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Tut mir leid, aber Rudi hat dich echt voll erwischt.
Scheiße, Mann.
Kannst du mir mal sagen, was du da überhaupt verloren hast?
Was sollte die Filmerei? Was hast du gefilmt?
Ich hab alles gefilmt, alles.
Warte mal, etwa auch die Söldner?
Das war dumm von dir, Martin. Das war dumm!
Du bringst mich in Schwierigkeiten.
Du musst hier weg.
Du musst sofort verschwinden.
Und Nila?
Nila...
Ich kümmere mich um Nila, okay?
Ich besorge dir ein Ticket nach Jakarta.
Sobald du da bist, nimmst du den erstbesten internationalen Flug.
Hey, Alex, hier ist Paul.
Ja, entschuldige, dass ich so spät anrufe, aber kannst du mir einen Gefallen tun?
Kannst du gleich noch mit dem Boot rausfahren?
Ja, ich weiß, dass ist nicht ohne, aber es ist ein Notfall.
Du musst Martin nach Jember bringen.
Okay, vielen Dank. Du hast was gut bei mir.
Ja, bis dann.
Was machst du? Komm, wir müssen los!
Ich komme.
Pass auf dich auf, ja?
Die werden sicher bald wissen, dass du weg bist.
-Und du? -Mach dir um mich keine Sorgen.
ÜBERTRAGUNG LÄUFT
Martin Landreau?
Ja?
Folgen Sie uns bitte.
Also, ich möchte, dass ihr alle eine dreiminütige Szene
über Mobbing in der Schule ausarbeitet.
Jeder und jede muss einen eigenen Text schreiben, keine Ausnahme.
In der nächsten Stunde werdet ihr dann bitte eure geschriebene Szene
der ganzen Klasse vorführen. Klar?
Habt ihr das auch alle mitbekommen? Enzo, du weißt Bescheid?
Ihr könnt das natürlich allein oder auch in Zweier- oder Dreiergruppen vorführen.
Wir sehen uns am Donnerstag. Bis dann.
Hallo?
Ja.
Ja, das bin ich, ja.
Wie bitte?
Was ist denn passiert?
"Wälder gehen den Völkern voran, die Wüsten folgen ihnen."
Dieses Zitat hallt in meinen Gedanken wieder,
während ich flussaufwärts in Richtung Lasang fahre,
der letzten Station meiner Reise auf der Insel Borneo.
Diese unberührte Region Indonesiens
beherbergt einige der schönsten Urwälder der Welt.
Aber für wie lange noch?
Das ist eine der Antworten, die ich hier,
tausende Kilometer von meiner Heimat Frankreich entfernt, suche.
"Du bist ein Abenteurer, der die Welt verändern will,"
sagt meine Mutter oft zu mir.
"Aber pass auf, die Welt wird sich das nicht gefallen lassen."
Immer wenn sie das sagt, muss ich lächeln.
-Hallo Martin. -Alles klar?
Ja.
-Paul Lepage, willkommen auf Kalimantan. -Danke.
-Hattest du eine gute Reise? -Sehr gut.
Na dann... Wir müssen noch knappe 15 Minuten fahren, dann sind wir da.
Bist du das erste Mal auf Borneo?
Sogar das erste Mal in Indonesien.
Ah, du wirst sehen, es wird dir gefallen.
So, das hier ist KMA.
Früher war das eine Schule. Vor zwei Jahren haben wir hier renoviert.
Also, das hier ist der Empfang.
Es ist noch früh, deswegen ist noch niemand da,
aber es kann schnell voll werden.
Da haben wir dir einen Schreibtisch freigeräumt,
mit einem Computer und allem, was du brauchst.
Ah, cool.
Du musst bloß einen Account erstellen und dann kann's losgehen.
Einmal in der Woche kommt sogar ein Zahnarzt vorbei.
Wir sind hier im Umkreis von 100 Kilometern das einzige Gesundheitszentrum.
100 Kilometer?
Und 100 Kilometer heißt hier, dass man mehrere Tage unterwegs sein kann.
Das Untersuchungszimmer.
Wir haben hier selbstverständlich keinen OP.
Unsere Behandlungen beschränken sich auf kleinere Verletzungen und Infektionen,
aber besser als nichts.
Außerdem ist es kostenlos.
Tja, und falls du mich suchen solltest, mich kannst du nicht übersehen.
Ich sitze mittendrin.
-Nicht ortstypisch, deine Deko. -Nein, die sind hier nicht so verbreitet.
-Hast du Heimweh, oder? -Kommt schon mal vor.
-Prächtiges Tier, was? -Ja.
Auf die Trophäe bin ich richtig stolz.
-Jagst du? -Nein, nein, nein.
Also, bei uns ist die Jagd ein echtes Familiending.
Gut, okay. Genug gequatscht.
Pack deine Sachen und erhol dich ein bisschen.
Morgen um sieben geht's los. Okay?
-Okay. -Willkommen.
Danke.
Keine Angst, okay?
Das ist gut für dich. Damit du nicht krank wirst.
Schon geschafft.
Okay.
Schon vorbei. Gut gemacht.
- Wie alt ist sie? -Neun.
Ihr habt das toll gemacht!
Jetzt sagen wir alle „Danke“ zu Mr. Martin und Mr. Paul!
Dankeschön!
Dankeschön!
Dankeschön! Wiedersehen!
-Wiedersehen! -Wiedersehen!
Gut, machen wir weiter!
Wir beginnen mit einer Lektion in Englisch.
-Sicher, dass du zu Fuß zurück willst? -Ja, ich will noch ein bisschen bleiben.
-Okay. Wir sehen uns. -Bis später.
Mach's gut!
Hallo, guten Morgen.
Ich hab eine Frage.
Ich bin auf der Suche nach dieser Frau.
Nila Jawad?
-Wissen Sie, wo sie ist? -Oh, Nila, Nila.
-Kennen Sie sie? -Da drüben.
Da drüben.
Er?
Da drüben.
Danke.
Hey, hallo.
Hallo.
Ich suche Nila Jawad. Die Frau sagt, Sie kennen sie.
-Was willst du von Nila? -Ich habe versucht, sie zu kontaktieren.
Ich habe ein paar Artikel über sie gelesen.
Mein Name ist Martin. Ich komme aus Frankreich.
Ich bin Student.
Und?
Nila Jawad?
Nila ist in Pontianak. Sie wird in ein paar Tagen zurück sein.
Okay.
Tja, dann, dann werde ich auf sie warten.
Wie du willst.
Hey, Timo.
Du hast gesagt, deine Cousine kommt bald zurück.
Das ist schon eine Woche her.
Pontianak ist weit weg.
Aber keine Sorge, sie weiß, dass du hier bist.
"Bring ihn in den Wald", sagte sie mir.
"Und sorg dafür, dass er nicht zurückkommt."
Was machst du da?
Das heilt Hautkrankheiten.
Der Wald ist unser Supermarkt.
Alles, was wir brauchen, schenkt uns der Wald.
In der Stadt ist Medizin extrem teuer.
Und wir, wir haben nicht viel Geld.
Was macht er?
Er spricht zu seinem Vater.
-Seinem Vater? -Ja.
Durch den Baum.
Wenn ein Baum gefällt wird,
wird die spirituelle Verbindung zu den Vorfahren zerstört.
Verstehst du jetzt, warum der Wald und die Dayaks eins sind?
Ohne den Wald sind wir nichts.
Und wenn ich sehe, was sie ihm antun, erfüllt es mich mit Wut.
Siehst du? Nicht nur du hast auf sie gewartet.
- Wie bist du auf mich gekommen? -Ganz einfach.
Man googelt einfach "Abholzung Borneo" und schon taucht dein Name auf.
"Nila Jawad, die Sprecherin ihres Volkes."
"Die Frau, die es wagt, sich den Behörden zu widersetzen."
"Die indonesische Aktivistin."
-Okay, ist das alles? -Ja.
Du bist also hier, um die Folgen der Abholzung
auf die sozialen Strukturen zu erforschen?
-Ja. -Sehr umfangreich.
-Hast du eine Forschungsgenehmigung? -Nein, ich hab's auch nicht versucht.
Ich hätte eh keine Chance, sie zu bekommen.
Deshalb bin ich offiziell ein Freiwilliger bei der NRO.
-Du arbeitest also für KMA? -Ja.
So was brauchten wir eigentlich gar nicht.
Ich weiß. Timo hat mir eure Apotheke gezeigt.
Das, was davon übrig ist...
Der schon wieder.
Beim nächste Mal...
will ich Antworten.
-Wer ist das? -Was will der schon wieder hier?
Rudi! Was machst du hier?
Das hier ist unser Land!
Euer Land? Zeig mir die Besitzurkunde!
Du weißt, dass wir die nicht haben.
Das ist unser Land.
Es gehörte schon unseren Vorfahren!
Kannst du das beweisen?
Nein? Dann sieh dir das an!
Sieh es dir genau an. Seht her!
Ein offizielles Dokument der indonesischen Regierung.
Es berechtigt Palmyr dazu, dieses Land zu bewirtschaften.
Leck mich, Rudi!
Wir wissen, weshalb man dich hierher geschickt hat.
Was haben sie euch versprochen?
Auf den Plantagen arbeiten für drei Dollar am Tag?
Wollt ihr das?
Mit der ganzen Familie in einer Blechhütte wohnen?
Wollt ihr hier fort?
Wollt ihr euer Land aufgeben? Für ein Leben in Elend?
