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(Ilja) Wir sind die KoKo, Kommerzielle Koordinierung -
der kapitalistische Anker unserer Planwirtschaft.
Ohne uns wäre der Laden hier pleite.
Hier geht es nicht um eine Ware, sondern um Menschen.
Da ist Ihre Preistreiberei wirklich würdelos.
Auf dich, Else. Wir verdanken dir alles.
Und auf Mutti.
(Christa) Warum fängst du damit an? - (Roland) Weil sie mir fehlt.
Wir wollen dasselbe. Du kennst meine Sicht.
Der Westen kauft uns. Wach auf.
Die Mauer muss weg! Die Mauer muss weg!
Ich geh nicht ohne Ingo! - Jetzt komm!
Warum stabilisiert die Bundesrepublik ein System,
das Menschen die Freiheit raubt? Silvia ist aufgetaucht.
Sie heißt jetzt Ina Winter.
Wir hatten \u0027ne Abmachung, Silvia.
Der rote Drecksstaat macht uns alle nieder und du schaust zu, wie alle!
Lass uns reden. Lass mich in Ruhe!
Einfach so abhauen. Viel hält uns hier nicht, oder?
Es gibt klare Absprachen zwischen euch und uns:
Die Schuster muss nur lebend rüberkommen.
Ingo hat die bewaffneten Organe angegriffen.
(Jörg) Das ist die Umweltbibliothek.
Deine Schwester ist \u0027ne Linientreue.
(Jörg) Lotte möchte genau das Gleiche wie wir: Veränderung.
(Roland) Ich muss zur Armee. Warum jetzt?
Du musst Disziplin lernen. Jetzt oder nie!
* Sirenen *
Bitte nicht schießen!
Margot, wir müssen uns neu orientieren. Es ändert sich alles.
(Männer skandieren) Juden raus aus deutschen Kirchen!
Ingo!
(Radio) "Das revolutionäre Vermächtnis
von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg
liegt in unserem Kampf für Sozialismus und Frieden."
"Unter dieser Losung beginnt die Kampfdemonstration
der Berliner Werktätigen aus Anlass des 69. Jahrestages ..."
* feierliche Musik *
"... am 15. Januar 1919."
* bedrohliche Klänge *
Lotte, du gehst auf keinen Fall mit.
Du gehst schön zur offiziellen Feier.
Ich stelle mich nicht neben meine Schwester.
Die haben uns aufm Kicker. Bist du nicht auf der Feier ...
Dann sind wir alle im Arsch, versteht du?
(Redner) Jedes Jahr im Januar
demonstrieren wir zu Hunderttausenden hierher,
an die Gedenkstätte der Sozialisten,
um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg zu ehren.
Wir verneigen uns vor eurem höchsten Einsatz
für Arbeit, Brot und Völkerfrieden.
* getragene Gesänge *
Wir bekennen uns mit Stolz zu ihrem revolutionären Erbe.
Dem Karl Liebknecht haben wir\u0027s geschworen,
der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand
mit jedem Wort und jeder Tat,
die dem Sozialismus nützen und dem Frieden dienen.
Und wo ist Lotte?
Kennst sie doch. Wie immer zu spät.
* bedrohliche Klänge *
(Redner) Unsere Kampfdemonstration ist in jedem Jahr
eine Bekundung unseres Lebenssinns.
Hey!
(Redner) In dieser Tradition
steht auch jenes "Jetzt erst recht!",
alles für die Stärkung des Sozialismus
und die Sicherung des Friedens ...
Wir haben alles im Griff.
(Redner) Wir bauen auf das bewährte Vertrauensverhältnis
zwischen Partei und Volk.
Wir bauen auf das Bündnis mit der Sowjetunion
und den anderen sozialistischen Staaten,
auf die Zusammenarbeit mit allen am Frieden interessierten Kräften.
(Welsch) "Egal wie oft in den Reden
der Frieden und die Einheit von Partei und Volk beschworen wurde -
nie zuvor klafften Vorstellungen und Realität so weit auseinander."
* beklemmende Klänge *
(Demonstrant) Hey!
(Welsch) "Trotzdem hielten wir ver- bissen an der alten Ordnung fest."
* Gesänge der Demonstranten *
* nervöse Klänge *
Faschisten. Faschisten!
Mutti!
* Husten *
Mutti? Was ist los? Mutti!
* lautstarke Handgemenge *
Hilfe!
Krankenwagen! Hilfe! Lotte!
Schämst du dich nicht?
Erst mal Mutti helfen. Mutti, bitte! Komm!
Mutti? Margot bringt mich nach Hause.
Ja. Komm.
(Welsch) "Die Stasi-Aktion \u0027Enthauptungsschlag\u0027
war nur der Auftakt zu zwei turbulenten Jahren."
"Dass es unsere letzten werden sollten,
daran dachte keiner von uns."
* "Sweet Dreams" von Eurythmics *
Lotte Bohla
Margot Spindler
Ina Winter
Bei der Parteiführung ist der Eindruck entstanden,
dass in Berlin die halbe Konterrevolution marschiert.
(Krimling) Bereits vor Beginn der Veranstaltung
kam es zu vielen operativen Kontrollen und Zuführungen.
Wir haben Zersetzer zu Hause verhaftet,
andere am Frankfurter Tor ... - Insgesamt 105.
Insgesamt 105 - und sind dabei, weitere Zuführungen zu tätigen.
Der Genosse Minister fragt,
warum nicht alle Störenfriede im Vorfeld verhaftet wurden.
Wir können nicht von einer einheitlichen Gruppe sprechen,
wie Sie vom Leiter der HA IX wissen.
Neben der Friedensbewegung gibt es die Bürgerrechtler,
Umweltbibliothek, kirchliche Kreise, Ausreiseantragsteller ...
Das ist nicht gut genug!
Der Minister verlangt hartes Durchgreifen, drakonische Strafen!
Köpfe müssen rollen, werden außer Landes gewiesen!
Hab ich mich klar ausgedrückt? - Ja, wir wissen, was zu tun ist.
Was hat der Minister gesagt?
Die sollen sich vor Angst einscheißen.
* unheilvolle Klänge *
* "Photographic" von Depeche Mode *
Frau Winter.
Kann ich Sie kurz sprechen?
Kann ich mich kurz umziehen? Nein.
Danke, Ilja.
Ich hoffe, du isst Milchreis noch so gerne wie früher.
Setz dich.
Bitte.
Ich esse das immer noch wahnsinnig gern.
Fehlt noch etwas Zimt.
