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Personen und ihre Farben:
Lilly, Mädchen aus Hamburg Lena, ihre Tante in Jena
Rolf, Ehemann von Lena Till, Sohn von Lena und Rolf
Mama, schau her! Wir fahren zum Zuckerhut.
Ich dachte früher, das ist der Eingang zum Schlaraffenland.
Zu einem Garten mit Musik und fröhlichen Menschen.
Sie knabbern an Schokoladenbäumen.
Wir fahren als Erstes zum Zuckerhut. Ja, bestimmt.
Hast du Nachricht von Lena? Ja. Sie kommt.
Pascal sagte, sie braucht nur 3-4 Tage für das Visum.
Sie darf bestimmt nicht kommen. Sie durfte es nie.
Denke niemals, dass so etwas normal ist.
Sie kommt bestimmt. Du wirst es erleben. Schließe die Augen.
Nicht gucken!
Fertig!
Mama?
Lass sie schlafen, Lilly. Deine Mutter braucht Ruhe.
Abgelehnt?
Warum? Kein Anlass.
Besuchsreisen nur bei Hochzeit, Beerdigung, 60. Geburtstag.
Ich sah meine Schwester über 15 Jahre nicht. Sie stirbt.
Meine 13-jährige Nichte ist allein.
Sie verliert ihre Mutter und Sie sagen: kein Anlass!
Vielleicht ist es jetzt schon zu spät.
Bringen Sie die Benachrichtigung, dann bekommen Sie sofort Ihren Pass.
Nein.
Wie bitte? Ich gehe nicht weg. Ich will meinen Pass.
Willst du die Großzügigkeit unseres Staates ausnutzen?
Willst du, dass ich auch nicht mehr reisen darf?
Was denkst du, wo du lebst? Sie dürfen das nicht schon wieder tun
Denkst du wirklich, dass du etwas ändern kannst?
Ich will zu Rita, solange sie noch lebt!
Ich will ihre Hand halten und ihr sagen, dass wir für Lilly sorgen.
Bitte. Ja, gleich.
Lena spielt Klavier.
Muss Lilly ins Heim, wenn Tante Rita stirbt?
Sie ist jetzt im Internat. Außerdem ist der Freund von Rita noch da.
(Lena singt zornig) "Immer lebe die Sonne, immer lebe der Himmel."
"Immer lebe die Mutti, immer lebe auch ich!"
Sie schlägt auf die Tasten.
Mama ist wütend.
Hallo! Hallo.
Hallo.
Guten Morgen. Ich möchte Lilly sprechen.
Warum kündigen? Pascal und ich wohnen dort. Ich kann am Wochenende zu ihm.
Er war nicht mit deiner Mutter verheiratet.
Das Jugendamt erlaubt das nie. Es tut, was Sie sagen.
Er ist sogar jetzt nicht da! Er kommt bestimmt.
Er fotografiert auf Hawaii. Manchmal gibt es Wetterprobleme.
Mama, dieser Brief kam soeben.
Hänge die Tasche quer über die Schulter.
Ja, ja. Ich habe das Geld in den Schuhen und besorge dir Disketten.
Bitte komm morgen pünktlich zurück. Keine Sorge. Mir passiert nichts.
(Durchsage) In den Schnellzug nach Berlin bitte einsteigen!
Weine nicht.
Ich setze mich zu dir. Gut?
Nein.
Leise Orgelmusik
Herzliches Beileid, Lilly.
Ist das ... Ja, das ist Theresa.
Herzliches Beileid, Lilly.
Ich ertrage diese Worte nicht. Ich auch nicht.
Wo hast du deine Sachen? In der Kapelle.
Das sind die ersten Worte, die wir miteinander sprechen.
Die Steine hüpfen nie, wenn ich sie werfe. Kannst du das?
Nein. Aber das ist egal.
Was passiert, wenn du diesen Stein ins Wasser wirfst?
Er ist weg. Nein. Er ist nur woanders.
Dieser Stein liegt jetzt tief unten auf dem Grund.
Er denkt: "Hu, es ist kalt und dunkel. Ich sehe nichts."
"Oh, was ist das? Ein riesiger Fisch nimmt mich ins Maul!"
"Er trägt mich fort! Hilfe, lass mich los! Wohin bringst du mich?"
Ja, wohin? Das ist das große Abenteuer.
Man lässt etwas los und weiß nicht, was man dafür zurückbekommt.
Glaubst du an Gott, Lena? Ich glaube an die Sehnsucht nach Gott
Ich glaube an das oder den, der uns diese Sehnsucht ins Herz legte.
Vielleicht ist das Gott.
Die Heizung wird warm. Fühlst du es? Ja.
Schläfst du im Gästezimmer, in Mamas Zimmer oder in meinem?
Wo schläfst du? Ich muss ins Internat.
Ich schlafe im Gästezimmer. Hier ist Mamas Zimmer.
Dort das Bad und die Dunkelkammer. Von Pascal?
Er machte alle Fotos, die du hier siehst.
Schade, dass er keinen Flug bekam.
Ich helfe ihm oft beim Entwickeln der Fotos. Pascal ist sehr nett.
Kneife die Augen zusammen. Öffne sie wieder ein wenig.
Dann kannst du fast glauben, du bist bei uns. Wirklich?
Ja. Ich wundere mich selbst.
Das Licht der Straßenlaternen, die Schatten der Bäume, alte Häuser ...