Nein!
Nein! Nein! Nein!
Seid still! Klappe!
Du bist ja so schlau, Nila!
Halt!
Keinen Schritt weiter!
Das war mein letztes Angebot.
Ich rate euch, es anzunehmen.
Du machst uns keine Angst, Rudi!
Steck dir dein Angebot sonstwohin!
Hey du, hör auf zu filmen!
Wie heißt du?
Pass mit deiner scheiß Kamera auf!
-Verschwinde endlich, Rudi! -Ich sagte, du sollst aufhören!
Hey, ich behalte dich im Auge.
Halt dich von Rudi fern.
Du weißt nicht, wozu er fähig ist.
Ich habe keine Angst vor dem. Was will er schon tun?
Er kann doch keinen Ausländer angreifen. Ist doch völlig unmöglich.
Rudi schert sich einen Dreck um Frankreich.
Der weiß doch nicht mal, wo das ist.
Er hat schon einige Male Dorfbewohner verprügelt
und sogar gedroht, mich umzubringen.
Aber ich habe keine Angst vor ihm. Genauso wie Timo.
Timo hat mich zu seiner Hochzeit eingeladen.
-Mein Cousin hat dich sehr gern. -Ja.
Ich habe ihn auch gern.
Was ist mit dir?
Hast du jemanden an deiner Seite?
Du bist aber indiskret, Monsieur Martin.
Nein. Niemanden.
Ich will auch niemanden an meiner Seite haben.
Mein Leben ist kompliziert. Und auch gefährlich.
Das möchte ich keinem anderen Menschen zumuten.
Du kannst dir bestimmt vorstellen, hätte ich irgendwann eine Familie,
hätten meine Feinde etwas, um mir Schaden zuzufügen.
Das verstehe ich.
Was ist mit dir?
Ich? Nein.
Niemanden.
Glücklich ist die Auserwählte.
Was? Was sagst du? Das war zu schnell.
Ich sage:
"Ich wette, du würdest nicht einfach so ins Wasser springen."
-Ich ins Wasser? -Mhm.
-Das willst du sehen? Das willst du sehen? -Ja.
Na los.
Wow!
Siehst du?
Jetzt du.
Nein.
-Nein! -Komm schon.
Hör genau hin. Was hörst du?
Ich kann nichts hören.
Genau. Weil es nichts zu hören gibt.
Keine Vögel, keine Insekten und keine Orang-Utans mehr.
Alle sind weg.
Sie sind mit dem Urwald verschwunden und kommen nie mehr zurück.
Sieh mal. Eine der Verarbeitungsanlagen von Palmyr.
Hier wird das Palmöl gewonnen.
Das Blut von Indonesien.
Das vergiftete Blut, das uns langsam alle vernichtet.
Weißt du, wie man "Prost" auf Indonesisch sagt?
-Nein. -Okay.
Bersulang.
Brauchst du lang?
-Hä? -Nein.
Bersul... Bersulank.
-Sulang. -Sulang.
Bersulang.
-Bersulang. -Ja.
Prost, auf die schöne Nila.
Rudi, was tust du? Du ruinierst meine Hochzeit!
-Und ich wurde gar nicht eingeladen? -Glaubst du, du machst mir Angst?
-Darf ich die Braut jetzt küssen? -Träum weiter!
Fass sie nicht an!
Timo! Timo!
Timo!
Nila!
Hey! Hier ist er!
Okay, okay.
Okay.
Ist schon okay.
Alles gut.
Schnappt euch die Kamera!
-Du Stück Scheiße!
Ich sag doch, ich behalte dich im Auge!
Das sollte reichen.
Für heute.
Gehen wir!
Das ist unmöglich. Unmöglich.
Gab es denn schon mal Drogenvorkommnisse?
Nein, niemals.
Er hat höchstens mal einen Joint geraucht, wie alle Jugendlichen das machen.
Ich behaupte nicht, dass er ein Dealer ist,
aber Gelegenheiten ergeben sich nun mal und mit ihnen die Versuchungen.
Aber ich kenne doch meinen Sohn, er ist aufrichtig.
Ich habe vor drei Tagen mit ihm telefoniert und er hat weder die Absicht,
nach Hause zu kommen, noch irgendwo hinzufliegen.
-Das muss ein Irrtum sein. -Bitte, kein Grund zur Panik.
Unser Botschaftsattaché hat ihn besucht, er wird dort angemessen behandelt.
-Kann ich mit ihm reden? -Im Moment nicht.
Wir können ihm eine Nachricht zukommen lassen.
Was kann ihn erwarten?
Das Problem ist, dass die indonesische Justiz bei Drogen keinen Spaß versteht,
vor allem nicht bei Ausländern.
Braucht er einen Anwalt?
Das organisieren wir.
Und was kann ich in der Zwischenzeit tun?
Verhalten Sie sich vorerst äußerst diskret.
Wenn die Presse auf Sie zukommt, reagieren Sie nicht darauf, ja?
Ich bin rund um die Uhr unter dieser Nummer erreichbar.
Haben Sie vor, hinzureisen?
Selbstverständlich. Ich will meinen Sohn so schnell wie möglich sehen.
Gut. Dann informiere ich die französische Botschaft in Jakarta.
Sie schicken jemanden, der Ihnen dort behilflich ist.
Madame Landreau, ich weise Sie darauf hin: Seien Sie vor Ort besonders vorsichtig.
Keine Eigeninitiative.
WARNUNG! "TODESSTRAFE FÜR DROGENHÄNDLER"
-Guten Tag. -Guten Tag.
Said Ayouche, Attaché der Botschaft.
-Willkommen. -Danke.
Willkommen in Indonesien.
Ziemlich viel los, hm?
Allein in Jakarta leben 30 Millionen Menschen.
Anfangs fühlt es sich komisch an, aber...
man gewöhnt sich dran.
Wie lang darf ich ihn denn besuchen?
15 Minuten.
Aber ich sorg dafür, dass Sie länger bleiben können.
Wissen Sie Bescheid wegen der Dollar?
Dollar.
Geben Sie mir Ihren Pass.
Gehen Sie durch, ich mach das.
30 Minuten für Sie, okay?
Danke, Sir.
Ich hab für Sie 30 Minuten ausgehandelt.
Sie schulden mir 20 Dollar, okay?
Mein Schatz! Mein Schatz! Mein Schatz!
-Geht's dir gut? -Ja.
Warte.
-Ganz schön heiß, was? -Ja.
Was ist denn passiert?
Ich weiß nicht, ich...
Ich weiß nur, dass ich am Flughafen eingeschlafen bin.
Sicher haben die es da in meine Tasche gesteckt.
War ein Anwalt bei dir?
Er spricht nicht mal meine Sprache.
Keine Angst, ich besorg dir einen neuen. Wir finden einen guten.
Du musst Paul warnen.
Den Leiter vom KMA.
Wenn sie bei ihm die Karte finden, ist er in Gefahr, okay?
-Die Karte? Welche Karte? -Erklär ich dir später.
Jetzt musst du erst mal folgendes machen.
Lade meinen WeTransfer runter. Dafür gehst du in meine Mails.
Das Passwort ist martin94@. Das ist super wichtig.
Du musst dich beeilen, sonst läuft der Link ab.
Was ist mit diesem WeTransfer?
Ich habe etwas gefilmt.
Ich habe etwas gesehen, Maman.
Ein Dorf wurde angegriffen.
Es wurde auf Leute geschossen.
Ein Freund von mir ist tot.
Ich bin ganz sicher deswegen hier.
Sie sind mir gefolgt und haben mich reingelegt.
Ich verstehe nicht... Wer hat dich reingelegt?
Pssst. Wir sollten aufpassen, was wir hier sagen.
-Also, wer war es? -Ich weiß nicht.
Palmyr, die Polizei, eine Miliz, ich weiß nicht.
Das System, das so beschissen ist.
Das ist alles wegen ihres verdammten Palmöls.
Wenn du Paul gefunden hast, fragst du ihn bitte nach Nila?
Weißt du, Nila, das ist das Mädchen von den Fotos.
-Ja, aber... -Ich mache mir Sorgen um sie.
Ich hoffe, ihr ist nichts passiert.
Gut. Hast du alles?
"martin", kleingeschrieben, und "94@". Verstanden?
Ja?
Ja.
Wenn es stimmt, was er erzählt hat, handeln wir einen Deal aus.
Denn niemals würden die Indonesier eine Bombe im Netz platzen lassen.
Auf gar keinen Fall. Wir verhindern den Prozess.
Sagte er, wo das Dorf ist?
Er hat von Palmöl gesprochen. Wahrscheinlich in einem Palmenhain.
Palmenhaine gibt's hier wie Sand am Meer.
So, es lädt runter.
Ja.
Was soll das denn?
-War das der richtige Link? -Ja, ja. Es gab nur diesen.
Tja...
Hat er vielleicht was hinterlassen?
Eine Kopie, einen Stick oder eine Karte?
Eine Karte, ja. Beim Chef von KMA.
-Kann man dem vertrauen? -Ich glaube schon, ja.
Die Karte habe ich zerstört. Ich hatte keine Wahl.
Die Polizei ist hier einfach aufgetaucht und hat alles durchsucht,
das Büro, die Computer...
Ich wurde zwei Tage lang von der Polizei verhört.
Ich musste die Karte einfach zerstören.
Warum haben Sie sie nicht versteckt?
Bei Ihnen zu Hause zum Beispiel.