Es geht um zwei Punkte. Zum einen:
Der Häftlingsfreikauf ist eine meiner zentralen Aufgaben.
Ich möchte nicht, dass wir uns da in die Quere kommen.
Und zweitens:
Roland.
Was hast du mit ihm gemacht?
Er hat sich in große Schwierigkeiten gebracht.
Er wollte tatsächlich durch die Spree schwimmen.
Und jetzt?
Jetzt sitzt er in U-Haft.
Und zurzeit isst er nichts.
Was?
Wird er verurteilt, kommt er für Jahre ins Gefängnis.
Wahrscheinlich vier.
Vier Jahre?
Mach doch irgendwas!
Setz ihn auf \u0027ne Verkaufsliste! Ja, wäre das nicht schön?
Glaubst du, dass ich das so einfach kann?
Jetzt probier doch mal. Komm.
Was willst du von mir?
Du siehst scheiße aus, Silvia.
Zu viel Stress?
Vielleicht solltest du dich beruflich umorientieren.
Dein Chef hat sicher Verständnis, wenn \u0027ne junge Frau
sich nicht täglich mit diesem politischen Dreck befassen möchte.
Ich würde vorschlagen, du suchst dir \u0027nen neuen Arbeitsplatz.
Dann könnte ich mich auch für Roland einsetzen.
Ilja, wenn du Frau Winter bitte nach vorne begleiten könntest.
Meine Schwester ist manchmal richtig fürsorglich, nicht?
Ich finde alleine raus.
Schwester?
Und wer weiß davon?
Krimling.
Paul? Paul weiß alles.
Alles? Alles.
* angespannte Klänge *
(Welsch) "Aber Margot täuschte sich:
Paul wusste längst nicht alles."
"Nicht mal Margot selber wollte wahrhaben,
was gerade unausweichlich auf uns zukam."
Scheiße.
Gold?
Wieso lagern wir Gold ein?
Keine dummen Fragen.
Ab in den Tresorraum damit.
(Welsch) "Nur Schalck hatte alles im Kopf -
und war uns, wie immer, weit voraus."
(Schalck) Mir liegen neue Zahlen von Schürer vor.
Wir stehen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit.
Warum lässt du dann Gold einlagern?
Margot, keiner von uns weiß,
ob wir das Politbüro wirklich zu Reformen bewegen können.
Wir brauchen Rücklagen für den Fall der Fälle.
Was heißt das? Für den Fall der Fälle?
Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln.
Was ist mit Waffen?
Hm?
Legal, illegal, scheißegal?
Volle Kraft voraus.
Es gibt ab jetzt weder Freund noch Feind - nur noch Kunden.
Alex, du musst noch mal mit Honecker reden.
Es muss \u0027ne Lösung geben. Es gab immer \u0027ne Lösung!
Ich kann ihn doch nicht zum Jagen tragen.
(Paul) Christa, warum hast du denn nichts gesagt?
(Christa) Was hätte ich denn sagen sollen?
Du hast doch sicher von Rolands Fluchtplänen gewusst.
Soll das jetzt \u0027n Verhör werden?
Ach!
Aber du hättest uns was sagen müssen.
Ja, und dann?
Ihr steckt doch beide unter einer Decke.
Was verschweigt ihr uns denn noch?
Wen willst du damit beeindrucken?
Ich kann dich hier nicht rausholen, verdammt noch mal.
Roland.
Wenn du jetzt nichts isst, lasse ich dich zwangsernähren!
Warum bist du nicht einfach gesprungen,
wenn drüben alles so toll ist?
* Klopfen, Türöffnen *
* getragene Klänge *
"Du siehst scheiße aus, Silvia"?
Du siehst richtig scheiße aus!
(Assistent) Frau Winter?
Herr Nederlinger möchte Sie noch mal sprechen.
Schade, dass Sie gehen. Sie kennen mich doch gar nicht.
Frau Winter, darf ich Herrn Hartmann vorstellen?
Abteilungsleiter im Finanzministerium.
Ich wollte unbedingt, dass Sie sich noch kennenlernen.
Guten Tag. Hat er Ihnen verraten,
wie traurig er ist, dass Sie gehen?
Eine rein beruflich bedingte Traurigkeit.
Er verliert mit Ihnen ja seine beste Kraft, wie man hört.
Obwohl ich, ähm, gelinde gesagt, mein lieber Freund,
Zweifel an der Sinnhaftigkeit eurer Freikaufstrategie habe.
Das bringt doch gar nichts.
Das sind Barbaren.
Barbaren? Wie meinen Sie das?
Die Römer haben nicht ohne Grund ihr Imperium
nicht weiter nach Norden und Osten ausgedehnt. Nicht ohne Grund.
Immer Regen, immer nass, immer kalt, immer schlechte Laune.
Und dann diese groben Menschen, die Barbaren eben.
Da half dann nur noch der Limes.
Sind Sie mit Tacitus vertraut? Ähm, nein.
Das ist schade, sehr schade.
Diese Barbaren kosten uns Milliarden.
Wir haben allein in den letzten zwei Jahren
über 200 Millionen Mark rübergepumpt - 200 Millionen!
Und wofür? Nur für Häftlinge! Und was hat uns das gebracht?
Wir haben uns so zumindest
den Abbau der Selbstschussanlagen an der Zonengrenzen erkauft.
Wie viel ist denn ein auf diese Art gerettetes Leben für Sie wert?
Herr Hartmann?
Sie hat eigene Vorstellungen, Ihre Frau Winter.
Da muss man mit umgehen können. Nein, danke.
Wir sprechen zu unterschiedliche Sprachen.
Glaube ich nicht. Ich hab Sie verstanden, denke ich.
Richard, keine Kekse - Obst!
Man kann mit einem Unrechtsregime nicht diskutieren,
man kann es nicht reformieren -
man kann es nur an der Wurzel packen und ausreißen.
Nehmen Sie Strauß\u0027 Milliardenkredit.
Sie glauben doch nicht, dass er einfach nur der DDR helfen wollte.
Wir machen sie abhängig von unserem Geld
wie Junkies vom Heroin - und was passiert dann?
Wir setzen sie auf kalten Entzug. Das ist mein Ziel.
Auf Wiedersehen.
* nebulöse Musik *
Sie hat tatsächlich gekündigt? Mhm.
Und was macht sie jetzt?
Höchstwahrscheinlich erst mal Urlaub.
Sehr vernünftig.
Danke, Herbert.
* feierliche Musik aus Lautsprechern *
(Mann) Bohla!
Hierher!
