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In der uralten Stadt Pozzuoli, in der Nähe des Vesuvs mit seinen brodelnden Spalten,
hebt und senkt sich die Erde schon seit so langer Zeit,
dass sich die Bewohner der Gegend daran gewöhnt haben.
Nun, manchmal erschrecken sie schon, wenn es heftiger wird. Dann fliehen sie,
aber sie kehren immer zurück.
Und in den Gassen und abgestützten Häusern geht alles weiter wie zuvor.
Die Vulkanologen nennen dieses Phänomen "Dislokationsbeben".
Manch einer aber glaubt,
dass diese "tanzende" Erde aus mysteriösen Gründen "tanzt",
wegen des antiken Kultes der "Großen Mutter".
Vor Tausenden Jahren war sie die Königin der Götter
und bewohnte die Tiefen der Erde und die Abgründe der Meere.
Einer der fanatischsten Anhänger dieses Kultes
ist der Vulkanologe Professor Luigi Janniello.
Zurück zum Thema. Wir sind hier wegen der Dislokationsbeben,
und Sie erzählen uns von der "Großen Mutter", ich bitte Sie!
Es ist die "Große Mutter", die Nervenzucken hat!
Ich soll dem Minister sagen,
dass Pozzuoli wackelt, liege am Nervenzucken der "Großen Mutter"?
- So geht das nicht! - Doktor Cacace...
Wissen Sie, was in der Duce-Kaserne passiert ist?
Nein, was denn?
Am Samstag gehen Sie zur faschistischen Versammlung mit. Ich zeige es Ihnen dann.
- Sehen Sie sich das an! - Ja, ich sehe es.
Der Sockel hat tiefe Risse und der Fußboden hat sich aufgeworfen.
Und sehen Sie ihn an, das ist der Duce!
Er behauptet sich nur noch mit Hilfe eines Wunders.
Das ist der Duce!
Er befindet sich kurz vor dem Absturz!
Noch ein leichtes Beben
und Mussolini landet mit dem Kopf auf dem Boden.
Und was kann ich dafür?
Wie ich schon sagte, die "Große Mutter" hat Nervenzuckungen,
dabei kam ihr in den Sinn, diesen Mann vom Pferd zu stoßen.
Und wer wäre männlicher als der Duce?
Wenn dieser Mann zu Boden geht, werde ich zwangsversetzt!
Übertreiben Sie nicht!
Wollen Sie einen Rat von mir? Schrauben Sie einen Stift in den Sattel,
und stecken Sie ihn in den Hintern des Duce!
Ich soll etwas in den Duce stecken!
Was stellen Sie sich vor?
Sie sind nicht bei Sinnen!
Der Stift ist nicht zu sehen.
Aber ich weiß, wo er steckt!
Jeder wird es wissen!
SAMSTAG
Professor Janniello
sah die Verkörperung der "Großen Mutter" nicht nur in seiner Mutter und seiner Frau,
sondern in allen weiblichen Wesen, die er kannte.
Eines davon war die Nachbarin von gegenüber.
Signora Rosa Priore, die Frau von Cavaliere Peppino.
Der Professor bewunderte vieles an ihr, besonders jedoch ihre großen Kochkünste.
An jenem Samstag
ging eben diese Signora Rosa über den Markt,
um die besten Zutaten
für die Zubereitung
des sonntäglichen Sakrosanktums zu besorgen:
Für das Ragout!
Donna Ceci, ich hab wenig Zeit.
Ein Kilo Oberschale, Geschnetzeltes,
etwas von der Nuss, Schweinebauch, ein Schwanzstück und etwas Schulter.
Nehmen Sie doch noch zwei Würste mit, das zusammen ergibt ein tolles Ragout!
- Nein, nein... - Heilige Mutter Gottes, oh nein!
- Würste im Ragout! - Welch schreckliche Stimme!
Warum nicht? Sie passen gut hinein.
Außerdem kann man noch Schinken,
Rosinen, Pinienkerne und Petersilie dazugeben.
Eine tolle Kombination!
Das ist Geschmackssache. Manche mögen es deftig, andere leicht - eben klassisch.
In ein anständiges Ragout gehört Schweinekotelett.
Das hängt ganz von der Jahreszeit ab.
Im Sommer ist Schweinefleisch unpassend.
Für mich liegt das Geheimnis in den Zwiebeln.
Sie sind die Basis, das Bett.
Meine Schwiegermutter ist da Expertin, und sie brät das Fleisch ohne Zwiebeln an.
Um Himmels willen, das ist ein Sakrileg!
Verzeihung, wenn ich mich einmische. Ich stimme der Signora zu.
Wenn man Fleisch und Zwiebeln getrennt anbrät, schmeckt das Ragout raffinierter.
Ach, und wenn man sie zusammen anbrät, wird es gewöhnlich!
Verzeihung, woher stammen Sie eigentlich?
Was soll diese Frage? Ich bin aus Afragola.
- Donna Cecilia, haben Sie alles? - Ja, gleich.
Signora, Verzeihung, ich wüsste gern, was Sie gemeint haben mit diesem "Aaah"...
Ich habe nicht "Aaah" gesagt, sondern "Aah".
So war's nicht, es war ein "Aaah",
als ob Sie sagen wollten: "Ich kapiere." Nun, was haben Sie kapiert?
Nun, mir wurde klar, dass Sie aus Afragola sind.
Man kann sich seinen Geburtsort nicht aussuchen, aber Sie sind beleidigt.
Sie haben ein schlechtes Gewissen!
Ich habe kein schlechtes Gewissen!
Oh doch, das haben Sie!
Die Signora will mich provozieren.
Hören Sie auf, ich habe doch nur "Aaah" gesagt!
Sie wollen uns erzählen, welches Ragout das feinere ist.
Wir müssen wohl alle nach Afragola fahren, um dort die Finessen zu lernen!
Sie wollen Streit anfangen!
Signora, jetzt langt es, ich bin nervös genug!
Ich werde noch ausfallend.
- Und dann? - Vergesse ich, dass ich eine Dame bin,
nehme meinen Hut ab und stelle fest, wer hier wer ist!
Ich will nicht wissen, wer Sie sind!
Was soll das?
Ihr seid hier in einem Laden, ich werfe euch raus!
Sie streiten um Ragout.
- Um Ragout? - Da kommt doch sowieso alles rein.
Ich könnte Ihnen zeigen, wie man gutes Ragout macht!
Sie und mir was zeigen!
Ich bitte Sie, beruhigen Sie sich doch!
Don Peppino, Ihr Schwiegervater kommt.
Don Antonio, Sie sehen großartig aus.
Ich fühle mich schrecklich.
Kümmern Sie sich um diesen Signor!
Hallo, Nonno, da bist du ja!
Ja, genau dieser schwebte mir vor.
Verzeihung, ich würde gerne diesen Stoff sehen.
Ja, diesen.
Danke.
Diese Form könnte dir den beschwerlichen Weg Antonio Piscopos schildern.
Als ich als Lehrling in einem kleinen Laden in Mezzo Cannone anfing...
mit Erspartem nach Rattifilio kam,
um endlich, nach zehn Jahren, den Durchbruch zu schaffen.
Piscopo Antonio - Hutmacher.
Zwei Schaufenster...
Schon wieder die Familiengeschichte?
Erzähl sie uns in der Kutsche,
wenn wir in das neue Geschäft fahren!
Papa, willst du es dir nicht ansehen?
- Den Mantel von Papa. - Meine Kutsche steht draußen.
Es dauert nur fünf Minuten.
Kutscher, zuerst in die Via Calabritto, in das neue Geschäft meines Enkels.
- Rocco, hilf mir bitte! - Gib mir deine Hand!
- Warte, ich helfe dir! - Danke.
Also, wo war ich, der kleine Laden in der Via Mezzo Cannone...
Oh nein, das hatten wir schon...
1892 wurde von mir der Strohhut gesellschaftsfähig gemacht,
50 Centissimo kostete der Hut damals, in allerbester Qualität.
Er hatte links drei mit schwarzem Metall eingefasste Löcher,
für die Luftzirkulation.
Und er hatte eine schwarze Seidenkordel,
die im Knopfloch am Revers festgemacht wurde.
Kein Windstoß konnte den Hut entführen, er war immer griffbereit.
An Ostern trug jeder Neapolitaner einen Piscopo-Strohhut.
Hier, vor dem Toledo, wogte ein Meer von weißen Hüten.
Der Hut wird nie aus der Mode kommen.
Wenn es mir besser geht, kreiere ich den Kapo-Huto.
Eine neue Erfindung?
Eine Erfindung, die Aufsehen erregen wird.
Eine Kreation zwischen Kappe und Hut,
der Kapo-Huto.
Aber du erfährst nichts, weil du nur alles versaust,
- so wie du es bei Rocco gemacht hast. - Ich?
- Ja, du! - Und warum sollte ich das tun?
- Aus Eifersucht. - Dass ich nicht lache!
Eifersüchtig auf meinen Sohn!
- Ja, weil er schön und sympathisch ist. - Und auch tüchtig, worüber ich mich freue.
Aber sein Laden in der Via Calabritto geht dir gegen den Strich.
Kutscher, halten Sie sofort an!
So kannst du in Anwesenheit meines Sohnes nicht mit mir reden.
Nonno hat es sicher nicht böse gemeint.
Willst du Rocco einreden, ich hätte mich ins warme Nest gesetzt?
Seit meiner Heirat habe ich die Kundschaft verdoppelt.
Meine Stoffabteilung bringt bereits mehr Gewinn als alle Hüte.
Zum Glück weißt du das, Rocco.
Guten Tag!
Papa, komm zurück!
Besser nicht.
- Papa! - Heute ist nicht mein Tag.
Was hat er denn?
- Du hast ihn gekränkt... - Was hab ich gesagt?
Kutscher, fahren Sie!
Ich verstehe es nicht. Wir haben uns doch nur unterhalten.
Dann war also heute Mittag niemand zum Essen hier, Signora?
Papa ist bei Rocco im Geschäft. Sie werden irgendwo gegessen haben.
Und Signora Giulianella?
Ach, sei doch nicht so neugierig!
Sie ist in Neapel, mit Tante Meme.
