All language subtitles for Zwingli (2019)

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Original subtitles

Halt!

He!

Grüß Gott, Frau Anna.

Ich weiß, wie sehr Ihr Euren Mann geliebt habt.

Ich schließe ihn in mein Gebet ein.

Wär's nicht mal wieder Zeit, eine Totenmesse zu lesen?

An Allerseelen habe ich schon eine bezahlt.

Ja - eine...

Ich habe drei Kinder.

In den ersten Stock rauf.

- Könnten wir bitte... - Macht, dass ihr fortkommt!

Kannst du Griechisch?

- Wieso Griechisch? - Vergelt's Gott.

So geht jetzt, Lausbuben!

He...

He!

Lumpenpack...

Wer kümmert sich eigentlich um diese Kinder?

- Diese Lausbuben? -Ja?

Niemand.

Du - warum Griechisch?

Ich will weiter gehen als Erasmus. Hast du seine Bücher gelesen?

Sein Neues Testament?

Er ging auf den griechischen Originaltext zurück.

Ich bin mit der Vulgata zufrieden.

Das musst du lesen, Hofmann. Das macht einen anderen aus dir.

Jetzt komm erst mal an, Zwingli.

Zum Disputieren bleibt uns noch genug Zeit.

Und neue Kleider sollten sie auch mal kriegen.

So kommt jetzt.

He, soll ich euch die Messe lesen?

Ich bin der Heilige Geist.

Er kann's gut mit Jungfrauen.

Zum Teufel mit Euch!

- He... - Vergelt's Gott.

...willst du dir etwa die Pest holen?

Wer von euch kennt dieses Buch wirklich?

Es ist die Bibel.

Unsere Bibel.

In diesem Buch...

spricht Gott mit uns.

Aber wer kann wirklich verstehen, was er sagt?

Von heute an will ich euch das Neue Testament vorlesen.

Und zwar auf Deutsch.

In unserer Sprache.

Ich beginne mit dem Matthäus-Evangelium.

Ich lese es vor und erkläre euch...

wie ich die Worte verstehe.

Dies ist das Buch von der Geburt Jesu Christi,

der da ist ein Sohn Davids,

des Sohns Abrahams...

- Was macht der? - Pscht!

Abraham hat geboren den Isaak.

Isaak hat geboren den Jakob...

Euer Ehren, Bürgermeister Röist.

Sei willkommen in unserer Stadt.

Ist das schön, dass du da bist.

Meister Zwingli.

- Das ist... - Gewaltig!

Ich bin Konrad Grebel und das ist Felix Manz.

Wir möchten unbedingt reden.

Zwingli!

Meine Herren...

Was sollte das?

- Ich hab doch... - Du kannst nicht alles aufwühlen!

Als Leutpriester...

musst du dich ums Seelenheil der Leute kümmern.

Unser Zwingli.

Der große Humanist.

Faber.

Grüße vom Bischof von Konstanz.

Er muss sich doch an die festgelegten Texte halten.

Und die Messe ist immer noch auf Lateinisch.

Wie viel Jahrzehnte brauchst du, um uns die ganze Bibel zu erklären?

Der Herrgott hat's nicht eilig.

Und du?

Fang bloß nicht an herumzfuhrwerken wie der Luther.

Klar?

Wie lange wär' ich denn weg vom Hof?

Kommt ganz aufs Heer der Franzosen an.

Auf jeden Fall lernst du die Welt kennen.

Wie war das doch gleich?

Abraham hat Isaak geboren,

Isaak hat Jakob geboren,

und Jakob?

Wie haben die eigentlich geboren?

Brauchst doch keinen Bullen, brauchst doch eine Kuh, hä?

Was meint Ihr?

Macht er so weiter?

Wenigstens versteht man mal etwas.

Ist das nötig?

Ich zahl noch eine Runde.

Er nähme dich...

Ist noch nicht einmal fünfzig.

Den Gerold müssten wir weggeben.

Kommt nicht in Frage.

Du darfst nicht so wählerisch sein!

Ich muss wieder eine Seelenmesse zahlen.

Der Kaplan ist krank.

Könntet Ihr die Seelenmesse lesen?

Bitte.

Ich mach das nicht mehr.

Was?

Den Toten geht's gut, dort wo sie sind.

Es geht ihnen gut...

im Fegefeuer?

Es gibt kein Fegefeuer.

Was redet Ihr da?

Wer seid Ihr?

Wartet.

Ich muss es Euch erklären.

Wir müssen nichts zahlen, damit es den Toten gut geht, wartet...

Meister Zwingli... Ich wollte ihn nicht hereinlassen.

Er ging einfach hinein.

Leuli!

Tut mir leid.

Das macht doch nichts, Thea.

Das ist Meister Leu, mein Studentenfreund aus Basel.

Und?

Wie hast du angefangen?

Ich höre mir keine Beichte an und lese keine Seelenmesse mehr.

- Und? - Ah, Leuli.

Es wird eine Heidenarbeit. Die Angst steckt ihnen in den Knochen.

Klar, wenn der Papst seit tausend Jahren

von einem rachsüchtigen Gott erzählt.

Aber...

Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und sie wird euch frei machen.

Denn die Wahrheit hat ein fröhliches Gesicht!

Schau, der Erasmus hat eine neue Schrift herausgegeben.

Könntest du meine Übersetzung durchsehen?

Ich finde in Einsiedeln niemand, der das so gut kann wie du.

Ah, gerne.

Er hat gesagt,

es gäbe kein Fegefeuer.

Das ist ja Versündigung.

Doch, das hat er gesagt.

Zwei Krüge Roten.

Gerold, was sprichst du mit dem Leutpriester?

- Am Montag fängt die Schule an. - Ohne dich.

Du hast doch gesagt, ich dürfe lesen lernen.

Geh abwaschen.

Jetzt!

Ist Zürich jetzt das neue Rom?

Ja klar, und er der Papst!

- Und du die Jungfrau Maria! - Oh...

Meister Zwingli.

Was sagt Ihr als Bauernsohn eigentlich zum Zehnten?

Reut es dich?

Warum zahlen wir den Klosterbrüdern Steuern?

Warum sollen die auf unsere Kosten fressen und saufen?

Und herumhuren.

Der treibt unsere Stadt ins Verderben.

Meine Kinder müssen mit leerem Magen ins Bett.

Recht hast du.

Es gibt nichts Sinnloseres auf dieser Welt...

als diese Mastschweine in ihren braunen Mönchskutten.

Corpus Christi.

Corpus Christi.

Hört auf mit diesem lateinischen Brimborium!

Oder versteht hier jemand ein einziges Wort?

- Was fällt euch ein! - Halt's Maul!

Wir wollen verstehen, was in der Bibel steht.

Macht, dass Ihr fortkommt!

Oder wollt Ihr so dumm sterben, wie Ihr auf die Welt gekommen seid?

Fertig!