Autos, die über das Kopfsteinpflaster knattern.
Dann öffnest du die Augen wieder: Peng! Alles ist wie verzaubert.
Alles ist ganz neu. Herrlich! Wolltest du niemals fliehen?
Dort ist mein Zuhause.
Nirgendwo gefällt dem Menschen alles. Das gibt es nicht.
Du wohnst immer noch im selben Haus. Ja. Zuerst mit den Eltern.
Dann Rita und ich, jetzt meine Familie und ich.
Ich sehe manchmal sogar Gespenster.
Mein Vater sitzt am Küchentisch, Rita flucht über den Hausaufgaben.
Dann merke ich: Das ist meine eigene kleine Tochter.
Mama wurde immer weniger.
Ihr Handgelenk war so dünn wie meins.
Ihr Gesicht war grau und faltig.
Ich besuchte sie jeden Nachmittag.
Wir dachten uns aus, was wir machen werden.
Wohin wir fahren, wenn sie wieder gesund ist. Aber ...
Sie hat irgendwann aufgegeben. Sie hoffte nicht mehr.
Ich fühlte das deutlich.
Ihre Freunde besuchten sie auch nicht mehr.
Ich versuchte es wirklich.
Hupen
Das Taxi ist da.
Das ist alles verrückt.
Also dann ... Ich kann mitfahren.
Nicht nötig. Ich tue es gern.
Ich sage lieber hier tschüs.
Wann fährt dein Zug? Morgen um 10.17 Uhr.
Denkst du an mich? Ja. Kommst du wieder?
Ja. Ich versuche es. Ganz bestimmt.
Lilly weint laut.
DDR-Rockmusik
Lilly?
Wer sind Sie?
Lena Wollmann. Sind Sie Pascal? Ja.
Ich habe jeden Auftrag angenommen. Ich wollte nicht hier sein.
Dann hörte ich, dass es vorbei ist. Ich war fast erleichtert.
Aber dann ...
Lilly und du: Geht das? Ja, sicher. Bis jetzt ging es.
Aber Rita war noch da und Lilly konnte sie im Krankenhaus besuchen.
Ich muss erst wieder klar denken. Mein Kopf ist jetzt völlig leer.
Lilly mag dich sehr.
Ich mag sie auch.
Ich bin selten da. Das ist blöd. Ich möchte euch helfen, aber ...
Ich kann nicht. Ich muss zurück. Ich bekomme sonst riesigen Ärger.
Wir schaffen es. Wir finden irgendwie eine Lösung.
(Lehrerin auf Englisch) Diktat!
Schüler murren.
Die Lehrerin diktiert einen englischen Text.
Lehrerin diktiert.
(englisch) Lilly, komm zurück!
Ich besorgte alles, was auf dem Zettel stand. Auch zehn Disketten.
Das ist viel zu teuer! Kein Problem.
Tante Lena!
Lass mich nicht hier!
Lilly ... Ich darf das nicht. Warum nicht?
Ich möchte, aber es geht nicht. Sei vernünftig. Ich bin da.
Aber du bist meine Familie!
Lilly! Lena bekommt Riesenärger, wenn sie den Zug verpasst.
(Eisenbahner) Einsteigen bitte!
Lass mich! Warum kommst du erst jetzt?
Klopfen an der Tür
Hallo! Ich bringe deine Englisch-Sachen.
Die Lehrerin war wütend. Wohin wolltest du?
In die DDR. Mit dem Fahrrad?
Es klappte sowieso nicht. Geht es dir nicht gut?
Ich machte nur einen Scherz.
Was tust du gerade? Fotos ansehen. Willst du auch?
Ist das deine Mutter? Ja.
Mein Vater half ihr, aus der DDR zu fliehen.
Er ist bei einer Bergtour abgestürzt.
Ich war gerade geboren. Sie planten ihre Hochzeit.
Das sind sie. Mama war aus Jena. Sie trafen sich immer in Ostberlin.
Am Berliner Dom unter den Linden. Von dort gingen sie über die Grenze.
Eine Freundin von Papa lieh Mama ihren Pass.
Sie sagte, er wurde geklaut. Sehr mutig.
Theresa ist Schauspielerin. Sie mussten ihr glauben.
Darum bist du jetzt hier und deine Tante ist dort.
(Durchsage) Jena! Am Gleis 3 fährt ein der D-Zug aus Berlin.
Bitte zurücktreten von der Bahnsteigkante!
Du kannst nichts für sie tun! Begreife das endlich!
Ich sagte nur: Es wäre normal, wenn sie zu uns kommt.
Mehr sagte ich nicht. Gib zu, dass es normal wäre!
Ich weiß, die Umstände sind nicht normal.
Ich weiß, ich kann nichts dagegen tun.
Aber ich will es wenigstens aussprechen im eigenen Heim!
Ich muss ständig daran denken. Es geht mir nicht aus dem Kopf.
Ich dachte sogar daran, sie zu adoptieren.
Wie soll das gehen? Wie soll Lilly hier zurechtkommen?
Sie hatte bestimmt kein Russisch in der Schule.
Nähmaschine rattert.
Vielleicht können wir etwas für mich machen.
Ich sah sehr hübsche Blusenstoffe im Kaufhaus.
Geht es morgen? Ja, gut.
Wie ist sie?
Die Lilly.
Sie ist deine Kusine.