Gib mir die Pfeffermühle!
- Was? - Die Pfeffermühle!
Wie? Was ist das?
Das Ding mit dem Pfeffer.
Ach, das Pfeffer-Ding!
Das Pfeffer-Ding.
Das Pfeffer-Ding... Martirio!
Madonna mia, gib mir Geduld!
Pfeffermühle. Hast du schon mal so ein blödes Wort gehört?
Feine Leute haben eine Pfeffermühle, andere streuen den Pfeffer mit der Hand.
Die Zwiebeln, na endlich!
Geschnetzeltes,
die Oberschale.
Oh, Cin Ci Là. Oh, Cin Ci Là.
Es isst dich auf, es verschlingt dich.
Quäl ruhig denjenigen, der dich liebt.
Deine Fesseln sind aus Blumen gemacht.
Oh, Cin Ci Là. Oh, Cin Ci Là.
Es isst dich auf, es verschlingt dich.
Quäl ruhig denjenigen, der dich liebt.
Deine Fesseln sind aus Blumen gemacht.
Das war ja unglaublich!
Die reinste Katastrophe!
Circa fünf Minuten Pause.
Nun die Dame, die vorsingen wollte, Signorina Priore?
Hier ist sie, sie ist schon da.
Bei wem habt ihr bloß tanzen gelernt?
Signorina, wo bleiben Sie denn?
Ich habe nur fünf Minuten Zeit.
Wie alt sind Sie?
Neunzehn, beinahe zwanzig.
Haben Sie Bühnenerfahrung?
- Nein. - Was wollen Sie vorsingen?
Wenn Sie nichts dagegen haben "Spesso a mori e piche".
Kennen Sie das?
Ja, Signore!
Dann hauen Sie rein!
Überhebliche Ziege, bleib ja weg vom Theater!
Warum? Ich bin Künstlerin.
Dass ich nicht lache! Der Sohn vom Direktor sagt, du könnest keinen Ton halten.
Du hast dich blamiert.
Die Probe hat nicht geklappt.
Für mich war es nur eine Probe.
Man probiert aus, ob etwas klappt oder nicht.
Wie bei einer Verlobung.
Das ist auch eine Probe.
Und jetzt sage ich dir,
unsere Probe hat nicht geklappt.
Leb wohl, Federico!
Finger weg vom Topf!
Köstlich!
Rosina, bügelst du mir mein Kostüm?
Dieses Pulcinella-Kostüm kann ich nicht mehr sehen!
Ich leg es auf den Stuhl.
Ich eile jetzt, meine Kollegen erwarten mich zu einer Probe im Theater.
Was hat Crocifissa für einen tollen Po!
Don Raffaele hat nur Unsinn im Kopf.
Wie bitte?
Wolltest du nicht wissen, was wir proben?
Aber mir war so... Du willst es doch wissen!
Auch gut, guten Abend.
Wie heißt es doch?
Pulcinella hält sogar die Buhrufe für Applaus.
Peppino, ich gehe ins Theater, zur Probe.
- Ich drücke Ihnen die Daumen. - Man dankt!
Und das ist ein Bankdirektor!
In dieser Familie sind alle verrückt!
Crocifissa! Crocifi!
Vergiss nicht die Käsedose! Mach sie ordentlich sauber!
- Hast du das Silber durchgesehen? - Hat sie.
- Ist die Käsedose sauber? - Crocifissa hat es längst gemacht.
Crocifissa hat immer alles bereits gemacht, aber nichts ordentlich!
- Guten Tag. - Guten Tag.
- Sind sie 12? - Sie sind 11!
Wir sind so viele wie immer, plus vier.
Also wie immer, plus vier.
Also... eins, zwei, drei, vier... also sind wir zehn!
- Wir sind 11. - Wir sind 12!
Wir sind 12!
Vier... fünf...
Wer kommt denn morgen?
Wer schon? Deine Schwiegertochter.
Was soll das? Sie ist nicht nur meine Schwiegertochter.
Leg nicht jedes Wort gleich auf die Waagschale!
Es kommt unser Sohn mit seiner Frau, die deine Schwiegertochter ist.
Besser?
Ja, ja. Schon gut.
Sie hat angerufen und gefragt:
"Mama, können wir Sonntag zum Mittagessen zu euch kommen?"
Wenn sie der Kocherei und der damit verbundenen Arbeit ausweichen kann,
blüht sie auf und ist glücklich.
Was redest du nur? Wir gehen doch auch oft zu ihnen.
Na und...
ich weiß, was ich weiß.
Davon abgesehen sehnt sich Roberto bestimmt nach Mamas Ragout.
Unsere Schwiegertochter kann da nicht mithalten.
Lächerlich! Roberto hat weiß Gott andere Dinge im Kopf als dein Ragout!
Und noch eines:
Maria Carolina kocht ausgezeichnet.
Sie kocht ausgezeichnet!
Dann sieht das anders aus!
Ich sehe nach dem Tisch.
Ist die Tischdecke sauber?
Ja, sie ist sauber.
Sie ist nur ein bisschen zerknittert.
Aber es wird schon gehen.
Passt auf!
Wer kommt sonst noch alles?
Professor Janniello und seine Frau.
Typisch! Da wartet man die ganze Woche,
um den Sonntag mit seiner Familie zu verbringen,
und dann sitzt Janniello an unserem Tisch!
- Was haben die beiden dir getan? - Nichts.
Ich kann sie nicht leiden.
Beide. Nicht nur einen von ihnen.
Das verstehe wer will. Vor drei Monaten hast du noch gefragt:
"Kommen die Janniellos?"
Du hast stundenlang mit ihm Karten gespielt.
Und nun ist er dir unsympathisch.
- So ist es. - Und warum?
Ich weiß es nicht.
Eine Antipathie ist wie der böse Blick.
Die Wissenschaft wird eines Tages wissen, warum jemand Unglück bringen
oder einem unsympathisch werden kann.
Ich brauche weder die Wissenschaft,
noch bin ich Launen unterworfen. Ich werde nie den Anstand vergessen.
Also hast du sie für morgen eingeladen.
Sie sind vorbeigekommen.
Seine Frau hat mir einen Schal mitgebracht, weil Türkis meine Lieblingsfarbe ist.
Ich habe ihr das Stück Oberschale gezeigt und...
Sie hat gesagt, dass dein Ragout einmalig sei,
und er hat mit seinem Geschwafel von der "Großen Mutter" angefangen
und dich mit ihr verglichen...
... und du hast sie eingeladen,
weil du vor Stolz und Seligkeit fast geplatzt bist.
Ich platze nicht vor Stolz und Seligkeit!
Wenn du noch ein Wort sagst,
nehme ich die Kasserolle mit dem Ragout und werfe alles aus dem Fenster!
- Signora, bitte! - Nein, Signora...
Du hast dich enorm verändert!
Du bist wie eine dieser Kasperpuppen in der Kiste.
Wenn man den Deckel leicht anhebt, springt sie einem sofort ins Gesicht.
Und du verschwendest Schmeicheleien an Leute, die es nicht wert sind.
Basta, Rosi, basta.
Ich will nicht streiten.
Warum hast du den Laden schon geschlossen?
Wieso? Wie spät ist es?
- Fünf Uhr. - Der Verkäufer ist zuverlässig.
Er ist zuverlässig?
Ach, was du nicht sagst!
Wegen des Geschäfts hatte ich heute mit deinem Vater Streit.
Ich habe mein Leben dafür geopfert.
Mir ist nun klar, dass es sinnlos ist, nur zu schuften.
Am Ende führt es zu nichts.
Dein Vater behauptet sogar, ich sei eifersüchtig auf meinen Sohn.
Du findest keine netten Worte mehr für mich,
und Rocco ist schrecklich hochnäsig.
Er hält den Laden für altmodisch und die Kunden für Trottel.
Ja, stell dir das vor.
Er wird sich wundern, wenn er seinen Laden aufmacht.
Und deshalb überlässt du den Laden dem Personal?
Ja, deshalb.
Und aus anderen Gründen.
Lass uns nicht davon reden.
Tu ich ja nicht.
Nein, die sind staubig. Sie müssen alle gespült werden.
Sie müssen glänzen! Wir geben ein großes Essen.
Na los, schnell, schnell!
Mamma mia, immer dasselbe, nichts macht man richtig.
Ich hab es satt, Rosi, satt bis obenhin.
Schluss, aus, Ende, mir langt's!
Und mir erst!
Rosi, aber wir haben drei Kinder.
Was du nicht sagst! Das ist mir ganz neu.
Ich verstehe.
Also gut, ich gehe. Ich brauche frische Luft.
Ich gehe spazieren.
In die Auslagen kommt Carusos Strohhut.
Eine schöne Idee, Nonno.
Peppi! Du hast dir was entgehen lassen!
Wir haben Federico den Laden gezeigt. Sag, wie er dir gefallen hat!
Er ist einmalig.
Warum bist du nicht gekommen?
- Das ist dir nicht klar geworden? - Nein.
Erst bringst du mich auf die Palme und dann vergisst du es!
- Komm mal, Papa! - Gern, ein andermal. Ja?
Auch gut.
- Was hat er? - Du hast in der Kutsche mit ihm diskutiert.
Und was hab ich gesagt?
Ach, Nonno!
Guten Abend, Mama.
Da bist du ja endlich.
- Was für ein Duft! - Dein Bart kratzt!
- Ich hab Federico für morgen eingeladen. - Ja, gut.
- Dann sind wir also 12. - Mit Herrn Federico sind wir 13.
Denn stellen wir einen Tisch an.
- Bitte machen Sie keine Umstände. - Keine Widerrede, du kommst.
Was Mama sagt, wird gemacht, kapiert?
Mama, Giulianella hat beim Theater vorgesungen und will Sängerin werden.
Ah, und?
Ich habe einen Wutanfall bekommen. Sie soll nicht auf die Bühne.
Warum? Giulianella hat eine gute Stimme.
Jesus! Sie waren eingeweiht?
Na klar. Tante Meme hat sie ja begleitet.
Federico hat Recht.
Ich hätte ihr auch eine verpasst. Was denkt sie sich?
Du hast sie geschlagen? Was fällt dir ein?
