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.
(Kraftvolle Popmusik aus dem Walkman)
(Entfernter Verkehrslärm)
(Schulglocke klingelt.)
(Reifen quietschen.)
Hey, lass mich, ich muss zur Schule.
(Dramatisch-kraftvolle Musik)
(Reifen quietschen.)
Was ... was ist denn los?
Hm.
(Kraftvolle Popmusik aus dem Autoradio)
(Husten)
(Reifen quietschen.)
(Unverständliche Ansage im Autoradio)
Ist was?
Drei Kinder im Auto und deine Frau raucht.
Was ist das für eine Mutter?
Was hast du gesagt? Hast du meine Frau beleidigt?
Du hast Kinder im Auto! - Los, zeig's ihm!
Blödes Arschloch! - Hau ihm eine rein!
Steig aus jetzt!
Was ist los mit dir, Junge? - Was ist dein problem?
Jo, jo, ah jo, bist im Stress, hä?
Assi!
Dein Gesicht merk ich mir. - Gut, ist doch schön.
Ja, komm. Ey. - Steig ein jetzt.
Fahr weg. Fahr weg!
Arschloch.
♪ Jede Nacht um halb eins, wenn das Fernsehen rauscht
♪ leg ich mich aufs Bett und mal mir aus, wie es wär,
♪ wenn ich nicht mehr wär, wer ich bin,
♪ sondern Kanzler, Kaiser, König oder Königin.
♪ Ich denk mir, was der Kohl da kann, das kann ich auch.
♪ Ich würd Vivaldi hören, tagein, tagaus.
♪ Ich käm' viel rum, würd' nach USA reisen.
♪ Ronnie mal wie Waldi in die Waden beißen.
♪ Das alles und noch viel mehr
♪ würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär.
♪ Oh, das alles - und noch viel mehr
♪ würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär.
Benny, was los? - Nichts.
Wie, nix?
(Musik spielt im Autoradio weiter.)
Gib. Gib her!
Mann. - Scheiße.
Wissen die das schon?
Du hältst dein Maul, verstanden?
Was ist denn jetzt die Überraschung? Fußball?
Gehen wir Pizza essen? - Wart nur ab jetzt.
(Lachen, Jubel)
♪ Das alles und noch viel mehr
♪ würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär.
(Stimmengewirr)
Ja. Schau mal, da.
Guck mal da, die Bahn. - Ich will's nicht.
Voll cool. Da sind die Dinosaurier.
Oah.
(Lachen)
Halt, stopp. - Stell dich nicht so an.
(Nachdenkliche Musik)
(Johlen)
(Lautes Johlen)
Was los?
(Angespannte Musik)
(Entfernte Schreie)
Hopp jetzt. Hopp.
(Tür quietscht.)
Hey, Kleiner. - Selber.
Also das ist doch ...
Wie im Zoo.
Mama, guck mal, wie die Mainzelmännchen.
Wie geil. Darf man die füttern?
Vorsicht, der beißt.
♪ Oh, Danny boy, the pipes, the pipes are calling.
Hör auf!
♪ From glen to glen, and down the mountain side.
♪ The summer's gone, and all the roses falling.
♪ It's you, it's you must go and I must bide.
♪ But come you back ... - Ottes!
(Gesang bricht ab.)
(Johlen)
♪ Oh, Danny boy, oh Danny boy, I love you so!
(Motorröhren)
Schwager.
(Autotüren fallen zu.)
Noch einmal und ich bin weg.
(Entferntes Stimmengewirr)
(Hupen)
(Vogelzwitschern)
(Filterkaffeemaschine röchelt.)
(Klacken des Feuerzeugs.)
(Lockere Musik)
"Es ist 6.30 Uhr. Hier ist SWR3 ..."
♪ Hoch auf dem blauen Wagen ...
Och Mann, wieder rot.
Wir haben noch zwei Wohnungen.
Schulz und Kuhnert, wir packen das.
Mein Gutster.
(Scheppern)
Jungs, auf geht's.
Christian.
Die Barons machen jetzt ein bissle Pause.
Gib mir mal Feuer.
Erwin, du hast das nicht. Geh.
Hilf dem anderen..
(Entfernte Rufe)
(Keuchen)
(Ausgelassene Rufe)
(Fußballspiel im TV)
Ja, Brehme, lauf!
Ja! (Jubel im TV)
Vorbei. - Die Blum hat angerufen.
Du sollst zurückrufen. - Deine Lehrerin?
Hast was ausgefressen? - Was die Blum sich immer einmischt.
Vielleicht hat sie gute Gründe, sich einzumischen.
Ich hab die Tür gesehen.
Hat Papa von der Mieterhöhung erzählt? - Ich bring ihn um.
Er muss raus aus der Wohnung.
Was gibt's da zu tuscheln?
Ich hab den neuen Kühlschrank gesehen.
Ist mal wieder was vom Laster gefallen?
Ich an deiner Stelle wär besser vorsichtig.
Es könnte ja mal jemand anzeigen.
Schwanger ist deine Frau noch bezaubernder.
Gib einmal Ruhe. - Ich mach mir nur Sorgen um dich.
Um uns musst du dir keine Sorgen machen.
(Boshaftes Lachen)
Ich weiß es erst seit gestern. Ich hoff, ein Mädchen.
Eine kleine Lena. - Och Mira.
Die Deppen von Ärzten haben gedacht, es wären Zwillinge,
weil da noch ein Schatten war.
Die studierten Deppen, vom Praktischen haben die keine Ahnung.
Ja, so wie wir schaffen gehen mussten.
Und der Oskar.
Ja, da war die SPD noch was für den kleinen Mann.
Aber heut ...
Du musst nur ranklotzen ... - Bist du bescheuert?
... dann kommt man zu was. - Warum, Mira?
Ja! Ja, Kucher!
(Jubel)
Jetzt komm endlich zu uns, bitte.
Die Kinder sind kein Problem, wir schaffen das. Mira!
(Jubel)
(TV:) "Wie lassen sich die Bayern hier ausspielen!"
"Wie die Schulbuben."
"Tja, Herwig Bauer."
