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1. KAPITEL - CLAIR DE LUNE
PAXOS
Ich führe gern Tagebuch.
Ja, auch in meiner Generation gibt es Menschen, die das tun.
Vielleicht bewahre ich mir so die Romantik, die so selten wurde.
Ich habe Glück, an einem so gesegneten Ort zu leben,
mit all den gesegneten Menschen voller Leben und Talent.
Ich gehöre wirklich zu einer glücklichen Generation,
die frei und ohne Angst aufwächst.
Okay, jetzt kommt die Wahrheit. Ich hasse sie alle.
Das ist die Welt, in der ich aufgewachsen bin,
die feine, ach so aufgeklärte Gesellschaft.
Man braucht nur Geld.
Er ist ein Mann, er wird herumvögeln. Das ist normal.
Gott bewahre, mein Sohn wird schwul. Was soll ich dann machen?
Wenn es uns gut geht, ist alles andere egal.
Die arme Frau, sie ist allein und kinderlos. Zu schade.
Bildung und Karriere sind schön und gut. Aber eine Frau lebt für die Familie.
Eine Frau über 40 ist erledigt.
Halte alles geheim.
Verdiene Geld.
Ich wuchs in den goldenen Jahren der Globalisierung auf.
SUCHEN
Die Menschen wollten nur ein bequemes Leben.
Die Wirtschaft läuft.
Keine Ziele, keine Visionen.
Werde ich auch so, wenn ich erwachsen bin? Erwachsenwerden ist anstrengend.
Die Mädchen in meiner Klasse hatten alle mit 15 Sex,
sind fett geschminkt, posten ständig, gehen aus
und träumen von einem guten Ehemann.
Ich finde es furchtbar.
Warum muss ich mich dafür rechtfertigen, mehr vom Leben zu wollen?
Und als wäre das nicht genug, kam das Virus.
Wissenschaftler in China versuchen zu bestimmen, ob ein neues Virus
für den Pneumonieausbruch in der Stadt Wuhan verantwortlich ist.
Übertragung von Mensch zu Mensch.
Die Weltgesundheitsorganisation gab ihm den Namen COVID-19.
Das Gefährliche daran ist, es ist ein ganz neues Virus.
Es ist die schlimmste Gesundheitskrise seit über einer Generation.
All diese Menschen, und wahrscheinlich noch mehr, sind tot.
Europa ist das neue Epizentrum der Pandemie.
Seien wir doch ehrlich: Für junge Menschen
ist diese Welt echt beschissen geworden.
-Hi, Annie! -Guten Morgen!
Aber das alles liegt jetzt hinter uns. Es ist ein neuer Tag.
Es ist Sommer, und das Leben kommt wieder in Fahrt.
Die Tragflügelboote fahren noch nicht.
Man kommt nur per Wassertaxi zur Insel.
Sie ist schwer zu erreichen, und deshalb erwartet jeden Besucher
ein Auto mit dem Schlüssel in der Zündung.
Die meisten Inselbesucher sind ziemlich hässlich.
Sehr seltsam.
Verzeihung, eine Frage.
Weißt du, wie ich zum Dorf Manesatika komme?
Ich kann das GPS nicht nutzen.
Ich muss auch dahin. Sie können mir folgen.
Okay, danke.
Gelogen. Manesatika liegt in der entgegengesetzten Richtung,
aber er sah gut aus, also nahm ich mir die Zeit.
In weniger als zwei Stunden wussten alle über den Besucher Bescheid,
der ein winziges türkisfarbenes Auto fuhr.
Oder es zumindest versuchte.
Okay, ich gebe es zu.
Ich bin nicht immer wütend.
Und unsere Insel hat wirklich atemberaubende Landschaften.
Vielleicht urteile ich auch viel zu hart.
War diese Straße immer so schön?
Wie seltsam.
Ich weiß, wo er absteigt.
In dem Dorf gibt es nur fünf Häuser, und nur eines steht leer.
Wo warst du? Ich habe den Teig ausgerollt und brauche den Spinat.
-Er wird trocken. -Tut mir leid, Oma.
-Oma, sag mal. -Was?
Warst du verliebt in Opa?
Mensch! Sehr sogar. Wieso?
War er der Erste?
Im Ernst? Was ist das für eine Frage?
War er der Einzige?
Natürlich. Damals war alles anders.
Verrückte Liebe.
War es in den 1970ern? Ich war absolut ahnungslos.
Das waren Zeiten.
