -Was?
-Und ich bin stolz auf dich. -Setzt du mich deshalb unter Drogen?
Ich hatte nie deine Kraft.
Und sieh mich an.
Ich beneide dich um deine Beziehung mit meiner Mutter.
Sie hat die Beziehung zu meiner Tochter, die ich mir wünsche.
-Ich bin immer irgendwo dazwischen. -Nimm doch auch eine Pille.
Er ist hergekommen.
Er war sicher sehr unglücklich.
Auch in seiner Ehe.
Dreißig Jahre.
Ein großer Unterschied.
Aber Liebe wurde noch nie durch das Alter definiert.
Gib dir Zeit, dann siehst du klarer.
Wenn ich spiele,
denke ich nur an ihn.
Ich wünschte, ich wüsste, was er denkt, wenn er mich ansieht.
Mama,
ich kann mich nicht so irren.
Für die zweite Tranche stellte die Troika folgende Bedingungen
an Griechenland.
Erstens: Es wird…
Wollen wir?
Senkungen um 50 %. Zweitens: Griechenland richtet…
Schatz, was hast du an? Und diese Krawatte?
Du bist kein Angestellter. Wir gehen in eine Jazzbar.
Nimm die blaue, die ich besorgt habe.
…eine Abmachung, die ihre Unterstützung der Sparmaßnahmen garantiert.
Ich weiß noch einen.
Was haben ein Schwarzer und ein Rad gemeinsam?
Beide brauchen eine Kette.
Andreas, Schatz.
Oh mein Gott…
Diese Situation könnte uns sogar nützen.
Wir machen weiter. Und sie brauchen unsere Hilfe.
Das ganze Theater mal beiseite. Das Geschäft muss weitergehen.
-Und wenn sie implodieren? -Umso besser.
Die neuen Eigentümer werden uns brauchen.
-Der Plan bleibt derselbe. -Dazu wird es nicht kommen.
Es wäre schade, wenn all diese Bemühungen umsonst gewesen wären.
Wir leiden schon seit zwei Jahren. Nein!
Ich habe mehrmals um Sprudel gebeten.
Die Restaurants in Athen werden schlechter.
Neulich waren wir bei Mr Chow in London.
Das Essen war vorzüglich. Das beste Sushi der Welt.
-Und der beste Service. Er war tadellos. -Tadellos.
Die Musik, die Atmosphäre…
Hier gibt's tolle Desserts.
Kann er bitte aufhören zu spielen? Es nervt.
-Jazz ist so monoton. -Andreas, schäm dich.
Was? Es ist so nervig, mit all dem…
Ich gebe ihm 200 Euro, damit er aufhört.
Er kann sich zu uns setzen, wir trinken was zusammen.
-Ist das dein Ernst? -Marina.
Beachte ihn nicht, er ist betrunken.
-Andreas, Orestis ist auch Musiker. -Stimmt ja, tut mir leid.
Spielst du auch so?
Es stimmt schon, Jazz kann etwas monoton sein.
-Spielst du nicht auch Jazz, Schatz? -Früher mal. Jetzt eher Klassik.
-Machst du das regelmäßig? Dein Hobby? -Es ist kein Hobby. Er ist Musiker.
Er ist ein toller Musiker.
Ich spiele neuerdings nicht mehr so oft.
-Er will in unser Geschäft einsteigen. -Das hat Zukunft.
-Bestellen wir? -Okay.
Crème brûlée…
Der Typ ist ein Idiot, extrem rüde und aufgeblasen.
Ja, aber wir lieben ihn, er ist ein langjähriger Freund
und hat ein Riesennetzwerk.
Und er kennt die halbe Regierung.
Dank ihm spare ich 20 % Umsatzsteuer.
Okay. Aber kann es einfach nur Arbeit ohne Liebe sein?
-Können wir ihn meiden? -Er ist lustig. Es war nur heute.
Was kriegst du von ihm?
Ganz Asien.
Und Korea?
Sehr gut, Süßer.
-Hat er den Kersher-Vertrag? -Du machst mir Angst.