Sie erinnert mich ein wenig an dich. Natürlich auch an Rita.
Denkst du, du kannst dort leben? Ja, sicher.
Ich kann überall leben, wenn ihr dabei seid.
Na ja, vielleicht nicht überall.
Aber wir leben hier. Das ist unser Zuhause.
Das sind alles meine Bücher! "Die kleine Hexe", "Krieg der Sterne"!
Seid ihr bescheuert?
Wir wollen diese Sachen behalten. "Wir"? Vielen Dank!
Das sind alles meine Sachen! Die ganze Wohnung!
Ich weiß selbst, was ich behalte! Lilly, wir haben noch ...
Du sagst mir nicht, was ich tun soll! Du bist einfach abgehauen!
Seid ihr verrückt? Ihr könnt hier nicht alles ausräumen!
Das war nicht ausgemacht! Lilly ...
"Jena, 12.11.77. Liebe Rita!"
"Ich laufe herum wie eine Rückkehrerin von einer Zeitreise."
"Ich gehöre nicht zu der einen und nicht zu der anderen Welt."
"Rolf hält ständig meine Hand, damit ich nicht wieder verschwinde."
"Drei Jahre! Nächste Woche holen wir unsere kleine Katrin heim."
"Ich kann es kaum erwarten. Jetzt beginnt ein neues Leben."
(Stimme von Lena) "Ich bereue nichts, Rita."
"Ich verstehe, dass du nur auf diese Weise glücklich werden konntest."
"Ich wünschte es dir sehr. Sei nicht verzweifelt!"
"Die Leute sagen, dass Liebe und Sehnsucht Mauern niederreißen."
"Irgendwann ist es so weit."
"Bis dahin träume ich mich über die Mauer hinweg zu dir. Deine Lena."
(Frau) Ich kann morgen kommen. (Pascal) Nein, wir schaffen es.
(Frau) Das ist ein wichtiger Abschnitt der Trauerarbeit.
Nach dem Schock kommt die Wut.
(Pascal) Auf Wiedersehen! Vielen Dank.
Ist sie weg? Ja. Warum benimmst du dich so?
Warum belügst du mich? Wir müssen eine Sache klären:
Es gibt Dinge, die für uns beide schwer sind.
Es geht nicht nur um dich! Ich habe deine Mutter auch verloren!
Ich kann deine Auftritte jetzt nicht ertragen!
Was erzähltest du von uns?
Dass du kotzen musstest beim Anblick von Mamas Narbe?
Schluss! Schrei mich nicht an!
Warum mache ich das mit? Meine Sachen sind in zehn Minuten hier raus!
Hör zu, Lilly: Wir müssen das irgendwie gemeinsam durchstehen.
Rita ist vielleicht gerade dort oben angekommen.
Jetzt hört sie, wie wir hier unten streiten.
Denkst du, das macht sie glücklich? Nach allem, was sie erleiden musste.
Beide weinen.
Ich dachte nicht, dass wir die Wohnung so schnell loswerden.
Wie ist deine neue Wohnung?
Gut. Ruhig. Zwei Journalisten, ohne Frauen. Ich bin selten da.
Was machst du als Nächstes? Acapulco.
Fotos für den Frühjahrskatalog.
Am Freitag geht es los. Ach so.
Ich kann jetzt kein Familienleben führen. Ohne Rita.
Aber du warst gerade erst weg!
Ich bin immer für dich da, wenn du Hilfe brauchst.
Okay.
Das Internat ist bezahlt. Du kannst dort wohnen.
Besuche mich, wenn du Lust hast. Wir verreisen vielleicht auch zusammen.
In diesem Raum haben Sie Morgensonne.
Klopfen
Mach Schluss, Lilly. Es ist spät. Ja, gleich.
Gute Nacht! Gute Nacht.
"Ich weiß nicht mehr, was ich noch soll."
Das ist gut. Lies vor, was wir haben.
"Sehr geehrte Frau Irene! Ich bin 13 Jahre alt und Waise."
"Das Jugendamt ist mein Vormund. Ich lebe im Internat."
Das klingt nicht gut. Aber es ist wahr. Lies weiter.
"Meine Mutter hat eine Schwester, die in der DDR lebt."
"Ich habe meine Tante kennen gelernt und möchte zu ihr und ihrer Familie."
Sehr gut. Und jetzt?
Die Sache mit dem Heimweh und den familiären Wurzeln.
"Meine verstorbene Mutter flüchtete vor vielen Jahren aus der DDR."
"Ich glaube, ich habe Heimweh."
"Der Grund ist, dass ich aus meinen familiären Wurzeln gerissen wurde."
Du bist ein Genie! Toll, wie du das schreibst. Ich kann so etwas nicht.
"Bitte teilen Sie mir mit, wie ich in die DDR ausreisen kann."
"Ich bin Ihnen dankbar für eine schnelle Antwort."
"Hochachtungsvoll! Ihre Lilly Engelhart."
Wir brauchen noch ein Stichwort,falls die Antwort in der Zeitung erscheint.
Die Straße! In Berlin, wo meine Eltern sich immer trafen.
Die große Straße, die durch die Mauer geteilt ist.
Ich muss als Erstes dorthin. Eine Straße?
Ja. "Stichwort: Lilly unter den Linden".
Ich weiß nicht, was ich ihr schreiben soll.
Alles klingt so ... hohl.
Ich enttäuschte sie sehr.
