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(Titelmelodie: Rhythmische, beschwingte Musik)
(Stimmengewirr)
(Weiterhin Stimmengewirr und Titelmelodie)
Hey!
(Mann) Ausverkauft!
(Weiter Stimmengewirr und Musik)
(Stimmengewirr jetzt leiser)
An alle Beteiligten, die Kollegen der Technik,
die Vorstellung beginnt in 5 Minuten.
Herr Kern? In 5 Minuten.
Ist er nicht hier?
Ist er nicht bei Ihnen?
- Ach... - Er hat sein Buch vergessen.
Herr Kern?
An die Kollegen: Wir suchen Herrn Kern.
Vielleicht gucken Sie mal in der Kantine, ja?
- Danke. - Ja.
Herr Kern?
Scheiße.
(Titelmelodie immer energischer)
Ah, pfff...
(Handy klingelt)
(Frau) Herr Kern? Sie sind doch David Kern!
- Äh, nein. - (Mann) Herr Kern!
Ich... Meine Mutter hat sich so auf die Lesung gefreut,
und jetzt heißt es, es ist ausverkauft. Vielleicht können Sie ja was machen.
- (Tür wird geöffnet) - Hier sind Sie, David!
Ist alles in Ordnung?
Was machen Sie denn da?
- Die Herrschaften haben keine Karten. - Darum müssen Sie sich nicht kümmern.
- Sie müssen auf die Bühne! - Es tut mir leid.
Oh, bitte! Wir sind 4 Stunden mit dem Auto hierhergefahren!
Herr Kern! Sie müssen uns Karten besorgen!
(Mann) Stehplätze oder hinter der Säule, egal!
Sind Sie sicher, dass alles in Ordnung ist?
(Inspizient) Hier sind Sie ja!
Kollegen, wir haben ihn!
- Es wird jetzt wirklich Zeit. - David!
(Ansagerin) Unser heutiger Gast ist die literarische Sensation des Jahres.
Sein Roman wird von den einen als das Ende der Postmoderne gefeiert,
- und von den anderen als zynische... - Herr Kern, dürfte ich Sie...
Ist für meine Frau. Schreiben Sie "Für Gabi".
Sie hat Ihr Buch 3-mal gelesen. Na, da musste ich auch.
(Bühnenansage) ...der 50er Jahre-Romantik...
Ich hab mir den Autor allerdings viel älter vorgestellt.
(Bühnenansage) ...der Kommunikationsfähigkeit...
Ich auch. Ich kenn den Autor nicht.
(Lacht)
- (Über Kopfhörer) 'Bühne frei machen.' - Geht los.
(Bühnenansage) Dieser Roman,
das ist Anna Karenina für die Generation Internet.
- An alle Beteiligten... - Wir freuen uns sehr,
dass der Autor dieses Romans für uns lesen wird.
Denn erst wenn man ihn gehört hat,
weiß man, wie berührend seine Geschichte wirklich ist.
Meine Damen und Herren, bitte begrüßen Sie mit mir David Kern!
(Lauter Beifall und Jubel)
(Gedankenstimme David) 'Mein Name ist David Kern.
'DER David Kern.
'Ich bin der Autor einer der wichtigsten Romane
'der deutschen Nachkriegsliteratur.
'Hat man mir auf jeden Fall gesagt.
'Ehrlich gesagt verstehe ich nicht ganz, was die Leute an dem Roman finden.
'Ich verstehe auch nicht, was sie an mir finden.'
(Mann) David!
'Noch vor ein paar Monaten hat sich niemand für mich interessiert.
'Und zwar gar niemand.'
(Stimmengewirr und Gelächter)
'Ich bin eigentlich Kellner.
'Und ein Freund hat mir mal gesagt, dass genau das einen guten Kellner ausmacht.
'Er ist unsichtbar. Er wartet, bis man ihm Beachtung schenkt,
'erst dann beginnt er eigentlich zu existieren.'
- Hallo? Ich wollte nur fragen, für... - ...einbauen, Batterien...
- Ich hab nur €3. - Ja, gerne.
'So gesehen war ich ein perfekter Kellner.'
- Was kostet der Tisch? - (Marie) Was willst du dafür haben?
20.
'Leider war ich aber irgendwie auch sonst ziemlich unsichtbar.'
Das krieg ich als Taschenbuch neu schon für 8.
- 'Vor allem für Frauen.' - Dann kauf dir doch 'n Taschenbuch.
Ich geb dir 9.
- (Verkäufer) Das ist 'ne Erstausgabe. - Quatsch! Nur weil ich ein Mädchen bin,
glaubst du, du kannst mir alles erzählen. Maximal 10.
- 18. - 10.
- Komm, 17, aber mehr geht nicht. - 12. Und das hier kommt noch dazu.
Ah, ok. Komm.
(Schlägt einzelne Tasten an)
(Englische Aussprache) Kommissar Maigret. Kenn ich.
(Klingelton)
(Weiter Tippgeräusche)
Hey, junger Mann!
So machst du die Walze kaputt.
Die kostet 120.
Ähm, danke, nee. Ich such eher nach so kleinen Tischen.
Tja, hm. Na, da.
30.
- Das ist doch ein Nachttisch. - Ja, klar.
Nee, nee. Ich such eher so, äh... Bistro-Tischchen.
Da kannst du aber auch 'nen Teller draufstellen. Das ist nicht verboten.
Also, ich würd den nehmen. Der ist doch hübsch.
Na, hast du gehört, was das Fräulein gesagt hat?
Hübsch ist er.
- Oder wollen Sie den vielleicht nehmen? - Nee. Aber die Bücher hier nehme ich.
- €8? - (Lacht) Nee. Also 12.
- 10. - Ok, weil du's bist.
Danke.
Also, mehr als 15 würde ich dafür nicht bezahlen.
(Verkäufer) Also, was ist?
Kriegst ihn für 20.
Aber das sag ich gleich, die Schublade klemmt.
Äh, 15?
Hey, was ist denn das?
Das ist ja ein Nachttisch. Du sollst Tische suchen!
Den kannst du gleich hier stehen lassen.
Der ist doch hübsch.
Wenn du ihn so hübsch findest, kannst du ihn ja selber kaufen.
Hallo? Ja, ich bin noch da.
Wieso wollt ihr die Abnahmemenge erhöhen? Soll ich das Zeug verschenken?
(Lautes Stimmengewirr, Musik)
(David) Bin gleich bei Ihnen.
(Frau) Danke!
So, einmal Kanapees.
Lasst's euch gut schmecken.
'tschuldigung.
- Soll ich? Ok, Moment. Ähm... - Tisch 3.
Campari-O.
Für dich. Und der Rotwein?
(Mann) Welchen Rotwein?
- Habt ihr keinen Rotwein bestellt? - (Frau) Nö.
'tschuldigung? Habt ihr 'nen Rotwein bestellt?
- Nee. - Nee, danke.
(David) Ähm, hallo?
Wer hat den Rotwein?
(Unverständliche Unterhaltung)
Hallo!
- Ich hab ihn gekauft. - Was?
- Den Nachttisch. - Aha.
Suchst du 'nen Platz? Ich hab da einen frei.
Ich bin eigentlich verabredet.
Bitte.
Kann ich dir was bringen?
Mmm, einen Rioja.
(Lacht)
Voilà!
Wenn du was brauchst, ich bin da.
- ...große Literatur. - Ciao, Roger.
- Hi. - ...Proseminar.
Der Autor als Handwerker, ja, ja.
Also, wenn mir die Herrschaften jetzt bitte folgen würden?
Das gilt vielleicht für euch Werbetexter.
Das hat doch mit der Textform überhaupt nichts zu tun!
- Hallo, Marie. - Hallo.
(Kusslaute)
Darf ich vorstellen? Sabrina, Roger.
- (Marie) Hi. - Also, einen Soave, 2 Pils.
Und dann kannst du gleich weitermachen.
1 Pernod, 1 Rioja, 1 Cava und für Sabrina
- einen Gin Tonic mit Bombay Sapphire. - Danke.
- Und das dann vergleichen mit Kafka. - Ist doch 'n leidiges Thema!
- Habt ihr gestern noch was gemacht? - Nee.
- Seiner Durchlaucht war's zu spät. - Woher kommt die Literatur?
Und dann wollten die beiden Häschen auch nicht mehr.
- Du hast doch damit angefangen! - (Ralph) Im Ernst.
Gemessen an der ökonomischen Realität konnte es Literatur
natürlich immer schon nur deshalb geben,
weil das Schreiben für den Schriftsteller ein Zwang ist,
es einfacher ist zu schreiben als nicht zu schreiben.
Nimm ein banales Beispiel. Simenon.
(Englische Aussprache) Simenon! Kommissar Maigret und so, ne?
Total spannend.
- (Französische Aussprache) Maigret. - Simenon war Franzose.
Simenon war Belgier. Ich sag doch, du hast keine Ahnung.
Will jemand anders mit Ralph weiter- diskutieren? Ich geb mich geschlagen.
Was ist das?
- Dein Rioja, wie immer. - Hab ich den bestellt?
Ich kann mich nicht dran erinnern, welchen bestellt zu haben.
Komm, nimm das wieder mit.
'tschuldige. Ich dachte, weil du immer Rioja trinkst.
- Kann ich dir was anderes bringen? - Mmm, 'nen Rioja.
(Gelächter)
Voilà. Ein Rioja.
Nein, nicht den Rioja. Ich hätte gern den Rioja, den ich bestellt habe.
Er hat das doch nur nett gemeint.
Ich finde, jeder hat das Recht auf eine gewisse Unberechenbarkeit, oder?
- Ich könnte auch mal 'ne Cola wollen. - Ja, bring Ralph eine Cola.
Er will uns auch mal überraschen.
- Also, wenn du was anderes möchtest... - Lass gut sein, ich nehm erst mal den.
Als ob du jemals Cola trinken würdest.
Es geht nicht darum, ob ich wirklich 'ne Cola trinken will,
sondern um das grundsätzliche Recht, eine Cola trinken wollen zu können.
Hast du dir das Buch besorgt, von dem ich mal erzählt hab?
Heute auf dem Flohmarkt. Ja, sogar als Erstausgabe.
(Leise ruhige Klänge)
Na, ihr?
(Titelmelodie)
(Weiter Titelmelodie)
(Stöhnt angestrengt)
(Musik verstummt abrupt)
(Leiser bedeutungsvoller Ton)
(Liest) "Dies ist die Geschichte von Peter und Sophie.
