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Original subtitles

Melanie Tauber

Carlo Sanchez

35 Jahre Deutsche Demokratische Republik hart im Kampfe ...+

Tinka Sanchez

hat unter Führung der Sozialis- tischen Einheitspartei Deutschlands

Doktor Studer

für die Stärkung und die Vertei- digung des Sozialismus einsetzen.

Einmal Masserberg, immer Masserberg!

Man müsste weg- fliegen können,

in eine andere Zeit,

in einen anderen Körper.

Eine Gräfin möchte ich sein. Sei eine Gräfin! Flieg los!

Quak!+

Die weiße Wolke ist im Anflug.

Guten Morgen, die Damen!

Wie fühlen wir uns heute? Hatten wir schon Stuhlgang?

Wir beide gemeinsam leider noch nie.

Sie habe ich unserem neuen Arzt zugeteilt.

Vielleicht klappt es mit ihm.

Verband ab!

Nicht in der Hand halten, nehmen!

Zufrieden?

Gut!

Du bist so jung, Mädchen!

Du hast dein ganzes Leben vor dir.

Man braucht einen Notausgang.

Die Visite ist noch nicht vorbei.

Neuer Arzt, neues Glück!

Sie sind der Neue?

Wie alt waren Sie, als es anfing?

Fünfzehn.

Fünfzehn?

Das ist jung.

Es ist nicht fair, war es von Anfang an nicht.

Danke!

Melanie Tauber?

Mel. Und Sie?

Doktor Sanchez.

Rezidivierende Entzündung der Regenbogenhaut und Glaukom.

Sie lagen zwei Wochen im Koma.

Entzündungsherde am ganzen Körper.

Seit wann hat sich Ihr Zu- stand so verschlechtert?

Seit ich hier bin. Soll ich eins und eins zusammenzählen?

Ich bin sicher, es wird alles getan, um Ihnen zu helfen.

Bitte legen Sie Ihr Kinn da drauf!

Sie riechen gut.

Die Regenbogenhaut ist zwischen neun und 12 Uhr stark verklebt.

Erhöhter Augendruck.

Wir machen eine Kortison-Injektion.

Ich hab Arme wie ein Junkie.

Es ist sehr wichtig, dass sie absolut still sitzen.

Wegen den Reflexen ...

Sie wollen in mein Auge?

Sie wollen die Nadel in mein Auge stechen?

Es ist der einzige Weg, wie ich Ihnen helfen kann.

Sie müssen den Kopf still- halten, sonst geht das nicht.

Es tut nicht weh.

Hören Sie mir zu!

Ich füge Ihnen sicher keine Schmerzen zu.

Ich verspreche es Ihnen! Mel.

Mel.

Vertrau mir!

Dein Auge ...

... ist eine Sonne.

Es ist hübsch.

Nur die?

Ich hab kein Westgeld mehr.

Victoria soll kommen. Das Kleid, das sie schickte, passt nicht.

Sie muss es ändern.

Was macht der Ballon?

Willst du, dass wir erwischt werden?

Geh zu ihr und sag ihr, dass du sie hübsch findest!

Sie mag dich.

Sie ist über neunzig.

Ist sie deswegen keine Frau mehr? Bitte, mir zuliebe!

Einauge, erzähl ihm von Marlene!

Marlene Dietrich!

Ich war mal mit ihr intim.

Fast.

Kein Wunder! Sie sind ja auch eine Schönheit, Frau Einauge.

Heute noch.

Eine zweite Dietrich.

Habt ihr das gehört?

Du bist die wahre Dietrich.

Und was bin ich?

Sei still, er gehört mir!

Du nimmst uns nicht ernst.

Danke, dass du sie glücklich gemacht hast.

Doktor Sanchez! Haben Sie sich Ihre neue Patientin angesehen?

Ja.

Weiß Frau Tauber, dass sie blind wird,

wenn wir die Ursache nicht herausfinden?

Würden Sie das einer so labilen Patientin sagen?

Sie sollte die Wahrheit erfahren.