(Nachdenkliche Musik)
"Ein Blatt aus sommerlichen Tagen."
"Ich nahm es so im Wandern mit,
auf dass es einst mit mir würde sein."
(Nachdenklich-angespannte Musik)
Christian?
(Klirren)
(Hallende Schritte)
Hey.
Und? Wie war's in der Schule?
Ist süß, oder?
Hast du mal in das Buch mit dem Pony reingeguckt,
das ich dir gegeben hab?
Hm?
Du hast es nicht mal angeguckt.
Du kleiner Gauner.
Du kleiner Gauner.
Bist du ein kleiner Gauner?
(Sie reden durcheinander, Klopfen.) Hallo?
Frau Baron?
(Tür wird aufgesperrt.)
Frau Blum.
Schade, dass Sie nicht beim Elternabend waren.
Ich wollt mit Ihnen über Christian sprechen.
Es geht um den Brief.
(Schniefen)
Gymnasium. So ein Quatsch.
Der kommt auf die Hauptschule
und dann fängt er beim Kuhnert an.
Wie alle bei uns.
Damit er so ein Überflieger wird wie du?
Hättest dir halt einen Ami angeln müssen.
Wie deine Conny. So ein Schwarzer.
Immerhin ernähr ich meine Familie allein.
Und was machst du?
Ernähren?
Du schaffst zwölf Stunden und lässt dich mit 800 Mark abspeisen.
Die hatte dein Vater schon vor 20 Jahren.
Wenn Juli uns nicht so ...
Deine Schwester soll ihren Scheißdreck behalten.
Der kommt auf die Hauptschule.
Stimmt's, Christian?
Ich will auf die Schule, auf der Papa war.
Siehst du?
(Mann:) Konzentrieren. Ja, noch mal.
Konzentrier dich.
(Insektensummen)
Und jetzt feuern.
Sehr gut! Gut gemacht.
Der Nächste, der Tom.
(Stimmengewirr, Pfiff)
(Nachdenkliche Musik)
Tor! (Jubel)
(Ächzen)
Fass du noch mal meine Braut an.
Hast es verstanden? Ist das klar?
Elvis, das reicht. - Das kommt jetzt oder was, hä?
Scheiße, hört auf!
Der hat zuerst geguckt.
Dann hat sich's ja jetzt gelohnt, hä?
(Schläge, Ächzen)
Das ist Papa.
Arschloch. - Ist gut jetzt.
(Motor springt an.)
Komm hoch, oder soll jeder sehen, wie kaputt du bist?
(Motorroller brummt davon.)
Christian, rein.
Los.
(Rasante Klänge aus dem TV)
Pass auf deine Schwester auf, ja?
(Monotone Akkorde)
(TV wird lauter.)
(Schmerzlaut)
(Aggressives Knurren)
Lass sie in Ruhe! (Schmerzvolles Ächzen)
Lass sie!
(schreit:) Was willst du denn? Was willst du?
Ich hasse dich! Ich bring dich um!
Und ich bring nicht nur dich um! Ich töte dich!
(Schrei, Wimmern)
Ich schufte den ganzen Tag.
(Unverständliches Geschrei)
Du Scheißschlampe! Ich schlag dich tot!
Geh auf den Boden! (Schriller Schrei)
Nein!
(Verzweifeltes Weinen, Schmerzlaute)
Nein!
(Keuchen)
(Verzweifeltes Schluchzen)
(Schrei)
(Abgehacktes Keuchen)
(Tür knallt zu.)
(Schritte entfernen sich schnell.)
(Tür fällt hallend zu.)
(Musik verklingt.)
(ächzt:) Los.
Dann tickt er doch erst recht aus.
Christian.
Du kommst jetzt mit. - Nein!
Doch, du kommst. - Nein!
(Ächzen, Telefon klingelt.)
Juli, wo bist du?
Ich hab gedacht, du bist längst da.
Entschuldigung, kann ich Sie später anrufen?
Wie lang hat die Praxis auf?
Heut? Das geht net, nee.
(Leise Wortfetzen des Gesprächspartners)
Was heißt das?
(Leise Wortfetzen des Gesprächspartners)
Alles gut, Mama?
(Schnaufen)
Mama?
Mamas Schwestern sind da.
Ich versteh's nicht.
Die haben gesagt, da wär nix mit dem Schatten.
Es ist nicht klar, wie bösartig der wirklich ist.
Was hat er noch gesagt?
Warst du nicht bei der Vorsorge?
Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?
Mira, ich hätt dich doch gefahren, auf jeden Fall!
Wichtig ist, sich eine zweite Meinung einzuholen.
Ich frage Norbert, der kennt sicher einen guten Onkologen.
Was ist mit deinem Mann, kann der sich kümmern?
(Kurzer, verächtlicher Lacher)
Und das Baby?
Mira, nee.
Warum machst du das? Mann!
Und natürlich machst du die Chemo.
(Melancholische Musik)
Du musst mir was versprechen.
Nee. Nein!
Juli. - Nein, vergiss es. Nein!
Du schaffst es.
Wir packen deine Sachen
und dann kommst du und die Kinder zu mir.
Jetzt komm, los, steh auf.
Hoch, komm!
(Schluchzen)
Gib nicht auf!
(Hektisches Schluchzen)
(Seufzen)
(dumpf:) Wir schaffen das.
(Entferntes Schluchzen)
(Weinen, Wortfetzen)
(beide:) Die Kraft Jesu Christi bezwingt dich.
Die Kraft Jesu Christi bezwingt dich! - Ich brenne!
Weiche, weiche!
(Schreie) Die Kraft Jesu Christi bezwingt dich.
Die Kraft Jesu Christi bezwingt dich.
Die Kraft Jesu Christi bezwingt dich.
Die Kraft Jesu Christi bezwingt dich.
(Knarzen)
Wieso bist du schon da?
(Glasflaschen klirren.)
Scheißkühlschrank!
Erwin verpetzt mich. - Geh ins Zimmer.
Los. - Der eigene Bruder.
Dabei lässt der selber Sachen mitgehen.
Was heißt das?
(Schnaufen)
Hm?
(Schniefen)
Also net mehr Geld.
Urlaub?