"Lieber Gott, lass sie nicht traurig enden."
(Wieder Titelmelodie)
(Gedankenstimme) 'Ich war betrunken, als ich den Roman das erste Mal las.
'Und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen.
'Der Roman erzählte die Geschichte von Peter Landwei,
'einem jungen Mann, der sich in den 50er Jahren
'beim Eislaufen in ein junges Mädchen verliebte.
'Sophie.
'Aber wie das in den 50er Jahren wahrscheinlich war,
'Sophies Eltern waren gegen die Liebe der beiden
'und steckten Sophie in ein Internat, weit weg von Peter.
'Eigentlich bestand der größte Teil des Romans aus Briefen,
'in denen Peter Sophie schrieb, wie sehr er sie liebt,
'wie sehr er unter der Trennung litt, wie sehr er sie vermisste.
'Es war die Geschichte einer hoffnungslosen Liebe.
'Wie gesagt, ich war betrunken und in einer sentimentalen Stimmung,
'als ich die Geschichte las.
'Vielleicht war das der Grund, weshalb sie mich so berührte.'
(Immer noch Titelmelodie)
(Titelmelodie verstummt)
Hallo!
- Hallo. - Ich bin David.
Der Kellner.
- Marie, richtig? - Richtig, ja.
Oh, das andere ist noch ganz.
Danke.
Immer, wenn ich dich sehe, hast du ein Buch in der Hand.
- Was dagegen? - Nee, überhaupt nicht.
Ich frag mich nur, wie man so viel lesen kann.
Ich studier Literaturwissenschaft.
Und du, was machst du so?
Ja, kellnern im Esquina halt.
Also, das ist nicht mein richtiger Beruf.
Hm! Und was ist dein richtiger Beruf?
Ich weiß nicht.
Aber ich denk noch drüber nach.
Tut mir leid, ich hab einfach nix Interessantes zu erzählen.
- Ich nerv dich bloß, oder? - Nein.
Nein, überhaupt nicht.
Na ja, wenn du ein Mädchen anquatschst,
könntest du dir vorher schon überlegen, was du sagen willst.
Serviert das Esquina jetzt auch schon im Freien? Ist ja toll.
- Hi. - Hallo.
Darf ich vorstellen, das ist Da...Dani..., äh...
- David. - David.
- Hallo, Ralph. - Hallo.
Bringst du mir dann bitte einen Espresso und auch so 'n Hörnchen?
- Hier. - Danke schön.
Ich seh schon, man darf Frauen nicht so lange warten lassen.
Das hast du haarscharf beobachtet.
Krieg ich endlich was von dir zu lesen, oder hast du wieder 'ne Ausrede?
Keine Ausrede. Es ist einfach noch nicht fertig.
Du wirst schon was zu lesen kriegen, wenn's Zeit ist.
- Ich geh dann mal. - Ja, ciao.
So langsam bin ich mir nicht mehr sicher, ob du überhaupt schreibst
oder mit deinem Gerede darüber nur kleine Mädchen beeindrucken willst.
(Atmet schwer)
(Beschwingte Musik setzt ein)
(Musik tritt in den Hintergrund)
(Gelächter, unverständliche Unterhaltung)
Wem gehört 'n dieses Ding hier?
(Unverständliche Unterhaltung)
Marie?
Oh, hallo.
Ich hab dir was zu lesen mitgebracht.
Mich würde mal interessieren, was du dazu sagst.
- Du schreibst? - Hm-hm. Ja, so 'n bisschen. Für mich.
Oh, das ist aber schwer.
190 Seiten. Aber es ist ganz locker formatiert. Es liest sich ganz leicht.
Es ist eine Liebesgeschichte in den 50er Jahren.
Vielleicht findest du sie ein bisschen kitschig. Ist es wahrscheinlich ja auch.
Aber ich dachte mir... Ach, lies einfach, wenn du Lust hast.
Hat noch keiner gelesen.
Wieso gibst du's nicht Ralph? Der versteht sicher mehr davon als ich.
Ok, ich les es. Aber ich warne dich. Ich bin ziemlich direkt.
Ich werd dir auch sagen, wenn's mir nicht gefällt.
Klar! Find ich super! Kein Problem.
Meine Nummer steht auf der ersten Seite.
(Clara Hills Folkwaves: "About You")
Scheiße!
(Straßenlärm, Hupen)
- (Verkäuferin) Danke schön. Viel Spaß. - (Kundin) Danke für den Tipp.
Wiedersehen.
Haben Sie 'n Buch von Alfred Duster?
- Alfred Duster? Was Bestimmtes? - Was?
Äh, keine Ahnung. Was hat 'n der alles geschrieben?
Gucken wir mal.
Das haben wir gleich.
Alfred...Duster.
- Bist du sicher, dass der so heißt? - Hm-hm.
Dussler haben wir, Duranek, Duppler.
Duster... Duster haben wir hier nicht.
Und Peter Landwei? Äh, also Landwei?
- Landwei. - Landwei, Landwei.
Nee, du. Also, das tut mir jetzt wirklich leid.
Bist du sicher, dass die Namen richtig sind?
- Ja, bin ich mir ganz sicher. - Hm-hm.
Vielen Dank.
- Hey, das nehm ich. - Romananalyse?
- So, der Espresso. - Danke.
(Schritte nähern sich)
Ich hab dich gewarnt. Noch kannst du mich wegschicken.
Na, jetzt will ich's schon wissen.
Ich hab's letzte Nacht an einem Stück gelesen und ich find's unglaublich.
Ich konnte überhaupt nicht mehr aufhören. Und dieser letzte Satz:
"Dieser Peter Landwei, das war ich."
Wahnsinn. Ich hab richtig geheult.
So ging's mir auch.
Du hast beim Schreiben geweint? Wahnsinn...
Du solltest das Skript unbedingt zu 'nem Verlag schicken.
- Nee, nee, nee, besser nicht. - Warum nicht? Es ist gut!
Du hast gesagt, du schreibst nur so 'n bisschen.
Aber ich finde, du schreibst mehr als nur so ein bisschen.
Das ist richtig gut, was du da geschrieben hast.
Mm... Die Geschichte ist zu persönlich.
Wann schreibst du denn so was?
Du kommst doch nachts nicht vor 1:00 von der Arbeit nach Hause.
Meistens kurz nach 2:00.
Und dann setzt du dich noch hin und schreibst?
Hm.
Es ist leichter zu schreiben als nicht zu schreiben.
(Romantische Musik)
(Ralph) Marie?
Ich dachte, wenn du Lust hast,
dann könnte ich dir endlich mal was aus meinem Roman vorlesen.
Ich hab ihn halt noch nicht ins Reine geschrieben.
"Work in progress", du weißt schon.
Aber ich hab 'ne schöne Flasche Wein zu Hause und ich dachte, wir 2...
Heute eher nicht. Ich wollte eigentlich warten, bis David hier Feierabend hat.
Und deinen Roman les ich, wenn du selber das Gefühl hast, er ist ganz fertig, hm?
Besser ist besser.
'tschuldigung. Wir müssen jetzt leider echt zumachen.
- Na los, kommt. - Was hat er denn?
Ich glaube, er steckt in einer Krise mit seinem Roman. Bist du fertig?
- Ich wollte dir was zeigen. - Was, jetzt?
Ja.
Oder musst du jetzt schreiben?
Jetzt mach schon!
- Welche Größe? - Was?
- Deine Schuhgröße. - Äh, 43.
Totaler Durchschnitt. Ist immer ausverkauft.
Hier. 43,5. Ist manchmal gar nicht so schlecht, durchschnittlich zu sein.
Na los, anziehen!
Aber ich kann doch überhaupt nicht gut Schlittschuh laufen.
Ich doch auch nicht.
Aber ich mach's so gerne.
(Lisa Bassenge & The J-Chestra: "Perhaps, Perhaps, Perhaps")
So schlecht läufst du doch gar nicht auf Schlittschuhen.
Ach... Irgendwas kann jeder. Hast du doch selber gesagt.
(Lachen)
(Weiter "Perhaps, Perhaps, Perhaps")
Danke für den schönen Ausflug.
Du hast mich entführt.
Ich wär da nie drauf gekommen.
Du hättest wahrscheinlich darüber geschrieben, anstatt es zu tun.
("Perhaps, Perhaps, Perhaps" verklingt abrupt)
Scheiße!
'tschuldigung.
(Niest)
(Räuspert sich)
(Schnieft)
Das ist ja interessant, wann du nach Hause kommst. Wer ist das?
- (Schnieft wieder) - Das ist David.
Guten Morgen.
In der Küche ist 'ne Liste für dich. Ich hab dir gesagt,
dass Untermiete nicht heißt, dass du nicht verantwortlich bist.
Ich hab zwar keine Ahnung, wo du hinwillst, aber ich bin mir sicher,
du kommst zu spät. Hm?
Zum Frühstücken ist nix mehr da. Sag ich dir gleich.
Du warst nämlich auch dran mit Einkaufen.
Tschüss!
Darf ich vorstellen? Meine bezaubernde Mitbewohnerin.
Scheiße.
Du musst dir das noch mal überlegen mit deinem Roman und einem Verlag.
Marie, ich... Ich muss dir was sagen.
Ja?
("Perhaps, Perhaps, Perhaps" setzt wieder ein)
(Weiter "Perhaps, Perhaps, Perhaps")
(Weiter "Perhaps, Perhaps, Perhaps")
(Es klingelt)
("Perhaps, Perhaps, Perhaps" verklingt)
(Es klingelt wieder)
(Handy klingelt)
(Handy klingelt immer noch)
(Marie) David?
Ja?
Bin gleich da!
Tut mir leid. Ich musste noch kurz aufräumen.
Ich muss dir was beichten.
Was Wunderbares.
(Marie liest) "Wir könnten uns vorstellen, 'Sophie, Sophie'
"in unserer Reihe 'Junge Autoren' zu veröffentlichen."
Ist das nicht der Wahnsinn? Den Titel wollen sie ändern,
und wenn sie über den Titel nachdenken, dann wollen sie das wirklich haben.
Hier schreibst du also solche Sachen. Wahnsinn!
Wann hast du das abgeschickt?
Am Tag, nachdem ich's gelesen hab.
Jetzt guck doch nicht so.
Insgeheim hast du doch so was gehofft. Gib's zu.
Du hattest doch nur Angst, dass er abgelehnt wird.
So kann man das nicht sagen.
Ich weiß, ich hätte dich fragen sollen.