Bei mir haben sie auch alles durchsucht.
Ich verstehe nicht ganz, Martin hat doch alles gesichert.
Das dachte er, aber anscheinend wurde er gehackt.
Und Nila, die junge Dayak?
Sie war an dem Abend dort. Wissen Sie, wo sie ist?
Von Nila Jawad fehlt jede Spur.
Sie ist seit der Hochzeit verschwunden.
Und wie es hier eben so ist, hat natürlich niemand irgendwas gesehen oder gehört.
Wie viele Tote gab es?
Das ist schwer zu sagen.
Aber offiziell spricht man von einer Hochzeit, die aus dem Ruder gelaufen ist.
-Wissen Sie, wer das war? -Martin erwähnte ein Sonderkommando.
Typen, die wie Soldaten aussahen.
Vom Paramilitär? In wessen Auftrag?
Ich denke eher eine private Miliz. Aber in wessen Auftrag, das...
Sie wissen ja, wie das hier läuft.
Ich weiß es aber nicht!
Es werden Einwohner getötet.
Und es gibt keine Ermittlungen, Zeugen,
niemanden, der wissen will, was passiert ist?
Willkommen in Indonesien, Madame Landreau. So läuft das hier nun mal.
Vielleicht gibt es im Dorf aber doch jemanden, der aussagen könnte.
Wieso haben die das wohl getan?
Um ihnen Angst zu machen. Und das hat super funktioniert.
Niemand wird hier auspacken, die wissen, was sie damit riskieren.
Kommt raus! Wascht euch!
Hey, Franzacke!
Hey!
Das ist einer der beste Anwälte für solche Fälle.
Er arbeitet für die Botschaft und braucht keinen Übersetzer.
Entschuldigen Sie, dass Sie warten mussten.
Guten Tag, Madame Landreau, Rechtsanwalt der Bank.
Freut mich.
-Monsieur Ayouche, wie geht es Ihnen? -Gut.
Setzen Sie sich doch.
Also, ich habe keine guten Nachrichten für Sie.
Zuallererst habe ich darum gebeten, die Videoüberwachung einzusehen.
Wie es der Zufall will, war die Kamera im Wartebereich,
in dem Martin eingeschlafen ist, nicht eingeschaltet.
Das heißt, wir haben nichts in der Hand.
Das ist zwar unglücklich, aber wir müssen damit zurechtkommen.
Also schlage ich Ihnen nun folgendes Szenario vor, Madame Landreau.
Wir halten uns ab jetzt bedeckt.
Ihr Sohn war bedauerlicherweise zur falschen Zeit am falschen Ort.
Er wurde am Flughafen in eine Falle gelockt.
Man schmuggelte ihm die Drogen in die Tasche
und er diente unwissentlich als Drogenkurier.
Der Klassiker unter den Tricks.
Die Herausforderung ist, bestimmte Eigenschaften hervorzuheben.
Sein Glauben ans Gute, seine Unschuld und Redlichkeit.
Martins gesamter Lebenslauf spricht für ihn.
Allerdings muss er unbedingt vergessen, was er gesehen hat.
Die Sache mit dem niedergebrannten Dorf
darf er auf gar keinen Fall auch nur irgendwo erwähnen.
Seiner Meinung nach war das aber der Auslöser für seine Verhaftung.
Nein, unter keinen Umständen.
Ich erinnere Sie daran, dass wir keine Zeugen haben oder Beweise.
Wir müssen alles auf eine Karte setzen.
Vertrauen Sie mir.
-Gib mir ruhig die Tasche. -Nein, geht schon. Danke.
Ich pack' den in den Kofferraum.
Wie viel zahlst du dem indonesischen Anwalt?
-Erstmal 10.000 Dollar. -10.000?
Mann, ist das viel.
Er ist wohl der Beste.
Wie machst du das? Ich kann dir aushelfen.
Das ist lieb, aber ich schaff das schon.
Dass du dir Sorgen machst, ist klar.
Das ist ein abgekartetes Spiel.
Die Diplomatie weiß, wie man mit solchen Fällen umgeht.
Martin sitzt am anderen Ende der Welt unschuldig im Gefängnis.
Allein die Vorstellung, dass er so was durchstehen muss...
Es wird alles gut werden.
Ganz sicher.
Guten Tag, Martin.
Ich bin Ihr Anwalt.
Die beiden waren mittendrin.
Einer der beiden Männer war Schotte, und der andere war Ire.
Genau.
Sie wissen, dass Sie auf uns zählen können.
Viel Glück, Carole.
-Danke. Wiedersehen. -Wiedersehen.
Und zurück.
Gleich nochmal an den Anfang.
Genau, super.
Madame Landreau, Camille Fargue von OuestFrance.
-Haben Sie kurz Zeit für mich? -Nein, tut mir leid.
Konnten Sie Ihren Sohn sehen? Wird er gut behandelt?
-Das ist mein Grundstück. -Ja, aber haben Sie Neuigkeiten?
Ja.
Ich vertraue auf die Justiz, mehr habe ich nicht zu sagen.
Sie vertrauen auf das indonesische Justizsystem?
-Auf Wiedersehen. -Madame Landreau, bitte!
-Hallo? -Maman, hörst du mich?
Ja, mein Schatz.
Wie geht's dir?
Was soll die Verteidigungsstrategie vom Anwalt?
Ich bin als Zeuge eines Massakers im Gefängnis und soll die Klappe halten?
Hör mir zu.
Im Moment ist das die einzige Möglichkeit, um dich da rauszuholen.
Ohne deine Daten oder deine Karte haben wir keinen Beweis.
Was heißt das, keinen Beweis? Was soll das?
Die haben ein Dorf niedergebrannt und Timo umgebracht.
-Sind das keine Beweise? -Beruhige dich, Martin, beruhige dich.
Paul hatte recht, sie vertuschen die Sache, es gibt keine Ermittlung.
Was, keine Ermittlung?
Weißt du, was das bedeutet?
Dass die Typen von Palmyr die Bauern umlegen können, um ihr Land wegzunehmen?
Was macht die indonesische Polizei und Justiz?
Darf man Bauern einfach töten und den Planeten vernichten?
Ich weiß, ich weiß, mein Schatz, ich weiß.
Martin?
Martin?
Es reicht, aufhören! Sofort aufhören!
Stopp! Stopp!
Was ist dein scheiß Problem, Ginger?
Ist er deine Bitch oder was?
- Wir bringen Sie in Ihre Zelle. -Alles gut, alles gut.
Kannst du mich hören?
Martin, antworte bitte.
Martin!
Danke, Mann.
Kein Ding.
Wir Dealer sollten zusammenhalten.
Hey.
Alles gut?
Martins Anwalt hat mich angerufen.
Er hat die Anklageschrift erhalten.
Sie fordern zwanzig Jahre.
Das kann doch nicht sein.
Er meint, ich soll mir keine Sorgen machen, das sei nur Publicity.
Es soll die Gemüter erhitzen, er hat damit gerechnet.
Hast du mit Martin geredet?
Nein.
Nein, er muss es ihm mitteilen.
Angeblich wollen sie den Prozess vorziehen.
Der Gerichtspräsident will es wegen der Wahlen schnell hinter sich bringen.
Ich weiß nicht, ich hab's nicht verstanden.
Ich muss wieder hinfliegen.
Und was ist das da?
Dieses Palmöl.
Das Zeug ist überall drin. Ich kann den Scheiß nicht mehr sehen.
Ich weiß nicht, ob Sie sich dessen bewusst sind.
Wir konnten das Schlimmste verhindern.
Das Schlimmste?
Lebenslänglich.
Ganz zu schweigen von der Todesstrafe.
Bedenkt man, wie hart Indonesien gegen den Drogenhandel kämpft,
sind zwanzig Jahre erfreulich.
Nehmen Sie es mir nicht übel, dass ich mich nicht darüber freue.
Immerhin ist mein Sohn unschuldig.
Ich hatte erwartet, Sie teilen mir mit,
was weiß ich, dass Frankreich reagiert, dass es eine Stellungnahme gibt,
dass Sie die Auslieferung beantragen.
Nein, wir mischen uns nicht in die indonesische Justiz ein.
Es gibt keine Vereinbarung zwischen Frankreich und Indonesien,
Gefangene auszuliefern.
Aber wir agieren weiterhin so, wie es uns auf politischer Ebene möglich ist.
Wir arbeiten dran, Madame Landreau, aber Sie müssen wissen,
dass wir uns auf dünnem Eis bewegen.
Madame Landreau, Ihr Taxi ist da.
Lassen Sie uns machen, ja?
Vertrauen Sie uns.
Mein Sohn hat die Spur seiner Freundin Nila Jawad verloren.
Nila Jawad, die Aktivistin?
Ja, sie war bei ihm, als das Dorf attackiert wurde,
und seitdem ist sie verschwunden.
Ja, davon habe ich gehört. Ihr Verschwinden sorgt für Aufsehen.
Es gibt einen Bericht im "Le Monde Diplomatique".
Alle Aktivistennetzwerke bemühen sich, zu erfahren, was mit ihr passiert ist,
aber sie bleibt unauffindbar.
Könnten Sie versuchen, mehr herauszufinden?
Ich kann nichts versprechen, aber ich sehe, was ich tun kann.
Mit dem morgigen Beginn des Prozesses
gegen Martin Landreau in Jakarta,
der von der indonesischen Justiz wegen Drogenhandels angeklagt wird,
steht das Schicksal eines jungen Franzosen am anderen Ende der Welt auf dem Spiel.
