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UNTERTITEL: Hessischer Rundfunk
UNTERTITEL: Hessischer Rundfunk
Greta Brenner Alexander Kirchner
* klassische Musik: Brahms - Ungarischer Tanz Nr. 5 *
Oh!
Ist nicht schlimm. - Oh, doch, das ist es.
Wirklich nicht. - Doch, das ist total daneben.
O Gott, ich fühl mich schrecklich.
Müssen Sie nicht. - Doch!
Schreiben Sie mir nicht vor, was ich fühlen soll.
Das tut mir leid.
Ich geh da mal. - Ja, gut.
Wollten Sie hier jemanden treffen? - Sehe ich so aus?
Nein, bloß ... - Bloß was?
Sie zählen einfach nur eins und eins zusammen, oder?
Frau nähert sich Mann, der nichts Böses ahnt.
Sie haben mich in den Nacken geküsst.
Weiß ich selber, okay? Fuck!
Entschuldigung.
Tut mir leid, dass ich "fuck" gesagt habe. Passiert mir manchmal.
Manchmal rutscht es aus mir heraus. - Ich sage auch manchmal so Dinge.
Ich bin unfähig, meine eigene Wortwahl irgendwie zu kontrollieren.
Ich habe Sie mit meinem Mann verwechselt.
Ich verstehe. - Der ist vor 1,5 Jahren gestorben.
Herzinfarkt. Ja.
Ganz allein in unserer Wohnung. Niemand hat etwas mitbekommen.
Als ich am Abend nach Hause gekommen bin,
war 6 Stunden niemand bei ihm gewesen.
Und er hat noch gelebt.
Ganz am Anfang. Direkt nach dem Infarkt, da hat er noch gelebt.
Er versuchte, so auf sich aufmerksam zu machen. Alles vergebens.
Das war ein bisschen sehr privat jetzt, ja?
Aber nein, nein, nein.
Doch, war es.
Ich bin Greta.
Hallo.
Margarete Brenner.
Alexander Kirchner.
Ganz schön förmlich hier, oder? - Ja, wahrscheinlich.
Ach, wirklich?
"Margarete Brenner. ich bin entzückt."
"Alexander Kirchner. Freut mich sehr."
Keine Panik. Ich gehe schon.
Von Panik kann keine Rede sein.
Warten Sie auf jemanden? - Nein.
Warten Sie auf einen Bus? - Nein.
Sie stehen nur so da? - Richtig.
Schön, oder?
Gefällt mir, die Vorstellung. Nur so dastehen, ist doch schön.
Finde ich. - Ja, finde ich auch.
Da muss man auch die Füße nicht so bewegen.
Wow. - Was?
Wir lachen. - Was ist damit?
Darf ich Sie fotografieren? - Warum? - Einfach so.
Ich mache das gerne.
Ich mache das wirklich oft,
einfach wildfremde Menschen zu fotografieren.
Die Idee dahinter ist, die einzufrieren.
Nein, das ist was rein Persönliches.
Ich möchte das nicht. Danke schön. - Warum nicht?
Wirklich, ich möchte das lieber nicht.
Aber das ist einfach nur Spaß.
Ich habe Tonnen von diesen Bildern zu Hause.
Ist es, weil Sie sehr berühmt sind? - Was? - Aber Sie sind berühmt.
Nein, warum sollte ich was gegen ein Foto haben, wenn ich berühmt wäre?
Ist es, weil Sie arrogant sind? - Auf gar keinen Fall.
Warum darf ich Sie nicht fotografieren?
Ah, natürlich. Ich verstehe, weil Sie schüchtern sind.
Sie sind schüchtern, stimmt's? Ich habe Sie genau erkannt.
Ich sehe Ihnen das an. Ich kann Sie lesen wie ein offenes Buch.
Eine von meinen herausragenden Fähigkeiten.
Leute lesen ist was Professionelles bei mir.
Das hat mit meinem Beruf ganz direkt zu tun.
Was ist denn Ihr Beruf? - Taschendiebin.
Nein, Entschuldigung.
Nein, nein, natürlich nicht. Nein, ich bin Kellnerin.
Oh, Entschuldigung.
Das muss jetzt eine Enttäuschung für Sie gewesen sein, oder?
Sie haben gedacht, Sie reden mit so einer richtigen Taschendiebin.
Läuft einem ja nicht alle Tage vor die Füße, eine echte Taschendiebin.
Und jetzt ist es keine Taschendiebin und nur eine Scheiß-Kellnerin.
Manche Kellnerinnen sind wirklich nett.
Sie glauben, Sie stehen über Leuten wie mir?
Nein.
Ich arbeite im Tabouleh. - Oh, das ist ja toll.
Kennen Sie? - Nein.
Eben, das in Mitte. Wir machen da Fusion Food.
Europäisch, nordafrikanisch, orientalisch. Alles gemischt.
Das ist einfach fantastisch da.
Ich kenne natürlich Leute wie Sie. Ich kenne Leute wie Sie.
Ach, was? Jetzt nehmen Sie doch nicht die U-Bahn?
Nein? Doch, wieder nach oben?
Ich kenne das, ne? Verschüchtert, vergrübelt, intellektuell.
Kommt rein in den Laden, bestellt ein Croissant.
Dann liest er wahrscheinlich ein Scheiß-Gedicht oder so was, oder?
Und dann zu schüchtern zum Lächeln, zu schüchtern zum Trinkgeldgeben.
Und schon geht er wieder.
Ich habe Sie genau getroffen, oder? Ganz genau getroffen, oder?
Entschuldigung, Sie denken die ganze Zeit, Sie schätzen mich richtig ein.
Aber, ich sage Ihnen was, Herr Kirchner, es ist umgekehrt.
Ich schätze Sie hier richtig ein.
Ich habe mit keiner Silbe behauptet,
dass ich glauben würde, Sie richtig einzuschätzen.
Manche Gerichte bei uns bringen mich wirklich direkt zum Staunen.
Die lösen richtige Explosionen in meinem Mund aus.
Die transformieren mich richtig.
Die bringen mich an Orte, an denen ich noch nie war.
Waren Sie schon mal in Afrika? - Ich war noch nie irgendwo.
Ich würde so wahnsinnig gerne mal nach Afrika.
Ich glaube, ich war in meinem Leben noch nicht oft genug an einem Ort,
an dem völlig unvorhersehbare Dinge passieren können,
die einen wirklich und wahrhaftig töten können.
Essen Sie gern? - Ich esse gern, ausgesprochen gern.
Obwohl, ich war schon mal in Thailand.
Faszinierend. - Ja, war es wirklich. Es war fantastisch.
Mein Mann hat mich da mit hingenommen.
Wir sind hingeflogen. Das waren die Flitterwochen.
Wir haben den ganzen Tag Cocktails getrunken, im Pool.
Ehrlich, die Barhocker standen direkt im Pool. Es war ...
Am Strand gab es Massagen. Das war sensationell.
Sensationell! - Warum reden Sie mit mir?
Keine Ahnung.
Ich bin völlig daneben, weiß ich selber.
Müssen Sie mir nicht sagen.
Keine Angst, ich gehe schon.
Bloß ...
Solche Tage, die haben einfach so was an sich. - Ja ...
Ganz ehrlich, ich verstehe kein Wort von dem, was Sie sagen.
Ich vermisse einfach alles an ihm.
Als würde ich den in meiner Haut vermissen.
In meinen Knochen, in meinem Blut, bis in den letzten Zellkern.
Wir hatten nie Kinder.
Ich bereue das nicht.
* entferntes Trompetenspiel *
Ich bereue das.
Auf Wiedersehen.
* ruhige Jazzmusik *
* weiter Musik *
* Die Musik endet. *
Ich wohne ja in Kreuzberg.
Ich liebe das da. Es ist einfach großartig da.
Die vielen Menschen. Es ist so viel los auf der Straße.
Großstädte haben was, was mich einfach unfassbar glücklich macht.
Diese Masse an Menschen. Da ist immer zwischen denen diese Lücke.
Da entsteht dann dieses Knistern. - Wie schön für Sie!
Was sind Sie von Beruf? - Ich bin Metzger.
Nie im Leben! - Doch.
Wirklich? - Was?
Echt jetzt? - Ja.
* Tür schließt zischend. *
Entschuldigung.
Entschuldigung!
So, Metzger also, ja?
Ja. Was ist daran so sonderbar?
Sie sind kein Metzger, oder? - Doch.
Nein.
Sie sind Professor oder so was, oder?
Nein? Bibliothekar?
Sie führen eine antiquarische Buchhandlung?