Zweifelsohne.
Wir hatten viel Spaß. Blumenkinder, Reisen, solche Sachen.
Haris ist die Talentierteste der Familie. Und die Jüngste.
Meine Oma ist zeitlos. Komisch, dass sie meine Oma ist.
Noch mal.
All mein Talent habe ich von ihr. Sie hat es nie ausgelebt.
In mir sieht sie, was sie im Leben verpasst hat.
Haris lehrte mich Musik und das Klavierspielen.
Noch mal.
Nur das hält mich am Leben.
Nichts ist wichtiger als das Klavier.
Noch mal.
Okay.
Verzeihen Sie die Gründlichkeit. Es geht um die Sicherheit.
Ja, ich verstehe.
-Können wir uns duzen? -Ja.
-Fanis. -Orestis.
Also, Orestis, was unser Geschäft angeht…
Diese EU-Fördermittel
sind für Kunst und Kultur auf den Inseln.
Wir haben ein jährliches Musikfestival, das dieses Jahr natürlich ausfiel.
Wir möchten es bald wieder veranstalten.
Die ausländischen Besucher sind gut für die Moral
und für meine Kandidatur als Bürgermeister.
Seien wir doch ehrlich. Ich kandidiere.
Viel Erfolg dabei.
Es ist eine wunderbare Insel. Hast du Familie?
Nein.
Okay. Das liegt nicht jedem.
Bist du verheiratet? Geschieden? Liiert? Single?
Ich akzeptiere alternative Lebensstile.
Ich kam allein auf die Insel. Spielt es eine Rolle?
Aber nein. Wo sind meine Manieren?
-Das war sehr unhöflich. -Nicht so schlimm.
Ich freue mich, dass du da bist.
Ruh dich aus. Du fängst an, wenn du so weit bist.
Und wenn du was brauchst, bin ich für dich da.
Das ist mein Geschäftsbüro.
Von hier aus unterstütze ich unsere Gemeinde.
Okay.
Komm übermorgen vorbei, wir trinken einen Wein zusammen.
Hört sich gut an.
-Bis bald. -Bis bald.
-Tschüs. -Tschüs.
Bring das Rena, sie kocht nicht, sie ist völlig nutzlos.
Das ist für Papadogianis,
das gefüllte Gemüse ist für Polixeni.
Nimm ihr Geld nicht an.
Ich lege noch etwas Brot dazu.
Er kommt! Beeil dich!
Er kommt!
-Er kommt! -Mama, wer kommt?
Still, Junge, er kommt!
Volltreffer.
Gott sei Dank. Das Virus hatte auch sein Gutes.
-Frau Maria? -Hier.
Danke.
Hallo.
Willkommen.
Schöne Musik, oder?
Wenn Sie meinen.
Carmen.
Unglaublich.
-Callas. -Ich liebe sie.
-Ich bin Maria. -Hallo, ich bin Orestis.
-Ich helfe beim Musikfestival. -Ja, ich weiß.
Das ist mein Sohn Spyros.
Hi.
Und das ist mein Ehemann Charalambos.
Hi.
Charalambos?
Ich soll hier den Schlüssel für die alte Schule abholen.
-Ja, hier ist er. -Perfekt.
Das Gebäude ist wunderbar.
-Wirklich? -Ich habe gelüftet und geputzt.
-Falls Sie eine Assistentin brauchen… -Ja?
…würde ich die Sache gern unterstützen.
Ich sang mal im Chor, aber ich bin unmusikalisch.
-Aber ich kann gut organisieren. -Gut.
Ich überlege es mir und melde mich.
Ich gehe mal. Danke. Hat mich gefreut.
-Alles Gute. -Tschüs.
Tschüs.
Ich verstehe mich nicht mit meiner Mutter.
Vielleicht, weil ich nicht ihren Erwartungen
und sie nicht meinen entspricht.
Sie ist nur traurig, das macht mich fertig.
Er ist ein hervorragender Arzt.
Mach dir keine Sorgen.
Ich weiß.
Wir können auch wieder gehen.
-Überlege es dir… -Ich bin keine gute Mutter für die zwei.
Bei diesem wäre es auch so.
Weiß er, dass ich hier bin?
Ja.
-Ich wusste nicht, dass eure Beziehung… -Nein.
Es war ein Fehler, und es endet heute.
Wer hätte gedacht, in meinem Alter…
Es tut mir leid.
Das alles tut mir leid.
Ich hatte sonst niemanden.