Wie geht\u0027s dir? Siehst du doch.
Bei guter Führung kommst du vielleicht früher raus.
Das glaubst du doch selbst nicht. Ich bin Abschaum für die.
Aber wenn sie dich kaputtmachen, haben sie gewonnen.
Du verstehst es nicht, oder? Wir sind alle Abschaum für die.
Auch du, Mutti. Hitler hat gesagt, die Juden müssen weg.
Wir sagen, die SED-Bonzen müssen weg.
Was redest du denn?
Siehst du? Du verstehst es nicht.
Hier verstehen mich wenigstens \u0027n paar Leute.
(Aufseher) So, das reicht. Auf Wiedersehen.
* Musik: "Für mich soll\u0027s rote Rosen regnen" *
(singt) "Mit 16 sagte ich still:
Ich will, will groß sein Will siegen, will froh sein ..."
* Gebrabbel im Hintergrund *
(Schweizer Akzent) Habt ihr aus den Pfingstunruhen nichts gelernt?
Ich liefere 500.000 Farbfernseher, noch mal so viele Westautos,
aber dann habt ihr Ruhe im Land.
Welche Schweinerei dürfen wir dafür erledigen?
12.000 Tonnen Sondermüll - zusätzlich.
Gut. Wenn ihr bereit seid, 800 die Tonne zu zahlen,
denke ich darüber nach. - 800? Das kannste vergessen!
Fahren wir den Dreck eben nach Rumänien rüber.
Dann könnt ihr eure Mauer demnächst mit Fackeln beleuchten.
Ich muss schon sagen: Sie sind etwas zu gierig.
(Ilja) Halt die Klappe, Welsch!
Das ist mein Chef.
Danke.
Ich bin nicht deine Nutte, Klein. Hast du das verstanden?
Ja, ja! - Hast du\u0027s verstanden?
Ich hab\u0027s verstanden!
Im Westen bezahlt ihr für eure Scheiße bis zu 4000 die Tonne
und du willst uns sogar noch drücken? Du kannst mich mal!
Ab jetzt zahlt ihr 1000 die Tonne
oder ihr bleibt darauf sitzen, klar?
Schon gut, schon gut.
Abgemacht.
Abgemacht. - Sehr gut.
Weder Freund noch Feind, nur noch Kunden.
Welsch, wir gehen. - Ja. Ab in den finsteren Osten.
Jammerschade. Ihnen steht doch die ganze Welt offen, Dr. Schneider.
Im nächsten Leben, lieber Herr Gerlach.
Vielleicht im nächsten. - Tschüss, Uli.
Bis bald, Markus.
Bist du bescheuert? Du duzt den? - Uli kenne ich aus Halle.
Der kommt aus Pullach vom BND! Du hast\u0027s noch nicht begriffen.
Dr. Schneider, wir könnten mit Müllverbrennungsanlagen helfen.
Damit könnt ihr langfristig Kapazitäten verzehnfachen.
Liefer erst die Großrechner, sonst läuft gar nichts mehr.
Und du nimmst die Finger von Tamara!
\u0027tschuldigung.
Ich glaub, die mag mich. - Ganz bestimmt.
Die da drüben lachen sich doch kaputt über uns.
Ihr sägt den Ast ab, auf dem wir alle sitzen.
Wir räumen auf, Margot. Ein für alle Mal.
Dieser Jörg Schäfer, der wiegelt hier die Leute auf.
Er lanciert Lügen über uns in der Westpresse.
Die gesamte Umweltbibliothek - Fassade.
Warum habt ihr dann diesen Schäfer nicht längst festgenommen?
Ich kann warten. Ich will die alle.
Und dann den Sack zu und richtig draufhauen.
Jetzt ist nur die Frage:
Ist deine Schwester Lotte drin im Sack? Oder draußen?
Was willst du von mir? Deine Hilfe.
Vernetzte Rechner, Schlagstöcke, Tränengaswerfer, Nachtsichtgeräte.
Sonst haben wir bald polnische Verhältnisse.
Dafür werde ich Roland auf die Verkaufsliste setzen.
Dein Vater war ein Held gegen den Faschismus.
Darum denkt ihr Bohlas, ihr seid unantastbar
und könnt machen, was ihr wollt.
Du weißt, ich tu alles für diesen Staat.
Sobald Roland rechtskräftig verur- teilt ist, kommt er auf die Liste.
\u0027n Häftling wie jeder andere auch.
* nervöse Klänge *
Hallo, Lotte.
Was wollt ihr eigentlich erreichen?
Wen meinst du denn mit "ihr"?
Deine Freunde.
Dieser Jörg Schäfer.
Wovon träumt der?
Ich frag mich das wirklich.
Ja? Fragst du dich das wirklich?
Wovon die Menschen träumen? Das soll wohl \u0027n Witz sein.
Die ganze Weltliteratur ist voll mit den Träumen der Menschen.
Und ich soll dir das jetzt mit \u0027n paar Worten erklären?
Ja.
Sie träumen von einem selbstbestimmten Leben, Margot.
Ohne Angst, ohne diese Enge.
Die wollen mal ans Mittelmeer oder nach Paris.
Vielleicht wird ja keiner hinfahren,
aber diese Sehnsucht, die kriegt ihr nicht in den Griff.
Ich bin nicht die Stasi, Lotte. Ich bin deine Schwester.
Ich ... Ich versteh dich ja.
Aber ich ... Aber was?
Wie soll ich dich schützen?
Schützen? Wie Ingo und Roland?
Du schützt doch nur deine Karriere und deine Partei!
Raus.
Raus!
* aufwühlende Klänge *
(Paul) Umweltschutz, das ist die Zukunft, Eberhard.
Mit unseren Kühlschränken sind wir nicht weltmarktfähig.
Hier: "Umweltabkommen von Montreal zum Schutz der Ozonschicht.
Auch die Deutsche Demokratische Republik will ..."
Bla, bla, bla. - Dann lies doch selbst!
"Die Deutsche Demokratische Republik will mittelfristig
komplett auf die Emission von FCKW verzichten."
Sag ich doch: bla, bla, bla.
Aber das wär\u0027s doch! Wir können doch klein anfangen.
Parallel zur laufenden Produktion nach Feierabend.
Wie reparierst du deine Laube? Selbst. Dein Auto?
Selbst. Wenn wir dem Westen was voraushaben,
dann den Zwang zur Improvisation.
Mit \u0027ner anderen Kühlflüssigkeit kann man die Kompressoren umbauen.
Wir brauchen chlorfreien Fluorkohlenwasserstoff - FKW.
