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Claas!
Claas!
Wo steckt er denn?
Da bist du ja. Stellst du bitte die Stühle etwas ran?
Kannst du dir wenigstens was Ordentliches anziehen?
Danke schön.
Kommt hier so um mich rum. Fridtjof, komm, wir machen 'n Foto.
Äh, wo ist denn Sascha? Weiß jemand, wo?
Gut, machen wir ohne ihn das Foto.
Bist du so weit? Und...
Rita!
Prima. Jetzt könnt ihr spielen.
Sascha... Ja? - Dahinten im Weiher! Nora!
Was? - Ja, dahinten im Weiher!
Da ist sie. - Oh, na...
Oh... Schnell! Holen Sie 'nen Arzt!
Geht zurück! Zurück mit euch!
Ab ins Haus, ihr geht zurück ins Haus!
Alle zurück ins Haus! Los!
Doch. Zum Abendessen bin ich wieder zu Hause.
Ich bring meiner Schwester die Sachen, wir quatschen -
endlich mal.
Ja.
Tschüss, Christoph.
Da bin ich.
Ah... Stell's hier ab. Danke.
Ich dachte, wir trinken 'n Kaffee.
Ist grad kein so 'n guter Moment. Lass uns wann anders, ja?
Hallo. Hey.
Okay.
Danke für die Kiste. Gern geschehen.
Ruf an.
Ja? "Hallo Pia,
leblose Person im Mammolshain."
"Spusi ist vor Ort." Okay, ich komme.
Hey, Pia. Hallo, Christian.
Unten ist schon freigegeben. - Morgen.
Morgen.
Schwellung am Handgelenk.
Starke Fäulnisveränderung,
partielle Mumifizierung...
Auch schon da? Hallo, Henning.
Hallo, Pia.
Wo ist Oliver?
Gerade war er noch da.
Kannst du schon was sagen?
Jetzt mal nicht so ungeduldig, Frau Sander.
Hast du 'nen Hund gesehen?
Austritt von Fäulnisflüssigkeit aus Mund und Nase.
Ich lass dich mal...
Schwellung am Handgelenk links...
Guten Morgen. Guten Morgen.
Da bist du.
Hallo.
Jetzt hab ich dich wieder an der Backe.
Selber schuld. Willst du's wirklich durchziehen?
Was denn? 80 Prozent
und immer pünktlich nach Hause.
Unbedingt.
Mal sehen, ob du's durchhältst.
Wirst du schon sehen.
Gut, was haben wir?
Der Tote ist Theodor Reifenrath, 92 Jahre alt.
Die Zeitungsfrau fand ihn.
Sein Briefkasten war sehr voll.
Der wohnt allein in dem großen Haus? Mhm.
Traurig.
Ja.
Die Vermutung war: Unfall eines vereinsamten Mannes.
Aber die Haustür stand offen und der Tresor ist leer.
Außerdem fehlt sein Wagen, silberner Mercedes, Jahrgang '88.
Hm.
Legen wir los?
Du drinnen, ich draußen.
"Nummer 1: Dienstag, 10.10 Uhr."
"Wenn Ihr Köter keine Ruhe gibt,
ruf ich die Polizei!"
Das hätten Sie mal tun sollen.
"Nummer 2: Dienstag, 17.05 Uhr."
"Hallo? Papa?"
"Ich bin's. Rufst mich mal zurück?"
"Nummer 3: Mittwoch, 8.12 Uhr."
"Papa?"
"Papa!"
"Papa, bitte geh ran. Ich weiß, dass du da bist."
"Nummer 4: Donnerstag, 20 Uhr."
"Theo."
"Theo, jetzt bitte geh ran."
"Ich bin's, Joachim. Ich steck hier in Petersburg fest."
"Komm erst in drei Tagen."
"Ich probier's bei Ramona noch mal."
"Nummer 6: Freitag, 7.30 Uhr."
"Du, Papa, ich mach mir langsam Sorgen."
"Meldest du dich mal bitte?"
"Nummer 7: Freitag, 9.10 Uhr."
"Theo, ruf um 17.15 Uhr an."
"Danach bin ich in einem Termin."
Nummer 8.
Hey.
Oh, du. Du schaffst das.
Kathrin, komm mal schnell.
Bring ihn bitte gleich zum Tierarzt, ja?
Mach ich.
Da bist du. Der arme Hund.
So lange ohne Fressen und Trinken, er ist ganz dehydriert.
Bist du fertig?
Ich fahr jetzt ins Institut. Und kannst du jetzt was sagen?
Stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Gesichtsschädel, Ursache noch unklar.
Nach der Sektion weiß ich mehr.
Seit wann interessierst du dich für Hundefutter?
Das ist kein Hundefutter.
Das ist ein menschlicher Knochen.
Was?
Das ist 'ne Hand.
Meinst du, Reifenrath war das?
Tötet drei Menschen, vergräbt sie im Garten
und ist damit einfach davongekommen.
"Nummer 1: Dienstag, 10.10 Uhr."
"Wenn Ihr Köter keine Ruhe gibt, ruf ich die Polizei!"
"Nummer 2: Dienstag, 17.05 Uhr."
"Hallo? Papa?
"Ich bin's. Rufst mich mal zurück?"
"Nummer 4: Donnerstag, 20 Uhr."
"Ich bin's, Joachim."
"Ich steck hier in Petersburg fest. Komm erst in drei Tagen."
"Ich probier's bei Ramona noch mal."
"Freitag, 9.10 Uhr."
"Theo, ruf um 17.15 Uhr an."
"Danach bin ich in einem Termin."
Die anderen sind schon drin. Sofort.
Theodor Reifenrath, Todesursache noch unbekannt.
Todeszeitpunkt: ca. vor zehn Tagen.