Ich glaube, ich will ihr nicht schreiben.
Ich will sie nur an mein Herz drücken.
(Sozialarbeiterin) Warst du hier schon?
Ja, mit meiner Mutter. Sie sagte mir damals, dass sie Krebs hat.
Nimm den Schwarzwaldbecher. Ich esse ihn immer.
Immer dasselbe: Ist das nicht langweilig?
Bei manchen Dingen soll man bleiben. - Was darf ich bringen?
Einen Schwarzwaldbecher und ... Einen Bienenstich.
Erzähle. Wie geht es in der Schule?
Du fühlst dich dort nicht wohl.
Das würde mir auch so gehen. Nur unter Mädchen!
Bald sind Herbstferien. Willst du dann im Internat bleiben?
Wir können dich noch unterbringen. Wenn du das willst.
Wo unterbringen? In einer Familie.
Das hier ist die Familie Bertram.
Jens, Margret und ihre beiden Söhne. Sie sind auch Pflegekinder.
Eine sehr liebe Familie! Sie haben auch einen Hund.
Pflegekinder? Ja. Das ist eine Pflegefamilie.
Sie möchten dich kennen lernen.
Ich habe eine Familie! Deine Tante, ich weiß.
Du kannst sie vielleicht besuchen. Die Bertrams erlauben es.
Wie bitte? Die Bertrams? Das hier ist für immer.
Eine Familie, zu der du wirklich gehörst.
Sie werden dich lieb haben.
Danke.
Jeder braucht Menschen, die ihn lieben.
Ich habe jemanden. Aber nicht hier!
Ich kann rübergehen. Reden wir vernünftig!
Deine Verwandten leben im Osten. Du kannst ihnen schreiben.
Sie bekommen sicher gern Päckchen. Sogar ein Besuch ist möglich.
Aber dort leben? Kennst du die Lebensumstände deiner Tante?
Dort sieht es fast aus wie bei uns. Ich glaube das nicht.
Die Bertrams haben ein sehr schönes Zimmer für dich.
Das Beste ist: Sie wohnen in Eppendorf.
Du kannst wieder in deine frühere Schule gehen.
Ich möchte dich am Freitag abholen. Freitag? Das ist übermorgen!
Das geht nicht. Wir feiern den Geburtstag von Pascal.
Gut, dann am Samstag. Aber vormittags.
Lilly! Komm her.
Du gehst auf keinen Fall rüber in den Osten!
Was würde deine Mutter dazu sagen? Denkst du, Mama war hier froh?
Sie war allein, als sie starb! Ohne Familie!
Fahr in den Ferien hin. - Jede Nacht kleinen Grenzverkehr?
Sie braucht nur die persönliche Einladung eines DDR-Bürgers.
Dann kann sie bleiben. - Prima, Lilly!
Das dauert aber lange. Für die Herbstferien klappt das nicht.
Sie kann über Berlin einreisen und bleiben.
Quatsch.
Bring sie nach Berlin und setze sie in den Zug nach Jena.
Ich? Das ist Kindesentführung!
Du verschwindest dann nach Acapulco. - Nein, ohne mich.
Lilly!
Warte! Du sagtest, dass du mir immer hilfst!
O Mann! Ich glaube, ich bin völlig verrückt.
Mama ist froh. Du bringst mich zu Lena!
Abwarten. Vielleicht muss ich dich nach Acapulco mitnehmen.
Vielleicht verhaften sie mich auch an der Grenze.
Grüner Volvo, 103 Stundenkilometer.
Lied von Udo Lindenberg im Autoradio
(Lilly singt mit) "Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow?"
O Gott. O Gott, ich wusste es! Ende der Reise.
Motor abstellen, aussteigen, Fahrzeugpapiere.
Sie wissen, warum wir Sie anhielten. - Nein, weiß ich nicht.
Sahen Sie das Schild nicht? Rund, mit einer 80 darin.
Das gibt es auch bei Ihnen in der BRD: Höchstgeschwindigkeit 80 km/h.
Wir haben 103 km/h gemessen.
Das kostet 100 Mark West. Wollen Sie eine Quittung?
Motorhaube und Heckklappe öffnen. - Alles klar.
Gut.
Bitte. - Danke.
Juhu, wir sind drin! Geschafft! Bist du wahnsinnig? Sei leise!
Da ist es! Stopp!
Ein Irrtum. Zeig mir das Foto.
Das kann auch eine Seitenstraße sein. Wir müssen zum Bahnhof, Lilly.
Da! Da ist es! Halte an! Gut. Einmal noch.
Hier ist es! Steig aus, sieh es dir an!
Das ist es. Du hast vermutlich Recht.
Das ist es ganz bestimmt. Ja, sieht so aus.
Wir sind also hier.
Was jetzt?
Ich weiß nicht.
Denkst du auch oft an sie?
Sehr oft.
Wie lange dauert das noch? Verschwinde in dein Zimmer.
Mama! Mama! Geh endlich!
Was ist das? Nichts!
Wir rufen dich. Du bist kein Baby mehr!
Du kannst noch überlegen.
Wir fahren nach Hause und reden nie wieder davon.
Aber bei Lena ist mein Zuhause! Findest du das Haus bestimmt?
Bahnhofstreppe runter, links, dann geradeaus.
Nach dem Denkmal bin ich fast da. Mama beschrieb es mir oft.
Da entlang.
Komm her. Achte gut auf dich.