Paul, wir sind noch nicht so weit.
Wir können schon anfangen zu zeichnen, zu rechnen.
* Klopfen *
Was?
Weißt du, was wir hier gerade machen?
Wir arbeiten daran, die ... - Welt zu retten.
* Tür schließt. *
Ich halt das nicht aus, wenn du so bist.
Ich liebe Margot seit der Schule.
Sie war so klug, so schön.
Sie wollte immer das, was ich auch wollte.
Dass wir es schaffen.
Dass wir gemeinsam was Neues aufbauen.
Aber irgendwann -
ich weiß nicht mal mehr, wann -
sind wir falsch abgebogen.
* schwermütige Klänge *
Dann kehrt doch endlich um.
Bist du noch wach?
Ja.
Roland ist verurteilt.
Zwei Jahre und drei Monate.
Zwei Jahre?
Zwei Jahre hat er bekommen?
Du musst raufgehen, es Christa sagen.
Och, nee. Jetzt!
Ich mach das nicht.
Diesmal wirklich nicht.
* bedrückende Klänge *
* Klopfen *
(Paul) Christa?
Machst du mal auf, bitte?
Christa?
* Türöffnen *
* Tür schließt. *
* Telefon *
Ja? (Schalck) "Margot, ich bin\u0027s."
Alex?
"ZK-Sekretär Mittag ist im Krankenhaus."
"Wir müssen handeln." Ja ... Ja, verstehe.
(Schalck) "Triff dich sofort mit Schürer."
"Bereite einen Text vor."
"Er muss ihn Honecker und dem Politbüro vorlegen."
"Das ist unsere Chance, Reformen durchzusetzen."
* unheimliche Musik *
Wo ist Schalck?
In Bonn. Er schickt mich, damit wir weiterreden können.
Kommen Sie mit.
Wir müssen denen die Konsequenzen drastisch klarmachen.
Die Verschuldung steigt rasant.
Aber das will keiner hören. Das rüttelt an den Grundfesten.
Honecker wird Reformvorschlägen sowieso niemals zustimmen.
Wissen Sie, was passiert, wenn die von den Rücklagen erfahren?
Marode Häuser werden weiter subventioniert,
alle Waren weiter unter Produktionskosten verkauft.
Außerdem retten wir doch mit dem bisschen Geld den Staat nicht.
Genosse Schürer, wir bluten weiter aus!
Ich weiß.
Hören Sie, die sind zwar stur im Politbüro, aber nicht dumm.
Kommt irgendwann raus, dass ihr Geld zurückhaltet,
um Druck zu machen, dann ...
Das ist Hochverrat!
Unsere Köpfe werden rollen, das ist euch hoffentlich klar.
Niemand will den Sozialismus abschaffen - er muss sich wandeln.
Nur so kann unser System überleben.
Und wie mach ich das? Die KoKo als Mitverfasser erwähnen?
Sie sind Chef der Plankommission.
Wir haben zwei Wochen, Genosse Schürer.
Keinen Tag mehr.
* beunruhigende Klänge *
Christa? Was machst du denn hier?
Komm mal rein.
* Türklopfen *
Wer ist denn da? Lotte.
Das ist meine Nichte, Christa.
Na los, rein.
Hallo. Ach, Tag.
Wo sind denn die anderen? Im Knast. Die machen ernst.
Was? Nach \u0027ner Woche noch? Ja.
Vielleicht sind wir \u0027nen Schritt zu weit gegangen.
Nee, nicht jetzt die Nummer wieder.
Christa - ich hab ihr von uns erzählt.
Komm.
Hallo.
Das ist kein Kaffeeklatsch!
Mann, Marion! - Ich weiß gar nichts mehr!
Du hast keinen Grund, an mir zu zweifeln.
Das ist, was die wollen: dass wir uns nicht vertrauen.
Also, Christa, schön, dass du dabei bist.
So, wir machen weiter - und setzen noch einen drauf!
Ich hab Kontakt mit einem von der Arche in Leipzig.
Der plant ein richtig großes Ding - mit \u0027ner Westjournalistin.
Das, das sage ich euch, das wird richtig wehtun.
(Christa) Danke. - Na also.
Prost. Prost.
Tut mir leid, der Genosse Generalsekretär
bekommt Sie heute nicht mehr im Terminkalender unter.
Du kannst dich nicht laufend abwimmeln lassen, Genosse Schürer.
Uns läuft die Zeit davon!
(Schürer) Mein Vorgänger,
der Apel, der hat sich erschossen.
Hat den Druck nicht länger ausgehalten.
In seinem Büro. Also ...
In meinem Büro.
Die Kugel steckt noch im Holz. Kann man spüren mit dem Finger.
Fühlt sich gut an.
Immer nur der Überbringer schlechter Nachrichten sein -
wer hält das aus?
Du wirst Geschichte machen.
Genosse.
(Welsch) "Geschichte machen -
wer wollte das nicht?"
"Aber die Geschichte machte uns -
im Großen wie im Kleinen."
"Getrennt -
zerrissen -
zueinander gefunden."
"Fest stand nur: Das Fundament bröckelte."
"Das war die Einsicht, die uns veränderte."
"Uns alle."
"Heimlich und tief drin sogar Margot."
Du bist noch wach?
Geschäft oder Ilja Schneider?
Willst du mir Vorwürfe machen?
Paul.
Paul.
(Sekretärin) Genosse Schürer? Genosse Schürer!
Sie können jetzt eintreten.
* nervöse Musik *
(Schürer) Wo ist Erich?
(Mittag) Der Genosse Generalsekretär ist verhindert.
Du hast also meine Abwesenheit benutzt,
um hinter meinem Rücken
die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik infrage zu stellen?
Genossen, als Vorsitzender der staatlichen Plankommission
ist es meine Aufgabe, auf die Gefahren
dauerhaft überhöhter Stützungsmaßnahmen hinzuweisen,
die wir uns nicht leisten können. - Das ist eine Behauptung.
Damit stellst du die Ergebnisse
des achten und neunten Parteitages infrage!
Ich ... - Tust du das?
Nein, natürlich nicht.
Doch, tust du! Und versteigst dich noch zu der Feststellung,
dass wir sonst pleitegehen!
Das hab ich so nie gesagt, Genossen.
Aber du hörst einfach nicht zu.
Wie oft hat der Genosse Minister es dir geduldig erklärt?
Staaten können nicht pleitegehen, Gerhard!
Aber sie können zahlungsunfähig werden, Günter.
Ach, ja?