Wer sind die drei Frauen?
Es gibt keine Vermisstenmeldung.
Wer hat sie getötet und unter dem Zwinger vergraben?
Ein Mörder, der Opfer in Folie wickelt.
Und vielleicht selbst umgebracht wurde.
Das ist die Frage: Ist Reifenrath der Mörder?
Wenn nicht, wusste er von den Leichen im Garten?
Hat der Mörder der drei Frauen auch Reifenrath umgebracht?
Lasst euch nicht stören.
Kai, was hast du recherchiert?
Theodor Reifenrath war verheiratet mit Rita Reifenrath.
Sie haben zusammen Pflegekinder großgezogen.
Dann war das so 'ne Art Kinderheim? Ja, von 1976 bis '87.
Das Jugendamt schickt uns die Liste der Kinder,
das wird aber ein bissl dauern.
Das sind die Anrufe von seinem AB.
Ehemalige Pflegekinder und Fridtjof Reifenrath.
Der Sohn? Enkel.
Seine Mutter starb mit 19 an einer Überdosis.
Die Großeltern nahmen ihn bei sich auf.
Der Fridtjof Reifenrath?
Kommt mir auch bekannt vor.
Reifenrath ist CEO der DEHOL, ein DAX-Unternehmen,
das seit Wochen in der Presse ist wegen einer geplatzten Fusion.
Fridtjof Reifenrath ist zurzeit in den USA,
meldet sich aber dann zeitnah bei uns.
Und seine Großmutter? Lebt sie noch?
Rita Reifenrath hat 1995 Suizid begangen.
Laut Datenbank wurde sie vermisst gemeldet.
Später wurde ihr Auto am Rheinufer gefunden.
Allerdings nicht die Leiche.
Ist sie eine der To... Wissen wir nicht.
Gibt's sonst noch Verwandte? Nein.
Okay.
Wir fangen mit Reifenraths letzten Kontakten an, den Pflegekindern.
Haben sie was mit Reifenraths Tod zu tun?
Was wissen sie von den drei Frauenleichen?
Oliver?
Kommst du mal?
Danke für den Tipp. Ganz liebe Grüße an Karoline, ja?
Ich werd's ihr ausrichten.
Ganz liebe Grüße an Karoline? Dein Ernst?
Sie hat ihr mit einer Immobiliensache geholfen.
Während deinem Sabbatical, haben wir eng zusammengearbeitet
und sie hat nichts Persönliches zu mir gesagt.
Nie! So ist sie halt.
Sie ist mit meiner Schwester zusammen.
Seit drei Jahren.
Sie ist praktisch meine Schwägerin. Eben.
Liegt's an mir? Bin ich komisch, hab ich was falsch gemacht?
Sie will ihr Privatleben schützen. Vor mir?
Vor jedem. Kim wird immer mehr wie sie.
Das normalisiert sich irgendwann.
Bei mir hat's auch Jahre gedauert.
Das will ich mir gar nicht vorstellen, du und die Engel.
Ist ja auch 'ne Ewigkeit her.
Und funktioniert hat's auch nicht.
Henning?
Ach, du bist dabei?
Ich freu mich auch, dich zu sehen.
Zu den Frauen kann ich noch nicht viel sagen.
Aber eins ist sicher: Rita Reifenrath ist nicht dabei.
Die Toten sind viel jünger, als sie bei ihrem Verschwinden war.
Was ist mit Theodor Reifenrath?
Ein Sturz, die Treppe runter. Zu der typischen Kopfverletzung
passt die Fraktur am linken Handgelenk.
Er hat noch versucht, sich abzufangen.
Keine Anzeichen auf Fremdeinwirkung? Nein.
Wir gehen von einem altersbedingten Schwächeanfall aus.
Bist du sicher?
Ich mach.
Ja?
Kripo Hofheim, Sander.
Bodenstein, guten Tag. Wir würden gern mit Ihnen sprechen.
Sie hätten vorher anrufen können.
Frau Lindemann.
Wir müssen Ihnen leider mitteilen,
dass Ihr Pflegevater verstorben ist. Mein Beileid.
Setzen Sie sich doch bitte.
Ich wollte heute hinfahren.
Kann ich Papa noch mal sehen?
Nach abgeschlossener Obduktion dürfen Sie sich verabschieden.
Sie haben ihn in den letzten zwei Wochen oft angerufen.
Ja, die ganze Zeit. Wir waren im Urlaub.
Joachim sollte sich kümmern, aber der saß in Petersburg fest.
Joachim? Joachim Vogt? Auch eines der Pflegekinder?
Außer meinem Mann und mir hat er sich als Einziger gekümmert.
Ihr Mann? Sascha Lindemann, auch Pflegekind.
Dann ist er praktisch Ihr Bruder?
Wir sind nicht blutsverwandt.
Bitte.
Ist Ihr Mann zu Hause? Nein, wieso?
Wir würden ihn gerne sprechen.
Er ist weg. Vertreter für Futtermittel.
Weiß nicht, wann er kommt. Kriegen wir seine Nummer?
Äh, ja. Moment.
Können Sie uns eine Liste mit allen Namen der Pflegekinder geben?
Frau Lindemann?
Ja?
Könnten Sie uns eine Liste mit allen Namen der Pflegekinder geben?
Das waren viele.
Alle, die Ihnen einfallen? Das wäre eine große Hilfe.
Ich versuch's, ja.
Danke.
Hatte Ihr Vater Feinde?
Nein.
Niemand, mit dem er Streit hatte? Nein.
Der Hundezwinger - wann wurde der gebaut?
Ende der 90er.
Da hatte Papa noch die zwei Schäferhunde.
Wer hat ihn gebaut?
Papa.