Die zwei Tage, wenn ich die Untersuchung hab.
Nach 15 Jahren.
Ich war jeden Tag pünktlich bei der Arbeit.
Jeden Tag. - Die haben dich rausgeschmissen.
Warst du strack?
Ich war net strack.
Ich hätt nicht nach mehr Geld fragen dürfen.
Hast du mit dem Kuhnert geredet?
Hast du den beleidigt? - Hab ich nicht.
(Seufzen)
Der redet net so mit mir!
Der soll sein blödes Maul halten.
Kannst du nicht einmal was richtig machen?
Ein beschissenes Mal?
(Schnaufen)
(Schluchzen)
Was soll ich ohne dich machen?
Was?
Du kannst nicht gehen.
Mmh. (Besteck klappert.)
Ist ja lecker. - (mehrere:) Mhm.
Mmh.
(Klirren, Knarzen)
Laura, ich hab was für dich.
(Grunzen)
Danke.
Schmeckt's?
Was ist das?
Ben?
Sind wir Sozialschmarotzer?
Sind wir wie die Assis vom Kalkofen?
Mama war nicht beim Amt.
Wir müssen was essen.
(Schniefen)
(Klirren)
(Ächzen)
Was ist das alles hier?
(Monotone Akkorde)
Nein.
Wenn du noch einmal zu Juli rennst.
Wir nehmen keine Almosen, schon gar nicht von der.
(Monotone Akkorde)
Ich kann meine Familie allein ernähren!
Gib!
Gib.
Gib mir die Gabel. - Lass sie.
Gib die Gabel! - Lass sie!
Mira. Mira!
Geh zum Telefon, ruf einen Krankenwagen!
Mira, Mira, Mira! - Mama!
Mira, was ist los?
Christian!
(Entferntes Poltern)
Morgen bin ich wieder da.
Komm, die drei Tage.
Wie oft spring ich denn für andere ein?
Ja, ist gut.
Ja. Ja. Ich muss.
Ja.
Hey.
Der Benny und die Laura spielen im Hof. - Mhm.
Sagt mal Hallo zu Tante Mira. - Hallo.
(leise:) Hallo. - Hey.
Ich meld mich später.
(Knarzen)
(Tür fällt zu.)
Ich leg mich hin.
Ist doch nicht schlimm, wenn du schwach bist.
Ich trag dir immer alles, bis du alt bist.
Das würdest du machen?
Ja.
(Rascheln)
Das tut nicht weh.
Ich hab jetzt einen Beutel. Wie ...
Wie ein Känguru.
Denk bitte noch mal drüber nach. Du hast da eine Chance, Christian.
(Nachdenklich-melancholische Musik)
(Magenknurren, Ächzen)
Oh!
(Magenknurren)
Oh!
Gib das her! - Nein, das hab ich gefunden.
(Ächzen) Au!
(Brummen)
(Knuspern)
(Magenknurren)
(Schritte nähern sich.)
(Türglocke)
(Ben:) Pizza Funghi?
(Klopfen) Iiieh.
Was ist denn das?
(Türglocke) Mira, seid ihr da?
Nicht aufmachen.
Mira, Kinder!
Hey!
Da bist du ja!
Na, seid ihr soweit?
Wir wollen euch doch einladen! Nächste Woche geht's schon los.
Georgia. - The Peach State.
Pfirsiche.
Ich fass es nicht, in vier Wochen bin ich verheiratet.
Es geht grad alles drunter und drüber,
das kannst du dir nicht vorstellen.
Oder passt's heut nicht?
Doch. - Gut.
(Lockere Musik)
(Quietschen)
Oh, man! - Kann ich die mitnehmen?
Die brauchen wir noch.
Hungry.
Auch Salz ist lecker.
Wow. - Christian, schling nicht so.
Okay.
(Melancholische Musik)
(Waberndes Geräusch)
Die Musik ist ausgegangen. Hast du noch Batterien?
Ich schau mal.
Ich hab einen Termin beim Gymnasium gemacht.
Nächste Woche schauen wir uns das an.
(Abwartende Musik von draußen)
Elvis, dreh mal auf!
(Rasantes Trommeln)
Darf ich bitten?
(Rasante Rockmusik)
Wuh!
(Ächzen)
Schön.
(Keuchen)
(Sanftes Klirren)
(Klopfen, Knarzen)
Hallo?
(Monotoner Ton)
Mein Kind.
Papa. - (weinerlich:) Mein Kind.
(Schluchzen)
Scht, Papa.
(Trostlose Musik)
(Sentimentale Musik)
Mama. Mama!
Mama!
(Sentimentale Musik, Vogelzwitschern)
(Entferntes Stimmengewirr)
(Knarzen)
(Scheppern)
Laura!
Wir können essen!
Du hilfst schön Benny. - Mann!
Hopp, Christian.
Kommst du?
Wenn du nix findest, kommst du erst mal zu uns.
In der Straße steht kein Haus, an dem ich nicht mitgeschafft hab.
Da wird sich ja wohl was finden!
Benny.
Wenn nicht, Kinder, dann zieh ich in mein Vogelhäuschen.
Laura, Essen!
Das geht so nicht weiter, die muss was essen.
Ich bring ihr gleich was. Da kommt er.
Du passt heute auf sie auf.
(Ächzen) Ja, ich hab keine Ferien.
Wo ist euer Vater schon wieder?
Er ist ja wieder aufgetaucht. - Nach zwei Wochen.
Du meckerst nur an ihm rum. Er war einkaufen!
Bier. - Und Milch und Sprudel.
Einmal, um wieder gut Wetter zu machen.
Er hat wieder Arbeit, macht sogar Überstunden.
Ja, im Schnorres. - Nee, beim Kuhnert.
Nee, nee.
Eines muss man ihm lassen, der Ottis ist kein Faulenzer.
Doch.
Nee, nicht so ein Schaffschuhversteckler.
Äh ... - 'Tschuldigung, war offen.
Ich bring die neue Tür.
Was für eine Tür? Ich hab nix bestellt, du?
Ist schon bezahlt. - Okay?
Siehste?
Guten.
(Rascheln, Scheppern)
Christian? - Mhm?