Hinaus jetzt!

Hallo?

Braucht jemand Hilfe?

Ist jemand da?

Braucht jemand Wasser, Brot?

In Matthäus 11 sagt Christus:

Kommet zu mir alle, die ihr geplagt und beladen seid,

ich will euch Ruhe geben.

Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir.

Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.

So werdet ihr Ruhe finden in euren Seelen.

Alle anderen Priester haben die Stadt wegen der Pest verlassen...

Warum seid Ihr geblieben?

Ich kann nicht weg.

Seht Ihr,

ich auch nicht.

Für wen wolltet Ihr die Seelenmesse lesen lassen?

Für Euren Mann?

Wir müssen uns um die Lebenden kümmern,

nicht um die Toten.

Schaut mit dem Geld lieber nach Euren Kindern.

Und zu Euch selber.

Dein Name sei heilig.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.

Unser täglich Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld.

Ist das Essig?

Halt Still.

Was bringst du uns das Quacksalber-Zeug ins Haus?

Sie sagen, es helfe.

Heiliger Sebastian, hilf uns!

Unser Vater im Himmel. Dein Name sei heilig...

Was ist mit Meister Zwingli?

Macht einen großen Bogen um dieses Haus.

Lebt er noch?

Nicht mehr lange.

Hat alle weggeschickt.

He!

Was machst du?

Das hat er nicht verdient.

Anna.

Bleib da!

Anna!

Hallo?

Was machst du da?

Du darfst nicht hierher kommen!

- Ihr müsst essen. - Geh raus!

Geh sofort raus!

Ich bin dein Gefäß.

Brauch mich.

Oder brich mich.

Hilf, Herr Gott,

hilf in dieser Not!

Ich meine der Tod steht vor der Tür.

Ein Wunder.

Er wollte mich noch nicht da oben.

Mein lieber Leo,

sei gegrüßt, mein Bruder.

Es geht mir zu Herzen:

Gott hat mein Leben verschont.

Wie bin ich glückselig, dass mich Gott zu seinem Werkzeug gemacht hat.

Es ist Gottes Wille,

dass wir die kranke Kirche verarzten und gesund pflegen.

Und Gott beruft dich, Leo,

dass du hier in Zürich mit mir streitest für die gute Sache.

Geh.

Jeder dritte Zürcher ist gestorben an der Pest.

Da müssen wir uns fragen:

Warum hat Gott uns verschont?

Damit wir weiter seinen Namen in den Dreck ziehen?

Die Waisenkinder in den Gassen, habt Ihr sie gesehen?

Wie sie frieren und hungern.

Und was macht unsere Kirche?

Sie hängt Samt und Seide an Heiligenbilder,

statt ihnen zu helfen!

Meinen wir etwa, dass der himmlische Vater

die Not dieser Kinder nicht sieht?

Dass er gemütlich schnarcht?

Denn ich war hungrig und ihr habt mich gespeist.

Ich war durstig und ihr habt mich getränkt.

Ich war fremd und ihr habt mich beherbergt.

Was ihr einem unter diesen meinen geringsten Brüdern getan habt,

das habt ihr mir getan. So steht's im Matthäus-Evangelium.

Christ sein

heißt nicht von Christus schwatzen,

sondern ein Leben zu führen, wie es Christus geführt hat.

Die Bettler in den Straßen,

sie leiden großen Hunger

und müssen sich verdingen als Söldner und Kriegsknechte.

Und während die armen Teufel auf dem Schlachtfeld verrecken,

verdienen sich die Fürsten und Pensionäre einen fetten Hintern.

Was wisst Ihr schon vom Krieg?

Glaubt mir:

Vom Krieg hab ich mehr gesehen, als mir lieb ist.

Ich sage Euch:

Die verfluchten Menschenhändler machen unser Zusammenleben kaputt.

Hier in dieser Stadt genauso wie in der ganzen Eidgenossenschaft.

Ihr eigener Geldsack ist ihnen wichtiger als alles andere.

Und wenn wir

und unsere Kirche dazu einfach schweigen,

dann sind wir genauso schuld an diesen Verbrechen.

Was unternehmen wir jetzt?

Warte nur.

Die Ablassbriefe könnte man doch verbieten!

Eins ums andere.

Und das Geschäft mit dem Krieg?

Jetzt wartet doch!

Grüß Gott, Froschauer.

Könntet Ihr meine Predigt drucken?

Da.

Sie tragen teure, rote Hüte und Mäntel und schüttelt man sie,

so fallen Dukaten und Kronen heraus.

Packt man sie, so rinnt das Blut deines Sohnes,

Bruders, Vaters und guten Freundes heraus.

Da werden gewisse Leute keine Freude haben.

Das wollen wir ja auch.

Ich weiß nicht...

Am liebsten hätten wir eine Flugschrift für jeden Zürcher.

Als ob alle lesen könnten.

Das ändert sich jetzt.

Können die Leute lesen, begreifen sie, wie sie beschissen wurden.

Gerade war ein Mönch hier, der hatte nicht mal eine Bibel.

Ja, bei Euren Preisen.

Eine Bibel kostet ja mehr als eine Kuh!

Also? Könntet Ihr uns das drucken?

Da...

Ich möcht's nicht mehr im Haus.

Der Eisenhändler macht uns einen guten Preis.

Es war sein Schwert.

Ich weiß.

Du willst ihn einfach vergessen.

Nein, Gerold.

Du kannst es nicht verkaufen.

Es gehört mir.

Ich bin sein Sohn.

Was ist Gott?

Hm?

Was Gott ist, das wissen wir genauso wenig...

...wie ein Käfer weiß, was ein Mensch ist.

Aber das wahre Gesicht von Gott,

das sehen wir in den Gesichtern der Armen,

und der Ausgestoßenen.

Nehmt Ihr noch neue Schüler auf?

Gerold würde sich sehr freuen.

Ich mich auch.

Kommt!

So kommt jetzt.

Ja, kommt, alle zusammen.

Ihr beschwert euch doch, dass ihr nicht genug zu essen bekommt.

Aber es ist doch Fastenzeit!

Genau darum geht's. Kommt und setzt euch.

Das ist doch verboten für uns.

Das Fasten ist eine Erfindung. Ein Märchen.

Nirgends in der Bibel steht, dass man kein Fleisch essen darf.

Wahnsinn.

He, Hubertus...

Ich will nicht auf dem Scheiterhaufen landen.

Angsthasen.

Mit dem Fasten ist es jetzt vorbei.

Es ist klüger, wenn ich nicht...

Ja, Köbi.

Fleisch und Fleischeslust!

Herrgott, was sollen wir Pfaffen denn mit unserer Brunst anfangen?

Köbi...

Lust ist das Natürlichste der Welt.

Ein Hengst springt auf jede Stute in seiner Nähe.

Habt ihr mal einen Hengst in einem Talar gesehen?