Ich möchte mich entschuldigen.
Das hoffe ich!
Finger weg, das gilt auch für dich!
Exzellent wie immer.
Hoffentlich besänftigt das Papa.
Er ist eingeschnappt.
Er war noch nicht im Laden.
Nonno und er hatten Streit und er hat sich verdrückt.
Ich fürchte, Nonno hat Recht.
Er sagt, Papa sei eifersüchtig.
Wenn ich mit dem Geschäft Erfolg habe,
wird er sich wie ein Versager vorkommen.
Was sagst du da über deinen Vater?
Was? Ich?
Ich warne dich! Dein Vater steht haushoch über dir.
Verstanden?
Mach, dass du rauskommst!
- Mama, du übertreibst. - Raus!
- Signora... - Du sei auch still!
Ich hab schon begriffen, Mama, heute kocht nicht nur das Ragout.
Sogar der Palazzo Fittipaldi ist eingestürzt.
- Mit so etwas muss man immer rechnen. - Guten Tag.
Don Peppino, was darf ich Ihnen bringen?
- Einen Strega. - Sofort.
Gestern Abend hat Professor Janniello zu mir gesagt:
"Vincenzi, die Erde zuckt hier seit vielen Jahrtausenden.
"Der Mensch ist der Natur gleichgültig.
"Wir sind für sie nichts anderes als Ameisen,
die man gleichgültig zerquetscht oder zertritt."
"Und niemand weint ihnen eine Träne nach."
Das waren seine Worte.
Begreifen Sie, wie philosophisch sie sind?
Wenn der Professor das sagt, muss es ja stimmen.
Lassen wir uns zerquetschen wie die Ameisen,
und decken wir uns mit philosophischem Geschwafel zu.
Aber was, wenn eine Ameise wütend wird? Nun ja, was ist dann?
- Guten Abend. - Guten Abend.
Eine Ameise wird wütend?
So ein Unsinn!
Guten Abend.
- Guten Abend. - Hier stinkt es nach Zwiebeln.
Das passt dir wohl nicht.
Mama, sei mir nicht böse, ich habe Kopfschmerzen.
Das liegt sicher am Hut, Nonno soll ihn weiten.
Martirio, gib mir etwas Glut dahinein!
- Auch noch Extrawünsche! - Das ist mein Hut.
Das geht jetzt nicht. Wir machen Minestrone, ich bin beschäftigt.
Es dauert nur fünf Minuten.
Don Antonio, machen Sie sich keine Mühe, der Hut passt wirklich.
Will er den Boiler reparieren?
Nein, er ist ein Freund von Rocco.
Dir muss man immer alles schriftlich geben.
- Hast du das gehört? - Papa!
Papa, man muss dir immer alles schriftlich geben.
Was für Manieren!
Hör schon auf! Der arme Kerl hat genug Probleme.
Und ich nicht?
Entschuldige dich bei Giulianella, sie ist in ihrem Zimmer.
- Stopp! - Warum?
Weißt du, was sich dieser junge Herr auf der Straße erlaubt hat?
Er hat die Beherrschung verloren. Er will sie ja um Verzeihung bitten.
Na geh schon. Aber Giulianella weiß, was sie will.
Ihr Verlobter hat andere Ansichten.
Weil ihr Verlobter ein Dummkopf ist.
Tante Meme, ich bin doch hier.
Das ist leider nicht zu übersehen.
Egal, wo du dich befindest, du bist und bleibst ein Flegel.
Entschuldige dich!
Mit Erlaubnis.
Was, was ist?
Attilio, was fällt dir ein?
Du weißt, dass du so etwas nicht essen darfst,
solange du Kolitis hast.
- Guten Abend. - Guten Abend.
Peppi, wir waren beim Doktor,
und er hat mich untersucht...
- Wie sagt man, Mama? - Gründlich.
Ja, gründlich.
Und er hat gesagt... was hat er gesagt, Mama?
Egal, du musst gesund werden.
- Das sind deine Tropfen... - Die Tropfen.
Die musst du nach dem Essen nehmen. Lass die Schachtel liegen!
- Das sind Tabletten... - Und was ist das?
Ampullen für Spritzen!
- Und wann bekomme ich die? - Wenn ich es sage. Lass sie liegen!
- Ich will das lesen. - Wozu willst du das?
Finger weg!
- Ist das alles für die Kolitis? - Genau.
Tun die Spritzen weh, Mama?
Hör auf mit der Fragerei!
Die Tropfen musst du nach den Mahlzeiten nehmen.
Hier steht die genaue Anzahl, viermal täglich...
Nimm deine Finger weg!
Das sind die Ampullen.
Ich gebe dir gleich die erste Spritze.
Mama, der Doktor hat gesagt, dass das wehtut.
Das hängt davon ab, wie man sie spritzt.
Mama hat dafür ein besonderes Händchen.
Du wirst ihn zu Tode pflegen wie damals deinen Mann.
- Mein Mann hatte... - Kolitis.
Du hast Kolitis, halt den Mund!
Er hatte...
Astesisklerosis.
Arteriosklerose.
Wenn er etwas sagte, hatte er es sofort wieder vergessen.
Er konnte sich nicht erinnern. Ich bekam die Schuld für alles.
Aber ich wusste genau, wie vertrottelt er war, total verkalkt.
Ja, nach den Jahren mit dir.
Ja, red du nur. Ich bezweifle nur, dass dir jemand zuhört.
Lass mich das machen!
Rosa, wo hast du die Spritze hingelegt?
In die Kommode im Vorzimmer.
- Los! - Gehen wir, geh!
Du bist so vertrottelt wie dein Vater.
Es ist atavistisch!
Du bist dumm. Es hat sich vererbt.
Giulianella, mach auf!
Giulianella, ich liebe dich. Giulianella.
Sag dieser Freundin von dir,
ich habe Schlaf und Phantasie verloren.
Ich denke nur an sie.
Sie ist mein ganzes Leben.
Ich möchte es ihr gerne sagen.
Aber ich weiß nicht wie.
Es ist eine Leidenschaft,
stärker als eine Kette,
die meine Seele quält.
Der Flegel in romantischer Pose!
Lies doch mal D'Annunzio!
Komm, geh schon!
Mach auf! Ich mache mich hier lächerlich.
- Guten Abend. - Guten Abend.
Was hab ich in der Tüte hier? Schnell, sagt es mir!
Keine Ahnung.
Immer machst du solche Spielchen.
- Meistens falle ich drauf rein. - Na und?
Don Peppino, was hab ich in der Tüte? Ratet schnell!
Ich habe mich noch nie für Ratespiele interessiert.
Wir haben kleine Oktopusse mitgebracht, weil Donna Rosa sie so mag.
Vielen Dank. Ich dünste sie mit Kapern und Oliven.
Mediterrane Kostbarkeiten, würdig der "Großen Mutter".
Ich, Ihr ergebener Diener, werden Ihnen helfen.
Eine Schürze bitte,
ein ehrenvoller Überwurf, den Opfern angemessen.
Kann ich helfen?
Ich fange sofort an, sonst macht meine Frau mir Vorhaltungen.
In zwei Minuten sind sie zum Kochen hergerichtet.
- Zeigen Sie uns Ihre Kochkunst! - Meine Kunst?
Donna Rosa, ich koche Ihnen ein Gericht aus Oktopus,
dass Ihnen Hören und Sehen vergeht!
Sie sind ausgezeichnet als Pulcinella.
Sagen Sie das nicht Ihrem Bruder!
Er glaubt, er sei der letzte Pulcinella.
Bei Ihrem Anblick wüsste er, dass er nur der vorletzte ist.
Don Peppino hat immer Scherze zur Hand.
Ja, trotzdem bringe ich meine Frau nie zum Lachen.
Aber Sie schon.
Der Duft des Ragouts umschmeichelt mich.
Darauf freue ich mich.
Peppi, sie haben eine Frau geheiratet, die vollkommen ist.
Eines der Geschöpfe, das alles vereint:
Demetra, Hestia und Aphrodite in einem.
Professor, und ich? Bin ich keine perfekte Frau?
Doch, du bist vollkommen, aber du bist meine Frau, da ist es selbstverständlich.
Lass mich fertig werden!
Komm und schau, Furturé!
Kleine, kleine Furturé.
Was sagst du? Was sagst du? Ich denke an dich Furturé.
Ich sterbe, ich sterbe, ich sterbe, ich sterbe...
Ich sterbe für dich!
Die Liebe mit dir ist wunderschön.
Oh, ah, ah, ich will dich immer wieder küssen.
Mein Professor.
Entschuldigen Sie mich!
Was haben Sie denn?
Ich ertrage den Fischgestank nicht.
Das nennen Sie Gestank?
Ich hatte einen schweren Tag, bin müde und gereizt.
Was halten Sie von einem Spielchen?
Es wird Sie sicher aufheitern.
Sie sind ein netter und gebildeter Mann,
aber Sie merken nie,
ob jemand zum Spaßen aufgelegt ist oder nicht.
Sie insistieren immer weiter, statt aufzuhören.
Aber ich...
Luigi wollte Sie bestimmt nicht zornig oder wütend machen.
Verzeihen Sie, Signora Elena, heute ist nicht mein Tag.
Wenn das so ist, gehen wir besser. Komm, Luigi!
Entschuldigen Sie uns!
- Verzeihen Sie! - Ich bitte Sie, Luigi ist oft aufdringlich.
Ich kann nichts dafür, das liegt an meinem Charakter.
Die Schürze.
Es tut mir nur leid,
dass Don Peppino heute schlechte Laune hat.
Aber das macht nichts, Don Peppi.
- Verzeihen Sie! - Morgen ist alles gut.
Also dann bis morgen, bis morgen.
- Bis morgen. - Bis morgen.
- Signora... - Du bist ja immer noch da!
Du machst mich noch wahnsinnig.
Wenn du gehen willst, geh! Wenn du bleiben willst, bleib!
- Na gut, ich gehe. - Dann geh!
Schon gut, verzeihen Sie!
Guten Abend.
Mist!
Findest du es richtig, so mit ihm umzuspringen?
Man höre sich das an! In diesem Fall hat Cavaliere Peppino
Skrupel.
Aber den Professor behandelst du wie den letzten Dreck.