Aber weißt du, wie viele Schriftsteller darauf warten, einen Verlag zu finden?
Und Kubner ist nicht irgendein Verlag.
Das ist deine Chance, David. Du musst an dich glauben!
Ich glaub an dich.
(Titelmelodie)
'tschuldigung.
Äh, ich hab 'nen Nachttisch bei Ihnen gekauft. Erinnern Sie sich?
Mit der eingeklemmten Schublade.
Wie jetzt? Willst du ihn zurückgeben?
Nein, nein, ich, ähm... Wissen Sie, wo der herkommt?
Ist von meinem Vater hier.
- Der ganze Kram. Fast alles. - Heißt Ihr Vater Duster?
Nee. Der hat Lochmann geheißen. So wie ich.
Kennen Sie einen Alfred Duster?
Nee. Sag mal, was willst du überhaupt?
- Und Peter Landwei, kennen Sie den? - Nee.
Aber umgekehrt kenn ich einen. Weiland.
- Peter Weiland? - Ja, sag ich doch.
Der hat bei uns gewohnt früher. Untermiete. In den 50ern.
- Wissen Sie, wo ich den finden kann? - Wohl eher gar nicht.
Der hat 'nen Unfall gehabt. Mit dem Motorrad gegen 'nen Berg. Jünger wie du.
Na, der ist tot. Futsch, hinüber.
Was willst du eigentlich von dem Dassler?
- Duster. Alfred Duster. - Hier bist du.
Meinetwegen Duster. Aber wer ist das, Alfred Duster?
- Ist das ist ein Schriftsteller? - Mach's gut.
Keine Ahnung. Der spinnt.
Guck mal, was ich gefunden hab.
Das ist unser "Verliebungsgeschenk". So wie das aus deinem Roman.
(Beschleunigendes Motorrad)
(David liest) "Am Ausgang des Städtchens begann die Landstraße,
"die einen Kilometer später im Tunnel verschwand.
"Peter Landwei schaltete in den höchsten Gang und fuhr die Ducati
"mit Vollgas auf die Tunneleinfahrt zu. 'Sie war in eine Felswand gesprengt,
"die sich wie eine Mauer quer über das Tal legte.
"Man konnte die Einfahrt zum Tunnel nicht verfehlen, auch nachts nicht.
- "Es sei denn, man tat es absichtlich. - (Quietschende Bremsen)
"Wie Peter Landwei.
"Und dieser Peter Landwei, das war ich."
(Telefon klingelt)
(Frau) 'Kubner Verlag, Sawaski, hallo?'
Hallo, hier spricht der David Kern.
Ähm, kann ich mit der Frau Kohler sprechen?
'Ja, einen Moment.'
Herr Kern! Ich warte schon auf Ihren Anruf.
Schönen Mittag. Wann wollen wir uns treffen?
Ähm, die Sache sieht so aus:
Ich möchte nicht, dass der Roman veröffentlicht wird.
- Bist du verrückt? - 'Das ist ja interessant. Sagen Sie,'
sind Sie am Wochenende da?
'Ähm... Ja, eigentlich. Wieso?'
Ja, ich bin auch in der Stadt. Lassen Sie uns doch auf einen Kaffee treffen.
Einfach nur so, zum Kennenlernen.
Sie müssen nichts veröffentlichen, wenn Sie nicht wollen.
Sie will sich trotzdem mit mir treffen.
David, du musst diese Frau treffen. Sonst verlass ich dich.
Ja, ok.
(Titelmelodie)
(Titelmelodie verstummt)
(David liest) "'Hier können Sie sich nicht einfach aufwärmen
"'und nichts konsumieren',
"hatte die Serviertochter mit dem Sp...Spitz...Spitzenhäubchen,
"das aussah wie eine Tortenmanschette, geschimpft,
"als er zum dritten Mal sagte,
"er warte noch.
"Wenn sie ihn jetzt sitzen ließe bei dem ersten Rendez...
"R...Re...Rendezvoh. R...Rendez..."
- (Korrekt ausgesprochen) Rendezvous. - Hm?
- Rendezvous. - (Jetzt richtig) Rendezvous, ja, klar.
"...bei dem ersten Ren...de... Rendezvous."
K-kann ich nicht sagen "Verabredung"?
Sie sind der Autor. Sie müssen sich doch irgendwas dabei gedacht haben,
- als Sie Rendezvous geschrieben haben. - Ja, aber nicht ans Vorlesen.
(Lacht)
Also weiter. Noch mal von vorn, bitte.
(Gedankenstimme David) 'Ren-dez-vous.'
"Sie war berühmt für die größten Nussgipfel der Stadt.
"Ihretwegen kamen die Schlittschuhläufer dort vorbei."
Lauter, bitte.
"Peter war eine Viertelstunde zu früh gewesen."
- Lauter! - (Gedankenstimme) 'Ren-dez-vous.'
"Er wollte sicher sein,
"dass er einen Tisch bekam, und zwar nicht an einem Schaufenster,
"wo man ausgestellt war wie die Pa...Pat...Patisserie."
(Leises Kichern)
(Gedankenstimme David) 'Scheiße, da steht Ralph!
'Nicht ins Publikum schauen, David. Es ist gar niemand da.
'Was macht Ralph hier? Woher weiß der...'
"Aber jetzt war es 5 nach.
"Und er saß noch immer allein
"vor seiner heißen Schokolade, die er hatte bestellen müssen."
(Gedankenstimme) 'Rendezvous. Konzentrieren, David.
'Rendezvous. Rendezvous.
'Wie die Kohler guckt. Sie werden's merken.
'Warum guckt die denn so? Rendezvous.
'Sie weiß es. Oh, Gott, die Kohler weiß es!
'Rendezvous. Rendezvous.'
"'Hier können Sie sich nicht einfach aufwärmen und nichts konsumieren',
"hatte die Serviertochter mit dem Spitten..."
- 'Sie wird es Marie sagen. Rendezvous!' - "Mit dem Spitz..."
- (Frau) Spitzenhäubchen. - 'Alle wissen's, David! Rendezvous!'
"Mit dem Spitzenhäubchen..."
- 'Rendezvous. Jeder kann es sehen! - 'tschuldigung.
- 'Rendezvous, Rendezvous, Rendezvous.' - Ich fang noch mal an.
"'Hier können Sie sich nicht einfach aufwärmen und nichts konsumieren',
- 'Rendezvous. - "hatte die Serviertochter
- 'Rendezvous. - "mit dem Spitzenhäubchen,
- 'Rendezvous, Rendezvous. - "das aussah wie eine Tortenmanschette,
- 'Rendezvous, Rendezvous, Rendezvous. - "geschimpft, als er zum 3. Mal sagte,
- 'Rendezvous, Rendezvous, Rendezvous! - "er warte noch.
- 'Rendezvous, Rendezvous! - "Wenn sie ihn jetzt sitzen ließe,
- 'Rendezvous, Rendezvous, Rendezvous! - "bei dem ersten
- 'Rendezvous, Rendezvous!' - "Treffen?"
(Gläser klingen)
Ich wollte mich noch bei Ihnen bedanken für den Titelvorschlag "Lila, Lila".
Das ist viel besser so. "Sophie, Sophie" klingt wie ein Kinderbuch.
Ich fand's eigentlich gar nicht so schlecht.
Aber David hat selbst auch darauf bestanden, den Titel zu ändern.
(Kohler) Professionelle Einstellung.
Danke.
War nicht so richtig gut, die Lesung, oder?
Na ja...
Um ehrlich zu sein, es war beschissen.
Aber sagen Sie ihm das nicht. Beim ersten Mal ist es immer schwer.
- Ist David Legastheniker? - (Verschluckt sich)
David! Herzlichen Glückwunsch.
Wie viele waren da? 4?
7, ohne uns.
Sie waren wundervoll. So...authentisch.
Sogar Ralph war hier.
Ich weiß. Jetzt kann er sich das Maul über mich zerreißen.
Ach, was! Du warst gut.
Ich war beschissen.
Ich mach keine Lesungen mehr.
Das war deine erste. Du warst halt ein bisschen nervös.
Ja, richtig. Nach ein paar kleinen Lesungen
geht das schon viel, viel besser.
Ich bin kein Schriftsteller, ich bin Kellner.
Und Kellner können nicht lesen.
Nicht in Itzehoe, nicht in Dortmund und auch sonst nirgends.
Soll ich dir sagen, was du bist? Du bist ein Spinner.
Marie... Was würdest du denn sagen,
wenn ich den Roman gar nicht selber geschrieben hätte?
Wenn ich den gefunden hätte, oder so?
Dann würde ich sagen,
ich will den Mann unbedingt kennenlernen, der das geschrieben hat.
Weil ich denke, dass das ein ganz feiner, sensibler Mann sein muss,
der einfach nur zu schüchtern ist, um vor Publikum zu lesen.
Und ich steh auf so zurückhaltende, bescheidene Typen, weißt du?
Mit der Masche hast du mich ja auch gekriegt.
Ich kann gar nicht schreiben. Das konnte ich noch nie.
- Scht! Scht! - Den Roman hab ich...
Jetzt sag ich dir was.
Mir ist egal, wie andere deinen Roman finden.
Weil ich weiß, was hinter dieser schüchternen Oberfläche steckt.
Aber du musst mir was versprechen.
Dass wir immer ehrlich zueinander sind.
Ich bin oft genug auf Typen rein- gefallen, die so tun, als wären sie was,
was sie gar nicht sind. Und so bist du nicht.
Und genau deshalb will ich mit dir zusammen sein.
Also, versprichst du mir das?
(Lounge-Musik)
Danke.
Könnte mir der Hoffnungsträger der deutschen Literatur
- auch 'nen Milchkaffee servieren? - Ach, Ralph! Du bist so 'n Arschloch.
Wieso bin ich ein Arschloch? Ich zitiere lediglich,
was aus dem Olymp der Literaturkritik herunter zu uns Sterblichen dringt.
Was ist? Krieg ich noch 'nen letzten Milchkaffee?
- Ja, sicher. - Joachim Landmann
- schreibt über deinen Roman. - Wer ist das?
Ha! Du bist ja ein richtiger Literaturpunk, David.
Das ist DER Literaturkritiker überhaupt.
- Das ist der Papst. - Wow.
"Das ist der Roman, auf den wir so lange gewartet haben.
"Ein Roman, der uns zu Tränen rührt.