Beim Betonieren haben...
sicherlich auch Sascha...
und Joachim mitgeholfen.
Entschuldigung.
Frau Lindemann,
wir haben drei tote Frauen unter dem Hundezwinger gefunden.
Fridtjof.
Fridtjof?
Was hat er damit zu tun?
Das ist ein Verbrecher.
Wie meinen Sie denn das?
Was wissen Sie darüber?
Ich weiß gar nichts.
Ich spüre das.
Fridtjof.
Alles in Ordnung.
Guten Tag, Kripo Hofheim.
Wir haben einen Termin mit Herrn Vogt.
Gehen Sie bitte durch. Danke schön.
Hätte nicht gedacht, dass mich das so mitnimmt.
Eigentlich wollte ich mich um ihn kümmern,
solange Sascha und Ramona im Urlaub sind.
Dann kam dieser blöde Unfall in Sankt Petersburg dazwischen.
Theo...
Sind Sie das?
Ja.
Mit Fridtjof.
Fridtjof Reifenrath.
Mein bester Freund damals.
Jetzt nicht mehr? Wir haben uns aus den Augen verloren.
Er ist ein... seltsamer Zeitgenosse, oder?
Fridtjof? Ja.
Sagt wer? Ramona Lindemann.
Ach, Ramona...
Ramona hat ein großes Herz, aber nicht den größten Verstand.
Sie halfen damals Ihrem Pflegevater, den Hundezwinger zu bauen.
Ja.
Wann war denn das?
Das ist ewig her...
25 Jahre.
Damals waren die Schäferhunde noch da.
Ist Ihnen dabei was aufgefallen?
Was meinen Sie?
Beim Bauen. War irgendwas ungewöhnlich?
Was denn ungewöhnlich? Nee.
Wir haben unter dem Zwinger drei Frauenleichen geborgen.
Sie haben was?
Wie... Wo...
Wo kommen die her?
Wer sind die Frauen?
Wir haben sie noch nicht identifiziert.
Was genau war damals Ihre Aufgabe?
Sascha und ich haben die Bodenplatte gegossen.
Ursprünglich wollten wir den Zwinger neben die Garage stellen,
weil es da kein Fundament gebraucht hätte.
Aber Theo wollte unbedingt seine Hunde vom Fenster aus sehen.
Da konnte er wahnsinnig stur sein.
Er hat einen riesigen Busch ausgegraben, um Platz zu schaffen.
Er hatte an der Stelle also bereits gegraben?
Er hat die Vorarbeit gemacht.
Den Busch ausgegraben, den Untergrund vorbereitet.
Waren Sie dabei? Nee, das war fertig.
Und Sascha? Genauso, der ist mit mir gekommen.
Wir haben nur noch betoniert.
Ja, aber nicht, was Sie denken. Um Gottes willen.
Theo hat damit nichts zu tun. Er war schwierig, ja, aber...
Was genau heißt schwierig?
Trinker, Choleriker.
Aber innen drin ein feiner Mensch.
Choleriker?
Wenn er wütend war und betrunken,
da konnte er schon ziemlich heftig werden.
Auch gegen die Kinder? Es ging alles gegen Rita.
Er hat Rita geschlagen?
Ja.
Rita hat sich das Leben genommen, nicht?
Ja, sagt man.
Sie zweifeln dran?
Ich war damals nicht hier. Hab studiert in Berlin.
Kann nix Konkretes zu sagen.
Aber man hat ihre Leiche ja nie gefunden.
Fridtjof!
Fridtjof, kommst du bitte!
Seltsam mit Rita.
Wenn Reifenrath sie auch umgebracht hätte,
wo ist dann ihre Leiche?
Kröger soll das ganze Grundstück mit dem Bodenradar absuchen.
Vielleicht liegt da ja noch mehr vergraben.
Ich sag ihm Bescheid.
Wo soll ich dich absetzen?
Im K11?
Ernsthafte Frage?
Zu Hause! Ganz vergessen.
Guten Morgen.
Jetzt habe ich mich schon an dich gewöhnt.
Dann bin ich ja beruhigt.
Kein Hinweis auf sexuellen Missbrauch.
Konntet ihr sie denn identifizieren?
Diese hat mein Kollege erkannt.
Stell dir mal vor, nach knapp 30 Jahren.
Durch die luftdichte Folie wurde die Verwesung behindert
und die Fettwachsbildung begünstigt.
Darum sind sie so gut erhalten.
Und wer ist sie?
Annegret Münch, Stewardess. Vermisst seit 1993.
Er kennt das Gesicht
von den Fahndungsaufrufen an der Bushaltestelle.
Ist doch irre, oder? Allerdings.
Und die anderen? Ja, da sind wir noch dran, aber...
das hier wird helfen.
Schick mir gleich mal ein Foto. Hast du schon.
Wir haben jetzt die Identitäten der drei Frauen.
Annegret Münch, 32 Jahre alt, wird seit 1993 vermisst.
Wochen später findet man ihr Auto, abgeschlossen in einem Waldstück.
Mandy Simon, 21 Jahre alt, 1990 verschwunden.
Und Jutta Schmitz, 42 Jahre alt, '96 vermisst gemeldet.
Gibt's 'ne Verbindung der drei Frauen zu Theodor Reifenrath?
Oder zu einem der Pflegekinder? - Bis jetzt nicht.
Rita Reifenrath bekam für ihr Engagement
als Pflegemutter das Bundesverdienstkreuz.
Das hier ist Elfriede Schröder, Sachbearbeiterin beim Jugendamt.
Sie vermittelte damals alle Kinder zu den Reifenraths.
Lebt sie noch? Nein.
Aber interessant wird's trotzdem.
In den Akten lag ein anonymer Beschwerdebrief.