Natürlich, geh mal nach Einsiedeln.

Die treiben's mit allem, was mehr als ein Bein hat.

Eigentlich müssten Bischöfe verheiratet sein.

Davon träumen wir alle.

Nein wirklich: Ein Bischof soll unsträflich sein,

geziert mit guten Sitten und...

verheiratet mit einer einzigen Frau.

Einer einzigen Frau!

Erster Thimotheusbrief.

Habt Ihr das schon gehört?

Zwanzig Würste haben sie gefressen beim Froschauer. 20 Würste!

Nichts ist ihnen heilig.

Und sie prahlen noch damit!

Diese Ketzer.

Forellen, Äschen, Saibling, frisch aus dem See.

Für alle, denen unsere Kirche noch heilig ist.

Sorgt Ihr Euch um Euer Geschäft?

Frisst du etwa auch Würste?

Vielleicht steht wirklich nichts vom Fasten in der Bibel.

Halt's Maul.

Hast du denn die Bibel gelesen?

Nein, aber ich würd's gerne können.

Ihr nicht?

Das ist Gotteslästerung.

Ich hätte gerne sechs Forellen.

Euch Verkauf ich nichts.

Verkauft denen nichts, diesen Wurstfressern!

Was?

Geht jetzt.

He, ich faste wie alle anderen auch.

"Von der Freiheit der Speisen."

Wollt Ihr wissen, was in der Bibel zum Fasten steht?

Nichts.

Es steht nichts dazu in der Heiligen Schrift.

Das ist alles ein riesiger Schwindel.

Und Meister Zwingli deckt ihn auf.

Das ist die neue Flugschrift von der Druckerei Froschauer:

"Von der Freiheit der Speisen."

Kauf eins, geh schnell.

Es steht nichts dazu in der Heiligen Schrift!

Das ist alles ein riesiger Schwindel.

"Von der Freiheit der Speisen."

Aber Meister Zwingli deckt...

Frau Anna! Frau Anna.

Ihr solltet Fisch essen.

Oh, vergelt's Gott.

Das ist aber aufmerksam.

Passt auf, Frau Anna.

Danke.

Irgendwann wird in unserer Stadt wieder ausgemistet.

Und ich möchte nicht, dass Ihr mit dem ganzen Dreck im See verschwindet.

Danke. Wir essen heute Mus.

Der Bischof verlangt ein Predigtverbot. Und das sofort.

Nur weil er Euch gereizt hat?

Das ist Blasphemie, das wisst Ihr ganz genau.

Soviel ich weiß, hat Zwingli keine Wurst gegessen.

Willst du fasten, dann tu es.

Willst du kein Fleisch essen, dann iss es nicht.

Lass mir dabei aber den Christenmenschen frei.

Wir sollen frei wählen, ob wir fasten wollen oder nicht.

Die freie Wahl!

Der Rat von Zürich hat nichts dagegen.

In anderen Städten werden Fastenbrecher zum Tod verurteilt.

Ja.

Aber wir sind in Zürich.

Ohne unseren Rat hat Euer Bischof hier nichts zu sagen.

Überlegt Euch gut, auf welcher Seite Ihr stehen wollt.

Ich mache Eurem Bischof ein Angebot.

Eine Disputation?

Öffentlich?

Im Rathaus?

Der Rat hat überhaupt kein Recht,

um über theologische Fragen zu entscheiden.

Ich weiß.

Mit denen disputieren wir nicht.

Dann entscheidet der Rat ohne uns.

Ah ja?

Wie soll das gehen?

Hochwürdigster Herr Bischof.

Die machen in Zürich, was sie wollen.

Weil wir schwach sind.

Wir haben diesen Zürchern bis jetzt keine Grenzen gesetzt.

Wir müssen die Zürcher dazu bringen,

dass sie Zwingli fallen lassen.

Mutter!

Mutter!

Mutter.

Darf ich gehen?

Bee...sch...

Beschreibung einer Disputation.

Ein Streitgespräch zwischen Zwingli und den Leuten vom Bischof.

Und dann entscheiden sie, ob er ein Ketzer ist.

Ich will dabei sein, unbedingt.

Und wenn er verliert?

Alle seine Schüler sind dort. Bitte.

Was ist, wenn er verliert...

Anlässlich der Disputation, die in der löblichen Stadt Zürich tagt,

will ich, Ulrich Zwingli, in 67 Artikeln...

Wir erwischen dich!

- Warte nur. - Du wirst schmoren in der Hölle.

- Hau ab dorthin, wo du herkommst. - Du Ketzer!

Du wirst was erleben!

Ruhe!

Ruhe bitte!

Ruhe.

Dem Frieden...

und der Einigkeit zuliebe wollen wir heute

zusammen herausfinden,

ob Leutpriester Zwingli den Leuten das wahre Gotteswort verkündet.

Moment.

Es ist nicht Sache eines weltlichen Rats,

theologische Fragen zu entscheiden.

Dafür braucht es ein Konzil.

Und das kann nur der Papst einberufen.

Wieso? Es könnte ja sein, dass auch wir die Bibel lesen können.

So geht das doch nicht.

Was ist mit den päpstlichen Dekreten?

Mit den Bräuchen und Dogmen unserer heiligen Kirche?

Der Rat ist parteiisch!

Blödsinn, seit wann ist die Bibel parteiisch?

Halt, halt, halt.

Ich habe nicht gesagt, dass ich Theologe bin.

Ich sage nur: Lasst uns genau diese Fragen jetzt...

Ein spezielles Willkommen unserer Äbtissin vom Fraumünsterkloster,

Katharina von Zimmern.

Ich wiederhole nochmals: Lasst uns...

genau diese Fragen jetzt...

friedlich miteinander disputieren.

Bitte.

Meine Predigten sorgen für Unruhe.

Ich bin bereit, alles zu hinterfragen,

auch mich selber.

Messt meine Worte an der Heiligen Schrift,

und nur an der Heiligen Schrift.

Sola scriptura.

Wenn ihr etwas findet, das nicht mit der Bibel übereinstimmt,

nehme ich es mit Demut zurück.

Also, Generalvikar Faber...

Wo in der Bibel steht,

dass man in der Fastenzeit kein Fleisch essen darf?

Ich sage nochmal:

Ich disputiere das nicht hier in diesem Ratssaal.

Also darf man Fleisch essen?

Das ist nicht der Punkt.

Wenn man sich nur auf die Heilige Schrift stützt,

dann verleugnet man eine 1000-jährige Tradition.

Zeigt mir die Stelle in der Bibel, wo das Fegefeuer vorkommt.

Zeigt, wo Jesus Söldner anstellt und ein Volk gegen ein anderes aufhetzt.

Zeigt mir, wo Jesus die Not der Armen ausnützt,

und wo er Prunk gutheißt.

Unter all den Menschen, die zu Jesus gefunden haben,

waren keine Priester,

keine Mönche,

keine Bischöfe,

und vor allem:

kein Papst.