"David Kern,
"einer der wenigen Hoffnungsträger der neuen deutschen Literatur,
"erzählt uns im neo-konservativen Gewand der 50er Jahre
"die Geschichte einer verbotenen Liebe
"und läutet mit seinem erstaunlich reifen Romandebüt
"den längst überfälligen Anfang vom Ende der literarischen Postmoderne ein."
Was für ein Satz! Kannst du dir einrahmen lassen.
Das ist eine Hymne! Joachim Landmann zu Tränen gerührt!
Das ist Wahnsinn!
Jetzt ist es vorbei mit den Lesungen in der Provinz.
Das ist der Durchbruch!
Heißt das jetzt, dass ich mir jemand Neues suchen muss?
Nimm doch Ralph. Vielleicht hilft's seiner Schriftstellerkarriere.
(Gedankenstimme) 'Ich fühlte mich wie einer, dem man gerade eröffnet hatte,
'dass er einen medizinballgroßen Tumor im Hirn hat.
'Ich wünschte mir jemand, der kommt und sagt:
'"Kein Problem, David. Ich weiß, was wir jetzt machen."
'Aber stattdessen steckten mich die Kohler und Marie in einen teuren Anzug,
'und der Verlag sorgte für einen, wie die Kohler sagte,
'"angemessenen Rahmen" für meine nächste Lesung.'
(Ansagerin) Unser heutiger Gast ist die literarische Sensation des Jahres.
Sein Roman wird von den einen als das Ende der Postmoderne gefeiert,
- von den anderen als zynische... - Herr Kern, dürfte ich Sie...
Ist für meine Frau.
Sie hat Ihr Buch 3-mal gelesen. Na, da musste ich auch.
Ich hab mir den Autor allerdings viel älter vorgestellt.
- Hm-hm. Ich auch. - Danke.
Ich kenne den Autor nicht.
(Lacht)
- (Über Kopfhörer) 'Bühne frei machen!' - Geht los.
'Und dann stand ich da. Und ich hatte ein verdammt schlechtes Gefühl.
'Dabei war eigentlich alles perfekt.
'Marie und ich waren ein Paar.'
Du schaffst das. Ich glaub an dich.
(Kusslaute)
- Toi, toi, toi. - Danke.
...seine Geschichte wirklich ist.
Meine Damen und Herren, bitte begrüßen Sie mit mir
David Kern!
(Beifall und lauter Jubel)
(Weiter Beifall und lauter Jubel)
'Das Publikum liebte mich. Und wenn ich stotterte beim Lesen,
- 'liebten sie mich sogar noch mehr.' - (Mann) David!
'Sie fanden es "charmant", so "angenehm unperfekt".'
(Hustet heftig und anhaltend)
(Weiter anhaltendes Husten über Lautsprecher)
(David) "Sie war berühmt für die größten Nussgipfel der Stadt.
"Ihretwegen kamen die Schlittsch... die Schlittschuhläufer dort vorbei.
"Peter war eine Viertelstunde zu früh gewesen.
"Er wollte sicher sein, dass einen... dass er einen Tisch bekam,
"und zwar nicht an einem Schaufenster,"
'Ich musste keine Aschenbecher mehr leeren.'
"wo man ausgestellt war wie die Patisserie."
'Einfach nur rausgehen und aus einem Roman lesen,
'den irgendein Peter Weiland oder Alfred Duster geschrieben hatte,
'bevor er mit dem Motorrad gegen einen Berg gefahren war.'
(Stimmengewirr)
'Und danach noch die Bücher signieren, die mir unter die Nase gehalten wurden.'
"Dem lieben Schneckchen zum 40sten".
Wie bitte?
"Dem...lieben...Schneckchen
"zum 40sten".
Hm-hm.
"Für Johanna".
Ja, danke.
Schreiben Sie: "Für Alfred Duster".
(Bedeutungsvolle Musik)
"Für mein Bärchen".
- Hä? - "Für mein Bärchen".
(Sabrina) Hi, na?
- Hey. - Schreib irgendwas Persönliches.
(Räuspert sich)
- "Alfred Duster"? Hm. - Was?
"Mit den besten Empfehlungen, Ihr Alfred Duster". Wer soll 'n das sein?
Ich brauch kurz 'ne Pause.
(Unverständliches Stimmengewirr)
David!
Hier sind Sie!
Ist 'ne gute Idee, mal rauszugehen. Die Luft da drin ist ja zum Schneiden.
- Sind Sie die Freundin von David Kern? - Ja.
Sagen Sie, David, wie sehen eigentlich Ihre Ziele für die Zukunft aus?
Arbeiten Sie schon an einer neuen Idee?
Sie müssen mir jetzt gar nichts erzählen. Ist nicht der Moment dafür.
Aber im Vertrauen, das hier ist nur der Anfang.
Sie werden noch ganz anders Karriere machen.
Ich weiß das. Ich hab Erfahrung.
Was rede ich lange drum herum? David, ich möchte Sie fragen,
ob ich Ihre Agentin werden darf.
Ja, der Job bei Kubner ist jetzt nicht so, dass man da alt werden möchte.
Und Sie brauchen jemanden, der auf Sie aufpasst, David.
Ich glaube, Sie gehen die ganze Sache noch etwas zu unbedarft an.
Ich wollte nicht unterbrechen. Jacky Stocker. 'n Abend.
- 'n Abend. - Bisschen Abstand nehmen vom Trubel?
Ein ganz wunderbarer Roman, David.
Also, wirklich, meinen Glückwunsch. Ich musste weinen,
- als ich ihn gelesen habe. - Wirklich?
- Ja, ja. - Ist ja interessant,
dass die Geschichte auch bei Männern so emotional funktioniert.
Vielleicht treffen wir uns besser mal in Ruhe.
Nicht jetzt.
Ja, natürlich. Ich wollte auch gar nicht stören.
Ähm... Zum Frühstück im Hotel Savoy?
- Morgen um 10:00? - Ja.
Alles andere ist ohnehin zu früh.
Hm? Wir sehen uns?
Hat mich gefreut.
(Kohler) Wer war das?
Das, äh, das ist ein alter Bekannter. Kann ich eine haben?
Ja, klar.
Sagen Sie, David... Werden Sie sich's überlegen?
Was?
Ja, ob ich Ihre Agentin werden soll.
Ja, sicher. Klar.
Und die Kohler sagt, der Trubel wird bis zur Buchmesse sogar noch schlimmer.
Wenn die Maschine rollt, dann rollt sie, sagt sie.
Und ich dachte immer,
Schriftsteller leben zurückgezogen an ihrem Schreibtisch und schreiben.
(Kichert)
Aber das war wahrscheinlich ein bisschen naiv.
Kannst du mal aufmachen?
In diesem Scheißding komme ich mir jedes Mal vor wie verkleidet.
Wieso hast du mir deinen Mentor eigentlich noch nicht vorgestellt?
Wen?
Na, deinen väterlichen Freund Jacky. Nach allem, was er für dich getan hat.
Jacky sagt, du wärst immer schon wahnsinnig talentiert gewesen.
Ich wusste gar nicht, dass du früher Eishockey gespielt hast.
- (Weiter Zahnputzgeräusche) - Äh, ja.
Dafür fährst du aber ganz schön schlecht Schlittschuh.
Ich hab Jacky gesagt, er soll uns mal besuchen kommen.
- Ist doch ok, oder? - Hm...
(Tür fällt ins Schloss)
(Stöhnt)
(Ruhige Klaviermusik im Hintergrund)
Warum erzählen Sie meiner Freundin, dass Sie mein Eishockey-Trainer waren?
Ich hab nie Eishockey gespielt. Ich hab überhaupt keine Ahnung davon!
Ist doch 'ne schöne Geschichte.
Der orientierungslose Junge,
ein väterlicher Freund weckt das schlummernde Talent...
Kommst du gut weg dabei. Komm, setz dich.
Was wollen Sie von mir?
Ich wollte den jungen Mann kennenlernen,
der so viel Erfolg hat.
Mit meinem Roman.
Was verdienst du mit so einer Lesung wie gestern? Hm?
1.000?
1.500?
Sie sind nicht Alfred Duster.
Wenn einer von uns beiden nicht Alfred Duster ist, dann ganz sicher du.
Setz dich.
- Alfred Duster ist tot. - M-m.
Peter Weiland ist tot. Oder soll ich sagen Peter Landwei?
Alfred Duster lebt.
(Mit vollem Mund) Bringen Sie mir noch ein Glas von diesem deliziösen Bordeaux?
Gerne. Für den jungen Herrn auch ein Glas?
Hm? Nee, danke.
(Weiter Klaviermusik im Hintergrund)
Peter Weiland war Alfred Duster.
Jetzt setz dich doch mal endlich.
Ich bin Alfred Duster. Ich bin '59 aus Paris zurückgekommen.
Ich hab da studiert, an der Sorbonne, wollte Schriftsteller werden.
Hab mir ein billiges Zimmer gemietet, Schreibmaschine gekauft,
war auf der Suche nach einem Stoff für meinen ersten Roman,
und da erzählt mir jemand die Geschichte von meinem Vormieter.
Und der hieß Peter Weiland.
Ich wusste sofort, das ist mein Stoff.
Offensichtlich hatte ich einen guten Riecher.
Alfred Duster sollte mein Pseudonym sein.
Jacky Stocker klingt doch mehr nach Preisboxer, oder so.
Woher hast du eigentlich dieses Manuskript?
Aus der Schublade.
Hm... Und wo ist es jetzt?
Ich hab's verbrannt.
Hm, zum Glück hab ich die Durchschläge noch,
die von den Verlagen zurückgekommen sind.
- Magst du wirklich nichts essen? - Nee, danke.
Hier. Die Sülze ist wirklich ein Gedicht. Komm.
Nee.
(Immer noch Klaviermusik im Hintergrund)
Hm?
Hm...
Deine Freundin ist wirklich nett.
- Seid ihr schon lange zusammen? - Wir sind gerade zusammengezogen.
Hm-hm... Sie weiß es nicht, oder?
Ich hätt's ihr auch nicht erzählt an deiner Stelle.
Und sie muss es auch nicht unbedingt erfahren.
(Weiter Klaviermusik im Hintergrund)
(Niest und schnieft)
(Schnäuzt sich laut)
- Mein junger Freund möchte gern zahlen. - Gerne.
(Klaviermusik verstummt)
- Wir sind in Davids Zimmer. - Hm?
- Hallo, Marie. - Hey, hallo, schön, dass ihr da seid.
- Wir haben Nachtisch. - Cool. Einfach da hinstellen. Danke.
