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(bedrohliche Musik)
(treibende Musik)
(dumpfes Br�llen)
(Frauenschrei)
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DIE HEBAMME
Bleib liegen. Ich schaff das alleine.
Ich habe einen Eid geleistet.
Der Eid. Meine Mutter hatte ihn vor vielen Jahren in Wien geleistet.
Nichts konnte sie von der Erf�llung dieser Pflicht abhalten.
Eines Tages werde ich ihn auch leisten, den Eid der Hebammen.
(Donnergrollen)
(Babyschreie) Ein Junge!
Kleiner Prinz!
(Das Baby weint.)
Nein!
Geh nach Marburg zu Elgin.
Elgin Gottschalk.
Die Tochter von meinem Lehrer in Wien, wei�t du?
(Husten)
Sie ist eine gute Freundin.
Sie wird dir alles zeigen, was ich dir nicht mehr zeigen kann.
Mutter, nein.
Bleib nicht hier. Mach nicht den gleichen Fehler wie ich.
Geh in die Welt. Sie geh�rt dir.
(R�cheln)
Im Schrank ist eine Schatulle.
Darin ist ein Brief.
Den gibst du Elgin.
In 19 Jahren war ich nicht einen Tag ohne meine Mutter gewesen.
Ich kannte nur Maulbach und die nahen D�rfer. Und jetzt?
Jetzt sollte ich allein in die gro�e Stadt gehen.
Ich hatte den Namen Elgin Gottschalk noch nie geh�rt.
Meine Mutter hatte kaum von fr�her geredet.
Immer war sie ausgewichen.
Und nun sollte ich mich ausgerechnet an jemanden aus dieser Zeit wenden.
Ich verstand es nicht.
(sinfonische Musik)
(zitternder Atem)
(Sie st�hnt auf.)
(Donnergrollen)
(Kr�henschreie)
(Pferdewiehern)
(Kr�henschreie)
(Marktschreier und Messerschleifen)
Bitte, meine Damen!
(h�misches Lachen)
Entschuldigung.
Mein Fehler.
(Marktschreier:) Gabeln, Messer und Scheren!
(Glockenl�uten)
Hallo.
Wie alt ist es?
Vier Tage.
Hast du Milch?
Ja, reichlich.
Hat Elgin Gottschalk ihn geholt?
Felix kam von ganz alleine.
Aber die Gottschalk hat mir danach geholfen.
Eine wunderbare Frau.
(Das Baby brabbelt.)
Wei�t du, wo sie wohnt?
Drau�en am Wald. An dem Weiher.
Raus hier! Raus!
Das ist keine Heimstatt f�r gottlose Weiber! Ein halbes Jahr Bu�e!
Vorher betrittst du mir kein Gotteshaus mehr!
Warte!
Hier, f�r den Kleinen.
Das kann ich nicht.
Dann hat er es w�rmer.
(bedrohliche Musik)
(Quietschen)
Hallo?
Ist hier jemand?
(Frau:) Hier hinten!
(Pl�tschern)
Entschuldigen Sie bitte die St�rung.
Sind Sie Elgin Gottschalk?
Worum geht's?
Meine Mutter schickt mich. Aus Maulbach. Bele Langwasser.
Beles Tochter Gesa, nicht wahr?
Komm, wir gehen ins Haus.
Woran ist sie gestorben?
Sie hat viel gehustet, geschwitzt, gezittert und Blut gespuckt.
Schwindsucht. Das tut mir leid.
Ich kann f�r die Ausbildung zahlen. - Ich bilde nicht aus.
Hebammen werden im Geb�rhaus ausgebildet.
Sie legen dort ihre Pr�fungen ab, wie es Pflicht ist.
Die nehmen dein Geld sicher.
Meine Mutter hat gesagt, dass ich ...
Auch ich habe mein Handwerk bei einem Arzt gelernt.
Von Ihrem Vater?
Ja, von meinem Vater.
K�nnen Sie mir etwas von fr�her erz�hlen? Von meiner Mutter?
Das ist sehr lange her.
Das Geb�rhaus ist nicht weit.
Vielleicht machst du dich besser jetzt auf den Weg.
Ja. Nat�rlich.
(Rascheln und Vogelschrei)
(entferntes Wiehern)
(Die T�r wird ge�ffnet.)
Schwanger?
Nein, ich will Hebamme werden.
Mitten in der Nacht hier antanzen.
Drau�en h�ttest du sie schlafen lassen sollen.
Ich bin zwei Tage aus Maulbach hergelaufen.
Bist noch immer ganz gut zu Fu�. Also!
Bist du tugendhaft? - Ja.
Ehrbar und gottesf�rchtig?
Ehrlich und n�chtern?
Von mannhaft im Geist? - Von mannhaft?
Von mannhaft im Geist. Antworte! - Ja.
Zeig deine H�nde.
(Schn�ffeln)
Hm, wie hei�t du?
Gesa Langwasser.
Gesa.
Ich bin die Haushebamme Textor. Was ich sage, wird gemacht, immer.
Ohne Widerworte.
Morgen um sechs Uhr ist Arbeitsbeginn.
Haare werden hochgemacht, das sind deine Sachen.
Jetzt ist Bettruhe. Ich zeige dir die Schlafkammer.
K�nnte ich noch was zu essen haben? Ich habe ...
Zu sp�t.
Danke.
Die Kammer.
Wie hei�t du eigentlich?
P-Pauli.
Hier.
Gute Nacht, Pauli.
(Knarren)
(Sie seufzt erleichtert.)
(Frauenschrei)
Wer ist da? - Gesa, eine neue Sch�lerin.
W�rdest du wohl das andere Bett nehmen?
Entschuldigung, ich hab euch nicht gesehen.
Das ist Konstantin, und der ist eigentlich gar nicht hier.
Nein. Ich meine, ja, ich bin nicht da.
Tut mir leid.
Konstantin von Hallersleben ist ein Adelssohn.
Denkt, er kann sich alles nehmen. So eine bin ich nicht.
Nur ein bisschen k�ssen und streicheln. - Aha.
Ein Schluck Wein?
Der ist von Pauli, unserem kleinen P-P-P-Prachtkerl.
Ich hei�e Lotte.
Du hast den Brief echt nie gelesen?
Meine Mutter hat gesagt, eine gute Hebamme ist immer diskret.
Dann werde ich nie eine gute Hebamme. Will ich eh nicht.
Wieso bist du dann hier?
Das war die einzige M�glichkeit, vom Dorf wegzukommen.
Hier suche ich mir einen reichen Mann und werde Mutter und Ehefrau.
Diesen Konstantin?
Wenn er weiter so um mich buhlt.
Lotte von Hallersleben. Klingt doch gut, oder?
Aber es ist noch geheim, sag's nicht weiter. - Mhm.
Aber dass dich die Gottschalk weggeschickt hat.
Vielleicht hat deine Mutter der mal einen Mann ausgespannt.
Deshalb ist sie eine alte Jungfer.
Wie kommst du darauf, dass sie eine Jungfer ist?
Die lebt nur f�r die Hebammen-Kunst.
Der Medicus wollte sie sogar als Haushebamme. - Und?
Sie hat nein gesagt.
Deshalb haben wir jetzt die Branntwein-Textor.
(fl�sternd:) Ist die immer so schlecht gelaunt?
Immer mies drauf und immer betrunken.
Dabei trinkt sie den Branntwein nur gegen ihre b�sen Schmerzen.
(bedrohliche Musik)
(treibende Musik)
(Babyschreie)
(Vogelzwitschern und Entenschnattern)
Die Frau vom Richter. Starke Wehen.
Geht's wieder runter? - Ja, mach du.
Ich geh schon mal.
(Gesa st�hnt.)
(St�hnen und Pl�tschern)
Guck mal, wie sch�n meine Puppe tanzt und wie sch�n ihre Locken sind.
(Kind #2:) Ja, die ist wundersch�n.
Endlich!
Mach bitte einen Rotwein-Zimt-Trunk f�r die Frau Richter.
(Richter:) Sie wissen, wie sehr ich mir einen Sohn w�nsche.
Und Sie wissen, dass ich darauf keinen Einfluss habe.
(St�hnen)
Gut, dass du da bist.
Du wei�t ja, was kommt.
Ja, ich hoffe, ein Junge.
Hol Pfarrer Siebert her, G�tze. Ich mag hier nicht alleine warten.
Guten Morgen zusammen.
Ah, Sie sind unser Neuank�mmling.
Professor Kilian, herzlich willkommen.
Gesa Langwasser. Danke sch�n.
Das ist Doktor Heuser. Anatom und Dozent hier im Haus.
Guten Morgen. Wie war die Nacht? - Gut, Herr Doktor.