Ein Pflegekind schreibt von schweren Misshandlungen.
Wann war das? - 1985.
Im Gutachten von Frau Schröder findet sich dazu aber nichts.
Vogt sagte, dass Reifenrath seine Frau schlug,
aber nie die Kinder.
Von Misshandlung war nie die Rede.
Und Ramona sprach nur positiv von ihrem Pflegevater.
Aber wir hatten den Eindruck, dass sie etwas verheimlicht.
Auch was Ritas Suizid betrifft. Vogt hat daran Zweifel.
Ramona Lindemann war 1995 bei der letzten Muttertagsfeier dabei.
Sie muss was wissen.
Nicht da.
Mensch, Ramona! - 'tschuldigung.
Juhu! Sehr schön, bravo!
Ach Kinder, es ist so schön, euch alle wiederzusehen.
Jetzt setzt euch hin. Es gibt Kuchen.
Alles Gute zum Muttertag, liebe Rita.
Danke, danke.
So, guckt euch das an hier, diese prachtvolle Torte.
Wo ist mein Platz?
Wir haben gar nicht mehr mit dir gerechnet.
Du, nimm meinen. Ich muss eh los. Der Kleine hat Fieber.
Was macht der hier?
Alles Gute, Mutti.
Theo...
Claas feiert heute mit uns.
Der verlässt sofort dieses Grundstück, ja?
Ja, ja... kein Stress. Ist schon okay.
Du bleibst!
Du bleibst.
Theo.
Ähm.
Wir sehen uns später. Viel Spaß noch!
So, dann greift zu.
Es ist genug da. Lasst es euch schmecken.
Hier ist Bienenstich. Wer will Bienenstich?
Ich komm dann morgen und hol meine Sachen, ja?
Ähm, ja, ja, gut.
Sie schon wieder.
Wir haben noch ein paar Fragen.
Können wir kurz reinkommen?
Frau Lindemann, ist Ihr Mann da? Nein.
Herr Lindemann.
Guten Tag.
Bodenstein, Kripo Hofheim.
Das ist meine Kollegin, Frau Sander. Guten Tag.
Ich hab einen Termin, ich muss... Nur kurz!
Sagen Ihnen die Namen: Annegret Münch, Jutta Schmitz
und Mandy Simon etwas?
Sag doch was.
Kennst du die?
Nein. - Er kennt sie nicht.
Zudem muss er jetzt los. Er verliert sonst seinen Kunden.
Könnten Sie danach? Das geht bis spät.
Ich mach die Dispo.
Kommen Sie morgen früh ins Kommissariat, gegen acht.
Geht das?
Rita?
Frau Lindemann, war Ihr Pflegevater gewalttätig?
Was ist denn das für eine Frage?
Gab es Misshandlung in Ihrer Familie?
Nein.
Das Rumhacken auf der Familie, da mache ich nicht mit.
Uns ging's gut.
War das bei einer Muttertagsfeier?
Ja.
Da waren Sie schon erwachsen. '95, oder?
Genau, das war ein Ehemaligentreffen.
Kurz darauf verschwand Ihre Mutter.
Ja.
Kann es sein, dass Ihr Vater...? Nein, das kann nicht sein.
Warum haben Sie ihn dann wieder freigelassen?
Wen denn?
Claas!
Claas Reker, Ihren Pflegebruder?
Sie wissen doch, was er mit seiner Frau gemacht hat.
Nein. Was?
Der ist ihr nachgestiegen, hat sie bedroht.
Der Mann gehört weggesperrt.
Rita hat das von Anfang an gewusst.
Was hat Rita gewusst?
Das fing alles mit Nora Bartels an. Wer ist Nora Bartels?
Ein Nachbarsmädchen. Die ist '81 im Weiher ertrunken, am Muttertag.
Und was hat Reker damit zu tun?
Na, Rita wusste, dass es Claas war. Deswegen musste er weg.
Der Claas, der ist nicht ganz richtig im Kopf.
Wurde der Tod des Mädchens damals polizeilich untersucht?
Keine Ahnung. Ich meine, ich war elf.
Wir waren alle total geschockt.
Haben Sie Reker irgendwann mal wiedergesehen?
Nein, ich weiß nur, dass er aus der Klapse raus ist.
Wissen Sie, wo wir ihn finden können?
Keine Ahnung.
Bitte schön. Schuhe aus. - Mhm.
Es ist von einem Unfall die Rede.
Laut Akte ist sie ins Wasser gefallen und ertrunken.
Kein Hinweis auf Fremdeinwirkung.
Warum beschuldigt Ramona Claas Reker?
Er war in der forensischen Psychiatrie:
Stalking seiner Ex-Frau.
Er ist seit Februar wieder auf freiem Fuß,
derzeit ohne feste Meldeadresse.
Arbeitet er wieder? Hat durch Vogt einen Flughafen-Job.
Er ist gerade für ein paar Tage freigestellt.
Wir müssen ihn sprechen. Ruf alle an, die wissen könnten, wo er ist.
Freunde, Familie, Kollegen, die Ex-Frau...
Mach ich.
Macht Oliver wieder auf Sabbatical? Nein, im Gegenteil.
Ich hab was Besonderes für dich. Also für euch.
Vielleicht bin ich ja doch ein Genie.
Hast du je daran gezweifelt? Nicht wirklich. Pass auf:
Bei der Sektion der Fettwachsleichen sind wir auf ein Phänomen gestoßen.
Beim Einfrieren bilden sich Eiskristalle,
die die Zellstruktur durchbohren.
Das Gewebe zerplatzt wie Mineralwasser im Eisfach.
Was willst du damit sagen?
Die Leichen waren eingefroren, bevor sie vergraben wurden.