Ich fand das auch total beeindruckend, wie du unsere pseudoliberale Zeit
gerade in der Abwesenheit jeglicher individueller Freiheit
in diesem restriktiven soziologischen System der 50er
dann eben doch so krass miterzählst.
(Sabrina) Schreibt er denn schon an irgendwas Neuem?
- Ja! - Genau.
Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht.
David redet nicht gern über seine neuen Projekte.
Ich schreib auch 'n bisschen. So für mich.
Hm.
Vielleicht darf ich dir ja mal was zu lesen geben.
Dann können wir uns treffen und ein bisschen drüber sprechen.
Ich hab das Gefühl, du könntest mir da unheimlich viel geben.
'tschuldigung.
Ich warte hier einfach.
- Was machen Sie hier? - Hm? Ich esse.
In dem hier ist zu viel Mayonnaise.
Aber Nudelsalat ist ohnehin eine unterschätzte Kunst.
Hübsche Wohnung. Gekauft oder Miete?
- Sie können hier nicht bleiben. - Warum?
Was wollen Sie denn? Wollen Sie wieder Geld?
Na ja, ich hab gedacht, wir könnten uns besser kennenlernen.
Jetzt, wo wir so eng zusammenarbeiten werden, kann das nur von Nutzen sein.
Aber heute ist schlecht. Wir haben Gäste hier.
- Wir können uns ein andermal treffen. - Wenn ich schon mal hier bin?
Mmm! Was ist denn das?
- Keine Ahnung. Herr Stocker, Sie... - Ah, Marie!
Hallo! Das ist aber nett, dass du Herrn Stocker auch eingeladen hast.
Bitte, Marie, sag einfach Jacky zu mir. Hm?
(Marie lacht verlegen)
Leider kann Herr Stocker heute nicht lange bleiben.
Ja? Ach, das ist aber schade.
Ich fürchte, meine andere Verabredung
ist nicht halb so bezaubernd wie die Gesellschaft hier.
Vielleicht bleib ich noch ein bisschen.
Also wenn man David so sieht, will man gar nicht glauben,
dass dieses schriftstellerische Talent in ihm steckt.
Da täuscht wirklich seine Erscheinung.
Aber so war er schon immer. Seit ich ihn kenne.
Mit den Mädels musste man ihm früher auch ganz schön auf die Sprünge helfen.
Na, so schlimm war's ja wohl auch nicht, also...
Woher kennt ihr euch eigentlich?
Jacky war mal Davids Eishockey-Trainer.
Was, du hast Eishockey gespielt?
Na, ich auch! Welche Position?
- Stürmer natürlich. - T-Torhüter.
Stürmer!
- Torhüter war ich! - Was denn nun?
Na, dann war er eben Torhüter.
Es war eine Kindermannschaft.
Ich hab ewig kein Eishockey gespielt.
Aber schüchtern bin ich immer noch ein bisschen.
Also, ich find's toll, wie du da auf der Bühne sitzt und liest.
- Gerade das Unperfekte ist charmant. - Max Frisch hatte so einen Bammel
vor Lesungen, ja, der konnte nur lesen, wenn er sturzbesoffen war.
(Lacht) Das wär doch was für dich, David, hm?
Sie kannten Max Frisch?
- Ja, wir waren zusammen in Südamerika. - Hm!
Also, man kann schon sagen, dass wir gut befreundet waren, ja.
Ich habe auch mal geschrieben.
- Und was haben Sie so geschrieben? - Na, so Sachen wie David.
Also, bei Weitem nicht so gut, und vor allen Dingen nicht so erfolgreich.
(Marie lacht)
'Von diesem Abend an wurde ich Jacky nicht mehr los.
'Er war einfach da.
'Wie ein Pickel am Hintern, den zwar keiner sieht,
'aber man selbst spürt ihn bei jedem Schritt.
'Es gab kaum mehr Zeit, die ich alleine mit Marie verbringen konnte.
'Wenn ich von einer meiner Lesereisen nach Hause kam,
'wurde ich meistens von 2 Personen am Bahnsteig abgeholt.'
David!
Was für ein Zufall!
Ich hab ein neues Restaurant entdeckt.
(Moderne Lounge-Musik)
Ihr hättet mir doch sagen können, dass ihr hier öfter seid.
David hat hier mal gearbeitet. Als Kellner.
Als Kellner? Das wusste ich ja gar nicht.
- Ich war auch mal Kellner. - Herr Kern?
Sie haben doch hier mal gearbeitet? Ich glaube, ich bin Ihre Nachfolgerin.
Ah.
Würden Sie mir ein Autogramm geben? Auf die Karte?
Na, selbstverständlich!
Hier.
- Danke schön. - Gerne.
Danke.
(Räuspern)
Wenn du sie nicht willst, ich würde sie nehmen.
(Lacht)
Du solltest das Ganze mehr genießen!
Du musst deine Fans pflegen. Das ist dein Kapital!
Die sollen alles kaufen, wo dein Name draufsteht.
Ich hab mich umgesehen. Das läuft alles bisher völlig unprofessionell.
Man könnte viel mehr rausholen. Viel mehr.
T-Shirts z.B. Ja, wirklich!
Da steht dann drauf "Ich war im Bett mit David Kern".
(Lacht)
Das ist doch lustig! Wo lesen die Leute?
Im Bett! Hm? Verstehst du?
"Im Bett mit David Kern" ist doppel- deutig. Das ist gut, das verkauft sich!
Also, Herr Stocker, ich weiß nicht. Ich...
Wenn der zweite Roman ansteht,
dann müssen wir das ganz anders machen.
Ich sag dir was, mein Junge.
Wir krempeln dieses Buchgeschäft total um.
Das sind doch alles Amateure!
Max Frisch hat immer zu mir gesagt: "Weißt du, Jacky,
"Bücher sind auch nichts anderes als Tomaten."
- Entschuldigung, David, darf ich mal? - Na, aber selbstverständlich!
Ist für über die Theke.
Komm, komm mal her!
- Tschüss. - David, warte mal.
Hallo. Wie darf man sich das denn vorstellen,
wenn ein Schriftsteller arbeitet?
Ich meine, Sie sitzen am Schreibtisch, Ihnen fällt so 'ne Idee ein,
und dann?
Das interessiert, glaube ich, alle unsere Zuschauer.
Wie läuft das denn dann so ab, wenn Sie eine Idee haben?
Wie wird denn da ein Roman draus?
Ähm... Ich weiß nicht genau. Also, ähm...
Man hat so 'ne Idee,
und dann muss man die Idee aufschreiben,
weil wenn man sie nicht aufschreibt, dann vergisst man sie vielleicht wieder.
Also, es ist nicht so einfach, zu schreiben als Schriftsteller.
Als... Nein, also, es ist natürlich einfacher, nicht zu schreiben.
Umgekehrt. Also, es ist besser, man schreibt, als man schreibt nicht.
(Lacht)
Ja, sonst ist man ja auch kein Schriftsteller.
- Ja, genau. - (Gelächter)
(Mann) 'Was man sich nun fragt... Sie sind ja noch sehr jung.
'Woher wissen Sie so genau über die 50er Jahre Bescheid?
'Hat man Ihnen dabei geholfen?'
'Gibt es denn jemand aus dieser Generation, der Sie beraten hat?'
- 'Anke Meyer hat...' - He! Was soll 'n das?
Jetzt wird's doch gerade erst interessant!
Die Literaturscheiße interessiert doch keinen!
Das ist keine Literaturscheiße, das ist Hochkultur, du Arschloch!
- Schalt um! - Schau doch zu Hause,
wenn dich das Geschwätz von so einem Weichei so interessiert.
Wie redest du von meinem Jungen? Das ist mein Junge, ich bin sein Agent!
- Das glaubst du doch selber nicht. - Du hast doch keine Ahnung, hast du!
David Kern ist der größte Autor, den dieses Land je gesehen hat!
Ist dir das klar?
Raus! Raus aus meinem Laden! Verpiss dich! Raus!
- Ich hab doch verstanden. - Gut.
Und wie ist das, wenn quasi über Nacht der Erfolg zu einem kommt?
- Anstrengend. - (Gelächter)
Ja, aber das ist doch sicher das, was man sich als Autor immer wünscht.
'Einen solchen Bestseller zu veröffentlichen.'
'Nee.'
(Gelächter)
'Ja, vielleicht.'
Du hast doch nur gestottert, nur!
- (Tür wird geöffnet) - Hallo, Marie.
(Moderatorin) 'Wie sind Sie auf die Idee gekommen,
'das Ganze in den 50er Jahren anzusiedeln?'
'Ja, ich hab...so recherchiert und so.
'Mit Büchern, Internet...'
(Schaltet Fernseher aus)
Das war einfach peinlich! Ist doch Scheiße!
(Marie) Also, ich finde das sehr gut, wie David das im Fernsehen macht.
- Das ist sehr charmant. - Charmant!
Charmant ist ja wohl nur 'ne charmante Umschreibung für beschissen!
- Blödsinn! "Im Internet"! - Aber wenn's die Wahrheit ist?
Ach so, die Wahrheit. Ja, natürlich! Ja, die Wahrheit.
Auch wenn's die Wahrheit ist, wird sich keiner dafür interessieren.
- Mit so was kennst du dich also aus. - Ja, damit kenn ich mich aus.
(Marie) Hm-hm.
Pass auf. Du musst die Leute unterhalten!
Die wollen Geschichten hören. Die wollen hören,
dass die traumatische Jugend deines Großvaters da eingeflossen ist,
irgend so was.
Herr Kern, wie kommt ein 24-jähriger Autor dazu,
eine Geschichte aus den 50er Jahren zu erzählen?
- Soll ich jetzt machen... - Ja.
Ähm... Die traumatische Jugend meines Großvaters...
Du sollst mich nicht einfach nachplappern!
Das ist doch totaler Quatsch!
Warum redest du David ein, er solle so tun, als wäre er jemand anders?
Hör mal, Kindchen, Max Frisch hat immer gesagt,
- die Verpackung eines Buches... - Max Frisch! Hör mit diesem Scheiß auf!
Das glaubst du doch alles selber nicht!
David, lass dir von diesem Penner bloß nichts einreden.
- Hier spuckt er große Töne, - Ich bin kein Penner!
- und tagsüber pöbelt er in Cafés rum. - Das verbitte ich mir!
Sag deiner kleinen Studentin, sie soll uns jetzt bitte weiterarbeiten lassen.