Aber die Wahrheit ist grausam

und könnte den Heilungs- prozess negativ steuern.

Sie spürt es. Sie hat Angst.

Sie machen sich zu viele Ge- danken an Ihrem ersten Tag.

Lebt wohl! Nur Gott weiß, wann wir uns wieder sehen.

Kalt rieselt matter Schauer durch meine Adern,

der fast die Lebens- wärme erstarren macht.

Wie? Welches Gift, das mir mit schlauer Kunst

der Mönch bereitet, mir den Tod zu bringen?

Auf dass ihn diese Heirat nicht entehre.

Weil er zuvor mich Romeo vermählt.

Sie wissen, was Lenin über die bürgerlichen Spezialisten sagte?

"Vertrauen ist gut, Kontrolle besser."

Das wird mein Mann sein.

Carlo!

Wer ist hier?

Herr Schmidt vom Rat des Kreises.

Ich soll das Kreis- kulturhaus leiten.

Herzlich Willkommen! Ich freue mich riesig, Sie kennen zu lernen!

Entschuldigen Sie meinen Über- fall an Ihrem ersten Arbeitstag!

Die Genossen schwärmten von den Qualitäten Ihrer Frau,

da musste ich sie kennen lernen.

Ich freue mich für meine Frau.

Danke! Wir sehen uns morgen?

Ich werde pünktlich sein.

Auch wir werden noch miteinander zu tun haben, Genosse Sanchez!

Ich freue mich!

Wie war dein Tag?

Gut.

Mel! Peter!

Wir haben einen neuen Doktor.

Er hat mich schon malträtiert. Ich hasse ihn!

Du kennst ihn gar nicht.

Er hat dir weh getan.

Mir kann so niemand mehr weh tun. Für dich!

Was ist das?

Ein Gedicht, mein erstes. Also nur der Anfang ...

Weil du doch immer welche schreibst.

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Vater mit seinem Kind.

Der Knabe muss eine Wurst legen.

Der Vater sagt, er kann sie an den Pferdearsch kleben."

Das ist ein tolles Ge- dicht. Weißt du, warum?

Weil es von dir ist und da rauskommt.

Hier!

Was ist los?

Der Krebs in ihrem Auge ist zurück.

Dann jagen wir ihn wieder davon!

Einfach wegfliegen.

Den Krebs dalassen für den Tod.

Hör nicht auf sie!

Tinka!

Wir wollten neu anfangen.

Das werden wir.

Wann?

Morgen.

Hallo Dottore!+

Lange nicht gesehen.

Sie scheinen gut gelaunt zu sein, das freut mich.

Es geht bergauf. Ich muss Schwung holen für die nächste Talfahrt.

Ihr Gesicht reagiert auf die hohe Kortisondosis.

Hören Sie auf, sich zu schminken!

Das tut Ihrer Haut nicht gut.

Es tut mir gut. Was ist wichtiger?

Was war das für ein Gefühl, mir die Nadel ins Auge zu stechen?

Es gab keine andere Möglichkeit.

Es hat Sie erregt.

Ich bin Arzt.

Es hat mich erregt.

Ich wüsste nicht, was das mit Ihrem Heilungsverlauf zu tun hat.

Sie stechen mir wieder eine Nadel ins Auge, irgendwann.

Dann werde ich wieder erregt sein.

Schminken Sie sich nicht! Sie sind so viel schöner.

Sie sind sexy, Dottore!

Wissen Sie das?

Perfekt! Wann kann ich es anziehen?

Hey! Ich bin gleich fertig.

Du hast wieder abgenommen.

Ich muss leicht sein,

wenn wir mit dem Ballon in die Freiheit fliegen.

Danke! Du bist so aufgedreht.

Was ist los?

Einauge hustet.+

Sie sieht schlecht aus. Sie stirbt.

Schrecklich!

Ludwig hat Ärger bekommen.

Er war bei einem Friedensgottesdienst

und hat in der Uni einen Aufnäher getragen:

Schwerter zu Pflugscharen.

Er soll sich an den Plan halten.

Für alles andere ist später Zeit,

im Westen.