Das erklärt, wo sie zwischengelagert wurden.
Ist Erfrieren auch die Todesursache? Nein.
Das hier deutet auf einen Elektroschocker hin zur Betäubung.
Siehst du die weißlichen Anhaftungen?
Ja.
Ein Mensch unter Wasser hält im Reflex die Luft an.
Geht einem die Luft aus,
kommt es zu Inspirationen und hustenartigen Expirationen.
Nachdem der Leichnam geborgen wird,
bildet sich durch Verringerung des Lungenvolumens
und der Vermischung von Luft, Wasser, Ödemflüssigkeit, Blut
und Bronchialschleim ein Schaumpilz vor Mund und Nase.
Also ertrunken?
Meine Hypothese, ja. Das Muster ist bei allen gleich.
Sie wurden mit einem Elektroschocker betäubt,
in Frischhaltefolie gewickelt, ertränkt und danach eingefroren.
Morgen. Morgen.
Mitfahrgelegenheit? Super. - Ja, genau.
Wie lange bis nach Frankfurt? - Wenn's gut läuft, vier Stunden.
Wir haben nicht drei Leichen. Mindestens sechs.
Schmitz, Simon, Münch. In den 90ern vermisst,
unterm Zwinger vergraben, das Tötungsmuster immer dasselbe:
In Folie gepackt, ertränkt, eingefroren.
Ich bin in der Datenbank fündig geworden.
Eva Scholle, Rianne van Vuuren, Elke von Donnersberg.
Ihre Leichen wurden ebenfalls in Frischhaltefolie gewickelt,
elektrogeschockt und sind ertränkt worden.
Scholles Leiche wurde erst 2019 gefunden.
Heißt, der Täter lebt unter Umständen noch.
Unterschiedlich alt, unterschiedliches Aussehen,
unterschiedliche Herkunft.
Es muss eine Gemeinsamkeit geben. Gibt es.
Zweiter Sonntag im Mai: Sie sind alle am Muttertag verschwunden.
Rita Reifenrath ist auch nach der Muttertagsfeier verschwunden.
In drei Tagen ist Muttertag.
Wir brauchen einen Fallanalytiker.
Am liebsten wieder deine Schwester. Ist das okay?
Von mir aus schon. Aber für die Engel? Ich weiß nicht.
Ich klär das ab. Mach das.
Katharina, kommst du mal?
Wir dürfen Kim anfragen. Super.
Hier geht's rein.
Gut.
Rita.
Hallo. Du, es tut mir leid wegen neulich.
"Kein Problem. Wenn du mal sprechen willst - jederzeit."
Es ist einfach so viel Stress, an allen Fronten.
Nur kurz eine berufliche Frage.
"Ich brauche fachliche Beratung, es geht um einen Serienmörder."
Grad schwierig.
"Warum fragt ihr mich?" Oliver hat dich vorgeschlagen.
Was sagt die obere Etage? Inge? Die ist einverstanden.
"Gibt's da ein Problem?"
Na ja, ich... Ich muss mit Nicola sprechen.
"Ich sag dir dann Bescheid." Wann?
"Ich sprech heut Abend mit ihr, melde mich morgen. Ciao, Pia."
Und?
Sie bespricht's mit der Engel. Immerhin.
Ich hab gerade mit Kai telefoniert. Von Reker immer noch keine Spur.
Seine Ex-Frau ist telefonisch nicht erreichbar,
bei ihr zu Hause ist niemand.
Rekers Chef sagt, dass morgen um 15 Uhr seine Schicht beginnt.
Angeblich kommt er immer pünktlich. Das ist doch schon mal was.
Danke.
Wir sehen uns noch, ja?
Professor Siebert. - Haben wir einen Termin?
Nicht wirklich, aber ich könnt's Ihnen erklären.
Gut. Sie haben Glück, dass Sie mich überhaupt noch erwischen.
Das ist mein letzter Tag hier.
Oh ja, dann will ich Sie gar nicht lange aufhalten.
Bitte.
Also, die Sache ist die: Meine Mutter ist vor Kurzem verstorben
und da hab ich erfahren, dass sie gar nicht meine richtige Mutter war.
Das tut mir leid.
Ja, es fühlt sich so an, als hätte ich sie zweimal verloren.
Ich kann Ihnen eine gute Therapeutin empfehlen.
Danke, brauch ich nicht. Ich möchte meine leibliche Mutter finden.
Das ist Ihr gutes Recht. Aber was wollen Sie von mir?
Christine Fischer war Ihre Patientin, Praxis Dr. Sprung.
Sie haben ihr bei der illegalen Adoption geholfen.
Das muss eine Verwechslung sein.
Tut mir leid, da kann ich Ihnen nicht weiterhelfen.
Ich muss jetzt wirklich fertig packen.
Alles, was ich brauch, ist ihr Name.
Ich weiß es nicht. Ich habe nichts damit zu tun.
Wenn Sie jetzt bitte gehen.
Ich zeig Sie an.
Bei der Ärztekammer. Ich hab Beweise.
Moment. Moment, Sie können nicht...
Überlegen Sie sich es doch einfach.
Ich bin bis morgen Abend in Frankfurt. Schönen Tag noch.
Hier ist Martina. Es geht um... Ja, am besten, du rufst mich zurück.
Es ist sieben. Morgen.
So wird das nichts mit der Work-Life-Balance.
Rita Reifenrath wurde erschossen.
In ihrer Wirbelsäule steckte ein Projektil, Kaliber 22.
Mhm.
Hat Kim sich schon gemeldet?
Nee, noch nicht.
Reifenrath ist gleich da. Übernimmst du Sascha Lindemann?
Mhm.
Milou!
Milou!
Milou!