Niemand kennt den menschlichen K�rper besser als er.
Und er teilt sein Wissen gern.
Der Professor �bertreibt ma�los.
Was wissen Sie �ber die Hebammen-Kunst, Gesa?
Meine Mutter war Hebamme. Ich hab sie begleitet.
Dann k�nnen wir ja von Ihnen noch was lernen. Hannah, sind Sie bereit?
Tut das weh? - Nat�rlich nicht.
Doktor Heuser ...
Ja, bitte?
Was gibt's, Pauli?
Sie s-s-s-sollen sch-sch-schnell ...
(unterdr�cktes Lachen)
...schnell kommen. Er w-w-w ...
...wartet vor dem Tor.
Ist gut.
Bis sp�ter, Herr Professor. - Ja, bis nachher.
Es war mir eine Freude.
S-s-s-soll ich so w-w-wie immer?
Nat�rlich, in die Anatomie.
(Pfiff)
(�chzen)
Da lagen wieder Ein�ugige am Ufer.
Noch ein Selbstmord.
Hoch da!
So tragisch f�r das Kleine.
Aber gut f�r die Wissenschaft.
Hm? Herr Doktor.
(Klimpern)
Ein Kind kostet aber mehr.
Danke, Herr.
Danke.
Und wenn das Kind nicht in der richtigen Position liegt?
Dann kann die Hebamme mit ihrem eingeschr�nkten Wissen ...
...nichts mehr f�r die Frau tun. Seit Jahrtausenden ist das so.
Und warum? Weil es keinen Fortschritt gibt in der Geburtenlehre.
Weil sie nie als �rztliche Wissenschaft galt.
Und weil sie ein Hebammenhandwerk, in Weiberhand.
Doch das richtige Akkouchieren ist eine Kunst,...
...die weit �ber den weiblichen Verstand hinausgeht.
Das will gelernt und ge�bt werden.
Daf�r habe ich diese lederne Mutter konstruiert,...
...an der die Herrn Studenten und auch die Hebammen-Sch�lerinnen ...
...das Akkouchieren praktizieren k�nnen. Ja, bitte?
Was genau bedeutet dieses Akruschier...
Ich verstehe Sie nicht.
Was genau bedeutet bitte dieses Akrusch...
Der Arzt sagt akkouchieren, die einfache Hebamme nennt es entbinden.
(St�hnen und �chzen)
(langer Schrei)
Ich hasse dich!
(Ihre Schreie sind ged�mpft zu h�ren.)
Wollen Sie nicht mal nachsehen?
Das legt sich wieder.
(Schreie)
Doch bevor wir zur ledernen Mutter kommen,...
...vertiefen wir das bisher Gelernte am Lebenden.
Tastbefund und Gr��enbestimmung.
(lauter Schrei)
(St�hnen)
Sehr gut.
(Hecheln)
(br�llend:) Gott, verflucht!
F�hren Sie Zeige- und Mittelfinger ein.
Messen Sie den Abstand von Beckenausgang zum Promotorium.
Herr von Hallersleben, Sie fangen bitte an.
(Professor:) Nicht zu wenig Butter.
Locker lassen!
(sto�weiser Atem)
(Schmerzensschrei)
(Babyschreie)
(Seufzen)
Herzlichen Gl�ckwunsch zu deiner dritten Tochter.
Frederike-Amalia wird sie hei�en.
Ein sch�ner Name.
Und du wirst ihre Taufpatin.
Ich?
Ja. Dann sehe ich dich nicht immer nur, wenn ich Kinder kriege.
Das ist eine gro�e Verantwortung.
Denk einfach mal dar�ber nach.
(Das Baby schreit.)
Drei M�dchen. Was kann ich tun?
Das liegt allein in Gottes Hand.
Sie k�nnen nur beten und hoffen, dass der Allm�chtige Sie erh�rt.
(Schritte)
Eine Depesche vom Institut.
Vom Anatom Heuser.
Wieder ein Selbstmord.
Der zw�lfte schon.
Eine junge Mutter hat sich mit ihrem Kind in die Lahn gest�rzt.
Der Weg des Selbstm�rders f�hrt geradeaus in die H�lle.
Aber ich bete f�r die Seele des Kindes.
Was treibt diese Menschen dazu?
Das unchristliche Gedankengut von Goethe und Schiller?
Mit dem "Werther" wurde die ganze Jugend in den Freitod getrieben.
Hatte die Mutter eine Narbe im Gesicht? Steht da was?
Ja.
Kannten Sie sie?
Eine Ehrlose. Ich hab sie nach der Niederkunft einige Male besucht.
Sie und das Kind waren gesund.
Warum war sie nicht im Geb�rhaus?
Wir h�tten ihr gar die Bu�zeit erlassen.
Eine noble Idee.
Sie war im Geb�rhaus, ist aber von dort geflohen.
Warum denn das?
Weil sie Angst hatte.
(bedrohliche Musik)
Nein, noch mal haut uns keine von euch ab!
Bitte! - Nein!
Ich blute. - Geh ins Bett!
Ich hab Schmerzen!
Das h�ttest du dir vorher �berlegen m�ssen.
Ich will nicht mehr.
(Poltern)
(Textor:) Du solltest dankbar sein!
Jetzt wird ausgeruht!
Was war das?
Letzte Woche ist eine weggelaufen.
Seitdem machen sie die Schotten dicht.
Hatte die Frau eine Narbe hier?
Ja.
Leni hie� sie.
War eine Nette, aber zu weich f�r das alles hier.
Man kann die Frauen doch nicht so einsperren.
Die Ehrlosen bekommen Kost und Unterkunft.
Daf�r stellen sie sich der Wissenschaft zur Verf�gung.
Furchtbar.
Irgendwie m�ssen die Studenten ja lernen.
Besser als drau�en ist es auch.
Aber das hat nichts mit Hebammen-Kunst zu tun.
Ich hab eh das Gef�hl, dass wir hier nur lernen,...
...was eine Hebamme nicht kann und darf.
Guten Morgen, die Damen.
Guten Morgen. - Morgen.
Mit Gr��en von Professor Kilian.
Safran, Rauke und Mutterkorn.
Sofort, Vater.
Lambert? Der Sud und die Tinktur m�ssen zubereitet werden.
Die Arzneimittel k�nnen Sie am Nachmittag abholen.
Mit herzlichen Gr��en an den Professor. - Richte ich aus.
Komm.
Gesa ist verliebt. Doch, du hast dich gerade verliebt.
Das stimmt nicht.
Du hast ihn angeguckt, als w�re er der Leibhaftige pers�nlich. - Nein.
Dir ist fast der Sabber runtergelaufen. - Das stimmt nicht!
Komm, wir gehen eine Limonade trinken. - Was? Hier drin?
Wo denn sonst?
Sie haben halt keine Limonade. - Das war doch klar.
Das in der Apotheke war der Pharmazeut, Lambert Fessler.
Ein begehrter Junggeselle. Vergiss ihn.
Es interessiert mich nicht, aber wieso?
Wegen der Tochter des Apothekers, Therese.
Apothekerin heiratet Pharmazeuten. Alle reden dar�ber.
Gr�� dich, Lotte.
Gr�� dich, Gustav.
Versuch es trotzdem, wenn du die Sachen holst.
Ich bin verabredet. - Mit Konstantin.
Den muss ich mir ja warm halten.
Ich will Sie nicht einsperren, ich will Sie besch�tzen.
Ohne Betreuung w�hrend der Geburt und der Nachsorge ...
...kann es f�r Sie und Ihr Kind lebensgef�hrlich werden.
Vor allem bei dieser K�lte, die da drau�en herrscht.
Erinnern Sie sich an Lene, die uns vor einer Woche verlie�?
Die gute Nachricht: Sie hat ihr Kind bekommen und die Geburt �berlebt.
Die schlechte Nachricht: Sie war zu schwach, um f�r das Kind zu sorgen.
Statt um Hilfe zu bitten, w�hlt sie den Freitod.
F�r sich.
Und f�r ihren kleinen Sohn.
Kindchen? So geht das aber nicht.
Wollen Sie mich auch wegschlie�en?
Das d�rfen Sie nicht. Ich bin freiwillig hier.
Und jetzt gehe ich.
(Es klopft.)
Entschuldigen Sie.
Es tut mir leid. Ich wusste nicht, was der Professor vorhatte.
Er ist manchmal rabiat in seinen Methoden, aber ...
...im Grunde will er nur das Beste f�r alle.
Die Decke mit den Karos, das war meine.
Ich hab sie dem Kleinen gegeben, weil es doch so kalt war.
Und jetzt liegt es in einem Glas.
Geb�rhaus, Krankenhaus, Anatomie,...