Dem Studenten aus der Vendée drohen 20 Jahre Haft.
Der indonesische Staat ist für seine Unnachgiebigkeit...
-Können Sie bitte das Radio ausschalten? -Ja, natürlich.
Sie sind Martin Landreau, sind 28 Jahre alt und französischer Staatsbürger.
Sie sind vor fünf Monaten nach Borneo in Indonesien gekommen,
um in der Provinz Kalimantan ein Praktikum zu machen,
bei der NRO Kalimantan Medical Aid.
-Ist das richtig? -Ja.
Und Sie wurden am 13. Februar auf dem Flughafen von Balikpapan verhaftet,
im Besitz von 600 Gramm Kokain.
Was war Ihre Aufgabe bei der NRO?
Ich habe die Bedürfnisse der Bevölkerung erfasst.
Euer Ehren.
[Staatsanwältin] Martin Landreau,
uns wurde mitgeteilt, dass Sie Anthropologie-Student sind.
In Wirklichkeit kamen Sie nach Indonesien,
um für Ihre Dissertation über die Abholzung von Wäldern
zur Palmölproduktion Untersuchungen anzustellen.
Sie hatten keine vorgeschriebene Forschungsgenehmigung bei sich.
Daher unterschlugen Sie den Behörden den wahren Grund Ihres Aufenthalts.
Euer Ehren, mein Mandant ist in der Tat ein Anthropologie-Student,
der an seiner Universität in Frankreich einen ausgezeichneten Ruf genießt.
Es stimmt, dass er wegen seiner Dissertation hierher gereist ist.
Und es ist wahr, dass er keine Forschungsgenehmigung hatte.
Aber das ist der einzige Vorwurf, den man ihm machen kann.
Rechtlich gesehen gibt es absolut nichts, was meinen Mandanten daran hindert,
für eine NRO in Indonesien zu arbeiten.
Das hat allein das Gericht zu entscheiden.
Kommen wir nun zur Vernehmung der Zeugen.
Guten Tag, Euer Ehren.
Ich bin der Sicherheitschef der Firma Palmyr.
Ich kenne diesen Mann.
Er kam regelmäßig auf die Plantage, um den Arbeitern Drogen aufzudrängen.
Falsch!
Nein, das ist eine Lüge!
Dieser Mann ist ein Lügner!
- Martin! Martin! -Euer Ehren, die Wahrheit ist,
dass dieser Mann im Dorf Lasang einen Mord begangen hat.
-Sir! -Ich war da und hab's gefilmt!
Sie haben nicht das Recht zu sprechen.
Seien Sie still, oder ich lasse Sie aus dem Gerichtssaal entfernen.
Rudi, ich weiß, was du getan hast und wer du bist.
Sieh mich an, du Mistkerl!
Du bist ein Mörder und dafür wirst du büßen, Arschloch!
Ruhe jetzt!
Das ist die letzte Verwarnung. Ich habe Sie ermahnt, still zu sein!
Danke.
Der nächste Zeuge, bitte.
Guten Tag, Euer Ehren.
Ich bin Arbeiter bei Palmyr.
Dieser Mann kam eines Tages und bot mir Drogen an.
Sie hätten ihm Drogen angeboten.
Falsch! Ich kenne den Mann nicht.
Ich habe ihn noch nie in meinem Leben gesehen.
Nun, er scheint Sie aber zu kennen.
Danke. Nächster Zeuge, bitte.
Was ist hier los? Was soll das?
Dr. Paul Lepage, kennen Sie diesen Mann?
Ja, euer Ehren, das tue ich.
Erzählen Sie, wie Sie ihn kennengelernt haben.
Ich wusste, das Martin Student ist, euer Ehren.
Bei KMA sind, wie in den meisten NROs,
unsere Praktikanten in der Regel Studenten.
Aber er hat nicht von seiner Dissertation gesprochen.
Davon wusste ich nichts.
Dennoch kann ich versichern, dass er sehr gute Arbeit geleistet hat bei KMA.
Er ist ein intelligenter,
zuverlässiger und ehrlicher junger Mann,
der Indonesien und die Indonesier liebt.
Ich habe ihn nicht ein einziges Mal unter Drogeneinfluss gesehen
und kann Ihnen versichern, dass er auf keinen Fall ein Drogenschmuggler ist.
Dr. Lepage, halten Sie es für möglich, dass irgendjemand einen Grund hätte,
einen Groll gegen meinen Mandanten zu hegen?
Nein.
Nein, euer Ehren, für mich ist das ein ganz klassischer Fall eines Europäers,
der Drogenhändlern zum Opfer gefallen ist.
Was soll der Quatsch? Was redest du da?
Und Palmyr? Und das Massaker in Lasagne?
-Nicht! Martin! -Wieso sagst du nichts? Sag's doch!
-Sag, was du weißt! -Es reicht!
-Wachen! -Erzähl es doch!
-Führt ihn ab! -Sag, was du weißt, Mann!
Sag es!
Warum sagst du nichts?
Haben dich die Wichser von Palmyr bestochen, ja?
Du Verräter!
Wer waren diese Kerle?
Wussten sie, dass die aussagen würden?
Beide stellen meinen Sohn als Dealer hin.
Madame Landreau, ich habe getan, was ich konnte.
Wieso haben Sie nicht die Wahrheit gesagt?
Ich gehe schon ein großes Risiko ein, indem ich hier auftauche.
Wenn ich jetzt noch über die Ereignisse in Lasang rede...
Wieso sagen Sie dann überhaupt aus?
Hätte ich lieber nicht kommen sollen?
Ist Ihnen klar, wie das dann ausgesehen hätte?
Aber so stellen Sie meinen Sohn als Lügner dar.
Sieht das etwa besser aus?
Ich muss jetzt leider gehen.
Sagen Sie Martin, ich werde ihn nie vergessen. Viel Glück.
Was hat er gesagt? Was hat er gesagt?
Todesstrafe.
Nein.
Nein! Nein! Das darf nicht wahr sein!
Nein, nein, nein, nein, nein, nein!
Nein, ich bitte Sie!
- Nein, bitte! -Nein!
-Bitte, bitte, bitte! Ganz ruhig! - Das lass ich nicht zu!
Bitte, beruhigen Sie sich! Bitte, ganz ruhig!
Lassen Sie uns durch! Bitte!
Hey!
Wo fahren wir hin?
Nach Alcatraz, Mann!
Nach Alcatraz!
Nächster Halt: Todestrakt!
Ruhe!
Hier.
Danke.
-Werden sie meinen Sohn töten? -Nein, nein, nein.
Frankreich wird das verhindern, soviel steht fest.
-Haben Sie Kinder, Said? -Sie können mich ruhig duzen, Carole.
Nein.
Nein, ich habe keine Kinder.
Ich weiß noch, wie ich ihn das erste Mal im Arm hatte.
Er war so zerbrechlich.
Er war ganz winzig.
Und wie sich zum ersten Mal unsere Blicke trafen.
Er brauchte seine Maman so sehr.
Ich habe mein Leben lang dafür gekämpft, dass ihm nichts geschieht.
Und jetzt nehmen Sie ihn mir weg.
Er wird mir entrissen.
Sie verurteilen ihn.
Das ist... das ist unbegreiflich.
I've been a wild rover for many a year.
And I've spent all me money on whiskey and beer.
But now I'm returning with gold in great store.
And I never will play the wild rover no more.
And it's no, nay, never.
And it's never no more.
Will I play the wild rover.
No never no more.
I have played a wild rover
for many a year.
And I've spent all me money on whiskey and beer.
But now I'm returning with gold in great store.
And I never will play the wild rover no more.
-Hallo? -Madame Landreau?
-Ja. -Delors am Apparat.
Ich hab gute Nachrichten für Sie.
Wir haben Nila Jawad gefunden.
Mjamm!
Wir werden ja heute richtig verwöhnt!
Solange da kein Palmöl drin ist...
Man achtet also auf die Linie.
Boah, ist das scharf!
Im Ernst, ich versteh das nicht.
Du hast mir doch erzählt, dass du dir beim Surfen 'nen Namen gemacht hast.
Dass du an allen Top-Spots warst und so.
Also, warum spielst du mit dem Feuer?
Ich meine, du weißt, dass Indonesien und Drogen nicht harmonieren.
Die ultimative Welle, Mann. Der Traum eines jeden Surfers.
Die Welle!
Der Thrill aller Thrills, der einen unbesiegbar macht.
Man muss schon ein bisschen verrückt sein, sein Leben nur danach auszurichten.
Aber das hat seinen Preis.
Egal, wie viele Jobs man annimmt, man lebt von der Hand in den Mund.
Und das Reisen kostet ein Schweinegeld.
Triffst du dann den Kerl,
der dir mal eben für einen superschnellen kleinen Gefallen
den Jackpot unter die Nase hält, dann fackelst du nicht lange.
Du machst es.
Lediglich drei Kilo Heroin in deinem Surfbrett,
ein Kontrollposten...
und das schöne Leben wartet auf dich.
Aber du musst dich immer vor der Welle in Acht nehmen.
Sie trifft dich völlig unverhofft.
Die Wahrheit ist, Mann, jemand hat mich verpfiffen.
So ein Wichser hat mich verraten.
Und du?
Wie bist du in dieses abgefuckte Land geraten?
Ich möchte verstehen.
Die verrückte Welt, in der wir leben.