-Ja. -Hast du ein Angebot gemacht?
Machst du das mit Absicht?
Es gibt kein Gegenangebot. Ich hatte eine gute Lehrerin.
Ich habe die Bestätigung. Die Lieferung erfolgt am Ankunftstag.
Ich muss es nur schnell wissen.
Ja, sie haben noch mehr Tanker, die auf Angebote warten.
Ich soll warten.
Der Preis steigt, so verliert er noch den Platz.
Es ist alles da!
Paul, der Preis steigt, sie wollen Bestätigung.
Wir haben fünf Minuten.
Wir könnten die Reservierung verlieren. Okay, danke.
Er ruft zurück.
Schwachsinn. Er will mit dem anderen reden. Ruf zurück.
Sag ihm, wir haben noch eine Anfrage
und müssen dem Lieferanten sofort antworten.
Sie riefen zurück und wollen jetzt eine Antwort haben.
Sie machen einem anderen Schiff ein Angebot.
Das hier.
Fantastisch.
Okay. Ich rufe sie zurück und schicke den Vertrag.
Okay. Danke, Paul. Vielen Dank. Danke.
-Wir haben es. -War doch klar.
Gut gemacht, Junge.
Ist es wirklich so leicht? Und jetzt?
Du hast gerade 4.000 Tonnen verkauft und eine Provision von 25.000 bekommen,
an nur einem Tag.
-War das schwer? -Nein.
Orestis, ich weiß, dass es nicht dein Ding ist.
Du magst mich nicht, aber das ist mir egal.
Alexandra gehört für mich zur Familie, und du damit auch.
Möchtest du etwas Geld verdienen,
wenn du schon die Konten und den Zugang hast?
Sicher.
Betrachte es als Nebenjob.
Hör mal…
Es gab keine Anfragen für dieselbe Menge
und auch kein anderes Angebot.
Natürlich nicht.
Willkommen!
-Hi, Maestro. -Charalambos.
Ich hab gehört, du bist verheiratet. Ist das ein Geheimnis?
Hätte ich's dir sagen sollen?
Ich mag dich. Das muss man dir lassen,
sie ist eine schöne Frau. Sieht reich aus. Das erzählt man sich zumindest.
Ich dachte, du seist langweilig, aber du lügst auch.
-Wie bitte? -Du spielst hier den heiligen Musiklehrer.
Kunst, von wegen. Du versteckst dich.
Du hast auf jeden Fall Scheiße gebaut.
Hast du was mit einer anderen gehabt?
Du bist betrunken. Wir wissen doch, wozu das führt.
Soll ich zur Polizei gehen?
Wie geht es dir?
So wie es gerade läuft, nicht so gut.
Diese Idioten werden das Land ruinieren.
Ist es das nicht schon?
Ich will keinen Linken zum Schwiegersohn.
Gibt es links und rechts noch?
Natürlich.
Solange es Preise, Märkte und Interessen gibt,
wird es immer Menschen geben, die mit ihren Ideologien
den Status quo wahren.
Du weißt, wie vorteilhaft das für mich ist. Und für dich auch.
Menschen sollen sich gegenseitig an die Gurgel gehen.
Dann können wir in Ruhe arbeiten.
So habe ich es nie gesehen.
Wollen wir bestellen?
-Wie lange bleibst du? -Ich fliege heute Abend.
Ich kam zu einem Termin, und um dich und Alexandra zu sehen.
-Wie läuft es bei euch? -Gut.
An wem liegt es?
-Was? -Dass ihr keine Kinder habt.
An niemandem. Warum sollte es?
-Was treibt ihr dann? -Wir sind ein Paar.
Und wie geht es weiter?
Weiter?
Wieso habt ihr geheiratet? Euch läuft die Zeit davon.
Ihr habt alles,
aber ohne Nachwuchs ist es doch nichts wert, oder?
Alexandra wird älter, bald wird die Arbeit sie nicht mehr erfüllen.
Sie ist eine Frau. Es ist unvermeidlich.