Du fluchst nicht, redest nicht dazwischen und bist höflich.
Ey, kau nicht auf den Nägeln rum.
Egal, was kommt, du bist immer freundlich, verstanden?
Jedes falsche Wort kann dich ins Heim bringen und deine Schwester auch.
(Mann:) Die Nächsten sind die Barons, die sind eh nicht pünktlich.
Vater säuft, Mutter tot.
Ich geb ihnen zwei, drei Monate,
dann gehören die zu unserem Sozialhilfeadel.
Bleib erst mal hier.
Was ist denn das für eine Scheiße?
Das Kind hat eine Gymnasiumempfehlung.
Wenn Sie sich setzen wollen. - Nee, danke.
Der Sozialhilfeadel hockt den ganzen Tag so viel, der steht lieber.
Und pünktlich ist er heut zur zufällig.
Eigentlich hockt er sonst vorm Fernseher.
Lassen Sie das Geplänkel, sagen Sie was.
Würd ich ja gerne. - Na ja, hopp!
Also.
Frau Wagner. - Jou.
Sie sind ja noch nicht offiziell die Erziehungsberechtigte.
Da der Vater war zwei Wochen verschwunden war,
liegt das Sorgerecht und Verantwortung beim Jugendamt.
Da. Da, seine Lehrerin, die Frau Blum.
Die sagt ganz klar, dass sie Christian fürs Gymnasium empfiehlt.
Ja. - Da steht's.
Das ist eine Empfehlung.
Wir sind zu der Auffassung gelangt, die Hauptschule wäre besser.
Zwei Gymnasien haben ihn schon abgelehnt.
Haben Sie mit denen geredet? - Seien wir doch realistisch.
Was, wenn der Junge im Unterricht nicht mitkommt?
Verstehen Sie mich nicht falsch,
Sie können ihm schon ab der Siebten nicht mehr helfen.
Dann braucht er Nachhilfe - und die ist teuer.
Besser, der Junge ist schnell ihn Lohn und Brot.
Automechaniker, Elektriker.
Gas-Wasser-Installateur, Klärmeister,
das sind alles krisensichere, wundervolle Berufe.
Der Christian ...
der hockt da draußen vor der Tür.
Sagen Sie's ihm, dass er nicht aufs Gymnasium soll?
Sagen Sie's ihm! - Ich bitte Sie.
Mein Kind kann Abitur machen.
Und der wird Abitur machen.
So. Und jetzt gehen wir Pizza essen.
Pizza Funghi?
Alles, was du willst.
(Angespannte Musik im TV)
So, die haben wir kopiert. Was haben wir noch?
Laura, hast du deine Sachen gepackt?
"Tanz der Teufel". - Christian!
Hier liegen noch die Schulbücher. - "Die Fliege".
Leute, ich kann net alles alleine machen.
Helft mir mal. - Der ist gut.
Du glaubst doch nicht, dass auch nur einer mitgeht.
Benny, hinteres Kabel.
Das weiße.
(Knarzen)
Benny?
Komm, wir gehen.
(Nachdenkliche Musik)
Christian, los.
Laura?
Es ist alles gepackt. - Papa?
Papa!
Geh nicht, bitte!
(Türklingel)
Buh!
Hallo.
Ist doch Mist! - Äh, hallo?
Rein da.
Achtung, Transfer Brehme.
Ich bleib nicht in diesem Kackhaus!
Und in dieses Scheißgymnasium geh ich auch nicht.
Ja, Christian, du wiederholst dich.
Haben wir jetzt die ganze Fahrt gehört.
Einmal Sachen abstellen.
So.
Ja.
Wollt ihr euch mal euer neues Zimmer angucken?
Ja, warum nicht? - Es ist ganz groß.
Ja? - Komm, Laura.
Danke, Benny.
Kannst du mir sagen ... - Die Kinder wohnen jetzt hier.
Wir haben doch noch die alte Bettwäsche,
kannst du die mal holen?
Ich glaub, am besten schläft er auf der Couch.
Also wer jetzt? (Türglocke)
Was ist denn da jetzt los?
(Gesprächsfetzen)
Hallo, Ralf.
Ah ja, nur rein in die gute Stube.
(Knarzen)
(Helles Bimmeln einer Uhr)
(Melancholische Musik, Stimmengewirr)
(Stundensignal)
(Baby quengelt.)
Christian, ey. - Ey, das ist Mundraub.
Organisiert mal Kuchen. - Die Buben kommen in den Verein.
Wir waren alle dort. - Und die Schulbücher?
Die Beerdigung ist noch nicht bezahlt.
Ich geb doch auch noch was dazu.
Danke, Papa. Hey, hey.
Wie war dein erster Tag? - Gut.
Hat Papa angerufen?
Nein.
Ich ess später. - Ach komm.
Ich ess im Betrieb.
(Türglocke)
Ich mach auf. - Laura!
Laura, jetzt komm endlich. - Tschüss.
Tschüss.
Die ist schon wieder den ganzen Tag in ihrer Höhle.
Was machst denn du hier? Komm mal rein.
Hast du die eingeladen? - Was, Ella?
Hallo?
Kuckuck. - Hallo.
Ich hab was mitgebracht.
Von Norberts Kindern noch. Vielleicht ist das ja was für euch.
(Lachen, Quietschen)
Danke.
Was bekommst du dafür? - Ach, nichts.
Wir hätten die weggeschmissen. - Ja, klar.
Also, ich lass euch zwo mal lieber allein.
(Entfernte Gesprächsfetzen der Kinder)
Willst einen Kaffee? Wir haben auch noch Kuchen.
Gern einen Kaffee.
(Weinen)
Bin gleich da, Daniel.
Hier. - Danke.
Hey. Hey, alles gut.
(leise:) Es ist alles gut.
Benny, dass das klar ist:
Die große Jacke behalte ich!
(Baby quengelt.)
Hey, Christian.
Na, was schreibst du da? - Nur so was zu den Spielen.
Hm.
Find ich gut.
Da ist sie doch.
Vielleicht magst du auch mal was lesen.
Darin ist auch ein Sportteil,
aber ich find die Leitartikel ganz gut.
Hm, toll.