Was ist das? Aber Till!
(singt) "Heute ist ein schöner Tag! So, wie ich ihn gerne mag."
(alle singen) "Heute ist ein schöner Tag! So wie ich ihn gerne mag."
(Durchsage) Jena. Am Gleis drei fährt ein der D-Zug aus Berlin.
Guten Abend.
Guten Abend. Möchtest du herein? Ja.
Ich breche mir noch die Finger.
Türklingel
Ich bin es. Lilly.
Wer war das? Frau Giese. Wir singen zu laut.
Wie bitte? Wir müssen sie irgendwann einladen.
Zeige mir bitte noch einmal den Griff. Katrin!
(alle) Oh! Ah! Super!
Du musst sie auspusten. Und dir etwas wünschen.
Toll! Prima!
Türklingel
Ich gehe. Was ist los? Dein Gesicht ist heiß.
Guten Abend. Es geht um die Klärung eines Sachverhaltes.
Bitte sehr. Rolf, komm bitte! Der ABV.
Guten Abend. Guten Abend.
Es geht um ihre Nichte in Hamburg. Anfrage vom Bundesgrenzschutz.
Bundesgrenzschutz?
Die Kleine ist offenbar aus dem Internat weggelaufen. Zu Ihnen.
Zu uns?
Aber das geht gar nicht. Seit wann ist sie weg?
Seit heute Morgen. Sie ist nicht hier.
Gut. Wenn sie kommt: Sie wissen, was Sie tun müssen. Klar.
Ich melde mich, wenn ich etwas erfahre. Schönen Abend!
Moment!
Was passiert, wenn sie kommt? Rückführung in die BRD.
Keine Sorge, Frau Wollmann. Das ist sicher schon geklärt.
Sie sitzt bestimmt im Partykeller bei Freunden.Wo man im Westen eben sitzt.
Ich habe Ihnen den Abend verdorben. Tut mir Leid.
Sie ist weggelaufen! Reinkommen ist leichter als raus. Alle wissen das.
Ich bin ein Idiot! Warum war ich so blind?
Glaubst du im Ernst, dass sie so etwas macht?
Natürlich glaube ich das. Sie ist noch ein Kind!
Gerade deshalb. Niemand vermutet so etwas.
Wie soll das gehen? Im Gepäcknetz der Reichsbahn?
Ich will nur wissen, warum sie nicht hier ist. Was ist passiert?
Katrin, was ist los?
Das Klingeln vorhin: Das war nicht Frau Giese.
Sag, dass es nicht wahr ist.
Das ist nicht wahr! Doch!
Deine Kusine kämpft sich durch zu uns und du sagst nichts! Wo ist sie?
Ich weiß nicht. Wieso nicht?
Ich habe die Tür wieder zugeknallt! Wie bitte?!
Lena! In dieser Familie wird nicht geschlagen!
Wohin willst du? Zum Bahnhof.
Wir fahren zusammen!
Ich will mit! Bleib hier, falls sie zurückkommt.
Das ist gemein!
Kein Zug mehr nach Berlin!
Lilly?
Lilly!
Bist du hier?
Zum Saalbahnhof!
Katrin, komm raus. Ich habe einen Plan.
Lilly ging bestimmt nicht zum Bahnhof.
Sie versteckt sich, bis die Gefahr vorbei ist.
Keine Antwort
Wenn du nicht willst ...
Weinen
Du hast Mut. Du bist wirklich ausgerissen!
Sie wollten mich in eine Pflegefamilie geben.
Aber ich habe eine Familie! Das war ihnen egal.
Warum? Bist du Till?
Ja.
Guten Tag. (schreit) Hilfe, Sanitäter! Ich habe Feindberührung!
Komm, wir gehen jetzt nach oben. Ich versuchte das vorhin schon.
Ärgere dich nicht. Katrin ist manchmal etwas seltsam.
Mama gab ihr eine Ohrfeige. Katrin kühlt sich jetzt im Bad die Backe.
Also komm.
Mann, das ist ein toller Geburtstag!
Alle suchen dich: Bundesgrenzschutz, meine Eltern, der ABV ...
Was für ein V? ABV. Abschnittsbevollmächtigter.
Wer hat Geburtstag? Ich.
Still! Was ist los?
Niemand darf dich sehen. Bleib hier.
Wen willst du jetzt noch erreichen? Jemand ist sicher dafür zuständig.
Psst!
He, Papa! Lena, komm.
Ich bin da.
Das ist Rolf.
Hallo!
Ja, dann ...
Konferenz, Lena.
Was ist mit ihm? Du hast kein Visum. Das gibt Ärger.
Ich dachte: Alles ist klar, wenn ich über die Grenze bin.
Darf bei euch jeder rein? Nein.
Na also. Was jetzt?
Gratuliere mir zum Geburtstag. Willst du Torte? Ja, gern.
Niemals! Er half uns schon einmal.
Ich will mit der Stasi nichts zu tun haben!
Mach einen Vorschlag. Wir müssen es melden.
Ja, und dann? Er sagte: Rückführung in die BRD.
Niemand nimmt mir noch einmal ein Kind weg!
Du machst denselben Fehler wie damals.
Du bist zuerst für deine eigene Familie verantwortlich!
Lilly gehört dazu. Genau wie Rita damals.
Also gut: Wir melden es, wenn Bernd uns nicht helfen kann.