Wenn Sie Metzger sind, ganz ehrlich, wo ist dann Ihr Geschäft?
Wenn Sie Metzger sind, Mr. Metzger, wo ist dann Ihre Metzgerei?
Gehen Sie nicht.
Warum nicht? - Ich mag es gern hier mit Ihnen.
* ruhige Jazz-Musik *
* romantisches Saxophon-Solo *
* lautes Weckersummen *
* aggressiver Heavy-Metal *
* Ladenglocke *
Guten Tag.
Was machen Sie denn hier? - Oh.
Also Freundlichkeit geht aber anders, oder?
"Hallo, Greta! Schön, dass Sie da sind."
"Wir haben uns tagelang nicht gesehen."
"Was haben Sie für eine fantastische Bluse angezogen?"
"Was soll man zu dem Wetter sagen?"
Wie haben Sie rausgefunden, wo ich arbeite?
Gegoogelt. - Was? - Gegoogelt, ist kinderleicht.
"Alexander Kirchner, Metzgerei Berlin."
Was soll ich dazu sagen? Als wollten Sie mir nachspionieren.
Tue ich ja auch. Nein, tue ich natürlich nicht.
Nein, äh, doch. Scheiße, ja, eigentlich schon.
Das verletzt meine Privatsphäre. - Privatsphäre?
Also, ich meine wirklich, "verletzt",
ist es nicht ein bisschen, ist das nicht ein bisschen hypertroph?
Oho, tolles Wort, hypertroph. - Danke.
Tolles Wort, ja?
Überheblicher alter Sack!
Ich bin keine Kellnerin.
Ich hab das gelogen. Nee, ich hab das erfunden.
Ich mach das manchmal, ehrlich gesagt ziemlich oft, ziemlich gerne.
Ich arbeite nicht im Tabouleh. Ich war noch nie im Tabouleh.
Ich hab da noch nie was gegessen.
Nur einmal einen kleinen Toast, aber noch nie was Größeres.
In jedem Falle habe ich da noch nie gearbeitet.
Ich hab in meinem ganzen Leben noch nicht gekellnert,
nicht mal in den Schulferien.
Ich arbeite dafür in einer Schule. Ich bin Sekretärin.
Also, ich arbeite im Sekretariat in einer Schule.
Ich mag das da. Ich mag die Kinder, ich mag die Lehrer und ich mag...
Ich weiß nicht, warum ich das nicht von Anfang an gesagt habe.
Ich war auch noch nie verheiratet.
Ich war auch noch nie in Thailand.
Ich meine, gehen Sie mal am besten davon aus, dass alles,
ich meine wirklich alles, was ich letzte Woche zu Ihnen gesagt habe,
erstunken und erlogen war.
Ich mach das manchmal. Es macht wirklich Spaß.
Aber die Begegnung mit Ihnen hat mir gefallen.
Die hat mir so gut gefallen,
dass ich dachte, ich würde Sie ganz gerne mal wiedersehen.
Dann hab ich gedacht, da lässt sich das ja nicht alles
so aufrechterhalten.
Deswegen dachte ich, ich kann nachspionieren und hinterherlaufen
und Ihnen die Wahrheit sagen. Über alles, über mich.
Wenn Sie mich jetzt an der Stelle wüst beschimpfen wollen
kann ich Ihnen das in keiner Weise, in keiner Weise verdenken.
Das will ich nicht.
Nicht? - Nein.
Wenn ich Sie wäre, würde ich es aber machen.
Sie sind nicht ich. - Nein, natürlich nicht.
Das wäre aber auch wirklich vollkommen daneben, oder?
Ich meine, wenn ich jetzt wirklich, wenn ich jetzt tatsächlich,
wenn ich Sie wäre, das wäre ja nun wirklich völlig daneben.
Wenn ich glauben würde, dass ich tatsächlich Sie wäre...
Irritiere ich Sie? - Ein wenig.
Und ist das eher so horrormäßig oder mehr: "Oh, interessant!"
"Mal schauen, was als Nächstes passiert."
Wieso hat Ihnen die Begegnung mit mir gefallen?
Keine Ahnung. Nein, ich weiß es nicht.
Vielleicht hat Ihre Schüchternheit mich angezogen. Ist das verrückt?
Gut, es kann sein, dass ich ein bisschen verrückt bin.
Aber ich finde, das Leben ist auch ganz schön verrückt, oder?
Nein, finden Sie nicht, Alexander?
Ich bin nicht schüchtern.
Finden Sie nicht? - Nein.
Oh, da muss ich Ihnen aber mal was sagen, Mr. Metzger.
Es kann ja sein, dass Sie nicht das Gefühl haben, schüchtern zu sein.
Aber ich erkenne einen schüchternen Mann, wenn er vor mir steht.
Entsetzlich! - Was jetzt? - Dieses Gefühl zu haben.
Heutzutage sind alle ganz überwältigt von ihren Gefühlen.
Überall werden einem Gespräche über Scheißgefühle reingewürgt.
Ich fühle nicht. Ich denke.
Ganz schön ruhig hier heute, oder? - Ja, ist nicht viel los.
Ist das immer so? - Manchmal, nicht immer.
Ich habe auch noch nichts gekauft. - Ja, das ist mir aufgefallen.
Ich weiß auch nicht, ob ich was kaufen werde.
Ich weiß nicht, was man hier kaufen sollte.
Welches ist Ihr bestes Fleisch?
Nee, nee, Moment. Nicht sagen!
Was kaufen Ihre Kunden am liebsten?
Nicht sagen, nicht sagen, nicht sagen.
Ach so, gefällt es Ihnen, Ihr eigenes Geschäft zu haben?
Manchmal. Es kann ein bisschen mühsam sein.
Ja, das kann ich mir vorstellen.
So einen Laden, muss man den klinisch sauber halten?
Ja, muss man.
Finden Sie mich anstrengend, aber bezaubernd?
Was gefällt Ihnen am besten daran, Metzger zu sein?
Ich mag die Tiere.
* Telefonklingeln *
Die Tiere? - Und ich mag Fleisch.
Oh, das ist gut in Ihrem Job. - Und ich mag Messer.
Ach ja? - Sehr sogar.
Und welches ist Ihr Lieblingsmesser?
Ich hatte mal ein Forschner Ausbeinmesser, das war großartig.
Klingt so. - War es auch.
Und ich mag Ihre Hände. - Was?
Ihre Finger fallen mir auf. Die springen mich irgendwie an.
Meine Finger? - Ist das eine irritierende Beobachtung?
Können Sie damit jemanden richtig gut auskitzeln?
Ich habe erschreckend lange niemanden mehr gut ausgekitzelt.
Schade. Aber Sie können ganz fantastisch Klavier spielen?
Nein. - Nein? Aber schnipsen.
Sie können so richtig toll mit den Fingern schnipsen, oder?
Eher nicht, nein.
Was für eine Verschwendung! - Ach ja?
Sie sind ausgestattet mit einer anatomischen Besonderheit
und machen einen absoluten Scheißdreck daraus.
Habe ich mit Absicht gesagt, "Scheißdreck".
Ich weiß, wie Sie das mögen, wenn ich solche Scheißwörter benutze.
Ja, ist doch toll, oder? Ist doch großartig.
Was ich alles für Sie tue! Und wir kennen uns gerade mal eine Woche.
* lauter Schnipser * Ha!
* unbeschwerte Schlagermusik *
Wissen Sie, was Sie tun sollten? - Was denn?
Mich ausführen. - Ha, ha, ha.
Das war überhaupt nicht witzig gemeint.
Nein, das war jetzt der ernste Teil.
Darüber sollten Sie nicht lachen.
Ach, Scheiße!
* weiter Musik: "Viens danser la Bossa Nova" von Sacha Distel *
♪ Ting ting ti toung ...
♪ Est-ce l'horloge de Bahia
♪ Qui a trop bu de batida
♪ Ou bien le train de Brasília
♪ Qui siffle la bossa nova
♪ Comme on n'est pas à Bahia
♪ Ce rythme que tu entends la
♪Écoute-le plus près de moi
♪ C'est le bruit de mon cœur qui bat
♪ Comme ça
♪ Comme l'amour que j'ai pour toi
♪ Mon petit air ne finit pas
♪ Pour que tu restes dans mes bras
♪ À danser la bossa nova
♪ Comme ça
♪ Ting ting ti toung ...
* Die Musik endet. *
Guten Tag.
250 Gramm Hack, bitte.
Rind, Schwein oder gemischt?
Ohne Fleisch.
Äh, wie? - Hack ohne Fleisch.
Hier steht's, hat meine Tochter aufgeschrieben.
"Hackfleisch ohne Fleisch, vegan."