Du weißt es immer besser als alle hier? Ist das so?
Genossen, diese Zahlen hier sind großer Mist.
Sie stimmen hinten und vorne nicht.
Ich schlage nach Absprache mit dem Genossen Generalsekretär vor:
Dieser Punkt wird vertagt auf den Fünfjahresplan 1989 bis 1994.
Ja, aber ... - In den Papierkorb damit, Gerhard!
* angespannte Klänge *
(Schalck) Mach dir keine Vorwürfe.
Keiner konnte ahnen, dass Mittag so schnell auftaucht.
Schürer hatte keine Chance. Und jetzt?
Ich bin ein paar Tage in München und Bonn.
Du willst doch nicht über eine Konföderation nachdenken?
Die Konföderation ist der einzige Weg.
Zwei souveräne Staaten bei enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit.
Das wird niemals funktionieren.
Dann muss ich sogar Krimling recht geben.
Die werden uns plattmachen, einfach schlucken!
Vielleicht. Aber jetzt können wir noch verhandeln.
Ich werde niemals kapitulieren.
Ich rechne mit deiner Loyalität.
Wir sollten hier rechtzeitig die Zelte abbrechen.
Kleines Häuschen in St. Tropez, eins in St. Moritz.
Hm? (verneinend) Mh-mh.
Wir sind Champions, spielen aber bei den Verlierern.
Halt den Mund, Ilja.
Schalck hat nicht recht. Es gibt noch Luft nach oben.
Waffenverkäufe sind schwierig.
Tauwetter überall.
Und Westwaffen verschieben reicht nicht.
Außerdem macht uns der BND Konkurrenz,
die CIA und der Mossad.
Die wollen alle selber kassieren.
Noch brauchen die uns für ihre Schweinereien.
Mach es, wie es besprochen ist.
Weder Freund noch Feind, nur Kunden.
Und nimm deine Füße runter.
* majestätische Musik: "Dance Of The Knights" von Prokofjew *
* Applaus *
* Johlen *
(Ilja) Meine Herren, danke schön.
Danke schön. Und noch mal Applaus!
Meine Herren: die Wieger.
Sächsische Wertarbeit aus dem Erzgebirge.
Synchronisierte Automatik, zwei Gaskolbensysteme,
doppelt so schneller Nachladevorgang,
geminderter Rückstoß.
"Kennen wir schon", denken Sie nun.
"Klar, ist \u0027ne Kalaschnikow" - falsch!
NATO-Kaliber. Ja, das Beste aus zwei Welten.
Beste Sturmfeuerwaffe der Welt, die russische Kalaschnikow -
ab jetzt auch international.
Meine Herren, das Büfett ist eröffnet. Bitte.
Wissen die Russen eigentlich davon?
Sächsische Wertarbeit aus dem Erzgebirge.
In Krisenherden weltweit einsetzbar.
Wir können die Produktion in kurzer Zeit auf 100.000 hochfahren.
Der Preis ist Verhandlungssache.
Munition und Zielgeräte könnten von uns kommen.
"Herner & Bergmann - Defense"?
Aus der Bundesrepublik?
Das dürfte kein Problem darstellen.
In welche Länder könnt ihr exportieren? Inoffiziell.
Sie kennen die Bestimmungen für Krisengebiete, CoCom.
Die Amerikaner sind nicht mehr so leicht zu umgehen.
Mit politischer Flankierung von bestimmten Seiten
ist vieles möglich, Herr Dr. Schneider.
Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
* gedämpfte Klänge *
* unruhige Musik *
Sie können da nicht einfach ...
Hallo? Was machen Sie denn da?
Wo ist er denn?
Wer? Roland.
Roland Bohla. Bohla?
Er stand auf der Liste, wurde aber wohl kurzfristig gestrichen.
Haben Sie \u0027n Telefon?
Na, dann. Grüß Jochen. Danke. Mach ich.
Tschüssi. Tschüss.
Guten Tag. - Guten Tag.
* Telefon *
Lottes Bücherkiste, hallo?
"Hallo?" Hallo, wer ist denn da?
Hier ist
Ina Winter.
"Ich, äh ..."
* schweres Atmen *
(Lieferant) Lotte? Kannst du mal unterschreiben?
Ich hab doch gar nix bestellt. Doch.
"Die kleine Ameise", 999-mal. Machst du Witze?
Die haben wohl wieder Papier bei den Tschechen.
Pass auf, was du sagst.
Roland saß nicht im Bus!
Nein. Überrascht dich das?
Krimling, das geht so nicht!
Du kannst mir nicht in meine Geschäfte pfuschen, verdammt!
(Radio) "... vom letzten Fußballoberligapunktspieltag
in aller Ruhe noch mal sämtliche Ergebnisse:
BFC Dynamo gegen FC Vorwärts Frankfurt/Oder:
1:0."
"Blau-Weiß Leipzig gegen Rot-Weiß Erfurt ..."
Deine Geschäfte?
Ich dachte, es geht um deinen Ziehsohn.
Und um deine kleine Schwester.
Sind das deine Geschäfte?
Sag mir in einfachen Worten, was du willst.
Es gibt Gerüchte.
Schalck hat sein Männchen Schürer vorgeschickt,
und der ist abgeprallt, an Mittag. Ja, und?
Schalck hat immer einen Plan B.
Ich will wissen, was ihr vorhabt.
Ich weiß nicht, was du meinst.
Buchhaltung, Quittung, Konten - ich will Zahlen.
Der Minister will Einblick in eure Zahlen.
Weißt du, was er gesagt hat?
"Die gesamte KoKo-Truppe gehört ausgemistet.
Und zwar besser heute als morgen."
Ich sag dir was: Er wird uns nichts tun.
Gar nichts. Die sind doch nicht so dumm da oben.
Vielleicht hat Mielke ja auch schon längst einen Plan B.
Der Minister? Ja.
Die beiden, Schalck und Mielke, sind alte Freunde.
In Krisenzeiten zählt nur das.
Verspielt ihr unseren Arsch,
hängen sie mich als Ersten an die Laterne.
Wir machen für euch die Drecksarbeit.
Deshalb erwarte ich deine Kooperation.
Kooperation klingt gut.
* spannungsvolle Musik *
* Musik verklingt. *
Frau Winter. Schön, dass Sie sich hierher verirren.
Herr Dr. Nederlinger hat mich doch angekündigt.
* sanfte Musik im Hintergrund *
Ich bin ganz Ohr.
Ich glaube, Sie sind ein zynischer Pragmatiker außergewöhnlicher Härte,
und mir wirklich alles andere als sympathisch.