Das ist Blasphemie!

Mumpitz!

Niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Das sind Worte von Jesus aus dem Johannes-Evangelium.

Wir brauchen keine Vermittler,

keine Heiligen.

Niemanden, der sich zwischen Gott und uns Menschen stellt.

Und zu allem andern

damit auch noch Geld verdient.

Was glaubst du eigentlich, wer du bist!

Du verspottest den Papst und den Bischof.

Deine Predigten strotzen nur so vor dreckigen Sprüchen

und schlechten Witzen.

Glaubst du wirklich, dass du Gott so dienen kannst?

Wenn er es so genau nimmt mit der Bibel,

dann soll er uns zeigen, wo steht,

dass man Kinder machen und abhauen soll.

Er hat ein Hurenkind in Einsiedeln.

Was für ein Märchen ausgerechnet aus Eurem Mund.

Wie viele Hurenkinder habt Ihr?

Der Herrgott weiß, was ich gemacht habe.

Aber ihr habt Recht:

Ein Priester sollte keine Kinder zeugen

und sich dann aus dem Staub machen.

Ein Priester soll Kinder zeugen

und die Frau aber auch heiraten dürfen.

Aber das Zölibat kommt euch und eurem Papst gerade recht,

nicht wahr?

Die Pfaffen zahlen brav ihren Ablass

für ihre Mätressen...

und heimlichen Kinder.

Meinst du, es wird besser,

wenn du alle Regeln abschaffst.

Du täuschst dich in den Menschen, Zwingli.

Die Menschen sind schwach!

Sie brauchen die klare Führung der Kirche.

Wenn jeder macht, was er gerade so für richtig hält,

wie der Zwingli in seinem gottlosen Hochmut,

dann ist das... die Apokalypse!

Wer wettet mit mir?

Bleibt er Leutpriester oder wird er als Ketzer verbrannt?

Brennen würde er sicher bestens.

Puff!

Würde mich nicht wundern,

wenn er eines schönen Tages nicht mehr da wäre...

und nie wieder käme.

Der Rat ist zum Schluss gekommen,

dass sich alles

um eine Frage dreht:

Wollen wir die Heilige Schrift

als Grundlage

fürs Handeln von Meister Zwingli gelten lassen?

Und so hat der große Rat entschieden:

Meister Zwingli

ist in keinem einzigen Punkt

widerlegt worden.

Er soll weitermachen wie bis jetzt.

Er soll uns das Evangelium predigen

und nur das Evangelium.

Ich gratuliere.

Das Evangelium hat geschlafen wie ein Siebenschläfer,

aber jetzt wecken wir es auf.

Wir stauben jede Silbe ab und tragen sie in die Welt hinaus.

- Guten Abend. - Gratuliere.

Danke.

Hallo?

Hallo!

Ich hatte Angst, ich müsse Euch im Wellenberg besuchen.

Jetzt ist's entschieden:

Ich bin kein Ketzer.

Sicher nicht.

Ich hab das von Einsiedeln gehört.

Ich bin nicht ohne Fehler.

Ich bin keine solche.

Ich weiß.

Anna.

Ich möchte mit Euch den tieferen Sinn dieser Worte

ergründen.

Das sind keine toten Buchstaben.

Da ist Leben drin, und Geist.

Köbi.

Fängst Du an?

Das kann man übersetzen mit:

"Im Anfang war das Wort."

Nein.

Das griechische Wort

Logos„.

Das ist...

das Schöpferwort...

Gottes.

Erasmus hat's mit "Sermon" übersetzt.

Gespräch.

Der Sinn für das Gesamte unserer Wirklichkeit.

Und das kann man nie in einem einzigen deutschen Wort ausdrücken.

Auch nicht im lateinischen "verbum".

Meine Herren. Bitte.

- Wir sind am Arbeiten. - So?

Wir übersetzen die Bibel.

Aha. Alle miteinander.

Ja.

Alle miteinander.

Muss das unbedingt hier sein?

Die Leute sollen uns zuhören können. Und mitreden.

So ein Stumpfsinn.

Wollt Ihr jetzt mit dem hinterletzten Bauern über die Bibel disputieren?

Die können ja gar nicht lesen.

Sie werden es lernen.

So, fertig jetzt mit dieser Spinnerei.

Da wird gesungen und nicht disputiert!

Wohin geht's denn, werte Frau?

Ich möchte nicht, dass man uns zusammen sieht.

Wieso? Wir reden doch nur.

Habt Ihr Schweine?

Esel?

Die fressen keine Suppe.

Heute Abend?

Ist's fein?

Hm, der Leutpriester höchstpersönlich.

Warum bringt sie dir Essen?

Weil man von Euren Worten nicht satt wird.

Ist das besser?

Kennst du sie gut?

Ich war mit ihrem Mann im Krieg.

Schlacht bei Novara.

Der Mann von der Anna war Söldner?

Eigentlich Junker, aus einer reichen Patrizierfamilie.

Aber dann hat er sich in Anna vom Rössli verguckt.

Und dann?

Dann hat er sie geheiratet.

Und die Eltern nahmen ihm alles weg.

Alles.

Um Geld zu verdienen ging er in den Krieg.

Kam mit einem himmeltraurigen Wundfieber zurück.

Und ist später dann mit Gottes Gnade dran verreckt.

Ich bin bei dir.

Hoch würdigster Herr Bischof,

gestattet uns Priestern, ein Weib zu nehmen.

Denn es ist besser ein Eheweib zu nehmen,

als an ungebührlicher Lust zu leiden.

Die Lust ist ja gar kein arges

oder böses Ding,

da sie ja in des Menschen Natur angelegt ist.

Was machen eigentlich diese Bilder noch im Münster?

Weg mit dem Zeug. Machen wir vorwärts!

Aber das machen wir doch.

Aber nicht nur übersetzen!

Was heißt hier "nur"?

Also von alleine wandern sie nicht aus der Kirche heraus.

He, he!

He, hört auf!

Man kann nicht alles auf einmal.

Es braucht Zeit, sich zu gewöhnen.

Ach was!

Die Stadt ist bereit für Veränderung.

Lasst Zwingli entscheiden!

Er hat ein gutes Gespür für die Sache.

Als nächstes...

sind die Klöster an der Reihe.

- Die Klöster? - Wenn wir sie aufheben,

könnten wir die Klosterschätze und ihre Pfründe der Stadt übergeben.

Diesen gottlosen Gesellen vom Rat?

Unser Rat hat das Recht, da mitzureden.

Wir gehören alle zusammen.

Die Kirche, der Rat...

alle Menschen dieser Stadt.

Und was wird dann aus den Mönchen und den Nonnen?

Die können heiraten und ein ganz normales Leben leben.

So.

Und wann heiratest du?

Es wird herumerzählt, du...

würdest dich mit einer Witwe vergnügen.