Ach so. Sie meinen Fleischersatz. Sojafleisch.
Das gibt's nebenan im Biomarkt.
Dann 250 Gramm Hack ohne Fleisch.
Bitte.
Das geht aufs Haus.
Oh, danke.
Wiedersehen. - Wiedersehen, Frau Meisner.
Ungewöhnlich warmes Wetter heute.
Ja, ich trau' ihm nicht.
Wem? - Dem Wetter.
Ist das Wetter jetzt jemand, dem man trauen kann?
So wird die Welt schließlich untergehen.
Es wird keine große Nuklearexplosion kommen.
Die Menschen werden nicht schreiend auf die Straßen laufen.
Sie werden einfach merken, nach und nach,
wie es jeden Tag wärmer wird, jeden Tag ein kleines bisschen.
Bis ihnen schließlich so warm geworden ist,
dass sie sich kaum noch bewegen können.
Sodass jetzt sogar Frau Meisner ihr Hack ohne Fleisch kaufen will.
Arbeiten Sie hier allein? - Ja.
Würde ich auch machen, wenn ich so einen Laden hätte, der so ruhig ist.
Schon weil's mir peinlich wäre.
Was machen Sie, wenn Sie mal einen Tag frei haben wollen?
Oh, dann schließe ich. - Klar, das war eine doofe Frage.
Wenn Sie mal Ferien machen wollen? - Ich mache keine Ferien.
Wie meinen Sie, keine? - Ich war noch nie im Urlaub.
Noch nie? - Nicht, seit ich ein Kind war.
Und was machen Sie an Ihren freien Tagen, wenn Sie mal welche haben?
Ich gehe spazieren.
Spazieren? - Ja, spazieren.
Wo? - Quer durch Berlin.
Berlin? - Ja.
Bloß Berlin? - Richtig.
Aber Sie wohnen doch in Berlin. - Ich weiß.
Aber, Sie fahren nicht mal raus, so nach Potsdam oder so? - Nein.
Oder mal aufs Land, in die Uckermark vielleicht?
Aufs Land hat's mich noch nie besonders gezogen.
Sie sind ein sehr, sehr seltsamer Mann, Alexander Kirchner.
Ich bin nicht im Geringsten seltsam.
Doch, das sind Sie.
Sie sind so ein Rumschleicher,
ein Leisetreter,
so ein listiger, alter Fuchs.
Und wahrscheinlich sind Sie auch ein richtig guter Tänzer, oder?
Stimmt doch, oder? Stimmt, oder? - Ja, das bin ich tatsächlich.
Ich wusste es! - Sehr gut sogar.
Ach, großartig.
Tanzen ist eine meiner Lieblings- Sonderbeschäftigungen auf der Welt.
Ich tanze Tango. - Wirklich?
Bringen Sie es mir bei? - Nein.
Wie bitte?
Ich unterrichte nicht.
Gehen Sie, lernen Sie es.
Dann kommen Sie wieder und fragen mich noch mal.
Ist das Ihr Ernst? - Sieht man das nicht?
Ich bin so müde.
Ich hab die ganze Nacht nicht geschlafen.
Nachts, da bleiben meine Augen einfach nicht zu.
Ich wache auf und dann habe ich dieses entsetzliche,
aber vollkommen klare Gefühl, zu fallen.
Was müsste ich wissen, bevor wir miteinander ausgehen?
Miteinander ausgehen? Ich habe nie eingewilligt, mit Ihnen auszugehen.
Bis jetzt noch nicht.
Ich habe noch nie eingewilligt, mit irgendjemandem auszugehen.
Ich hab einen Sohn.
Also, das schon mal zu mir.
Das ist die Wahrheit, das ist wirklich die Wahrheit,
die echte, die ganz richtige Wahrheit.
Er ist 19, heißt Markus und er kommt sehr selten nach Hause.
Also fast überhaupt nicht.
Eigentlich kommt er überhaupt nicht nach Hause.
Ich hätte das gerne,
aber ich habe keine Ahnung, was ich falsch gemacht habe.
Ich weiß nicht, womit ich ihn so gegen mich aufgebracht habe.
Er rennt rum und hat nichts anderes als seine Geräte im Kopf.
Vielleicht liegt es ja auch daran.
Aber das geht vorbei.
Die Geräte, die Krankheit, die Erschöpfung.
Die Geschäfte, das geht alles vorbei.
Muss doch.
In dem Tempo können wir doch so nicht weitermachen.
Ist ja vielleicht auch nicht das Schlechteste.
Die Geräte, die werden einfach den Bach runtergehen.
Die Geschäfte auch. Die gehen einfach den Bach runter.
Banken brechen zusammen und das Geld, das verschwindet.
Das Interessante daran ist,
was passiert als Nächstes?
* fröhliche Musik *
Ich habe meinen Mann geliebt.
Ich habe ihn nicht geheiratet, aber ich habe ihn geliebt, wirklich.
Großes Ehrenwort.
Er ist Amerikaner. Jetzt lebt er in Amsterdam.
Keine Ahnung, was er da mit seinem Leben anstellt.
Wahrscheinlich raucht er jede Menge Marihuana.
Was soll man auch machen, wenn man da schon lebt?
Er war ein sehr freundlicher, sehr sensibler Mann.
Wir haben in so einer Art erfundenen Sprache miteinander gesprochen.
Eigentlich war es ein richtiger Code.
Ich glaube, der hat mich irgendwie vor meinen Eltern gerettet.
Bloß, dass er halt jede Menge andere Mädchen
auch immer vor irgendwas gerettet hat.
Ich meine, das war jetzt so sein Ding, Mädchen retten.
Vor allen Dingen, wenn sie ein paar Jahre jünger waren als er.
Und jedes Mädchen, mit dem er abgehauen ist,
wirklich jedes, mit dem er abgehauen ist,
hat ein bisschen so ausgesehen wie ich.
Ich konnte mich nicht entscheiden.
Ist das jetzt ein Riesenkompliment?
Oder ist es einfach nur scheiße unhöflich?
* Sie seufzt. *
Ich glaube, so ehrlich habe ich da noch nie drüber geredet.
Also, ich glaube ...
Also, das ist aber ein Gefühl!
Oh Mann, das ist, als würde so ...
Als würde so ein richtiger Schlag durch einen durchgehen.
Ich glaube, so ehrlich habe ich noch nie über irgendwas geredet.
Würde dir das auch Spaß machen?
Was?
Mit mir in einer erfundenen Sprache zu sprechen?
Ach nein, ich glaube nicht, nein.
Wir müssen ja nur ein paar Buchstaben verdrehen. - Nein.
Wir müssen bur ein paar Nuchstaben verdrehen.
Ich weiß absolut nicht, wie ich darauf reagieren soll.
Er weiß absolut nicht, wie er jarauf detzt seagieren roll.
Ja, stimmt so. - Danke.
Ich wünschte, ich würde irgendeine andere Sprache perfekt sprechen.
Sprichst du irgendwelche Sprachen? - Nein.
Keine? - Nein.
Du bist ja noch langweiliger, als du im wahren Leben wirkst.
Ich würde da am liebsten hinfahren.
Einfach in den nächsten Zug springen nach Amsterdam,
ihn ausfindig machen, meinen Ex, und ihm die Fresse polieren.
Wirklich, ich meine, ich habe ja keine Ahnung,
ob er noch Kontakt zu Markus hat. - Markus?
Unser Junge. Mein Sohn. - Ach, ja.
Das Essen war köstlich.
Also vor allen Dingen der Salat. - Algen.
Und das Bier. - Dragon.
Ja.
Und die Beleuchtung.
Wirklich, man konnte auf jeden Fall was sehen.
Und die Musik.
Die Musik, die, äh, die, äh ...
Und deine Augen, die fand ich auch toll.
Die fand ich eigentlich am besten.
Die haben mir eigentlich besser gefallen als die Musik
und die Algen und das Bier und die Beleuchtung zusammen.
Ist das jetzt wahnsinnig peinlich, das zu sagen?
Ähm, nein.
Wie alt bist du?
* Flüstern ist nicht zu verstehen. *
* Sie lacht laut. *
Was ist daran so komisch? - Nichts.
Ich ...
Entschuldigung, ich wollte nicht unhöflich sein.
Es ist nur ... Wirklich? - Ja, wirklich.
Du bist uralt.
Nein, Entschuldigung, das...
Entschuldigung, aber du warst 20, als ich geboren wurde.
* Sie lacht weiter. *
Entschuldigung. Ich krieg mich gleich wieder ein.
Siehst du, schon wieder eingekriegt.
Okay.