Mit dir kann man nicht reden.
Was heißt das, mit mir kann man nicht reden?
Du weißt schon.
Nein, ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, dass mir alles, was ich in diesem Haus tue, sinnlos erscheint.
Begreifst du das, Don Peppino?
Ich will mich nicht mehr mit allem rumschlagen,
meine Geduld hat Grenzen!
Mein ganzes Leben stehe ich hier und schufte für die Familie!
Wie eine Putzfrau!
- Was ist los? - Was los ist?
Ich hab es gewagt, den Übermenschen Professor Janniello anzutasten!
Ich habe genug, mir reicht's.
Mich kriegen keine zehn Pferde mehr in diese Küche!
Ich habe in diesem Haus rein gar nichts zu sagen!
Seit drei Monaten
behandelt mich diese Frau wie den letzten Dreck.
- Meine Tochter mag Zwiebelgeruch nicht... - Hör sie dir an!
Mein Sohn hat keinen Respekt, mein Mann ist nie zu Hause,
das Geschäft ist ihm gleichgültig, und jetzt tobt er herum!
Eine Viper, sie ist eine giftige Viper!
Ich gehe, ich habe genug.
Ich gehe!
Euch werden die Augen schon noch aufgehen!
Das sage ich, Peppino Priore!
Das wird eine neue Tragödie für diese Familie!
SONNTAG
Na und?
- Sie sitzt perfekt! - Moment!
Don Antonio. Wohin gehen Sie?
Man muss den Sitz in der Bewegung prüfen. Sieh dir das an!
So sitzt er, und die Hose, die ist viel zu lang!
- Nein, sie sitzt perfekt. - Sitzt die Hose richtig?
- Sie muss genau richtig sein. - Sie ist perfekt!
Geht sie bis zur Hälfte des Absatzes?
- Ja, ganz genau! - Das Jackett,
fällt es glatt, aalglatt?
- Ja, locker, weich, elegant. - So muss es auch sein.
Und bitte mach mir hinten zwei englische Schlitze.
Zwei Schlitze?
Was gefällt dir daran nicht?
Als Sie sich entschlossen haben, nach Pozzuoli zu kommen,
obwohl Ihr Geschäft in Neapel war...
Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Du fängst immer bei Pontius Pilatus an! Sag schon!
Für uns in Pozzuoli war es eine Ehre.
Was hat das mit den englischen Schlitzen zu tun?
Ich verehre Sie.
Ja, ja.
Sag schon, was hast du gegen die englischen Schlitze?
Meinen Sie nicht auch, dass sie ein bisschen zu...
ein bisschen... nun...
zweideutig sind?
- Wieso? - Mit Verlaub.
Ich meine...
ein Zeichen für schwul sind.
Für schwul! Ich und schwul!
Ich, der größte Frauenheld von Neapel!
Eher bist du schwul! Dein Ruf war schon immer angeknackst!
Du bist ein Flegel und ein eitler Pfau!
Sie gehen zu weit! Ich habe eine Frau und acht Kinder.
Aber die Schlitze! Bitte ändern Sie Ihre Meinung.
DER HEILIGE KARL
Mama, mein Magen knurrt ununterbrochen.
Schönen Sonntag.
Schönen Sonntag!
Der Professor in Euphorie!
Der Sonntag ist für mich das Schönste. Jeden Montag freue ich mich auf Sonntag.
Meine Verehrung, Donna Rosa.
Sie sind ein Bild von einer Frau.
Hier, eine Cassata, die Sie so lieben!
Eine Cassata?
- Wie aufmerksam. - Ich bitte Sie.
Eines Abends im Cafe Mimose
sagte Donna Rosa, für eine Cassata könne sie zu Fuß nach Palermo gehen.
Und Sie haben daraufhin eine besorgt?
Ja, ja.
Stört es Sie, dass ich ein so gutes Gedächtnis habe?
Mich stört nur, dass Ihr Gedächtnis ansonsten lückenhaft ist.
Was hab ich vergessen?
Dass Donna Rosa einen Ehemann hat, und der bin ich.
- Und? - Hätten Sie mir davon erzählt,
hätte ich heute an Ihrer Stelle meiner Frau eine Cassata gekauft!
Sie wollen mich des Vergnügens berauben, Donna Rosa eine Freude zu bereiten.
Mögen Sie keine Cassata?
- Tempo, Tempo! - Die Signora kommt.
Wenn nicht alles fertig ist, gnade uns Gott!
Jeden Sonntag tun wir so, als feierten wir Ostern!
Heute ist Ostern? Wieso hat der Priester das Haus nicht gesegnet?
Nein, wir tun so, als sei Ostern. Mamma mia, erhalte mir meine Geduld!
- Was heißt das? - Frag nicht so dämlich!
Willst du sagen, dass ich vertrottelt bin?
Nein, nein, nur verkalkt!
- ... solchen Blödsinn redest. - Da sind sie!
Kommt rein, entschuldigt mich!
Giulianella, Tante Meme, bitte kümmert euch um die Gäste!
Es ist gedeckt.
Ja, ein festlich gedeckter Tisch! Wunderschön.
Legt eure Sachen ab!
Was sagt sie?
- Mama, kann ich irgendwie helfen? - Nein, wir sind schon zu dritt.
Die Maske hab ich einem alten Darsteller abgekauft.
- Ist sie schön? - Aber das ist ja das Irre!
Sie wurde nach einem Abdruck der Maske von Antonio Petito gefertigt.
- Mamma mia, sie muss wunderschön sein! - Ja. Wollen Sie sie sehen?
Nein. Ich möchte mit Donna Rosa sprechen.
Verzeihung.
Sie ist in der Küche, stör sie nicht!
Die Höhle der "Großen Mutter", der nährenden Liebe.
Ich sehe nur nach den Oktopussen.
Sie schwimmen in Sauce.
Darf ich eintreten und mir die Hände waschen?
- Ja, kommen Sie! - Danke.
- Ein Handtuch. - Ja.
Soll ich nicht doch helfen?
Komm doch mit ins Theater!
Onkel Raffaele, für dich wird schon serviert.
Und noch dazu von dir, was will ich mehr?
Wo ist das Essen für Attilio?
Signor, für Sie ist alles angerichtet.
Omelette ist auch schlecht für mich.
Aber solange Mama es nicht weiß, kann ich es mit Genuss aufessen!
Das ist doch verboten!
Du bekommst weder das Omelette,
noch den Salat, basta!
Nun lass ihn doch!
Du wirst erst Ruhe geben, wenn er vor Schwäche taumelt.
Das geht dich nichts an.
Bring ihm ein Stück Mozzarella,
und sechs Oliven, genau sechs, und ein Glas Wasser!
Jetzt geht's wieder los.
- Ich habe alles. - Man sehe sich die Mahlzeit an!
Sechs Oliven, Mozzarella, ein Glas Wasser, bitte sehr.
Sechs Oliven, ein Stück Mozzarella, ein Glas Wasser.
Ich habe Kolitis, Raffaele.
Sehr her, was passiert ist!
- Was ist? - Etwas Furchtbares.
Madonna mia. Wie schrecklich!
Man muss sie alle wegwerfen.
Was ist passiert?
Alles war umsonst.
Seht nur, was hier alles schwimmt.
Ein abgebranntes Streichholz,
eine Zigarettenkippe,
ein Stück Kohle,
und was seh ich da?
Eine abgerissene Ecke einer Postkarte, sogar mit Briefmarke!
Nein, das ist kein Zufall.
Das kam nicht zufällig zustande.
Ich habe diese Küche nicht betreten.
Hat Sie denn jemand angeklagt?
Oder waren Sie es doch?
Ich habe wirklich etwas anderes im Kopf.
Vielleicht war es ein Scherz.
Das wäre ein schlechter Scherz.
Es war sicher ein Versehen,
vielleicht ein Hausmädchen...
Darf ich? Ich werfe sie weg.
Das war kein Hausmädchen.
Ja, wenn nur eine Sache im Topf gewesen wäre,
aber er ist voller Müll,
und das schließt ein Versehen aus!
Was starrst du mich an? Denkst du, ich war es?
Bei einem von uns beiden tickt es nicht ganz richtig, aber nicht bei mir!
Willst du behaupten, dass ich es war?
- Ich habe sie nicht angesehen. - Ich auch nicht!
Es ist genug. Vielleicht war es eine andere Person,
die vielleicht nur einmal sehen wollte, wie...
- Wollen Sie sie sehen? - Wen?
Die Maske.
Ach, die Maske! Nichts sehnlicher als die!
Ich mache mich jetzt fertig.
Gut, aber pass auf dich auf.
Pulcinella sagt immer die Wahrheit.
- Darf ich ihm eine Frage stellen? - Ja.
Pulcinella, hat Don Peppi etwas gegen mich?
Spaß beiseite. Ich habe den Eindruck,
als hätte sich Don Peppino mir gegenüber verändert. Irre ich mich?
Nein, aber wenn Don Peppino seine Launen hat, ist er unerträglich.
In unserer Familie haben alle einen kleinen Tick.
Nehmen Sie mich. Ich bin Direktor der Banco di Napoli in Pozzuoli
und spiele den Pulcinella!
Das ist Dionysos, der sich in Bankmenschen eingeschlichen hat.
Sie haben sicher Nietzsche gelesen.
Dann kennen Sie den Unterschied zwischen apollinisch und dionysisch.
- Das ist mir entgangen. - Entgangen?
Zu Tisch!
Zu Tisch! Zu Tisch, bitte!
Ich mache mich frisch, ich komme gleich.
Zu Tisch!
Das Essen ist fertig. Kommt, setzt euch!
Ist das ein herrlicher Tisch!
Das ist der magische Augenblick des Rituals!
Wo ist Nonno?
Er will sich nicht setzen, solange Rocco nicht da ist.
Ich habe ihm Bescheid gesagt,
weil Donna Rosa mich gebeten hat.
- Rocco ist gekommen. - Guten Tag.
Darf ich Federico sagen, dass er kommen darf?
Wenn er kommt, esse ich bei "Mariolina".
Dann essen wir auch woanders, Nonno!
Ich gehe! Bitte versteh. Federico ist mein bester Freund.