"Ein Blatt aus sommerlichen Tagen, ich nahm es so im Wandern mit."
Schön, dass sie dir das gegeben hat.
Weißt du, ich hab die Gedichte von deiner Mama sehr gemocht.
Wie wär's, wenn du am Samstag mal zu uns kommst?
Und dann machen wir einen Ausflug?
Wird eine Überraschung. - Mhm.
Hey, Benny.
(Melancholische Musik)
(Bellen, Stimmengewirr)
Nimm! Nimm doch!
(Ächzen)
Hast du der Juli gesagt, dass du zu mir ziehst?
Ja.
Nächste Woche vor Gericht, da wird die sich wundern.
Ich lass mir meine Kinder nicht wegnehmen.
Nicht von der. - Grumbeersupp.
(Gerät übersetzt das Wort.) Riechst du das?
Das kommt aus dem Gemäuer.
Hier im Kalkofen landest du mir net. - Assi.
Das ist der Texas-Block.
Das ist der allerschlimmste.
Nur Arbeitslose, Ausländer und Gesocks.
Kassieren Sozialhilfe, lassen sich den Umzug zahlen und wir ...
wir schuften uns ab.
Guck mol do hie.
(Gerät:) "Look at it."
(mit Akzent:) Ich seh Sie schon den ganzen Tag arbeiten.
Pause wichtig! Mögen Sie?
(Bellen) Nee.
Für Sie.
Brauchen Sie Gläser? - Gläser? Nee.
Der feine Herr hier vielleicht, der Schlauberger.
Für Kollege.
Was sagt man?
Danke.
Schönen Tag.
Lewwawurscht.
"Lewwa Sausage".
(Signalfanfare)
Lieber ein Bauch vom Essen wie ein Buckel vom Schaffen.
"It's better to have a belly from eating than ..."
(Lautes Stimmengewirr)
Brehme.
(Johlen)
(Applaus)
Das ganze Geld, was du in der Bank verdienst,
bringst du zum Brillenladen.
Und zu mir.
Ah ja, Wilma, du bist halt unser bestes Anlagemodell.
Zahlt ihr mal besser eure Deckel. Frisches Bier.
Prost. - Prost.
Herr Baron. - Hm?
Herr Baron?
Ah, ihr wollt was hören? (Jubel)
Wollt ihr was hören? (Jubel)
(Anfeuerungsrufe)
(Flotte Musik)
♪ Jede Nacht um halb eins, wenn das Fernsehen rauscht,
♪ leg ich mich aufs Bett und mal mir aus
♪ wie es wär, wenn ich nicht der wär, der ich bin,
♪ sondern Kanzler, Kaiser, König oder Königin.
♪ Ich denk mir, was der Kohl da kann, das kann ich auch.
♪ Ich würd Vivaldi hör'n, tagein, tagaus.
♪ Ich käm viel rum, würd nach USA reisen.
♪ Ronnie mal wie Waldi in die Waden beißen.
♪ Das alles und noch viel mehr
♪ würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär.
♪ Das alles und noch viel mehr
♪ würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär.
(Johlen)
(Musik spielt weiter.)
(Johlen)
Hajo.
Hajo.
(Pompöse Musik)
(Schlussakkord)
(Lebendiges Geigensolo)
(Musik verklingt.)
(Bellen)
Und? Wie fandest du's?
Gut.
Aber was genau fandest du gut?
Was hat dir gefallen? - Äh ...
Na gut, das kommst schon mit der Zeit, wirst du sehen.
Christian? - Ja?
Nächsten Samstag wieder? - Ja.
(Schnalzlaut)
(Laura:) Mama.
(Wimmern, Schluchzen)
♪ Oh, Danny boy, the pipes, the pipes are calling.
♪ From glen to glen ... (Er summt weiter.)
(Stille)
(leise:) Sie schläft.
Er war wieder bei Papa.
Was?
Ich hab dir doch gesagt, du gehst da net mehr hin.
Ich kann das nicht.
Du ziehst net zu dem Dummkopf!
Niemals!
Dein Vater reißt alle mit in den Abgrund.
Jetzt ist Schluss mit dem Kerl.
Wenn ich dem Ottes damals nichts
von der Mira ihrem Geburtstag erzählt hätte,
dann würd deine Mutter heut noch leben.
Da stand er da in der Tür.
Mit seinen scheißgelben Supermarkttröten.
Und ich Idiot hab den auch noch reingelassen.
Der ganze Krebs, das kam ... - (schreit:) Lass das!
Ich werd nicht noch ein Familienmitglied
an den Mann verlieren!
Das schwör ich bei Gott, Christian.
(Nachdenklich-sentimentale Musik)
Wir haben freitags Training, komm doch mal mit.
Warum sagst du nie was im Unterricht?
(Nachdenklich-sentimentale Musik)
Fußball für Arme, oder was?
Hey, wohin ...
(Türglocke)
Zum 100. Mal.
Denk an die Schlüssel und zieh die Schuhe aus.
Du passt auf Daniel auf, ich muss arbeiten.
Und knall die Tür net so.
Was willst du hier? - Meine Enkel sehen.
Äh ...
Ich will, dass du gehst.
Hast du verstanden, was ich gesagt hab?
Seit Wochen ruft der Ottes hier an und versucht, mit den Buben zu reden.
Ich hab auch allein zwei Jungs großgezogen.
Mhm. - Die Kinder gehören zu ihrem Vater!
Schön, dass du da warst.
Da ist die Tür.
Ist nicht die beste Gegend hier.
Kann einem schnell was passieren, grad so als Frau.
So ein schönes Gesicht. Wäre doch schade drum.
Ich krieg gleich das Kotzen von deiner Fahne.
Raus. Hau ab.
Raus hier, ich mein das ernst!
Raus! (Klirren)
(Schreie)
(schreit:) Arschloch, hör auf!
Nein!
(Schrei)
Komm, zier dich net.
(Schrei)
Nein!
(Schreie)
(Husten)
(Schreie)
(schreit:) Lass sie!
Na, hast du's jetzt verstanden?
(Keuchen, Röcheln)
Ruhig!
Ich bin's doch, der Opa, ha?