...alles Orte, wo es Schmerz und Leid gibt.
Ich will nur eine gute Hebamme werden. Wie meine Mutter.
Hat Ihre Mutter nur gesunde Kinder zur Welt gebracht?
Ist nie was schiefgegangen?
Dann hat sie mich rausgeschickt. - Sehen Sie.
Das ist aber jetzt vorbei. Ab jetzt m�ssen Sie helfen.
Und darum sind Sie hier.
(Donnergrollen)
Sie m�ssen mich ja f�r total kindisch halten. - Nein.
Das ist vollkommen normal.
Alle Menschen haben Angst vor dem Unbekannten.
Egal, wie tapfer meine Studenten sich geben,...
...bei der ersten Sektion w�rgen sie das Mittagessen wieder raus.
Und bei der zweiten und dritten? - Da geht's dann langsam.
Ich wei� nicht, ob ich das kann. - Sie k�nnen das.
Sie haben Angst vor dem Tod.
Aber der geh�rt zum Leben wie die Nacht zum Tag.
Wenn Sie wollen, kann ich versuchen, Ihnen diese Angst etwas zu nehmen.
(Frau Richter:) Wie kann man als Mutter sein Kind t�ten?
Man wei� doch, dass man daf�r in die H�lle kommt.
Hast du Geschwister? - M-m.
Drei Kinder hast du mir geholt, und ich wei� nichts �ber dich.
Da gibt es nicht viel zu wissen.
Du bist so anders heute. Dich bedr�ckt doch was.
Du kannst mit mir reden. Du hast doch was. So was sp�re ich.
Unwichtiges aus der Vergangenheit.
Erz�hl.
Lohnt nicht. Wirklich nicht.
Hm.
Hast du nachgedacht? Wirst du Frederikes Taufpate?
(Sie st�hnt auf.)
Tut mir leid.
Nicht so schlimm.
Tu es f�r mich.
Gut, ich mache es.
Hast du geh�rt, Frederike? Elgin wird deine Patentante.
Der Schmerz eben war ein Zeichen, dass du Ruhe brauchst.
Es tut mir leid, aber du solltest erst mal kein Kind mehr bekommen.
Wie lange nicht?
Wahrscheinlich gar nicht mehr.
Normalerweise haben nur m�nnliche Studenten Zutritt zur Anatomie.
Aber es muss ja keiner erfahren.
Hier, bitte sehr. Unsere Sammlung.
Schauen Sie. Das Pr�parat einer Zwei-Meter-Frau.
Eine echte Rarit�t.
Sie hatte ein Magengeschw�r wie ein K�rbis.
Oder hier, meine Reihe von Kindern mit Wasserkopf.
Und das hier ist mein Freund mit den Lepra-Knoten.
Alles Gottes Gesch�pfe. Jedes erz�hlt uns eine Geschichte.
Hier, der L�ngsschnitt eines Kindes im sechsten Monat.
Nehmen Sie, es bei�t nicht.
Ist schwer.
Woran ist es gestorben?
Seine Mutter brach sich das Genick, und der Kleine starb mit ihr.
Wissen Sie, wie lang das her ist?
�ber 50 Jahre.
So wird er uns und unsere Kindeskinder �berdauern.
Das klingt ja fast wie ewiges Leben.
Das ist manchmal ein tr�stlicher Gedanken bei den Schicksalen hier.
"H-e ... H-e-r ..."
"H-e-r-z. Herz?"
Ja, das Herz eines Irrsinnigen.
Sie k�nnen lesen.
Meine Mutter hat es mir beigebracht, aber es f�llt mir nicht leicht.
Da hilft nur �bung.
Kommen Sie, ich zeige Ihnen was.
Kommen Sie. Das ist das gesammelte Wissen unserer Zivilisation.
Sie k�nnen sich jederzeit welche ausleihen.
Und wenn Sie die gelesen haben, dann habe ich oben noch mehr.
Das dauert �ber hundert Jahre. - Ja.
Haben Sie die alle gelesen?
Nein!
Kommen Sie. Pst! Ich zeige Ihnen etwas.
Ich verbringe meine Zeit lieber dort unten.
Manchmal pr�fe ich meine Studenten ohne ihr Wissen.
Das ist klug. - Ja.
Ihre H�nde zittern weniger, wenn ich nicht da bin.
Das ist mein Arbeitstisch.
Ist das eine Zeitung?
Ja.
Ich habe davon geh�rt. Gibt es jeden Tag Neuigkeiten?
Nicht jeden Tag.
Schauen Sie mal, jeder der Lettern wird einzeln gesetzt.
Das k�nnte gar nicht jeden Tag gelingen.
"Der ... n�-chste ..."
".. Selbst...mord ..."
Ist das richtig? Der n�chste? - Ja.
Es sind schon ein Dutzend. - Und die kommen alle zu Ihnen?
Selbstm�rder d�rfen nicht kirchlich begraben werden.
Sie werden der Wissenschaft �berlassen.
Da haben Sie es nur mit schlechten Menschen zu tun.
Nein, wenn jemand tot ist, dann ist er einfach nur noch ein K�rper.
Und den will ich verstehen lernen, um den Lebenden helfen zu k�nnen.
Was hei�t das?
Siebert. Der Name unseres Pfarrers. Und was hat er gesagt?
"Dass der Teu-Teu-Teufel ..."
Ja, gut.
".. Die Men-Menschen ..."
".. b-besetzt"?
Dass sie vom Teufel besessen sind und nur die Kirche helfen kann.
Der hat die arme Frau doch aus der Kirche rausgeschmissen.
Dies ist ein Haus der Wissenschaft, nicht des Glaubens.
Hier d�rfen Sie ALLES sagen. Und?
Bleiben Sie?
Ich muss zur Apotheke.
Ja, ja, ja, ja.
Entschuldigen Sie vielmals, ich muss noch die Arzneien abholen und ...
Ja, ganz ruhig. Kommen Sie rein.
Danke.
Hallo, Gesa. - Hallo.
Wie geht es dir?
Gut.
Sehr gut.
(Ger�usche von nebenan)
Sie warten auch auf Arzneien?
Ja.
So, bezahlt ist ja schon. - Danke, vielen Dank.
(Ihre Schritte entfernen sich.)
Woher kennst du sie?
Ich kenne sie nicht. - Aber du hast doch ...
Die Textor war so sauer auf dich.
Und der Professor?
Bist doch noch ein Frischling. Da ist er gn�dig.
Was wollte Heuser eigentlich von dir?
Er hat mir gut zugeredet, dass ich nicht aufgeben soll.
Recht hat er. Und dann hast du gleich Lambert sch�ne Augen gemacht?
Nein, ich war sogar fast zu sp�t. - Und warum strahlst du so?
Ich strahle ja gar nicht. - Doch!
Nein.
Also. Lambert?
Der Leichensch�nder?
Clemens Heuser ist Anatom, kein Leichensch�nder.
Der stinkt nach Tod und Verwesung.
Stell dir mal vor, da liegt eine tote Frau bei ihm.
V�llig nackt und wehrlos. Er ganz alleine mit ihr.
Was macht er dann wohl mit ihr? - Du bist so ekelig.
H�r auf, Gesa!
(Beide lachen.)
(hallendes Lachen der beiden Frauen)
(sph�rische Musik)
(leises Blubbern)
(Zischen)
Hier bist du.
Ja, und hier w�re ich ganz gern allein.
Alvin, Myrrhe, Minze. Du willst kein Kind von mir.
Was ist daran so lustig?
Nat�rlich will ich kein Kind von dir.
Warum nicht?
Weil ich �lter bin als du.
Weil niemand von uns wissen darf. Weil du Therese Herbst heiratest.
Das steht noch nicht fest.
Ich will kein Kind. Nicht von dir oder sonst wem.
Aber ich liebe dich.
Es ist besser, wenn du gehst. Ich will mich waschen und dann schlafen.
Und beides will ich alleine tun.
Konstantin wird ungeduldig.
Ich �berlege, ob ich ihn bald mal ranlassen soll.
Was meinst du?
Ich wei� nicht. Wenn er es wirklich ernst mit dir meint.
W�rdest du dann mit dem Leichensch�nder?
Wenn ihr schon so weit w�rt?
Ich muss mir die Haare waschen. - Jetzt sag schon!
W�rdest du?
Nur wenn du Wasser holst. - Zum Haarewaschen.
Du willst wissen, was ich mit ihm machen w�rde.
Wo ist meine sch�chterne Freundin Gesa? Und wer ist diese Erpresserin?
(Der Wind rauscht.)
(Quietschen und Poltern)
(Schreie)
Lotte, wei�t du, wo ...
(St�hnen und R�cheln)
Nein!