Ihr seid spät dran.
Ich hatte keinen Sohn, nur eine Tochter.
Die Logistik ist nicht auf meiner Seite.
Auf deiner leider auch nicht.
Wieso hast du nie was gesagt? Ich war ganz verwirrt, sie zu sehen.
Ich auch. Sie kam vor ein paar Tagen.
Wir leben schon ewig getrennt, deshalb sagte ich nichts.
Tut mir leid. Wenn ich irgendwie helfen kann…
Da kann man nichts tun.
Also…
-Bist du deshalb weg aus Athen? -Es war einer der Gründe.
Schade, sie wirkt sehr nett. Ihr wart bestimmt ein schönes Paar.
-Wie lange? -Zehn.
Bleibt sie lange?
Keine Ahnung. Du wolltest mich sehen?
Ja, ich möchte die Termine für das Festival besprechen.
-Es beginnt in ein paar Tagen. -Okay.
Was hältst du von… Dem 15., dem 16. und dem 17.?
Klingt gut.
Ich schicke es an alle. Hier ist ein Teil des vereinbarten Honorars.
-Das ist nicht nötig. -Doch.
Und wenn das Festival vorbei ist, kriegst du den Rest.
Und wenn du fertig bist, möchte ich, dass du die Insel verlässt
und meine Tochter vergisst.
-Fanis… -Leugnen ist zwecklos. Ich weiß es.
Sie ist kein Unschuldslamm. Ich kann es verstehen.
Aber ich versuche, ruhig zu bleiben, und bitte dich,
dich so weit wie möglich von ihr fernzuhalten.
-Tue ich schon. -Nicht so, wie du solltest.
Ein paar Tage noch. Beende das Festival und geh.
Okay.
Hättest du eine Tochter, würdest du es verstehen.
Also…
Die Ergebnisse sind da.
So weit sieht alles gut aus.
-Wollen Sie das Geschlecht wissen? -Ja.
Es ist ein Mädchen.
Was ist Unzufriedenheit? Ein Mangel an Widerstandskraft?
Denken, obwohl man nicht sollte?
Verstehen, ohne etwas zu tun?
Den Dummen spielen?
Sich vormachen, dass man nur so überlebt?
Es anderen recht machen zu wollen, nicht aus Liebe,
sondern, um akzeptiert zu werden?
Die Person, die man zu lieben behauptet, geringschätzen? Über Liebe lügen,
den Überblick verlieren, die Natur vergessen, Freunde verlieren?
Druck, Wut, Blindheit, Angst, Lobotomie.
Ich verrate mich selbst, ich sinke, ich halte mich künstlich am Leben.
Ein lebender Toter, globalisiert, gut gekleidet, für gut befunden,
aber ohne echtes Talent.
Ich bin reich, erfolgreich, ein Bürger dieser Welt,
dieser abscheulichen Welt,
in die ich mich fügen, in der ich mich verstecken soll.
Warum an dem Tag, an dem ich nicht mit kann?
Kannst du dich mal abregen?
Ist nur eine Ultraschalluntersuchung.
-Dein Vorspielen ist wichtiger. -Die Untersuchung ist wichtig.
Dein Vorspielen auch.
Wir haben viele Beziehungen spielen lassen, geh hin.
Sie tun uns einen Gefallen.
Sie werden mich nicht nehmen. Sie suchen einen Profi.
Bist du keiner?
Was hast du bei der Arbeit mit mir gelernt?
Schwindele.
Keine Sorge. Ich rufe dich danach an.
Sorge nur dafür, dass du den Job kriegst.
Du wirst nie ein guter Broker werden. Du hast kein Interesse daran.
So kriegt unser Kind zumindest einen Musiker als Vater.
Mukoviszidose.
Sie beide sind Träger dieses Gens.
Und diese seltene Kombination führt zu diesem Ergebnis.
Dieses Baby wird mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit
schwere Gesundheitsprobleme bekommen.
Herr Emmanouel, ich habe Ihren Lebenslauf und die Empfehlungen.