Ich weiß.
Wir sind so weit.
Wenn ich bitten darf…
Wüssten wir manche Dinge über unsere Eltern,
würden wir sie nicht mehr mögen.
Also blenden wir sie aus. Weil wir es nicht aushalten würden.
Kennt ihr den Unterschied zwischen Eltern und Kindern?
Die Wahl.
Ein Kind kann sich seine Eltern nicht aussuchen.
Die Eltern dagegen können entscheiden, ob und wie sie ein Kind großziehen.
Mama, Klelia hat Netflix gesperrt.
Wo warst du?
Was ist dein Passwort?
Korfu. Ich war den ganzen Tag beim Anwalt und der Steuerbehörde.
-Wie ist es gelaufen? -Gut.
Ich lege mich hin.
Die See war rau, mir wurde schlecht.
"ABBA1975", klein geschrieben.
ABBA?
Die Gruppe. Mit zwei B.
-Komm schon. -Warte.
-ABBA. -Ich gebe es ein.
Los, mach schon.
-Was ist los mit dir? Du nervst. -Na los.
Wie geht es dir?
Gut.
Hast du Schmerzen?
Etwas. Das wird schon wieder.
Alles okay.
Hat man dich gesehen?
Nein.
Ich hätte darauf bestehen sollen,
dich zu begleiten.
Ich will schlafen.
Fanis.
Ich will schlafen.
Sie sind ein tolles Paar.
Voller Liebe, Ehrlichkeit und Respekt füreinander.
Und vor allem sind sie ein Vorbild für ihre Kinder.
-Gefällt sie dir? Super, oder? -Toll.
Kennst du ABBA?
-Ja. Schlafen sie? -Ja.
-Wo bringst du die Spanakopita hin? -Nirgendwohin!
Komm schon.
Mein Bruder ist echt cool.
Er hat Sinn für Humor und kann über sich lachen.
Er hat auch Angst, wie ich.
Und er ist anders, genau wie ich.
Ich muss los.
Rauchen wir eine. Tut doch keinem weh.
Yianna hätte was dagegen.
Hör mal, sei kein Feigling.
Das ist unser Ding, und bald ist es eh vorbei.
Klar.
Kennst du ABBA? Eine Band aus den 1970ern.
Such dir ein Mädchen, damit du normal wirst.
Wirke ich schwul?
Schwuler als ich. Über mich wundert sich niemand.
Leck mich, Spyros. Bis dann.
-Was willst du denn hören? -Nichts. Es ist alles okay.
Bleib bei Yianna, zeuge ein Kind und verkaufe Gras.
Hast du von ABBA gehört oder nicht?
SPYROS
Was ist?
Ist dein Gras alle?
Ich kenne ABBA. Sie sind scheiße.
Nächstes Jahr gehst du irgendwo zur Uni.
Und ich bleibe hier und verkaufe Gras.
Im besten Fall
kriege ich ein Kind mit Yianna.
Weil ich keine Wahl habe.
-Gute Nacht. -Geh nicht.
Komm schon, du Arsch.
Du bist high, und morgen ist wieder nichts gewesen.
Ja.
Geh nicht.
-Sie sind sehr gut, oder? -Ja, sind sie.
Aber ich weiß nicht, ob sie alle noch da sind
beim Festival.
Manche könnten sterben.
Verstehe, Frau Maria.
Darf ich?
Hi, Fanis.
Ich will dir für deine Hilfe mit Sofia danken.
Der Arzt wurde bezahlt.
Ich war da, weil sie niemanden hatte.
Ich hätte da sein sollen… Aber sie wollte mich nicht.
-Sie hatte wohl ihre Gründe. -Es geht ihr gut.
Sie ruht sich nur noch aus.
Da bin ich froh.
Ich möchte etwas für die Gesundheitsklinik der Gemeinde spenden.
Darf ich? Für Arzneien und Ausstattung.
-Wir brauchen ein Röntgengerät. -Verstehe.
Ich sag Bescheid, wenn es bestellt ist. Sonst noch was?
Nein, nicht nötig.
Du musst kein Geld dalassen.
-Dort drüben? -Wir gingen, ohne zurückzublicken.
-Ist er das? -Ist er hier?
Ja, er spricht mit deinem Vater. Er bleibt nicht, bald ist er wieder weg.
Hör auf.
Du ziehst dich um?
Ich schwitze.
Wie sieht das aus?
Hi.
Orestis, das ist meine Frau Sofia.