Ah...

Der Zwingli soll züngeln.

Ja.

Und wir fordern, dass die Priester heiraten dürfen.

Du fragst um Erlaubnis.

Die wird's aber nicht geben.

Auch in 500 Jahren nicht.

Wenn der Rat unsere Reformen weiterführt...

Jetzt hör auf!

Wir haben die Söldnerei verboten, ihr dürft das Evangelium predigen.

Was willst du noch?

Alle Klöster in der Stadt aufheben.

Mit dem Klostergeld können wir nach den Armen schauen.

Wir richten eine Almosen-Ordnung ein.

Bettler und Waisenkinder bekommen Essen

und lungern nicht mehr auf der Straße herum.

Röist...

sprich mit dem Rat.

Du meinst das ernst.

Natürlich.

Der Bischof macht seit Jahren seine Aufgaben nicht.

Niemand schaut nach den Kranken,

niemand schaut nach den Armen.

Du willst, dass die Stadt das Kirchgeld bekommt

und dafür die Aufgaben der Kirche übernimmt?

Und die Bauern zahlen weiterhin den Zehnten.

Den brauchen wir ja dann.

Aber eins geht nicht mehr...

Die Leibeigenschaft müsst ihr endlich abschaffen.

Jeder Mensch muss frei sein.

Sag mal, was frisst du eigentlich zum Frühstück?

Stierhoden?

Habt Ihr eine Ahnung,

wie lange es unseren Orden in der Stadt schon gibt?

Wie lange seid Ihr schon da?

Jede Nonne bekommt einen rechten Batzen,

wenn sie das Kloster verlässt.

Wir sind eine heilige Gemeinschaft!

Wir haben unser Leben Gott geweiht.

Ganz genau.

Ihr meint, Ihr seid etwas Besseres, weil Ihr ein heiliges Leben lebt.

Aber Gott vergibt uns Menschen, weil wir an ihn glauben,

und nicht, weil wir ihn mit frommen Taten bestechen.

Wenn Ihr hier noch einmal auftaucht,

dann scheiß ich Euch in Euer Evangelium!

Was fällt euch eigentlich ein!

Raus hier!

Raus aus meinem Kloster!

Was ist da los?

Äbtissin.

War er auch schon bei Euch?

Darf ich das erklären?

Lasst uns einen Moment allein.

Ihr müsst mir nichts erklären.

Der Bürgermeister war bei mir.

Äbtissin.

Ihr seid die mächtigste Frau Zürichs.

Alle sagen, dass sich die Kirche erneuern muss.

- Ihr seid im Wahn! - Lasst mich erst...

Ich bin seit 28 Jahren Äbtissin.

Das ist mein Leben.

Und ich hab's gern.

Warum sollte ich jetzt plötzlich mein Kloster aufgeben?

Weil ich weiß, dass Ihr die Bergpredigt kennt,

dass Ihr Erasmus lest,

und dass Ihr meine Kritik am Papst und an der Kirche teilt.

Ah ja?

Interessant.

Aber es stimmt doch.

Verlogene Heuchler und Geldsäcke, das ärgert Euch doch genauso.

Was Ihr alles wisst...

Katharina.

Mit dem Schatz von Eurem Kloster könnte man das Fundament legen

für ein Spital und ein Waisenhaus.

Mit den Pfründen vom Grossmünster

könnte man eine Theologische Hochschule gründen,

Stipendien zahlen für Studenten aus dem Volk.

Was seid Ihr für ein Phantast!

-Ui den... - Auf...

auf den Menschen.

Auf den Menschen.

Und nahm seiner Rippe.

Habt ihr nichts Besseres zu tun?

Willst du nicht wissen, wie wir gemacht worden sind?

Was schleppst du eigentlich herum?

Zwängel will die Heilquelle der Wasserkirche zuschaufeln.

Du willst einen Vorrat anlegen?

- Es ist gar keine Heilquelle. - Du!

Doch, Meister Zwingli hat's uns erklärt.

Das ist nicht wahr.

Sag mir bitte,

dass das nicht von diesem Teufel ist.

Anna.

Ich...

ich kenne eine Hebamme,

die dir helfen kann bei dieser Sache.

Geh hinauf!

Das ist ein Scharlatan, Herrgott nochmal!

Er hat schon mal ein Hurenkind gemacht

und das Weib sitzengelassen!

Hast du vergessen, was passiert ist?

Was ist?

Du darfst nicht. Du musst weg von mir.

Wieso?

Ich bringe jedem Mann Unglück.

Wir sind elf Priester aus der ganzen Eidgenossenschaft.

Wir verlangen vom Bischof, dass er das Zölibat aufhebt.

Ich hab schon einmal einen großen Fehler gemacht.

Der Herrgott bestraft uns für unseren Irrglauben.

Nein, das macht er nicht.

Woher weißt du das?

Gott ist barmherzig.

Er bestraft uns nicht.

Er hat uns gern.

Sogar wenn wir Fehler machen

Anna.

Ich weiß was mit deinem Mann passiert ist.

Anna.

Er ist nicht gestorben, weil der Herrgott euch bestrafen wollte.

Wir bekommen ein Kind.

Ist das wahr?

Zwingli!

Das ist sie also.

Lass Anna in Ruhe.

Der Bischof findet das nicht mehr lustig.

Weil er sieht, dass ich recht habe.

Ich mach dir ein letztes Angebot.

Tu dich von mir aus mit dem Weib zusammen

und mach so viele Kinder, wie du willst.

Aber mach's wie alle andern auch.

Zahl deine Konkubinatssteuer und schweig!

Eben grad nicht.

Mit dieser gottverdammten Heuchelei ist jetzt Schluss.

Gut.

Dann handeln wir jetzt.

Und wir verschonen niemand.

Dich nicht.

Und auch dein Weib nicht.

Was ist, wenn sie Anna etwas antun?

Du kannst es nicht mehr geheim halten.

Heirate sie!

Weißt du, was mir Angst macht?

Dass wir uns gegenseitig kaputt machen.

Was?

Hast du nichts gehört von Manz und von Grebel?

Sie sagen, du seist ein Heuchler.

Gegen das Zölibat wettern und selber zu feige sein um zu heiraten.

In Luzern wurde wieder einer zum Tod verurteilt,

weißt du, was er gemacht hat?

Am Karfreitag Fleisch gegessen.

Ja.

Aber wir sind hier in Zürich.

Wovor hast du Schiss?

Die ganze Stadt zerreißt sich schon das Maul.

Wenn du jetzt zu ihm gehst...

musst du nie mehr heimkommen.

Nie mehr.

Ketzer sind sie!

Halt's Maul!

Ja, Ketzer!

Ulrich Zwingli.

Begehrst du Anna Reinhart zur Ehe...

um Gottes Willen?

Ja.

Anna Reinhart.

Begehrst du Ulrich Zwingli zur Ehe um Gottes Willen?