Sie wollen diesen Job.
Wir haben mehrmals versucht, den Dirigenten umzustimmen.
Aber er sucht jemanden mit anderen Fähigkeiten.
Viele Bewerber für diese Position sind jünger,
erfahrener und fähiger. Sie erfüllen seine Kriterien.
Ich kann das nicht entscheiden,
aber wenn Sie die Beziehungen haben, um das weiterzuverfolgen…
…dann… Verstehen Sie?
Natürlich.
Sie entscheiden, ob Sie die Schwangerschaft abbrechen möchten.
Aber bedenken Sie,
wenn dieses Baby geboren wird, wird es sehr krank sein
und statistisch gesehen…
…nicht lange leben.
Bin ich schuld?
Wäre der erste Test früher erfolgt,
hätten wir es feststellen und die Schwangerschaft beenden können.
Können wir das jetzt?
Sie haben zwei Optionen.
Ich kann Ihnen gleich einen Zugang legen und das Baby in 24 Stunden rausholen…
Tot.
Ja.
Oder wir leiten morgen die Geburt ein.
Sobald sie auf der Welt ist, wird sie aufhören zu atmen,
weil ihre Lunge noch nicht voll entwickelt ist.
Lege ich den Zugang jetzt,
wird sie nicht leiden müssen.
Aber Sie müssen sie 24 Stunden in sich tragen.
Ich will nicht, dass sie leidet.
Tun wir es jetzt.
Ich will es so.
Ich möchte morgen allein hin.
Wäre das okay?
Nein.
Ich frage nur aus Höflichkeit.
Ich gehe allein hin.
Gegen Mittag bin ich fertig.
Wir versuchen etwas anderes.
Es gibt immer Hoffnung.
Hallo?
Was zum Teufel?
Rufen Sie sofort den Lieferanten. Sofort!
Finden Sie den Rest,
oder drohen Sie mit den Behörden, sonst stecken wir fest.
Ich habe morgen einen Termin.
Nein.
Nichts Wichtiges.
Ich bin schon spät dran. Wir reden später.
Sie ist mitgenommen, auch wenn sie es verbirgt.
Sieh es ihr nach und hab etwas Geduld.
Du beschreibst meine Ehe.
Unter uns beiden,
du wusstest genau, worauf du dich einlässt.
-So läuft es in der Ehe. -Ja, meine endet gerade.
Alexandra ist wie eine Schwester für mich.
-Am Anfang mochte ich dich nicht. -Ich habe dich verachtet.
Das macht jeder, das ist nichts Neues. Aber ihr zwei sollt euch verstehen.
Ihr müsst euch Mühe geben. Liebst du sie noch?
-Ich gehöre nicht dazu. -Und?
Diese Geschichte ist nur gut für dich.
Du hast eine Frau, die dich liebt, klug ist, tolerant, sexy.
Sie hat einen klugen Kopf und ist unglaublich reich.
Was könnte besser sein?
Warst du je so verzweifelt,
dass du den Menschen, den du liebst, leiden sehen wolltest?
-Klar, täglich. -Wie gehst du damit um?
Ich genieße es. Und warum?
Um mich herum sind nur arme Wichte,
die Liebe, Familie und all den Scheiß wollen.
Sie sind in ihrer kleinen Rolle gefangen, bis sie tot umfallen.
Nicht mal meine Kinder mögen mich, aber ich schlafe wie ein Toter.
Und ich ficke rum.
Du bist widerwärtig.
Ich weiß. Fantastisch, oder?
Mann, ich liebe mich.
Wir fahren zusammen mit eurer Jacht raus aufs Ionische Meer.
Ihr beide braucht eine Auszeit.
Ihr zwei müsst euch zusammenraufen. Bitte. Entspannt euch.
Ich kenne sie ewig. Du bist ihre längste Beziehung.
Mach's gut, Kumpel.
-Ich gehe spazieren. Kommst du mit? -Nein.
Auf dieser Insel gibt's nichts zu sehen. Hier legen nur Jachten an.