(Keuchen)
Hm?
Du.
Mein Gutster.
Danke für den Kaffee.
(Tür fällt zu.)
(Schluchzen)
Das hätt ich deinem Vater net zugetraut.
Was hat Papa damit zu tun?
Ich schwör dir, wenn der noch einmal hier anruft ...
Papa hat hier angerufen?
Warum hast du mir das nicht gesagt?
(leiste:) Christian.
Du bist genau wie deine Mutter.
Der ist nicht gut für euch.
Hey!
(Seufzen)
(Sanfte Klassikmusik)
Halte mal still.
Wir sehen so scheiße aus.
(Sanfte Klassikmusik)
Schau mal da. Was will denn der?
Hey. Hey, du!
Komm mal her. Wo ist denn der Christian?
(Vogelzwitschern)
Verzeihung, die Dame, haben Sie zufällig meinen Sohn gesehen?
Ein kleiner, Blonder.
Einen Blonden? Den hab ich hier nicht gesehen.
Hör zu.
Mir egal, ob du schwul oder sonst was bist,
eines musst du mir versprechen:
Du musst immer deinen Stolz bewahren.
Hast du den Opa Horst zu uns geschickt?
Der Horst?
Hä?
Warum?
Quatsch, nee.
Weißt du was?
Morgen Mittag gehen wir alle zusammen Eis essen.
Wie findest das? - Gut.
Im Diner. Um fünf. - Mhm.
(Sanfte Klassikmusik von drinnen)
(Anerkennendes Pfeifen)
(Laura:) Das zieh ich nicht an, das ist hässlich!
Jetzt komm, anziehen.
Nimm das. - Hä? Er lädt uns ein!
Jaja.
Fräulein, so gehst du mir net aus dem Haus!
Vergiss es! Laura.
Das tu ich wohl du bist nicht meine Mama!
(Genervtes Stöhnen)
(Stimmengewirr)
Was willst du, Laura? - Spinnst du? Papa lädt uns ein.
Bist du bescheuert? Er kommt nicht mehr.
Er kommt. - Gib die Karte da rüber.
Gib dir Karte rüber!
Bis wie viel? - Ähm, bis drei Mark.
Ich nehm den Schoko-Cup. Und du? - Spaghettieis.
Okay. Können wir bestellen?
Hallo?
(Nachdenkliche Musik)
(Laute Musik aus dem Walkman) Benny?
Er ist noch gekommen, er hatte einen Unfall.
Eine Schrankwand. - Was auch immer.
Er hat mir die Hand gezeigt, alles ist geschwollen. - Mhm.
Mach die Scheißmusik aus.
Du hörst doch eh nur Mono, du Vollspacko!
Wann kapierst du's endlich? Er schert sich einen Scheiß um dich!
Tut er wohl!
Er war da. Und er hat auch nach dir gefragt.
(Entferntes Bellen)
Gefällt's dir nicht?
Was ist, willst du nix essen?
Christian.
(seufzt:) Okay gut, wir müssen eh los.
(Monotone Akkorde)
(Bremsen quietschen.)
Ist das wahr?
Hm? Ist das so passiert?
Musstest du deine Tante mit dem Messer verteidigen?
Dein Vater, hat der dich mal geschlagen, Christian?
Hm?
(Abwartende, monotone Musik)
Christian?
Nein.
(Abwartende, monotone Musik)
Was? Haben wir uns verspätet, Herr Schofel?
Ach, diese ...
Diese Baustellen. - Aha.
(Seufzen)
Aber ...
ich hab gehört ...
Christian macht sich ganz gut auf dem Gymnasium.
Hör ich da eine Entschuldigung raus? - Da haben Sie aber gute Ohren.
Und Sie wissen ja ...
vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.
(Durchsage:) "Wagner gegen Baron, Saal drei."
Okay, das bin ich.
Wollen wir? - Ja.
Bis gleich, ihr zwei.
Papa.
Bis gleich.
(Monotone Musik, rhythmisches Aufprallen des Balles)
(Tür fällt zu.)
(Angespannt-monotone Musik)
(Vogelzwitschern, abwartende Musik)
Mein Gutster.
(Melancholische Musik)
Hopp jetzt.
Du musst ...
Bitte.
Wenn du noch einmal meiner Frau zu nahekommst, bist du tot.
Hast du mich verstanden? - Ja, hau ab! Geh fort.
Na komm.
Geh.
(Melancholische Musik)
Was ist jetzt?
Was haben die Sesselfurzer gesagt?
Und?
(Horst:) Jetzt sag schon.
Wir behalten die Kinder.
Wir haben's geschafft.
(Horst:) Mach's Maul auf. - Was hast du gemacht?
Du hast sie bedroht?
Das ist alles deine Schuld.
Sag mal!
Warum lässt dir das gefallen?
Dass die die eigenen Kinder fortnehmen.
So ein Lappen bist du.
(Sie spricht polnisch.)
(Nachdenklich-melancholische Musik)
(Sie spricht polnisch.)
Halt 's Maul!
(Scheppern)
(Scheppern)
(Vogelzwitschern)
(Entferntes Kindergeschrei)
Alter. - Los, mach.
Mach.
Mach! - Alter, es reicht.
(Entferntes Stimmengewirr)
(Schwungvolle Jazzmusik)
(TV:) "Hey ..."
Arschlöcher, ich lass mir das net gefallen.
Mir die Kinder wegnehmen.
Reicht.
(Schwungvolle Musik im TV)
Möchtest du?
(TV spielt im Hintergrund weiter.)
Christian!
Komm mal her.
Was soll denn das?
Du, in der Kommode ist mein Gürtel, bring mir den mal.
Er hat nichts getan. - Pscht!
Los.
(Heitere Musik aus dem TV)
(Sie spricht polnisch.)
(Tür kracht zu.)
(Lade quietscht.)
Da ist kein Gürtel. - Untendrunter.
Du glaubst doch net, dass dein Vater deinen Geburtstag vergisst!
Alles Gute.
(Heitere Videospielgeräusche)
Jaaaaa!
Ist das geil.
Komm, lass uns zu mir gehen, daddeln.