Ja.

Ulrich.

Anna.

Ihr beide...

sollt...

Treue und Liebe...

füreinander halten.

Amen.

Ein verheirateter Leutpriester.

Das geht zu weit.

Warum?

Warum?

Die Zeiten ändern sich.

Dann schauen wir,

dass wir Euren Zwingli mit einem Kirchenbann belegen.

Und wenn sich Zürich nicht von Zwingli trennt,

sind die Tage dieser Stadt gezählt.

Was heißt das?

Wir schließen einen Bund.

Nicht jetzt!

Ich übergebe das Fraumünsterkloster der Stadt.

Was soll das?

Aus freiem Willen.

Damit es keine Unruhen gibt und der Frieden in unserer Stadt bleibt.

Das ganze Kloster?

Mit allen Ländereien und Pfründen.

Stellt Euch voll und ganz hinter Zwingli und seine Reformen.

Richtet mit dem Vermögen eine Armenfürsorge ein.

Und schaut, dass auch alle anderen Klöster

an die Stadt überschrieben werden.

Danke.

Und Ihr, Frau Äbtissin?

Macht Euch wegen mir keine Sorgen.

Binder, heute wird gefeiert!

Genau! Auf Zwingli, unseren Reformator!

Nein, nein!

Auf Anna.

Sei willkommen in deinem neuen Zuhause.

Und auf euch!

Die ersten Pfarrfrauen der Eidgenossenschaft.

Segne uns Gott!

Auf die Liebe!

Und aufs Leben!

Frau, ich bin Euch von Herzen hold!

Oh mein, oh mein!

Ich werd' Euch geben was Ihr wollt!

Oh mein, oh mein!

Wenn Ihr's von mir annehmen wollt!

Oh mein, oh mein!

Bin ich doch dein! Möchte's möglich sein!

Ich gäb' mich dir ins Herz hinein!

Auf Zwingli und seine Anna!

Lasst wenigstens die Orgel oben.

Habt Ihr Schiss, dass man sonst Euren...

schäbigen Gesang hören könnte?

Mein Gesang?

In diesem gottvergessenen Haus sing ich nie mehr.

Guten Abend.

Anna?

- Halt! - Lass mich zu ihr!

Bitte.

Habt noch einen Moment Geduld.

Was ist passiert?

Nichts.

Nichts ist passiert, ist alles in Ordnung.

Was machen die da?

Wer?

Die Soldaten da draußen.

Der Rat will uns beschützen.

Solltet Ihr nicht etwas bremsen?

Ulrich...

Jetzt haben wir's doch geschafft.

Es braucht nur ein kleines Lüftlein.

Der Herrgott ist mit uns.

Wir müssen keine Angst haben.

Das hast du doch selbst gesagt.

Meister Zwingli!

He!

Hört auf!

He!

Schaut, wer da ist!

Zwingli!

Meister, komm, mach auch mit!

Aufhören, sofort!

Habt Ihr etwas gegen unser kleines Fegefeuer?

Da kommt Nachschub.

Stopp!

Das ist keiner von uns!

Er will uns das Evangelium nicht auf Deutsch predigen.

Lasst ihn laufen.

Nein.

Wir verbrennen ihn.

He, he!

So.

Und jetzt benehmen wir uns alle wieder wie richtige Christen.

Steckt Ihr etwa dahinter?

Was?

Mag] sagt, es habe einen Überfall gegeben...

Auf Zwingli.

Keine Angst, erlebt noch.

Sagt mal, - seid Ihr noch bei Trost?

So macht Ihr einen Märtyrer aus ihm!

Anders kann man ihn nicht mehr bremsen.

Der Rat, und die Zünfter, und die Bauern,

alle fressen ihm aus der Hand.

Euch sind die Zügel entglitten!

Und alles was Euch einfällt, sind ein paar müde Schläger!

Wir brauchen nicht ein paar Schläger.

Was wir brauchen, ist ein Heer.

Regula Zwingli.

Geboren...

31. Juli...

1524.

Schau.

Ist das... mein...

Dein altes Messgewand.

Schön.

Willst du Regula nicht taufen?

Wer sagt so etwas?

Was steht in der Bibel über das Taufen?

Hast du mit Manz gesprochen?

Auf dem...

auf dem Markt hat eine Frau mit mir geredet.

Das ist eine Spinnerei von Manz und Grebel.

Sie sagen, dass man sich erst als Erwachsener taufen lassen soll.

Und...

was steht denn in der Bibel?

Es steht nichts Genaues darüber.

Warum taufen wir denn nur die Kinder?

Es ist ein Zeichen, dass auch die Kinder schon mit Gott verbunden sind.

Anna...

Das Taufen von Erwachsenen ist verboten.

Vom Rat.

Strengstens.

Ich taufe dich...

Felix Manz.

Ich taufe dich...

Regula Zwingli.

Im Namen des Vaters...

und des Sohnes...

und des Heiligen Geistes.

Amen.

Sobald man euch den Finger gibt, nehmt ihr die Hand

Das stimmt nicht!

Weißt du, was es heißt, Kinder nicht zu taufen?

Ja natürlich...

Ohne Taufregister hat die Stadt keine Bürger, die Pflichten haben.

Du musst mir das nicht erklären.

Ich bin genauso dagegen wie du.

Dann mach etwas.

Und zwar schnell.

Sonst kann ich euch nicht mehr helfen.

Felix, hört auf.

Ihr bringt uns alle in Gefahr.

Erst als Erwachsener kannst du dich bewusst für Gott entscheiden.

Die Kindertaufe ist unbiblisch.

Man kann sich nicht für Gott entscheiden,

wie man sich auf dem Markt für einen Fisch entscheidet.

Was du sagst, ist Gotteslästerung.

Das ist keine Gotteslästerung.

Wir dürfen doch jetzt nicht in Streit geraten.

Siehst du nicht, wie heikel alles ist?

Manchmal muss etwas kaputtgehen, damit etwas Neues entstehen kann.

Meinst du wirklich, du wirst so zu einem neuen Menschen?

Ich bin's schon geworden.

Ihr habt das Gefühl, ihr seid die einzigen, auserwählten...

wahren, reinen Christen.

Wir halten uns nur an die Heilige Schrift.

Sola scriptura.

In der Bibel steht genauso:

Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn solcher ist das Himmelreich.

Du legst die Heilige Schrift aus, wie's dir gerade passt.

Wirst du eigentlich vom Rat dafür bezahlt?

Überleg's dir gut.

Der Rat droht euch mit der Todesstrafe.

Der Rat soll sich um den eigenen Mist kümmern.

Meister Zwingli!

Köbi.

Mir...

mir reicht es, nur rumzuhocken.

Ich möchte dahin, wo's mich wirklich braucht.

Ich gehe nach Schwyz.

Nein, mach das nicht.

Doch.

Ich möchte dort predigen.