Lotte! Lotte!
Nein! Lotte! Lotte!
Bleib bei mir! Lotte!
Oh Gott! Alles gut. (Lotte w�rgt und hustet.)
Oh Gott! Oh Gott.
(Richter:) Das Tor steht immer offen?
Seit einiger Zeit wird es nachts doppelt verschlossen.
Es stand aber offen.
Und sonst ist Ihnen an dem Mann nichts aufgefallen?
Er hatte eine Maske auf. Aus Leder, glaube ich.
(ged�mpfte Babyschreie)
Mhm.
Wollen Sie nicht doch etwas sagen?
Nun ja, dann f�rchte ich, kann man jetzt nichts machen. - Was?
Wenn das Tor offen stand, kann es ja jeder gewesen sein.
Sie haben nichts gesehen. Sie wollen nichts sagen.
Schicken Sie sie zu mir, wenn sie bei Sinnen ist.
Und ich habe noch eine Frage.
An Sie.
W�rden Sie der Pate meiner Tochter werden?
Meine Frau hat die Hebamme gefragt, und ich h�tte gern einen Medicus.
Nat�rlich, es w�re mir eine gro�e Ehre, Herr Richter.
Ich danke Ihnen.
Bitte warten Sie.
D�rfte ich etwas fragen?
Bitte. Nur zu.
Was w�re gewesen, wenn ich nicht dazu gekommen w�re?
Wenn der Mann nicht geflohen w�re?
Nun, dann w�re Ihre Freundin jetzt wohl tot.
Und wenn man sie dann in der Lahn gefunden h�tte?
Fr�ulein Langwasser, haben Sie denn nichts zu tun? - Nein, nein.
Sprechen Sie weiter.
Nun ja, ich frage mich nur ...
W�re dann nicht jeder vom n�chsten Selbstmord ausgegangen?
Was meinen Sie, Professor?
Ich bin kein Anatom, aber ich w�rde glauben,...
...dass Doktor Heuser die Male am Hals aufgefallen w�ren.
(Richter:) Mhm.
Bei der jungen Frau mit dem Kind,...
...da sagte Heuser etwas von einer Narbe im Gesicht.
Die hatte sie schon zu Lebzeiten. - Mag sein. Mag sein. Dennoch.
(leise:) Stellen Sie sich nur einmal vor,...
...all diese Selbstmorde w�ren in Wahrheit Morde gewesen.
Nur weil eine kleine Hebammen- Sch�lerin etwas erz�hlt ...
Woher ein Hinweis kommt, ist mir einerlei.
Solang er mich zum Ziele f�hrt.
Die junge Frau m�sste doch noch bei Doktor Heuser liegen.
Woher wissen Sie das?
Nun ja, ich gehe davon aus,...
...weil doch alle Selbstm�rder der Wissenschaft �bereignet werden?
Hm.
Eine aufgeweckte junge Sch�lerin haben Sie da.
Wir gehen zu Heuser.
Ganz wie Sie w�nschen.
(Richter:) Heilige Mutter Gottes steh uns bei.
Haben Sie das nicht gesehen?
Ja, nat�rlich.
Ich dachte mir, sie hat das Kind get�tet ...
...und dann versucht, sich zu erh�ngen.
Erfolglos, sie hat sich ja in die Lahn gest�rzt.
Woher haben Sie die Leiche?
Von dem Landstreicher, der mir h�ufiger Leichen bringt.
Der Landstreicher.
Ja, du bekommst ein Kind.
So schlimm?
Ich liebe doch den G�tze.
Den Diener vom Richter. Ja, ich glaube, er liebt dich auch.
Ja, das tut er.
Na, dann heiratet ganz schnell.
Das geht nicht, weil ...
Weil es nicht von G�tze ist.
Du musst mir nichts sagen. Nur so viel:
War es freiwillig?
Der Richter.
Als meine Herrin vor der Geburt stand,...
.. kam er nachts immer wieder zu mir und ...
G�tze wird mich versto�en, meine Herrin, die Kirche ...
Ich werde ehrlos sein.
Hilf mir, bitte.
Du wei�t, dass ich das nicht darf. - Bitte!
Es wird schlimm, sehr schlimm. - Ich mache alles, bitte.
Egal, was passiert, du darfst niemals dar�ber sprechen, verstanden? Gut.
Dann komm heute Abend wieder.
Er ... er will mich nicht mehr.
(n�herkommende Schritte)
Ich bin gezeichnet f�r immer, Gesa.
(gutturale Laute)
Der Richter ist so weit.
Danke, Pauli.
(Schluchzen und ged�mpfte Babyschreie)
War er das?
Ich wei� es nicht.
Hast du ihr das angetan?
Ich habe sie noch nie gesehen.
(Kettenklirren)
M�dchen, rede. Wie sollen wir sonst helfen?
Wo warst du gestern Abend?
In der Taverne.
In der Barf��erstra�e.
Habe dem Herren da sein Geld versoffen.
Die Wissenschaft zahlt f�r Leichen, ja.
Gehen wir in die Taverne.
Ich bringe euch raus.
Ich danke.
Meinst du, er war es?
(fl�sternd:) Ich wei� nicht.
Hinterher. Ich will wissen, was die rausfinden.
Geh alleine.
Lotte, komm.
Ich will alleine sein.
(Mann:) Nat�rlich, ich habe ja den ganzen Abend die G�ste bedient.
Dieser Mann war also hier?
Ja, der war hier. - Gut.
Lassen Sie uns gehen.
Sehen Sie, Herr Richter? Wie ich es gesagt habe. - Ja, ja.
Zeig uns, wo du die Leiche gefunden hast. - Nat�rlich.
Zur Lahnbr�cke, Herr Richter.
So, so, die Lahnbr�cke also.
(Mann:) Mein Freund, ich gr��e euch.
(Landstreicher:) Hier. (Richter:) Ja, ja, ja, ja.
Schauen Sie, Herr Richter. Auch da sind Spuren von meinem Wagen.
Ich habe die Leiche nur aufgesammelt.
Glauben Sie mir jetzt, Herr Richter?
Da hat die kleine Hebammen-Sch�lerin tats�chlich recht.
Schlaues M�dchen.
Wer ist da?
Hier ist niemand, Herr Richter. - Da!
Da ist ein Eichh�rnchen.
Ich sehe nichts. - Ich auch nicht.
Eichh�rnchen hin oder her, wir gehen jetzt auf die Br�cke.
(Kettenklirren)
Vielleicht hat er die Leichen von hier aus in den Fluss geworfen.
Und diese starke Str�mung hat sie dann dort ans Ufer gesp�lt.
Herr Doktor?
Hatten eigentlich noch andere Leichen Striemen am Hals?
Ich wei� es nicht mehr.
Die Todesursache ist nicht Ziel unserer ...
Von jetzt an m�chte ich jeden Selbstm�rder sehen,...
.. der auf Ihrem Tisch liegt.
Nat�rlich, Herr Richter.
Es tut mir aufrichtig leid. Ich habe versagt.
G�tze.
Ah ... Herr Richter? - Ja, ja, lasst ihn frei.
Das hier ist Sadebaum, ein Gift, das einen Abort bewirkt.
Es verursacht auch starke Schmerzen.
Egal, was passiert, du musst immer weiter atmen.
Bleiben Sie bei mir?
Nat�rlich bleibe ich bei dir.
Bist du dir sicher, dass du das tun willst?
Danke.
Bedank dich nicht. Nicht daf�r.
(Schmerzensschreie einer Frau)
(Vogelschrei)
Es tut mir leid.
Wie bitte?
Wegen der Striemen am Hals. Das war meine Idee.
Kommen Sie doch rein. Kommen Sie.
Kommen Sie. Kommen Sie rein.
Willkommen.
Hier.
Es tut mir leid, wenn Sie �rger bekommen haben.
Nein, das war einzig und allein mein Fehler, ich ...
.. habe nicht gewissenhaft genug gearbeitet.
Ich habe nur gesehen, was ich sehen wollte.
Leichen f�r die Wissenschaft. Sie haben alles richtig gemacht.
Glauben Sie also, es war der Landstreicher?
Er hat mir die Leichen gebracht und Geld damit verdient, aber ...
.. am Ende musste Richter Homberg ihn freilassen.
Was schauen Sie denn so?
Hat es Ihnen gefallen, was der Richter �ber Sie gesagt hat?
Was?
Na, dass Sie ein schlaues M�dchen sind?
Sie haben mich gesehen.
Ich habe dich gesp�rt, Gesa.
Dann war da gar kein Eichh�rnchen?
Nein.
Nein, da war gar kein Eichh�rnchen.
Dann haben Sie mich gerettet.
Ich habe auf dich aufgepasst, Gesa.