Ich kann ihn in seinem Zustand nicht allein auf der Straße lassen.
Warum soll Federico nicht mit uns essen?
Er hatte Streit mit Giulianella.
Verdammt noch mal!
Rocco, geh und hol Federico!
Du bleibst, wo du bist!
Ich bin heute schon gereizt, also richtet euch danach.
- Da bin ich. - Na endlich!
Zu Tisch, zu Tisch!
Die Teller.
Und jetzt kommt das Ragout.
Na endlich! Herrlich!
Na komm!
Wie das duftet!
Der Teller ist für Elena.
Wie viel?
Danke, das genügt. Das reicht, danke.
Tante Meme.
Für mich nur wenig, Rosa. Ja, das genügt, gut.
Vielen Dank.
Ich liebe dieses Essen,
wenn es so knusprig gebraten und geschmort wurde.
- So recht, Professor? - Ja.
Noch ein bisschen?
Basta, danke.
- Giulianella... - Maria Carolina.
Der Teller ist für dich.
Habt ihr alle etwas?
Das ist für mich.
Ihr könnt jetzt nachfüllen.
Ja, ja.
- Sehr wohl. - Guten Appetit.
Guten Appetit.
Papa, nun setz dich auch.
Wenn Rocco da ist.
Madonna mia, Geduld!
Er hat wirklich nur Rocco im Kopf.
- Die Stummen beim Ragout. - Ah, Rocco!
Guten Tag!
Erst einen Kuss für Mama.
Ist sie nicht die Allerschönste von allen?
Federico, du sitzt neben Rocco!
- Danke. - Guten Tag.
Guten Appetit.
Rocco, würdest du mir einen Gefallen tun?
- Was? - Guten Appetit.
Ich esse lieber auf der Terrasse, in der frischen Luft.
Das verstehe ich nicht! Erst wollen Sie nicht ohne Rocco essen,
jetzt wollen Sie allein auf der Terrasse essen?
Erst jetzt kann ich mich in Ruhe raussetzen.
Lass sie doch in Ruhe!
Wenn ich einschlafen sollte, sei so lieb und bring mich in mein Zimmer!
Der Catiello weigert sich, in meine Jacke Schlitze zu machen.
Das ist doch unglaublich!
Ich werde mit ihm reden.
Hier will ich sitzen.
Hier, dein Teller, deine Gabel und deine Serviette!
Danke.
Und du? Isst du nichts?
Ich habe keinen Appetit.
Don Peppino, das ist unverzeihlich.
Das Ragout von Donna Rosa darf man nicht verschmähen.
Es ist ein Gedicht!
Stimmt. Heute ist es besonders gut.
Kompliment, Mama. Es ist fantastisch!
So, erledigt!
Schaaaf!
Pulcinella, Diener derer, denen er gefällt, und derer, denen er missfällt,
derer, die an ihn glauben, und derer, die dies nicht tun,
zerdrückt vor dieser vornehmen Gesellschaft
eine besonders große Zähre.
- Denn die Pflicht ruft! - Die Pflicht ruft...
Ist das der Commendatore?
Er folgt dem Ruf dieses wackeligen Tisches...
und... und...
Seid doch still!
... verführt und angezogen vom Duft des Ragouts der Donna Rosa,
das stärker ist als alles andere und für das man Kopf und Kragen riskiert.
Läutet die Glocken, schießt ab die Raketen,
umarmt euch die ganze Nacht!
Signore, Signora,
ich küsse die Hände und sage: Salute!
- Attilio, wir gehen! - Ja doch.
Das Ragout duftet!
Ich habe Hunger!
Ich auch.
Sechs Oliven, ein halber Mozzarella.
Raffaele, nimm die Kappe ab!
Hier, dein Hut. Und dein Mantel.
Mama, ich gehe!
Pass auf dich auf!
- Ein sehr sympathischer Mann. - Er blüht auf, wenn er spielen kann.
Giulianella, ich bitte dich vor allen um Verzeihung.
Mit einem Funken Anstand
wärst du nicht hergekommen, um dich lächerlich zu machen.
Giulianella...
Siehst du?
Aber Giulianella liebt dich doch. Lass ihr ein paar Tage Zeit!
Sie hat nun mal einen Dickkopf!
Aber wir wollen den Sonntag genießen.
Und du mach dir keine Sorgen!
Tante Meme, stimmt es, dass du ein Buch schreibst?
Hier genügt ein Niesen und alle kriegen es mit.
Handelt die Geschichte wirklich von einem Anwalt?
Ja, so ähnlich.
Verstehe. Von dem, der im zweiten Stock gewohnt hat!
Was gibt's da zu lachen?
Weil er über beide Ohren verliebt war.
Ja, Signore, er war sehr verliebt.
Gibt es einen Grund, dass man sich nicht in mich verlieben kann?
- Aber nein. - Finde ich auch.
Als ich mich in ihn verliebte,
ging ich auf der Stelle und nur um der Moral zu genügen
zu meinem Seligen. Ich sagte zu ihm:
"Salvatore, find dich damit ab, so ist es nun mal."
Er hat sofort alles begriffen.
Ich mag keine falschen Versprechungen
oder Lügen, nein!
Nein, alles muss offen und klar sein.
Wollt ihr wissen, wie der Titel meines Romans sein wird?
Ja, wie?
Er wird lauten:
"Ja, aber Mut gehört dazu!"
- Sehr gut. - Sehr schön!
Wahre Worte!
Man braucht Mut,
innere Klarheit und reine Gefühle. Anstelle von Heuchelei, Betrug,
Falschheit und Vertrauensmissbrauch.
Das ist das erste Mal, dass Sie reden,
seit wir bei Tisch sitzen. Endlich machen Sie den Mund auf.
Ja, aber nur, um Unsinn zu reden.
Martirio, Addolorata, bringt das Fleisch, die Pommes Frites
und den Salat!
Guten Appetit!
- Was ist los? - Fühlst du dich nicht wohl?
Nichts, bitte lasst euch nicht stören!
Aber wieso wollen Sie gehen?
Ich hab keinen Appetit.
Sie haben die Maccheroni nicht mal probiert,
um dem Ragout von Donna Rosa die Ehre zu erweisen.
Sie wollen sie doch nicht kränken.
Donna Rosa ist es egal, ob ich esse oder nicht.
Ihr ist nur wichtig, dass Sie essen.
Ich? Wieso denn ich?
Professor, Sie sind der Mittelpunkt, um den sich alles dreht!
Was redest du da?
Papa will damit doch nur sagen, dass Mama sehr gastfreundlich ist.
Ja, das stimmt. Donna Rosa ist die perfekte Gastgeberin schlechthin.
Professor, Sie sind besser still!
Jede Geduld hat mal ein Ende und meine ist fast erschöpft!
Was heißt hier Geduld?
Was hast du denn auszuhalten? Warum ist deine Geduld erschöpft?
Ich weiß schon, warum.
Aber nein, wir alle wollen es jetzt auch wissen!
Lassen wir das, Rosi! Lassen wir das!
Ich wollte gehen, damit es nicht so weit kommt!
Wir reden später. Jetzt ist der falsche Moment.
Wir haben nichts zu verbergen.
Red nur, ich höre dir zu! Alle dürfen zuhören, red!
Hier? Vor den Kindern?
Madonna, ob die Kinder da sind oder nicht! Was macht da den Unterschied?
Für diese Signora existiere ich nicht mehr.
Seit drei Monaten ist sie völlig verändert.
Sie behandelt mich wie Dreck.
Sie spricht kaum mit mir,
auf Fragen bekomme ich keine Antworten, alles, was ich tue, ist falsch.
Nichts an mir gefällt ihr.
Verschiedene Umstände zeigen mir,
dass unsere Beziehung ohne Gefühl und vergiftet ist!
- Was du nicht sagst! - Peppino, du übertreibst!
Oh nein!
Peppino ist noch nicht am Ende mit dem, was er sagen wollte.
Endlich begreifst du! Jetzt sieh, welch bittere Pille ich schlucken muss!
Das geht jedem so.
Es ist deine Sache,
wenn du dich wie Pulcinella aufführen musst.
Was ich auf dem Herzen habe, behalte ich für mich!
Wie edelmütig!
Tante Meme, wie ich dich schätze
und verehre.
Du hast Recht.
Wie klar und offen dein Leben verlaufen ist!
Und nun sieh sie dir an, meine Frau.
Parfümiert, mit Schmuck beladen,
sogar den Verlobungsring hat sie an,
und das Armband, das ich ihr zu Robertos Geburt gab.
Schäm dich!
Und dann dieser Schal, ein Geschenk des Professor Janniello!
Und ich Dummkopf
steh da und mach gute Miene zu diesen Machenschaften!
Ist Ihnen klar, was Sie gerade gesagt haben?
Nein, er ist verrückt, völlig verrückt.
Nur weil ich diesen Schal trage.
Das ist wirklich... unglaublich!
Luigi, wir gehen!
In diesem Moment können wir nicht gehen.
Die Anschuldigung ist zu gravierend, eine Freundschaft steht auf dem Spiel.
Don Peppino hat das Recht auf eine Antwort, und ich will sie ihm geben.
Weil es unerträglich ist, dass ein Mann wie er derartigen Unsinn redet.
Niemand von uns weiß,
wie lange er schon leidet
und sich herumquält.
Don Peppino, ich habe Sie von Herzen gern.
Genauso gern wie Donna Rosa.
Ich stehe Ihnen beiden mit der gleichen Zuneigung gegenüber.
Ich bitte Sie, diesen aufrichtigen Worten,
die von Herzen kommen, zu glauben.
Wenn nicht, dann kann ich es nicht ändern
und mich nur für den Fehler entschuldigen,
den ich unwissend provoziert habe.
Jetzt können wir gehen, Elena.
Nein. Nein!
Sie müssen bleiben. Setzen Sie sich!
Es gibt keinen Grund für Sie, mein Haus zu verlassen.
Professor! Bei der Madonna!
Die Madonna ist mein Zeuge und meine Kinder!
Giulianella, komm her!
Papa behauptet, Mama sei zu vertraut mit dem Professor.
Rocco, hast du jemals bemerkt, dass Mama und der Professor...