Denn alle Eidgenossen müssen das Evangelium hören können.

Das ist gefährlich...

so allein.

Ein guter Hirte...

hört nur auf Gott.

Das habt Ihr doch selbst gesagt.

Behüte dich Gott.

Jesus hat keine Gewalt gesät,

sondern Liebe.

Er will, dass wir als Brüder und Schwestern zusammenleben.

Dazu brauchen wir aber keinen Papst.

Keinen Priester.

Keinen Kaiser.

Und keinen Großen Rat von Zürich,

der uns sagen will, was wir zu tun haben!

Gottes Reich ist nicht von dieser Welt!

Wir lassen uns nicht mehr sagen, wer unsere Prediger sein sollen.

Das bestimmen wir selber!

Jawohl.

Darum kommt alle zu uns heute Abend.

Und lasst euch taufen.

Denn nur so können wir den alten,

sündigen Menschen abwaschen

und zusammen mit Christus wieder auferstehen.

Schau mal dort!

Hol deine Familie und geh!

Komm jetzt.

Geh!

Ganz ruhig.

Ich laufe euch nicht davon.

Halt die Schnauze.

Röist!

Ihr dürft den Manz nicht töten.

Was du nicht sagst.

Wir haben die Täufer lange gewarnt, jetzt ist Schluss.

Aber Blut vergießen?

Weißt du, was passiert, wenn...

ich Manz laufenlasse und die Täufer so weitermachen?

Es gibt Bürgerkrieg.

Denn sie scheißen auf unsere Stadt, unsere Gesetze und Regeln.

Ich weiß doch.

Ulrich, es geht nicht anders.

Oder willst du, dass deine Reformation im Blut ersäuft?

Sie wollen Manz hinrichten.

Worauf wartest du noch?

Geh zu Röist, rede mit ihm!

Das habe ich schon gemacht.

Aber er hört doch auf dich.

Hast nicht du gesagt, wir hätten genug erreicht?

Wir sollten ein wenig bremsen?

Genau das hab ich Felix gesagt, aber er wollte nicht hören.

Du opferst Manz...

Was?

Der Rat konnte gar nicht anders entscheiden.

Was machst du eigentlich hier?

Kümmere dich um deine Sachen!

Gelobt sei Gott,

um seiner...

So, sei jetzt still!

Wahrheit...

Ich sterbe um seiner Wahrheit...

Willen.

Weil unsere Taufe...

Hör auf mit dem Geschwätz!

Unsere Taufe ist rechtens...

und gründet in Gottes Wort.

Und hat nicht Christus gesagt,

dass seine Jünger leiden um seiner Wahrheit willen.

Gelobt...

Ruhe jetzt!

Gelobt sei Gott.

Felix Manz...

hat nichts als Unruhe und Aufruhr...

wider die christliche Obrigkeit gestiftet.

Er soll vergehen...

und verderben...

im Wasser.

Unser Herrgott ist mit dir!

Wir müssen etwas machen,

bevor sich dieses Krebsgeschwür in der Eidgenossenschaft ausbreitet.

Wer ist auf unserer Seite?

Luzern, Zug...

Uri, Schwyz, Unterwalden. Mit Graubünden sind wir am Reden.

St.Gallen und Solothurn könnten auch auf unsere Seite kippen.

Wärt Ihr zu haben für Verhandlungen mit...

Habsburg.

Ein militärisches Bündnis.

Mit Habsburg?

Wie wär's, Zürich aus der Tagsatzung der Eidgenossen auszuschließen?

- Das reicht nicht. - Doch.

Das macht dem Rat sicher Eindruck.

Das eine schließt ja das andere nicht aus.

Sie wollen uns aus der Tagsatzung rauswerfen.

Ich weiß.

Das weißt du?

Bern...

Basel, Mülhausen,

Straßburg, St.Gallen, Schaffhausen?

Wir brauchen Verbündete.

Ich muss mich mit Luther treffen.

Mit ihm haben wir alle großen Reichsstädte

mit ihren Heeren.

Du glaubst, die können wir alle für die Reformation gewinnen?

Gelehrter Martin Luther,

seit Jahren schreiben und zanken wir

über die richtige Bedeutung vom Abendmahl Christi.

Wie ist es doch ein böses Übel,

dass wir zwei uns nicht einigen können,

wo wir doch beide von Feinden umgeben sind.

Ich würde gerne nach Marburg kommen,

um mit dir dieses Missverständnis zu klären.

Die Bilder geben wir denen zurück, die sie gespendet hatten.

Was übrig blieb, haben wir verkauft

und das Geld in den Topf für die Armenfürsorge gelegt.

Das wäre in Basel genauso möglich.

Unsere Prophezei ist die erste reformierte Hochschule.

Hier übersetzen wir die ganze Bibel auf Deutsch,

zusammen mit den besten Gelehrten aus ganz Europa.

Das zum Beispiel ist Heinrich Bullinger,

ein brillanter Theologe.

Das sind Ratsherren aus Solothurn.

Die ganze Bibel.

Aufs aller treulichste verdeutscht.

Die allererste vollständig deutsche Bibel.

Dein Werk, Ulrich.

Unser Werk.

Eine Zürcher Bibel.

Als Nächstes wollen wir eine lateinische Übersetzung

vom Koran herausgeben.

Vom Koran?

Ja, die ist nämlich noch nicht als Buch gedruckt.

Meister Zwingli,

Bern wird alles unternehmen, um Euch zu unterstützen.

Sie haben Köbi verhaftet.

In Schwyz oben.

Ulrich?

Es funktioniert nicht.

Was funktioniert nicht?

Das Wort.

Die Leute hören das Evangelium,

aber die Worte wollen ihnen nicht in den Schädel.

Es verändert sie nicht.

Das stimmt doch nicht.

Mach die Augen auf.

Es ist alles nur...

äußerlich.

Und all die Bettler, die jetzt zu essen bekommen?

Und all die Bauern, die Kinder, die Frauen...

die lesen lernen?

Ja, was ist mit all denen,

wenn sie nicht nur Köbi, sondern uns alle angreifen?

Wir haben schon vier Orte, die hinter uns stehen.

Und Bern hat's geschafft, dass sie uns nicht aus der Tagsatzung werfen.

Meinst du etwa, wir hätten das alles geschafft,

wenn der Herrgott nicht auf unserer Seite wäre?

Die Mailänder greifen Graubünden an.

Die Katholiken greifen die Bündner an.

Die Päpstler haben gemerkt, dass wir recht haben.

Jetzt versuchen sie's mit Gewalt.

Graubünden ist in Not. Sind wir als Nächste dran?

Schau nach meinem Ross.

- Wollt Ihr nicht nach Hause? - Nein.

Ihr seid schon seit 27 Stunden unterwegs.

Graubünden wird von den Mailändern angegriffen.

Was unternimmt die Tagsatzung?

Nichts. Die Innerschweizer helfen nicht.