Das geht nicht. - Entschuldigung.
War ich zu schnell? - Nein, ich kann das nicht.
Ich muss zu Lotte, um die muss ich mich ja k�mmern. - Ja.
Ich h�tte Wasser holen m�ssen, und dann w�re ich das gewesen.
Ich ... ich muss jetzt zu ihr.
Ah, Pauli, hast du mich erschreckt!
Das tut mir leid.
Was machst du hier? - Nachtdienst.
Aha. Gute Nacht.
Lotte?
(Klirren und Quietschen)
Nein!
Ja. Ja.
(Knarren)
Warum ist denn der Trottel nicht auf dem Markt?
Der M�rder ist noch nicht gefasst.
Da bleibe ich lieber hier.
An so einem wie dir wird sich schon niemand vergreifen.
Den ganzen Weg wieder zur�cklaufen m�ssen wegen dem Trottel.
(Husten)
(panische Schreie und treibende Musik)
(langgezogener Schrei)
(Priester:) Der Wert des Lebens,...
...niemand tritt ihn so sehr mit den F��en ...
...wie dieser heimt�ckische M�rder,...
...der unsere friedliche Stadt heimsucht.
Und nichts und niemand verk�rpert den Wert,...
...das g�ttliche Wunder des Lebens ...
...so sehr wie ein Neugeborenes.
Ein unschuldiges Kind.
Frederike-Amalia Homberg.
Ich taufe dich ... (Babyweinen)
...im Namen des Vaters und des Sohnes ...
...und des Heiligen Geistes, Amen.
Du hast es gleich geschafft.
Ruhig atmen, ruhig.
Hier rein.
Hast du die Textor gesehen? - Nein.
Wei�t du, wo sie ist? - Nein.
Sie hat starke Wehen. - Wir d�rfen keinen aufnehmen.
Der Professor ist zur Taufe, die Textor nicht da.
Soll sie es auf der Stra�e kriegen?
Geh mir aus dem Weg!
Angesichts der gemeinsamen Aufgabe als Paten ...
...sollten wir das Kriegsbeil zwischen uns nicht begraben?
Ich habe nur abgelehnt, bei Ihnen zu arbeiten.
Was ich nach wie vor sehr bedauere.
Wir k�nnten gut zusammenarbeiten.
Wir haben dieselben Aufgaben und Ziele. - Nein.
Mir geht es um das Wohl der Schwangeren,...
...Ihnen um das der Studenten.
F�r Sie geht es um Wissenschaft, f�r mich um Menschlichkeit.
Hat Ihr werter Herr Vater bei Ihrer Ausbildung ...
...nicht Sie am lebenden Objekt lernen lassen oder nicht?
Keine Objekte, das sind Frauen und Kinder.
Mein Vater hat nie jemanden l�nger leiden lassen als n�tig.
Und genau das tun Sie. - Um zu lernen.
Weil ich den Frauen helfen will, die seit Jahrhunderten ...
...unter Hebammen-H�nden einfach so wegsterben.
Das ist mein Humanismus.
Bravo!
Verehrte Damen und Herren, liebe Malvine, lieber Friedrich.
Diese Gelegenheit m�chte ich nutzen,...
...um ein weiteres besonderes Ereignis anzuk�ndigen.
Im Oktober werden meine Tochter Therese ...
...und der Pharmazeut Lambert Fessler in den heiligen Stand der Ehe treten.
(Mann:) Ah!
(zitternder Atem)
Taste bitte auch mal ab.
Es liegt tief.
Ja, Pauli muss den Professor holen. - Pauli hat frei heute.
Dann musst du gehen und ihn holen.
Ich gehe da nicht raus.
Dann gehe ich. - Bitte geh nicht!
Ich hole jetzt den Medicus.
Und solange passt die Lotte auf dich auf.
Ich verspreche dir, alles wird gut, ja? - Ja.
K�mmer dich um sie.
Alles gut bei dir? - Ja. Alles gut.
Kopf hoch.
Komm mit.
Lambert! Wenn uns jemand sieht!
Elgin, lass uns zusammen hier weggehen, neu anfangen.
Nach Frankfurt oder Gie�en.
Ich will nicht weg.
Wir k�nnten doch ... - Wir k�nnen �berhaupt nichts.
Du heiratest Therese, und das war es. - Aber ich liebe nur dich.
(Schritte)
Vielen Dank, Frau Gottschalk, f�r die Auskunft.
Ein wunderbares Fest, Frau Homberg, ganz wunderbar.
Vielen Dank, und Gl�ckwunsch zu Ihrer Verlobung. - Vielen Dank.
Elgin, ich brauche deine Hilfe.
Ich �bergebe mich jeden Tag, bin immer m�de.
Ich habe dieses Ziehen im Bauch.
Kann das sein?
So kurz nach der Geburt.
Ich schaue es mir an.
(Pl�tschern)
Alles wird gut.
Entschuldigen Sie.
Entschuldigung.
Entschuldigen Sie.
Gesa?
Was ist? Stimmt was nicht?
Welch �berraschender Besuch. - Entschuldigen Sie die St�rung.
Ein neuer Mordverdacht? - Nein.
Wir haben einen Notfall. - Wer?
Eine Neuaufnahme. Schwere Wehen. - Entschuldigung.
Selbstverst�ndlich. - Ein sehr interessantes Buch.
Holt Pauli die Studenten? - Ich wei� nicht.
Dann holen Sie sie. Suchen Sie sie am besten in den Tavernen.
Jeder von Ihnen hat einen Versuch, mit meiner Geburtenzange ...
...den kindlichen Sch�del in die richtige Position zu bewegen.
Von Hallersleben, fangen Sie an.
(durchdringender Schrei)
Viel zu tief. Haben Sie gesehen, ja? Der N�chste, bitte.
(Sie schreit.)
(Ihr Schreien wird ausgeblendet.)
Ja?
Wir sollen hier doch auch was lernen, aber was �berhaupt?
Ganz einfach. Sie lernen, Trost zu spenden,...
...w�hrend der Medicus seine Arbeit tut.
Und wenn ich merke, dass mir die Schwangere wegstirbt?
Darf ich den Medicus bitten, alles zu tun zum Wohle der Frau?
Meine Herren, geben Sie Acht.
Ich f�hre den linken Teil der Zange behutsam in die Scheide ein.
Und lege ihn an den linken Teil des kindlichen Sch�dels.
Dann nehme ich den rechten Teil ...
...und f�hre ihn an den rechten Teil des Kopfes.
So, und jetzt schauen Sie genau her.
Jetzt schlie�e ich die Zange ...
...und greife um.
Jetzt sp�re ich, ich habe den Kopf des Kindes und ziehe ein wenig.
(schleimige Ger�usche)
(Babyschreie und Applaus)
Da ist es, voil�.
Sie haben einen Sohn.
Sie haben einen Sohn.
Einen Sohn.
Hat denn die Haushebamme Sie mit den Hausregeln vertraut gemacht?
Und trotzdem haben Sie dagegen versto�en?
Wir h�tten die Frau vor dem Tor sterben lassen sollen, ja?
Nat�rlich nicht.
Ihr habt richtig und verantwortungsbewusst gehandelt.
Aber merken Sie sich eine Sache.
Untergraben Sie nie wieder meine Autorit�t.
Haben Sie das verstanden? - Nat�rlich, Herr Professor.
Ich bin stolz auf Sie, Fr�ulein Seiler.
Sie sind ruhig geblieben und werden eine gute Hebamme.
Danke, Herr Professor.
Ist unsere Haushebamme eigentlich mittlerweile wieder aufgetaucht?
Sie k�nnen gehen.
Meine Herren, dieses Mal hat nicht die Strangulation zum Tode gef�hrt.
Woher wissen Sie das?
Ich denke, es gab einen Kampf. Hier.
Das hier habe ich in ihrer Hand entdeckt.
Sie hielt es krampfhaft fest.
Ist das Leder? - Ja.
Fr�ulein Langwasser hat eine Maske beschrieben, aus Leder.
Tats�chlich. Woran ist sie gestorben?
Hier, sie wurde erschlagen. Mit einer Flasche.
Teile davon waren noch in ihrer Kleidung zu finden.
Aber ich habe noch etwas entdeckt.
Sehen Sie? Das hier, das ist ihr Umhang.
Hier, riechen Sie mal.
Dieser Gestank, trotz der langen Zeit im Wasser.
Branntwein der billigsten Sorte. - Also doch der Landstreicher.
Sehr gut, Herr Doktor.
Es freut mich, wenn ich helfen konnte.
Meine Herren.
Ich bin beeindruckt, Herr Kollege. - Tja.
Die Toten verraten viel mehr, als man gemeinhin denkt.