Tut mir sehr leid.
Das macht nichts.
Ist sogar überraschend nett. - Was?
Dich kichern zu sehen.
Wie ist Markus so?
Willst du eine ehrliche Antwort oder eine erfundene?
Na gut, dann kriegst du eine ehrliche.
Ich hab nicht die geringste Ahnung.
Ich hab ihn seit einem Jahr nicht mehr gesehen.
Vor einem Jahr ist er nach Amerika gegangen.
Er ist zu seiner Freundin gezogen nach Chicago.
Er hat gesagt, er hat mich satt bis zum Erbrechen satt.
Ich bin die Peinlichkeit in Person. Er schämt sich für mich.
Deswegen will er nach Amerika.
Kontakt aufnehmen zu seinen nordamerikanischen Wurzeln.
So ein Wichser!
Dann hab ich einen zweiten Brief bekommen aus New Jersey.
Jetzt ist er mit einem anderen Mädchen zusammen.
Er hat gesagt, sie hätten heimlich geheiratet.
Und sie würden darüber reden, ob sie Kinder haben wollen.
Mir möchte er mitteilen, dass er mit mir nichts mehr zu tun haben will.
Und dass er nicht vorhat, wieder nach Hause zu kommen.
Oder mich zu sich einzuladen.
Oder den Kontakt je wieder aufzunehmen.
Dann hab ich gedacht ...
Ich dachte, ich flieg mal hin und suche ihn.
Warum?
Weil er mein Sohn ist.
* ruhige Klaviermusik *
Weißt du, wenn man etwas beobachtet,
dann kann man nicht sagen, wohin es sich bewegt oder wie schnell.
Wusstest du das? - Nein.
Wenn du darauf achtest, wohin es sich bewegt oder wie schnell,
kannst du's nicht richtig beobachten.
Wissenschaft ist das.
Es ist erwiesen. Wissenschaftler untereinander waren sich da einig.
Werner Heisenberg zum Beispiel.
Heisenbergsche Unschärferelation. 1927 war das.
Wenn du es richtig beobachtest,
dann verlierst du es aus dem Blick.
Ich hab ihn die ganze Zeit beobachtet.
* weiter Klaviermusik *
Er hat mich völlig überrascht.
Soll ich dir das Schönste zeigen, was es in Berlin gibt?
Ja.
Ist aber ein bisschen zu laufen.
Okay.
* weiter ruhige Musik *
Erzähl mir doch irgendwas von dir.
Also ich meine, einfach, na ja, ich hab das Gefühl,
ich hab den ganzen Abend nur geredet und geredet wie immer.
Und diesmal, dachte ich, soll es eben anders sein.
Vor allen Dingen natürlich wegen deiner Augen.
Mir fällt nichts ein.
Doch komm, irgendwas.
Gib mir einfach irgendwas!
Irgendwas, woran ich mich festklammern kann. Überrasch mich.
Ich finde das ein bisschen heikel, sich wahllos so zu öffnen
und irgendwas preiszugeben.
Ja, aber versuch's doch einfach mal. Nur mal so mir zuliebe.
Ich werde meine Metzgerei verkaufen. Wow. - Was?
Hatte ich nicht erwartet. - Nein?
Ehrlich gesagt habe ich was Persönlicheres erwartet.
Verstehe. Das tut mir leid. Nein, schon vergeben.
Mit sofortiger Wirkung vergeben und vergessen.
Okay, warum willst du deine Metzgerei verkaufen?
Weil die so viel Verlust macht.
Jetzt wird's doch interessant. Warum macht sie Verlust?
Weil kein Mensch mehr Fleisch beim Metzger kauft.
Und wieder stinklangweilig.
Hast du Geld, um diese Verluste auszuhalten? - Es geht so.
Keine Kinder, die das Geschäft übernehmen?
Natürlich nicht. Warum sollte ich Kinder haben?
Weiß ich ja nicht.
Ich weiß nichts, ich weiß buchstäblich gar nichts über dich.
Hattest du nie Kinder? - Nein.
Nie geheiratet? - Nein.
Mann! - Was?
Na ja, komm.
Uralt und nie geheiratet, das ist doch ganz schön trist!
Einmal fast. - Fast?
Aber dann doch nicht.
Ich kannte mal ein Mädchen, als ich so Anfang Mitte 20 war.
Edith Päffgen.
Obwohl wir jung waren, haben wir übers Heiraten gesprochen.
Damals war mir die Vorstellung, dass wir heiraten, wichtig.
Ich dachte, ihr auch.
Dann fand sie die Vorstellung, einen anderen zu heiraten, noch wichtiger.
Ohne Vorwarnung, ohne ein weiteres Wort hat sie mich dann verlassen.
Das war Mitte der 70er-Jahre.
Dumm gelaufen. - Ja.
Mitte der 70er-Jahre? - Mhm.
Und das war's?
Ja, das war's. - Woah.
Was? - Ich weiß nicht.
Ich kann mich gerade nicht entscheiden.
Ist das das Traurigste, was ich in meinem Leben gehört habe?
Oder bist du einfach nur faul? - Nein.
Hast du keine Nichten oder Neffen, die das Geschäft übernehmen können?
Nein, keine. - Hast du keine Geschwister?
Ich, ich ...
Ich hatte 'ne Schwester.
die starb als ich acht war. - O Mann!
Sie war zehn.
Du bist ein richtiger Pechvogel. - Ich weiß.
Wie war das denn, du Pechvogel?
Ich erinnere mich nicht sehr gut an die Zeit, als sie starb.
Aber meine Eltern haben mir später erzählt,
dass ich drei Wochen lang kein Wort geredet habe,
mit niemandem, drei Wochen lang.
Ich denke jeden Tag an sie.
Ich träume von ihr.
Manchmal rede ich im Traum mit ihr. - Was redest du mit ihr?
Na ja, "ich rede mit ihr" ist nicht ganz richtig.
Meistens redet sie mit mir.
Das passt.
Und was redet sie mit dir?
Sie erzählt mir, wie es ist, tot zu sein.
Und sie erzählt mir vom Weltraum und vom Universum.
Ich glaube es ist hauptsächlich ihretwegen,
dass ich keine Angst vorm Tod habe.
Meine Familie ist von Berlin wegzogen, als ich elf war.
Ein Grund war vermutlich, mir über die Traurigkeit hinwegzuhelfen.
Ich muss nur leider sagen, dass ist nicht ganz aufgegangen.
Und hat in gewisser Weise sogar das Gegenteil bewirkt.
Wenn du deine Spaziergänge machst, denkt dann ein Teil von dir,
dass du sie vielleicht irgendwo triffst?
Was machen deine Eltern?
O Gott, nein! Was für eine bescheuerte Frage.
Entschuldigung, die wären ja ur-uralt.
Nein, wann sind deine Eltern gestorben?
Das wollte ich natürlich fragen, und hätte ich dich auch,
wenn ich mal eine Sekunde nachgedacht hätte.
Meine Mutter starb als ich 17 war.
Sie bekam die Diagnose Lungenkrebs und hat noch zwei Wochen gelebt.
O Gott!
Mein Vater hat noch fünf Monate gelebt.
Dann ist er gestorben einfach.
Er ist zusammengebrochen, hat sich in einen Sarg verkrochen
und war tot.
Er hat es einfach nicht vertragen. - Und was hast du gemacht?
Ich bin von der Schule und hab die erstbeste Lehre angenommen,
die man mir bei der Berufsberatung genannt hat.
Ausbildung im Fleischerhandwerk.
Etwas ungewöhnlich für einen Jungen wie mich.
Und dann bin ich zur Bundeswehr.
Na ja, gut, ist auch eine Spitzenidee: Metzger, Militär.
Beim Bund habe ich eine ruhige Kugel geschoben.
Meistens habe ich BFBS gehört, den englischen Soldatensender.
Gene Vincent und so,
wahrscheinlich die lohnendste und anregendste Tätigkeit,
der ich mich in meinem Leben gewidmet hatte.
Gene Vincent?
♪ Well, be-bop-a-lula,
♪ She's my baby,
♪ Be-bop-a-lula
♪ I don't mean maybe ♪
Hörst du noch Musik? - Ja, klar.
Was denn? - Alles mögliche.
Ach komm, das sagt doch jeder. - Ja, aber bei mir stimmt's!
Angefangen hab ich mit Rock'n'Roll, Dann kam Rhythm & Blues.
Dann Gospelmusik. Country & Western.
Mod-Musik. Garage Rock. Psychedelic. Hippie-Musik.
Motown. Punk. Jazz.
Streichquartette. Opern. Symphonien.