Haben Sie einen kleinen, weißen Hund gesehen?
Nee, sorry.
Milou!
Jetzt ist der abgehauen und ich muss zur Probe.
Milou!
So ein kleiner, weißer Puschel.
In welche Richtung ist er denn davon?
Hier irgendwo im Gemüse.
Milou!
Wissen Sie was...
ich helfe Ihnen suchen.
Das wär prima.
Wie groß ist er denn?
So ein Kleiner.
Sieht man nicht im Gras.
Danke, Oskar.
Ringfinger.
Ich will nicht drängen, aber ich hab noch einen wichtigen Termin vor mir.
Das hier ist auch ein wichtiger Termin.
Selbstverständlich. Danke, Herr Reifenrath.
Kommen wir zur Sache:
Wir fanden auf dem Grundstück Ihres Großvaters drei Frauenleichen.
Was wissen Sie darüber?
Nichts.
Ehrlich gesagt, ich bin schockiert.
Bitte, Herr von Bodenstein,
mein Name darf in diesem Zusammenhang nicht auftauchen.
Wie ist Ihre Großmutter gestorben?
Selbstmord. Das müsste in den Akten stehen.
Wir fanden im Brunnenschacht ihr Skelett.
Es war kein Suizid.
Können Sie was dazu sagen? Nein.
Waren Sie auf der letzten Muttertagsfeier,
nach der Ihre Großmutter verschwunden ist?
Pia, kommst du mal bitte?
Äh, nein, ich war nicht da.
Schön, dass Sie da sind.
Tag. Tag.
Es dauert noch einen ganz kleinen Moment.
Obwohl...
Wie war das Verhältnis
zwischen Ihren Großeltern und den Pflegekindern?
Ist das jetzt 'ne öffentliche Veranstaltung, oder wie?
Hallo, Fridtjof.
Kommen Sie. Setzen Sie sich.
Also, wie war das Verhältnis zu den Pflegekindern?
Können wir nicht ungestört reden? Beantworten Sie einfach meine Frage.
Gut. Rita hat sich gut um diese Kinder gekümmert.
Sie war streng, streng aber gerecht. - Gerecht...
Du hast uns bei Rita immer schlechtgemacht.
Hattest ein eigenes Zimmer. Sie haben dir alles gegeben.
Viele der Kinder waren verhaltensauffällig, gestört.
Brauchten eine harte Hand.
Ramona zum Beispiel hat als Kind immer geklaut, das war pathologisch.
Rita musste ihren Geldbeutel verstecken.
Ich hab nicht geklaut. - Oder die wertvolle Karaffe.
Weißt du noch? Das Erbstück. Einfach kaputt.
Du hast sie runtergeschmissen und mich dann beschuldigt!
Er ist doch schuld, dass Rita mich bestraft hat.
Sascha, sag doch was! Bestraft? Was hat sie getan?
Mich bestraft wegen ihm! Was genau?
In der Badewanne untergetaucht.
In die Tiefkühltruhe gesperrt.
Sascha. Hey! Sascha! Sag mal: War Ramona eine Diebin oder nicht?
Sag, es stimmt! Sie haben dich in Folie gewickelt wegen ihm
und er hat zugeguckt. Sag's bitte!
Ramona ist eine notorische Lügnerin.
Ich lüge nicht! Du lügst, Arschloch! Wir brechen das hier jetzt ab.
Halten Sie sich zu unserer Verfügung.
Sie wissen, wo Sie mich finden. Tschüss, Ramona. Tschüss, Sascha.
Du elendes Schwein! - Alles Gute.
Ich möchte mit Ihrem Mann sprechen.
Wenn Sie bitte kurz draußen warten. Kommen Sie.
Es dauert nicht lang.
Herr Lindemann, was Ihre Frau da gesagt hat...
Diese Methoden. War das so?
Hat Rita...
Wir müssen wissen, was damals passiert ist.
Lassen Sie ihn in Ruhe. Sascha. Sascha.
Es ist alles gut.
Bis der Teller leer ist.
Und wenn sie es nicht mag?
Sei still, Sascha. Sonst bist du der Nächste!
Du isst jetzt!
Wenn das stimmt, was sie sagt,
dann hätten wir eine Erklärung für das Tatmuster und ein Motiv.
Dann ist der Täter, den wir suchen, eines der Pflegekinder.
Hast du Zweifel?
Wenn Reifenrath Recht hat und sie lügt?
Das mit der Folie ist so speziell. Woher sollte sie das wissen?
Und das mit der Tiefkühltruhe. Das kann kein Zufall sein.
Was bedeutet das? Dass Ramona und/oder Sascha die Täter sind,
dass sie replizieren, was man ihnen angetan hat?
Okay, wir müssen klären, wer von Pflegekindern
von den Foltermethoden betroffen war.
Ich spreche noch mal mit Joachim Vogt.
Sie war da nicht gerade zimperlich, sagen wir so.
Was heißt das? Sie konnte hart bestrafen.
Was für Strafen? Da war sie ziemlich einfallsreich.
Mal wurde man mit dem Kopf unter Wasser gedrückt,
mal an den Stuhl gefesselt, bis die Hausaufgaben erledigt waren.
So Sachen.
Wie gefesselt? Mit Folie.
Normale Haushaltsfolie. Hat sie das bei allen gemacht?
Bei ihrem Enkel natürlich nicht.
Nur bei den Kindern, die nicht gespurt haben.
Claas, zum Beispiel, Ramona. André.
Der lebt gar nicht mehr.
Und Sie? Hat sie es bei Ihnen auch gemacht?
Ich war der beste Freund von Fridtjof.
Das war ein gewisser Schutz.
Im Großen und Ganzen ging's uns gut,
und manche der Kinder waren tatsächlich schwierig.