Also, also, eine richtige Arschgeige? Ja.
Hm. Aber ich setze darauf,
dass Sie noch eine größere Arschgeige sind als die da drüben.
Da hat Sie aber jemand sehr verärgert.
Aus Ihrer alten Heimat.
Sagen wir, ich bin befangen. Oder ...
Vielleicht habe ich ja auch diese Härte nicht - Ihre Härte.
Manche Probleme können aber nur Menschen wie Sie
aus der Welt schaffen.
Vielleicht kann ich Sie wenigstens dabei unterstützen.
Deswegen bin ich hier.
Wissen Sie, oft wird durch Gefälligkeit
mehr gesündigt als durch Härte.
Auch wieder Tacitus.
Einverstanden. Wir brauchen mehr Informationen darüber,
wie hoch die da drüben wirklich verschuldet sind.
In Ordnung.
Und seien Sie versichert, ich bin die Stradivari unter den Arschgeigen.
* angespannte Musik *
* Klopfen * Herein.
Das sind die Unterlagen.
Schönen Gruß von der Genossin Spindler.
Da soll ich mich auskennen, ja?
Die Genossin Spindler meint, Sie kennen sich in allem aus.
* beklemmende Klänge *
Iss das jetzt.
Du siehst aus wie eine Leiche.
Ach ...
Wen interessiert das?
Die im Westen.
Die interessiert das.
* spannungsvolle, tickende Musik *
Margot, steig bitte ein.
Ich wollte dir Rückmeldung geben.
Schmierzettel und handgeschriebene Rechnungen.
Drei Ordner voll. Das ist nicht dein Ernst, oder?
Brauchst du weitere Ordner?
Wie kann man so einen Laden mit 600 Firmen führen?
Hier, 35,5 Millionen D-Mark,
dann sechs Monate später 14,4 Millionen.
Von der Firma FC Gerlach in Vaduz.
Das ist doch \u0027ne HVA-Firma, die gehört doch uns.
Wird aber von der KoKo betreut. Ilja macht das.
Dieser Schneider. Ich will nicht wissen,
wann der sich das letzte Mal mit Ostzahncreme die Zähne geputzt hat.
Ist mein bester Mann. Schon gut. Aber so ein Verhau!
In Lichtenstein an Dr. Schalck 123.488 D-Mark
und 15 Pfennige bar. Bar!
Das, Margot, ist keine Buchführung.
Schalck hat alles im Kopf.
Im Kopf?
Oh Gott, mir wird schlecht.
Das, das kann ich unmöglich Mielke zeigen.
* Sie schmunzelt. *
Wollt ihr \u0027ne Buchprüfung bei uns machen,
die Staatsanwaltschaft schicken? Norbert. Mach dich nicht lächerlich!
Ich glaub nicht, dass wir uns damit zufrieden geben.
Ich hab meinen Teil der Abmachung erfüllt.
Sieh zu, dass Roland im nächsten Bus sitzt.
* Telefon *
Spindler?
Ja.
Margot ist am Telefon.
Es ist wichtig.
Ja?
Wirklich? Wann?
* freudige Laute * Roland kommt raus! Heute noch!
Wo willst du hin? - Ja, was glaubst du denn?
* bedrückende Musik *
Ich ... wünsch dir alles Gute.
Für \u0027n neues Leben.
In der BRD.
Und ich hoffe, dass das die richtige Entscheidung ist.
* Namensaufrufe von draußen *
* Namensaufrufe *
* bedrückende Musik *
* Motor startet. *
* schwermütige Musik *
* stumme Rufe * (leise) Roland!
Christa! Christa!
Roland!
Roland! Nein!
* Flasche schlägt auf. *
* dramatische Musik *
(hallend) Christa!
W... Was machst du denn hier?
Du hast gesagt, er kommt raus. Er ist raus.
Du hast das gesagt! Was dachtest du denn? Er ist raus!
Du hast gesagt, dass er rauskommt!
Er kommt genau da hin, wo er immer hinwollte.
Ich hasse dich.
* triste Klänge *
(sanft) Sch.
* Uhrticken *
* spannungsvolle Musik *
Guten Tag, Lotte Bohla, ich möchte zu Margot Spindler.
Sie arbeitet hier nicht.
Richten Sie ihr trotzdem aus, dass ihre Schwester unten wartet.
Was bist du nur für ein Mensch? Lotte ...
Die Kirche, der du jetzt untern Rock kriechst,
hat ihre Feinde früher verbrannt.
Hör ich da Neid durch? Bei uns kommen alle da hin,
wo sie unbedingt hinwollen. Roland wollte weg.
Ich hab ihn aus dem Gefängnis geholt. Willst du mir das vorwerfen?
So wie Silvia. Die wollte ja auch weg.
Was meinst\u0027n damit?
Mich hat letztens eine Frau angerufen.
Ina Winter, sagt dir das was?
Warum sollte es?
* Sie atmet zitternd. *
Ihre Stimme hat mich an Silvia erinnert.
* düstere Klänge *
Ich vermiss sie auch manchmal, Lotte.
Trotz allem.
(Roland) Christa? Ich bin\u0027s!
Hörst du mich?
Mir geht\u0027s gut. Ist geil hier, ganz anders.
"Ich schick dir ein Paket."
"Hey, man kann hier alles kaufen. Alles!"
* melancholische Musik *
Du fehlst mir.
"Ich hab dich lieb." - Ich dich auch.
* Roland legt auf. *
* spannungsvolle Musik *
* gedämpfter Jubel *
* rhythmische Technomusik *
* Jubel verklingt. *
* gedämpfte französische Musik *
* Türklingeln *
Mutti? Ich hab Apfelkuchen gemacht.
Du sollst an Ingos Geburtstag nicht allein sein.
* gedämpfte Musik *
Ingo wird es begreifen.
Er muss lernen, sich anzupassen.
* Else hustet mehrfach. *
* Else atmet tief durch. *
Glaubst du wirklich,
dass mit so viel Unrecht Recht geschaffen wird, Mutti?
Wer nicht für euch ist, ist gegen euch?
Die jungen Leute rennen euch weg,
weil sie sich nicht anpassen wollen an eure Verlogenheit.
Nein, weil sie vom Westen verblendet sind
und aufgehetzt werden von irgendwelchen Träumern.
Wie viele willst du noch opfern auf deinem Bonzenaltar?
Ingo, Roland, Silvia, ...
Silvia, die ist tot.