Heavy Metal. Elektronische Musik und so weiter.
New Romantic. Rap. Indie Pop.
Disco-Musik fand ich gut, fand ich sogar sehr gut.
Soul. Deep Soul.
Die Musik, die Ende der Achtziger aus Manchester kam.
Techno.
Acid. House. Grime. Dub Step.
Deutsche Noise-Musik. Arrarr!
Jeden Abend nach der Arbeit gehe ich zu Fuß nach Hause
und unterwegs setz ich mich auf eine Bank im Park und höre Musik.
Zu Fuß? - Ja.
Wie lange dauert das? - Das dauert anderthalb Stunden.
Jeden Tag? - Ja, ich geh gern zu Fuß.
Ich bin ein durchgeknallter Endsechziger Pu-der-Bär
mit einer ausgefallenen Vorliebe für DJ Zink.
Du magst deinen geregelten Tagesablauf.
Ja.
Ich würd sagen, du bist nicht ein Mensch mit Routine,
du bist ein richtiges Routinetier, 'n richtiges Routine-Psycho-Monster.
Und dann komme ich.
Ja.
Was ist denn jetzt das Schönste in Berlin?
Gleich.
Wenn ich dir etwas sage, würde dich das dann beunruhigen?
Kommt drauf an, was es ist.
Es ist ein Kompliment.
Ah, okay. Ja, das ist nicht so aufregend.
Du riechst einfach wunderbar.
Danke.
Du riechst nach Moschus.
Ja.
Es war mir gar nicht aufgefallen, dass du Parfüm trägst.
Ist das was, was dir auffällt, wenn Leute Parfüm tragen?
Ich denke viel über Gerüche nach, weil ich darüber nachdenke,
wie ich den Wurst-Geruch von meinen Fingern kriege.
Du riechst nicht nach Wurst. - Doch, ziemlich.
Wenn ich mich das nächste Mal schick mache und Parfüm auftrage,
bringst du mir dann Blumen mit? Einverstanden.
Ich mag es, wenn Männer mir Blumen mitbringen.
Kommt nicht besonders oft vor.
Ich habe ein Problem mit dem Weinen.
Da. Noch mehr über mich, noch mehr Futter.
Ich habe ein Problem mit dem Weinen.
Mit dem Weinen? - Ja, ist das sehr seltsam?
Es kommt drauf an, was für ein Problem das ist.
Ich breche manchmal grundlos in Tränen aus.
Genauso plötzlich kann ich damit wieder aufhören.
Aber manchmal, da ...
Da fängt's einfach so an.
* melodische Klänge eines Turmglockenspiels *
Da!
Jetzt!
* Musik: "Gnossienne No.1" von Erik Satie auf dem Carillon *
Um Himmels willen! Warum bist du denn Metzger geworden?
Ein Mann wie du, du solltest, du solltest ... - Was?
Du solltest ... - Was?
Wir leben nur einmal, das hast du verstanden? - Ja, habe ich.
Das soll man nicht vergeuden! - Ich vergeude es nicht!
O doch, doch, das tust du!
Würdest du gerne mit mir schlafen? - Das würde ich sogar sehr gerne!
Wenn ich "schlafen" sage, mein ich nicht nebeneinander schlafen.
Das hast du verstanden, ja? - Ja, das habe ich verstanden.
Obwohl ich so nebeneinander schlafen auch schön finde.
Ja, ist es! Ja, ja, ja!
O Gott, was hast du? - Nichts.
Echt nicht? - Nein!
Alles gut bei dir? - Alles gut.
Bei mir auch.
Alles gut.
Alles super gut. Ober gut. Mega gut!
Ich mag Sex.
Du nicht?
Doch.
Ja, wirklich. Äh, äh, ja.
Ich mag dein Bett. - Danke.
Ich mag die Größe.
Warum hast du so ein großes Bett?
Ich schlafe gerne diagonal.
Ich wälze mich herum.
Und, ähm ...
Bist du glücklich?
Ja, bin ich.
Und du?
Sieht man mir das nicht an?
War es so, wie du es wolltest?
Ich weiß nicht, was du meinst.
Na ja, war es so, wie du es dir vorgestellt hast?
Ich bin nicht sicher, dass ich mir irgendetwas vorgestellt habe.
Doch, hast du!
Das hätt ich mich wahrscheinlich gar nicht getraut. - Doch!
Hast du dir das nicht ausgemalt?
Hast du nicht gedacht, mich gesehen und gedacht:
"Wow! Wie wär's wohl, mit der zu schlafen?
Nein?
Ich hoffe das. Weil mir ging's so mit dir.
Und da kannten wir uns keine zwei Minuten.
O Gott, wirst du rot? Oh, nein, du bist so süß!
Du bist uralt und du wirst rot!
O Gott, ist dir kalt?
Oder hast du Hunger? - Alles gut!
Ich hab einfach immer so einen Wahnsinns-Hunger.
Nach dem Sex könnte ich ein riesen Frühstücksbuffet allein aufessen.
Oder so 'n Steak, 'n blutiges, richtiges Metzger-Steak.
Oder einen ganzen Fisch. Einen Thunfisch im Ganzen.
Oder einfach dich, so mit Haut und mit Haaren und ...
O Gott.
Oh, bitte, Greta! Einmal die Klappe halten!
Einmal den Moment genießen.
Hattest du jetzt seit Ur-Ur-Zeiten das erste Mal wieder Sex?
Na ja, es ist ziemlich lange her. - Dacht ich mir.
Wie lange?
Du musst nicht drauf antworten, wenn du nicht willst.
Obwohl es mich natürlich brennend interessiert,
falls du dich das gefragt hast.
Das lässt sich wahrscheinlich eher in Jahren
als in, sagen wir mal, Monaten ausdrücken.
Ja, das dachte ich mir schon.
Da hat sich wahrscheinlich einiges angestaut.
Nein. Ich bin ziemlich versiert im Masturbieren.
Ist auch einfacher als Sex. - Findest du?
Ja, weniger Verhandlungsbedarf, weniger Unbeholfenheit.
Weniger unmittelbarer Kontakt zu einem anderen menschlichen Wesen.
Das auch. Wird aber stark überschätzt.
Am Ende bin ich von den meisten Menschen doch eher enttäuscht.
Auch einen Tee?
Bist du enttäuscht von mir?
Nein.
Weißt du, überhaupt nicht.
Nein, wirklich nicht.
Ja, du, dann atme ich aber auf!
Ha! Für mich ist das nämlich eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.
Was jetzt?
Sex mit jemanden zu haben, der lange keinen Sex hatte.
Wirklich?
Ja! Also ich mag das.
Weißt du, ich mag auch diese Unbeholfenheit.
Hat dann auch weniger was von so einem Reit- und Springturnier.
Ähm, die Tricks, die dann da hochkommen!
Besonders deine alten Tricks, die fand ich ja sehr beeindruckend.
Reit- und Springturnier?
Tagebücher. - Ja.
Hm.
Interessant!
Es ist schön hier bei dir. - Alles geerbt.
Bis auf ein paar Bücher. - Stilvoll.
Danke.
Denkst du die ganze Zeit an Edith Päffge?
Nein.
Einmal am Tag?
Nein. - Einmal die Woche?
Einmal die Woche vielleicht.
Erzähl mir was von ihr. Wie war sie so?
Nein, ich meine ...
Tut mir leid, ich wollte nicht indiskret sein.
Habe ich die Stimmung jetzt komplett ruiniert?
Hat sie dir komplett das Herz gebrochen, als sie gegangen ist?
Ich erinnere mich nicht mehr.
Von wegen, du dicker, fetter Lügner.
Steht vielleicht in den Tagebüchern. Ich kann nachschauen.
Wie lange schreibst du Tagebuch? - Seit ich 14 bin.
So lange?
Ich habe jeden Tag was reingeschrieben. Genau 50 Worte.
50 Worte, nicht mehr und nicht weniger.
Ist das nicht ein bisschen irre?
Na, irre vielleicht nicht. - Starrköpfig!
Vielleicht ein kleines bisschen bizarr?
Vielleicht auch bisschen langweilig zum Lesen.
Mhm, ich mag deine Haut.
Ich mag die Falten.
Die riechen nach Bier und nach Tabak und nach Tee und nach Seife.
Es ist der Wahnsinn für mich, es ist wie Europa.
Europa? - Ja! Weil's so alt ist.
Nein, das ist als Riesenkompliment gemeint.
Dann nehme ich's auch als Riesenkompliment!
Europa ist total genial.
Europa ist total genial. Weil's alt ist, ist es begeisterungsfähig.
Europa begeistert sich für neue Dinge.