Der hat sie doch nicht mehr alle! Warum schmeißt du ihn nicht raus?
Soll ich dir mal sagen, was ich für ihn getan habe?
Vielleicht hat Herr Stocker nicht ganz unrecht.
Ich kann auf jeden Fall was besser machen.
Also... Deine Meinung ist hier nicht relevant.
Schmeiß ihn raus.
Jetzt.
(Laute Schritte entfernen sich)
Herr Stocker, ich, ähm...
Lass mal.
(Melancholische Klänge)
Warum gibst du dich mit diesem Arschloch ab?
Das ist ein alter Bekannter. Er berät mich ein bisschen.
Er ist ein alter Säufer. Und eine Zecke. Er nimmt dich aus.
Glaubst du, ich merke nicht, dass du ihm Geld zusteckst?
Er steht im Moment ein bisschen schlecht da.
Jacky hat es nicht immer leicht im Leben.
Der Typ ist wahnsinnig. Ich hab's heute mit eigenen Augen gesehen.
Die haben ihn aus einem Café rausgeschmissen.
Er hat sich mit einem Kellner geprügelt, um dich im Fernsehen zu sehen.
Ja. Und von so jemandem lässt du dich beraten,
wie du dich besser verkaufen sollst!
Wach auf, David. Der Typ ist gefährlich und du lässt dich von ihm einwickeln.
Der erzählt schon überall rum, er ist der Agent von David Kern.
- Er ist doch nicht wirklich dein Agent? - Nein! Nein, nein, nein, nein!
(Titelmelodie)
(Schritte nähern sich)
Ach... Ähm...
Na ja, komm rein.
Setz dich.
Tut mir leid, dass ich dir nichts anbieten kann,
aber der Zimmerservice ist hier nicht der beste.
(Jacky dreht den Wasserhahn auf)
Sind das die Durchschläge?
Tut mir leid, dass ich mich so aufgeführt habe.
Aber...du solltest dir von deinem Mädel nicht so viel reinreden lassen.
Nicht ins Geschäftliche.
Ich hab Marie versprechen müssen, dass Sie sich von mir fernhalten.
Aha.
- Wenn Sie ein Alkoholproblem haben... - Nein.
Da kann man was machen. Ich würd auch die Kosten...
Ich hab kein Alkoholproblem.
Ich bin auch kein Penner. Ich hab 'ne Wohnung...'n Zimmer.
Ja, klar.
Also, ich hab überlegt, Sie könnten ja ein Konto eröffnen.
Und ich überweise Ihnen jeden Monat einen Teil von dem Geld.
Ich...dachte, wir sind Freunde.
Nachdem, was wir so alles erlebt haben.
Der Erfolg unseres Romans, das Eishockey...
- Ich hab noch nie Eishockey gespielt! - Doch!
Noch nie in meinem Leben.
Ja, also, ich meld mich dann nach der Buchmesse und, ähm...
dann geben Sie mir Ihre Kontonummer und... Ja.
Tut mir leid.
Marie?
Hier bist du.
Er hat's verstanden. Er lässt uns in Ruhe.
- Ach, David... - Was?
Tut mir leid, dass ich so ein Theater gemacht hab. Ich will so nicht sein.
Du hattest doch recht.
Und außerdem steht dir das, wenn du dich so ein bisschen...
- Was? - ...aufführst.
- Ich steh da drauf. - Ach, du spinnst.
(Beschwingte Musik)
(Marie) Auf dem Empfang?
Ja. Ja, dann machen wir das so.
Ich verstehe.
(Beschwingte Musik klingt aus)
Ok. Ich werde Sie finden. Bis heute Abend. Wiederhören.
- Und? - Ja, ganz nett, dein Verleger.
Aber irgendwie hab ich das Gefühl, ich krieg das Volontariat nur,
weil ich die Freundin von David Kern bin. Ach, meine Tasche!
Herr Kern?
Na, wenn das kein Zeichen ist, dass wir uns hier schon treffen!
Jens Riegler, Verlag Luther & Rose.
Sind Sie auch hier im Hotel? Ich hab versucht, Sie zu erreichen,
aber das geht ja im Moment nur über den Verlag.
Die haben Sie ganz schön in der Hand, mein Lieber, hm?
Ich sag's offen raus.
Wenn Sie auch nur den Anflug einer Idee für einen neuen Roman haben,
unser Verlag wäre sehr interessiert. Carte blanche!
Ich denke, dass der erste Ansprechpartner für David
sicher erst mal der Kubner-Verlag ist.
- Und wer sind Sie? - Das ist meine Freundin.
Ach! Sehr erfreut. Also, wie gesagt,
wir würden uns gerne mal anhören, was Ihnen so im Kopf rumschwirrt.
David! Unterschreiben Sie nichts!
Ihre Anstandsdame kommt.
Karin!
Die Zügel immer schön fest anziehen,
sonst reitet eure Goldjunge ohne dich davon.
- So einfach kriegst du ihn nicht. - Ts, ts, ts!
Herr Kern!
Das war einer von den Bösen.
Sie brauchen wirklich dringend einen Agenten.
- Hallo, Marie. - Hallo.
Hier ist die Dispo für heute.
Falls Sie vor dem Verlagstreffen was essen wollen,
sollten sie das auf dem Weg machen.
- (Klingel) - (Page) Herr Kern?
Ach, sicher 'ne Interview-Anfrage. Ich regle das.
Wir treffen uns in 15 Minuten?
David, Sie sind der absolute Hotshot dieses Jahr.
Ich hab auch 'nen Namen.
Was?
"Das ist meine Freundin".
- Marie heiße ich. Marie Berger. - Weiß ich doch.
Und warum sagst du's dann nicht?
(Gedämpfte Klaviermusik)
(Sächsischer Akzent) Guten Tag, Herr Kern. Martin Schneider, Merkur Verlag.
Wie oft soll ich's Ihnen noch sagen, ich bin sein Agent!
- (Frau) Sie stehen nicht auf der Liste. - Wer hat diese Listen geschrieben?
- Moment mal. - Finger weg!
Holen Sie den Geschäftsführer!
- Was war? - So 'n Buchheini.
Ich glaub, ich kann nicht mehr. Lass uns gehen.
Wenigstens noch kurz mit deinem Verleger sprechen.
Für mich.
Hm? Bitte.
(Unheilvolle Klänge)
- (Titelmelodie) - Was?
(David) Hm? Äh...
- Ah, da hinten ist er! Komm! - Wo? Wo denn?
- Hallo, Herr Kern. Schön, Sie zu sehen. - Hallo.
- David! - Geh schon vor. Ich komm gleich. Hm?
- Ja... - Ist ja schön! Ja, klar! Klasse!
Sind Sie verrückt? Was machen Sie hier?
Wir hatten doch 'ne Abmachung!
Was für 'ne Abmachung? Du hast eine, ich nicht.
Aber wenn Marie Sie sieht!
Ich hab ihr doch versprochen, dass Sie uns nicht mehr belästigen.
Sag ihr, dass ich zufällig hier bin. Kann ja passieren.
Hier, schau mal. Wen auf der Liste kennst du?
Du musst mich denen vorstellen.
- Nein. - Nein?
- Nein! - David, hier ist Buchmesse!
Wir müssen dein zweites Buch verkaufen.
- Sie sind nicht mein Agent. - Selbstverständlich bin ich das!
(Lacht) Hier. Guck mal.
Ich hab mir sogar 'n Handy zugelegt.
Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals so 'n Ding besitze,
aber es ist großartig. Macht sogar Bilder.
Es gibt nix zu verkaufen. Und das wird's auch in Zukunft nicht.
David Kern schreibt keinen 2. Roman.
Den ersten hat er ja auch nicht geschrieben.
Denk an die Durchschläge.
Ich weiß nicht, wie Marie reagieren würde, wenn sie davon erfährt.
Frauenherzen können ganz schön kalte Löcher sein.
Das steht in deinem Roman.
Wenn Sie unbedingt einen neuen Roman schreiben wollen,
dann red ich mit der Kohler.
Den könnten Sie dann unter Ihrem Namen veröffentlichen.
Oder von mir aus als Alfred Duster. Dann werden Sie berühmt.
- (Lacht) - Wieso?
Die Leute haben doch auch Ihr erstes Buch geliebt.
Du bist naiv, mein Junge. Du begreifst nicht, wie dieses Spiel funktioniert.
"Der Roman"! Mein Gott, der Roman ist ein Roman.
Aber wenn so ein alter Sack wie ich so eine schwülstige Geschichte schreibt,
interessiert sich kein Schwein dafür.
Die wollen Frischfleisch.
Die wollen glauben, dass du die Geschichte geschrieben hast.
Du machst den Roman zu was Besonderem.
Du bist der Star.
Ich bin nur dein Agent.
Herr Everding? Marie Berger. Wir hatten telefoniert.
Heute Nachmittag.
Die Freundin von David Kern.
Ach, Frau Berger!
Freut mich. Wo haben Sie denn David gelassen?
Darf ich vorstellen, Jens Riegler, Verlagschef Luther & Rose.
Nur Cheflektor. Ihr Agent übertreibt.
Nun, wie sieht's aus? Woran arbeiten Sie?
- Äh... - Willst du, oder soll ich?
(Klaviermusik im Hintergrund)
David arbeitet an einer Geschichte über einem jungen Mann, ganz so wie David,
der aus Liebe zu seiner fetten Mutter sich so dick frisst,
dass er nicht mehr aus dem Haus gehen kann.
Aber eines Tages verliebt sich die Mutter in einen neuen Mann
und wird gertenschlank.
Der Sohn leidet fürchterlich unter dem Verrat,
schafft es aber nicht, selber abzunehmen. Also,
er wird immer fetter.
Und dann, als sich die Mutter einmal zum Mittagsschlaf neben ihn legt,
wälzt er sich auf sie und bleibt auf ihr liegen.
(Weiter Klaviermusik)
Bis sie erstickt.
Hab ich doch so ungefähr richtig erzählt, oder?
Ich denke, das wird ein Knaller.
Man spürt auf jeden Fall den David Kern-Touch.
Eine Story fernab jeglicher literarischer Modeerscheinungen.
Wie viel?
Wir haben auch noch ein paar andere Ideen.
Vermarktung von T-Shirts z.B. Die Rechte bleiben natürlich bei uns.
(Riegler) T-Shirts? Was, zum Teufel, wollen Sie denn mit T-Shirts?
(Romantische Klänge)
(Aufbrandende Titelmelodie)
- Was macht der hier? - (Jacky) Marie! Grüß dich!