Sie hat den Namen deines Vaters in den Dreck gezogen.
(Else) Sie hat uns allen geschadet.
Ja? Mir nicht.
Und ihren Kindern auch nicht.
(Else) Ich muss zum letzten Zug.
Und mach das Westradio aus, sofort.
* Lotte dreht das Radio auf. *
* "Sehnsucht, Sehnsucht" von Purple Schultz *
# Ich hab Heimweh
Fernweh
Sehnsucht
Ich weiß nicht, was es ist
Ich will nur weg
Ganz weit weg
Ich will raus #
* Musik klingt aus. *
* gedämpfte Stimmen *
(Marion) ... am Tag drehen? - (Jörg) Ja.
Nachts sieht man den Umweltmist nicht.
Fußball läuft, alle sitzen vor dem Fernseher.
(Frau) Hallo.
Habt ihr schon angefangen? - (Jörg) Ja.
Und, worum geht\u0027s gerade? - (Jörg) Ja, setz dich hin, hör zu.
Gut.
Die Idee der Archeleute ist grandios.
Lasst uns da mitmachen.
Die Menschen im Land sollen erfahren, wie sie vergiftet werden.
Wir rammen ihnen den Pfahl rein, mitten ins Herz.
* angespannte Musik *
* gedämpfte Stimmen übers Radio *
(Moderator) "Liebe Hörerinnen von Radio DDR ...
... Kopfball, aber dann wird der Ball aus dem ..."
(Gregor) Ich hol euch in einer Stunde ab.
* angespannte Musik *
(Mann) So ...
und jetzt ...
noch mal:
Was haben Sie vor?
Ich hab dir das doch jetzt alles schon tausendmal gesagt.
Hände runter.
Dann sagen Sie das noch mal.
(Jörg) "Ich wollte was einkaufen, Kasten Bier, ein paar Salzstangen,
und dann Fußball kicken."
"Äh, ist ja Finale heute, wa?"
* gedämpfter Knall *
(Jörg) "Unsere Sowjetbrüder gegen die Holländer."
"Das möchte man schon gerne sehen, ja."
* lautes Surren *
* angespannte Musik *
Hallo, Bine.
* gedämpfte Radioübertragung des Fußballspiels *
Du hast uns gesagt, die sind heute alle los.
Und du weißt nicht, wohin?
\u0027n Film,
glaub ich, die wollten irgendeinen Film machen.
Ist das Öl aufm Wasser?
Das ist kein Wasser. Das ist der "Silbersee".
Das kommt drüben aus den Chemiebuden.
* Zoomgeräusch *
(Mann) Namen.
Schreib sie auf.
Alle.
(Krimling) Kennst du die?
(lauter) Kennst du die?
Ja. Die sind alle in der UB
und wahrscheinlich gerade alle richtig schön am Feiern.
Wo habt ihr gedreht? - Frag doch deine Leute.
(Jörg) Ihr habt sicher genug Spitzel bei uns eingeschleust.
Wer hat die Bänder? - Welche Bänder?
Sag mir, wer die hat. - (Jörg) Es gibt keine.
Wer hat die Bänder? - Es gibt keine Bänder!
* lautes Scheppern *
* schwere Atmer *
Sagen Sie zumindest, wie das Spiel ausging.
* Türsummer *
* schnelle Schritte *
* spannungsvolle Musik *
* Dielen knarzen. *
Ist da jemand?
* spannungsvolle Musik *
* Musik wird gedämpfter. *
Mann, haben Sie mich erschreckt. Was machen Sie hier?
Die Frage ist, was machen Sie hier? (lauter) Was machen Sie hier?
Ich mach das Fenster zu.
Weil die Tauben sonst alles vollscheißen.
Im Sommer nisten die sogar im Wandschrank,
aber das interessiert ja in dem Haus hier keinen.
* Sie atmet aus. *
* Christa atmet schwer. *
Hallo.
Christa?
Christa! - Markus.
Hör mir zu!
Lass das! Markus! - Komm, wir gehen jetzt hoch.
Du bist der Einzige, der mir helfen kann.
Hier. Die müssen rüber.
Was ist das?
Frag nicht! Die müssen rüber. Zum SFB, sofort.
Das darf ich nicht.
Tu\u0027s für mich.
Tu\u0027s für uns, ja?
(Mann) "Ausschnitte eines Films über die Umweltzerstörungen
in einer Industrieregion im Süden der DDR."
"Sein Titel: \u0027Bitteres aus Bitterfeld\u0027."
(Frau) "Unkontrolliert und unbeaufsichtigt laufen hier
inmitten unserer Umwelt chemische Reaktionen im Abwasser ab."
"In der stinkenden Brühe sind Schwermetalle enthalten
und das Wasser ist stark sauer."
"Es ist eine Frage der Zeit,
wann diese giftige Soße bis zum Grundwasser vordringt."
(Mann) "Deponien, wie wir sie hier in dem Film sehen,
sind typisch für die DDR. Sie sind kein ..."
Für jeden dieser Umwelttypen gibt\u0027s zehn von uns.
Trotzdem kriegen wir sie nicht in den Griff.
Margot, für diese Sauerei da sind wir verantwortlich! Wir!
Ich find das richtig, dass sie darüber berichten.
Deine Mutter wohnt doch in Schöneiche!
Ja, aber das gehört doch nicht ins Westfernsehen!
Die gehören alle eingesperrt.
Lotte auch?
Wenn sie was damit zu tun hat, ja!
Margot, ich habe immer hinter dir gestanden
und ich bin wirklich ein friedliebender Mensch,
aber irgendwann reicht\u0027s!
Mit eurem Kontrollwahn!
Eurer ewigen Angst!
Fällst du mir jetzt auch noch in den Rücken?
Margot, ich hab bei Sylvia geschwiegen
und bei Roland weggeschaut, weil ich es nicht wahrhaben wollte, aber ...
... jetzt ist Schluss.
Ich kann nicht mehr.
Tut mir leid.
Paul ...
* Tür knallt zu. *
* dramatische Streichmusik *
* Sie schluchzt.*
Das ist ... das ist doch noch gar nicht reif, Margot!
Das kann man nicht essen!
Das ist mein Garten, ja?
Luft und Grundwasser sind verpestet, ist doch alles vergiftet!
Das kannst du doch nicht essen!
Mutti, hör auf! Gib her!
Mutti! Hör auf! Das kannst du nicht essen!
Nach dem Krieg wären wir froh gewesen,
wenn wir sowas gehabt hätten!
Mutti, bitte! Du gehst jetzt herein und packst deine Sachen!