Warum soll er uns helfen? Aus alter Freundschaft?
Wir sprachen nie mit ihm! Ich kann ihn nicht um Hilfe bitten.
Dann tue ich es. Auf keinen Fall!
Lass den Mantel hängen. Ich gehe.
Dir ist völlig egal, in welche Lage du mich bringst.
Nach 12 Jahren komme ich plötzlich und bitte ihn um einen Gefallen!
(Wirtin) Wir haben Feierabend! (Bernd) Lass ihn, Paula.
Hallo! Ich kann es nicht glauben.
Wieder ein Notfall? Guten Abend, Bernd. Guten Abend.
Paula, ein Bier für meinen Freund!
Diese Überraschung! Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Erkennt ihr ihn? Das ist Rolf Wollmann.
Wie geht es Lena? Gut.
Bitte schön. Danke.
Ich mache eine Pause vom Spiel.
Du hast das Lokal noch gefunden. Das waren tolle Zeiten damals ...
Rita ist tot. Sie hatte Krebs. Sie starb vor vier Wochen.
Lena war auf der Beerdigung.
Ein letzter Gruß? Sehr traurig.
Diese Verschwendung von Energie, von Lebensjahren ... und auch von Liebe.
Die schöne kleine Rita Engelhart ...
Wusstest du, dass sie eine Tochter hat? 13 Jahre alt.
Lena traf sie auf der Beerdigung. Interessant.
Sie kam heute mit einem Tagesvisum über Berlin.
Aus dem Internat ausgerissen, zu uns.
Moment ... Die Tochter von Rita flüchtete aus der BRD zu euch?
Willst du mir das damit sagen? Ja.
Bernd lacht schallend.
Rolf, mein Junge: Das war richtig von dir.
Du weißt, zu wem du im Notfall kommen kannst. Ich bin zufrieden.
Wir kümmern uns um die Menschen. Was die kleine Lilly betrifft ...
Was ist? Dachtest du, wir wissen das nicht?
Mach jetzt kein Theater! Lilly ist sicher auch nicht begeistert.
Aber wir haben kein Gästezimmer. Ihr müsst leider beide hier schlafen.
Deine Mutter saß dort auch oft.
Wir saßen beide hier, wenn wir etwas besprechen mussten.
Ich wünschte mir sehr, hier zu sein. Bekommt ihr Ärger wegen mir?
Nein, nein. Wir kennen jemand, der uns helfen kann.
Ein Freund von früher, aus der Uni. Ach, gut.
Warum ist Katrin böse auf mich? Sie ist böse auf mich.
Das sind die Hormone. Eine schwierige Zeit für Mädchen in ihrem Alter.
Dir gefällt es auch nicht, dass ich abgehauen bin.
Schlafe gut.
Du darfst auch noch lesen. Katrin leiht dir sicher etwas.
Hast du ihn gefunden? Er ist derselbe Idiot wie früher.
Unerträglich überheblich. Aber er hilft uns.
Ich wusste es! Es tut mir Leid. Du hast es schwer mit mir.
Aber am Ende wird alles gut. Glaubst du das wirklich?
Er kann Lilly nur ein Besuchervisum verschaffen. Sie muss wieder zurück.
Das kann nicht sein. Wir haben Platz! Hier geht es nicht um Bett und Stuhl!
Sie hat eine Westbehörde zum Vormund!
Ich beantrage die Vormundschaft. Wir sind ihre einzigen Verwandten.
Ein Kind aus dem Westen wird in die DDR vermittelt: Das gibt es nicht.
Sie ist 13, drüben aufgewachsen. Sie bekommt hier einen Kulturschock!
Was denkst du dir nur? Sie ist meine Nichte und ganz allein.
Wohin soll sie zurück? Wohin?
Lena! Was machst du da?
Schlafe noch ein bisschen. Gleich wird es warm.
Wir heizen nicht die Straße!
Guten Morgen! Guten Morgen, Lilly.
Gut geschlafen? Ja.
Nimm das bitte mit zum Tisch.
Guten Morgen. Guten Morgen.
Guten Morgen, Lilly.
Das ist Katrins Platz. Oh!
Da sitzt Mama. Bleib sitzen.
Ich meinte nur ... Wer neu ist, muss die Regeln kennen.
Das stimmt! Andererseits ist Lillys Besuch ...
Richtig! Die große Chance, unsere Regeln zu ändern.
Stimmt! Noch Fragen? Ich sitze ab heute hier.
Guten Morgen. Guten Morgen.
Guten Morgen.
Guten Morgen.
Fangen wir an!
Guten Appetit.
Wie heißt euer Wellensittich? Willy.
Entschuldigung. Katrin! Wir reichen dir gern, was du brauchst.
Danke schön. Sehr aufmerksam von dir.
Danke, danke.
Schluss!
Was schlägst du vor? Schickt sie heim.
Begründung? Kein Platz, keine Zeit. Irgendwas.
Sie rechnet sowieso damit. Bestimmt nicht.
Ich verzeihe dir nie, wenn sie bleibt!
Aber das ist dir egal. Du hast mich früher schon allein gelassen.
Du weißt, dass das nicht stimmt! Ich gehe eben wieder ins Heim.
Du kannst dich daran nicht erinnern. Ich kann!
Katrin! Ich musste meiner kleinen Schwester helfen.
Ich war für sie verantwortlich.
Sie war kaum älter als du, als unsere Eltern starben.