Er sagt, du glaubst nicht mehr daran.

Unsinn!

Wir brauchen dich! Und ich brauche euch!

Ihr seid meine Familie.

Woran soll ich sonst glauben, wenn nicht an unsere Flucht?

Dass ich hier gesund werde?

Du bist wunderschön!

Hilfst du mir das Kleid anzuziehen?

Du riechst nach Ananas.

Das weißt du nicht. Du hattest doch noch nie eine in der Hand.

Ich stelle mir vor, sie riecht so wie du.

Ich würde sterben für dich.

Hab mich lieb, Mel! Bitte!

Hab mich lieb!

Mel!

Was?

Einauge ...

Was ist?

Es ist soweit.

Soll ich die Kranken- schwester rufen?

Wer hat Nachtdienst?

Schwester Heidi.

Einauge konnte sie nie leiden.

Das muss nicht sein.

Und Berta?

Ich sterbe.

Ja.

Erzähl mir von Marlene, wie ihr fast intim geworden seid!

Sie mochte es,

mit Mandelöl ein- gerieben zu werden.

Wie Alabaster.

Den ganzen Körper ...

Ich denke immer an sie,

wenn ich Mandeln rieche.

Hallo?

Mel!

Weißt du, wie spät es ist?

Wo soll ich das um die Uhrzeit besorgen?

Was ist passiert? Ist sie ...?

Hast du's?

Hier darf ich mich im Konsum nicht mehr blicken lassen.

Ich musste den Leiter rausklingeln.

Was hast du vor?

Damit Einauge und Marlene sich finden.

Mel,

ich kann das nicht.

Ich kann hier nicht bleiben.

Ich weiß.

Danke!

Sie haben Einauge weggebracht.

Wie fühlt sich tot sein an?

Dunkel.

Legt euch zu mir!

Eigentlich kannten sie sich gar nicht.

Einauge und Marlene ...

Sie hat sie nur einmal gesehen,

als sie ihr zwei Hemden in ihre Wohnung gebracht hat.

Als Verkäuferinnen-Lehrling.

Ich weiß.

Vielleicht sehen wir Einauge auf ihrem Weg.

Ich hab meine Brille vergessen.

Ich kann stillhalten, ohne das.

Ich hab keine Angst vor dem, was kommt.

Wir schaffen das allein.

Danke!

Auf Ihre Verantwortung!

Sie müssen entspannen!

Mel.

Mel.

Du tust mir nicht weh, vertrau mir!

Springer C 3, D 5.

Beobachtest du ihn wieder?

Er hat so schöne Hände.

Sag es ihm!

Mel!

Was hast du ihm gesagt?

Frag ihn!

Du siehst total ausgeflippt aus.

Und du schreibst Tagebuch.

Ich auch. Deluxe!

Hallo! Hallo!

Wer ist das?

Die Neue.

Hat sie schon einen Namen?

"Deluxe".

Dann eben "Deluxe".

Guten Abend, Doktor Sanchez!

Essen steht im Kühlschrank. Du kannst es raus nehmen.

Das Telefon klingelt.

Sanchez.

Irgendwann muss Schluss sein!

Gut.

Wer war das?

Ich muss los.

Ein Notfall.

Möchte jemand Schokolade? Ich liebe Schokolade!

Schokolade ist der Sex im Alter.

Die ist ja aus dem Westen.

Mein Freund kennt viele im Westen. Er kann alles besorgen.

Berta?

Was hat sie?

Einauge war ihre beste Freundin.

Oh.

Warum bist du hier?

Ich bin ein medizinisches Wunder. Ich sehe zu gut.

Gibt es das auch?

Visus 1,6. Ich habe 160 Prozent Sehkraft.

Das unter lauter Halbblinden.

Das ist aus Paris.

Magst du so was?

Musik.+

Haben Sie sich gut ein- gelebt in der Klinik?

Was wollen Sie?

Auch ein Bier für den Herrn und einen Wodka.

Sie können sicher einen vertragen.

Zigarette? Nein, danke!

Wo drückt der Schuh? Was hört man denn so?