Man muss nur hinschauen. - Ja.
Komm! Na komm, komm runter!
Sie tut dir nichts mehr.
Dann war es also doch der Landstreicher.
H�tte ich ihn erkannt, w�re sie noch am Leben.
Er hatte eine Maske auf, Gesa.
(ruhige Instrumentalmusik)
(G�tze:) Herr Richter.
Schauen Sie, was ich gefunden habe.
Tats�chlich, Leder.
Die geh�rt mir nicht!
Das habe ich noch nie gesehen!
Und das hier.
Ist das nicht die Pfeife von der Textor? - Kein Zweifel.
Festnehmen!
Nein! Lasst mich los!
Lasst mich los! Nein!
Lotte!
Der Alptraum ist vorbei, jetzt wird alles wieder gut.
(Donnergrollen)
Der Professor will, dass ich zum �bergang Haushebamme werde.
Wenn ich die Pr�fung bestehe, darf ich es bleiben. - Klar bestehst du.
Hol das aus der Apotheke. - Mhm.
Kommst du nicht mit?
Nein.
Zu Befehl, Madame Haushebamme.
Ich kann nichts daf�r, dass er nicht dich ernannt hat.
So war das gar nicht gemeint.
Lotte!
(treibende Musik)
"Die Hinrichtung wird von Dr. Clemens Heuser �berwacht."
"Dem Anatom gelang es durch Einsatz modernster Wissenschaft,..."
".. das Ungeheuer von Marburg zu �berf�hren." Mein Held.
Mmm.
Hm.
Hm
Ich kann das nicht.
Was ist denn?
Ich will nicht, dass es wird wie bei meiner Mutter.
Wie meinst du das?
Damals hat sie sich auch auf einen Mann aus h�herem Stand eingelassen.
Als ihr Bauch dann dicker wurde, war er pl�tzlich weg.
Sie galt als ehrlos und musste die Stadt verlassen.
Clemens, ich mache nicht dasselbe.
Das w�rde ich nie zulassen. Ich will keine heimliche Geliebte.
Ich will eine Frau an meiner Seite.
Ich will DICH an meiner Seite.
Gesa Langwasser,...
...willst du meine Frau werden?
Sch�n, dass dich meine Gef�hle am�sieren. - Das ist es nicht.
Ich h�tte nur nicht ...
Es ist sehr �berraschend.
Willst du denn?
Ja, nat�rlich!
Nat�rlich!
(bedrohliche Musik)
Elgin, bitte!
Elgin! Bitte lass mich rein!
Lotte? Er hat mir einen Antrag gemacht. - Und?
Ich habe ja gesagt. - Herzlichen Gl�ckwunsch.
Du m�sstest den Ring sehen.
Aber wir halten es bis nach der Pr�fung geheim.
Er sitzt ja in der Kommission.
Ich schweige wie ein Grab.
Ich will ja schlie�lich eine gute Hebamme sein.
Nie neugierig und immer diskret.
Was machst du?
Ich ziehe ins Haushebammen-Zimmer. - Mitten in der Nacht?
Sei doch froh. Kannst du Spa� mit deinem Leichensch�nder haben.
Was ist los mit dir? - Nichts.
Du hast einen reichen Mann gefunden.
Ich bleibe die Jungfrau, die fast vom Ungeheuer get�tet wurde.
Wei�t du was? Du wirst wie deine Vorg�ngerin.
Musst nur noch den Wein gegen Schnaps eintauschen.
Das ist leicht zu sagen, wenn man andere zum Wasserholen schickt.
(sich entfernende Schritte auf der Treppe)
Guten Tag, Frau Gottschalk. - Guten Tag.
Ich h�tte gern Sadebaum und Mutterkorn.
Und Safran, Raute und Muskatbl�te. - Mhm. Einen Moment, bitte.
Tag, Frau Gottschalk. - Guten Tag, Herr Fessler.
(leise:) Warum war das Tor zu? - Du heiratest.
(laut:) Und die Vorbereitungen? - Bestens.
Freut mich zu h�ren.
(leise:) Wir m�ssen reden. - Nein.
Wie viel Sadebaum und Mutterkorn? - Wie immer, ein Vorratsbeutel.
Die gucken alle komisch.
Die denken sicher, was will der Doktor nur mit der Sch�lerin.
Na heiraten will er sie. - Pst!
Und ihr kleine Kinder machen. - Pst!
Blumen, der Herr?
So schnell geht das nicht. Ich will doch erst noch arbeiten. - Was?
Na, als Hebamme.
Leg nur die Pr�fung ab,...
...aber die Frau eines angesehenen Anatomen arbeitet nicht.
Aber das war immer mein Traum.
Das geht nicht. Das wei�t du doch, oder?
Daf�r geht doch ein anderer Traum in Erf�llung.
(Frau:) Halt! Haltet den Dieb!
(Mann:) Hinterher!
Halt! Das Kind geh�rt zu mir. - Und wer zahlt mir die R�be?
Ich.
Hier.
Danke, der Herr. Sehr gro�z�gig.
Warum machst du denn so was?
Mama hat so Hunger. Sie ist schwanger. - Hier.
Gut, dann bringen wir die R�be jetzt zu deiner Mutter, hm?
(Kr�henschreie)
(Knacken)
(dramatische Musik)
(sto�weiser Atem)
Dreh dich um!
(�chzen)
Was soll der Kinderkram? Glaubst du, das beeindruckt mich?
Ich will nur mit dir reden. Was h�tte ich tun sollen?
Gut, reden wir.
Kinder haben hier nichts verloren. - Soll sie auf der Stra�e bleiben?
Sie kann nicht bleiben. - Dann bleibe ich auch nicht.
Nein, Sie bewegen sich nicht.
Anna kann doch bei mir schlafen. Ich bin doch eh allein da oben.
Gut, dann haben Sie auch die Verantwortung.
Aber Ihr Aufenthalt wird l�nger sein. Sie haben ZWEI Kinder im Bauch.
Ein Geschenk f�r Sie und f�r die Wissenschaft.
Du bekommst ein Kind von mir.
Was?
Gib es wenigstens zu. - Wie kommst du darauf?
Sadebaum und Mutterkorn. Ich bin Pharmazeut und kenne das.
Du willst mein Kind t�ten.
Ach was. Jede Hebamme braucht Sadebaum und Mutterkorn.
In geringen Dosen wirken sie wehenf�rdernd.
Ein Pharmazeut sollte auch DAS wissen.
Ich bekomme kein Kind von dir.
Warum gehst du mir aus dem Weg?
Warum behandelst du mich, als w�re nie was gewesen zwischen uns?
Ein Wort von dir, und ich lasse die Hochzeit platzen.
Ich lasse alles hinter mir, f�r dich, f�r uns.
Aber ich liebe dich nicht.
Mach weiter so.
Wenn du niemanden an dich ranl�sst,...
...dann wird dich auch nie jemand verletzen.
Und du wirst nie erfahren, wie es ist, richtig geliebt zu werden.
Und am Ende wirst du dann einsam sterben.
(Er st�hnt laut.)
Und wenn du mit deinen Schattenfreunden spielst,...
...bist du nie alleine.
Ja, der Vogel.
(Gesa macht Tierger�usche.)
Gesa? - Mhm?
Willst du meine gro�e Schwester sein? - Bin ich doch schon.
Richter Homberg w�nscht ein langes und abschreckendes Spektakel.
Brechen Sie dem Verurteilten Ober-, dann Unterschenkel, F��e, Arme.
Nein, wir fangen mit den Fingern an.
Sollte er bewusstlos werden, dann warten Sie.
Ich habe meine Mittel, um ihn zur�ckzuholen.
Auf gute Zusammenarbeit. - Bis morgen, Herr Doktor.
Habt ihr die Mutter gefunden? - Ja.
Nach dem Tod ihres Mannes hat ihre Herrin sie vom Hof gejagt.
Tragisch. - Ja, sie tut mir irgendwie leid.
Ich habe Angst, dass der Professor sie benutzt wie die anderen.
Oder noch schlimmer, da sie doch zwei Kinder bekommt.
Zwillinge? - Mhm.
Kannst du da was machen?
Ich rede mit Kilian.
Danke.
Wei�t du, worauf ich mich freue? - Nein.
Wenn die Pr�fung vorbei ist, dann kann ich ja einfach mal so machen.
(Gesa jauchzt.)
(lachend:) Clemens, nein!
(treibende Musik)
(Kettenklirren)
(leises Klirren)
(dumpfes Klacken)
Du hast nun Gelegenheit, deine S�nden vor Gott dem Allm�chtigen ...
...zu bekennen, zu bereuen, Bu�e zu tun und mir zu beichten.