Nein, du musst gehen, nicht der Professor! Er ist unschuldig.
Meine Kinder wissen, wie ich bin und was ich denke.
Du weißt nichts, du weißt gar nichts.
Weder wie ich die Kinder aufgezogen, noch wie ich den Haushalt geführt habe!
Hier in diesen Möbeln
steckt die Kraft und die Gesundheit von Donna Rosa Priore.
Meine Gesundheit.
Wie oft habe ich mit meiner letzten Kraft diesen Boden gewischt,
damit er glänzt und glänzt?
So, so!
- Du bist verrückt geworden! - So!
Soll ich euch verraten, was ihm die Kinder wert waren?
Die Geburt von Roberto: Ein Armband!
Die von Rocco: Eine Goldkette!
Die von Giulianella: Eine Brillantbrosche! Dann nur noch Gleichgültigkeit,
Arroganz und Verachtung.
Ich habe genug von deiner Lieblosigkeit!
Verschwinde! Ich will dich nicht mehr sehen! Hier, hier!
Das ist Roberto!
Und das ist Rocco!
Und das ist Giulianella!
Ich brauche keinen Schmuck, um zu wissen, dass ich Kinder mit dir habe!
Nur vergiss nicht, dass du auch Kinder mit mir hast!
Hier, das ist unser Verlobungsring.
Hier, erinnere dich daran, was du mir im Casino Azzura
versprochen hast!
Roberto, wo bist du?
- Roberto, komm zu Mama! - Mama.
- Dass wir beide leben, ist ein Wunder. - Mama.
Verdammt noch mal!
Hilf mir!
Mama ist in Ohnmacht gefallen.
Mein Gott, was habe ich getan!
Rocco, hilf mir,
wir müssen sie ins Bett bringen!
Vorsichtig, macht die Tür auf!
Geh zu deinem Vater!
- Sie ist immer noch ohnmächtig. Was nun? - Eine Zeitung.
Welche Apotheke hat Sonntagsdienst?
Verzeihung! Ich brauche die Spritze.
- Die Apotheke Boniauto ist offen. - Was sollen wir kaufen?
- Moment mal. - Ich gehe in die Puteolani!
- Gut, dann gehst du in die andere! - Was sollen wir kaufen?
Ihr kauft Baldrian, Fingerhuttropfen und Laudanum.
Ihr kümmert euch um Donna Rosa und ich hole den Doktor!
Endlich, Rosi!
Da bist du ja, meine Schöne!
Das ist meine Tochter Rosina und Cavaliere Pezzulo, ihr Verlobter.
- Zeigst du uns deinen neuen Hut? - Ja, ich zeige Ihnen die Neuheit.
Signorina Rosa.
Sag einfach nur Rosa!
Aber Sie sind doch verlobt.
Das bedeutet doch gar nichts.
Auch ich bin gebunden.
Ich habe der Witwe Pasquarelli mein Wort gegeben.
Das bedeutet alles gar nichts.
Wer ist da? Wer?
Ich habe nicht verstanden. Wer?
- Ist Papa da? - Nein, ich bin allein, ich mache Inventur.
Dann mach auf, nun mach schon auf!
Aufmachen, ich, ja...
Rosina, du machst mich ganz verrückt.
Was soll daraus werden?
Die Witwe ist mir völlig gleichgültig.
Überleg es dir gut!
Denn ich kann dich nicht heiraten.
Nein, das geht nur mich was an.
Peppi, was für ein Gesicht! Was ist denn los?
Die Witwe weiß alles von uns.
- Na und? - Sie will alles deinem Vater sagen.
Und dann?
Und... dann... habe ich Angst, dass...
Ich verstehe, alles war nur Spaß. Macht nichts.
Wir hatten Spaß, lassen wir's dabei.
Aber wie ist es nur möglich,
dass du dich mit mir eingelassen hast,
so ohne Weiteres?
Du hast gar nichts gegessen. Iss was!
Fällt dir nicht auf, wie schön das Lied ist?
Rosi, weißt du das Neueste?
Du musst meine Frau werden.
Sei vorsichtig, damit hast du mir gerade dein Wort gegeben.
MONTAG
Ciao, Brutus!
He, schlafende Mumien!
Was machen die hier?
Komm, wir gehen auf die Veranda!
Siehst du, ich habe es gesagt, das ist die schönste Stunde in diesem Haus.
Sei leise! Wir sehen gleich, wie die Sonne aufgeht. Komm mit!
Was machen die hier?
Komm!
Die haben wohl vergessen, das Licht auszuschalten.
Du hast gerade das Licht ausgeschaltet.
Ich wollte es einschalten.
Ich habe entdeckt, dass auf der Veranda Roberto und seine Frau schlafen.
- Warum tun sie das nicht zu Hause? - Weil sie viel zu lange auf waren.
Bleib sitzen, Meme! Ich gehe sowieso wie jeden Morgen auf die Veranda.
- Und aus welchem Grund? - Nur um die Sonne zu begrüßen.
Wie geht's?
- Papa, na endlich! - Peppi, da bist du ja!
Papa, warst du die ganze Nacht weg?
- Meme, gibt es was Neues? - Nichts, es geht ihr leidlich.
Hat sie noch Fieber?
Der Doktor spricht von einer Nervenkrise.
- Was ist geschehen? - Nichts, nichts.
- Ihr Arm? - Sie kann ihn ganz gut bewegen.
Und wenn sie nicht daran denkt, kann sie auch sehr gut sprechen.
Das klingt, als würde Mama sich anstellen. Es ging ihr aber schlecht.
Natürlich steckt keine böse Absicht dahinter.
Darf man endlich erfahren, was gestern passiert ist?
- Wollen Sie nicht eine Tasse Kaffee? - Nein, später vielleicht.
Raffaele, die Aufführung gestern Abend hat mir überhaupt nicht gefallen.
Gut, aber dir gefällt ja gar nichts.
Addolorata, eine Scheibe Fleisch für den Commendatore!
- Möchten Sie etwas Fleisch haben? - Ja, danke.
- Das Fleisch ist besser als Kaffee. - Marti, kann ich etwas haben?
- Aber ja. - Gestern habe ich wenig runterbekommen.
Darf ich erfahren, was geschehen ist?
- Sag doch jemand, was hier passiert ist! - Nein!
Was geschehen ist? Ich habe den Pulcinella gespielt.
Hoffentlich ist es dir gelungen, jemanden zum Lachen zu bringen.
Denn bei Raffaele gestern Abend hat nicht ein Mensch gelacht.
Frechheit! Du bist ganz schön unverschämt!
Peppi, nimm dir aus der Schüssel ein Stück Fleisch!
Du hast gestern nichts gegessen. Gib mir einen Teller für ihn!
Mama hat so liebevoll gekocht. Den ganzen Samstag war sie in der Küche.
Giulianella, um Gottes willen! Streu nicht noch Salz in meine Wunden!
- Jesus, Josef... - Und Heilige Maria.
- Guten Tag, Papa. - Jetzt kommst du auch noch! Ich gehe.
Dabei wollte ich die Sonne aufgehen sehen, aber... gehen wir!
Nonnerie, da draußen warst du also!
Nirgendwo hat man seine Ruhe, ich gehe auf mein Zimmer.
Wenn er mir nicht so leid tun würde, hätte ich ihm am liebsten eine gescheuert.
- Komm, Zeit für deine Spritze! - Lass deine Wut nicht an mir aus!
Das letzte Mal war es eher ein Dolchstoß als eine Spritze.
- Komm! - Ich konnte nicht mehr sitzen.
Stell dich nicht so an! Hose runter!
Ich schäme mich so, Giulianella, vor allem vor euch.
Vor Kindern sollten sich solche Szenen nicht abspielen.
Verzeih, wenn ich dich unterbreche!
Du und Mama wirkten ein bisschen lächerlich.
Hör zu, ich will dir verraten, warum Mama in letzter Zeit so gereizt war!
Wart ihr nicht vor drei Monaten bei Roberto essen?
Ich weiß nicht mehr.
Dann weißt du auch nicht mehr, was Maria Carolina gekocht hatte?
Nein, keine Ahnung.
Und weißt du, warum ich es weiß?
Weil Mama es mir gesagt hat.
Sie hatte Maccheroni alla Siciliana mit gebratenen Auberginen gemacht.
Maria Carolina kocht sehr gut, ausgezeichnet. Aber was soll das?
Mama war sehr wütend, als sie nach Hause kam.
- Mama, was hast du denn? - Nein, nein, so nicht!
Mach die Tür zu!
Papa wartet unten auf dich.
- Was ist los? - Ich will allein sein!
Geh, sie warten auf dich! Sag ihnen, dass ich müde bin!
- Aber sag nicht, dass ich... - Ich kann dich so nicht allein lasen.
Geh, aber sag ihnen nichts! Geh endlich, geh!
Mama fühlt sich nicht wohl. Ich bleibe lieber bei ihr, geht ohne mich.
Aber dann musst du auf Fred Astaire verzichten!
Ist schon gut, das macht nichts!
Mama, was ist passiert?
- Zwei Teller hat er gegessen. - Zwei Teller wovon?
Maccheroni alla Siciliana, und dann hat er Komplimente verteilt.
- An wen? - An Maria Carolina.
Er tönte, noch nie hätte er so gute Maccheroni alla Siciliana gegessen.
Sie soll in unser Haus kommen und sie dort für uns alle zubereiten!
So eine Kränkung ist mir noch nie widerfahren!
Mama, beruhige dich!
- Das bedeutet gar nichts. - Das bedeutet nichts!
Meine Schwiegertochter soll mir sagen, wie man Maccheroni alla Siciliana macht?
Und wenn ich für ihn koche, lehnt er es schon beim Anschauen ab.
Nicht einmal sagt er: "Heute habe ich gut gegessen, brava, Rosi."
Jetzt reicht es mir! Er hat mein ganzes Leben zerstört!
Du denkst, ich bin blöd! Du bist blöd, weil du nichts begreifst!
Es geht nicht um die Maccheroni! Er begreift nicht, was ich alles für ihn tue.
Die ganze Liebe, unsere Liebe...
Alles war umsonst!
Ist es wahr, dass sie wegen der Maccheroni nicht mehr mit mir geredet hat?