Amerika ist ein fundamentalistisches Drecksloch dagegen, oder?
Ist doch ein beschissenes funda- mentalistisches Scheiß-Drecksloch!
Voll von fundamentalistischen Scheiß-Vollidioten.
Es ist einfach ein bescheuertes neues Land, das einen auf alt macht.
Das macht doch gar keinen Sinn,
da nach seinen nordamerikanischen Wurzeln zu suchen,
weil es natürlich gar keine nordamerikanischen Wurzeln gibt!
* traurige Musik: Largo aus Bachs Cembalokonzert F-Moll (Klavier) *
* Er weint leise. *
* weiter Klaviermusik *
Das ist alles, was ich zu essen gefunden hab. Im ganzen Haus. - Ja.
Dein Haus ist ziemlich groß, find ich.
Besonders für einen Mann, der alleine lebt.
Sogar zu groß, wenn du mich fragst,
ich hab den Kühlschrank durchwühlt, sämtliche Schränke,
und das hier ist wirklich alles, was es gab.
Schokolade. - Ja, Mann.
Ich bin total enttäuscht.
Wie kann man von Schokolade enttäuscht sein? - Na ja ...
Im Ernst, bei Schokolade gerate ich in zügellose Begeisterung.
Und die ist obendrein sehr gut, mit Ingwer. - Ingwer?
Probiere mal. Schmeckt's?
Ich habe auf ein bisschen was Deftigeres gehofft.
Immerhin bei einem Metzger! Ein Stück Blutwurst oder so was?
Was ist das für Musik?
Johann Sebastian Bach.
Ach ja? - Ja.
Na, toll!
Ich bin hier am Verhungern und das klimpert da so vor sich hin.
Pling-plong.
Du hörst ja gar nicht zu. - Doch.
Du hörst die Musik, aber du hörst ihr nicht zu.
Du musst ihr folgen, der Melodie.
Versuch vorherzusagen, was in ihr als Nächstes passiert.
Sie wird dich vollkommen überraschen.
Die Musik existiert nicht in den Noten.
Sie existiert in den Räumen dazwischen.
Deine Nase.
Wann hast du das letzte Mal mit deiner Schwester gesprochen?
Als du noch unten warst. - Wirklich?
Ja, wirklich. - Sie war 10.
Richtig.
Wenn du jetzt mit ihr sprichst, wie alt ist sie dann?
Sie war zwei Jahre älter als ich, als sie starb.
Also ist sie das immer noch. Sie ist immer zwei Jahre älter als ich.
Stellst du dir alles vor? Gesicht? Stimme? Haare und alles?
Wenn du dir das vorstellst, ist es jedes Mal anders?
Oder ist die Vorstellung unglaublich beständig?
Sie ist unglaublich beständig.
Worüber habt ihr gesprochen? - Ich habe sie nach dir gefragt.
Wirklich? - Ja, wirklich.
Was hat sie gesagt? - Sie hat nichts gesagt.
Wenn eine Entscheidung ansteht, die ich alleine treffen muss,
verschwindet sie einfach.
Die Konzentration auf sie fällt dann sehr schwer.
Was für eine Entscheidung musst du denn treffen, Alex?
Was für eine Entscheidung musst du denn treffen, Alexander?
Ich hab ein bisschen Angst. - Wovor?
Ich habe das schreckliche Gefühl, leider,
dass sich ein Teil von mir gerade ...
Na, spuck's aus!
... gerade in dich verliebt.
Und ich will nicht, dass das passiert.
Ich lasse nicht zu, dass das passiert.
Das darf auf gar keinen Fall passieren.
Ich verhindere, dass das passiert. Ich gehe. Hier. Jetzt.
Das ist doch, das ist dein Haus! - Ich weiß!
Aber du kannst nirgendwo hin! - Ich weiß! Das weiß ich!
Wo willst du denn hin? - (laut) Keine Ahnung!
O Gott! Du dämlicher, alter Sack! - Ja!
Als ich eben in deiner Küche war und die Schränke durchwühlt habe,...
.. da hab ich eine Entscheidung getroffen.
Ach ja? - Ja.
Ich habe die Entscheidung getroffen, dass ich dich um 15.000 Euro bitte.
Ich muss nach New Jersey.
Ich muss meinen Sohn finden. Ich kann an nichts anderes denken.
Ich habe einen Schmerz in mir, als wäre da ein Tumor.
Und ich hab kein Geld! Und du hast welches.
Konnte ich doch nicht wissen, dass ich zurückkomme und du sagst:
"Ich glaube, dass ich mich in dich verliebt habe".
Hätte ich das gewusst, hätte ich es mir noch mal überlegt,
vielleicht auch nicht.
Aber jetzt nicht zu fragen, ist doch auch nichts anderes
als 'ne dicke, fette Lüge!
Wann, wann hast du's gewusst?
Wann hast du gewusst, dass du mich das fragen würdest?
Als du in meiner Küche warst?
Oder hattest du es schon ewig geplant?
Wirklich erst, als du in meiner Küche warst?
Oder hattest du's schon ewig geplant?
Wirklich erst, als ich in deiner Küche war.
Wirklich? - Ja.
Wirklich?
Nein.
Ich hatte das schon ewig geplant.
Seit unserer ersten Begegnung?
Ja!
Nein.
Ja.
Doch.
Oder?
Ja!
Hattest du vor unserer ersten Begegnung entschieden,
dass du das tun würdest?
Habe ich einfach ins Beuteschema gepasst?!
Ich hab das wirklich erst in deiner Küche entschieden.
Ich hatte das schon ewig geplant.
Ich wusste seit vielen, vielen Monaten, dass ich das tun würde.
Tut mir leid.
* ruhige Klavier-Jazzmusik *
* weiter Musik *
* weiter Musik *
* Die Musik endet. *
Ja?
Du spionierst mir nach!
Das ist dir hoffentlich peinlich. - Auf gar keinen Fall.
Ich bin gern hier.
Ja, das hat mir der Hausmeister gesagt.
Hier habe ich ein bisschen Ruhe vor den Kindern.
Hattest du nicht gesagt, du magst die Kinder?
Doch! Manchmal finde ich sie trotzdem ein bisschen anstrengend.
Das kann ich mir vorstellen. - Nee, kannst du nicht.
Du kannst dir doch überhaupt nichts vorstellen!
Wenn die vor mir stehen mit ihren Zetteln von zu Hause,
möchte ich sie am liebsten packen und ...
Entschuldigung, ich will nicht aggressiv sein.
Es ist mir nur alles so peinlich.
Ich wusste ja nicht, dass du hierherkommst.
Hast du jetzt Mittagspause? -Ja.
Gehst du was essen? - Ich hab 'nen Becher Milchreis mit.
Ja, dann iss ihn doch gerne, wenn du möchtest. - Danke.
Hey!
Und das schmeckt dir?
Ja, ich finde, das wird oft unterschätzt.
Diese Kombination aus Fruchtmark, Joghurt und Reis macht sehr satt.
Möchtest du probieren? - Nein, danke.
Deine Frisur ist anders.
Ja.
Steck ich hoch bei der Arbeit.
Das ist alles ... Was?
Das ist alles so seltsam.
Ich habe das Gefühl ich muss mich wie neu erfinden,
damit ich dich nicht damit verwirre, wer ich wirklich bin.
Ich glaub ich habe bei der Arbeit eine ganz andere Persönlichkeit.
Ich denke wirklich, ich hab 'ne andere Persönlichkeit.
Es gibt sie nicht. - Wen? Was?
Persönlichkeit existiert nicht. Das wird immer missverstanden.
Die Persönlichkeit ist lediglich die Summe dessen,
was wir im Einzelnen tun.
Die Verbindungslinie dazwischen ist niemals fix.
Die Persönlichkeit kann sich verändern.
Sie existiert nicht, sie bedeutet nichts.
Und wenn es stimmt, was ein Physiker in Harvard entdeckt zu haben glaubt,
dass das Universum gar nicht existiert,
wieso sollte so etwas Lächerliches wie eine Persönlichkeit existieren?
Wie war deine Woche?
Ach, sie war gut.
Wie ging's dir denn so? - Mir ging's gut. Mir ging's gut.
Mir ging's gut. Mir ging's toll!
Was haste gemacht? - Och ...
Bisschen gemetzgert? - Ja.
Paar ausgedehnte Spaziergänge? - So was in der Art.
Du hast mir gefehlt. - Ah.
Ja. - Ha!
Was? - Nichts.
Nein, was? - Deine Augen sind bemerkenswert glaubwürdig.
Für den Bruchteil einer Sekunde hätte ich dir geglaubt.