Ja. Ja, ich will.
(�chzen)
Ja, Vater.
Bitte, ich will Bu�e tun.
(Der Priester spricht lateinisch.)
Wenn ihr euch bewegt, dann ist er tot.
(Kr�chzen)
Das Ungeheuer von Marburg war entkommen.
Und alles, was gut war, wurde wieder schlecht.
Dass ihr Peiniger fliehen konnte,...
...war f�r Lotte so schlimm wie der Angriff selbst.
Vor allem nachts kehrte die Angst zur�ck in die Stadt.
Auch ich wollte f�r alle F�lle gewappnet sein.
Ganz Marburg suchte Halt im Glauben.
Gott sollte nun f�r Gerechtigkeit sorgen.
Trotz allem musste auch der Alltag weitergehen.
Professor Kilian hielt sich an Maria nicht zur�ck.
Ich musste mit ansehen, wie sie nach und nach innerlich zerbrach.
Ich kam auch meiner Pr�fung n�her, und dem Eid der Hebammen.
So gl�cklich ich mit dem Mann war, den ich liebte,...
...so traurig war ich, diese Pflicht nie erf�llen zu k�nnen.
(Vogelzwitschern)
(Lambert:) (Du wirst nie erfahren, wie es ist, geliebt zu werden.)
(Und am Ende wirst du dann einsam sterben.)
(Einsam sterben.)
(Vogelzwitschern)
(Professor:) Was steht in der neuen Hebammen-Ordnung ...
...�ber den Umgang mit Arzneien?
Ab n�chstem Jahr ist es den Hebammen verboten,...
...Arzneien selber zu verordnen. Dies darf nur noch ein Arzt tun.
Und die sogenannten Hausmittel? - Sollte man nicht mehr verwenden.
K�nnen Sie ein Beispiel nennen f�r ein solch nutzloses Hausmittel?
Rotwein-Zimttrunk zum Beispiel.
Ja, das muss man sich mal vorstellen.
Rotwein mit Zimt!
Das verabreichen die Hebammen heute sogar noch.
(Lotte:) Das Kind befindet sich in Sch�dellage.
Es hat sich auch schon bereits etwas gesenkt.
Der Muttermund ist weich, alles Anzeichen f�r eine normale Geburt.
Sie w�rden die Geburt betreuen?
Ich w�rde einen Arzt bitten, vorher meinen Befund zu �berpr�fen.
Gut, Fr�ulein Seiler. Die Patientin kann jetzt zur�ck in ihr Bett.
Ich habe eine einfache Querlage vorbereitet,...
...die sich mit Hilfe von Wendest�bchen gut korrigieren l�sst.
(leises schleimiges Ger�usch)
Wie wollen Sie das Kind holen?
Ich drehe es auf den Stei� und hole die F��chen,...
...indem ich die Schlaufe um einen Kn�chel lege.
Was soll das?
Was meinen Sie? Das hat sie doch gut gemacht.
Es ist tot.
Professor Kilian, Sie sind krank.
Komm.
Es ist tot. - Ich nehm's dir.
Das ist nicht hinnehmbar! Das wird Konsequenzen haben.
Wir machen hier eine wirklichkeitsnahe Ausbildung.
Der Tod geh�rt dazu.
Nur weil Sie die Sch�lerin ehelichen wollen, muss ICH sie nicht schonen.
Fr�ulein Langwasser, Sie und Fr�ulein Seiler haben bestanden.
Ich schw�re zu Gott, dass ich meinem Amt treulich nachkommen will ...
...und Flei�, Verschwiegenheit und Treue beweisen,...
...keine Frau, weder reich noch arm,...
...vers�umen oder verwahrlosen lassen werde.
Ich will keiner Frau, die sich in Schmerz und Angst befindet,...
...ungeb�hrliche Worte geben, sondern sie bestens tr�sten und st�tzen.
Gl�ckwunsch, Sie k�nnen sich nun gepr�fte Hebammen nennen.
Ich werde Professor Kilian anklagen.
Wegen Leichensch�ndung und wegen seelischer Grausamkeit.
Jetzt kannst du ihn endlich tragen.
(romantische Musik)
(Beide lachen.)
(Jauchzen)
(leises St�hnen)
Clemens! Clemens!
Er ist weg.
(Lambert:) (Du willst mein Kind t�ten?)
(Elgin:) (Du heiratest Therese, und das war es.)
(bedrohliche Musik)
(Frau:) Lambert? Was ist?
Lambert? Ne...
Bei Selbstmord k�nnen wir ihm kein christliches Begr�bnis gew�hren.
Oder ihn in geweihter Erde bestatten.
Wer Hand an sich selber legt,...
...hat sich eigenm�chtig aus dem Scho� der Kirche entfernt.
Und zwar gewaltsam und mutwillig.
Gerade erst hatte er Therese geheiratet,...
...und jetzt liegt er hier.
Finden Sie nicht, die Familie Herbst ist gestraft genug?
Es sind enge Vertraute der Hombergs.
Das sind Gottes Gesetze, nicht die meinen, Herr Professor.
Es war kein Selbstmord.
Lambert Fessler litt an einer krankhaften Form der Schwermut.
An Melancholie, und an dieser Krankheit starb er auch.
Eine teuflisch-t�dliche Schwermut hatte sich seiner bem�chtigt.
Melancholie hatte sich um sein junges Herz gelegt ...
...und hat ihn am Leben verzweifeln lassen.
Sie hat all sein Gl�ck, seine Freude und all seine Liebe ...
...in Ungl�ck, Leid und Hass gegen sich selbst gewandelt.
Nur einer vermag das zu tun,...
...nur der Leibhaftige ...
...kann hinter einer solch heimt�ckischen Krankheit stecken.
(Die T�r quietscht.) Aber hier, geborgen ...
...im Scho� der heiligen Mutter Kirche ...
...hat er keine Gewalt mehr �ber dich.
Hier ist deine Seele sicher vor all seinen Bosheiten und ...
Sie wagen es, hierher zu kommen?
(wimmernd:) Sie gottverfluchte Hure!
Ich verfluche Sie!
In alle Ewigkeiten verfluche ich Sie!
(schluchzend:) Hure!
Hure!
Hure!
Hure!
Hure!
Hure!
Ich freue mich so sehr f�r dich, mein Engel. - Danke.
Ich w�nsche dir, dass dein Mann nicht so fr�h stirbt wie meiner.
Was sagt der Medicus? - Es kann jeden Tag passieren.
Schade, dass du nicht mehr da bist.
Es ist so langweilig ohne dich und unheimlich da oben.
Ich komme doch jede Nacht und besch�tze dich in deinen Tr�umen.
Was machst du hier?
Meine kleine Schwester besuchen.
Danke.
Und was ist mit Anna?
Anna isst bei mir mit.
Das hier ist keine Gastst�tte. Und Besuch ist hier untersagt.
Kannst ja wiederkommen, wenn du schwanger bist.
Lotte ist einfach nur neidisch, weil du so einen galanten Mann hast.
Im Ernst, Clemens.
Seit das Ungeheuer wieder frei ist, l�sst sie keinen an sich ran.
Und ich scheine schuld zu sein.
Vergiss sie einfach.
Du wirst neue Freundinnen finden.
Ich finde es besser, wenn du mit Menschen meines Standes Umgang hast.
Lass die einfachen Leute unter sich bleiben. Warte noch.
Ich werde ein Haus f�r uns bauen lassen. - Ein Haus?
Freust du dich nicht?
Doch, aber ...
.. das geht alles sehr schnell. - Warum?
Ich will noch in diesem Jahr heiraten.
Wir m�ssen doch wissen, wo wir wohnen.
(Es klopft.)
Ja, bitte?
Fr�ulein Gottschalk schickt mich.
Sie fragt ob Gesa Langwasser sie besuchen k�nnte.
Ob Sie Fr�ulein Gottschalk besuchen k�nnten? - Es ist sp�t.
Es ist sehr dringend. Bitte.
Ja, nat�rlich.
Ich ziehe mir nur schnell etwas an.
Aber alleine lasse ich dich nicht durch die Nacht gehen.
Ich w�rde gern allein mit Gesa sprechen.
Wir haben keine Geheimnisse voreinander.
Aber ich habe Geheimnisse vor Ihnen.
Aber das wussten Sie sicher vorher auch schon.
Ich wollte dich fragen, ob du meine Hebamme wirst.
Du bist die Einzige, der ich trauen kann.
Ich arbeite nicht mehr und werde heiraten. Mein Verlobter wartet.
Im Brief deiner Mutter stand,...
...sie hat dir nie die ganze Wahrheit gesagt. Ich sollte das tun.
Meine Eltern.