Nichts.

Warum so abweisend? Ich hab Sie nicht hierher versetzt.

Ich habe mehr als genug getan.

Das stimmt.

Müssen wir nicht alle unter den Bedingungen

des verschärften Klassen- kampfes etwas mehr leisten?

Als Ihr Führungsoffizier erwarte ich mehr revolutionäre Wachsamkeit

als mein Vorgänger von Ihnen, Genosse Sanchez.

Sonst sehen Sie Ihr schönes Kuba nie wieder.

Weiß Ihre Frau, dass Sie zu- rück in Ihre Heimat möchten?

Wenn Sie etwas über mein Privatleben wissen möchten,

fragen Sie diejenigen, die mich beobachten!

Denken Sie an Ihre Genossen in Kuba, die ihr Leben riskieren,

um ihre Heimat gegen den US- Imperialismus zu verteidigen!

Was sagen die, wenn sie erfahren, dass ihr Studienkollege Sanchez

sich hier bei Bier und Wodka auf die faule Haut gelegt hat.

Ich bin Ihre letzte Chance, Genosse Sanchez.

Wenn das mit uns nicht klappt, geraten Sie auf die schiefe Bahn.

Und wir wollen doch alle nicht, was die in Bautzen erlebt haben.

Die Rechnung geht auf mich.

Deine Hand war doch nicht ganz so ruhig.

Tut mir leid!

Ein Kuss? Das ist alles?

Nur ein Kuss und alles ist vorbei?

Es geht nicht.

Warum?

Ich kann es nicht, ich kann dich nicht lieben.

Ich kann nichts anderes.

Möchtest du es lernen mich doch zu lieben?

Es klopft.

Professor Heinrich ist da.

Danke!

Was hat sie?

Professor Heinrich gehört zu den besten Augenärzten des Landes.

Er soll sich meine Patienten ansehen.

Er soll mich ansehen.

Das wird er.

Die Ärzte laufen rum wie aufge- scheuchte Hühner. Was ist los?

Professor Heinrich kommt in die Klinik. Wie schön.

Er ist ein Genie. Wenn einer mir helfen kann, dann er.

Warum sollte er dir helfen?

Die haben hier in Masser- berg sehr viele Patienten.

Er wird.

Verlass dich darauf, er wird!

Professor Heinrich, es ist mir eine Ehre, Sie hier zu begrüßen.

Es heißt, dass Professor Hein- rich wahre Wunder vollbringt.

Er wird ein Wunder vollbringen.

Zum Anlass Ihrer Stippvisite, möchte ich ein paar Worte sagen.

Unser Motto hier in Masserberg:

Wissenschaftler der DDR,

jetzt erst recht mit höchsten Leistungen für die Friedens...

Können wir anfangen?

Ich habe nur begrenzt Zeit, die will ich für die Patienten nutzen.

Doktor Sanchez!

Die Akte Tauber.

Gehen Sie!

Bulloses+ Stromaödem,

erhöhter Augendruck, sekundär Glaukom durch Verklebung.

Was haben Sie dagegen unternommen?

Wir führten eine antient- zündliche Behandlung durch

und begannen mit einer allgemeinen Kortison-Kur.

Woher stammen Sie, werter Kollege?

Aus Kuba.

Kuba ...

Schöne Frauen, gute Zigarren, amerikanische Straßenkreuzer.

Carlo!

Fräulein Tauber, würden Sie bitte wieder ...!

Immer langsam!

Ich entscheide,

wer aufsteht und wer nicht.

Was hat Sie hierher verschlagen?

Ich habe hier studiert.

Und sind geblieben.

Warum?

Keine Sehnsucht nach der Heimat?

Aus Liebe.

Seltsam!

Warum wurde der Nelson- Test nicht dokumentiert?

Haben Sie die Patientin behandelt?

Ja, bis vor kurzem.

Vergessen, oder was?

Wie alt sind Sie?

Die Patientin ist neunzehn.

Der Nelson-Test ist unverzichtbar.

Holen Sie das nach!