-Sei um zwei zurück. -Gut.
MUSIKFESTIVAL PAXOS 20. JUNI - 26. AUGUST 2019
Manche Menschen leben ein Leben wie die Reise nach Jerusalem.
Ich gehörte auch zu ihnen.
Alle rennen um leere Stühle herum, und wenn die Musik stoppt,
kämpfen sie um einen Sitz.
Immer und immer wieder.
Ich sah, hörte und machte Dinge, aber ich gehörte nie dazu,
hatte nie einen Platz am Tisch.
Ich fühlte mich nie nützlich, glücklich.
Ich hatte viele Komplexe.
Viele unterdrückte Gefühle und verstörende Gedanken.
Prost.
In New York hatte ich ein fantastisches Loft…
Das arme Klavier. Du hast es ewig nicht mehr gespielt.
Ich verlasse dich.
Eine Krise nach einem plötzlichen tragischen Ereignis ist normal.
Nicht plötzlich.
-Wieso habe ich das nicht erkannt? -Es ist dir egal.
Bei der Arbeit gibt's Probleme.
Jetzt ist nicht die Zeit für solche Entscheidungen.
-Ich möchte… -Mein Entschluss steht fest.
Können wir es verschieben? Ich bitte dich, tu es für mich.
Du bist doch sowieso ungebunden. Ich bin nur Beiwerk.
Ich habe dich gerettet, als du mich gebraucht hast.
Kannst du das auch?
-Du hast mich gerettet? -Ja.
Du? Mich?
Ja.
Du warst ein Versager.
Du hast dich in mein Leben geschlichen. Du warst verliebt?
Du willst hier auch diese Scharade spielen?
"Als wir uns trafen, blieb die Zeit stehen.
Unsere Augen trafen sich, und ich wusste, dass es intensiv wird.
Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich traf meinen Seelenverwandten.
Nicht nur das. Es ist auch Liebe, Vertrauen, Respekt, Freundschaft.
Er ist der Richtige."
Widerlich.
Es ist widerlich.
Ich verachte dich und alles, wofür du stehst.
Warum? Weil ich Erfolg habe und du nicht?
-Weil du dich nie ändern wirst. -Wollte ich das je?
Verarschst du mich?
Du gibst nicht zu, dass du es nicht mehr einfach haben kannst.
Du willst mich verletzen, um deine Inkompetenz zu rechtfertigen.
-Inkompetenz? -Und dein Elend. Viel davon.
Ja, ich bin unglücklich mit dir und will weg.
Schön für dich.
Ich bitte dich nur, es nicht jetzt zu tun. Aber du willst den Aufstand proben.
Kein Drama.
Vögelst du Andreas schon lange?
Seitdem wir uns kennen?
-Interessiert es dich? -Nein.
Und deswegen schulde ich dir nichts. Du schuldest mir was.
Okay.
-Würde eine Entschuldigung helfen? -Überhaupt nicht.
-Wie kann ich es wiedergutmachen? -Indem du dich von mir fernhältst.
Manchmal, wenn ich traurig bin…
…wird meine Beziehung mit Andreas körperlich.
Aber es hat keinen Einfluss auf mein Leben.
Zum Glück wurde unser Baby nicht geboren.
Zum Glück.
Wenn ich morgen nach Hause komme, bist du weg.
Klelia? Hörst du mich? Kannst du das?
Ich kam her, um allem zu entfliehen, und traf dich.
Weißt du, was Glück ist?
Frei zu sein, wie du.
Jeder hat eine Vergangenheit.
Du erschaffst gerade deine.
Ich stelle mich meiner.
Ich weiß nicht, wie weit ich vor ihr wegrennen muss.
Klelia? Hörst du mich?
Ich bin hingerissen von dir,
deiner Freiheit, deinem Talent, deiner Schönheit, deiner Jugend
und allem, was du bist.
Verzeih mir, dass ich nicht für all das kämpfen kann, für…
…dich.
MAESTRO IN BLUE
Untertitel von: Tanja Ekkert
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