- Finger weg von David! Verpiss dich! - Marie, kann ich dich kurz...
- Was macht dieser Penner hier? - Ich trink nur Wasser, siehst du?
Das ist ein Zufall, ich wusste auch nicht, dass er kommt.
Ich bin genauso erschrocken wie du.
Pass auf, der Jacky hat auch einen Roman geschrieben.
Und den will er hier verkaufen. Ich soll ihm dabei helfen. Marie!
Herr Kern? Herr Kern!
- Was? - Aber Sie sind doch Herr Kern?
Name: Jacky Stocker.
(Titelmelodie, jetzt sehr hektisch)
(Jacky) Ich hab bereits Angebote,
- die weitaus höher sind. - Glaub ich nicht.
- Jacky? - Ja?
Wir müssen unbedingt sprechen.
- Sind Sie nicht zufrieden bei uns? - Was?
- Karin? Karin! - Ja.
- Ist Herr Kern nicht zufrieden bei uns? - Das kann ich mir nicht vorstellen.
Sein Agent hier scheint jedenfalls den Eindruck zu haben.
Wie, sein Agent?
Wovon soll er denn handeln, der neue David Kern?
(Titelmelodie, immer hektischer und lauter)
Willst du, oder soll ich?
Also, David arbeitet gerade an einer Geschichte von einem jungen Mann...
(Titelmelodie überlagert alles Gesprochene)
(Titelmelodie verklingt abrupt, Aufzugsglocke ertönt)
Marie?
Guten Morgen, Karin.
Ich müsste dringend mit Ihnen sprechen.
Hat David Ihnen von meinem Vorschlag erzählt?
Welcher Vorschlag?
Seine Agentin zu werden.
Das finde ich 'ne richtig super Idee.
- Aber nein, er hat nichts gesagt. - Das hab ich befürchtet.
Dann hat er Ihnen auch nicht gesagt, dass er diesen Jacky Stocker
- zu seinem Agenten gemacht hat? - (Lässt die Schüssel fallen)
Ja, so ging's mir auch.
Aber es ist leider wahr.
Dieser Jacky Stocker zieht jetzt draußen rum
und verkauft Davids neuen Roman.
Warum erfahr ich als Letzte auf dieser beschissenen Messe,
wovon dein neuer Roman handelt?
Bin ich die fette Mutter, oder was?
(Stöhnt)
- Ich schreib an keinem neuen Roman. - Und was verkauft er dann da draußen,
dein toller neuer Agent Jacky?
Warum lügst du mich an, David?
Wie kommst du auf diese blöde Idee, Jacky zu deinem Agenten zu machen?
Bist du verrückt geworden?
Ich hab ihn nicht zu meinem Agenten gemacht. Er hat sich selber irgendwie...
Du hast doch selber gesagt, dass ich einen neuen Agenten brauche.
Der passt auf, dass ich in dem Haifischbecken nicht aufgefr...
Weil er dich selber zum Abendessen will.
Merkst du das wirklich nicht?
Ist dir so egal, was ich sage?
Du hast mich auch nicht gefragt,
ob du den Scheißroman an den Verlag schicken sollst!
Vom Kellner zum Literatur-Superstar.
So 'ne Scheißidee!
Du findest es vielleicht toll, die Freundin von David Kern zu sein,
aber ich bin David Kern, und ich find's im Moment ziemlich anstrengend.
Und es wäre toll, wenn du es nicht noch anstrengender machen würdest.
Dann will ich dich nicht weiter dabei stören, du zu sein.
Marie!
- Marie! - Ok, David.
In 10 Minuten haben Sie Ihren ersten Termin.
Wir müssen los. Seien Sie professionell.
Ich verhalte mich schließlich auch professionell.
Wir verhalten uns alle professionell.
Bringen wir's hinter uns.
Ich hab es so organisiert, dass Sie 12 Minuten pro Interview haben.
Die vom "Blick" kriegen 30, die sind wichtig.
Bis 13:00 Uhr sollten wir hier durch sein,
dann shuttlen wir Sie zur Signierstunde,
und da können Sie sich dann ausruhen, ok?
(Diverse Reporter und Reporterinnen) Herr Kern!
Sie bekommen alle Ihre Fotos! Wir haben genügend Termine...
(Ruhige Musik)
(Schrille Schreie)
Schreiben Sie Ihr Angebot drauf.
(Weiter ruhige Musik im Hintergrund)
(Wieder wildes Gekreische)
(Weiter ruhige Musik im Hintergrund)
- (Anrufbeantworter piepst) - (David) Hallo, Marie.
Es tut mir so leid. Es ist alles...dumm gelaufen.
Bitte ruf mich doch an, wenn du das hörst. Bitte!
Hier war David.
(Weiter ruhige Musik, wildes Gekreisch)
(David liest) "Meine Geliebte, sag mir, was hab ich getan?
"Was hat dein Schweigen zu bedeuten?
"Du liebst mich doch.
"1.000-mal hast du's mir geschrieben.
"Geliebte Lila, ich sitze in meiner Mansarde,
"und überall, wo ich hinschaue, sehe ich dich.
"Dich, wie du das Licht lö..., dich, wie du das Licht löschst,
"dich, wie du die Vorhänge zuziehst,
"dich, wie du dein Haar öffnest,
"dich, wie du dich aufs Bett setzt,
"dich, wie du mich anschaust.
"Dich, dich, dich.
"Ich liebe dich."
(Rauschender Beifall)
Marie, warum gehst du denn nicht ans Telefon?
Ich wollte dir nur sagen, ich bin jetzt raus bei dieser Preisverleihung.
Bitte, bitte, meld dich doch.
Wo ist jetzt dieser Empfang, David? Du musst doch 'ne Einladung haben.
- Wissen Sie, wo Marie ist? - M-m.
- Wissen Sie, wo der Empfang ist? - Entschuldigung, Sie sind sein Agent.
Ich bin nur die Tusse vom Verlag und die hat jetzt Feierabend.
Morgen früh ab halb 11:00 sind Sie am Stand.
Und bitte in einem brauchbaren Zustand.
Ich hoffe, das mit Marie renkt sich wieder ein.
Tut mir leid, David.
(Auto wird angelassen)
Gehen wir was essen?
Ich sag dir, diese Buchheinis sind ganz schön knauserig.
Der Einzige, der ein bisschen Stil hat, ist dieser Riegler.
200.000 bietet der.
Dieser Pfeifenraucher, dein Everding, liegt bei 150.000.
Aber ich glaube, bei beiden geht noch was.
Die anderen Verlage kannst du alle vergessen, alles nur Peanuts.
Gott, lauf doch nicht so schnell!
Wie weit ist es denn bis zu diesem Empfang?
Keine Ahnung.
- Jacky... - Hä?
Eins hatte ich überhaupt nicht auf der Rechnung.
Filmrechte! Beim Film ist die Kohle. Das hat mir ein Kollege gesteckt.
Ts! Ich denk über T-Shirts nach! Oh, gute Idee, 'n Taxi.
Herr Stocker, danke für alles, aber es ist vorbei.
Ich kann nicht mehr. Ich fahr jetzt zu Marie und sag ihr die Wahrheit.
(Auto wird angelassen)
Aber... Moment! Das kannst du doch nicht machen!
David!
Scheiße!
Taxi!
Herr Kern?
Sie haben eine Nachricht von Ihrer Frau.
(Traurige Musik setzt ein)
Scheiße!
Ich hab's dir doch gesagt! Frauen wollen Künstler, keine Kellner.
Na, prima. Ich hab's gewusst.
So, das haben wir jetzt davon.
(Weiter traurige Musik im Hintergrund)
(David schluchzt)
Tut mir leid, Junge.
Ist ja gut.
Uns wird schon was einfallen.
Ist ja gut.
Wir kriegen das hin.
(Weiter traurige Musik im Hintergrund)
Guten Morgen. Kann ich mit Marie sprechen?
Bitte.
Marie!
Ich schreib gerade meine Semesterarbeit über deinen Roman.
"Konzepte kulturspezifischer Geschlechterrollen
"am Beispiel von David Kerns 'Lila, Lila'.
Willst du's lesen?
Marie, es tut mir leid.
Ich hab's nicht so gemeint.
Ich wollte mich entschuldigen.
Marie weiß gar nicht, was sie an dir hat.
Gehst du, bitte?
Es tut mir leid.
Es ging mir nicht so gut auf der Buchmesse.
Und das mit Jacky ist alles ein Missverständnis.
In Wirklichkeit gibt's keinen 2. Roman. Es war alles Jackys Idee.
Marie, ich liebe dich.
Ich brauch dich. Du musst auf mich aufpassen.
Weil in Wirklichkeit schulde ich Jacky viel. Ich bin...
Ich kann diesen Namen nicht mehr hören! Ich will gar nichts mehr hören.
Ich weiß nicht, was zwischen uns passiert ist,
warum du nicht mehr ehrlich zu mir bist. Das auf der Buchmesse,
das war nicht mehr der David, in den ich mich verliebt habe.
Oder vielleicht bin ich auch nicht mehr die Marie, die sich verliebt hat.
Wahrscheinlich habe ich mich gar nicht in dich verliebt,
sondern nur in deinen Roman.
Ich weiß nicht... Ich bin halt doch nur
ein naives Mädchen, das sich wünscht, die ganze Welt wäre so wie ein Roman.
Du bist nicht naiv, Marie.
Du bist das tollste Mädchen, das ich kenne.
Hau ab, David. Geh.
So machst du alles noch viel schlimmer.
Kommt David nicht rein?
(Traurige Musik setzt wieder ein)
Was hat sie gesagt?
Fand sie das nicht gut mit den Blumen?
Wir dürfen nicht so schnell aufgeben, David.
Wir müssen Beharrlichkeit zeigen. Da stehen die Mädchen drauf.
Die wollen erobert werden.
Marie ist nicht in mich verliebt, sondern in deinen verdammten Roman.
So sieht's aus.
Sie hält mich für einen Lügner, und sie hat auch noch recht.
- Es ist vorbei. - Der zweite Roman.
- Was? - Das ist für alles die Lösung.
Wenn's einmal geklappt hat, warum soll's nicht ein zweites Mal funktionieren?
Und du widmest ihr den Roman.
"Für Marie, die Liebe meines Lebens", irgend so was.
Und die Geschichte haben wir doch schon. Die dicke Frau mit dem Sohn usw.
Überleg's dir doch! David!