Die Patientin war fünfzehn, als ...

Vieles ist verboten in unserem Land.

Das nicht.

Wir befassen uns noch ein- mal intensiv mit dem Fall.

Der Nächste, bitte!

Fräulein Tauber, gehen Sie bitte!

Frau Schornagel, bitte!

Was hat der große Professor gesagt?

Ich werd' gesund! Keine schwarze Nacht.

Warte ab!

Am Ende siehst du besser als ich.

Bereiten Sie die Behandlungen vor, die Herr Heinrich angeordnet hat!

Ich kümmere mich.

Was den Nelson-Test bei Fräulein Tauber betrifft,

hab ich da einen Fehler gemacht?

Ein Nachweis spezifischer Antikörper im Patientenserum,

ist sehr ungewöhnlich.

Treponema pallidum gehört zur Gattung der Syphilis-Erreger.

Ja, sie müsste sich mit fünfzehn angesteckt haben.

Es ist sehr unwahrscheinlich,

aber wir sollten lieber nichts unversucht lassen.

Korrigieren wir besser einen Fehler,

bevor Fräulein Tauber mit ihrem Augenlicht bezahlt.

Fräulein Tauber ...

... die Sie bereits duzt.

Eine gewisse Distanz zu den Patienten ist unabdinglich.

Nur so können wir richtige Entscheidungen treffen.

Sagen Sie den Test ab!

Doktor Studer!

Ich bin soweit.

Wofür? Für den Test.

Es gibt keinen Test.

Aber Professor Heinrich ...

Wir haben die Symptome und den Krankheitsverlauf analysiert

und setzen die Behandlung fort.

Sie lügen!

Meine Geduld ist irgendwann zu Ende, Fräulein Tauber!

Es tut mir leid!

Schauen Sie bitte in die Akte!

Mel!

Ich will dich kennen.+ Tu's für mich!

Ich will dich sehen, wenn ich dich küsse.

Was?

Ich bin schwanger.

Bist du sicher?

Wir warten schon sehr lange darauf.

Ja.

Aber ...

Entschuldigung, wenn ich dir mit der Nachricht den Abend verderbe.

Es tut mir leid!

Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll.

Du igelst dich nur noch ein.

Wir stecken im Moment in einer schwierigen Situation.

Wir leben schon seit Jahren in "einer schwierigen Situation".

Du lässt mich nicht an dich heran.

Das ist das Problem.

Es ist verdammt schwer.

Es tut richtig weh!

Ich kann nicht mehr, Carlo.

Ich kann einfach nicht mehr.

Nach dem Medizinstudium

sollte ich zurück in meine Heimat.

Aber ich wollte bleiben.

Wegen dir.

Aber ich hab Dinge getan ...

Ich hab Menschen verraten, Tinka!

Kollegen.

Freunde.

Ich hab Freunde denunziert.

Erklär mir bitte, wie man Verräter verraten kann!

Du hast nur deine Pflicht getan.

Du hast es gewusst?

Du hast es gewusst.

Du dienst unserem Land, Carlo.

Ich bin stolz auf dich!

Wie kannst du stolz auf einen Verräter sein?

Ich kann es nicht.

Ich habe Angst.

Unsere Liebe hält das nicht aus.

Nein! Sie hält es nicht aus.

Ich liebe dich, Carlo!

Ich liebe dich!

Wir schaffen das, ich weiß es. Wir lieben uns.

Bitte!

Es ist doch unser Baby.

Unser Baby!

Einmal Masserberg, immer Masserberg!

Mel!

Alles in Ordnung?

Kopfschmerzen.

Gräfin?

Schön wär's ...

Mel, kannst du mich hören?

Mel?

Kortison. 5 Milliliter. Schnell!

Es hat sich ein Engwinkelglau- kom entwickelt. Augendruck 70.

Das ist sehr viel.

Wenn die Netzhaut beschädigt ist, kann sie gleich erblinden.

Frau Tauber, sehen Sie Blitze?

Geben Sie ihr einen Tranquilizer!

Das hat zu viele Nebenwirkungen.