Sie müssen! Graubünden gehört zur Eidgenossenschaft.

Sag uns erst einmal... Wie lief es mit Luther?

Die Sache wäre geklärt.

Wir werden uns nie finden.

Was?

Das ist einfach keiner von uns. Dieser Menschenfresser.

Der glaubt noch, wir würden den echten Körper von Jesus essen,

sein richtiges Blut saufen.

Da hockt immer noch der Päpstler drin.

Aber ohne Luther stehen wir allein da.

Ich habe es versucht, aber er hat nur geschimpft.

Ich sei der Teufel und schlimmer als der Papst.

Das hat doch Gründe, dass die Tagsatzung den Bündern nicht hilft.

Vielleicht steckt Habsburg dahinter.

Die haben sich mit den Innerschweizern verbündet.

Sie greifen zuerst im Süden an und geben keine Ruhe,

bis die reformierte Bewegung in Europa kaputt ist.

Was schlagt Ihr vor?

Wir müssen als erste die Altgläubigen angreifen.

Entschuldigung...

aber Bern kann sich keinen offenen Streit leisten.

Wer kann das schon?

Wir könnten eine andere Schraube anziehen.

Zum Beispiel...

wenn wir alle Lebensmittel blockieren.

Das reicht doch nicht.

Warum nicht?

Wir blockieren alle Straßen zu den Altgläubigen.

Die Leute bekommen wieder Nahrung, wenn man evangelisch predigen darf.

Nein.

Unterschätze nie ein Volk, das Hunger hat.

Meinst du, man kann den Leuten den Glauben aufzwingen?

Das will ich nicht.

Aber willst du, dass die Päpstler alles kaputt machen?

Ich würde dem Herrgott vertrauen.

Meister Zwingli.

Ein Viehhändler hat berichtet, dass sich in Zug Kriegsknechte versammeln.

Mehr als tausend Mann sollen es sein.

Ulrich!

Warte!

Überlass das unserem Kriegsrat.

Was ist mit meinem Freund passiert?

Der Herrgott würde keine Menschen verhungern lassen.

Vergiss deine eigene Botschaft nicht, Ulrich.

Der Herrgott wird allen zeigen, dass er auf unserer Seite ist.

Wir haben zum lebendigen Wort der Heiligen Schrift zurückgefunden.

Zur Menschlichkeit, zur Freiheit.

Und jetzt?

Soll alles, was wir in den letzten 12 Jahren aufgebaut haben, kaputtgehen?

Wollen wir das?

Wenn wir noch länger warten,

stehen sie bald vor unseren Stadttoren.

Überschätzt Ihr die Lage auch nicht?

All die Berichte sind widersprüchlich.

Was ist mit Bern?

Die wollen noch warten.

Das Risiko ist zu groß.

Allein kommen wir gegen dieses Bündnis nicht an.

Wo ist Euer Mut geblieben?

Euer Vertrauen?

So macht doch um Gottes Willen etwas Tapferes!

Wenn Ihr jetzt die Hände in den Schoss legt

und auf ihren Angriff wartet,

dann ziehe ich mich von allen meinen Ämtern zurück.

Nein, Ulrich.

Wir lassen uns nicht erpressen.

All die Jahre haben wir auf dich gehört,

aber jetzt hörst du uns zu.

Es ist ein riesiger Fehler, ohne Hilfe von Bern anzugreifen.

Wir warten ab.

Stimmt's, was im Wirtshaus erzählt wird?

Stimmt's?

Jetzt sag etwas!

Schickt sie nicht in Schlachten, in denen sie verrecken.

Wer hat das gepredigt?

Für eine gerechte Sache soll man kämpfen!

Du hast mir von den Soldaten erzählt, die Tiere werden,

und wie der Krieg das Zusammenleben kaputt macht.

Die Soldaten haben ihre Seele verkauft.

Ich will nicht für fremde Herren kämpfen.

Ich will für den Herrgott kämpfen.

Du hast eine Familie.

Du hast vier Kinder und du hast eine Frau!

Gott ist mit uns.

Wir haben von Anfang an gesündigt,

alles wiederholt sich.

Anna, hast du mir nicht zugehört?

Niemand hat gesündigt.

Die Altgläubigen haben uns den Krieg erklärt.

7000 Mann aus der Innerschweiz ziehen Richtung Kappel.

Der Rat schickt mich zu Euch.

Wo sind Eure Rüstungen?

Das Lager ist abgeschlossen.

Macht Ihr Witze?

Ist niemand da vom Rat?

Das ist doch nicht möglich.

Das sind doch nicht alle unsere Kämpfer?

Die Vorhut ist mit 1500 Mann unterwegs,

Das Hauptbanner hat erst 1000 Soldaten.

Mit den Nachzüglern kommen wir auf dreieinhalb Tausend.

Sie sind doppelt so viele wie wir.

Los, kommt.

Vorwärts machen!

Wir haben keine Zeit zu verlieren.

Ulrich, Ulrich!

Nicht Gerold.

Sag ihm, du verbietest es.

Es hat keinen Sinn, Mutter.

Ich gehe mit.

Gott sei mit Euch.

Segne uns Gott.

In aller Not hilft uns deine Gnade.

In allem Kummer gibst du uns Wort.

Aus aller Angst führt uns dein Wort.

Wo sind sie?

Anna.

Wo ist Ulrich? Gerold?

Sag mir, was passiert ist.

Du willst es nicht wissen!

Doch, ich muss.

- Du willst es nicht hören. - Doch sag's mir.

Was haben sie gemacht?

Gequält haben sie ihn.

Geschändet.

In Stücke zerrissen.

In ein riesiges Feuer geworfen.

Und seine Asche auf dem Schlachtfeld verstreut.

Sie ist es.

Willst du nicht deinem Mann in der Hölle Gesellschaft leisten?

Hätte er nur nie unseren Boden hier berührt!

Er hat uns ins Unglück gestürzt.

Hört ihr...

wie er schreit und stöhnt in der Hölle?

Recht geschieht es ihm.

Nein.

Der Herrgott straft ihn nicht.

Was sagst du?

Ach erzähl doch, was du willst.

Er hat uns gern.

Auch wenn wir Fehler machen.

Der Teufel hat ihn geschickt.

Nein.

Ist das das Werk des Teufels?

Ist es der Teufel, der will,

dass die Menschen selber denken?

In den letzten Jahren

haben wir eine neue Freiheit gewonnen.

Diese Freiheit bringt viel Verantwortung mit sich.

Das haben wir alle schmerzlich erfahren müssen.

Aber diese Freiheit ist auch kostbar.

Wir wollen sie auf keinen Fall wieder hergeben.

Wir gehen weiter.

Tag für Tag.

Viele...

wünschen sich die alten Gewissheiten zurück.

Aber ich weiß,

es bleibt uns nichts anderes übrig,

als auf der Suche zu sein.

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