Mach keine Kitsch-Szene. Du willst Lilly nach Hause schicken.
Aber wo ist ihr Zuhause?
Interessiert mich nicht. Soll sie sich bei ihrer Mutter beklagen!
Warum ist sie abgehauen? Warum musste ihr Vater auf einen Berg klettern?
Beide machten sich keine Gedanken um andere. Warum soll ich das tun?
Lilly ist Luft für mich.
Deine Mutter war nicht verheiratet.
Mein Vater starb vorher. Sie wollte keinen anderen.
Ich bin froh, dass ich beide Eltern habe. Falls einem etwas passiert.
Ich kenne jemand, der hat fünf Eltern.
Mutter, Vater, Stiefmutter, den Stiefvater und seine frühere Frau.
Das ist zu viel. Aber besser zu viel als zu wenig.
Kannst du über etwas anderes reden? Ja, klar.
Gehen wir auf den Turm? Ja.
Siehst du es? Das ist Papas Verlag. Besuchen wir ihn?
O nein! Das ist todlangweilig. Papa am Schreibtisch.
Aber bei Mama in der Buchhandlung gibt es manchmal Poster.
Ich dachte, Lena ist Lehrerin. Sie durfte nicht mehr.
Weißt du das nicht? Nein.
Sie hat nicht auf ihre Schwester aufgepasst.
Was? Weil Mama abgehauen ist? Das war nicht Lenas Schuld!
Sie hat es nicht angezeigt.
Seltsam, dass du das nicht wusstest.
Komm! Wir können endlich bergab fahren.
Mach dir keine Sorgen wegen Mamas Arbeit.
Sie hat Bücher um sich. Meine Eltern lieben Bücher.
Katrin sagt: Ein Wunder, dass es uns gibt. Die beiden lesen im Bett nur.
Mama hat heute einen Auftritt mit ihrer Band.
(singt) "Viele Männer nur angesehen, zu viel nur herumgespielt."
"Zu viel gesoffen, zu viel geredet. Zu viele Nächte und nichts passiert."
"Dasselbe Land zu lange gesehen. Dieselbe Sprache zu lange gehört."
"Zu lange gewartet, zu lange gehofft."
"Zu lange die alten Männer verehrt."
"Bin nur rumgerannt. Zu viel rumgerannt."
Was willst du hier? Meine Sachen sind hier.
Du schläfst auf meinem Sofa.
Aber du kannst nicht ständig in mein Zimmer kommen. Aber Katrin!
Nimm deinen Kram und verschwinde. Jeden Morgen!
Wir überstehen dann die paar Tage. Was heißt "paar Tage"?
Bis sie dich heimschicken! Glaubst du, dass du hier bleiben kannst?
Wohin willst du, Lilly? Sie darf nicht in Katrins Zimmer.
Wie bitte? Sie muss jeden Morgen ihre Sachen rausnehmen!
Das geht wirklich zu weit.
He, was soll das?
Lilly darf also nicht in dein Zimmer. Spinnst du? Lass meine Sachen drin!
Du machst mir Angst! Manchmal bist du mir fremd.
Dir fehlen die ersten drei Jahre.
Hör auf! Du weißt nicht, wie sehr ich um dich kämpfte!
Ich weiß seit damals, dass ich jemanden töten könnte!
In den drei Jahren verging kein Moment, wo ich nicht an dich dachte!
Aber an wen denkst du jetzt? Lilly ist auch Familie!
Liebe Lilly hier, süße Lilly da ...
Wegen ihr und ihrer Mutter begann die ganze Scheiße hier!
Meine Sonne, du hast keinen Grund zur Eifersucht.
Rutscht mir alle den Buckel runter.
Katrin weint.
"In dem D-Zug aus dem Fenster lehnst du und glaubst an Gespenster."
"Suche, Seele! Suche!"
"Suche hinter Gardinen. Blaue Schatten, frohe Mienen."
"Fluche, Seele!"
"Fluche!"
"Ob im Osten oder Westen: Wo man ist, ist es nie am besten."
"Suche, Seele! Suche!"
"Freiheit, Freibier und Frieden sind dir, Seele, nicht beschieden."
"Fluche, Seele! Fluche!"
"Freiheit, Freibier und Frieden sind dir, Seele, nicht beschieden."
"Fluche, Seele! Fluche!"
Das Lied war nicht abgesprochen.
Kannst du das regeln? Sie werden immer nervöser.
Guten Tag. Guten Tag.
Das war klasse. Meine Nichte Lilly. Das ist Sandra.
Hallo. Lilly? Ist das ein Künstlername?
Ich heiße wirklich so. Wegen Lena. "Wie einst Lilly Marlen ..."
Verstehe.
Du siehst toll aus. Ein bisschen Farbe bewirkt viel.
Wenn der Mann jedes Jahr etwas aus dem Westen mitbringt ...
Die Schminke ist uralt. Aber sehr schön.
Wieso Westen?
Fährt Onkel Rolf jedes Jahr in den Westen?
Nur kurz. Zur Frankfurter Buchmesse.
Konnte ich mich bei euch melden oder nicht?
Das Leben besteht nicht nur aus Ja und Nein.
Mama war allein, als sie starb. Du besuchtest sie kein einziges Mal!
So einfach war es nicht, Lilly. Phhh!
Ich traf mich einmal mit Rita. Vor acht oder neun Jahren.