Die Welt, die sich ihr eigenes Grab schaufelt.
Wow! Der Philosoph hat gesprochen.
Nein, ich bin kein Philosoph, nur Realist.
Weißt du, ich war 16, als mein Vater starb.
An Lungenkrebs.
Und man vermutet an Asbest.
Kennst du das?
Er war Malermeister im Baugewerbe.
Jeder wusste, dass es gefährlich war, aber niemand hat was dagegen unternommen.
Und hier läuft es auch so.
Wir zerstören weiterhin den Wald, obwohl wir die Auswirkungen kennen.
Weißt du, was ein Schamane mir sagte? Er meinte:
"Der weiße Mann zerstört den Wald wegen seiner Gier.
Aber am Ende werden alle sterben,
auch der weiße Mann."
Wenn wir aufwachen, wird es zu spät sein.
Das ist keine Prophezeiung, sondern nur gesunder Menschenverstand.
Weißt du, Mann, das heitert mich wahnsinnig auf.
Ich bin unglaublich froh, dass wir beide nicht die einzigen sind, die drauf gehen!
Du bist ein Idiot.
So ein Idiot.
Guten Appetit.
Ich verstehe echt nicht, wie du das essen kannst, ehrlich.
Überleben, Kumpel.
Überleben!
Glaubst du, eine Berufung holt mich hier raus?
Abang hat es gesagt. Ich kann mich nicht verteidigen.
Berufungsverfahren finden hier verdeckt statt.
Und die Richter machen sowieso ihr Ding.
Denen ist es völlig egal, ob ich unschuldig bin.
Es geht nur ums Strafmaß. Mit Glück kriege ich lebenslänglich.
Bestenfalls 10, 15 Jahre.
Wie soll ich das überstehen? Das schaffe ich nicht.
Lieber sterbe ich.
-Nein, mein Schatz, sag so was nicht. -Weißt du, hier drin sitzt einer,
der tötet fünf Menschen mit einem Säbel und bekommt neun Jahre. Mehr nicht.
Ich bin unschuldig und soll froh sein, wenn ich lebenslänglich bekomme?
Da stimmt doch was nicht, das funktioniert nicht!
-Nila ist am Leben. -Was?
Delors hat sie gefunden.
-Wo ist sie? -In einem Frauengefängnis in Puncak.
-Und wie geht's ihr? -Es war nicht leicht, sie zu finden.
Sie wurde unter falschem Namen registriert, damit es nicht rauskommt.
Sie wurde von einer Insassin erkannt.
Laut Delors wird sie nicht lange im Gefängnis bleiben.
Eine inhaftierte Aktivistin schadet dem Ruf des Landes,
das sich demokratisch nennt.
Sie werden sie freilassen müssen.
Sie haben Angst vor ihr.
Und dann hab ich noch das hier.
"Der Präsident der französischen Republik
bekräftigt seine Ablehnung der Todesstrafe
und hält am Recht auf Verteidigung fest, wo immer es ausgeübt werden muss.
Er bittet das Berufungsgericht von Jakarta,
das Urteil gegen Martin Landreau zu überdenken.
Mit Gnade und Gerechtigkeit."
Dadurch lassen sie mich bestimmt frei.
Laut Said ist das in diplomatischen Kreisen ein riesen Einsatz.
Delors und Abang halten dein Todesurteil für einen Bluff,
um bis zu deinem Berufungsverfahren Druck auszuüben.
Dass ich hier bin, scheint allen zu passen.
Sie können die Affäre begraben, bis es niemanden mehr interessiert.
Wann ist das Berufungsverfahren?
In sechs Monaten, einem Jahr, zehn Jahren?
Abang ist optimistisch. Er glaubt, in den nächsten drei Monaten.
Hast du einen Stift für mich?
Hallo.
Ah! Madame Landreau.
Jemand wartet schon länger auf Sie am Swimmingpool.
Es geht um Ihren Sohn.
-Kann ich meinen Koffer hier lassen? -Ja, natürlich.
-Danke. -Gern.
Madame Landreau? Ich bin Nila.
Ich wurde letzte Woche entlassen.
Selbstverständlich wollten sie wissen, wohin ich gehe und wen ich treffe.
Aber unglücklicherweise ist Jakarta eine große Stadt,
in der ich viele Freunde hab.
Also schaffte ich es, ihnen zu entkommen.
Wie haben Sie mich denn gefunden?
Meine Aktivistenfreunde verfolgen Martins Prozess.
Es war also leicht herauszufinden, wo Sie unterkommen.
Wie geht es Martin?
Er hält sich wacker.
Madame Landreau, uns bleibt nicht viel Zeit.
Ich weiß, dass Sie heute nach Frankreich zurückfliegen.
Ich hab ein paar Informationen, die Martin helfen könnten.
Wusstest du, dass Palmyr KMA finanziert?
Wer sagt das?
KMA gehört Golden Palm, und die gehören zu Palmyr.
Ihr "grünes" Schaufenster.
Zertifiziertes Öl, Rücksicht auf die Biodiversität.
Heißt das etwa, Paul Lepage arbeitet für Palmyr?
Indirekt schon, ja.
Deshalb hat er die Aufnahme gelöscht
und während der Anhörung nichts gesagt.
Wer weiß.
Was ich aber weiß ist, wer das Dorf Lasang angegriffen hat.
Australische Söldner waren das.
Dieselben, die letztes Jahr in Papua tätig waren.
Zweifellos von Palmyr finanziert.
Und leider ist das unmöglich zu beweisen.
Dieses Land wird zu sehr von Korruption gesteuert.
Woher haben Sie diese ganzen Informationen?
Ich kann Ihnen nicht mehr sagen.
Bis auf, dass einige von unseren Aktivisten Palmyr auf den Zahn fühlen.
Und wenn man sehr gründlich sucht, wird man auch fündig.
Das ist noch nicht alles.
Es stecken französische Gelder in Palmyr. Weißt du das?
Vielleicht macht das die französische Botschaft nervös.
Gehört es mit zu deinen Aufgaben als Attachée der Botschaft,
die französischen Interessen am Palmöl zu wahren?
Ich weiß nicht, wer dir das erzählt hat, aber du solltest dich vorsehen.
Genau, ich sehe mich bei allen vor.
Mein Sohn wird zum Tode verurteilt und niemand hilft.
Ich verstehe, dass du wütend bist. Das verstehe ich.
Aber ich bin auf Martins Seite. Verlass dich auf mich.
Ich sag dir mal was.
Offiziell glaubt die Botschaft, dass ich für einen Auftrag nach Paris fliege.
Aber ich will Netzwerke aktivieren, die uns nützlich sein können.
Aktiviere was du willst.
Martin und ich werden kämpfen, bis zum bitteren Ende.
Lass dir und deinen Kumpels von der Botschaft das gesagt sein.
Dein Urteil ist doch noch nicht bestätigt worden.
Nein.
Warum verlegen sie dich dann in Einheit 4?
Madame Landreau, gibt es Neuigkeiten?
Gibt es Hoffnung, dass Ihr Sohn wieder herauskommt?
Bitte, gibt es Neuigkeiten?
Eine Nachricht von meinem Sohn.
Fassen Sie sich kurz, Madame Landreau. Wir werden erwartet.
"Mein Name ist Martin Landreau.
Ich bin 28. Ich wurde zum Tode verurteilt.
Ich bin als Anthropologie-Student nach Borneo gereist,
um mehr über das Volk der Dayak zu erfahren.
Ein Volk, dessen Rechte und Kultur ignoriert werden
und das kurz davor ist, auszusterben.
Ein Volk, das Opfer von unrechtmäßigen Enteignungen, illegaler Abholzung,
der Gewalt von Milizen und Opfer der Korruption der Polizei
und indonesischen Justiz ist.
Am 12. Februar wurde ich Zeuge eines Massakers in einem Dayak-Dorf,
das von mehreren bewaffneten Männern im Auftrag von Palmyr,
einem Palmölkonzern, verübt wurde.
Bei diesem Angriff wurde ein Mann, Timo Jawad,
während seiner Hochzeitsfeier getötet.
Seine Cousine Nila wurde gefasst und inhaftiert.
Im Gegensatz zu den Behauptungen der indonesischen Behörden
bin ich kein Drogendealer.
Als Zeuge bin ich eine Bedrohung.
Und hier ist es bequem, solche Zeugen zu töten
oder sie in manipulierten Prozessen zu verurteilen,
bei denen das Recht auf Verteidigung missachtet wird."
Ich habe eine Antwort von der Kommission.
"Ich klage Palmyr,
und den indonesischen Staat an, den Planeten abzuschlachten,
Dorfbewohner zu töten und einen Unschuldigen im Gefängnis zu halten,
um ihn zum Schweigen zu bringen.
Und ich klage den französischen Staat der Mitschuld an."
Ja, Jérôme?
Der Änderungsantrag kommt in einem Monat ins Plenum.
Danke.
Ja, ich weiß.
Ich weiß, aber ich konnte es nicht verhindern.
Ist gut, wir kommen.
Neuer Plan, zum Außenministerium.
-Was ist passiert? -Wir fahren nicht zum Präsidenten.
Wieso?
Was glauben Sie wohl?
Nach so einem Frontalangriff kann der Präsident Sie nicht empfangen,
ohne einen diplomatischen Zwischenfall zu riskieren.
Madame Landreau, seit drei Monaten kämpfen wir.
Wir wollen etwas erreichen, aber Sie machen alles zunichte.