(Stimmengewirr)
Meine Eltern wollen nicht, dass ich zu dir gehe.
(Stimmengewirr)
Christian.
Oh!
Christian, ich brauch hier deine Hilfe.
Ich kann nicht.
Hausaufgaben können wir später machen.
Ja, vor allem "wir", ne?
Ey, aufpassen, Freundchen.
So redest du nicht mit mir.
Ich schaff den ganzen Tag,
da bin ich net auch noch eure Haushaltshilfe.
Daniel kommt wegen euch eh zu kurz.
Hilf mal, bohr ein Loch.
Ja, heut noch, Christian. Hoch!
Uh, ein ganz Großer, was?
Hey, du Held, komm, gib mal her.
Und jetzt ...
bohr lieber in der Nase, das kannst du wenigstens.
Wie mach ich's denn jetzt? So?
Oder vielleicht bohr ich auch so.
Oder so vielleicht.
Probier das mal, wenn du das andersrum hältst.
Wenn du das paarmal drehst vorher.
Ah!
Kleiner Spacko.
Au. - Hey. Hey!
Scheiße. Zeig mal her, zeig mal her.
Ah! - Ist nicht am Auge, oder?
Kannst du's Auge aufmachen? Scheiße.
Sag mal, bist du völlig bescheuert?
Warum machst du das? Ey, du bist genau wie dein Vater!
Ja, hau doch ab, lauf zu ihm!
Mann! (Baby weint.)
Ey.
Kannst du das Auge aufmachen? Probier mal.
Völlig bescheuert!
(Gesang, Hämmern, Babyweinen)
(Fußballübertragung im Fernsehen)
(Lautes Stimmengewirr)
(Tür quietscht.)
Hey, Junge. Alles in Ordnung?
Was machst denn du hier?
(Grölen) Zieh ab, ja!
Ist das ein Verhütungsmittel? - Was?
Na die Brille für den Mann.
So wird das nie was mit den Frauen.
Hand, das war Hand.
(Aufgebrachtes Stimmengewirr)
Schau mal.
Hat mir ein Kunde geschenkt. Schau mal.
Dein Papa meinte, vielleicht ist das was für dich.
Andi Brehme? - Sponsored by Sparkasse.
(Stimmengewirr)
(Frenetischer Jubel)
(Sie grölen ein Lied.)
(beide:) ♪ Beim 1. F.C.K.
(Hupen, Fangesang)
Und? Das war doch interessant.
Oder?
Norbert meinte, wenn du möchtest,
kann er dir später in der Redaktion ein Praktikum organisieren.
Das wär doch was, oder?
Du kannst mehr.
Schau dir mal Juli an.
Sie ist ein kluger Kopf, aber hätte mehr aus sich machen können.
Seit zehn Jahren putzt sie für diese Scheißfirma.
Zehn Stunden am Tag, ohne Pause.
Und für einen kleinen Urlaub reicht's auch nicht.
Das System ist marode.
Das ist anständige Arbeit.
Anständige Arbeit.
Kennst du Monopoly?
Alle Straßen und Häuser sind schon verkauft,
aber wenn du dich abrackerst, hältst du ein paar Runden durch.
Sie hält durch, rackert sich ab.
So bescheuert.
Juli ist nicht bescheuert.
Du hast dir nur einen reichen Heini geangelt, den du nicht liebst.
Weißt du was?
Vielleicht hat Juli damit sogar recht.
Aber ich musste da raus.
Hättest du uns aufgenommen?
Euch alle?
Nein.
(Vogelzwitschern)
Christian.
(Tür knallt zu.)
"Glaub mir, es gibt noch viel zu entdecken."
"Du solltest deine Gefühle nicht verstecken."
"Glaube mir, wenn auch manchmal die Sonne untergeht,
dann bin ich der Mensch, der immer zu dir steht."
(Knarzen)
(Bellen, Vogelzwitschern)
Du kannst einen Teller weniger hinstellen.
Hier.
Das hat er dagelassen.
Damit die Buben in den Verein können.
(Mann:) So, hopp jetzt!
Alle umziehen!
Hör auf! Ey!
Du bringst nächstes Mal ein Attest mit.
Cool, dass du beim Verein bist. - Mhm.
(Mädchen:) Pass auf, jetzt ...
Komm, Arschbombe!
Spinnst du, du Assi?
Mann, du Assi, komm mir nur her.
(Blubbern)
(Beklemmende Klänge)
Du Idiot!
Mann!
Christian.
Christian? Hallo!
Hallo! Bademeister, schnell!
Oh Gott, Hilfe!
Wann kommt der Bademeister?
(Ärztin:) Eine gesunde Lunge kann so was ab.
Das Problem ist sein allergisches Asthma.
Hat er das schon lange? - (Juli:) Ich wusste davon nichts.
Auslöser sind oft Milben, Schimmel, Rauch, Haustiere.
Haben Sie das nie überprüfen lassen?
(Gerätepiepsen)
(Traurige Musik)
(Knarzen)
(Gerätepiepsen)
(Tür fällt zu.)
(Vogelzwitschern)
(Gerätepiepsen)
Ich bin gleich wieder da.
(Leise Gesprächsfetzen)
(Münze scheppert.)
(Kaffeeautomat surrt.)
(Nachdenkliche Musik)
(Vogelzwitschern)
(Scheppern)
Christian?
Bist du wach?
Bist du wach?
Mein Gutster.
(Schniefen)
(Musik verklingt.)
Papa war die ganze Nacht an meinem Bett.
Laura hat schon gehofft, sie kriegt jetzt dein Bett.
Papa, ab heut nicht mehr im Haus.
Ich hab nachgedacht.
Ich halt nix von deinem Vater, das weißt du.
Hör doch auf, immer an ihm rumzumeckern.
Jetzt wart mal.
(Entferntes Bellen)
Wenn du willst, dann kannst du zu dem ziehen.
Was?
Wirklich?
Danke.
Danke!
Wenn wir Gas geben, kannst du nächste Woche schon einziehen.
Okay, cool.
(Trostlose Musik)
(Scheppern)
(Wutlaute)
(Angespannte Musik)
(Wutlaute)
(Keuchen)
(Poltern)
(Husten)
(Keuchen)
(Husten)
(Fernseher läuft im Hintergrund.)