Ja, damals hat Mama stundenlang geheult.
Erzähl ihr nie, was ich dir gesagt habe!
Nein. Gib mir einen Kuss!
Don Peppino bittet uns herunterzukommen,
vielleicht wegen der Szene vom Sonntag.
Ich war sehr bewegt.
Mein Gott, Luigi, wie bist du blass und nervös!
Du wirst noch krank wegen der Familie Priore, basta.
Solche Sachen machen mich verlegen und sind mir peinlich.
Sie wollten uns sprechen.
Ja, Professor. Donna Elena.
Hier sind alle versammelt, die gestern dabei waren.
Nur meine Frau fehlt. Entschuldigung, aber der Doktor ist gerade bei ihr.
Bitte hört mir alle zu!
Der Professor ist ein Gentleman, und ich bin ein Wahnsinniger.
Ich habe meinen Verstand verloren.
Don Peppino, ich bitte Sie!
Nein, Professor!
Ich habe meine Frau, Sie, Ihre Frau, meine ganze Familie mit Schmutz beworfen.
Ich bin keinen Schuss Pulver wert.
Und wenn Sie mich hier vor meinen Kindern ohrfeigen wollen,
werde ich niederknien und Ihre Hand küssen.
Von wegen Schmutz! Übertreib nicht so!
Entschuldigen Sie sich nicht. Geben Sie mir die Hand, alles ist vergessen!
Don Peppino, es ist wirklich nicht der Rede wert.
- Nein. - Wenn dann alles klar ist.
Keiner packt mich am Kragen und sagt mir, wie lächerlich ich war?
Ihre Hand, Don Peppi, Ihre Hand!
Von ganzem Herzen.
- Was ist hier los? - Was ist passiert?
Hat das Haus Risse?
- Geht Sie nichts an! - Frechheit, die Straße zu versperren!
- Los, los! - Überhaupt keine Manieren!
Ich habe aber noch etwas auf dem Herzen, das mich sehr belastet.
Macht das unter euch aus! Ich bin spät dran und muss mich beeilen.
- Gehen wir! Ciao. - Bis bald, ciao.
Ich muss den Laden aufschließen.
Ich gehe auch. Don Peppino, geben Sie Donna Rosa einen Kuss!
Danke, danke.
Papa, ich muss auch gehen. Denk dran: Maccheroni alla Siciliana!
- Guten Tag. - Ciao.
- Professor, gehen wir ein Stück! - Ja, gern.
- Don Peppino, ich... - Professor, gehen wir ans Meer!
- Ans Meer? - Professor, ich brauche das Meer.
Kommen Sie!
Don Peppino, nun ist die Straße zu Ende.
- Professor, kommen Sie her! - Was wollen Sie mir sagen?
- Ich möchte Sie küssen. - Lassen Sie das!
Professor, erst küsse ich Sie und dann sage ich Ihnen, was ich sagen wollte.
Reden Sie!
- Nun? - Professor...
- Sehen Sie die Pistole? - Nein, nein.
Professor, ich wollte Sie gestern erschießen.
- Was reden Sie da? - Es stimmt.
Wegen einem Missverständnis,
einer Wahnvorstellung, die immer konkretere Formen annahm,
wäre der eine im Gefängnis und der andere auf dem Friedhof!
Am besten vergessen wir das jetzt alles.
Das Ganze ist unheimlich.
- Bitte werfen Sie sie weg. - Ich fasse sie nicht mal an.
- Bitte. - Ich weigere mich, das übernehmen Sie.
Es ist vorbei. Es war nicht Ihre Schuld.
Kennen Sie den Unterschied zwischen apollinisch und dionysisch?
Was? Apollinisch und dionysisch?
Apollo und Dionysos stehen hinter jedem menschlichen Handeln.
Sie meinen das Gute und das Böse?
Nein, das Prinzip der Harmonie und das Gegenteil, die Zügellosigkeit.
Jeder Neapolitaner trägt beides in sich, mal überwiegt das eine, mal das andere.
Es gibt Momente, in denen wir von Gott erfüllt sind.
Don Peppi, gestern waren Sie von Dionysos beherrscht, es war Dionysos.
- Nein, Professor, das war ich. - Nein, das war Dionysos.
Der Gott der Ausschweifung, der aus dem Orient in unser Land der Vulkane kam.
Professor, Sie lesen zu viele Bücher.
Sie müssen mir etwas versprechen. Nächsten Sonntag verbringen Sie mit uns.
Nein, nicht den Sonntag. Das ist ein zu gefährlicher Tag.
Sie haben Recht.
Dann machen wir es so: Ich rufe Sie an.
Und wenn Sie und Ihre Frau zu Hause sind,
dann essen Sie mit uns.
Eigentlich wollten wir aufs Land fahren, aber wir werden sehen.
Kommen Sie.
- Soll ich aufmachen? - Nein, es geht schon.
Langsam, langsam. Kommen Sie.
- Es ist nichts. - Nein, ich bin sehr schwach.
Ich fühle mich ganz elend.
Wir helfen Ihnen.
Noch ein paar Schritte, dann sind wir auf der Veranda.
Und dann brauchen Sie nur noch Ihre Wünsche kundzutun und alles ist gut.
Entschuldigung, Signora. Kommen Sie.
Mir fehlt die Kraft.
In ein paar Tagen haben Sie wieder Ihre alte Energie.
Die Teller, die Bestecke, alles müsste längst weggeräumt sein.
Wir machen es schon, Rosi.
- Ist egal. Donna Rosa ist am Ende. - Übertreib nicht so.
Du hast sieben Leben, wie eine Katze.
- Mama meint, dass dir gar nichts fehlt. - Halt du doch den Mund.
Ich kenne meinen Zustand ganz genau.
- Selbst das Haus ist mir nun fremd. - Hör endlich auf!
- Doktor, geben Sie mir das Kissen. - Ja, sofort.
- Langsam. - So ist es gut.
Legen Sie sich zurück, Signora.
So, nun brauchen Sie nur noch Ihre Wünsche zu äußern.
- Ich muss jetzt gehen. - Ich begleite Sie.
Nicht nötig. Ich muss noch drei Besuche machen und bin spät dran.
Wie gesagt, sie soll die Tropfen alle drei Stunden nehmen.
- Guten Tag. - Keine Sorge.
Es ist nichts, in ein paar Tagen ist alles vorbei.
Das ist nicht meiner.
Doch, das ist Ihr Hut. Don Antonio hat ihn aufgebügelt.
- Gebügelt? - Ja.
Wie neu.
Ciao.
Mach dir keine Sorgen. Mama hat gesagt, dass ihr nichts fehlt.
Wem hat Mama das gesagt?
Mir? Du hast gesagt, es sei nur eine Nervenkrise,
weil sie älter ist als Don Peppi.
Du Grünschnabel, du glaubst wohl, dass du Mama bloßstellen kannst!
Einen dümmeren Schwätzer als dich gibt es nicht.
Warum? Er sagt doch die Wahrheit.
Was soll das? Musst du auch damit anfangen?
Komm. Du bekommst eine schöne Spritze.
- Wieder ein Dolchstoß! - Komm.
Wie fühlst du dich?
Ganz gut.
Rosi, ich möchte mir dir sprechen.
Hat das nicht noch Zeit?
Ich kann nicht länger warten, selbst wenn ich es möchte.
Rosi, ein Kloß schnürt mir die Kehle zu.
Er löst sich erst, wenn ich mit dir sprechen kann.
Ich hab mich vor allen beim Professor entschuldigt, aber das reicht nicht.
Wie konntest du mich nur so beschuldigen?
Wie konntest du nur eine solche Szene machen?
Aus Eifersucht, Rosina, aus Eifersucht.
Diese Eifersucht hat mich so verzehrt, dass ich nicht mehr schlafen konnte.
Ich irrte durch die Straßen und führte Selbstgespräche.
Was gibt diesem kuriosen Typ das Recht, sich so meiner Rosi zu nähern?
Er lässt keine Gelegenheit aus, mich zu demütigen.
Er erinnert sich an wichtige Daten, an ihre Vorlieben für Süßes, Blumen,
Stoffe und Farben.
"Ich liebe Pfingstrosen.",
das hast du bei einem Gespräch im Februar mal ganz beiläufig erwähnt.
Und drei Monate später kam dieser Kerl daher und überreichte dir Pfingstrosen.
Ich erinnere mich mit Bitterkeit an den 2. November, du auch?
Du hast mir eine Packung Nugat unter die Nase gehalten:
"Wie nett vom Professor. Er hat sich daran erinnert, dass ich Nugat mag."
Und ich hab den Nugat, den ich dir gekauft hatte, versteckt und dir nicht gezeigt.
Dann habe ich gedacht:
"Wünsche, die meine Frau hat, äußert sie nur dann, wenn dieser Kerl anwesend ist.
Also will sie damit die Aufmerksamkeit dieses Signore erregen."
Ich war so verzweifelt und unglücklich,
dass ich mich im Geschäft eingeschlossen und geweint habe.
Jesus.
Rasende Eifersucht, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünschen würde.
Dio, das ist doch nicht möglich!
Solche Eifersucht wegen mir.
Peppi, du bist 46, und ich bin jetzt 50.
Da soll der Professor mir nachlaufen?
Rosina, du bist noch immer eine schöne Frau.
Er hat dich mit Aufmerksamkeit überhäuft!
Der Professor ist ein wahrer Gentleman.
Seine Aufmerksamkeiten sind auch ein Zeichen seiner Freundschaft für dich.
Ja, deinen Ohren ist nicht eines seiner köstlichen Worte entgangen.
Selbst wenn er dumme Witze erzählte, hast du dich vor Lachen geschüttelt.
Sieh einer an!
Wenn ich einen Witz erzählte, sagtest du:
"Den hat mir schon Rocco erzählt."
Oder: "Verzeih, ich habe die Pointe verpasst."
Der Professor ist ein Gast, da muss ich ihm besser zuhören, wenn er spricht.
Aber wenn er anfing, von der "Großen Mutter"
und den alten Griechen und Römern zu erzählen,
habe ich an etwas anderes gedacht.
Aus Egoismus, denn ich habe nichts begriffen.