Glauben Sie etwa, dass das den Indonesiern gefallen und Sie zur Gnade bewegen wird?
Ich bin gleichermaßen empört wie Sie, aber je mehr Sie an die Öffentlichkeit gehen,
desto weniger will die indonesische Justiz ihr Urteil aufheben.
Eine Frage der Souveränität, des Nationalstolzes, verstehen Sie?
Ich schweige schon seit drei Monaten.
Ich habe mich zurückgehalten. Kein Wort zu den Medien.
Ich habe Ihre Anweisungen befolgt. Und was ist das Ergebnis?
Nun, Ihr Sohn befindet sich in einem wirtschaftlichen und politischen Spiel,
das weit über seinen Fall hinausgeht.
Seine Unschuld spielt überhaupt keine Rolle mehr.
Die Indonesier signalisieren es als Warnung.
"Kümmert euch um euch und kommt uns nicht mit Belehrungen."
Mein Wille ist nur, endlich meinen Sohn herzuholen.
Er darf nicht sterben
und er darf nicht in ihrem Gefängnis verrotten, obwohl er nichts getan hat!
Das verstehe ich, so wird es Ihnen aber nicht gelingen.
Madame Landreau, viel steht hier auf dem Spiel, von dem Sie gar keine Ahnung haben.
Wie französisches Kapital in der Palmölproduktion?
Ach, Madame, zum Glück gibt es das französische Kapital auf der ganzen Welt.
Auch in einer korrupten Firma, die in Verbrechen verwickelt ist?
Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen, aber wenn Sie Informationen haben...
Lasang, das Gebiet der Dayak.
Sie haben es niedergebrannt und ein paar Einwohner erschossen.
Haben Sie dem Minister nicht davon erzählt?
Wenn Sie dieses gefährliche Spiel unbedingt spielen wollen, nur zu.
Die Medien sind verrückt danach.
Bitten Sie aber den Staat danach nicht um Hilfe.
Entweder so oder so.
Sie müssen sich entscheiden, Madame.
Er war mal beim Geheimdienst und arbeitet jetzt als Wirtschaftsberater.
Ein brillanter Typ und er kennt jeden.
Warum sollte er helfen?
Als ich noch im Irak war, arbeiteten wir zusammen
an der Entführung von drei Franzosen.
Humanitäre Helfer, erinnerst du dich?
Nein.
Wie auch immer.
Wir konnten sie befreien und sind seitdem Freunde.
-Alles klar, Gilles? -Ja, und bei dir?
Gilles Manzoni, Carole Landreau.
-Freut mich. -Guten Tag.
Das ist überall drin.
In Lebensmitteln, Kosmetika, Reinigungsmitteln.
Und vor allem im Diesel, um "grün zu fahren", hm?
Ich weiß.
Äh, Toni?
Noch einen.
Haben Sie auch gewusst, dass Flugzeuge damit fliegen sollen?
Ja, um Kerosin zu ersetzen.
Es ist kein Ende in Sicht.
Danke.
Schade um die Orang-Utans und die Dayak.
Für die Einwohner sind das Arbeitsplätze und Wohlstand.
Viel Wohlstand.
Alle wollen mitspielen, bis in die höchsten Kreise.
Das Palmöl bleibt unantastbar.
Außerdem bringt es Devisen ein.
Jede Menge Devisen.
Also wird gekauft, investiert, gebaut, entwickelt und importiert.
Und auf einmal stehen alle Schlange.
Die Chinesen, die Australier, die Koreaner, die Amerikaner...
Die Franzosen?
Aber klar, auch die Franzosen.
Die indonesische Hauptstadt soll nach Kalimantan verlegt werden,
auf Borneo.
Das bringt so 30 Milliarden Euro.
Gebäude, Autobahnen, Flughäfen, Universitäten...
Aufträge für französische Konzerne.
Das ist aber nicht alles.
Kampfjets, U-Boote, Satelliten...
Falscher Zeitpunkt, es sich mit den Indonesiern zu verscherzen.
Ich weiß. Bloß niemanden verärgern!
Das meint der Minister auch.
Ja, mit all den wichtigen Verträgen hat er nicht sehr viel Handlungsspielraum.
Und dann der Druck der Lobbys.
Und der Politiker, denn das alles bedeutet auch
Arbeitsplätze hier in Frankreich.
Aber wissen Sie, ich sage Ihnen eins:
Für die Indonesier ist Ihr Sohn vor allem eine innenpolitische Spielfigur.
In einem Jahr stehen dort Wahlen an
und Präsident Jokowi hat bestimmt kein Interesse daran, Schwäche zu zeigen.
Fundamentalistische Religiöse und Nationalisten
wollen ihn jedoch nur beschuldigen, aus dem Ausland finanziert zu werden.
So leid es mir tut, Ihr Sohn ist ihnen im Gefängnis sehr nützlich.
Und im Moment kann das Außenministerium nicht viel tun.
-Und dafür hast du mich hierher gebracht? -Mhm.
Weil wir das Außenministerium umgehen.
Vivéol. Sagt Ihnen das etwas?
Nein.
Europäischer Marktführer in der Agrarindustrie.
Französischer Spitzenreiter bei Biokraftstoffen.
Über eine luxemburgische Holding am Kapital von Palmyr beteiligt.
Das heißt, Vivéol kann Einfluss auf Palmyr nehmen,
die Einfluss auf die indonesische Justiz nehmen kann.
Verstehen Sie?
Kurz gesagt, wir müssen Vivéol auf unserer Seite haben, das ist sehr wichtig.
Genau.
Und dafür haben wir einen Trumpf in der Hand.
-Ihren Sohn. -Das heißt?
Martin bohrt da, wo es weh tut, an ihrem Image.
Genau.
Die Abholzung des Urwalds, die Ausrottung der Orang-Utans und der indigenen Völker,
nur damit wir unsere Tanks mit grünem Treibstoff füllen.
Das wird bei uns alles immer unbeliebter.
Und was genau haben Sie jetzt vor?
Tja, Madame.
Wir müssen ins Schwarze treffen.
Und wir haben nur einen Versuch.
Nicht schlecht, Maestro.
Jetzt bin ich dran.
-Sauber.
Du musst diesen Winter mit mir nach Quebec.
Dann gehen wir auf Karibu-Jagd.
Ich dachte, das wäre verboten.
Nein, nein, nein.
Da gibt es strenge Regeln für normale Jäger.
Aber nicht, wenn du im Saint Edwards Club bist.
Ah.
Ich habe mit Freunden ein privates Jagdrevier im Norden von Montreal.
Da ist alles erlaubt.
Und ich sag dir was:
Kostest du erst einmal diese frische Luft,
das Abenteurerleben, diese endlosen Weiten...
Aport!
So ist fein. So ist fein. Ja.
Mist!
Um auf unser Gespräch zurückzukommen, ist es so:
Wir handeln bei Vivéol sehr umweltbewusst.
Wir importieren nur Öl mit der Auszeichnung "Ohne Abholzung".
Glauben Sie etwa, dass Palmyr keine Wälder abholzt?
Einen Moment mal.
Vivéol bezieht ihr Öl von Golden Palm. Das heißt nur umweltfreundliches Öl.
Und dass Golden Palm im Besitz von Palmyr ist, ist kein Problem?
Für uns ist wichtig, dass es nachhaltiges Öl ist.
Garantiert massakerfrei?
Super grünes Versprechen.
Was redest du denn da?
Okay, mag sein, dass der Sohn von Madame Zeuge eines Dorffeuers war,
aber du weißt besser als ich, Gilles, dass Indonesien das Land der Milizen ist.
Die gibt's überall. Und die gehen über Leichen.
Vivéol hat aber nichts damit am Hut.
Vielleicht handelt es sich hier um eine Abrechnung unter Dayaks.
Immerhin sind die Dayaks Krieger.
-Dafür waren Australier verantwortlich. -Na also.
Was hat dann Palmyr damit zu tun?
-Meinen Sie das im Ernst? -Ja.
Die Leute wurden von Palmyr dafür beauftragt,
damit die Dorfbewohner aus Angst ihr Land verlassen.
Und das nur, um es weiter abzuholzen.
Machen Sie sich vor Ort mal ein Bild von ihren Methoden.
Ich weiß.
Auf moralischer Ebene gibt's dort noch viel zu tun.
Und genau das ist auch Teil unseres Projekts.
Hör mit dem Geschwätz auf, Antoine.
Wir sind hier nicht bei der Nationalversammlung.
Das Leben eines Mannes ist bedroht.
Und du weißt, deinen Klienten könnte das enorme Probleme bereiten.
Vivéol muss unbedingt auf Palmyr einwirken,
damit sie vor Ort ihren Einfluss ausspielen kann.
Aber das ist doch Lobbyismus, hm?
Und?
Ist das etwa nicht deine Aufgabe?
Wenigstens wäre es dann einmal für einen guten Zweck.
Also wirklich. Ich arbeite doch immer für die gute Sache.
Natürlich.
Sie wollen kein Palmöl und das zeigen sie.
Die ganze Nacht über blockierten Landwirte
den Eingang zur Total-Raffinerie in La Mède.
Diese importiert jedes Jahr 350.000 Tonnen Palmöl zur Herstellung von Treibstoff,
das hauptsächlich aus Indonesien kommt,
wo ganze Wälder abgebrannt werden, um Palmenhaine anzulegen,
wie man auf den Bildern sehen kann.