Wenige Tage, bevor meine Mutter gestorben ist bei meiner Geburt.
Das tut mir leid.
Ich bin bei meinem Vater aufgewachsen.
Als ich 17 war, hat mein Vater sich in meine beste Freundin verliebt.
Diese beste Freundin war deine Mutter.
Ich habe es erst bemerkt, als Bele schwanger war, mit dir.
Die beiden hatten mich verraten.
Zumindest habe ich das so gesehen.
Ich bin dann weg aus Wien und hierher.
Mein Vater wollte Bele heiraten, er wollte mit euch leben.
Aber er wollte auch mich nicht verlieren.
Er ist hierhergekommen, wollte meinen Segen.
Ich habe ihn gezwungen, dass er Bele nie wiedersieht ...
...und ihm gedroht, dass er sonst keine Tochter mehr hat.
Lebt er noch?
Er ist nie dar�ber hinweggekommen und zwei Jahre sp�ter gestorben.
Kein Wort sagst du zu mir.
Schickst mich weg und behandelst mich wie Luft.
Es tut mir leid.
Aber mit dem Kind eines Selbstm�rders denkst du dir,...
...so eine Schwester w�re hilfreich?
Du wei�t das mit Lambert?
(Eine T�r geht auf und zu.)
(Schluchzen)
Wo ist Gesa?
(Schluchzen)
Clemens!
Nein!
Gesa!
Gesa!
Mein Gott, das war er.
Was will der noch hier?
Vielleicht hat er es auf Lotte abgesehen.
Will nachholen, was er damals nicht geschafft hat.
Oder er wollte schon damals dich.
Was nur passiert w�re, wenn ich nicht dazugekommen w�re.
Wir m�ssen was tun!
Ich denke, wir sollten eine B�rgerwehr aufstellen.
Eine hervorragende Idee.
Ich bin in jedem Fall dabei.
(Sie st�hnt.)
Was ist dir?
Es geht los. Hol die Elgin.
Schnell, hol die Gottschalk. G�tze, du gehst mit.
Nicht, dass das Ungeheuer den Weibern auflauert.
Soll ich vielleicht so lange?
Wir wollen nicht weiter st�ren. Alles Gute.
Ich kann doch ... - H�r auf jetzt!
(St�hnen)
Da ist was. Ich kenne das nicht.
Malvine!
(Wiehern)
Ich bin Hebamme, ich habe einen Eid geleistet.
Du bist meine Frau und arbeitest nicht.
Ich h�tte helfen k�nnen.
Das geh�rt sich bei uns nicht, und dar�ber diskutiere ich nicht.
Mach einen Rotwein-Zimt-Trunk.
Sie hat Schmerzen, alles ist voller Blut.
Ist das ein Zeichen f�r einen Jungen?
Weil er es eilig hat und st�rker ist?
M-M-M-M-aria.
Pauli, was ist los?
Die Wasser sind gebrochen. - Und wer ist bei ihr?
Lotte. Ich muss zu den St-St-St...
(Frauenschreie) (Lotte:) Bleib liegen! Nicht pressen!
Lotte, was ist hier los? - Atmen!
Raus hier!
Nicht pressen!
Die Kinder kommen!
Erst wenn der Medicus und die Studenten da sind!
Nicht pressen! Liegen bleiben! Atme!
(Schreie) Atme!
Raus hier! Raus mit dir! - Lass mich!
Lass mich!
Du hast hier nichts zu suchen!
Ich muss auf den Stuhl! Ich muss auf den Stuhl!
So weit sind wir noch nicht.
Ich muss es drehen.
(sto�weiser Atem)
(br�llend:) Gesa!
Mach die T�r auf!
(Professor:) Sofort aufmachen!
(Lotte:) Mach auf!
(Richter:) Wenn Sie in der Kirche dazu aufrufen,...
...werden wir genug Freiwillige finden.
Ich muss es nur erst dem Bischoff unterbreiten.
Wir haben einen Notfall.
Wir brauchen einen Medicus. - Hol den Professor, G�tze!
Und jetzt alle Kraft in die n�chste Wehe!
Sehr gut! Sehr gut!
(H�mmern)
Ich sehe das K�pfchen! Da ist es!
Herr Medicus! Die Frau Richter braucht Ihre Hilfe!
Ein Notfall.
(schwach zitternder Atem)
So grad.
Alles wird gut.
Ein M�dchen?
Ein M�dchen.
(St�hnen)
Nicht noch mal.
Doch. Das schaffen wir jetzt auch noch.
Geben Sie ihr das. Das wird die Schmerzen lindern.
(Sie st�hnt und �chzt.)
Die bisherigen Geburten haben ihre Spuren hinterlassen.
Deshalb gibt es jetzt ein Problem.
Du hattest recht, Elgin.
Stirbt es mit mir?
Das muss nicht sein.
Der Professor kann es retten.
Ein Kaiserschnitt. Sie wissen, was das bedeutet?
Holen Sie das Kind?
Ben�tigen Sie meine Assistenz? - Ja.
Geben Sie mehr Opium.
Mehr k�nnen wir nicht tun.
Mama!
Anna!
(Das Baby brabbelt.)
Magst du deine Schwestern begr��en?
(Das Baby weint.)
Es tut mir leid.
Sie haben das Kind gerettet.
Danke.
Bringen Sie es ihm.
Seinem Vater.
Ist alles gut gegangen?
Sie haben einen Sohn.
(Das Baby weint.)
Schau doch mal, Gesa.
Ist das nicht gro�artig?
Bitte, Gesa, das ist doch kindisch.
Hier, schau.
(flehend:) Bitte.
Es ist doch vollkommen egal, was ich sage oder denke.
Du entscheidest doch sowieso alles. - Ich tue das nur f�r dich.
Daf�r m�sstest du erst mal wissen, was ich �berhaupt will.
Gut.
Was willst du?
Ich h�tte sie nicht schlagen d�rfen.
Wie bitte?
Elgin.
Nach dem, was sie dir angetan hat?
Sie ist meine Schwester, ganz egal, was sie getan hat.
Versto�e ich sie jetzt, mache ich den gleichen Fehler wie sie damals.
Und was willst du stattdessen tun?
Sie kennenlernen.
Mehr �ber unseren Vater erfahren.
Und �ber unsere Mutter, als sie so alt war wie ich.
Einfach eine Familie haben.
Aber Gesa, ICH bin deine Familie.
Du hast mich gefragt, was ich will.
Ich muss ins Institut.
(getragene Musik)
(Klicken)
(Sie zieht den Atem ein.)
(Vogelzwitschern)
(Ein Feuer knistert.)
(leises Schluchzen)
(Schritte)
(Aufschrei und treibende Musik)
(Gesa schreit.)
Verschwinde!
Elgin, geht's? - Ja.
Bleib weg!
Die sind zu zweit!
Ich habe gesagt, du sollst wegbleiben!
Ich bin ihm gefolgt.
(Elgin w�rgt und hustet.)
Ich will euch nur helfen.
(Keuchen)
(bedrohliche Musik)
(sph�rische Musik)
(Man h�rt nur die Musik.)
Marburg war nicht mehr dieselbe Stadt am n�chsten Morgen.
Und ich war nicht mehr dieselbe Frau.
Der Mann, den ich heiraten wollte, hatte 13 Menschen ermordet.
Ich hatte nichts von all dem bemerkt.
Gegen�ber dem Richter legte er ein umfassendes Gest�ndnis ab.
Er hatte gemordet, um neues Material f�r sein Institut zu bekommen.
Meinetwegen wollte er mit dem Morden aufh�ren.
Vielleicht w�re er nicht r�ckf�llig geworden,...
...wenn Lotte nicht so �ber ihn geredet h�tte.
Sein verletzter Stolz wollte, dass diese Frau stirbt.
Als das misslang, da musste ein S�ndenbock her.
So wurde ein Unschuldiger beinahe zu Tode gefoltert.
Er liebte mich, und er wollte mich besch�tzen.
Aber er wollte mich f�r sich ganz alleine haben.
Er wollte mich nicht mit anderen Menschen teilen.
Dieser geniale Anatom wollte mich besitzen.
Genau wie seine Leichen.
Wir alle geh�rten ihm.
Die Zeit heilt alle Wunden.
Das stimmt tats�chlich.
Ich hatte zwar den Mann verloren, den ich zu lieben glaubte,...
...aber eine Schwester gewonnen, die viel mehr f�r mich wurde.
Mutterersatz, Freundin und nicht zuletzt Kollegin.
Denn eins war nun klar.
Ich konnte endlich meinen Traum verwirklichen.
Ich konnte endlich in die Fu�stapfen meiner Mutter treten ...
...und eine gute Hebamme werden.
(epische Musik)
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