Nein, Rosi, nein, ich bilde mir nichts ein.
Seit drei Monaten bist du mir gegenüber anders,
bis zu dem Punkt, an dem du keinerlei Interesse mehr an mir zeigtest.
Du hast mir kein Hemd oder Taschentuch mehr bereitgelegt.
Du hast mir nicht mehr nachgesehen, wenn ich das Haus verließ.
Rosi, und seit drei Monaten
verweigerst du dich mir.
Ich darf dir weder zu nahe kommen noch dich berühren.
Ich habe deine Ablehnung deutlich zu spüren bekommen.
Es war keine Ablehnung.
Aber ich hatte das Gefühl, dass nichts, was ich hier tue,
von dir beachtet oder anerkannt wird.
Komm, du hast mich auch ganz schön arrogant behandelt.
Anscheinend haben wir uns beide geirrt, sowohl du als auch ich.
Aber daraus zu schließen, dass ich und der Professor...
Peppino, komm her!
Komm her! Setz dich zu mir!
Du warst schon immer verrückt.
Ich?
Ja, gerade das ist ein großer Reiz.
Glaubst du, dass ich nach allem, was zwischen uns war,
nach den Opfern, dem Verdruss, den Auseinandersetzungen
und drei Kindern, jetzt im Alter wegen diesem Professor den Kopf verliere?
Nun, darüber haben wir ja schon gesprochen.
Alles war nur dumme Einbildung.
Aber du hast es vermutet und das war sehr hässlich.
Wag es nie wieder, solche Gedanken zu haben!
Es gibt nur einen Mann für mich. Dich.
Ich habe mir nie viel aus verliebten Männern gemacht, erst recht nicht, wo ich alt bin.
Soll ich dir sagen, warum ich mich so verhalten habe?
Warum ich dir keine Hemden mehr herausgelegt habe
und keine Taschentücher? Hat es dich gestört?
Ja sicher.
Na sicher, denn,
wenn eine Frau ihrem Mann seine persönlichen Dinge hinlegt,
ist es so, als würde sie ohne Worte sagen:
"Deine Wäsche darf nur meine Hand berühren,
weil ich dich genauso lieb habe
wie du mich."
Ich habe damit aufgehört, um dich zu ärgern.
Und wenn du fragst: Warum?
So weiß ich keine Antwort darauf.
Der Grund war unbedeutend
und doch sehr wichtig.
Ich habe mich aus dem gleichen Grund
nicht mehr um deine Wäsche gekümmert, aus dem ich es vorher getan habe.
Weil ich dich liebe, Peppi.
Und du sagst, dass du nicht schön bist.
Du hast deine Augen nicht gesehen,
als du sagtest, dass du mich liebst.
Wie sollte ich nicht eifersüchtig sein?
Wenn ein anderer dich so sieht wie ich!
Du bist schöner als vor 20 Jahren.
Und du bist noch immer ein schöner Mann.
Ich?
Besonders heute mit deinem Gesicht.
Du schmeichelst. Ich sehe doch schon fast so alt aus wie der Professor.
Wie kannst du dich mit ihm vergleichen?
Er könnte dein Nonno sein.
Peppino, komm her!
Was soll diese unverschämte...
Herumschnüffelei? Verschwindet, an die Arbeit!
Sie konnten doch noch nie ohne einander atmen.
Hört auf mit diesen Vertraulichkeiten! Kümmert euch um euch!
Sie haben kein Gefühl, solche Momente sind herzerweichend.
Ich muss es wissen, mal sehen!
Sie sind weg.
- Sie sind gegangen. - Sie sind ins Schlafzimmer gegangen.
Wie schön, wie schön!
Wohin wollt ihr? Wohin geht ihr?
Oh, diese alten lüsternen Hexen!
Was fällt euch ein?
Sie wollen allein sein, um miteinander zu reden.
- Ja, um zu reden. - Ja, miteinander.
Man höre sich diese alten Schachteln an!
Sie erinnern sich ja immer noch daran.
Madonna mia, verzeih ihnen!
Rosi, sieh dich an, Rosi!
- Sieh hin! - Ich will nicht!
- Sieh dich an! - Was machst du da?
Sieh, wie schön du bist!
Du bist wirklich eine Rose.
Was machst du nur?
Rosi, du bist wie eine herrliche Tanne.
Da soll ich nicht eifersüchtig sein?
- Was machst du? - Bleib, Rosi, bleib hier!
- Bleib hier! - Ich geniere mich.
Komm her zu mir, Rosina!
- Nein, das nicht! - Warum nicht?
Seit drei Monaten haben wir nicht...
Man wird uns hören. Was machst du?
Was ich mache, Rosi?
- Ja, gut. Die Tür, die Tür. - Die Tür?
Ist die Mama bei dir?
Sie muss mir meine Spritze geben. Weißt du, wo die Spritze ist?
Wo steckt denn meine Mama? Weißt du das?
- Ich weiß es nicht. - Hier ist keine Mama! Verschwinde!
Was hast du da an?
Den Schal, warum?
Leg sofort den Schal ab!
- Dann zieh den Vorhang zu! - Leg sofort den Schal ab!
- Zieh den Vorhang zu! - Und du legst den Schal weg!
Hier.
Was ist das?
Die Medikamente. Mach das Licht aus!
- Wirf das Zeug aus dem Bett! - Lass mich los und warte einen Moment!
So.
Ich schäme mich, mach das Licht aus!
Wenn du dich schämst, mache ich die Augen zu
und lasse das Licht an.
Ich geniere mich, wenn du mich so ansiehst.
- Immer noch? - Ja.
- Mach das Licht aus! - Aber zur Liebe gehören auch die Augen.
Still, mach es aus!
Was ist das?
- Was ist das? - Ich war es nicht.
Es scheint sich alles zu drehen.
Die Wand, dort!
Ein See- oder Erdbeben. Wir verlassen unser Bett nicht.
Komm zu mir! Mach das Licht aus!
Mach das Licht aus!
Es ist zu gefährlich.
Es ist herrlich, mit dir zu schlafen.
Jesus, ist es gefährlich?
Würdest du mir einen Gefallen tun?
- Aber es muss nicht gleich sein. - Nämlich?
- Darf ich Licht machen? - Aber ja.
Ich habe einen Wunsch.
Machst du mir bitte
einen großen Teller Maccheroni alla Siciliana mit gebratenen Auberginen?
Maccheroni alla Siciliana?
Die sind nicht meine Stärke. Maria Carolina macht sie ausgezeichnet.
- Sie macht sie sehr gut. - Sie kocht Maccheroni alla Siciliana gut?
Das weißt du genau. Es ist erst drei oder vier Monate her,
dass wir bei ihr zum Essen waren. Das letzte Mal, weißt du noch?
Du hast zwei Teller gegessen, das weißt du doch ganz genau.
Ach wirklich?
Vielleicht hatte ich Appetit.
Und deine Maccheroni alla Siciliana sind besser als die von Carolina.
Jesus! War er die ganze Zeit im Zimmer?
Er erzählt es bestimmt nicht weiter!
Er ist blind und taub.
Er ist älter als Papa.
Die Feuerwehrleute sind noch da.
Warum kommen sie nicht herunter?
Sie haben anderes im Sinn.
Sie lassen sich nicht stören, und wenn es noch so wackelt.
- Egal, was passiert, sie merken nichts. - Sie haben genug zu tun.
- Signore! Er hört nicht zu. - Signore!
- Was sollen wir tun? - Wir stehen schon seit drei Stunden hier.
Verehrte Signora. Die "Große Mutter" hat sich gereckt und gestreckt.
Sie wird ihre Balance bald wieder finden.
Hoffentlich wackelt sie nicht noch mit dem Popo!
Rosina, sag mir noch eines!
Als du gestern in deiner Wut Roberto umarmt hast,
sagtest du: "Roberto, du und ich leben nur durch ein Wunder."
Was heißt das? Was hast du mit dem Wort Wunder gemeint?
Erinnerst du dich an unsere erste Begegnung?
Als ich mit meinem Verlobten in den Laden kam.
Cavaliere Pezzullo.
Und da war die Witwe.
- Deine Verlobte. - Ja, die Witwe.
Die Witwe. Sie war reich, schön und jünger als ich.
Mamma mia! Eine tolle Person! Sie hat mir die Hölle bereitet,
denn ich hatte sie kompromittiert.
Du hast ihr die Wahrheit gesagt. Das hat mir imponiert.
Ich habe mich auf Sie verlassen.
Sollen wir jetzt räumen oder nicht?
Ich kann wie Sie nur abwarten.
Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?
Ich trage hier die Verantwortung.
Feuerwehrmann, los!
Gehen Sie da hoch!
Und dann waren wir zum Essen im Casino Azzura in Torre del Greco
und du wolltest mich verlassen, weil die Witwe von uns beiden wusste.
Doch da war etwas, was ich dir nie gesagt hatte.
Ich war schwanger mit Roberto.
Du warst schwanger?
Ich dache, Roberto sei ein Siebenmonatskind.
Eine Frühgeburt.
Und du hast nichts gesagt. Und wenn ich dich für die Witwe verlassen hätte?
Dann wäre ich auf den Balkon gegangen und gesprungen.
Und der Verrückte bin ich, ja?
Wäre es nicht leichter gewesen, die Wahrheit zu sagen?
"Ich bin schwanger."
Dann hättest du mich nur geheiratet, weil ich ein Kind erwartete.
Und im Haus wäre ich dir auch nie aufgefallen,
ob ich dir dein Hemd bereit lege oder nicht.
Aber vielleicht hätte ich es sowieso auch nie getan!
Ich liebe dich so sehr, Rosina.
Ich dich auch!
Signora Priore!
Die Vorhänge sind zu, es ist nichts zu hören oder zu sehen.
Klopfen Sie noch mal!
Signor Priore! Signora Priore!
Sie wollen allein sein, ihre Ruhe haben.
Los, machen Sie schon!
Klopfen Sie ans Fenster! Los!
Mist!
Mein Peppino!
Meine liebe Rosina!
Was tust du mir an?
Ich sterbe
aus Wut!
Das machst du absichtlich, oder?
Peppino, ich kenne dich.
Peppino.
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