Bevor der Augennerv den Sehnerv abdrückt.

Machen Sie eine Faust!

Und pumpen!

Es wird alles gut!

Ich habe Sie gewarnt, Fräulein Tauber.

Jetzt wird alles gut. Ganz ruhig!

Nicht!

Du siehst schrecklich aus mit der ganzen Schminke!

Ich seh aus, wie ich mich fühle.

Was ist passiert?

Dein Augendruck war viel zu hoch.

Aber du hattest Glück. Du kannst weiter sehen.

Noch mal Aufschub bekommen ...

Die Kortisontabletten, die du jeden Morgen bekommst,

du nimmst sie nicht ein, deswegen geht es dir schlechter.

Was tust du damit?

Blind geboren werden, damit könnte ich leben.

Blind zu werden ist wie lebendig begraben sein.

Was soll das?

Ich muss dir Blut abnehmen.

Der Nelson-Test ...

Mel, mein Gedicht ist fertig.

Die zweite Strophe.

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?"

Die Zweite ist noch besser.

"Du geiles Kind, komm bums mit mir!

Gar schöne Sex-Spiele mach ich mit dir.

Wir werden dich ver- wöhnen im Wasser,

dass du stöhnst und mir dann die Schamhaare föhnst."

Und?

Du pubertierst etwas. Aber das ist normal.

Und was krieg ich dafür?

Einen Kuss?

Mel, du musst sofort kommen!

Was ist? Berta.

Berta, sprich mit mir!

Wegfliegen! Einfach wegfliegen und alles andere dalassen.

Gräfin?

Ich bin müde, Mel.

Aber nicht so müde.

Lass sie gehen, Mel! Du weißt, was sonst passiert.

Das darfst du nicht zulassen!

Weißt du, was schlimmer ist, als blind zu sein?

Was?

Blind und einsam. Das erträgt kein Mensch.

Dann lass uns nicht allein!

Ich brauche dich. Bleib bei mir!

Ich vermisse sie so sehr! Ich weiß.

Wo bringen sie Berta hin?

In die Klapse.

Du hast das Richtige getan.

Der Radiosprecher redet.++

Schnauze!

Wo ist das Klosett?

Links den Gang runter.

Danke!

Wer ist das denn?

"Klosettchen".

Berta würde jetzt sagen "dann eben Klosettchen".

Nein!

Glaubst du mir jetzt?

Was?

Du kannst es,

mich lieben.

Ich hab es verloren.

Es ist einfach nicht mehr da.

Wo warst du?

In der Klinik.

Ein Notfall.

Ich kann jetzt keine Kinder mehr bekommen.

Der Arzt hat es mir gesagt.

Es war unser Kind, Carlo.

Unsere Zukunft ...

Ich fahre nach Hause.

Ich packe ein paar Sachen zusammen.

Du wirst einige Tage hier bleiben müssen.

Doktor Sanchez!

Ich habe gehört, was Ihrer Frau passiert ist. Das tut mir leid!

Wenn Sie Hilfe brauchen ...

Lassen Sie mich in Frieden! Das würde schon helfen.

Wir sind an einer Ihrer Patientinnen interessiert.

Melanie Tauber.

Kennen Sie diese beiden?

Kann sein, ich weiß es nicht.

Ludwig Engler, 25 Jahre.

Er ist den Pfaffen auf den Lahm gekrochen

und besucht seitdem diese Friedensgottesdienste und

würde am liebsten alle Schwer- ter zu Pflugscharen machen.

Ich denunziere niemanden mehr.

Wir haben Indizien, dass die Tauber abhauen will.

Sagt Ihnen "Beihilfe zur Republikflucht" etwas?

Damit hab ich nichts zu tun.

Wenn Sie uns nicht helfen, den Sachverhalt aufzuklären,

dann ist das Beihilfe.

Das können nicht mal Sie.

Der Genosse Richter wird in der Verhandlung das Volk der DDR

gegen Doktor Sanchez unserer Darstellung folgen. +++

Carlo, deine Frau braucht dich.

Gerade jetzt, hier, nicht in Bautzen.