Hi.
Freut mich.
-Haben Sie sich eingelebt? -Ja, alles gut.
Ihr Haus ist wunderschön.
Danke. Ich erbte es von meinem Urururgroßvater.
Wir ließen es vor dem Einzug komplett renovieren.
Früher lebten wir in Athen.
Aber Fanis hatte ständig geschäftlich auf Korfu zu tun…
-Was für Geschäfte? -Jachten.
Baufirmen. Familiengeschäfte. Unsere Kunden sind vorwiegend Italiener,
und so sind wir näher dran und… Prost.
-Prost. -Willkommen.
Sofias Mutter stammt von der Insel.
Wir wollten unsere Kinder hier großziehen.
Und jetzt die Kandidatur, die hoffentlich…
-Richtig. -Sie ist dagegen.
Aber so kann ich mehr Dinge bewegen als mit meiner Arbeit.
Einen Ort auch nur ein wenig zu verändern, ist bedeutend.
Um ehrlich zu sein, alle lieben ihn.
Wir müssen ihm die Insel zeigen.
Kinder!
-Wie war Ihr erster Tag? -Interessant.
Niemand ist gekommen?
Nur ein paar alte Leute?
Frau Maria bot sich als Assistentin an.
-Oh Gott. -Aber sie ist sehr nett.
Stimmt. Im Gegensatz zu ihrem Mann.
Was ist da los?
Orestis, das sind unsere Kinder, Antonis und Klelia.
Klelia kenne ich schon. Sie zeigte mir den Weg nach Manesatika.
Ja.
Antonis spielt Gitarre.
-Bass. -Er hat eine gute Stimme.
Klelia ist Pianistin.
Wir sind eine musikalische Familie.
Welche Musik mögen Sie?
Alles Mögliche. Jazz, Rock, Klassik. Und du?
Spanish Love, The Menzingers, Touché Amoré, Cigarettes After Sex.
Metallica, Joy Division, Smiths, Pixies.
-Twenty One Pilots? -Wer?
Wovon redet ihr nur?
Und du, Klelia?
Cohen, Lana Del Rey, Amy Winehouse.
Klelia liebt Klassik.
-Du magst Klassik? -Sehr.
Debussy?
Ja.
Du musst wissen, Klelia ist extrem talentiert.
Das sagtest du.
Jetzt, wo sie ihren Schulabschluss hat und mehr übt…
Wäre schade, aufzuhören.
Wie viel noch? Ich habe Stunden und Jahre geopfert.
-Orestis, meine Mutter Haris. -Hallo.
Freut mich. Orestis, ich bin so froh,
dass wir hier endlich einen echten Musiker haben.
Meine Mutter hat auch Talent.
Das Talent der Geduld, sonst nichts.
Sie hat darauf bestanden, einen Musiklehrer herzuholen.
Aus Verzweiflung.
Orestis, bleibst du zum Essen?
Ich habe nichts gekocht.
-Ist schon okay. -Schon gut, wir bereiten was zu.
Wir haben noch Spanakopita von gestern. Wir können Salat dazu machen.
Gern. Ich hatte schon ewig keine mehr.
Abgemacht. Du bleibst zum Essen.
-Und ihr? -Wir gehen aus.
-Schon wieder? -Valia hat Geburtstag, sie lud uns ein.
-Hat mich gefreut. -Mich auch.
-Tschüs. -Tschüs.
Sie haben bereits zwei Musiker für Ihr Team.
Morgen sollen die Eltern ihre Kinder mitbringen.
Okay.
Orestis, kommst du mit? Ich möchte dir was zeigen.
Hier ist das Haus, und dort sind die Gärten.
Es gehörte meinem Schwiegervater.
Hier verbrachten wir unseren Urlaub.
Damit mache ich alles. Ich liebe es.
In Athen hätte ich ein Auto. Hier habe ich das.
Fanis, du hast Glück. Es ist fantastisch.
Mann…
Schön, dass du hier bist.
Es ist mein Ernst.
Ich habe sonst niemanden zum Reden.
Neulich habe ich im Büro alle genervt.
Ich war streng.
Leute, ich möchte allen helfen, die sich für Musik interessieren.
Ihr sollt keine Profimusiker werden oder Musik studieren.
Es geht eher darum, dass ich das Musikfestival auf dieser Insel
neu organisieren will.
Und weil diese Insel Musik liebt.
-Stimmt. -Nur Ausländer kamen zum Festival.