Wenn du Marie wiederhaben willst, das funktioniert 100 %ig, glaub's mir!
Auch der Riegler findet die Geschichte gut!
(Davids Stimme) "Immer wieder in letzter Zeit hatte Peter versucht,
"sich vorzustellen, wie es wäre, wenn Lila nicht zu ihm zurückkäme.
"Aber es war ihm nicht gelungen.
"Und jetzt, wo es wirklich passiert war, spürte er immer noch nur dieselbe Leere.
"Sie zu sehen und zu wissen, dass er sie für immer verloren hatte,
"versetzte ihm einen tiefen Stich in sein Herz.
"Eine halbe Stunde später hatte Peter auf seinem Motorrad
"den Ausgang des Städtchens erreicht. Dort begann die Landstraße,
"die einen Kilometer später im Tunnel verschwand.
"Peter schaltete in den höchsten Gang
"und fuhr mit Vollgas auf die Tunneleinfahrt zu.
"Sie war in eine Felswand gesprengt,
"die sich wie eine Mauer quer über das Tal legte.
"Man konnte die Einfahrt in den Tunnel nicht verfehlen, auch nachts nicht.
- "Es sei denn, man tat es absichtlich. - (Quietschende Bremsen)
"Wie Peter Landwei.
"Und dieser Peter Landwei, das war ich."
Ja, ich weiß auch, dass der Roman ohne David nix wert ist.
Was?
Nein, mein lieber Riegler. Die Reihenfolge ist genau andersrum.
Erst der Vorschuss, dann die Unterschrift.
Der Junge muss doch von was leben, wenn er schreiben soll.
Was ist denn noch? Ich brauch nichts mehr.
Tut mir leid. Anschreiben geht nicht mehr.
Ich muss jetzt wieder direkt kassieren.
Machen Sie das, lieber Riegler, aber denken Sie an den Vorschuss.
Verdammte Scheiße. Wie viel ist es denn?
195,90.
(Münzen klingen, Handy klingelt)
- David! Freut mich, dass du anrufst. - 'Hallo.
- 'Ja, ich, ähm... - Was kann ich für dich tun?
- 'Ist der neue Roman schon fertig? - Nimm das wieder mit.
- 'Ich würde ihn doch gerne mal lesen. - Ah, natürlich.
- 'Nur mal lesen. Ganz unverbindlich. - Aha.
'Vielleicht kann ich ihn dann Marie geben und mal hören, was sie dazu sagt.'
Ah! Natürlich.
(Bedeutungsvolle Musik)
(Es klopft)
- David, mein Junge! - Zeig mir die Durchschläge!
- Bitte? - Es gibt keine Durchschläge, stimmt's?
Du kannst überhaupt nicht schreiben. Du hast noch nie geschrieben!
Das muss ich mir von dir nicht sagen lassen.
- Was soll das? - "Da dachte er sich: Ich muss essen.
"Mehr essen. So viel es nur geht, muss von mir gegessen werden."
So 'ne Scheiße!
"Also kaufte er sich einen Monatsvorrat von allen Dingen,
"die er haben wollte zu essen.
"Pizza, Schokolade, Schnitzel, Kuchen und Torten.
"Viel Nachtisch und Dessert."
Nachtisch und Dessert sind dasselbe.
Ja, gut, man kann noch ein bisschen dran feilen.
Aber wenn erst dein Name auf dem Buchdeckel steht,
ist das sowieso Literatur!
Dem Riegler ist das eine halbe Million wert!
Was soll denn das? Du, Moment mal.
Denk an Marie. Wie viel ist dir Marie wert?
Gib's ihr doch erst mal zu lesen!
Woher wusstest du, dass ich den Roman nicht geschrieben hab?
- Du hast keine Durchschläge. - Natürlich hab ich die!
Dann zeig mir die Scheißdurchschläge!
Sind sie das?
- Was ist denn das? - Mexikanische Ölaktien.
Max und ich haben sie uns andrehen lassen, damals. Kannst du haben.
Lass mich los!
Was soll das? Hör doch mal auf! Das ist kein Spaß mehr! Mann, hör auf!
Ich sorg dafür, dass Ruhe ist!
Dass Alfred Duster dahin verschwindet, wo er hergekommen ist!
Ok, ok, ich bin nicht Alfred Duster!
Es gibt keine Durchschläge! Der Roman ist nicht von mir!
Was? Was hast du gesagt?
(Röchelt)
Du Scheißkerl! Woher hast du's gewusst? Hä?
Ich habe ihn gekannt. Peter Weiland.
Wir haben zusammen Eishockey gespielt.
Dann hat er das Mädchen kennengelernt und dann ist er durchgedreht,
und er hat sich umgebracht. Du kennst doch die Geschichte.
Peter Weiland war Alfred Duster. Er hat mir das Manuskript zu lesen gegeben.
Du hast ja recht, ich bin nicht der Autor.
Du blödes Arschloch! Hast gedacht, mit dem kleinen Deppen kann man's machen!
Die ganze Welt denkt immer, der kleine David, der ist ja so nett,
mit dem kann man's ja machen. Wie soll ich jetzt Marie zurückbekommen?
'tschuldigung?
Oh...
Ich wollte nicht stören.
(Röchelnd) Bleib hier. Ist schon in Ordnung. Stell's irgendwo hin.
Mein junger Freund wird das übernehmen.
Hm, David, könntest du mal?
David!
Warte doch mal!
David. David!
Es tut mir leid.
(Schluchzend) Verdammte Scheiße!
Scheiße, Scheiße!
Wie geht denn die Scheißtür auf?
David, mach keine Dummheiten!
Es muss doch keiner erfahren!
David, wir sind doch Freunde!
Denk einfach an das Geld!
Und an Marie!
(Lauter Aufprall)
(Aufgeregtes Durcheinanderreden)
(Leises rhythmisches Piepsen)
(Jacky) David.
Ja?
Ich wollte nur ein Stück vom Kuchen.
Ich mag dich, David.
Du bist ein sehr guter Eishockey-Stürmer gewesen.
Du musst mehr an dich glauben.
Der Riegler, das ist ein zäher Hund.
Aber die T-Shirts haben wir im Vertrag.
Jetzt hast du deinen neuen Roman.
(Rhythmisches Piepsen wird langsamer und verstummt dann)
(Bedeutungsvolle Klavierklänge)
Oh, David. Ich wollte noch... Ich bin gleich wieder weg.
Ist das deins oder meins?
Ist doch egal.
Dein neuer Roman?
Diesmal bin ich wohl nicht die Erste, die ihn liest.
Ja. Das ist... Das ist nicht von mir.
Ein Freund hat's mir zum Lesen gegeben. Ist aber nicht so gut.
Ah, ok.
Jacky ist vom Balkon gefallen.
Er ist tot.
Das...tut mir leid.
Marie, kommst du?
Die anderen warten schon.
- Machst du mir die Tür auf? - Klar.
(Traurige und schräge Trompetenklänge)
(Jetzt sehr disharmonisch und ersterbend)
- Wer sind Sie eigentlich? - Ich bin David Kern.
Der Autor von "Lila, Lila".
Ich war befreundet mit Ihrem Bruder.
Schuldet er Ihnen auch Geld?
Nein, nein, kein Geld. Ich will nichts.
Und was machen Sie dann hier?
Ich bin nur ein Freund.
(Traurige Melodie)
(Titelmelodie)
(Gedankenstimme David) 'Es ist sehr anstrengend, so zu tun,
- 'als wäre man jemand anders.' - (Es klopft)
'Gar nicht so sehr, weil man ständig Lügen erfinden muss.
'Das geht irgendwann wie von selbst.
'Nein, es ist anstrengend wegen all der Dinge, die man nicht sagen darf.
'Denn all diese Dinge, die man die ganze Zeit verschweigt,
'gehören ja zu dem, der man eigentlich ist.
'Also zu dem, der so tut, als wäre er jemand anders.
'Aber nicht zu diesem andern, der so getan wird, als wäre er er.
'Kurz gesagt, während man so tut, als wäre man jemand anders,
'kann man an den Dingen, die man nicht sagt, herausfinden,
'wer man eigentlich ist.
'Und wenn man, so wie ich,
'davor gar nicht so richtig wusste, wer man ist,
'dann ist das 'ne ganze Menge wert.'
"'Hier können Sie sich nicht einfach aufwärmen und nichts konsumieren',
"hatte die Serviertochter mit dem Spit...
"Spitzentäub...
"Dieses verdammte Spitzenhäubchen verfolgte ihn seit seiner ersten Lesung.
"Dabei wusste er nicht einmal, was damit gemeint war."
(Gelächter)
"Aber das eigentliche Problem bestand darin,
"dass Marie weg war und er trotzdem weiterlesen musste,
"aus einem Roman, den er nicht selbst geschrieben hatte."
(Beifall)
So, jetzt hab ich aber genug geredet.
Jetzt wollen wir auch mal das Publikum zu Wort kommen lassen.
Also, wenn Sie Fragen haben, bitte.
Ja?
Haben Sie den ersten Roman jetzt selber geschrieben oder nicht?
Und? Haben Sie ihn denn jetzt selber geschrieben?
Was glauben Sie?
(Gelächter)
Ja, natürlich haben Sie ihn selber geschrieben.
(Lacht)
- Ja, bitte? - Und schreiben Sie schon an was Neuem?
Ehrlich gesagt, nicht. Ich muss mich noch vom letzten Roman erholen.
(Schallendes Gelächter)
(Marie) Ich finde, dass die Figur Marie nicht gut wegkommt in der Geschichte.
Denken Sie nicht, dass Sie viel früher schon was gemerkt haben müsste?
Na ja, wahrscheinlich war sie halt auch in David verliebt,
und dann sieht man manche Dinge nicht so genau.
Und außerdem darf man nicht vergessen, David war ein brillanter Lügner.
(Wieder Gelächter)
Warum hat er ihr nie die Wahrheit gesagt?
Er hatte Angst, dass sie ihn verlässt, wenn er wieder nur ein Kellner ist.
Das ist aber eigentlich auch ganz schön bescheuert.
Woher will er denn wissen, dass sie ihn nicht auch als Kellner genommen hätte?
Hätte sie denn?
Kann ich nicht sagen. Ich steh auf Schriftsteller.
(Gelächter)
(Frau) Ja, äh, gibt's sonst noch Fragen?
(Beschleunigendes Motorrad)
(Sasha & Maria Mena: "Wide Awake")
("Wide Awake" verklingt)
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