Du sollst mir auch glauben. - Mhm.
Weil's die Wahrheit ist.
Deine Ruhe hat mir gefehlt.
Es ist alles sehr laut, wenn du nicht da bist.
Hast du die Polizei gerufen?
Nein. - Hättest du ja machen können.
Wieso sollte ich die Polizei rufen?
Um zu sagen, dass du Opfer eines Finanzbetruges geworden bist?
Bin ich das? - Nein.
Aber fast. - Du hast mich lediglich um etwas Geld gebeten.
Ich weiß.
Ich weiß. Und du weißt das auch! Aber die wissen das ja nicht.
Die sehen das vielleicht aus einer anderen Perspektive!
Ich hab's dir mitgebracht.
Dein Geld, hier.
Ist in 50-Euro-Scheinen.
Ist das in Ordnung?
Es war ziemlich aufregend auf der Bank, so viel auf einmal abzuheben.
Der Mann am Schalter musste sich wirklich sehr bemühen,
nicht überrascht und aufgeregt auszusehen.
Seit 22 Jahren gehe ich jeden Freitagmorgen auf dieselbe Bank,
um mir mein Bargeld für die Woche zu holen.
Ich gehe zum Schalter, hebe immer genau 100 Euro ab.
Das erwarten die mittlerweile schon.
Vielleicht haben sie mir einen Spitznamen gegeben.
"Da kommt der 100-Euro-Johnny." Oder vielleicht nicht.
Hier, nimm.
Gib's mir nicht. - Doch.
Mann, Alex! Du Wichser!
Ich kann das doch nicht annehmen! - Warum nicht?
Oder doch? - Ja.
Nein!
Nein, wirklich nicht! Nein.
Jetzt nimm, bevor ein Ganove kommt und es sich schnappt!
Geh jetzt!
* Schulklingel *
* fröhlicher Swing: Harry James & Orchestra - "You Made Me Love You" *
* weiter fröhliche Musik *
* weiter Musik *
Ich wusste, du würdest es nicht nehmen wollen.
Du bist viel durchschaubarer als du denkst. Weißt du das?
Hältst du es allen Ernstes für möglich,
dass ich weggehe, ohne dir das Geld dazulassen?
Da hast du dich getäuscht. Du bist verblendet.
Oh, gutes Wort: verblendet.
Du musst mir versprechen,
dass du dir für dieses Geld ein Ticket nach New Jersey kaufst.
Du musst mir versprechen,
dass du dich bemühen wirst, deinen Sohn dort zu finden.
Gut, ich kann nicht überprüfen, ob du dich daran hältst.
Aber versprich es mir trotzdem. klar?
Du musst ihn dort besuchen.
Menschen sollten so was tun.
Sollten sie.
Sollten sie!
Sollten sie!
* weiter Harry James and his Orchestra *
Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Sag "Danke, Alexander".
Danke, Alexander.
* weiter Swing-Musik *
* Der Song endet. *
Gestern war ich an einem Ort,
an dem ich schon seit Jahren nicht mehr gewesen bin.
Normalerweise meide ich ihn.
Aus irgendeinem Grund hatte ich beschlossen,
zu unserem alten Haus zu gehen.
Wir wohnten damals am Maybachufer.
Ich kam am Kanal an der Stelle vorbei,
wo ich vor vielen Jahren mit Edith an ihrem Geburtstag war,
als wir zwei von einem Platzregen überrascht wurden.
Wir hatten beide Hemmungen, uns in der Öffentlichkeit zu küssen.
Aber wir stellten uns bei dieser Brücke unter, hielten uns ganz fest
und sahen zu, wie der Regen auf den Kanal prasselte.
In der Woche darauf hat sie mir gesagt,
dass sie sich in einen anderen verliebt hat.
Das muss sie in diesem Moment schon gewusst haben.
Ich gehe nie dorthin, aber gestern schon.
Ich hatte das Gefühl, ganz deutlich,
dass sie unter der Brücke an mir vorbeigehen würde.
Und das tat sie nicht.
Na, ich weiß. Ich hab's gelesen.
Was?
In deinen Tagebüchern stand's drin. Da habe ich das gelesen.
Was soll das heißen, du hast das gelesen?
Na ja, was schon? Ich habe deine Tagebücher gelesen.
Du hast über den Tag geschrieben, und ich habe den Eintrag gelesen.
Du? - Ja, ich!
Ist das jetzt schlimm, oder was?
Ist doch zu spät, ich hab's ja gelesen.
Und ich muss dir ehrlich sagen, so gut waren die nicht.
Was? - Du benutzt zu viele Adjektive.
Ich hab dir nie erlaubt die zu lesen. - Nein.
Du hast mich nie danach gefragt. - Weiß ich.
Du hattest kein Recht dazu.
Da lagen Jahrzehnte in Tagebuchform. Die kann ich doch nicht nicht lesen.
Nur ein Idiot kann so was nicht lesen.
Es war auch wirklich interessant,
wie viel wichtigen Scheiß du ausgelassen hast.
Mauerfall? Ganz schönes Versäumnis, wenn du mich fragst.
Wenn du mich fragst, ich fand es nicht besonders wichtig damals.
Immer 50 Wörter. Jeden Tag. Auch Weihnachten, auch Silvester.
Das Ganze wirkt ganz schön bemüht.
Paar Sachen über sie waren ganz gut. - Ach ja?
Mhm. Bei weitem nicht alles.
Liest du es manchmal? - Nein.
Holst du's nie vor,
um deinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen? - Nein.
Um nachzuprüfen, wie du gefühlt hast? - Lass den Scheiß.
Du warst sehr, sehr traurig. Falls es dich interessiert.
Tut es nicht! - Oh doch. Oh doch! Das tut es!
Und? Jetzt ärgerst du dich, oder?
Und ärgerst du dich auch, dass du mir das hier,
dass du mir das alles hier gegeben hast?
Weil, weißt du, du kriegst es garantiert nie zurück.
Du warst sehr, sehr verliebt in sie.
Weißt du, was ich manchmal denke?
Manchmal denke ich an das Universum.
An seine schiere Größe.
Und dann, wie es sich immer weiter dehnt und dehnt
und auf erstaunlichste Art und Weise in sich selber verschränkt.
Und dann denk ich, die Welt, in der wir leben,
die ist doch gar keine Welt,
in der wir aufrecht auf flachem Boden stehen.
Das Ganze ist doch ein rotierender Wirbel
aus Schwerkraft und Materie im Raum.
Und die Vorstellung angesichts all dessen,
dass wir hier aufrecht auf flachem Boden stehen,
ist doch verwirrend, oder?
Weißt du, was du tun solltest?
Wer, ich? - Natürlich du, du blöder Idiot.
Mit wem rede ich hier die ganze Zeit?
Mit Elvis Presley?
Weißt du was du tun solltest? - Was denn?!
Mitkommen. Nach New Jersey!
Ja! Natürlich!
Du kannst mein Gehilfe sein!
Aber sicher, du kannst mein Sherpa sein, du kannst den Koffer tragen,
du kannst die Landkarten lesen und die Wasserflaschen auffüllen
und den Milchreis einpacken.
Wäre das nicht wunderbar? - Überhaupt nicht!
Oh doch! Das wäre absolut fantastisch!
Vor allem für dich natürlich.
Ein bisschen auch für mich,
Aber vor allen Dingen für dich
und auch insgesamt wär's absolut fantastisch!
* entfernte Zugpfeife *
Komm! - Häh? - Nee, komm!
* beschwingte Barockmusik *
Das ist vielleicht deine letzte Chance.
Schau mich mal an,
'ne Frau wie ich macht so ein Angebot wirklich nicht alle Tage.
Ich sag dir mal was, Alexander Kirchner,
bei deiner katastrophalen Erfolgsbilanz rate ich dir dringend:
Greif zu!
* weiter Vivace aus Bachs Doppelkonzert für 2 Violinen *
* Zugpfeife *
* weiter Musik *
Nein!
* Die Musik endet. *
* Straßenlärm und entfernte Polizeisirene *
Wow!
Hab ich gerade getauscht!
Ich hatte noch nie 'ne Jeans-Jacke. Ich wollte immer schon eine haben.
Wie fühlt sie sich an? - Sie fühlt sich an, als ...
Als hätte ich danebengegriffen. Es ist mir ein bisschen peinlich.
Dann zieh sie wieder aus. - Gleich. Und? War er da?
Die hatten noch nie von ihm gehört.
Ich weiß nicht mal, ob die meine Frage verstanden haben.
Die haben gegrinst und nur "Nein, nein, nein" gesagt.