Frau Abgeordnete, was empfinden Sie, wenn Sie diese Bilder heute Abend sehen?
Ich persönlich kann die Wut unserer Landwirte voll und ganz verstehen.
Ich möchte darauf hinweisen, dass sie vor einigen Jahren von der Europäischen Union
und vom Staat zur Produktion von Rapsöl
für die Herstellung von Biodiesel angeregt wurden.
Und heute haben sie keine Chance mehr gegen die Schleuderpreise für Palmöl
aus Südostasien anzukommen.
Die Landwirte, die man auf den Bildern gesehen hat und die Umweltverbände
prangern zudem einen ökologischen Irrsinn an.
Bei der Vorbereitung der Sendung fand ich heraus,
dass das Fahren unserer Autos mit Palmöl dreimal so umweltschädlich ist,
wie das Fahren mit Rapsöl, das in Frankreich angebaut wird.
Erstens, weil man beim Abholzen eines Waldes Kohlendioxid freisetzt.
Ich habe auch Kinder, Madame, und kann Ihre Angst nur allzu gut verstehen.
Hören Sie, wir werden etwas versuchen.
Es ist nur wegen des geplanten Änderungsantrags
bei der Nationalversammlung kein guter Zeitpunkt.
Ich nehme an, Sie hatten vor, über die Situation mit Madame Mbaye zu reden, oder?
-Wer ist das? -Madame Mbaye?
Die Abgeordnete der Grünen.
Wir dürfen nicht mehr die Augen verschließen, das ist Irrsinn.
Auch wenn es am anderen Ende der Welt passiert, geht es uns alle an.
Deshalb möchte ich bei der Gesetzesvorlage zu Biokraftstoffen,
die nächsten Monat entschieden wird, dafür sorgen,
dass die Einfuhr von Palmöl nach Frankreich ab sofort hochbesteuert wird.
Die Versammlungsmitglieder reden über nichts anderes.
Nur, dass dieser Steuervorschlag die Indonesier natürlich sehr verärgert.
Stellen Sie sich vor, wie viele Millionen denen entgehen.
Madame...
Ihr Sohn ist hier offenbar Teil der Gleichung.
Wenn Madame Mbaye ihren Änderungsvorschlag zurückziehen würde,
würde uns das die Arbeit sehr erleichtern.
Madame Mbaye, verzeihen Sie, ich bin Carole Landreau.
Mein Sohn ist in Indonesien verhaftet. Darf ich mit Ihnen sprechen?
-Das ist kein guter Zeitpunkt... -Nein, ist gut, Jérôme.
Entschuldigung, ich muss gehen. Vielen Dank.
Gut. Danke, Karim.
Ich muss mit Ihnen sprechen. Es ist wichtig.
Ich hab nicht viel Zeit, man wartet schon auf mich,
aber ich höre, Madame Landreau.
Mein Sohn Martin wurde zum Tode verurteilt.
Ich weiß.
Er wartet auf sein Urteil im Berufungsverfahren.
Ich weiß alles, Madame.
Er wurde Opfer eines abgekarteten Spiels und ist unschuldig.
Und ich weiß, was Sie von mir verlangen werden.
Ich soll meinen Änderungsantrag zur Besteuerung von Palmöl zurückziehen.
Was Sie aber nicht wissen, ist,
dass mein Sohn gerade in den Todestrakt verlegt worden ist.
Sie haben das Ergebnis der Berufung gar nicht abgewartet.
Und wenn ich meinen Antrag zurückziehe, wird er freigelassen?
Sie werden ihn sicher töten, wenn Sie es nicht tun.
Wer hat Ihnen das eingeredet?
Ich hab Kontakte. Einflussreiche Kontakte.
Ist es vielleicht Monsieur Poulain?
Ja.
Er ist sich wirklich für nichts zu schade.
Er hat mit Ihnen eine Abmachung, richtig?
Mich, die Familienmutter und Abgeordnete zu brechen,
und dafür lässt er Kontakte spielen?
So etwas nennt man auch Kuhhandel, Madame Landreau.
Poulain weiß, dass er nichts machen kann, das übersteigt seine Macht.
Er kann nur versuchen, Vivéol Zeit zu verschaffen.
Immerhin hat er mir was angeboten.
Seit vielen Monaten beiße ich auf Granit. Sie haben keine Ahnung...
Doch, doch. Das kann ich mir sogar gut vorstellen.
Fünf Jahre meines Lebens.
Seit fünf Jahren kämpfe ich für diesen Entwurf.
Seit fünf Jahren werde ich von allen Seiten unter Druck gesetzt.
Von den Lobbys, Politikern, der Regierung, der Industrie.
Und jetzt ist das Kräfteverhältnis zum ersten Mal zu meinen Gunsten.
Es tut mir leid. Ich werde auf keinen Fall nachgeben.
Darum bitte ich Sie gar nicht.
Allein ein Aufschub würde helfen.
Madame Landreau, Sie haben einen sehr bewundernswerten Sohn.
Ich habe seine Stellungnahme gehört und fand sie wirklich eindrucksvoll.
Wir kämpfen für die gleiche Sache.
Haben Sie ihn gefragt, was er davon hält?
Entschuldigung, wir müssen jetzt wirklich los.
Wir sind spät dran. Die Sitzung beginnt jeden Moment.
Ich komme sofort.
Wissen Sie, Madame Landreau,
hätte ich auch nur die geringste Hoffnung, dass ein Aufschub meines Antrags
das Problem Ihres Sohnes lösen könnte, würde ich es tun.
Aber es würde nichts ändern.
Sie behalten ihn im Gefängnis, werden ihn aber nicht hinrichten.
In Indonesien wurden seit über 20 Jahren keine Europäer mehr hingerichtet.
Früher oder später wird er freikommen.
Das ist ganz gewiss.
Eins, zwei, drei, vier, fünf.
Hoch! Fuß zurück!
Wir sind mittendrin.
Verlagere dein Gewicht etwas nach vorne.
-Bist du soweit? -Ja.
Gut.
Halt dein Ziel vor Augen.
Sieh schön nach vorne.
Ja, wir nehmen Fahrt auf, okay.
Gleich drehen wir uns. Bereit?
Kopf nach hinten, Arme mitnehmen und wenden.
Wir surfen, wir surfen auf der Welle.
Noch eine Drehung.
Das Gewicht wieder nach hinten.
Kopf drehen, Arme mit.
Nein, pass auf, die Welle.
Scheiße, Mann.
-Du Pisser! -Alles gut. Komm her.
Wenn wir aus diesem Drecksloch raus sind, fahren wir zum Boomerang Beach.
Mein Lieblingsort.
Abgemacht.
[Carole telefoniert] Sie sagt, sie denkt darüber nach.
Ja, ich weiß, ja.
Wie bitte?
Ich hab mein Bestes gegeben, aber ich kann nicht für sie entscheiden.
Nein, nein, wir stehen noch in Kontakt.
Ja, ich werd sie auf dem Laufenden halten.
-Das war Poulain. -Was wollte er?
Neuigkeiten wegen der Abgeordneten.
Ich will ihm nicht sagen, dass es aus ist.
Hatte er denn Neuigkeiten?
Er macht alles von der Rücknahme abhängig. Der Typ widert mich an.
-Ruf sie doch noch mal an. -Um ihr was zu sagen?
Ich verteidige meinen Sohn, sie den Planeten. Ich hab keine Chance.
Tut mir leid.
Ich muss jetzt allein sein.
Verstehst du das?
[Wärter spricht Indonesisch] Aufstehen! Aufstehen!
Aufstehen!
Die bluffen nur.
Die wollen nur Druck auf unsere Regierung ausüben.
Hey!
Dir passiert nichts.
I'll go home to my parents, confess what I've done...
and I'll ask them to pardon their prodigal son.
And when they've caressed me, as oft times before
I never will play the wild rover no more.
Die internationale Gemeinschaft zeigt sich empört.
Heute Nacht wurden in einem Hochsicherheitsgefängnis in Indonesien
vier Häftlinge hingerichtet, die zum Tode verurteilt worden waren.
Unter ihnen waren auch drei ausländische Staatsangehörige,
ein Nigerianer, ein Pakistaner und ein Australier.
Die Gefangenen wurden trotz der Verurteilungen von Amnesty International,
des UN-Sekretärs und des australischen Premierministers, erschossen.
Es handelt sich um einen unermesslichen...
ÄNDERUNGSANTRAG ZURÜCKGEZOGEN. A. MBAYE
DANKE.
Wie die Hunde wurden sie erschossen.
Jedes Mal, wenn die Tür aufgeht...
habe ich Angst, dass ich dran bin.
Abang sagte, du willst ihn nicht mehr sehen?
Mit ihm drehen wir uns im Kreis.
Er will nur, dass ich öffentlich einen Rückzieher mache
und meine Anschuldigungen zurücknehme.
Er glaubt, es wäre ein positives Zeichen und würde das Gericht beschwichtigen.
Denkst du das auch?
Ihr habt euch doch hinter meinem Rücken gegen mich verschworen.
Denkt ihr etwa, ich hätte gelogen?
Ich hätte alles erfunden?
Soll ich mich auch noch bei Palmyr entschuldigen oder was?
Natürlich glauben wir dir aber sonst keiner.
Wenn du wüsstest, was wir tun, um dich zu retten.
Dann hat Palmyr eben gewonnen. Die Toten kann man nicht zurückholen.
Aber du lebst und ich kämpfe bis zum bitteren Ende.
Mit oder ohne dich!