Wird Zeit, dass auch Griechen kommen.
Ja. Das hier soll keine Musiklektion sein.
Ich werde nicht über langweilige Musiktheorie sprechen.
Ich weiß, man zwang euch, herzukommen.
Aber ich weiß, dass einige von euch musikalisch gebildeter sind als andere.
Und ich weiß, es gibt auch eine Band.
Ich dachte, wir könnten Folgendes tun:
Sie kombinieren.
Die Band, das Orchester, die Chöre… Was haltet ihr davon?
Eine fantastische Idee.
Sie sind scheu.
Welche Musik mögt ihr?
Welche Songs hört ihr?
Okay, wir können Musik, die ihr mögt, mit meiner Musik remixen
und alles für das Festival kombinieren.
Machen wir eine Pause… Moment noch!
Moment. Lasst es mich erklären.
Machen wir zehn bis fünfzehn Minuten Pause,
ihr schreibt mir eine Liste mit Musik, die ihr liebt,
und wir besprechen sie, wenn ihr wiederkommt.
Ich will euch nicht drängen.
Wenn ihr was braucht, ich bin da.
Wir sehen uns in zehn Minuten.
Sie kommen nicht wieder.
Ich weiß, Frau Maria.
Mögen Sie Paola?
Sie hat eine nette Stimme.
Wie kamen wir so schnell von Callas auf Paola? Keine Ahnung.
Viel besser.
Hi, Charalambos.
Hi, Fanis.
Ist alles okay?
Ich übergab sie gestern.
Ja, wurde mir gesagt. Deshalb bin ich hier.
Das gehört dir.
Kriege ich nichts zu trinken?
Doch.
Jetzt, wo das erledigt ist,
möchte ich über etwas anderes sprechen.
Geht es Spyros gut?
Ja.
Er weiß ja bestimmt nichts, oder?
Wovon?
Genau.
Mein Sohn soll sich von ihm fernhalten.
Warum?
Sie sind ewig befreundet.
Wisse, was in deinem Haus vorgeht.
Was meinst du?
Sie sind jung. Jeder Fehler, den sie jetzt machen, wird sie verfolgen.
Ich weiß nicht, was Spyros vorhat, aber Antonis soll studieren
und sich ein gutes Leben aufbauen.
Wenn du das für deinen Sohn willst,
zieh die Zügel an.
Sie sind nicht gut füreinander.
Maria muss nichts davon erfahren.
Ein Gespräch unter Vätern.
Ich muss los.
Das bleibt unter uns, okay?
Ich melde mich wegen der nächsten Lieferung.
Wo ist Mama?
Mama?
Ich komme.
Mama?
Warte!
Nächstes Mal bringe ich dich um.
Ich habe gelesen, dass wegen des Lockdowns während der Pandemie
die Luft so sauber wurde, dass man das Mittelalter kommen sah.
Vielleicht ging es hier nie zu Ende.
Schön, dass du da bist.
Hallo.
Ist schon jemand da?
Niemand. Und es kommt auch niemand.
Gib ihnen etwas Zeit. Das alles ist neu für sie.
-Ich warte draußen. -Okay.
-Darf ich was sagen? -Klar.
Es tut mir leid.
Was? Du hast nichts getan.
Doch.
Es ist eine unangenehme Situation…
Für dich und mich.
Ich fühle mich schuldig.
Das ist unnötig. Ich gebe dir nicht die Schuld.
Keiner von uns sollte sich schuldig fühlen.
Kann ich dich duzen oder nicht?
Ich bitte alle, mich zu duzen.
Du willst mich besänftigen, um keinen Ärger zu kriegen?
Nein, es soll für uns beide nicht unangenehm sein.
-Es sei denn, du willst es. -Aber nein.
Okay. Dann beenden wir das Gespräch.
-Du sollst nicht denken… -Ich denke gar nichts.
Klelia, hör zu.
Ich kenne dich nicht, und ich mag dich.
Eines weiß ich ganz sicher:
Zwischen uns soll es keine Missverständnisse geben.
Keine Sorge.
-Meinst du, wir schaffen das? -Ich verspreche es.
Okay.
Du kannst gern spielen.
Es kommt sowieso niemand mehr.
Gern.
Manchmal schreibe ich nicht die Wahrheit darüber, was passiert ist.
Die Wahrheit ist: Wir kannten uns schon,
bevor er auf die Insel kam.