Fräulein Tauber, Doktor Studer möchte Sie sprechen, sofort.

Fräulein Tauber, nehmen Sie Platz!

Danke, Schwester Heidi!

Ich habe hier ein Gedicht,

wenn man es so bezeichnen kann.

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Vater mit seinem Kind.

Der Knabe muss eine Wurst legen.

Der Vater sagt, er kann sie an den Pferdearsch kleben.

Du geiles Kind, komm bums mit mir!"

Und so weiter.

Ich muss euch beiden,

ich muss Ihnen nicht sagen, dass es Konsequenzen haben wird,

wenn man ein Gedicht wie den "Erlkönig",

unser geistig-kulturelles Erbgut

derart verunglimpft.

Es tut mir

leid!

Unsere, meine Interpre- tation vom "Erlkönig",

die ich meinen Mitpat- ienten diktierte,

da es mein Visus Null unmöglich macht, es selbst zu schreiben

war der Versuch, dieses zu tiefst bürgerliche Gedicht

vom Staub der Jahr- hunderte zu befreien.

Ich wollte es nach der Genesung dem Zirkel schreibender Arbeiter vorlegen.+

wo ich seit drei Jahren Mitglied bin.

Dem Zirkel schrei- bender Arbeiter ...

Sie wollen uns ernst- haft sagen, dass das ...

... eine Satire ist.

Das hat doch auch jeder gemerkt, oder?

Kollege Sanchez,

was halten Sie davon? Fräulein Tauber ist ja Ihre Patientin.

Ich teile die Auf- fassung Fräulein Taubers,

dass es sich wohl um eine Satire handelt.

Eine Satire?

Satire.

Ja, gut.

Dann vergessen wir diese Angelegenheit schnell!

Wir haben alle Humor.

Aber beim geringsten weiteren disziplinarischen Verstoß,

werden Sie Masserberg verlassen.

Sie können jetzt gehen.

Einen Moment noch!

Genosse Sanchez, das hier hätte auch ganz anders ausgehen können.

Überleg dir besser, wann du dich aus dem Fenster lehnst!

Das hier ist das Testergebnis von Fräulein Tauber, das du wolltest.

Danke!

Was bedeutet das?

Du hast Syphilis.

Ich hab Syphilis?

Schon seit du fünfzehn bist.

Hattest du ...

Hattest du mit vielen Männern?

Wie geht's jetzt weiter?

Es wurde nicht behandelt, führte zur Entzündung der Regenbogenhaut.

Aber ihr wisst jetzt bescheid und könnt was dagegen tun.

Was ist mit dir? Hab ich dich angesteckt?

Nein.

Sag mir die Wahrheit, Carlo!

Was ist mit meinen Augen?

Um dein Augenlicht zu retten,

ist eine aufwändige, sehr teure Behandlung mit Antibiotika nötig.

Ich versuche alles, aber ich glaube nicht...

dass jemand wie ich so eine Behandlung bekommt.

Wenn kein Wunder geschieht.

Welches Wunder? Dass man mich in den Westen, nach Amerika lässt?

Das Ergebnis sagt noch was anderes.

Du bist schwanger.

Wir bekommen ein Baby?

Macht dir das Angst?

Nein.

Nein, es macht mir keine Angst.

Zwei Freunde wollen einen Ballon bauen.

Sie basteln seit Monaten daran herum.

Aber es klappt nicht richtig.

Es müsste einen Weg geben, wie man hier rauskommt,

ohne Risiko, ohne Stress, ohne Knast.

Es gibt einen.

Wer nach Kuba fliegt,

muss in Gander umsteigen.

Aber man steigt nicht mehr ein und bittet in Kanada um Asyl.

Sie müssen sogar die Koffer aus dem Flugzeug laden.

Einfach so?

Einfach so.

Theoretisch.

Dann würde unser Baby in Freiheit aufwachsen.

Und ich könnte sehen.

Gander.

Das klingt schön.

Gander.

Es gibt eine andere Frau.

Ich spühr's schon lange.