Wie redest du denn mit mir? Ich geh hier nicht fort!
Ich geh hier nur fort, wenn sie mich raustragen.
Pack deine Sachen, bitte!
Ich geh nicht fort!
Mutti!
Mutti, bitte.
Mutti!
* Sie atmet schwer ein und aus. *
* Jubel und Diskomusik *
Scheißfernsehfuzzis.
Ich arbeite nur mit Idioten zusammen.
Wie soll ich da noch irgendwas verkaufen,
wenn wir nach außen so ein Scheißbild abgeben?
Hallo. Einen Kurzen hätte ich gerne.
Was macht der denn da?
Welsch!
(rufend) Markus, wo willst du denn hin?
* unbehagliche Töne *
Bleib stehen, Mann.
Das bringt doch nichts. Welsch!
* erschrockenes Einatmen *
Du hast \u0027ne Grenze überschritten, Lotte.
Das hättest du nicht tun sollen.
Du tust mir leid, Margot.
Glückwunsch. Was für\u0027n Erfolg.
Hast das Band in den Westen geschickt, was?
Alle Achtung, Kleiner.
* Die Musik wird immer bedrohlicher. *
* Welsch hustet. * (Ilja) Dein Pass.
Du bist gefeuert.
* Sie atmet panisch. *
Ihr macht uns keine Angst!
Ich hab keine Angst.
Ich will das nicht!
Ich will nicht in so einer verseuchten Welt leben!
Steig ein.
* Musik wird entspannter. *
(Welsch) "\u0027Bitteres aus Bitterfeld\u0027 war der berühmte Tropfen."
"Die Angst war weg, die Menschen im ganzen Land nicht mehr zu halten."
(Menschenmenge) Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!
Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!
Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!
Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!
Wir sind das Volk!
(Welsch) "Der Gedanke von Freiheit verbreitete sich wie ein Virus."
"Guten Abend, Damen und Herren."
"Egon Krenz ist seit heute neuer Generalsekretär
des Zentralkomitees der SED."
"Zuvor hatte die 9. Tagung der Bitte Erich Honecker zugestimmt,
ihn aus gesundheitlichen Gründen von diesen Funktionen zu entbinden."
(Welsch) "Die alte Ordnung löste sich auf."
"Direkt vor unseren Augen."
Das läuft alles über den Außenhandel
und den Bereich Kommerzielle Koordinierung.
Das ist ja unglaublich weit verzweigt! Das ist ...
Das ist ein kapitalistisches Unternehmen. Das ist ja riesig.
(Welsch) "Wir brachten uns in Stellung."
"Jeder auf seine Weise."
(Schürer) Margot hat recht.
Ihr müsst endlich eure Zahlen offenlegen.
Das würde die Situation entspannen. Ja.
Jetzt, wo Honecker weg ist.
Begreift ihr es nicht? Die Grenze ist zu schwach.
Wir brauchen Reformen. Jetzt sofort.
Das Politbüro soll also Unternehmen privatisieren?
Die Subventionen abschaffen, oder was?
Genau. Ein erster Schritt. Dann gehen wir nach Bonn und verhandeln.
Gerhard, das muss dir doch einleuchten.
Wenn ich eure Reserven abziehe,
dann schätze ich, halbiert sich unsere Verschuldung
von 49 auf etwas über 20 Milliarden D-Mark.
Der erste Schritt muss von uns kommen.
Die drüben ziehen uns sonst das Fell über die Ohren.
Ja, da hast du leider recht.
Macht doch, was ihr wollt.
Hartmann war ja geradezu begeistert von deiner Präsentation.
Echt?
Gratuliere.
Was ist das?
Roland.
Also, zumindest scheint er sich da öfter aufzuhalten.
* bedrohliche Musik *
"Deshalb haben wir uns dazu entschlossen,
heute eine Regelung zu treffen, die es jedem DDR-Bürger möglich macht,
über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen."
"Das hat der Ministerrat beschlossen."
* Schabowski spricht gedämpft weiter. *
(Welsch) "Die Nacht des 9. November
begann mit einem scheinbaren Missverständnis."
"Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort."
"Unverzüglich."
(Welsch) "Darauf war keiner vorbereitet."
* spannungsvolle Musik *
* Technomusik *
* Jubel *
* rhythmische Clubmusik *
* Jemand pfeift. *
* lauter Jubel *
* Das Feuerzeug klickt. *
(Roland) Na?
Kalt?
Drinnen kocht\u0027s.
Hab dich hier noch nie geseh\u0027n.
Weil ich noch nie hier war.
* Er schnaubt. *
Wie heißt\u0027n du?
Ich bin Roland.
* Stimmengewirr im Hintergrund. *
* Motorengeräusch *
Hast du gesehen?
Das glaub ich nicht. Ein Trabi.
* Hupen *
Hä? Noch einer?
* Menschen jubeln und lachen. *
* Beide lachen. *
Hallo! - Wie heißt\u0027n du?
Das sag ich dir später, komm.
Hey!
* Sie lacht. *
* bewegende Musik *
* Jubelrufe *
Unsere Revolution!
* erneute Jubelrufe *
Auf unsere Freunde aus Leipzig, unsere Arche!
Und auf unsere Helden von Kontraste, wo seid ihr?
Da!
Auf die Freiheit!
Und auf die Zukunft!
(alle zusammen) Auf die Zukunft!
* Jubel *
* Hupen *
* bewegende Musik *
* rhythmische Musik *
Mann, Christa, du wirst Roland wiedersehen.
Hast du das schon geschnallt?
Komm!
* Lotte jubelt. *
(Heym) "Und sie sagten resigniert:
Wir können doch nichts tun."
"Und das ging so in dieser Republik,
bis es nicht mehr ging."
"Bis sich so viel Unwilligkeit angehäuft hatte im Staate
und so viel Unmut im Leben der Menschen,
dass ein Teil von ihnen weglief."
"Die anderen aber,
die Mehrzahl,
erklärten,
und zwar auf der Straße,
öffentlich:
\u0027Schluss!\u0027
\u0027Ändern!\u0027
\u0027Wir sind das Volk.\u0027"
* bedrohliche Klänge *
* Eine Tür wird geöffnet. *
* bedrohliche Klänge *
(Welsch) "Der Plan, an der alten Ordnung festzuhalten,
war endgültig gescheitert."
* bedrohliche Klänge *
* Ticken *
"Und während sich plötzlich Tausende in den Armen lagen,
war es für uns ...
* Ticken verstummt. *
... der Untergang."
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2019
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