Wie lange wohnen die schon da? - 10 Monate.
Und Markus war der letzte Vormieter? - Das wussten die nicht.
Die wussten gar nichts.
Gibt auch keine Nachsende-Adresse.
Was haben die aufm Postamt gesagt? - Ach die!
Die hatten noch nie von ihm gehört!
Wir können bei den Nachbarn fragen, oder in Bars gehen. In Geschäfte!
Hier gibt es jede Menge Geschäfte, in denen er bestimmt eingekauft hat.
Irgendwo musste er doch Milch oder Toilettenpapier kaufen.
Und vielleicht ist er ab und zu ein Bier trinken gegangen.
War er religiös? - Ich glaube nicht. Vielleicht?
Wenn er religiös war, war er vielleicht Mitglied in der Kirche da
und die erinnern sich an ihn?
O Gott.
Oh, das wäre schrecklich.
Wir können zur Polizei gehen.
Kein Mensch kann einfach so verschwinden!
Doch! Jersey hat eine Viertelmillion Menschen.
Ich hau dem die Fresse ein, wenn wir den finden.
Mit dem Vorschlaghammer schlag ich ihm seine scheiß Zähne ein,
dann breche ich ihm die Nase.
Und dann puste ich natürlich.
Wie gefällt dir Jersey im Vergleich zu Berlin?
Na ja, ist ein bisschen eigen, oder?
Inwiefern? - Ich weiß nicht, die, die ...
Ich hasse es. - Das habe ich mir fast gedacht.
Ich meine, ist doch ein Scheiß-Republikaner-Nest.
Ich würd am liebsten 'ne Brandbombe schmeißen!
Lass es! - Ich lasse es.
* Swing-Musik: Jimmie Lunceford & his Orchestra - "Harlem Shout" *
Wir können die Hoboken-Ferry nehmen und rüberfahren, wenn du möchtest?
Hoboken? Tolles Wort!
Da fährt auch die Lackawanna Railroad.
Lackawanna! Ich mag Wörter mit 'nem kleinen Binnenreim.
Die Fähre geht bis zum Battery Park.
Wir könnten den Broadway hoch.
Oh! Oder wir gehen aufs Empire State Building!
Ehrlich, das ist das einzig Schöne, was auf der Insel geblieben ist.
Der Rest ist einfach nur ein geschmackvolles Schuhgeschäft.
Ha! Du spinnst ja.
Schau dich mal an!
Was? - Na ja, du siehst ganz ...
Was denn? Wie denn?
Als wäre die Welt voller Wunder.
Das ist wahrscheinlich nur meine Netzhaut.
Ich würde da nichts reininterpretieren.
Deine Netzhaut?
Hinten in meiner Netzhaut schwimmen lauter abgestorbene Zellen.
Das lenkt mich ab!
Deshalb wirke ich tiefsinnig, wo ich eigentlich nur verwirrt bin.
Wie hast du geschlafen heute Nacht? - Tief und fest.
Ich habe nichts geträumt.
Ich hatte das Gefühl einzuschlafen, noch bevor die Augen zu waren.
Und du? - Ich habe gar nicht geschlafen.
Ich habe gelesen.
Ich bin im Zimmer auf und ab gelaufen
und hab dich dabei beobachtet, wie du geschlafen hast.
Du warst vollkommen still, nein, du warst vollkommen ruhig.
Du hast nichts gemacht.
Du hast dich nicht gekratzt, gefurzt, geschnarcht
oder die Decke gegriffen oder dich umgedreht oder irgendwas!
Ich war der Überzeugung, du bist tot.
Ich musste genau hinhören, nur um sicherzugehen.
Was macht deine innere Uhr?
Die ist vollkommen aus dem Takt.
Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie spät es ist.
Und deine?
Ich wusste noch nie in meinem Leben, wie spät es ist.
Du warst so lustig im Flugzeug gestern.
Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der älter ist als 10,
der es so aufregend findet, in einem Flugzeug zu sitzen!
Es gibt umsonst Alkohol! Und umsonst Filme!
Und umsonst diese kleinen Socken.
Nur ein Idiot fände so was nicht aufregend!
Danke, dass du mitgekommen bist.
Ja.
Dein Gesicht ist so beruhigend.
Ist schön, das dabeizuhaben.
Warum, glaubst du, ist er abgehauen?
Weiß ich nicht.
Ich weiß es nicht!
Tut mir leid, ich ...
Ich weiß es nicht.
Letzte Nacht habe ich darüber nachgedacht,
wie das wohl sein wird, wenn du stirbst.
Bei dem Gedanken musste ich weinen. Damit habe ich nicht gerechnet!
Das war vollkommen überraschend. Mal ehrlich, ich meine Scheiße!
Ich werde unendlich traurig sein. Das ist doch total verrückt.
Ist doch absurd, einfach irre! Wie lange kennen wir uns? 6 Wochen?
Was glaubst du, wie lange sollten wir uns geben?
Wie meinst du das?
Wie lange sollten wir nach ihm suchen?
So lange du willst.
Glaubst du, wir finden ihn?
Nein.
Willst du mein Freund sein?
Wie meinst du das?
Na ja, so ausgehen mit mir.
Aber eben, so richtig!
Ich meine, du würdest dich um mich kümmern.
Du würdest Sachen für mich machen.
Wenn ich krank bin, würdest du eine Suppe kochen.
Wenn wir fernsehen, würdest du mir auch mal die Füße massieren.
Wenn wir Sex haben, würdest du über Nacht bleiben
und mich halten und auf dir liegen lassen und so was.
Würdest du das alles für mich tun?
Nein, ich glaube nicht, nein. - Nein?
Nein. - Huh.
Natürlich nicht. - Nein?
Du bist viel zu jung, um meine Freundin zu sein.
Ich bin viel zu alt, um eine Freundin zu haben!
Aber ich bin nicht jung! - Im Verhältnis zu mir schon.
Du bist praktisch 'n Teenager!
Lach nicht!
Doch!
Ich bin glücklich.
Die Leute machen sich zu viel Gedanken darüber, was sie sind.
Sie sollten mehr darüber nachdenken, was sie tun.
Wir könnten, zum Beispiel, eine Zeit lang miteinander verbringen,
das könnten wir tun.
Ich habe wirklich gerne Sex mit dir, ich finde das so außerordentlich,
einen ganz großen Segen in meinem Alter.
Und, ja, ich habe definitiv Lust auf mehr davon.
Ich bin ein großer Freund vom Schmusen und Schlafen.
Und daran interessiert, dir beim Fernsehen die Füße zu massieren.
Oder deine Spülmaschine auszuräumen, ohne zu fragen, ob ich das soll.
Gartenarbeit kann ich gut! Ich könnte im Garten arbeiten.
Vielleicht könnte ich dich dann und wann von der Arbeit abholen
und deine Kollegen fänden das selbstverständlich.
Wäre die normalste Sache der Welt. Was wir eben so tun. Ganz normal.
Ich würde gern die Kunst perfektionieren,
dir einen Kaffee zu servieren, ohne, dass du gefragt hast,
obwohl du ihn schon willst.
All das würde ich gerne tun.
Ich habe keine Ahnung, wie lang ich dazu in der Lage bin.
Je älter ich werde, muss ich gestehen,
desto bewusster wird mir, wie furchtbar kurz alles ist.
Es ist wirklich kurz, das Leben.
Das scheint mir ein bisschen ungerecht.
Ich habe das Gefühl, ich kapiere erst jetzt, wie das Scheißding geht!
Ich habe überhaupt nichts richtig verstanden, stimmt's?
Was meinst du damit?
Wenn ich dich frage, ob du mit mir hierbleibst, dann tust du das, oder?
Ja. Das tu ich.
Und wenn ich dich frage, ob du mit mir nach Hause fährst
oder woanders hin, würdest du das auch tun, oder?
Ja, das würde ich auch tun. - Mehr brauch ich nicht.
Mehr muss ich nicht wissen.
Das ist ideal für mich.
Ach ...
Danke.
Ein Foto. Komm!
Damit wir den Augenblick nicht vergessen!
* Hubschrauberknattern im Hintergrund *
* Alexander singt "Be-Bop-a-Lula" von Gene Vincent *
♪ Well, be-bop-a-lula, she's my baby
♪ Be-bop-a-lula, I don't mean maybe
♪ Be-bop-a-lula, she's my baby
♪ Be-bop-a-lula, I don't mean maybe
♪ Be-bop-a-lula, she's my baby doll, my baby doll, my baby doll
♪ Well she's the girl in the red blue jeans
♪ She's the queen of all the teens
♪ Be-bop-a-lula She is my baby now!
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