WILLKOMMEN BEI DER DATING-APP MEET
KORFU
Wir waren auf Korfu, zu einer Eröffnungszeremonie.
Auf dieser Reise hatte ich die Gelegenheit,
das zu tun, wovor ich Angst hatte.
Niemand kannte mich.
DEIN ERSTES MAL? JA - NEIN
So anonym wie möglich.
KONTO ERSTELLEN
Danke.
CLAIR DE LUNE: Guten Tag.
ORESTIS: Hi.
CLAIR DE LUNE: Du bist in der Nähe.
ORESTIS: Ich mietete was in der Stadt.
CLAIR DE LUNE: Ich bin 150 Meter entfernt.
ORESTIS: Ich bin zum ersten Mal auf einer Dating-App.
CLAIR DE LUNE: Okay.
ORESTIS: Ich mache das sonst nie.
ORESTIS: Wollen wir etwas trinken gehen?
CLAIR DE LUNE: Nein.
ORESTIS: Möchtest du zu mir?
CLAIR DE LUNE: Ja.
Guten Abend.
Ich treffe zum ersten Mal jemanden über die App. Darf ich?
Natürlich. Komm rein.
Wie heißt du?
Ich verstehe.
Was zu trinken?
Wodka.
Wodka.
Der Name "Clair de Lune".
Wie kamst du darauf?
Er gefällt mir.
-Suchst du was? -Eine Kamera.
So was mache ich nicht.
-Ohne Eis? -Ohne Eis.
Okay.
Du kannst die Maske abnehmen.
-Es ist sicher, oder? -Was ist heute schon sicher?
-Prost. -Prost.
-Wohnst du hier? Bist du Studentin? -Nein.
Ist es nicht gefährlich, zu einem Fremden zu gehen?
-Wärst du anders, wäre ich weggelaufen. -Ja?
Soll das ein Kompliment sein?
Mein Bruder weiß, dass ich hier bin.
Dein Bruder?
-Wie alt bist du? -Und du?
Ich glaube, ich bin viel älter als du.
Das könnte von Vorteil sein.
-Ich bleibe ein paar Tage. -Ich reise morgen ab.
-Haben wir genug geredet? -Wir haben genug geredet.
Was ist denn?
Ist es dein erstes Mal?
Wie alt bist du?
-Wir sollten aufhören. -Warum?
-Nein, es liegt an mir. -Ich hab was falsch gemacht.
Nicht du, sondern ich.
Aber wir sollten aufhören. Du solltest gehen.
Gefalle ich dir gar nicht?
Okay, kann ich austrinken, oder muss ich sofort gehen?
Mir wäre lieber, du gehst.
Ich erwartete niemanden, der so konservativ ist.
-Sagst du mir deinen Namen? -Nein.
Es muss dir nicht peinlich sein.
Ist es nicht. Ich will nicht heim. Ich bin erwachsen.
Ja? Wie alt bist du?
Achtzehn.
Oh mein Gott.
-Ich bin 30 Jahre älter. -Sieht man nicht.
-Du machst mich fertig. -Das war Absicht.
Deine Eltern schlafen, du kamst heimlich her. Keiner weiß davon.
Gefalle ich dir nicht?
-Wer sagt das? -Also, was ist? Es ist nur eine Nacht.
Machst du so was öfters?
Was machst du so?
Ich bin Musiker.
Was? Das gefällt dir doch, oder?
Ich habe mir diesen Abend anders vorgestellt.
Ich auch.
Ich erinnere mich an mich mit 18.
Wir hatten damals weder Apps noch Internet.
Du bist wirklich alt.
Stimmt.
Orestis.
Nein, ich mache so was nicht oft.
Ich bin nicht wie die anderen Mädchen.
-Inwiefern bist du anders? -Ich habe Fantasie.
Das ist eigentlich nicht mein Stil.
Ich tue nur so abgebrüht.
Ich bin wieder nüchtern. Ich gehe.
"Clair de Lune"…
Du kennst es?
-Ja. -Dann verstehst du was von Musik.
Ja.
Gute Nacht.
Kommst du allein nach Hause?
Darf ich dich küssen?
Nur einmal.
Ich komme klar. Hat mich gefreut.
Wir alle verbergen was, worauf wir nicht stolz sind.
Und je älter man wird, desto mehr hat man zu verbergen.
Und so trafen wir uns wieder.
Wer weiß? Vielleicht wird dieser Sommer ja besser als die anderen.
MAESTRO IN BLUE
Untertitel von: Tanja Ekkert
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