Verhaltensauffällig, einige sogar kriminell,
es war nicht immer einfach für sie.
Das ist natürlich kein Grund, sie zu misshandeln.
Theo und Rita waren angewiesen auf das Geld vom Jugendamt
und auf der anderen Seite mit den Kindern total überfordert.
Sie wirken so abgeklärt. Als hätte Ihnen das nichts anhaben können.
Ich habe schnell verstanden, dass... ich da nur heile rauskomme,
wenn ich gut bin in der Schule
und der beste Freund von Fridtjof bleibe.
Und andere Kinder waren da nicht so intelligent.
Und auch weniger stabil. Die haben natürlich mehr gelitten.
Sascha, Ramona... Die haben es richtig abgekriegt.
"Hier Siebert. Leider kann ich Ihnen nicht weiterhelfen."
"Ich habe wirklich alles versucht, Frau Fischer."
"Ich wünsche Ihnen alles Gute. Tut mir leid."
Scheiße.
Ja?
Entschuldigen Sie bitte. Frau Sander.
Haben Sie eigentlich schon mit Kim gesprochen?
Warum?
Wir wollten sie doch als Beraterin.
Ach so, ja. Nein, also sie hat... Sie hat keine Zeit.
Ich hab jemanden anderen angefordert.
Kim hat bei dem Stalking-Prozess ein Gutachten über Claas Reker verfasst.
Sie hat wichtige Informationen.
Besorgen Sie das Gutachten.
Ich kann sie leider nicht erreichen. Könnten Sie vielleicht?
Gut. Ich werde das Gutachten anfordern. Sonst noch was?
Nein. Danke.
Gehen wir von der Hypothese aus,
der Täter wurde von Rita gequält und hat so das Tatmuster entwickelt.
Dann wären Fridtjof und Vogt draußen, oder?
Und die, die wir noch nicht gesprochen haben?
Haben wir geprüft, die sind tot, im Ausland oder haben ein Alibi.
Bleiben Ramona, Sascha und Claas.
Würde Ramona so offen reden, wenn sie die Täter wären?
Bleibt Claas Reker.
Hat sich seine Ex-Frau mittlerweile gemeldet?
Nein. Aber ihre Mutter meint, dass Sandra Reker
eng mit Ramona Lindemann befreundet ist.
Wir fahren hin.
Und?
Ja?
Wir würden gerne Frau Reker sprechen.
Woher wissen Sie, dass sie da ist? Es ist dringend.
Der weiß, wo ich wohne. Ich kann nicht mehr in meine Wohnung.
Warum haben Sie es nicht gemeldet? Weil die Polizei nicht hilft.
Wo können wir ihn finden? Keinen Ahnung.
Der Typ ist krank.
Der spielt allen was vor. Und alle fallen auf ihn rein - ich ja auch.
Gibt es alte Freunde, wo er unterkommen kann?
Der hat doch nur Feinde. Und er will Rache.
An mir, der Richterin, der Gutachterin.
Der Gutachterin? Dr. Freitag? Ja, genau.
"Die muss auch zahlen." Das hat er wörtlich gesagt.
Alle müssen zahlen. Und ich zuerst.
Bleiben Sie erst mal hier, Frau Reker,
wir werden Opferschutz für Sie organisieren.
"Hinterlassen Sie eine Nachricht."
Sie geht nicht ran.
Lass uns hinfahren, ich mach mir Sorgen.
"Bin in einer Besprechung."
Das ist alles? Ja.
Wenn sie in einer Besprechung ist, kann sie nicht schreiben.
Ist komisch.
Ja, Kai?
"Reker ist pünktlich zur Schicht erschienen,
sollen sie ihn festnehmen?"
Nee, die sollen dranbleiben. Wir kommen sofort hin.
"Alles klar, weiß ich Bescheid."
Entschuldigung. Kripo Hofheim.
Ah! Sie wollen sicher zu Claas Reker.
Ja.
Pia? Jens.
Hi, was machst denn du hier? Beruflich.
Das ist mein Kollege von Bodenstein.
Ah, wow. Wir kennen uns von früher.
Äh, ja. Reker ist schon da, der ist eigentlich immer ziemlich pünktlich.
Dann bring ich euch mal hin. Sehr gerne.
Ich bin hier zuständig für 60 km Gänge
und Schächte auf drei verschiedenen Ebenen.
Das sind ja insgesamt 70.000 Quadratmeter Technik-Anlagen.
Manche Räume habe ich noch nie gesehen.
Beeindruckend. Was genau macht Reker hier?
Klimatechnik. Im Moment wartet er die Brandschutzklappen.
Ist er nicht Maschinenbauingenieur? Ja, der ist überqualifiziert.
Aber er kam aus der Psychiatrie, da muss man nehmen, was man kriegt.
Wir konnten Ihren Wohnort nicht ermitteln.
Ich hab noch keine Wohnung, ich bin vorübergehend
im Gartenhaus eines Kollegen untergekommen.
Wir haben im Haus von Theodor Reifenrath
Ihre Fingerabdrücke gefunden.
Ich bin mal bei ihm untergekrochen.
Wann genau?
Im Februar, als ich aus der Anstalt gekommen bin.
Wann haben Sie ihn das letzte Mal gesehen?
Im Februar.
Reifenraths Tresor war leer und das Auto ist weg.
Der Mercedes steht hier auf dem Personalparkplatz,
hat er mir geliehen. Geliehen?
Ja.
Sie lebten als Kind bei den Reifenraths
bis zum Tod von Nora Bartels. Ja.
Rita hat Sie verwiesen, angeblich, weil Sie schuld am Tod waren.
Sagt sie, damit hat sie mein Leben zerstört.
Rita?