Wir dachten, die Lage wäre entspannt. Rita holte mich ab vom Messestand.
Bald danach gab es ein Gespräch. Ein Kollege hatte mich verraten.
Beziehungen zu BRD-Bürgern sind verboten für Reisekader.
Ich unterschrieb, dass ich keinen Kontakt zu deiner Mutter habe.
Hättest du sonst die Arbeit verloren wie Lena?
Bestimmt.
Wusste Mama das nicht?
Rita hoffte vermutlich, dass sie uns in Ruhe lassen.
Wir gehen jetzt dort hinein.
Wir holen dein Visum.
Das Überschreiten der Grenze in unsere Richtung kommt in Mode.
Die Besuchserlaubnis erlischt am Neunzehnten.
Nur eine Woche?
Ich muss sicher nicht erklären, dass dies ein großes Zugeständnis ist.
Was? Ja, natürlich. Aber ...
Wir rechneten mit mehr Zeit für unsere Familienangelegenheiten.
Aber so geht es auch. Eine Woche! Nicht schlecht.
Du musst etwas essen.
Hast du Lust auf Apfelsinen? Vielleicht gibt es sie schon.
Auf Wiedersehen!
Ein Kilo Apfelsinen, bitte.
Sie ist zerdrückt. Wir möchten eine andere.
Vier Mark, bitte.
Auf Wiedersehen!
Lena kichert.
Warum lachst du?
Langweilig, wenn es immer alles gibt.
Dann bist du hier im Paradies. Apfelsinen einmal im Jahr.
Winterkleidung im Sommer. Sehr aufregend:
Anstehen und erst im Laden erfahren, was es gibt.
Du kannst Äpfel für 20 Pfennig kaufen und zur Obstannahme bringen.
Für 60 Pfennig. Interessant.
Der Wetterbericht meldete Bodenfrost.
Denkst du nicht, dass es reicht?
Das klingt, als habe ich Katrin rausgeworfen.
Du tatest es im moralischen Sinn.
Das kann nicht so weitergehen.
Hass macht einsam. Sie muss das lernen.
Mache du den Anfang.
Also gut. Morgen.
Ich muss am Montag wieder zurück. Ja, und?
Es ist Nacht. Lass mich in Ruhe. Ich weiß, dass du nicht schuld bist.
Aber du gehörst nicht hierher. Begreife das endlich.
Warum nicht? Frag Mama. Ihr versteht euch.
Warum lehnst du mich ab? Verschwinde, Lilly.
Sag mir erst, warum. Du erfährst nichts von mir.
Geh runter von meiner Decke.
An dem Tag in Hamburg ...
Das war sehr schön, obwohl meine Mutter erst wenige Tage tot war.
Geh ins Bett, Lilly. Ich will das nicht hören.
Ich habe keinen Menschen.
Lilly weint.
Schon gut.
Ich glaube, ich habe auch niemanden.
Ich sitze seit zwei Tagen in dieser Hütte. Es ist scheißkalt hier.
Hallo.
Das war ein Schock. Ich kam nach Haus und ging ins Bad.
Dort lag ein Zettel, auf dem stand: "Ich bin in Hamburg."
Ich überlegte nicht. Ich setzte mich ins Auto und fuhr los.
Ich wusste, wo die beiden sich treffen.
Auf dem langen Weg nach Berlin dachte ich nur:
Hoffentlich komme ich nicht zu spät!
Rita! Was soll das heißen? Bist du verrückt geworden?
Das ist meine einzige Chance. Du bringst uns alle in Gefahr!
Ich bin nicht schuld an dieser Scheiß-Mauer!
Es ist gleich halb zwölf.
Theresa leiht mir ihren Pass. Was?
Wir kommen zu spät! Ich fahre euch. Kommen Sie.
Wir müssen gehen.
Ich gehe in zwanzig Minuten. Wie kommen Sie wieder zurück?
Sie glauben mir sicher, dass meine Tasche geklaut wurde.
Ich bin Schauspielerin. Ach so.
Ich hatte allerdings noch nie so eine Rolle.
Ich meldete es nicht. Schlimmer: Ich half ihnen.
Theresa wurde sofort verhaftet.
Die Polizei war schon da, als ich nach Hause kam.
Die drei Jahre ... der Brief ...
Nein. Nein, das ist nicht wahr!
Und Katrin? Dein Baby?
Ich fand heraus, in welchem Heim Katrin war.
Wir heirateten später im Gefängnis. Trotzdem.
Sie gaben mir Katrin nicht.
Wir bekamen sie erst zurück, als Lena aus dem Gefängnis kam.
Das war nicht selbstverständlich.
Rita hat keine Schuld, Lilly.
Das Schönste für mich war deine Sicherheit, dass du zu uns gehörst.
Ihr wollt mich sicher nicht haben, nach alledem. Doch.
Doch, klar! Wir wollen dich.
Ich auch.
Willkommen zu Hause, Lilly.
Sicher machen nur die Westbehörden Probleme. Wir holen Lilly zu uns.
Wenigstens zu Weihnachten. Das geht bestimmt.
Ich denke das auch.
Ich bastelte das für dich. Danke.
Tschüs! Tschüs.
Bis bald, Lilly.
Tschüs, meine Kleine.
Warum guckt sie nicht raus?
Ich muss heulen.
Wir sehen uns wieder! Bis bald! Tschüs!
Untertitel: Rosemarie Streibig
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