Das darfst du nicht von mir verlangen, Maman.
Nicht du.
Mein Schatz...
Du spielst hier mit deinem Leben.
In drei Tagen prüfen sie deine Berufung.
Wir müssen alle Chancen ausschöpfen.
Alles andere sehen wir später. Das verspreche ich.
Martin, ich bitte dich.
Tu, was er dir sagt. Wenn du es nicht für dich machst, dann für mich.
Du verstehst nicht, Maman.
Wenn ich das tue,
wenn ich sage, ich hätte gelogen, was bringt mir das?
Das hieße, ich wäre ein Dealer.
Weißt du, was sie mit Dealern hier tun?
Was sie mit Peter getan haben?
Wenn ich dich ansehe, sehe ich deinen Vater.
Du bist genauso stur.
Ihn habe ich verloren.
Dich werde ich nicht verlieren.
Hörst du, Martin?!
Dich verliere ich nicht! Das schaffe ich nicht!
Wieso dauert das so lang? Die haben 16 Uhr gesagt.
Die Anhörung hat möglicherweise länger gedauert als erwartet.
Hallo?
Ja?
Okay.
Ich danke Ihnen.
Heute Morgen hat das Berufungsgericht in Jakarta
das Todesurteil
gegen den 28-jährigen französischen Studenten Martin Landreau bestätigt,
der in Indonesien des Drogenhandels angeklagt worden war.
Ihm bleibt jetzt nur noch die Hoffnung auf Begnadigung.
Eine sehr geringe Hoffnung, da diese seit Jahren systematisch abgelehnt wird.
Sollte sein Antrag erfolglos bleiben,
könnte Martin Landreau bereits in den kommenden Wochen hingerichtet werden.
In einem letzten Akt der Verzweiflung
tritt der Student in seiner Zelle nun in den Hungerstreit.
In Frankreich wächst die Mobilisierung und die Zahl der Solidaritätskomitees steigt.
Mit den Junkies wissen die Schlitzaugen umzugehen.
Nicht so wie bei uns.
Schönen Tag auch.
Tja.
Es will einfach nicht in meinen Kopf.
Und Manzoni versteht das auch nicht.
Und Poulain erreiche ich nicht.
Das macht mich wahnsinnig.
Scheiße. Der Typ hat uns so was von verarscht.
Anya Mbaye hatte recht. Es hat nichts gebracht.
Er hat uns von Anfang an verarscht.
Und weißt du, warum er Vivéol nicht angerufen hat?
Weil er sicher gerade auf Karibujagd ist und sich einen Scheißdreck darum schert!
Warte.
Karibus? KMA?
Aber ja!
Meine Güte, wie war das nochmal?
So was wie George. Irgendein König, aber nicht George.
Saint Edward!
Ja, das ist es.
Saint Edward Club. Ja, natürlich!
Das gibt's doch nicht!
Nila hatte also Recht!
Erkennst du ihn?
Sieht aus wie Paul Lepage.
Ja.
Ja, das ist er.
-Von wo ist das Foto? -Saint-Edward's Club.
Ein privater Jagdclub in Québec.
Poulain ist Mitglied und Paul Lepage offenbar auch.
Hast du gewusst, dass die beiden sich kennen?
Schon okay, dann machen wir das morgen.
Und heute werden wir dann...
Ja, wir fangen hiermit an.
Wir müssen reden.
Los, los, los, los.
Ist okay. Lass uns kurz allein.
Was wollen Sie hier? Was ist los?
Sie sind der Einzige, der von dem Upload wusste.
Wovon sprechen Sie da?
Als Martin das Video hochgeladen hat, waren Sie mit ihm ganz allein.
Sie konnten den Upload einfach abbrechen. Und dafür ein anderes Video hochladen.
Was wollen Sie damit andeuten?
Wieso sollte ich so was tun?
Zum Schutz der Interessen von KMA. Und denen, die Sie beschäftigen.
Paul, wir wissen ganz genau, dass Sie Poulain kennen.
Poulain?
Antoine Poulain, der Lobbyist von Vivéol!
Hören Sie auf mit dem Getue! Wir haben Beweise!
Ja, ja, ja, Poulain kenne ich. Wir haben zusammen in Montreal studiert.
Was ist denn überhaupt das Problem mit Poulain?
Ist das Martins Schreibtisch?
Ja, das ist seiner!
Paul, wir wissen, dass KMA als Deckung für Golden Palm und Palmyr dient.
Gutes altes Greenwashing.
Ich will, dass Sie Poulain anrufen.
Nur er kann noch ein bisschen Druck ausüben.
Die Polizei hat schon alles durchsucht!
Den Computer, alles! Die haben nichts gefunden!
Paul, ich bitte Sie. Rufen Sie Poulain an.
Sagen Sie ihm, er muss Druck auf Palmyr ausüben.
Nur Palmyr kann die Freilassung von Martin erreichen!
Bitte, das ist unsere einzige Hoffnung, Paul!
Unsere einzige Hoffnung.
Madame Landreau,
glauben Sie ernsthaft, dass jemand wie ich Poulain beeinflussen kann?
Sie wissen wohl nicht, mit wem Sie es hier zu tun haben.
Doch, das weiß ich ganz genau!
Jeder lügt mich hier immer nur an!
Sie haben mich angelogen und sogar meinen Sohn!
Haben Sie ihm gesagt, was KMA ist?
Okay, was hätten Sie an meiner Stelle getan?
Wenn Martin das Video veröffentlicht, was passiert dann?
Die Typen von Palmyr töten Dorfbewohner.
Glauben Sie, die lassen mich in Ruhe, wenn ich die verpfeife?
Also opfern Sie stattdessen meinen Sohn?!
Er wurde zum Tode verurteilt!
Paul, rufen Sie Poulain an!
Rufen Sie Poulain an.
Carole?
Komm mal her.
Sieh mal.
Wie hast du das gemacht?
Martin hat doch keine Kopie gemacht.
Nein, nein, nicht Martin.
Das ist eine automatische Kopie.
Die Software hier ist dafür verantwortlich.
Wir haben in der Botschaft das gleiche Programm.
Ich kam drauf, als ich den USB-Stick eingesteckt habe,
der in Martins Tasche war.
Ich wollte wissen, was drauf ist.
Nichts interessantes, außer der Abschlussarbeit.
Aber wenn du an den Rand des Monitors siehst...
Der kleine schwarze Balken hier?
Ja.
Wenn ich den Stick rausziehe...
Hopp, siehst du, ist er weg.
Und wenn ich ihn wieder reinstecke, taucht er wieder auf.
Der Balken zeigt an, dass die Software gerade alle Dateien,
die sich auf dem Stick befinden, auf dem Computer speichert.
Auf der Festplatte ist alles versteckt, aber es ist da.
Hier zum Beispiel.
Er hat gerade die Abschlussarbeit von Martin kopiert.
Und das gleiche ist auch mit der Speicherkarte seiner Kamera passiert.
Als er die am Abend des Angriffs einsteckte, startete die Software,
ohne dass er es merkte, und speicherte alle Dateien auf der Festplatte.
Hier, alles in diesem Ordner.
Das ist doch völlig verrückt.
Sieht so aus, als wusstest du das nicht.
Bis dahin hast du alles richtig gemacht.
Du unterbrichst den Upload,
löschst die Karte,
rufst deine Kumpels von Palmyr an, die ein Geschenk in Martins Tasche schmuggeln,
und ihn der Polizei ausliefern.
Das haben Sie nicht gemacht.
Doch, doch, genau so war es doch, oder?
Okay.
Sie haben den Film.
Super. Und was jetzt?
Alles, was Sie damit machen können, ist, ihn als Druckmittel zu benutzen.
Das ist der Preis, den Sie zahlen müssen, Madame Landreau.
Begraben Sie den Fall.
Das ist Rudi, der Sicherheitschef von Palmyr.
Und das sind australische Söldner.
Das reicht. Ich habe genug gesehen, danke.
Ich habe Sie gewarnt, Herr Botschafter. Das sind schreckliche Aufnahmen.
Madame Landreau, von nun an lassen Sie uns machen.
Haben wir uns verstanden?
Und Paul Lepage?
Ach, vergessen Sie Paul Lepage. Offiziell gibt es keinen Fall.
Dazu kommt, er ist Staatsbürger eines befreundeten Landes.
Wir wollen nicht noch mehr Ärger.
Um eine Sache möchte ich Sie noch bitten.
Mein Sohn darf nicht wissen, dass wir sein Video gefunden,
und für seine Freilassung eingetauscht haben.
Verstanden?
Niemals.
Hallo? Ja?
Ja, er ist bei mir.
Ich gebe Sie weiter.
-Alles klar? -Alles klar.
Der Élysée-Palast. Der Präsident will mit dir reden.
Herr Präsident.
Was will er ihm sagen?
Er will hören, ob es ihm gut geht.
Und ihm was mitteilen.
Du musst wissen, dass Frankreich für Martins Freilassung
Verpflichtungen gegenüber Indonesien eingehen musste.
Und dass er nie wieder ein Wort über das Massaker von Lasang verlieren darf.
Vielen Dank, Herr Präsident.
Meine Mutter hat Recht.
Will man die Welt verändern, lässt sich die Welt das nicht gefallen.
Und seit ich die Kriegerin in ihr und in Nila kennengelernt habe,
weiß ich, dass der Kampf noch nicht vorbei ist
und die Wüste warten muss, bevor sie den Wald ersetzt.
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