"Claas, der Mörder" - den Makel wirst du nicht mehr los,
klebt wie Scheiße am Schuh, immer die alte Geschichte.
Ich sage Ihnen: Ich bin unschuldig.
Wer war es dann? Das weiß ich nicht.
Das könnte jeder aus dem Dorf gewesen sein.
Nora hatte viele Feinde.
Sie war schön... und durch und durch böse.
Ein junges Mädchen, durch und durch böse,
klingt nach einem bedenklichen Frauenbild.
Ja, klar. Die guten Frauen, der böse Claas.
Sie sind genau wie die anderen,
wie meine Ex, wie die Richterin, wie Rita - die ganzen Fotzen.
Wie die Gutachterin? Vorverurteilung.
Bedrohten Sie Ihre Frau? Nein!
Haben Sie ihr nachgestellt? Nein, okay?
Zusammenreißen oder wir nehmen Sie mit!
Auf den Boden!
Haben wir's jetzt?
Sie sind vorläufig festgenommen. Ich geh nicht mehr in die Klapse!
Hey! Spinnst du? - Kleine Erfrischung.
Du hast gesagt, heute. - Ich hab gar nichts gesagt.
Du hast es versprochen.
Nö. Hab ich nicht.
Was machst du da? - Ich schaukle das Boot?
Claas, hör auf damit. - Nö.
Doch, hör auf damit. Wir kippen gleich um.
Tun wir nicht. Komm, gib mir deine Hand.
Na komm. Ich halt dich fest, wir kippen nicht um.
Doch, hör auf! - Ich halt dich fest.
Hör auf!
Du Vollidiot! - Selber schuld. Zicke.
Hey, bleib da! Stopp!
Ich häng fest! Hilfe!
Entschuldigen Sie bitte.
Ich wollte Ihnen keine Angst machen.
Herr Reker, wo waren Sie am 13. Mai 1990?
Das war kurz nach meiner Ausbildung. War auf Mallorca.
Sie wissen genau, wo Sie am 13. Mai '90 waren?
Ja, da hab ich auf einer Baustelle in Palma gearbeitet.
Wo waren Sie am 9. Mai 1993?
Da hab ich in Essen studiert.
Und nebenher in einer Metallfirma gearbeitet.
12. Mai '96?
Hab auf einem Containerschiff angeheuert,
da war ich das ganze Jahr in der Welt unterwegs.
Das wird man alles überprüfen können.
Ja.
Am 10. Mai '98? Zur See.
12. Mai 2019? Untersuchungshaft.
10. Mai 2020. Stationär.
In der forensischen Psychiatrie. Ja.
Sagen Ihnen die Namen Mandy Simon, Annegret Münch, Jutta Schmitz,
Elke von Donnersberg, Eva Scholle und Rianne van Vuuren etwas?
Nie gehört.
Wie verbringen Sie denn den Muttertag?
Gar nicht. Das ist ein Nazi-Tag. Ich hab keine Mutter.
Am Tag, bevor Rita Reifenrath verschwunden ist, 1995,
da waren Sie bei ihr zu Besuch. Ja, kurz.
Dann hat die Gute mich rausgeschmissen.
Wie ist Rita Reifenrath gestorben?
Weiß ich doch nicht, war nicht dabei.
Geht es um Bestrafung?
So wie Rita ihre Pflegekinder bestraft hat und Sie Ihre Frau?
Immer auf den Sündenbock.
Aber einer wie Fridtjof kann sich alles erlauben.
Kann die größte Scheiße der Welt bauen.
Schauen Sie mal im Keller nach.
Das hängen Sie mir dann auch noch an. Was ist im Keller?
Machen Sie Ihre Arbeit gut? Sie machen Ihre Arbeit gut, oder?
Sie haben gesagt, Sie haben Theodor Reifenrath
zuletzt im Februar gesehen.
Das Auto, das Sie sich geliehen haben,
war aber im April noch bei ihm.
Nach dem Prozess hatten Sie Geldschwierigkeiten.
Sie haben dem Anwalt 11.000 Euro geschuldet.
Letzte Woche haben Sie das Geld zurückgezahlt.
Woher der plötzliche Geldsegen?
Ich weiß genau, was hier abgeht. Aber nicht mit mir.
Ich sag euch jetzt, was passiert ist, und ihr lasst mich gehen.
Ich hab Geld gebraucht für einen Anwalt und ein neues Auto.
Zumindest bis ich eine neue Wohnung hab.
Ich hab Theo angerufen, er wollte mir helfen.
Wir waren am 3. Mai verabredet. Wann haben Sie angerufen?
25. April.
Als ich dann zu ihm gekommen bin, lag Theo tot im Flur.
Schöne Scheiße.
Ich habe hin- und herüberlegt, aber ändern konnte ich nichts mehr,
also hab ich das Geld genommen,
das er schon für mich hergerichtet hatte.
Ich hab den Hund in den Zwinger getan,
damit er dem Toten nichts tut.
Ich wusste, dass Joachim am nächsten Tag kommen sollte,
der hätte ihn gefunden und den Hund rausgeholt.
Ich wusste nichts vom Unfall in Sankt Petersburg,
sonst hätte ich es anders gemacht.
So, ich kenn meine Rechte.
Ich hab alle Fragen ehrlich beantwortet,
ich hab für alle Morde ein Alibi.
Sie haben nichts gegen mich in der Hand,
was vor einem Ermittlungsrichter standhalten würde. Nichts.
Ich geb Ihnen jetzt die Adresse von dem Gartenhaus,
in dem ich zurzeit wohne.
Und Sie werden das jetzt alles in aller Ruhe überprüfen
und dann werden Sie mich gehen lassen...
... müssen. Vielen Dank.
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