Ich hab alles versucht, dass du mich liebst.

Du musst dich ausruhen!

Der Arzt sagt ... Sag mir nicht, was andere sagen!

Sprich mit mir!

Für den Weg nach Hause. Oh!

Mach's gut, Kleine!

Kopf hoch!

Du weißt doch, "einmal Masserberg, immer Masserberg".

Mal bloß nicht den Teufel an die Wand!

Tschüs!

Was ist denn?

Mein Tagebuch ist weg.

Hast du es wo anders hingelegt?

Nein, es lag immer hier. Es hat jemand geklaut.

Ist das sehr schlimm? Ich muss telefonieren.

Geh doch schon mal ins Haus, ich komme nach.

Nicht hier!

Ihrer Frau geht es wieder besser?

Es ist viel passiert in letzter Zeit.

Nur von Ihnen höre ich nichts.

Weil ich nichts zu sagen habe.

Ich heirate.

Ich heirate, heirate, heirate.

"Carlo und Melanie Sanchez.

Flitterwochen auf Kuba müssen sie uns genehmigen

und dann weg in Ganzer. Auf und davon in die Freiheit!"

Gratuliere, Herr Sanchez!

Wann wollten Sie Ihrer Frau sagen, dass Sie sich scheiden lassen

und das kleine Mädchen heiraten?

Und wann wollten Sie es mir sagen?

Woher haben Sie das?

Wir haben jemanden in Fräulein Taubers Zimmer.

Ich hab die Schnauze voll, Genosse Sanchez!

Ich mach dich fertig!

Ich lasse nichts mehr von dir übrig.

Wie ist diese Flucht geplant?

Ich weiß es nicht.

Was willst du jetzt tun?

Ludwig und Victoria sollen so schnell wie möglich abhauen.

Wie?

Mit dem Ballon, wenn er funktioniert.

Warum gehst du denn nicht zur Polizei?

Sag ihnen, was du weißt. Sie lassen dich vielleicht laufen

und begnügen sich mit deinen Freunden.

Man verrät seine Freunde nicht.

Könntest du das tun?

Deine Freunde verraten?

Nein.

Mel!

Der kubanische Arzt, er liegt im Krankenhaus.

Er hatte einen Herzinfarkt.

Sind Sie eine Angehörige von Doktor Sanchez?

Ja, wie geht es ihm?

Wir sind unsicher, ob es ein Herz- infarkt war, oder Vorhof-Flimmern.

Wird er gesund?

Wir arbeiten mit Defibrillatoren und geben ihm Antiarrhythmika.

Kann ich ihn sehen?

Ich will ihn sehen, bitte!

Regen Sie ihn nicht auf!

Er braucht absolute Ruhe!

Wenn Sie noch Fragen haben ...

Du machst Sachen, Dottore!

Vielleicht sollte ich mein Leben ändern.

Ich werde dich pflegen.

Nicht weinen!

Dir verläuft das Make-up.

Außerdem bin ich jetzt der Patient, nicht du.

Die junge Frau in deinem Zimmer,

wie nennst du sie?

Deluxe.

Nimm dich in Acht vor ihr!

Würden Sie mich bitte zu meinem Mann lassen?

Er wird niemals mit dir nach Gander gehen.

Ich bin bei dir, mein Schatz!

Mel, ich liebe dich! ++

Te quiero!

Carlo?

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Kammerflimmern!

Kammerflimmern bleibt.

Gleich nochmal!

Zeitpunkt des Todes: 14.34 Uhr.

Hör auf!

Schnell!

Rein!

Halt!

Fahr!

++ Thüringen.

Am gestrigen Abend gelang zwei jungen Frauen und einem Mann

eine spektakuläre Re- publikflucht aus der DDR.

Sie durchbrachen mit einem alten Trabant eine Straßensperre,

die aufgrund von Bauarbeiten kurzzeitig passierbar war.

Die Insassen wurden nur leicht verletzt.

Mama, kommst du?

Ich komme.

Habt ihr euch hier getroffen?

Ja. Hier habe ich deinen Vater kennen gelernt.

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