(Tür fällt zu.)
(Schniefen)
Vielleicht hatte deine Mutter ja recht.
Mit dem Gymnasium.
Ich weiß von so Sachen nix.
(Schniefen)
Kommst du denn gut mit in der Schule?
Ja.
Und wie läuft's im Verein?
Gut, wir haben am Samstag das erste Spiel.
Diesen Samstag? - Mhm.
Ich wollt immer mal gucken, wie du so spielst.
(Durchsage:) "... Arbeitsplätze haben".
"Deshalb kann auch Ihnen,
egal, ob Gewerkschaft oder Unternehmer,
die Entwicklung der Arbeitskosten nicht gleichgültig sein."
"Meine Damen und Herren, im Zeitraum von 1985 bis '92 ..."
(Durchsage geht weiter.)
Hallo, ist Christian da? - Nö.
Ich wusste nicht, dass er nicht schwimmen kann.
Christian?
Unsere Tante möchte das nicht so gerne.
Hm, die Hausaufgaben.
Das ist von heute, das von gestern und vorgestern.
Was hat er denn?
Kommt er nachher zum Spiel?
Danke.
Bis später.
(Stimmengewirr)
(Angespannte Musik)
(Sie spricht türkisch.)
Murat, Murat!
Streng dich an, mach ein Tor heute!
Seit wann gehst du nicht mehr in die Schule?
Weiß Juli davon?
(Anfeuernde Zurufe)
Auf geht's, Jungs.
(Anpfiff)
(Jubel)
(Stimmengewirr)
Was machst du denn da?
Oh Mann!
Pass doch, Christian, pass!
(Stimmengewirr)
Mann!
Was ist das?
(Mann:) Auf!
(Stimmengewirr)
Pass doch!
Lauf, Christian, lauf!
Mann!
(Stimmengewirr)
Alter, was machst du da, du Idiot?
(Pfiff)
Hey, das kann ja wohl nicht sein!
Murat, Murat! - Was ist los, Christian?
Was ist los?
(Murats Vater:) Komm her, komm her.
Murat, Murat.
Murat, komm.
(Stimmengewirr)
(Dynamische Musik)
(Brummen)
Geht noch eins.
(Brummen)
Komm jetzt.
Ey.
Das ist das Problem.
Die Leute, die denken immer, die versaufen ihr Geld,
und deshalb haben sie keines.
Guck mal, da ist dein Junge.
Aber ...
es ist genau andersrum.
Das Geld reicht nicht mehr.
Und deshalb fangen sie an zu saufen.
Du denkst immer, es ist deine Schuld.
Aber das ist überhaupt nicht wahr, das stimmt nicht.
Das ist dein Problem.
(Schnaufen)
(Dynamische Hintergrundmusik)
(Insektensummen)
(Husten)
(Bodenknarzen)
(Quietschen)
(Scheppern)
Herzlichen Glückwunsch, Mama.
(Angespannte Musik im TV)
"Du hast deine Mutter alleine sterben lassen!"
"Deine Mutter, jetzt schmort sie in der Hölle!"
"Die Kraft Jesu Christi, die dich bezwingt."
"Leck mich!"
"Jesu Christi bezwingt dich!"
(Angespannte Musik)
Laura?
Papa?
Laura?
(Huster)
Laura!
(Angespannte Musik, Feuerprasseln)
(Huster)
(Wimmern)
Mama!
(Husten)
(Elvis:) Christian! (Klopfen)
Laura! Kinder, macht doch auf.
Kinder!
Christian!
Kinder, macht die Tür auf, kommt, kommt, kommt.
Raus, raus, raus.
Seid ihr alle draußen?
Ich geh einkaufen.
Kommt ihr mit?
Nee, Ralf, wir brauchen dein Geld nicht.
Wir kommen klar.
Kümmer du dich um dich und deinen Freiraum.
Ich bin überhaupt net gekränkt.
Wart ihr grillen?
Kein Bock mehr auf pauken?
Was soll das werden?
Kein Gymi? Kein Praktikum?
Dann zieh zu ihm, ich bin dann aber auch nicht mehr da.
Ist dir das klar?
Du warst oft bei Opa hast nicht alles mitbekommen.
Du laberst doch nur Mist. - Ach ja?
Guck, hier, das hat er mir angetan, das war er.
Er kümmert sich einen Scheiß.
Ach ja?
Und wer hat die neue Tür machen lassen?
Tante Ella natürlich.
Dachtest du etwa, Papa?
Du schmeißt es doch auch nur weg. Hier.
Du weißt, warum Mama das Baby verloren hat.
Weil sie krank war. - Da war sie noch nicht so krank.
Doch, sie hatte den Tumor im Bauch. - Das Baby hat noch gelebt.
Das ist nicht wahr, es war der Tumor!
Als du in Mamas Bauch warst, hat er sie auch geschlagen.
Du lügst, es war der Tumor!
Er ist ein Loser.
Er ist mit uns auch in den Funpark gefahren.
Ja. Ich hatte niemanden, der mich ins Gymi geboxt hat.
Und du hast eine Chance und machst nichts draus?
Wie bescheuert muss man sein?
(Trostlose Musik)
Ich ... ich pack den Rest.
Laura?
(Türglocke)
(Vogelzwitschern)
Komm rein.
Willst du einen Kaffee? - Ah ja.
Na? - Hallo.
Hier.
Ziehst du die Schuhe an?
Laura.
Weg hier!
Laura.
Laura.
Nein! - Laura. Hey. Komm her, komm her.
Hey. Komm schon. Alles gut, ist alles gut.
Komm, wir gehen einkaufen.
Holst du den Daniel? Scht, ist gut.
Hopp, hopp, raus hier.
Komm.
(Tür fällt zu.)
(Ächzen)
Auf geht's.
(Monoton-abwartende Musik)
(Bellen)
(Vogelzwitschern, monoton-abwartende Musik)
(Entferntes Kindergeschrei)
(Monoton-abwartende Musik)
(Nachdenkliche Musik)
Mein Gutster.
(Nachdenkliche Musik)
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